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Wie wir unfrei werden: Der Weg in die totalitäre Gesellschaft
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eBook250 Seiten3 Stunden

Wie wir unfrei werden: Der Weg in die totalitäre Gesellschaft

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Über dieses E-Book

Freie und demokratische Gesellschaften können unter bestimmten Bedingungen rasch unfrei und totalitär werden. Wir sind Zeitzeugen eines solchen Wandels. Fast alle westlichen Regierungen konnten in nur wenigen Monaten beinahe ohne Widerstand durchsetzen, dass Freiheit und Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und Selbstbestimmung außer Kraft gesetzt wurden. All das schien zuvor undenkbar. Es geschah scheinbar zum Wohle der Menschheit. Doch sind Restriktionen wirklich gerechtfertigt, oder dienen sie vielmehr den Eliten dazu, ihre Idee einer "besseren" Welt durchzusetzen? Die Autorin liefert dazu aus ihrem Insiderwissen als Journalistin hochbrisante Fakten und neue Erkenntnisse. Die Mechanismen, wie aus einer freien und offenen Gesellschaft eine unfreie und geschlossene werden kann, sind nicht neu. Diese Muster finden sich in der Geschichte immer wieder. Schon der griechische Philosoph Platon entwarf in seiner berühmten Schrift "Der Staat" eine derartige Gesellschaft. Ende des 19. Jahrhunderts führte der Nationalismus, der in anderen Nationen Feinde erblickte, in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Der Kommunismus und die Spielarten des Faschismus etablierten totalitäre Systeme, die in Unterdrückung und Kriege mündeten.
SpracheDeutsch
HerausgeberSeifert Verlag
Erscheinungsdatum26. Juli 2022
ISBN9783904123686
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    Buchvorschau

    Wie wir unfrei werden - Gudula Walterskirchen

    1

    WAS IST TOTALITARISMUS?

    Denken wir an totalitäre Systeme, so ordnen wir sie der Vergangenheit zu. Zum ersten Mal wurde der Begriff »totalitär« vom italienischen Liberalen Giovanni Amendola in den 1920er Jahren im Hinblick auf Benito Mussolini und seine Bewegung verwendet. Allerdings blieb Mussolini auf halbem Wege stecken, er brachte es zwar zum Diktator, aber eine totale Herrschaft konnte er weder in Italien noch in den Kolonien etablieren.

    Totalitär war dann jedoch der Nationalsozialismus, der uns in seiner Schrecklichkeit speziell durch den Massenmord an den Juden so einzigartig erscheint, dass er sich niemals mehr wiederholen könne. Als totalitäres Regime des Grauens haben wir auch die kommunistische Sowjetunion unter Josef Stalin in Erinnerung. Dieser hatte mit seinen »Säuberungen« und systematischen Massenmorden mehr Menschen auf dem Gewissen, als der Zweite Weltkrieg gefordert hatte. Es erscheint uns heute undenkbar, dass ein Psychopath wie Stalin jemals wieder so unumschränkt herrschen könne. All dies, so denken wir, war nur unter den besonderen Bedingungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts möglich: Als ein jahrhundertealtes Herrschaftssystem zusammenbrach, chaotische Zustände regierten und sich erst eine neue Ordnung etablieren musste. Der »totale« Staat ist also eine singuläre Erscheinung des 20. Jahrhunderts, so die gängige Annahme.

    Aber ist der totale Staat wirklich ein historisches Phänomen? Und was unterscheidet eigentlich einen »totalitären Staat« von einer Diktatur oder einem autoritären Staat?

    Seit dem ersten Auftreten des Totalitarismus gibt es zahlreiche Definitionen und Klärungsversuche, was denn eigentlich das Totalitäre ausmache und kennzeichne. Allgemein formuliert, handelt es sich um eine Herrschaftsform, die alle Lebensbereiche bis hin zu den privaten Verhältnissen der Menschen durchdringt und bestimmt. Es geht darum, die Handlungen, die Körper, Gedanken und Meinungen der Menschen zu beherrschen und zu kontrollieren. Es geht um die totale Macht über jeden Einzelnen. Niemand kann sich entziehen. Dem Totalitarismus geht es nicht nur um die Schaffung einer starren Hierarchie, der man sich unterzuordnen hat, dies ist das Charakteristikum von Diktaturen. Sondern es ist ein dynamischer Prozess, der nichts weniger als einen »neuen Menschen« nach bestimmten Parametern formen will und die Weltherrschaft anstrebt.

    Diese Durchdringung der Gesellschaft, Wirtschaft, ja jedes Einzelnen geht allmählich vor sich und wird letztlich mit Druck, Zwang bis hin zu Gewaltanwendung durchgesetzt. Es bleibt am Ende kein Spielraum mehr für individuelle Entfaltung, Anschauung, persönliche Freiheit oder Privatheit. Der Einzelne hat sich den Interessen der Gesamtheit unterzuordnen. Die Gemeinschaft, die als Masse in Erscheinung tritt, hat in allem Vorrang. Dazu setzt der totale Staat eine umfassende Propaganda und Überwachung der Bevölkerung ein. Jeder bespitzelt jeden, ständig werden Feindbilder erzeugt, gegen die die Bevölkerung aufgehetzt wird, jeden kann es treffen. Freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit werden sukzessive unterdrückt.

    Die Rechtsprechung dient nicht den Rechten der Individuen, sondern den Interessen der Führung des totalen Staates. Die Gewaltentrennung zwischen Justiz, Exekutive und Legislative wird aufgehoben. Die Unabhängigkeit dieser Instanzen wird abgebaut, sie werden zentral gesteuert und kontrolliert.

    Totalitäre Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie aggressiv vorgehen. Willkürliche Verhaftungen, Schau- oder Scheinprozesse, Sondergefängnisse und eine Schreckensherrschaft der Geheimpolizei gehören zu ihren Instrumenten.

    Alle Bereiche des Lebens – Wirtschaft, Wissenschaft, Erziehung, Arbeit, Unterhaltung – werden gesteuert, gleichgeschaltet und kontrolliert. Dazu braucht es eine umfangreiche Bürokratie, Apparate, die zueinander in Konkurrenz stehen und einander kontrollieren. Kontrolle und Überwachung, sowie ständige Dynamik und letztlich undurchschaubare Strukturen zählen zu den zentralen Elementen totalitärer Systeme. An der Spitze steht meist, aber nicht immer, ein Führer, dessen Willen sich alle zu unterwerfen haben. Eine Ideologie ist nicht nötig, und wenn vorhanden, dann bloß Fassade für die Willkür der Führung.

    Seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich etliche Wissenschaftler mit dem Phänomen des Totalitarismus beschäftigt. Bereits 1939 veranstaltete die US-amerikanische »Philosophische Gesellschaft« zu diesem Thema ei