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Löwenland. Afrikanische Reisen

Löwenland. Afrikanische Reisen

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Löwenland. Afrikanische Reisen

Länge:
97 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
10. Mai 2019
ISBN:
9783748593089
Format:
Buch

Beschreibung

Kai Althoetmar, ehemals Reporter der Namibian Broadcasting Corporation, hat sich auf seinen Afrikareisen Prüfungen und Erfahrungen ausgesetzt, die nicht dem Mainstream folgen. In "Der Tag des Löwen" schreibt er über die quälend lange Durchquerung eines menschenleeren, von menschenfressenden Löwen besiedelten Wildreservats auf dem Weg zum Malawi-See, die sich zum Horrortrip auswächst. Aus Namibia erzählt von einer viertägigen Wanderung durch den spektakulären Fischfluß-Canyon im Süden Namibias in Zeiten der Dürre. Im Diamantensperrgebiet der Namib-Wüste trifft er einen betagten Zeitzeugen, der von Aufstieg und Niedergang der deutsch-kolonialen Diamantengräbersiedlung Kolmanskuppe bei Lüderitz berichtet. In Tansania verbringt der Autor Wochen unter Massai und wird Zeuge einer Wilderei im Land der Löwen und Hyänen. In Gambia geht er den Spuren der Sklaverei und der Geschichte des Sklavenjungen Kunta Kinte nach. Seine Reisen durch Südafrika führen ihn in die Townships von Kapstadt, auf die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, zu den Weinarbeitern von Paarl und in alte Missionssiedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine und der Rheinischen Mission, wo die Zeit vor zweihundert Jahren stehen geblieben ist. Reisestories aus dem Herzen Afrikas, die beginnen, wo die Nachrichten enden.
Herausgeber:
Freigegeben:
10. Mai 2019
ISBN:
9783748593089
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Löwenland. Afrikanische Reisen

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Löwenland. Afrikanische Reisen - Kai Althoetmar

Kai Althoetmar

Löwenland

Afrikanische Reisen

Nature Press

Inhaltsverzeichnis:

1. Diamentenfieber Deutsch-Südwest. Auf Spurensuche in der Wüste Namib: Kolmanskuppe, Geisterstadt und einstige deutsche Diamantengräbersiedlung.

2. Sonne, Durst und Sterne. Neunzig Kilometer durch eine urzeitliche Welt: In vier Tagen zu Fuß durch Namibias Fischfluß-Canyon.

3. Auf der Suche nach Kunta Kinte. In Juffure im westafrikanischen Gambia ist die Zeit der Sklaverei noch präsent.

4. Malawi Secondary Road. Im Geisterwald von Nkhotakota.

5. Blut, Schweiß und Hyänen. Unter Löwentötern. Leben in einem Massai-Dorf im Norden Tansanias.

6. Südafrikas Insel der Verdammten. Auf der ehemaligen Gefängnisinsel Robben Island arbeiten Ex-Häftlinge heute als Touristenführer.

7. Was machen die denn hier? Das etwas andere Kapstadt: Eine Rundreise durch die Ghettos der Schwarzen.

8. Onkel Sampies Hütte. Auf Südafrikas Weingütern liegen Luxus und Elend dicht beisammen.

9. Auf der Suche nach Elim. In zwei kleinen Orten in den Cederbergen und am Kap Agulhas lebt die Zeit der Herrnhuter Mission weiter.

Diamantenfieber Deutsch-Südwest

Auf Spurensuche in der Wüste Namib: Kolmanskuppe, Geisterstadt und einstige deutsche Diamantengräbersiedlung

Ein heftiger Wind fegt vom Atlantik durch die Wüste Namib in Richtung Diamantensperrgebiet. Feiner Sand dringt durch Fenster und Türritzen der wildwestartigen Kolonistenhäuser von Kolmanskuppe. Meterhoch türmt sich der Sand in den Stuben und Dielen, gleißendes Sonnenlicht strömt durch die Fenster, deren verwitterte Läden schief aus den Angeln hängen. Niemand lebt hier mehr. Außer vielleicht ein paar Geckos und Skorpionen.

Ein Trupp Touristen stapft einer jungen deutschsprachigen Fremdenführerin hinterher. Ortstermin in einer restaurierten Vorzeigestube. „Und hier sehen Sie, wie so ein deutscher Diamantengräber damals gelebt hat. Feldbett, Kommode, Nachtgeschirr, Eßgeschirr, Kaiser Wilhelm in Öl - Puppenstubenromantik in Südwestafrika. „Bitte folgen Sie mir nun in die Turnhalle! Auch die wurde konserviert: Reck, Pferd und Barren stehen da, als hätten sich eben noch Soldaten der kaiserlichen Schutztruppe mit Klimmzügen für den nächsten Herero-Aufstand gerüstet. Auf Kaisers Kegelbahn darf jeder mal in die Vollen werfen.

Kolmanskuppe, die einstige deutsche Diamantengräbersiedlung in Südwestafrika, dem heutigen Namibia, ist eine Geister- und Museumsstadt. Während der Endphase des deutschen Kaiserreichs war der Ort voller Leben, ein Vorposten deutscher Lebensart in Afrika. Kaiser Wilhelms Traum von einem deutschen Kimberley.

Zur Jahrhundertwende lag Europa im Kolonialfieber. Deutschland hatte es auf Südwestafrika abgesehen. Im Dienste seiner Majestät und eigener merkantiler Interessen stand der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz. 1883 legte der mit seiner Brigg in der Bucht von Angra Pequena an, dem heutigen Lüderitz. Sein Vertrauter Heinrich Vogelsang schwatzte dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks das Land im Umkreis von fünf Meilen um die Bucht ab. Preis: zehntausend Reichsmark und 260 Gewehre.

Weitere Landkäufe folgten. Die Deutsch-Südwest-Chronik begann mit einem großen Nepp: Adolf Lüderitz veranschlagte jede Meile mit 7,4 Kilometern statt mit dem englischen Maß von 1,6 Kilometern. Ein Jahr später, 1884, die Berliner Konferenz: Ganz Südwestafrika wurde deutsches Schutzgebiet. Deutsche Siedler wanderten ein, in der Hoffnung auf Farmland, auf ein besseres Leben.

Die Siedler forderten Schutz. Der junge Kaiser Wilhelm II. entsandte die Schutztruppe. Die ersten 21 Kolonialsoldaten gingen 1889 an Land. Bis 1915, dem Ende der deutschen Kolonialära in Südwestafrika, sollte noch viel Blut im Wüstensand versickern. Aufstände von Namas und Hereros schlug die Schutztruppe unerbittlich nieder.

Die Kolonialherren erschlossen das Land per Eisenbahnbau. 1908 wurde die Bahnstrecke von Lüderitzbucht nach Keetmanshoop fertiggestellt. Der thüringische Eisenbahnbeamte August Stauch kontrollierte den 25 Kilometer langen Gleisabschnitt zwischen Lüderitzbucht und der Station Grasplatz, der häufig vom Flugsand der Namib verweht wurde. Schwarze mußten die Gleise freischaufeln. Stauch schärfte seinen Männern ein, auf ungewöhnlich aussehende Steine zu achten. Stauchs Hobby war die Mineralogie. Am 14. April 1908 kam der Arbeiter Zacharias Lewala mit einem Fund zu Stauch.

Lewala stammte aus der Kapkolonie, hatte in der Diamantengrube von Kimberley in Südafrika malocht. Stauch versuchte mit dem Stein am Glas seiner Taschenuhr zu kratzen. Es gelang, der Stein war härter als Glas: ein Diamant! Bahnmeister Stauch hielt den Fund erst geheim, kaufte mit eingeweihten Freunden die Schürfrechte für das Gelände und steckte Claims ab. Angeheuerte Schwarze und Mischlinge wurden durch den Sand gescheucht, bewacht von Aufsehern mit Peitschen und Pistolen, auf der Suche nach weiteren Klunkern.

Bis Ende 1908 waren 39.000 Karat Rohdiamanten ausgebuddelt. Stauch wurde zum Diamantenkönig von Deutsch-Südwest. Hunderte, dann Tausende Glücksritter machten sich auf die Socken. Der Ruf vom Glück der kleinen Schürfer drang schon bald ins Reichskolonialamt. Die Reichsregierung setzte dem Treiben ein jähes Ende. Bereits am 22. September 1908 erklärte sie einen hundert Kilometer breiten Küstenstreifen vom 26. Breitengrad bis zur südafrikanischen Grenze zum Diamantensperrgebiet. Das Gebiet wurde der flugs gegründeten Deutschen Diamanten Gesellschaft unterstellt. Die stellte eigene Leute an: deutsche Handwerker und Ingenieure, schwarze Kontraktarbeiter.

Die Glücksritter der Namib hatten ausgespielt. Fortan verdiente das Kaiserreich. Die Diamantengesellschaft ließ die Minenstadt Kolmanskuppe aus der Wüste stampfen, fünfzehn Kilometer von Lüderitzbucht entfernt, benannt nach dem Nama Johnny Coleman, der hier in der Einöde 1905 mit seinem Ochsenwagen steckengeblieben war. 1910 war der Ort bereits eine boomende Wüstenoase, das Pro-Kopf-Einkommen der Kleinstadt das höchste Afrikas. Bis 1914 wurden tausend Kilo Diamanten gewonnen.

Der deutsche Kronprinz Wilhelm von Preußen hätte in Kolmanskuppe in Karat baden können, hätten nicht die Schüsse von Sarajewo seiner geplanten Reise nach Deutsch-Südwest 1914 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die eigens für ihn gebaute und per Schiff nach Südwestafrika verfrachtete Lokomotive nahm ohne den prominenten Passagier die Fahrt auf. Der Volksmund taufte das Dieseltriebfahrzeug „Kronprinz".

Die deutschen Kolonisten von Kolmanskuppe lebten komfortabel. Häuser wurden im Wüstensand hochgezogen, für die Chefs Jugendstilvillen mit Giebeldächern und verglasten Veranden. Es gab eine Schule mit Turnhalle, Ballsaal, Fußballplatz, Krankenhaus, Postamt, Bäckerei, Metzgerei, Gemischtwarenladen, Restaurants, Limonaden- und Sodawasserfabrik, eine Anlage, mit der Blockeis zum Kühlen von Lebensmitteln hergestellt wurde.

Wasser war kostbar. Anfangs kam es per Schiff aus Kapstadt, per Bahn auch aus der nahegelegenen Pumpstation Garub, später gab es eine Meerwasserentsalzungsanlage. Strom, Wasser und Unterkunft waren für die Kolonisten umsonst. Das E-Werk galt als das leistungsfähigste der südlichen Hemisphäre.

In der Schule paukten 44 Kinder zu den besten Zeiten der Stadt das Einmaleins und lasen Schiller. Der Pfarrer kam jeden Sonntag mit dem Motorrad aus Lüderitzbucht zum Gottesdienst, der im Klassenzimmer gefeiert wurde. Die weniger frommen Kolonisten nutzten den Tag des Herrn für Trinkausflüge nach Lüderitzbucht. So manches Monatssalär verflüssigte sich dort in der Bar von „Kapps Hotel". Gezahlt wurde gerne in Karat. Jede Bar, jeder Laden hatte seine Diamantenwaage. Und so mancher Traum vom Kauf einer Farm zerrann so im Champagnerglas.

Bis zu vierhundert deutsche Siedler lebten in Kolmanskuppe - trotz des permanenten Wüstenwindes, der mit bis zu hundert Sachen durch die Namib fegt. Metallschilde schützten die kleinen Vorgärten vor Verwehungen.

Hart war das Leben der fast tausend schwarzen Kontraktarbeiter, die die Schürfarbeit in der Diamantenschürferei verrichteten und außerhalb von Kolmanskuppe

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