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Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger: N.Y.D. New York Detectives Sammelband 3 Krimis
Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger: N.Y.D. New York Detectives Sammelband 3 Krimis
Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger: N.Y.D. New York Detectives Sammelband 3 Krimis
eBook507 Seiten7 Stunden

Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger: N.Y.D. New York Detectives Sammelband 3 Krimis

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Krimis

von Hans-Jürgen Raben:



Das Todes-Syndikat

Jagd auf die Mörderbrut

Verräter müssen sterben





Ein Fall von Werkspionage wird für Bount Reiniger zu einer Achterbahnfahrt in die Gefahr. Wer versucht, streng geheime Konstruktionspläne des amerikanischen Militärs zu verkaufen? Alle Verdachtsmomente richten sich auf den Eigentümer der Firma. Doch weshalb sollte er sich selbst bestehlen? Reiniger bekommt es mit einem verzwickten Fall zu tun, der ihm eine harte Nuss zum Knacken gibt.
SpracheDeutsch
HerausgeberCassiopeiaPress
Erscheinungsdatum11. Mai 2022
ISBN9783753203225
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    Buchvorschau

    Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger - Hans-Jürgen Raben

    Drei mörderische Jobs für Bount Reiniger: N.Y.D. New York Detectives Sammelband 3 Krimis

    Hans-Jürgen Raben

    Dieser Band enthält folgende Krimis:

    Das Todes-Syndikat

    Jagd auf die Mörderbrut

    Verräter müssen sterben

    Ein Fall von Werkspionage wird für Bount Reiniger zu einer Achterbahnfahrt in die Gefahr. Wer versucht, streng geheime Konstruktionspläne des amerikanischen Militärs zu verkaufen? Alle Verdachtsmomente richten sich auf den Eigentümer der Firma. Doch weshalb sollte er sich selbst bestehlen? Reiniger bekommt es mit einem verzwickten Fall zu tun, der ihm eine harte Nuss zum Knacken gibt.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Das Todes-Syndikat: N. Y. D. - New York Detectives

    Krimi von Hans-Jürgen Raben

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 162 Taschenbuchseiten.

    Für den Raubzug seines Lebens braucht Ron Kelso ein halbes Dutzend ausgekochte Profis. Der Coup geht dann auch mit generalstabsmäßiger Präzision über die Bühne. Doch den Gangstern fällt, außer der erwarteten Beute, auch noch ein Koffer mit wertvollen Steinen in die Hände. Und damit beginnt der Ärger, denn der Koffer gehört dem Syndikat.

    Als Bount Reiniger den Fall übernimmt, ahnt er nicht, dass auch das Syndikat die Räuber jagt, und er so mitten in die Schusslinie gerät.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author / Cover by Firuz Askin, 2016

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Die Angelei brachte heute nicht viel. Paul Delgado holte die Schnur ein und betrachtete mürrisch den abgefressenen Haken, an dem weit und breit kein Fisch zu sehen war.

    Er befestigte einen neuen Köder und wollte die Angel mit weitem Schwung auswerfen, als ihn ein leises Geräusch aufhorchen ließ. Seine Reflexe waren immer noch die alten, und die fließende Bewegung der Angelrute ließ einen heimlichen Beobachter nicht ahnen, dass Delgado etwas gemerkt hatte.

    Dann sah er den Schatten. Er lächelte schwach. Anfängerfehler!

    Es waren zwei, und sie standen dicht beieinander. Delgado explodierte förmlich, und obwohl er waffenlos war, hätte er die beiden in zwei Sekunden fertigmachen können - mit Händen und Füßen.

    Nur eine Kleinigkeit ließ ihn stoppen. Das Grinsen in den Gesichtern und die schweren Revolver in den Händen. Die dunklen Mündungen zeigten genau auf seinen Magen, und Delgado spürte das dumpfe Ziehen, das er immer bekam, wenn jemand eine Waffe auf ihn richtete.

    Sie ließen sich ebenso wenig erschrecken wie er, und bei seinem plötzlichen Angriff zuckten sie nicht mit der Wimper.

    Delgado ließ langsam die erhobenen Fäuste sinken und öffnete sie, bevor die Finger verkrampften. Die beiden nickten einträchtig. Sie waren beide Mitte zwanzig, trugen Jeans und T-Shirts, und hatten auf dem Kopf eine ziemliche Wolle. Der rechts Stehende spuckte seinen Kaugummi aus.

    „Es spricht für deine Reflexe, dass du den Angriff gestoppt hast. Außerdem bist du wirklich sehr schnell. Das ist gut."

    „Was wollt ihr von mir?"

    „Wir brauchen dich für eine bestimmte Aufgabe, und der Boss meinte, du wärst der Richtige."

    Delgado zuckte mit den Schultern. „Welcher Boss? Welche Aufgabe? Ihr seht doch, dass ich hier friedlich angle. Alles andere interessiert mich nicht, ich will nur meine Ruhe haben. Also kratzt die Kurve! Wahrscheinlich verwechselt ihr mich."

    Jetzt machte der Linke zum ersten Mal den Mund auf.

    „Der Boss sagt, in Vietnam warst du mal 'ne große Nummer. Selbst Offiziere hatten vor dir Respekt. Aber ich glaube, der Boss übertreibt."

    Delgado machte eine Handbewegung.

    „Vietnam! Das ist verdammt lange her. Und ich war keine große Nummer, sondern habe nur versucht, den Scheißkrieg lebend zu überstehen."

    „Das hast du aber gut hingekriegt, und dabei noch ein paar gute Geschäfte gemacht. Heroin, nicht wahr?"

    „Ich war Hubschrauberpilot, und zwar ein guter."

    „Stimmt!, bekräftigte der andere. „Du hast jeden aus dem Dschungel geholt, auch wenn ihn alle anderen aufgegeben hatten. Im schwersten Feuer bist du an den unmöglichsten Plätzen gelandet. Sie haben dich mit Orden behängt und befördert, bis sie dich mit dem Rauschgift erwischt haben.

    Delgado nickte.

    „Und dann haben sie mich rausgeschmissen. Unehrenhaft aus der Armee entlassen, nannte man es. Ich saß von einem Tag auf den anderen da und wusste nicht, was ich machen sollte. Na ja, so ist das Leben."

    „Ich heiße Sam, sagte der erste. „Wir sind gekommen, um dein Leben zu ändern.

    „Ändern? Das kann keiner mehr. Er wandte sich an den anderen. „Wie heißt du? Wer ich bin, wisst ihr ja wohl.

    „Du kannst mich Rick nennen. Was Sam sagt, ist wahr. Unser Boss hat einen Job für dich."

    Delgado sah von einem zum anderen. Sie hatten ihre Revolver sinken lassen, waren aber immer noch in der Lage, die Waffen in einem Sekundenbruchteil hochzureißen und zu feuern. Nein, er hatte im Augenblick keine Chance. Außerdem war er interessiert. Denn die waren nicht gekommen, um ihn abzuknallen.

    „Was denn für einen Job?"

    Sam schüttelte den Kopf. „Einzelheiten kann ich dir nicht sagen. Noch bist du nicht unser Mann. Ich kann dir aber sagen, was dabei herausspringt. Nämlich mindestens zwanzigtausend Dollar. Willst du dir jetzt auch den Rest anhören?"

    Delgado leckte sich über die Lippen. „Zwanzigtausend Dollar. Okay. Was muss ich dafür tun?"

    „Vor allen Dingen die Schnauze halten, meinte Rick sanft. „Du wirst nur so viel erfahren, wie du für deinen Teil der Aufgabe brauchst. Das ist in unser aller Interesse.

    „Ich nehme an, ich muss einen Hubschrauber fliegen", sagte Delgado.

    Sam hob die Schultern.

    „Das war die letzte Frage, die du stellen durftest. Ich werde sie dir beantworten: Ich weiß es nicht, und es ist mir auch egal. Nur der Boss hat den Überblick."

    „Und wer ist der Boss?"

    Der Schlag kam so überraschend und so präzise, dass Delgado sich zusammenkrümmte und sekundenlang nach Luft rang.

    „Keine Fragen mehr, ist das klar?" Rick rieb sich die Faust. In seinem Gesicht stand immer noch das Grinsen.

    „Jetzt stelle ich dir eine Frage: Bist du dabei?"

    Delgado schwieg, sein Blick wanderte zwischen den Revolvern hin und her, die sich wieder ein Stück gehoben hatten. Er wusste ganz klar, dass sie ihn auf der Stelle umlegen würden, wenn er jetzt nein sagte. Aber das wollte er eigentlich gar nicht. Was hatte er schon zu verlieren? Sie boten ihm einen Job an, das war alles. Es würde nicht gerade die Teilnahme an einem Kaffeekränzchen werden, aber andererseits machten die Burschen keinen schlechten Eindruck. Sie wussten, was sie wollten.

    „Ich bin dabei", sagte er.

    Die beiden nickten und ließen die Waffen wieder sinken.

    „Okay, sagte Sam. „Damit sind wir ein bisschen Partner. Aber wir müssen noch vorsichtig sein. Dafür hast du sicher Verständnis. Bald wirst du ganz zu uns gehören, und dann wirst du auch mehr wissen. Aber bis dahin solltest du keinen Fehler machen.

    „Das habe ich schon begriffen." Delgado drehte sich zu seiner Angel um. In diesem Moment zuckte es an der Schnur. Das Wasser des kleinen Flusses wurde aufgewühlt, und die Angelrute rutschte langsam ins Flussbett, von einer unsichtbaren Kraft gezogen.

    „Verdammter Mist!", brüllte Delgado und wollte zu seiner Angel stürzen.

    Sam hielt ihn mit einer Handbewegung auf.

    „Dafür ist jetzt keine Zeit mehr. Wir müssen uns um größere Fische kümmern. Dort drüben steht unser Wagen. Gehen wir!"

    Ken Booth visierte die weiße Billardkugel sehr sorgfältig an. Der nächste Stoß konnte die Entscheidung bringen. Es ging immerhin um ein schönes kaltes Bier. Und das hatte er seit einer Stunde verdammt nötig.

    Das Queue lag völlig ruhig in seiner Hand. Man sah ihm nicht an, dass er nervös war. Er musste diesen Stoß hinkriegen. Das Problem war nämlich, dass er abgebrannt war. Er hatte nicht einen Cent in der Tasche, und er konnte sich denken, was die anderen von dieser Tatsache hielten.

    Auch der Wirt dieser Spelunke würde es nicht komisch finden, dass er bis jetzt auf Kredit getrunken hatte, ohne dass der Wirt dies wusste.

    Die grüne Bespannung des Billardtisches beruhigte die Augen. Die Lampe darüber strahlte ein gleichmäßiges Licht aus. Die farbigen Kugeln sahen irgendwie unschuldig aus - oder so, als wollten sie sich über ihn lustig machen.

    Seine Muskeln vibrierten vor innerer Anspannung. Booth konzentrierte sich auf die einzig entscheidende Stelle, an der er treffen musste, um die Kugel genau dorthin rollen zu lassen, wohin er wollte. Er holte noch ein Stück weiter aus. Die Führung des Queues lag bombensicher zwischen seinen Fingern. Jetzt!

    Ein Bündel Dollarscheine klatschte auf den grünen Filz, genau vor die schwarze Kugel.

    Der Stoß ging natürlich daneben!

    Wutentbrannt ließ Booth das Queue fallen und fuhr herum, flink wie eine Katze, die das Rascheln einer Maus gehört hat.

    Es war nicht einer, es waren zwei! Und sie sahen so aus, als hätten sie vor ihm keine Angst.

    „Reg dich nicht auf, Buddy!, sagte einer der Männer ruhig. „Für einen Nigger spielst du dich hier ganz schön auf. Dabei könntest du dir noch nicht mal ein Bier leisten.

    Ken starrte auf seine schwarzen Handrücken. Woher wussten die Kerle das? Wer waren sie? Was wollten sie von ihm?

    Anklagend deutete er auf den Billardtisch. „Ihr habt mein Spiel versaut! Ich hätte die Kugel genau an der richtigen Stelle getroffen!"

    Seine Mitspieler traten näher. Sie sahen nicht sehr vertrauenerweckend aus, eben so, wie es in dieser Gegend der Bronx zu vermuten war. Dennoch schienen sie einen Heidenrespekt vor den beiden zu haben. Ken hatte sie noch nie gesehen. Aber beim näheren Hinsehen bemerkte auch er, dass es sich um Profis handelte.

    „Die Dollars sind für dich, sagte einer von ihnen. „Steck sie schnell ein. Es ist nur eine Anzahlung.

    „Eine Anzahlung wofür?"

    „Hast du in deinem Leben nicht gelernt, dass man nicht zu viele dumme Fragen stellen darf?"

    Ken grapschte nach den grünen Scheinen und schob sie unter sein Hemd. Er war nicht besonders helle, aber er wusste, dass man Geld nie lange herumliegen lassen sollte. Sonst fand sich immer einer, der es aufhob. Und das wäre in diesem Fall schade gewesen.

    Die beiden drehten sich auf dem Absatz um und marschierten zum Ausgang. Sie schienen sicher zu sein, dass Ken ihnen folgte.

    Warum auch nicht? Sie hatten ihm Geld gegeben. Die Frage war nur: wofür? Ken würde sich allerdings lieber die Zunge abbeißen, als jetzt diese Frage zu stellen. Er kannte sich mit den Spielregeln aus. Man würde ihm schon rechtzeitig sagen, was er zu tun hatte. Fast immer hatte es einen gegeben, der ihm dies sagte.

    Nur in der letzten Zeit war das Geschäft ziemlich flau geworden. Ihm war nichts mehr geglückt. Der Rest an Geld, den er noch hatte, war für das Spielen und die Weiber draufgegangen.

    Aber vielleicht gab es doch noch jemanden, der seine Qualitäten schätzte. Er hatte noch keine Zeit gehabt nachzuzählen, was er den Jungens eigentlich wert war. Die Neugier war stark, aber er ließ die Finger von dem Bündel. Er wollte jetzt keine Schwäche zeigen. Er würde alles noch früh genug erfahren. Für einen Moment dachte Ken, weshalb man eigentlich auf ihn gekommen war. Er besaß doch keine besondere Fähigkeit, die ihn für jemanden interessant machte. Oder doch?

    Auf der Straße nahmen ihn die beiden in die Mitte. Sie führten ihn zu einem schwarzen Wagen, der auf der anderen Straßenseite parkte.

    Ken blinzelte. Es war helllichter Tag. Er hatte überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Es interessierte ihn auch nicht. Dort unten in der Kneipe herrschte immer das gleiche Neonlicht.

    Hinter dem Steuer des Wagens saß ein dritter Mann, der ihm einen gelangweilten Blick zuwarf, als er ein stieg.

    „Willst du nicht wissen, wohin wir dich bringen?", fragte einer.

    Ken schüttelte den Kopf. Mit aufheulendem Motor schoss der Wagen davon.

    2

    Den dritten holten sie bei einem Mädchen ab.

    Burt Corell arbeitete gerade heftig, und das Mädchen stöhnte, obwohl sie ganz sicher an etwas anderes dachte, aber es war ihr Job, und sie wurde dafür bezahlt.

    Die schwarzlackierte Tür flog auf, und Burt spürte den Luftzug über seinem nackten Körper. „Macht die Tür wieder zu!", presste er heraus, ohne den Kopf zu wenden.

    Irgendein Kleidungsstück flog über ihn. und jetzt hatte er die Nase voll. Burt löste sich von dem Mädchen, das ihn erstaunt ansah, und wälzte sich herum.

    In der Tür standen zwei Typen, die gelangweilt auf ihn heruntersahen. Einer hatte sein Hemd in der Hand, das auf einem Stuhl neben der Tür gelegen hatte mit seinen anderen Sachen. Vor allem lag dort auch seine Pistole, schön im Holster, wie es sich gehörte.

    Burt zerbiß einen Fluch zwischen den Zähnen und ballte die Hände. Wegen dieses Weibsbildes hatte er einen Fehler gemacht. Immerhin sah er keine Waffen bei den beiden. Vielleicht hatte er doch noch eine Chance. Es war erstaunlich, dass sie mitten in einem gut besuchten Bordell einen Raubüberfall wagten. Oder wollten sie etwas anderes?

    „Zieh dich an, Burt Corell. Die Nummer ist zu Ende!" Der Größere von beiden hatte es gesagt und dabei die Tür hinter sich mit dem Absatz zugeworfen. So gab es keine unliebsame Überraschung vom Gang her.

    Inzwischen hatte auch das Mädchen mitbekommen, dass es eine Störung gegeben hatte. Sie richtete sich auf und zog die Decke über sich, als sie die beiden Typen bemerkte. Der erschrockene Schrei klang allerdings nicht ganz glaubhaft.

    „Was wollt ihr?", fragte Burt Corell nicht besonders geistreich.

    Der Sprecher hatte inzwischen die Pistole auf dem Stuhl entdeckt und betrachtete sie fachmännisch.

    „Das Kaliber ist nicht besonders stark, meinte er. „Wenn du wirklich eine Kanone brauchst, wirst du mit der nicht weit kommen.

    Burt zuckte mit den Schultern.

    „Für meine Zwecke reicht sie." Er schwang die Beine aus dem Bett und setzte sich auf die Kante. Seine Nacktheit störte ihn überhaupt nicht. In seinen langen Gefängnisjahren hatte er eine Menge nackter Männer gesehen.

    Der Sprecher der beiden deutete mit dem Finger auf ihn.

    „Du bist Corell, und der Boss glaubt, du könntest dich ein wenig nützlich machen. Für deine Bemühungen ist er bereit, dir ein anständiges Honorar zu zahlen."

    „Wie anständig?"

    „Zwanzigtausend Dollar."

    Corell schüttelte den Kopf. „Daran bin ich nicht interessiert. Deswegen hebe ich meinen Hintern doch nicht aus einem warmen Bett. Sucht euch einen anderen für eure Arbeit!"

    „Es handelt sich um eine Garantiesumme. Die bekommst du in jedem Falle ausgezahlt. Im Übrigen bist du am Gesamtergebnis beteiligt."

    Corell hob den Kopf und dachte nach.

    „Das klingt schon besser. Was hätte ich zu tun?"

    „Die Frage ist ein bisschen früh. Deine Aufgabe erfährst du erst, wenn du keine Möglichkeit mehr hast, dein Wissen womöglich anderweitig zu verwerten."

    „Ihr traut mir wohl nicht, was?"

    Der Sprecher nickte.

    „Natürlich trauen wir dir. Wir sind doch alte Kumpel!" Sein Gesichtsausdruck wurde härter.

    „Du weißt verdammt genau, wie die Spielchen laufen. Also frag nicht so viel, sondern erzähle uns lieber, ob du interessiert bist!"

    „Bin ich schon. Aber ich steige ungern in Geschäfte ein, deren Ausgang ich nicht kenne."

    „Das ganze Leben ist ein Geschäft mit ungewissem Ausgang. Nur eines ist klar: Am Ende wirst du sterben. Also verschone uns mit philosophischen Erörterungen. Dafür haben wir keine Zeit. Wir müssen die Truppe allmählich zusammenkriegen."

    Corell nickte.

    „Ihr braucht einen Stab von Spezialisten, ich verstehe. Also geht es um eine größere Sache. Mein Interesse wächst allmählich. Er stand auf und zog sich die Hose an. Dann fing er das Hemd auf, das ihm zugeworfen wurde und streifte es ebenfalls über. Sekunden später war er fertig angezogen. Er streckte die rechte Hand aus. „Meine Pistole!

    Die beiden schüttelten den Kopf.

    „Die bekommst du, wenn du sie brauchst. Und jetzt hast du uns. Da brauchst du sie nicht."

    Corell grinste.

    „Irgendwie gefallt ihr mir. Ich schätze Leute, die wissen, was sie wollen. Ich bin dabei."

    „Dann gehen wir."

    „Einen Moment noch." Burt Corell deutete über die Schulter auf das Mädchen im Bett, das verständnislos von einem zum anderen sah.

    „Sie bekommt noch Geld. Gebt ihr dreißig Dollar! Sie hat sich immerhin die Hälfte verdient."

    Der Sprecher sah ihn sprachlos an.

    „Wie kommen wir denn dazu, deine Weiber zu bezahlen?"

    Corell grinste ihn an.

    „Ich habe ab sofort einen Arbeitgeber, der für alles aufkommt. Habt ihr denn nicht gewusst, dass bei mir sämtliche Spesen extra honoriert werden?"

    „Der Kerl wird teuer", murmelte Sam draußen.

    Rick nickte.

    „Wenn er gut ist, spielt es aber keine Rolle."

    „Ja, wenn!, knurrte Sam. „Wollen wir’s hoffen, denn es geht auch um unser Geld.

    3

    Ron Kelso nagte an seiner Unterlippe und sah durch das breite Panoramafenster auf die parkähnliche Gartenanlage hinaus. Die Miete dieses Landhauses kostete ein Vermögen, aber es hatte den Vorteil, dass sich dem Haus niemand ungesehen nähern konnte. Der Vormieter hatte offensichtlich Angst vor Einbrechern gehabt und eine sehr aufwendige Alarmanlage einbauen lassen. Außerdem lag das Haus noch in akzeptabler Nähe von New York. Die Verkehrsverbindungen waren günstig, und es gab keine neugierigen Nachbarn, die über den Gartenzaun schielten. Alles in allem war es also genau das Richtige für den Plan.

    Kelso zog die Stirn in Falten. Mit den Vorbereitungen war schon sehr viel Zeit vergangen. Ganz zu schweigen von den Kosten. Die bisherigen Investitionen waren wesentlich höher gewesen, als ursprünglich vorgesehen. Aber so war es nun mal: Ohne einen gewissen Aufwand war heutzutage kein großer Coup zu starten. Die Zeiten des schnellen Geldes waren vorbei. Heute zählten Organisation und Kapital.

    Die wirklich großen Bosse wussten kaum noch, wie eine Schusswaffe aussah. Sie machten das große Geld mit ganz anderen Dingen. Und dorthin wollte Ron Kelso auch kommen. Er hatte die richtigen Ideen, und er hatte inzwischen auch Geld. Alles, was er besaß, steckte er in dieses Unternehmen. Jetzt fehlten nur noch die richtigen Männer, und es konnte losgehen.

    Einer fehlte noch, dann waren sie komplett. Kelso fühlte, wie seine Hände feucht wurden. Der Plan kam in seine entscheidende Phase. Noch wusste außer ihm keiner, worum es eigentlich ging. Und das sollte auch so bleiben. Nur er würde den Gesamtüberblick haben. Die anderen waren nur Werkzeuge. Er brauchte sie nur einmal, dann konnten sie wieder verschwinden. Es waren Männer, deren Ehrgeiz begrenzt war. Sie ließen sich kaufen wie Huren. Kelso lächelte böse.

    Er hatte weiterreichende Pläne. Wenn dieser Coup gelang ... Nein, das war falsch. Er musste gelingen, das war ganz klar. Also: Nachdem dieser Coup gelungen war, würde er reich sein. Und dann konnte er sich daran machen, den Gipfel zu erklimmen. Er würde die richtigen Leute kennenlernen. Die, die wirklich etwas zu sagen hatten! Es war die Welt des Geldes und der Macht.

    Ron Kelso legte den Kopf an die Scheibe und spürte die Kühle des Glases. Es hämmerte hinter seiner Stirn, und vor seinem geistigen Auge zuckten Visionen seiner eigenen Zukunft vorüber. Er sah sich schon ganz oben. Dann würden viele andere nach seiner Pfeife tanzen. Niemand würde es wagen, über ihn zu lachen. Was er sagte, würde so gut wie ein Befehl sein. Dann brauchte er sich nicht mehr mit billigen Gangstern zu umgeben. Aber heute brauchte er sie noch. Es dauerte nicht mehr lange, und keiner würde ihn mehr aufhalten.

    4

    Sam öffnete die Tür und gab ein Handzeichen.

    „Es sind alle da, Boss. Wir können anfangen."

    Ron Kelso nickte.

    „Ich komme."

    Im Nachbarraum ließ er seinen Blick über die Gesichter der Männer gleiten, die um den runden Tisch saßen. Sie hatten Gläser in den Händen und rauchten.

    Kelsos Brauen zogen sich zusammen. Er drehte sich zu Sam um.

    „Was soll das heißen: Alle sind da! Einer fehlt. Ich kann Stan Kowalski nicht entdecken!"

    Sam hatte einen ziemlich kleinlauten Ausdruck im Gesicht.

    „Das ist schon richtig, Boss. Aber es gibt da ein kleines Problem."

    „Und das wäre?"

    „Man hat Stan Kowalski verhaftet. Er sitzt im Untersuchungsgefängnis. Seit drei Tagen. Sie haben ihn geschnappt. als er einen Tresor in einer Maklerfirma ausräumen wollte. Wie ich hörte, hat er übersehen, dass dort eine neue Alarmanlage installiert worden war. Es war der erste große Fehler, den er sich geleistet hat."

    Kelso krampfte die Hände zusammen.

    „Wir brauchen ihn! Also müssen wir ihn herausholen."

    Burt Corell stemmte sich langsam aus dem Sessel hoch.

    „Kann mir mal endlich einer erklären, was das Ganze soll? Seit zwei Tagen halte ich mich in dieser Bude auf, und ich höre nur, dass es noch etwas dauert, bis wir mehr erfahren. Meine Geduld ist jetzt am Ende."

    Die anderen Männer am Tisch nickten beifällig. Paul Delgado murmelte ein paar Worte, die aber niemand verstand. Ken Booth, der schmächtige Schwarze, wandte den Blick ab, als täte ihm seine erste Reaktion leid. Nur Rick, dessen Nachnamen die anderen nicht kannten, verzog keine Miene. Er fühlte sich in einer anderen Position. Schließlich hatte er die Männer mit Sam zusammen hierhergebracht. Und Sam verzog sowieso keine Miene. Er galt als Sprachrohr von Kelso, und er verstand, die Anordnungen durchzusetzen.

    „Ich bitte mir Ruhe aus!", brüllte Kelso, und die Autorität seiner Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Corell setzte sich wieder und zündete eine neue Zigarette an.

    „Ihr werdet alle erfahren, worum es geht. Und ihr werdet eure Entscheidung, dabei zu sein, nicht bereuen. Für jeden von euch springt ein Haufen Geld heraus. Aber dafür verlange ich äußerste Disziplin. Ihr habt alle Anordnungen zu befolgen. In einem solchen Fall kann nur einer das Kommando haben - und das bin ich."

    Corell zuckte mit den Schultern, erwiderte aber nichts. Die anderen hatten sich mit der Situation bereits abgefunden. Jeder von ihnen hatte schon einige Dinge gedreht, und sie wussten insgeheim, dass es bei den richtig großen Brocken anders zuging, als wenn man in einer stillen Seitenstraße nur einen Zuhälter niederschlug und ihm die Abendkasse raubte.

    „Wie sollen wir Kowalski aus dem Gefängnis holen?", fragte Sam in die Stille hinein.

    „Lasst euch was einfallen!", brüllte Kelso und stampfte aus dem Zimmer.

    „Die neuen Männer sollen mal zeigen. was sie können!"

    Als er verschwunden war, herrschte betretenes Schweigen, bis sich Corell räusperte.

    „Einen komischen Boss habt ihr, sagte er zu Sam gewandt. „Wenn er uns nicht schon ein ordentliches Handgeld gegeben hätte, wäre ich schon längst abgehauen.

    „Hier haut keiner mehr ab!", sagte Rick leise, und wie hingezaubert lag der Revolver in seiner Hand.

    „Wir sitzen jetzt alle im gleichen Boot, und wir verlassen dieses Haus nur, um das zu tun. was der Boss befiehlt. Später kann jeder machen, was er will. Aber bis wir soweit sind, muss jeder mit einer Kugel rechnen, der einen dummen Trick versucht."

    Sam nickte. „Das hätte ich kaum besser formulieren können."

    „Wir wissen also, woran wir sind, seufzte Paul Delgado. „Mir soll’s recht sein. Ich habe sowieso nichts anderes vor.

    Corell hob die Schultern. „Ich bleibe natürlich auch dabei. Für ein paar Frauen hätte der Boss allerdings sorgen können."

    Das folgende Gelächter entspannte die Atmosphäre.

    „Im Übrigen wollen wir Kumpel bleiben, sagte Sam. „Und jetzt sollten wir überlegen, wie wir den fehlenden Mann aus dem Gefängnis kriegen.

    „Kowalski ist ein Spitzenmann für jede Art von Tresor, murmelte Corell. „Also wird auch in unserem Fall ein Tresor eine Rolle spielen. Ich bin gespannt, was drin ist, wenn wir ihn aufhaben.

    „Um das zu erleben, brauchen wir aber Kowalski. Sam grinste. „Wer kennt das Untersuchungsgefängnis Manhattan?

    „Das dürften wir wohl alle kennen!", stellte Rick fest. Corell lehnte sich zurück.

    „Ich habe eine Idee."

    Die anderen beugten sich gespannt vor.

    5

    Stan Kowalski lag auf seiner Pritsche, die Arme verschränkt unter dem Kopf. Zum tausendsten Mal verfluchte er seinen Leichtsinn, der ihn in diese Lage gebracht hatte. Der Erfolg hatte ihn übermütig gemacht, das war es. Nach so vielen Jahren hatte er geglaubt, es müsse immer gut gehen. Nun, das hatte sich als Irrtum herausgestellt.

    Auf seinen Prozess würde er wohl noch lange warten müssen, denn der Staatsanwalt würde natürlich versuchen, ihm noch ein paar ältere Dinger anzuhängen, die ungelöst in den Akten vor sich hinstaubten. Einige Beamte würden jetzt Überstunden machen müssen, um sich die ungeklärten Fälle vorzunehmen. Er, Kowalski, würde jedenfalls alles ableugnen. Bis auf die eine Sache natürlich, bei der sie ihn geschnappt hatten.

    Ein paar Sekunden waren es gewesen. Der Tresor hatte bereits offen gestanden, die ersten Geldbündel waren in seiner Tasche verschwunden, und dann war das Licht aufgeflammt. Und als er sich erschrocken umdrehte, starrte er in die Läufe mehrerer Revolver. Jeder Widerstand war sinnlos gewesen, und er hatte nicht einmal versucht, zu fliehen. Der Schock war zu groß.

    Auf dem Gang vor seiner Zelle waren Schritte zu hören. Kowalski richtete sich auf und blickte auf seine Uhr, die man ihm gelassen hatte. Es war nicht die richtige Zeit für das Abendessen.

    Die Schritte hielten vor seiner Tür. Dann klirrte ein Schlüssel im Schloss, und er hörte das Geräusch des zurücklaufenden Riegels. Die eiserne Tür öffnete sich, und ein dunkler Schatten füllte den Rahmen aus. Der Mann trug die Uniform eines Wächters, aber Kowalski hatte ihn in den paar Tagen, seit er hier einsaß, noch nicht gesehen.

    „Stan Kowalski", sagte der Mann, eher feststellend als fragend.

    Der Häftling nickte nur stumm.

    „Ein Beamter der Kriminalpolizei will Sie sprechen."

    „Um diese Zeit?" Kowalski wunderte sich.

    „Machen Sie keine Schwierigkeiten, und kommen Sie mit! Wir haben nicht den ganzen Abend Zeit."

    Als Kowalski vor dem Wächter über den hallenden Korridor schritt, flüsterte eine Stimme an seinem Ohr.

    „Tun Sie genau das, was ich sage, und Sie sind in ein paar Minuten draußen."

    „Wer sind Sie?", flüsterte Kowalski zurück, ohne den Kopf zu drehen.

    „Im Moment uninteressant. Ein Problem nach dem anderen. Bleiben Sie schön dicht bei mir und benehmen Sie sich ordentlich!"

    Der Wächter drückte neben der Tür am Ende des Ganges auf einen Knopf, worauf der Kopf eines zweiten Wächters in einer Türöffnung erschien. Der Mann betrachtete die beiden, dann schlug er das kleine Fensterehen wieder zu, und Sekunden später rollte die Stahltür fast geräuschlos zur Seite. Ebenso problemlos überwanden sie das nächste Gitter.

    „Jetzt wird es ernst, flüsterte der falsche Wächter. „Bisher sind wir mit einem Bluff durchgekommen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Papiere, die wir für teures Geld bezahlt haben, auch gut genug sind.

    Kowalski äußerte sich nicht. Er konnte ohnehin nichts tun. sondern nur hoffen, dass die Unbekannten, die ihn offensichtlich befreien wollten, auch clever genug waren.

    Sie waren clever.

    Der Wächter an der letzten und schwierigsten Station prüfte die Papiere gründlich, aber er konnte offenbar keinen Fehler feststellen. Schließlich nickte er, gab die Papiere zurück und öffnete das letzte Tor.

    Kowalski sagte die ganze Zeit kein Wort, aber es war ihm, als käme von draußen ein ganz besonderer Duft von Freiheit herein.

    Im Innenhof stand eine Limousine mit einem ausgeschalteten Rotlicht auf dem Dach, das man mit einem Magneten befestigen konnte. Ein Mann lehnte wartend am Wagen.

    Das war also das Auto der Bullen, die ihn angeblich abholen wollten. Sie waren natürlich genauso falsch wie sein Wächter.

    Kowalski ging hinüber, der Wächter hielt ihn am Arm fest, und der Mann am Wagen zog plötzlich ein Paar Handschellen heraus, die er mit einem geübten Griff um Kowalskis Gelenke schnappen ließ. Dann stießen ihn die beiden in den Wagen. Sekunden später rollten sie durch das geöffnete Tor.

    Kowalski stieß die Luft aus.

    „Das war ziemlich gut, unbekannte Freunde. Da ihr meine Befreiung nicht aus Menschenfreundlichkeit vorgenommen habt, möchte ich gern wissen, was ihr von mir verlangt."

    Der Fahrer wendete leicht den Kopf. „Wir haben einiges in deine Befreiung investiert. Dafür erwartet der Boss einen Gefallen von dir."

    Kowalski nickte.

    „So ungefähr habe ich mir das gedacht. Ich nehme an, dass ihr meine besonderen Fähigkeiten braucht. Ich habe nur eine wirklich gute Begabung. Ich kann Tresore knacken. Also geht es auch in eurem Falle um einen Tresor."

    „Kluges Kerlchen, bemerkte der Fahrer. „Aber jetzt kannst du ruhig die Schnauze halten, denn mehr erfährst du von uns nicht. Alles andere kommt zu seiner Zeit.

    „Ich habe schon seit meiner Jugend gelernt, im richtigen Zeitpunkt den Mund zu halten", entgegnete Kowalski.

    „Dann pflege diese schöne Tradition weiter!"

    6

    Es war ein Tag, um im Büro zu bleiben. Bount Reiniger ließ die Gardine wieder fallen. Es regnete unaufhörlich, und New York im Regen war ein trister Anblick. Tief unten hasteten die Menschen wie Ameisen über die ziemlich leeren Straßen. Seufzend setzte Bount sich hinter seinen Schreibtisch und schlug die Zeitung auf. Es gab zwar selten etwas wirklich Neues, aber man musste ja wenigstens informiert sein.

    Eine kleine Meldung auf der dritten Seite fesselte seine Aufmerksamkeit. Er las die paar Zeilen rasch durch, als June March, seine Assistentin, das Büro betrat. Sie schüttelte Nässe aus den Haaren, und unter ihren Füßen bildete sich eine kleine Pfütze.

    „Ich habe mich verspätet", sagte sie und deutete entschuldigend zum Fenster, über das die Tropfen rannen. Bount winkte ab.

    „Mach uns lieber einen heißen Kaffee!"

    „Sofort! Ich hänge nur meinen Mantel weg."

    „Erinnerst du dich an Kowalski?", fragte Bount.

    June schaltete die Kaffeemaschine ein und runzelte die Stirn.

    „Kowalski? Der Name kommt mir bekannt vor, aber ich kann ihn nicht genau einordnen."

    „New Yorks bester Tresorknacker, erläuterte Bount. „Sie haben ihn vor wenigen Tagen geschnappt. Er ist einer der wenigen, die mir durch die Lappen gegangen sind. Vor drei oder vier Jahren hatten ihn alle im Verdacht, bei einem sensationellen Einbruch die Finger im Spiel gehabt zu haben. Ich habe mich an seine Fersen geheftet und ihn rund um die Uhr beschattet. Seine Geduld war länger als meine, und er hat es geschafft, mich abzuhängen.

    „Das spricht für ihn", bemerkte June.

    „Ich habe ihm jedenfalls nichts nachweisen können, obwohl ich genau wusste, dass er es war. Und er wusste, dass ich nichts machen konnte. Deswegen habe ich diesen Namen nie vergessen können."

    June hob die Schultern.

    „Jetzt hat ihn ja sein Schicksal eingeholt. Sie haben ihn erwischt. Das müsste für dich doch ein später Grund zur Freude sein, auch wenn du ihn nicht gestellt hast."

    Bount nickte nachdenklich.

    „In meine Freude fällt nur ein kleiner Wermutstropfen. Kowalski ist wieder draußen. Sie haben ihn herausgeholt, und zwar mit einem schlauen Trick."

    „Er ist wieder draußen?"

    „Es müssen Profis gewesen sein, denn alles war bestens organisiert. Hier steht, dass sie gefälschte Polizeiausweise hatten und einen Streifenwagen. Jemand muss also sehr interessiert daran sein, den lieben Kowalski nicht zu lange in der Haft schmoren zu lassen. Und da es in dieser Branche immer einen Grund hat, wenn man so etwas macht, dürfte auch diesmal eine ganz bestimmte Absicht dahinterstecken."

    „Du meinst, man braucht ihn?" June verzog nachdenklich das Gesicht.

    „Ja. Und es muss sich um eine große Sache handeln, sonst würde es ja ein kleiner Schränker tun. Aber hier hat jemand Geld und Grips investiert. Ich bin sicher, dass wir in Kürze von Kowalski hören werden. Es wird ganz sicher ein Ding sein, das Schlagzeile macht."

    „Klingt logisch. Aber du wirst kaum etwas damit zu tun haben."

    Bount Reiniger zuckte mit den Schultern.

    „Natürlich nicht. Eigentlich ist es ein bisschen schade, denn ich möchte gerne Kowalskis dummes Gesicht sehen, wenn ich ihn endlich schnappen könnte. Aber schön, man kann nicht alles haben."

    Bount Reiniger konnte in diesen Minuten noch nicht wissen. dass sein Wunsch ganz schnell in Erfüllung gehen würde. Noch viel weniger konnte er wissen, dass es ein tödlicher Fall werden, und niemand mehr für sein Leben einen Cent riskieren würde.

    „Der Kaffee ist fertig", sagte June.

    7

    „Das ist unser Ziel", sagte Ron Kelso und breitete den Plan mit den Skizzen auf dem Tisch aus. Er beschwerte die Ecken mit Aschenbechern, und die Köpfe der Männer beugten sich darüber.

    Stan Kowalski äußerte sich als Erster.

    „Das ist unmöglich. Ich kenne das Gebäude. Es ist eine Festung. Wir würden noch nicht mal durch die Halle im Erdgeschoss kommen, geschweige denn bis in den achtzehnten Stock."

    Kelso lächelte.

    „Dass du es für unmöglich hältst, bestärkt mich in meiner Ansicht. Kein Mensch wird damit rechnen, dass es jemand versucht. Aber ich habe einen Weg gefunden."

    Burt Corell schüttelte den Kopf.

    „Ich weiß ebenfalls, was sich in dem Gebäude befindet. Aber ich meine auch, dass ein Versuch sinnlos ist. Wir haben schließlich keine Kompanie Lederjacken zur Verfügung."

    Paul Delgado blickte fragend von einem zum anderen.

    „Vielleicht bin ich ein bisschen blöd, aber ich weiß nicht, worum es hier geht."

    „In diesem Bürogebäude, sagte Corell sanft, „befinden sich die Räume des bedeutendsten Juweliers von New York. Wahrscheinlich hat in dieser Stadt schon jeder Dieb einmal daran gedacht, sich dort ein wenig umzusehen. Aber noch nie hat es einer wirklich versucht.

    „Ich werde es schaffen", sagte Kelso hart.

    Er warf einen Packen Fotos auf den Tisch.

    „Seht euch die Bilder an! Ein Journalist hat eine Reportage über die Firma gemacht und bei dieser Gelegenheit ein paar Bilder mehr geschossen. Seine Mühe hat allerdings einiges gekostet. Auf den Fotos sind alle Einzelheiten, die wir für die Arbeit brauchen. Der Tresor, der Schaltkasten der Alarmanlage, die Kontrollzentrale und alles weitere."

    „Aber wir kommen niemals in das Gebäude, warf Kowalski ein. „Der Tresor ist kein Problem, aber ich muss davor stehen, ohne dass die Alarmanlage anspricht und ohne, dass mir ein Wächter bei seinem Kontrollgang über die Schulter blickt.

    „Um in das Gebäude zu kommen, brauchen wir Paul Delgado. Er wird uns hinbringen und sicher wieder abholen. Das ist seine einzige Aufgabe."

    „Aber wie?", fragte Corell.

    Kelso grinste über das ganze Gesicht.

    „Es gibt nur eine einzige Stelle, an der man in das Gebäude kommt, ohne gesehen zu werden, nämlich über das Dach. Wir landen mit einem Hubschrauber. Der Lärm wird nicht auffallen, denn auf dem Nachbardach ist ein normaler Landeplatz für den Zubringerdienst zum Flughafen. Die Wächter haben sich an das typische Geräusch der Rotoren gewöhnt. Man kann nicht unterscheiden, ob der Helikopter auf dem eigenen Dach oder daneben landet."

    „Okay, nickte Corell. „Wir kommen also von oben. Die Tür, die ins Innere führt, ist sicher kein Problem. Aber dann stehen wir im achtzehnten Stock vor einer ziemlich massiven Tür. Sie sieht aus wie alte Eiche, aber das ist nur Tarnung, denn dahinter befindet sich solider Stahl. Wer versucht, diese Tür gewaltsam zu öffnen, setzt unweigerlich den Alarm in Gang.

    „Ich weiß, sagte Kelso. „Aber für diese Tür gibt es einen ziemlich normalen Schlüssel. Es existieren mehrere Exemplare davon. Alle leitenden Angestellten haben einen. Und du, Burt Corell, wirst uns einen davon besorgen.

    Corell sah ziemlich verblüfft aus der Wäsche.

    „So einfach im Vorbeigehen, wie?"

    „Ich habe die Zielperson schon ausgesucht, sagte Kelso. „Hier ist ein Foto von ihr.

    Corell betrachtete das Bild.

    „Ein Mädchen, murmelte er schließlich, „Sieht noch nicht mal schlecht aus. Nicht ohne zwingenden Grund von der Bettkante zu stoßen.

    „Du wirst dich an sie heranmachen. Sie fliegt auf Typen wie dich, das ist ganz sicher. Du musst es schaffen, an einem bestimmten Abend in ihrer Wohnung zu sein. Sie wohnt in der Nähe unseres Zieles. Dann musst du sie ablenken und den Schlüssel an dich bringen. Verlass die Wohnung mit einer Ausrede. Rick wird auf dich warten und dich zum Helikopter bringen, der auf einem benachbarten Dach wartet. Wir starten und fliegen genau vier Minuten. Für das Eindringen rechne ich weitere fünf Minuten. Wir schließen auf, und du machst dich mit dem Schlüssel auf den Rückweg. Paul bringt dich zurück. Deine Abwesenheit wird insgesamt nicht länger als eine halbe Stunde dauern, und sie wird nicht merken, dass der Schlüssel fehlt."

    Corell wiegte den Kopf.

    „Das klingt ziemlich abenteuerlich, aber es ist einen Versuch wert."

    Delgado schlug sich auf die Schenkel. „Mann, das ist ein Plan! Woher wissen Sie all diese Einzelheiten, Boss?"

    „An diesem Plan arbeite ich seit einem Jahr", sagte Kelso. „Ich habe mich Tag und Nacht mit nichts anderem beschäftigt. Aber ich kann euch sagen, dass es sich lohnen wird. Zweimal im Jahr ist der Tresor bis obenhin gefüllt mit wertvollen Steinen. Nämlich immer dann, wenn die Lieferung von der Londoner Diamantbörse gekommen ist. Unser Juwelier versorgt die halbe Ostküste mit den hübschen Steinen. Das Flugzeug aus London landet immer am Abend. Die Kisten werden unter schwerer Bewachung zu dem Gebäude gebracht und im Tresor eingeschlossen. Schon am nächsten Morgen geht die Sendung zu zahlreichen anderen Händlern. Wir haben

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