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Friedrich Engels // Im Widerspruch denken: Ansichten eines smarten Revolutionärs
Friedrich Engels // Im Widerspruch denken: Ansichten eines smarten Revolutionärs
Friedrich Engels // Im Widerspruch denken: Ansichten eines smarten Revolutionärs
eBook182 Seiten2 Stunden

Friedrich Engels // Im Widerspruch denken: Ansichten eines smarten Revolutionärs

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Über dieses E-Book

Er gilt manchen als der freundliche große Bruder des ikonischen Karl Marx, vielleicht nicht so wichtig, doch am Ende hat Friedrich Engels den Marxismus erfunden. Und ohne sein Geld, seine gründliche Recherche und seine Geduld hätte der Marxismus ohnehin seine Väter nicht überlebt. In zwölf Sprachen bewegte er sich wie in seiner Muttersprache, kaum einer hat die wissenschaftlichen Errungenschaften seiner Zeit so umfassend aufzuarbeiten und zu durchdringen versucht. Und doch steht er stets im Schatten des anderen Bärtigen. Dieser gänzlich neu konzipierte Auswahlband ist eine kompakte, zeitgemäße Einführung in das Leben und Werk Friedrich Engels'.
SpracheDeutsch
Herausgebermarixverlag
Erscheinungsdatum28. Aug. 2020
ISBN9783843806336
Friedrich Engels // Im Widerspruch denken: Ansichten eines smarten Revolutionärs
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    Friedrich Engels // Im Widerspruch denken - marixverlag

    BRANNTWEIN UND MYSTIZISMUS

    Briefe aus dem Wuppertal

    1839

    »Ha, ha, ha! Weißt du, wer den Aufsatz im Telegraphen gemacht hat? Schreiber dieses [Briefs] ist der Verfasser, aber ich rate dir, nichts davon zu sagen, ich käm in höllische Schwulitäten.« (MEW 41, 371) So schreibt der achtzehnjährige Engels voll innerer Genugtuung an seinen Freund Friedrich Graeber. Abgesehen von einigen Gedichten und Reiseberichten sind die Briefe aus dem Wuppertal, die Engels unter dem Pseudonym Friedrich Oswald als Artikelserie im Telegraph für Deutschland veröffentlicht, der erste wirklich bedeutsame Text aus seiner Feder. Es ist eine brillant formulierte, schonungslose Sozialreportage über die Verhältnisse in seiner Heimat. Der Fabrikantensohn hält sich zu dieser Zeit im fernen Bremen auf, um nach dem Willen des Vaters den Kaufmannsberuf zu erlernen, und aus dieser sicheren Distanz sowie im Schutz des gewählten Pseudonyms rechnet er gründlich ab mit dem Milieu, aus dem er stammt und das ihn geprägt hat.

    Fast 200 Fabriken zählten die Städte, die sich entlang der Wupper hinzogen. Mit dem Aufschwung der Textilindustrie war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein rasanter Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Färber, Spinner, Weber, Flachsbleicher, Bandweber und Bortenmacher waren die vorherrschenden Tätigkeiten in Barmen und Elberfeld, mit denen sich die Masse der Bevölkerung ihr karges Brot verdiente. Bald schon hatte die heimische Textilindustrie – immer noch stark von Heimarbeit geprägt – Mühe, mit der viel stärker industrialisierten Konkurrenz in England mitzuhalten, was zu zunehmender Verarmung führte. Engels zeichnet hier drastisch und in bestechender Authentizität den körperlichen Verfall und den moralischen Niedergang der Arbeiter. Sein soziales Empfinden und seine scharfen Beobachtungen der Zustände dringen damals noch nicht zu einer Analyse der ökonomischen Mechanismen vor, wie er sie wenige Jahre später leisten wird. Und das Ganze dient erkennbar vor allem der Abrechnung mit der eigenen familiären Herkunft, von der er sich unter erheblichen Anstrengungen zu emanzipieren versucht.

    Literarisch ist Engels zunächst ganz vom Geist der Romantik und deren Idee des deutschen Volkstums geprägt, wie sie etwa Fichte, Herder oder die Gebrüder Grimm vertraten. Davon distanziert er sich in den Briefen aus dem Wuppertal bereits ausdrücklich. Engels fühlt sich einer literarischen Bewegung verbunden, die sich »Junges Deutschland« nennt und eher radikalliberale Ideen im Sinne Ludwig Börnes vertritt. Der von Karl Gutzkow herausgegebene Telegraph für Deutschland ist wichtigstes Organ dieses Zusammenschlusses. Unter dem äußeren Gewand von gefälligharmlos scheinenden Reiseberichten und Literaturkritik verbirgt sich gesellschaftspolitischer Sprengstoff. Engels’ Artikelserie ist ein hervorragendes Beispiel der Intention dieses Organs.

    Eine Hauptzielscheibe von Engels’ Kritik ist die pietistische Bigotterie, die in schier unerträglichem Kontrast zu den sozialen Zuständen steht und das Wuppertal beherrscht. Die ganz auf Innerlichkeit und intime Gottesbeziehung ausgerichtete Frömmigkeitsform ist hier allerdings gepaart mit einer kalvinistischen Ethik, die den unternehmerischen Erfolg als Zeichen der Auserwählung interpretiert und damit die sozialen Verhältnisse religiös bemäntelt. Das sollte Max Weber später in seiner berühmten Schrift Die protestantische Ethik und der »Geist« des Kapitalismus (Weber 2017) treffend beschreiben. Die aggressive Frömmelei bildet die ideale Ergänzung zur grausamen sozialen Realität. Engels selbst wird sich nur unter großen Mühen von seiner eigenen religiösen Prägung befreien. Von seiner späteren radikalen Religionskritik ist er noch weit entfernt. Deren Motive aber sind hier in Ansätzen bereits

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