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Schlechtes Blut: Historischer Kriminalroman
Schlechtes Blut: Historischer Kriminalroman
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eBook214 Seiten2 Stunden

Schlechtes Blut: Historischer Kriminalroman

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Über dieses E-Book

Ein normaler Freitag für die Inspektoren Littlewood und Nichols von der Lehman Polizeiwache in Whitechapel.Ein Totschlag, eine Messerstecherei mitten im Revier und der Mord an einer Krankenschwester, mit dem Gesicht eines Engels, aus dem nahen London Hospital. Eine Prostituierte im Londoner East End macht die grausige Entdeckung: In einer der heruntergekommenen Gassen von Whitechapel liegt eine junge Frau. Sie wurde brutal erdrosselt. Eine Krankenschwester aus der zweiten klasse Krankenstation des London Hospital. Walter Littlewood und seine Kollegen machen sich auf die Spurensuche durch das London von 1885. Durch die elenden Straßen der glanzvollen Metropole bis in die Stadthäuser der Elite. Die Tote war eine Krankenschwester, die wegen ihres sonnigen Gemüts und Charmes bei Ärzten und Patienten beliebt war. Doch jemand scheint sie bis gehasst zu haben.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum17. März 2019
ISBN9783748588153
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    Buchvorschau

    Schlechtes Blut - A Bexhill

    1 KAPITEL

    Walter Littlewood stand im Eingangsbereich seines Stadthauses in einer Gegend, wo man ansonsten Botschafter, Bankdirektoren und die verstädterte Aristokratie, aus der ganzen Welt mit ihren Dienstboten vorfand. Das Gaslicht brannte und er war Hin und hergerissen zwischen Pflicht und Eitelkeit und warf wieder einen schnellen Blick auf die silberne Taschenuhr in seiner Hand. Er besah prüfend sein Spiegelbild im Kristallglas. Die schwere von Douglas Wright gebaute Standuhr aus Tropenholz tickte leise vor sich hin in den Abend. Die Schwierigkeit bei seiner Neigung zum buschigen Bartwuchs war, dass die Spitzen seines Schnurrbarts abknickten oder, wenn das Bartwachs getrocknet war, sie auseinander sprangen wie Borsten. Und sein rotbrauner Schnauzer ihm das Aussehen eines Walrosses verlieh. So kam er sich jetzt auch vor, wie ein Meerestier mit rosigen und prallen Wangen, nur eben zweibeinig und nicht kriechend. Und er war in seiner Abendkleidung und in wenigen Minuten mit passender Kopfbedeckung, einen Bowler. Er gab es selber zu, er war kein Adonis, er ging nicht einmal in der eigenen Meinung, als passabel durch. Er hatte alle Möglichkeiten ausprobiert, einmal einen Backenbart getragen, einen Vollbart, oder sich nach spanischer Mode rasiert. Egal was er tat, er war nicht für einen gemacht und außerdem war er zu dick. Er war nicht in dem Alter, wo die Gesellschaft einem Gentlemen gestattete Fett anzusetzen. Würde man nur keinen Bart brauchen, um eine Karriere im Dienst zu machen, aber das war eine reine Illusion. Als Constable, als Türklopfer wurde einem höchstens ein kleiner Schnauzer gestattet, aber je weiter man die Treppe der Ränge emporstieg, umso wichtiger wurde der eigene Bart. Ein Inspektor mit glatt rasiertem Gesicht machte nicht nur sich, sondern auch seine Polizeiinspektion lächerlich. Was half es, er musste eben als Walross mit hellroten Schnauzborsten durchs Leben gehen. Er sah in den Schrank aus argentinischem Zitronenholz. Im obersten Fach ruhten für diese Woche vier Hüte. Einer passte einzig für Ausritte auf Land, der andere bei einem Ritt im Hyde Park. Ein Reithut war ein absolutes Muss, sobald man von gewisser Stellung war und einen Sattel unterm Hintern hatte. Es kam nicht einmal auf das Reiten an, der Hut machte eine fehlerhafte Haltung mehr als weg. Sein Diener, legte ihm die Sachen heraus und auf ihn war immer verlass. Vier Hüte die Woche, nur einer mehr und er wirkte wie einer der Stutzer. Littlewood hielt inne und betrachtete skeptisch den silbernen Bartkamm in seiner Hand und rief nach Beistand.

    »Joseph!« Er wartete und nichts geschah. Er rief ein Zweites mal, etwas drängender und so laut das seine Stimme durch das feine Haus am King's Crescent in Pimlico schallte. »Joseph! Komm eine Minute her, es ist wirklich lebenswichtig!«

    »Moment, Sir!«, erwiderte jemand mit vollem Mund aus Richtung der großen Küche. Am Morgen kam Misses Grenger und bereitete das Essen vor, die Köchin verschwand pünktlich gegen Nachmittag. Walter hatte ihr, Angeboten in einem der leeren Zimmer zu wohnen, doch sie weigerte sich bei einem Junggesellen über die schickliche Zeit zu bleiben. Walter Littlewood wusste nicht, ob er geschmeichelt oder gekränkt seine sollte, Mrs Grenger war, um die sechzig und eine famose Köchin, was man ihm und seinem Butler ansah. Walter Littlewood, der illegitimer Sohn aus erlesensten Samen, er konnte die Queen Verwandte nennen, sah auf die Taschenuhr. Joseph kam nicht in der gebotenen Eile. Was, wenn es um eine wichtige Angelegenheit ginge? Er hier mit einem Meuchelmörder rang, oder schlimmer seine Halbgeschwister zu Besuch kamen, um hier Tee zu trinken und ihn auf seine Zukunftsaussichten auszufragen, und es hier aussah, als hätte in seinem Haus ein Sturm aus Orgien getobt. Er schmunzelte selber, die einzigen Orgien, die hier stattfanden, galten dem Lucullus und hin und wieder einem Glas Wein und einem guten Buch. Die nötige Aufregung, den Nervenkitzel in einer fatalistischen Seele, verschaffte ihm sein Beruf. Einer mit dem man nur im Mittelstand und mit blutrünstigen Anekdoten punkten konnte.

    Joseph kam gemütlich aus der Küche getrottet, seine gestreifte Weste und die Hose wiesen ihn als Butler aus, das Gesicht allerdings gehörte einem Müßiggänger. Er ähnelte einem Amerikaner, der hier Tourismus machte. Joseph war es gewohnt, dass Littlewood ihn um Rat fragte, was er anziehen soll, obwohl es ihn nicht die Bohne interessierte und das Stück Rhabarbertorte und ein Schluck Bier viel verlockender waren.

    »Sie und der Bart finden nie zusammen.« Er betrachtete das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln, aber es war aussichtslos. »Ich muss mich wiederholen, Boss. Da hilft alles nichts, der Bart muss weg und setzen Sie einen Hut auf, wenn sie zum Barbier gehen, es soll Aale regnen, steht in der Times und die haben angeblich einen Kerl im Wetterballon oben am Himmel der die Wolken beobachtet. Himmel was würde ich für seine Arbeit geben!« Er bemerkte Littlewoods skeptischen Blick und das kränkte ihn. »Sir, es ist die London Times und es ist die Wissenschaft. Die holen den Heißluftballon alle paar Stunden hinunter und fragen, aus welcher Richtung die Wolken kommen und nach einem etwaigen Wetterleuchten. Deshalb ist auf den Wetterbericht in der Times immer verlass.«

    »Ja aber … ab?«, antwortete Walter deprimiert, ihn interessierte das Wetter nicht mehr, als zur Einleitung einer Unterhaltung, wie einem Verhör zum Beispiel. Und was sollte sich jemals daran ändern, man war von Wasser umgeben. Es kam von links, rechts und von oben.

    »Ich sollte es wissen müssen, ab ... einfach so und was ist mit meiner Karriere? Ein Polizeiinspektor ihrer Königin muss Lesen und Schreiben können, gute Augen haben und wenigstens 167 Zentimeter Körpergröße besitzen. Und das steht zwar nicht, in der Dienstvorschrift ist, aber selbstverständlich hat einen respektablen Bart zu besitzen. In London wird der Backenbart nie aussterben, solange gute Polizisten ihn tragen.«

    »Dichter macht sich doch auch ohne guten Bartwuchs gut, Sie können feurige Liebesgedichte oder anti moralische Sachen unter Pseudonym veröffentlichen. Und wir könnten reisen. Das bildet, sagt man und ist das A und O eines Dichters.« Joseph trat zurück und betrachtete Littlewood kritisch. »Warum wollen Sie das überhaupt? Es ist mir total schleierhaft, wir könnten uns die ganze Welt ansehen ein Vermögen beim Spielen in Baden Baden oder in St. Petersburg verlieren und stattdessen machen Sie auf Greifer hier.« Er kniff das linke Auge zu und peilte mit dem Daumen, als vermesse er eine Tapete. »Hilf nichts, mit dem Gestrüpp am Kinn sehen wir aus, wie ein entflohener Sträfling. Wir leiden unter dem runden Kopf und das Gesicht macht es auch nicht besser, als hätten Sie einen Gartenkürbis auf dem Hals. Dasselbe Problem hatte mein Onkel Charlie. Einfach kein echtes Kinn der gute Mann, eine Schande dabei ist der Rest passabel.«

    »Und was hat Onkel Charles gemacht?«, fragte Littlewood. Er wollte es nicht zugeben, aber er und Josephs Onkel, ein Altkleiderhändler aus irgendeinem der ….shires am Ende hatten eine Menge gemeinsam.

    »Das ist eine wirklich sehr traurige Geschichte und hat uns arm wie die Kirchenmäuse gemacht. Er dachte, dass es ihm helfen wird, bei seinem Problem.«

    »Aber was?« Littlewood wusste, dass in London gerade Mord und Totschlag herrschte, aber das musste alles bis nach der Antwort warten. Joseph arbeitete nun seit drei Jahren für ihn und mittlerweile war sein Onkel Charles ein echter Halbgott für Littlewood geworden. Joseph’s Figur, er sah aus wie ein großes Bierfass versteckte eine ungewöhnliche Verzagtheit und eine ungewöhnlichere Hingabe zum Essen. Auch jetzt kaute er auf irgendetwas herum, dass er aus der Tasche seiner Weste gezogen hatte. Es roch nach Mrs. Grengers kaltem Braten. Littlewood hatte einige Vorträge zum Gebiet der Physiogeometrie in der Akademie besucht, brachte dem aber absolut kein Vertrauen entgegen. Demnach hätte so manche Verdachtsparade im Gefängnis, eine Audienz bei Hofe sein müssen und jeder wusste, englische Aristokraten steckte man nicht ins Gefängnis, man ließ sie leise verschwinden.

    »Also raus mit der Sprache oder willst du es mir nicht sagen?«

    »Weil er jedem lausigen Scharlatan der Haarwuchsmittel anpries, auf den Leim gekrochen ist. So ging es immer weiter bergab mit ihm und unseren Finanzen. Vergiftete sich in all den Jahren an den Haarwuchs Arzneien und brachte uns an den Bettelstab. Meine Meinung ist, ein Butler soll in Bartdingen oder seiner Kleidung nicht mit seinen Herren konkurrieren, deswegen bin ich glatt, wie ein Babypopo.« Joseph sah Littlewood mit etwas vorwurfsvollen Augen an. Joseph war eine goldene Seele, wo bekam man so einen echten Prachtkerl von Dienstboten her? Littlewood hatte ihn aus dem Gefängnis und vor dem Galgen gerettet. Natürlich bezahlte er ihn besser und erlaubte ihm Freiheiten, die Diener anderer Herren nicht bekamen, aber der Goldkerl rasierte sich extra wegen ihn. Und Joseph hatte kräftiges Haar, mit einem Vollbart würden die Kadetten vom Tower automatisch vor ihm salutieren, er brauchte nicht einmal eine Uniform dazu.

    »Wieso findet jeder, dass ein Mann mit Bart respektabler ist?«, seufzte Littlewood die Mode verfluchend. Vielleicht hatte Joseph recht und er sollte seine Laufbahn als Theaterdichter verfolgen. Nur über was sollte er schon groß schreiben, das gab es nur eine freudlose Kindheit und die blutige Niedertracht von der er jetzt umgeben war. Anständige Leute machten hin und wieder eine Besichtigungstour in den Slums, aber er hatte einen Beruf daraus gemacht. Obwohl sein H-Polizeibezirk nur etwa zu 30 Prozent aus Armut gemacht war. Es waren diese 30 Prozent an Gassen und Häusern rund um Lehmann Street, die ihnen 99 Prozent der Arbeit machten. Was ihn wieder zum Problem brachte, Verbrecher reagierten unterwürfiger gegenüber einem vollbärtigen Polizisten.

    »Es kommt auf den Bart an«, philosophierte Joseph. »Der Herzog von York hat einen schönen Knebelbart weiß und buschig, er hat das richtige Alter. Aber keine Sorge ich werde mir keinen Bart wachsen lassen, ich will schließlich nicht das die Leute über uns reden. Die meisten halten uns für den Hausverwalter der Lordschaft, die hier lebt.«

    »Mit dem schmucken Haus hat mir mein angeblicher Onkel, was Feines vermacht. Und zu unseren Nachbarn, genau das sollen sie auch tun! Du weisst ich will kein Aufsehen erregen. Die Aussichten meines Halbbruders Charles jemals Innenminister zu werden würden mit der Geschichte meiner Erzeugung schwinden!« Littlewood setzte den blauen Bowlerhut auf, er bemerkte das entsetzte Kopfschütteln seines Dieners, der auf den braunen Hut zeigte.

    »Nicht blau?«

    »Blau können Sie an einem Freitagabend doch nicht tragen! Und noch, wo man ins Eastend muss. Blau ist einfach nicht respektabel.«

    »Das stimmt. Ich bin schon wieder hinter der Zeit zurück, wo verliere ich immer die Minuten, tropfen die mir aus den Taschen? Warum ist mir die Idee von Pieke auf zu Dienen nicht schon am Eaton College töricht vorgekommen? Warum bist du nicht schon damals in Verdacht geraten der Teufel von Westminster zu sein? Ich hätte dich gerettet und im Gegenzug hättest du mir meine dumme Idee Abenteuer in der Polizei zu suchen ausgeredet.«

    »Das fragen wir uns alle! Der Mörder, der die Kerle aus der piekfeinen Gegend murkste, ist immer noch auf freiem Fuß. Bei seinen Einbrüchen hat er bestimmt genug zusammengerafft, um jetzt sorgenlos zu leben.« Joseph beobachtete das Zifferblatt der Standuhr, alle Stunde schoss ein kleiner, goldener Kuckuck heraus der nur Krächzen, aber nicht Singen konnte. So begierig wie sein Diener dahin sah, würde es Littlewood nicht überraschen, wenn der goldene Vogel bei seiner Heimkehr fehlte. Nein der goldene Vogel wäre wohl noch da, Mrs Grengers kalter Braten war komplett in seinem Schlund verschwunden.

    »Sie sind spät so, wie üblich. Sicherer ist, wir nehmen eine Kutsche und nicht den Pferdeomnibus«, meinte Joseph, der in Bezug auf seinen Herren in der Wir-Form sprach. Das war es, was Inspektor Littlewood an seinen Diener schätzte. Der Mann besaß als zweiter Garderobenmann der Royal Opera das Auge für Stil, er hatte die Seele des Theatermanns und vor allem war er verschwiegen. Diener wissen viel mehr über ihre Herrschaft als diese vermuten. Hausangestellte werden aus derselben Vogelperspektive betrachtet, wie der Teppich im Besuchersalon, dessen Anwesenheit keine besondere Pflege oder Rücksichtnahme erforderte, da man sich selten in diesem Raum aufhielt. Die meisten Einbrecher, die Littlewood verhörte bezogen Informationen von frustrierten Dienern.

    »Ich sollte mir eine Kutsche anschaffen!« Littlewood zog hastig seinen Überrock an, stülpte den Hut auf den Kopf, griff nach dem Schirm und rannte zur Haustür. Er sprang die Vortreppe hinunter und lief bis zur nächsten Straßenecke, erreichte die Holborn Avenue und kein einziger Pferdeomnibus war zu erblicken. Schade er mochte die Fahrt mit dem Omnibus. Drei Männer, wie er auch am Abend geschäftlich unterwegs, warteten im Nieselregen auf eine Droschke, oder den gelben Fleet Street Pferdeomnibus. Marktkarren mit Gemüse und eine baufällige Kutsche waren ansonsten zu sehen. Am Droschkenstand kaufte Walter sich die Times bei einem Zeitungsjungen, England spielte gegen Australien, und fuhr mit einer altmodischen Kastenkutsche, von Pimlico die Fitzroy hinunter nach Whitechapel. Sie bewegten sich in gleichmäßigem Tempo Richtung Osten durch die Stadt, das Geklapper der Pferdehufe hatte etwas Einschläferndes und Beruhigendes. Er sah aus dem beschlagenen Fenster. Die Straßen wurden schmaler und mehr Leute drängten sich in ihnen. Die Hausfassaden waren vom Kohlestaub dunkler, die Fenster kleiner, und der Gestank aus den grossen Schlachthöfen Whitechapels durchdringender. Nach dem penetranten Geruch zu urteilen herrschte gerade Nordostwind. Das Abwasser stand hoch in der Gosse, die Kanalgitter waren von Papier, Laub und Unrat verstopft. Die wenigen Straßenkehrer waren von dem Regen überfordert, sie hätten eben die Times lesen sollen. Der Geruch und die Kälte weckte die Erinnerungen an Tatorte. Verstörende Bilder zogen auf der gemütlichen Kutschfahrt in seinem Hirn vorbei. Er hatte sich an die Bilder gewöhnt, genauso wie an die Dummheit. Es war eine Laterna magica Vorstellung, so grausam und blutrünstig, dass er mit den Bildern in seinem Kopf, als fahrender Schausteller ein Vermögen verdiente. Die Fahrt ging durch die kleinen Abzweigungen, die nur ein guter Kutscher kennt, in die Lehman Street zu der Adresse, die auf seiner Carte de Visite gedruckt stand. Insp. Walter Littlewood CID Lehman Street. Diese Polizeiwache befand sich im Zentrum schmaler und schmutziger Straßen, und wenn der Westwind blies, drang der Gestank des Flusses durch die Fenster. Im Hochsommer war es an manchen Tagen, nicht auszuhalten und sie verbrannten wie im Leichenschauhaus Kräuter und Essenzen im Ofen. Zum Glück war November und sein Dienst fing vor einer Stunde an. Es war nur gut, das er ein brauchbarer Inspektor war und ihn außerdem die Drohung mit Entlassung nicht erschreckte, weshalb es sein Vorgesetzter bei einer Drohung belassen hatte.

    ***

    Die Konstabler hatten wissen können, dass die beiden Männer nicht in einen Raum gehörten. Es war, als sperrte man einen aufgeputschten Tiger zu einem satten Wolf, in diesem Fall waren es ein vom Gin aufgeputschter Irrer zu einem Totschläger. Erfahrene Konstabler sahen es an den aufgerissenen Augen immer Sekunden, bevor es passierte. Der Totschläger war jung, der andere uralt. Der eine hatte blonde Haare, der andere lange, braune obwohl kreisrunde Löcher in die Kopfbehaarung gerissen waren. Der Junge hatte den untersetzten, wuchtigen Körper eines Hafenarbeiters, weil er seitdem er 12 Jahre war, unten an den West India Docks in Poplar schuftete. Der andere Mann, der in die Zelle geführt wurde, war

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