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Die Herren der Ruinen (Sperrgebiet Buch 2): LitRPG-Serie
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eBook442 Seiten5 Stunden

Die Herren der Ruinen (Sperrgebiet Buch 2): LitRPG-Serie

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Über dieses E-Book

Die LitRPG-Saga geht weiter! Altai hat es geschafft, im Limbus zu überleben und den begehrten Zugang in die Grüne Zone erhalten, aber das ist nur der Anfang einer neuen Reise. Dank der Errungenschaft „Arm des Gesetzes“ kann der ehemalige planetare Sturmsoldat darauf hoffen, eines Tages Rhapsodie verlassen zu können. Vielleicht, wenn er Glück hat ... Aber das liegt noch in weiter Ferne. Denn der Besuch im Elysium ist nur eine kurze Atempause, bevor der Wettlauf mit dem Tod aufs Neue beginnt.

In der Orangen Zone des Sperrgebiets, dem Limes, sind alle im Limbus erhaltenen Errungenschaften bedeutungslos. Die Regeln ändern sich mit dem Fortschreiten des Spiels, und die wichtigste findet sich, wie so oft, nur im Kleingedruckten. Um zu überleben, muss man stärker, schneller und schlauer als seine Gegner sein. Dafür braucht man Waffen und Ausrüstung, die man für Credits und virtuelle Erfahrung kaufen kann. Aber um diese zu erhalten, muss Blut vergossen werden. Und es sollte besser das Blut der Feinde sein.
SpracheDeutsch
HerausgeberMagic Dome Books
Erscheinungsdatum26. Juli 2022
ISBN9788076194632
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    Buchvorschau

    Die Herren der Ruinen (Sperrgebiet Buch 2) - Yuri Ulengov

    Kapitel 1

    Erdföderation, Orionsystem

    Planet Rhapsodie, Sektor 3 der Grauen Zone des Sperrgebiets. Einstufung: bedingt sicher

    Ruinen in der Nähe der Grünen Zone.

    WIR BRAUCHTEN etwa einen Tag, um die Grenze der Grünen Zone zu erreichen - wir mussten einen Zwischenstopp einlegen, um uns um Margot zu kümmern und uns von den Strapazen zu erholen. Als ich meine Freunde eingeholt hatte, war ich am Rande des körperlichen Zusammenbruchs gewesen. Diss war es nicht viel besser ergangen. Ich war nicht nur erschöpft, sondern auch auf Entzug von den Stimulanzien und hatte mit gelegentlichen Anfällen von Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Ich wusste zwar, dass ich im extremsten Fall durchhalten würde, aber das war jetzt nicht mehr nötig. Wir hatten belebte Routen vermieden und ein verfallenes Haus mit intaktem Keller gefunden, in dem wir uns einschlossen und schlafen legten, wobei wir alle Regeln missachteten und nicht einmal eine Wache aufstellten. Pfeif drauf! Niemand war uns gefolgt - wir hatten es kontrolliert, und die Wahrscheinlichkeit, in dieser Gegend jemandem zufällig zu begegnen, war sehr gering.

    Am Morgen wurden Diss und ich von einem vertrauten, aber fast vergessenen Duft geweckt. Noch bevor wir die Augen öffnen konnten, fanden wir uns in Margots Armen wieder. Sie war fast verrückt geworden vor Glück, als sie aufgewacht war und uns friedlich neben sich hatte schlafen gesehen. Das Letzte, woran sie sich erinnerte, war, dass Sculptor sie auf dem Operationstisch festgeschnallt hatte. Als sie wieder zu sich gekommen war, dachte sie, sie hätte den Verstand verloren. Nachdem sie realisiert hatte, dass ihr nichts fehlte, tat Margot das Beste, was man tun konnte, wenn man vor allen anderen wach wurde: Kaffee zubereiten.

    Nach Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg ins Elysium, da wir in den letzten Stunden des Tages im Limbus nicht unser Leben riskieren wollten. Wir bewegten uns zwei Stunden lang vorsichtig durch die Ruinen, bis wir in der Ferne das grünliche Flackern des Kraftfeldes rings um die Grüne Zone erblickten.

    Trotz der späten Stunde waren die Arbeiten an der Grenze in vollem Gange: Die Scheinwerfer beleuchteten alles taghell, die Baudrucker brummten und errichteten Block für Block eine Mauer. Die Arbeiter wuselten umher, der flüssige Kunststoffbeton zischte und ergoss sich in das Bett einer neuen Straße. Zahlreiche Wachen waren im Umkreis verstreut und beaufsichtigten die Zugänge. Im Gegensatz zu den Bewohnern des Limbus trugen sie Körperpanzerungen, wenn auch einfache, und waren mit automatischen Gewehren bewaffnet. Und ich war sicher, dass es ihnen nicht verboten war, sie zu benutzen.

    „Stehenbleiben!, rief eine Stimme. „Keine Bewegung. Hände weg von den Waffen. Wer seid ihr? Wohin wollt ihr?

    „Wir kommen aus dem Limbus. Sind auf dem Weg ins Elysium", antwortete Diss knapp.

    „Ah, Frischfleisch. Der Kämpfer kam aus seinem Versteck hervor. Zuerst schien er sich unvorsichtig zu verhalten, aber als ich genauer hinsah, bemerkte ich zwei weitere Kämpfer, die ihn deckten. „In Ordnung, geht bis zur Absperrung. Dort wird man euch scannen, die Regeln vorlesen und hineinlassen. Hände weg von den Waffen - wir schießen ohne Vorwarnung. Und lasst euch zu nichts hinreißen. Wäre doch schade, unter der Dampfwalze zu sterben, wenn man so kurz vor dem Ziel ist.

    Wir bedankten uns und gingen auf die Mauer zu, die von einer Kuppel bedeckt war. Sie war etwa zwei Kilometer entfernt. Was wurde hier gebaut?

    „Sie erweitern die Grüne Zone, sagte Diss, als könnte er meine Gedanken lesen. „Das Ziel ist es, Rhapsodie zu säubern, erinnerst du dich? Sie werden eine neue Zonengrenze bauen und dann die Geschütztürme, Scanner und Kraftfeldgeneratoren hierher verlegen – im Handumdrehen wird die sichere Zone ein ganzes Stück größer sein. Der unerbittliche Marsch der menschlichen Zivilisation in all seiner Pracht. Der Sonnenanbeter kicherte. „In weniger als einem Jahrhundert wird der Planet wieder bewohnbar sein."

    „Klingt optimistisch", erwiderte ich.

    Am Eingang ins Elysium befand sich eine massive Luftschleuse in der Mauer. Als ich mich ihr näherte, hatte ich das seltsame Gefühl, beobachtet zu werden. Ich blickte mich um und musste grinsen. Kein Wunder! Es waren Dutzende von Kameras an der Mauer angebracht. Da ich seit einiger Zeit nicht mit der Zivilisation in Kontakt gekommen war, hatte ich dieses Gefühl wohl vergessen.

    Ein rotes Licht über der Luftschleuse leuchtete auf und Textzeilen liefen vor meinen Augen ab, wie schon bei der Initialisierung des Implantats.

    Achtung! Kopplungsanfrage des Implantats von einem externen Gerät erhalten: IS-3, Identifikationssystem der Grünen Zone. Kopplung bestätigen?

    Ja/Nein/Abbrechen

    Wir bestätigten. Und weiter?

    Kopplungsanfrage akzeptiert. Verbinden ...

    Spieler wird identifiziert ... Datenbank wird durchsucht ...

    Übereinstimmung gefunden.

    Subjekt Nr. 33286AN. Codename: Altai

    Status: Gefangener. Wurde im Rahmen des Strafersatzprogramms in das Sperrgebiet geschickt. Erlass der Regierung der Erdföderation Nr. 43897, Änderung Nr. 4 vom 28.2.2385.

    Urteil: 25 Jahre im Sperrgebiet. Entscheidung des Obersten Gerichts der Erdföderation Nr. 876456 vom 12.3.2387. Änderung des Urteils durch interne Verfügung Nr. 987009 der NewVision Corporation vom 22.6.2387.

    Versicherung: nicht verfügbar

    Rasse: Terraner

    Level: 16

    Antrag auf Besuch der Grünen Zone: genehmigt

    Erlaubte Aufenthaltsdauer: 48 Stunden

    Das Licht schaltete auf Grün, die Schleusentüren öffneten sich zischend und eine neue Nachricht erschien vor meinen Augen.

    Willkommen im Elysium, Altai!

    Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Level 10 erreicht, die Initialisierung des Basisimplantats abgeschlossen und dürfen Limbus verlassen. Sie haben 48 Stunden Aufenthalt in der Grünen Zone. Der Countdown beginnt nach dem Verlassen der Luftschleuse. Sie können Ihre Aufenthaltsdauer im Elysium verlängern und zusätzliche Credits und XP verdienen, indem Sie die von der Verwaltung gestellten Quests erfüllen.

    Waffen jeglicher Art sind im Elysium verboten. Die Strafe für einen Verstoß ist der Tod. Mehr über die Regeln für den Aufenthalt in der Grünen Zone erfahren Sie bei der Einweisung.

    Eine Einweisung? Gut, mal sehen, worum es dabei ging.

    Ich betrat die Luftschleuse zuerst, gefolgt von Margot. Diss betrat sie als Letzter und die Tür schloss sich hinter ihm. Leuchtstoffröhren an der Decke schalteten sich an und eine klare, angenehme Frauenstimme ertönte aus einem unsichtbaren Lautsprecher.

    „Sie werden jetzt einer Desinfektion unterzogen. Bitte schließen Sie die Augen und halten Sie nach dem Signalton die Luft an."

    Der Summer ertönte und ich beeilte mich, den Anweisungen zu folgen. Warme Luftströme mit stechendem, chemischem Geruch trafen uns von allen Seiten. Interessant. Während des Krieges waren wir nach der Landung auf den von den Xenos eroberten Planeten ebenfalls einer obligatorischen Desinfektion unterzogen worden, aber solche unangenehmen Prozeduren hatte es nicht gegeben. Offenbar wollte man wieder einmal an den Gefangenen sparen. Nun, das war zu erwarten gewesen.

    Die Desinfektion dauerte etwa 20 Sekunden. Dann wurden wir mit Wolken aus dickem, mit einer Wasserlösung gesättigtem Dampf geduscht und danach mit heißer Luft getrocknet. Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass die Behandlung abgeschlossen wäre.

    Das Licht über der Luftschleuse wurde grün, die Türen öffneten sich und wir setzten endlich einen Fuß ins Elysium. Oder doch nicht?

    Wir befanden uns in einem großen Hangar mit einer Reihe von identischen Stahltüren entlang der Wände. In einer Ecke stand ein gepanzerter und mit Waffen ausgerüsteter Geländewagen, der sehr nach einer Spezialanfertigung aussah. An der gegenüberliegenden Wand befand sich eine weitere Luftschleuse.

    Nebel flackerte vor meinen Augen auf und wie aus dem Nichts erschien fünf Schritte von mir entfernt eine junge Frau. Sie war mittelgroß, hatte kurzes, schwarzes Haar und eine anmutige Figur. Sie trug eine eng anliegende, graue Uniform. Eine Jacke mit Stehkragen und eine Hose, die in hohen Stiefel steckte. In roten Buchstaben stand auf der linken Seite ihrer Brust NewVision.

    „Hallo! Mein Name ist Alice. Während Ihres Aufenthalts im Elysium werde ich Ihre Assistentin und Begleiterin sein. Ich werde Ihnen helfen, sich einzuleben und Ihnen eine Einweisung geben. Bitte sagen Sie ‚bereit‘, wenn Sie anfangen möchten", sagte sie lächelnd und mit freundlicher Stimme - derselben, die wir in der Luftschleuse gehört hatten.

    Erst an ihrem leicht unnatürlichen Tonfall und der Art, wie sie in Erwartung der Bestätigung erstarrte, erkannte ich, dass sie nicht real war und nur in AR existierte.

    „Bereit", sagten wir fast gleichzeitig.

    „Ausgezeichnet." Die Projektion schüttelte den Kopf, um ihren Pony aus dem Gesicht zu wedeln, und lächelte wieder. „Ihnen wird ein 48-stündiger Aufenthalt im Elysium gewährt, also lassen Sie uns keine Zeit verlieren. Sie befinden sich jetzt im sogenannten Quarantäneflügel. Er beherbergt eine Krankenstation und die Gepäckaufbewahrung. Falls jemand von Ihnen dringende medizinische Hilfe benötigt, können Sie diese hier erhalten. Bevor Sie das Innere der Grünen Zone betreten, müssen Sie ein Schließfach in der Gepäckaufbewahrung mieten und Ihre Waffen darin zurücklassen. Die Kosten für die Anmietung eines Schließfaches betragen 200 Credits pro Tag. Die ersten 24 Stunden der Miete bei Ihrem ersten Besuch im Elysium sind kostenlos, danach wird der angegebene Betrag automatisch von Ihrem Konto abgezogen. Möchten Sie jetzt in die Gepäckaufbewahrung gehen?"

    Wir sahen uns an, und ich nickte. Da ich keine Reaktion sah, vermutete ich, dass das neuronale Netzwerk, die künstliche Intelligenz oder was auch immer diese Projektion steuerte, wahrscheinlich sprachgesteuert war und sagte: „Ja, wir möchten."

    „Großartig, bitte folgen Sie mir."

    Die Projektionsdame drehte sich um und ging auf eine der Türen zu. Wir hatten keine andere Wahl, als ihr zu folgen. Als wir uns näherten, glitt die Tür sanft zur Seite und gab den Blick auf einen weitläufigen Raum frei, der mit Waffenschränken gefüllt war.

    „Der Gebrauch von Waffen jeglicher Art ist in der Grünen Zone strengstens verboten. Bitte nehmen Sie diese Warnung ernst", sprach die Projektion weiter. „Die Ordnung im Elysium wird von Mitgliedern der Phoenix-Gruppe aufrechterhalten. Dies ist eine der effizientesten privaten Militärfirmen der Erdföderation. Seine Mitarbeiter mögen keine dummen Scherze und Provokationen. Manchmal werden sie Sie vielleicht warnen, aber viel öfter schießen sie, um zu töten. Bitte vermeiden Sie es, in Konfliktsituationen zu geraten und provozieren Sie diese nicht selbst."

    Alice blieb bei einer Reihe von Schränken stehen.

    „Freie Schließfächer sind durch ein grünes Licht gekennzeichnet. Sie können mehrere Schließfächer mieten oder alle Ihre Waffen in ein Schließfach legen. Aber beachten Sie: Nur derjenige, der die Miete bezahlt, kann das Schließfach öffnen."

    „Es hat keinen Sinn, extra Geld auszugeben", sagte Diss kopfschüttelnd. Margot nickte.

    Ich wählte ein Schließfach aus und hielt mein Armband an das Lesegerät. Das Armband vibrierte. Ich bestätigte, dass ich das Schließfach für zwei Tage mieten wollte, und bezahlte für den zweiten Tag, ohne eine automatische Verlängerung einzurichten. Wir würden nicht länger hier sein.

    Ich nahm meinen Rucksack ab, weil ich ihn nicht mit mir herumschleppen wollte, klappte die Armbrust zusammen, löste die Axt von meinem Gürtel und den Executor mit seiner Scheide von meiner Brust. Dann verstaute ich alles im Rucksack und legte ihn in das Schließfach. Die anderen taten dasselbe. Ich wollte die erbeutete Schrotflinte, die ich mit mir herumtrug, daneben stellen, als Alice mich warnte.

    „Modifizierte Waffen können nicht eingelagert werden und müssen entsorgt werden. Die Entsorgungskammer befindet sich am Ende der Halle. Die Kosten für die Entsorgung betragen 100 Credits."

    Was zur Hölle? Ich wurde also nicht nur gezwungen, eine offensichtlich teure automatische Schrotflinte zu entsorgen, sondern mir wurden auch noch die Kosten für die Entsorgung in Rechnung gestellt? Fantastisch!

    „Und wenn ich mich weigere?"

    „Wenn Sie sich weigern, die internen Regeln der Grünen Zone einzuhalten, werden Sie ausgewiesen oder vernichtet", antwortete Alice mit dem gleichen süßen Lächeln.

    Wundervoll!

    Zähneknirschend vor Wut ging ich zur Entsorgungskammer, aktivierte sie mit meinem Armband, bestätigte den Abzug von 100 Credits und warf die Schrotflinte und den Munitionsgürtel hinein. Der Kammerdeckel glitt zu und ich kehrte zu meinen Freunden zurück, die gerade ihre Munition verstaut hatten.

    „Hervorragend." Die Projektionsfrau lächelte mich an. „Nun, da die Formalitäten erledigt sind, können wir unsere Tour durch das Elysium beginnen. Bitte folgen Sie mir." Mit diesen Worten machte Alice sich auf den Weg zum Ausgang.

    „Die Grüne Zone umfasst etwa zehn Quadratkilometer", fuhr sie fort. „Während die Orange Zone geräumt wird, expandiert Elysium und übernimmt das Gebiet der Grauen Zone. Laut der NewVision Corporation wird Elysium mit einer Rate von drei Quadratkilometern pro Jahr wachsen. Im planetarischen Maßstab scheint das nicht sehr schnell zu sein, aber je mehr Spieler im Sperrgebiet sind, desto schneller geht die Räumung vonstatten. Deshalb brauchen wir dringend Spieler, die in der Lage sind, effektiv in den Orangen und Roten Zonen zu agieren. Für die dort erledigten Aufgaben zahlt die Verwaltung großzügig in Credits und Erfahrung."

    Bislang wurde das Elysium seinem Namen in keiner Weise gerecht. Die neu gepflasterte Straße schlängelte sich zwischen Ruinen hindurch, wo Baumaschinen lärmten und Arbeiter schrien. Die Ruinen wurden für Baustellen geräumt, und der Bauschutt wurde zu Recycling-Zentren transportiert, um zu Rohmaterial für die Drucker verarbeitet zu werden. Automatische Bagger hoben Gräben für neue Fundamente aus, und Menschen kümmerten sich um die Maschinen und verrichteten die Aufgaben, bei denen der Einsatz von Maschinen nicht sinnvoll war: Platten zerkleinern, mit Müll gefüllte Karren zum Recycler schleppen und den Weg für den Bagger frei machen. Sie alle leisteten Schwerstarbeit.

    „Etwa 1000 Personen arbeiten ständig an der Erweiterung des Elysiums. In der Regel sind das Spieler, die nicht am Aufleveln interessiert sind und für die ein Dach über dem Kopf und ein garantiertes Taschengeld wichtiger sind. Allerdings haben die Umbauarbeiten auch ihre Nachteile. Die Regeln verbieten diesen Spielern jeglichen persönlichen Besitz. Die Arbeiter teilen sich gemeinsame Räumlichkeiten und es ist ihnen untersagt, das Zentrum des Elysiums zu betreten. Der Arbeitstag dauert 16 Stunden. Sie erhalten keine Erfahrung oder Credits und sie können auch nicht mit einer Revision ihres Aufenthalts im Sperrgebiet rechnen."

    Ich verstand jetzt. Es sah aus wie das typische Arbeitslager für Kleinkriminelle. Man arbeitete von morgens bis abends für eine Schüssel fader, wässriger Suppe und eine harte Koje in einer Gemeinschaftsbaracke, ohne freie Zeit oder Urlaub, tagein, tagaus, bis man seine Strafe abgesessen hatte. Es gab Vorteile, die manche als bedeutend ansehen würden. Man musste sich nicht jede Sekunde umschauen, ob jemand einen umbringen wollte, und man musste nicht jede Nacht vor dem Schlafengehen eine Wache aufstellen. Aber ich glaubte nicht, dass ich das tun könnte. Selbst im Limbus war es besser als hier. Zumindest meiner Meinung nach. Ein kurzes, aber pulsierendes Leben schien mir lebenswerter als Jahr für Jahr die gleiche monotone, geisttötende Arbeit zu verrichten. Das war definitiv nichts für mich!

    „Das Elysium ist nicht die einzige sichere Zone. Ähnliche Zonen sind über den ganzen Planeten verstreut und dienen als Außenposten für die Säuberung von Rhapsodie", erklärte Alice. „Hier können sich die Spieler ausruhen, behandeln lassen, Handel treiben und Implantate installieren. Die Inseln der Grünen Zonen befinden sich jedoch im Ozean des Infernos, der Roten Zone, die verstrahlt und biologisch verseucht ist. Das Inferno hat immer noch eine hohe Konzentration von quasi-lebenden Mechanismen der Xenos, lebende Organismen, die durch die Exposition gegenüber dem Xenovirus und den außer Kontrolle geratenen Kriegsmaschinen der Erdföderation zu Monstern gemorpht wurden. Entlang der Grenze der Roten Zone verlaufen die Frontlinien des Krieges um Rhapsodie. Dort verewigen die Spieler ihren Namen in der Geschichte der zweiten Eroberung des Planeten und erlangen Ruhm, Erfahrung und Credits."

    Ha! Und sie wurden von den Waffensystemen der Roboter-Kampfplattformen und Impulsgewehre ihrer Mitspieler, die darauf brannten, ihre Waffen, Rüstungen und Credits zu bekommen, an Morphe verfüttert und in verkohlte Leichen verwandelt. Bei Alice klang das sehr verlockend, vor allem im Gegensatz zum Leben der Arbeiterameisen, die wir gerade beobachteten. Ich war mir sicher, dass weniger erfahrene Spieler auf ihre Erzählung hereinfallen würden. Auf der einen Seite des Spektrums stand ein langweiliges, graues Leben mit anstrengender, eintöniger Arbeit. Auf der anderen standen Heldentaten, Abenteuer, Ruhm und haufenweise Credits. Ich wusste, warum die Corporation das machte - Kanonenfutter war schon immer gefragter gewesen als normale Arbeiter.

    Wir erreichten eine weitere Wand, die etwas niedriger war. Am Tor standen zwei Männer in auffälligen, tiefschwarzen Anzügen mit einem flammenden Phönix auf der Brust. Sie hielten beeindruckend aussehende Gewehre in den Händen, ihre Gesichter blieben hinter den undurchdringlichen Helmvisieren verborgen. Die Phoenix-Gruppe stellte die Söldner, die im Elysium für Ordnung sorgten. Die Männer blickten kaum in unsere Richtung, drehten nur leicht die Köpfe. Sobald die Tore sich nach der Identifikation automatisch öffneten, verloren sie jegliches Interesse an uns.

    „Wir betreten jetzt das Herz des Elysiums. Dieser Bereich umfasst die Wohnquartiere, Biotech-Labore, die Waffenkammer und die Kommandozentrale. Während Sie sich in der Grünen Zone aufhalten, können Sie im Wohnbereich ein Zimmer oder ein Bett mieten, in den Laboren Implantate und Augmentierungen kaufen und installieren, in der Waffenkammer Rüstungen und Waffen auswählen und in der Kommandozentrale Quests von der Verwaltung erhalten. Außerdem gibt es einen Erholungsbereich, in dem Sie sich nach den Raids entspannen und erholen können. Wohin möchten Sie jetzt gehen?"

    Ich sah Diss und Margot an.

    „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich muss mich ausruhen. Im Keller eines Hauses zu schlafen, kann man kaum eine gute Nachtruhe nennen. Außerdem gibt es hier eine heiße Dusche. Also bin ich dafür, die ersten acht Stunden mit Nichtstun zu verbringen."

    Margots Augen leuchteten bei der Erwähnung einer heißen Dusche auf. Auch Diss unterstützte die Entscheidung. Ich wies Alice an, uns zu den Wohnräumen zu bringen. Die Projektion lächelte charmant und ging voran, um die Einweisung fortzusetzen.

    „Der Wohnbereich ist in Gemeinschafts- und Einzelzimmer unterteilt. Mehrbettzimmer bieten Betten zur Miete und sind die günstigste Unterkunft im Elysium. Einzelzimmer sind teurer, dafür aber durch schalldichte Trennwänden isoliert und mit einer Duschkabine sowie einem Nahrungsmittelsynthesizer ausgestattet. Bitte wählen Sie aus, wo Sie übernachten möchten."

    „Einzelzimmer!", riefen wir fast gleichzeitig. Aber natürlich! In einem Mehrbettzimmer zu schlafen wollte im Moment keiner von uns. Wir hatten all die Beschwerlichkeiten auf dem Weg hierher nicht in Kauf genommen, um vor der Dusche Schlange zu stehen und mitten in der Nacht vom Schnarchen aus der nächsten Koje geweckt zu werden.

    „Akzeptiert."

    Das Zentrum des Elysiums sah auch nicht wie das Gelobte Land aus. Graue, von Konstruktionsdruckern errichtete Modellgebäude, kein Hauch irgendeiner Vegetation, alles düster und streng funktional. AR tat sein Bestes, um die Umgebung zu verschönern, indem es bunte Schilder an den Gebäuden anbrachte und Werbung für Panzersets, Waffen und diverse Gadgets einblendete. Aber wenn man sie ausschaltete, sah es trostlos aus. Synthetischer Beton und Polyplast mit seltenen Einschlüssen von Metall. Selbst die normalen Bergbaustädte auf abgelegenen Kolonialplaneten wirkten nicht so grau und trist.

    Wenigstens gab es hier ein paar Menschen. Andere Spieler eilten die breite Straße in verschiedenen Richtungen entlang. Fast alle von ihnen hatten ihre Daten versteckt, um die Identifizierung zu verhindern. Die allgemeine Eile war das Markenzeichen dieses Ortes. Niemand wollte auch nur eine Sekunde der Zeit verschwenden, die er sich durch Blut und Schweiß in den tödlichen Gebieten hart verdient hatte.

    Zum größten Teil waren die Passanten, die wir sahen, abgehärtete Kämpfer. Man brauchte sie nicht zu scannen und zu identifizieren, um das herauszufinden. Sie trugen Körperpanzerungen, einige hatten billige Implantate, die nicht einmal mit synthetischer Haut getarnt waren. Das war verständlich, denn jeder Cent zählte. Warum Geld für Dekorationen ausgeben? Hier würde sich niemand über bionische Armprothesen mit Quasi-Muskeln, Stahlplatten, die den Schädel komplett bedeckten, oder mechanische Verstärker wundern. Das sah man auch nicht auf zivilisierten Planeten und erst recht nicht auf der Erde, wo es als schlechter Stil galt. Aber vor wem sollten sie sich hier zur Schau stellen? Wenn man die ganze Zeit damit beschäftigt waren, um sein Leben zu kämpfen, traten Bedenken über Schönheit und Anstand in den Hintergrund. Jeder Cent wurde in die Kampfeffizienz gesteckt, alle Credits flossen in Ausrüstung und Waffen. Kosmetische Schönheitsoperationen? Auf keinen Fall! Das würde nicht helfen, den Feind zu töten, im Gegensatz zu Prothesen mit Servoantrieb, die einen stärker und schneller machten. Auf Wiedersehen Schönheit – willkommen Effizienz!

    Es gab auch Neuankömmlinge wie uns. Man konnte sie leicht an der gemächlichen Art erkennen, mit der sie sich bewegten, an dem Interesse, mit dem sie sich die örtlichen Sehenswürdigkeiten ansahen, und an ihrer Unterhaltung mit der Leere - die Kommunikation mit dem AR-Assistenten sah von außen komisch aus.

    Mehrmals stießen wir auf die Wachen. Die Kämpfer der Phönix-Gruppe waren zu zweit oder zu dritt unterwegs, ohne Eile, hielten ihre Waffen im Anschlag und schauten sich aufmerksam und hartnäckig um. Sie erweckten den Anschein, dass sie ohne Weiteres das Feuer eröffnen würden, ohne Fragen zu stellen. Für sie war alles und jeder um sie herum Müll. Dennoch wurden sie nicht mit Angst oder Hass betrachtet - für die Einheimischen war die Bedrohung, vom System abgekoppelt zu werden, schwerwiegender als die Waffen der Söldner. Aber es gab hier niemanden, der einen Aufstand organisieren würde, denn alle Rebellen waren im Limbus zurückgeblieben - unter der Erde.

    „Wir sind da, verkündete Alice, als wir uns einem langen, einstöckigen Gebäude aus grauem Kunstbeton näherten. „Das sind die Wohnbereiche der Mittelklasse mit Standard-Einzelzimmern. Wenn Sie möchten, können Sie in das Erholungsgebiet umziehen, wo Sie Luxusapartments mieten können …

    „Nein, unterbrach ich sie, „Mittelklasse ist genau das Richtige. Standard-Einzelzimmer reichen uns völlig aus.

    „Die Kosten für die Unterkunft betragen 500 Credits pro Tag", fuhr die Projektion fort. „Sie werden automatisch abgebucht. Als Neuankömmlinge, die das Elysium zum ersten Mal besuchen, erhalten Sie 25 % Rabatt auf den ersten Tag Ihres Aufenthalts. Die Miete wird automatisch an jedem Tag Ihres Aufenthalts von Ihrem Konto abgezogen. Bitte bestätigen Sie."

    Mein Implantat zeigte eine Anfrage an und ich bestätigte sie, ohne hinzusehen. Spätestens jetzt war klar, dass wir hier für jede Kleinigkeit würden bezahlen müssen, aber ich hatte keine Lust, nachzurechnen. Gott sei Dank hatte ich genug Guthaben auf meinem persönlichen Konto, sodass kleinere Ausgaben mich nicht weiter beunruhigten. Außerdem hatten wir ein Team-Konto, auf das die Belohnung für die Zerstörung von Sculptors Gang eingegangen war. Wir mussten uns also im Moment keine Sorgen machen.

    Die Tür zum Wohnbereich öffnete sich und heraus trat ein kleiner, gebrechlicher Mann, der mich an eine Ratte erinnerte. Er warf uns einen gehetzten Blick zu, schlängelte sich an uns vorbei und trottete die Straße hinunter.

    Im Inneren des Wohnbereichs befand sich ein sehr langer Flur, von dem identische Türen abgingen. An den meisten von ihnen leuchteten rote Lichter, was darauf hindeutete, dass die Zimmer belegt waren. Wir mussten mehr als die Hälfte des Flurs entlanggehen, um etwas Freies zu finden.

    „Bitte halten Sie Ihre Armbänder an die Lesegeräte der Türen, um zu bestätigen, dass Sie den Raum mieten und sichern möchten. Sie können den Zugangsmodus später wählen. Standardmäßig wird der Zugang nur der Person gewährt, die den Raum gemietet hat."

    Ich tat, was die Projektion sagte. Es ertönte ein Piepton und das grüne Licht an der Tür wechselte zu rot.

    „In Ordnung, Leute. Ich werde mindestens bis morgen Mittag schlafen. Ich schlage vor, ihr macht das Gleiche. Wir sehen uns morgen wieder. Schlaft gut!" Mit diesen Worten wünschte ich Diss und Margot eine gute Nacht und ging durch die Tür. Die Projektion von Alice lächelte und erlosch.

    Im Inneren fand ich ein geräumiges Zimmer, das in zwei Bereiche unterteilt war. Der Hauptbereich wurde von einem Bett eingenommen, vor dem an der Wand ein riesiges Infopanel angebracht war. In der Ecke stand eine großen horizontale Kapsel, ähnlich denen der Kryokonservierung. Im zweiten Bereich befand sich ein schlichter Tisch aus Polyplastik mit ein paar Stühlen, ein Schrank für Geschirr und ein Nahrungsmittelsynthesizer. Außerdem gab es eine Dusche und eine Waschmaschine. Ich stürzte auf die Duschkabine zu, stöhnte fast vor Vorfreude, zog meine Kleidung im Gehen aus und warf sie auf den Boden.

    Scheiß drauf, ich werde sie später aufheben! Jetzt ist erst einmal Duschen angesagt!

    Ich stand mindestens eine halbe Stunde unter den heißen Düsen, bis das System mich in die Realität zurückholte, indem es anzeigte, dass ich das Tageskontingent an Wasser aufgebraucht hätte. Als ich las, dass auf dem Wasserzähler der Nachttarif aktiviert war, wonach die Kosten für das verbrauchte Wasser auf die Zimmerrechnung aufgeschlagen werden würden, fluchte ich und nahm die Toilettenartikel zur Hand.

    Eine weitere halbe Stunde später kam ich dampfend aus der Dusche, ungewohnt sauber und glücklich.

    Erledigt! Jetzt schlafen!

    Ich musste nur noch die im Zimmer verstreuten Klamotten einsammeln und die Waschmaschine beladen.

    Als ich gerade ins Bett fallen wollte, tauchte Alice wieder in der Mitte des Raumes auf.

    „Entschuldigen Sie die Störung, aber ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Sie gegen eine Gebühr eine multifunktionale Erholungskammer nutzen können. Der Deprivationsmodus erlaubt es Ihnen, sich komplett von der Außenwelt abzukapseln, während die Hirnrhythmus-Korrekturfunktion Sie in angenehme Träume versetzen wird. Gegen Aufpreis erhalten Sie Zugang zum sexuellen Simulationsprogramm. Die Datenbank enthält Bilder aller in der Erdföderation beliebten Männern und Frauen. Wenn Sie möchten, können Sie Ihren idealen Partner mithilfe eines fortgeschrittenen virtuellen Designers selbst kreieren."

    Während ich noch überlegte, was ich dem neuronalen Netzwerk antworten sollte, fuhr sie fort.

    „Und außerdem, Alice verengte verschwörerisch die Augen, „können Sie mein Bild in der Simulation verwenden. Das ist ein sehr beliebter Service. Das Bild der jungen Frau lächelte verschmitzt und veränderte sich. Statt einer strengen Firmenuniform trug sie nun schwarze Spitzendessous, einen Gürtel mit Strümpfen und hochhackige Schuhe. „Die Kosten für den Service betragen 1.500 Credits. Vertrau‘ mir, es wird dir gefallen, sagte sie und war zu einem verführerischen „Du gewechselt.

    „Verschwinde!, herrschte ich sie an, als ich meine Stimme wiedergefunden hatte. „Licht aus! Tür zu! Keine Störungen bis morgen Mittag!

    „Selbstverständlich, erwiderte die Projektion und lächelte verlegen. „Der Bitte-nicht-stören-Modus ist aktiviert. Wenn Sie Ihre Meinung ändern, können Sie jederzeit die angebotenen Dienste nutzen und mich rufen, indem Sie deutlich meinen Namen sagen. Übrigens wurden von Ihrem Konto 300 Credits für die persönlichen Assistenzdienste abgezogen. Genießen Sie Ihren Aufenthalt! Ich meinte, einen Hauch von Spott in ihrer Stimme zu vernehmen.

    „Hau ab!"

    Die Projektion lächelte und verblasste langsam. Bevor sie sich in Luft auflöste, glaubte ich, eine Art von Unmut in ihrem Gesicht erkennen zu können.

    Ach, Unsinn!

    Das Licht ging aus. Ich tastete mich zum Bett und sank in die ergonomische Matratze. Bevor ich einschlief, kam ich nicht umhin, zu denken, dass diese Welt völlig verrückt geworden sein musste, wenn es Menschen gab, die bereit waren, Geld, das sie mit dem Töten anderer verdient hatten, für simulierten Sex mit einem Assistenzbot zu bezahlen.

    Aber das war wahrscheinlich nichts Neues.

    Kapitel 2

    Erdföderation, Orionsystem

    Planet Rhapsodie

    Grüne Zone, Wohngebiet im Elysium

    ZUM ERSTEN MAL, seit ich auf Rhapsodie abgeworfen worden war, hatte ich das Gefühl, gut geschlafen zu haben. Ich wachte auf, bevor der Wecker klingelte, lag eine Weile da und starrte gedankenlos in die Dunkelheit. Das vergessene Gefühl der Geborgenheit, die Wärme, die ergonomische Matratze ... Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so wenig ausreichte, um glücklich zu sein.

    Ich wartete, bis der Wecker klingelte, streckte mich mit einem Seufzer der Freude und stand auf. Im Bett zu liegen, fühlte sich großartig an, aber die Dinge erledigten sich nicht von selbst. Auch der Timer, der im Augenwinkel unsere verbleibende Zeit in der Grünen Zone herunterzählte, ließ sich nicht anhalten.

    Das Licht hatte sich automatisch eingeschaltet, sobald ich mich aus dem Bett erhoben hatte. Zuerst war es schummrig, aber als das System erkannte, dass ich wach war und nicht wieder ins Bett ging, wurde es allmählich heller. Ich nahm die gewaschene, desinfizierte und getrocknete Kleidung aus der Waschmaschine und konnte einen Fluch nicht unterdrücken, als ich feststellte, dass meine Unterwäsche und Socken im Rucksack geblieben waren, den ich im Schließfach am Eingang zurückgelassen hatte. Naja, wenigstens war der Rest jetzt sauber. Es sollte kein großes Problem sein, im Elysium neue Unterwäsche zu kaufen.

    Nachdem ich mich angezogen hatte, aktivierte ich den Synthesizer und studierte ein paar Minuten lang das Menü, wobei ich meinen Augen nicht traute. Nachdem ich mehrere Monate streng von der Universalration gelebt hatte - erst in einer Gefängniszelle und dann im Limbus - hatte ich fast vergessen, was normales Essen war. Sicher, man konnte es kaum als normal bezeichnen. Schließlich gab es in synthetischer Nahrung keine natürlichen Zutaten, und die „Gerichte" wurden aus verschiedenen Kombinationen von Geschmackszusätzen und chemischen Elementen hergestellt, die im richtigen Verhältnis mit dem Nahrungsmittelsubstrat gemischt wurden. Aber verdammt noch mal, das war viel besser als die geschmacklosen Rationskekse, die ich bisher gegessen hatte!

    Zuerst bestellte ich Kaffee. Echten Kaffee gab es schon lange nicht mehr, aber das Getränk war einst so beliebt gewesen, dass sich Hunderte von Wissenschaftlern daran gemacht hatten, das Problem zu lösen - und es war ihnen gelungen. Die wenigen, die das Glück gehabt hatten, echten Kaffee zu probieren, mussten zugeben, dass der Ersatz in Bezug auf Geschmack und belebender Wirkung in nichts nachstand. Ich hatte allerdings nichts, womit ich ihn vergleichen konnte, also nahm ich die Tasse aus dem Synthesizer, atmete das Aroma ein und stellte sie zum Abkühlen auf den Tisch. Ich gab ein paar weitere Codes ein, um Fleisch mit Kartoffelpüree zu bestellen, und setzte mich an den Tisch, um das Getränk zu genießen.

    „Guten Morgen, Altai!" Alices Projektion erschien so plötzlich, dass ich mich fast am heißen Kaffee verschluckt hätte. Verdammt, musste das sein? Ich musste durch die Einstellungen gehen, um zu verhindern, dass die Assistentin erschien, wann immer es ihr gefiel.

    Alice trug wieder ihre Firmenuniform und sah professionell, gelassen und gesammelt aus.

    „Der ‚Bitte nicht stören‘-Modus wird in zehn Minuten deaktiviert. Während Sie geschlafen haben, wurde ein versuchter unbefugter Zutritt zu den Räumlichkeiten registriert. Soll ich die Aufnahme abspielen?"

    Ich runzelte die Stirn. Versuchter unbefugter Zutritt? Wer hätte zu mir kommen wollen?

    „Zeig‘ sie mir."

    Vor mir entfaltete sich eine Projektionsfläche, die ein Bild von der in der Tür installierten Kamera zeigte. Ein paar Sekunden lang zeigte das Video einen leeren Flur und dann sah ich ... Margot.

    In einen Bademantel gehüllt zögerte sie einige Sekunden lang vor der

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