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Flanagan
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eBook180 Seiten2 Stunden

Flanagan

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Über dieses E-Book

"Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindrucke des Augenblickes ab, dass einer, der täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen lässt." So hat es der florentinische Staatsphilosoph Niccolò Machiavelli einmal treffend formuliert.

Flanagan und sein junger Freund Poindexter sehen es nicht anders. Mal wieder in Geldsorgen und bereit zum großen Coup, entwickeln sie einen ausgeklügelten Plan, mit dem sie nicht nur Inspector Brown und seinen Assistenten Sergeant Crowler von Scotland Yard an der Nase herumführen.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum3. Juni 2017
ISBN9783745051032
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    Buchvorschau

    Flanagan - Thomas Riedel

    Flanagan

    Kriminalkomödie

    von

    Thomas Riedel

    Bibliografische Information durch

    die Deutsche Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

    http://dnb.de abrufbar

    1.Auflage

    Covergestaltung:

    © 2018 Thomas Riedel

    Grafik: © krabata, ID: 4097512, Depositphotos.com

    Impressum

    Copyright: © 2017 Thomas Riedel

    Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

    ISBN: siehe letzte Seite Buchblock

    Für Susanne Danzer

    »Die Menschen sind so einfältig

    und hängen so sehr vom

    Eindrucke des Augenblickes ab,

    dass einer, der täuschen will,

    stets jemanden findet,

    der sich täuschen lässt.«

    Niccolò Machiavelli (1469 - 1527)

    Die Sonne hing ihre goldenen Strahlenbündel in die überall erblühten Obstbäume. Dazu strich ein lauer Wind durch die Hausgärten, der den lieblichen Duft von Flieder in die vormittäglich stillen Straßen der Stadt trug. Wie eine Glocke aus blauem Kristall lag der lachende Frühlingshimmel über der Welt.

    In den weiten geöffneten Fenstern des feudalen Edinburgher ›Old Waverley Hotelsstand die Sonne. Neugierig blinzelte sie auf die ganz in Weiß eingedeckten Tische des luxuriösen Speisesaals herein und spiegelte sich in all dem funkelndem Silber und blitzendem Glas. Helle goldene Quadrate legte sie auf den glänzenden Parkettboden. Liebkosend huschte sie über das weiche Fell einer Katze, die, behaglich schnurrend, auf einer der Fensterbänke die wärmenden Strahlen genoss.

    So hätte diese Geschichte beginnen können, wenn die zwei Gäste nicht gewesen wären, die schweigend im Speisesaal des Hotels saßen. Sie saßen dort, als würden sie nichts vom Frühling, dem Fliederduft und der Sonne bemerken. Anscheinend warteten sie einfach nur auf den Lunch und dachten nach …

    Ja! Woran dachten sie eigentlich? Wahrscheinlich nur an ihr Essen. Denn in einer Großstadt, wie Edinburgh eine war, dachte nach einigen Wochen niemand mehr an den Frühling mit seinem Blütenzauber. Vielleicht dachten sie darüber nach, ob die ›Escalopes‹ heute wieder so zäh sein würden, wie sie es am Tag zuvor waren. Eventuell fragten sie sich auch, ob die gekochten Eier endlich einmal weich und nicht steinhart auf den Tisch kamen, wie an all den Tagen zuvor.

    Möglicherweise sinnierten sie auch über andere Dinge. An frühere Zeiten vielleicht. An ihre bunte Vergangenheit, die sie, gleich einem abenteuerreichen Theaterstück, das drüben in der Neuen Welt begonnen, hinauf und hinunter geführt hatte. Von Erfolg zu Misserfolg, von Hoffnung zu Enttäuschung und von einem Kontinent, von einem Meer zum anderen. Möglicherweise dachten sie auch an den Zufall, der ihre Wege sich kreuzen ließ, und dessen stummen Wink sie sofort verstanden hatten. Ein glücklicher Umstand; denn sie ergänzten sich in selten vorkommender Weise.

    Nun aber warteten sie auf ihren Lunch. Der ältere von den beiden Männern hatte ein gebräuntes, energisches und glatt rasiertes Gesicht mit lebhaften Augen. Schmunzelnd sah er seinen Gefährten an. Dessen überaus freundliches Antlitz ließ darauf schließen, dass er jeglicher Art von Anstrengung mit dem abergrößten Vergnügen aus dem Wege ging. Mit leicht säuerlichem Zug um die Mundwinkel beschäftigte er sich mit dem Deckblatt einer sich sträubenden Zigarre.

    »Keine ›Victory!‹«, sagte der Ältere aufgeräumt.

    »›Victory‹? … Hat Defoes Robinson Crusoe vielleicht ›Victorys‹ geraucht?«

    »Wieder einmal unzufrieden, Poindexter? … Habe nur etwas Geduld, mein Junge. Es wird sich schon alles bald ändern!«

    Poindexter beleckte die widerborstige Zigarre von allen Seiten und drückte die Blätter fest. Dabei bemühte er sich, sein Gesicht in vorwurfsvolle Falten zu legen. »Mir ist die Sache wirklich zuwider! Diese ewigen Geldsorgen soll der Teufel holen …« Verdrießlich sog er an dem Zigarrenstummel und paffte einige dicke Rauchkringel zur Decke. »Fünf-Penny-Zigarren!«, knurrte er abfällig. »Und so etwas muss ich rauchen!«

    Flanagan riss ein Streichholz an der Unterseite des Tisches an und entzündete sich eine Zigarette.

    »Ach, daher weht der Wind …«, lachte er amüsiert. »Aber du hast recht. Wir müssen danach trachten wieder einmal ein richtiges Geschäft zu machen. Ein Unternehmen, das sich für uns auch wirklich lohnt!«

    Unzufrieden sprang Poindexter von seinem Stuhl auf. Mit weiten Schritten ging in dem großen, leeren Saal auf und ab. Endlich blieb er vor Flanagan stehen, dessen Blicke ihm lächelnd gefolgt waren.

    »Du mit deinen Geschäften! … Waren diese uralten Dinger, die du in Benares gekauft hast, vielleicht ein Geschäft? Ist das vernünftig, indischen Trödlerkram aufzukaufen, sein sauer verdientes Geld dafür auszugeben und mit hundertprozentigem Gewinn zu rechnen? Wo ist der Gewinn? Hat Mister Barratt die Sachen gekauft?«

    Flanagan streifte die Zigarettenasche ab.

    »Woher sollte ich denn wissen, dass Mister Barratt kein Interesse für indische Altertümer hat«, sagte er beschwichtigend. »Er ist mir immerhin als großer Sammler bekannt …«

    »Ein großer Sammler! Das ich nicht lache!«, unterbrach ihn Poindexter aufgebracht. »Was ist das schon, ein Sammler? Das sind doch alles nur Narren! Sie sammeln Hosenknöpfe, Briefmarken, Bilder und Krimskrams. All ihr Geld stecken sie in ihre Sammlungen, weil sie zuviel davon haben, und nicht mehr wissen, was sie sonst damit machen sollen. Weiter nichts! Und dieser Mister Barratt ist auch kein bisschen anders. Dieser Fabrikant verdient eben zu viel an seiner Toiletten-Seife. Und weil er im Geld schwimmt, und es meiner Ansicht nach zu leicht verdient, macht er Jagd auf Antiquitäten. Nur imponiert mir dergleichen nicht, wie du weißt!«

    »Und wenn er unsere indischen Kunstwerke gekauft hätte?«

    Flanagan tat Poindexters Einwurf mit einem Schulterzucken ab und setzte sich zurück an den Tisch.

    »Er hat sie aber nicht gekauft!«, stellte er melancholisch fest. »Kommt extra aus London per Bahn her und schaut sich alles eingehend an. Dabei schwafelt er weit und breit herum, und fährt schlussendlich, ohne auch nur ein Stück zu kaufen, wieder zurück in seine Seifenfabrik. Traurig ist das. Sehr traurig, sage ich dir! Wenn das so weitergeht, werden wir bald ganz schön in der Tinte sitzen!«

    »Und das, während andere in Brighton flanieren und im Meer baden!«

    »Brighton!«, schwärmte Poindexter, dessen Gesicht bei dem Gedanken an das Seebad einen verklärten Ausdruck annahm. »Brighton und das Meer!« Lächelnd sah er Flanagan an. »Weißt du eigentlich, dass es dort drei Saisons im Lauf eines Jahres gibt? Im Mai und Juni ist es fast ausschließlich von Londoner Familien und einfachen Bürgern besucht. Im Juli und August von Ärzten, Advokaten und Künstlern. Und in den Herbst- und Wintermonaten, wenn es dort sonnig warm ist, wimmelt es von Adeligen, die vom Kontinent heimkehren.« Er nahm einen Zug von seiner Zigarette. »Kannst du dir vorstellen wie das sein müsste, Flanagan? So als reicher Mann?«

    »Und ob ich kann!«, nickte Flanagan. »Und bei allem handelt es sich nur um eine Idee.«

    »Nein, mein Lieber! Zu allererst handelt es sich um Geld!«

    »Irrtum, mein Freund! Um die Idee, wie man zu Geld kommt! Die Idee ist das Primäre … daraus wird später Geld.«

    Poindexter hatte sich genug geärgert. Es lag ihm auch gar nicht, ewig zu widersprechen.

    »Hast du eine Idee?«, fragte er deshalb einlenkend.

    »Lass mich mal nachdenken …«

    Flanagans Denkorgan arbeitete zahlreiche Pläne ab, während er die Katze streichelte, die ihren Beobachtungsposten am Fenster verlassen hatte und auf seinen Schoß gesprungen war. Aber der Gedanke daran, dass jedes Geschäft mit eintöniger Arbeit verbunden war, stand beklemmend im Vordergrund.

    Poindexter betrachtete seine Zigarre.

    »Na also …«, sagte er nach einer endlosen Pause. »Ein Geschäft will er machen. Nach Brighton will er fahren. In der See will er baden. Aber er hat keine Idee, wie man Geld machen kann! Ein trauriges Leben!«

    Der Kellner hatte seinen Servierwagen vorgefahren und begann damit aufzutischen.

    Poindexter warf die Zigarre, die sich mit Erfolg bemüht hatte, in ihre ursprüngliche Blattform zurückzukehren, zum Fenster hinaus.

    »Und? … Noch immer nichts?«, erkundigte er sich, mit vollem Mund kauend.

    »Wie stehen wir augenblicklich da, wenn wir alles zusammenkratzen?«, wollte Flanagan plötzlich wissen.

    Poindexter fischte sich eine Scheibe Schinken auf den Teller, rechnete, kombinierte, addierte und zerlegte fachmännisch eine Grapefruit. Dabei kratzte er sich bekümmert hinter den Ohren und angelte, während er die Grapefruit mit Cognac behandelte, nach einem Ei griff, sich Butter auf ein bereits halbiertes Brötchen strich und einer Sardine den Schwanz abbiss.

    »Hundert Pfund in bar«, antwortete er danach, ganz Buchhalter. »Auf dem Scheckkonto bei der ›Bank of England‹ sind noch … rund fünfhundertdreiundsechzig Pfund und fünfzig Pence …«

    Flanagan blieb, ob der geringen Summen, der Bissen im Mund stecken. Er faltete die Serviette, legte sie auf den Tisch und lehnte sich zurück.

    »Mensch, lass dir die Hand drücken, Poindexter«, sagte er plötzlich. »Du bist der beste Kassenverwalter seit Olims Zeiten!¹«

    »Keine Ahnung von wem du gerade sprichst. Ich kenne keinen Olim! … Ich habe mir nur jede Zigarre vom Mund abgespart!«, entgegnete Poindexter mit einem vorwurfsvollen Blick.

    »Du bist der große Finanzminister … Fünfhundert … Das ist zu viel … Sobald wir eine Villa in Brighton haben, kaufe ich dir eine Kiste exquisiter Zigarren … Sag‘ mal, mein Freund, haben wir die Aktien der ›Murchinson Oil Development‹ noch?«

    Poindexter winkte mit der Gabel ab. Die Anlage, auf die Flanagan anspielte, weckte in ihm nicht gerade angenehme Gefühle.

    »Erinnere mich nicht an diese Wertpapiere. Wir verlieren an dieser Spekulation viel zuviel. Das war auch so eine Schnapsidee von dir, diese Aktien zu kaufen. Fünfhundert Stück haben wir … fünf..hun..dert! Wir haben fünfzehn Pfund dreiundsiebzig Pence pro Stück bezahlt … und heute stehen sie auf drei! Hörst du, Flanagan! Auf drei Pfund … Wir verlieren gute siebeneinhalbtausend daran.«

    »Hm!«, machte Flanagan und schwieg.

    »Auch eine Antwort, wenn man keine andere parat hat«, knurrte Poindexter verärgert. »Warum hast du die wertlosen Aktien nicht Mister Barratt angeboten? Der kauft doch Antiquitäten!«

    Flanagan stützte sein Kinn mit einer Hand und sah an Poindexter vorbei zum Fenster hinaus.

    »Oft sind es die unscheinbaren Dinge, die plötzlich Wert bekommen«, sagte er nach einer kleinen Weile nachdenklich. »Aus Minderwertigem gewinnen Alchimisten Gold.«

    »Na! Sie haben es wohl eher versucht, geglückt ist es keinem! Aber wenn du es kannst! Dann mach‘ mal Gold aus den wertlosen Papieren!«

    Flanagan blieb ihm eine Antwort schuldig. Um Poindexters Unzufriedenheit nicht noch weiter zu befeuern, unterließ er es ihm zu erklären, dass die Alchemie unter anderem Weißes Gold hervorgebracht hatte. Gemächlich schob er den Teller zurück und griff nach der Zigarettenschachtel zu seiner Linken. Sein Hirn arbeitete jetzt wie eine gut geölte Maschine. So, wie er augenblicklich dasaß, die Augen in eine unbekannte Ferne gerichtet, glich er einem Jagdhund, der Beute witterte.

    Mit Barratt, den Aktien und dem Bankkonto, überlegte er, damit fangen wir in London ein neues Leben an. Damit und mit einer Handvoll Ideen …

    Langsam wich die Anspannung aus seinem Gesicht, und es kehrte wieder Leben in seinen Blick.

    »Poindexter! Wir werden reich wir Krösus«, sagte er gleich darauf und lächelte seinen Gegenüber an. »Merke dir, Robert Stephenson und sein Vater George haben auch ohne einen Penny angefangen … und was haben sie uns gebracht? Die Eisenbahn!«

    »Und was willst du der Welt bringen?!«, spottete Poindexter giftig. »Ganz abgesehen bist du kein Ingenieur und die Sache mit Stephenson liegt auch schon einige Jahrzehnte zurück.«

    Flanagan schüttelte, den Spott seines Freundes ignorierend, den Kopf, beugte sich ein wenig vor und legte

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