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Charles Finch: Ein verstörter Geist
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eBook134 Seiten1 Stunde

Charles Finch: Ein verstörter Geist

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Über dieses E-Book

Woodfield, England, 1889:

Während der Suche nach einem vermissten Kind, wird der Arzt Bob Bristow über von der Klippe eines Steilhanges gestürzt. Als einzig greifbarer Arzt am Ort wird Dr. Finch gerufen, der in Woodfield seinen Urlaub verbringt. Er kann aber nur noch den Tod seines Kollegen feststellen.

Als einer der an der Suche Beteiligen gesteht, Bristow in die Tiefe gestürzt zu haben, sind alle Anwesenden schockiert. Doch als sich Finch dessen Aussage anhört, kommen ihm Zweifel an dessen Täterschaft. In gewohnter Manier sucht er nach den Puzzlesteinen, die ihn auf die Spur des wahren Mörders führen …
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum5. Jan. 2019
ISBN9783748500001
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    Buchvorschau

    Charles Finch - Thomas Riedel

    Charles Finch:

    Ein verstörter Geist

    Kriminalroman

    Thomas Riedel

    Bibliografische Information durch

    die Deutsche Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

    http://dnb.de abrufbar

    1. Auflage

    Covergestaltung:

    © 2019 Thomas Riedel

    Coverfoto:

    © 2019 @ ysbrand, Depositphotos

    Impressum

    Copyright: © 2019 Thomas Riedel

    Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

    ISBN siehe letzte Seite des Buchblocks

    »Es gibt mehr Schätze in Büchern

    als Piratenbeute auf der Schatzinsel …

    und das Beste ist,

    du kannst diesen Reichtum

    jeden Tag deines Lebens genießen.«

    Walt Disney (1901-1966)

    »Das Gedächtnis ist das Tagebuch,

    das wir immer mit uns herumtragen.«

    Oscar Wilde

    (1854-1900)

    1

    Woodfield, England, 1889

    Der kleine unauffällige Mann kniete neben der Leiche, während die anderen um ihn einen Kreis gebildet hatten und mit ihren Fackeln den Platz am Fuß des Steilhangs ausleuchteten. »Er ist tot, wie man es nur sein kann«, stellte er nach einer kurzen eingehenden Untersuchung fest. »Und ich möchte stark bezweifeln, dass er auch nur einen einzigen Knochen besitzt, der nicht gebrochen ist.«

    Von außerhalb des Lichtkreises ertönte das gedämpfte Schluchzen einer Frau.

    »Und daran bestehen keinerlei Zweifel, Dr. Finch?«, erkundigte sich Walsh, ein Detective Inspector vom Scotland Yard.

    »Leider nein, Inspector.« Finch schüttelte den Kopf. Er sah hoch in die Dunkelheit, die sich wie ein schwarzes Betttuch über ihnen ausgebreitet hatte. »Wie hoch schätzen sie die Kante?«

    »Auf gut zweihundert Fuß«, erwiderte Walsh.

    Finch zuckte die Achseln. »Das passt zu den Verletzungen.«

    »Des Nachts ist das ein gefährlicher Ort. Niemand sollte um diese Zeit hier sein«, meldete sich eine tonlose Stimme aus dem Hintergrund. »Vor allem dann nicht, wenn man mit einem Mörder zusammen ist.«

    Augenblicklich wandten sich dem Sprecher alle Fackeln zu, um ihm ein Gesicht zu geben. Er war hochgewachsen und hager. In seiner Wolljacke wirkte er gar ein wenig kleiner als er eigentlich war. Die Fackeln betonten alle Linien und Schatten, aber dennoch schienen seine Augen tief in ihre Höhlen gesunken zu sein. Er stand neben einem Mädchen mit rotgoldenen Haaren, das zu einem schulterlangen Haarknoten gebunden war. Sein Arm lag um ihre Schulter und seine Hand wirkte weiß und riesig auf dem schwarzen Tuch ihres Mantels.

    »Aber Stephen! Stephen, Schatz!«, begehrte sie auf.

    Der Mann sah auf sie herab und seine Wange zuckte kurz, ehe seine Augen die Blicke der Fackelträger streiften. »Ich glaube, dass ich ihn ermordet habe«, murmelte er halblaut.

    »Beruhigen Sie sich, Mr. Drake«, beschwichtigte Walsh. »Jeder hier weiß, dass Dr. Bristow einer Ihrer engsten Freunde war. Sie dürfen sich für den Unfall nicht verantwortlich machen.«

    »Ich glaube aber nicht, dass es ein Unfall war«, beharrte Stephen Drake. »Ich glaube wirklich, dass ich ihn ermordet habe …«

    Ein junger Mann kam aus der Dunkelheit und ging auf Finch und den Inspector zu. Sein Profil war gut zu erkennen, und auch das er Reitkleidung trug. »Sehen Sie, Inspector Walsh«, sagte er mit gesenkter Stimme, als er heran war, und zwar so, dass es nur er und Finch hören konnten, »Stephen war sehr krank. Er ist völlig überarbeitet und erschöpft. Er weiß nicht, was er sagt. Wir sollten ihn nach Hause bringen.« Er wandte sich an den Doktor. »Habe ich das richtig verstanden, dass Sie hier in der Stadt Urlaub machen, Sir?«

    »Das stimmt«, nickte Finch. »Darf ich erfahren, wer Sie sind?«

    »Mein Name ist Ted Hunter. Ich bin sein Schwager. Stephen war mehrere Wochen in Bristows Obhut.« Hunters Blick huschte kurz über die am Boden liegende Leiche, ehe er Finch wieder ansah. »Würden Sie mit uns ins Haus zurückkehren? Ich fürchte Stephen braucht Hilfe. Sie sehen doch, dass er unter Schock steht.«

    Dr. Charles Finch nickte. »Ja, selbstverständlich komme ich mit«, stimmte er zu, blieb aber noch stehen. »Ihr Schwager hat eine seltsame Art, sich auszudrücken, Mr. Hunter. In der Regel wissen Täter, ob sie einen Mord begangen haben oder nicht.«

    ***

    2

    Dr. Finch begleitete Inspector Walsh mit der Kutsche in die Stadt zurück. Sie schwiegen. Nur von Zeit zu Zeit warf Walsh einen kurzen Blick auf den Doktor, dessen Gesicht von den Kutschenlampen nur spärlich beleuchtet wurde und wunderte sich über seine unauffällige, blasse Erscheinung. Es war Walshs Sache, Menschen zu studieren und nach Möglichkeit jeden zu kennen. Aber erst in dieser Nacht hatte er, als ein Arzt gebraucht wurde, erfahren, dass sich Finch seit bereits fast vier Wochen in der Stadt aufhielt.

    »Wer ist dieser Stephen Drake?«, fragte Finch plötzlich, die Stille unterbrechend. Seine Stimme war farblos und ohne jede Besonderheit.

    »Ein Junge von hier, der seinen Weg gemacht hat«, erwiderte Walsh. »Er ist der Präsident einer Motorenfabrik. Sie werden Sie vermutlich bei Ihrer Anreise mit der Bahn gesehen haben.« Hatte er erwartet darauf eine Bestätigung zu bekommen, so irrte er. »Ich schätze über die Hälfte seiner Arbeiter kommt aus Woodfield.«

    »Und der Tote?«

    Walsh runzelte die Stirn, richtete seinen Blick auf die Straße und trieb kurz die Pferde des Zweispänners an. »Dr. Bristow war ein feiner Kerl«, sagte er. »Auch einer, der es geschafft hat. Ich denke, er und Stephen Drake sind zwei Menschen, auf die die Leute hier in Woodfield sehr stolz sind. Bob Bristow hatte eine glänzende Karriere als Chirurg vor sich. Nach seiner Ausbildung in Deutschland, er war dort an der berühmten ›Charité‹ und hat mit Ernst von Bergmann gearbeitet, entschied er sich hierher zurückzukehren und eine Praxis zu eröffnen. Die Leute liebten ihn dafür. Er war ein ausgezeichneter Mediziner und das ganze ist ein großer Verlust für uns, Dr. Finch.«

    »Ich würde mir einen solchen Epitaphen wünschen«, bemerkte Finch trocken und starrte auf die Straße. »Was haben sie nachts auf diesem Bergpfad gemacht, wenn es doch so gefährlich ist?«

    »Dann haben Sie das von dem Conroy-Jungen noch gar nicht gehört, Doktor?«

    »Was soll ich nicht gehört haben?«, fragte Finch zurück.

    »Franky Conroy. Er ist sieben Jahre alt. Sein Vater betreibt die Fleischerei. Der Junge wird schon den ganzen Tag vermisst, und die ganze Stadt hat nach ihm gesucht. Die Familie Drake und Dr. Bristow waren deswegen auf dem Berg.«

    »Sie meinen, der Junge könnte noch dort oben sein?«

    »Nein. Er wurde vor einigen Stunden gefunden.« Walsh schüttelte den Kopf. »Das ist der ironische Teil der Angelegenheit. Er wurde lange vor Dr. Bristow gefunden. Der Junge hatte im Keller der Fleischerei gespielt und wurde von seinem Vater versehentlich eingeschlossen.«

    »Wie sind die Leute dann darauf gekommen, das Kind in den Bergen zu suchen?«

    »Weil jemand dachte, er habe den Knaben dort oben gesehen.«

    Für eine Weile kehrte wieder Schweigen ein, bis Finch fragte: »Haben Sie eine Idee, warum dieser Stephen behauptet Dr. Bristow ermordet zu haben?«

    Walsh lachte. »Keine. Ted hat recht, wenn er sagt, dass er das niemals tun würde. Stephen war krank und der Unfall hat ihn geschockt. Wahrscheinlich glaubt er, er hätte den Doc irgendwie retten können. Immerhin waren er und Bristow die engsten Freunde.«

    Finch wandte sich dem Inspector zu. Gutmütig blickte er ihn aus seinen wässrig grauen Augen an. »Kriminalität ist ihre Sache, Inspector Walsh, nicht meine. Aber ich wage zu behaupten, dass die Fälle, in denen ein Mann einen völlig Fremden tötet, doch eher selten anzutreffen sind. Ganz abgesehen davon würde ich Freundschaft nicht gerade als Alibi einstufen.«

    Walsh lachte. »Na, nun versuchen Sie mal nicht Gespenster zu sehen, Doktor.« Er verlangsamte den Lauf der Pferde und lenkte die Kutsche durch ein Eisentor über einen Kiesweg auf eine Villa zu, deren Fenster alle beleuchtet waren. »Die Drake-Villa«, bemerkte Walsh lächelnd. »Man wird Sie bitten sich um Stephen zu kümmern.«

    *

    Sie kletterten vom Bock und ließen die Pferde von einem Diener versorgen, ehe sie auf das Eingangsportal der Villa zuschritten. Walsh ging hinein, als wäre er ein alter Freund des Hauses. Kaum waren sie eingetreten, fanden sie sich in einer großen Halle wieder. Eine breite geschwungene Treppe mit poliertem Mahagonigeländer führte von hier in den zweiten Stock. An einem Ende der Halle befand sich ein Kamin. Der ganze Bereich erinnerte stark an eine Kunstgalerie. An den Wänden hingen mehr als ein Dutzend großer Ölgemälde: Landschaften und Portraits. Man musste kein Kenner sein, um zu sehen, dass es sich hier um wahre Kunstwerke handelte.

    Finch sah sich die Bilder an. Er schien so an ihnen interessiert zu sein, dass er sich anstrengen musste, seine Aufmerksamkeit auf eine junge Frau zu richten, die rechts

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