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Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane
Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane
Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane
eBook897 Seiten12 Stunden

Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane

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Über dieses E-Book

Dieses Buch enthält folgende Western:

Larry Lash: Die Rechtlosen

Pete Hackett: Salbei-Justiz

Larry Lash: Glatte Rechnung

Glenn Stirling: Der Schatz der roten Lola

Wolf G. Rahn: Ritt nach Dakota

Alfred Bekker: Ein Mann namens Bradford

Glenn Stirling: Lüge, Hass und Tod

Die Rechnung schien nicht aufzugehen. Sie war glatt, zu unkompliziert.

Ein Mann sucht seinen Bruder. Er nimmt an, nur auf einer heißen Fährte zu reiten, befindet sich jedoch schon mitten drin in der Hölle, in einem Hexenkessel, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt.

Und Ruel Duke ist bereit, die Rechnung zu begleichen, die man ihm servierte. Er wächst mit seinen Aufgaben, bäumt sich gegen das Schicksal auf, das ihn in die Ecke treibt, stemmt sich gegen eine zwiegesichtige Meute und begleicht die Rechnung mit rauchenden Revolvern.

Er ist zwar kein Übermensch, kein Allroundmann! Nein, er ist lediglich ein Mann, der am Boden lag und sich doch wieder empor kämpfte.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum13. Jan. 2022
ISBN9783745222265
Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    Bleihaltige Rechnung - Alfred Bekker

    Alfred Bekker, Larry Lash, Glenn Stirling, Wolf G. Rahn, Pete Hackett

    Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane

    UUID: fc12714c-8897-4e8d-9cd0-2808ff9e6328

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane

    Copyright

    Die Rechtlosen

    Salbeibusch-Justiz

    Glatte Rechnung

    Der Schatz der Roten Lola

    Ritt nach Dakota

    EIN MANN NAMENS BRADFORD

    Lüge, Hass und Tod

    Bleihaltige Rechnung: Cowboy Western Sammelband 7 Romane

    Alfred Bekker, Larry Lash, Glenn Stirling, Wolf G. Rahn, Pete Hackett

    Dieses Buch enthält folgende Western:

    Larry Lash: Die Rechtlosen

    Pete Hackett: Salbei-Justiz

    Larry Lash: Glatte Rechnung

    Glenn Stirling: Der Schatz der roten Lola

    Wolf G. Rahn: Ritt nach Dakota

    Alfred Bekker: Ein Mann namens Bradford

    Glenn Stirling: Lüge, Hass und Tod

    Die Rechnung schien nicht aufzugehen. Sie war glatt, zu unkompliziert.

    Ein Mann sucht seinen Bruder. Er nimmt an, nur auf einer heißen Fährte zu reiten, befindet sich jedoch schon mitten drin in der Hölle, in einem Hexenkessel, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt.

    Und Ruel Duke ist bereit, die Rechnung zu begleichen, die man ihm servierte. Er wächst mit seinen Aufgaben, bäumt sich gegen das Schicksal auf, das ihn in die Ecke treibt, stemmt sich gegen eine zwiegesichtige Meute und begleicht die Rechnung mit rauchenden Revolvern.

    Er ist zwar kein Übermensch, kein Allroundmann! Nein, er ist lediglich ein Mann, der am Boden lag und sich doch wieder empor kämpfte.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, ALFREDBOOKS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Cover: Edward Martin

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Die Rechtlosen

    Western von Larry Lash

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 188 Taschenbuchseiten.

    Als Buck Jones in seinem Brandyrausch in der kleinen Rinderstadt Amok läuft, versucht er damit, sich in schier verzweifelter Art von einem seelischen Druck zu befreien, der wie eine unheimliche Last auf ihm liegt. Als er wieder nüchtern ist, weiß er, dass er rechtlos ist, dass er auf verlorenem Posten steht. Er weiß aber ebenfalls, dass die Männer, die in dieser kleinen Stadt scheinbar auf der Seite des Rechtes stehen, alles andere als ehrenwert sind. Als sie ihre Masken fallen lassen, und es dann feststeht, dass sie mit Mordgesindel paktieren, da sind es die Rechtlosen, die in fast aussichtslosen Positionen für die Guten im Lande und gegen die Banditen und skrupellosen Geschäftemacher kämpfen. Doch nie hätte es Buck Jones allein geschafft, wenn ihm nicht diese prächtigen Oldtimer zur Seite gestanden wären.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    Cover: nach Motiven von Steve Mayer, 2021

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    postmaster@alfredbekker.de

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    1.

    Es mochte Mitternacht sein, als Buck Jones ein eigenartiges, schabendes Geräusch an der Bretterwand der windschiefen Hütte hörte, in der er sich zur Ruhe gelegt und schon einige Stunden geschlafen hatte. Das Geräusch weckte ihn. Der Kopf brummte ihm von zu viel genossenem Brandy, den er drei Tage lang in sich hineingeschüttet hatte. Er war in den vergangenen Tagen in einen Brandyrausch gesunken, wie er ihn nie vorher erlebt hatte. Die Erinnerung war nach und nach ausgelöscht. Doch jetzt, als er mit einem Brummschädel erwachte, war es ihm, als schütte ihm jemand eine eiskalte Dusche über den Rücken. Er hockte sich auf und starrte in die Dunkelheit des Raumes hinein. Seine Hände tasteten seinen Körper ab, und er stellte fest, dass er keine Decke über sich ausgebreitet hatte. Es roch übel um ihn herum. Das Stroh unter ihm hatte Tieren als Ausschütte gedient. Es war nicht ganz trocken, doch die Feuchtigkeit, die aus dem Stroh stieg, war leichter zu ertragen als die Kälte, die mit beißender Schärfe durch die Ritzen der Hüttenwand eindrang.

    Jetzt wurde er sich klar darüber, dass nicht nur das schabende Geräusch an der Hüttenwand ihn geweckt hatte, dass die Kälte, der üble Geruch und die Feuchtigkeit gleichermaßen daran beteiligt waren. Alle diese Umstände wirkten auf ihn ein und machten ihn munter, mehr noch, er war plötzlich hellwach. Er lehnte seinen Rücken gegen die Wand und blieb einige Minuten still hocken, darum bemüht, Ordnung in seine Gedanken zu bringen.

    Was war geschehen? Wie kam er hierher?

    Seine tastenden Hände hatten seinen Waffengurt noch nicht ausfindig gemacht. Seine Taschen waren leer, und sogar das Taschentuch fehlte, und damit die letzten fünfzig Dollar, die er vor Kurzem noch besessen hatte. Schrecken ließ ihn auffahren. Er richtete sich ein wenig überhastet auf, stieß aber sofort mit seinem Kopf gegen einen Balken und sank mit einem Fluch zurück auf das üble Lager. Sogleich kroch er weiter, bis seine Hände ins Leere tasteten.

    „Wie komme ich nur in diesen Hühnerstall hinein, sagte er laut, als er die Sitzstange des Federviehs ertastete. „Ich muss von Sinnen gewesen sein!

    Er tastete weiter, bis er mit seinen Händen eine kurze Leiter erwischte. Es gelang ihm, sich aus dem Verschlag zu winden. Schwer atmend stand er ein wenig später neben dem Verschlag und wischte mit der Hand über seinen brummenden Schädel. Tausend kleine Teufel schienen mit kleinen Hämmern unter der Schädeldecke zu meißeln. Die Schmerzen waren so stark, dass er es schließlich aufgab, Licht in das Dunkel der vergangenen Tage zu bringen. Im Augenblick war er froh, dass er aus dem Verschlag heraus war und aufrecht stehen konnte. Mit vorgestreckten Händen tastete er sich bis zu einer Tür hin, die unverschlossen war. Er atmete auf, als er feststellte, dass seine erste Annahme, ein Gefangener zu sein, sich nicht bestätigte.

    Der Lichtschein einer an einem Deckenbalken im Zugwind hin und her baumelnden Karbidlaterne fiel auf Buck, der verwirrt stehenblieb und sich an den Pfosten der geöffneten Stalltür anlehnte. Die Übelkeit war jetzt so stark in ihm, dass er dagegen ankämpfen musste. Sein Magen revoltierte, die Augen brannten ihm. Er schauerte zusammen, als der Nachtwind ihn traf. Buck stand so eine Weile an den Pfosten gelehnt. Er war sehr bleich. Die Haare lugten unter der Stetsonkrempe hervor. Hätte er sich in einem Spiegel sehen können, er wäre sicherlich entsetzt zusammengefahren.

    Er gab sich einen Ruck und setzte sich in Bewegung. Es war sehr kalt. Im Osten zeigte sich der erste graue Schimmer des kommenden Morgens. Die kleine Rinderstadt lag verlassen da. An der Hüttenwand stand ein an einem Haken festgebundenes Maultier, das sich den Rücken an der Hüttenwand rieb und Buck aus großen, verwundert dreinblickenden Tieraugen nachschaute. Der torkelnde Gang des davongehenden Mannes erinnerte an einen Volltrunkenen. Doch Buck war es nicht mehr. Er war stocknüchtern, dafür sorgte die Nachtkälte. Ein Reiter kam ihm entgegen, stutzte bei seinem Anblick und hielt mit einem scharfen Zügelruck sein Pferd an.

    „Buck!, wurde er angerufen. „He, Buck!

    Buck brauchte einige Sekunden, um den Reiter zu erkennen. Er war ebenfalls stehengeblieben, hatte mit beiden Händen das Bohlensteiggeländer erfasst und blickte aus verschwommenen Augen in das Antlitz des hartgesichtigen Reiters.

    „Du bist es, Gail?"

    „Danke Gott, dass ich es bin und nicht ein Reiter aus der Bruce-Mannschaft, wurde ihm rau erwidert. Bei diesen Worten schwang sich der Reiter aus dem Sattel, nahm sein Pferd am Zügel und trat nahe an Buck heran. Seine hellen Augen musterten Buck schnell und eindringlich. „Ich bin nur deinetwegen hier, sagte Gail Datrys, wobei er Bucks Arm nahm und ihn und sein Pferd in eine dunkle Gasse führte. „Als man mir sagte, was du Unglücksrabe hier angestellt hast, ließ es mir keine Ruhe. Jetzt scheinst du ein wenig zahmer geworden zu sein, mein Junge! Das blanke Elend steckt in dir. Du kannst dich kaum noch aufrecht halten. Das hat wohl alles so kommen müssen."

    „Rede nicht lange herum, Gail, unterbrach ihn Buck, der zwar willig gefolgt war, sich aber jetzt losriss. „Was ist denn geschehen?

    „Himmel und Hölle, als man mir sagte, dass du stinkbesoffen Amok läufst, habe ich mir einiges denken können. Doch scheint es noch schlimmer um dich bestellt gewesen zu sein, als ich annahm. Buck, du hast Dan Bruce eine Kugel geschickt und seinem Vormann Parler die Nase schief gesetzt. Dann hast du den Tingel-Tangel-Saloon leergefegt, so dass einige Stühle, Tische, Spiegel und Regale zum Teufe! gingen. Ein Vandale hätte nicht schlimmer hausen können. Von tausend Teufeln musst du besessen gewesen sein. Die ganze Stadt stand Kopf. Ich will nicht erwähnen, was im Einzelnen geschah, doch sei froh, dass deine Kugel Dan Bruce nur leicht verletzte und ihn nicht tötete."

    „Es wäre besser, wenn Dan Bruce tot wäre, Gail, unterbrach ihn Buck. „Seine Leute haben mich in die Gosse geworfen. Dann bin ich ihnen entkommen und bin in irgendeinen Stall gekrochen. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, Gail, doch an gewisse Dinge sehr genau, dass ich nämlich meinen Job los bin, dass Asa Melvis mich entlassen musste, weil er seine Ein-Kuh-Ranch gegen den Druck der Bruces nicht mehr halten konnte und sich von den Drohungen der Brüder einschüchtern ließ. Er verkaufte weit unter dem Preis an die Bruces.

    „Das ist kein Grund, um allein gegen Bruce anzugehen, Buck!"

    „Das meinst du!" Buck Jones stieß es böse hervor und trat einen Schritt von Gail Datrys fort. „Ich verstehe! Die Macht der Bruces ist zu groß, als dass sich ein Sterblicher dagegen auflehnen könnte. Man nimmt hin, was von ihnen kommt. Man duckt sich und hält den Mund. Man lässt sich einen Tritt versetzen und sagt noch danke schön! Alle zittern, wenn der Name Bruce fällt. Einer

    misstraut dem anderen. Keiner möchte sich bei den Bruces in ein falsches Licht setzen. Die Leute ersterben in Achtung, wenn einer aus der hochmütigen Sippe daherkommt, und doch wissen sie alle, welche Methoden die Brüder anwenden. Es sind nämlich gemeine Methoden, die sie benützen, um ihre Macht auszuweiten und zu stärken. Wer sich ihnen entgegensetzt, muss das Land verlassen und ist im gleichen Moment ein Rechtloser und Ausgestoßener, ein Mann den man am besten meidet."

    „Du hättest mit Asa Melvis fortreiten sollen, Buck!, unterbrach ihn Gail Datrys. „Asa hat dich darum gebeten, doch du hast es ihm abgeschlagen. Warum eigentlich?

    „Warum? Weil mein kranker Vater hier lebt, weil meine Mutter hier beerdigt ist, weil das Land meine Heimat ist, Gail. Ich komme nicht davon los. Jemand muss für meinen Vater sorgen. Er ist zu alt und zu krank. Ich kann ihn nicht im Stich lassen."

    „Ich komme von deinem Vater, nahm Gail ihm das Wort. „Ida hatte angenommen, dass du dich bei ihm verstecken würdest.

    „Bei meinem Vater verstecken, ausgerechnet bei ihm?"

    „Die Leute hier achten ihn. Es ist nicht vergessen, dass er der erste Sheriff im Orte war, dass er seinen Dienst nach einem schweren Gefecht mit Rustlern aufgeben musste, weil er so verwundet wurde, dass er ein Krüppel blieb. Er ist böse auf dich, Buck. Was mein Sohn tat, war nicht richtig, hat er mir gesagt. Er hat die ganze Stadt in Aufruhr versetzt. Man hätte ihn in der Gosse erschlagen, wenn ich nicht dazwischen gekommen wäre. Wie ein Hund kroch er davon; hoffentlich so weit, dass er mir niemals wieder vor die Augen kommt. So wüst spielt man sich nicht auf. Alles hat gewisse Grenzen, sie gelten auch für Buck. Sage ihm das, falls er sich wider Erwarten noch in der Nähe der Stadt herumtreiben sollte. Sage ihm, dass er vergessen soll, dass er einen Vater hat. Richte ihm das aus und auch, dass ich mich für ihn schäme. Er muss toll sein! – Das waren die Worte deines Vaters."

    „Toll soll ich gewesen sein? Lieber Himmel, ich kann mich nicht an alles erinnern. In meinem Gedächtnis ist eine große Lücke, die sich einfach nicht schließen will. Hat er wirklich gesagt, dass …"

    „Ja, unterbrach ihn Gail rau. „Wenn etwas dazu angetan war, dir die letzten Freunde zu nehmen, so war es dies.

    „Das heißt …"

    „Dass auch ich von dir Abstand nehme, antwortete Gail Datrys. „Man rennt nicht mit einem geladenen Colt wie ein Wilder herum, räumt die Ladenkasse von Bill Bloyds Store aus und wirft das Geld auf die Straße hinaus. Man öffnet nicht die Rindercorrals und jagt die zum Verladen bestimmten Tiere mitten unter die vom Gottesdienst heimkommende Gemeinde, dass sie in vollem Entsetzen auseinanderspritzen muss, um sich vor den rasend gewordenen Rindern in Sicherheit zu bringen. Man beleidigt auch eine Lady nicht.

    „Eine Lady?"

    „Virginia Bruce, sagte Gail mit grollend bewegter Stimme. „Sie hatte das Pech, mit der Stagecoach anzukommen, als du sinnlos betrunken aus einer der Brandyschänken herauskamst.

    „Ich entsinne mich nur, dass Virginia Bruce ein mageres, sommersprossenübersätes Mädel war, hager und knochig, ein Kind noch."

    „Das war sie vor fünf Jahren. Inzwischen hat sich das geändert. Sie ist eine Lady geworden und für immer nach hier zurückgekehrt. Sie muss ja ein schönes Bild von dir bekommen haben, Buddy. Doch Schwamm darüber! Wenn sie dich nicht in Schutz genommen hätte, würde man dich wahrscheinlich noch in ihrer Gegenwart zusammengeschlagen haben."

    „Das kann doch alles nicht wahr sein, Gail. So viel blödes Zeug kann ein Mann allein gar nicht anstellen!"

    „Du hast versucht, sie zu umarmen und zu küssen. Du hast sie wie ein Tanzhallenmädchen belästigen wollen, und das mitten vor der Poststation. Himmel, du bist nicht wert, dass man dich überhaupt noch anschaut. Deine Freunde hast du verloren und deine Feinde so erbittert, dass sie für dich die Hölle loslassen werden. Deinen Vater hast du verloren, und das alles, weil du dich voll Brandy laufen ließest. Dich muss der Teufel selbst geritten haben. Niemand wird von nun an mehr noch etwas mit dir zu tun haben wollen, Buddy."

    „Dann verschwinde auch du, Gail!", erwiderte Buck Jones mit rauer, brüchig klingender Stimme.

    „Es wäre das Beste, antwortete Gail mit grimmig verzogenem Gesicht, „doch dann müsste ich mir vorwerfen, dich zum Diebstahl getrieben zu haben. Du würdest dir auf diese Weise eine Ausrüstung, einen Colt, Munition und andere Kleinigkeiten besorgen. Nun – ich bin dir etwas schuldig, ich habe dir mein Leben zu verdanken …

    „Verschwinde!, sagte Buck heiser vor Erregung. „Halte dich nicht länger auf und erspare dir weitere Worte. Ich kann mich nicht erinnern, dass du mir etwas schuldig bist. Verschwinde nur, ich komme ohne dich zurecht.

    „Nein, denn sie sind bereits hinter dir her, Buck, unterbrach Gail Datrys ihn schweratmend. „Man wird dich jagen, bis du tot bist. Jean Parler, der Vormann der Bruce-Mannschaft, will sich deinen Skalp holen. Nichts auf der Welt könnte ihn davon zurückhalten, nicht einmal, dass du unbewaffnet bist und voller Katzenjammer steckst. Wenn er dich stellt, bist du erledigt, Buck. Bei allem, was geschah, hast du Glück gehabt, doch jetzt ist dein Glück endgültig vorbei.

    „Ich habe wohl zu viel herausgefordert?"

    „Entschieden zu viel, Buck, mehr als du dir erlauben durftest, sagte Gail Datrys. „Dein Amoklauf war umsonst. Du bist gegen eine Wand gerannt und liegst nun am Boden. Nimm mein Pferd, meinen Colt, Munition und ein wenig Proviant. Schwing dich in den Sattel und reite. Ja, reite, so weit du kannst, denn auch der Sheriff ist hinter dir her. Bill Bloyd und einige andere haben Anzeige gegen dich erstattet. Du wirst über hundert Dollar Schadenersatz zahlen müssen, wenn man dich erwischen sollte. Woher willst du das Geld nehmen?

    „Vom Mond, Gail, erwiderte Buck mit einem zur Grimasse verzogenen Gesicht. „Ich nehme dein Pferd und deinen Colt.

    „Dann sind wir quitt, Buck, erwiderte Datrys mit einem schmerzlichen Ausdruck im Gesicht. „Unsere Wege trennen sich. Vergiss, dass du einen guten Freund hattest, und bleibe meiner Ranch fern. Er schnallte seinen Revolvergurt ab und reichte ihn Buck hin. Der nahm ihn, ohne zu zögern.

    „Gail Datrys, sagte er heiser, „ich muss den Verstand verloren haben. Der Brandy hat mich toll gemacht, und ich habe mich wie ein Tier benommen. Nun gut, ich will und kann mich nicht entschuldigen. Ich kann mir auch deine Freundschaft nicht erhalten. Jahrelang hat sie bestanden. Jetzt ist das vorbei, vorbei wie mein Job bei Asa Melvis. Ich habe getrunken, ich habe eine Unmenge Brandy in mich hineingeschüttet, aber ich erinnere mich, dass einer der Saloonbesitzer sagte, als ich zahlen wollte: Das geht auf Rechnung des Hauses. Jemand hatte ein Interesse daran, dass ich meinen Kummer im Brandy ersticken sollte, jemand, der genau wusste, dass ich an Brandy nicht gewöhnt war. Das Teufelsgesöff musste mich also um und um krempeln. Ich war so schwach, dass ich mich dieser Schwäche schämen muss, aber auch meine Freunde sollten sich schämen. Wo sind meine Freunde geblieben?

    „Du hättest deine Freunde nicht erkannt, so total blau warst du. In Warso bist du erledigt, Buck Jones!"

    „Ich weiß. Buck winkte ab, schnallte sich den Waffengurt um und rückte Halfter und Colt zurecht. „Bruce ist schlauer, als ich dachte. Er hat früh genug erkannt, wen er aus dem Rennen bringen muss. Dir gab er wohl Kredit und stundete dir deine alten Schulden. Er war großzügig und lässt dich noch einige Zeit im Rennen. Mein Gott, ich schaue geradewegs durch dich hindurch und in Dan Bruces höhnisch verzogenes Gesicht hinein. Immer hat er es verstanden, die Männer, die ihm gefährlich waren, in Misskredit zu bringen, um sie so auszuschalten. Ich weiß, du musst für deine Frau und Kinder sorgen. Dir sind die Arme gebunden. Jetzt hat man auch dir Fußfesseln angelegt, Gail Datrys. Nimm dich nur in Acht, dass Dan Bruce nicht erfährt, wer mir geholfen hat, oder wirst du dann sagen, Jones stahl mein Pferd?

    „Es könnte sein, dass ich es so auslegen muss, Buck Jones", antwortete Gail Datrys mit dumpf

    klingender Stimme. „Es trifft dich nicht mehr, denn du wirst dann aus dem Lande sein!"

    „Ein Steckbrief mit meinem Bild und einer Unterschrift Pferdedieb gesucht wird mir folgen. Ein feines Geschenk, Gail. In der Tat, du hast es dir gut ausgedacht. Er lüftete bei diesen Worten den schweren Colt an. Mit verkniffenen Lippen und höhnisch verzerrtem Gesicht blickte er auf die Waffe in seiner Hand, um sie gleich wieder ins Halfter zurückzustecken. „Es ist so einfach für dich, fuhr er dann fort. „Unsere Freundschaft besteht nicht mehr. Du bist mir nichts schuldig. Was jetzt kommt, daran bist du wohl nicht interessiert. Du denkst, dass ich mich schon irgendwie durchschlagen werde. Du glaubst, dass ich weit genug reiten werde. Irre dich nicht! Vielleicht sehen wir uns schon bald wieder."

    „Es wäre dein Untergang. Ich könnte nichts mehr für dich tun."

    „Wahrhaftig, etwas anderes habe ich auch nicht von dir erwartet. Du würdest sogar Stellung gegen mich nehmen. Wie tief bist du doch gesunken! Tiefer als ich! Glaubst du, dass es noch Sinn hat, wenn du dich duckst? Ich sage dir klar: Du bist rechtloser als ich! In diesem Lande haben die Männer der Bruce-Sippe die Macht unter sich aufgeteilt. Die größte Ranch mit einem Dutzend Nebenranches gehört ihnen. An der halben Stadt mit den Saloons, Bars und Spielhöllen, an den Transportunternehmen und auch an der Stagecoachlinie sind sie beteiligt. Sie haben ihren Sheriff ins Amt gebracht und sind die Hauptaktionäre der Bank. Ja, beuge dich nur! Beuge dich so, dass dein Rücken immer krummer wird und es leicht für die Bruces wird, mit der Peitsche darauf zu schlagen!"

    Buck Jones riss Gail die Zügel des Pferdes aus der Hand. Gail wich zurück: Der unheimlich drohende Blick Bucks verwirrte ihn, steigerte aber auch die Abwehr in ihm gegen Buck.

    „Ich könnte dir antworten, sagte Gail, „aber ich schweige lieber. Du, der du die Bruces verurteilst, bist vielleicht noch schlimmer als sie. Es ist sicherlich gut, dass keine Mannschaft hinter dir steht.

    „Das kann noch werden", unterbrach ihn Buck. Seine Worte hatten einen solchen Klang, dass Gail zusammenzuckte.

    „Buck Jones, ich warne dich!"

    „Wovor? Vor deinesgleichen? Oder vor dem Verrat, den du im Sinne hast?"

    „Bleib auf der Seite des Rechts", sagte Gail.

    Buck antwortete mit einem Gelächter, das so schneidend klang, dass es Gail bis ins Mark drang. Buck beugte sich im Sattel weit vor, dass Gail das wilde, verwegene Gesicht des jüngeren Mannes sah.

    „Welches Recht meinst du, Gail?, fuhr Buck Jones fort. „Etwa das Recht, das Sheriff Ray Miland vertritt? Alle Welt weiß, dass er noch vor einem halben Jahr drüben in Mexico einer der gefürchtetsten Banditen war und bei den Yaquis, den Wölfen der Sierra, wohl gelitten war. Er raubte, plünderte und mordete mit den Wölfen der Wüstenberge. Er fiel mit ihnen brandschatzend in die mexikanischen Siedlungen ein. Er lebte mit ihnen und rauchte ihre Maishülsenzigaretten. Er kämpfte mit ihnen gegen die Papago und Apachen, gegen Weiße, gegen Reiche und Arme, gegen die mexikanische Armee und gegen die Grenzleute. Vielleicht glaubt er noch heute an Huitzilopochtli, den blutigen Gott. Schau ihn dir nur richtig an, er ist bis heute in seiner ganzen Art ein Indianer geblieben.

    Mit einem bösen Grinsen wandte Buck sein Pferd herum. Das Tier bewegte seine Hufe unruhig auf der Stelle, so als fühle es den neuen, fremden Willen.

    Gail sagte scharf: „Du übertreibst! Sheriff Miland hat endgültig mit seiner Vergangenheit gebrochen."

    „Ein Wolf bleibt ein Wolf, auch wenn er in ein Schaffell schlüpft, erwiderte Buck Jones rau. „Auch aus dir wird kein Löwe, du bleibst ewig eine Maus!

    2.

    Die Kälte war auch durch den schnell heraufziehenden Morgen nicht gebrochen worden. Weit im Norden waren die Gebirgsmassive der Mogollon Mesa sichtbar. Im gebirgigen Land, tief unten in den Tälern, schlängelte sich der Verde River nach Süden, um sich irgendwo mit dem Salt River zu vereinen, der dann im Gila River enden würde. Rau und herbstlich öde, war „das Land der kleinen Flüsse", wie es von den Indianern einst genannt wurde. Der Wind trieb schwere, dunkle Wolken vom Norden heran und zerrte auch an dem Reiter, der einsam und allein durch die unwirtliche Gegend ritt.

    Der Hunger wühlte in Buck Jones Eingeweiden. Kein Wild war ihm vor den Lauf gekommen. Er hatte sich selbst wie ein verfolgtes Wild gefühlt. Kaum hatte er die kleine Rinderstadt Warso verlassen, als sein Instinkt ihn warnte. Kaum aus der Stadt heraus, hatte er die Reitergruppe erblickt, die ebenfalls die Stadt verließ. Der Sheriffstern des Anführers leuchtete weithin. Buck hatte nicht lange gezögert und sein Pferd in das Gebiet geführt, dessen granitharter Boden jede Fährte auslöschte. Er ritt den Falbwallach in scharfem Trab und sah sich immer wieder um. Er nutzte jede Deckung aus. Als er glaubte die Verfolger abgeschüttelt zu haben, schlug er einen Bogen und tauchte mit seinem Falbwallach in einen Fichtenwald ein. Mittags sah er die kleine Stadt Warso weit unter sich liegen, umgeben von saftigen Weiden. Oft hatte er in das Valley geblickt, doch heute war alles anders als sonst. Es war, als ob eine riesige, unsichtbare Mauer um das Valley errichtet worden sei. Seine Kehle zog sich zusammen. Heiß stieg es ihm in den Augen auf.

    „Weiter!", sagte er halblaut und lenkte sein Pferd am Hang zurück. Das wilde, herrliche Land nahm ihn wieder auf.

    Zwei Stunden später wurde er durch entfernt niedergehenden Steinschlag aus seiner Ruhe gestört. Er versuchte nicht, die Ursache zu ergründen, sondern brach sofort auf. Weiter ging es, Meile um Meile. Es dämmerte, als er die große Blockhütte vor sich liegen sah Sie stand zwischen den Jungtannen, die in den vergangenen Jahren, als er das letzte Mal hier gewesen war, größer und prächtiger geworden waren. Das Blockhaus selbst war unansehnlich geworden. Wind und Wetter hatten ihre Arbeit getan. Es zeigte Sprünge im Holz und ein reparaturbedürftiges Dach. Einige Corralpfähle waren umgeknickt. Moos und Gras wuchs mit Unkraut vereint in dem kleinen Garten. Ein bärtiger Mann trat jetzt aus dem Blockhaus. Er war vom Alter gebeugt. Sein verrunzeltes Gesicht erinnerte an Pergamentpapier. Er trug ein Joch, an dem zwei Wassereimer hingen. Plötzlich, ohne einen ersichtlichen Grund, blieb er stehen, hob das Joch von seinen Schultern und stellte die Eimer zu Boden. Laut sagte er: „Ich wittere dich, Buck. Komm nur aus der Deckung heraus. Das Gesicht des Alten zeigte ein breites Grinsen. Das Grinsen verstärkte sich, als Buck aus der Deckung ritt. „Habe ich nicht immer gesagt, dass du eines Tages vor mir stehen würdest, mein Junge!, fuhr er fort.

    „Henry, du musst ein Hellseher sein, oder war der Sheriff schon vor mir hier?"

    „Stimmt, vor einer halben Stunde ritt Miland davon!"

    „Also doch! Der Mann hat einen guten Spürsinn."

    „Wie ein Wolf, mein Junge. Er ist hinter dir her wie auch der Vormann der Bruce-Mannschaft."

    „Soll das heißen, dass der Kerl bereits ebenfalls hier war?"

    Der Alte erkannte die Unruhe und die Bereitschaft Bucks, sofort weiterzureiten.

    „Frank hat deine Rolle übernommen und führt die Reitergruppe ein wenig spazieren, sagte er mit einem so eigenartigen Grinsen, dass es einem kalt über den Rücken laufen konnte. „Frank hat deine Figur und ist sehr einfallsreich. Er wird seine Rolle gut spielen, doch nur so lange, damit ich in Ruhe mit dir plaudern kann. Allzu lange kann man so scharfe Burschen wie Miland und Parler nicht narren. Es war keine gute Idee von dir, hierher zu kommen, aber dein guter Freund Gail Datrys hat dich wohl angelogen, als er sagte, dass Proviant in der Satteltasche sei?

    Überrascht zogen sich Bucks Augenlider zu Schlitzen zusammen. Von jeher war ihm Henry Carter unheimlich gewesen, doch jetzt war er es mehr denn je.

    „Vielleicht hat einer meiner Männer dem guten Gail Datrys die Satteltaschen geleert, damit du gezwungen warst, zu mir altem Narren herauszukommen. Du warst ja schon zweimal hier, beide Male in der Absicht, meine guten Jungen des Rinderdiebstahls an Asa Melvis Ein-Kuh-Herde zu überführen. Dein Auftreten und die Art, wie du vorgegangen bist, haben mir immer Spaß gemacht. Ich sagte dir bereits, dass ich dich für einen schnellen und explosiven Mann halte, dem nur die richtige Leitung fehlt. Du hast jetzt wohl erkannt, welcher Corral für dich gut ist, oder?"

    Die Überraschung Bucks wurde immer größer. Der alte Graubart schien bis in sein Herz hineinblicken zu können. Die altershellen Augen zeigten keine Erregung. Sie waren so kalt und glitzerten wie Eisstücke.

    „Einige Tage hast du Warso richtig auf den Kopf gestellt, mein Junge, sagte er und lachte in sich hinein. „Das verschlafene Nest wurde so richtig munter. Ich hätte etwas darum gegeben, wenn ich es miterlebt hätte. Es erinnert mich an die wilden alten Zeiten, als ein Mann ein kleines Nest durcheinanderwirbeln konnte, wenn es ihm Spaß machte.

    „Henry, es hat mir keinen Spaß gemacht!"

    „Das ist um so schlimmer! Dir sind einfach die Nerven durchgegangen. Jetzt tut es dir wohl leid?"

    „Nein, Henry!"

    „Was soll ich denn glauben?"

    „Dass ich Hunger habe und wie zerschlagen bin, dass ich mich kaum noch im Sattel halten kann. Ich möchte mich irgendwo verkriechen."

    „Nun, dann bleibe."

    „Und den Sheriff?"

    „Ich vergaß dir zu sagen, dass du mir zweihundertfünfzig Dollar schuldest, erwiderte der Graubart mit einem klirrenden Lachen. „Das ist genau die Summe, die man dir an angerichtetem Schaden zur Last legt. Ein halb zertrümmertes Whiskylager, zertrümmerte Salooneinrichtung und was sonst noch alles. Sheriff Miland machte ein ziemlich verdattertes Gesicht, als ich ihm deine Rechnung bezahlte. Er hätte viel lieber dich selbst gehabt. Er glaubte sein Opfer in der Falle zu haben. Der Alte lachte wieder glucksend in sich hinein. „Steig ab, mein Sohn! Ich habe dir den Jäger Miland vom Halse gehalten, und es ist mir ein Leichtes, den Vormann Parler auszuschalten.

    Schließlich bin ich nicht ohne Einfluss auf Dan Bruce – und sein Onkel! Bei diesen Worten spuckte er scharf zur Seite aus und sah Buck durchdringend an. „Letzteres hast du nicht erwartet, wie?

    „Wahrhaftig nicht, Henry!"

    „Nun, weder Dan noch ich legen Wert darauf, dass unsere verwandtschaftlichen Beziehungen ruchbar werden. Halte auch du deinen Mund geschlossen. Ich hätte meiner Nichte einen besseren Mann als Dan Bruce gewünscht. Wir gehen uns aus dem Weg. Vielleicht verstehst du nun, warum er meine Wildranch duldet?"

    „Dazu tut er alles, um die kleinen Rancher gegen dich zu hetzen, Henry. Ja, nun begreife ich es richtig. Was war ich nur für ein Narr!"

    „Der zweimal mit der Waffe in der Hand vor mir stand und einen Rustlerboss vor sich zu haben glaubte. Freund, ich habe es dir nicht übel genommen. Für Kämpfernaturen habe ich eine schwache Seite, dafür greife ich auch tief in den Geldbeutel. Geschenkt habe ich dir die zweihundertfünfzig Dollar nicht, du wirst sie abarbeiten müssen. Ich habe mir zwar damit auf etwas ungewöhnliche Weise einen Cowboy angeworben, aber ich bereue es nicht."

    Buck, der sich aus dem Sattel geschwungen und seinen Falbwallach angebunden hatte, erwiderte: „Ich werde mich in deine Lohnliste eintragen, Henry, auf die Lohnliste der Rechtlosen und Vogelfreien!"

    „Gut so, mein Junge!, unterbrach ihn Henry Carter. „Würdest du mein Angebot nicht angenommen haben, so würde dich Parler bald erwischt und als Pferdedieb unter die nächste Eiche geführt haben. Dein guter Freund Datrys war sehr ungehalten, als ich ihm sein Pferd bezahlte. Er verlangte einen unverschämt hohen Preis.

    „Henry, soll das heißen, dass Gail …"

    „… mit Parler ritt, dass er ein Mann der kleinen Posse ist, die Parler begleitet."

    „Er schenkte mir sein Pferd, seinen Gurt mit Halfter und seinen Revolver. Ich begreife es nicht!"

    „Versuch es auch nicht, mein Sohn! Vielleicht ist dieser ehemalige Freund nur Werkzeug eines Mannes, der dich aus der Stadt und dann in der Hölle haben wollte. Mache dir keine Gedanken weiter darüber. Dein Sonderauftritt in der Stadt hat vielen Männern gezeigt, zu was ein Mann fähig ist, wenn der Brandy ihn enthemmt. Dein ehemaliger Boss Asa Melvis hielt besonders viel von dir.

    Einmal zog er mich ins Vertrauen und sagte: Wenn ich diesen Hitzkopf nicht immer wieder zur Ordnung rufen würde, würde Dan Bruce einen Feind bekommen, der das Gefüge der Sippe bis in die Grundfesten zum Wanken bringen könnte. Ist dir jetzt noch danach zumute, Freund?"

    Bei diesen Worten hielt der Alte Buck zwei Quittungen unter die Nase, in denen Sheriff Miland und Rancher Gail Datrys bestätigten, ihr Geld erhalten zu haben, der eine für den Schaden, der andere für den Falbwallach. Mit einem Grinsen zerriss Henry beide Quittungen. Er wiederholte noch einmal eindringlich seine letzte Frage: „Ist dir noch danach zumute, Cowboy?"

    Buck zuckte zusammen. Seine Schultern sanken herab. Er hielt dem Blick des Alten stand.

    „Ich weiß nicht, Henry. Wenn einem so flau wie mir im Magen ist, wenn man sich wie ich nur mühsam auf den Beinen hält, dann hat man keine besonderen Ideen. Auch das Verlangen, eine Welt zu stürzen, ist dann weit fort. In meinem Kopf dröhnt es, und meine Augen wollen aus den Höhlen fallen. Ich weiß nicht recht, Henry. Überlege es dir gut, mich aufzunehmen. Hat man dir auch gesagt, dass ich Virginia Bruce ruppig in den Weg getreten bin?"

    „Ja, meine Großnichte ist nicht zimperlich. Ich habe sie besonders gern. Ich hätte sie nie außer Landes geschickt, wie Dan es tat. Ich hätte sie weiterhin die Luft der freien Berge atmen lassen. Sie wäre auch hier prächtig groß geworden. Wer weiß, was man in der großen Stadt aus ihr machte! Wenn sie wie einst geblieben ist, hat sie keinen Schock bekommen."

    „Henry, das würde mich irgendwie erleichtern. Es hängt mir wie Zentnergewichte an den Schultern. Ich werde wohl weiterreiten und dir vorerst dein Geld schuldig bleiben müssen, Henry. Du hast mehr für mich getan, als ich annehmen kann."

    „Mit anderen Worten, du willst dich drücken? Glaubst du denn, ich will auf mein Geld warten? Ich mache keine Abzahlungsgeschäfte, mein Junge. Jetzt, wo meine guten Jungen deinen ehemaligen Boss, meinen guten Freund Asa Melvis, tot und ausgeraubt am Ufer des Verde Rivers gefunden haben, schon gar nicht."

    Buck Jones Mund öffnete sich wie zu einem Schrei, doch kam kein Wort über seine Lippen. Er schluckte. Weit aufgerissen waren seine Augen.

    „Das kann doch nicht wahr sein!", schrie er dann heraus.

    „Doch, und mir möchte man die verteufelte Untat in die Schuhe schieben, mein Junge, sagte Henry Carter mit kalter Stimme. „Meine Männer hatten das Pech, gesehen zu werden, als sie sich über den Toten beugten. Man will mir ans Leder. Nun, Dan Bruce kann mich nicht leiden, doch so weit sind er und seine Brüder noch nicht gegangen. Ich halte Dan nicht mehr für stark genug, um eine Schutzbarriere für mich vor seinen Brüdern Skip und Hod zu errichten. Mit ihnen bin ich nicht verwandt, ihnen bin ich ein Dorn im Auge und im Wege, diesen beiden und Sheriff Miland. Darum, mein Junge, bestehe ich darauf, dass du mit deinem Colt in meine Crew kommst, oder aber ich schlage dich zu Boden, so wahr ich Henry Carter heiße!

    Wieder lachte er dröhnend auf, so dass Buck erschauerte. „Vielleicht war Miland nicht meinetwegen hier, Henry?, sagte Buck. Er war sehr bleich und stand mit flackernden Augen da. „Ich könnte mir denken, dass Miland deine Cowboys sprechen will?

    „Du hast es erfasst. Genau das wollte er! Als er drei Coltmündungen auf sich gerichtet sah, vergaß er, Fragen zu stellen. Er erkundigte sich danach nach dir. Wir beide, du und ich, wir haben

    einen guten Freund zu beklagen, fuhr Henry Carter fort. „Man hätte zu gern dir eine solche Tat angehängt, doch du hast eine zu große Vorstellung gegeben. Geh ins Haus, dein Pferd versorge ich.

    Henry Carter gab Buck einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter. Gletscheraugen hat er, dachte Buck, und wieder fror er. Er ging in das Blockhaus hinein, schloss die schwere Tür hinter sich und sah sich um. Die Inneneinrichtung kannte er. Sie war so klobig wie alles an diesem Haus. Handgearbeitete Möbel, Regale, ein gemauerter Kamin, Bisonfelle an den Wänden und auf dem Fußboden, das alles war stark verschmutzt, wie die kleinen Fensterscheiben in den schießschartenähnlichen Löchern. Das Licht drang gedämpft herein. Sieben Betten standen hinten an der Wand. Der Geruch von Tabak und Schweiß, von Fetten und Ölen hing schwer im Raum, den Henry Carter mit seiner Mannschaft teilte.

    Niemand von der Mannschaft war hier. Die Betten waren unordentlich. Sie waren so liegengeblieben, wie die Männer sie am Morgen verlassen hatten. Buck störte es nicht. Er suchte sich eine Lagerstatt aus, schnallte seinen Gurt ab, hängte ihn mit Halfter und Colt an den linken Bettpfosten, zog die Stiefel aus und legte sich dann hin. In wenigen Minuten war er fest eingeschlafen. Der Schlaf würde ihm sicherlich die nötige Entspannung bringen.

    3.

    Es dunkelte bereits, als er erwachte. Ein Feuer prasselte im offenen Kamin. Der rot lodernde Lichtschein umriss in klarer Schärfe die Silhouette einer verteufelt gut gewachsenen Frau oder eines Mädels. Das weibliche Wesen hockte vor dem Kamin und blickte wohl in die Flammen. Wie aus weiter Ferne hörte Buck ihre Stimme.

    „Sie wollten mich nicht zu dir lassen, Onkel Henry. Es gab einen unschönen Auftritt zwischen meinem Vater und mir. Er hasst dich, Onkel Henry. Er nennt dich das schwarze Schaf der Familie, einen Wilden. Er sagte, man hätte dich nicht von den Apachen befreien, sondern für immer dort lassen sollen. Warst du jemals bei den Apachen?"

    „Darling, sieben lange Jahre. Als man mich raubte, war ich ein Kind, und erwachsen, als man mich durch eine Patrouille den Apachen abnahm. Die eigenen Eltern haben mich dann auch kaum noch wiedererkannt. Es war für mich nicht leicht, wieder ein Weißer zu werden. In sieben Jahren war ich nicht nur äußerlich ein Apache geworden. Ich dachte und handelte wie sie, ich gehörte zu ihnen. Vielleicht bin ich ganz tief im Herzen ein Apache geblieben, ein Wilder, wie dein Vater es nennt. Ich freue mich, dass du gekommen bist, Mädel."

    „Ich wollte mir Buck Jones ansehen, Onkel, erwiderte sie, „den Mann, der die ganze Stadt durcheinanderwirbelte und …

    „… dich küssen wollte, Darling, unterbrach Henry Carter sie mit einem rau klingenden Lachen. „Deine Neugier ist zu entschuldigen. Doch wer sagte dir, dass du ihn hier finden würdest?

    „Dad", erwiderte sie. „Dad sagte, dass du es irgendwie fertigbringen würdest, ihn aufzuhalten und in deine Mannschaft einzustellen. Er sagte, dass es dir ein höllisches Vergnügen bereiten würde, Jones bei dir aufzunehmen. Er betrachtete es als eine Bosheit, Männer aufzunehmen, die im

    Lande nichts zu suchen hätten, die man mit der Treiberpeitsche davonjagen sollte. Oh, er sagte noch mehr über dich und über Buck Jones!"

    „Tat er das? Das ist nicht weiter verwunderlich. Dein Vater war immer anderer Meinung als ich. Für ihn war das, was seine Brüder sagten, maßgebend. Er hat sich immer auf seine Brüder verlassen und sich ihnen immer mehr in die Hände gespielt. Er vertraut ihnen zu sehr, Darling."

    „Worauf willst du hinaus, Onkel?"

    „Mädel, halte deine Augen offen, erwiderte Henry Carter. „Jetzt bist du erwachsen und wirst dir eine eigene Meinung bilden müssen. Miland, der Sheriff, Skip und Hod Bruce, diese drei sind zu oft zusammen. Sie gefallen mir alle drei nicht. Henry Carter brach ab, kam rasch an Buck Jones Lager und sagte: „Wenn du schon nicht schläfst, dann zeige es auch. Steh auf, Cowboy!"

    Ein wenig schlaftrunken erhob sich Buck. Er hörte Carter sagen: „Dieser hoffnungsvolle junge Mann wird sich jetzt für sein schlechtes Benehmen bei dir entschuldigen, Virginia. Ich werde dafür sorgen, dass er sich nicht wieder volllaufen lassen kann, um dann junge Mädchen zu erschrecken. Er wird keinen Brandy mehr anrühren."

    „Das, Henry, kann ich nicht versprechen", erwiderte Buck. Er erhob sich vom Lager und sah in das lächelnde Gesicht des jungen Mädchens hinein. Virginia Bruce hatte sich vom Kamin abgewandt und blickte ihm fest in die Augen. Sie war aufreizend schön, wie er mit einem Blick feststellte. Ihre großen, dunklen Glutaugen standen in einem schmal geschnittenen Gesicht, in dem ein roter, geschwungener Mund wie eine Flamme brannte. Das goldgelbe, glänzende Haar schien viel zu schwer zu sein. Es war zu einem Knoten im Nacken zusammengerafft, in dem ein Perlmuttkamm steckte. Sie war schlank und biegsam gewachsen. Sie muss einen schönen Eindruck von mir haben, dachte Buck. Sie betrachtet mich so, wie man einen Löwen hinter Gittern betrachtet. Für sie bin ich ein wildes Tier, das man anstaunt, von dem man aber nicht erwarten kann, dass es menschliche Manieren zeigt.

    „Ich muss mich bei Ihnen in aller Form entschuldigen, Madam, sagte er mit ein wenig kehlig klingender Stimme, aus der man gut Abwehr und Trotz heraushören konnte. „Ihr Onkel war so freundlich, mich in seine Lohnliste einzutragen. Ob es sich lohnt, das muss sich erst noch zeigen.

    „Er ist in der Tat wieder so munter, dass er unverschämt wird, mischte sich Henry Carter ein. „Ein gutes Zeichen! Es hätte mir nicht gefallen, wenn die kleine Jagd auf ihn ihm das Rückgrat gebrochen hätte. Schau ihn nur richtig an, Darling, so sieht ein Mann aus, der aus einem Hühnerstall kletterte.

    Heranjagender Hufschlag ließ den alten Mann abbrechen. Er warf einen schnellen Blick auf das Mädchen und auf Buck, der nach seiner am Bettpfosten hängenden Waffe griff. Henry Carter schob seine Nichte mit sanfter Gewalt in einen der klobigen Stühle hinein, ergriff dann eine am Nagel hängende Winchester und verließ zusammen mit Buck das Haus.

    Die Handlungsweise der beiden Männer zeigte deutlich, dass sie auf alle möglichen Überraschungen gefasst waren. Sie sprachen kein Wort. Beide handelten impulsiv, wie es eine innere Stimme befahl. Die Tür schlossen sie hinter sich. Auf der Veranda blieben sie stehen und schauten in die Nacht hinein, dorthin, wo die Gestalt eines Reiters sich deutlich gegen den hellen Nachthimmel abhob.

    „Es ist Frank", sagte Henry aufatmend. Seine Falkenaugen hatten den Reiter bereits erkannt, noch bevor dieser die Corrals erreicht hatte. Der Reiter hatte in der Tat eine ähnliche Figur wie Buck, er war schlank und drahtig. Beim Näherkommen erkannte man das kantige, scharf geschnittene Gesicht des Reiters deutlicher.

    „Er wird staunen, wenn er meine Großnichte hier sieht. Noch nie ist das vorgekommen. Sie hat sich einfach die Freiheit genommen, ihren in der ganzen Verwandtschaft so verrufenen Onkel aufzusuchen. Es tut mir leid, dass sie sich nicht vorher anmeldete und dass wir keine Girlanden aushängen konnten. Vielleicht kam sie auch nur deinetwegen, mein Sohn. Er kicherte leise in sich hinein. „Begreife jemand die Frauen! Solange sie ein Kind war, konnte man ihr verbieten, mich zu besuchen. Wir sind uns zwar oft begegnet, doch meine Behausung war für sie tabu. Sie ist schon ein richtiges Mädchen geworden, und dass sie ihren Willen durchzusetzen versteht, das hat sie bestimmt nicht von Dan. Vielleicht wird sie bald sehend werden.

    Er verstummte, denn der Reiter war jetzt herangekommen und hielt vor der Veranda sein Pferd an. Er setzte sich aufrecht im Sattel und blickte von seinem Boss zu Buck hin. Ein Lächeln zeigte sich um seine Mundwinkel, verschwand aber gleich wieder.

    „Hast du ihn also doch mit deinem Lasso eingefangen, Henry?"

    „Er zappelt wie ein Fisch an der Angelschnur, der zu schnell den Köder nahm. Du hast wohl inzwischen die Meute abgehängt?"

    „Vormann Parler hat ein verteufelt dummes Gesicht gemacht, als er feststellen musste, dass er hinter dem falschen Mann her war. Seine Freunde hätten mir gern anstelle von Buck Jones das Lasso übergestreift, viel hat nicht gefehlt. Für Parlers Meute bin ich genau wie er ein Rechtloser, ein Rustler, Wegelagerer oder noch Schlimmeres. Nie sah ich einen rachedürstigeren Mann als Parler. Seine Nase ist ganz schön zugerichtet. Frank Dinar lachte offen heraus. Die Erinnerung an Parlers Nase schien ihn mit unbändiger Heiterkeit zu erfüllen. „Parler jagt auf eigene Rechnung hinter dir her, Buck. Er wird nicht eher Ruhe haben, bis er dich oder du ihn mit einer Kugel aus der Welt geschafft hast. Dein Freund Gail Datrys ist bei ihm.

    „Gail Datrys versucht, sich ins richtige Licht zu setzen, ich kann es nicht ändern, erwiderte Buck. „Er steht jetzt auf der anderen Seite und heult mit den Wölfen.

    „Es ist eine große Meute dort auf der anderen Seite", erwiderte Frank Dinar mit einer gewissen

    Sorge in der Stimme. „Danke Gott, dass du Dan Bruce nur einen Streifschuss beigebracht hast. Ein Wort von Dan, und über hundert Reiter werfen sich in den Sattel, um dich wie einen Hasen zu jagen."

    „Ich habe keine Angst, Dinar. Wenn du das glaubst, dann täuschst du dich!"

    „Um so besser! Wer für Henry reitet, muss die Angst in sich begraben haben. Wir sind nur eine fünf Mann starke Mannschaft und stehen nicht im besten Ruf. Man dichtet uns allerlei an und bucht jede Untat auf unser Konto. Wenn Dan Bruce nicht mehr wäre, nichts hielte seine Brüder vor uns zurück. Solange Dan lebt, gibt es eine Schranke für seine raue Horde. Dan hält seine Brüder davon zurück, gegen uns anzugehen. Wie lange er es noch schafft, das ist eine andere Frage. Es steht fest, dass er immer mehr an Prestige verliert. Die Zügel werden ihm immer mehr aus der Hand genommen."

    „Frank, hast du Neues erfahren?", wollte Henry ungeduldig wissen.

    „Eine Menge, Boss! Der rote Skip hat sich mit drei Revolvermännern an einem versteckten Orte getroffen. Sicherlich hat er vor, sie gegen uns einzusetzen, jetzt, wo du offen deine Hand über Buck

    Jones hältst, Boss. Wir können mit unangenehmem Besuch rechnen."

    „Das heißt, mit Revolvermännern der skrupellosesten Sorte, die Aufträge durchführen, die ein Cowboy entrüstet ablehnen würde?"

    „Wenn ich die Namen der drei Kerle sage, wird deine Vermutung bestätigt, Boss. Skip wird sich hüten, diese Kerle in seine Mannschaft einzureihen oder in die Lohnbücher einzutragen oder sie gar Dan Bruce vorzustellen. Skip und Hod sind verteufelt ehrgeizig, und dabei ist ihnen Dan im Wege. Es schält sich immer mehr heraus, und nur Dan merkt es nicht. Es ist, als ob er blind sei."

    Bei diesen Worten hob sich Frank Dinar aus dem Sattel. Er ließ sein Pferd mit verhängten Zügeln stehen und kam die Verandastufen herauf. Vor Buck blieb er stehen und streckte ihm die Hand entgegen. Der nahm sie, und beide Männer tauschten einen Händedruck, der mehr war als nur eine Geste. Dieser Händedruck besiegelte eine Freundschaft. Henry grinste.

    „So ist es recht! Ihr seid beide aus dem gleichen Holz geschnitten, sagte er. „Ich kann das, glaube ich, gut beurteilen. Mein ganzes Leben habe ich unter Burschen von eurer Sorte zugebracht und habe somit genug Erfahrung gesammelt. Fünfzehn lange Jahre habe ich auf etwas Besonderes gewartet, jetzt scheint meine Erwartung erfüllt zu sein.

    Er lachte und schwieg dann. Er sprach sich nicht aus, doch lagerten auf seinem Pergamentgesicht dunkle Schatten. Einige lange Minuten standen die drei Männer im tiefen Schweigen versunken, indem jeder seinen eigenen Gedanken nachhing, dann brach Henry die Stille.

    „Mein Bruder war der erste Pionier in diesem Lande. Ich war an seiner Seite, als er mit einer gewaltigen Treibherde von Texas hier heraufkam. Die Apachen ließen ihn ungeschoren, und ich glaube, er nahm mich nur mit, weil er um die guten Verbindungen wusste, die ich mit Geronimo hatte. Geronimos Horden haben uns in Ruhe gelassen. Mein Bruder konnte seine Ranch vergrößern, seine Herden wuchsen und gediehen. Er schuf ein Vorwerk nach dem anderen. Sein Name zog Cowboys an, und es war für sie eine Ehre, für John zu reiten. Er hielt ein gastliches Haus. Wer unter seinem Dach weilte, dem galt sein besonderer Schutz. Berühmte Männer hatte er unter seinen Gästen, rote und weiße. Unter ihnen waren Buffalo Bill, der in Wirklichkeit Cody hieß, Cochise, der große Apachenhäuptling, Custer, als er noch Leutnant war, und viele andere Männer, deren Namen einen guten Klang haben. Johns großer Kummer war, dass er keinen Sohn hatte, sondern einer Tochter sein Erbe überlassen würde. Judith wählte sich Dan Bruce aus einer großen Bewerberschar aus. John war von diesem Augenblick an sehr niedergeschlagen. Er starb bald und Judith folgte ihm. Dan Bruce übernahm die Leitung der Ranch und aller Vorwerke. Eines Tages kamen dann seine Brüder Skip und Hod, zwei skrupellose und ehrgeizige Burschen, die über ihre Verhältnisse lebten. Sie waren bekannt in den Spielrooms und Kneipen. Von diesem Augenblick an war die Topfhenkel-Ranch nicht mehr das, was sie ehemals war."

    „Henry, kurz nach dem Erscheinen der Bruce-Brüder hast du dir diese Ranch hier aufgebaut, sagte Buck. „Bald darauf hieß es, dass geheime Rustlerhorden das Land unsicher machten und sich in nächtlichen Überfällen die besten Zuchtrinder von den Weiden holten. Von allen Ranches kamen Verlustmeldungen. Die stärksten Verluste erlitt die Topfhenkel-Ranch. Der Verdacht, dass du nicht unbeteiligt bist an dem Spiel, richtete sich allgemein auf dich.

    „Worauf viele Leute genau so wie du hereinfielen, erwiderte Henry in seiner groben und rauen Art. „Ich konnte diese gezielten Gerüchte nicht zerstreuen. Ich hatte immer Reiter eingestellt, die keinen besonderen Ruf hatten. Meine Gegner nutzten das nach Kräften aus. Jetzt langt es mir endgültig. Jetzt, wo meine Großnichte Virginia zurückkam und die Zukunft der Topfhenkel in einem düsteren Licht erscheint, jetzt werde ich handeln.

    „Henry, mir ist, als hättest du mir eine Binde von meinen Augen gelöst, erklärte Buck. „Was soll nun geschehen?

    „Eine Menge, Freund, erwiderte Henry. „Skip und Hod haben bisher jeden Fehler vermieden. Die Rückkehr Virginias ist ihnen ein Dorn im Auge. Bisher haben sie ihrem Bruder Dan Theater vorspielen können. Er weiß nicht, dass sie nach und nach die Stammcowboys auf den Vorwerken durch harte Reiter ersetzten. Wir müssen herausfinden, wohin die gestohlenen Rinder kommen. Wir müssen erkunden, wo sie umgebrändet werden und wer sie abkauft. Wir müssen herausbekommen, wer Asa Melvis tötete und ausraubte. Jeder meiner Reiter wird alle Hände voll zu tun haben. Weil das so ist, haben wir unsere kleine Herde in ein Tal getrieben, wo sie nicht abwandern kann und ohne Herdenwächter auskommt. Haltet die Augen und Ohren offen. Die Gegner wissen genau, was sie von uns zu erwarten haben. Dass sie Revolverleute kommen ließen, ist nicht von ungefähr. Vielleicht hofft man, uns noch weitere Untaten anzuhängen. Das Schlimme ist nur, dass Dan Bruce, der Narr, nicht weiß, dass wir auf seiner Seite stehen.

    4.

    Henry führte sie ins Haus. Das Erstaunen Frank Dinars beim Anblick des Mädchens ließ ihn wie einen vom Lehrer getadelten Schüler erröten.

    „Onkel Henry, sagte sie, als der Onkel ihr den neuen Mann vorgestellt hatte, „ich habe nicht im Stuhl gesessen, ich habe alles mit angehört. Ist es wirklich so schlimm?

    „Ja, gestand Henry Carter ohne lange Umschweife. „Deine Wissbegier erspart mir die Mühe, es dir in umständlicher Art beizubringen. Die Unfähigkeit deines Vaters, sich gegen seine beiden Brüder durchzusetzen, ist nicht zu leugnen. Er war stark, als er noch ein junger Mann war, doch er ist zu gutgläubig. Er verehrte deine Mutter sehr. Nach ihrem Tode war es, als wäre er so gebrochen, dass er sich unnütz auf der Welt vorkam. Die straffe Zügelführung ließ nach. Er kümmerte sich nicht mehr genug um das, was auf den Vorwerken vor sich ging. Er nahm nur noch die Berichte in seinem Büro entgegen und wetterte über die Verluste im Rindergeschäft. Er versuchte zwar, die Ursache zu erforschen, doch hatte er wenig Erfolg. Seine Brüder verstanden es, ihn einzuwickeln und gegen mich zu hetzen. Einige geschickte Täuschungen brachten ihn dazu, sich hierher zu bemühen. Ein Sattel, der von meinem Corralzaun geraubt und ihm am Tatort gezeigt wurde, eine verlorene Treiberpeitsche, das war ihm Beweis genug, um ihn aus der Ruhe zu bringen und ihn gegen mich zu hetzen. Wir hatten eine wenig erfreuliche Aussprache, Darling. Er schnitt das Tischtuch zwischen uns entzwei. Durch deinen Ritt hierher hast du ihm sicherlich wenig Freude bereitet.

    „Er hat mir die Treiberpeitsche und auch den Sattel gezeigt, Onkel, erwiderte sie sehr ruhig und strich sich eine Strähne ihres goldgelben Haares aus der hohen Stirn. „Er sprach davon, dass er dir deine kleine Ranch zu einem Überpreis habe abkaufen wollen. Er sagte, dass du ihn daraufhin ausgelacht und ihm die Tür gewiesen habest.

    „Ich habe ihn hinausgeworfen, Mädel, und ich bereue es nicht. Es wäre zu einfach für Skip und Hod gewesen, wenn ich deines Vaters Wunsch erfüllt hätte. Sie hätten sich eins ins Fäustchen gelacht. Sie wissen ganz genau, wo das Haar in der Suppe liegt. Ich bin noch nicht alt genug, um mich für dumm verkaufen zu lassen. Irgendwie fühle ich mich meinem Bruder John auch nach dem Tode noch verbunden. Ich kann nicht mit ansehen, wie die Zahl der Rechtlosen immer mehr wächst, wie es immer mehr Männer gibt, die sich beugen müssen und keine Chance mehr haben, die ausgenützt und betrogen werden. In seiner Engstirnigkeit übersieht dein Vater, was wirklich auf der Weide und in der Stadt gespielt wird."

    „Onkel Henry, warum hast du ihm nicht die Augen geöffnet?, fragte Virginia erstaunt. Sie ließ keinen Blick von dem alten Mann, der bis ins hohe Alter hinein ungebrochen an Ausdauer, Kraft und Geist war. „Du hättest es tun müssen, ganz gleich, wie es aufgenommen worden wäre. Mein Vater hätte die bittere Pille schlucken müssen, Onkel Henry.

    „Es hätte keinen Sinn gehabt, Mädel. Sein Hass gegen mich ist größer, als es sein Wille zum klaren Denken ist. Vielleicht werden sich eines Tages ganz von selbst seine Augen öffnen, doch dann könnte es zu spät für ihn sein. Ich will ihm gegen seinen Willen mit meinen Reitern helfen, doch macht er es mir verteufelt schwer."

    „Vielleicht schenkt er mir Gehör, Onkel Henry", warf sie ein. Ihre Augen waren fest auf Henry Carter gerichtet. Beide, Buck sowohl als auch Frank bewunderten sie. Beide mochten wohl spüren, dass Virginia Bruce ein besonderes Mädel war, das es gegen den Willen ihres Vaters wagte, nach hier zu kommen. Henry Carter schüttelte den Kopf.

    „Erspare dir die Mühe. Du wirst nur das Gegenteil erreichen, erwiderte er ruhig. „Du hast nicht die List und Verschlagenheit von Skip und Hod in Rechnung gestellt. Mädel, die Dinge werden sich weiter entwickeln und auf uns zukommen. Wir können nur eins tun, nämlich warten und bereit sein. Schweige du und halte die Augen und Ohren offen.

    Virginia antwortete nicht. Sie mochte erkannt haben, dass Henry Carter die Wahrheit sagte, dass ein Eingreifen von ihrer Seite zu diesem Zeitpunkt das Gegenteil von dem bewirkt hätte, was sie erreichen wollte. Ihr Vater war ihr nach den Jahren ihres Fernseins wie ein Fremder vorgekommen. Die Zeit war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, und obgleich er bedeutend jünger war als Onkel Henry, konnte er es mit diesem an vitaler Lebenskraft keineswegs aufnehmen. Sie atmete tief und hob ihre Schultern. Einen Moment lang sah sie sehr hilflos und unglücklich aus, doch dann straffte sie sich und richtete sich stolz empor.

    „Onkel Henry, ich werde achtgeben. Ich bin nicht gewillt, Unrecht hinzunehmen."

    „Gut so, Darling! In dir ist das alte Pionierblut erhalten geblieben, und das ist gut so. Nicht nur du stehst auf einsamem Posten, jeder von uns ist einsam: Frank Dinar, der eine Siedlerstelle besaß und aus ihr vertrieben wurde, Tom Lewis, der in Warso einen gutgehenden Store sein Eigen nannte und aus ihm vertrieben wurde, Jim Drake, mein dritter Reiter, der Hod und Skip im Wege stand, noch bevor er festen Fuß in der Stadt oder auf der Weide fasste. Sie stellten ihn und verprügelten ihn so, dass er halbtot zu mir getragen wurde und ein halbes Jahr brauchte, um wieder auf die Beine zu kommen. Und das alles nur, weil er in Hod den Mann erkannte, der ihn in Texas um sein Claim brachte. Mein vierter Reiter, Buck Jones, wird von den Leuten der Stadt und von seinem Vater verdammt, weil er in seiner Not mehr trank, als er vertragen konnte, und Amok lief. Alle meine vier Reiter sind in den Augen der anderen Aussätzige. Es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, dann wird man sie für vogelfrei erklären. Der Sheriff ist auf dem besten Wege dazu. Alle Trümpfe dieses Spiels sind offensichtlich bei der Gegenpartei. Nicht einmal ich weiß, wie viele Menschen in der Stadt sich auf unsere Seite schlagen würden, wenn der große Bruch zur letzten Abrechnung zwingt. Vielleicht sind es nicht einmal ein Dutzend Männer, und was ist das schon gegen eine solche Übermacht, Mädel?"

    „Es ist nicht ermutigend, das alles zu hören, Onkel Henry", entgegnete sie.

    „Du sollst die Wahrheit wissen, Virginia. Fünf Reiter stehen gegen eine Barriere von Dummheit, Angst und Misstrauen. Der Mut könnte einem sinken, und doch – irgend etwas muss wohl an uns sein, dass sogar zwei so unverfrorene Burschen wie Skip und Hod stark beunruhigt sind. Unser Dasein allein macht die Kerle nervös. Du sollst wissen, Mädel, dass wir immer für dich da sind, dass wir kämpfen werden, um dein Erbe zu erhalten. Du wirst dir eines Tages einen Mann nehmen, der stark genug ist, in die Fußstapfen deines Großvaters zu treten. Wenn das erfüllt ist, Mädel, habe ich auch mein Leben erfüllt. Jetzt wirst du wieder heimreiten. Frank und Buck werden dich bis in die Nähe der Topfhenkel-Ranch bringen. – Freunde, achtet mir auf das Mädel! Es ist das prächtigste Mädel, das je unter dem Arizonahimmel ritt. Bevor ihr aufbrecht, wollen wir uns aber erst allesamt stärken."

    Henry Carter schaute zu den auf dem Herde stehenden Kochtöpfen hin, die unter der Hitze kochten und dampften. Seine Erinnerung an das leibliche Wohl schien die Spannung, die sich aller bemächtigt hatte, zum Abklingen gebracht zu haben.

    Virginia betätigte sich als Hausfrau. Sie deckte den Tisch und setzte das Essen auf. „Wohl bekomm‘s!", sagte sie zu den Männern. Henry Carter griff als erster zu. Während des Essens wurde nicht mehr gesprochen. Nach dem Essen spülten Buck und Frank das Geschirr ab, dann erst holten sie die Pferde. Alle drei schwangen sich in die Sättel. Henry war hinaus auf die Veranda getreten und sah ihnen zu.

    „Frank, du weißt, was noch zu erledigen ist?"

    „Gewiss, Boss", erwiderte Frank vom Sattel her.

    „Buck reitet mit, Frank!", bestimmte Henry.

    „In Ordnung, Boss", entgegnete Frank und rückte seine Winchester im Sattelschuh zurecht.

    Auch Buck war jetzt zusätzlich mit einer Winchester ausgerüstet. Henry hatte ihm die Waffe, dazu Munition für Winchester und Colt, gegeben. Dabei hatte er gesagt: „Wir haben überall im Lande kleine Verstecke mit Proviant und Munition. Du wirst noch erfahren, wo sie sich befinden. Es ist schon etwas Wahres dran, wir sind wirklich eine geheimnisvoll wirkende Gruppe. Kein Wunder, dass man in uns eine Räuberbande vermutet. Auch du hast das ja angenommen. Dein Besuch damals, als du noch für Asa Melvis rittest, hat mir wirklich Spaß gemacht. Was sagte Asa dazu?"

    „Er lachte mich aus, Boss, erwiderte Buck. „Ja, er hat mich richtig ausgelacht, als ich ihm erzählte, wo ich die Rinderdiebe vermutete. Ich entsinne mich auch noch dessen, was er zu mir sagte: Es ist schon schlimm genug, dass auch du darauf hereinfällst, Buck!

    „Er wusste zu viel in den Augen der anderen. Es nützte ihm nichts mehr, dass er verkaufte. Man

    machte ihn für immer mundtot. Vor ihm stand nicht Dan Bruce, und ihn schützten keine verwandtschaftlichen Bande. Hod und Skip brauchten also keine Fragen von Dan zu befürchten. Höre mir genau zu, mein Junge! Von jetzt an halte dir immer den Rücken frei. Das ist sehr wichtig! Du gehörst jetzt zu einem besonderen Haufen, und ich spüre, dass ich mit deiner Aufnahme in meine Crew den Teufel selbst herausforderte." Henrys Hand legte sich schwer auf Bucks Schulter. Mit sanftem Druck schob er Buck, der Waffen und Munition an sich genommen hatte, zur Tür hin.

    Buck entgegnete: „Ich möchte damit nicht belastet sein, Boss. Noch kannst du es ändern."

    „Du Narr!, erwiderte der Alte. „Du bist es nicht allein, wir alle sind nur Werkzeuge. Es kommt, wie es kommen muss. Dein Auftauchen hier bildet nur ein Glied in der großen Kette, die sich einmal schließen muss. Du hast einen Fehler, Amokläufer. Einmal bist du zu bescheiden, dann wieder zu anmaßend. Versuche, stets das Richtige zu treffen. Du hast mehr für mich getan, als ich es je für dich tun könnte. Und nun halte die Ohren steif, eine lange Nacht liegt vor dir.

    „Ich weiß noch immer nicht, wo Tom Lewis und Jim Drake sind?"

    „Diese Frage musste kommen, sie lag dir schon lange auf der Zunge, ich habe es deiner Nasenspitze angesehen. Nun, Tom und Jim erkundeten, wohin man Asa Melvis sterbliche Überreste geschafft hat. Sie hatten Erfolg und fanden das Grab. Man verscharrte Asa Melvis. Man hat dem Toten nicht das Recht, auf dem Stiefelhügel von seinen Freunden begraben zu werden, eingeräumt. Es könnte sich zu viel Dynamit anhäufen. Man befürchtet, dass es doch noch rechtschaffene Männer gibt, die nur noch auf einen Anlass warten, um sich zu erkennen zu geben. Das möchte man vermeiden. Den Kerlen lag viel daran, unsere Männer der grausigen Tat zu verdächtigen. Auf uns kann man Dreck und Schmutz nach Belieben abladen. Dan Bruce lässt es zu. Er glaubt, was man ihm erzählt."

    Mit der geballten Faust schlug Henry durch die Luft. Er drohte, die Beherrschung zu verlieren. Man sah ihm an, dass er in den vergangenen Jahren viel zu schlucken bekommen hatte, so viel, dass er sich immer mehr verschloss und verhärtete.

    „Henry, du hast mir noch immer nicht gesagt, wo Tom und Jim sind", sagte Buck erneut.

    „Du wirst sie noch in dieser Nacht zu sehen bekommen, mein Junge, sagte der alte Mann rau. „Jetzt beeile dich, sonst lasse ich Frank allein mit Virginia reiten. Ich glaube, das würde ihm sehr gefallen.

    „Zum Teufel!"

    „So ist es richtig, mein Junge! In deinem Alter hätte ich wohl ebenso geantwortet. Ich hätte mich auch sehr gewundert, denn blind bist du nicht, und sie hat dir nicht einmal einen Vorwurf gemacht, dass eine Kugel von dir ihren Vater ankratzte. Wenn das kein gutes Zeichen ist."

    „Henry, mit deinen Reden machst du mich noch krank."

    „Auch das ist ein gutes Zeichen, mein Junge, erwiderte Henry, der den Zornesausbruch des Jüngeren nicht weiter übelnahm. „Virginia soll sich den besten Mann hier nehmen, und den kann sie nur in meiner Crew finden. Eines Tages wird dir das einleuchten.

    Buck atmete schwer. Seine Nasenflügel bebten.

    „Du bist ein Teufel, Alter. Ich glaube, ich habe dir wohl meine Seele verschrieben. Wenn du bei den Apachen geblieben wärst, hättest du sicher Geronimo bald ausgestochen!"

    „Sicher, mein Junge, ganz sicher! Geronimo muss es gewusst haben und war froh, dass ich ihm seine Stellung nicht streitig machte."

    Aus schmalen Augenlidern blickte Buck den alten Mann an. Er schaute in die eiskalten Gletscheraugen hinein. Ein kalter Schauer rann über seinen Rücken. Ein wenig zu hastig wandte er sich ab. Es sah aus, als ob er sich zur Flucht wende. Diese Unterhaltung hatte stattgefunden, bevor Frank und Buck

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