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Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9
Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9
Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9
eBook477 Seiten6 Stunden

Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Western:

Hallo... Cowboy! (Larry Lash)

Carringo und der Blutreiter (Wolf G. Rahn)

Straße der Vernichtung (Glenn Stirling)

Es scheint, als wären Menschen wie vom Erdboden verschluckt. Carringo, der Agent der Wells Fargo, hat den Auftrag, den Kutscher Pete Bain der Agentur zu finden, der mit Fracht und Pferden verschwunden ist. Carringo trifft bei seiner Suche auf Web Huston, der seinen Bruder Sam vermisst.

Unterdessen sucht Chaco nach einer Spur von Papago Indianern, die Major Kent ins Reservat überführen soll. Die meisten von ihnen kommen jedoch dort nicht an.

Und immer wieder taucht ein Name auf, der die Menschen ängstlich werden lässt - der Blutreiter!
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum16. Sept. 2021
ISBN9783745218862
Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9
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    Buchvorschau

    Cowboys und Revolvermänner - Larry Lash

    Larry Lash, Glenn Stirling, Wolf G. Rahn

    Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9

    UUID: 0554e494-61d7-4073-ad50-6df57b3ffd69

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9

    Copyright

    Hallo … Cowboy!

    Copyright

    1.

    2.

    3.

    4.

    5.

    6.

    7.

    8.

    9.

    10.

    11.

    12.

    13.

    14.

    15.

    16.

    17.

    Carringo und der Blutreiter

    Straße der Vernichtung

    Cowboys und Revolvermänner: 3 Romane: Western Roman Trio Band 9

    Larry Lash, Wolf G. Rahn, Glenn Stirling

    Dieser Band enthält folgende Western:

    Hallo... Cowboy! (Larry Lash)

    Carringo und der Blutreiter (Wolf G. Rahn)

    Straße der Vernichtung (Glenn Stirling)

    Es scheint, als wären Menschen wie vom Erdboden verschluckt. Carringo, der Agent der Wells Fargo, hat den Auftrag, den Kutscher Pete Bain der Agentur zu finden, der mit Fracht und Pferden verschwunden ist. Carringo trifft bei seiner Suche auf Web Huston, der seinen Bruder Sam vermisst.

    Unterdessen sucht Chaco nach einer Spur von Papago Indianern, die Major Kent ins Reservat überführen soll. Die meisten von ihnen kommen jedoch dort nicht an.

    Und immer wieder taucht ein Name auf, der die Menschen ängstlich werden lässt - der Blutreiter!

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Hallo … Cowboy!

    Western von Larry Lash

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 215 Taschenbuchseiten.

    Mike O’Kenna hatte seiner Mutter versprochen, ohne Waffe durchs Leben zu gehen, so wollte er es auch halten. Er hatte den festen Willen dazu, bis er auf Tede Duffa stieß, der auf einen waffenlosen Cowboy nur gewartet zu haben schien. Ihn zu schikanieren, war seine Lust. Mike schlug die Mahnungen der Mutter in den Wind. Gegen Duffa zu stehen, das hatte bisher noch keiner gewagt. Es wurde aus ihm der Sohn, der die Ranch des Vaters an sich riss, der dessen Mörder in die Enge trieb und so aufräumte, wie zuvor nie jemand im ganzen Jasui-Tal aufgeräumt hatte.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Cover: Edward Martin / Schottland, 2018

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    Www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1.

    Tede Duffa liebte keine Störungen. Vor Jahren hatte er sich ein kleines Blockhaus im Hasait-Tal gebaut, etwas abseits der Trailwege, einige Meilen von der dürftigen Stadt Jasui entfernt. In besinnlicher Ruhe lebte er sonst hier. Jetzt bellten seine beiden großen Tigerhunde erregt, rasten draußen im Hof am Zaun hin und her, waren wie toll.

    Tede ließ die Truthahnkeule sinken, wischte sich mit dem Ärmel seiner schäbigen Weste das Fett aus den Mundwinkeln und schritt zum Fenster.

    Groß, breit, wuchtig füllte seine derbe Gestalt die Öffnung aus. Er hob die Keule, riss mit den starken Zähnen einen Fetzen Fleisch herunter, betrachtete aus zusammengekniffenen Augen den Reiter, der etwas geduckt im Sattel saß, über den Zaun spähte und leise vor sich hin lachte.

    „Hallo, Cowboy!, rief Tede Duffa, winkte mit dem Braten, deutete damit nach Osten, „solltest deinen Ritt besser nicht unterbrechen, sondern weiter trailen!

    Das war ganz und gar nicht der Sitte des Westens entsprechend. Man wies keinen Fremden von seiner Tür fort.

    Tede Duffa hätte es sich auch überlegt, wenn der Bursche dort am Zaun einen anderen Eindruck gemacht hätte.

    Er kaute emsig, ließ keinen Blick von dem kleinen, schläfrig wirkenden, müde im Sattel hängenden Cowboy, der ihn mit gierigen Augen betrachtete.

    „Hast wohl Hunger, wie?", brummte Duffa ärgerlich.

    Der junge Bursche verging vor Hunger, und seine Worte kamen zögernd.

    „Yeah, ich will gerne für eine gute Mahlzeit arbeiten. Habe seit drei Tagen nichts mehr zu beißen gehabt. Es ist mir speiübel", stieß er schleppend heraus.

    Tede Duffa schluckte einen Bissen herunter, ehe er antwortete: „Eiya, Satteltramps wird es immer übel ergehen, Sonny", grinste er dann etwas anzüglich, beobachtete den Burschen scharf. Aber der schluckte es, nahm die Anschuldigung hin, ohne aufzubrausen.

    Er musste sehr müde sein, hatte wohl einen verteufelt weiten Weg hinter sich, und auch der braune Wallach unter ihm war abgetrieben, ließ den Kopf hängen, ließ sich durch das wütende Belfern der Tigerhunde nicht aus der Lethargie reißen. Seine Mähnen und Schweifhaare waren hell, von einem verwaschenen Gelb. Auf der Stirn trug der Braune eine Blässe und an den Fesseln helle Stulpen.

    „Yeah, Arbeit, das wollen sie alle, meckerte Duffa, kaute, schluckte dabei, sah wieder zu dem Gaul hin. „Heh, ein fremder Brand in dieser gesegneten Gegend, aus welcher Ecke der Welt kommst du?

    Auch das war, streng genommen, eine Beleidigung. Man fragte nicht nach dem „Woher und dem „Wohin.

    Tede Duffa störte das nicht. Er hatte erkannt, dass der junge, verstaubte Cowboy keinen Gurt trug, und das machte ihn überheblich, ließ eine Idee in seinem Hirn aufkommen. Heh, mit so einem Burschen ohne Eisen konnte man nach Gutdünken umspringen. Auf so einen Cowboy hatte Tede doch eigentlich nur gewartet.

    „Arbeit willst du? Well, sollst du haben, so viel du willst. – Bessie! – Isabell! – kusch!"

    Die Tigerhunde duckten sich, rasten davon und kniffen die Ruten ein. Duffa verschwand vom Fenster, trat wenig später aus der Tür, schlenderte heran. Bei jedem Schritt wackelte sein Doppelkinn, wackelte der pralle Bauch mit der blitzenden Uhrkette. Auch jetzt hielt er den Braten in der Faust, wedelte damit so herum, dass dem jungen Burschen die Augen zu flackern begannen.

    „Sonny, treib deinen Gaul an! Steig ab!"

    Der Cowboy setzte sein Tier in Bewegung, ritt durch das Gartentor, das Duffa vor dem Tier aufriss, glitt aus dem Sattel, stolperte, wäre beinahe gefallen.

    „Siehst nicht danach aus, als könntest du arbeiten", knurrte Duffa kühl.

    Der junge Cowboy gab keine Antwort, duckte sich unter dem Holm hindurch und band seinen Braunen fest.

    Die Schläfrigkeit wich nicht, wurde nur unterbrochen, wenn die hellen Augen des jungen Mannes die Truthahnkeule trafen.

    „Mister, was kann ich tun?"

    Er hatte eine weiche, melodische Stimme. Sie passte zu seinem jungenhaften, weich geschnittenen Gesicht mit den verschlafenen Augen, dem lichten Blondhaar, das sich unter der Stetsonkrempe zeigte.

    Duffa baute sich in seiner ganzen Größe vor ihm auf. Deutlicher konnte er den körperlichen Unterschied nicht herausstellen. Wie ein Zwerg wirkte nun der Kleine, ließ den Kopf auf die Brust fallen, stand etwas unsicher, stieß mit der Stiefelspitze einen Stein fort.

    „Du hast Hunger?"

    „Yeah!"

    „Du willst dir das Essen verdienen?"

    „Sicher, Mister!"

    „Dann komm."

    Gewichtig drehte sich Duffa auf seinem Absatz, schloss das Tor sorgfältig, legte den Riegel vor, hörte, wie der Bursche hinter ihm stehenblieb.

    „Komm nur."

    Er führte ihn hinter das Haus, deutete auf einen Riesenstapel Holz, auf ein Beil.

    „Fang an."

    „Yeah, und das Essen?"

    „Will dir was sagen, Boy. Kerle von deiner Art bekommen erst etwas, wenn die Arbeit erledigt ist. Fang an."

    „Und – wenn ich nicht …"

    „Du wirst", erklärte Duffa spöttisch, lächelte eigenartig, beglückwünschte sich innerlich zu seinem Fang, stiefelte davon und ließ den Cowboy allein.

    Mike O’Kenna stand einige Sekunden beklommen da, atmete verbissen, riss sich den Stetson von den Haaren, zog sich die verstaubte Lederweste aus, warf sie auf den Stapel, spuckte in die Hände und fasste das Beil.

    Wütend begann er mit der Arbeit.

    Drei Stunden hackte er ununterbrochen. Die Holzsplitter flogen durch die Luft. Der Kleinholzstapel vergrößerte sich zusehends.

    Es wurde Mittag. Die Sonne prallte herab, laugte ihn noch mehr aus.

    Erschöpft ließ Mike O’Kenna das Beil sinken, wischte den Schweiß von der Stirn, sah, dass Tede Duffa ihn hämisch grinsend hinter den Gardinen beobachtete.

    „Hallo, Mister … habe Durst!"

    „Zuerst die Arbeit, Cowboy!"

    „Zum Teufel!, fuhr Mike auf. „Da soll mich der und jener … Mit einem harten Schwung warf er das Beil von sich, wollte sich erheben.

    „Arbeite, Cowboy!", krächzte es aus dem kleinen Fenster.

    Mike wirbelte herum, sah in die drohende Mündung eines Revolvers.

    „Na?"

    Dieser Aufforderung war nicht zu widerstehen. Mike hackte, und Duffa sah noch eine Weile zu. „Wenn man durch diese Gegend reitet, Boy, sollte man immer ein Eisen und Munition bereithalten!", knurrte er bissig.

    „Werde es mir merken", keuchte Mike. Er behielt das Fenster im Auge, und als Duffa zurücktrat, hielt auch er mit der Arbeit inne, stierte auf seine Hände, die voller Blasen waren.

    In diesem Moment hörte er hinter sich drohendes Knurren, Instinktiv packte er das Beil. Sofort verstummten die beiden Tigerhunde. Aber sie wichen nicht, strichen in einiger Entfernung um ihn herum, benahmen sich anständig, wenn er das Holz spaltete, und wurden wild, sobald er auch nur den Versuch machte, eine Pause einzulegen.

    Der Kleinholzhaufen schwoll an, und Mikes Kräfte nahmen ab.

    Immer wieder schaute er zum Haus hin. Niemand ließ sich sehen.

    Seine Kehle war ausgedörrt, und die Zunge lag wie ein aufgeblasener Schwamm im Rachen. Der Schweiß ätzte seine Haut, brannte in den Augen.

    „Mister! Heh, Mister!", gellte sein Ruf. Seine Stimme wurde heiser, rau, brüchig.

    Es wurde Abend.

    Die tintigen Schatten der Nacht fielen über das Land, und Mike O’Kenna hackte immer noch Holz für Tede Duffa.

    Die Tigerhunde bewachten ihn, ließen ihn nicht aus den Augen. Die gelb-grünen Lichter der Bestien begannen zu glimmen. Geifer lief ihnen an den Lefzen herunter.

    Hinter dem Haus erklang das Wiehern des Braunen, verstummte. Vor Mikes Augen begannen rote Nebelschleier auf und nieder zu wallen.

    Hatte der Teufel vor, ihn die ganze Nacht Holz zerkleinern zu lassen?

    Es sah danach aus.

    Einmal wurde ein Fenster geöffnet, die Hunde verschwanden für einen Augenblick, und als sie zurückkehrten, hatten sie zwischen ihren Reißern die zarten Knochen eines Truthahns.

    Mike wandte sich ab. Hunger und Durst und Zorn wühlten in seinem Innern. Er biss die Zähne aufeinander, war versucht, den widerlichen Tieren mit dem Beil ans Leder zu gehen. Aber auch das verwarf er sofort, als sie zu knurren begannen.

    Die Dämmerung flog vorbei, und die Nacht zog auf. Der Mond lugte hinter ziehenden Wolken hervor.

    Mike O’Kenna spaltete Holz für Tede Duffa.

    Die Tigerhunde hatten sich nur wenige Yards hinter ihm niedergelassen, ihre grünen Lichter funkelten böse, wachsam.

    Bisher hatte Mike seinen Grimm und seine Wut an dem zähen Holz ausgelassen. Jetzt wusste er, dass er im Höchstfälle noch eine Stunde durchhalten, dann aber in sich zusammensinken würde. Diese Erkenntnis gab den Ausschlag.

    Er hatte die Hoffnung begraben, dass Tede Duffa sich heute noch um ihn kümmern würde, wusste nun, wozu jener die Hunde abgerichtet hatte.

    Tede Duffa war ein Kerl mit üblen Ansichten, einer, der sich keine Gedanken machte, was daraus wurde, und Mike O’Kenna war in seine Falle geraten.

    Drei Monate war er auf dem Trail, und kurz vor seinem Ziel musste ihm dieses hier passieren. Wenn er jetzt nicht bald handelte, nichts unternahm, dann würde er niemals die Ranch seines Vaters sehen, sondern ewig Holz hacken und hungern.

    Damned!

    Vor drei Monaten war er aus Kansas aufgebrochen. Genau an dem Tag, an dem er einundzwanzig Jahre alt wurde, hatte seine Mutter ihm erklärt, dass sie geschieden sei und sein Dad in Oregon eine Ranch besitze.

    Well, nie zuvor hatte die Mutter vom Vater gesprochen. Als Junge war er immer der Ansicht

    gewesen, dass sein Vater tot war. Nun, da er die Wahrheit erfuhr, ließ er sich nicht halten, hörte nicht auf das Drängen seiner Mutter, blieb nicht bei ihr in dem kleinen Store.

    Mike O’Kenna wollte seinen Vater sehen, und wie vor drei Monaten hörte er die warme Stimme der Mutter. „Wenn du gehen willst, mein Junge, dann versprich mir in die Hand, dass du keinen Colt trägst. Ein Mann ohne Colt kommt nicht in Versuchung zu schießen, Mike. Ich habe dir nicht gesagt, weshalb ich mich von deinem Vater trennte. Nun muss ich es sagen. Dein Vater war ein Mann, der zwei Waffen trug, überall, wohin er kam, sprangen ihm Männer vor die Stiefel, wollten seine Colts ausprobieren. Er war schneller als alle. Viele starben. Ich flehte, bat, drohte. Ich war bereit, mit ihm das Land zu verlassen und mit ihm zusammen irgendwo im Osten ein neues Leben zu beginnen. Wir zogen zum Osten, aber er verfiel, wurde mutlos, unsicher, nichts wollte ihm glücken. Er beschwor mich, wieder zum Westen zu ziehen. Sagte immer wieder, dass er die Luft hier nicht atmen könnte. Ich lehnte ab, lachte, wenn er davon anfing.

    Dann schien es, dass er sich langsam gewöhnte. Er trug keine Revolver mehr. In einer Truhe lagen sie verpackt, und eines Tages brachten Cowboys ihn ins Haus. Man hatte ihn angeschossen, obwohl er keine Waffen trug. Irgendeiner soll es gewesen sein, der mit Dad noch eine Rechnung offen hatte und der ihm zum Osten folgte. Vater lag lange Zeit krank. Ich fragte ihn nach dem Vorfall, und er gab nur ausweichende Antworten. Das machte mich stutzig. Wieder beschwor ich ihn, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, beschwor ihn, alles zu vergessen und nicht mehr die Eisen zu ergreifen. Ich sagte ihm auch, dass ich mich für immer von ihm trennen würde, wenn er es doch täte. Er genas, war blasser, wortkarger denn je. Ich merkte ihm an, dass es an ihm nagte und zerrte, sah ihn oft, wie er zum Westen starrte und wie seine Blicke in die Ferne wanderten. Oft fand ich ihn bei dir sitzen, aber er spielte nicht mehr wie früher mit dir. Alles, was er tat, wirkte gezwungen, marionettenhaft.

    Und dann kam der Tag, an dem ich Schüsse nahe beim Haus fallen hörte. Ich fand dich … Ich glaubte dich tot, hob dich auf. Dein Vater stand plötzlich neben mir. Niemals werde ich sein Gesicht vergessen. Es war schrecklich! Am anderen Morgen fand ich seinen Brief. Seine Eisen hatte er aus der Truhe genommen. Er war fort, und kam nicht mehr zurück. Später hörte ich, dass er sich in Oregon eine Ranch aufgebaut hat. Darum hasse ich alle Männer, die sich mit der Waffe durchs Leben schlagen. Ich war immer stolz, dass du keine Eisen anrührtest. Ein richtiger Mann kommt auch ohne sie aus!"

    Yeah, das hatte die Mutter ihm gesagt, und er konnte ihr nicht widersprechen, konnte ihr unmöglich sagen, dass er in seinen Freistunden hinter den Silbiaks-Hills sämtliche alten und neuen Waffen, die der Store der Mutter anzubieten hatte, ausprobierte. Nein, er wollte ihr keinen Kummer zufügen und wusste, dass seine Kameraden schwiegen.

    Mike O’Kenna hatte eine glänzende Schule mit den Eisen hinter sich, hatte sich dennoch dem Wunsch seiner Mutter gefügt und ging waffenlos auf den Trail nach Oregon.

    Drei Monate brauchte er das nicht zu bereuen, war ohne Eisen glänzend ausgekommen, hatte oft die erstaunten Blicke von Weidereitern, Ranchern, einsamen Reitern auf sich gefühlt. Es gab sogar Cowpuncher, die ihn gutmütig verspotteten und ihm ein Eisen anboten. Er hatte abgewinkt und war weiter getrailt.

    Ja! Gerade weil er ohne Eisen ritt, hatte er unterwegs so manche Freundschaft schließen können. Es gab Langreiter, die ihn über Meilen hinweg begleiteten, die ihn aufforderten, an ihrem Campfeuer Platz zu nehmen, und die ihren Proviant mit ihm teilten.

    Keiner fragte nach seinem Namen, niemand, wohin er ritt, woher er kam. Er war ein Namenloser im großen Heer der Rastlosen, die von Ost nach West und von Süd nach Nord, immer auf der Suche, auf der Jagd nach dem Glück, auf der Flucht vor anderen oder vor dem eigenen Gewissen durch die Staaten zogen.

    Keiner sprach über sich, keiner über das, was er vom Leben erwartete. Es waren ohne Ausnahme harte Männer, und was sie sagten, was sie taten, war alles knapp bemessen.

    Mike lächelte etwas kläglich in sich hinein.

    Damny! Jetzt, fast am Ziele, sollte er wegen einer fehlenden Kanone zum ewigen Holzhacker werden?

    In ihm kochte es. Seine Zähne begannen zu knirschen.

    Er stand auf, hörte hinter sich das drohende Knurren und wirbelte herum, umklammerte die langstielige Axt mit beiden Händen, sah in zwei grüne Lichter, sah den mächtigen Körper des Hundes sich zum Sprung ducken. Die zweite Bestie spannte ebenfalls den kurzen, gedrungenen Rumpf, bleckte die Reißer, die wie spitze Dolche im Mondlicht schimmerten.

    Im Bruchteil einer Sekunde erfasste er das alles. Wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr gab, und er wollte es auch nicht.

    Der langgestreckte Körper des Hundes flog wie von einem Katapult geschossen auf ihn zu.

    Mike holte aus, sprang vor. Pfeifend presste sein Atem. Seine Muskelstränge waren dem Zerreißen nahe.

    All die Wut, die in ihm während des Tages angewachsen war, legte er in seine Arme, in den furchtbaren Schlag, der durch die Luft zischte.

    Lautlos war dieser Kampf, gefährlich.

    Neben ihm plumpste es zu Boden. Er spürte, dass in wenigen Sekunden etwas geschehen konnte, was das ganze Leben umkrempelte, neu gestaltete, und der nächste Axthieb traf das Rückgrat des zweiten Hundes, als dieser sich um die eigene Achse drehte und nach Mike schnappte.

    Schwer atmend richtete er sich auf. Eine seltsame Öde war in ihm, aber der Grimm war noch nicht verraucht. Er dachte daran, was er alles hatte schlucken müssen, was man aus ihm gemacht hatte.

    Mikes Augen wanderten über die Hundekadaver. Jäh wandte er sich ab, schritt dem Hause zu.

    Die Tür war abgeriegelt, von innen verschlossen. Nochmals drückte er behutsam die Klinke herunter … nichts. Tede Duffa wünschte keinen Besuch.

    „Fellow, werde dir jetzt das Fell über die Ohren ziehen, und sollte ich dabei aus den Stiefeln fahren. Ich will meinen eigenen Stetson fressen, wenn ich nicht in den Bau hinein kann", murmelte Mike O’Kenna grimmig.

    2.

    Mike wandte sich von der Tür, blieb einige Minuten bei seinem Gaul stehen und stellte fest, dass dessen Futterkrippe gefüllt und fast leer gefressen war.

    „Eh, wenigstens du hast zu fressen bekommen", dehnte Mike, huschte davon, schnellte wie ein Schatten zu den niedrigen Fenstern, die bis auf eins alle verschlossen waren, Es war schmal. Er zwängte sich mit knapper Not hindurch. Vorsichtig ließ er sich in den dunklen Raum hinab, blieb in der Hocke sitzen und lauschte.

    Nichts Verdächtiges war zu hören. Seine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Er war in einem kleinen Raum gelandet, dessen Tür verschlossen war. Er biss sich auf die Lippen, strich sich den kalten Schweiß von der Stirn.

    Mit Gewalt konnte er nichts erreichen. Jedes laute Geräusch würde Duffa auf den Plan bringen, würde ihn aus seinem Schlummer wecken, und dann würde es gewiss nicht gut für ihn.

    „Eine Ranch für einen Revolver", flüsterte er heiser vor sich hin, wollte sich wenden, als sein Blick auf die Regale an den Wänden fiel.

    Sein Herzschlag setzte fast aus. Er konnte es kaum glauben, wischte sich über die Augen, trat einen Schritt vor und langte nach dem Rest des Truthahnbratens. Eine Keule und ein Teil des

    Rückens waren noch vorhanden. Mike grinste, kaute, aß, genoss – hielt jäh inne, legte die Keule zurück und langte nach den Proviantsäcken, wuchtete sie hoch, riss die Bindfäden ab und schüttelte Mehl, Hirse – kurz alles, was an Vorräten aufgespeichert war, durchs Fenster hinaus. Warf Schinken und Würste, Speckseiten und Büchsen hinterdrein, verließ die leergeräumte Speisekammer auf dem gleichen Wege, lauschte, bediente sich ausgiebig und begutachtete eine ganze Menge.

    Der Mond versteckte sich hinter Wolkenseglern.

    Im Haus rührte sich nichts.

    Eilig holte Mike seinen Gaul, versorgte sich mit den schönsten Leckerbissen, stopfte in die Satteltaschen hinein, was hinein ging, zog dann den Braunen zum Holzhaufen und schätzte ihn ab.

    „Wirst keine Freude an meiner Arbeit haben, Mister", murmelte er zufrieden, als er einige Scheite in Brand setzte. Der Wind fuhr in die züngelnde Glut, leise prasselten die Flammen. In absehbarer Zeit würde der ganze Stoß ein leuchtendes, sprühendes Riesenfeuerwerk sein.

    „Für deinen Geiz, Mister", zischte Mike, öffnete die Gartentür und warf sich in den Sattel.

    „Vorwärts, Print!", rief er den Wallach an, setzte die Sporen ein.

    Der Gaul streckte sich, seine Hufe rumorten über die weichen Grasbüschel, donnerten einen buschwerkbesetzten Hang hinauf. Auf der Kuppe zügelte Mike seinen Lauf, warf sich im Sattel herum, blickte ins Tal zurück.

    Neben dem Hause flammte der Holzstapel, stoben zuckende Flammenbündel zum Nachthimmel, erhellten weithin die Umgebung.

    Print schnaubte erregt, spielte mit den Ohren.

    „Wohl bekomm’s!", grinste Mike, hob die Truthahnkeule und biss mit dem Appetit eines ausgehungerten Lofers hinein.

    Eine Gestalt rannte vor den Flammen hin und her. Gebärdete sich wie toll, fuchtelte mit den Armen herum.

    „Von dem Brennholz kann er nichts retten, Print, murmelte Mike. „Für sein Haus braucht er nichts zu befürchten. Die Flammen können nicht überspringen. Eigentlich hätte man dem Kerl auch das Haus anstecken sollen. Was meinst du, Print?

    Print scharrte ungeduldig mit den Hufen, wollte weg, doch Mikes Neugier war noch nicht befriedigt, und das war gut so, denn wenige Augenblicke später sah er Tede Duffa auf einem hochgebauten Falben durch das Gartentor jagen.

    „Es wird gemütlich, go on, Print!"

    Holly gee! Es war die höchste Zeit, dass er aus der Reichweite Tede Duffas kam. Niemals würde sein Brauner es mit dem hochgebauten Falben aufnehmen können. Nicht in der Flucht lag die Rettung, sondern darin, so schnell wie möglich in ein Versteck zu kommen.

    Bis zum nächsten Wald waren es einige Meilen. Hinter der Kuppe lag wohl ein welliges Tal, aber nur vereinzelte Büsche und Sträucher standen darin, waren wie verstreute Inseln anzusehen, aber nicht hoch genug, um einen Gaul und einen Reiter zu verbergen.

    Jede Minute war kostbar. Es war nicht anzunehmen, dass Duffa ihm zu dem Feuerwerk gratulieren wollte. Wahrscheinlich würde er ihn mit heißem Blei begrüßen und eine Freifahrtkarte zur Hölle ausstellen, denn ein Mann wie Tede Duffa fragte nicht lange, wedelte auch nicht mit dem Eisen herum. Ein solcher Mann schoss erst und fragte dann.

    Leider bekam er dann auch niemals eine Antwort, denn die Leute, mit denen er sich auf diese Weise unterhielt, konnten ihm nicht einmal mehr einen Gruß senden.

    Yeah, es war bitter!

    Print preschte den Hang hinunter, und Mike lehnte sich weit im Sattel vor, riss den Gaul bei den ersten Büschen auf die Hinterhand, zwang ihn in das Gesträuch hinein und sich zu legen. Warf sich über ihn und hielt ihm die Nüstern zu.

    Der Gaul wollte hoch, schüttelte Mike durcheinander. Doch der setzte alle Kraft ein, um den Pferdekopf niederzuhalten, um Print am Schnauben, Prusten und Wiehern zu hindern.

    Der Hunger, der lange Trail hatten ihn ausgehöhlt, seine Kräfte aufgezehrt, aber sie hatten es

    nicht fertigbringen können, dass seine Gedanken weniger schnell und präzise arbeiteten. Immer wach und bereit waren sie, trotz des müden Ausdrucks der Augen, der gebeugten Haltung und der schmerzenden Glieder.

    Mikes Hirn war leergefegt von allen trüben Gedanken. Er konnte Männer einschätzen und wusste nur zu gut, dass Duffa ein beutehungriger Lofer war, ein Kerl, der vor nichts zurückschreckte, der über Leichen ging und dazu giftig lächeln konnte.

    Was er hinter sich hatte, reichte.

    Duffa hatte mit ihm Schindluder getrieben, hatte auf seine Waffenlosigkeit und Unerfahrenheit gebaut, hatte das restlos ausgenützt.

    Mikes flackernde Augen sahen den Reiter, sahen die verschmelzende Silhouette von Reiter und Pferd auf dem Hügelkamm gegen den hellen Nachthimmel sich abheben.

    Klar und deutlich war das Bild. Duffa reckte sich hoch auf, lauschte in die Nacht … lauschte auf pochenden Hufschlag und machte sich bereit, die Kanonen anzulüften.

    Unruhig war der Falbe unter ihm, hob den Kopf, warf ihn hin und her, schien von einem verzehrenden Eifer erfüllt.

    Sekunden verhielt der Reiter und blickte ins Tal.

    Mike konnte sich des verteufelten Gefühls nicht erwehren, dass der Killer geradewegs auf ihn

    herabsah. Ein Würgen war plötzlich in seiner Kehle. Wieder empfand er die Hilflosigkeit eines waffenlosen Mannes, der auf den Zufall und die Gnade des Schicksals angewiesen war und nur hoffen durfte, nicht entdeckt, nicht aufgestöbert zu werden.

    Seine Zähne knirschten leise, und seine Augen saugten sich an der drohenden Silhouette fest, die jäh verschwand.

    Polternder Hufschlag wuchs zum donnerartigen Getöse an.

    Mikes Herzschlag setzte aus. Keuchend ging sein Atem. Er lauerte geradezu auf das Aufblitzen eines Mündungsfeuers, auf das Dröhnen harter Detonationen.

    Doch nichts geschah! Zwischen den lichten Ästen des Gebüschs sah er den wuchtigen Reiter nur wenige Yards an seinem Versteck vorbeigaloppieren. Gras und Sand flogen auf ihn nieder, dann war der Reiter wie ein Spuk vorbei, tauchte in die Nacht unter, und der Hufschlag seines Pferdes wurde leiser, verwehte. Die Stille der Nacht legte sich auf die Landschaft.

    Mike zerrte an den Zügeln, ließ Print aufstehen. Seine Knie waren etwas weich.

    „Das ging noch einmal gut, Print, flüsterte er benommen. „Ein Mann ohne Eisen ist wohl so etwas wie eine Wanze, die jeder zerdrücken darf. Aber … auch Wanzen können unangenehm werden.

    Er reckte sich, schlug sich den Staub von den Chaperals, rückte den Stetson lässig zurecht, schwang sich in den Sattel, folgte der Fährte, die der Reiter hinterlassen hatte.

    Sie führte nach Norden.

    Im Norden lag Jasui. Hinter der Stadt musste der Grony-Creek in den Stitter-River fließen, und weit, weit im Norden lagen die Blauen Gründe der Semial-Mountains.

    Blaue Gründe wurden die zerrissenen Berge genannt, weil sie blau und metallen schimmerten. Man mied sie, weil sie wild und schroff waren, weil Schluchten, Canyons und Abgründe sich ablösten, und weil dort wirklich nichts zu holen war, außer Durst und Tod.

    Zwei Stunden war Mike wieder unterwegs. Was er geahnt hatte, bestätigte sich. Duffa war nach Jasui geritten. Das gab zu denken und hielt Mike davon ab, der unbekannten Stadt noch in der Nacht einen Besuch abzustatten.

    Er schlug in einem windgeschützten Unterholz sein Nachtlager auf, schnallte die Decke ab, breitete sie auf dem weichen Waldboden aus, band Print an den tiefen Zweigen einer Tanne fest, holte aus einem flachen Creek Wasser, dann stillte er seinen nagenden Hunger von dem geraubten Proviant, legte sich auf die Decke, und sein Sattel diente ihm als Kopfkissen.

    Durch das Laubwerk hindurch sah er die Sterne am Himmelsdom. Aus dem kleinen Wald drangen unbestimmbare Laute von nächtlichem Getier, Leise raunte der Wind, wisperte, raschelte.

    Er schlief gut und wurde erst wach, als die ersten Sonnenstrahlen das Blattwerk vergoldeten.

    Am nahen Creek reinigte er sich gründlich, ließ Print das köstliche Nass trinken, frühstückte, dann zogen sie weiter.

    Er war wachsam wie nie zuvor.

    Morgennebel stiegen aus den Tälern, hingen über dem Weideland. Er begegnete einem Rudel Mavericks, wich den Tieren aus und sah dann einen Reiter aus einer Bodenwelle kommen, der bei seinem Anblick seinen Gaul zum Halt zwang und scharf herüberspähte.

    Auch Mike hielt zurück, erkannte, dass es ein Cowboy und nicht Duffa war.

    Der andere hob die Hand, trieb sein Tier heran. Seine grauen Augen tasteten über den Jungen hinweg.

    „Hallo, Cowboy!", schnarrte es aus lückenhaften Zähnen.

    „Hallo", gab Mike grinsend zurück. Seine Augen wanderten über den Mann, der lässig im Sattel lehnte und kein Auge von ihm ließ, der mit seltsam verkniffenen Lippen, buschigen Augenbrauen und einem braunen, wie Leder gegerbten Gesicht vor ihm im Sattel hockte, der sich die grauen Haare nachdenklich aus der Stirn strich.

    Der Cowboy lachte verbissen, deutete jäh auf seine Eisen.

    „Die fehlen dir, Sonny, krächzte er ohne Einleitung. „Du hast sie verdammt bitter nötig.

    Überrascht kniff Mike die Lider zusammen.

    „Yeah, brummte er. „Ich habe es schon erfahren müssen!

    „Kann es mir denken, Sonny. Ein Mann ist hinter dir her. Du passt auf die Beschreibung. Wenn ich du wäre, dann würde ich meinem Gaul die Sporen über die Flanken reißen und ununterbrochen reiten!"

    „Das ist nichts für mich", entgegnete Mike leise.

    Der Cowboy hob beide Hände an, musterte ihn schnell, eindringlich, lachte dann rau, und seine Augen kniffen sich zusammen.

    „Dann bist du ein Greenhorn. Eh, geh nicht gleich hoch, Sonny, aber für diese Gegend bist du es bestimmt. Ein Mann reitet hier nicht ohne Waffen, und keinem Manne würde es einfallen, ohne Waffen mit Tede Duffa zu reden. Er hat sich drüben im Hasait-Tal eine Festung gebaut. Heh, ist ein offenes Geheimnis, dass Duffa zur Josua-Bande gehörte oder vielleicht noch dazu gehört. Er zaubert mit den Eisen, Boy. Sage dir, wenn Duffa sich nach einem Mann erkundigt und wenn er dabei rote Augen hat, dann liegt dieser Mann bald einige Yards unter der Erde. Kein Gaul ist schnell genug und kein Eisen kommt so schnell aus den Holstern. Duffa sorgt dafür, dass seine Freunde Gänseblümchen pflücken. Heh, bist verdammt jung, Cowboy, nimm den Rat an, reite …"

    „Mein Gaul ist nicht schnell genug, Buddy, und … ich bin hier am Ziel meines Trails."

    „Scheint mir auch so, grinste der Cowboy. „Dein Trail endet hier, einige Yards unter der Erde. Well, kommen alle einmal dahin, mit ’ner Bleivergiftung ist eine andere Sache. Täte mir leid, Sonny!

    Er trieb seinen Gaul noch näher an Print heran, zischte: „Möchte nur wissen, weshalb du unbedingt schon unter die Erde willst. Ist verdammt keine Schande, vor Duffa auszureißen. Habe Männer mit schnellen Eisen gekannt, die vor ihm abzogen und denen es verdammt wenig ausmachte, ob sich das mit ihrem Ruhm vertrug. Goddam! Was hast du ihm zu knacken gegeben, dass er so scharf auf dich ist?"

    „Habe seine Hunde gekitzelt, Buddy. Sie konnten das nicht vertragen und sind vor Lachen gestorben, waren zu empfindlich, die Biester!", sagte Mike freundlich.

    Ruckartig hob der Cowboy den Kopf, sah ihn unsicher an.

    „Dein Ernst?", zischte er.

    „Yeah!, murmelte Mike. „Die Hündchen sind gestorben!

    Der andere fuhr im Sattel hoch, hieb Mike die flache Hand auf die Schulter, krallte sie fest und schüttelte ihn hin und her.

    „Sonny, damit hast du dein Todesurteil unterschrieben, ächzte er. „Das hätte niemand gewagt! Wer zum Teufel bist du? Himmel, ich frage nicht gerne … aber wenn es knallen sollte, dann bin ich der Mann, der auf dein Grab Blumen legt, der ein Kreuz schnitzt und den Viechermord darauf verherrlichen wird!

    Mike sah den Oldtimer etwas geistesabwesend an.

    „Das wäre dann auch für dich ein Todesurteil, Fellow?", zog er in die Länge.

    „Ah, ich bin alt und habe manches von Duffa schlucken müssen, Sonny. Ich reite für die Doppelring-Ranch und bin für verirrte Mavericks zuständig. Heiße Amb Trilyco, Sonny, und bin für die richtige Weidearbeit kaum noch zu gebrauchen. Meine Colts trage ich nur als Gewichtsausgleich, und dass ich zwei Eisen trage, ist eine Täuschung, die jeder Cowboy hier anerkennt. Niemandem würde es einfallen, mir vor die Füße zu springen, denn ich bin etwas kurzsichtig."

    „Aber wozu denn die zwei Eisen, Fellow?", unterbrach Mike erstaunt, nagte dabei an den Lippen.

    Der Alte lächelte seltsam. „Sonny … diese Eisen hat mir ein guter Freund auf dem Sterbebett vermacht, und der konnte damit umgehen. Irgendein Schuft hat ihm hinterrücks das Licht ausgeblasen. Well, war ein verdammt guter Freund von mir. War Rancher …"

    Mike unterbrach. Krächzend kam es über seine Lippen: „Tom O’Kenna?"

    Mit einem Schlag war Mike ein anderer. Hell und blitzend waren seine Augen, stählern, von einem unbändigen Willen erfüllt.

    Das Gesicht des Alten verzerrte sich. Unruhig rutschte er im Sattel herum, beruhigte mit heiseren Kehllauten den nervösen, drahtigen Bronco.

    „Seltsam, murmelte er vor sich hin. „Seltsam.

    „Fellow, was ist seltsam?"

    „Will es dir sagen, Boy. Gleich, als ich dich sah, kam mir dein Gesicht bekannt vor. Hast etwas an dir, was mich zu dir hinzog, ob ich wollte oder nicht."

    Er brach ab, nestelte an der Schnalle des Waffengurtes herum, öffnete sie, hielt Mike den Gurt mit einer schnellen Bewegung entgegen.

    „Nimm sie!", befahl er scharf.

    „Ich?"

    „Yeah, Boy! Du wirst sie nehmen müssen, denn du bist Mike O’Kenna, und es hat verdammt lange gedauert, bis du den Trail zu deinem Vater fandest. Verdammt lange, sage ich, denn dein Vater hat Tag für Tag nach Osten geblickt … und immer wieder war er enttäuscht."

    Es traf Mike wie ein Schlag. Er wurde bleich. Seine Fäuste krampften sich um das Sattelhorn.

    „Du – du hast meinen Dad … gekannt?", fuhr es aus ihm heraus. Es war wie ein Schrei. Wie das Aufstöhnen einer gemarterten Seele.

    Monate war er auf dem Trail, und nun, da er am Ziel war, musste er es hinnehmen … war alles umsonst.

    In der mageren Hand des Alten lag der Gurt, in Lederschlingen steckten zwei Eisen, großkalibrige Waffen mit teuflisch blickenden Mündungen. Das waren die Waffen seines Vaters mit glatten, abgewetzten, schwarzen Kolben. Keine Kerbe war darin eingeschnitten, denn man sagte Tom O’Kenna nach, dass er niemals soviel Kerben hätte hineinschneiden können, wie er Banditen und Verbrecher zur Strecke gebracht hatte.

    Unsicher streckte Mike die Hand aus, fasste nach dem Gurt, hielt ihn in bebenden Händen. Ja, diese Waffen hatte er als Kind oft aus der Truhe geholt, hatte mit den ungeladenen Eisen gespielt, und sein Vater hatte neben ihm gesessen und ihn mit seltsam dunklen Augen angeschaut.

    Kimme und Korn fehlten. Diese Waffen waren nur mit dem Daumen zu bedienen, waren nur in den Fäusten eines Könners todbringender Stahl.

    „Schnall um, Mike, hörte er wie aus weiter Ferne die Stimme des Alten. „Es war deines Vaters letzter Wunsch. Ich sollte die Eisen für dich aufheben, für dich bereithalten, und ich habe dir dein Erbe erhalten … Er stockte, lachte heiser. Die Grauaugen saugten die Bewegungen des Jungen, der sich den Gurt fast andächtig um die Hüften legte, in sich hinein.

    „Yeah, dein Erbe, Mike O’Kenna, besteht nur noch aus Weideland, aus einer abgebrannten Ranch und einem Creek, Die Rinder sind fort und die Pferdeherden ebenfalls. Selbst Sturmwind, der graue Zuchthengst, ist von der Bildfläche verschwunden."

    „Wer hat Dad aus dem Hinterhalt ermordet?", forschte Mike.

    Amb Trilyco sah ihn aufmerksam an. „Lass uns reiten, Boy. Jetzt, da du die Waffen hast, ist mir merklich wohler. Hoffentlich kannst du auch damit umgehen … das wäre gut!"

    „Yeah … ich weiß

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