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Praxisbuch Horden- und Flächentrocknung

Praxisbuch Horden- und Flächentrocknung

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Praxisbuch Horden- und Flächentrocknung

Länge:
1.242 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
24. Juni 2020
ISBN:
9783662604335
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Fachbuch stellt die Horden- und Flächentrocknung in Theorie und Praxis vor. Es bietet Hinweise für die Auslegung, den praktischen Betrieb und die Lösung auftretender Probleme. Beschrieben werden absatzweise und quasikontinuierliche Horden- und Flächentrockner für Warmluft- und Vakuumtrocknung in verschiedenen Industriebereichen und in der Landtechnik. Auf die Nutzung der Solarstrahlung, von Abwärme und von Wärmepumpen in der Energiezufuhr wird eingegangen. Berechnungsbeispiele für die Auslegung und die Wirtschaftlichkeit des Betriebes werden aufgeführt. Ein besonderes Anliegen hierbei ist es, die Theorie der Trocknung mit der Praxis zu verbinden, weshalb immer wieder Praxisbezüge auch in den theoretischen Teil einfließen. Abgerundet wird das Buch durch daas Eingehen auf Arbeitsschutz, Emissionen und die Trocknungsqualität.

Die Zielgruppen

  • Landwirte und Agrargenossenschaften, die sich mit der Trocknung von Hopfen sowie Arznei- und Gewürzpflanzen befassen
  • Forstämter, welche eine Frostsamentrocknung betreiben,
  • Kläranlagenbetreiber, welche sich mit der solaren Flächentrocknung von Klärschlamm beschäftigen
  • Betreiber von Trocknungsanlagen für Obst und Gemüse im mittelständischen Maßstab
  • Studenten der Agrarwissenschaften, Lebensmitteltechnologie und Verfahrenstechnik
  • Betriebsleiter in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, welche kleine Chargen wertvoller Chemikalien oder Pharmazeutika trocknen wollen
  • Betriebsleiter in der Lebensmittelindustrie, mit Fokus auf Gefriertrocknung hochwertiger Lebensmittel
  • Betreiber von Schnittholztrocknungsanlagen


Herausgeber:
Freigegeben:
24. Juni 2020
ISBN:
9783662604335
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Praxisbuch Horden- und Flächentrocknung - Albert Heindl

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2020

A. HeindlPraxisbuch Horden- und Flächentrocknunghttps://doi.org/10.1007/978-3-662-60433-5_1

1. Einleitung

Albert Heindl¹  

(1)

Deining, Bayern, Deutschland

Albert Heindl

Email: albert.heindl@gmx.net

1.1 Übersicht über Horden- und Flächentrockner

Horden- und Flächentrockner werden überwiegend für kleine bis mittlere Durchsätze eingesetzt. Durch die Trocknung mit Energiezufuhr über Warmluft, durch Kontakt oder durch Strahlung wird das Trockengut haltbar oder weiter verarbeitbar gemacht. Mittels Energiezufuhr wird die Feuchtigkeit – z. B. Wasser oder Lösungsmittel- verdunstet oder verdampft. Der Betrieb kann sowohl absätzig, als auch quasi-fortlaufend erfolgen. Die Beschickung erfolgt bei kleinen Mengen von Hand, bei mittleren Durchsätzen automatisiert über spezielle Horden-Beschickungsvorrichtungen oder stetige Förderer aus Bunkern heraus. Bei Flächentrocknern von Trocknungsgütern mit langen Trocknungszeiten wie ungeschnittenen Arznei- und Gewürzpflanzen oder bei solaren Gewächshaustrocknern für Klärschlamm werden auch große Durchsätze mit entsprechend hohem Flächeneinsatz für die Trocknungsanlage realisiert. Die Materialzufuhr erfolgt bei Flächentrocknern über Greifer oder auf Kranbahnen laufenden Beschickungsapparaten, aber auch durch Radlader oder über Querförderschnecken.

1.2 Anwendungsbereiche

Der Durchsatz bei Horden- und Flächentrocknern umfasst einen sehr weiten Bereich von wenigen hundert g/h bei kleinen Gefriertrocknungsanlagen bis über 1000 kg/h bei großen Tunnelwagentrocknern. Sowohl stückige, schüttfähige als auch pastenartige Trocknungsgüter können auf Horden- und Flächentrocknern verarbeitet werden. Da diese Trockner mit unterschiedlichsten Trocknungsflächen und vor allem die Horden mit unterschiedlichen Lochblechen oder Geweben ausgestattet werden können, überstreicht das Kornspektrum der Trocknungsgüter einen sehr weiten Bereich von wenigen Millimetern im Fall von Sägespänen bis zu mehreren Dezimetern im Fall von Arznei- und Gewürzpflanzen, welche als Ganzpflanzen getrocknet werden.

Die Trocknungsflächen reichen von wenigen dm² bei Hordentrocknern für sehr hochwertige pharmazeutische Produkte bis zu mehreren tausend m² bei Flächentrocknern für die solare Trocknung von entwässertem Klärschlamm.

Vor allem Hordentrockner werden im Fein- und Grobvakuumbereich als Kontakttrockner betrieben. Flächentrockner werden überwiegend bei Atmosphärendruck aufgrund des großen Flächenbedarfes gefahren.

Fallweise erfolgt die Trocknung und damit die Zufuhr- und Abfuhr des Trocknungsgutes absätzig, d. h. der Trockner wird mit Material beschickt und die Trocknung läuft unter zeitlich veränderlichen Randbedingungen bis zum Erreichen des gewünschten Endfeuchtegehaltes.

1.3 Bauformen von Hordentrocknern

Eigentlich sollte die Zeit der manuell beschickten Hordentrockner in Form von Kammertrocknern der Vergangenheit angehören, da sie viel Arbeitsaufwand bei der Materialhandhabung und Reinigung der Horden erfordern. Für hochpreisige Trocknungsgüter in der pharmazeutischen oder in der Lebensmittelindustrie kann jedoch die absätzige Trocknung kleinerer Chargen bei hohen Ansprüchen an die Reinheit der Substanz und die Hygiene gerechtfertigt werden. Die Horden werden in diesem Fall aus nichtrostendem Edelstahl ausgeführt und können aufgrund ihrer kleinen Abmessungen leicht gereinigt oder gar sterilisiert werden. Abb. 1.1 zeigt einen manuell zu beschickenden Hordentrockner in pharmazeutischer Ausführung, ausgestattet mit zwei Hordenwagen zu je 15 Horden (Foeth 2018).

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Abb. 1.1

Hordentrockner in Edelstahlausführung zur Trocknung von pharmazeutischen Produkten und Feinchemikalien Typ Glatt GT 400 (Foeth 2018)

Tunnelwagentrockner bestehen aus mehreren Wagen mit bis zu 40 Horden, welche durch einen länglichen Kanal mit einer etwas größeren lichten Weite als der Querschnittsfläche des Hordenwagens manuell oder mittels Elektrokarren geschoben oder mechanisch über eine Hackenwinde gezogen werden. Der Betrieb erfolgt dadurch quasikontinuierlich, indem der letzten Wagen mit der längsten Trocknungszeit aus dem Tunnel gefahren und ein neuer Wagen mit frischem Trocknungsgut eingeschoben wird. Zwei parallel angeordnete Tunnelwagentrockner für Obst in Nachitschevan/Aserbeidschan werden in Abb. 1.2 dargestellt (Heindl 2005). Der Tunnel umfasst jeweils 6 Wägen mit je 20 Horden und einer Gesamttrocknungsfläche von 84 m², so dass die Wagen mit einer Taktung von 1/6 der Gesamttrocknungszeit entnommen und neu eingeschoben werden müssen. Die Warmluft überströmt zumeist das Gut auf den Horden, entweder im Querstrom oder im Gleich- bzw. Gegenstrom zur Transportrichtung des Trocknungsgutes. Im dargestellten Beispiel erfolgt ein Querstrom der Trocknungsluft zur Transportrichtung der Horden.

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Abb. 1.2

Tunnelwagentrockner der Bauart Heindl zur Trocknung von Obst in Nachitschewan (Aserbeidschan) (Heindl 2005)

Hordentrockner werden auch mit Bewegung der Hordenflächen ausgeführt, als Wanderhordentrockner oder als Kipphordentrockner. Im ersten Fall ruht die Schüttung und die Horde wird in eine andere Trocknungszone bewegt. Abb. 1.3 veranschaulicht einen Wanderhordentrockner zur Trocknung von Bucheckern mit entfeuchteter Luft. Nur bei der Trocknung mit rund 23 °C bleibt die Keimfähigkeit der Bucheckern erhalten (Heindl 1991).

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Abb. 1.3

Wanderhordentrockner der Bauart Heindl zur Trocknung von Bucheckern mit entfeuchteter Luft, im Vordergrund der Hordenwagen mit den Bucheckern, aufgestellt bei der tschechischen Staatsdarre in Tyniste n.O. (Heindl 1991) Bitte in Farbe!

In einer weiteren Ausführung wird das Trocknungsgut zur Beschleunigung und Vergleichmäßigung der Trocknung durch eine Fallbewegung durchmischt und durch schwerkraftunterstützte Abkippung auf eine darunterliegende Trocknungsebene befördert. Letztere Trockner heißen Kipphordentrockner und werden vor allem zur landwirtschaftlichen Trocknung von Hopfendolden in gemauerten Gebäuden eingesetzt. Abb. 1.4 zeigt die Aufschütthorde eines Kipphordentrockners für Hopfen (Münsterer 2010). Die Beschickung erfolgt über ein auf der linken Seite angebrachtes Längsband und eine Querverteilvorrichtung.

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Abb. 1.4

Kipphordentrockner für Hopfen (Münsterer 2010)

Sonderbauformen des Kipphordentrockners zur Trocknung von geschnittenen Arznei- und Gewürzpflanzen und zur Nachtrocknung von Hopfendolden in Hopfenverarbeitungsfirmen existieren in Ganzmetallbauweise. Die Abb. 1.5 zeigt einen Kipphordentrockner zur Nachtrocknung von Hopfen vor der Herstellung von Hopfenpellets (Heindl 1993). Die Luft strömt auf 45 °C erwärmt von seitlich angeordneten Zuluftkanälen in den Trockner und von dort von unten nach oben durch mehrere Hordenlagen. Der Trockner dient vor allem zum Ausgleich des Feuchtegehaltes der auf landwirtschaftlichen Darren getrockneten Hopfendolden (Kröll Kast 1989).

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Abb. 1.5

Kipphordentrockner zur Nachtrocknung von Hopfen

Schnittholz wird auf Hordenwagen mit Abstandskanthölzern gestapelt und mit Warmluft, Dampf oder unter Vakuum getrocknet. Abb. 1.6 veranschaulicht einen Durchlauftrockner für Schnittholz, wie er in großen Holzverarbeitungsbetrieben zum Einsatz kommt (Brunner Hildebrand 2009).

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Abb. 1.6

Durchlauftrockner für Schnittholz (Brunner Hildebrand 2009)

Eine besondere Abart des Hordentrockners stellt der Turbinentrockner dar, welcher aus mehreren kreisförmigen Trocknungsflächen besteht, die ihrerseits aus Kreissegmenten aufgebaut sind. Jedes Segment wird nach einem einmaligen Umlauf an einer Stelle abgekippt, so dass das Material gewendet und auf die darunterliegende Trocknungsfläche befördert wird. Er wurde für die Trocknung von Schüttgut wie Zucker, Sägespäne, Katalysepellets, Kaolin, Kalziumchlorid, Brotwürfel, Chinaton, Cu-Ni-Konzentrate, Harnstoff oder Vitaminpulver eingesetzt (Williams-Gardner 1971) (Kollmann 1966). Abb. 1.7 zeigt den Innenaufbau eines Turbinenhordentrockners (Grenzebach 2018).

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Abb. 1.7

Turbinenhordentrockner (Grenzebach 2018)

Vakuumtrockenschränke werden in der Lebensmittelindustrie, in der Pharma- und Kosmetikindustrie sowie in der chemischen Industrie eingesetzt. Hierbei werden Kontakt-Heizflächen von bis zu 88 m² erreicht. Abb. 1.8 stellt einen Vakuumtrockenschrank in Edelstahlausführung dar, wobei auf der linken Seite der Kondensator und die Vakuumpumpe abgebildet sind (Bucher-Guyer ca. 1995).

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Abb. 1.8

Vakuumtrockenschrank (Bucher-Guyer  ca. 1995)

Eine quasikontinuierliche Form des Vakuumtrockenschrankes stellt der Vakuumtunnelwagentrockner dar, welcher von der Firma Leybold in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts für die Gefriertrocknung von hochwertigen Lebensmitteln entwickelt wurde. Abb. 1.9 gibt einen Überblick über den Aufbau einer solchen Anlage (Leybold-Heraeus 1975).

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Abb. 1.9

Tunnelwagentrockner als Gefriertrockner der Leybold-Heraeus AG (Leybold-Heraeus 1975)

Im weitesten Sinne kann man auch Tellerkontakttrockner, bei denen das Trocknungsgut durch eine Wendevorrichtung – auch Krählwerk genannt – auf einer geheizten Platte gewendet wird, zu den Hordentrocknern zählen. Absätzig arbeitende Tellertrockner mit einer Trocknungsebene werden nur für kleine Durchsatzmengen eingesetzt. Vor allem hochwertige Chemikalien und Pharmazeutika zählen zu den Trocknungsgütern der kleinen Tellertrockner. Bei Anordnung mehrerer beheizter und gekühlter Teller übereinander sowie einer kontinuierlich arbeitenden Zu- und Abfuhr des Trocknungsgutes können auch im Vakuumbetrieb größere Mengen an Wasser verdampft werden. Abb. 1.10 zeigt einen Tellertrockner mit zwei Telleraufgabevorrichtungen, Staubfilter sowie bodenseitig zwei Trockengutaustragesilos, welche typischerweise für die Trocknung von Chemikalien eingesetzt werden (Andritz Gouda Separation  2019).

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Abb. 1.10

Mehrstufiger Tellertrockner mit Krählwerk, Telleraufgabevorrichtungen, Staubfilter und Trockengutaustragesilos (Andritz Gouda Separation  2019)

Sonderbauformen existieren auch noch als Vibrationswendel- und Vibrationstrockner im Bereich der Gefriertrocknung, welche sich durch extrem hohen Wärme- und Stoffübergang auszeichnen.

Pharmazeutische Produkte wie Eiweiße, Hormone oder Antibiotika werden in speziellen Vakuum-Gefriertrocknungsschränken – auch in speziellen Flaschen gefriergetrocknet. Hier spielt vor allem die notwendige Sterilisation bei verhältnismäßig kleinen Produktionsmengen die bestimmende Rolle. veranschaulicht zwei derartige Trockenschränke in Pharmaausführung.

Einen mikrowellenunterstützten Warmlufttrockner als Versuchsanlage mit einer Hordenfläche von 0,08 m² zeigt Abb. 1.11 (Heindl 2000). Die Anlage kann sowohl mit Überströmung als auch mit Durchströmung des Trocknungsgutes durch Warmluft gefahren werden. Der Luftvolumenstrom beträgt 600 m³/h bei 1400 Pa und 15 °C. Über einen Kaltwassersatz kann die Umluft ent- und über eine Dampflanze befeuchtet werden. Die Mikrowellenenergiezufuhr mit max. Mikrowellenleistung von 1,2 kW bei 2,45 GHz erfolgt über einen Isolator, Dreistift-Tuner und Hohlleiter-Kreuzschlitzstrahler.

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Abb. 1.11

Mikrowellenunterstützter Warmluft-Hordentrockner als Versuchsanlage (Heindl 2000)

Eine Versuchsanlage zur Simulation der mikrowellenunterstützten Vakuum- und Vakuumkonvektionstrocknung wird in Abb. 1.12 dargestellt (Heindl 1992). Zur Vergleichmäßigung der Mikrowellenverteilung wird die Horde (0,052 m²) unter dem Hornstrahler hin- und hergefahren. Ein späterer Umbau ersetzt die Rechteckhorde durch einen rotierenden, kreisförmigen Teller. Die Vakuumkonvektionstrocknung kann über ein installiertes Heizregister (2,45 kW) und einen Umluftventilator (300 m³/h bei 70 °C und 10.000 Pa) mit Spezialdichtung untersucht werden. Das Vakuumsystem besteht aus einem wassergekühlten Kondensator und einer Drehschiebervakuumpumpe. Die Mikrowellenleistung von maximal 1,2 kW wird über einen Hornstrahler in die Vakuumkammer zugeführt.

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Abb. 1.12

Mikrowellenunterstützter Vakuum- (2000 bis 6000 Pa) bzw. Vakuumkonvektionstrockner (10.000 bis 20.000 Pa) als Versuchsanlage (Heindl 1992)

In Abb. 1.13 wird ein Mikrowellen-Vakuumtrockner zur Spezialtrocknung von Früchten in kleinem Produktionsmaßstab dargestellt. Die Anlage ist mit 6 Stück Magnetrons von 1,1 kW Mikrowellenleistung bei 2450 MHz bestückt, die Energieeinkopplung erfolgt über Hornstrahler. Das Trocknungsgut wird räumlich in der bei rund 6000 Pa Druck betriebenen Vakuumkammer auf vier Horden bewegt. Dadurch wird eine gleichmäßigere Beaufschlagung des Gutes mit Mikrowellenenergie erreicht.

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Abb. 1.13

Mikrowellen-Vakuumtrockner zur Früchtetrocknung in Chile (Heindl 2001)

1.4 Bauformen von Flächentrocknern

Flächentrockner finden zumeist als Warmlufttrockner Verwendung. Die Urform des Flächentrockners kann in der landwirtschaftlichen Darre gesehen werden, auf denen ab dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vor allem zerrissenes Rübenblatt und gehäckseltes Grass oder Luzerne als Viehfutter getrocknet wurden (Maasen 1940). Trocknungsgüter mit langen Trocknungszeiten wie ungeschnittene Arznei- und Gewürzpflanzen werden auf Satztrocknern – die auf den alten Darren basieren – getrocknet und ruhen dabei auf einem Lochboden, durch welche die warme Luft von unten nach oben durch die Schüttung strömt.

In den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Flächentrockner in Form des Schubwendetrockners modernisiert und teilautomatisiert. Durch eine über der Trocknungsfläche hin- und herfahrende Laufwagen mit einem rotierenden Fräsrechen wird das Trocknungsgut gewendet und in Richtung des Trockengutaustrages gefördert (Sybel 1943). Das Wenden legt immer wieder neue, feuchte Oberflächen frei, wodurch hohe Lufttemperaturen und damit Trocknungsgeschwindigkeiten ohne qualitative Schädigung des Trocknungsgutes möglich werden. Der Schubwendetrockner hat im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts zur Trocknung von Holzhackschnitzeln, Holzsägespänen, Biertreber, Eierschalen, Kunststoffflocken und Gärreste weitere Verbreitung gefunden. Dabei stand die staatlich geförderte Nutzung von Abwärme der BHKWs von landwirtschaftlichen Biogasanlagen im Vordergrund. Abb. 1.14 zeigt einen Schubwendetrockner für die Trocknung von Kunststoffflocken (RIELA 2018).

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Abb. 1.14

Schubwendetrockner zur Trocknung von Kunststoffflocken (RIELA 2018)

Solare Gewächshaustrockner nutzen die Energie der Solarstrahlung zur mittelbaren Erwärmung der Trocknungsluft, welche auf das Trocknungsgut von oben nach unten geblasen wird. Zusätzlich erwärmt der Infrarotstrahlungsanteil der Sonnenstrahlen den Schlamm. Das Trocknungsgut wird über eine automatisierte Wendevorrichtung aufgelockert und gefördert. Die Trocknungsluft überströmt dabei das von der Solarstrahlung erwärmte Gut und nimmt das verdunstende Wasser auf. Derartige Flächentrockner werden oftmals mit zusätzlicher Abwärme betrieben, welche entweder über eine Warmwasserheizung den Boden, auf dem das Trocknungsgut ruht, erwärmt oder welche die Luft in der Trocknungshalle mittels Warmlufterzeuger weiter anwärmt. Die Abwärmenutzung verringert die notwendige Trocknungsfläche und erleichtert die Überbrückung der Jahreszeiten mit kleiner Solarstrahlung.

Mittlerweile werden große Solartrocknungsanlagen mit Trocknungsflächen bis zu 10.000 m² verwirklicht. Abb. 1.15 veranschaulicht eine fünfstrassige, solare Trocknungsanlage für Klärschlamm mit zusätzlicher Abwärmenutzung über Warmlufterzeuger (im Schnitt 700 kW) und rund 6000 m² Trocknungsfläche. Die Schlammtrocknung wird durch die maschinellen Wender beschleunigt und vergleichmäßigt. Die Zufuhr des entwässerten Klärschlammes erfolgt über mehrere mit Auslaufklappen versehene und quer zur Trocknungsfläche angeordnete  Schneckenförderer. Zum Aufgabenbereich der Wender gehört zusätzlich das Einmischen von getrockneten Schlamm in den Nassschlamm und der Austrag des getrockneten Gutes.

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Abb. 1.15

Solare Trocknungsanlage der Kläranlage der Stadt Bayreuth zur Trocknung von Klärschlamm unter zusätzlicher Nutzung der Abwärme aus einer nahegelegenen Biogasanlage (HUBER SE 2016)

Eine Sonderbauform stellt der Abwärme unterstützte Hallentrockner dar, bei dem der solare Anteil an dem Energieeintrag ins System unter 10 % fällt und die Restenergie über Warmlufterzeuger ins Trocknungssystem eingebracht wird. Abb. 1.16 zeigt einen Hallentrockner für Klärschlamm, bei dem die Energiezufuhr zur Trocknung durch Warmluft erfolgt, welche über einen Lochblechboden durch die Klärschlammschüttung strömt. Der Wender sorgt sowohl für die Beschleunigung des Trocknungsvorganges, als auch für den Transport des Schlammes durch den Trockner. Als besonderes Detail der Anlage ist eine Spezialfräse zu nennen, welche größere Granulatklumpen zerlegt (Kraus 2014). Derartige Trockner werden pro Linie mit Trocknungsflächen von bis zu 500 m² versehen. Übliche Warmlufttemperaturen werden auf 45 °C eingestellt.

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Abb. 1.16

Hallentrockner für Klärschlamm mit Warmluftzufuhr über Lochblechboden (Kraus 2014)

Flächentrockner werden zur Warmlufttrocknung von Arzneipflanzen als Ganzpflanzen mit großen Flächeneinheiten eingesetzt. Aufgrund der kleinen Schüttdichte werden die Ganzpflanzen bis zu einem Meter Höhe aufgeschüttet. Die Beschickung der riesigen Flächen erfolgt über spezielle Aufgabeapparate, welche für einen gleichmäßigen Flächenauftrag sorgen. Die Entleerung der Flächen wird über mechanische Greifer ausgeführt. Abb. 1.17 zeigt einen mehrere hundert m² großen Flächentrockner in Thüringen. Es wurde Schafgarbe getrocknet, wobei das Trocknungsgut mit dem Aufgabeapparat auf der linken Seite gleichmäßig auf die Trocknungsfläche aufgegeben wird. Der Aufgabeapparat seinerseits wird mit dem Greifer beschickt. Rechts sind Papiersäcke zu sehen, in denen die Trockenware verpackt wird.

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Abb. 1.17

Flächentrockner für Arzneipflanzen (Schafgarbe) der Agrarprodukte Ludwigshof e.G., Ranis in Thüringen (Heindl 1998)

In den USA und Australien werden Flächentrockner für Hopfen in sehr großen Hallen in mehreren Einheiten parallel angeordnet und jede Einheit mit einem direkt gasbefeuertem Warmlufterzeuger versorgt. Abb. 1.18 veranschaulicht eine Batterie von Flächentrocknern mit der darüber angeordneten Bandvorrichtung zur Beschickung mit Hopfendolden. Entlang einer Stirnseite verläuft das motorisch verfahrbare Beschickungsband für die einzelnen Flächentrockner, welches die feuchten Hopfendolden auf ein querlaufendes, orange lackiertes Querband mit verfahrbarer Abstreifvorrichtung fördert.

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Abb. 1.18

Batterie von Flächentrocknern zur Hopfentrocknung in Australien (Bushy Park Estates 1995)

1.5 Trocknungsgüter und verwendete Trockner

Die Tab. 1.1 gibt eine beispielhafte Auswahl von Trocknungsgütern, welche mit den jeweils speziell eingesetzten Flächen- und Hordentrocknern getrocknet werden.

Tab. 1.1

Auswahl von Trocknungsgütern und zugeordneten Trocknertypen

1.6 Zusammenfassung

Horden- und Flächentrockner werden in vielen Bereichen von Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft eingesetzt. Sie werden in der Hauptsache absätzig betrieben, einige sind jedoch auf einen quasikontinuierlichen oder kontinuierlichen Betrieb ausgerichtet. Die Beschickung und Entleerung erfolgt bei kleineren Anlagen überwiegend manuell, bei größeren jedoch nahezu ausschließlich maschinell. Der vermeintlich einfachere Aufbau einer absätzig betriebenen Anlage bedingt allerdings häufig einen im Vergleich zu kontinuierlichen Trocknungsanlagen höheren Steuerungs- und Regelungsaufwand, der vor allem bei großen Anlagen zur Entlastung des Bedienungspersonals notwendig wird. Zur Vergleichmäßigung des Trocknungsvorganges ist oftmals ein Wenden des Trocknungsgutes manueller oder maschineller Art notwendig. Höchstwertige pharmazeutische Trockenprodukte werden nur in kleinen Mengen in speziellen Vakuumgefrier-Trockenschränken produziert, welche leicht zu reinigen sein müssen.

Literatur

Andritz Gouda Separation (2019) Unterlagen zum Tellertrockner. Waddinxveen Niederlande

Brunner-Hildebrand (2009) Prospekt Ökologische Holztrocknung. Stuttgart

Bucher-Guyer AG (undatiert, ca. 1995) Druckschrift Vakuumtrockenschrank. Niederweningen

Bushy Park Estates (1995) Foto einer Batterie von Flächentrocknern zur Hopfentrocknung. Tasmanien Australien

Foeth (2018) Glatt Hordentrockner GHT-400 050f238-050f238-image_01-f238b. https://​www.​foeth.​comde050f238-glatt-ght-400

GEA (2019) https://​www.​gea.​com/​de/​products/​lyovac-freeze-dryer.​jsp. Zugegriffen: 22. Juni 2019

Grenzebach (2018) Foto Innenaufbau Turbinentrockner Grenzebach. BSH GmbH, Bad Hersfeld

Heindl (1991) Foto Wanderhordentrockner AT 4/10 für Bucheckern in Tyniste n.O., Tschechische Republik

Heindl (1992) mikrowellenunterstützter Vakuumkonvektions-Trockner

Heindl GmbH (1993) Foto eines Kipphordentrockners zur Nachtrocknung von Hopfen

Heindl A (1998) Foto eines Flächentrockners der Agrarprodukte Ludwigshof e.G. Ranis

Heindl A (1999) Foto Agrarprodukte Ludwigshof e.G. Ranis

Heindl (2000) Foto mikrowellenunterstützter Warmluft-Hordentrockner

Heindl (2001) Foto Mikrowellen-Vakuumtrockner zur Früchtetrocknung in Chile

Heindl A (2005) Foto von zwei Tunnelwagentrocknern der Heindl GmbH zur Trocknung von Obst in Nakchevan/Aserbeidschan

HUBER SE (2016) Foto der abwärmeunterstützen Solartrocknungsanlage Solstice in Bayreuth

Kollmann F (1966) Holzspanwerkstoffe. Springer, New York

Kröll K, Kast W (1989) Trocknungstechnik Dritter Band. Trocknen und Trockner in der Produktion. Springer, Berlin

Kraus (2014) Kraus Umwelttechnik Ühlingen Foto Schlammtrockner

Leybold-Heraeus (1975) Das Trocknen. Bd 2. Sauerländer Verlag, Frankfurt a. M.

Maasen W (1940) Die Grünfutter- und Rübenblatttrocknung auf der landwirtschaftlichen Darre. Arbeiten aus dem Landmaschineninstitut der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Landwirtschaftliche Jahrbücher, Berlin

Münsterer J (2010) Neueste Erkenntnisse bei der Trocknung und Konditionierung von Hopfen. LfL-Kolloquium

RIELA (2018) Riesenbecker Landmaschinen Karl-Heinz Knoop e. K. Foto Schubwendetrockner

von Sybel H (1943) Die Vollmechanisierung der landwirtschaftlichen Darre durch den Schubwendetrockner Saalfeld Saale

Williams-Gardner A (1971) Industrial drying. Leonhard Hill, London

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2020

A. HeindlPraxisbuch Horden- und Flächentrocknunghttps://doi.org/10.1007/978-3-662-60433-5_2

2. Grundlagen der Trocknung

Albert Heindl¹  

(1)

Deining, Bayern, Deutschland

Albert Heindl

Email: albert.heindl@gmx.net

2.1 Massenbilanzen und Gaseigenschaften

2.1.1 Massenbilanz einer quasikontinuierlichen bzw. kontinuierlichen Trocknung

Besteht ein Tunnelwagentrockner aus einer größeren Anzahl von Wagen und geht man von einem kleinen Verhältnis von Wagenwechselzeit zu Gesamttrocknungszeit aus, so kann der Trocknungsvorgang als quasikontinuierlich bzw. kontinuierlich angesehen werden. Damit ergibt sich der Massenstrom an zu beschickendem Trocknungsgut zu:

$${\dot{\text{M}}}_{1} = {\dot{\text{M}}}_{\text{D}} + {\dot{\text{M}}}_{2}$$

(2.1)

$${\dot{\text{M}}}_{\text{FS}} = \left( {1 - {\text{W}}_{1} } \right)*{\dot{\text{M}}}_{1} = \left( {1 - {\text{W}}_{2} } \right)*{\dot{\text{M}}}_{2} = {\text{X}}_{1} *{\dot{\text{M}}}_{1} = {\text{X}}_{2} *{\dot{\text{M}}}_{2}$$

(2.2)

Wobei die Indices 1 und 2 den Trocknereingang und -ausgang kennzeichnen und der Index D die während des Trocknungsvorganges in Form von Dampf abgehende Feuchtemenge und FS den absolut trockenen Feststoff angibt. W kennzeichnet den Feuchtegehalt bezogen auf die Gesamtmasse, X heißt Feuchtegrad und gibt den Feuchtegehalt bezogen auf die absolut trockene Masse an. Die Massenströme lassen sich jeweils ineinander umrechnen (Kröll 1959):

$${\dot{\text{M}}}_{\text{D}} = {\dot{\text{M}}}_{\text{FS}} *\left( {{\text{X}}_{1} - {\text{X}}_{2} } \right) = {\dot{\text{M}}}_{1} *\frac{{{\text{W}}_{1} - {\text{W}}_{2} }}{{1 - {\text{W}}_{2} }} = {\dot{\text{M}}}_{2} *\frac{{{\text{W}}_{1} - {\text{W}}_{2} }}{{1 - {\text{W}}_{1} }}$$

(2.3)

$${\dot{\text{M}}}_{1} = {\dot{\text{M}}}_{\text{FS}} *\left( {1 + {\text{X}}_{1} } \right) = {\dot{\text{M}}}_{2} *\left( {\frac{{1 - {\text{W}}_{2} }}{{1 - {\text{W}}_{1} }}} \right)$$

(2.4)

$${\dot{\text{M}}}_{2} = {\dot{\text{M}}}_{\text{FS}} *\left( {1 + {\text{X}}_{2} } \right) = {\dot{\text{M}}}_{1} *\left( {\frac{{1 - {\text{W}}_{1} }}{{1 - {\text{W}}_{2} }}} \right)$$

(2.5)

Ineinander rechnet man den Feuchtegehalt W in den Feuchtegrad X und umgekehrt gemäß nachfolgenden Formeln um:

$${\text{W}} = \frac{\text{X}}{{1 + {\text{X}}}}$$

(2.6)

$${\text{X}} = \frac{\text{W}}{{1 - {\text{W}}}}$$

(2.7)

In der Abwassertechnik wird der Begriff des Trockenrückstandes TR benutzt, welche durch Trocknung im Trockenschrank bei 105 ℃ bis zur Gewichtskonstanz bestimmt wird. Der Trockenrückstand ist definiert zu TR = 1−W. Der Ausdruck Trockensubstanz TS bedeutet die abfiltrierte Masse aus einer feststoffbeladenen Flüssigkeit ohne Berücksichtigung der gelösten Salze.

2.1.2 Massenbilanz einer absätzigen Trocknung

Im Fall eines Kammertrockners, welcher nur einen Hordenwagen besitzt oder eines Flächentrockners, welcher absatzweise beschickt und nach Ablauf der Trocknungszeit tT entleert wird, wird der zeitliche Anteil für Beschickung und Entleerung des Trockners tB und tE an der gesamten Prozesszeit bedeutender und muss deshalb berücksichtigt werden.

$${\text{t}}_{\text{P}} = {\text{t}}_{\text{T}} + {\text{t}}_{\text{B}} + {\text{t}}_{\text{E}}$$

(2.8)

Damit kann der Massenstrom an der Trockneraufgabeseite berechnet werden zu:

$${\dot{\text{M}}}_{1} = \frac{{{\text{M}}_{1} }}{{{\text{t}}_{\text{p}} }}$$

(2.9)

Praxisbezug

Aus der chemischen Industrie Großbritanniens sind Beschickungs- und Entllerungzeiten für Warmluft- und Vakuumkontakthordentrockner bekannt geworden, welche in der Tab. 2.1 aufgeführt werden.

Tab. 2.1

Beschickungs- und Entleerungszeiten von Warmluft-Hordentrocknern (WLHT) (Nonhebel und Moss 1971)

aDies beschleunigt und vergleichmäßigt die Trocknung von Pasten, vor allem wenn diese zur Krustenbildung neigen.

Berechnungsbeispiel 2.1

Trocknet eine Farbstoff-Paste aus einer Kammerfilterpresse bei 90 ℃ Warmlufttemperatur in rund W1 = 82 % auf W2 = 1 % in rund 42 h, so beträgt der zeitliche Anteil der Beschickung und Entleerung an der gesamten Verarbeitungszeit beim Hordentrockner mit zwei Hordenträgern rund 6,6 %. Beim Hordentrockner mit vier Hordenträgern errechnet sich der Anteil zu rund 11,5 %, unter Einbeziehung des doppelten Durchsatzes beträgt jedoch der produktionsspezifische Arbeitskostenanteil nur rund 87 % des Anteiles des Hordentrockners mit zwei Hordenträgern.

../images/441483_1_De_2_Chapter/441483_1_De_2_Figa_HTML.png

Für Vakuumkontakt-Hordentrockner (VKHT) werden in der Tab. 2.2 der Arbeitszeitbedarf für 1000 kg an feuchter Farbstoffpaste angegeben (Nonhebel und Moss 1971).

Tab. 2.2

Beschickungs- und Entleerungszeiten für Vakuumkontakt-Hordentrockner (VKHT) (Nonhebel und Moss 1971)

Berechnungsbeipiel 2.2

Trocknet in einem Einfach-Kammertrockner eine organische Paste bei einer Heizplattentemempeatur von 60 ℃, einem Anfangsfeuchtegehalt von W1 = 44,4 % und einem Endfeuchtegehalt von W2 < = 1 % in 50 h bei einem Kammerdruck von 5000 Pa, so beträgt der Anteil für die Beschickung und Entleerung rund 7,9 % der Gesamtzeit.

Grundsätzlich galt schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, dass eine Beladung der Horden mit Chemikalien per Hand nur bis 25 kg/h auch aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen sinnvoll ist. Bei höheren stürndlichen Beschickungsmengen muss die Dosierung auf die Horden zumindet halbautomatisch aus Bunkern mit Gewichtsdosierung erfolgen (Nonhebel und Moss 1971).

2.1.3 Gaseigenschaften

Zur Berechnung von Konzentrationen, konvektive Energieübertragung, Gaszusammensetzungen oder -eigenschaften sind Umrechnungsformeln und Stoffdaten von Luft sowie wichtigen Gasen und Dämpfen erforderlich.

Bei Volumenangaben muss man sich auf eine Basis bezüglich Temperatur und Druck einigen, hier wird der Normzustand bei 0 ℃ (273,15 K) und 101.325 Pa angegeben. Auch muss bei Gasen berücksichtigt werden, ob sich die Volumenangabe auf feuchtes oder trockenes Gas bezieht.

Die Umrechnung eines Volumenstromes von Betriebs- auf Normzustand geschieht temperatur-, feuchte- und druckabhängig:

$${\dot{\text{V}}}_{\text{NH}} = {\dot{\text{V}}}_{\text{Bf}} \cdot \frac{{{\text{T}}_{\text{N}} \cdot {\text{p}}_{\text{B}} }}{{{\text{p}}_{\text{N}} \cdot {\text{T}}_{\text{B}} \cdot \left( {1 + \frac{{{\text{f}}_{\text{N}} }}{0{,}804}} \right)}}$$

(2.10)

Mit den Indices N: Normzustand, B: Betriebszustand, f: feucht sowie den Bezeichnungen für Temperatur T in K, Druck p in Pa, fN in Feuchtegehalt in kg Wasserdampf/Nm³ Gas

Die Umrechnung von der Normdichte des Gases $$\uprho_{{\text{Ntr}}}$$ im trockenen Zustand auf die Dichte des Gases im Betriebszustand $$\uprho_{{\text{Bf}}}$$ wird berechnet nach:

$$\uprho_{\text{Bf}} = \frac{{{\text{p}}_{\text{B}} \cdot {\text{T}}_{\text{N}} }}{{{\text{p}}_{\text{N}} \cdot {\text{T}}_{\text{B}} }} \cdot \frac{{\uprho_{\text{Ntr}} + {\text{f}}_{\text{N}} }}{{1 + \frac{{{\text{f}}_{\text{N}} }}{0{,}804}}}$$

(2.11)

Für die Umrechnung von Gas- und Dampfkonzentrationen werden die molare Masse der Gase und Dämpfe und das Molvolumen bei der jeweiligen Temperatur benötigt. Gaskonzentrationen können entweder in Vol.-% und ppm oder in g/m³ durch eine Zahlenwertgleichung angegeben werden.

$${\text{C}}_{{{\text{g}}/{\text{m}}^{3} }} = \frac{{{\text{c}}_{{{\text{Vol}} . { - }{\% }}} \cdot 10 \cdot {\text{m}}_{\text{M}} }}{{{\text{V}}_{\text{m}} }}$$

(2.12)

Mit mM: Molare Masse in g/mol, Vm: Molvolumen in l/mol. Die Temperaturabhängigkeit des Molvolumens von idealen Gasen drückt sich in der Tab. 2.3 aus.

Tab. 2.3

Molvolumen von idealem Gas in Abhängigkeit von der Temperatur

Bei vom Normzustand abweichenden Temperaturen kann umgerechnet werden:

$${\text{V}}_{\text{Bm}} = \frac{{{\text{T}}_{\text{B}} }}{{{\text{T}}_{\text{N}} }} \cdot {\text{V}}_{\text{Nm}}$$

(2.13)

wobei die Temperaturen in K eingesetzt werden. Reale Gase weichen fallweise vom idealen Gaszustand ab. Für verschiedene wichtige Gase und Dämpfe sind in der Tab. 2.4 Werte für die molare Masse, das Molvolumen bei 0 ℃ und die Normdichte zusammengestellt (Justi 1938).

Tab. 2.4

Werte für die molare Masse, das Norm-Molvoumen und die Normdichte verschiedener Gase und Dämpfe (Justi 1938)

aDämpfe können nicht in den Normzustand überführt werden, angegebenen Zahlen sind Anhaltswerte ermittelt durch Division der molaren Masse durch das Molvolumen von 22,41.

Will man die von Abgasen durch Abkühlung auf andere Wärmeträger übertragbare Heizleistung ermitteln, so wird die spezifische Wärme der Gase und Dämpfe benötigt. Für häufig vorkommende Gase und Dämpfe in Verbrennungsgasen werden Gleichungen im Temperaturbereich von $${\vartheta = 0}$$ bis 1400 ℃ für die spezifische Wärmekapazität in kJ/Nm³ angegeben (Justi 1938). Die Werte für cv in $${{\text{kJ}} \mathord{\left/ {\vphantom {{\text{kJ}} {{\text{Nm}}_{\text{tr}}^{3} }}} \right. \kern-0pt} {{\text{Nm}}_{\text{tr}}^{3} }}$$ gelten strengenommen nur für einen Druck von 0 Pa, sie können jedoch ohne größere Fehler auf den Normdruck von 101.325 Pa angewendet werden.

Luft mit R² = 0,9933:

$${\text{c}}_{\text{vLuft}} = - 5 \cdot 10^{ - 8} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0003 \cdot\upvartheta + 1{,}2822$$

(2.14)

Kohlendioxid CO2 mit R² = 0,9936:

$${\text{c}}_{{{\text{vCO}}_{2} }} = - 6 \cdot 10^{ - 7} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0015 \cdot\upvartheta + 1{,}6502$$

(2.15)

Stickstoff N2 mit R² = 0,9893:

$${\text{c}}_{{{\mathbf{vN}}_{{\mathbf{2}}} }} = - 2 \cdot 10^{ - 8} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0002 \cdot\upvartheta + 1{,}2827$$

(2.16)

Sauerstoff O2 mit R² = 0,9980:

$$\text{c}_{{\text{vO}_{\text{2}} }} = - 2 \cdot 10^{ - 7} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0005 \cdot\upvartheta + 1{,}2976$$

(2.17)

Wasserdampf H2O mit R² = 0,9973:

$$\text{c}_{{\text{vH}_{\text{2}} \text{O}}} = 2 \cdot 10^{ - 8} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0005 \cdot\upvartheta + 1{,}4704$$

(2.18)

Schwefeldioxid SO2 mit R² = 0,9885:

$$\text{c}_{{\text{vSO}_{\text{2}} }} = - 6 \cdot 10^{ - 7} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0013 \cdot\upvartheta + 1{,}7755$$

(2.19)

Kohlenmonoxid CO mit R² = 0,9914:

$$\text{c}_{{\text{vCO}}} = - 5 \cdot 10^{ - 8} \cdot\upvartheta^{2} + 0{,}0003 \cdot\upvartheta + 1{,}2816$$

(2.20)

Berechnungsbeispiel 2.2

Das Abgas eines mit Erdgas betriebenen Gasmotors setzt sich aus den folgenden Einzelkomponenten zusammen: Wasserdampf 17,6 Vol.-%, Kohlendioxid 9,8 Vol.-%, Stickstoff 82,6 Vol.-%. Der Anteil an Edelgasen in der Luft wird vernachlässigt und dem Stickstoff zugerechnet. Die Temperatur des Gases beträgt 500 ℃, es soll in einem Abgaswärmetauscher auf 150 ℃ abgekühlt werden. Welche Energie kann pro Nm³ Abgas übertragen werden? Die mittlere Temperatur des Abgases ist 325 ℃. Der Anteil des Wasserdampfes an der spezifischen Wärmekapaziät beträgt 0,3386 kJ/(Nm³ * K), derjenige des Kohlendioxids 0,2033, derjenige des Stickstoffes 1,1125. Die spezifische Wärmekapazität des Abgases liegt damit bei 1,6544 kJ/(Nm³ * K). Damit kann bei einer Temperaturdifferenz von 350 K aus dem Abgas pro Nm³ Volumenstrom eine Energie von rund 579 kJ übertragen werden.

2.1.4 Luftwechselzahl bei der Lagerung von Trocknungsgütern

Enstehen bei der Lagerung von Stoffen vor oder nach der Trocknung Gase, welche entweder zu einer Exlosionsgefahr, zu einer starken Geruchsbelästigung oder zu einer für den Menschen toxischen Wirkung führen können, so muss der Kopfraum über dem Bunker oder Silo abgesaugt werden. Dadurch kommt es zu einer Verdünnung der Gasatmosphäre im Kopfraum. Der notwendige Luftvolumenstrom errechnet sich aus der sich pro Zeiteinheit entwickelnden Masse an Gasen und dem Gasgrenzwert, wobei davon ausgegangen wird, dass die Konzentration der Gaskomponente in der Zuluft vernachlässigbar ist.

$${\dot{\text{V}}}_{\text{L}} = \frac{{{\dot{\text{M}}}_{\text{G}} }}{{{\text{c}}_{\text{Ggrenz}} }}$$

(2.21)

Berechnungsbeispiel 2.3

In einem Bunker für entwässerten Klärschlamm entwickelt sich Faulgas, welches Methan zur rund 60 bis 70 Vol.-% enthält. Bei Umgebungstemperatur von 20 ℃ entwickelt sich pro kg organischer Trockensubstanz und Stunde ein spezifischer Methanvolumentstrom von rund 0,7 Nl/(kg OTR * h) (VBG 1998). Der Umgebungsdruck soll 98.500 Pa betragen, der Feuchtegehalt der Umgebungsluft werde vernachlässigt. Die Auslegung erfolgt für den ungünstigsten Fall, d. h. für die maximal geplante Masse an entwässertem Schlamm im Bunker bei kleinsten Luftkopfraum.

Methan ist  ein explosionsgefährliches Gas mit einer unteren Explosionsgrenze von 4,4 Vol.-% in Luft bei 20 ℃. Um einen genügend großen Abstand zu dieser Grenze zu halten, wird festgelegt, dass die Methangrenzkonzentration nicht über 20 % der UEG, als nicht über 0,88 Vol.-% liegen darf. Für Methan gibt es derzeit keinen Arbeitsplatzgrenzwert, so dass nur auf die ATEX-Bestimmung geachtet wird. In dem Bunker lagern 100.000 kg an entwässertem Klärschlamm mit einem Trockenrückstand von TR = 0,25 und einem organischen Anteil von OTR = 0,6. Damit entwickelt sich

$$100.000\;{\text{kg}}*0{,}2 5*0{,}6*0{,}7\;{\text{Nl}}/\left( {{\text{kg}}*{\text{h}}} \right)\, = \, 10. 500\,{\text{Nl}}\;{{\text{Methan}} \mathord{\left/ {\vphantom {{\text{Methan}} {\text{h}}}} \right. \kern-0pt} {\text{h}}}.$$

Bei einer Normdichte von 0,7168 kg/Nm³ errechnet sich der Methanmassenstrom zu 7,53 kg/h. Bezogen auf den herrschenden Betriebszustand entsprechen 0,88 Vol.-% an Methankonzentration (98.500 Pa/101.325 Pa) * 0,88 Vol.-% = 0,855 Vol.-%. Die zulässige Massenkonzentration an Methan in der Luft errechnet sich zu

$$0{,}8 5 5* 10*{{ 1 6{,}0 3} \mathord{\left/ {\vphantom {{ 1 6{,}0 3} { 2 4{,}0 5}}} \right. \kern-0pt} { 2 4{,}0 5}}\, = \, 5{,}70 \;{{\text{g}} \mathord{\left/ {\vphantom {{\text{g}} {{\text{m}}^{ 3} }}} \right. \kern-0pt} {{\text{m}}^{ 3} }}.$$

Die notwendige Luftmenge bei 20 ℃ ergibt sich zu 1320 m³/h.

Die Luftwechselzahl errechnet sich bei einem angesetzten Kopfraum des Bunkers von VKopfraum = 30 m³ zu:

$${\text{L}} = \frac{{{\dot{\text{V}}}_{\text{L}} }}{{{\text{V}}_{\text{Kopfraum}} }}$$

(2.22)

L = 44/h. Damit folgt, dass der Kopfraum des Bunkers 44-mal in der Stunde ausgetauscht werden muss.

Praxisbezug

In der industriellen Praxis werden oftmals Luftwechselzahlen von L = 10 bis 20 pro Stunde angegeben. Bezieht sich diese Angabe auf ein mittleres Kopfraumvolumen des Bunkers bei einem mittleren Füllgrad an entwässertem Klärschlamm, so muss überprüft werden, ob der damit errechnete Luftvolumenstrom auch für ein minimales Kopfvolumen und maximales Klärschlammvolumen ausreichend ist.

2.2 Konvektionstrocknung

2.2.1 Grundlagen der Konvektionstrocknung

Das Grundprinzip der konvektiven Trocknung beruht darauf, dass ein erwärmtes Gas – zumeist Luft – Energie auf das Trocknungsgut überträgt und gleichzeitig die aus dem Trocknungsgut verdampfende oder verdunstende Flüssigkeit – zumeist Wasser – aufnimmt und abtransportiert. Es handelt sich hierbei um eine kombinierte Wärme- und Stoffübertragung.

Als Wärme übertragende Gase kommen z. B. Luft, Rauchgas – Luft – Gemische, überhitzter Wasserdampf sowie die Inertgase Stickstoff N2 oder Kohlendioxid CO2 in Frage. Während Luft und Stickstoff nahezu gleiche thermodynamische Eigenschaften besitzen, zeigt Kohlendioxid als Trocknungsgas abweichende Merkmale (VDI Wärmeatlas 1977). Dies wirkt sich auch auf den Trocknungsprozess aus. In Tab. 2.5 werden wichtige physikalische Eigenschaften unterschiedlicher Trocknungsgase aufgeführt.

Tab. 2.5

Wichtige physikalische Eigenschaften der Trocknungsgase Luft, Stickstoff und Kohlendioxid (VDI Wärmeatlas 1977)

Die deutlich höhere Dichte von CO2 bewirkt bei gleicher Strömungsgeschwindigkeit einen höheren Druckverlust. Im Vergleich zu Luft oder Stickstoff liegt bei Kohlendioxid die Lewis-Zahl, d. h. das Verhältnis der Geschwindigkeiten von Wärme- und Stoffaustausch auf niedrigerem Niveau. Der Wärmeübergang hinkt demgemäß dem Stoffübergang nach. Jedoch ist der Wärmeübergangskoeffizient bei Kohlendioxid im Vergleich zu Luft um rund 12 % größer (Merkel 1927).

Stickstoff und Kohlendioxid werden vor allem angewendet, wenn eine Oxidation wertgebender Inhaltsstoffe des Trocknungsgutes während des Trocknungsvorganges vermieden werden soll. Außerdem wirken diese Inertgase bakteriostatisch. Im Bereich der Trocknung von Lebensmitteln wirken sich diese Eigenschaften qualitätsfördernd aus.

Andererseits will man durch den Einsatz eines Inertgases verhindern, dass eventuell aus dem Trocknungsgut ausgasende, explosive Gase zur Zündung gelangen könnten. So können pharmazeutische Produkte auch alkoholische Lösungsmittel wie Ethanol, Methanol oder Aceton enthalten, wenn schwerlösliche oder hydrolyseempfindliche Wirkstoffe verarbeitet werden. In Tab. 2.6 werden die temperaturabhängigen Verdampfungsenthalpien von Lösungsmitteln im Vergleich zu Wasser aufgeführt (Pawlow 1972).

Tab. 2.6

Führt für Lösungsmittel die temperaturabhängigen Verdampfungswärmen (kJ/kg) bei Umgebungsdruck von 101325 Pa auf (Pawlow 1972)

Deutlich ist zu erkennen, dass im Vergleich zu Wasser alle anderen Lösungsmittel kleinere Verdampfungswärmen aufweisen und der spezifische Energiebedarf pro kg Feuchtigkeit geringer ausfällt. Der Anteil der Feststofferwärmung am Gesamtwärmebedarf ist deshalb bei der Trocknung von lösungsmittelfeuchten Produkten im Vergleich zu Wasser deutlich höher und darf für die energetische Berechnung keinesfalls vernachlässigt werden (Roeder 1973).

Berechnungsbeispiel 2.4

1000 kg/h eines pharmazeutisches Produktes in Tablettenform soll von W1 = 25 % Feuchtegehalt auf W2 = 0,5 % Feuchtegehalt getrocknet werden. Im ersten Fall werde bei einer Temperatur von 20 ℃ Wasser entfernt, im zweiten Fall soll Ethanol verdunstet werden. Die notwendige Verdampfungsenthalpie errechnet sich allgemein zu:

$${\dot{\text{Q}}}_{\text{V}} = {\dot{\text{M}}}_{1} - {\dot{\text{M}}}_{1} *\Delta {\text{h}}_{\text{v}} *\left( {\frac{{1 - {\text{W}}_{1} }}{{1 - {\text{W}}_{2} }}} \right)$$

(2.23)

Für das wasserfeuchte Gut gilt:

$${\dot{\text{Q}}}_{\text{V}} = 1000\frac{\text{kg}}{\text{h}} - 1000\frac{\text{kg}}{\text{h}}*2445\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}*\left( {\frac{1 - 0{,}25}{1 - 0{,}005}} \right) = 602.035\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} = 167{,}2\;{\text{kW}}$$

Für das ethanolfeuchte Gut gilt:

$${\dot{\text{Q}}}_{\text{v}} = 1000\frac{\text{kg}}{\text{h}} - 1000\frac{\text{kg}}{\text{h}}*913\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}*\left( {\frac{1 - 0{,}25}{1 - 0{,}005}} \right) = 224.089\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} = 62{,}4\;{\text{kW}}$$

Der stündliche Energiebedarf für das wasserfeuchte Produkt ist 2,68-fach höher als derjenige für das ethanolfeuchte Gut.

Praxisbezug

Der tatsächliche stündliche Wärmebedarf eines industriellen Trockners liegt höher, da bei obiger Berechnung Wärmeverluste, Abluftverluste, zusätzliche Bindungsenthalpie der Feuchte im niedrigen Feuchtegehaltsbereich und der Wärmebedarf für die Anwärmung des Gutes und der Luft auf Abluftemperaturniveau unberücksichtigt bleiben.

Im Anhang A2.1 werden Tabellen und Berechnungsvorschriften der für die konvektive Trocknung wichtigen Eigenschaften der unterschiedlichen Trocknungsgase wie Luft, Wasserdampf und Abgasen sowie einiger aus dem Trocknungsgut zu entfernenden Flüssigkeiten aufgelistet. Für Computerberechnungen werden auch Zahlenwertgleichungen angegeben. Auch Diagramme für eine schnelle überschlägige Ermittlung von Gaseigenschaften werden dargestellt. Ferner wird auf die Bedeutung der Strömungsgeschwindigkeit für die technische Anwendung in den Bereichen Erwärmen, Kühlen und Trocknen in Tabellenform eingegangen.

2.2.2 Trocknungsverlauf und -abschnitte der Konvektionstrocknung

Im Fall der Konvektionstrocknung wird vom Trocknungsgas Energie an das Trocknungsgut übertragen, wobei vor allem die Temperaturdifferenz zwischen dem Gas und der Oberfläche des Gutes von Bedeutung ist. Streicht Luft über eine feuchte Oberfläche, so stellt sich in Abhängigkeit von den Parametern der Luft bzw. des Gases – Druck, Temperatur und relative Feuchtigkeit – eine konstante Oberflächentemperatur ein. Andererseits nimmt das Gas den Dampf auf und sorgt für dessen Abtransport. Die Intensität des Dampftransportes hängt von der Dampfpartialdruckdifferenz zwischen dem Trocknungsgas und der Gutoberfläche ab.

Die Trocknungszeit verkürzt sich mit steigendem Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Abb. 2.1 veranschaulicht den Einfluss der Gestalt des Trocknungsgutes bei einer Trocknungslufttemperatur von 70 ℃, einem Wasserdampfteildruck von rund 2200 Pa und einer Überströmgeschwindigkeit von 2 m/s für Kugeln, Zylinder und zweiseitig überströmte Platten auf die Trocknungszeit (Kröll 1962). Die zu entfernende Wassermenge wurde mit 500 kg/m³ angesetzt. Mit zunehmender Plattendicke bzw. größer werdendem Teilchendurchmesser steigt die Trocknungszeit. So trocknet eine 100 mm Dicke Platte in 44 h, wenn alle Feuchte über die Oberfläche verdunsten kann. Dagegen liegt die Trocknungszeit einer 1/100 mm dicken Platte bei nur 16 s. Die Trocknungszeiten verlängern sich, sobald keine reine Oberflächenverdunstung mehr vorliegt. Dies wird durch die schraffierten Bereiche dargestellt. Jedoch sind dies theoretische Werte, da wie in den nachfolgenden Abschnitten dargestellt, produktspezifische Eigenschaften eine Rolle spielen.

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Abb. 2.1

Einfluss der Gestalt des Trocknungsgutes auf die Trocknungszeit bei reiner Oberflächenverdunstung (Kröll 1962)

Bei der Konvektionstrocknung von hygroskopischen Trocknungsgütern unterscheidet man zwischen drei Trocknungsabschnitten. Nachfolgende Abb. 2.2 zeigt in drei Bildern den Trocknungsverlauf eines kapillar-porösen Festgutes, wobei in a) der Feuchtegrad X über der Zeit t, in b) die Trocknungsgeschwindigkeit dX/dt über der Zeit t und in c) die Trocknungsgeschwindigkeit dX/dt über dem Feuchtegrad X aufgetragen sind.

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Abb. 2.2

a/b/c Trocknungsverlauf eines kapillar-porösen Gutes mit der Anwärmphase und den drei Trocknungsabschnitten (Sattler 1988)

Zwischen Punkt A und B wird das Trocknungsgut in der Anwärmphase auf die Verdunstungstemperatur bzw. die dem Zustand der Trocknungsluft entsprechende Oberflächentemperatur erwärmt. Der erste Trocknungsabschnitt im Bereich der Punkte B bis C ist gekennzeichnet durch eine gleichbleibende Verdunstungsgeschwindigkeit und eine konstante Oberflächentemperatur. Die Trocknungsgeschwindigkeit hängt in dieser Phase ausschließlich vom Zustand des Trocknungsgases und dem Wärme- bzw. Stoffübergang ab. Im Punkt C hat das Gut den ersten Knickpunkt XG, K1 erreicht. Trocknungsgüter mit sehr kleinen Querschnitten, z. B. dünne Messerfurniere mit Dicken von kleiner 1 mm trocknen praktisch ausschließlich im ersten Trocknungsabschnitt. Trocknungsgüter mit größeren Querschnittsabmessungen hingegen weisen auch noch einen zweiten und eventuell dritten Trocknungsabschnitt auf. Im zweiten Trocknungsabschnitt von C nach D kann nicht mehr ausreichend Feuchtigkeit über kapillare Leitung oder Diffusion an die Oberfläche transportiert werden, so dass diese austrocknet und der sogenannte Trocknungsspiegel, d. h. die Grenze zwischen austrocknenden und noch feuchten Gutbereichen nach innen wandert. Die Trocknungsgeschwindigkeit verringert sich und hängt in dieser Phase von der Wärmeleitung durch die bereits ausgetrockneten Gutschichten, von der über die Kapillaren aus dem Gutinneren an den Trocknungsspiegel geleitete Feuchte, von der Dampfdiffusion der Feuchte vom Trocknungsspiegel an die Gutoberfläche und vom Stoffübergang des Dampfes in das Trocknungsgas ab (Sattler 1988). Die Gutoberflächentemperatur beginnt anzusteigen, zeitverzögert nimmt auch die Temperatur im Gutinneren zu. Bei nichthygroskopischen Trocknungsgütern endet die Trocknung im Punkt F, wobei die Feuchte vollständig entfernt werden kann. Viele Trocknungsgüter zeigen jedoch hygroskopisches Verhalten, die gebundene Feuchte weist in diesem Fall einen niedrigeren Dampfdruck als die Flüssigkeitsfeuchte bei gleicher Bezugstemperatur auf (Sattler 1988). Wird an allen Stellen des Trocknungsgutes der größtmögliche hygroskopische Feuchtegrad XG, K2 erreicht, verringert sich die Trocknungsgeschwindigkeit erneut und die Phase des dritten Trocknungsabschnittes beginnt. Das Gut trocknet bis sich ein Sorptionsgleichgewicht zwischen ihm und der umgebenden Trocknungsluft einstellt. Hier ist anzumerken, dass der Sättigung des Trocknungsgases allein durch den gewünschten Endfeuchtgehalt für eine bestimmte Guttemperatur eine Grenze gesetzt ist und deshalb die Sättigung – wie es aus energetischen Gründen angebracht erscheint – nicht zu hoch getrieben werden darf. Im dritten Trocknungsabschnitt geht die Trocknungsgeschwindigkeit gegen Null und es wird ein minimaler Feuchtegrad XG, E erreicht. Die Guttemperatur nähert sich asymptotisch der Gastemperatur. Aus diesem Grund muss bei temperaturempfindlichen Trocknungsgütern die Gastemperatur bereits im zweiten Trocknungsabschnitt abgesenkt werden und darf im dritten Trocknungsabschnitt nicht mehr über der maximal zulässigen Guttemperatur liegen. Tab. 2.7 führt maximal zulässige Trocknungstemperaturen vor allem für temperaturempfindliche Lebensmittel auf.

Tab. 2.7

Maximale Guttemperaturen verschiedener Trocknungsgüter mit Schwerpunkt im Bereich Lebensmittel und Arznei- und Gewürzpflanzen (Heindl und Müller 2010) (Werte aus der industriellen Praxis)

aTrocknung nur mit entfeuchteter Luft möglich

bIm mittleren Trocknungsabschnitt

cgegen Ende der Trocknung

Praxisbezug

Die Abstufung der Trocknungsgastemperatur und die Anpassung an den Trocknungsverlauf des Gutes sind in Trocknern mit mehreren Wärmetauschern zur Gaserwärmung leicht zu realisieren. Falls nur ein Wärmetauscher beigestellt wird, kann über einen Warmluftabzweig aus dem Hauptvolumenstrom das Temperaturniveau für die Endtrocknungszone durch Zumischen von Frischluft abgesenkt werden.

Praxisbezug Manche Trocknungsgüter mit einer hohen Konzentration an bestimmten Inhaltsstoffen zeigen bei aggressiver Konvektionstrocknung – also hohe Gastemperaturen, hohe Gasgeschwindigkeiten und niedrige Gasfeuchten – das Phänomen der Oberflächenverhornung. Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz, Stärke oder Proteine wandern mit dem hohen Feuchtigkeitsaustrag an die Oberfläche und konzentrieren sich dort auf. Trocknet die oberste Schicht aus, so bildet sich eine Barriere, welche den weiteren Transport von Feuchte an die Trockengutoberfläche behindert und damit die Trocknung des Gutinneren stark verzögert. Ein derartiger Effekt tritt beispielhaft bei der Trocknung von Kartoffeln (Stärkebarriere), Klärschlamm (Proteinbarriere) oder Früchten (Zuckerbarriere) auf. In der Kartoffeltrocknung geht man dazu über, dass nach einer ersten Phase mit hoher Trocknungsgeschwindigkeit eine Ruhephase ohne Gaskontakt geschaltet wird, um dem Trocknungsgut Zeit für diffusive Ausgleichsvorgänge zu geben. Damit wird eine Verhornung verhindert oder zumindest abgemindert.

In der in Abb. 2.3a dargestellten Desorptionsisotherme wird der Gleichgewichtszustand zwischen der relativen Luftfeuchte $${\upvarphi }$$ des Trocknungsgases und dem Gutfeuchtgrad XG dargestellt (Sattler 1988). Deutlich sind die einzelnen Bereiche der gebundenen Feuchte, der freien Feuchte sowie der, beim jeweiligen Zustand des Trocknungsgases entfernbaren und nicht entfernbaren Feuchte dargestellt. Eine Zuordnung der Bindung der Feuchte im Gut in Form von Kapillarkondensation (Thompson), Mehrschichtadsorption (Brunauer Emmet Teller) und Einschichtadsorption (Langmuir) in Abhängigkeit vom relativen Dampfdruckverhältnis erfolgt ebenfalls. Eingezeichnet ist auch der erreichbare Endfeuchtegrad XG, E, wobei die relative Luftfeuchtigkeit $${\upvarphi }$$ (relatives Dampfdruckverhältnis) in diesem Fall 20 % beträgt. Die Sorptionskurven verdeutlichen ferner, dass mit steigender Temperatur $$\upvartheta$$ (Guttemperatur = Lufttemperatur) bei gleichem relativen Dampfdruckverhältnis ein kleinerer Endfeuchtegrad erreicht werden kann oder dass die für die gewünschte Endfeuchtegrad die relative Luftfeuchte höher sein darf.

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Abb. 2.3a

Desorptionsisotherme für ein hygroskopisches Gut (Sattler 1988)

Man muss jedoch berücksichtigen, dass diese Kurven einen Gleichgewichtszustand darstellen, der sich erst nach sehr langer Zeit einstellt. Will man deshalb bei industriellen Trocknern in annehmbarer Zeit einen gewünschten Endfeuchtegrad erreichen, so muss eine genügend große Differenz der Dampfdruckverhältnisse angelegt werden, d. h. die relative Feuchte des Trocknungsgases muss deutlich unterhalb der relativen Gleichgewichtsfeuchte liegen.

Die Lage von Desorptionsisthermen von Rotklee, Kartoffeln und Zuckerrüben in Abhängigkeit von der Temperatur wird in Abb. 2.3b dargestellt (Thesmer 1979).

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Was die anderen über Praxisbuch Horden- und Flächentrocknung denken

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