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Calypso-Bogen: Reisejournal über die Kleinen Antillen

Calypso-Bogen: Reisejournal über die Kleinen Antillen

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Calypso-Bogen: Reisejournal über die Kleinen Antillen

Länge:
420 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
16. Apr. 2019
ISBN:
9783748533870
Format:
Buch

Beschreibung

Calypso-Bogen - so nennt Carlo Reltas die Inselkette der Kleinen Antillen von den Jungferninseln im Norden bis zu den ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curacao im Süden. Der Rhythmus der Calypso-Musik steht für die Lebensfreude, die den Menschen in dieser Inselwelt zu eigen ist.

Carlo Reltas führt seine Leser zu den Traumzielen der Karibik - in unterhaltsamen Texten, die er mit über 100 Fotos garniert. Er lässt er sie teilhaben an seinen Begegnungen mit einem Fischer und Glücksspieler, einem falschen Piraten aus dem "Fluch der Karibik", freundlichen Gastgebern, einem Lebensretter und vielen Antillanern mehr. Er rennt auf Barbados einen Halbmarathon im Morgengrauen. Er besteigt den "Mörderberg" Mont Pelé auf Martinique, den Gros Piton auf Saint Lucia und den höchsten Berg der Kleinen Antillen, den Soufrière auf Guadeloupe. Doch er befasst sich im Schlusskapitel "Irma, Maria und die Folgen" auch mit den Hurrikanen von 2017.

Der Autor war Jahrzehnte lang Journalist und Manager einer internationalen Nachrichtenagentur. Seit dem Ausstieg aus dem Nachrichtengeschäft lebt er am Odenwaldrand und auf Reisen.
Herausgeber:
Freigegeben:
16. Apr. 2019
ISBN:
9783748533870
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Calypso-Bogen - Carlo Reltas

Carlo Reltas

CALYPSO-BOGEN

Reisejournal über die Kleinen Antillen

Ich träume von wärmeren Tagen,

als die Erde noch runder war und der Horizont 

nach einem Glas Rumpunsch schräg verlief …

C. Reltas

Carlo Reltas

CALYPSO-BOGEN

Reisejournal

über die    

Kleinen Antillen

CARE Verlag

Heppenheim

Z-Logo

Titelbild: 

Dover Beach an der Südwestküste von Barbados

Alle Fotos: C. Reltas

Den Opfern und Geschädigten der Hurrikane 

Irma und Maria

Dank an Annette, Kosimar, Ellen, Jolanda und Fabian

für Kritik und Ratschläge 

© Copyright by CARE of Sattler 2018

eBook 2019:

ISBN 9783748533870

CARE of Sattler

Bensheimer Weg 29, 64646 Heppenheim

carlo.reltas@outlook.de

Vertrieb: 

epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin, 

 www.epubli.de

                          Inhalt

Cover

Wahlspruch

Titel

Impressum

ANFLUG

Calypso-Bogen – Wo liegt der eigentlich?

LEEWARD ANTILLES

Curaçao – Holland unter tropischer Sonne

Bonaire – Bunte Welt unter Wasser

IM WINKEL

Trinidad – Trübe Geschäfte mit Souldog  

WINDWARD ISLANDS  

Grenada – Maurice, Muskatnuss und Rum

Carriacou und die Grenadinen – Sailing!

Saint Vincent– Paradies im Wahlkampf

Barbados – Lobster und andere Genüsse

Saint Lucia – Zwei Spitzen, ein Icon

Martinique– Diamant und Mörder-Berg

LEEWARD ISLANDS

Dominica – Wo die Karibik am grünsten ist

Guadeloupe – Es rauschen die Wasserfälle

Antigua – „Best place on the planet"

Tortola – Wo die Karibik am steilsten ist

Virgin Gorda – Im Hinkelsteinparadies

Saint Thomas – Bei Käpt’n Schwarzbart

Sint Maarten – „Malle" der Karibik?

Anguilla – Traumstrände zum Finale

GOING HOME

Flexibel – Wenn plötzlich der Flug ausfällt

NACHWORT

Hurrikane – Irma, Maria und die Folgen

Karten

Steckbriefe der besuchten Inseln

Vom selben Autor

Über den Autor

ANFLUG

(Sonntag, 2. April 2017)

Calypso-Bogen – Wo liegt der eigentlich?

Der Calypso-Bogen ist auf keiner Landkarte zu finden. Auch diese Bezeichnung hat Karl sich auszudenken beliebt. Der Reisende vom Odenwaldrand (siehe Autor) meint damit die Girlande der Kleinen Antillen, die karibische Inselkette, die sich im Bogen von den Jungferninseln im Norden bis Trinidad im Süden hinzieht, dort nach Westen abknickt und sich – dem südamerikanischen Festlandssockel vorgelagert – bis zum niederländischen Aruba fortsetzt (siehe Karten).

    „Bei der Unterteilung dieser Inselkette, so erklärt Karl seiner Frau Kosimar auf dem Flug über den Atlantik zum ebenfalls niederländischen Curaçao, „verstricken sich die verschiedenen Sprachen in ein irritierendes Namenswirrwarr. Im Deutschen unterscheide man zwischen den Inseln über dem Wind und den Inseln unter dem Wind, wobei mit ersteren die gesamte Kette von Norden nach Süden von den Virgins (Jungfrauen) bis Grenada gemeint sei und mit letzteren lediglich die Ost-West-Kette vor der  Küste Venezuelas. „Die Briten dagegen, diese erfahrenen Seefahrer auf Segelschiffen, treffen eine genauere Unterscheidung", weiß Karl zu berichten. Sie nennen auch den nördlichen Teil der Nord-Süd-Kette bis zum Knick des Bogens zwischen Dominica und Martinique Leeward Islands, also windabgewandte Inseln. Um sie nicht mit den windabgewandten Eilanden vor der Küste Südamerikas zu verwechseln, bezeichnen sie letztere als Leeward Antilles.

    „Das ist in der Tat verwirrend, meint Kosimar. „Die Inseln liegen doch alle im von Nordosten kommenden Passat! „Richtig! Aber die Briten betrachten das aus Sicht der Seeleute an Bord ihrer Schiffe", entgegnet ihr Mann. „Wenn die Schiffe, von Afrikas Westküste kommend und meist mit Sklaven an Bord, am Scheitelpunkt des Antillenbogens eintrafen und weiter dem nördlichen Teil des Bogens nordwestlich folgten, dann kam der Passat von der Seeseite und die Inseln lagen auf windabgewandter Seite, also leeward. Wenn die Schiffe hingegen am Scheitelpunkt des Bogens den südlichen Teil der Kette entlangfuhren, also Kurs Südwest segelten, wehte der Passat für sie auf der Seite, wo die Inseln lagen. Diese heißen deshalb Windward Islands". 

    „Ich weiß, eine windige Erklärung, gibt Karl lachend zu. „Ein wenig ist die Unterteilung willkürlich und manchmal auch unter Machtgesichtspunkten vorgenommen worden. So hatten die Engländer lange alle Inseln südlich von Antigua und Montserrat als windward bezeichnet. „Als sie Mitte des 18. Jahrhunderts auch die Herrschaft auf Dominica übernahmen, dehnten sie die Bezeichnung Leeward Islands bis dorthin aus, berichtet Karl weiter. „Ich finde die britische Aufteilung ganz sympathisch. So habe ich drei Großetappen vor mir. Während der Flieger von Air Berlin in den Landeanflug auf Curaçao übergeht, resümiert er seinen Reiseplan: „Gemeinsam werden wir die Osterferien auf den Leeward Antilles beginnen. Da du leider zurück in den Schuldienst musst, werde ich danach allein dem Calypso-Bogen nach Norden folgen, zunächst über das noch zum Festlandssockel zählende Trinidad, dann die Windward Islands sowie schließlich die Leeward Islands." 

    „Du mit deinem Calypso-Bogen. Kein Mensch nennt die Kleinen Antillen so, neckt ihn Kosimar. „Wie bist du bloß darauf gekommen? „Nun, am Anfang war … nicht das Wort, sondern der Blick auf die Karte. Das Karibische Meer beziehungsweise seine Konturen aus den sie umgebenden Inseln und Festlandssockeln sehen aus wie eine Ellipse. Zum Calypso ist es da lautlich nur noch ein kleiner Sprung. Die mittelamerikanische Ostküste im Westen, die Großen Antillen (Jamaika, Kuba, Hispaniola mit Haiti und Dominikanischer Republik sowie Puerto Rico) im Norden, die Leeward und Windward Islands im Osten und schließlich die Leeward Antilles und die südamerikanische Nordküste im Süden bilden sozusagen die Karibische Kallipse", erläutert Karl schmunzelnd.

    „Da hast du dir ja was Nettes ausgedacht", meint seine Frau mokant lächelnd. „Und du willst jetzt deine ganze Karibische Kallipse abreisen? „Das dann auch nicht, räumt der Odenwald-Anrainer bei aller Passion fürs Reisen ein. „Dann müsste ich doch viel zu lange von dir fortbleiben, Schatz! Und außerdem scheint mir das Reisen über lange Strecken auf dem Festland recht ungemütlich. Ich habe mich bei unseren früheren Karibik-Reisen in die Inselwelt    der Kleinen Antillen verliebt. Jede dieser Perlen ist reizvoll, bietet so viele Attraktionen und ist doch überschaubar.  Und wenn ich noch mehr Abwechslung will, hüpfe ich – ob mit Flugzeug oder Boot – zur nächsten Insel."

    „Willst du denn jede dieser Inseln aufsuchen? forscht die Dame auf dem Fensterplatz neben Karl weiter. Er lacht. „Nein, von diesem Vollständigkeitswahn bin ich nicht befallen. Allein im Archipel der Jungferninseln gibt es so viele Eilande, davon sehr viele unbewohnt. Die kann und will ich gar nicht alle anfahren. Aber von den Inselstaaten beziehungsweise Überseegebieten Frankreichs, Großbritanniens und der Niederlande werde ich fast alle beehren.   Der einzige Staat, den ich auf dem Weg von Antigua zu den  Jungfern links liegen lassen werde, ist St. Kitts und Nevis. Aber eines Tages werde ich auch dorthin kommen.

    „Okay, dann musst du mir nur noch erklären, weshalb du diese Inselkette den Calypso-Bogen nennst. Calypso ist doch Musik! – „Da hast du völlig Recht. Der Calypso ist als Tanz und Musikrichtung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf Trinidad entstanden, also am Scharnier der Nord-Süd- und der Ost-West-Kette der Kleinen Antillen. Die ganze Region vibrierte von diesem afro-karibischen Rhythmus im 2/4-Takt, vor allem zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Reggae auf Jamaika und vor allem Soca, eine Mischung aus Soul und Calypso, haben sich auf Trinidad sowie besonders auch auf Barbados in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Calypso entwickelt. 

     „Aber spielt der Calypso denn heute noch eine Rolle? fragt Karls Frau. „Und ob! wirft der darauf ein. „Der Karneval auf Trinidad, der berühmteste und heißeste Karneval der Region, ist nach wie vor ohne die Calypso-Rhythmen nicht vorstellbar. Und weißt du, wie die Reederei heißt, mit deren Schnellboot ich von Sint Maarten nach Anguilla, zur letzten Station meiner Tour düsen werde? Calypso Charters! Der Name Calypso ist hier immer noch überall präsent. Ich werde also von Curaçao im Südwesten über das Scharnier Trinidad im Südosten bis zu den Virgins und Anguilla im Norden tatsächlich meinen Calypso-Bogen spannen", grient Karl voller Vorfreude.

    „Schau mal, da ist ein Asphaltband parallel zur Küste einer Insel!" ruft Kosimar plötzlich aus. „Wahrscheinlich die Landebahn von Curaçao International, oder? „So ist es! bestätigt Karl. Wenig später landet die Maschine der krisengeschüttelten Air Berlin sicher im Königreich Niederlande.

LEEWARD ANTILLES

(April 2017 und Dezember 2015)

Dank an Frederieke & Jeroen, Ulli & Jochen

Curaçao – Holland unter tropischer Sonne

    „Sind Sie die Tochter des Präsidenten von Venezuela? Karl hat auf dem Schildchen der Uniformbluse der Dame von Curaçaos Grenzkontrollbehörde den Namen Maduro entdeckt. Dieser Name aus dem benachbarten Venezuela wird ihm im autonomen niederländischen Überseegebiet noch öfters begegnen, unter anderem bei einem Bankhaus in der Hauptstadt Willemstad. Die rundliche, kaffeebraune Mittvierzigerin beweist Humor. „So, das glauben Sie? Präsident Maduro ist doch selber höchstens Mitte Fünfzig! lächelt sie geschmeichelt. Karl ignoriert die Rückfrage und entgegnet scherzend: „Wenn Sie Ihren Vater das nächste Mal sehen, richten Sie ihm bitte aus, er möge zurücktreten. Er richtet sein Land sonst noch zu Grunde."

    Nach diesem nicht ganz ernsthaften Abstecher in die venezolanische Innenpolitik drückt Frau Maduro huldvoll den Einreisestempel in Karls Pass und lässt ihn passieren. Kosimar und er durchschreiten die gekühlten Gänge des modernen Flughafengebäudes. Als sich die automatische Tür zur großen Empfangshalle öffnet, schlägt ihnen schon etwas tropische Hitze entgegen. Suchend schauen sie sich in der Halle um. Da hören sie den Ruf „Hallo, Karl! Es ist Frederieke, die holländische Besitzerin einer kleinen Ferienanlage in den Hügeln bei Sint Willibrordus im Westen der Insel. Vor 16 Monaten hat Karl ab Mitte Dezember 2015 – damals allein, weil die als Lehrerin „schulpflichtige Kosimar erst zu Weihnachten in die Karibik folgte – schon ein paar Tage auf dem ehemaligen Terrain des berüchtigten Sklavenhalters Jan Kok verbracht. Wo einst aus Afrika herbeigeschaffte Arbeitskräfte in der Salzgewinnung schuften mussten, haben Frederieke und ihr Mann Jeroen ein Urlauberparadies geschaffen. 

    Vom kleinen Pool der Anlage inmitten üppiger Vegetation fällt der Blick den Hügel hinunter auf das seichte Wasser der ehemaligen Salzfelder, die durch einen schmalen Trichter zwischen den Uferhügeln mit dem Meer verbunden sind. Sklaven schöpfen hier längst kein Salz mehr. Überhaupt ist dieses Geschäft zum Erliegen gekommen. Stattdessen haben nun Scharen von Flamingos die weiten Tümpel in Beschlag genommen. Auf einem Nachbarhügel ist das alte Landhuis von Jan Kok zu erkennen. Es leuchtet weiß in der Abendsonne. Wo einst die Familie des strengen „Hannes Hahn" – wie der Name des Gutsherrn eingedeutscht hieße – in einem Garten umgeben von Dornengebüsch lebte, hat sich jetzt die Künstlerin und ehemalige Curaçao-Schönheitskönigin Nena Sanchez eingerichtet, deren farbenprächtige Skulpturen ein wenig an die Werke von Niki Saint-Phalle erinnern.

    Auf dem Weg zum Abendessen im Williwood ¹ kommen Kosimar und Karl am Eingang des einstigen Kok- und heutigen Künstlerinnen-Anwesens vorbei. Sie werden diese kleine Hazienda in den nächsten Tagen noch besuchen. Doch jetzt streben sie erst einmal dem Treffpunkt der Gegend um Sint Willibrordus zu. Einheimische aus dem ganzen Umkreis, zugewanderte Holländer und natürlich Touristen geben sich hier am Sonntagabend ein Stelldichein. Karl hatte diesen Ort an einer Straßenabbiegung kurz vor dem eigentlichen Dorf des Heiligen Willibrord schon bei seinem ersten Besuch schätzen gelernt. Das Toko Williwood hat seinen Namenszug auch jenseits der Straße hinter dem Sportplatz in großen Lettern an der Flanke des Hügels neben den Salzfeldern installiert. Das Vorbild neben der Filmmetropole in Kalifornien lässt grüßen. Im Williwood geht es nicht ganz so mondän, dafür aber wesentlich gemütlicher zu.

    Im Winkel der Straßengabelung hat sich das Toko etabliert. Das Wort Toko stammt aus Indonesien, einer anderen ehemaligen holländischen Kolonie. Auf wundersame Weise ist es um den halben Erdball hierher gewandert. Es bedeutet „kleiner Laden" und ist ein Platz, wo man alles Lebensnotwendige kaufen kann. Doch das Williwood ist wesentlich mehr. Der Verkaufstresen ist drinnen, aber auf der Veranda finden sich Stehtische, Bänke und Stühle. Und am Ende der Terrasse sind ein Schlagzeug, ein E-Piano und ein Bass aufgebaut. „Siehst du? Wie in dem Williwood-Newsletter angekündigt, den ich schon vor ein paar Tagen in Deutschland erhalten habe, gibt es heute Abend sogar Live-Musik", freut sich Karl. Entsprechend voll ist die Veranda. So lassen sie sich schließlich auf dem Vorplatz nieder, wo auf der festgestampften Erde ebenfalls Tische und Bänke aufgebaut sind. Sie bleiben dort nicht lange alleine. Der Platz füllt sich mehr und mehr. Ein würdiger Graubart in olivfarbenem T-Shirt nimmt mit zwei ebenfalls tiefdunkelbraunen Freunden hier Platz. An den Nebentisch setzen sich eine etwas schwergewichtige braune Matrone, ihr Gatte in Shorts, offenem Hemd und Baseball-Kappe über dem grauen Kräuselhaar und eine Dame mit schneeweißer Lockenpracht, vielleicht die ältere Schwester des Ehemanns. 

    „Ich find’s toll, dass wir an einem populären Platz mitten unter Einheimischen sitzen", kommentiert Kosimar die Lage. Karl stimmt ihr zu und bestellt die Spezialität des Hauses: „Zwei Goatburger bitte! Was für ein Bier für mich? Natürlich ein Carib! Kosimar ist skeptisch. „Da bin ich ja mal gespannt, wie mir der Hamburger mit Ziegenfleisch schmecken wird. Im Lautsprecher ertönen die ersten Akkorde des Keyboards. Dann werden sie auch schon aufgetischt, die „Göteborger", wie Karl sie nennt.   

    Beschwingt von der Jazz-Musik, gut gesättigt und gut gelaunt machen sich Kosimar und Karl auf den Heimweg.  Inzwischen ist es natürlich dunkel. Diesmal gehen sie an der Hauptstraße entlang und nicht quer durch das Jan-Kok-Viertel, wo sie auf dem Hinweg quasi an jedem passierten Anwesen von den Hofhunden angebellt worden sind. Karl erinnert sich, dass an dem Abzweig zu ihrer Lodge ein Riesenschlagloch den Fahrbahnrand zierte und eine Bogenlampe den Abzweig ausleuchtete. Bis dahin bleibt ihnen, als sie die Williwood-Beleuchtung hinter sich gelassen haben, nur das Mondlicht. Auf dem Abzweig zur Jan Kok Lodge erfüllen wieder mehrere Wachhunde ihre Pflicht. „Keine Bange, die Grundstücke sind alle vergittert, beruhigt Karl seine Frau. Aber etwas mulmig ist auch ihm zumute, was er seiner ängstlichen Begleiterin natürlich verheimlicht. „Ich habe mir gestern Abend etwas Sorgen um Euch gemacht, sagt ihnen Frederieke, als sie ihnen am nächsten Morgen den Schlüssel für den Leihwagen aushändigt. „Ich selber bin den Weg nach Williwood noch nie gegangen, geschweige denn bei Nacht." Kosimar und Karl werden in den nächsten Tagen Stammgäste im Toko. Aber von nun an nehmen sie immer das Auto.

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Daai Booi Baai am frühen Morgen

    Der erste Weg am ersten vollen Tag auf Curaçao führt sie an den Strand. „Het leven is mooi, bij Kees op Daai Booi. Dieser Wahlspruch, den der ehemalige Marineoffizier Kees in seiner Beach Bar an die Wand genagelt hat, ist so wahr, wie er wahrer nicht sein kann, hat Karl seiner Frau versprochen. „Das Leben ist schön, bei Kees in Daai Booi. Du wirst sehen, das stimmt. Es ist noch früh am Morgen. Karl ist die zwei Kilometer nach Williwood und die nochmals zwei Kilometer zur Daai Booi-Bucht gejoggt. Unterwegs hat ihn die später aufgebrochene Kosimar im Kleinwagen überholt. Noch ein paar Kurven und dann liegt es endlich auch vor ihm, das paradiesische Ambiente der Bucht. Vor Kees‘ Kiosk breitet sich ein feinsandiger Strand aus, davor türkisfarbenes Wasser. Schatten spendende, auf vier Pfählen aufgeständerte Strohdachkuppeln sind über den Sandstreifen verteilt. Die Bucht ist an beiden Seiten von einer felsigen Steilküste flankiert. Von oben überschaut man die Pracht in Türkis besonders gut. Aber um die Farbenpracht unter Wasser zu entdecken, muss man sich eine Taucherbrille aufsetzen.

    Doch zunächst gönnen sich die beiden Entspannung pur. In diesem Moment können sie sich keinen besseren Ort dafür  vorstellen. Sie genießen die Ruhe und das Nichtstun an diesem relativ einsamen Strand. Ein braunroter Hahn mit schwarzen Schwanzfedern stolziert um den Kiosk herum, als Karl dort etwas zu trinken holt. „Ach da bist du ja, Jan Kok, du alter Sklaventreiber. Eigentlich ein viel zu gnädiges Schicksal, dass du als Hahn wiedergeboren bist und deine Zeit in Daai Booi verbringen darfst", scherzt Karl mit ihm.

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Blick auf Daai Booi von Hochküste 

     Als er gut ein Jahr zuvor allein hier war, hat Karl natürlich auch die wilde Hochküste erkundet. Von dort sind in der Ferne passierende Frachter zu erkennen. Durch ein Gestrüpp aus Kakteen und Dornenbüschen führt ein schmaler Pfad zur Nachbarbucht Porto Mari Baai. Nach zwanzig Minuten war er da, an diesem ebenfalls schönen, aber etwas mondäneren und nicht ganz so naturbelassenen Platz. Nach einem kurzen Zwischenstopp für einen kühlen Drink an der dortigen Bar hat er sich wieder ins Gestrüpp geschlagen, um zu Kees‘ spartanischerer Idylle zurückzukehren.

    Taucherbrillen, Schnorchel und Flossen – für den nächsten Tag stehen sie auf dem Einkaufszettel. Beim Diveshop in der Piscadera-Bucht – oben im ersten Stock eines luftigen Holzhauses direkt am Strand – ist im Prinzip alles vorhanden. Nur das Schnorchler-Shirt in der richtigen Farbe fehlt. Wer länger an der Wasseroberfläche mit der Nase und den Augen nach unten dümpelt, um die Unterwasserwelt auszuspähen, sollte seine Schultern bedecken. „Wenn Sie die bunten Fische betrachten … und betrachten, verlieren Sie das Gefühl für die Zeit. Und wenn Sie aus dem Wasser kommen, haben Sie einen Wahnsinnssonnenbrand auf den Schultern. Sie brauchen unbedingt ein Shirt", empfiehlt John, der Verkäufer im Diveshop und erfahrene Taucher aus Florida. Das war auch Karl schon am Vortag in Daai Booi aufgefallen, dass die Langzeitschnorchler mit einem nassen Hemd aus dem Wasser stiegen, einer sogar mit einer dünnen Stoffmütze samt Nackenlatz. „Ich hab‘ ja mein hellblaues running shirt aus Barbados vom dortigen Halbmarathon 2015. Das erfüllt genau diesen Zweck. Aber du solltest dir auch etwas zulegen, rät er Kosimar. „Aber die Farben gefallen mir nicht, schlammgrau oder blau, mäkelt Pink-Liebhaberin Kosimar. Und auch die Flosse liege nicht gut an ihrem schmalen Fuß an. „Stimmt, stimmt ihr John zu. „Ich kann Ihnen beides von unserem Lieferanten am anderen Ende der Stadt besorgen. Wenn Sie ‘ne Stunde Zeit haben und hier am Strand verbringen wollen? „Tja, wir wollten eigentlich nach Willemstad hinein. Okay, wir machen jetzt einen Stadtbummel und in gut zwei Stunden kommen wir auf unserem Rückweg nach Willibrordus wieder hier vorbei, schlägt Karl vor. „Geht klar, verspricht John. „Dann ist mit Sicherheit alles abholbereit."

    Von der Piscadera-Bucht, an der auch das Hilton Curaçao liegt, ist es nicht mehr weit bis nach Willemstad, der einstigen Hauptstadt der Niederländischen Antillen und mit über 120.000 Einwohnern auch heute noch die größte Stadt aller karibischen Inseln des Königreichs der Oranier. Die Kolonialisten haben den Ort wohlbedacht gewählt. Etwas östlich der Mitte der etwa 60 Kilometer langen Insel liegt er an der dem Karibischen Meer abgewandten Südseite Curaçaos und zwar dort, wo durch einen schmalen Trichter das Meer in eine von Land umschlossene Lagune fließt, das Schottegat. Dieser natürliche Hafen ist heute von Industrieanlagen umgeben, vor allem Erdölraffinerien. Ihre Stadt haben die holländischen Kolonialisten, die im 17. Jahrhundert auf der Suche nach dem in Europa stark nachgefragten Salz hierher kamen, praktischer Weise an der schmalen Durchfahrt zum Schottegat errichtet. Die Salzhändler, die das zum Einpökeln von Fischen begehrte Gut nach Europa verschifften, hatten ihre Kontore an der Handelskade, wo noch heute die bunten Giebelhäuser Seite an Seite stehen. Sie sind zum Emblem-Bild der Curaçao-Werbung geworden. Mehr als alles sonst repräsentieren sie das Weltkulturerbe, zu dem die UNESCO 1997 das historische Zentrum von Willemstad erkoren hat. Den Teil am Ostufer der Sint Annabaai nennt man heute Punda, in der Einheimischensprache Papiamentu die Übertragung des holländischen Wortes für Punkt: Punt

   Der gegenüberliegende Westteil Otrabanda ist sozusagen de schäl Sick, wie Rheinländer sagen würden. Otrabanda heißt auf Papiamentu schlicht und einfach „andere Seite". Über einen vierspurigen Boulevard fahren Kosimar und Karl, von Westen kommend, nach Otrabanda hinein. Sie parken auf einer Freifläche rechts in praller Sonne, wo links die Arubastraat zur Hochbrücke abzweigt. Sie gehen durch eine mehr oder minder elegante Einkaufspassage und schon stehen sie vor dem Rif Fort, das einst die Hafeneinfahrt am Westufer bewachte, dessen historische Mauern inzwischen aber ebenfalls mit Boutiquen und Restaurants gefüllt sind. Sie besteigen die Befestigungswälle und sehen – oben angekommen – ein Schiffsungetüm, das die meisten Bauten von Willemstad an Höhe überragt: Der Navigator of the Seas gehört mit 311 Metern Länge zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt und ankert gerade – westlich vom Fort – an Curaçaos Mega Cruise Terminal

    Zwischen der „Super-Anlegestelle" und dem Fort lädt der Infinity Pool eines Luxushotels zum Entspannen ein. Er scheint direkt ins Meer überzugehen. Badegäste lehnen sich auf die gemauerte Überlaufkante und schauen Richtung Venezuela. Was von hinten so aussieht, als müsste man nur darüber gleiten, um hinüber zum Terminal schwimmen zu können, entpuppt sich – seitlich von der Spitze des Forts aus betrachtet – doch als echte Mauer. Unter der Poolkante fällt eine Böschung mit Felsbrocken zum Meer hin ab.

    Doch Kosimar und Karl lassen sich von den Meereswogen faszinieren, die an die Grundfesten des Forts klatschen. Gerade fährt eine Barkasse vom Meer in die Sint Annabaai hinein. Auf der anderen, der Punda-Seite dieser Durchfahrt zum Schottegat sehen sie an der Landspitze das 1635 errichtete Fort Amsterdam, einst ein Verteidigungsbollwerk, heute der Sitz der Regierung des autonomen Landes Curaçao innerhalb des Königreichs der Niederlande. Der Gouverneurspalast liegt direkt gegenüber am „Regierungsplatz", dem Gouvernementsplein. Dorthin zieht’s die beiden. Um hinüber zu gelangen, gehen sie am Otrabanda-Ufer – vorbei an Ständen für Souvenirs, bunte Tücher und vieles mehr – vom Rif Fort zur Koningin Emmabrug, zu einer, wenn nicht der Hauptattraktion von Willemstad.

    Am Brückenaufgang angekommen, bleibt ihnen der Zugang verwehrt. Die Brücke ist zwar da, steht aber leicht schräg und führt am anderen Ende nicht ans Ufer, sondern ins Leere beziehungsweise ins Wasser. Die Königin-Emma-Brücke liegt auf 16 schwimmenden Pontonbooten. Dank zweier mächtiger Schiffsmotoren an ihrem Punda-Ende kann sie weggeschwenkt werden. Sie fährt mit ihrem Ostende dann einen Viertelkreis nach Norden und legt schließlich in voller Länge auf der Otrabanda-, der anderen Seite an. Die wartenden Besucher aus Deutschland studieren derweil den hohen Mast auf dem Brückenvorplatz. Oben flattert die Fahne Curaçaos, blau wie das Meer, im unteren Drittel ein gelber Streifen für Sonne und Strand sowie oben links ein großer Stern für die Hauptinsel und ein kleinerer für das südöstlich vorgelagerte Klein Curaçao. 

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Königin-Emma-Brücke in Adventsbeleuchtung

    Da ertönt die Glocke. Die Brücke darf wieder betreten werden. Über Holzbohlen schreiten die Fußgänger hinüber. Die „Schwimmende alte Dame, wie die bewegliche Verbindung zwischen den beiden Ufern im Volksmund heißt, scheint sich immer noch zu bewegen. „Ich habe das Gefühl, wie ein Seemann an Land zu schwanken, bemerkt Kosimar zu Recht. Ihnen geht es nicht alleine so. Auch andere Touristen schreiten lachend wie im Seemannsgang dahin. Karl hatte dieses Vergnügen bereits in der Adventszeit 2015, als die königliche Dame weihnachtlich geschmückt war und im Glanz zahlreicher Lichterbänder besonders abends ganz prächtig und romantisch aussah. Vor dem vierstöckigen Penha-Geschäftshaus am Rande des Regierungsplatzes, das ebenso wie der benachbarte Gouverneurspalast mit gelben Mauern und weißen Stuckverzierungen im Sonnenlicht leuchtete, stand ein grüner, fast haushoher Weihnachtsbaum, der sich aus dem europäischen Holland hierher ins Palmenambiente verirrt zu haben schien. 

    Der Blick von der Terrasse des nahen Iguana-Cafés, wo einem – anders als der Name vermuten lässt – keine Leguane um die Füße streichen, ist aber auch zur Osterzeit überwältigend. Vor Kosimars und Karls Nasen sozusagen  fährt gerade ein TUI-Cruiser durch die Sint Annabaai hinüber zum inneren Hafen in der Schottegat-Lagune. Während die Emmabrücke für den mächtigen Kreuzfahrer weggeschwenkt werden musste, wird er – wie sie bei einem Frappé beobachten – problemlos unter der Königin-Juliana-Hochbrücke am Eingang zur Lagune hindurchpassen. 

    Das 56,4 Meter hohe Bauwerk ist eine der höchsten Brücken der Welt und wurde 1974 nach fast zehnjähriger Bauzeit eingeweiht. Es trägt den Namen der Großmutter des heutigen Königs Willem-Alexander. Königin Juliana wiederum (im Amt von 1948 bis 1980) war die Enkelin von Königin Emma, Regentin 1890-1898, bis ihre Tochter Wilhelmina (Königin 1898-1948) volljährig wurde. Die nach Emma benannte Schwenkbrücke war noch zu Lebzeiten ihres Mannes König Willem III. im Jahr 1888 fertiggestellt worden. Von Anbeginn galt die Pontonbrücke als eines der Schmuckstücke von Willemstad. Zweimal – 1939 und 2006 – wurde sie gründlich renoviert. Noch heute erscheint sie so intakt, funktionstüchtig und beliebt wie vor 130 Jahren, als sie noch mautpflichtig war und nur barfuß gehende, arme Personen sie kostenlos überqueren durften.

    Aus dem Iguana-Café sehen die Touristen, wie die Emma-Brücke wieder zur Seite geschwenkt wird. Ein riesiger grauer Jaguar kommt angeschwommen. Es ist das 41 Meter lange Patrouillenschiff „Jaguar" der Königlich-Niederländischen Küstenwache für die Karibik. Seine Schwesternschiffe „Poema (zu Deutsch: Puma) und „Panter verrichten ihren Dienst für Aruba und Sint Maarten, den beiden anderen karibischen „Ländern des Königreichs. Am Mast des „Jaguar flattern zwei Flaggen, oben die rot-weiß-blaue der Niederlande, darunter die sternengeschmückte Curaçaos. Der „Jaguar zeigt somit auch den politischen Status der Karibikinsel an. Sie hat eine autonome Verwaltung. Aber die Hoheit über die internationale Außenvertretung, die Justiz und die Verteidigung obliegt weiter den Niederlanden. Der „Jaguar fährt vor den Augen der Touristen hinaus auf die offene See. An Bord befindet sich zwar auch ein Maschinengewehr, aber das andere mächtige Geschütz am Heck des Schiffes dient friedlichen Zwecken. Die drehbare Wasserkanone ist für die Brandbekämpfung da. Die „Kustwacht" kann also auch als Feuerwehr eingesetzt werden.

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„Jaguar" der Coast Guard

    Einen weiteren grauen Küstenwächter entdecken Kosimar und Karl an der Kaimauer der Sint Annabaai, als sie von der Handelskade zum Schwimmenden Markt entlang der Caprileskade an der Nebenbucht Waaigat abbiegen wollen. Ein junger Bursche hockt nahe der Ecke auf der Mauer und starrt ins Wasser. Sein langer Schnabel ist auf die blaue Oberfläche gerichtet, die Flügel sind ganz leicht angehoben und damit startklar. Seine wachen Augen halten Ausschau nach Beute. Es ist ein Pelikan. Durch die menschlichen Passanten lässt er sich beim konzentrierten Spähen in keiner Weise irritieren. „Fotografiert mich ruhig, scheint seine Körperhaltung zu vermitteln. „Euch ignoriere ich nicht einmal!

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Pelikan auf Molenwacht

    Den Touristen und Einwohnern Willemstads wird die Nahrungssuche leichter gemacht. Wenige Meter nach der Abzweigung des Waaigats von der Annabucht stehen Marktstände am Ufer.

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