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Die schwarze Macht
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eBook277 Seiten3 Stunden

Die schwarze Macht

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Über dieses E-Book

Während ihrer archäologischen Ausgrabungen in der Grafschaft Sutherland, an der extrem dünn besiedelten Nordküste der schottischen Highlands, stößt eine Gruppe Studenten auf einen seltsamen Gegenstand. Schon kurze Zeit darauf kommt es zu äußerst ungewöhnlichen Todesfällen, die das Interesse von Blake und McGinnis wecken. Kaum beginnen sie sich der Angelegenheit anzunehmen, geraten sie in eine tödliche Gefahr, aus der es anscheinend kein Entrinnen gibt …
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum8. Dez. 2019
ISBN9783750260948
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    Buchvorschau

    Die schwarze Macht - Elise Lambert

    Die schwarze Macht

    Unbenannt - 2.jpg

    Die schwarze Macht

    Mystery-Krimi

    von
    Elise Lambert und Thomas Riedel

    Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar

    2. Auflage (überarbeitet)

    Covergestaltung:

    © 2019 Susann Smith & Thomas Riedel

    Coverfoto:

    © 2019 depositphoto.com

    Impressum

    Copyright: © 2019 Elise Lambert & Thomas Riedel

    Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

    ISBN siehe letzte Seite des Buchblocks

    »Jenseits des Raums, jenseits der Zeit

    dehnet sich wild, dehnet sich weit

    ein dunkles Land.

    Auf schwarzem Thron,

    regiert ein Dämon …«

    Edgar Allan Poe (1809-1849)

    Unbenannt - 2.jpg

    Kapitel 1

    D

    ichter Regen durchschnitt den frühen Abend wie mit silbernen Messern, und der bereits dunkle Himmel bezog sich mit noch dunkleren Massen wirbelnder, schwarzer Wolken, die der peitschende Wind vom Atlantik herübertrug. Nur selten hatte sich die Sonne blicken lassen. Schon seit Tagen herrschte diese unbestimmte Wetterlage in der Grafschaft Sutherland, hoch oben in Schottland, an der extrem dünn besiedelten Nordküste der Highlands – genauer gesagt in Durness, einem kleinen Dorf, gut dreißig Meilen westlich von Tongue, das ausschließlich über zwei einspurige Straßen zu erreichen war. Die um diese Jahreszeit ständig herrschenden Stürme über dem rauen Atlantik bogen die Bäume, und wäre es bereits Herbst gewesen, sie hätten die rötlichbraun gefärbten Blätter mit einem Mal vollständig weggefegt. Es waren unfreundliche, nasskalte und dunkle Tage, die in den Menschen diesen gewissen Zustand von Melancholie wachriefen – eine bittere Melange von Schwermut, Schmerz und Nachdenklichkeit, die darin zum Ausdruck kam, nur wenig Freude am Leben zu haben.

    Der traditionelle Gasthof bildete so etwas wie einen Mittelpunkt der Gemeinde, obgleich es noch ein zweites Wirtshaus gab, das mit seinen vierhundertsiebzehn Jahren sechs Jahre älter war als das ›Smoo Cave‹. Hier versammelte sich der Großteil der Männer des Dorfes nach vollbrachter Arbeit. Schweigend tranken sie hier ihr dunkles, starkes Bier und ließen sich zu einem Spiel Darts hinreißen, welches sie zumeist ebenso wortlos absolvierten.

    Ian Robertson, der Wirt, überblickte von seinem erhöhten Standort aus die Gäste, füllte Gläser nach und achtete penibel darauf, dass seine beiden Töchter ununterbrochen beschäftigt waren.

    »Probier‘ mal den Hirsch, der ist gut!«, rief er einem seiner Gäste zu. »Kenny hat ihn geschossen.«

    »Einverstanden«, kam es fröhlich zurück, »aber vorher will ich einen anständigen Whisky!«

    »Welchen willst du?«, rief der Wirt fragend zurück und deutete auf eine Reihe bernsteinfarbener Flaschen, deren Namen viel besser über die Zunge gingen, wenn man schon zwei, drei Gläser von ihnen getrunken hatte. »Craigellachie, Bunnahabhain oder Bruichladdich?«

    »Bunnahabhain!«

    Kenny Morrison, der am Tresen saß, lachte. Es klang ein bisschen wie bei Ernie aus der Sesamstraße und mündete in einem mittelschweren Hustenanfall. Er war ein Mann von gedrungener Statur, mit leichten Segelohren, wenig Haar und viel Glatze. Sein Kopf war rot und sein Gesicht etwas aufgedunsen. Das Leben hatte seine Spuren hinterlassen. Er trug einen dunkelblauen Seemannspullover mit der Aufschrift ›Sealord‹, auch wenn jeder wusste, dass er nie beim Militär, geschweige denn zur See gefahren war. Ja, nicht einmal schwimmen konnte er.

    Es kehrte wieder Stille ein. Robertson füllte ein Glas und ließ dabei seinen Blick schweifen. An der Gruppe Archäologen, die sich bei ihm einquartiert hatten und schon seit Wochen in der Nähe ihren Ausgrabungen nachgingen, blieb er hängen.

    Mary, seine älteste Tochter, brachte gerade heißen Punsch an den Tisch von Prof. Lamondt mit seinen Assistenten Jake Miller und Clark Butcher.

    Langsam brach die Dämmerung herein, und die Konturen in dem behaglich eingerichteten Gastraum begannen zu verwischen.

    Auch Lamondt und seine Helfer saßen schweigend und gedankenvoll an ihrem runden Eichentisch. Mit einer Miene des Bedauerns sah der Professor auf den Rest seiner Zigarre, während er sorgfältig die Glut in dem großen, schweren Kristallaschenbecher ausdrückte.

    »So, wie es aussieht, war es das wohl. Unsere Arbeit hier in Durness ist vorerst beendet«, stellte er mit gedämpfter Stimme fest, und brach damit das Schweigen. »Summa sumarum ist festzuhalten, dass es sich mehr als gelohnt hat. Im Vorfeld hätte ich es kaum für möglich gehalten, derartig viele, vor allem aber so gut erhaltene, Artefakte zu finden. Auch wenn uns die exakte Auswertung aller Funde noch über Monate hinaus beschäftigen wird, lässt, was ich bisher gesehen habe, bereits den Schluss zu, dass wir auf eine sehr interessante alte Kultstätte gestoßen sind.«

    Die klugen Augen in Clark Butchers schmalem Gesicht blitzten in triumphierender Freude. »Stimmt«, bestätigte er zufrieden. »Mit einer solchen Ausbeute war wirklich nicht zu rechnen.« Er hatte den Satz gerade beendet, als die altertümliche Tischlampe aufflammte und die Ecke, in der die Männer saßen, in ein gemütliches warmes Licht tauchte.

    Prof. Lamondt zog seine Taschenuhr hervor, ein schweres, altmodisches silbernes Monstrum. Er ließ den Deckel aufspringen und las mit zusammengezogenen Augenbrauen die Zeit ab. Dann zuckte er ungeduldig die Achseln. Seine Miene umwölkte sich ein wenig, und man spürte deutlich, dass dies seine Art war gegen unnütze Verzögerungen zu protestieren.

    »Sagt mal, hat einer von euch eine Ahnung wo Robert steckt?« Lamondt sah seine Assistenten fragend an. »Er sollte doch schon längst hier sein.«

    Clark Butcher zeigte ein leichtes unwissendes Achselzucken, während in den Mundwinkeln von Jake Millers asketischen Gesichtes ein missmutiger Ausdruck lag.

    »Ich habe keine Ahnung. Heute Morgen sind wir gegen kurz vor acht Uhr noch gemeinsam mit dem Geländewagen zur Ausgrabungsstätte gefahren, und wir sind auch zusammen wieder zurück.« Miller nahm einen Schluck Punsch und sprach weiter: »Zurück waren wir gegen zwei Uhr. Ich dachte, er würde auch aussteigen, meinte dann aber, er müsse noch einmal zurück, weil er etwas vergessen habe. Habe mich etwas gewundert und nachgefragt, aber er hat nichts dazu nicht gesagt.« Miller runzelte nachdenklich die Stirn. »Mit ist nur aufgefallen, dass er die ganze Zeit über einen eigenartig abwesenden Eindruck gemacht hat.« Lächelnd sah er den Professor an. »Na ja, Sie wissen ja selbst, wie schnell er beleidigt ist. Deshalb habe ich nicht weiter nachgehakt. Außerdem hielt ich es nicht für wirklich wichtig.« Er warf einen Blick in Richtung der Eingangstür. »Ich bin sicher, er wird jeden Augenblick auftauchen.«

    Butcher war ein hagerer Bursche, mit einem energischen Gesichtsausdruck, der seine schulterlangen schwarzen Haare immer zu einem Zopf gebunden trug. Er nickte bestätigend. »Als du ausgestiegen bist, habe ich zufälliger Weise aus dem Fenster gesehen, Jake«, untermauerte er Millers Aussage. »Du warst kaum ausgestiegen, da ist er in einem Tempo davongerast, als sei der Leibhaftige hinter ihm her.«

    Seine letzten Worte waren noch nicht verklungen, als man von draußen das Geräusch eines vorfahrenden Wagens hörte – jaulende Bremsen und ein kurz aufheulender Motor. Gleich darauf wurde kraftvoll eine Wagentür zugeschlagen. Dann öffnete sich die Tür zum Schankraum, und Robert McIntire kam herein.

    McIntire war ein kleiner, ausgesprochen dicker Mann mittleren Alters. Mit seinen recht imposanten Stirnfalten und den beiden ausgeprägten Hängebacken, ähnelte er mehr einer dösenden Bulldogge, als einem ernstzunehmenden Wissenschaftler, der gerade erst erfolgreich das Rigorosum hinter sich gebracht und mit ›magna cum laude‹ promoviert hatte.

    Verwundert blickten die drei zu McIntire, der mit hastigen Schritten auf ihren Tisch zueilte. Er wirkte aufgeregt. Alles in seinem Gesicht zuckte. Nie zuvor hatten sie ihn in einer derartigen Verfassung gesehen.

    »Was ist denn mit dir los?« Jake sah ihn fragend an.

    »Als wir heute Vormittag in den Überresten der alten Kapelle geforscht haben, hatte ich aus irgendeinem Grund den Drang, noch vor der großen Steinplatte zu graben. Ihr wisst schon, welche ich meine«, sprudelte es wie ein Wasserfall aus ihm heraus, als er endlich bei ihnen war und sich einen Stuhl heranzog, um sich zu setzen. »Wir hatten darüber ja schon einmal vor einigen Tagen gesprochen, die Idee an ein solches Vorhaben letztlich aber wieder aufgegeben. Wir waren ja übereingekommen, dass das nichts einbringen würde.« McIntire gab dem Wirt ein Zeichen, ihm einen zweifingerbreiten Whisky zu bringen. »Wie auch immer«, winkte er ab, »jedenfalls wurde dieser Drang während der Rückfahrt dermaßen übermächtig, dass ich mich entschloss noch einmal umzukehren und es allein zu versuchen.« In das dicke Knautschgesicht trat ein nachdenklicher Ausdruck. »Es war schon seltsam. Ich hatte das Gefühl, als würde mich jemand förmlich dazu antreiben. Ich habe wohl noch nie so schnell gearbeitet. Es war direkt unheimlich. Laufend hatte ich das unbestimmte Gefühl, ich würde dabei beobachtet.« Er hatte seine Stimme gesenkt, denn Mary kam mit dem Whisky zu ihnen herüber. Erst als sie das Glas abgestellt und sich wieder zurückgezogen hatte, sprach er weiter. »Jedenfalls bin auf ein Grab gestoßen. Mit der Winde habe ich die Steinplatte hochgezogen. Eigentümlicherweise waren in dem Grab keine menschlichen Überreste zu finden. Es war leer, … bis auf … das hier. Aber seht es euch selbst an.«

    Mit einer raschen Bewegung zog er die Rucksacktasche auf seinen Schoß, die er die ganze Zeit über fest in der linken Hand gehalten hatte, öffnete die Schnallen, und holte mit beiden Händen einen runden Gegenstand heraus, den er zum Schutz in ein Baumwollhandtuch eingewickelt hatte. Behutsam entfernte er die Umhüllung und zeigte den drei Männern, auf was er im Grab gestoßen war.

    Neugierig schob sich Prof. Lamondt seine schmale goldgeränderte Brille auf die Nase, die er immer an einer Kette um den Hals trug. Als er und seine beiden Assistenten den Fund sahen, holten sie tief Luft.

    Auf Robert McIntires Handflächen lag eine Kristallkugel, die dem Umfang eines zwei- bis dreijährigen Kinderkopfes entsprach. Auf eine befremdliche Weise kam aus ihrem Zentrum, ein schwaches, rotes Glimmen, das in einem langsamen Rhythmus zu pulsieren schien.

    Lamondt nahm die Kugel, betrachtete sie intensiv und legte sie dann auf den Tisch. Für den Bruchteil eines Augenblicks glaubte er, ein unbeschreiblich ekelhaftes Empfinden zu verspüren, das erst aufhörte, als er den Kristall nicht mehr in seinen Händen hielt.

    »Nun, Robert, … ich muss zugeben, dass ist ein durchaus interessanter Fund«, stellte er anerkennend fest, wenngleich in ihm keine wirkliche Freude darüber aufkommen wollte.

    Aber weder McIntire, noch seine beiden Kollegen schienen seine Worte zu hören. Wie gebannt starrten sie die Kugel an.

    Dem Professor wurde es unbehaglich zumute. Es war eine bedrückende Stimmung, die von ihm Besitz ergreifen wollten, und die er nur gewaltsam von sich abschütteln konnte. Er schob es auf die harte körperliche und geistige Anstrengung der letzten Wochen und darauf, dass der Zustand der Anspannung jetzt erst einmal vorüber war.

    Unser Kaliumphosphatspiegel ist im Keller und wir benötigten alle ein paar Tage der Ruhe, dachte er, dann wird unser dünnes, inzwischen reichlich strapaziertes, Nervenkostüm schon wieder in Ordnung kommen. Bis dahin können wir uns mit der Untersuchung des letzten Fundes Zeit lassen.

    Kurz entschlossen griff er nach der Kristallkugel und wickelte sie wieder in das Baumwolltuch.

    »Pack‘ sie wieder gut weg, Robert«, wies er McIntire an.

    Der nickte und legte den Fund behutsam in den Rucksack zurück.

    »Halten Sie es für sinnvoll, dass wir die Stelle, an der Robert gegraben hat, noch einmal gründlich untersuchen?«, erkundigte sich Miller, während er den Professor eindringlich ansah.

    »Wenn da noch etwas zu holen wäre«, stellte Lamondt lächelnd fest, »hätte es uns Robert wohl schon gesagt, oder?«

    McIntire nickte wortlos.

    »Na, dann steht unserer Heimfahrt für den morgigen Tag ja nichts mehr im Weg«, meinte Butcher lächelnd.

    »An der Stelle habe ich buchstäblich jeden Krümel Erde umgedreht«, meldete sich McIntire jetzt doch noch zu Wort. »Aber außer dieser Kristallkugel habe ich weiter rein gar nichts entdecken können.« Er schüttelte enttäuscht darüber den Kopf. Nachdenklich strich er sich über das Kinn, während er hinzufügte: »Was mich irritiert, ist der Umstand, dass das Grab ansonsten vollkommen war.« Er zuckte mit den Schultern. »Das ist mir echt ein Rätsel, allerdings möchte ich arg bezweifeln, dass wir darauf eine Antwort finden werden.«

    »Vielleicht nicht sofort, was aber nicht heißt, dass wir es nicht werden«, erwiderte Prof. Lamondt, der sich eine weitere Zigarre gegönnt hatte und in die Runde blickte. »Es bleibt also dabei, dass wir unsere Zelte wie geplant abbrechen. Sobald wir die Fundstücke im Institut ausgewertet haben, kommen wir noch einmal her. Bis dahin werden sich ganz sicher neue Gesichtspunkte für ein weiteres Vorgehen ergeben haben.«

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    Kapitel 2

    L

    auren Pritchard stand vor dem Spiegel. Sorgfältig zog sie mit einem Lippenstift die Konturen ihrer Lippen nach, die ihrem Mund das sinnliche Etwas gaben. Sie war eine außergewöhnlich hübsche, junge Frau, und sie wusste das sehr genau. Lächelnd betrachtete sie sich in der reflektierenden Glasfläche. Ihr schönster Schmuck waren ihre bis weit über die Schultern reichenden Haare, die die Farbe reifen Weizens hatten. Erstmals trug sie ihre natürliche Haarfarbe. Während ihrer Studienzeit hatte sie viel herumexperimentiert, mal waren ihre Haare rot, dann wieder pinkfarben gewesen. Auch von ihrem Kurzhaarschnitt hatte sie sich verabschiedet. So, wie es jetzt war gefiel es ihr am besten.

    Vor einem halben Jahr hatte sie ihr Archäologiestudium in Edinburgh bei Prof. Francis Alverston abgeschlossen, der bei Ausgrabungsarbeiten in der Ruine der festungsartigen Anlage von ›Dùn Gòrdan-Castle‹ nahe Kinloss ums Leben gekommen war [

    ¹]. Gleich im Anschluss an ihr Studium hatte sie mit ihrer Dissertation begonnen und durch ihren Doktorvater Prof. Lamondt eine Assistentenstelle bekommen.

    Erst gestern hatte er sie aus Durness angerufen und sie wissen lassen, dass er heute wieder zurückkäme. Lauren Pritchard schaute auf ihre Uhr. Es war gerade zehn Uhr geworden.

    Er hatte relativ wenig Worte am Telefon mit ihr gewechselt, sich aber sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Ausgrabungen gezeigt.

    Sie war gerade von der Damentoilette zurückgekehrt und hatte sich einen kräftigen Kaffee eingeschenkt, als es an der Tür zum Büro klopfte.

    »Ja, bitte!«, forderte sie den Anklopfenden auf einzutreten.

    Die Tür öffnete sich und ihr Doktorvater trat ein.

    »Schön Sie zu sehen, Professor«, begrüßte sie ihn freundlich. Dabei ging sie ein Stück auf ihn zu, um ihm die Hand zu schütteln.

    »Hallo, Lauren.« Er erwiderte ihren herzlichen Händedruck. »Na, wie läuft es mit deiner Dissertation? Kommst du gut voran?«

    »Langsam, aber ... ja«, erwiderte sie lächelnd. »Es wird jedenfalls noch einiges an Zeit brauchen.«

    »Du machst dir mehr Druck als nötig. Lass dir Zeit!«

    »Sie haben sicher Recht damit«, räumte sie ein.

    »Wenn du einen Rat brauchst, lass es mich wissen. Ich helfe dir dann natürlich gern«, stellte Lamondt wohlwollend fest.

    »Ja, dass weiß ich. Möchten Sie auch einen Kaffee, Professor?« Sie schwenkte einladend ihre Tasse. »Ganz frisch. Habe ihn gerade erst gekocht.«

    Lamondt nickte, nahm sich eine Tasse und ließ sich von ihr einschenken.

    »Wie war es in Durness?«, erkundigte sie sich. »Sie sagten am Telefon, Sie wären mit den Ergebnissen sehr zufrieden.«

    »Ich muss zugeben, die Tage in Durness waren recht aufreibend. Aber es war klasse. Es steht zu vermuten, dass die alte Kultstätte deutlich älter als viertausend Jahre ist. Sollte das stimmen, wäre es eine Sensation ersten Ranges und würde so einige alten Theorien buchstäblich über den Haufen werfen.« Er machte einen durchweg zufriedenen Eindruck, nippte am Kaffee und sah sie mit müden Augen an. »Jetzt hatte ich eigentlich auf eine kleine Auszeit gehofft. Ein paar Tage der Ruhe hätten mir sicher gut getan, aber, wie das im Leben so ist, … ein frommer Wunsch.«

    »Warum?«, wollte sie wissen und fügte mitfühlend hinzu: »Sie sehen müde aus, Professor. Nehmen Sie sich doch ein paar Tage frei. Die haben Sie sich verdient.«

    »Schon möglich, … geht aber nicht.«

    »Ach, Quatsch!«, entgegnete sie forsch. »So was geht immer!«

    »Diesmal leider nicht. Aus Athen kam eine Einladung zu einem Archäologenkongress und unser Dekan erwartet von mir, dass ich daran teilnehme.« Er machte ein unzufriedenes Gesicht. »Jammern hilft da nichts. Mein Flug ist schon gebucht. Gleich morgen in der Früh geht es von Edinburgh-Airport mit Easy-Jet nonstop nach Athen. Billigflug, aber zumindest kein Umsteigen. Hoffe, ich kann in den gut vier Flugstunden etwas schlafen.« Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel. »Jake und Clark werden wohl ebenfalls begeistert sein, die fliegen nämlich mit.« Er sah sie forschend an. »Du wirst die Stellung solange mit Robert allein halten müssen, Lauren. Robert wird den Bericht in den nächsten Tagen sicher fertiggestellt haben. Ich bitte dich, ihn genau durchzulesen und die einzelnen Fundstücke mit ihm zu katalogisieren.«

    »Kein Problem, Professor«, versprach sie lächelnd.

    Lamondt griff in seine alte abgewetzte Ledertasche, holte einen verhüllten Gegenstand heraus und legte ihn sorgsam auf ihrem Schreibtisch ab.

    »Darin ist eine Kristallkugel«, erklärte er ihr, auf ihren neugierigen Blick hin. »Robert hat sie am letzten Tag noch in einem ansonst leeren Grab gefunden. Ich denke, sie wird uns wohl die größte Nuss zu knacken geben. Lege sie bitte zu den anderen Fundstücken.«

    Er schwieg und es schien, als denke er über etwas nach.

    Sie erschrak bei seinem Anblick.

    Mein Gott, ging es ihr durch den Kopf, wie müde und erschöpft er aussieht. Andererseits kennt er ja auch nur noch seine Arbeit, ist förmlich mit ihr

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