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3 Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe
3 Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe
3 Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe
eBook297 Seiten3 Stunden

3 Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe

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Über dieses E-Book

Als der Wikingerfüst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann. Es kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung …
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum3. Nov. 2018
ISBN9783745206425
3 Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe
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    Buchvorschau

    3 Wikinger-Romane - Tomos Forrest

    Drei Wikinger-Romane: Blutspur der Nordmänner/Die Götter zürnen/Odin und Jahwe

    Als der Wikingerfüst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

    Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann. Es kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung …

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author / Titelbild TONY MASERO

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Blutspur der Nordmänner

    Tomos Forrest

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E‑Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Cover: Andrew Poplavsky/123RF, 2018

    Created by Thomas Ostwald mit Jörg Martin Munsonius, 2018

    Lektorat: Kerstin Peschel

    © dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Klappentext:

    Als der Wikingerfüst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

    Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann. Es kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung …

    ***

    1.

    Die schmale, bleiche Mondsichel verschwand gerade hinter den dunklen Wolken, die der Wind von der See her auf das Land blies und dabei auch die Wellen gegen die steinerne Ufereinfassung schlagen ließ. Auf der Zinne starrte ein schläfriger Wachtposten blinzelnd in die Dunkelheit bei der Hafeneinfahrt, denn für einen kurzen Moment hatte er geglaubt, dort am Ufer eine Bewegung zu erkennen. Doch als jetzt plötzlich der Himmel auch noch seine Schleusen öffnete und wahre Sturzbäche vom Himmel auf den nur mit einem Wollmantel ausgestatteten Mann goss, flüchtete der sich rasch unter den überstehenden Teil des hohen Wachturmes. Hier hatte er zwar die Möglichkeit, dem starken Regen zu entgehen, aber nun frischte auch der Wind auf und trieb den Regen seitlich über die gesamte Festungsanlage.

    Knurrend öffnete die Wache eine einfache Holztür und trat in die dunkle Turmkammer, die den Kameraden als Unterkunft und Schlafstätte diente. Sie lagen auf dem Holzboden und hatten ihre Decken über sich gezogen, weil es schon seit ein paar Tagen erstaunlich kalt für diese Jahreszeit geworden war. Zum Glück gab es eine Feuerstelle in der Wachstube, und die anderen Soldaten hatten dort ein paar Scheite aufgelegt, sodass es warm genug in den dicken Mauern werden würde.

    Beim Eintritt des vierten Mannes richtete sich einer von ihnen etwas auf und murmelte schlaftrunken: „Schon Zeit für die Ablösung?"

    „ Schlaf weiter, gab der andere zurück und zog sich den durchnässten Wollmantel herunter. „Bei dem Wetter haben wir nichts zu befürchten. Während die Herrschaften sich an einem gemütlichen Feuer wärmen können und die Feier noch in vollem Gang ist, denkt niemand an unsereinen. Schon gar nicht wird uns etwas von dem köstlichen Essen gebracht oder ein Schluck Wein gereicht!

    „ Das stimmt", brummte der andere und drehte sich auf die Seite. Gleich darauf kündeten seine tiefen Atemzüge, dass er erneut schlief.

    Nun hängte die durchnässte Wache den Mantel an einen Mauerhaken, rieb sich die Hände und lachte leise in sich hinein.

    „ Nur eine denkt heute an mich! Wenn die gute Martha nicht wäre, würde ich glatt verhungern und verdursten. Aber sie wollte noch vor dem Ende der Feier zu mir herauskommen und mir etwas von den Köstlichkeiten aus der Küche bringen."

    Er trat an die Herdstelle und legte noch einen Scheit auf, als er ein Geräusch vernahm. In der Annahme, dass wohl nun die Küchenmagd das lang Ersehnte zu ihm bringen würde, öffnete er erwartungsvoll die Tür.

    Mit schreckgeweiteten Augen starrte er auf den Spieß, der sich ihm bedrohlich entgegenstreckte. Als ihn plötzlich ein scharfer Schmerz durchzuckte und er instinktiv den hölzernen Schaft der Waffe mit seinen Händen packte, verstand er noch immer nicht, was hier gerade geschah.

    Der bärtige Mann, der ihn aus dunklen Augen anstarrte und ihm gerade den Spieß in den dicken Wanst gestoßen hatte, verschwamm vor seinen Augen. Er ließ den Schaft wieder los, begann, unkontrolliert mit den Händen in der Luft zu fuchteln und war schon tot, bevor sein Körper auf dem Boden aufschlug.

    Ein weiterer Feind war mit zwei Schritten hinter dem anderen vorüber und beugte sich über die schlafenden Wachen, und gleich darauf stand ein dritter neben ihm. Alle trugen wilde, zottelige Bärte, die ihnen das Aussehen von Barbaren verliehen, als die Männer so plötzlich aus tiefstem Schlummer gerissen wurden. Doch das war auch das letzte Bild, das sie aufnehmen konnten, denn mit raschen Schnitten hatten die Eindringlinge ihnen die Kehlen durchtrennt und waren wieder aus der Wachstube, als sich die Überraschten zuckend in ihrem Blut bewegten.

    „ Das waren alle!", sagte einer der Krieger mit rauer Stimme zu dem Mann, der plötzlich aus der Dunkelheit auf dem Wehrgang trat und ihnen zunickte.

    „ Bis auf diesen, den habt ihr vermutlich übersehen!, lautete die Antwort, die mit einer tiefen, brummenden Stimme gegeben wurde. Der Sprecher war von ungewöhnlicher Größe, als er jetzt aus dem Dunkel des Wehrganges einen Körper nach vorn zog und seinen Gefährten vor die Füße warf. „Solche Nachlässigkeiten können sich rächen!, ergänzte er dazu, und die drei Krieger starrten wütend auf den reglosen Körper.

    „ Wie ist das möglich?, sagte schließlich einer von ihnen. „Ich schwöre dir, Bolthar, dass wir uns vorher sehr gründlich umgesehen haben!

    „ Nicht so gründlich, wie ich es verlangt habe. Das wird dich etwas kosten, Galdur."

    Ein unwilliges Brummen des Genannten war die Antwort, dann folgten die Krieger dem hünenhaften Anführer auf dem Weg über den Hof zum Palas der Anlage, aus der ein breiter Lichtschein fiel und das Lachen zahlreicher Menschen zu ihnen klang.

    Jetzt setzte auch wieder die Musik ein, die kurz zuvor unterbrochen war, und mit einem breiten Grinsen um den Mund öffnete Bolthar die Saaltür.

    Dahinter standen zwei Wachen, die jedoch ihre Aufmerksamkeit dem Fest und seinem Treiben widmeten, und nun röchelnd zusammenbrachen, als ihnen Bolthar und Galdur ihre Schwerter durch den Hals stießen. Noch hatte niemand der Gäste das Verhängnis erkannt, das sich hier über ihnen zusammenbraute. Man lachte und rief etwas durch den großen Saal.

    Bolthar runzelte seine dicken, rötlichbraunen Augenbrauen, die sein hartes Gesicht zu dem eines Dämons machten, wenn er dazu seine dunklen Augen zu einem Spalt zusammenzog und seine Mitmenschen betrachtete. Dieser Anblick ließ viele Bürger zittern, und oft war es das letzte Bild in ihrem Leben, das sie noch wahrnehmen konnte.

    Doch hier, auf dieser ausgelassenen Feier, ignorierten die Menschen vorerst noch die seltsame Schar, die da von der Tür zur Festtafel schritt und blutige Schwerter in den Händen hielt.

    Erst, als Bolthar nach einem gebratenen Huhn griff und herzhaft hinein biss, schrie eine daneben stehende junge Frau erschrocken auf. Noch immer reagierten die anderen Gäste nicht, denn geschrien wurde überall, und zu dieser späten Stunde hatten alle so viel von dem guten Wein getrunken, dass selbst die spitzen Schreie einer Frau nicht ungewöhnlich waren.

    Dann aber fiel klirrend ein Becher auf den Steinboden, rollte dort ein Stück entlang und vergoss den dunkelroten Rebensaft, den er enthalten hatte. Galdur nahm einen anderen Becher von der Tafel und reichte ihn seinem Fürsten. Bolthar ergriff ihn mit einer Hand, hielt ihn hoch in die Luft und brüllte mit seiner Stentorstimme:

    „ Auf das Brautpaar – es lebe hoch!"

    In einem Zug leerte er den Becher und schleuderte ihn dann so heftig gegen eine der Wände, dass er davon zurückprallte und einem älteren Mann gegen den Kopf schlug, der einen wütenden Schrei ausstieß.

    Das schien das Signal für alle zu sein, denn nun brach Panik aus.

    Man hatte die fürchterlichen Männer wahrgenommen, die da wie aus einem bösen Traum plötzlich mitten unter ihnen standen, die blutigen Schwerter erhoben, die sie gleich darauf auf die Köpfe und Schultern der nächsten Männer hinuntersausen ließen.

    In die schrillen Schreie der Sterbenden mischten sich nun die Schreckensrufe der Männer und das Rufen der Frauen – alles bewegte sich von den vier Männern weg, jeder wollte nur aus ihrer Nähe kommen.

    Ungestört setzten die vier Bärtigen, die direkt aus der Hölle zu kommen schienen, ihr blutiges Handwerk fort. Rechts und links stürzten die Getroffenen zu Boden und wälzten sich in ihrem Blut, das wie ein Rinnsal durch den Saal des Palas zu fließen begann.

    „ Haltet ein, ich bitte euch! Stellt das sinnlose Morden ein, ich gebe euch alles, was ihr verlangt – nur schont diese Menschen!"

    Es war ein ehrwürdiger, weißhaariger Greis, der sich von seinem Sitz erhoben hatte und nun vor den vier mordenden Bestien stand. Der größte der Schlächter stellte sich hohnlachend vor ihn hin und betrachtete den Mann von Kopf bis Fuß.

    „ Wen haben wir denn hier, der den Mut findet, sich ohne eine Waffe mir, Bolthar, dem mächtigsten Fürsten der Nordmänner, in den Weg zu stellen?"

    Es wurde plötzlich leise in dem Raum, nur das schmerzerfüllte Wimmern einiger Verletzter auf dem Boden war noch zu vernehmen, als der Greis die Hand erhob und auf den Hünen deutete.

    „ Ich bin Fürst Hengiff und das ist meine Burg, meine Stadt. Was verlangt ihr von uns, damit dieses Morden ein Ende hat?"

    Die Stimme des Alten klang furchtlos und kräftig, und Bolthar trat noch einen Schritt näher an ihn heran, sodass Fürst Hengiff den Geruch von Salzwasser und Tang, den Bolthars Kleider ausströmten, deutlich in die Nase stieg.

    „ Was wir verlangen?"

    Bolthar legte den Kopf in den Nacken und stieß ein so fürchterliches Lachen aus, dass die Anwesenden insgeheim mit ihrem Leben abschlossen. Das waren keine Menschen, die hier eingedrungen waren. Diese mitleidlosen Mörder mussten Boten der Wölfe Skalli und Hati sein und hier mit dem Ragnarök beginnen, dem Ende der Welt.

    Der Nordmann ergriff mit beiden Händen die Schultern des alten Mannes, und noch immer lachte er dabei. Doch plötzlich verstummte sein fürchterliches Lachen, und Bolthar schrie durch den großen Raum, sodass es jeder in der entferntesten Ecke verstehen konnte:

    „ Wir wollen alles – euer Gold, eure Frauen und – euer Leben!"

    Damit veränderte er seine Körperhaltung, seine mächtigen Hände fuhren an den Hals des alten Mannes, und als er sie plötzlich bewegte, gab war in der erneut eingetretenen Stille ein hässliches, trockenes Knacken zu hören.

    Darauf ließ er den leblosen Körper des Alten auf die Fliesen sinken, während erneut entsetztes Schreien der Gäste sein Handeln verfolgte.

    Als die ersten Flüchtenden nun an den mordenden Kriegern vorbei gelangt und die Tür erreicht hatten, prallten sie sofort wieder zurück. Sie hatte sich geöffnet, und nun folgte eine ganze Schar wild aussehender, Schwerter schwingender Gestalten, die sich zu den anderen gesellten und das blutige Werk fortführten, das von den vier Männern begonnen wurde.

    Bolthar betrachtete alles mit finsterer Miene, und um seine grausamen Züge zuckte es hin und wieder, wenn ein weiteres Schlachtopfer unter den Streichen der Mörder grausam starb. Dann aber drehte er sich abrupt herum und stapfte mit schweren Schritten aus dem Saal, in dem jetzt das Massaker seinen Höhepunkt zu erreichen schien.

    Die Breitaxt, Breiðöx genannt, trug er quer vor sich, als er kraftvoll die breiten Steinstufen hinauflief und gleich darauf vor einer schön verzierten Tür stand. Er wollte sie aufdrücken, musste aber feststellen, dass sie wohl von innen verriegelt war. Einen Moment lauschte der Nordmann, und wieder verzog ein hässliches Grinsen sein Gesicht. Der Lärm aus dem großen Saal war auch hier oben nicht zu überhören, die Todesschreie gellten durch die Mauern bis hier herauf.

    Bolthar hob den rechten Fuß und trat kraftvoll zu, sodass die Tür aus ihrer Verriegelung brach und splitterte. Von innen erklangen laute Schreckensrufe, aber das nahm der Rasende nicht wahr. Mit der Axt schlug er die restlichen Stücke beiseite und trat in den Raum, der von zahlreichen Öllampen beleuchtet wurde.

    In der Mitte des Raumes stand ein prächtiges Bett, auf dem sich ein junges Paar ängstlich aneinanderklammerte. Das Gesicht des jungen Mannes war bleich, die Züge der jungen, rothaarigen Frau vor Angst verzerrt. Als der Wikinger jetzt mit der erhobenen Axt vor ihnen stand, hatte der junge Mann den Mut, ein Schwert unter der Decke vorzuziehen und es ihm entgegenzuhalten. Mit dem linken Arm umfasste er die zitternde Frau und drückte sie fest an sich.

    „ So, habe ich euch endlich gefunden!, schrie der Nordmann die beiden an und hob die mächtige Axt über den Kopf. „Vereint in ihrer Hochzeitsnacht, und das nun für die Ewigkeit! Küsst euch, ihr beiden Turteltäubchen, dann musst ihr nicht auf die Axt starren, die euch gleich die Schädel spalten wird!

    Damit trat er an die Bettstatt und schwang die Breitaxt über dem Kopf.

    Doch der junge Mann sprang vom Lager auf und schrie den Wikinger an:

    „ Verflucht sei der Tag, an dem du geboren wurdest, du Bastard! Odin stehe mir bei, aber ich werde nicht zulassen, dass du uns ein Leid antust!"

    „ Dann stirb!", erwiderte Bolthar voller Hass und wollte zuschlagen, als durch eine Bewegung der jungen Frau, die sich ebenfalls erhob und ihm mutig, aber am ganzen Körper zitternd, entgegentrat.

    „ So ist alles wahr, was man von euch Nordmännern erzählt – ihr seid nichts anderes als eiskalte Mörder!"

    Bolthar hielt in seinem Wüten inne, senkte sogar die gerade zum tödlichen Hieb gehobene Axt und starrte den jungen Mann an.

    „ Du redest von Odin? Weshalb? Du betest den Nazarener an und hast längst mit Odin gebrochen! Was also soll das Gerede?"

    Rasend vor Zorn hob Bolthar erneut die Axt, als sich die junge Frau vor den Mann schob. Sie sah in ihrem einfachen, dünnen Gewand, das mehr von ihr enthüllte als verbarg, furchtlos und mutig, wenn auch sehr blass aus. Verwundert streifte der Blick des tobenden Nordmannes ihre Gestalt und sah ihr tief in die Augen. Als Reaktion auf diesen winzigen Moment entfiel ihm die Breitaxt und schlug polternd auf den Boden.

    „ Du bist nicht Fringa! Wer bist du? Was geht hier vor, wollt ihr mich vor meiner Reise in die Totenwelt nicht aufklären, was hier gerade geschieht? Bin ich nicht Bolthar, der Fürst der Wikinger, der mächtigste Herrscher der Nordmänner? Wo ist meine Fringa, meine Tochter, die mir diesen Schmerz angetan hat? Ich hörte, dass sie, während ich auf V iking mit meinen Getreuen war, mit einem der neuen Lehrer gegangen ist, um Odin und Thor zu verraten und dem Gott der Christen zu folgen! Sie sollte hier leben und heute heiraten!"

    „ Nein, Bolthar, die bin ich nicht! Ich habe niemals von deiner Tochter gehört, und bis zum heutigen Tag auch nicht vor dir, du blutrünstiger Barbar! Mein Name ist Freya Hengiff, Tochter des Fürsten Hengiff, die heute Olav geheiratet hat, im guten Glauben an den Bund, den Odin zusammengeführt und gesegnet hat! Aber dann kommt ihr in unser Haus und wollt uns ermorden – weshalb?"

    Während der Worte der jungen Frau zuckte es in dem harten Gesicht des Fürsten, er schlug seine Hände vor das Gesicht und verbarg seine Augen, aus denen jetzt wirklich Tränen herabliefen.

    „ Fringa!, schrie er voller Schmerzen auf. „Was hast du mir angetan? Wo bist du?

    Die junge Frau trat an ihn heran und legte ihre Hand auf seinen Unterarm.

    „ Bolthar, wer ist Fringa? Sieh dich um, du wirst sie bei uns nicht finden! Ich bin Freya Hengiff und habe heute Olav Hultgård geheiratet. Wir haben geglaubt, dass wir damit eine Verbindung zwischen zwei großen Familien besiegeln können, die Handel und Kaufmannschaft verbinden und stärken können. Dann bist du in unser Brautlager eingedrungen und hast mit deinen Männern unsere Brautgesellschaft überfallen.

    Aus welchem Grund bist du so blutdürstig, Bolthar? Hörst du mich überhaupt?"

    Die letzte Frage schien berechtigt, denn der Nordmann war vor dem Brautlager in die Knie gesunken und starrte die junge Frau mit weit aufgerissenen Augen an. Nicht meine Fringa!, war der einzige Gedanke, der den blutrünstigen Wikinger immer wieder durchzuckte. Nicht meine Fringa! Hier heiratet eine Frau aus einer angesehenen Familie einen Mann nach ihrem oder ihrer Eltern Geschmack. Nicht meine Fringa, die diesen Priester der Christen heiratet! Die Familie Hengiff hat nichts mit Fringa zu tun! Du mordest mit deinen Männern eine Gesellschaft, die nichts, aber gar nichts mit dem Irrglauben dieser Menschen, die du verfolgst, zu tun hat!

    Laut schreiend brach Bolthar zusammen.

    Er lag auf dem Fußboden vor dem großen Bett, als sein Gefolgsmann und Unterführer Galdur mit dem Sax-Schwert in der Hand hereingestürmt kam, weil er seinen Fürsten in Bedrängnis glaubte. Erstaunt sah er von ihm zu den beiden jungen Leuten, die sich erneut eng umschlungen hielten.

    Was war hier geschehen?

    Dieser Gedanke lähmte den Unterführer und ließ ihn innehalten. Für einen kurzen Moment dachte er an die Ströme von Blut, die ihre Männer im großen Saal des Palas vergossen hatten, dann kniete er sich neben seinen Fürsten und schlug ihm leicht auf die Wangen, um ihn wieder zu sich zu bringen.

    Irgendetwas Furchtbares war hier geschehen, aber Galdur verstand es nicht.

    Noch nicht.

    2.

    Der Sand knirschte unter dem Kiel der Boote, als sie fast gleichzeitig am Strand ankamen. Doch noch während des Anlandens waren die Männer herausgesprungen und wateten durch das kniehohe Wasser, die Schwerter in den Händen. Es waren große Langschiffe mit dreißig Ruderplätzen auf jeder Seite, die man als þritugsessa im gesamten Norden fürchtete.

    Die Krieger liefen über den Strand auf die Klosteranlage zu, deren niedrige Mauern kein wirkliches Hindernis boten. Auf ein Zeichen des hünenhaften Anführers, der weit vorausgelaufen und eben an der ersten Mauer angelangt war, sammelten sich die wild aussehenden Nordmänner um ihn, finstere Blick auf das Kloster gerichtet.

    Dann brach es aus mehr als einhundert Kehlen heraus.

    Die Männer stürmten auf die Mauer zu, die Ersten von ihnen zogen sich rasch hinauf und halfen anderen hinüber. Kurz verhielten die Ersten auf dem Innenhof und warfen begehrliche Blicke auf den lang gezogenen Bau dieses Klosters. Dann liefen sie auf die große Eingangstür zu, die jedoch von innen fest verriegelt war.

    „ Nehmt die Balken vom Strand auf!", rief ihnen Galdur zu, aber das war fast schon überflüssig, denn die letzten Nordmänner, die sich eben über die Mauer schwangen, hoben gemeinsam zwei Balken darüber, die nun von anderen mitgefasst wurden und im Sturmlauf gegen die Kirchentür gerammt wurden.

    Die mächtige, zweiflügelige Tür ächzte in ihren Angeln, hielt aber stand.

    Jetzt hob Bolthar seine mächtige Stimme und feuerte seine Krieger an.

    „ Was ist los mit euch, Männer? Habt ihr zu wenig zu essen bekommen? War die Beute im Palast der Hengiffs so ausreichend, dass ihr keine Lust mehr auf das Gold dieses Klosters habt? Dann denkt an die zahlreichen jungen Novizinnen und Nonnen, deren Angstgeschrei ich schon hören kann! Das sollte euch anfeuern und eure Lust steigern! Vorwärts – jetzt gelingt es!"

    Aber mit dem, was sich beim erneuten Anrennen vor ihnen abspielte, hatte nun niemand gerechnet. Bolthar, der in den vergangenen Monaten zahlreiche christliche Kirchen und Klöster angegriffen und vernichtet hatte, begriff es ebenfalls nicht. Die Männer rannten mit dem Balken auf die Doppeltür zu, als sie plötzlich wie von Geisterhand geöffnet wurde und die Krieger in den Kirchenbau stolperten.

    Das so unvermutet verschwundene Hindernis bewirkte, dass sie schließlich übereinander stürzten und damit den

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