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Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband
Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband
Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband
eBook342 Seiten

Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband

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Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband
von Tomos Forrest

Über diesen Band:

Dieser Band enthält folgende Romane

Tomos Forrest: Merlin, Artuis und die Ritter der Tafelrunde Band 1
Tomos Forrest: Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde Band 2
Tomos Forrest: Merlins Rückkehr
Tomos Forrest: Merlins Grab

König Artus plagen schwere Sorgen, denn der Sachsenkönig Hilderich ist mit seinem Heer an der britannischen Küste gelandet und beginnt seinen Eroberungszug. Doch nicht genug mit diesem gefährlichen Feind - da ist auch noch die Fürstin der Finsternis, Morgana le Fay, die Halbschwester Artus'. Sie bringt mächtige Kräfte ins Spiel, um Artus zu besiegen, und Merlin, der alte Zauberer, muss alles aufbieten, um Morgana zu bändigen. Und schließlich sind da noch die kriegerischen Bergvölker, deren Rolle in dem neuen Konflikt nicht geklärt ist …
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum19. Mai 2020
ISBN9783745212433
Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband
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    Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane - Tomos Forrest

    Geheimnisvoller Merlin - 4 Romane: Sammelband

    von Tomos Forrest

    Über diesen Band:

    Dieser Band enthält folgende Romane

    Tomos Forrest: Merlin, Artuis und die Ritter der Tafelrunde Band 1

    Tomos Forrest: Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde Band 2

    Tomos Forrest: Merlins Rückkehr

    Tomos Forrest: Merlins Grab

    König Artus plagen schwere Sorgen, denn der Sachsenkönig Hilderich ist mit seinem Heer an der britannischen Küste gelandet und beginnt seinen Eroberungszug. Doch nicht genug mit diesem gefährlichen Feind – da ist auch noch die Fürstin der Finsternis, Morgana le Fay, die Halbschwester Artus’. Sie bringt mächtige Kräfte ins Spiel, um Artus zu besiegen, und Merlin, der alte Zauberer, muss alles aufbieten, um Morgana zu bändigen. Und schließlich sind da noch die kriegerischen Bergvölker, deren Rolle in dem neuen Konflikt nicht geklärt ist …

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER DIETER ROTTERMUND

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde

    Band 1

    Der Dreizehnte Ritter

    von Tomos Forrest

    Fantasy-Roman

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK

    E-

    Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Cover: 123 RF mit Steve Mayer, 2019

    Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

    © dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Klappentext:

    König Artus plagen schwere Sorgen, denn der Sachsenkönig Hilderich ist mit seinem Heer an der britannischen Küste gelandet und beginnt seinen Eroberungszug. Doch nicht genug mit diesem gefährlichen Feind – da ist auch noch die Fürstin der Finsternis, Morgana le Fay, die Halbschwester Artus’. Sie bringt mächtige Kräfte ins Spiel, um Artus zu besiegen, und Merlin, der alte Zauberer, muss alles aufbieten, um Morgana zu bändigen. Und schließlich sind da noch die kriegerischen Bergvölker, deren Rolle in dem neuen Konflikt nicht geklärt ist …

    ***

    1.

    Der Hirsch sprang über den breiten Graben und hetzte durch das Unterholz, dass es nur so prasselte. Es war ein prächtiges Tier mit einem samtroten Fellkleid und einer nahezu perfekt weiß gefärbten Blume. Sechzehn Zacken wies sein Geweih auf, aber das war nicht der Grund, weshalb er gejagt wurde.

    Die königliche Jagdgesellschaft war schon einige Stunden unterwegs und wenig erfolgreich gewesen. Ein paar Hasen, ein Reh, fünf Enten – das war für die Größe der Gruppe nicht gerade eine große Strecke. Dann trat der Hirsch aus dem Unterholz, groß, mächtig, edel – ein König seines Volkes. Und er stand genau König Artus gegenüber, sah ihm ins Gesicht, als fordere er ihn heraus. Artus war nicht in der Lage, schnell zu reagieren, denn dieser Blick schien ihn gefangen zu halten. Es mochten nur ein paar Wimpernschläge gewesen sein, aber dem König erschien es wie eine Ewigkeit. Endlich konnte er dem Bann entsagen, hob die Hand mit dem Bogen und zog die Sehne auf. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Hirsch wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war. Plötzlich war die Stelle, an der er eben noch gestanden hatte, leer.

    „Niemand rührt mir den Hirsch an!", rief Artus den anderen zu und spornte seinen Hengst Gráda an. Mit einem wilden Wiehern nahm das Tier die Verfolgung auf, schien sich selbst über diese Herausforderung zu freuen. Doch so sehr sich das edle Pferd auch anstrengte, der Abstand zwischen ihm und dem prächtigen Hirsch verringerte sich nicht. Artus stellte sich in den Steigbügeln auf, den gespannten Bogen in der Hand, und musste immer wieder einsehen, dass die Gelegenheit für einen sicheren Schuss einfach nicht vorhanden war.

    Völlig unvermutet tauchte das Flussbett vor ihm auf, und nur einen Wimpernschlag lang zögerte der Hirsch. Das genügte seinem Jäger, zwei Pfeile in rascher Folge abzuschießen, die sich beide tief in sein Fleisch bohrten. Der erste traf ihn in den Hals, der zweite direkt auf dem Blatt, aber noch einmal schüttelte sich der prächtige Bursche, als wären es nur einfache Stiche eines lästigen Insektes. Gleich darauf spannte er seine Sehnen an und flog über einen breiten Graben vor dem eigentlichen Fluss, während der Verfolger dicht zu ihm aufschloss. Noch einmal flog ein Pfeil von der Sehne und traf seinen Hals, sodass ein Zittern durch das edle Tier lief. Noch ein paar Yards schleppte es sich weiter, dann brach es zum ersten Mal in die Knie ein.

    Mit einem Jubelschrei überquerte auch der Rappe des Königs den breiten und mit Wasser gefüllten Graben, und endlich konnte er dem verendenden Tier die Lanze direkt ins Herz stoßen.

    Röchelnd verendete es nach wenigen Schritten direkt auf der Lichtung. Der König riss die Arme hoch und stieß einen Triumphschrei aus. Den Mann mit dem Bogen zwischen den Kiefern sah er nicht, und als der Pfeil die Sehne verließ, schnellte ein dunkler Schatten nach vorn, und ein gewaltiger Lichtstrahl erhellte die Lichtung zwischen König Artus, dem Bogenschützen und seinem unerwarteten Retter. Kein menschliches Auge konnte wahrnehmen, was da gerade geschah. Der Pfeil aus dem Hinterhalt wurde im Flug von einem anderen in der Mitte getroffen und zerbrach in zwei unschädliche Hälften.

    Für den König sah es vollkommen anders aus. Artus sah weder den Meuchelmörder zwischen den Bäumen, noch den Lichtstrahl seines Retters. Seine Augen wurden weit aufgerissen, als plötzlich etwas Schwarzes sich über ihn senkte, blitzschnell, so, als hätte jemand die Sonne verdunkelt und den König in ein schwarzes Loch geworfen.

    Artus hob verwirrt die Hand mit dem Bogen, hatte rasch einen weiteren Pfeil aufgelegt und versuchte, sich in der Dunkelheit zu orientieren. Doch das war ihm nicht möglich, nur ein seltsamer Laut in der ihn umgebenden Schwärze drang an sein Ohr, und rasch schoss er einen Pfeil in die Richtung. Helles, spöttisches Lachen ertönte, irgendetwas streifte ihn mit Eiseskälte. Wie der Hauch des Eisriesen kam es ihm vor, unter dem alles Leben erstarren musste.

    Noch ein Pfeil flog von der Sehne, und erneut schien das seltsame Lachen aus dem Nichts zu antworten. Artus ließ den Bogen fallen und riss sein Schwert aus der Scheide.

    Excalibur – das geheimnisvolle, mystische Schwert, das er einst aus dem Stein gezogen hatte, in den es Merlin verbannt hatte. Das Schwert wirbelte im unglaublichen Tempo um seinen Kopf und das Schwarz um ihn schien zu weichen. Jetzt erkannte Artus Einzelheiten, sah einen Ritter im Kampf mit einem riesigen, schwarzen Körper, einer gewaltigen Schlange nicht unähnlich. Schon im nächsten Moment kehrte die vollständige Finsternis zurück, in der ein gleißender Blitz dem König in die Augen stach und ihn vom Pferd stürzen ließ. Gleich darauf verlor er das Bewusstsein, und sein letzter, klarer Gedanke war: Morgana!

    Der König lag auf dem Waldboden, während um ihn her ein wilder Kampf tobte. Der kräftige, sich immer wieder neu um ihn schlängelnde Körper wurde genauso wieder durch die heftigen Schwerthiebe des Ritters, dessen Rüstung auf seltsame Weise in der Dunkelheit silbern schimmerte, zurückgedrängt. Bei jedem Schwerthieb auf den Körper des Angreifers ging ein Leuchten über die schuppige Panzerhaut des Wesens, und es schien sich rasch wieder zu erholen. Doch hageldicht fielen die Schläge des Ritters, und das Leuchten wurde nach jedem Hieb schwächer und schwächer, bis es sich schließlich mit einem langgezogenen Seufzer zurückzog. Die längliche Schwanzspitze, die eben noch ein Bein des Königs erfasst hatte, löste sich davon, und mit einem Rascheln im Unterholz verschwand das seltsame Wesen, das durch Artus Beschützer verjagt wurde.

    Der Ritter selbst hob sein Schwert steil über den Kopf.

    Wer ihn jetzt beobachtet hätte, wäre wohl sein restliches Leben lang von Zweifeln geplagt und von Albträumen verfolgt worden. Denn erneut brach ein Blitz durch die Dunkelheit und fuhr in die Schwertspitze, die gleich darauf glühend rot aufleuchtete. Schließlich war alles vorüber, die Dunkelheit wich langsam zurück, und das Sonnenlicht, das zuvor die britannische Landschaft durchflutet hatte, brach sich wieder Bahn.

    König Artus lag friedlich schlafend im Moos, etwas weiter rupfte sein Rappe von dem Gras, das sich auf dieser Lichtung ausgebreitet hatte. Unruhig warf er plötzlich den Kopf hoch, als ihm gegenüber ein leises Rascheln erklang und gleich darauf ein gewaltiger Hirsch auf die Lichtung trat. Der Rappe verhielt in seiner Bewegung und beobachtete das prächtige Tier, wie es langsam auf die Lichtung kam und dabei zu dem ruhenden König hinüberwindete. Plötzlich hatte er ihn wahrgenommen, schrak zusammen und jagte im nächsten Augenblick zurück in den Wald, aus dem nur noch das Prasseln im Unterholz zu hören war. Danach senkte sich erneut tiefe Stille über die Lichtung, und als sich Artus regte, trafen die ersten Reiter seiner Jagdgesellschaft ein.

    Erschrocken sprangen die Ritter aus dem Sattel und eilten zu ihrem König, der in diesem Moment erwachte und sich verwundert umsah.

    „Percival – was machst du hier?", erkundigte sich Artus mit belegter Stimme und richtete sich auf.

    „Seid ihr in Ordnung, mein König?", kam die Antwort des treuen Ritters, der sich sofort an seine Seite gekniet hatte und mit besorgten Blicken nach einer Verletzung Ausschau hielt.

    „Natürlich, weshalb denn nicht? Ich war nur müde geworden und muss hier eingeschlafen sein!"

    „Müde? Eingeschlafen?, antwortete Percival höchst erstaunt. „Artus, wir befanden uns auf einer Hirschjagd, und als ein kapitaler Bursche vor uns erschien, seid ihr ihm sofort gefolgt! Was ist passiert, seid ihr gestürzt?

    Artus sah erstaunt an sich herunter.

    „Nein, unmöglich – ich habe hier gehalten, bin aus dem Sattel gestiegen und dann – erinnere ich mich an gar nichts mehr, außer an diese unglaubliche Müdigkeit, die mich zwang, einen Moment auszuruhen. Als ich aufsehe, kniest du an meiner Seite – mehr kann ich dazu nicht sagen!"

    „Was ist mit eurem Stiefel geschehen?", rief jetzt Sir Galahad und deutete auf das rechte Bein des Königs.

    „Seltsam, was ist das? Artus bückte sich und tippte mit dem behandschuhten Finger darauf, roch an der grünlichen Substanz und verzog das Gesicht. „Es riecht jedenfalls wie aus der Kloake!

    Als wäre diese Auskunft ein geheimes Signal, zogen sämtliche Ritter ihre Schwerter und stellten sich im Kreis schützend um König Artus, der jedoch abwehrend die Hände hob und lachte.

    „Freunde, ihr seht doch nicht etwa Geister? Ich bin irgendwo hineingetreten, als ich aus dem Sattel stieg! Was soll es sonst anderes sein?"

    Mit diesen Worten putzte Artus beide Stiefel im Gras ab, aber seine Ritter waren keineswegs seiner Meinung.

    „Das ist ein Zauber gewesen, der den König angegriffen hat!", raunte Lancelot dem neben ihm stehenden Gareth zu. Selbst der, der von allen immer als der sachliche, nüchtern denkende Ritter bezeichnet wurde, stimmte ihm jetzt zu.

    „Lasst uns zurück nach Camelot reiten, Freunde, der Platz ist mir zu unsicher geworden!"

    „Und der Hirsch? Ich hatte ihn fast schon!", warf Artus ein.

    „Bitte nicht – hier ist etwas geschehen, das unerklärlich ist, Sire. Wir sollten so schnell wie möglich zurückreiten und Merlin um Rat fragen!"

    Der König sah seine Ritter an, schließlich stimmte er zu, auch wenn er anderer Meinung war.

    Alle saßen rasch wieder auf und formierten sich so um Artus, sodass er nach allen Seiten geschützt war. Doch der Ritt zurück auf die prächtige Burg blieb ereignislos, und als sie anschließend an der Tafel saßen und gemeinsam von ihren Jagderlebnissen berichteten, dazu fleißig dem guten Wein und dem gebratenen Wild zusprachen, war es eigentlich ein völlig normaler Abend.

    Nur Artus dachte immer wieder an die seltsame Substanz an seinem Stiefel. So etwas hatte er schon einmal gesehen, konnte sich aber nicht darauf besinnen, wo das war.

    In der Nacht schrak er aus einem leichten Schlaf auf.

    Ihm war eingefallen, an welchem Ort er dieses seltsame, grüne, stinkende Zeug schon einmal gesehen hatte. Es ließ ihm keine Ruhe mehr, Artus warf sich den Waffenrock über und trat auf den Flur hinaus, wo ihn die Wache erstaunt musterte. Den Gürtel knotete er im Licht der brennenden Fackeln. Nur ein kräftiger Dolch war daran befestigt, und Artus nickte dem Wachtposten zu.

    „Alles in Ordnung, ich gehe nur hinüber in das Scriptorium. Mir ist noch etwas eingefallen, das ich unbedingt niederschreiben muss – morgen könnte ich das schon wieder vergessen haben!"

    Die Wache salutierte, als der König den Gang hinuntereilte und die Tür zur Schreibstube öffnete. Rasch schlug er mit Stahl und Zunder Feuer, entzündete die Öllampe und ging damit zu dem großen Tischleuchter, um auch dort die großen Kerzen anzubrennen.

    Das Licht reichte aus, um das mächtige Regal mit den Schriftrollen, Karten und den Folianten gut zu erkennen. Artus tastete eine Weile auf einem Regalboden herum, schließlich vernahm er das leise Klicken, gleich darauf drehte sich die Wand auf einer unsichtbaren Achse und gab eine dunkle Öffnung dahinter frei. Der König zögerte keinen Augenblick, ergriff den Leuchter und ging hinein, dabei den rechten Arm mit dem Leuchter weit ausgestreckt vor sich haltend.

    Es ging eine ganze Strecke sehr schräg nach unten, und die Felsenwände mussten vor uralten Zeiten bearbeitet worden sein, um diesen Weg zu schaffen. Endlich spürte Artus einen leichten Luftzug und blieb stehen. Der Leuchter wurde an die hohe Decke gehalten, und jetzt sah er die schmale Abzweigung. Dieser Gang erlaubte nur einem einzigen Mann den Durchschlupf, und schon nach wenigen Yards wurde auch die Decke so niedrig, dass der groß gewachsene König gerade so hindurchschreiten konnte.

    Gleich darauf stand er vor der schweren, massiven Eichentür, griff nach dem Schlüssel, den er an einer dünnen Kette um den Hals trug, und steckte ihn in das Schloss. Nur langsam konnte er ihn drehen, und in der Stille hier unter Burg Camelot vernahm er, wie jeder einzelne Metallstift im Mechanismus zurückfiel und ein weiteres Stück der Sperre öffnete.

    Ein leichter Stoß, die Tür schwang lautlos zurück, und aus dem dunklen Raum dahinter kam ein unangenehmer, muffiger Geruch. Aber da war nicht nur der Geruch nach Fäulnis und Vergänglichkeit, sondern noch etwas anderes. In diesem Augenblick wusste Artus, dass es ein Fehler war, ohne sein Schwert Excalibur hierherzukommen. Er war wie ein kleines Kind in die Falle gelaufen, weil er der Versuchung nicht hatte widerstehen können. Aber jetzt war es zu spät.

    Er erkannte die Umrisse der Schachteinfassung, denn ein seltsames, gelbliches Licht kam aus diesem uralten Brunnen, der vor langer, langer Zeit einmal durch den Felsen getrieben war. Artus hatte diesen Schacht erst vor ein paar Jahren entdeckt, und die damaligen Begleitumstände veranlassten ihn, die schwere Eichentür anbringen zu lassen, die nur von außen geöffnet werden konnte. Aber er war nie sicher, ob das, was er damals in diesem Brunnen gesehen hatte, sich auch wirklich dadurch abhalten ließ.

    Auch heute erging es ihm ähnlich wie damals, als das gelbe Licht ihn magisch anzog wie eine Motte, die um eine Kerze fliegt, bevor sie sich versengt.

    Alles in ihm war zum Zerreißen angespannt, eine innere Stimme rief ihm zu, umzudrehen und die Tür hinter sich zuzuwerfen, aber sein Körper, seine Beine und Arme gehorchten ihm nicht. Seine Beine bewegten sich auf den gemauerten Rand zu, seine Arme hatte er wie ein Schlafwandler ausgestreckt und packte jetzt kräftig den ersten Stein. Aus dem Schacht stieg Wärme auf, die ihn einhüllte, und jetzt bemerkte er auch nichts mehr von dem modrigen Geruch, der ihm beim Öffnen der Tür entgegengeschlagen war. Was diesen seltsamen, neuen Duft ausmachte, konnte er eigentlich nicht sagen – irgendwie erinnerte er ihn an einen duftenden Heuhaufen.

    Heu! Das war es! Das ist gar kein Brunnenschacht vor mir, sondern ein herrlicher, duftender Heuhaufen! Und gleich wird Guinevere lachend vor mir stehen und mich in das Heu zu sich ziehen … Ich kann das Heu riechen … ich kann ihre Haut, ihre Haare riechen … Guinevere, du geliebte Frau, ich bin gleich …

    Mit einem tosenden Krachen, in das sich ein unmenschlicher Schrei mischte, gefolgt von einem blau-gelben, grellen Blitz, wurde Artus aus seinen Träumen geweckt. Gleichzeitig spürte er, wie ihn jemand am Waffenrock packte, herumriss und ihn zur Seite schleuderte, sodass er die ausgestreckten Hände nehmen musste, um nicht gegen die Wand zu prallen.

    Der Lärm im Raum schwoll an wie bei einem Sturm, der sich im Inneren der alten Gänge von Burg Camelot verfangen hatte. Ein mächtiges Brüllen drang aus dem Schacht nach oben, und als sich Artus benommen herumdrehte, war auch der liebliche Geruch nach Heu verschwunden und dem einer Abfallgrube gewichen. Je länger der Lärm anhielt und je greller immer wieder die Blitze um ihn zuckten, umso unangenehmer wurde auch der Geruch, bis sich Artus den Zipfel seines Hemdes vor die Nase presste und mit weit aufgerissenen Augen versuchte, das Chaos aus Lärm, Dunkelheit und blendenden Blitzen zu durchdringen.

    Vergebliche Mühe, nichts zeigte sich ihm klar und deutlich. Das gelbe Licht aus dem Schacht war verschwunden, aber noch immer schienen dort dunkle Mächte miteinander zu kämpfen, dann war plötzlich alles still. Artus schüttelte den Kopf, um eine seltsame, dumpfe Befangenheit loszuwerden, die ihm jeden klaren Gedanken genommen hatte.

    Dann ergriff jemand seinen Arm und führte ihn aus dem Raum, und benommen stand der König im Gang, als jemand hinter ihm die schwere Eichentür zuwarf und gleich darauf sich der Schlüssel knirschend im Schloss drehte.

    Noch immer hatte er keine Ahnung, was da eben um ihn herum geschehen war – und er wusste auch nicht, wer ihn da offenbar gerade gerettet hatte.

    „Du machst es mir sehr schwer, Artus!, hörte er eine tiefe, wohlklingende Stimme dicht an seinem Ohr, während der Sprecher erneut seinen Arm ergriff und mit ihm im Gang nach oben schritt, bis die beiden Männer vor der Tür zum Scriptorium standen. „Und ich kann dir nicht versprechen, dass ich immer rechtzeitig zur Stelle bin, wenn du wieder einmal in diese verbotenen Räume gehst. Dein eigenes Verbot sollte auch für dich selbst gelten, Artus. Manchmal ist es kein Vorteil, der König zu sein!

    „Leander! Das hätte ich mir ja denken können!"

    Das Licht der Fackeln vor dem Schreibraum erhellte die den König um Kopflänge überragende Gestalt. Der Ritter, der ihm in dieser Situation geholfen hatte, trug nur ein aus eisernen Ringen geflochtenes Brustteil, das seine muskulösen Oberarme freiließ und seine breite Brust nur notdürftig vor Schwerthieben schützen konnte.

    Leander hatte das Äußere eines griechischen Olympioniken, wie man ihn einst im Heiligtum des Zeus in Elis sehen konnte. Tatsächlich war seine Herkunft unklar, auch König Artus wusste nur sehr wenig von dem Ritter, der ihm in schwierigen Situationen immer wieder zur Seite stand. Gern hätte Artus einen Mann wie Leander in den Kreis der Ritter der Tafelrunde aufgenommen, aber da gab es zwei entscheidende Gründe, die dagegen sprachen.

    Der unwichtigste Grund war die Tatsache, dass seine Tafelrunde aus zwölf Rittern bestand, und Leander wäre der dreizehnte gewesen. Dagegen hätte sich Artus durchgesetzt, auch wenn die meisten der anderen sich wohl dagegen ausgesprochen hätten.

    Vielmehr war es die dunkle Seite Leanders, vor der sich Artus, wenn er sich selbst gegenüber ganz offen sein wollte, sogar fürchtete. Leander schien über andere Kräfte als ein normaler Mensch zu verfügen, und die Art seines Erscheinens war stets mit irgendwelchen Donnerschlägen und Blitzen begleitet gewesen.

    Und schließlich war es Merlin, sein Erzieher und Ratgeber in vielen schwierigen Lagen, der ihn darauf hingewiesen hatte, dass Leander nicht nur die weiße Magie beherrschte, sondern auch die schwarze – und vermutlich sogar Merlin überlegen war, sollte es jemals zu einem Kräftemessen zwischen den beiden kommen.

    „Gute Nacht, mein König!", sagte Leander und öffnete die Tür zum Scriptorium, verbeugte sich höflich und wartete, bis Artus eingetreten war. „Keine Sorge, ich werde bis zum Morgengrauen wachen. Es wird ihr nicht noch einmal gelingen, meine Vorkehrungen auszuschalten. Schlaf gut und unbesorgt, Artus – dein dreizehnter Ritter wacht über dich und Camelot! Es ist nur ein Versuch gewesen, den ich allerdings hätte erahnen können, erahnen müssen. Doch nach der Jagd war ich davon überzeugt, dass sie keinen zweiten Versuch unternehmen würde – das war mein Fehler."

    „Bei der Jagd?", erwiderte Artus erstaunt.

    Leander lächelte, und seine markanten Züge wirkten plötzlich weich.

    „Ja, hast du keine Erinnerung mehr an den Hirsch? Hast du seine auffällige Zeichnung im Fell nicht erkannt? Nein, vermutlich nicht, denn in dem Falle hättest du keine Pfeile auf sie verschwendet."

    „Aber ich …"

    Leander hob die Hand noch einmal zum Gruß, gleich darauf schloss er sanft die Tür zu dem Schreibraum, und Artus blieb noch einen Moment grübelnd stehen, bevor er die Geheimtür mit dem Regal wieder in die alte Position drückte.

    2.

    Die Königin war mit ihrem großen Gefolge bereits auf dem Rückweg, als plötzlich ihre Stute lahmte. Sie hatte es immer vorgezogen, lieber im Damensattel auf einem Pferd zu sitzen als sich einem der unbequemen Kästen auf Rädern anzuvertrauen, die ihr die Luft zum Atmen nahmen und zudem völlig ungefedert durch die Gegend rumpelten. Aber Guinevere hatte noch nie erlebt, dass eines ihrer Pferde plötzlich lahmte, schon gar nicht auf einer solchen Reise. Es war für ihren persönlichen Hufschmied selbstverständlich, jeden Morgen alle Pferde zu kontrollieren. Die weiße Stute Andarta genoss dabei seine besondere Aufmerksamkeit. Die Königin zog ihren Schmied Blake schon damit auf, dass er wohl in den Schimmel verliebt sei, und tatsächlich bekam der untersetzte, kräftige Schmied bei ihren Worten ein knallrotes Gesicht und wandte sich verlegen zur Seite.

    „Das ist alles in Ordnung!, sagte Blake, als er die Hufe abgesetzt hatte und eine Weile die Fesseln der Stute massierte. „Was ist mit dir, meine Schöne?, flüsterte er der Stute ins Ohr, als er sich wieder aufrichtete. Das Tier schnaubte und rieb den wohl geformten Kopf an seiner Schulter.

    Es war ein ungewöhnlich heißer Tag, und alle waren froh, dass sie unmittelbar an einem Fluss rasten konnten, an dem es ein paar schattenspendende Bäume und zahlreiche Sträucher gab. Schnell waren ein paar Baldachine für die Damen errichtet, die Ritter teilten ihre Kriegsknechte für die Wachen ein und sorgten dafür, dass ihr Lagerplatz in einem weiteren Kreis gesichert war.

    Die Zeiten waren schlecht, ein mächtiges Sachsenheer wusste man im Marsch von der britannischen Küste, aber doch erst noch mehr als einen Wochenmarsch von Camelot entfernt. Die Königin hatte eine heikle Mission übernommen und ein paar entfernte Höfe aufgesucht, um im Namen ihres Mannes für ein gemeinsames Heer gegen die Sachsen zu werben. Ihrem natürlichen Charme war es gelungen, die uneinigen Fürsten zu einen und ihnen das Versprechen abzunehmen, dass sie innerhalb von acht Tagen mit ihren Soldaten nach Camelot kommen würden.

    Der wolkenlose, blaue Himmel spannte sich über ganz Britannien, und die Sonne stand wie eine goldene Scheibe im Zenit, als man den Rastplatz gefunden hatte. Guinevere tätschelte ihrer Stute kurz den Hals, während Blake seine Bemühungen um das Tier fortsetzte. Dann ging die Königin langsam hinunter zum Flussufer, gefolgt von ihren Hofdamen, den Maiden, die sich fröhlich über ihr für den Abend erwartetes Eintreffen auf Camelot ausließen.

    Die Königin ging am sanften Flussufer in die Knie und wollte gerade etwas von dem kristallklaren, kühlen Wasser schöpfen, als sie verwundert in ein Gesicht sah, dass sie für einen winzigen Augenblick für ihr eigenes Spiegelbild gehalten hatte. Aber rasch erkannte sie ihren Irrtum, denn das Gesicht im Wasser wurde umrahmt von langen, schwarzen Haaren, aus denen sie dunkle Augen anstarrten wie glühende Kohlen. Erschrocken wollte sie aufspringen, aber eine schneeweiße Hand stieß blitzschnell aus dem Wasser hervor und griff ihr Handgelenk.

    „Zu Hilfe!", schrie die entsetzte Königin auf, aber da waren ihre Maiden schon an ihrer Seite, griffen beherzt zu und retteten ihre Königin auf diese Weise vor einem Sturz in den Fluss.

    „Guinevere, um Himmels willen, das hätte leicht schief gehen können!", sagte die junge Frau etwas atemlos, die sie um die Hüfte gefasst und festgehalten hatte.

    „Habt ihr das gesehen?, erkundigte sich eine etwas kurzatmige Königin und starrte auf das leicht gekräuselte Wasser des Flusses. Auch die anderen sahen eine Bewegung und einen dunklen Schatten, und eine der Maiden sagte: „Ein sehr großer Fisch, Mylady, aber das ist doch nichts Ungewöhnliches in unseren Flüssen!

    Die Königin drehte ihr ein wachsbleiches Gesicht zu und antwortete mit tonloser Stimme: „Ich habe keinen Fisch gesehen, sondern ein Gesicht!"

    Während zwei der Damen die Königin stützten und zum sicheren Lagerplatz zurückbrachten, warfen sie sich bedeutsame Blicke zu.

    Es war nicht das erste Mal, dass die Königin von Britannien etwas sah, das außer ihr kein anderer Mensch erkennen konnte. Sie hatten das dem König in behutsam gewählten Worten mitgeteilt, aber König Artus schien keinen Moment an dem zu zweifeln, was Guinevere gesehen hatte und befahl ihnen, über alles zu schweigen und ein besonderes Auge auf die Königin zu halten, wenn sie mit ihr unterwegs waren.

    Als sie bei dem für die Königin hergerichteten, bequem ausgepolsterten Platz ankamen, lief ihnen freudig schnaubend die weiße Stute entgegen und wurde von Guinevere mit liebevollen Koseworten begrüßt.

    „Bist du wieder in Ordnung, meine Süße? Hat dich der gute Blake geheilt? Na, komm, lass einmal sehen – ja, du sprühst ja geradezu wieder von Kraft, und hast dabei noch nicht lange geruht!"

    „Sie hatte auch nichts, meine Königin!", erklang eine leise Stimme hinter ihr, und als sich die Königin

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