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Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane
Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane
Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane
eBook403 Seiten5 Stunden

Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane

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Über dieses E-Book

Diese Ausgabe enthält folgende Titel:

Umfang: 350 Taschenbuchseiten

A.F.Morland: Nur sieben Wochen Seligkeit?

Glenn Stirling: Eine Liebe - ein Leben lang

Glenn Stirling: Dr. Winter und die Fehldiagnose

Durch den Zusammenbruch des Bankhauses Finkenstedt gerät auch die Tannenhofklinik in Gefahr, da Udo von Finkenstedt der Geldgeber und Eigentümer war. Professor Florian Winter, der die Klinik leitet, macht sich Sorgen um die Zukunft, doch Hilfe naht aus Amerika. Renate Doyle, eine deutsche Ärztin, und ihr Mann Fred wollen sich an der Klinik beteiligen. Das Ehepaar Doyle hatte sich noch vor Kriegsende in einem deutschen Lazarett kennen- und lieben gelernt - ihre Geschichte, die hier erzählt wird, entbehrte nicht einer gewissen Tragik, denn fast wäre ihre Liebe in den Nachkriegswirren aufgrund der widrigen Umstände und nicht zuletzt wegen der egozentrischen Haltung eines mächtigen Familienclans zerbrochen ...
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum26. Juni 2021
ISBN9783745215960
Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane
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    Buchvorschau

    Eine Fehldiagnose namens Große Liebe - Glenn Stirling

    Eine Fehldiagnose namens Große Liebe: 3 Arztromane

    Glenn Stirling, A.F.Morland

    Diese Ausgabe enthält folgende Titel:

    Umfang: 350 Taschenbuchseiten

    A.F.Morland: Nur sieben Wochen Seligkeit?

    Glenn Stirling: Eine Liebe - ein Leben lang

    Glenn Stirling: Dr. Winter und die Fehldiagnose

    Durch den Zusammenbruch des Bankhauses Finkenstedt gerät auch die Tannenhofklinik in Gefahr, da Udo von Finkenstedt der Geldgeber und Eigentümer war. Professor Florian Winter, der die Klinik leitet, macht sich Sorgen um die Zukunft, doch Hilfe naht aus Amerika. Renate Doyle, eine deutsche Ärztin, und ihr Mann Fred wollen sich an der Klinik beteiligen. Das Ehepaar Doyle hatte sich noch vor Kriegsende in einem deutschen Lazarett kennen- und lieben gelernt – ihre Geschichte, die hier erzählt wird, entbehrte nicht einer gewissen Tragik, denn fast wäre ihre Liebe in den Nachkriegswirren aufgrund der widrigen Umstände und nicht zuletzt wegen der egozentrischen Haltung eines mächtigen Familienclans zerbrochen ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

    Zum Blog des Verlags geht es hier:

    https://cassiopeia.press

    Alles rund um Belletristik!

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    Nur sieben Wochen Seligkeit?

    Arztroman von A. F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 96 Taschenbuchseiten.

    Liebe und Leid – oft liegen sie sehr eng beieinander. Das muss auch Schwester Marina, Dr. Härtlings bezaubernde neue Mitarbeiterin, feststellen. Sie hat geglaubt, in Ralf, einem sehr sympathischen Krankenpfleger, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Doch dann wird die gefährlich schöne Jennifer Eckmann in die Paracelsus-Klinik eingeliefert, Ralfs ehemalige Geliebte. Und wieder wirkt Jennifers Zauber. Ralf vergisst, was diese Frau ihm einst angetan hat, er vergisst Marina und ihre aufrichtige Liebe.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter

    https//twitter.com/BekkerAlfred

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    1

    Es war seit Wochen kalt in München, und es hatte in den vergangenen Tagen so viel geschneit wie schon lange nicht mehr.

    „Den Schnee könnten sie in den Alpen gut brauchen, sagte Dr. Axel Lassow zu seiner Frau. „Die sind diesmal vom Wettergott nämlich ziemlich vernachlässigt worden.

    Trix Lassow stand am Fenster und schaute in den weißen Garten. Sie war eine bildschöne, attraktive Frau von etwas mehr als vierzig Jahren, der man nicht ansah, dass sie zwei Kinder hatte, die schon fast erwachsen waren.

    „Mir gefällt diese weiße Pracht", bemerkte sie. Ihr apartes Gesicht spiegelte sich im Glas.

    „Verkehrschaos, Unfälle, Blechschäden und Schlimmeres sind die Folge", sagte Axel, der Rechtsanwalt.

    „Sei nicht so schrecklich nüchtern! Es ist doch schön, wenn es schneit!"

    „In den Bergen ja. Aber in der Stadt hält sich meine Begeisterung für Schnee in Grenzen. Er ist im Nu graubraun und matschig. Gefällt er dir dann auch noch?"

    Trix Lassow ließ diese Frage unbeantwortet. Sie stellte stattdessen fest: „Es schneit schon wieder."

    „Na wunderbar. Wollen wir nicht hinausgehen und einen Schneemann bauen?"

    Trix drehte sich um, und in ihren Augen glänzte Übermut. „Würdest du?"

    „Wenn ich dir damit eine Freude mache."

    „Selbst auf die Gefahr hin, dass dich die Nachbarn für infantil halten könnten?"

    „Die Nachbarn sind auf den Malediven", sagte Axel.

    Trix schmunzelte. „Welch ein Glück. Das sollten wir ausnutzen."

    Axel rieb sich die Hände, als könne er seinen Tatendurst kaum noch bezähmen. „Frisch Gesellen, seid zur Hand. Aber wir machen keinen gewöhnlichen Schneemann – so drei verschieden große Kugeln übereinander und fertig. Unser Schneemann muss ein richtiges Gesicht haben. Zähne im Mund. Eine aus Schnee geformte Nase. Wimpern. Augenbrauen."

    „Und die Figur von Arnold Schwarzenegger."

    Axel nickte. „Und in der Hand, die selbstverständlich Finger hat, muss er einen Bierkrug halten."

    „Einen vollen oder einen leeren?", erkundigte sich Trix amüsiert.

    „Das überlegen wir uns noch. Auf jeden Fall darf in unserem Garten nur ein bildhauerisches Meisterwerk stehen."

    Trix wiegte den Kopf. „Das wird lange dauern."

    Ihr Mann zuckte die Schultern. „Wir haben bis zur Schneeschmelze Zeit. Das Telefon läutete. „Geh schon mal vor, Schatz, sagte Axel. „Ich komme gleich nach."

    „Ich warte auf dich. So eilig habe ich es nun auch wieder nicht."

    Dr. Lassow hob ab. „Hallo!"

    „Ist dort Lassow?"

    „Wer spricht, bitte?" fragte der Rechtsanwalt.

    „Völz. Jakob Völz."

    „Oh, Jakob. Axel hielt die Sprechmuschel zu und informierte seine Frau: „Es ist Jakob Völz.

    Sie waren im Oktober auf Teneriffa gewesen. Da hatten sie Veronika und Jakob Völz, ein sympathisches Ehepaar, kennengelernt.

    Man hatte in diesen drei Wochen sehr viel zusammen unternommen. Aus der Urlaubsbekanntschaft war sehr schnell eine Freundschaft geworden, die auch nach der Heimkehr bestehen blieb. Jedes Mal, wenn das Ehepaar Völz von Nürnberg nach München kam, besuchte es die Lassows, und Trix und Axel waren auch schon Mal bei den Freunden in Nürnberg gewesen. In der Vorweihnachtszeit. Sie hatten bei Völzens gewohnt und sich den herrlichen Weihnachtsmarkt angesehen. Seit Kurzem stand fest, dass Veronika und Jakob nach München übersiedeln würden.

    Sehr zur Freude der Lassows, die mit den beiden sehr gerne zusammen waren. Jakob war Steuerberater. Er hatte die Absicht, die Kanzlei, das Haus, in dem sie sich befand, und sämtliche Klienten eines Kollegen zu übernehmen, der in den wohlverdienten Ruhestand treten wollte.

    „Jakob, wie geht’s?", fragte Axel Lassow in die Sprechrillen.

    „Gut."

    „Und Veronika?"

    „Auch gut, oder sagen wir: Den Umständen entsprechend", schränkte Jakob Völz ein.

    Dr. Lassow zog die Augenbrauen zusammen. „Gibt es irgendwelche Probleme?"

    „Keine ungewöhnlichen."

    „Im wievielten Monat ist sie?", erkundigte sich der Rechtsanwalt.

    „Im fünften."

    „Und ist mit dem Baby alles in Ordnung?"

    Jakob Völz lachte. „Klein Jakob geht es prächtig, sagen die Ärzte."

    Die Ultraschalluntersuchung hatte ergeben, dass Veronika Völz ihrem Mann im Mai einen Jungen schenken würde, und die Eltern hatten beschlossen, ihn Jakob zu nennen.

    „Wie der Vater, so soll auch der erstgeborene Sohn heißen, hatte Jakob und gesagt. „Mein Urgroßvater, mein Großvater, mein Vater – alle hießen Jakob Völz, und diese Tradition möchte ich beibehalten. Ich halte nichts von einfallslosen Modetrends, die dazu führen, dass sich alle auf dieselben Namen stürzen, und ich würde es meinem Kind auch niemals antun, ihm zum Beispiel den Namen Pumuckl zu geben.

    „Wann übersiedelt ihr denn nun nach München?", wollte Dr. Lassow wissen.

    Jakob lachte wieder. „Wir sind schon hier."

    „Was? Wann seid ihr eingezogen?"

    „Heute morgen, antwortete Jakob Völz. „Hier sieht es aus wie nach einem Granateneinschlag. Veronika steht kurz davor, die Nerven wegzuschmeißen.

    „Braucht ihr Hilfe?", fragte Axel Lassow sofort.

    „Nein, wir kommen schon klar mit der Zeit. Rom ist auch nicht an einem einzigen Tag erbaut worden. Hör zu, Axel, wir müssen für eine Weile raus aus diesem Haus, wollen dieses Chaos für ein, zwei Stunden vergessen, möchten uns vom Übersiedlungsstress erholen und, wenn möglich, ein bisschen mit netten Freunden plaudern. Wenn ihr also Zeit habt – und wenn ihr es von uns nicht unverschämt findet, würden wir uns gern bei euch zum Kaffee einladen."

    „Das ist eine großartige Idee."

    „Machen wir euch auch keine Umstände?", vergewisserte sich der Anrufer nochmals.

    „Aber überhaupt nicht. Trix und ich freuen uns auf euch. Wann könnt ihr hier sein?"

    „In einer Stunde", sagte Jakob.

    „Ist gut." Dr. Lassow legte auf und wiederholte den Inhalt des Gesprächs, damit Trix Bescheid wusste.

    „Ich habe außer altem Weihnachtsgebäck nichts im Haus, was ich ihnen zum Kaffee anbieten könnte", sagte sie.

    „Kein Problem, ich hole etwas aus der Konditorei." Axel zog sich an und verließ das Haus. Als er wiederkam, hielt er einen weißen Karton auf der flachen Hand. Er trug ihn in die Küche, schnitt die Schnur ab, mit der der Karton zugebunden war, hob den Deckel ab und präsentierte seiner Frau, die sich inzwischen umgezogen und geschminkt hatte, die süßen Köstlichkeiten aus Schlagsahne, Creme, Schokolade, Gelee und Früchten.

    Trix lächelte. „Du hast, wie immer, zu viel gekauft."

    „Besser zu viel als zu wenig."

    „Wer soll das denn alles essen?"

    „Keine Sorge, es verdirbt schon nichts, erwiderte Axel. „Wenn unsere Kinder nach Hause kommen, fallen sie mit Sicherheit über den Rest her und vertilgen ihn in null Komma nichts.

    2

    Der Kaffee befand sich in der Thermoskanne, die süßen Kalorientorpedos lagen auf einer hübschen gläsernen Tortenplatte und warteten darauf, verzehrt zu werden.

    Auch Axel hatte sich umgezogen, und jedes Mal, wenn er das Brummen eines Automotors hörte, dachte er, es wären Veronika und Jakob.

    Er blickte auf seine Armbanduhr. „Die Stunde ist um", sagte er. Er saß mit Trix im Wohnzimmer auf dem Sofa.

    „Bei dem vielen Schnee müssen sie langsam fahren, erwiderte seine Frau. „Veronika ist schwanger. Sie soll sich nicht aufregen.

    Wieder war das Brummen eines Automotors zu hören, und diesmal fuhr der Wagen nicht vorbei. Türen klappten draußen zu. „Das sind sie", sagte Axel und stand auf.

    Auch Trix erhob sich. Sie strich ihr Kleid an den Hüften glatt und folgte ihrem Mann in die Diele. Das Ehepaar Völz läutete, und Axel Lassow öffnete.

    „Herzlich willkommen in München", rief er zur Begrüßung. Er umarmte die immer noch schlanke Veronika herzlich und küsste sie auf die Wangen. Jakob Völz hatte mindestens zwanzig Kilo Übergewicht.

    „Du siehst gut aus", stellte Axel lächelnd fest.

    „Ja, zu gut, gab Jakob seufzend zurück. „Ich habe über Weihnachten und Neujahr schon wieder sechs Pfund zugelegt. Bald werden die Leute sagen, meine Frau sieht aus wie die sieben mageren Jahre und ich wie der, der daran schuld ist.

    „Kommt rein", forderte Axel die Gäste auf.

    Jakob überreichte Trix einen hübschen Teerosenstrauß. „Seinetwegen hat es ein bisschen länger gedauert", erklärte er.

    „Danke, Jakob. Trix küsste ihn. „Die Rosen sind wunderschön.

    „Sie sind als kleine Wiedergutmachung für unser freches Eindringen gedacht, lächelte Jakob Völz verlegen. „Veronika hat gemeint, das könnten wir doch nicht machen.

    „Warum denn nicht?" Trix holte eine Vase, während ihr Mann den Gästen aus den Mänteln half.

    „Man überfällt niemanden so aus heiterem Himmel", sagte Veronika Völz. Es war kaum zu sehen, dass sie in anderen Umständen war.

    „Ihr habt doch vorher angerufen, erwiderte Dr. Lassow. „Wenn wir keine Zeit gehabt hätten, hätte ich das Jakob gesagt. Er grinste. „Wenn ihr nicht gekommen wärt, hätte ich mit Trixi einen Schneemann bauen müssen."

    „Wir können euch ja dabei helfen", meinte Jakob.

    Doch Axel schüttelte energisch den Kopf. „Nichts da, jetzt wird Kaffee getrunken und geplaudert – und nachher ist es fürs Schneemann bauen schon zu spät."

    Sie nahmen im Wohnzimmer zwanglos Platz. Trix füllte die Tassen mit Kaffee. Veronika bat um Früchtetee. „Wenn du welchen hast, sagte sie. „Und wenn es dir nicht zu viel Mühe macht.

    „Überhaupt nicht."

    Veronika bekam ihren Früchtetee, und die Gäste durften aus dem reichhaltigen süßen Angebot wählen.

    „Oh, Mann, stöhnte Jakob und massierte sein Doppelkinn. Was er an Schönheit nicht besaß, machte er mit einer großen Portion Sympathie locker wett. „Schon wieder diese schreckliche Versuchung, wo ich doch so ein Süßer bin. Ich wollte eigentlich fasten.

    „Doch nicht ausgerechnet jetzt", sagte Axel Lassow.

    „Was meinst du, wie oft ich diesen Satz schon zu mir gesagt habe. Während sie ihre Törtchen, Röllchen und Cremeschnitten genossen, fragte Dr. Lassow: „Wie war die Übersiedlung?

    „Die Speditionsfirma stellte uns bereits vor drei Wochen große Kartons zur Verfügung, in die wir unsere Habe hineintun konnten", sagte Veronika Völz.

    „Man hält es nicht für möglich, was sich mit der Zeit so alles ansammelt", brummte Jakob zwischen zwei Bissen.

    „Einen kleinen Teil haben wir heute ausgepackt", berichtete Veronika.

    „Es wird Wochen dauern, bis in unserem neuen Heim Ordnung herrscht", sagte Jakob.

    Trix Lassow sah Veronika an. „Wenn ich dir ein wenig zur Hand gehen soll – du brauchst es nur zu sagen."

    Veronika schüttelte schwach den Kopf. „Ich kann das doch nicht von dir verlangen!"

    „Blödsinn. Ich helfe dir gern, das macht mir nichts aus. Schwangere Frauen müssen sich schonen."

    „Wie geht es dem Baby?", erkundigte sich Dr. Lassow.

    „Sehr gut", antwortete die zarte Mutter.

    „Planmäßige Ankunft: dreißigster Mai, meinte Jakob Völz grinsend. Dann wurde er ernst. „Vielleicht hätten wir mit der Übersiedlung noch etwas warten sollen.

    „Warum?", wollte Axel wissen.

    „Bis das Baby da ist, erklärte Jakob Völz, „aber mein Vorgänger wollte so bald wie möglich übergeben. Er hat ein Haus auf Gomera und möchte nie wieder einen Wintermantel tragen müssen.

    „Ich kann ihn verstehen", sagte Axel Lassow.

    Jakob trank einen Schluck Kaffee. „Nun hängen wir hier in München etwas in der Luft."

    „Inwiefern?", wollte Axel wissen.

    „Wir müssen einen neuen Frauenarzt finden, sagte Jakob. „Veronika ist fünfunddreißig und erwartet ihr erstes Baby. Da muss die gynäkologische Betreuung optimal sein, damit nichts passiert, versteht ihr?

    „Mein Bruder ist Gynäkologe, sagte Trix Lassow. „Einer der besten. Das sage ich nicht, weil er mein Bruder ist, sondern weil es wahr ist. Er leitet die renommierte Paracelsus-Klinik. Vielleicht habt ihr von ihr davon schon gehört.

    Jakob Völz nickte sofort. „Na klar, die Paracelsus-Klinik ist mir ein Begriff."

    „Sören Härtling ist da der Chef. Trix wandte sich an Veronika. „Wenn du möchtest, lege ich dich ihm ans Herz.

    „Das würde uns sehr beruhigen, sagte Jakob Völz. Er sah seine Frau warm und innig an. „Nicht wahr, Schatz?

    „Ich rufe ihn morgen an und mache einen Termin für dich fest, wenn es dir recht ist", sagte Trix zu Veronika.

    „Trix, du bist ein Engel", schwärmte Jakob Völz und verspeiste noch einen großen Schoko-Schaumspitz – mit furchtbar schlechtem Gewissen, versteht sich, aber er konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen.

    3

    Die Ambulanz brachte eine komatöse Frau. ,,Sie wollte zu Hause die Vorhänge aufhängen, berichtete der Rettungsarzt. „Natürlich ohne Haushaltsleiter. Stuhl auf den Tisch. Ein Schemel auf den Stuhl. Man kennt das ja. Ehe man sich’s versieht, ist das Malheur passiert. Wann werden die Menschen endlich klüger?

    „Wie lautet Ihre Diagnose?", erkundigte sich Dr. Sören Härtling hastig, ohne auf die Bemerkung des Kollegen einzugehen.

    „Schädelfraktur und wahrscheinlich innere Blutungen."

    „Schwester Marina!", rief der Klinikchef.

    Die attraktive junge Pflegerin sah ihn mit ihren großen, ausdrucksstarken Augen an. „Ja, Herr Doktor?"

    „Dr. Falk soll sofort in den Not-OP kommen."

    Marina Kessler nickte. „Ja, Chef." Sie eilte davon.

    Dr. Jordan kam. Er untersuchte die Patientin gemeinsam mit Sören Härtling. Sie wurde zuerst geröntgt, dann folgte der Ultraschall.

    Schwester Annegret hielt sich im Hintergrund, war aber sofort zur Stelle, wenn Dr. Härtling etwas benötigte.

    Indessen rief Schwester Marina Dr. Daniel Falk über die Stationslautsprecher aus und bat ihn, sofort in die Notaufnahme zu kommen.

    Sie war dabei, als die Patientin kurz darauf vom Chefarzt der Chirurgie und von Dr. Härtling operiert wurde. Sie sorgte für sterile Instrumente, holte Blutkonserven, tupfte den Ärzten während der Operation immer wieder die Schweißperlen von der Stirn, und übernahm nach dem Eingriff auf der Intensivstation die Sitzwache.

    Ralf Leimer streckte den Kopf zur Tür herein. „Kommst du zu Mittag ins Kasino?", fragte er leise.

    Schwester Marina nickte. „Ja."

    Der gutaussehende Pfleger, mit dem sie seit einem halben Jahr eine innige Beziehung hatte, wies mit dem Kinn auf die Patientin. „Schlimme Sache?"

    „Ziemlich schlimm", flüsterte Marina.

    „Wird sie durchkommen?"

    Marina hob die Schultern. „Schwer zu sagen."

    „Ich liebe dich."

    Sie lächelte, und der schlanke, dunkelhaarige junge Mann schloss die Tür. Er verließ die Intensivstation und holte einen Patienten aus der chirurgischen Abteilung, um ihn zur Unterwassergymnastik zu bringen.

    Zur selben Zeit betrat Dr. Sören Härtling sein Büro. „Irgendwelche Anrufe, Moni?", erkundigte er sich.

    Seine Sekretärin nickte. „Herr Reitler wollte Ihnen für die problemlose Geburt danken, zu der Sie seiner Frau verholfen haben. In der Verwaltung gibt es irgendwelche Probleme, die man mit Ihrer Hilfe klären möchte, bevor die angekündigte Buchprüfung stattfindet. Und Ihre Schwester hat zweimal angerufen."

    „Verbinden Sie mich mit Trixi, verlangte Dr. Härtling. Drei Minuten später hatte er seine Schwester an der Strippe. „Was liegt an, Schwesterherz?

    „Mir geht es gut – und dir?" Trix Lassows Ton klang ein wenig vorwurfsvoll.

    „Entschuldige, sagte Sören und massierte seine Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger, „ich komme soeben aus dem OP, bin noch etwas geschafft. Was kann ich für dich tun?

    Trix erzählte ihm von ihrer Freundin Veronika Völz, die schwanger war, die von Nürnberg nach München übersiedelt war und einen guten Gynäkologen suchte. „Ich habe ihr dich empfohlen."

    Sören lächelte. „Freut mich, dass du mich für einen guten Gynäkologen hältst."

    „Das sagt man allgemein", erwiderte Trix Lassow.

    „Ich gebe mir jedenfalls Mühe und widme mich meiner Arbeit mit dem nötigen Ernst."

    „Ich habe Veronika versprochen, ihr einen Termin bei dir zu verschaffen, sagte Trix. „Ich hoffe, du lässt mich nicht im Stich.

    „Mein Terminkalender ist zwar schon ziemlich voll, aber um dir eine Blamage zu ersparen … Wann möchte deine Freundin zu mir kommen?"

    „So bald wie möglich, antwortete Trix. „Sie ist fünfunddreißig, zum ersten Mal schwanger und hat ein bisschen Angst.

    „Verstehe. Sag ihr, ich erwarte sie morgen Vormittag, elf Uhr."

    „Danke, Sören."

    „Wofür denn, Schwesterherz?", erwiderte der Klinikchef lächelnd und legte auf.

    4

    Zu Mittag trafen sich Marina Kessler und Ralf Leimer wie verabredet im Kasino der Paracelsus-Klinik. Sie nahmen das Menü, bestehend aus Leberknödelsuppe, Matrosenfleisch und Biskuit. „Wie geht’s der Patientin?", erkundigte sich der Pfleger.

    „Sie ist gottlob aufgewacht, antwortete Schwester Marina. „Ihr Zustand ist nun stabil. Ihre Chancen durchzukommen, haben sich erheblich gebessert?

    „Man leidet sehr oft mit, ob man will oder nicht."

    „Vor allem bei Kindern, nickte Schwester Marina. „Da kann ich oft nächtelang nicht schlafen, wenn etwas passiert.

    Ralf Leimer löffelte seine Suppe. Der Koch musste verliebt sein, denn die Suppe war ziemlich stark gesalzen. „Manchmal frage ich mich, warum ich nichts anderes geworden bin, bemerkte Ralf. „Ich hätte die Siebdruckerei meines Onkels übernehmen können, aber nein, ich wollte unbedingt Krankenpfleger werden. Viel Arbeit, keine besonders tolle Bezahlung, unregelmäßiger Dienst … Trotz dieser und noch einiger weiterer Nachteile könnte ich mir keinen anderen Job für mich vorstellen. Kranken Menschen zu helfen kann sehr erfüllend und befriedigend sein.

    Marina musterte ihren Freund nachdenklich. Er sieht gut aus, dachte sie. Vielleicht ein bisschen zu gut.

    „Was ist?, fragte Ralf. „Warum siehst du mich so an? Habe ich etwas an der Lippe?

    „Weißt du, dass du eine gewisse Ähnlichkeit mit dem neuen James Bond hast?", gab Marina lächelnd zurück.

    „Ehrlich?"

    „Schwillt dir jetzt der Kamm?"

    Ralf schüttelte den Kopf. „Ganz und gar nicht. Ich finde mich, ehrlich gesagt, nicht besonders attraktiv. Wenn ich morgens in den Spiegel sehe …"

    Marina lachte. „Wer behauptet, dass er morgens schon gut aussieht, hat entweder schlechte Augen oder einen blinden Spiegel."

    „Schauen wir uns heute den neuen Bond-Film an? Ich möchte sehen, wie ich auf der Kinoleinwand wirke."

    „Meinetwegen."

    „Ich besorge die Karten und hole dich von zu Hause ab", sagte Ralf und widmete sich hungrig dem Matrosenfleisch.

    „Einverstanden."

    Er legte das Besteck weg und betupfte seine Lippen mit der Papierserviette. „Habe ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?"

    „Ja, oben auf der Intensivstation."

    „Ich sag’s zur Sicherheit noch mal. Doppelt genäht hält besser. Marina, ich lie-ie-iebe dich!"

    5

    Sie schlüpfte in eine mitternachtsblaue Cordhose und zog den Reißverschluss hoch. Ralf hatte einen steinalten VW-Käfer, dessen Heizung nicht funktionierte. Dem musste sie Rechnung tragen, damit aus der Krankenschwester keine kranke Schwester wurde. Rasch räumte sie weg, was herumlag. Ihre kleine Wohnung war ein Schmuckkästchen.

    „Das liebe ich so sehr an dir, hatte Ralf erst kürzlich zu ihr gesagt. „Man kann zu dir kommen, wann immer man will, es ist stets alles blitzsauber bei dir.

    Blitzsauber, ja, aber sie legte großen Wert darauf, festzustellen, dass sie keinen Putzfimmel hatte. Ihre Wohnung befand sich im ersten Stock.

    Sie trat ans Fenster und sah auf die Straße hinunter. Mehrere Autos fuhren vorbei, und aus dem hellen Käfer direkt unter Marinas Fenster stieg soeben Ralf Leimer.

    Er trug einen dick gefütterten Trenchcoat, dessen Kragen hochgestellt war, und eine Pelzmütze auf dem Kopf. Mit hochgezogenen Schultern verschwand er im Haus, und dann hörte Marina ihn die Treppe hochstampfen.

    Als er klopfte, öffnete sie. „Haben wir noch etwas Zeit? Möchtest du hereinkommen?"

    Er gab ihr einen Kuss auf den Mund. „Ich möchte dir den Boden nicht versauen."

    Sie nahm ihren wattierten Wintermantel vom Haken und zog ihn an.

    „Setz deine Wollmütze auf", sagte Ralf.

    „Ich möchte mir meine Frisur nicht verderben."

    „Du brauchst irgend etwas auf dem Kopf. Es ist saukalt im Wagen. Ralf rümpfte die Nase. „Ich muss jetzt endlich mal die Heizung reparieren lassen.

    Marina schmunzelte. „Das sagst du jetzt, wo der Frühling schon fast vor der Tür steht?"

    „Wir haben Hochwinter, meine Liebe. Und diesmal ist er besonders unangenehm."

    Sie legte einen Wollschal locker über ihre Frisur und trat aus der Wohnung. „Hast du Kinokarten bekommen?", erkundigte sie sich, während sie sorgfältig abschloss.

    „Selbstverständlich, antwortete Ralf und bot ihr galant den Arm. „Kommt, Prinzessin, meine Droschke harret Euer.

    Ein Schneepflug hatte den Schnee entlang der parkenden Fahrzeuge so hoch angehäuft, dass Ralf aus seiner Parklücke, in die er mit Schwung hineingefahren war, fast nicht herausgekommen wäre. Er fuhr x-mal vor und zurück. Die Räder drehten sich immer wieder durch.

    „Mist, verfluchter!, machte Ralf sich Luft. Wütend schlug er mit der Faust auf das Lenkrad. „Ich hasse den Winter! Ich hasse ihn! Auf Kuba müsste man leben. Die kennen nur zwei Jahreszeiten: die Trocken- und die Regenzeit.

    „Soll ich anschieben?", fragte Marina.

    „Nein, ich schaff’ das schon irgendwie. Er versuchte es wieder und wieder – so lange, bis er die angehäufte Schneehürde überwunden hatte. „Meine Güte, da kommt man ganz schön ins Schwitzen, stöhnte er, nachdem er sich in den Abendverkehr eingefädelt hatte.

    „Heißt das, du wirst es dir noch mal überlegen, ob du die Heizung reparieren lassen wirst oder nicht?"

    „Nein, das nehme ich auf jeden Fall gleich morgen in Angriff. Du kannst mich beim Wort nehmen."

    Sie fanden in der Nähe des Kino-Centers einen Parkplatz.

    „Glück muss man haben", grinste Ralf.

    Er kaufte im Kino eine Riesentüte Popcorn, und sie knabberten bereits fleißig, bevor sie in den Saal eingelassen wurden. Der Film, ein Märchen von naiven Erwachsenen für ihresgleichen gemacht, gefiel ihnen – mit Einschränkungen – ganz gut, aber Ralf fand nicht, dass er sehr viel Ähnlichkeit mit dem Hauptdarsteller hatte.

    Marina jedoch blieb bei ihrer Meinung. Nach der Vorstellung wollte Ralf seine Freundin in eine Pizzeria einladen, doch sie sagte: „Ich habe nach dem vielen Popcorn keinen Hunger. Wenn du möchtest, kannst du bei mir was essen."

    „Ich möchte."

    „Rühreier mit Speck?"

    „Klingt phantastisch."

    Sie fuhren zu ihr. Nachdem Ralf gegessen hatte, wurde er zärtlich. Er streichelte und küsste Marina und flüsterte ihr nette Koseworte ins Ohr.

    Er drückte seine Stirn gegen ihre und schaute ihr aus nächster Nähe in die schönen großen Augen. „Darf ich hierbleiben?", fragte er leise.

    Sie lächelte verliebt und nickte.

    6

    „Ach, Schwester …"

    Marina blieb stehen und sah die schlanke Frau an. Sie standen vor dem Aufzug. „Ja? Kann ich Ihnen helfen?"

    „Ich möchte zu Dr. Härtling", sagte Veronika Völz.

    Marina Kessler nickte. „Ich bringe Sie zu ihm."

    „Das ist sehr liebenswürdig von Ihnen. Während sie mit dem Lift hochfuhren, fragte Veronika: „Wie ist Dr. Härtling denn so?

    „Als Arzt, als Chef oder als Mensch?"

    „Ja – äh – na ja, eben so ganz allgemein."

    „Er ist sehr angenehm – in jeder Beziehung", gab die schöne Pflegerin ehrlich Auskunft.

    „Das freut mich. Ich kenne ihn noch nicht, bin heute zum ersten Mal hier, wissen Sie? Mein Mann und ich sind gestern von Nürnberg nach München übersiedelt, und nun brauche ich einen anderen Arzt. Ich bin nämlich schwanger."

    „Herzlichen Glückwunsch", sagte Schwester Marina.

    „Danke. Mein Mann und ich freuen uns schon sehr auf das Baby."

    „Dann wird es ja wohl hier bei uns zur Welt kommen", meinte Marina.

    Die werdende Mutter nickte. „Höchstwahrscheinlich."

    „Sie brauchen nicht nervös zu sein, Frau …"

    „Völz. Veronika Völz."

    „Ich bin Schwester Marina."

    „Sehr angenehm."

    „Bei Dr. Härtling sind Sie in den allerbesten Händen", versicherte Schwester Marina der neuen Patientin.

    „Das beruhigt mich ungemein."

    Nachdem Schwester Marina der Schwangeren den Weg zu Dr. Härtling gezeigt hatte, wünschte sie ihr viel Glück. „Wir werden uns bestimmt noch öfter sehen", sagte die schöne Pflegerin und entfernte sich.

    In der Röntgenabteilung erschrak sie, denn dort saß eine Blondine, die auf den ersten Blick wie Jennifer Eckmann aussah, und Jennifer Eckmann war aus gutem Grund ein rotes Tuch für sie. Ralf war zwei Jahre mit Jennifer zusammen gewesen. Er hatte ihr aus der Hand gefressen, hatte alles getan, was sie wollte. Wenn sie von ihm verlangt hätte, er solle aus dem Fenster springen – er hätte es getan, denn er war ihr hörig. Niemals hätte er die Kraft aufgebracht, mit ihr Schluss zu machen, obwohl er gewusst hatte, dass sie ihn nicht liebte, dass sie ihn nur benutzte, dass er für sie nur ein Spielzeug war, welches sie eines Tages nicht mehr interessieren würde. Als sie ein anderes Spielzeug gefunden hatte, hatte sie Ralf fallenlassen.

    Er hatte darunter sehr gelitten – und so, angeschlagen, mit blutendem Herzen, unglücklich und verzweifelt, am Boden zerstört, hatte Marina ihn aufgelesen.

    Sie hatte sich seiner erbarmt, hatte ihn in die Arme genommen und getröstet. Ralf war süchtig nach Jennifer Eckmann gewesen, und die schlimmen Entzugserscheinungen hatten sich qualvoll lange hingezogen.

    Heute behauptete Ralf zwar, er wäre über Jennifer hinweg, aber Marina wagte nicht so recht, ihm zu glauben. Sie befürchtete, er könnte rückfällig werden, wenn ihm die schöne Frau wieder über den Weg lief. Ralf würde sich gegen seine Sucht nicht wehren können. Es bestand die große Gefahr, dass er Jennifer noch einmal verfallen würde. Was dann?, fragte sich Marina bang. Was wird dann aus mir?

    Diese Blondine in der Röntgenabteilung war zum Glück nicht Jennifer Eckmann. Die überwinterte zur Zeit mit einem Pelzhändler aus Hannover auf Mallorca, hatte Marina gehört. Jennifer wohnte bei dem Mann auch in Hannover. Aber wie lange? Wann würde sie genug von ihrem Freund haben und die Koffer packen – und wohin würde sie dann gehen?

    Würde sie nach München zurückkehren und sich wieder um Ralf bemühen? Völlig auszuschließen war das leider nicht. Und sie würde sich auch garantiert nicht allzu sehr anstrengen müssen, um Ralf wiederzubekommen. Er war Wachs in ihren Händen, sobald sie ihn berührte. Marina konnte nur hoffen, dass er dieser Sirene nie mehr begegnete – und wenn doch, dass Jennifer Eckmann kein Interesse mehr an ihm hatte.

    Sie verließ die Röntgenabteilung, und plötzlich stand Ralf vor ihr. „He, du siehst aus, als wärst du einem Gespenst begegnet", lachte er.

    Das bin ich, dachte Marina, aber sie war nicht so töricht, darüber zu sprechen. Mit keiner Silbe wollte sie Ralf an Jennifer erinnern.

    „Ich hab’ auf einmal so ein flaues Gefühl im Magen", sagte sie.

    „Soll ich dir eine Tablette bringen?"

    Schwester Marina schüttelte den Kopf. „Nicht nötig, das kommt schon wieder in Ordnung."

    Er musterte sie mit Kummerfalten auf der Stirn. „Ich mache mir Sorgen um dich, Liebes."

    „Das ist wirklich nicht nötig. Es geht mir schon ein bisschen besser", versicherte sie ihm.

    „Ich muss zu Dr. Falk. Aber ich sehe nachher noch mal nach dir. Ach, übrigens, die Heizung meines Wagens funktioniert wieder."

    „Heureka!"

    „Eine Arbeit von zehn Minuten. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das schon längst beheben lassen", sagte Ralf und verschwand in einem der Krankenzimmer.

    7

    Dr. Sören Härtling wusch sich nach der Untersuchung die Hände. „Es ist alles in bester Ordnung, Frau Völz, sagte der Chefarzt der Paracelsus-Klinik. „Ihrem Baby geht es gut. Sie dürfen unbesorgt sein und sich auf die Geburt Ihres Jungen freuen.

    „Danke, Herr Doktor. Veronika senkte den Blick. „Das einzige, was mir ein bisschen Kummer bereitet, ist mein Alter. Viele sagen, ich sehe nicht aus wie fünfunddreißig …

    „Das tun Sie tatsächlich nicht."

    „… aber ich bin es, und hier geht es nicht nach dem Aussehen, sondern es zählt exakt die Zeit, die die unbestechliche biologische Uhr zeigt. Und die zeigt gnadenlos fünfunddreißig."

    „Das ist doch kein Alter", entgegnete Dr. Sören Härtling.

    „Für die erste Schwangerschaft auch nicht?"

    „Sie sind kerngesund und verfügen über eine ausgezeichnete körperliche Konstitution", bescheinigte der Gynäkologe der werdenden Mutter.

    „Können Sie mir versprechen, dass es bei der Geburt keine Komplikationen geben wird?"

    Dr. Härtling schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht. Eine solche Prognose wäre aber auch bei einer fünfundzwanzigjährigen Frau unseriös. Ich kann nur sagen, dass ich – nachdem ich Sie mir angesehen und die Unterlagen, die Sie mitgebracht haben, sorgfältig studiert habe – keinerlei Schwierigkeiten erwarte. Schwangerschaft und Geburt werden aller Voraussicht nach einen völlig normalen Verlauf nehmen."

    Ein kleines verlegenes Lächeln huschte über Veronikas apartes Gesicht. „Ich bin ein wenig überängstlich. Wahrscheinlich ist das auch eine Alterserscheinung. Mit fünfunddreißig denkt man über alles einfach mehr nach als

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