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Arztroman Doppelband 001
Arztroman Doppelband 001
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eBook217 Seiten2 Stunden

Arztroman Doppelband 001

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Titel:

A.F.Morland: Dr. Kayser und die falsche Chirurgin

Anna Martach: Gefährliche Wetten und heiße Libeleien

Wo das Herz spricht, hat der Verstand nicht mehr viel zu sagen … Alpendoktor Daniel Ingold muss sich nicht nur um zwei verliebte Burschen kümmern. Eine rätselhafte Krankheit breitet sich außerdem im Ort aus - was steckt dahinter? Und was sagt sein eigenes Herz?
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum28. Juni 2019
ISBN9783745209310
Arztroman Doppelband 001
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    Arztroman Doppelband 001 - Anna Martach

    Arztroman Doppelband 001

    A. F. Morland, Anna Martach

    Dieser Band enthält folgende Titel:

    A.F.Morland: Dr. Kayser und die falsche Chirurgin

    Anna Martach: Gefährliche Wetten und heiße Libeleien

    Wo das Herz spricht, hat der Verstand nicht mehr viel zu sagen … Alpendoktor Daniel Ingold muss sich nicht nur um zwei verliebte Burschen kümmern. Eine rätselhafte Krankheit breitet sich außerdem im Ort aus – was steckt dahinter? Und was sagt sein eigenes Herz?

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Dr. Kayser und die falsche Chirurgin

    Arztroman von A. F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

    Überrascht und fassungslos zugleich sah Chefarzt Dr. Seeberg der jungen Chirurgin zu, die bei der Operation, die sie gerade durchführten, einen höchst unsicheren Eindruck machte. Was war aus der hervorragenden Operateurin geworden, die Dr. Simone Hagen noch vor kurzem gewesen war? Was hatte die Kollegin, die ihm Sven Kayser so sehr empfohlen hatte, verändert? Immer mehr Fehler machte sie, Fehler, die das Leben von Patienten gefährdeten. Dr. Seeberg musste etwas unternehmen, wenn er nicht riskieren wollte, dass der gute Ruf seiner Klinik in Gefahr geriet...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Das Gewitter kam ganz plötzlich und überraschte die meisten Münchner. Vor zehn Minuten hatte noch die Sonne vom Himmel gelacht, und nun hingen wasserschwere, pechschwarze Wolken über der Stadt.

    Gudrun Giesecke blieb kurz stehen und warf einen scheelen Blick nach oben. „Du, sagte Dr. Kaysers Helferin und sprach mit dem nicht sichtbaren Petrus. „Lass dir ja nix einfallen, hörste?

    Donnergrollen...

    Die korpulente Arzthelferin eilte weiter. „Ja, ja, ick beeile mir ja schon!"

    Neuerliches Donnergrollen...

    „Jottedoch!", japste Gudrun, die bei einer Bekannten zu Besuch gewesen und nun auf dem Heimweg war.

    Man hatte über alles gesprochen über zu viel Sex in den TV-Talkshows, über die Affären des amerikanischen Präsidenten, über Reisepläne und ins Auge gefasste Urlaubsziele... nur nicht über Patienten und Krankheiten.

    Es fing an zu regnen. Schwester Gudrun hatte das befürchtet. Und sie hatte keinen Regenschirm dabei. Wer denkt bei strahlendem Sonnenschein auch an so etwas? Der Himmel öffnetet gnadenlos seine Schleusen. Gudrun Giesecke war innerhalb weniger Augenblicke bis auf die Haut nass.

    „Dat jibt ’ne saftije Erkältung", ächzte sie.

    Kalt klebte die Kleidung an ihrem Körper. Sie hatte es nicht mehr weit bis nach Hause, und sobald sie daheim war, würde sie ein heißes Bad nehmen. Wenn sie Glück hatte, ließ sich damit die drohende Erkältung noch abwenden. Sich irgendwo unterzustellen hatte keinen Sinn mehr.

    Gudrun nahm die Abkürzung durch einen menschenleeren Park. Ihr Haar lag wie eine Badehaube auf ihrem Kopf. „Die janze schöne Frisur is im Eimer", beschwerte sie sich missmutig, während sie mit schweren Schritten durch die Pfützen patschte, die sich gebildet hatten. Es hatte keinen Zweck, ihnen auszuweichen, denn es waren einfach zu viele.

    Die Sprechstundenhilfe erreichte die Mitte des Parks. Plötzlich... Ein lautes, angsterregendes Fauchen! Grelles Licht! Ohrenbetäubendes Krachen! Ein Blitz hatte einen der Bäume getroffen. Gudrun blieb das Herz fast stehen. Wie eine riesige Axt hatte der Blitz in die Krone jenes Baumes geschlagen, an dem die vierundsechzigjährige Frau soeben vorbeilief, und einen dicken Ast abgespalten.

    Die gebürtige Berlinerin, die seit vielen, vielen Jahren in München lebte, hörte das Splittern von Holz und das Schleifen und Klatschen der Blätter des fallenden Astes, hob den Kopf und sah den Ast direkt auf sich zurasen. Es war ihr unmöglich, auszuweichen. Sie stand wie gelähmt, sah den herabstürzenden Ast und der letzte Gedanke, der ihr durch den Kopf raste, war: Jetzt erschlägt er dich!

    Dann wurde ihr schwarz vor Augen, und sie fiel in einen tiefen, dunklen Schacht.

    Als sie zu sich kam, blickte sie in ein bekanntes Gesicht, in das des Klinikchefs Dr. Ulrich Seeberg, der mit ihrem Brötchengeber Dr. Sven Kayser befreundet war.

    Obwohl ihr eigentlich hätte klar sein müssen, wo sie sich befand, fragte sie: „Wo bin ick?"

    „Sie sind bei uns, Schwester Gudrun, antwortete der Chefarzt lächelnd. „In der Seeberg-Klinik.

    „Wie komme ick hierher?"

    „Die Rettung hat Sie zu uns gebracht, nachdem man in Ihrer Handtasche ein Kärtchen fand, auf dem stand, dass Sie im Falle eines Unfalls in die Seeberg-Klinik eingeliefert werden möchten."

    „Wat is passiert?"

    „Sie wissen es nicht?"

    „Ick habe keenen blassen Schimmer."

    „Da war ein Gewitter..."

    „Ick kann mir nich erinnern."

    „Ein Blitz schlug einem Baum einen dicken Ast ab, und der fiel auf Sie."

    „Bin ick verletzt, Dr. Seeberg?"

    „Ihre Gedächtnislücke lässt auf eine Gehirnerschütterung schließen."

    „Hab ick mir wat jebrochen?"

    „Ihr Brustkorb ist geprellt, gab der Klinikchef Auskunft. „Ihre Knochen sind zum Glück heil geblieben.

    „ Jott sei’s jetrommelt und jepfiffen. Da hat meen Schutzenjel janze Arbeit jeleistet."

    Dr. Seeberg nickte. „Das können Sie laut sagen."

    „Ick werd’ ihn janz feste knuddeln, wenn ick ihn sehe." Schwester Gudrun fiel jetzt erst auf, dass sie in einem Krankenbett lag.

    Sie wollte sich aufsetzen, doch Dr. Seeberg hinderte sie daran. „Schön liegenbleiben, meine Liebe", sagte er freundlich lächelnd.

    „Wat soll dat werden, Dr. Seeberg? ’ne massive Freiheitsberaubung?"

    „Ich schlage vor, Sie nehmen jetzt mal eine Weile unsere Gastfreundschaft in Anspruch", sagte der Mediziner.

    „Ihre Jastfreundschaft in allen Ehren, Herr Doktor, aber die könn’ Se sich an den Hut kleistern. Ick bin in Ordnung. Mir fehlt nischt. Dat ham Se selbst jesagt. Wejen ’n paar jeprellter Rippen bleib’ ick doch nich im Bette liejen."

    „Und was ist mit der Gehirnerschütterung?, fragte Ulrich Seeberg. „Als Arzthelferin wissen Sie, dass man so etwas nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.

    „Tu’ ick nich. Ick verspreche Ihnen hoch und heilig, mir zu schonen, wenn Se mir nach Hause jehen lassen. Ihr Freund Dr. Kayser braucht mir."

    „Er wird ein paar Tage ohne Sie auskommen müssen, entgegnete Dr. Seeberg. „Er hat ja noch Frau Flanitzer.

    „Marie-Luise is ’ne Spitzenkraft. Dennoch wird es in der Praxis drunter und drüber jehen, wenn ick nich da bin."

    Der Klinikchef lächelte. „Kein Mensch ist unersetzlich, Schwester Gudrun. Er wurde ernst. „Ich kann Sie noch nicht nach Hause gehen lassen, aber ich verspreche Ihnen, Sie keinen Tag länger hierzubehalten, als ich es für unbedingt nötig erachte. Ist das ein Wort?

    2

    Dr. Sven Kayser verließ mit Solveig Abel das Kino, in dem sie den neuesten Tom Hanks Film, eine bittersüße Liebesgeschichte mit ergreifendem Happyend, gesehen hatten. Überrascht stellten sie fest, dass es bis vor kurzem noch ziemlich heftig geregnet haben musste, denn die Straße und der Gehsteig waren nass, und Bäche gurgelten in die Kanäle.

    Der Grünwalder Arzt schmunzelte. „Glück muss man haben. Wenn die Vorstellung zehn Minuten früher zu Ende gewesen wäre, wären wir noch pitschnass geworden."

    Über ihnen rissen die Wolken auf, und vereinzelt kam der blaue Himmel wieder zum Vorschein.

    Solveig, ein sehr damenhafter Typ, blond und Ende dreißig, schob ihre schlanke Hand unter seinen Arm und fragte: „Und was unternehmen wir nun?"

    Sven Kayser zuckte mit den Schultern! „Was du möchtest. Schlag etwas vor."

    „Wir könnten im ‘Paco’ eine kühle Sangria trinken."

    „Gute Idee."

    Sie gingen zu Dr. Kaysers Wagen. Es kam nicht oft vor, dass dem Grünwalder Arzt so viel Freizeit gegönnt war. Sommerzeit. Reisezeit.

    Viele Patienten hatten die Stadt verlassen, und Solveig freute sich über jede Minute, die Sven ihr dadurch schenken konnte und die sie mit ihm genießen durfte.

    Sie erreichten das Auto des Allgemeinmediziners und stiegen ein. Das „Paco" war ein nettes, kleines spanisches Restaurant in Bogenhausen. Sven und Solveig hatten es vor einem Jahr zufällig entdeckt und besuchten es seither durchschnittlich einmal im Monat.

    Bevor Dr. Kayser den Motor startete, schaltete er sein Mobiltelefon ein, um in Notfällen erreichbar zu sein. Er stellte fest, dass sich in der Mailbox des Handys eine Nachricht für ihn befand, und rief sie ab.

    „Hallo, Sven, ich bin’s Uli, sagte Dr. Ulrich Seeberg. „Krieg bitte keinen Schreck. Ein Krankenwagen hat Gudrun zu uns gebracht. Sie ist soweit in Ordnung. Ruf mich bitte an.

    Dr. Kayser bekam den Schreck trotzdem. Er schaute Solveig Abel verstört an. „Gudrun liegt in der Seeberg-Klinik."

    „ Großer Gott, was ist passiert?" Solveig mochte die resolute Schwester sehr. Sie konnte sich Gudrun Giesecke aus Svens Praxis einfach nicht wegdenken.

    Dr. Kayser, der Belegarzt an der Seeberg-Klinik war, hatte die Nummer im Handy gespeichert. Er brauchte nur zwei Knöpfe zu drücken, und Sekunden später war die Verbindung hergestellt.

    Sven verlangte seinen Klinikleiter zu sprechen. Es dauerte nicht lange, bis Ulrich Seeberg sich meldete. „Was ist mit Gudrun?, fragte Dr. Kayser gepresst. „Wieso ist sie bei dir?

    Dr. Seeberg informierte den Freund.

    „Ein Blitz?, sagte Sven aufgewühlt. „Meine Güte, der Ast hätte Gudrun erschlagen können. Sie, sie hätte auch direkt vom Blitz getroffen werden können.

    „Ihr Schutzengel hat zum Glück gut aufgepasst."

    „Wir sehen uns gleich, sagte Dr. Kayser und beendete das Gespräch. Er erzählte Solveig Abel ganz schnell, was er erfahren hatte, und fuhr dann los. Die Sangria im „Paco war ihnen beiden nicht mehr wichtig.

    3

    Dr. Ulrich Seeberg sagte lächelnd zu Solveig Abel und Dr. Sven Kayser: „Ich bin nicht mehr ihr Freund."

    „Wieso nicht?"

    Dr. Seeberg hob die Schultern. „Weil ich sie nicht nach Hause gehen lasse."

    „Hat sie Kopfschmerzen?", erkundigte sich Dr. Kayser. Sie befanden sich in Dr. Seebergs Büro.

    „Sie sagt nein", gab der Klinikchef zur Antwort.

    „Schwindelgefühl?"

    „Sie sagt nein."

    „Übelkeit?"

    „Sie sagt nein, erwiderte Dr. Seeberg wiederum. „Aber wir haben eine Verlangsamung ihrer Atmung und eine leichte Pulsverschlechterung festgestellt, und solange sich daran nichts ändert, bleibt sie hier.

    „Sehr richtig, pflichtete Dr. Kayser seinem Freund bei. „Gehen wir zu ihr?

    Ulrich Seeberg nickte und brachte Sven und Solveig zu der schwierigen Patientin.

    „Icke, was machen Sie denn für Sachen?", sagte Sven Kayser mit gespieltem Vorwurf.

    „Frajen Se nich mir, Chef, gab die rundliche Sprechstundenhilfe zurück. „Frajen Se den Blitz, wat er für Sachen macht. Ick wollte nischt weiter als nach Hause loofen, und wo bin ick jelandet? In der Seeberg-Klinik. Ick komm’ mir vor, als wär’ ick in ’ne Falle jeraten, aus der es keen Entrinnen jibt.

    Sven Kayser streichelte die Wange der Berlinerin. „Die Falle wird sich für Sie öffnen, sobald Uli es vom medizinischen Standpunkt aus verantworten kann. Sie müssen jetzt vernünftig sein, Icke. Mit einer kranken Schwester ist mir in der Praxis nicht gedient, das sehen Sie doch ein, oder? Konzentrieren Sie sich ausschließlich aufs Gesundwerden, und lassen Sie sich von meinem Freund Uli und seinen Kollegen helfen, ohne zu meckern."

    „Lernen Sie mal die Patientenseite unseres Berufs kennen, meinte Ulrich Seeberg schmunzelnd. „Das kann zur Abwechslung doch auch mal ganz interessant sein, oder?

    Gudrun schüttelte den Kopf. „Nich für mich. Ick arbeite lieber als zu faulenzen."

    Sven Kayser hob die Hand. „Wer krank ist, faulenzt nicht, Icke."

    „Na schön, Chef, ick bleibe hier und lass’ es mir so lange jutjehen, bis Se mir händeringend bitten, in die Praxis zurückzukommen."

    Dr. Kayser nickte lächelnd. „So machen wir’s."

    4

    Tags darauf kam Marie-Luise Flanitzer zu Besuch. Schwester Gudruns Kollegin war nicht einmal halb so alt wie diese, war sehr feminin und ein echtes Gegenstück zu der resoluten Berlinerin.

    „Wie geht es Ihnen?", erkundigte sich die aparte junge Frau anteilnehmend.

    7

    „Mir jeht es jut", behauptete Gudrun Giesecke.

    Schwester Marie-Luises Blick wanderte durch das nüchterne Krankenzimmer. „Kann ich irgend etwas für Sie tun?"

    Schwester Gudrun schüttelte den Kopf. „Man tut hier schon viel zu viel für mich."

    Marie-Luise Flanitzer hob die Schultern. Sie trug ein leichtes, dünnes, bunt bedrucktes Sommerkleid. „Vielleicht kann ich was für Sie besorgen."

    Gudrun Giesecke winkte ab. „Lass man, Marie-Luise, ick habe allet, wat ick brauche. Erzähl mir lieber, wie es in der Praxis läuft."

    „Nun ja, wenn man die Praxis mit einem Motor vergleichen könnte, würde ich sagen, sie läuft ohne Sie derzeit nur auf drei Zylindern."

    „Sag, vermissen mich die Patienten?", fragte Gudrun neugierig.

    „Selbstverständlich. Alle fragen nach Ihnen. Ich soll Sie von Frau Werner, Frau Pötzel, Frau Lobner und Herrn Waiss ganz herzlich grüßen."

    „Danke. Gudrun strahlte. „Dat tut meener anjeknacksten Seele jut. Man fühlt sich einjebettet in ’ne jroße, nette Familie, wenn man schon so lange wie ick in so ’ner Arztpraxis arbeitet. Du kennst dat Leben der Leute, nimmst an ihren Schicksalen Anteil, jehörst irjendwie zu ihnen, und du fehlst ihnen, wenn du nich da bist.

    „Mir fehlen Sie auch."

    Gudrun Giesecke lächelte. „Ick steh’ dir bald wieder für’n Schwätzchen zwischendurch zur Verfügung. Bis dahin musste eben alleene die Stellung halten. Solltest du dich überfordert fühlen, schreist du janz laut um Hilfe, ja? Dann steige ick in meene Siebenmeilenstiefel und bin in null Komma nix bei dir."

    5

    In der Grünwalder Arztpraxis ging es durch Schwester Gudruns Ausfall zwar nicht drunter und drüber, wie sie es insgeheim gerne gesehen hätte , aber man merkte doch ganz deutlich, dass diese wertvolle Kraft an allen Ecken und Enden fehlte. Marie Luise Flanitzer gab sich die allergrößte Mühe, kein Chaos aufkommen zu lassen, aber einfach war es für sie nicht, doppelte Arbeit zu leisten und dabei dennoch keine Fehler zu machen.

    Nach vier Tagen Klinikaufenthalt erschien Gudrun wieder an ihrem Arbeitsplatz. Zur Schonung ihres geprellten Brustkorbs trug sie ein Stützmieder, aber davon wussten nur Dr. Kayser und Schwester Marie-Luise.

    Für die Patienten sah sie so robust und unverwüstlich aus wie immer, und jeder, der sie kannte, freute sich, sie wiederzusehen. Sie wirkte ausgeruht und frisch, und die Arbeit ging ihr großartig von der Hand. Die Grünwalder Praxis lief wieder wie ein bestens gewartetes Räderwerk.

    „Schön, Sie in gesunder Frische wiederzusehen, Schwester Gudrun", sagte Barbara Hopfmüller, eine junge, geschäftstüchtige Maklerin. Sie trug ein modernes Dirndl mit Schürze und Schultertuch.

    „Schön, das zu hören, Frau Hopfmüller", gab die grauhaarige Sprechstundenhilfe zurück.

    „Der Blitzeinschlag muss ja ein ganz schlimmer Schock für Sie gewesen sein."

    „O ja, daran werde ick noch lange denken."

    Barbara Hopfmüller schüttelte ihre rotblonde Mähne. „Da meint man, in der Stadt wäre man vor Blitzen sicher, und dann passiert so etwas."

    „Sollte ick jemals wieder in so ein Jewitter jeraten, jehe ick, sobald die ersten Tropfen fallen, keenen Schritt weiter, sondern suche janz schnell irjendwo Schutz oder setze mir in ein Lokal und warte, bis dat Unwetter vorbei is. Der Mensch lernt ooch noch mit vierundsechzig Jahren aus seinen Fehlern."

    „Ich habe mich immer schon vor Gewittern gefürchtet", sagte Barbara Hopfmüller heiser.

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