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Kuhland: ein Heimatroman

Kuhland: ein Heimatroman

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Kuhland: ein Heimatroman

Länge:
239 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Jan. 2014
ISBN:
9783847670261
Format:
Buch

Beschreibung

'Kuhland' ist in einer Allgäuer Kleinstadt und ihrer ländlichen Umgebung angesiedelt und lebt auch von einem starken Bezug auf das Land in dem er spielt.
Der Roman handelt von dem Wunsch nach Glück durch die Wiederkehr des immer Gleichen; und natürlich auch um die Hindernisse dabei, durch gesellschaftliche Einflüsse und durch Befindlichkeiten und Begehrlichkeiten der Menschen.
Mittelpunkt der Erzählung sind Benni, Kioskbesitzer, der sich lieber mit den Kühen unterhält als Bücher zu lesen.
Der Roman schildert die Episode eines Sommers auf dem Land, Menschen, die aufeinander treffen und wieder auseinandergehen; alle getrieben vom Wunsch nach dem Glück im Immergleichen, die, die das Glück zu haben glauben, wollen es behalten, andere möchten mit Gewalt, dass es wieder so wird wie es einmal war. Ein Hühnerstall fliegt in die Luft und zwei Personen verschwinden. Und die Leiterin der Polizeidienststelle steht vor einem Rätsel.
Die Geschichte hat keinen Plot, auf den sie sich hinbewegt, auch kein Ende, aber trotzdem wird sich doch am Ende des Sommers für einige der Personen das Leben verändert haben.
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Jan. 2014
ISBN:
9783847670261
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Kuhland - Toma Behlsum

Inhaltsangabe

Prolog 1

1

Auf dem Land ist es oft laut

2

Benni steht früh auf, weil die Natur zu laut zum Schlafen ist, und wird deshalb von den Zwillingen verspottet

3

Er geht zur Arbeit, Benni betreibt einen Kiosk am Stadtplatz

4

Jan und Trisch haben Umzugspläne, wollen vorher aber in einem Café noch etwas bestellen

5

Ruth, zu erfolgreiche Ermittlerin, wird in die Kleinstadt strafversetzt

6

Brigitte will zu Hause bleiben

7

Ihr Mann Karl-Heinz will aber gerne in Urlaub fahren

8

Franz kann Teneriffa nicht leiden

9

Franz bekommt den Auftrag für eine Skulptur für die Westallgäuer Käsestraße, ein Grund zur Verzweiflung

10

Karla, eine frühere Freundin von Franz, besucht ihn überraschend

11

Brigitte verlässt Karl-Heinz und zieht zu Franz

12

Brigitte besucht Trisch in ihrem neuen Zuhause

13

Franz geht in die Kneipe und verlässt sie dann doch wider heimlich, als Karl-Heinz auftaucht

14

Ruth muss jetzt, statt zu ermitteln, die Sicherheit bei Nazifilmvorführungen gewährleisten

15

Benni trifft Trisch beim Discounter Norma

16

Trisch fährt Sonntagnachmittag in Urlaub nach Bregenz

17

Oskar, Bauunternehmer, muss für die Stadtverwaltung einen neuen Investor treffen, es ist Jan

18

Benni trifft auch Jan, auf einem Mountainbike in seinem Kräutergarten

19

Benni und Trisch fangen Mäuse und färben deren Schwänze grün

20

Bennis Haus am Hang rutscht ab, Benni muss vorübergehend ausziehen

21

Er zieht, vermittelt von Oskar, in die Neubausiedlung am Stadtrand

22

Er bringt seine Hühner im Garten unter, was auf Missbilligung der Nachbarn stößt

23

Brigitte schläft schlecht

24

Benni schläft auch schlecht und schaut nach seinem schiefen Haus und besucht dabei eher zufällig Brigitte

25

Brigitte und Benni unterhalten sich über Füchse, dann geht Brigitte wie jeden Tag laufen

26

Karla kommt aus dem Haus und unterhält sich mit Benni

27

Trisch Brigitte und Benni wandern auf das Gottesackerplateau

28

Der temporäre Hühnerstall fliegt in die Luft

29

Ruth kommt zu Benni wegen des Hühnerstalls

30

Benni bringt die toten Hühner zu seinem Freund Klaus in die Wirtschaft für Hühnerfrikassee

31

Benni und Trisch schauen fernsehen

32

Oskar und Jan treffen sich im Club zu Investorengesprächen

33

Benni geht ins Kino

34

Brigitte und Karla machen einen Sonntagsspaziergang durch Lindenberg, dann schläft Brigitte ein

35

Ruth verhaut Karl-Heinz, dann verhaftet sie ihn, lässt ihn aber später wieder frei

36

Die Skulptur zur Käsestraße wird eingeweiht

37

Ruth verhört Benni nochmals, weniger wegen dem Hühnerstall, mehr wegen möglicher Verbindungen zu Jan

38

Benni trifft Jan bei sich zu Hause, Jan ist aber tot.

39

Walt, der Ehemann von Karla, besucht Benni mit einer Pistole

40

Trisch kommt an und dann fliegen Jan und Walt durch die geschlossene Wintergartenverglasung davon.

41

Benni unterhält sich mit Ruth, die das alles beobachtet, aber nicht eingegriffen hat.

42

Karl-Heinz hat auch alles beobachtet und wird daher wieder einmal verhaftet.

43

Die beteiligten Personen gehen ihrer Wege

44

Klaus und seine Frau Maria besuchen den Herbstmarkt und sehen Jan und Walt vorbeifliegen

45

Bennis Haus ist wundersamer Weise gerade jetzt wieder begradigt und Benni geht nach Hause.

46

Karla, jetzt Witwe, und Brigitte, deren Mann verhaftet wurde,  unterhalten sich

47

Trisch, jetzt Witwe, zieht wieder nach München und übernimmt die Geschäfte ihres Mannes

48

Benni ist wieder in seinem Kiosk am Stadtplatz wie früher auch

49

Oskar bringt die Tickets für Arkansas vorbei

50

Franz und Benni fliegen nach Arkansas, Brigitte und Karla besuchen

Prolog 2

51

Sie stehen auf dem Parkplatz in Brasil und werden von Christina in einem roten Pickup abgeholt.

52

Sie verbringen einige Zeit in Arkansas

53

Ruth erklärt ihren Vorgesetzten die Vorgänge und wird wieder als Ermittlerin eingesetzt

54

Benni unterhält sich mit den Kühen

Hinweis

Der Roman spielt in und um einen Ort genannt Lindenberg im Allgäu.

Ein Lindenberg im Allgäu gibt es übrigens wirklich, der Lindenberg im Allgäu genannte Ort im Roman allerdings ist frei erfunden, es gibt im echten Lindenberg keinen Kiosk am Stadtplatz und meines Wissens auch keinen Klub, und über die realen Fähigkeiten der Bürgermeister kann ich kein Urteil abgeben. Ebenso sind leider auch alle Figuren und Handlungen frei erfunden und wurden nicht von realen Figuren und Vorkommnissen der Vergangenheit oder Gegenwart abgeleitet.

Darauf hingewiesen sei hierbei aber auch noch, dass in Romanen nicht selten Versatzstücke aus dem wirklichen Leben des Autors enthalten sind, jedoch ohne dass damit vom fiktiven Leben Rückschlüsse auf das wirkliche Leben gezogen werden können.

Ein Beispiel:

Der Autor kennt eine rothaarige Frau, mit der er sogar befreundet ist, und die eine kunstvoll drapierte Frisur auf dem Kopf trägt. Will er nun eine seiner Romanfiguren für den Leser durch ein besonderes Aussehen wiedererkennbarer und prägnanter machen, entscheidet er sich für kunstvoll drapierte rote Haare, die kennt er, die braucht er nur noch aus dem Gedächtnis zu beschreiben. Leider aber hat er gerade diese Romanfigur als unsympathische, berechnende Rivalin der liebreizenden blonden Protagonistin gezeichnet. Die echte Rothaarige liest natürlich sein Buch, schließlich sind sie befreundet, erkennt sich anhand der Frisur darin wieder und schickt ihm eine SMS, dass er sich fortan bei ihr nicht mehr blicken zu lassen brauche, wenn er so von ihr dächte.

Ein völlig falsches Verhalten, aber leider nicht auszuschließen, es nützt mitunter nicht einmal, die Merkmale verschiedener Bekannten zu mischen, das hat schon Goethe erfahren, der im Werther die blauen Augen von Charlotte Buff / Kestner mit den schwarzen Augen von Charlotte von La Roche / Brentano vertauscht hat, was ihm und dann noch nach Jahrhunderten Thomas Mann in Lotte von Weimar große Probleme eingebracht hat.

Nicht in Ordnung ist es allerdings, wenn echte Figuren einfach ausgeschlachtet werden, wie Arnold Schönberg in Thomas Manns Doktor Faustus als Adrian Leverkühn, Erfinder der Zwölftonmusik, der im Roman Syphilis hat und verrückt wird. Arnold Schönberg, der – zeitgenössische und mit Mann bekannte – echte Erfinder der Zwölftonmusik, der keine Syphilis hatte und nicht verrückt wurde, hat sich zu Recht sehr darüber geärgert, ja gegrämt, wie seine Tochter noch heute verbittert berichtet.

Sollte sich aber bei Kuhland tatsächlich jemand wiedererkennen, so liegt das einzig an dessen Selbstüberschätzung.

Auch das im Roman enthaltene Produktbashing dient einzig der Dramaturgie und gibt keine Auskunft über die tatsächliche Qualität dieser Produkte. Daher ist jede Ähnlichkeit der erwähnten Produkte mit tatsächlich existierenden Produkten gleichen Namens rein zufällig.

Prolog

Bis vor 3 Jahren und 3 Monaten war Benni im erst Bonner, dann Berliner Innenministerium zuständig für die Rückführung umstrittener Kulturgegenstände, was bedeutet, dass Sammlungen oder Einzelstücke, die sich als Beutekunst irgendwo im Ausland in Privathand befanden, oder die von der Bundesrepublik als geeignet dafür angesehen wurden, das nationale Ansehen zu heben, von dem Land, in dem sich die Objekte zwar im offiziellen oder auch inoffiziellen Handel befanden, jedoch mit einem Ausfuhrverbot belegt worden waren, von der Bundesrepublik über Mittelsmänner mittellegal angekauft wurden. Danach wurde es still um die Stücke, bis nach einer angemessenen Zeit Gras über die Sache gewachsen war und sie als Ankauf einer Kulturstiftung wieder auftauchten und als Dauerleihgabe an ein Museum gegeben wurden.

Das Amt, das Benni leitete, bestand aus ihm selbst, einer Sekretärin und einem älteren Herren, der gleichzeitig als stellvertretender Dienststellenleiter, Dolmetscher für 6 Sprachen, Kunsthistoriker und Bürobote fungierte. Da es das Amt aber gar nicht gab, tauchte es auch nirgendwo in Tätigkeitsberichten oder Rechnungsberichten auf. Benni hat sich auch nie die Mühe gemacht herauszufinden, ob denn wenigstens das Außenministerium Bescheid wusste.

Da nicht existente Stellen immer in der Chefetage direkt neben der Geheimdienstkoordinierung angesiedelt sind, um normale Mitarbeiter fern zu halten, begegneten sich Benni und der Kanzleramtsminister mehrmals täglich. Am Morgen des Tagen, an dem er unfreiwillig zum zukünftigen Kioskbetreiber werden sollte, wurde er vom Kanzleramtsminister, der Benni in der Regel nicht oder bestenfalls mit einem kaum erkennbaren Kopfnicken zur Kenntnis nahm, herzlich begrüßt, als sie sich auf dem Gang begegneten, gerade als er zwei Minuten nach 9 Uhr aus dem Lift kam, für den man einen eigenen Schlüssel braucht. Benni wusste, dass das irgend etwas eher weniger Gutes bedeutet, vergaß die Sache dann aber wieder.

Um 11 Uhr 15 rief dann die Sekretärin des für ihn zuständigen Staatssekretärs seine Sekretärin an und übermittelte ihm einen Besprechungstermin für 14 Uhr. Die Mitteilung erreichte ihn allerdings erst um 13 Uhr 55, da er von 11 Uhr bis 11 Uhr 45 eine Unterredung mit einem seiner Kontaktleute hatte und danach in die Kantine gegangen war und lustlos, aber wegen der Unkenntnis des bevorstehenden Termins entspannt Rehmedallions mit Kartoffelkroketten sowie Bayerische Creme mit Himbeermark gegessen hatte. Außer dem Fleisch, das strohtrocken war, schmeckte alles wie aus Halbfertigmischungen zusammengerührt, was es schließlich auch war. Danach hatte er im Park hinter dem Ministerium in der Süddeutschen Zeitung die Berichte über die Innenpolitik gelesen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Für Mitte Juni war es recht kalt, und wenn er nicht ohne Jackett losgegangen wäre, wäre er noch später wieder ins Büro zurückgekommen.  Als er dort von dem Termin erfuhr, begab er sich unverzüglich zum Büro des Staatssekretärs, das auf der gleichen Etage, jedoch in einem anderen Flügel liegt, von wo er von dessen Sekretärin in den Besprechungsraum geführt wurde, in dem ein Dutzend hässliche und grobschlächtige Stühle an einem dazu passenden Tisch stehen, kein Telefon, keine Bilder. Dort wartete er nun.

Nach 20 Minuten hatte Benni keine Hoffnung mehr auf einen für ihn befriedigenden Ausgang des Tages. Der Staatssekretär, ein mit seinen Stühlen vergleichbar hässlicher, grobschlächtiger Mann, traf weitere 17 Minuten später ein und bat den seit nunmehr 37 Minuten allein auf einem der 12 hässlichen Stühle sitzenden Benni, Platz zu nehmen. Benni konnte nun nichts mehr überraschen. Und so erschien es ihm in Anbetracht der vorhergegangenen Merkwürdigkeiten nur konsequent, dass der hässliche Staatssekretär ihm eröffnete, dass auf Grund bestimmter Konstellationen, die mit dem EU-Assoziierungsabkommen  verschiedener osteuropäischer Staaten zusammenhängen und den sich daraus abgeleiteten politischen Konsequenzen, seine Stelle aufgelöst werden wird.

‚Sie meinen, dass für irgend jemanden ein politisches Opfer fällig wird.’

Der Staatssekretär, der keine Lust hatte, Benni wissen zu lassen, dass er selber nur Anweisung befolgt, ging nicht darauf ein.

‚Wir sorgen selbstverständlich weiter für unsere Leute, sagte er großzügig. ‚Ihrem Stellvertretenden Dienststellenleiter haben wir eine attraktive Vorruhestandsregelung ausgearbeitet, und auch für Fräulein Hildegard werden wir etwas Passendes finden.’ 'Fräulein Hildegard’ war Bennis Sekretärin. Von Benni selbst hinsichtlich ‚was Passendes’ war nicht die Rede.

Er dankte dem Staatssekretär trotzdem und fragte nach seiner Abfindung, was zunächst heftigen Widerspruch hervorrief. Man einigte sich schließlich auf etwa die Hälfte, was Benni zeigte, dass der hässliche Staatssekretär bereits vorab mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet worden war. Benni bestand darauf, die Abfindung sofort und in bar ausbezahlt zu bekommen, was keinerlei organisatorische Probleme aufwarf.

Benni, der wichtige Unterlagen, Adressen und Dokumente immer schon bei sich zu Hause, keinesfalls im Ministerium aufbewahrte, wo er nie wissen konnte, wer darin rumschnüffelte, packte noch am selben Tag seine wenigen persönlichen Sachen sowie das Geld in eine Aktentasche, verabschiedete sich von seinem stellvertretenden Dienststellenleiter und seiner Sekretärin und verließ das Ministerium für immer.

Danach fuhr er zu seinem Appartement und packte auch dort seine Habseligkeiten zusammen, die hier weniger als einen halben Koffer füllten. Er war ohnehin wegen seiner häufigen Reisen kaum 90 Tage im Jahr in Berlin gewesen. Daher hatte er es möbliert gemietet und sich nie die Mühe gemacht, dem Appartement eine persönliche Note zu geben, ebenso wie er darauf verzichtet hatte, sich wegen eventuell drohender Einsamkeit mit einer möblierten Dame in ähnlicher Lage anzufreunden.

Zuletzt stellte er die Aktentasche und den halbleeren Koffer im Flur ab, inspizierte nochmals gründlich die Wohnung und brachte den Müll hinunter. Danach rief er die Frau seines Staatssekretärs an, die im Gegensatz zu ihrem Mann so schön ist, dass das Gerücht umgeht, er müsse irgend etwas gegen sie in der Hand haben, und die ihm bei seinem letzten Pflichtcocktailempfang ihr Leid über ihren Mann geklagt hatte. Er teilte ihr mit, dass er gerade ausgezogen sei, die Miete für das Appartement noch für über 3 Monate bezahlt sei und es ihr zur Verfügung stünde. Die Frau des Staatssekretärs bedankte sich so überschwänglich, dass es ihm fast peinlich war. Trotzdem empfand er auch ein wenig Genugtuung.

Dann fuhr er mit dem ICE nach München zu seiner ehemaligen Freundin, die in eine Schlosserei im Hof eines düsteren Gründerzeitblockes gezogen war, das freigeworden war, als der 92 jährige Schlosser 1997 seinen Betrieb aufgegeben hatte und zu seiner 62 jährigen Tochter nach Bielefeld gezogen war, und die ihn mehrfach eingeladen hatte, ‚mal vorbeizukommen’ wenn er in München wäre.

Dort angekommen stellte er die Aktentasche und den halbleeren Koffer vor der Türe ab und teilte seiner ehemaligen Freundin mit, dass er eine Weile hier wohnen würde, was sie kommentarlos entgegennahm, woraufhin er Koffer und Tasche nach drinnen trug. Ein Überblick über seine finanzielle Lage ergab, dass er sich keine aktuellen Sorgen machen musste und er darüber hinaus im Besitz von einem großen alten Haus im Allgäu ist, das seit dem Tod seines Vater vor 16 Jahren leer steht.

Woher das Geld im Koffer ist, daran kann er sich jetzt nicht mehr erinnern, auch als seine ehemalige Freundin ihn fragte, was geschehen sei, antwortete er, das wisse er nicht.

1

Viele Menschen denken, auf dem Land, tausend Meter Luftlinie weg von der nächsten asphaltierten Straße und 500 Meter Luftlinie vom nächsten Haus, da ist es ruhig. ‚Ach, ist es hier schön ruhig’! sagen sie dann, als sie ankommen, nur weil sie fest daran glauben. Zu viele Menschen wohnen an stark befahrenen Straßen, deshalb wirbt der Fremdenverkehrverband ja auch mit der himmlischen Ruhe in freier Natur. Das aber ist gelogen. Das Gegenteil ist der Fall, auf dem Land ist es laut, wie die Touristen dann auch alsbald merken. Die Vögel, die Grillen, der Bach, die Kuhglocken, die Kirchenglocken. Die Kühe und die Frösche. Viele Dezibel kommen da zusammen. Vogelgezwitscher geht gerade noch, aber nur, wenn es keine Rabenvögel wie Raben, Krähen, Eichelhäher und Elstern sind. Auch Frösche und Kirchenglocken sind der Ruhe nicht förderlich.

Die Touristen fühlen sich um die versprochene Stille betrogen und beschweren sich dann beim Fremdenverkehrsamt, reden von ordinärem Gequake und dringen auf die Entfernung der Frösche als nicht endemisch im näheren Umkreis von Frühstückspensionen, und auf Stilllegung der Kirchenglocken, da sowieso niemand mehr in die Kirche gehe. Das Fremdenverkehrsamt schickt sie dann zur Entspannung in ein Motel an der Autobahn, oder rät zu einer Zugfahrt, immerhin können auch die Stöße der Eisenbahnschienen beruhigen, wenn man dabei an Piroschka oder an Lieselotte Pulver denkt, und alle sind wieder zufrieden.

2

Die Nacht über war die laute Natur draußen noch vom Regen übertönt worden, aber als der Regen aufhört wacht Benni auf und kann nicht mehr einschlafen. Er steht auf, schließt das Fenster, es ist feucht im Zimmer, aber nicht unangenehm. Er geht ins Bad, prüft sein Gesicht im Spiegel, es sagt ihm nichts, er wäscht es, danach schaut es noch genau so aus, geht in die Küche, die sich in einer Ecke des Wohnzimmers befindet, das den ganzen vorderen Teil des Erdgeschosses einnimmt, und will Kaffee kochen, das heißt, er will die Espressomaschine anmachen.

In seiner Küche sitzen schon zwei große dünne Mädchen, die Zwillinge Anne und Ulla, nur welche nun Anne und welche Ulla ist weiß er nicht. Ob sie schon auf sind oder gar nicht schlafen waren ist nicht ersichtlich, die Zwillinge kommen immer

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