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Charles Finch: Im Sog des Wahnsinns
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Charles Finch: Im Sog des Wahnsinns
eBook222 Seiten2 Stunden

Charles Finch: Im Sog des Wahnsinns

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Über dieses E-Book

Seit sechs Jahren wird der junge, reiche und erfolgreiche Anwalt Ryan Greenwood von einem Unbekannten erpresst, der ein sorgsam gehütetes Geheimnis aus dessen Vergangenheit kennt.
Wenngleich der Erpresser kein Geld fordert, treibt er Greenwood durch seine steten Drohungen mit dem Anwalt der Krone zur Verzweiflung.
Greenwood hat jemanden aus seinem engeren Freundeskreis im Verdacht.
Vier Frauen, darunter auch seine Gattin und vier Männer kommen für ihn in Betracht. Unter einem Vorwand lädt er sie zu einer Ferienwoche in sein Waldhaus ein. Mit einem Jagdgewehr droht er ihnen, sie zu töten, wenn sich der Erpresser binnen sieben Tagen nicht zu erkennen gibt.
Durch einen Zufall gerät der Psychiater Dr. Charles Finch in die von Greenwood gestellte Falle.
Greenwoods Freunde glauben nicht an eine Erpressung. Sie können sich auch keine Verfehlung des anerkannten Anwalts vorstellen und halten ihn für wahnsinnig.
Dr. Finch ist anderer Ansicht, und als eine der Frauen einem Mord zum Opfer fällt, wird für ihn zur Gewissheit, dass der Mörder, den niemand kennt, auch der Erpresser ist.
Wird es Dr. Finch gelingen, den verwickelten Fall zu lösen?
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum27. Okt. 2017
ISBN9783745036565
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    Buchvorschau

    Charles Finch - Thomas Riedel

    Charles Finch:

    Im Sog des Wahnsinns

    Kriminalroman

    Thomas Riedel

    Bibliografische Information durch

    die Deutsche Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

    http://dnb.de abrufbar

    1. Auflage

    Covergestaltung:

    © 2017 Thomas Riedel

    Coverfoto:

    © 2017 @ ysbrand, Depositphotos, ID 54034971

    Impressum

    Copyright: © 2017 Thomas Riedel

    Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

    ISBN siehe letzte Seite des Buchblocks

    »Man sollte alles lesen.

    Mehr als die Hälfte unserer heutigen Bildung

    verdanken wir dem,

    was wir nicht lesen sollten.«

    Oscar Wilde (1854-1900)

    »Wer auf Rache sinnt,

    der reißt seine eigenen Wunden auf.

    Sie würden heilen,

    wenn er es nicht täte.«

    Sir Francis Bacon

    (1561-1626)

    Der kleine grauhaarige Mann bahnte sich mühsam den Weg durch das Gestrüpp und trat auf die Lichtung hinaus. Er blieb stehen, sah sich aufmerksam um und lächelte süßsauer. Zum zweiten Mal sah er sich nun im Verlauf der letzten dreieinhalb Stunden an derselben Stelle, und er musste sich eingestehen, sich hoffnungslos verirrt zu haben – alle bewussten Mittel seiner Orientierung hatten versagt. Er hatte die Kontrolle verloren. Ein Gefühl des Verlorenseins und der Verunsicherung war in ihm aufgekommen.

    Niedergeschlagen setzte er sich auf einen flachen Stein, bevor er seinen Fischkorb und den Rucksack in eine bequemere Lage rückte. Die Angelrute, die er, zerlegt in ihrem Futteral, mit sich führte, legte er neben sich auf das Gras. Dann bückte er sich, trank etwas Wasser aus der Quelle zu seinen Füßen und erfrischte sich anschließend damit das Gesicht. Das mehrstündige Stapfen durch das Dickicht und den unwegsamen Tannenwald hatte ihn reichlich erschöpft. Er holte sein Taschentuch hervor und wischte sich das Gesicht ab. Als er das Tuch wieder zurücksteckte, blickte er auf, und sah auf dem Felsen über sich einen jungen Mann stehen, der lässig ein Jagdgewehr in der Armbeuge hielt.

    Sekundenlang saß der grauhaarige Mann regungslos da. Der Bursche auf dem Felsen hatte ihn ordentlich erschreckt, aber er ließ es sich nicht anmerken. Nachdem er sich von seiner ersten Überraschung erholt hatte, fühlte er sich sogar ein wenig erleichtert.

    »Guten Tag und Waidmannsheil!«, rief er hinauf und hob die rechte Hand zum Gruß.

    Der Mann mit dem Jagdgewehr war groß und schlank gewachsen – er zeigte aristokratische Züge und hatte kurzgeschorenes rötliches Haar. Sogar auf die Entfernung von zwanzig Yards fielen seine misstrauisch dreinblickenden blauen Augen auf. Er trug graue Flanellbeinkleider und einen gut geschnittenen Jagdrock, und hätte er die bedrohliche Langwaffe nicht im Arm gehabt, wäre er eine durchaus vornehme Erscheinung gewesen.

    »Ich scheine mich ordentlich verirrt zu haben«, erklärte der kleine Grauhaarige jetzt heiter.

    »Wer sind Sie?«, fragte der Mann auf dem Felsen mit gepresster, leicht heiserer Stimme.

    »Mein Name ist Finch«, erklärte der Grauhaarige. »Offenbar habe ich alles vergessen, was man mir früher als Pfadfinder beigebracht hat, denn ich bin stundenlang im Kreis herumgelaufen.«

    »Ich weiß«, gab der Mann auf dem Felsen lakonisch zurück. »Ich beobachtete Sie bereits seit geraumer Zeit.«

    »Was?«, reagierte Finch erstaunt.

    »Ich wollte dahinter kommen, ob Sie sich wirklich verirrt hatten, oder ob Sie nur …«

    »Mein lieber Freund, soll das heißen …«

    »Es schien mir, als hätten Sie sich wirklich verirrt«, fuhr der Mann auf dem Felsen fort. »Ich gab mich allerdings der stillen Hoffnung hin, Sie würden sich endlich aus diesem Teil des Waldes entfernen. Stattdessen zogen Sie immer engere Kreise. Letztlich war mir klar, dass Sie das Haus entdecken mussten, wenn Sie das nächste Mal diese Lichtung verließen.«

    »Ist denn hier in der Nähe ein Haus?«

    »Gerade hinter diesem kleinen Hügel.« Der junge Mann zeigte in die halbrechte Richtung.

    »Und Sie ließen mich umherirren?«

    »Ja.«

    Finch schüttelte missbilligend den Kopf.

    »Wäre ich nicht so müde, so wäre ich neugieriger. Übrigens, … möchten Sie mit ihrem Gewehr nicht in eine andere Richtung zielen? Vielleicht ist es ja nicht geladen, aber trotzdem wäre es mir …«

    »Es ist geladen.«

    »Darf ich Sie dann bitten?«

    »Bedaure, Mr. Finch.«

    »Doktor Finch. Doktor Charles Finch.«

    »Mein Name ist Ryan Greenwood«, sagte der Mann auf dem Felsen. »Sie kommen jetzt mit mir zum Haus, Doktor Finch.«

    Finch zuckte mit keiner Wimper, während seine grauen Augen an Greenwood hafteten.

    »Ist das eine Einladung oder ein Befehl?«, fragte er ruhig.

    »Bedauerlicherweise ist es ein Befehl«, erwiderte Greenwood ungerührt. »Ich hoffte ehrlich, Sie würden einen Weg aus dem Wald finden. In gut einer Stunde wird im Haus Licht gemacht werden, und dann hätten Sie uns entdeckt.«

    »Uns?«, wiederholte Finch.

    »Meine Gäste und mich.«

    »Gäste? Sind die auch auf Ihren Befehl hier, Mr. Greenwood?«

    »Ja«

    »Ich verstehe.« Finch ließ seine Augen von Greenwood zum Jagdgewehr wandern. »Werden Sie dieses Ding wirklich benutzen, wenn ich mich weigere?«

    »Ja.«

    »Das habe ich mir gedacht«, erwiderte Finch. »Sie müssen große Angst haben und stehen unter Druck, Mr. Greenwood.«

    »Angst, wieso?«

    »Nun, … ein kräftiger junger Mann, wie Sie einer sind, braucht kaum ein derartiges Drohmittel, wenn er es mit einem alten Kauz wie mir zu tun hat. Wie könnte ich Ihnen überhaupt schaden?«

    »Indem Sie etwas sehen, das nicht für Ihre Augen bestimmt ist«, erklärte Greenwood, »und es nach Ihrer Rückkehr in die Stadt erzählen. Sie werden verstehen, dass ich es darauf nicht ankommen lassen konnte.« Er machte eine auffordernde Bewegung mit dem Gewehr. »Gehen wir!«

    »Wie Sie meinen, Mr. Greenwood«, fügte sich Finch. »Dann zeigen Sie mir mal den Weg.«

    »Dort … hinter der Tanne ist ein Pfad«, erklärte Greenwood. »Ich werde Ihnen folgen, wenn Sie nichts dagegen haben.«

    Finch ergriff seine Angelrute und erhob sich. Es fiel ihm schwer, sich zu bewegen, da sich seine müden Muskeln in der kurzen Ruhepause versteift hatten. Während er den Hang hinaufstieg, blieben seine Augen ununterbrochen auf Greenwood und sein Gewehr gerichtet – sie verrieten keine Angst, nur große Neugier.

    Greenwood wies ihm mit einer Hand den Weg. Knapp zwanzig Yards hinter der hohen Tanne befand sich Finch auf offenem Gelände. Leicht verdutzt blieb er stehen. Er sah einen See vor sich, der gut und gern drei Quadratmeilen groß sein mochte. Und dort war ein Haus, ein geräumiges Steingebäude mit breiter Veranda, die sich auf zwei Seiten in der ganzen Länge hinzog. Beim Abfluss des Sees befand sich ein Damm, auf dem ein kleines steinernes Häuschen stand, in dem Finch für einen Generator vermutete, weil es durch Leitungsdrähte mit dem Wohnhaus verbunden war. Hinter dem Wohnhaus gewahrte er eine offene Remise, in der zwei Kutschen standen. Von den dazugehörigen Pferden war nichts zu sehen. Er schüttelte leicht den Kopf. Den ganzen Nachmittag war er kaum hundert Yards von diesem Ort entfernt gewesen, aber nie hatte er die Richtung eingeschlagen, die ihn hierher geführt hätte.

    »Bitte weiter!«, befahl Greenwood hinter ihm. »Gehen Sie die Treppe zur Veranda hinauf, und öffnen Sie die Haustür.«

    Auf der Freitreppe blieb Finch abermals kurz stehen. Zu beiden Seiten der Haustür gab es große Fenster mit Blick auf den See. An jedem Fenster bemerkte er Gesichter, die ihn fragend anstarrten. Als sie merkten, dass er sie gesehen hatte, zogen sie sich zurück. Es waren angsterfüllte, angespannte Gesichter gewesen.

    ***

    Die Haustür erwies sich als unverschlossen, als Finch die Klinke herunterdrückte. Demnach hatte er sich geirrt, denn er war der Auffassung gewesen, an den Fenstern Gesichter von Gefangenen zu sehen. Aber als er sich gleich darauf im großen getäfelten Salon umblickte, spürte er sofort die Spannung, die elektrisierend in der Luft lag.

    Im Zimmer befanden sich acht Menschen, vier Damen und vier Herren. Ihre Haltung hatte für ihn etwas Lächerliches an sich, etwas Gestelztes, gerade so, als ob sie noch unmittelbar zuvor einen Kriegsrat abgehalten und beim seinem Anblick schnell eine unnatürliche Stellung angenommen hätten, die ganz harmlos auf ihn wirken sollte.

    Der eine, ein dunkler, sportlich aussehender Mann lehnte am Sims des mächtigen Kamins und stopfte mit behänden Fingern seine Pfeife. Ein anderer, der eine große schwarze Hornbrille trug, machte sich an einer fahrbaren Bar mit einer Flasche zu schaffen. Der dritte war hochgewachsen und recht schlaksig – er hatte seinen Arm schützend um ein jüngeres Mädchen gelegt. Der vierte, der eine Jockeyfigur hatte, saß mit hochgezogenen Beinen in seinem Sessel – ein bösartiges Lächeln enthüllte seine schiefen, tabakfleckigen Zähne. Die eine Dame kehrte der Szene den Rücken – eine andere schien in einem Sessel gegenüber dem Jockeymann zu schlafen.

    Die beherrschende Gestalt im Salon war jedoch die vierte Frau, die ein paar Schritte auf ihn zugemacht hatte und nun abwartend vor ihm stand. Ihr rötlichgoldenes Haar war klassisch hochgesteckt. Sie trug ein schlichtes, aber durchaus teures, graues Kleid. Ihre Augen waren die tiefsten veilchenfarbenen, die er jemals gesehen hatte. Trotz ihres strengen, lehrerinnenhaften Kleides wirkte sie bestrickend weiblich. Sie stand mit leicht gespreizten Beinen vor ihm, als ob sie den Weg versperren und die anderen beschützen wollte.

    Sie alle machten auf ihn den Eindruck von Schauspielern, die in einem Stück auf den Auftritt eines anderen Darstellers warteten, dessen Stichwort gerade gefallen war. Finch kam es vor, als wäre er mitten auf die Bühne gestoßen worden, ohne eine Ahnung vom Text zu haben.

    »Das ist Mr. Finch, Dr. Finch«, sagte Greenwood von der Tür her. »Die Lady vor Ihnen, Mr. Finch, ist meine Frau Kathlyn, der Doktor hat sich stundenlang im Wald verirrt. Wahrscheinlich hat er Hunger und Durst. Willst du dich bitte um ihn kümmern?«

    »Ryan, das kannst du nicht tun!« Ihre Stimme war leise und belegt. »Dieser Mann ist ja ein Fremder, ein Außenstehender, der mit allem nichts zu tun hat.«

    »Was du nicht sagst. Ist das so?«, reagierte ihr Mann schnippisch. »Aber vielleicht kennt ihn ja einer von euch?«

    Niemand antwortete.

    »Das ist doch Wahnsinn, Ryan«, stellte sie fest. »Wir hätten irgendwie damit fertig werden können. Aber wenn du jetzt auch noch einen Fremden hineinziehst …«

    »Es ist aber geschehen«, unterbrach er sie scharf. »Kümmere dich um den Doktor, Kathlyn, und erkläre ihm die Lage, damit er keinen Fehler begeht.«

    »Ryan!«

    »Bis später«, bemerkte Greenwood noch und im nächsten Augenblick hörte Finch die Tür hinter ihm zufallen.

    Ein allgemeiner Seufzer der Erleichterung ging durch den Salon. Der dunkle, sportliche Mann stellte sich neben Mrs. Greenwood. Er hatte seine Pfeife zurück in die Tasche seines braunen Anzuges gesteckt.

    »Sie sind in eine höllische Lage geraten, Dr. Finch«, sagte er. »Mein Name ist Howard Lancaster. Ich bin politischer Korrespondent der ›London Times‹. Vielleicht kennen Sie meine Artikel.«

    »Leider nicht, Mr. Lancaster«, erwiderte Finch.

    »Sind Sie aus Aylesbury, Doktor?«

    »Nein.«

    »Wie sind Sie denn hierher gekommen?«, erkundigte sich Howard Lancaster.

    »Weil ich ein Trottel bin«, antwortete Finch mit einem flüchtigen Lächeln. »Ich habe seit zwanzig Jahren nicht mehr gefischt, Mr. Lancaster. Ich sehnte mich nach etwas Freiluftsport. Aber anstatt von der Brücke in der Nähe meines bequemen Hauses oder einem Bach in der Gegend zu angeln, unternahm ich einen großen Ausflug. Ich wollte wie einst als Kind zelten und zog in die Wälder. Ich hatte dazu eine dieser wunderbaren modernen Zeltausrüstungen mitgenommen. Nachdem ich eine Stunde geangelt hatte, konnte ich mein Zelt nicht mehr finden. Nach dreieinhalbstündigem Umherirren stand mir ein fremder Mann mit einem Jagdgewehr gegenüber. Das ist die ganze Geschichte meiner Dummheit, Mr. Lancaster.«

    Der große, schlaksige Mann ließ seine Gefährtin los und trat vor.

    »Die wesentliche Frage ist, wer wird Sie suchen, Doktor?«

    »Mich suchen?«

    »Wer wird sich um Sie sorgen, wenn Sie mehrere Tage nicht heimkommen?«

    »Ja, das ist wichtig«, fiel Howard Lancaster ein. »Das ist übrigens Brian Chandler, Dr. Finch.«

    »Wer wird Sie suchen?«, wiederholte Chandler eindringlich.

    »Leider kein Mensch, Mr. Chandler. Jedenfalls vorerst nicht, denn niemand wird mich vermissen. Ich bin nämlich Psychiater, und wenn ich mir Urlaub nehme, verrate ich keiner Seele meinen Aufenthaltsort … andernfalls hätte ich nie Ruhe vor meinen Patienten. Da man mich erst in vierzehn Tagen zurückerwartet, hat man also keinen Grund, vorher nach mir zu suchen.«

    »Dann ist es zu spät«, stöhnte Chandler resignierend.

    Die Frau, die bislang allen den Rücken gekehrt hatte, fuhr plötzlich herum. Sie war dunkelhaarig und von unterdrückter Lebhaftigkeit. Ihr hochroter Mund wirkte herausfordernd.

    »Ihr könnt doch alle nur reden, reden, reden!«, rief sie. »Habt ihr denn keinen Funken Mumm in den Knochen? Was für Männer seid ihr eigentlich? … Wir sollen alle umgebracht werden, und ihr redet nur! Ihr solltet lieber endlich etwas unternehmen!«

    Der Jockeymann richtete sein boshaftes Lächeln auf sie.

    »Warum unternimmst du denn dann nichts, liebe Victoria? Dein Geständnis würde uns alle befreien.«

    Der Mann mit der Hornbrille wandte sich von der fahrbaren Bar ab.

    »Halt den Mund, Nicolas! Ich habe bald genug von dir.«

    »Deine Geduld ist wahrlich bewundernswert«, entgegnete Nicolas trocken. »Ich hatte dich schon vor zwanzig Jahren satt, Robert.«

    »Ich fände es einen guten Gedanken«, fiel Finch ein, »wenn mir jemand erzählen würde, was hier eigentlich los ist.«

    Kathlyn Greenwood, die sich bislang still verhalten hatte, schien sich plötzlich der unmittelbaren Lage zu erinnern.

    »Entschuldigen Sie, Doktor Finch, Ryan hat sicher recht. Sie müssen müde und hungrig sein.«

    »Gewiss, ich bin ein wenig erschöpft«, bekannte Finch, »aber offen gestanden: meine Neugier ist sehr viel größer als mein Appetit.«

    »Unsere Gastfreundschaft muss auf Sie etwas befremdlich wirken, Dr. Finch«, gestand Kathlyn, »aber immerhin können wir Ihren Hunger und Durst stillen. Wenn Sie mit mir kommen wollen …«

    »Wie wäre es mit einem Gläschen zur Begrüßung?«, erkundigte sich Howard Lancaster.

    Finch ließ seinen Blick zur gut sortierten Bar wandern.

    »Wenn ich einen Whisky bekommen könnte …«

    »Bringe den Whisky in die Küche, Howard«, ordnete Kathlyn an. »Folgen Sie mir bitte, Dr. Finch.«

    Die Küche entpuppte sich als fast so groß wie das Wohnzimmer und war so vorzüglich eingerichtet, dass sie ohne weiteres einem Hotel hätte dienen können.

    »Setzen Sie sich, Doktor.« Kathlyn wies auf einen runden, seidenblanken Teakholztisch, um den viele Stühle standen. »Ich kann Ihnen Kaffee oder Tee anbieten. Es ist auch kalter Truthahn da. Oder soll ich Ihnen ein Steak braten? Sie sehen, wir haben hier alles.« Ihr Gesicht bewölkte sich ein wenig. »Alles außer einem Ausweg.«

    »Wenn ich um Kaffee und etwas Truthahn bitten darf, Mrs. Greenwood.«

    Anscheinend wollten alle dabei sein außer dem jungen Mädchen, das beim Kamin saß. Auf dem Weg zur Küche hatte Finch gesehen, dass sie tatsächlich schlief. Howard Lancaster brachte ihm ein Glas und eine Flasche Whisky, und nach ihm kamen der Mann mit der Hornbrille und die dunkle Dame.

    »Ich bin Robert Drummond«, stellte sich der Mann mit der Hornbrille vor, »und das ist meine Frau Victoria. Ich bin Anwalt und der Sozius von Ryan Greenwood.«

    Finch zog die Augenbrauen in die Höhe.

    »Unser Gastgeber ist Jurist?«

    »Ja.« Drummond setzte seine Hornbrille ab und begann sie mit einem weißen Taschentuch zu putzen. »Wir sind, soviel kann ich voller Stolz sagen, die beste Anwaltsfirma in Aylesbury.«

    »Wenn Sie alles so dramatisch behandeln«, bemerkte Finch spöttisch, »sollte man Ihre Kanzlei auch über die Grenzen von Aylesbury kennen.«

    »Sie sagten, Sie wären Psychiater«, fiel Mrs. Drummond ein, ehe ihr

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