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Integrative Medizin: Evidenzbasierte komplementärmedizinische Methoden
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eBook3.179 Seiten22 Stunden

Integrative Medizin: Evidenzbasierte komplementärmedizinische Methoden

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Über dieses E-Book

Integration ist in der Gesellschaft zu einem Schlüsselbegriff geworden – auch in der Medizin. Die ganzheitliche Anwendung unterschiedlicher medizinischer Konzepte kann zu einer Steigerung der Therapieeffekte und zu einer Reduktion der Kosten im Gesundheitswesen führen.

Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Methoden innerhalb der Komplementärmedizin sowie die entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Ansätze. Eine Besonderheit dieses Buches ist die Darstellung der jeweiligen evidenzbasierten Studienlage, die sich insgesamt deutlich verbessert hat und die Möglichkeiten der Integration in das bestehende westliche Medizinsystem untermauert. Berücksichtigt werden ferner die naturwissenschaftlichen Grundlagen, rechtlich-ethische Aspekte der Ganzheitsmedizin und der Stand der europäischen Forschungsbemühungen.

Dieses Kompendium soll somit dazu dienen, die Grundlagen für eine Ergänzung des gegenwärtigen konventionellen medizinischen Alltags zu schaffen. Es soll das große Potenzial und den Umfang der Medizinkunst aufzeigen und dazu beitragen, die Ganzheitlichkeit der Medizin wiederherzustellen und das umfangreiche Wissen der klinischen Erfahrungsheilkunde gleichrangig in die westliche Medizin zu integrieren.


SpracheDeutsch
HerausgeberSpringer
Erscheinungsdatum13. Okt. 2019
ISBN9783662488799
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    Buchvorschau

    Integrative Medizin - Karin Dembowsky

    Hrsg.

    Michael Frass und Lothar Krenner

    Integrative Medizin

    Evidenzbasierte komplementärmedizinische Methoden

    Mit Beiträgen von Karin Dembowsky

    Unter Mitarbeit von Karin Dembowsky

    ../images/339449_1_De_BookFrontmatter_Figa_HTML.png

    Hrsg.

    Prof. Dr.Michael Frass

    Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

    Dr.Lothar Krenner

    Österreichischer Dachverband für ärztliche Ganzheitsmedizin, Wien, Österreich

    ISBN 978-3-662-48878-2e-ISBN 978-3-662-48879-9

    https://doi.org/10.1007/978-3-662-48879-9

    © Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

    Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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    Umschlaggestaltung: deblik Berlin

    Springer ist ein Imprint der eingetragenen Gesellschaft Springer-Verlag GmbH, DE und ist ein Teil von Springer Nature.

    Die Anschrift der Gesellschaft ist: Heidelberger Platz 3, 14197 Berlin, Germany

    Geleitwort

    Seit vielen, vielen Jahren belegen Umfragen und statistische Erhebungen, dass ein zunehmender Anteil der Bevölkerung in Europa und den USA im Erkrankungsfall auch mit den Verfahren der Komplementärmedizin, der Naturheilkunde und der traditionellen Medizin behandelt werden möchte. Auch eine zunehmende Anzahl von Ärzten interessiert sich für eines oder mehrere Teilgebiete der traditionellen und modernen Komplementärmedizin. Hierbei ist es ein wichtiges Detail dieser Entwicklung, dass es nicht um eine alternative Medizin geht, sondern um eine ergänzende und verbindende Medizin. Das bringt der Terminus integrative Medizin zum Ausdruck. Integrative Medizin beinhaltet die Kombination von konventioneller Medizin (Schulmedizin) mit den besten Methoden der komplementären Medizin. Diese Form von integrativer Medizin kann Gutes zum Wohle des Patienten leisten und wird zunehmend durch Evidenz aus Studien differenzialtherapeutisch belegt, wenngleich die Forschungsfinanzierungen in diesem Bereich immer noch begrenzt sind.

    Inzwischen sind die Behandlungsanlässe in den Praxen und Ordinationen von Ärzten und Ärztinnen in der Mehrzahl durch die chronischen Erkrankungen bedingt, zumeist von Patienten mit hoher Krankheits- und Beschwerdekomplexität. In diesen chronisch multimorbiden Situationen stößt eine ausschließlich technische und medikamentös orientierte Medizin häufig an ihre Grenzen. Auf der anderen Seite kann die Komplementärmedizin und Naturheilkunde mit ihrem eher systembiologischen Ansatz und der bewussten Berücksichtigung eines ganzheitlichen Ansatzes oftmals gut helfen.

    Mit dem vorliegenden Buch der Kollegen Frass und Krenner wird eine wichtige Publikation für das wachsende Gebiet der integrativen Medizin vorgelegt. Der Anspruch der akademischen Komplementärmedizin und Naturheilkunde ist es letztlich, auch zur Schulmedizin zu werden, allerdings zu einer ganzheitlichen und erweiterten Schulmedizin. Dazu ist es notwendig, das heterogene Spektrum der Verfahren zu sichten, zu strukturieren, die Methoden, ihre Anwendung, Wirksamkeit und Plausibilität zu beschreiben und damit Orientierung zu geben. Genau dieses leistet das vorliegende Werk. In verschiedenen Beiträgen wird der große Rahmen der integrativen Medizin deutlich, von Schnittmengen zur Medizingeschichte, Sozialmedizin, modernen Biologie und sogar der Kunst. Bei der Themenauswahl wird auch deutlich, dass es sich bei der integrativen Medizin um eine im besten Sinne globale Medizin handelt. Nicht nur europäische Verfahren wie die Kneipp-Therapie oder Fasten-Therapie werden zur gezielten Behandlung eingesetzt, sondern auch chinesische Medizin, tibetische oder ayurvedisch-indische Medizin.

    Das vorliegende Buch gibt somit einen hervorragenden Überblick über integrative Ansätze und komplementäre Medizin und ist ein wichtiger Beitrag für die Schaffung einer modernen integrativen Medizin, die unsere Patientinnen und Patienten letztlich auch wünschen.

    Ich wünsche diesem Buch eine angemessene Verbreitung; es wird die sicherlich weiter wachsende Anzahl von Kolleginnen und Kollegen, die Komplementärmedizin und Naturheilkunde für eine erfolgreiche und wirkungsvolle Behandlung ihrer Patienten erlernen, gut begleiten.

    A. Michalsen

    Berlin

    Herbst 2018

    Vorwort

    Die zunehmenden Problembereiche in unserem Gesundheitssystem zeigen die Notwendigkeit einer Erweiterung des medizinischen Weltbildes an. Ärztliches Handeln muss zurückfinden zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Medizin als Wissenschaft und Medizin als Heilkunst.

    Das vorliegende Kompendium hat u. a. den Zweck, die Grundlagen für eine Ergänzung des gegenwärtigen konventionell-schulmedizinischen Alltags zu schaffen. Es soll das große Potenzial und den Umfang der Medizinkunst aufzeigen und dazu beitragen, die Ganzheitlichkeit der Medizin wiederherzustellen und das umfangreiche Wissen der klinischen Erfahrungsheilkunde gleichwertig in die Medizin zu integrieren.

    Gesundheit wird in unserem gegenwärtigen Gesundheitssystem immer mehr zur Ware degradiert und zunehmend von Ökonomen bestimmt. In dieser Form wird dieses System früher oder später scheitern. Wenn wir dies verhindern wollen, ist es höchste Zeit, die weltanschaulichen Blockierungen immer größer werdender Bereiche der Medizin – in erster Linie Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin – zu überwinden und zu einer ganzheitlichen Medizin zurückzufinden.

    Dieses Buch dokumentiert u. a. die Tatsache, dass im Bereich der ärztlichen Komplementärmedizin umfangreiches Studienmaterial vorliegt; es widerlegt damit das häufig anzutreffende Vorurteil, konventionelle Schulmedizin gründe sich auf objektiven, wissenschaftlichen Studienergebnissen (evidenzbasiert), komplementäre Heilmethoden dagegen nicht. Abgesehen von diesem Missverständnis gibt es zum Thema evidenzbasierte Medizin (EbM) sehr unterschiedliche und teilweise gegensätzliche Meinungen. In der ursprünglichen Diskussion wurde dieser Begriff in einer wesentlich umfassenderen Form verstanden, als dies heute der Fall ist (David L. Sackett et al., BMJ 1996; 312: 71). Gegenwärtig ist EbM primär eingegrenzt auf „ best external evidence ". Dies führt zu einer Minderung der Behandlungseffizienz beim einzelnen, individuellen Patienten. Neben den unbestrittenen Vorteilen entsteht durch den einseitigen EbM-Ansatz, so wie er heute primär verstanden wird, Unsicherheit in der Ärzteausbildung, bei der Erstellung von Leitlinien und in der täglichen Arbeit der Ärzte in der Praxis.

    Trotz der Erfolge der modernen Medizin ist die Entwicklung des Gesundheitszustands der Bevölkerung nicht befriedigend. Laut WHO treten in Zukunft – neben der Zunahme chronischer Erkrankungen (und Infektionskrankheiten mit neuen bzw. antibiotikaresistenten Keimen) – die modernen Epidemien speziell im Bereich der Lebensstilmedizin auf (bis 2030 sollen über 50 % der europäischen Bevölkerung übergewichtig bzw. fettleibig sein, mit den daraus folgenden negativen Auswirkungen speziell auf das Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-System) ( European Congress on Obesity , Mai 2015, Prag, ► http://​easo.​org ). Ähnliche Voraussagen existieren im Bereich Stressbelastungen und Burnout-Symptomatik.

    Unser Gesundheitssystem erfordert eine Änderung der gegenwärtigen Rahmenbedingungen sowie ein zusätzliches, ganzheitliches medizinisches Know-how, das einerseits die Schwerpunkte auf Gesundheitserziehung und Bewusstseinsbildung – und damit auf der Prävention von Krankheiten – hat, und das andererseits ganzheitliche Therapiezugänge zur Behandlung chronischer Erkrankungen anbietet. Die medizinische Ausbildung muss dem Arzt das Wissen vermitteln, den Menschen in seiner Ganzheit und Individualität „zu begreifen".

    In diesem Kompendium sind neben den etablierten Methoden der Komplementärmedizin die zusätzlichen Bereiche der traditionellen Erfahrungsheilkunde bzw. der nicht primär pharmakologisch orientierten und technisch-interventionellen Medizin dargestellt. Dies sind u. a. Physiotherapie, Sporttherapie, manuelle Medizin, Phytotherapie, Balneologie, psychotherapeutische und psychosomatische Medizin, ganzheitliche Zahnheilkunde, Kunst- und Musiktherapie.

    Einige diagnostische Methoden werden exemplarisch in einer eigenen Sektion vorgestellt. Weitere umfangreiche Informationen finden sich in den jeweiligen Beiträgen zu den spezifischen Methoden.Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht. Links, bei denen das letzte Zugriffsdatum nicht explizit vermerkt ist, wurden im Juli 2018 auf ihre Gültigkeit überprüft.

    Wir glauben, dass dieses Projekt einen notwendigen und sinnvollen Beitrag leisten kann, um das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen „medizinischen Weltbildern zu fördern und zu vertiefen, den Bereich der Vorsorgemedizin auf eine neue Grundlage zu stellen sowie das konventionell-schulmedizinische Therapiespektrum zu erweitern, damit die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und die Finanzierung des Gesundheitssystems auf Dauer zu sichern. So hoffen wir, dass dieses Buch einen Anstoß gibt für ein grundsätzliches Umdenken bei den Entscheidungsträgern unseres Gesundheitssystems. Der Weg der „gewohnten Bahnen und der Kompromisse wird uns einer dauerhaften, sinnvollen Lösung nicht näher bringen. Wir müssen bereit sein für „Neues" – für neues ganzheitsmedizinisches Wissen, das im gegenwärtigen Gesundheitssystem in einem noch zu geringen Ausmaß angewendet wird.

    Mit dem Abschluss dieses besonderen Standardwerks mit Schwerpunkt auf der evidenzbasierten Komplementärmedizin möchten wir an dieser Stelle auch unserem Wunsch Ausdruck verleihen, dass die beiden „Ufer" der integrativen Medizin in einem ergänzenden Werk über die Anwendung der konventionellen Schul- und der Komplementärmedizin in der Praxis verbunden werden sollten.

    Die Herausgeber danken allen Autorinnen und Autoren für ihre Mitarbeit.

    Besonders bedanken möchten wir uns bei Frau Karin Dembowsky; ihre engagierte Mitarbeit ging über die einer Lektorin weit hinaus. Nur durch ihre fachliche Kompetenz, ihren einfühlsamen Umgang mit den Autoren, ihre Initiative und ihre Ausdauer ist es möglich geworden, dieses Werk in dieser qualitativ hochwertigen Form zu vollenden. Wir haben ihr einstimmig den Titel „Herausgeberin h.c." verliehen.

    Den Mitarbeitern des Verlages gebührt Dank für den Mut und die Bereitschaft, dieses besondere Werk in dieser Form zu publizieren, sowie für die große Geduld, sodass es – trotz aller Konzept-Adaptierungen während der Entstehungsgeschichte und damit verbundenen Terminüberschreitungen – zwar verzögert, dafür aber umfassend abgeschlossen werden konnte.

    Univ. Prof. Dr. Michael Frass

    Dr. Lothar Krenner

    Österreichischer Dachverband für ärztliche Ganzheitsmedizin

    www.​ganzheitsmed.​at

    Wien

    Herbst 2018

    Abkürzungsverzeichnis

    ÄApprO

    Approbationsordnung für Ärzte

    ACh

    Acetylcholin

    ACTH

    adrenokortikotropes Hormon

    AGE

    advanced glycation end products

    AK

    Applied Kinesiology

    APOA1

    Apolipoprotein A1

    APP

    Amyloid-Präkursor-Protein

    AT

    autogenes Training

    ATP

    autogene Psychotherapie

    BisGMA

    Bisphenolglycidylmethacrylat

    BPG

    Biphosphoglycerat

    BWS

    Brustwirbelsäule

    CAM

    complementary and alternative medicine

    CAN

    kardiale autonome Neuropathie

    CAVK

    zerebrale arterielle Verschlusskrankheit

    CIM

    complementary and integrative medicine

    CMD

    kraniomandibuläre Dysfunktion

    CNV

    kontigente negative Variation der Hirnströme

    COPD

    chronisch obstruktive Lungenerkrankung

    CRH (syn. CRF)

    Kortikotropin-Releasing-Hormon

    CRP

    C-reaktives Protein

    CSPG

    Chondroitinsulfat-Proteoglykane

    DAN

    diabetische autonome Neuropathie

    DAO

    Diaminoxidase

    DEV

    Droge-Extrakt-Verhältnis

    DHA

    Docosahexaensäure

    DHEA

    Dehydroepiandrosteron

    DMPS

    Dimercaptopropansulfonsäure

    DMSA

    Dimercaptobernsteinsäure

    DMSO

    Dimethylsulfoxid

    DNA

    Desoxyribonukleinsäure

    DPPH

    1,1-Diphenyl-2-Picrylhydrazyl

    EAV

    Elektroakupunktur nach Voll

    EbM

    evidenzbasierte Medizin

    ECM

    extrazellulläre Matrix

    EEG

    Elektroenzephalogramm

    EKG

    Elektrokardiogramm

    EMG

    Elektromyogramm

    EPA

    Eicosapentaensäure

    ESBL

    Extended-Spectrum-β-Lactamasebildner

    FMD

    funktionelle Myodiagnostik

    FODMAPs

    fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole

    FP5 und FP7

    5. und 7. Rahmenprogramm der Europäischen Forschungsförderung

    GABA

    γ-Aminobuttersäure

    GEB

    große Eigenblutbehandlung

    GKV

    gesetzliche Krankenversicherung

    GMP

    Good Manufacturing Practice

    GPx1

    Glutathionperoxidase

    HAA

    heterozyklische aromatische Amine

    HDL

    high-densitiy lipoprotein

    HEMA

    2-Hydroxyethylmethacrylat

    HFI

    hereditäre Fruktoseintoleranz

    HIK

    habituelle Interkuspidationsposition

    HIT

    Histaminintoleranz

    HLA

    humanes Leukozytenantigen

    HPA-Achse

    Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse

    HRV

    Herzratenvariabilität

    HSPG

    Heparansulfat-Proteoglykane

    HWS

    Halswirbelsäule

    IFN

    Interferon

    IL

    Interleukin

    IM

    integrative medicine

    KEB

    kleine Eigenblutbehandlung

    KHK

    koronare Herzkrankheit

    KiSS-Syndrom

    kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung

    LDL

    low-densitiy lipoprotein

    LPL

    Low-power-Laser (Softlaser)

    LTT

    Lymphozytentransformationstest

    LWS

    Lendenwirbelsäule

    MAPS

    Mikroakupunktursystem

    MBSR

    Mindfulness-Based Stress Reduction

    MBT

    Mind-Body-Therapien

    MMA

    Methylmalonsäure

    MRSA

    methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

    MRT (MRI)

    Magnetresonanztomographie

    MTHFR

    Methylentetrahydrofolatreduktase

    MWM

    moderne westliche Medizin

    NF-κB

    kappa light-chain-enhancer of activated B cells

    NICO

    neuralgieinduzierende hohlraumbildende Osteonekrose

    PAK

    polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

    PAVK

    periphere arterielle Verschlusskrankheit

    PCI

    perkutane koronare Intervention

    PDI

    photodynamische Inaktivierung

    PECM

    perineuronale extrazelluläre Matrix

    PEK

    Projekt Evaluation Komplementärmedizin

    PG/GAG

    Proteoglykane und Glykosaminoglykane

    PNI

    Psychoneuroimmunologie

    PNIEE-Komplex

    psychoneuroimmunoenteroendokriner Komplex

    PNS

    peripheres Nervensystem

    PPI

    Protonenpumpenhemmer

    RAAS

    Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

    RAC

    aurikulokardialer Reflex

    RCT

    randomisierte kontrollierte Studie

    RDS

    Reizdarmsyndrom

    RNA

    Ribonukleinsäure

    ROS

    reaktive Sauerstoffverbindungen

    RPE

    rating of perceived exertion (Anstrengungsempfinden)

    RR

    Blutdruck

    RSA

    respiratorische Sinusarrhythmie

    SAM

    S-Adenosyl-Methionin

    SAM-Achse

    sympathoadrenomedulläre Achse

    SGR

    System der Grundregulation (Grundsystem)

    SNA

    spezifische Nukleinsäuren

    SNPs

    single nucleotide polymorphisms

    SOD

    Superoxiddismutasen

    SRK

    segmentalregulatorischer Komplex

    TAM

    traditionelle asiatische Medizin

    TCM

    traditionelle chinesische Medizin

    TEGDMA

    Triethylenglykoldimethacrylat

    TEM

    traditionelle europäische Medizin

    TENS

    transkutane elektrische Nervenstimulation

    TGI

    tiergestützte Intervention

    TIM

    traditionelle indische Medizin

    TM

    transzendentale Meditation

    TMD

    temporomandibuläre Dysfunktion

    TNF

    Tumornekrosefaktor

    VNS

    vegetatives (autonomes) Nervensystem

    YNSA

    Yamamotos neue Schädelakupunktur

    ZNS

    Zentralnervensystem

    Inhaltsverzeichnis

    I Einführung

    1 Integrative Medizin – die Wiederentdeckung​ der Ganzheit 3

    Lothar Krenner

    2 Medizin – eine Disziplin zwischen Naturwissenschaf​t und Kunst 23

    Herbert Pietschmann

    3 Die Bedeutung der Komplementärmedi​zin in Gesellschaft und Gesundheitssyste​m 35

    Manfred Maier

    II Grundlagen

    4 Quantenphysikali​sche Grundlagen der integrativen Medizin 45

    Bernd Zeiger

    5 Medizin:​ naturwissenschaf​tlich-reduktionistisch​ vs.​ integrativ-ganzheitlich 91

    Wolfgang Marktl

    6 Naturwissenschaf​tliche Modellierung physiologischer Prozesse:​ Rückkopplung, Nichtlinearität und Chaos 93

    Karl W. Kratky

    7 Niederenergetisc​he Bioinformation 117

    Otto Bergsmann, Wolfgang Marktl und Roswitha Bergsmann

    8 Das System der Grundregulation – Drehscheibe mit Schlüsselfunktio​n für Organismus und Ganzheitsmedizin​ 137

    Hartmut Heine, Otto Bergsmann und Roswitha Bergsmann

    9 Resilienz:​ der Weg der Krankheitsbewält​igung 173

    Raimund Jakesz

    III Spezielle diagnostische Methoden der Komplementärmedizin

    10 Herzratenvariabi​lität 181

    Olaf Hoos

    11 Physioenergetik – holistische Kinesiologie 199

    Margot Van Assche

    12 Funktionelle Myodiagnostik (Applied Kinesiology) 209

    Margit A. Riedl-Hohenberger und Christian Kraler

    13 Elektroakupunktu​r nach Voll – ein ganzheitliches Diagnose- und Therapiesystem 227

    Elisabeth Wernhart-Hallas

    14 Spezielle TAM-Diagnostik 237

    Gertrude Kubiena, Florian Ploberger und Lothar Krenner

    IV Methoden der integrativen Medizin – integrative Medizin im europäisch-amerikanischen Kulturkreis

    15 Pflanzenheilkund​e 253

    Ulrike Kastner, Wolfgang Kubelka, Petra Zizenbacher, Gerda Dorfinger, Woflgang Steflitsch, Iris Stappen, Barbara Našel und Bärbl Buchmayr

    16 Behandlung des Bewegungsapparat​s 307

    Richard Crevenna, Andreas Kainz, Michael Grössinger, Gabriele Von Gimborn, Hans Tilscher und Norbert Bachl

    17 Homöopathische Medizin – Methode und Anwendungen, Grenzen und Möglichkeiten 381

    Michael Frass und Jutta Gnaiger-Rathmanner

    18 Homotoxikologie 401

    Christian Plaue

    19 Mikroimmuntherap​ie 415

    Ursula Bubendorfer und Petra Blum

    20 Kneippmedizin – traditionelle europäische Medizin 437

    Gebhard Breuss, Rupert Klötzl und Heinz Schiller

    21 Anthroposophisch​e Medizin 455

    Harald Siber

    22 Diagnostik und Therapie nach F.​ X.​ Mayr 481

    Sepp Fegerl und Alex Witasek

    23 Neuraltherapie – Grundlagen und Anwendung 521

    Kurt Gold-Szklarski, Wolfgang Ortner und Johanna Osztovics

    24 Orthomolekulare Medizin 541

    Rainer Schroth

    25 Musischer Ansatz 563

    Gerhard Tucek und Harald Fritz-Ipsmiller

    26 Ganzheitliche Zahnheilkunde 591

    Irmgard Simma-Kletschka und Eva Maria Höller

    27 Grundinformation​ zur medizinischen Anwendung von Ozon 641

    Walter Pleyer und Renate Thiele

    28 Kurmedizin 667

    Wolfgang Marktl, Petra Zizenbacher, Rainer Schroth, Florian Ploberger und Lothar Krenner

    29 Ernährung 699

    Ludwig Kramer, Petra Zizenbacher, Gertrude Kubiena, Florian Ploberger und Lothar Krenner

    30 Komplementärmedi​zinische Methoden bei Krebserkrankunge​n 721

    Leo Auerbach

    V Methoden der integrativen Medizin – integrative Medizin im asiatischen Kulturkreis (traditionelle asiatische Medizin – TAM)

    31 Traditionelle chinesische Medizin 737

    Alexander Meng, Michaela Bijak, Daniela Stockenhuber und Karin Stockert

    32 Traditionelle japanische Medizin 775

    Bernd Kostner, Thomas Wernicke und Daniela Stockenhuber

    33 Tibetische Medizin 807

    Florian Ploberger

    34 Ayurveda, Yoga und transzendentale Meditation – Maharishi Vedische Medizin 827

    Lothar Krenner

    VI Psychotherapeutische und psychosomatische Medizin

    35 Psychotherapeuti​sche Medizin 889

    Marianne Springer-Kremser

    36 Psychosomatische​ Medizin 903

    Marianne Springer-Kremser

    37 Methoden zur Entspannung, Schmerzlinderung​ und Bewusstseinserwe​iterung 919

    Heinrich Wallnöfer, Henriette Walter, Richard Crevenna, Lothar Krenner, Magdalena Singer, Julian Hannemann, Michaela Ott und Christian Schubert

    VII Weitere Methoden

    38 Tiergestützte Intervention mit landwirtschaftli​chen Nutztieren 977

    Walburga Siebenhofer

    VIII Forschung, Recht und Ethik

    39 Komplementär- und integrativmedizi​nische Forschungsprojek​te und Horizont 2020 (8.​ Europäisches Forschungsförder​programm) 993

    Hedda Sützl-Klein

    40 Die universitäre Entwicklung von Naturheilkunde und Komplementärmedi​zin im deutschsprachige​n Raum 1037

    Rainer Stange

    41 Die gesundheitsrecht​liche Situation im Bereich der Komplementärmedi​zin 1049

    Susanne Weiss

    42 Medizinethik und Komplementärmedi​zin 1091

    Franz X. Lackner

    Stichwortverzeic​hnis 1107

    Herausgeber- und Autorenverzeichnis

    Über die Herausgeber

    Michael Frass

    war von 1981–2019 an der Medizinischen Universitätsklinik Wien als Internist, als internistischer Intensivmediziner in leitender Funktion sowie als Leiter der Spezialambulanz „Homöopathie bei malignen Erkrankungen" tätig. Prof. Frass hat ein neues Gerät zur Sicherung der Atemwege sowie zur adäquaten Beatmung im Notfall entwickelt, das in die Richtlinien der American Heart Association und der American Society of Anesthesiologists aufgenommen wurde. Im Bereich der Forschung beschäftigte er sich neben der Evaluation mehrerer Atemwegshilfen auch mit Fragen der internistischen Intensivmedizin sowie mit der klinischen Erforschung der Homöopathie auf den Gebieten Intensivmedizin und begleitende Krebsbehandlung. Die Umsetzung klinischer Forschung in die Praxis auf dem Gebiet der Sicherung des schwierigen Atemwegs im Notfall sowie auf dem Gebiet der Homöopathie war und ist für ihn bis heute steter Anspruch und Herausforderung. Seine jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Kenntnisse an die Leser weiterzugeben, ist seine Motivation für die Herausgabe des vorliegenden Buches.

    Lothar Krenner

    ist Arzt für Allgemeinmedizin mit eigener Praxis in Wien. Er beschäftigt sich seit seiner Studienzeit mit komplementärmedizinischen Methoden, in den letzten 40 Jahren speziell mit Maharishi AyurVeda Medizin in Theorie und Praxis. Er ist seit der Gründung der Österreichischen Ärzte-Gesellschaft für Ayurvedische Medizin – Maharishi Vedische Medizin im Jahr 1995 durch Herrn Dr. Walter Mölk Mitglied des Vorstands. Er nahm an zahlreichen Ayurveda-Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen in Indien, Europa und den USA teil. Neben seiner Tätigkeit in der Ordination und der Durchführung von Vorträgen und Seminaren auf dem Gebiet der Gesundheitserziehung und Bewusstseinsentwicklung liegt sein Schwerpunkt auf der Erarbeitung von Konzepten und Modellprojekten für eine gesunde, gewaltfreie, moderne Stadt der Zukunft.

    Autorenverzeichnis

    Margot Van AsscheDr. med.

    Internationale Akademie für Physioenergetik, Wien, Österreich

    office@m77.eu

    Leo AuerbachUniv.-Ass. Prof. Dr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Begleitende Krebstherapien, Wien, Österreich

    leo.auerbach@meduniwien.ac.at

    Norbert Bachlem. o. Univ.-Prof. Dr. med.

    Institut für Sportwissenschaften, Grund- und Integrativwissenschaftliche Fakultät, Universität Wien, Wien, Österreich

    Roswitha BergsmannDr. med.

    Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED) Wien, Österreich

    r_bergsmann@kabsi.at

    Michaela BijakDr. med.

    Krankenhaus Hietzing mit neurologischem Zentrum Rosenhügel, Akupunktur-Ambulanz, Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Wien, Österreich

    michaela.bijak@wienkav.at

    Petra BlumDr. med.

    Medizinische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (MeGeMIT), Tegernsee, Deutschland

    info@megemit.org

    Gebhard BreussDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Kneippmedizin – traditionelle europäische Medizin, Wien, Österreich

    gebhard@breuss.eu

    Ursula BubendorferDr. med.

    Medizinische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (MeGeMIT), Schwoich, Österreich

    info@megemit.org

    Bärbl Buchmayr

    Eggelsberg, Österreich

    office@baerbl-buchmayr.com

    Richard CrevennaUniv. Prof. Dr., MBA, MSc

    Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Wien, Österreich

    richard.crevenna@meduniwien.ac.at

    Gerda DorfingerDr. med.

    Praxisgemeinschaft Neuerlaa, Wien, Österreich

    labor@dorfinger.at

    Sepp FegerlDr. med.

    Internationale Gesellschaft der Mayr-Ärzte, Kurhotel und Ambulatorium Vollererhof, Puch bei Hallein, Österreich

    sepp@praxisfegerl.at

    Michael FrassAo. Univ.-Prof. Dr.

    Österreichischer Dachverband für ärztliche Ganzheitsmedizin, Mödling, Österreich

    office@ordination-frass.at

    Harald Fritz-IpsmillerMag. art.

    Akademie für Kunsttherapie (AKT), Wien, Österreich

    office@a-kt.at

    Gabriele Von GimbornDr. D.O.

    Österreichische Ärztegesellschaft für Osteopathie, Bad Vöslau, Österreich

    office@drgimborn.com

    Jutta Gnaiger-RathmannerDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin, Feldkirch, Österreich

    dr.jutta.gnaiger@aon.at

    Kurt Gold-SzklarskiDr. med.

    Österreichische Medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung, Wien, Österreich

    kurt.gold@chello.at

    Michael GrössingerDr. med.

    Österreichische Ärztegesellschaft für Osteopathie, Kaltenleutgeben, Österreich

    dr.m.groessinger@gmx.at

    Julian HannemannM. Sc.

    Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie, Innsbruck, Österreich

    Medizinische Universität Innsbruck, Institut für Psychologie Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

    Eva Maria HöllerOMR Dr.

    Zahnärztlicher Interessenverband Österreichs – ganzheitliche Zahnheilkunde, Wien, Österreich

    eva.hoeller@aon.at

    Olaf HoosProf. Dr. phil. habil.

    Fakultät für Humanwissenschaften, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Würzburg, Deutschland

    olaf.hoos@uni-wuerzburg.de

    Raimund JakeszUniv.-Prof. Dr. med.

    Sekretariat für Allgemeinchirurgie/Ebene 7C Allgemeines Krankenhaus Wien, Wien, Österreich

    raimund.jakesz@meduniwien.ac.at

    Andreas KainzPrim. Dr. D.O.

    Österreichische Ärztegesellschaft für Osteopathie, Wien, Österreich

    andreas.kainz1@chello.at

    Ulrike KastnerUniv.-Doz. DDr. (Pädiatrie)

    Österreichische Gesellschaft für Phytotherapie (ÖGPHYT), Maria Enzersdorf, Österreich

    dr.kastner@plus.at

    Rupert KlötzlMag. Dr.

    Österreichische Gesellschaft für Kneippmedizin – traditionelle europäische Medizin, Wien, Österreich

    kloetzl@yahoo.de

    Bernd KostnerDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Wien, Österreich

    kostner@japan-med.at

    Christian Kraler

    Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung, Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

    Christian.Kraler@uibk.ac.at

    Ludwig KramerPrim. Prof. Dr. med.

    I. Medizinische Abteilung mit Gastroenterologie Krankenhaus Hietzing mit neurologischem Zentrum Rosenhügel,, Wien, Österreich

    ludwig.kramer@wienkav.at

    Karl W. KratkyUniv.-Prof. Dr.

    Fakultät für Physik der Universität Wien, Wien, Österreich

    karl.kratky@univie.ac.at

    Lothar KrennerDr. med.

    Österreichische Ärzte-Gesellschaft für Ayurveda Medizin – Maharishi Vedische Medizin, Wien, Österreich

    lothar.krenner@ayurveda.at

    Wolfgang Kubelkaem. Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr.

    Department für Pharmakognosie, Pharmaziezentrum der Universität Wien, Wien, Österreich

    wolfgang.kubelka@univie.ac.at

    Gertrude KubienaProf. Dr. med. Mag. (HNO)

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Wien, Österreich

    gertrude@kubiena.at

    Franz X. LacknerUniv.-Prof. Mag. Dr.

    Klinik für Anästhesie und Intensivpflege, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

    Franz.lackner@meduniwien.ac.at

    Pierre MadlDr. Mag. Ing.

    Fachbereich Chemie und Physik der Materialien, Universität Salzburg, Salzburg, Österreich

    Pierre.Madl@sbg.ac.at

    Manfred Maierem. Univ.-Prof. Dr. med.

    Abteilung Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

    manfred.maier@meduniwien.ac.at

    Wolfgang Marktla.o. Univ.-Prof. Dr.

    GAMED – Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin, Wien, Österreich

    office@gamed.or.at

    Alexander MengProf. Dr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Wien, Österreich

    alexander@meng.at

    Barbara NašelDr. Mag. pharm.

    Apotheke am Reumannplatz, Wien, Österreich

    barbara.nasel@oegwa.at

    Wolfgang OrtnerDr. med.

    Österreichische Medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung, Hof am Leithaberge, Österreich

    wolfgang.ortner@acw.at

    Johanna OsztovicsDr. med.

    Österreichische Medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung, Wien, Österreich

    johannaosztovics@yahoo.de

    Michaela OttM. Sc.

    Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie Medizinische Universität Innsbruck,, Innsbruck, Österreich

    Institut für Psychologie Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

    Herbert Pietschmannem. Univ. Prof. Dr.

    Institut für Theoretische Physik der Universität Wien, Wien, Österreich

    Herbert.Pietschmann@univie.ac.at

    Kristjan PlätzerPriv.-Doz. Dr.

    Fachbereich Zellbiologie und Physiologie, Universität Salzburg, Salzburg, Österreich

    kristjan.plaetzer@sbg.ac.at

    Christian PlaueDr. med.

    Österreichische Ärztegesellschaft für Biologische Regulationsmedizin und Homotoxikologie, Wien, Österreich

    dr.plaue.ordi@chello.at

    Walter PleyerMR Dr. med.

    Österreichische Gesellschaft Ozontherapie, Wien, Österreich

    dr.walter.pleyer@aon.at

    Florian PlobergerDr. med. univ. B. Ac., MA

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Tibetische Medizin, Wien, Österreich

    mail@florianploberger.com

    Margit A. Riedl-HohenbergerDr. med. Dr. med. dent.

    Internationale Ärztegesellschaft für Funktionelle Myodiagnostik – Applied Kinesiology, Innsbruck, Österreich

    praxis@riedl-hohenberger.at

    Heinz SchillerDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Kneippmedizin – traditionelle europäische Medizin, Feldkirchen an der Donau, Österreich

    sekretariat@kneippmedizin.at

    Rainer SchrothDr. med.

    Die Schrothkur GmbH, Obervellach, Österreich

    office@schrothkur.at

    Christian Schubert

    Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

    christian.schubert@i-med.ac.at

    Harald SiberDr. med.

    Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich, Wien, Österreich

    ordination@doktor-siber.at

    Walburga SiebenhoferDr.

    Verein Guat leb’n, Tiergestützte Intervention am Bauernhof, Weiz, Österreich

    tgi@guatlebn.at

    Irmgard Simma-KletschkaUniv. Lekt. Prof. DDr.

    Gesellschaft für ganzheitliche Zahnheilkunde, Bregenz, Österreich

    dr.i.simma@aon.at

    Magdalena SingerMag.

    Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie Medizinische Universität Innsbruck,, Innsbruck, Österreich

    Institut für Psychologie Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

    magdalena.singer@i-med.ac.at

    Marianne Springer-KremserUniv.-Prof. Dr.

    em. Vorstand der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien Wien, Österreich

    marianne.springer-kremser@meduniwien.ac.at

    Rainer StangeDr. med.

    Abteilung Naturheilkunde Immanuel Krankenhaus Berlin,, Berlin, Deutschland

    r.stange@immanuel.de

    Iris StappenAss.-Prof. Dr. Mag. pharm.

    Department für Pharmazeutische Chemie, Universität Wien, Wien, Österreich

    iris.stappen@univie.ac.at

    Woflgang SteflitschDr. med.

    Otto Wagner Spital, Wien, Österreich

    wolfgang.steflitsch@a1.net

    Daniela StockenhuberDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Purkersdorf, Österreich

    daniela.stockenhuber@gmx.at

    Karin StockertDr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Wien, Österreich

    karin.stockert@gmx.at

    Hedda Sützl-KleinMMag. DDr.

    Europäische Gesellschaft für Integrative Gesundheitsforschung, Wien, Österreich

    hedda.suetzl-klein@aon.at

    Renate ThieleDr. med.

    Österreichische Gesellschaft Ozontherapie, Leonding, Österreich

    thiele@a1.net

    Hans TilscherUniv.-Prof. Dr. med.

    Österreichische Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin, Geriatriezentrum am Wienerwald, Wien, Österreich

    hans.tilscher@prof-tilscher.at

    Jens TönnemannDr. med.

    Akademie für Traditionelle Tibetische Medizin Österreich, Innsbruck, Österreich

    Nicole TortikMSc

    Fachbereich Zellbiologie und Physiologie Universität Salzburg,, Salzburg, Österreich

    nicole.tortik@gmail.com

    Gerhard TucekFH-Prof. Priv. Doz. Mag. Dr.

    Institut Therapiewissenschaften, IMC Fachhochschule Krems, Krems, Österreich

    gerhard.tucek@fh-krems.ac.at

    Heinrich WallnöferOMR Dr. med.

    Österreichische Gesellschaft für Angewandte Tiefenpsychologie und Allgemeine Psychotherapie Wien, Österreich

    heinrich@wallnoefer.co.at

    Henriette WalterUniv.-Prof. Dr. med.

    Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

    henriette.walter@meduniwien.ac.at

    Susanne WeissDr. jur.

    Bundesministerium für Arbeit, Soziales Gesundheit und Konsumentenschutz, Rechtsangelegenheiten Ärztinnen und Ärzte Psychologie, Psychotherapie und Musiktherapie, Wien, Österreich

    Susanne.Weiss@sozialministerium.at

    Elisabeth Wernhart-HallasDr. med. dent.

    Zahnärztlicher Interessenverband Österreichs – ganzheitliche Zahnheilkunde, Wien, Österreich

    ordination@wernhart-hallas.at

    Thomas WernickeDr. med.

    Therapiezentrum therapeuticum rhein-main Hochheim-Massenheim, Deutschland

    info@shonishin.de

    Alex WitasekDr. med.

    Internationale Gesellschaft der Mayr-Ärzte, Velm bei Himberg, Österreich

    office@dr-witasek.com

    Bernd ZeigerDr.

    Vorm. Internationales Institut für Biophysik, Kaiserslautern, Bad Ems, Deutschland

    Dr.Zeiger@t-online.de

    Petra ZizenbacherDr. med.

    Naturheilzentrum, Wien, Österreich

    zizenbacher@naturheilzentrum.at

    IEinführung

    Inhaltsverzeichnis

    Kapitel 1 Integrative Medizin – die Wiederentdeckung der Ganzheit – 3

    Lothar Krenner

    Kapitel 2 Medizin – eine Disziplin zwischen Naturwissenschaft und Kunst – 23

    Herbert Pietschmann

    Die Bedeutung der Komplementärmedizin in Gesellschaft und Gesundheitssystem – 35

    Manfred Maier

    © Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

    M. Frass, L. Krenner (Hrsg.)Integrative Medizinhttps://doi.org/10.1007/978-3-662-48879-9_1

    1. Integrative Medizin – die Wiederentdeckung der Ganzheit

    Lothar Krenner¹  

    (1)

    Österreichische Ärzte-Gesellschaft für Ayurveda Medizin – Maharishi Vedische Medizin, Wien, Österreich

    Lothar Krenner

    Email: lothar.krenner@ayurveda.at

    1.1 Das gegenwärtige Gesundheitssystem ist ein „Krankheitssystem"

    1.2 Problembereiche im gegenwärtigen Gesundheitssystem

    1.2.1 Beispiele für den Einsatz der evidenzbasierten Komplementärmedizin

    1.2.2 Allgemeine Überlegungen und statistische Fakten

    1.3 Vorteile der Komplementärmedizin und damit in Verbindung stehende offene Fragen

    1.4 Grundlagen eines neuen modernen medizinischen Weltbildes

    1.4.1 Die Ganzheitlichkeit der Medizin

    1.4.2 Bewusstsein – die Grundbedingung für ganzheitliche Gesundheit

    1.5 Das Potenzial der Medizinkunst

    1.6 Definitionen

    Literatur

    Diesen einleitenden Gedanken über die Notwendigkeit der Weiterentwicklung unserer modernen Medizin hin zu einem auf ganzheitlichem Wissen beruhenden Gesundheitssystem sei ein Satz vorangestellt, der einem der großen Ganzheitsmediziner des europäischen Mittelalters zugeschrieben wird – Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim wurde 1493 in der Schweiz geboren, er verstarb 1541 in Salzburg):

    „… Die höchste Form der Arznei ist die Liebe." (Paracelsus 1564)

    Trotz aller positiven technologischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die ein zentraler, notwendiger Teil des modernen Medizinbetriebs geworden sind, sollte dieser Satz eine Erinnerung an die grundlegende Intention medizinischen Handelns sein mit der primären Absicht, den Patienten in seinem Mensch-Sein ganzheitlich zu erfassen.

    1.1 Das gegenwärtige Gesundheitssystem ist ein „Krankheitssystem"

    Wir leben in einer naturwissenschaftlich orientierten Zeit mit umfangreichen technologischen Entwicklungen. Dies ist möglich geworden durch ein naturwissenschaftliches Weltbild, das ein modellhaftes Abbild der Naturprozesse als Grundlage hat und auf der Denklehre der Logik basiert; damit verbunden ist eine Reduktion der Lebensprozesse auf ein widerspruchsfreies, kalkulier- und berechenbares Maß (► Kap. 4, 5, 6, 7, 8 und 9).

    Der technologische Fortschritt im „äußeren Bereich des Lebens hat ein neues Zeitalter entstehen lassen, mit vielen neuen Möglichkeiten, speziell im Bereich der Computer- und Informationstechnologie. Der „innere Bereich hat mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt gehalten.

    Gerade bei den Lebenswissenschaften, besonders in der Medizin, hat die Übernahme des naturwissenschaftlichen Weltbildes zu einem Verdrängungsprozess in Bezug auf das Wissen über die Ganzheit des Lebens geführt. In der Medizin ist das Mainstream-Denken steckengeblieben im klassischen materialistischen Modell des 19. Jahrhunderts – naturwissenschaftlich orientierte Medizin sieht den Organismus als „mechanische Maschine", deren Teile man reparieren, austauschen oder durch künstliche ersetzen kann. Mit der einseitigen Übernahme dieses mechanistischen Weltbildes entwickelten sich Problembereiche, mit denen nicht nur die moderne Medizin, sondern die Gesellschaft als Ganzes immer intensiver konfrontiert ist.

    „Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind." (Ludwig Wittgenstein, Österreichisch-britischer Philosoph, 1918)

    Ganzheitsmedizin beinhaltet alle Bereiche der Medizin, konventionelle Schulmedizin genauso wie traditionelle Komplementärmedizin. Unser gegenwärtiges Gesundheitssystem fördert jedoch einseitig die konventionelle Schulmedizin, und dies führt zu wachsenden Problemen im Medizinbetrieb:

    Die Schwachpunkte im gegenwärtigen Gesundheitssystem liegen primär in einer einseitigen Umsetzung, nicht so sehr an einem Mangel medizinischen Wissens. Ganzheitliches Wissen und jahrtausendealte medizinische Erfahrung werden vom rein naturwissenschaftlich orientierten „Gesundheits-Establishment" überwiegend ignoriert. Diese Verhaltensweise ist nicht neu, denn wichtige medizinische Entwicklungen und Innovationen, die über die etablierten Konzepte hinausgingen, wurden in der Vergangenheit stets von Widerständen begleitet (dies ist u. a. auch wiederzufinden in der Lebensgeschichte von Paracelsus). Diese Art von Widerstand sollten wir uns heute jedoch nicht mehr leisten.

    Im Rahmen westlicher Gesundheitssysteme findet derzeit eine Auseinandersetzung unterschiedlicher medizinischer Weltanschauungen statt. Die eigentliche Ursache ist die mangelnde Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderem Denken und anderen medizinischen Weltbildern. Der Unterschied zwischen konventioneller Schul- und traditioneller, d. h. in der medizinischen Praxis etablierter Komplementärmedizin ist vergleichbar dem Unterschied zwischen klassischer Physik und Quantenphysik. Es führt zwangsläufig zu Missverständnissen, wenn die quantenphysikalische mit der „klassischen Realität" beurteilt und verglichen werden soll. Die Wirkungsmechanismen der traditionellen Komplementärmedizin lassen sich zum großen Teil nicht mit der klassischen, wohl aber mit der modernen Quantenphysik erklären (► Kap. 2, 4 und 6).

    Es ist nicht so sehr von Bedeutung, Komplementärmedizin „sympathisch zu finden" – die überwiegende Mehrheit der Patienten hat dies für sich seit langem positiv entschieden (gezeigt für Österreich durch Karmasin.Motivforschung 2011; ► Kap. 39) – die Integration ganzheitsmedizinischer Konzepte ist zu einer zentralen Frage der modernen Medizin geworden.

    Das Ziel eines Gesundheitssystems muss sein, den Menschen bestmögliche Medizin anzubieten. Und wenn Medizin wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückkehren soll, nämlich Menschen zu heilen, d. h. sie (wieder) „ganz zu machen", muss sie sich zu einer Ganzheits- bzw. integrativen Medizin entwickeln, indem sie den Menschen das Beste aus allen medizinischen Wissenstraditionen bzgl. Wirksamkeit bei geringsten Nebenwirkungen anbietet (z. B. ► www.​dialogforum-pluralismusinder​medizin.​de, zuletzt abgerufen am 12.08.2018).

    Die Abhängigkeit von Wirtschaftlichkeitsmaximen und Bestrebungen der Gewinnmaximierung vonseiten der „Krankheitsindustrie" müssen auf ein ausgewogenes und vernünftiges Maß beschränkt werden. Die Menschen – auch und besonders die Jugend – müssen zu mündigen und für ihre Gesundheit verantwortlichen Mitgliedern einer gesundheitsorientierten Gesellschaft herangebildet werden. Der Arzt muss entsprechend seiner Berufung als Helfer und Heiler auf seinem Gebiet selbstverantwortlich arbeiten können.

    Mit einem Gesundheitssystem, in dem die Quantität die Qualität erdrückt, wird es nur schwer möglich sein, den Gesundheitszustand der Menschen dauerhaft zu verbessern.

    Die Situation erfordert nicht nur eine Änderung der gegenwärtigen, von der Politik vorgegebenen Rahmenbedingungen, sondern in erster Linie ein zusätzliches, ganzheitliches Know-how im etablierten Medizinbetrieb, das einerseits den Schwerpunkt auf Gesundheitserziehung, Bewusstseinsbildung und damit Prävention von Krankheiten legt und andererseits ganzheitliche Therapiezugänge zur Behandlung chronischer Erkrankungen anbietet. Die medizinische Ausbildung muss dem Arzt das Wissen vermitteln, den Menschen in seiner Ganzheit und Individualität zu „begreifen".

    Die Erfolge der naturwissenschaftlich basierten konventionellen Schulmedizin, speziell in den Bereichen der modernen Diagnostik, der medizinischen Grundlagenforschung (z. B. Biochemie, Pharmakologie, Immunologie und Genetik), der Akut- und Intensivmedizin, der apparativen Medizin und der Chirurgie (minimalinvasive Operationen, computerunterstützte Operationen, Endoprothetik, Organtransplantationen etc.) sind unbestritten. Auftretende Probleme sind systemimmanent und resultieren aus der Anwendung von Teilwissen in spezialisierten Fachdisziplinen. Der Mensch wird in isolierte Teile – Organsysteme – aufgegliedert; seine Ganzheit und Einmaligkeit, die wesentlich mehr ist, als die Summe der Teile, bleibt oft im Hintergrund oder geht ganz verloren. Diese Art von „Reparaturmedizin, die auf einem „objektiven Weltbild beruht, führt zwangsweise zu negativen Auswirkungen, u. a. in Form von Nebenwirkungen (► Abschn. 1.2) und zusätzlich zu Unzufriedenheit bei Patienten und bei im Gesundheitssystem tätigen Menschen (Zeitdruck, Überbelastung und Frustration verstärken den bereits bestehenden Ärztemangel dramatisch). Außerdem entsteht eine Kostenspirale, die diese Art von Gesundheitssystem auf Dauer immer schwieriger finanzierbar macht.

    Der einseitige Glaube an die „Allmacht der konventionellen Schulmedizin beinhaltet die Vorstellung, dass es nur eine Frage der Zeit und der Höhe der Forschungsgelder und des Gesundheitsbudgets sei, bis alle Krankheiten „besiegt sind und das gesunde Leben bis ins hohe Alter eine Realität für alle Menschen sein wird. Um jedoch dieses hehre Ziel realisieren zu können, wird die Bereitschaft benötigt, Medizin zu einer „Wissenschaft des Lebens" zu erweitern und zu ihrer Ganzheitlichkeit zu führen, und zwar als gesellschaftliches Gemeinschaftsprojekt.

    „Die moderne Medizin folgt immer mehr den Kategorien des Marktes. Damit wird das ärztliche Handeln zunehmend wie ein Produktionsprozess behandelt und bewertet. … Die Ökonomie und mit ihr die Bestrebungen der Effizienzsteigerung zwingen unaufhaltsam zur Beschleunigung. Das Diktat des Marktes ist ein Diktat der Zeitökonomie; das heißt nichts anderes, als dass alle Abläufe in den Praxen und Kliniken so beschleunigt werden, dass am Ende das wegrationalisiert wird, worauf es bei der Gesundung von Menschen zentral ankommt, nämlich die Zeit, die Zeit für die Zuwendung. … Unter dem politisch verordneten Zeitdiktat verkümmert eine Kultur des Heilens, … Die Verbindung von Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie, wie sie sich heute vollzieht, bringt einen neuen Arzttypus hervor, und das ist der Arzt als Ingenieur für den Menschen. Der Arzt soll als Angestellter eines Industriekomplexes ‚Gesundheitswesen‘ nicht mehr anbieten als Sachleistungen, die vorher vertraglich vereinbart werden. … Trotz dieser Gefahren der Ökonomisierung lässt sich nicht sagen, dass eine gute Medizin eine Medizin ohne Ökonomie sein müsste. Ganz im Gegenteil. Medizin und Ökonomie sind gerade keine Antipoden; ökonomisches Effizienzdenken kann für die Medizin sehr nützlich sein, wenn es um die Frage geht, wie sich ein medizinisches Ziel ohne Verschwendung, günstig und mit minimalem Einsatz erreichen lässt. Wer den Markt aus der Medizin draußen haben möchte, wird einer Verschwendung von Ressourcen Vorschub leisten, und Verschwendung ist mit einer guten Medizin nicht vereinbar. Da medizinische Güter grundsätzlich knapp sind, ist das ökonomische Denken Voraussetzung dafür, dass möglichst vielen geholfen werden kann. Daher gehört das ökonomische Denken zu einer guten Medizin unabdingbar dazu. … Die Schlussfolgerung kann nicht lauten, dass wir keine Prozessqualität brauchen, denn diese kann Bestandteil einer vertrauenserweckenden Medizin sein, aber sie ist nur ein Teilaspekt unter vielen. … Daher ist es notwendig, dass die Medizin sich auf ihre eigene Identität besinnt und nicht nur das tut, was die Ökonomie von ihr verlangt. Die eigene Identität der Medizin erfordert, dass das belohnt wird, was zu dieser Identität gehört. Der Wert und der Kern des Arztberufs liegen nicht allein in einer ‚Produktion‘ von Gesundheit, sondern er liegt in elementarer Weise darin, dass sich ein professioneller Helfer eines anderen Menschen in seiner Hilfsbedürftigkeit als ganze Person annimmt. Dieses persönliche Engagement wird durch die gegenwärtigen Anreizsysteme der Medizin komplett entwertet. Daher müssen neue Anreize entwickelt werden, damit der Arzt, der sich als ganze Person für seinen Patienten einsetzt, auch strukturell unterstützt wird. Es müssen genau die Ärzte belohnt werden, die mit ihrer Einstellung dazu beitragen, die Medizin als personale Zuwendung erfahrbar zu machen. Das bedeutet auch, dass nicht nur das Resultat einer Maßnahme gemessen werden sollte, sondern auch die Persönlichkeit selbst als Kerngehalt der Therapie mitberücksichtigt werden muss. Dies jedoch wird nicht mit Zahlen gehen. So kommt es darauf an, den Stellenwert der Zahlen zu relativieren und damit zugleich die Vorstellung zu verabschieden, man habe über die Veröffentlichung von Zahlen bereits alles über die Güte einer medizinischen Einrichtung ausgesagt. Das Qualitätsmanagement erfüllt eine spezifische und in manchen Bereichen notwendige Funktion, aber wenn das Qualitätsmanagement alles diktiert und bestimmt, hat man die Seele der Medizin erstickt. Es gibt innerhalb der Medizin Werte, die auch im Zeitalter der Ökonomie nicht geopfert werden dürfen. Daher dürfen Ärzte die Realisierung der Medizin nicht der Ökonomie überlassen, sondern sie müssen darum kämpfen und werben, dass Medizin kein Gewerbe wird, sondern eine soziale Form der Zuwendung bleibt." (Prof. Dr. med. Giovanni Maio, M.A., Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2012)

    1.2 Problembereiche im gegenwärtigen Gesundheitssystem

    Dazu ein Zitat von Univ. Prof. Dr. Gustav Dobos beim Zukunfts-Symposium der Universität Duisburg-Essen, 2015: Wie evidenzbasiert ist die Medizin? Mythen und Vorurteile in der Auseinandersetzung zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin:

    „Die Integrative Medizin ist nicht nur in der adjuvanten Behandlung von Krebs- und Palliativpatienten, vor allem bei der in Zukunft erwarteten großen Anzahl an ‚Cancer Survivors‘ das Modell der Zukunft. Beispielhaft sind auch die zu erwartenden häufigsten Erkrankungen einer alternden Gesellschaft zu nennen, chronische Schmerzen und Depressionen. Eine für diese Konferenz durchgeführte Auswertung der wissenschaftlichen Evidenz für Rücken- bzw. Arthrose-Schmerz und mittelgradige Depressionen durch das Leitlinien-Team meines Lehrstuhls zeigt eine mindestens gleichwertige, häufig auch deutlich bessere Evidenz im Vergleich zu den konventionellen, Leitlinien-orientierten Behandlungen. Insgesamt bietet die Integrative Medizin gerade dort Lösungen, wo die naturwissenschaftliche Medizin mit ihren standardisierten symptomorientieren Methoden an ihre Grenzen kommt. Sie setzt Naturheilkunde als Impuls zur Selbstregulation ein, vermittelt Techniken zur Selbsthilfe, informiert und schult, wirkt kurativ wie präventiv, indem sie auf eine nachhaltige Lebensstiländerung hinzielt. Dabei arbeitet sie sektorenübergreifend und multidisziplinär. Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft mit ihrer hohen Zahl an chronisch Kranken bietet sie die Basis für künftige Modelle der stationären und ambulanten Versorgung."

    Univ. Prof. Dr. med. Andreas Michalsen (Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde, Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Chefarzt Abteilung Naturheilkunde, Immanuel Krankenhaus Berlin) formuliert wie folgt:

    „In Kenntnis der wachsenden Evidenz für die Wirksamkeit von Naturheilkunde gerade bei chronischen Erkrankungen, ihrem Fokus auf Selbstwirksamkeit und gesundem Lebensstil und der konsekutiv geringen Kosten wird die Medizin der Zukunft Naturheilkunde besser implementieren müssen – oder scheitern."

    1.2.1 Beispiele für den Einsatz der evidenzbasierten Komplementärmedizin

    Die folgende Übersicht sowie die Informationen zum Thema Arthrose und Depression entstammen einem Vortrag von Herrn Univ. Prof. Dr. Gustav Dobos (Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte, Lehrstuhlinhaber der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungsprofessur für Naturheilkunde, Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen), gehalten auf dem International Congress for Integrated Health and Medicine, ICIHM 2016, in Stuttgart.

    Die zentralen Probleme in den westlichen Gesundheitssystemen betreffen in erster Linie folgende Punkte:

    Alternde Gesellschaft mit zunehmender Zahl an Patienten mit chronischen Erkrankungen,

    zunehmende Probleme durch Nebenwirkungen moderner Therapien,

    Ökonomisierung der Medizin mit der Folge einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen; Folge davon ist die Entwicklung hin zur Gesundheit als Ware (Maio 2012),

    Überforderung von Ärzten (und medizinischem Personal) und Verlust der Freude am Beruf; Symptome der chronischen Überbelastung nehmen zu; als Folge davon entwickelt sich ein zunehmender Ärzte(Personal)-Mangel.

    Erkrankungen, die in einer alternden Gesellschaft immer häufiger werden und deren Therapie von der konventionellen Schulmedizin nicht befriedigend abgedeckt ist

    Arthrose/Arthritis

    Jede 2. Frau und jeder 3. Mann in Deutschland leidet unter Kniegelenkarthrose. Die konventionelle Therapie besteht in erster Linie aus

    der Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR); bezüglich der Nebenwirkungen von NSAR sind folgende Zahlen dokumentiert:

    number needed to kill 1:1200 (Tramèr et al. 2000),

    16.500 Todesfälle pro Jahr in den USA (Wolfe et al. 1999).

    der arthroskopischen Operation; die Lavage des Kniegelenks führt bei Patienten mit Kniegelenkarthrose weder zu einer Schmerzreduktion noch zu einer Funktionsverbesserung (Reichenbach et al. 2010).

    Neben der unbefriedigenden Situation im Bereich der konventionellen Schulmedizin gibt es eine überzeugende positive Evidenz (Metaanalysen) komplementärmedizinischer Therapien für die Behandlung der Gonarthrose:

    Akupunktur (Manheimer et al. 2010),

    Blutegeltherapie (Lauche et al. 2014),

    Bewegungstherapie (Tanaka et al. 2015),

    Tai Chi (Kang et al. 2011).

    Depression

    Depression ist die häufigste psychiatrische Erkrankung in Deutschland. Antidepressive medikamentöse Therapien wirken offiziell bei ca. 50 % aller Patienten, aber es gibt einen hohen Anteil (31 %) an selective publications, d. h.: Studien, die nicht den gewünschten Outcome zeigen, werden nicht veröffentlicht (Turner et al. 2008). Das bedeutet, die Wirksamkeit der Antidepressiva läge in etwa in der Größenordnung von Plazebo (34,5 %). Außerdem zeigt eine Studie, dass Antidepressiva/SSRI (selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer) primär nur bei schweren Depressionen wirksam sind (Kirsch et al. 2008).

    Auch für Depression gibt es eine positive Evidenz (Metaanalysen) komplementärmedizinischer Therapien, speziell für

    Johanniskraut,

    Yoga und/oder Bewegungstraining,

    tägliche Meditation,

    Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (als Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelzusatz),

    Akupunktur als Monotherapie oder in Kombination mit SSRI,

    Faszienmassagetherapie.

    Krebserkrankungen

    Obwohl Krebs nach wie vor eine lebensbedrohliche Erkrankung ist, zeigen neue Therapieansätze der konventionellen Schulmedizin durchaus positive Entwicklungen. Bei diesem Krank-heitskomplex beschränken sich die komple-mentärmedizinischen Therapien in erster Li-nie auf die Behandlung der Nebenwirkungen und die Stärkung des Immunsystems. Das bedeutet: Anwendung von Vitaminen, Mineralstoffen und Mikronährstoffen sowie Gabe von Mistelpräparaten und pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (► Kap. 30, Komplementärmedizinische Methoden bei Krebserkrankungen).

    Herz-/Kreislauf-Erkrankungen

    Der Einsatz der evidenzbasierten Komplementärmedizin leitet sich aus den Studienergebnissen ab, die belegen, dass Herzinfarkt und Schlaganfall zu 80–90 % durch den Lebensstil bedingt sind (Yusuf et al. 2004).

    1.2.2 Allgemeine Überlegungen und statistische Fakten