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Über den Tod hinaus (Perimeterverteidigung Buch 2): LitRPG-Serie
Über den Tod hinaus (Perimeterverteidigung Buch 2): LitRPG-Serie
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eBook477 Seiten6 Stunden

Über den Tod hinaus (Perimeterverteidigung Buch 2): LitRPG-Serie

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Über dieses E-Book

Streng nach den Regeln spielen? Das kommt für Kronprinz Georg nicht in Frage! Um sein Erscheinen am Hof des Imperators hinauszuzögern, lockt er feindliche Aliens in sein eigenes Sternensystem. Das gesamte Imperium verfolgt wie gebannt die Liveübertragungen, die den Kampf seiner Flotte gegen die furchteinflößenden Eindringlinge zeigen. Die Iseyek – gigantische intelligente Gottesanbeterinnen – sind ebenfalls schwer beeindruckt und erinnern den Kronprinzen prompt an seine Verpflichtungen als ihr Verbündeter. Die Flotte von Sektor Acht eilt den Insekten zur Hilfe … nur hat man dabei leider die besondere Schwarmmentalität außer Acht gelassen.

In dem verzweifelten Versuch, die eigene Existenz um einige wenige Monate zu verlängern, opfern die Insekten ungerührt die Flotte der Menschen. Was soll Georg nur tun? Zurück kann er nicht – nicht mit einer dem Untergang geweihten Flotte! Obwohl alle Systemnachrichten „Sieg unmöglich!“ melden, kämpft er sich durch eine ganze Armada an Alien-Raumschiffen und bahnt sich durch bislang unerkundete Sternensysteme einen außergewöhnlichen Weg in die Freiheit. Georg will um jeden Preis entkommen – und kein Feind kann ihn daran hindern!
SpracheDeutsch
HerausgeberMagic Dome Books
Erscheinungsdatum27. Mai 2022
ISBN9788076192805
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    Buchvorschau

    Über den Tod hinaus (Perimeterverteidigung Buch 2) - Michael Atamanov

    Abwehr der Invasion

    WAS HATTE ICH nur getan? Um mein Erscheinen vor dem Imperator hinauszuzögern, hatte ich eine Invasion der Aliens in mein eigenes System provoziert! Das war, als würde ein Kind das Haus in Brand stecken, damit die strengen Eltern nicht merken, dass eine Vase zu Bruch gegangen war. Mit Mühe löste ich den Blick von den vielen roten Markierungen auf der Taktikkarte und bemühte mich um Fassung.

    „Sender abschalten! Ich brauche Informationen über den Feind", sagte ich mit selbstsicherer Kommandantenstimme ins Mikrofon.

    „Entfernung zum Ziel: 900 Kilometer. Insgesamt sind auf dem Radar 19 Ziele markiert. Identifikation anhand der Radarsignatur: Fünf Kreuzer vom Modell Vorschlaghammer, vier Asket-Zerstörer, vier Einsiedler, fünf Meteor-Fregatten und ein dickes Ding …"

    Ich lachte mit gespielter Heiterkeit auf. „Das ‚dicke Ding‘ ist ein Schlachtschiff der Aliens. Wir sind die ersten Menschen, die es zu Gesicht bekommen, und dürfen es damit taufen. Ich würde ‚Behemoth‘ vorschlagen. Das ist ein mythisches Ungeheuer, das angeblich in der weit entfernten Heimat der Menschheit hauste."

    Admiral Kheraisss Vej schaltete sich in das Gespräch ein. „Mein Prinzzz, Schwarm kennen diesss Schiiff. Aber niemand noch leben, der wisssen Taktik und Technik von großßßem Behemoth."

    „Die Iseyeks haben also keinen Einwand gegen diesen Namen. Und die genauen Eigenschaften dieses Schlachtschiffs müssen wir im Laufe der Schlacht selbst herausfinden."

    Ich gab mir alle Mühe, meine Besorgnis mit demonstrativer Zuversicht und aufgesetztem Eifer zu überspielen. Seit meinem Einstieg ins Spiel war ich mir zum ersten Mal nicht sicher, dass ich gewinnen würde. Hätte ich auf Seiten der Aliens gestanden, hätte ich dagegen keinerlei Zweifel am Erfolg gehabt. Fünf Vorschlaghammer konnten gemeinsam eine „Todeskugel" bilden und jedes Schiff vernichten, das ihnen in die Quere kam. Selbst mein Schlachtschiff würde zwei gemeinsamen Salven nicht standhalten. Die vielen Zerstörer und Fregatten des Feindes verhinderten, dass meine leichten Schiffe zu den Vorschlaghammern vordrangen. Somit wären unsere Chancen auf den Sieg schon ohne den Behemoth, der eine unbekannte Größe blieb, nur hauchdünn gewesen. Doch angesichts dieses Riesenschlachtschiffs war unsere Lage rabenschwarz.

    Kurz schoss mir durch den Kopf, den Rückzug anzuordnen und wieder nach Unatari zu warpen, doch diesen feigen Gedanken verbannte ich sofort. Schließlich war unsere Niederlage noch nicht besiegelt! Außerdem konnte ich die 8.000 Einwohner der Hnelle-Station nicht vor die Hunde gehen lassen. Ihr Leben hing einzig und allein davon ab, ob wir sie verteidigen konnten.

    So oder so, ich durfte mir meine Einschätzung nicht anmerken lassen. Immerhin hatten die Aliens in den vergangenen Schlachten kein großes taktisches Geschick gezeigt, sondern waren lediglich unbeirrbar vorgerückt und hatten sich auf die zerstörerische Kraft ihrer Kanonen und die sofortige Regeneration verlassen. Diese Erkenntnis beruhigte mich. Mal sehen, wer am Ende die Oberhand behalten würde.

    „Okay, jetzt wird es ernst. Vor uns liegt eine schwierige Mission. Also an die Arbeit. Pyro-1 ist der erste Endpunkt, Pyro-2 der zweite. Die Deckung übernimmt jeweils ein Geschwader Fregatten. Vorsicht ist angesagt – diese Meteoren sind deutlich schneller als alle unsere Schiffe. Wenn sich einer nähert, lassen wir uns nicht auf einen Kampf ein, sondern ziehen uns zu unseren schweren Kreuzern zurück."

    „Der Feind hat Manöver begonnen", meldete Nicole. „Die Zerstörer und Fregatten kommen rasch näher. Vorschlaghammer und Behemoth halten sich noch zurück."

    „Alle Schiffe bereitmachen! Vorerst warten wir ab, was der Feind vorhat ... Sehr gut, unsere Endpunkte hat er nicht beachtet. Die ersten beiden Fregattengeschwader haben den Auftrag, den Behemoth unter Netzen festzuhalten. Wir müssen um jeden Preis verhindern, dass er uns zu nahe kommt. Nicole, für diese Operation sind Sie verantwortlich. Alle anderen Fregatten sorgen für die Netze und kümmern sich dabei auch um die Drohnen. Der Kontertrupp teilt sich in Fünfergruppen auf. Der erste Auftrag lautet, den Meteoren den Bart zu scheren. Danach geht es dem Einsiedler an den Kragen. Elektronik-Staffel, Sie schalten den gefährlichen Asketen aus. Achtung! Der Feind kommt in die Kampfzone! Fregatten, vorwärts! Drohnen freisetzen!"

    Auf der Taktikkarte sauste ein riesiger Schwarm kleiner, grüner Punkte auf die roten zu. Als unsere schweren Kreuzer eine Wolke von Kampfdrohnen abschossen, nahm die Schlacht ihren Lauf.

    „Hier ist Kriegsfalke-4, ich habe einen Meteor unter dem Netz. Er ist in der Übersicht markiert."

    Mit einem mächtigen Knall zerbarst das erste Schiff der Aliens nach einer gemeinschaftlichen Attacke der 40 Zerstörer.

    Hauer-1 hier, Asket unter dem Netz!"

    Zwei weitere Detonationen ertönten. Da die erste Explosion den Asketen in Stücke riss, musste die zweite einen der unseren getroffen haben.

    Kriegsfalke-1 hier, ich brauche Hilfe! Diese Drohnen fressen mich bei lebendigem Leib!"

    „Rauswarpen!", schrie ich, doch es war zu spät. Die nächste Feuerblume leuchtete durch den Kosmos.

    „Schwere Kreuzer, der markierte Asket ist das Primärziel, das sekundäre dann der Einsiedler dort. Feuer frei auf die Ziele unter dem Doppelnetz."

    Nach einer gemeinsamen Salve von 20 schweren Kreuzern zerstoben zwei weitere Schiffe der Aliens zu einer Wolke aus winzigen Fragmenten. Schon folgte die nächste Explosion, als einer unserer Zerstörer einen Meteor abschoss.

    „Mein Prinz, jetzt kann ich glücklich sterben!" Dieser Abschiedsruf von Pyro-10 kam so spät, dass eine Reaktion nicht mehr möglich war.

    „Hier ist Kriegsfalke-4, ich halte einen Meteor mit Netz und Unterbrecher fest. Er hält mich aber auch! Das ist wohl das Ende …"

    „Kontertrupp, rettet Kriegsfalke-4!"

    Eine Explosion ertönte, direkt gefolgt von der nächsten. Der Taktikoffizier nahm zwei Meteoren von der Karte.

    Kriegsfalke-4 hier, wir sind mit knapper Not entkommen. Danke für die Hilfe! Ich gebe allen ein Bier aus!", ertönte die vertraute Stimme der Kapitänin.

    Kriegsfalke-4, warpen Sie zur Tria. Für heute haben Sie Ihr Glück ausgereizt. Jetzt brauche ich Netze auf dem letzten Meteor! Pyro-11, bleiben Sie bei den anderen! Safa-4, das gilt auch für Sie. Zurück in die Formation. Allein hat niemand eine Chance. Schwere Kreuzer, das Primärziel ist der Asket, der gerade versucht, sich aus dem Netz zu befreien."

    Bumm! Bumm! Bumm! Als die Detonationen ertönten, warf ich einen Blick auf den Taktikbildschirm. Die Unterstützungsschiffe des Feindes waren zwar komplett ausgelöscht, doch die Gruppe mit Vorschlaghammern hatte sich bereits bis auf knapp 200 Kilometer genähert. Der Behemoth war allerdings noch ein Stück entfernt. Nun konnte ich ein wenig aufatmen. Der Feind hatte sämtliche leichte Schiffe verloren, sodass wir auf dem Schlachtfeld etwas mehr Bewegungsspielraum hatten. Das verbesserte unsere Lage erheblich, da meine Fregatten jetzt näher an die Vorschlaghammer herankamen und diese unter sich aufteilen konnten.

    Pyro-Geschwader 2 und 3 halten die Vorschlaghammer, die ich auf der Karte markiert habe! Sie dürfen sich nicht weiter nähern. Hauer und Safas werfen Netze aus und zielen auf diesen Vorschlaghammer. Die anderen drei sollen sich ruhig ein wenig vorwagen. Braut des Chaos macht einen kurzen Vorstoß, die schweren Kreuzer halten sich 30 Kilometer hinter dem Schlachtschiff."

    Drei der Vorschlaghammer eröffneten das Feuer mit einer gemeinsamen Salve. Das Abwehrschild der Braut des Chaos verlor die Hälfte an Energie, lud sich aber rasch wieder auf, nachdem die zehn schweren Kreuzer ihre Module zur Fernaufladung aktiviert hatten.

    „Primärziel markiert. Das Schlachtschiff und alle schweren Zerstörer machen sich bereit. Geschossen wird nur auf mein Kommando. Bei drei … Eins. Zwei. Drei!"

    Der attackierte Vorschlaghammer erlosch wie eine Kerze im Wind. Die gemeinschaftliche Salve, die mein Schlachtschiff zusammen mit 22 schweren Kreuzern abgefeuert hatte, verwandelte das Alien-Schiff in eine Trümmerwolke.

    „Leute, ihr seid gnadenlos! Hervorragend. Ich habe ein neues Schiff im Visier."

    Die Antwort des Feindes erwischte die Dicke Joan. Das Schiff bekam einen heftigen Schlag, die Beleuchtung fing an zu flackern. Einige Geräte schalteten auf Notstromversorgung.

    „Unser Schild ist nur noch bei 11 %. Sollen wir die Evakuierung vorbereiten?", fragte Kapitän Oorast Pohl.

    „Die Dicke wird wieder aufgeladen!", ordnete ich im Flottenkanal an. Dann nahm ich den Kopfhörer ab und sagte dem Kapitän, dass eine Evakuierung nicht nötig wäre.

    Die Schlacht befand sich in einer kritischen Phase. Ob sich die letzte Salve gezielt gegen die Dicke Joan gerichtet hatte oder ob es nur Zufall gewesen war, dass es von 22 Kreuzern ausgerechnet sie erwischt hatte, vermochte ich nicht zu sagen. So oder so, eine weitere Salve von zwei Vorschlaghammern würde das Schiff ohne Hilfe nicht überstehen.

    „Alle geladen? Auf drei. Eins, zwei, drei!"

    Der nächste Vorschlaghammer verschwand in einer orange-weißen Wolke. Nur noch ein Feind befand sich in der Nähe.

    „Erledigen wir den letzten! Aufladen! Und noch etwas: Beim letzten Mal hat einer der Kreuzer vor meinem Kommando geschossen. Wenn so etwas noch einmal vorkommt, setze ich den Verantwortlichen ganz oben auf die Abschussliste. Wie steht es um unser Schild?"

    „73 %. Das Laden braucht seine Zeit", erwiderte der Kapitän.

    „Der Vorschlaghammer wird in neun Sekunden einen Schuss abfeuern. Um den Angriff zu überstehen, muss der Schild bei 45 % sein …"

    Erneut erzitterte das Schiff, doch wir alle registrierten den Treffer mit sichtlicher Erleichterung. „Schild hat gehalten!" Damit wussten die Offiziere, dass das Schiff entkommen würde, da wir den Schild vor dem nächsten Angriff wieder aufladen konnten.

    „Der Schild ist nur noch bei 4 %, sagte Oorast Pohl ruhig, doch dann lächelte er. „Also müssen wir den Gegner abschießen.

    „Feuer!", kommandierte ich, und das feindliche Schiff war Geschichte.

    Die beiden übrigen Vorschlaghammer erledigten wir mit der gleichen Taktik, doch mit dem Behemoth hatten wir weniger leichtes Spiel. Als die Flotte sich dem riesigen Alien-Schiff näherte, explodierte in etwa 300 Kilometern Entfernung Jeanne die Sternenreisende. Der hochmoderne schwere Angriffskreuzer wurde durch eine einzige Salve vernichtet, die mühelos durch die verstärkten Vorderschilde drang. Ich befahl den verbleibenden Schiffen, sofort zur Tria zu warpen, um sich in Sicherheit zu bringen.

    „Mein Prinz, an der Jeanne wurden zwei Rettungsshuttles gesichtet."

    Ich seufzte schwer. Zwei Shuttles – damit konnten höchstens 24 der 400 Besatzungsmitglieder entkommen sein.

    Allgemeiner Ruhm gestiegen. Aktueller Wert +11

    Allgemeines Ansehen gestiegen. Aktueller Wert -20

    Die Nachricht kam unerwartet und brachte mich etwas aus der Fassung, da ich mir die positiven Veränderungen nicht erklären konnte. Doch als ich Katerina ton Mesfelles freudige Miene sah, erriet ich den Grund.

    „Georg, wir haben gerade die erste Eilmeldung über die Invasion der Aliens im Hnelle-System ausgestrahlt", berichtete meiner Beraterin. „19 Schiffe, eine Welle der Panik und so weiter. Einiges ist sehr deutlich zu erkennen – ein riesiges Schlachtschiff, die furchteinflößenden Vorschlaghammer, die unter den Soldaten des Imperiums bereits einen fürchterlichen Ruf genießen, und die Zerstörer. Na ja, und zum Abschluss ein paar Worte darüber, dass die Flotte von Sektor Acht bereit ist, sich den Feinden in der Schlacht zu stellen, gefolgt von der Bitte, den Verteidigern der Menschheit viel Glück zu wünschen. Ärgerlich ist nur, dass ich geplant hatte, die Geschichte über mindestens fünf Beiträge zu strecken, doch jetzt ist die feindliche Flotte bereits verschwunden. Wovon soll ich nur in der nächsten Sendung berichten?"

    Ich deutete auf den riesigen, roten Punkt auf dem Taktikbildschirm. „Von Sieg kann noch nicht die Rede sein. Ich gehe zwar davon aus, dass wir den Behemoth zerstören können, aber nur mit gewaltigen Verlusten. Deshalb werden wir anders vorgehen: Zum ersten Mal in der Geschichte werden wir versuchen, ein Alien-Schiff zu kapern. Damit solltest du deinen Zuschauern genug zu berichten haben."

    Ich rief General Savasss Jach an, der sich die absonderliche Mission erstaunlich gelassen anhörte. Das riesige Insekt wackelte eine Weile mit den Fühlern, dann übersetzte Bionica seine Antwort.

    „10.000 Angriffstruppen der Alpha-Iseyeks sollten reichen. Allerdings brauchen sie ungefährdeten Zugang. Deshalb müssen zunächst alle Drohnen des Behemoths beseitigt werden. Zudem braucht der General Informationen über das feindliche Schiff und etwa zwei Standard-Stunden, um die Soldaten aus dem Scheintod zu wecken."

    Katerina hatte die Antwort des Generals mitgehört und war sichtlich zufrieden. „Wunderbar! Damit bleiben mir zwischen meinen Sendungen zwei Stunden Zeit. Ich werde einige Beiträge und Interviews mit verschiedenen Offizieren und Kommandanten deiner Flotte zusammenstellen. Die Informationen gibt es dann häppchenweise. Die Zuschauer sollen gespannt vor den Bildschirmen sitzen und den Eindruck bekommen, dass gerade eine Weltraumschlacht tobt. Anschließend liefere ich eine Liveübertragung aus den Kameras der Landungstruppen. Aber es wäre toll, wenn nicht nur Gottesanbeterinnen an der Erstürmung des Alien-Schiffs teilnehmen könnten, Georg, sondern auch Menschen. Ansonsten werden die Zuschauer nicht richtig mitfiebern."

    Admiral Kiro Sabuto war der gleichen Meinung. „Mein Prinz, Ihre Cousine hat recht. Heute beginnt ein neues Kapitel des menschlichen Widerstands gegen die Aliens. Von dieser Schlacht werden später alle taktischen Lehrwerke und sogar die Geschichtsbücher berichten, deshalb sollten Menschen bei der Eroberung des Alien-Schlachtschiffs eine führende Rolle übernehmen. Auf jedem unserer Schiffe gibt es ein Landungsteam. Die Flotte kann mehr als 2.000 Soldaten bereitstellen."

    Unvermittelt mischte sich Popori de Cacha in das Gespräch ein. „Mein Prinz, ich bitte darum, dass Sie Chamäleons aus Ihrer privaten Wache am Angriff teilnehmen lassen, bat mein Leibwächter mit einer Verneigung. „Auch meiner Gattung, den Ravaash, ist es wichtig, an diesem historischen Augenblick teilzuhaben.

    „In Ordnung. Ich befehle, dass sich auch menschliche Angriffstruppen und Chamäleons vorbereiten. Sie haben zwei Stunden Zeit. Diese Abteilungen unterstehen ebenfalls dem Befehl von General Savasss Jach, Bionica übernimmt die Koordination und Übersetzung."

    Ich wandte mich an meine Assistentin Nicole und erkundigte mich nach dem Behemoth.

    Ohne die Kopfhörer abzunehmen, verzog die junge Frau ärgerlich das Gesicht. „Die lange Schlacht macht die Piloten allmählich müde. Die ersten Fehler schleichen sich ein. Pyro-22 ist bei hohem Tempo gegen einen Geschützturm geschrammt, Pyro-25 mit einer feindlichen Drohne aneinandergeraten. Beide Schiffe konnten mit zerstörter Panzerung und ohne Schilde entkommen und müssen repariert werden. Wir haben den Eindruck, dass der Behemoth über unerschöpflichen Drohnenbestand verfügt. Obwohl wir bereits 132 abgeschossen haben, kommen unablässig neue zum Vorschein. Werden die etwa direkt im Schiff produziert?"

    „Keine Sorge, Nicole. Ich schicke ein frisches Team zu den Piloten. Entscheiden Sie, wer sie ersetzen soll. Sie haben den Auftrag, den Behemoth noch zwei Stunden lang in Schach zu halten, bis die Angriffstruppen der Gottesanbeterinnen aktiviert wurden. Wenn Sie zu müde sind, kann ich Sie ablösen."

    „Vielen Dank, Prinz, aber ich brauche keine Hilfe. Dass ich zum ersten Mal eine so wichtige Mission ausführen darf, ist mir Belohnung genug."

    * * *

    „Die Leute mit den Flammenwerfern übernehmen die Vorhut. Wir haben einen Korridor zum Kanonenturm freigemacht, und Gruppe Blau-Drei wird ihn mit 200 Soldaten des Schwarms erobern."

    „Hier ist Weiß-Acht. Wir haben uns freie Bahn in den dritten Sektor verschafft und bewegen uns über den gewundenen Gang zum Taktikmarker. Erheblicher Widerstand. Diese Büsche sind durch Vakuum nicht aufzuhalten, sondern kämpfen auch ohne Atmosphäre weiter."

    „Dichtes Feuer! Wir müssen zurück zur Wendeltreppe. In Gelb-Vier sind nur noch vier von 30 Soldaten übrig! Die Gottesanbeterinnen, die uns Deckung gegeben haben, hat es alle erwischt. Wir brauchen sofort Verstärkung! Aaaaaa!"

    Katerina deutete kopfschüttelnd auf den Bildschirm. „Diesen Teil müssen wir rausschneiden."

    „Auf keinen Fall! Die Zuschauer sollen sehen, dass das hier kein Kinderspiel ist. Es geht um Leben und Tod. Hier herrscht Krieg, und die Soldaten zahlen mit ihrem Blut, damit der Rest der Menschheit weiterleben kann."

    Trotz des heftigen Widerstands gelang es den Angriffsdivisionen, das riesige Schiff in ihre Hand zu bringen. Durch die Löcher, die wir in den Rumpf schnitten, drangen immer weitere Soldaten ins Innere des Behemoths vor. Die Verluste unter den Angriffstruppen waren erheblich. Für jeden Meter der gewundenen Korridore, die sie systematisch eroberten, verlangten die Aliens einen hohen Preis.

    Bionica, die einen riesigen Kopfhörer trug, hantierte hektisch mit Markierungssteckern auf dem Bildschirm, während sie ununterbrochen Nachrichten und Befehle aus der Menschen- in die Schwarmsprache und zurück übersetzte. Katerina drehte sogar einen gesonderten Beitrag über die Androidin, damit Zuschauer aus dem gesamten Imperium meine wunderbare Übersetzerin live bei der Arbeit erleben konnten.

    „Hier ist Weiß-Drei. Wir sind auf Gelb-Fünf gestoßen. Der feindliche Widerstand ist geschlagen. Wir haben etwas erobert, das wie eine Reaktoranlage aussieht. Die Experten sollten sich das genauer ansehen."

    „Hier ist Grün-Zehn. Mission erfüllt. Die Aufbauten sind in unserer Hand."

    „Hier spricht Weiß-Sechs. Wir haben sämtliche automatischen Abwehrsysteme aus der Halle beseitigt. Von unseren Gottesanbeterinnen hat nur ein knappes Drittel überlebt. Weiter hinten im Gang sind intensive Funksignale und Langstrecken-Kommunikationssysteme wahrzunehmen. Offenbar sind wir auf das Hauptquartier gestoßen."

    Ich fragte General Savasss Jach, der den Angriff leitete, nach seiner Meinung. Auch der Gamma-Iseyek war der Ansicht, dass wir den wahren Ursprung der feindlichen Aktivitäten gegen unsere Divisionen entdeckt hatten. Die beiden ersten Stellen, die wir für Kommandozentralen gehalten hatten, waren nur Zwischensender zur Signalverstärkung gewesen. Der General berichtete, der Widerstand ließe deutlich nach, das Innere des Raumschiffs wäre bereits zu 80 % erobert, und in zehn bis 15 Minuten sollte alles vorbei sein.

    Nachdem ich das Gespräch mit dem General beendet hatte, wandte ich mich an die Offiziere und bat sie, die gelähmte Wahrheitssucherin zu mir zu bringen. Während zwei Männer zu ihr unterwegs waren, gab ich dem Kommunikationsoffizier die Anweisung, mich mit dem Imperator zu verbinden, sobald die Eroberung des Schlachtschiffs bestätigt worden war. Zum ersten Mal musste ich einen Befehl zweimal wiederholen.

    „Meinst du wirklich, dass August mit dir reden will?", fragte Katerina zweifelnd.

    „Ich denke schon. Dank deiner Berichterstattung verfolgt das gesamte Imperium schon seit drei Stunden, was im Hnelle-System vor sich geht. Die Zuschauer können sich nicht davon losreißen. Ich werde überschwemmt von Meldungen über die Verbesserung der Einstellung von Einzelpersonen und Fraktionen, und im Moment warten 700 Personen auf ein Gespräch mit mir. Du hast genau den richtigen Ton getroffen – Besorgnis, Angst, dann ein Fünkchen Hoffnung, Mitgefühl und schließlich Stolz auf die tapferen Soldaten von Flotte Acht, die ein Sternsystem vor der Invasion bewahrt haben. Ich bin mir sicher, dass der Imperator unverzüglich über die Invasion der Aliens unterrichtet wurde. Ich an Augusts Stelle würde mit den Helden reden wollen."

    Die lang ersehnte Bestätigung des Generals kam, und ich befahl, mich in die Thronwelt durchzustellen. Nach über einer Minute leuchtete der Bildschirm auf, und ich ließ mich auf ein Knie nieder.

    „Mein Imperator, der Flottenkommandant von Sektor Acht, Kronprinz Georg royl Inoky, erstattet Bericht. Die Schlacht im Hnelle-System ist gerade zu Ende gegangen. Die feindliche Flotte wurde geschlagen. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir ein Schiff der Aliens erobert, und noch dazu ein Schlachtschiff. Viele wertvolle Proben biologischer und technischer Art wurden sichergestellt und können untersucht werden."

    „Georg royl Inoky, schicken Sie Ihre Leute aus dem Raum. Ich muss unter vier Augen mit Ihnen reden, erwiderte August mit leichter Verärgerung. „Oder nein, sie können bleiben. Sorgen Sie nur dafür, dass anschließend nichts über diese Unterredung nach außen dringt. Sollten Sie nicht unterwegs in die Thronwelt sein? Es wundert mich, Sie im Hnelle-System zu sehen.

    „Mein Imperator, es bestand die ernsthafte Gefahr, dass Aliens erneut das Hnelle-System attackieren würden, da sie ihre Angriffe niemals einstellen, ehe sie ein System erobert haben. Nichts wäre mir lieber, als Eurer Imperialen Hoheit drei Wochen nach unserem letzten Treffen persönlich in der Thronwelt gegenüberzustehen, doch meine wichtigste Aufgabe besteht nach wie vor darin, Sektor Acht zu verteidigen, und genau dafür habe ich gesorgt."

    Der Imperator runzelte die Stirn. „Vielleicht waren die Anschuldigungen von Haus Grün diesmal auch begründet? Was haben Sie dazu zu sagen, lieber Enkel?"

    Ich winkte betont lässig ab. „Mein Imperator, wie glaubwürdig können diese Anschuldigungen sein, wenn selbst die Hauptanklägerin, Katerina ton Mesfelle, deren Haltlosigkeit erkannt hat und zum Angeschuldigten übergelaufen ist? Wenn der Sohn von Herzog Paolo sein Anrecht auf mein System aufgegeben hat und der Neffe des Herzogs bei der erstbesten Gelegenheit übergelaufen ist? Die Ankläger hatten darauf gesetzt, dass das Oberhaupt von Haus Orange sich nicht für mich einsetzen, sondern auf ihre Seite schlagen würde. Ich habe Beweise für die schändliche Übereinkunft zwischen Herzog Paolo royl Anjer und Haus Grün. Das ist mehr als genug, um das Vertrauen in das Oberhaupt von Haus Orange zu erschüttern. Die übrigen Anschuldigungen sind uneingeschränkt lächerlich, wie beim letzten Mal. Was steht schon auf der Liste? Der tragische Tod der beiden Mitglieder von Haus Grün? Dieser Vorfall wurde bereits eingehend geprüft, und alle Ermittler sind zu dem Schluss gekommen, dass die Schuld allein bei den Verstorbenen lag. Das Friedensabkommen mit den Gamma-Iseyeks? Was soll ich dazu sagen? Zum einen, dass ich zu einer derartigen Entscheidung nicht befugt war, sondern das Oberhaupt von Haus Orange den Frieden höchstpersönlich bestätigt hat. Somit sind alle diesbezüglichen Fragen an Herzog Paolo royl Anjer zu richten. Und zweitens war der heutige Sieg nur mit Hilfe des großartigen Anführers der Gamma-Iseyeks, General Savasss Jach, möglich. Meine Androidin? Sie haben mit eigenen Augen gesehen, dass sie als Übersetzerin arbeitet. Und auch in diesem Fall können meine Gegner lediglich geheime Logs vorweisen. Meiner Ansicht nach ist es ein weiterer unrühmlicher Punkt in der bereits ziemlich traurigen Biografie des Herzogs, dass er einen Kronprinzen mittels vertraulicher Logs einer Androiden-Übersetzerin ausspionieren lässt. Mehr Anschuldigungen gegen mich liegen meines Wissens nicht vor."

    Der Imperator war anderer Meinung. „Sie haben die Warp-Sender abgeschaltet. Eine Beeinträchtigung des Verkehrsnetzes ist ein schwerwiegendes Vergehen, Georg."

    „Ich habe sie nicht abgeschaltet. Sie arbeiten jetzt im Modus ‚Auf Anfrage‘. Schiffe des Imperiums dürfen passieren, aber Alien-Schiffe können nun weniger leicht eindringen. Diese Maßnahme hat sich umgehend bewährt!"

    „Wir werden das zulassen, stimmte August nach kurzem Überlegen zu. „Allerdings interessiert mich die technische Seite dieser Sache. Wie haben Sie das angestellt, Georg?

    „Ich habe Teams aus Menschen und Androiden zu unbewohnbaren automatischen Sendern geschickt. Die Androiden sind dabei in der Überzahl – sie können lange Zeit nur von Strom leben, bis die kosmischen Gewächshäuser betriebsbereit sind. Schließlich handelt es sich nicht um eine Invasion. Ich habe die Absicht, diese entlegenen Ansiedlungen so gut wie möglich auszubauen, und deshalb Frachtschiffe mit Material zur Errichtung von Docks, Wohngebäuden, Gewächshäusern, Werkstätten, Anlegestellen und Verteidigungsvorrichtungen losgeschickt. Die Entwicklung dieser entlegenen Systeme von Sektor Acht finanziere ich im Interesse der Menschheit aus privaten Mitteln, damit dort Stationen und neue Bevölkerungen entstehen können. Die Menschheit muss sich im Weltall weiter ausbreiten, und ich habe meine Rasse beim nächsten Schritt hinaus in den Kosmos unterstützt."

    „Gut gemacht, Georg, wirklich. Damit hatte ich nicht gerechnet. Insgesamt bleibt mir nichts mehr zu sagen, und ich sehe keinen Grund, weshalb wir uns so oft sehen müssen. Ich möchte Ihre wichtigen Tätigkeiten nicht stören. Meine einzige Bedingung lautet, dass Sie Ihre Probleme mit dem Oberhaupt von Haus Orange lösen und eine Einigung erzielen. Dieser Konflikt ist für mich untragbar. Ich gebe Ihnen 100 Tage Zeit. Regeln Sie es, wie Sie es wollen, lieber Enkel, aber die Sache muss beigelegt werden. Und jetzt befehlen Sie Ihren Leuten, die Aufnahmegeräte einzuschalten. Wir wollen das Gespräch noch einmal führen, aber diesmal soll das gesamte Imperium dabei sein."

    * * *

    Ich sah aufmerksam zu, während die Aufnahme meines Gesprächs mit Imperator August für die breite Öffentlichkeit abgespielt wurde. Der demütige, kniende Kommandant meldete einen nie dagewesenen Sieg über eine große Alien-Flotte, und der stolze, außerordentlich majestätische Imperator nahm den Bericht seines loyalen Dieners großmütig entgegen. Darauf folgte eine kurze, feierliche Rede über die Bedeutung dieser Schlacht als Wendepunkt in der Geschichte des Kampfes der Menschheit gegen die Aliens, nach der unverhofft Orden verliehen wurden.

    Normalerweise verlieh der Imperator den Divisionen der Großen Häuser keine Auszeichnungen, doch in diesem Fall machte August eine Ausnahme und verkündete fünf Smaragdsterne für Dienste für das Imperium. Die glücklichen Empfänger dieser imperialen Orden waren die Admiräle Kiro Sabuto und Kheraisss Vej, General Savasss Jach, Bayazid Krom als Kapitän des schweren Kreuzers Imperator August sowie Bionica, die Androiden-Übersetzerin.

    Ich selbst bekam keinen Orden, aber das störte mich nicht. Mir war es Belohnung genug, dass Bionica und General Savasss Jach ausgezeichnet wurden, denn das zeigte dem Imperium, dass der Imperator mit diesen beiden keine Probleme sah und keinerlei Anschuldigungen mehr hören wollte. 100 Tage, um mit dem Herzog Frieden zu schließen … Die Zeit war nicht zu knapp bemessen, aber ich hatte nicht die geringste Idee, wie ich den Befehl des Imperators umsetzen sollte.

    „Fast 800 Ferngespräche warten auf Sie", erinnerte ein Offizier mich vorsichtig.

    „Stellen Sie zuerst meine Tochter Likanna durch, dann den Herrscher des Königreichs Veyerde, falls die beiden immer noch in der Leitung sind. Alle anderen können Sie abweisen oder zumindest auf morgen vertrösten. Ich habe heute keine Energie mehr für weitere Gespräche."

    „Papa! Der fröhliche Ausruf meiner Tochter brachte mich zum Lächeln. „Wir haben alle Sendungen im Palast gesehen! Ich hatte solche Angst um dich! Du bist echt supercool. Ich bin so stolz auf dich.

    Freudentränen traten mir in die Augen. Solche Augenblicke waren das Wichtigste im Leben. Und dabei spielte es für mich keine Rolle, ob ich sie in einem Spiel erlebte. Ich war in diese Welt eingetaucht und empfand sie als echt. Ich würde meine Tochter vor Gefahren schützen und mein Leben für sie geben, wenn es sein musste. Ich versprach Lika, am nächsten Tag zu ihr nach Unatari zu fliegen, und legte rasch auf, damit sie mich nicht weinen sah.

    Das Signal eines eingehenden Anrufs riss mich aus meinen Gedanken. Ich rechnete mit Astras Vater, dem ich ein Versprechen gegeben hatte, aber in der Leitung war jemand anderes. Die Dunkle Mutter! Größer hätte meine Überraschung nicht sein können. Die alte Frau, die von Kopf bis Fuß in ein schwarzes Gewand gehüllt war, lächelte breit.

    „Ihr Bediensteter hat versucht, meinen Anruf abzuweisen. Lassen Sie ihn wissen, dass die Taubheit nur zwei Tage anhalten wird. Das sollte ihn beruhigen. Von August soll ich Ihnen ausrichten, dass er uneingeschränkten Zugang zum Hnelle-System und zum eroberten Alien-Schiff für seine Fachleute erwartet. Kapitän Mwaur Zen-Bey ist bereits unterwegs. Sicher erinnern Sie sich an ihn. Er hat den Ort der Schlacht am Vorta-Sender inspiziert. Ich jedoch wollte mit Ihnen über ein anderes Thema sprechen. Wie geht es dem gelähmten Mädchen?"

    Ich konnte meine Verwunderung kaum verbergen. Von diesem tragischen Ereignis hatten wir noch niemandem berichtet. Woher wusste die Dunkle Mutter davon?

    Die alte Dame lachte. „Ich könnte Ihnen jetzt ausführlich darlegen, welch unendliche Fähigkeiten ich habe, und Sie würden mir aufs Wort glauben. Die Wahrheit ist jedoch weitaus banaler. Ihr Arzt hat angesichts der ungewöhnlichen Symptome verschiedene Anfragen gestellt und unter anderem auch Zugriff auf bestimmte Archive beantragt. So erfuhr ich, dass er sich mit einer seltsamen Verletzung beschäftigt, und damit war es nicht schwer, zwei und zwei zusammenzuzählen. War das Miya?"

    Da es nicht nur unmöglich, sondern auch gefährlich gewesen wäre, eine so mächtige Wahrheitssucherin anzulügen, bestätigte ich die Vermutung der Dunklen Mutter und lieferte ihr eine leicht verkürzte Version der Geschichte, die ich Katerina ton Mesfelle erzählt hatte.

    „Miya ist also schwanger … Das hatte ich schon vermutet. Eine Tochter? Nun, dann ist es eben eine Tochter. Das ergibt ein interessantes Bild. Ihre Frau Marta ist nicht zu beneiden. Verstehen Sie, was ich meine?"

    „Wenn Miyas Kind zur Welt kommt und wir rechtmäßig verheiratet sind, wird die Kleine eine Kronprinzessin, antwortete ich nickend. „Sie hätte dann uneingeschränktes Anrecht auf den Thron von Haus Orange sowie des Imperiums. Aber wenn Miya vor der Entbindung nicht meine Frau ist, wird meine Tochter lediglich eine ‚ton‘ ohne Thronansprüche oder vielleicht sogar nur ein Bastard, der überhaupt nicht zur Aristokratie gehört.

    „Richtig. Wie ich Miya kenne, kommt für sie nur die erste der beiden Alternativen in Frage. Deshalb ist Martas Lage so bedenklich. Miya wird sie vermutlich nicht töten, da das erhebliche Komplikationen für sie selbst nach sich ziehen würde. Aber sie könnte dafür sorgen, dass Marta die Nerven verliert. In Ordnung, ich werde versuchen, Marta zu schützen."

    Spontan entschloss ich mich zu einer Frage, die mich schon lange beschäftigte − in der Hoffnung, dass ich mich damit nicht als allzu unwissend entlarvte.

    „Dunkle Mutter, mir ist kürzlich klar geworden, dass ich so gut wie nichts über Miya weiß. Obwohl sie schon so lange meine Wahrheitssucherin ist, war mir bis zu ihrem Verschwinden nie in den Sinn gekommen, dass sie etwas verbergen könnte. Für mich zählte nur, dass Miya da war. Aber jetzt, im Nachhinein, stelle ich fest, dass ich meine Begleiterin kaum kenne. Was können Sie mir über Miya sagen?"

    Die Dunkle Mutter kicherte. „Oh, Georg, Georg … Was wollen Sie denn von mir hören? Sie leben seit 15 Jahren mit Miya zusammen und glauben wirklich, ich könnte Ihnen etwas über sie verraten? Na gut. Ich sage Ihnen, was ich weiß. Gegen Ende des Krieges gegen die Iseyeks fiel sie mir erstmals als begabte Wahrheitssucherin auf. Damals gehörte Miya zum Gefolge von Admiral Mayf ton Mesfelle, und seiner Flotte gelang es mit der Zeit, den Schwarm zurückzuschlagen. Vielleicht interessiert es Sie, dass die Iseyeks wegen Miya und mehreren anderen Wahrheitssuchern begannen, selbst im Bereich der Psionik zu forschen.

    Danach verlor ich Miya längere Zeit aus dem Blick, bis sie 70 Jahre später an der Seite Ihres Vaters Inoky auftauchte. Obwohl er ein äußerst durchschnittlicher und in keiner Hinsicht bemerkenswerter Mann war, gelang Graf Inoky erstaunlich schnell ein enormer Aufstieg. Für seine Dienste erhielt er das Sternsystem Tesse sowie das reiche Eissystem Damir und wurde damit einer der einflussreichsten Adeligen des Imperiums und eindeutiger Kandidat für den Posten des Oberhaupts von Haus Orange. Miya stieg gemeinsam mit ihrem Herrn auf. Sie verstanden einander bestens. Die bewundernswerte Karriere Ihres Vaters endete jedoch jäh mit seinem vorzeitigen Tod. Der Absturz des Shuttles wurde gründlich untersucht, auch ich habe mir die Absturzstelle angesehen, doch offenbar war es wirklich ein Unfall.

    Was dann geschah, wissen Sie selbst. Tesse ging an Roben, Damir an Ihre Zwillingsschwester, und Sie bekamen Miya. Alle Aristokraten warteten gespannt auf den Tag, an dem die ungewöhnlich begabte Wahrheitssucherin ihre Macht zeigen und Ihren Aufstieg fördern würde, doch stattdessen verliebten Sie sich in Ihre Miya. Erst jetzt, anderthalb Jahrzehnte später, kommt Ihre Karriere in Gang. Sicher hat Miya viel Zeit auf die Planung und Vorbereitung der aktuellen Situation verwendet, und dazu gehörte auch ihre Schwangerschaft. Nur in anderen Umständen kann eine Wahrheitssucherin ihre Macht uneingeschränkt ausschöpfen. Nun ja, genug über Miya. Mit Kapitän Mwaur Zen-Bey werden Sanitäter kommen, die das verletzte Mädchen abholen. Ich werde sehen, ob man der Kleinen helfen kann."

    Nach der Schlacht

    ENDLICH KONNTE ICH mich zum ersten Mal seit mehreren Tagen richtig ausschlafen. Bestens ausgeruht wachte ich auf, noch bevor der Wecker klingelte, und erblickte als Allererstes Astra neben mir, die wieder ein durchsichtiges Nachthemd trug.

    „Das ist ja ein lustiges Tattoo! Ein schönes Bild von Boydur dem Held, obwohl ich am Körper eines so ernsten Kronprinzen, dem Vernichter der teuflischen Aliens, etwas anderes erwartet hätte."

    Die Prinzessin meinte den geflügelten Esel auf meiner Schulter. Zugegeben, mich ärgerte die Tätowierung auch. Seit meinem ersten Tag im Spiel ging sie mir nicht aus dem Sinn. Schon oft wäre ich vor Scham am liebsten im Boden versunken, weil sich mein stattlicher Fitnesstrainer oder ein paar kräftige Angriffssoldaten beim Training in der Halle das Lachen verkneifen mussten, wenn sie meine linke Schulter sahen.

    „Das war jugendlicher Leichtsinn, sagte ich in einem scherzhaften Ton. „Mir fehlt die Zeit, es entfernen oder in ein anderes Motiv ändern zu lassen, das besser zu meinem Status passt.

    „Wissen Sie, mein Prinz, ich könnte Ihnen dabei helfen, schlug Astra unverhofft vor. „Ich kann gut zeichnen und könnte Ihnen alles tätowieren, was Sie möchten. Ich habe sogar schon an Flora geübt – sie hat ein hübsches Blumenbouquet zwischen den Schulterblättern und auf dem linken Bein einen Phoenix, der in ein Spinnennetz geraten ist.

    Ich stellte mir vor, wie Mr. G. I. reagieren würde, wenn er statt seines geliebten geflügelten Esels einen grinsenden Totenschädel oder einen Feuervogel auf seiner Schulter erblickte, und war allein deshalb einverstanden.

    Das Mädchen rutschte näher an mich heran und tat so, als wollte sie die Zeichnung genauer betrachten. Dann jedoch streichelte sie mir sanft über Schultern und Brust.

    „Als Gegenleistung verlange ich einen romantischen Abend zu zweit, säuselte sie. „Einverstanden? Ich habe gestern den ganzen Tag hier drinnen gehockt. Eure Hoheit durfte die tollsten Abenteuer und Abwechslungen erleben. Die Schlacht mit den Aliens, Nachrichtenbeiträge, die im ganzen Imperium gezeigt wurden, den Angriff auf das große Schiff, eine Unterredung mit dem Imperator … Und ich saß die ganze Zeit hier herum und hatte nichts zu tun!

    Ich lachte belustigt auf. In ihren Augen hatte ich also nicht todesmutig eine Invasion der Aliens abgewehrt, sondern mir vielmehr einen Riesenspaß gegönnt. Astra und ihre Sicht auf die Realität waren manchmal schwer zu verstehen. Als die Prinzessin mich erneut streichelte, hielt ich ihre Hand sanft fest und zog Astra an mich.

    „Ich bin mit dem Preis einverstanden. Und das hier ist nur der Vorschuss." Ich schloss sie in die Arme und küsste sie auf den Mund.

    Die Prinzessin zuckte erstaunt zusammen, dann erwiderte sie den Kuss. Dass genau in diesem Augenblick Bionica mit einem Tablett in der Tür stand, kam nicht gerade gelegen.

    „Hey, du solltest doch anklopfen, bevor du ins Zimmer des Kronprinzen kommst!", sagte Astra vorwurfsvoll.

    Die Androidin erwiderte nichts, sondern stellte das Tablett mit den Teetassen einfach auf den Tisch, ging hinaus und zog die Tür hinter sich zu.

    Zur Sicherheit wartete ich noch ein paar Sekunden, dann drückte ich meinen unbeschwerten Liebling wieder an mich. Wir scherzten und redeten ein paar Minuten, küssten und streichelten uns, bis die Tür unvermittelt wieder aufging.

    „Nicht schon wieder! Ich könnte sie umbringen!", flüsterte Astra erbost.

    Allerdings kam nicht die Androidin herein, sondern Katerina ton Mesfelle mit einem Tablet in der Hand. Astra bedeckte ihre Blöße und huschte eilig ins Bad, um sich anzuziehen.

    „Wie ich sehe, komme ich ungelegen", sagte meine Cousine, die die Lage sofort

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