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Architektur Fur den Menschen?
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eBook186 Seiten55 Minuten

Architektur Fur den Menschen?

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Über dieses E-Book

Auf den ersten Blick wirken die Gebäude auf den Fotos in Hubertus Müllers Buch „Architektur für den Menschen?“ sehr beeindruckend und großartig im Sinne moderner Architektur. Doch schaut man ein zweites Mal hin, stellt sich oft die Frage: Passt dieses neue Bauwerk in seine Umgebung und erfüllt es seine Bestimmung?
Wenn wir als Urlauber nach Berlin, in die Hauptstadt Deutschlands reisen, erwarten wir, etwas „berlintypisches“ zu sehen, etwas, das den ganz eigenen Charakter dieser Stadt widerspiegelt, einen Ort, an dem man sich wohlfühlt und sich gerne aufhält. Sehr viele dieser neu gebauten, überdimensionalen und ultramodernen Bauwerke scheinen oft surreal fehl am Platz und bieten nicht die gewünschte Aufenthaltsqualität und Einmaligkeit, die man sich als Besucher vielleicht wünschen würde. Und auch ein Großteil aller Berliner Bürgerinnen und Bürger vermisst die Kleinteiligkeit, den Wohlfühlcharakter in ihrer Heimatstadt. Sollte man nicht auch ein Stück weit „das Berlin“, das es schon seit langer Zeit zu dem macht, weshalb es viele Menschen hierherzieht und hält, wieder rekonstruieren und versuchen, die Ortstypika vertrauter Stadtviertel zu erhalten oder stadträumlich wiederzugewinnen?
Genau das ist der intensive Wunsch und das Anliegen, das Hubertus Müller als Architekt und Oberstudienrat für Bildende Kunst a.D. mit seinem Buch bezwecken möchte. Er will die Schönheit und Einmaligkeit seiner Stadt erhalten, was ebenso auf die gesamte momentane zeitgenössische Architektur deutscher Städte übertragbar ist.
SpracheDeutsch
HerausgeberEuropa Edizioni
Erscheinungsdatum28. Feb. 2022
ISBN9791220123372
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    Buchvorschau

    Architektur Fur den Menschen? - Hubertus Müller

    Vorwort Dr. Benedikt Goebel

    Augen auf!

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich die Protagonisten des Städtebaus und der Architektur in Europa und Nordamerika mehrheitlich von der Tradition ihrer Fachgebiete losgesagt. Die Mehrheitsgesellschaft tat dies bis heute nicht – dies führte zu immer noch anhaltenden Spannungen zwischen den studierten Expertinnen und Experten und breiten bürgerlichen Kreisen in Fragen des Städtebaus und der Architektur, die im Folgenden kurz skizziert werden sollen.

    Warum die Expertinnen und Experten ab 1910 die Traditionen des Städtebaus und der Architektur mehrheitlich verabscheuten und sich dem Noch-nie-Dagewesenen verschrieben, ist schwer zu begründen. Die damalige Überfülle an älteren Bauten und die lange Dominanz des Historismus in der Architektur werden eine Rolle gespielt haben. Die Architektur des Historismus hatte im 19. Jahrhundert die Stilepochen Klassizismus, Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko in chronologischer Reihenfolge durchlaufen und die jeweiligen Neostile ausgeprägt. Nach 1900 war man mit seinem Latein am Ende und probierte etwas gänzlich Neues aus, den hoch dekorativen Jugendstil. Nach dem Ersten Weltkrieg ging das nächste Formenexperiment einen neuen Weg und verzichtete auf Ornament und auf traditionelle Formen generell. Durch die klassische

    Ausbildung und das große Formverständnis der ersten ArchitektenGeneration der Neuen Sachlichkeit, wie die frühe Moderne heute genannt wird, gerieten die Ergebnisse des Experimentierens mit neuen Formen ansehnlich. Anders verhielt es sich im Bereich des Städtebaus, wo die Begeisterung für den anfangs noch marginalen Autoverkehr und die nach Guernica schnell zunehmende Sorge um den Luftschutz zu einer gravierenden Fehlentwicklung im Siedlungs- und Städtebau führten: Zu schmucklosen Punkt- und Zeilenbauten mit viel Abstandsgrün und dazwischen verlaufenden Hauptverkehrsstraßen. Nach 1933 wetteiferten der Heimatschutzstil, das Barackenlager und ein vergröberter, maßstabsloser Neoklassizismus um die Dominanz im Bauwesen. Nach zwölf Jahren und dem verheerenden Krieg wollten die in Deutschland arbeitenden Architektinnen und Architekten sowie die nivellierte Mittelstandsgesellschaft sich vom Bauwollen des Nationalsozialismus abgrenzen und an den Formenkanon der Neuen Sachlichkeit anknüpfen.

    Dies gelang aus Sicht der Protagonisten hervorragend, aus Sicht der Mehrheit mehr schlecht als recht.

    Da schwelt der Konflikt zwischen Gesellschaft und Expertinnen und Experten: Die schweigende Mehrheit hat sich seit den 1960er Jahren von den enttäuschenden Ergebnissen der zweiten, dritten und vierten Neuauflage der Neuen Sachlichkeit, von Problemquartieren aus Hochhäusern, von monotonen Siedlungen und von durch die Autos zerstörten Stadträumen, abgewandt und mit den Füßen abgestimmt. Wer es sich leisten kann, wohnt im Altbau und zahlt dort auch gerne mehr Miete als in den Nachkriegsbauten unterhalb des Luxussegments. Auch die alten Schmuckformen, die weder dem Zweck noch der Wetterfestigkeit dienen, erfreuen sich seit langem großer Beliebtheit. Die großen Analysen: Mitscherlichs „Die Unwirtlichkeit unserer Städte, Elisabeth Niggemeyers (von Wolf-Jobst Siedler angeregter) Fotoband „Die gemordete Stadt sowie Jane Jacobs „The Death and Life of Great American Cities", sind auf regen Widerhall in der Bevölkerung gestoßen. Seit 1975, dem Europäischen Jahr der Denkmalpflege, gilt die Vergangenheit wieder etwas in Europa und Nordamerika. Mitunter führt diese Anerkennung zu Rekonstruktionen verlorener Bauwerke. Fast alle Architektinnen und Architekten verabscheuen Rekonstruktionen. Die Bevölkerung hingegen liebt sie und setzt sie gegen die lokalen Baubeamten und die lokalen BDAVerbände durch – so geschehen in Münster (Prinzipalmarkt), Frankfurt (Goethehaus), Berlin (Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche), Hildesheim (Krameramtshaus), Frankfurt (Römerberg-Ostzeile), Dresden (Neumarkt), Potsdam (Neuer Markt), Frankfurt (DomRömer) und Lübeck (Gründerviertel).

    Was hat der beschriebene Grundkonflikt mit dem vorliegenden Buch zu tun? Die professionellen Architekturfotografen richten ihren Blick nicht auf die große Fülle an schlechten baulichen Lösungen in unseren Städten; sie verdienen ihr Geld mit dem In-Szene-setzen von Neubauten für deren Urheber. Um die frappierende Hässlichkeit der Nachkriegsarchitektur in Europa und Nordamerika hüllen sie den Mantel des Nichtsehens. Für den ungeschminkten Blick auf die immer noch gegebene Unwirtlichkeit unserer Städte braucht es der ungeschminkten Fotografien eines pensionierten und passionierten Oberstudienrats wie Hubertus Müller. Er bläst seit Jahren und auch in diesem Buch zur Jagd auf die auch unter Berliner Häusern weitverbreitete Hässlichkeit. Er hat Recht! Daran ändern auch seine Kleinbildfotos mit ihren stürzenden Linien und ein nicht immer stringent durchgehaltenes Aufnahmeprinzip seiner großen Fotoserie etwas. Augen auf: Es ist keineswegs Sparsamkeit oder technischer Zwang

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    ursächlich für die hier abgebildeten Häuser – es ist das alte falsche Leitbild der Expertinnen und Experten: Ein schräges Experiment jagt das nächste, stets ohne Dekor und traditionelle Elemente wie Achsialität, Ädikula, Architrav, Attika, Entasis, Erker, Gesims, Giebel, Kapitel, Lisene, Pilaster, Portikus, Risalit, Rustika, Symmetrie und Säule. Anders wäre schöner. Dafür muss noch viel passieren: Die Ausbildung der Architektinnen und Architekten muss die traditionellen Elemente wieder lehren und diese neue Generation in Amt und Würden kommen. Dann könnten die Städte Europas und Nordamerikas wieder Formen annehmen.

    Berlin, Buß- und Bettag 2021,

    Dr. Benedikt Goebel

    Studium der Geschichte und Philosophie. Mitarbeiter der Berlinischen Galerie, des Architekturmuseums Berlin und der Staatsbibliothek zu Berlin. Seit 2011 Inhaber des Büros stadtforschung berlin. 2017-2019 Gastprofessor für Baugeschichte an der Berliner Hochschule für Technik. Mitglied der Historischen Kommission zu Berlin, des werkbund berlin, Sprecher des Bürgerforum Berlin und Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin-Brandenburg.

    Vorwort Annette Ahme

    Die Stadt als unser Lebensraum – gestern, heute, morgen

    Der Städte- und Siedlungsbau der Menschheit folgte immer bestimmten Anforderungen – der Sicherheit (Stadtmauern, Festungen), des Feuerschutzes (Steinhäuser), der Hygiene (Kanalisation und systematischere Straßenführung).

    Der jüngste zurückliegende Schritt – noch fast jede Generation wollte ja „alles anders machen oder doch wenigstens „vieles – war der Wunsch nach Funktionstrennung

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