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Der Rotwein der Venus: Aufstieg und Fall eines Mörders
Der Rotwein der Venus: Aufstieg und Fall eines Mörders
Der Rotwein der Venus: Aufstieg und Fall eines Mörders
eBook196 Seiten2 Stunden

Der Rotwein der Venus: Aufstieg und Fall eines Mörders

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Über dieses E-Book

PROVOKANT! SKANDALÖS! GEHEIMNISVOLL! SCHOCKIEREND! REAL?
Diese Geschichte beschreibt einen Skandal und zeichnet das Spiegelbild einer kranken Gesellschaft, die der Sucht erlegen ist. Ein besonderer Rotwein verspricht ein langes Leben in
ewiger Jugend und Schönheit und hält ein Volk in seinem Bann. Gierige Politiker, eng verbunden mit dem Wohlwollen der Kirche, missbrauchen die Gelüste die den Rotwein
umgeben, um an die Macht zu kommen. Es ist eine psychologische Analyse wie ein Mensch zum Mörder wird, der durch die Gier hochgejubelt in einer Zeitreise durch zwei Epochen wandelt, um die Süchte und Wünsche seiner Anhänger zu befriedigen. Ein Geheimbund vertritt die Thesen des Bußpredigers Girolamo Savonarola übermäßigen Luxus und Süchte zu verdammen, um zu einer gesellschaftlichen Moral zurückzufinden. 1498 wurde Savonarola im Auftrag von Papst Alexander II ermordet, 1998 leitete Papst Johannes Paul II einen
Seligsprechungsprozess ein. Im Vatikan ist das Thema immer noch aktuell. Ein Detektiv wird beauftragt das Geheimnis des Rotweins zu lösen.
SpracheDeutsch
HerausgeberPerfecto-Verlag
Erscheinungsdatum11. März 2014
ISBN9783981613810
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    Buchvorschau

    Der Rotwein der Venus - Werner Horn

    1. Kapitel

    Die Abendsonne versprühte in einer Farbexplosion ihren lieblichen Glanz über die Natur. Auf einer Bank mit geschwungenen violetten eisernen Lehnen saß Vincent Berger und entspannte sich. Seine Beine hatte er lässig übereinandergeschlagen.

    Er genoss einen schweifenden Blick über die Weite der Landschaft, die sich ins tiefe Tal bis zum Stadtrand erstreckte. Eine leichte Brise bewegte eine Locke seines Haares und brachte sie in wirbelnde Schwingungen.

    Florenz strahlte seinen Charme und Flair aus. Eine Perle von Attraktionen der Schönheit. Die Stadt wirkte wie ein zeitloses vollendetes Kunstwerk. Eine unersetzliche Architektur, geschaffen von den kreativsten Künstlern und Baumeistern mehrerer Epochen: wie Juwelen und Brillanten, glitzernder Schmuck, der der Schönheit der Landschaft mit einem Funkeln eine außergewöhnlich romantische Stimmung verlieh. Sorglos lehnte sich Vincent zurück und dachte als zukünftiger Weinbergbesitzer an den Anfang eines interessanten und neuen Lebensabschnittes. Der Hektik der Großstadt war er entkommen und suchte die Ruhe, wie ein neugeborener Lebenskünstler in der Natur. Seine blauen Augen tasteten die Weinberge ab. Rote Trauben waren vollmundig gereift, groß gewachsen und strahlten köstliche Energien aus. Fruchtiger Geruch erreichte seine Sinne. Ruhiger Atem vermengte sich mit dem milden Klima Italiens und dem Wärmegenuss der Sonnenstrahlen in einem Land das Sehnsüchte erweckte. Nichts aus seiner Vergangenheit war wichtig. Er streifte alles ab, wie eine alte verbrauchte zerschlissene Haut. Ein Erbe lockte ihn als Herausforderung an diesen Ort. Diese Botschaft traf ihn wie ein Wunder durch einen eingeschriebenen Brief. Sie erreichte ihn im richtigen Moment, wie die Gewinnmitteilung einer Lotterie. Vincent war der einzige und letzte Nachkomme einer alten Familiendynastie.

    Der ehemalige Besitzer des Weinberges, ein entfernter Verwandter, Ricardo Paletti, war seit fast dreiundzwanzig Jahren auf rätselhafte Weise über Nacht spurlos verschwunden. Er war für tot erklärt worden. Es gab keine Hinweise und keine Leiche. Alle Spuren verliefen im Sand der Erinnerungen. Die Gerüchteküche brodelte vielfältig wie die Zubereitung eines besonders eindrucksvollen Gerichts, das die Geschmacksnerven zum Höhepunkt trieb.

    Legenden bildeten sich: er hätte sich in eine Nebelwolke verwandelt und wäre mit dem Dunst der Morgenfrische in den Himmel erhoben worden. Götter hätten ihn gerufen, um auch von dem außergewöhnlichen Rotwein zu kosten und ihre Geschmackssinne zu befriedigen. So phantasievoll war der Verdacht, der sich hartnäckig wie ein Lauffeuer ausbreitete. Der Weinberg, die Gebäude in mediterranen und orangenen Pastelltönen blieben einsam und verlassen zurück. Sie waren stilvoll mit Geschmack eingerichtet und versprühten unter dem Staub der Zeit Flair der 70er Jahre. Vincent konnte sich noch wage daran erinnern. In seiner frühen Jugend erzählten seine Eltern, dass es einen vermögenden Verwandten in Italien gegeben habe, der sich jedoch nicht mit Spendierhosen gekleidet hatte.

    Fürchterlicher Geiz wurde ihm nachgesagt. Hilfesuchende Verwandte wimmelte er wie ein Monster ab, das hungernde Tiere mit einem Fußtritt verjagte. Misstrauisch traute er niemandem über den Weg. Als kauziger Eigenbrötler war er bekannt. Vincents Jugendgedanken an die Armut seines Elternhauses hatten ihn geprägt, sie war eingebrannt wie das Wappen eines Brenneisens. Das Erinnerungsvermögen blühte wie eine Blume auf, die ihre Knospe öffnete. Die Härte der Jugend entfernte sich in einem schwarzen Tunnel, dessen Licht am Ende verglühte. Er lebte auf einer einsamen Insel abgetrennt in einer Gesellschaft der Unerreichbarkeit. Wohn-Haft ohne schuldig zu sein, nannte er die Geisel der Armut. Wer kein Geld hatte wurde dazu verdammt zu Hause bleiben zu müssen und konnte die weite Welt nicht genießen. Medien berichteten täglich über den unerreichbaren Glanz und Reichtum und präsentierten das Glück.

    Die Gedanken auf den Verzicht eines sehr guten, auserlesenen Rotweins blieben in den Köpfen der älteren Einwohner als Legende fest verankert. Ein edler Tropfen des Genusses, der ein langes Leben in ewiger Jugend und Schönheit versprach, ein Wein wie es die Gerüchteküche prophezeite, eine Wundermedizin, die ein ganzes Land in Verzückung versetzte. Männer wie Frauen waren dahin geschmolzen. Ihre Augen entflammten wenn sie hitzig darüber sprachen und diskutierten. Niemand kannte jedoch das Geheimnis des Erfolges, das ausgerechnet diesen Rotwein so außergewöhnlich machte und eine Glut der Begeisterung in den Gehirnen der Genießer entfachte.

    Vincent war nie faul gewesen, aber vollen Einsatz für banale, sinnlose, nichts sagende Aufgaben zu verschwenden, war ihm zuwider. Ihn motivierten nur Aufgaben, wenn er ein Ziel vor Augen hatte und greifbare Erfolge lockten, die ihn schon im Frühstadium umjubelten und sowohl Ansehen als auch Beachtung versprachen.

    Vincent richtete sich auf, die letzten Sonnenstrahlen des Abendlichtes wanderten an seinem Körper entlang, blendeten seine Augen, die er mit seiner flachen Hand seitlich verdeckte. Seine schwarzen Haare überzogen sich mit einem Glanz. Zunächst ging er zaghaft voran. Ein feiner Wind, eine kühle frische Brise zog durch das Tal, umspielte seine massiv und markant wirkende Nase. In seinen Ohren erklang das Rauschen des Flusses, der sich durch die Anhöhen bis in die Stadt schlängelte. Wie von einem Magneten angezogen beschleunigte er seine forschen Schritte. Das Gefühl auf einer Wolke des Glücks zu schweben ummantelte ihn.

    Vincent spürte den Duft und den Geschmack des vollendeten Fruchtsaftes der frischen Weintrauben. Früchte die veredelt und gereift zu Wein, seinen Sinnen und Gedanken eine erfolgreiche Zukunft spüren ließen. Sein Körperschatten verlängerte sich durch die tief stehende Sonne zu einem überdimensionalen Gespenst, das leicht über eine mannshohe Hecke hinüberblicken könnte. Die Landschaft hatte Verwundungen über sich ergehen lassen müssen. Bäume, die Jahrzehntelang große Schatten warfen, waren sinnlos gefällt worden. Neue Weinberge wurden dort angelegt.

    Vincent nahm die Herausforderung an, das Weingut neu zu beleben. Der Notar hatte erklärt, das Erbe verfalle, wenn das Lebenswerk im Sinne des verschollenen und für tot erklärten Ricardo Paletti nicht weitergeführt werde. Es gab Gerüchte, dass Ricardo Paletti die goldene Gabe hatte in diesem Weingut den besten Rotwein aller Zeiten, sogar der Menschheit, produziert zu haben.

    Dieser Wein sollte wieder zu neuer Reife erblühen. Vincent war sich sicher, dass es Aufzeichnungen geben musste, um das Lebenswerk fortzusetzen.

    Die Gemäuer des Weingutes dokumentierten eine Reise in die Vergangenheit. Die guten und erfolgreichen Jahre schienen vorbeigerauscht zu sein. Der Verfall der Gebäude näherte sich langsam seinem Ende. Gestapelte Steine die keinen Halt mehr fanden bildeten die Außenmauern. Ein Streiflicht der warmen Sonne hob die Struktur der Natursteine wie eine Gebirgslandschaft hervor. Der Abriss schien unausweichlich. Charmante Sinnlichkeit überstrahlte das verwahrloste Weingut.

    Neuer Hoffnungsschimmer legte sich über Vincents Gedanken, er versuchte sich selbst zu motivieren, den alten Ruf der Vergangenheit zurückzuerobern. »Rette mich, du wirst belohnt werden!« hörte er eine innere Stimme, die ihn aufs Stärkste motivierte. Zu Hause in Deutschland im Büro zu sitzen und Leute anzurufen, die er nicht kannte, um ihnen Sachen aufzuschwatzen, die er selbst nicht mochte, war keine Zukunftsperspektive mehr. Mildes und würziges Klima, sowie ein guter Wein waren schon immer seine Leidenschaften. Er brauchte keine Worte mehr verschwenden und sie über seine Lippen stolpern lassen, die gerade den Genuss der frischen Weintrauben berührten. Ein strahlender Blick festigte den Entschluss für immer hier zu bleiben.

    In der Ferne lockte hektisches Markttreiben. Farbenfroh präsentierten sich die Genüsse. Duft und Geschmack wetteiferten miteinander. Vincents Nase und Mund inhalierten die Ingredienzien. Wer war der Sieger auf diesem Platz der Vielfältigkeit? Der Geruchssinn oder der Geschmackssinn? Stellte sich die Frage? Während Vincent gemütlich über den Marktplatz schritt hörte er ein leises Tuscheln. Es steigerte sich in einem rasanten Tempo. »Das ist der Erbe von Ricardo Paletti! Er wird uns den Wein der Götter wiederbringen!« Fröhliche Blicke von erwachender Glückseligkeit, winkende Hände und Jubelrufe stürzten auf ihn ein als wäre er ein Prominenter.

    »Die Madonna hat ihn zu unserer Erlösung geschickt! Ein Signal der göttlichen Gnade wird uns zu Teil! Wir werden die Chancen nutzen und in Ehrfurcht warten!« rief ihm eine alte, aufgeregte Marktfrau in voller Lautstärke zu, dass ihr sehnlichster Wunsch sogleich ihre vollen Lippen befeuchtete. Mit einem Sprung fiel sie Vincent sogleich um den Hals und wollte sich nicht mehr von ihm lösen. Eine Frau, die die Jahreszeiten vom erfrischenden Frühling bis zum eisigsten Winter – vom Aussehen her – mindestens siebzig Mal erlebt haben musste. Viele heiße Sommer hatten ihre Haut wie faltiges Leder gegerbt, sie wirkte um Jahrzehnte älter als sie wirklich sein dürfte. Ihren kräftigen Körper umhüllte ein farbig gemustertes Kleid, das oben mit einem tiefen Dekolleté abschloss. Ein strammer Gürtel versuchte ihren Bauchumfang zu reduzieren. Eine schlichte dunkelblaue Schürze offenbarte ihre ausschweifenden Körpermaße, als diese mit einem Schwung zur Seite wehte.

    Freudentränen, die aus ihren Augen traten, waren verbunden mit einem Lächeln, das auf Erwartungen programmiert war noch einmal in den Weingenuss zu gelangen, der ihr schon entfremdet schien. Ein Rotwein, der ihre Phantasien beflügelte, um auf eine höhere Stufe des Glücks zu steigen, die ihr von ihrer Bildung, Herkunft und ihrem Können nicht zustand. Sie wollte das Gefühl der außerirdischen Göttlichkeit, Schönheit, Jugend und ein Gefühl der Unsterblichkeit noch einmal erleben.

    Es wurde wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund, von Ohr zu Ohr getuschelt. Die Kräfte der Stimmen befreiten sich von der Ruhe, bis es niemand mehr gab, der die gute Nachricht von dem eingetroffenen Erben für sich zurückbehielt. Der Wahnsinn einer Massenpsychose breitete sich aus und verwandelte sich zur Sucht von grenzenlosem Genussdenken.

    Vincent jubelten anonyme Stimmen zu, die kein Wort ihrer Herkunft verrieten. Er bahnte sich eine schmale Gasse durch die Heerscharen seiner Fans, die ihn eigentlich gar nicht kannten. Von Schulterklopfen und Händeschütteln überwältigt, fraß es ihm ein strahlendes Lächeln ins Gesicht wie bei einer Siegesfeier, auf dem Weg zum Podium als wenn er gerade einen Wettkampf gewonnen hätte. Die Menschen prophezeiten riesige Erwartungen. Vincent wusste nicht ob er sie überhaupt erfüllte. Mit Vorschusslorbeeren bedacht, könnten diese bald verwelken, wenn die Hoffnungen nicht zu Realitäten würden.

    Menschen strömten zusammen, um einen Blick von Vincent zu erhaschen. Sie jubelten ihm zu, wie einem König und einem Heiligen nach der Auferstehung. Das Volk versammelte sich zu einem bissigen Wolfsrudel, um ihm als Erlöser zu huldigen und seine Nähe zu spüren. Ein Flehen erreichte Vincent, ohne dass die Bittenden den wahren Hintergrund des Rotweines kannten. Sie liebten nur das Ergebnis, das sie beflügelte, nämlich die Gier, Früchte des Verbotenen zu genießen wie den Apfel der Sünde aus dem Paradies. Panik, Revolution drohte auszubrechen, wenn Vincent dem Willen der Massen widersprechen sollte.

    Ein weißhaariger Priester schritt ihm entgegen. Buschige graue Augenbrauen überragten seine massive und kantige Brille. Warme Gesichtszüge verzogen sich zu einem charmanten Lächeln und vermehrten seine Falten, die ihn noch sympathischer machten. »Sei gegrüßt in unserer Stadt! Gesegnet, bist Du mein Sohn! Alle Bürger haben schon sehnsüchtig auf Dich gewartet! Sie hoffen, wie ich auch, dass Du das Erbe antrittst und dem Rotwein den alten Zauber verleihst, damit er wieder unsere Gemeinde entzückt. Alle glauben, dass Dir das Talent in die Wiege gelegt wurde, den Rotwein von Ricardo Paletti unverändert in der gleichen Qualität wie einst, erneut herzustellen. Diese Mission wird von Dir erwartet! Träume sind nur die Vorstufe des Verlangens! Schnell müssen ihnen Taten folgen! Das ist die übliche, praktizierte Devise! Beifallstürme sind ja schön und gut, aber sie fordern auch Spitzenleistung. Sie dienen nur dem Ansporn und können sich schnell in Hass verwandeln. Das Volk liegt Dir bei Erfolg zu Füßen. Bei Versagen ist die Verachtung das kleinste Übel. Glück und Unglück symbolisieren eine Gratwanderung des Lebens. Menschen sind nun einmal unersättlich. Als Geächteter von den Massen aus der Stadt vertrieben zu werden, wie ein Aussätziger der eine Seuche in sich trägt ist keine Perspektive. Dir würde nichts bleiben außer der geretteten nackten Haut, die noch mit Wunden übersät wäre. Die Neugier der Menschen ist gnadenlos. Wie Raubtiere, welche frohlocken: In ihren Augen glänzt die Gier der stechenden Blicke, sie flackern nicht sondern brennen als Dauerfeuer, das niemand mehr löschen kann; als wenn sie wildes Fleisch zerreißen wollen.« entgegnete ihm der alte Mann der Gemeinde. Hunderte Augenpaare wollten das Signal einer guten Nachricht empfangen. Die überlegene Kraft von Vincents schnellster Auffassungsgabe ließ das Wunder bewirken, dass er sich sofort öffentlich zum Winzerberuf bekannte.

    »Ich nehme das Erbe an und werde mein Bestes geben den Rotwein wieder zu neuem Leben zu erwecken und das Glück über die Stadt wie ein Blütenmeer verstreuen!«

    Zuversichtlich spielte Vincent mit Worten, die seine Fans ins Tal der Zauberei verführten und wie blind hypnotisierten. Seine Stimme war hell und klangvoll wie der Tag, erdig wie das Alter. Er überstrahlte die Bevölkerung des Marktplatzes mit seinem süddeutschen Akzent. Aus seinem Mund klangen die Worte wie eine Melodie der Entspannung für die Menschen. Ihm war jedoch nicht klar wie er das Verlangen auf den Weg bringen und befriedigen sollte. Er hob seine Arme zum Sieg und grüßte wohlwollend seine Fans. Ein Gedränge von neuen Bewunderern bildete sich in Windeseile wie eine Festung um seinen Körper. Der Priester strahlte Glück und zuversichtliche Seligkeit aus. Die Fröhlichkeit, die sein Antlitz versprühte, war Hoffnungsgedanke für eine neue Zukunft. Die Wiederkehr des Rotweins, welche er, wie alle anderen, so lange vermisst hatte, wurde sehnsüchtig erwartet.

    Die Stimmen des Volkes riefen vereint im Chor: »Hoch lebe ›LA NASCITA DI VENERE‹, der Rotwein der Götter! Unser Erlöser ist der allmächtige Zauberer der Sinne und bringt die freudige Botschaft des Glücks.«

    Sie erhoben leere Krüge und Fässer und flehten ihn im Jubelgesang an. »Fülle uns mit dem Rotwein der Leidenschaft! Einer göttlichen Kostbarkeit des Gaumens!«

    Erstaunt und überrascht war Vincent über die Anerkennung. Noch nie in seinem Leben war er so glanzvoll hofiert worden. Die Jubelrufe mochten nicht verstummen. »Tage der Entbehrungen verschwinden in der Vergangenheit. Die glorreiche Zukunft hat sie für immer vertrieben!« kam ein Zwischenruf eines Mannes voller Begeisterung.

    Kirchenglocken läuteten zu ungewöhnlicher Zeit. Glockenklang drang auf den Marktplatz und nistete sich in die Ohren der jubelnden Menschen ein, als wenn göttlicher Segen den Genusswillen förderte. Dreizehn Glockenschläge zeigten den Beginn einer neuen Epoche an und übertönten den Jubel der Gemeinde.

    »Der Erbe kennt das Rezept der vollendeten Glückseligkeit, verborgen im Rotwein ›LA NASCITA DI VENERE‹!« Die Worte schallten wie ein Befehl durch die Menge. So dass es für Vincent keine Flucht mehr gab sich der Aufforderung der Massen zu entziehen. Ein Blumenstand wurde gestürmt und war in Dauer eines Funkenfluges ausverkauft. Vom Himmel regnete es Blüten der Liebe und des Frohsinns. Ein würziger Duft des Blumenteppichs ebnete Vincent den Weg

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