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Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band!
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eBook468 Seiten6 Stunden

Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band!

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Romane:



Rosinen aus dem Kuchen (Theodor Horschelt)

Der Amok-Trucker (W.K.Giesa)

Trevellian und die Raketengangster (Horst Friedrichs)









Jesse Trevellian ist ein Ermittler in New York. Er kämpft unbeirrt gegen das Verbrechen und die organisierte Kriminalität. Auch wenn er von einem Sumpf aus Korruption und Lüge umgeben ist, versucht er einen geraden Weg zu gehen. Denn die Schicksale der Opfer lassen ihn nicht los... Trevellian lässt nicht locker. So lange es auch dauern mag, am Ende findet er die Mörder...
SpracheDeutsch
HerausgeberCassiopeiaPress
Erscheinungsdatum11. Mai 2022
ISBN9783753203218
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    Buchvorschau

    Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band! - Theodor Horschelt

    W.K.Giesa, Theodor Horschelt, W.K.Giesa

    Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band!

    UUID: 914a9d11-30a9-4127-9d42-bea86cadf55d

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band!

    Copyright

    Rosinen aus dem Kuchen

    Der Amok-Trucker

    Trevellian und die Raketen-Gangster

    Krimi Dreierband 3027 - 3 Thriller in einem Band!

    Theodor Horschelt, W.K.Giesa, Horst Friedrichs

    Dieser Band enthält folgende Romane:

    Rosinen aus dem Kuchen (Theodor Horschelt)

    Der Amok-Trucker (W.K.Giesa)

    Trevellian und die Raketengangster (Horst Friedrichs)

    Jesse Trevellian ist ein Ermittler in New York. Er kämpft unbeirrt gegen das Verbrechen und die organisierte Kriminalität. Auch wenn er von einem Sumpf aus Korruption und Lüge umgeben ist, versucht er einen geraden Weg zu gehen. Denn die Schicksale der Opfer lassen ihn nicht los... Trevellian lässt nicht locker. So lange es auch dauern mag, am Ende findet er die Mörder...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER TONY MASERO

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

    Erfahre Neuigkeiten hier:

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    Alles rund um Belletristik!

    Rosinen aus dem Kuchen

    Krimi von Theodor Horschelt

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 235 Taschenbuchseiten.

    Max Grabble war ein scheues Männchen, das in meinem Office aufkreuzte und meine Hilfe suchte. Seine Frau Nora war erstochen worden, und er konnte seine Unschuld nicht beweisen. Die Lösung des Falles fanden wir dann gemeinsam, Leutnant Steel von der Polizei und ich, Mac Dolan, Privatdetektiv. Gewissermaßen im Endspurt. Bis dahin aber wurde es mächtig heiß.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    1. Kapitel

    Der Mann stellte seinen schäbigen, abgewetzten Musterkoffer vorsichtig auf den Boden und wischte sich die Handflächen umständlich an seinem Rock ab. Mit müden Schritten kam er zum Schreibtisch und blieb abwartend stehen.

    Er war vielleicht knapp fünfzig Jahre alt, aber er war schon verbraucht und ausgebrannt. Tiefe Falten hatten sich in sein Gesicht gezogen. Die beiden Ersatzzähne vorn im Gebiss waren aus billigem Material und hatten sich verfärbt. Sie passten nicht mehr zu dem natürlichen Gebiss. Sein braunes Haar war dünn und glanzlos. Der Zweireiher, der an seinem hageren Körper herunterhing, war zwar tadellos sauber, aber er hatte seine beste Zeit bereits hinter sich.

    „Ich kam zufällig vorbei, sagte er fast entschuldigend zu mir. „Wenn Sie wollen, komme ich aber morgen noch einmal hierher. Sie wollten bestimmt Schluss machen, wie?

    „Hat nichts zu sagen, erwiderte ich. „Setzen Sie sich, Mister …

    „Grabble, Max Grabble", stellte er sich vor. „Ich bin Handlungsreisender. Ich vertrete einen

    medizinischen Fachverlag. Wir haben ein Buch der Krankheiten herausgebracht. Für den Hausgebrauch, verstehen Sie? So eine Art Gesundheitslexikon."

    „Ich fühle mich erstklassig, sagte Jimmy. „Und wenn ich mich krank fühle, gehe ich sofort zum Arzt. Ohne Gesundheitslexikon.

    „Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen so etwas verkaufen will, wie?, fragte Max Grabble erstaunt. „Ich komme als Klient zu Ihnen. Ich habe Sorgen …

    „Wer hat die nicht?", mischte sich der Kleine wieder ein. Ich räusperte mich und sah ihm in die Augen. Jimmy wusste, was die Glocke geschlagen hatte. Und ich wusste, dass er sich vorerst bestimmt nicht mehr einmischen würde.

    „Stecken wir uns erst mal eine Zigarette an", sagte ich und reichte Max die Packung. Er lächelte entschuldigend und schüttelte den Kopf.

    „Ich rauche nicht, sagte er. „Wegen meines Herzens. Es ist nicht ganz in Ordnung. Und dann ist es auch billiger. Was ich Sie fragen wollte: Sind Sie sehr teuer?

    „Machen Sie sich deshalb mal keine Sorgen, sagte ich. „Wir regeln so etwas immer von Fall zu Fall …

    „Gut, sehr gut, stellte Max Grabble fest. „Ich sagte schon, ich kam zufällig vorbei und sah Ihr Firmenschild an der Hauswand. Wissen Sie, ich trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, zu einem Detektiv zu gehen. Bisher war es mir immer zu peinlich. Aber jetzt …

    „Wie sehen Ihre Sorgen aus?, fragte ich Grabble ruhig, um ihn nicht zu verschüchtern. „Haben Sie geschäftlichen Ärger?

    „Das könnte schlimmer sein, erwiderte er. „Nein, es handelt sich um meine Frau.

    „Scheidungsabsichten?", fragte ich knapp. Ich war innerlich entschlossen, die Sache nicht zu übernehmen. So etwas hatten der Kleine und ich nie angepackt. Es gibt keine schmutzigere Wäsche als so etwas. Und ob man will oder nicht, man macht sich selbst dreckig dabei.

    „Ich würde niemals an Scheidung denken, sagte Grabble. „Nie, verstehen Sie? Ich liebe Nora. Heute so gut wie damals, als ich sie heiratete. Nein, das ist es nicht, bestimmt nicht. Ich möchte nur Klarheit darüber haben, was mit ihr los ist.

    „Ihre Frau hat sich also verändert?"

    „Sehr sogar, erwiderte er und wurde wieder verlegen. „Gern spreche ich nicht darüber, das können Sie mir glauben. Aber es ist so, dass Nora seit einigen Wochen ein ganz anderer Mensch geworden ist.

    „Vernachlässigt sie Sie?"

    „Auch das könnte man nicht sagen, meinte Grabble. „Sie ist eben anders geworden. So geistesabwesend, verstehen Sie?

    „Hatten Sie sich mal in den letzten Wochen zerstritten?"

    „Wir streiten nie miteinander, sagte Grabble. „Ich kann Ihnen das einfach nicht beschreiben, wieso sie sich verändert hat. Es ist aber eine Tatsache.

    „Das sind Ihre Sorgen?"

    „Es bedrückt mich. Ich mache mir Gedanken und kann nicht so intensiv wie früher arbeiten. Ich möchte wissen, was mit Nora los ist."

    „Wann haben Sie geheiratet?", wollte ich wissen. Ich sah kurz zu dem Kleinen hinüber. Er saß an dem kleinen Tischchen im Hintergrund und steuerte das Magnetofongerät aus. Ich war sicher, dass wir später jedes Wort abhören konnten.

    „Vor vielleicht zwei Jahren, nicht ganz so lang, erwiderte Grabble. „Ich lernte Nora in einem Lokal kennen, wo sie als Serviererin arbeitete. Wir verstanden uns sofort und haben mit der Heirat nicht lange gewartet. Ich habe meinen Entschluss nie bereut. Und ich bereue ihn auch heute noch nicht.

    „Das waren Sie, sagte ich. „Und wie steht es mit Ihrer Frau? Könnte sie die Heirat inzwischen bereut haben?

    „Ich tue doch alles für sie, sagte Grabble. „Nur für sie arbeite ich doch. Ich erfülle ihr jeden Wunsch, und ich habe es zu einer ganz hübschen Wohnung gebracht.

    „Aber Sie haben trotzdem Sorgen, sagte ich. „Haben Sie denn irgendeine Vermutung, warum sich Ihre Frau so verändert hat?

    „Ich weiß es nicht, sagte Max Grabble hilflos und räusperte sich. „Leider bin ich oft tagelang unterwegs.

    „Mister Grabble, sagte ich. „Nun rücken Sie mal mit der Sprache heraus. Was sollen wir für Sie tun? Sie sind doch mit einer bestimmten Absicht zu uns gekommen, oder?

    „Es ist vielleicht schlecht, dass ich überhaupt solche Vermutungen habe, schickte er voraus. „Aber vielleicht hat sie schlechten Umgang. Stellen Sie doch fest, mit wem sie verkehrt. Ich will nur Gewissheit. Sollte sie sich zu einsam fühlen, dann würde ich mich nämlich nach einer anderen Arbeit umsehen. Deshalb sollen Sie sie beobachten.

    „Was meinst du, Jimmy?", wandte ich mich an den Kleinen.

    „Was ist, wenn sie schlechten Umgang hat?", fragte Jimmy.

    „Ich würde es sie nie fühlen lassen, sagte Grabble. „Ich würde meine Arbeit anders einrichten und die Dinge wieder geradebiegen. Ich will meine Ehe retten.

    „Das hört sich aber schon bedenklich an, sagte ich. „Ist sie denn bereits in Gefahr?

    „So krass vielleicht nicht", stellte Grabble fest. „Aber eine Ehe ohne gegenseitiges Vertrauen ist

    keine Ehe mehr. Dieses höfliche Nebeneinanderherleben hat doch keinen Sinn. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt nichts, was Nora nicht für mich tun würde. Aber sie macht das alles mit einer … ja … dulderhaften Höflichkeit. Wollen Sie mir helfen?"

    Ich sah wieder zu dem Kleinen hinüber. Er nickte. Also war auch ich einverstanden. Der arme Teufel da vor meinem Schreibtisch saß in einer Klemme. Und er war es wert, dass man ihm half. Er tat mir leid, denn er wirkte jetzt noch müder und ausgebrannter als vorher. Ich hatte bereits eine ungefähre Vorstellung davon, was mit seiner Ehe los war. Aber ich hütete mich, darauf anzuspielen. Einen Mann wie Max Grabble hätte schon eine Andeutung in der Richtung fertig gemacht.

    „Wie viel muss ich bezahlen?", fragte er höflich und stand auf. Er war und blieb der Handlungsvertreter, der immer den untersten Weg geht. Selbst jetzt, wo er eigentlich der Herr und Kunde war.

    „Wir regeln das später", sagte ich abwinkend.

    „Ich muss es aber wenigstens ungefähr wissen, sagte Max Grabble hartnäckig. „Billig sind Sie doch bestimmt nicht.

    „Zehn Dollar pro Tag", schaltete sich da der Kleine aus dem Hintergrund ein. Ich war überrascht, dass Jimmy es so billig machen wollte. Zehn Dollar betrugen noch nicht einmal die Spesen, die wir hatten. Aber Jimmys Kostenvoranschlag bewies mir eindeutig, dass auch er Mitleid mit diesem müden Mann hatte.

    „Wirklich, nur zehn Dollar pro Tag?", fragte Grabble überrascht und ein glückliches Lächeln glitt über seine faltigen Züge. Er kramte umständlich in seiner herausgezogenen Brieftasche herum und leistete eine Anzahlung von fünfzig Dollar. Sie taten ihm weh, das war deutlich zu sehen. Ich hätte sie ihm am liebsten wieder in die Tasche gesteckt. Um ihn aber nicht zu beleidigen, stellte ich ihm eine Quittung aus. Als er zu seinem abgestellten Koffer gehen wollte, rief ich ihn noch einmal an.

    „Wir brauchen Ihre Adresse, sagte ich. „Sie können sie meinem Partner ins Mikrofon sprechen. Das vereinfacht die Sache.

    Er nannte die Adresse. Ich kannte die Stadt zwar gut, aber mit diesem Straßennamen konnte ich wenig anfangen. Ich sagte es Grabble.

    „Die Trimberstreet liegt in einer neuen Siedlung draußen im Westen der Stadt, erklärte er mir umständlich. „Ich habe das Haus auf Abzahlung gekauft und bereits schon ein Drittel abgedeckt. Man wohnt sehr nett dort draußen. Und noch eins, bitte, arbeiten Sie so, dass Nora nichts merkt.

    „Sie können vollkommen beruhigt sein", versprach ich ihm. Jimmy brachte ihn noch bis zum Lift und kam dann mit gespitztem Mund wieder zurück ins Büro.

    „Armer Hund, sagte er und goss sich einen Drink ein. „Ich wette, Langer, dass sich seine Nora langweilt und Entspannung in heiteren Kreisen sucht.

    „Das ist sogar noch vorsichtig ausgedrückt, sagte ich und nickte. „Lassen wir uns mal überraschen. Ich bin gespannt, wie diese Nora aussieht.

    „Wir könnten sofort losfahren, sagte Jimmy. „Ich habe mit Grabble noch draußen am Lift gesprochen. Er beginnt heute mit seiner Verkaufstour. Er ist in drei Tagen wieder zurück.

    Es lag nichts Besonderes vor und der Kleine und ich machten uns sofort auf den Weg. Wir waren beide an Nora interessiert, obwohl Grabble sie uns nur sehr oberflächlich geschildert hatte. Aber das kam wohl daher, dass uns Grabble leid tat. Man sah dem Mann auf hundert Schritt an, dass er wie ein Roboter wühlte und arbeitete, nur um Nora zufriedenzustellen und um das Haus zu bezahlen. Vielleicht hatte der arme Kerl früher mal gern eine Zigarette geraucht. Vielleicht hatte er vor seiner Heirat auch ganz anders ausgesehen. Nicht so müde, abgearbeitet und ausgebrannt.

    Mit dem Wagen fuhren wir in den Westteil der Stadt.

    Hier hatte sich in den Monaten unserer Abwesenheit allerhand getan. Man hatte Brachland aufgeschlossen und freundliche Siedlungen aus dem Boden gestampft. Die Verbindungsstraßen

    waren erstklassig in Ordnung, und man konnte sich hier im Grünen schon wohl fühlen. Wenn man eben keine Sorgen hatte, die sich um die eigene Frau drehten.

    Die Trimberstreet lag am äußersten Ende der Siedlung. Hier wurde noch an den Straßen und Grünanlagen gearbeitet. Hier sah es noch ziemlich wild aus. Die projektierte Straße, die in Umrissen zu erkennen war, endete jäh in einem sandigen Hügelgelände, das mit Baumgruppen, Ginster und kleinen Buschgruppen bestanden war. Etwa tausend Meter hinter diesen kleinen Hügeln war das Band der großen Ausfallstraße nach Westen zu erkennen.

    „Das Haus dort muss es sein", sagte Jimmy. Wir hatten den Wagen auf dem Asphalt stehengelassen und waren zu Fuß weitergegangen. Jimmy wies mit dem Kopf auf das schmucke Holzhäuschen, das hart vor der Sandfläche stand.

    Es unterschied sich in nichts von den hundert anderen Häusern dieser Siedlung. Man musste sich wohl als Bewohner dieser Siedlung zuerst seine Hausnummer sehr gut einprägen, um nicht in einer falschen Küche zu landen.

    „Ich sehe mir Nora mal an", sagte ich.

    „Ich setz‘ mich da drüben in das Lokal", sagte der Kleine. Er hatte die Imbiss-Bar bereits ausgemacht, und seine Augen wurden magnetisch von den Fleisch-Sandwiches angezogen, die in einer Kühlvitrine in der Auslage zu sehen waren. Ich nickte, klemmte mir eine Zigarette zwischen die Lippen und ging zum Haus Nr. 129 hinüber.

    Auf mein Klingeln hin hörte ich Schritte hinter der Tür. Die Tür wurde geöffnet, und ich stand einer Frau gegenüber, die mich auf den ersten Blick hin völlig verblüffte. Sie war vielleicht knapp dreißig Jahre alt. Sie war mittelgroß, nicht zu schlank und hatte ein apartes Gesicht mit einem frechen, etwas herausfordernden Zug darin. Ihr braunes Haar fiel in langen Wellen auf ihre schmalen Schultern herunter. Sie rauchte eine Zigarette und sah mich abwartend, vielleicht etwas misstrauisch an.

    „Was ist los?", fragte sie ohne besondere Höflichkeit. Ich merkte sofort, dass sie in einem Lokal als Serviererin gearbeitet hatte. In einem Lokal, wo man mit gelöster Krawatte und aufgekrempelten Hemdsärmeln saß und mit dem Personal herumflachste.

    „Wenn Sie mir zwei Minuten geben, ist das schnell erklärt", sagte ich lächelnd.

    „Die zwei Minuten sollen Sie haben, meinte sie burschikos. „Kommen Sie ‘rein in die gute Stube. Damit Sie‘s gleich wissen, einen Staubsauger habe ich schon.

    „Aber bestimmt nicht eine Lebensversicherung", sagte ich. Wir waren in den großen Wohnraum getreten, und ich sah mich unauffällig um. Die Möbel waren zwar nicht neu, aber nett. Aber trotzdem sah der Raum ziemlich vergammelt aus.

    Hausarbeit schien nicht die starke Seite von Nora Grabble zu sein.

    „Ach, du lieber Himmel, Sie wollen ‘ne Versicherung abschließen?", fragte sie aufseufzend.

    „Sind Sie enttäuscht?", fragte ich lächelnd.

    „Sie sehen nicht wie ein Versicherungsvertreter aus", meinte sie.

    „An und für sich sitze ich in einem Büro, als Statistiker, erklärte ich ihr. „Aber wir hatten einen Krankheitsfall, und da bin ich mal eingesprungen. Damit ich‘s auch nicht verlerne.

    „Tut mir leid, dass Sie bei mir Pech haben, sagte Nora Grabble. „Mein Mann hat schon eine Lebensversicherung abgeschlossen.

    „Und wie steht es mit einer Unfallversicherung?, fragte ich. „Ich weiß nicht, was Ihr Mann für einen Beruf hat. Aber wer ist bei diesem verrückten Verkehr nicht dauernd in Gefahr? Wir haben sehr günstige Bedingungen.

    „Die Prämien muss ich aber trotzdem zahlen", sagte sie.

    „Die Prämien sind gering, erwiderte ich. Ich bot ihr eine Zigarette an, und sie rauchte fachmännisch. „Vor allen Dingen genießen Sie noch vor der ersten Zahlung automatischen Schutz.

    „Ich kann mich da nicht so schnell entscheiden, sagte Nora Grabble. „Sie müssen schon noch einmal wiederkommen, wenn Sie an einem Geschäft interessiert sind.

    „Ich würde gern wiederkommen, vielleicht, wenn Ihr Gatte zu Hause ist?", schlug ich vor.

    „Der kommt so schnell nicht zurück, sagte Nora und sah mich sehr intensiv an. „Man ist in dieser verrückten Siedlung sehr allein.

    „In der Stadt ist man‘s auch", sagte ich und lächelte.

    „Herrgott, wie lange habe ich schon keinen anständigen Film mehr gesehen", sagte sie weiter. Es war eindeutig, dass sie mich aufforderte, sie einzuladen.

    „Ich weiß da einen netten Film, sagte ich. „Es ist eine Kleinigkeit, mit dem Wagen vorbeizukommen und Sie abzuholen.

    „Man könnte dann ja auch über den Abschluss reden", erwiderte Nora sehr schnell. Sie wollte keinen falschen Eindruck bei mir hinterlassen.

    „Sicher, erwiderte ich, „das könnte man bei der Gelegenheit auch mal in aller Ruhe durchsprechen. Um wie viel Uhr könnte ich Sie abholen, Mrs. Grabble.

    „Sagen wir, so gegen zwanzig Uhr, war ihre Antwort. „Aber kommen Sie mit dem Wagen nicht hierher vors Haus. Lassen Sie ihn oben am Platz stehen. Ich komme dann dorthin.

    „Die lieben Nachbarn, wie?"

    „Das kann man wohl sagen, sagte sie und lächelte verächtlich. „Die haben hier nichts anderes zu tun, als einem nachzuspionieren. Vor allen Dingen diese Frau dort im Nebenhaus, sie machte eine entsprechende Kopfbewegung, „Sie können sich nicht vorstellen, wie oft diese Frau hinter der Gardine steht."

    „Ich freue mich auf heute Abend", sagte ich und wollte gehen.

    „Warten Sie, ich bringe Sie noch zur Tür", meinte Nora Grabble. Sie begleitete mich bis in die Diele, dann stoppte sie. Das Telefon im Wohnzimmer hatte geklingelt. Sie sah mich unentschlossen an.

    „Ich werde schon allein hinausfinden", meinte ich.

    „Sie sind mir nicht böse?"

    „Unsinn, sagte ich und lächelte. „Gehen Sie nur zum Telefon.

    Ich nickte ihr zu und drehte mich um. Ich hörte, wie sie schnell zurückging und dann den Telefonhörer aus der Gabel nahm. Natürlich dachte ich jetzt nicht daran, sofort auf die Straße zu gehen. Vielleicht hatte ich Glück und konnte etwas aufschnappen. Sie achtete bestimmt nicht darauf, dass die Haustür nicht zuklappte. Ich ging leise zurück zur Wohnzimmertür und klinkte sie auf.

    Sie merkte überhaupt nichts.

    Nora Grabble unterhielt sich mit einem Mann, den sie Joe nannte. Die beiden schienen sich sehr gut zu kennen. Und Nora Grabble war in bester Laune, wenn sie antwortete. Der Anruf schien etwas für ihr Herz zu sein.

    „Nein, Joe, heute Abend wird es nicht klappen, sagte sie. „Tut mir leid, mein Junge. Aber morgen Abend wird bestimmt etwas daraus. Ja, bestimmt. Ja … Max geht wieder auf Tour. Wenigstens für drei Tage …

    Sie legte eine Pause ein und hörte sich an, was dieser Joe sagte. Dann unterbrach sie ihn: „Nein, so glaube mir doch, ich bleibe heute Abend zu Hause. Du auch? Das ist richtig, Joe. Ich freue mich schon schrecklich auf den morgigen Abend. Aber sei vorsichtig, wenn du mich abholst. Du weißt doch, was hier in der Siedlung los ist …"

    2. Kapitel

    Ich zog vorsichtig die Tür zu und betrat die Straße. Was ich da gehört hatte, verwunderte mich nicht besonders. Genau das hatte ich erwartet. Ich sah Max Grabble vor mir, den müden, verbrauchten Mann, und ich hatte gerade Nora Grabble kennengelernt. Eine junge Frau, die sich bestimmt nicht nur langweilte. Sie hatte die Abwesenheit ihres Mannes wohl nur benutzt, um sich einen netten Freund anzulachen.

    Nichts besonders Überragendes. Aber Max Grabble tat mir leid.

    Da ich nun schon mal hier draußen in der Siedlung war, wollte ich der Sache so schnell wie möglich auf den Grund gehen. Sie hatte diesem Joe am Telefon empfohlen, vorsichtig zu sein. Ich war sicher, dass die lieben Nachbarn bei aller Vorsicht doch bereits wussten, was in dem Haus Nummer 129 gespielt wurde. Man unterschätzt Nachbarn nur allzu leicht. Vor allen Dingen Nachbarn in einer geschlossenen Siedlung, die noch dazu weit draußen vor dem Zentrum der Stadt liegt. Die Leute starben vor Langeweile und hatten nichts Besseres zu tun, als in die Töpfe ihrer Mitmenschen zu schauen.

    Ganz abgesehen davon passte es durchaus in meinen Schwindel, dass ich als angeblicher Versicherungsvertreter auch in den Nachbarhäusern vorsprach. Das Haus links von der Nummer 129 war wie aus dem Ei gepellt.

    Ich sah den Besitzer schon im Geiste vor mir. Es war wahrscheinlich irgendein biederer Angestellter, der jede Minute Freizeit ausnutzte, um an seinem Haus herumzustreichen. Der Farbensinn dieses Hausbesitzers war sehr ausgeprägt. Es gab kein Stück Holz, das er nicht mit Farbe überzogen hatte, und er hatte sich in den einschlägigen Geschäften bestimmt gut umgesehen und keine Möglichkeit außer Acht gelassen, Leben in die Malerei zu bringen.

    Auf mein Klingeln hin öffnete ein kleiner Junge von etwa acht Jahren. Er trug Nietenhosen und eine Davy-Crockett-Jacke. An seiner Hüfte baumelte ein Spielzeugcolt. Als er mich sah, duckte er sich zusammen und langte nach seinem Schießeisen. Ich nahm sofort die Hände hoch.

    „Komm ‘rein, Fremder, sagte er zu mir. Er hielt es für selbstverständlich, dass ich auf sein Spiel einging. „Mach keine falsche Bewegung, sonst puste ich dich aus.

    Er presste mir sein Schießeisen in den Rücken. Das heißt, so ganz hoch kam er nicht. Ich spürte den Lauf des Spielzeugcolts knapp über meinem Gesäß. Er dirigierte mich in die Diele des Hauses, und ich musste mich mit dem Gesicht gegen die Wand stellen.

    „Sag mal, Davy, ist deine Mam zu Hause?", meinte ich lächelnd.

    Er war etwas verblüfft, und ich spürte, dass er seinen Colt wegnahm. Er suchte nach einer entsprechenden, handfesten Westlerantwort, aber die fand er nicht so auf Anhieb. Er begnügte sich damit, zu sagen: „Keine Bewegung, Fremder."

    Ich war wie erlöst, als ich Schritte hinter einer Tür hörte. Sie wurde aufgestoßen, und vor mir stand eine Frau, die gleich ihrem Häuschen wie aus dem Ei gepellt zu sein schien. Sie war korpulent und vielleicht fünfundvierzig Jahre alt. Sie trug eine frisch gestärkte, weiße Schürze und lächelte mich verzeihend an.

    „Ich habe Pech gehabt, sagte ich. „Ich bin glatt in eine Falle gelaufen.

    Sie schmunzelte und schob den Wildwesthelden zur Tür.

    „Sie warten draußen auf dich, sagte sie zu dem kleinen Kerl. „Und schieß nicht wieder so wild herum. Du weißt, sonst gibt es Ärger mit den Nachbarn.

    „Sie haben ein fabelhaftes Häuschen", sagte ich.

    Sie lächelte etwas gequält, und ich verbesserte schnell. „Das Haus, sagte ich, „wirkt ja direkt wie eine Privatvilla. Ja, es ist gut, wenn man für sein Leben vorsorgt. Aus diesem Grund bin ich auch hier, Mrs. Lambert.

    „Sie kommen von einer Versicherung?", schloss sie messerscharf.

    „Allerdings, erwiderte ich. „Wir haben neue Tarife ausgearbeitet, und ich kann Ihnen einen erstklassigen Vorschlag machen.

    „Da haben Sie Pech gehabt, sagte Mrs. Lambert und ordnete mit beiden Händen ihr wohl onduliertes Haar. „Mein Mann arbeitet in der gleichen Branche. Es gibt bei uns nichts, was nicht versichert ist.

    „Oh, da habe ich allerdings Pech gehabt, sagte ich. „Drüben bei Mrs. Grabble hat es besser hingehauen. Ich glaube, dass ich mit ihr abschließen kann.

    „Mrs. Grabble?", echote sie. Sie sprach den Namen sehr kühl und distanziert aus. Sie schien Wert darauf zu legen, mich wissen zu lassen, dass sie nicht viel von dieser Familie hielt. Dieser Tonfall in ihrer Stimme zeigte mir, dass ich an der richtigen Adresse war.

    „Das Haus sieht allerdings nicht so gepflegt wie Ihres aus, sagte ich. „Man merkt doch sofort, wer seinen Grundbesitz erhält und ihn pflegt.

    „Nicht wahr?, sagte Mrs. Lambert. „Dieses Haus neben uns ist direkt eine Schande für die ganze Siedlung. Es ist verkommen. Haben Sie sich schon einmal den Garten angesehen?

    „Mister Grabble ist sicher oft unterwegs", sagte ich entschuldigend.

    „Das ist mein Mann auch, erwiderte sie. „Aber kommen Sie doch herein. Ich habe gerade Kaffee aufgeschüttet. Sie werden mir doch eine Tasse gewiss nicht abschlagen.

    Jetzt war ich vollkommen sicher, dass ich die Geschichte des Ehepaares Grabble zu hören bekam. Ich folgte ihr in die Küche. Wie nicht anders zu erwarten war, befand sich noch nicht einmal eine ungespülte Tasse auf dem Abwaschbrett. Es war penetrant sauber. Ich schnupperte und glaubte sogar, Lysolgeruch zu riechen. Mrs. Lambert war eine Frau, die bestimmt jeden Tag Hausputz hielt.

    „Ihr Mann ist auch oft unterwegs?, nahm ich den Faden wieder auf. „Da kann ich Ihnen nur meine Hochachtung aussprechen, Mrs. Lambert. Dann haben Sie ja den Löwenanteil an der Pflege dieses Besitzes.

    „Ich kümmere mich auch darum und habe nicht Flausen im Kopf", sagte sie mit einer deutlichen Anspielung auf Nora Grabble.

    „Sehr solide wirkte sie tatsächlich nicht", legte ich meinen Köder aus.

    „Da sind Sie aber der erste, der so urteilt, antwortete sie, und ein Zug von Befriedigung legte sich auf ihr Gesicht. „Ich kann die meisten Männer nicht verstehen. Wie kann man sich nur für solch eine Frau interessieren?

    „Tut man das denn?"

    „Ich weiß doch, was gespielt wird, sagte sie. „Die Männer in der Siedlung sind alle verrückt nach ihr.

    „Und sie lässt sich das gern gefallen, ja?"

    „Nach außen hin, sagte Mrs. Lambert, „spielt sie natürlich die Unnahbare, aber man weiß ja schließlich, woher sie kommt. Mich kann sie zum Beispiel nicht hinters Licht führen. Na, ich will aber lieber nicht darüber reden.

    „Ich hörte, dass sie Serviererin war, sagte ich. „Mrs. Grabble sprach davon.

    „Dann hat sie noch geprahlt, sagte die blitzblanke Hausfrau, in deren Innerem es aber weiß Gott nicht so gescheuert und sauber aussah. „Man müsste ihrem Mann eigentlich den Star stechen. Ich habe schon oft mit meinem Mann darüber geredet, aber er will das nicht. Er sagt immer, wir sollten uns nicht in andere Dinge einmischen.

    „Na ja, es gibt Grenzen, sagte ich. „Ein verantwortungsbewusster Mensch ist direkt verpflichtet …

    Sie ließ mich gar nicht zu Ende reden.

    „Nicht wahr?, erklärte sie begeistert. „Man hat doch eine gewisse Verantwortung seinen Mitmenschen gegenüber. Mir tut Mister Grabble sehr leid. Er hat wahrscheinlich gar keine Ahnung, dass ihn seine Frau hintergeht.

    „Tut sie das wirklich?"

    „Was soll es anders bedeuten, wenn sie sich zweimal in der Woche zumindest abholen lässt? Oh, sie glaubt, sehr klug zu sein, aber ich weiß, dass der Wagen, der sie abholt, da drüben neben der Methodistenkirche parkt."

    „Der arme Mister Grabble, sagte ich. „Ich bin gespannt, ihn einmal kennenzulernen.

    „Verplappern Sie sich aber um Gottes willen nicht, sagte Mrs. Lambert da ängstlich. „Ich will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Was kümmert es mich, was die Grabble tut? Ich habe mit mir selbst zu tun. Wissen Sie, es gehört zu meinen Prinzipien, dass ich mich aus allem heraushalte. Klatsch und Tratsch liegen mir nicht.

    „Den Eindruck habe ich auch", sagte ich ernst. „Wenn alle Frauen so schweigsam und so tolerant

    wären wie Sie, sähe es anders in der Welt aus. Aber leider …"

    Sie wollte mich noch zu einer zweiten Tasse Kaffee animieren, aber ich hatte schon von der ersten Tasse die Nase voll. Was die Lamberts an Farbe für ihr Haus anlegten, sparten sie am Kaffee wohl ein. Sie hatte mir eine braune Brühe eingegossen, die nicht erhebend gewesen war.

    „Nicht wahr, meinte sie noch einmal an der Haustür, „Sie vergessen doch, was ich über die Grabbles gesagt habe, ja?

    „Ich habe es schon vergessen, sagte ich. „Ich werde doch die Gattin eines Kollegen nicht in Schwierigkeiten bringen.

    Ich hatte einen schalen Geschmack auf der Zunge, als ich an den übrigen Häusern entlangschritt, um Jimmy abzuholen. Dieser Geschmack rührte nicht nur von dem dünnen Kaffee her. Ich hasste diese Frauen wie Mrs. Lambert. Sie liefen in gestärkten, blütenweißen Schürzen herum und waren in Wirklichkeit schmutziger als eine Kellnerin in einer Kellerkneipe. Manchmal konnte einem in meinem Beruf übel werden. Man musste sich den lieben, langen Tag nur mit Schmutz befassen.

    Der Kleine war erstaunlicherweise abstinent geblieben. Es lag wohl an den Sandwiches, die ihm hier in der Siedlung besonders schmeckten. Er war also durchaus gesprächsfähig. Ich stoppte seine

    Fresslust und bugsierte ihn zu unserem Wagen hin.

    „Was war?", fragte er mich. Er kämpfte gegen die letzte Ladung Sandwiches an, die sich zwischen seinen Zähnen befand. Seine Aussprache war mehr als undeutlich.

    „Eine übliche Dreiecksgeschichte, sagte ich. „Wenn du Nora Grabble kennengelernt hättest, wüsstest du sofort Bescheid, Kleiner. Ich denke, dass wir sie morgen Abend mit einem gewissen Joe erwischen werden. Trotzdem, Jimmy, habe ich verdammt wenig Lust, Max Grabble den Star zu stechen. Der ist so ein Typ, der danach völlig zusammenbricht und zum Quartalssäufer wird. Ich glaube, er fühlt sich wohler, wenn er nichts weiß und sich weiter von ihr kühl-höflich behandeln lässt. Ich habe sie für heute Abend eingeladen. Du hättest mal sehen sollen, wie schnell sie zusagte. Mit dieser Nora ist verdammt wenig los.

    „Wir hätten die Sache erst gar nicht anfangen sollen", erwiderte Jimmy.

    „Wenn wir sie morgen Abend erwischen, werde ich sie mir kaufen und vornehmen, sagte ich. „Vielleicht ist noch was zu retten an ihr.

    „So, wie du sie mir geschildert hast, ist das nicht anzunehmen", sagte Jimmy.

    Sie sehen, es war wirklich eine völlig belanglose Sache für uns. Wir verloren auch weiter kein Wort darüber und unterhielten uns während der Rückfahrt in die Stadt über andere, interessantere

    Dinge. Im Office angekommen, stürzte ich mich auf die Schriftstücke, die June Traven für mich vorbereitet hatte. Jimmy verließ nach etwa einer halben Stunde das Office, um bei der Handelskammer Nachforschungen für eine Firma anzustellen. Es handelte sich um irgendeinen Patentstreit zwischen zwei Lackfabrikanten. Es war eine Arbeit, die viel Geduld und Spürsinn erforderte. Genau das richtige für den Kleinen, der dabei Zeit und Gelegenheit hatte, Schokolade zu knabbern.

    Zusammen mit June ging ich unsere Berichte und Aufstellungen durch. Wir arbeiteten gut eine Stunde und schonten uns nicht dabei. Mir rauchte der Kopf, als sie endlich mit ihrer erledigten Unterschriftenmappe in ihrem Zimmer verschwand. Papierkrieg musste sein, gewiss, aber es konnte einem schlecht dabei werden. Es war natürlich Blödsinn, sich darüber aufzuregen. Wir drei, Jimmy, June und ich verdienten sehr gut, und wir waren gefragt. Seit einigen Monaten war uns der Sprung in die große Wirtschaft gelungen. Wenn das so weiterging, verwandelten wir uns bis zum Ende des Jahres bestimmt in reine Wirtschaftsdetektive.

    Ich zog mich nicht groß um. Nora Grabble war es mir nicht wert. Ich hatte nicht vor, groß mit ihr auszugehen. Sie war sicher zufrieden, wenn ich mich mit ihr in einem mittelgroßen Lokal hockte und Süßholz raspelte. Etwas anderes erwartete sie doch bestimmt nicht.

    Zehn Minuten vor der verabredeten Zeit kreuzte ich mit dem Wagen vor ihrem Haus auf. Ich sah unauffällig zu der buntbemalten Nachbarvilla hinüber. Wie nicht anders zu erwarten war, bewegte sich die Gardine am breiten Giebelfenster. Die frisch gestärkte Schürze saß bestimmt auf Anstand und ließ ihre Augen rollen. Wie musste sie enttäuscht sein, dass ausgerechnet ich hier bei Nora Grabble auftauchte.

    Nora Grabble hatte sich noch nicht umgezogen. Sie empfing mich in einem verwegen gemusterten Hausmantel.

    „Ich bin gleich fertig, sagte sie. „Setzen Sie sich schon ins Wohnzimmer. Es dauert nicht lange.

    Ich hatte vorgehabt, sie gegen 20.15 Uhr abzuschleifen. Es wunderte mich nicht, dass es 21 Uhr wurde, als wir endlich losfahren konnten. Sie war mächtig aufgekratzt und hatte sich wirklich gut zurechtgemacht.

    Sie wirkte aufreizend und pikant. Aber sie hatte ihr Make-up um eine Nuance zu sehr betont. Man sah ihr an, woher sie kam.

    „Haben Sie einen besonderen Wunsch, wo wir essen wollen?", fragte ich.

    „Och, das ist mir gleichgültig", erwiderte sie.

    „Ich kenne mich hier in der Stadt schlecht aus", erklärte ich ihr. „Ich bin ja nur vertretungsweise

    hier. Machen Sie doch einen Vorschlag, Nora." Ich sagte einfach Nora zu ihr, und sie akzeptierte es. Sie revanchierte sich und nannte mich auch beim Vornamen. Schneller konnte es eigentlich gar nicht gehen.

    Sie nannte mir die Adresse eines Lokals. Selbstverständlich kannte ich die Bierkneipe. Sie lag im Osten der Stadt und es handelte sich um einen riesigen Bau, der im Stil des Münchener Hofbräuhauses hergerichtet war. Die Bedienung trug dort Seppelhosen und Dirndlkleider. Die Kapelle unter den riesigen Maßkrügen an der Wand spielte keinen Jazz, sondern Polka und Rheinländer. Es war kein schlechtes Lokal, aber es war auch nichts Besonderes. Allerdings war es klar, dass sie sich dort wohl fühlte. Dort spielte sie bestimmt die erste Geige, während sie in anderen Lokalen in der Menge gut zurechtgemachter Frauen untergegangen wäre.

    Ihre Augen glänzten, als wir die Bierschwemme betreten hatten. Sie war aufgekratzt und winkte einigen Serviererinnen zu.

    „Sie kennen sich hier aber aus", sagte ich und gab meiner Stimme einen hochachtungsvollen Klang.

    „Ich hab‘ doch mal hier gearbeitet, sagte sie. „Ach, wissen Sie, Mac, es war eine schöne Zeit. Ich habe gern in meinem Beruf gearbeitet und ich wünschte, mein Mann würde mich nicht zu Hause einsperren.

    „Ist er oft unterwegs?"

    „Das ist es ja, sagte sie. „Man stirbt zu Hause vor Langeweile. Und dabei könnten wir es ganz gut vertragen, wenn wir noch etwas zusätzliches Geld hereinbekommen würden. Aber Max will einfach nicht. Es ist eigentlich komisch. Er hat eine Serviererin geheiratet und hasst es, in Lokale zu gehen. Ach, wissen Sie …

    Ihr Kummer war nicht gespielt, er war echt. Ich war der letzte, der Noras wegen diesen Joe verdammte. Sie hatte gewiss genau so ihr Päckchen zu tragen wie ihr Mann Max. Sie kam aber sehr schnell über diese triste Stimmung hinweg. Als wir uns in der Nähe der Blaskapelle an einen weiß gescheuerten Tisch setzten, geriet sie noch mehr in Stimmung, nachdem sie den ersten Steinkrug leergetrunken hatte. Mit den Fingern trommelte sie im Rhythmus zu den Märschen, die jetzt von der Empore herunter donnerten. Sie rauchte eine Zigarette nach der anderen und freute sich ehrlich, dass sie mal ausspannen konnte. Überraschenderweise legte sie es gar nicht auf einen Flirt mit mir an. Sicher, sie war nett und zutraulich, aber sie überschritt nie die Grenze des guten Geschmacks. Das war etwas, was mich ehrlich verwunderte.

    Ihre Begeisterung war kaum noch zu bremsen, als ich für uns beide Steaks mit viel Zwiebeln, Bratkartoffeln und Bohnen bestellte. Sie konnte nicht nur gut trinken, sondern auch sehr viel essen.

    Sie trank den zweiten Steinkrug leer und wurde dann wieder elegisch.

    „Mein Gott, sagte sie, „warum kann man das nicht mal öfter haben?

    „Gehen Sie denn nie aus?", fragte ich.

    „Max hat dazu keine Lust", sagte sie.

    „Er ist doch oft unterwegs", sagte ich lächelnd.

    „Sie wissen doch", meinte sie gespielt schamhaft,

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