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5 lange und 7 kurze Krimis - Krimistunde für Mordverrückte
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5 lange und 7 kurze Krimis - Krimistunde für Mordverrückte
eBook671 Seiten9 Stunden

5 lange und 7 kurze Krimis - Krimistunde für Mordverrückte

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Hinter dem Mond

Glenn Stirling: Grand Hotel - 4.Stock

Alfred Bekker: Gauner-Duo in der Falle

A.F.Morland: In einer Stunde bist du tot

Alfred Bekker: Der Tod der Witwe

Horst Friedrichs: Trevellian und Debbies Flucht

Glenn Stirling: Satan mit blonden Haaren

John F. Beck/Ines Schweighöfer: Schuss ins Blonde

John F. Beck/Ines Schweighöfer: Wenn man sich zu helfen weiß

Corinna Kosche: Kein guter Tag für Ewald Herzbach

Corinna Kosche: Ein Flirt mit Folgen

Alfred Bekker: Künstlerpech für Mörder

Selbstjustiz gehört nicht zu den Dingen, die von der Obrigkeit toleriert werden. So wird Roberto Tardelli von der geheimen Abteilung des Justizministeriums in Marsch gesetzt, als eine Gruppe von Kapuzenträgern beginnt, Mitglieder der Mafia zu töten. Aber auch die Mafia selbst jagt die unbekannten Mörder, die Angst und Schrecken verbreiten, weil sie vor niemandem Halt machen.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum11. Aug. 2020
ISBN9783745213164
5 lange und 7 kurze Krimis - Krimistunde für Mordverrückte
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    5 lange und 7 kurze Krimis - Krimistunde für Mordverrückte - Alfred Bekker

    Alfred Bekker, Horst Friedrichs, Glenn Stirling, A.F.Morland, Corinna Kosche, Ines Schweighöfer John F. Beck

    Krimistunde für Mordverrückte: 5 lange und 7 kurze Krimis

    UUID: 5445c27a-47d4-4225-8646-06ff412e5483

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (http://write.streetlib.com) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Krimistunde für Mordverrückte: 5 lange und 7 kurze Krimis

    Copyright

    HINTER DEM MOND

    Grand Hotel – 4. Stock

    Gauner-Duo in der Falle

    In einer Stunde bist du tot

    Der Tod der Witwe

    Trevellian und Debbies Flucht

    Satan mit blonden Haaren

    Schuss ins Blonde

    Wenn man sich zu helfen weiß …

    ​Kein guter Tag für Ewald Herzbach!

    ​Ein Flirt mit Folgen

    Künstlerpech für Mörder

    Krimistunde für Mordverrückte: 5 lange und 7 kurze Krimis

    Alfred Bekker, Horst Friedrichs, Glenn Stirling, A.F.Morland, Corinna Kosche, Ines Schweighöfer John F. Beck

    Dieser Band enthält folgende Krimis:

    Alfred Bekker: Hinter dem Mond

    Glenn Stirling: Grand Hotel - 4.Stock

    Alfred Bekker: Gauner-Duo in der Falle

    A.F.Morland: In einer Stunde bist du tot

    Alfred Bekker: Der Tod der Witwe

    Horst Friedrichs: Trevellian und Debbies Flucht

    Glenn Stirling: Satan mit blonden Haaren

    John F. Beck/Ines Schweighöfer: Schuss ins Blonde

    John F. Beck/Ines Schweighöfer: Wenn man sich zu helfen weiß

    Corinna Kosche: Kein guter Tag für Ewald Herzbach

    Corinna Kosche: Ein Flirt mit Folgen

    Alfred Bekker: Künstlerpech für Mörder

    Selbstjustiz gehört nicht zu den Dingen, die von der Obrigkeit toleriert werden. So wird Roberto Tardelli von der geheimen Abteilung des Justizministeriums in Marsch gesetzt, als eine Gruppe von Kapuzenträgern beginnt, Mitglieder der Mafia zu töten. Aber auch die Mafia selbst jagt die unbekannten Mörder, die Angst und Schrecken verbreiten, weil sie vor niemandem Halt machen.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author /

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

    Erfahre Neuigkeiten hier:

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    Alles rund um Belletristik!

    HINTER DEM MOND

    Krimi von Alfred Bekker

    © der Digitalausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    All rights reserved.

    www . AlfredBekker . de

    postmaster @ alfredbekker . de

    Der Umfang dieses Ebook entspricht 20 Taschenbuchseiten.

    **

    Eine laue Julinacht Anno 1969

    Da ist ein Raumschiff.

    Da ist ein blutiges Messer.

    Und da ist ein Junge, der tot im Gras liegt.

    Das alles ist in der Erinnerung untrennbar miteinander verbunden.

    Aber alles der Reihe nach...

    Im Jahr 1864 steht Friedrich Wilhelm Kötter aus Ladbergen im Münsterland an Deck eines Schiffs, das gerade in den New Yorker Hafen einläuft und blickt seinem neuen Leben entgegen.

    Der Mond geht auf und Kötter kann in diesem Augenblick nicht ahnen, dass man ein Jahrhundert später den Mond vor lauter Lichtern in der Stadt, die niemals schläft, gar nicht mehr zu sehen vermag.

    Für noch weniger wahrscheinlich hätte Kötter die Möglichkeit gehalten, dass 1969 ein Mensch den Mond betritt.

    Dass es sein Urenkel sein wird, der diesen großen Schritt für die Menschheit vollbringt, hätte er sich wohl nicht einmal vorzustellen vermocht.

    „Das ist Amerika!, ruft einer der anderen, zerlumpten Auswanderer Kötter zu und klopft ihm auf die Schulter. „Sieh es dir an! Hier ist alles möglich.

    Aber Kötter macht eine wegwerfende Handbewegung.

    „Bauer bleibt Bauer!, meinte er „Auch hier.

    Ein Jahrhundert später...

    Am 21. Juli 1969 ist keine Nacht wie andere Nächte. Überall sitzen die Menschen an den Fernsehern, sehen auf ein paar verwackelte Schwarzweißbilder und auf die klugen Gesichter von Raumfahrtexperten, die erläutern, was dort gerade zu sehen ist und herumorakeln, wie lange es wohl noch dauern wird, bis der Adler gelandet und Neil Armstrongs Fuß seinen Abdruck in den Mondstaub geprägt hat.

    Überall versuchen weltraumbegeisterte Kinder und Jugendliche, die ihren Eltern die Erlaubnis abgetrotzt haben, diesen größten Moment der Menschheitsgeschichte live mitzuerleben, verzweifelt ihr Gähnen zu unterdrücken und nicht einzuschlafen, bevor der große Moment gekommen ist.

    Überall...

    Aber da gibt es ein kleines Dorf im Münsterland, das diesem zwang zur kollektiven andachtsvollen Menschheitsverbrüderung widersteht. Ein Dorf, das zum Mantel der Geschichte sagt: Geh mir aus den Augen und streife mich ja nicht! Ein Dorf, dessen größter Sohn gerade die größte Tat der Menschheitsgeschichte vollendet und dabei der Versuchung widersteht hinzuschauen.

    Denn als Neil Armstrong, der Urenkel eines gewissen Friedrich Wilhelm Kötter aus Ladbergen sich gerade bei seinem berühmten Satz verhaspelt, als er von einem kleinen Schritt für einen Menschen, aber einem Riesenschritt für die Menschheit spricht, ist in der Bauernschaft Ladbergen-Wester Schützenfest. Und wer käme schon auf die Idee, das wichtigste Ereignis des Jahres zu verschieben. Selbst das Ereignis des Jahrhunderts – ja, des Jahrtausends! - wird daran nichts ändern.

    In Ladbergen-Wester sitzt niemand vor dem Fernseher.

    Fast niemand.

    Nur ein fünfjähriger Junge sieht fern. Er hat sich den Wecker gestellt, der ihn alle zehn Minuten aufschrecken lässt, damit er nicht einschläft. Er gähnt und sieht auf den Fernsehschirm, wo ein Mann im kobaltblauen Anzug und mit wichtiger Miene gerade sagt: „Wir bekommen jetzt gerade Neuigkeiten aus Houston..."

    Er heißt Ralf und seine Eltern sind nicht zu Hause, sondern sitzen zusammen mit dem Rest der erwachsenen Dorfbevölkerung im Festzelt. Und die Kinder schlafen. Manche vor Erschöpfung, weil sie vorher soviel Unsinn gemacht haben und herumgetobt sind, weil niemand da war, um es zu verbieten.

    Vielleicht hat auch von denen der eine oder andere davon geträumt, sich die Mondlandung anzusehen, wenn er schon nicht nicht ins Festzelt und Biertrinken darf. Aber Ralf ist wohl der einzige der es geschafft hat, dies auch in die Tat umzusetzen.

    Er ist das Ganze sehr planvoll angegangen. Er hat sich darüber informiert, wann mit der Landung zu rechnen ist, hat vorher etwas geschlafen und sich dann den Wecker gestellt, damit er pünktlich aufwacht. Schließlich wollte er nicht das Risiko eingehen, alles zu verpassen.

    Auf dem Boden verstreut liegt ein halbes Dutzend Bücher über die Raumfahrt, über die Planeten und über ferne Sterne. Da steht alles drin, was man bisher darüber weiß.

    Aber das ist nicht sehr viel.

    Ralf ist erst fünf, aber er kann besser lesen als manch einer aus dem vierten Schuljahr, von denen einige noch ziemlich herumstottern, wenn sie ein Stück vorlesen sollen, das sie vorher nicht geübt haben.

    Die vier Tage Reise zum Mond, die Umkreisungen des Orbiters, das Ausklinken der Landefähre und schließlich das Aufsetzen auf der Mondoberfläche... Ralf kennt jeden einzelnen Schritt auf dem Weg dorthin. Er hat die Berichte über die vorhergehenden Apollo-Missionen verfolgt, die nur bis in die Umlaufbahn des Mondes gekommen sind und er hat keine Folge der Sendungen von Professor Heinz Haber verpasst, der einem all das erklärte.

    Ralf hatte nicht alles verstanden, aber vieles. Und das, was er nicht verstanden hat, ließ sich begreifen, wenn man in Büchern nachschlug.

    Er hatte sich das Lesen selbst beigebracht und war deshalb ein Jahr früher in die Schule gekommen.

    Wäre doch gelacht gewesen, wenn es da etwas gegeben hätte, was er nicht hätte herausfinden können.

    Seine Neugier war so grenzenlos wie das Universum selbst.

    Ralf sieht auf die Uhr.

    Eigentlich hat sein Freund Andreas angekündigt, in der Nacht zu ihm zu kommen, damit sie gemeinsam die Mondlandung erleben konnten.

    Andreas wohnt ein Haus weiter – gut hundert Meter entfernt und seine Eltern hätten es nicht gemerkt, wenn er das Haus verlässt.

    Schließlich sind sie bis zum frühen Morgen ebenso im Festzelt beschäftigt wie Ralfs Eltern.

    Andreas ist ein Jahr älter aber Ralf hatte trotzdem immer schon den Eindruck, dass er nicht ganz so helle war. Man musste ihm manchmal die Dinge dreimal erklären, wenn man sicher sein wollte, dass er sie auch richtig begriffen hatte.

    Und deshalb hatte sich Ralf auch große Mühe gegeben, ihm eindringlich klarzumachen, wie er den Wecker zu stellen hätte, damit er auch pünktlich aufwachte.

    Offenbar vergeblich.

    Andreas hätte längst hier sein müssen!, geht es Ralf ärgerlich durch den Kopf.

    Dieser Dussel!

    „Ey, bist du ein Lehrer oder was?, hatte ihn Andres noch angefahren, als Ralf seine Kontrollfragen gestellt hatte, um herauszufinden, in wie fern sein Freund tatsächlich begriffen hatte, was zu tun war. „Du brauchst nicht zu denken, dass ich doof bin, du Schlaumeier. Und nur, weil du vorzeitig eingeschult wurdest, brauchst du dir auch nichts einzubilden!

    Auch wenn Andreas nicht der Hellste war – Ralf fand es doch angenehm, ihn um sich zu haben.

    Dann hatte er jemanden, dem er von seinen Ideen erzählen konnte. Jemanden, der ihm fasziniert zuhörte, wenn er davon sprach, wie eine Mondfähre aufgebaut war, wie der Orbiter funktionierte, wie stark die Rakete sein musste, die all das aus der Anziehungskraft der Erde herauskatapultierte und so zielgenau in den Weltraum hineinschleuderte, dass es den Mond erreichte.

    Über dreihunderttausend Kilometer.

    Eine Zahl, die sich nicht mal Ralf vorstellen kann.

    Andreas kann fehlerfrei bis 22 zählen. Ralf hat es immerhin schon mal geschafft einfach so und aus Spaß die Zahlen bis 1000 aufzuschreiben, ohne eine zu vergessen.

    Aber 300 000 – das ist einfach nur ein magischer Begriff.

    Einen Kilometer – das weiß er ziemlich genau, wie viel das ist. Einen Kilometer muss man laufen, um ins Dorf zu kommen und im Kiosk von Oma Oelrich ein Bessy-Heft zu kaufen.

    Genau tausend Schritte. Ralf hat es abgezählt.

    Und hundert Schritte sind es bis zum Haus von Andreas‘ Eltern. Wenn er den Wecker richtig gestellt hätte, wäre er aufgewacht und hergekommen!, denkt Ralf.

    Er sieht die verwackelten Schwarzweißbilder der Landefähre > Eagle>, sieht die Umrisse von Neil Armstrong. Das ist er also. Der zweite große Moment. Der Adler ist gelandet und jetzt ist Armstrong ausgestiegen und der erste Mensch betritt den Mond. Mit so einer Fähre möchte ich mal fliegen, denkt Ralf. Wenigstens einmal.

    Nach dieser Nacht wird er das nie wieder denken.

    Einige Augenblicke lang versinkt er in seinem Traum von einer Zukunft als Astronaut. Den ersten Mann auf dem Mond gibt es ja nun schon, aber da draußen sind noch viele Planeten. Warum sollte er nicht der erste Mann auf dem Mars werden?

    Dass Neil Armstrongs Vorfahren aus Ladbergen stammen, darüber haben sie in der Schule geredet. Was ein Ladberger geschafft hat, könnte doch auch einem zweiten gelingen, denkt Ralf.

    Er hört einen Schrei und fährt zusammen.

    Ein Schrei so hell und schrill wie eine Kinderstimme.

    Ralf sitzt da und kann sich nicht bewegen, denn obwohl sie so verzerrt klang, hat er die Stimme sofort erkannt. Andres!

    Ein Geräusch lässt ihn sich zum Fenster drehen. Auf dem Fernseher hat man jetzt gerade wieder zurück ins Studio geschaltet und ein Experte sagt ein paar kluge und salbungsvolle Worte über die Zukunft der Menschen und den Blick von einem anderem Himmelskörper auf die ferne Erde, der uns allen doch bewusst machen könnte, wie verwundbar wir doch sind. Die Erde als verletzliche Insel des Lebens im All. Ralf hört nicht zu. Er geht zum Fenster.

    Ist Andreas vielleicht in einen Kuhfladen getreten? Hat er deshalb so geschrien? Memme!

    Er nimmt seine Taschenlampe, die er letztes Weihnachten bekommen hat und die seitdem fast ständig seine Hosentasche ausbeult.

    Ralf öffnet das Fenster.

    Ein kühler Hauch kommt herein. Und zusammen mit diesem Hauch auch ein wimmernder Laut. Da ist irgend etwas geschehen. Irgend etwas Schlimmes.

    Ralf sieht nochmal zum Fernseher. Immer noch Studio. Nicht Houston. Nicht der Mond. Kein Armstrong, keine EAGLE.

    „Andreas?", ruft Ralf.

    Aber da gibt es keine Antwort. Das Wimmern verstummt.

    Ralf steigt nach draußen. Er läuft ein paar Schritte. Der aufkommende Wind biegt die Bäume und lässt sie rascheln.

    „Wo bist du denn, du Blödmann?"

    Er lässt den Strahl seiner Taschenlampe suchend herumfahren.

    Und dann sieht er ihn. Andreas liegt im Gras.

    Er sieht das Blut.

    Viel Blut.

    Und in den starren Augen spiegelt sich das Mondlicht. Der Mund steht offen – wie gefroren im Schrecken.

    Da liegt auch ein Messer.

    Die Klinge blitzt auf.

    Zumindest dort, wo sie nicht mit Blut beschmiert ist.

    Dann knackt ein Ast. Ralf lässt den Lichtkegel seiner Lampe herumfahren. Eine Gestalt schält sich aus der Dunkelheit heraus.

    Ein Mann.

    Er hebt den Arm vor das Gesicht, denn die Lampe blendet ihn. Ralf sieht nur die Hand und die Stirn und die hakenförmige Narbe.

    Und das Blut an seinem Hemd und dem Ärmel.

    Der Mann dreht sich um, stolpert davon. Er geht ganz seltsam. Mit seinem Bein stimmt was nicht.

    Ralf hat schon mal jemanden gesehen, der sein Bein so bewegte. Das war im Urlaub am Strand.

    Ralf hatte die ganze Zeit das Bein eines Mannes angestarrt, der vor ihm herlief, dann bei einer Sandburg stehenblieb, zum Schenkel griff, das Bein abschnallte und in den Sand steckte.

    „Das kommt vom Krieg", hatte ihm sein Vater später gesagt.

    Dieser Mann geht genauso. Er hat ein Holzbein.

    Aber schon einen Moment später sieht Ralf ihn nicht mehr. Er ist einfach verschwunden, so als hätte es ihn nie gegeben – und Andreas liegt da, wie eine starre Puppe, so als hätte er nie gelebt.

    Anno 2009...

    Vierzig Jahre später.

    Der Fernseher läuft. Die alten Bilder werden noch einmal gezeigt. Immer wieder aufs neue. Die Landung von Apollo 11 – in einigen Programme sogar die Originalübertragung in voller Länge.

    Ralf sieht den Adler landen.

    Und sitzt wie erstarrt da. Denkt plötzlich an das Blut, das Messer, den toten Andreas und den Mann in der Dunkelheit.

    „Wolltest du nicht auch immer Astronaut werden?", fragt die demente Achtzigjährige im Rollstuhl, die ab und zu nochmal einen hellen Moment hat, ansonsten mit Ralfs Mutter aber nur den Name gemein zu haben scheint.

    Ralf antwortet nicht.

    „Komisch, du hast dich so sehr dafür interessiert, dass weiß ich noch genau. Aber das hatte sich dann plötzlich erledigt..."

    „Ja, murmelt er. „Das hatte es.

    „Schade, dass du so weit weg wohnst."

    Nein, denkt er. Das ist gut so.

    „Ich hoffe, man sorgt hier in diesem Altenheim gut für dich", sagt er.

    Sie beugt sich vor. „Ich habe da einen Herrn kennengelernt. Der ist nett."

    „Ah, ja..."

    „Hat aber genauso wenig Haare wie dein Vater früher."

    52 war Ralfs Vater nur geworden. Verkehrsunfall, Kreuzung Lengericher Straße/ Saerbecker Straße. So etwas nannte man wohl Schicksal.

    Eine Dorfkneipe.

    Ralf ist wegen eines Klassentreffens nach Ladbergen gekommen. Und jetzt sitzen sie beim Bier – alle die, die damals das Lesen lernten, als Neil Armstrong zum Mond flog.

    „Aber der Ralf, der konnte dat schon!, sagt einer. „Obwohl er der Jüngste war.

    „Hatte ich mir selbst beigebracht", sagt er.

    „Du wolltest doch damals immer schon was besonderes werden. Astronaut, glaube ich, oder? So wie unser größter Ladberger, hier, wie heißt er noch – Nils Armstrong."

    Neil – nicht Nils!, will Ralf ihn korrigieren, aber er behält die Worte für sich. Was soll‘s?

    „Naja, aber Professor für Chemie ist ja auch nix Schlechtes oder? Nicht gerade sowas wie eine Reise zu den Sternen, aber ich schätze mal das liegt ja auch daran, dass die mit den Astronautenprogrammen damals erstmal eine Pause eingelegt hatten, wenn ich das richtig sehe..."

    „Ist damals nicht der Andreas umgekommen?", fragt eine Frau. Jetzt ist sie dünn und hager wie ein Hering. Damals, hat Ralf noch gut in Erinnerung, konnte sie kaum aus den Augen sehen, wenn sie lachte, so dick waren ihre Wangen. Wie die meisten, die am Tisch sitzen, ist sie nie aus Ladbergen herausgekommen. Anders als Ralf.

    Ilona heißt sie. Die dicke Ilona, denn es gab auch noch eine andere, die dünn war. Zu Ralfs Verwirrung ist allerdings in den letzten vierzig Jahren die dünne Ilona dick geworden und die dicke dünn.

    „Ja, richtig der Andreas..., sagt jemand anderes. „Ralfi, dass war doch dein bester Freund, oder?

    „Ja", murmelt Ralf. Er hört den Stimmen der anderen zu, ihrem Wortschwall aus Erinnerungen und Halbwahrheiten. Das gesammelte Dorfgerede eben, abgeschliffen und in seinem wahren Kern etwas verfälscht durch die Zeit.

    „Ich meine die Polizei, die hat ja damals nicht so richtig herausfinden können, wer das nun eigentlich gewesen ist."

    „Ja, aber es gab in den nächsten Jahren noch drei weitere Kinder, die hier in der Gegend umgebracht wurden."

    „Ich meine, so'n Wort wie Kinderschänder, da hat man ja damals nur hinter vorgehaltener Hand von gesprochen."

    „Ich weiß noch, dass wir einige Zeit kaum raus durften und unsere Eltern uns überall hingebracht hatten."

    „Ja, das hat sich dann bald auch gelegt. Ich meine du kannst Kinder doch nicht rund um die Uhr überwachen!"

    „Hat sich das nicht in der Nacht des Schützenfestes abgespielt?"

    „Die Nacht des Schützenfestes! Das war doch die Nacht der Mondlandung, sagt jemand. „Allerdings muss ich zugeben, dass mir das auch jetzt erst aufgefallen ist, weil alle Leute über das Jubiläum von Nils Armstrong sprechen.

    Wieder Nils!, denkt Ralf, weil ihn das etwas ablenkt. Eigentlich will er nichts mehr davon hören. Seit er Andreas gefunden hatte, war sein Interesse an Raumschiffen wie weggeblasen. Und wenn jemand das Wort Apollo aussprach oder Armstrong oder EAGLE oder Orbiter, dann konnte es sein, dass er Schweißperlen auf die Stirn bekam. Immer noch. Wahrscheinlich würde das auch nicht mehr aufhören. Nur ganz dunkel erinnert sich Ralf daran, wie er später vom Dorfpolizisten befragt wurde und noch später von einem Kriminalhauptkommissar und danach von einem Mann, von dem er bis heute nicht wusste, wer er war, aber der immer sehr verständnisvoll nickte, wenn er einen Satz beendete.

    Die Zeit nach dieser Nacht erschien Ralf im Rückblick wie ein verworrener Alptraum. Und manchmal hatte er das Gefühl, bis heute nicht wirklich daraus aufgewacht zu sein.

    „Echt, dat muss ein Auswärtiger damals gewesen sein", hört er jemanden sagen.

    „Ja, und warum sind dann noch weitere Kinder umgekommen?", fragt jemand anderes und stört damit den lokalpatriotischen Grundkonsens am Tisch.

    „Ja, aber kannst du dir denn vorstellen, das jemand, der mit unseren Eltern zusammen im Festzelt gesessen und Bier gesoffen hat, sowas tun würde? Jemand, hier aus der Gegend?"

    „Vielleicht sogar jemand, der mit Neil Armstrong verwandt ist, sagt Ilona. Diesmal die dünne, die jetzt dick ist. Einen Augenblick herrscht Schweigen, diese Bemerkung findet jeder unpassend. „Ich mein‘ ja nur, sagt sie.

    Ihre Namensvetterin erlöst die Runde aus ihrer bedrückenden Stille.

    „Fährst du morgen nochmal deine Mutter besuchen, Ralf?"

    „Ja."

    „Meine ist auch im Haus Widum Lengerich. Wir sind zufrieden. Also – sie und ich."

    „Verstehe."

    „Wann fährst du?"

    „Weiß noch nicht."

    „Kannst du mich mitnehmen? Unser Wagen ist nämlich kaputt, aber wenn ich ihr zu erklären versuche, dass ich deswegen nicht zu ihr kommen kann, versteht sie das nicht."

    „In Ordnung", sagt Ralf.

    Ralf sitzt mit seiner Mutter im Tagesraum des Seniorenheims Haus Widum in Lengerich – zehn Kilometer von Ladbergen entfernt. Aber für Mutter ist das Ausland. Schon das Platt, das man hier spricht unterscheidet sich hörbar vom Ladberger Platt. Wie soll man sich da wohlfühlen? Darum hat sie sich lange gesträubt, hier her zu ziehen. Aber schließlich war es unumgänglich gewesen.

    „Ich hatte ja immer gehofft, dass du mal unseren Hof übernimmst, sagt sie. „Aber das ist ja alles anders gekommen. Weißt du, was der Onkel Friedhelm gesagt hat: Selbst schuld, wenn du das Kind erst ein Jahr früher zur Schule lässt und dann auch noch aufs Gymnasium schickst. Selbst Schuld!

    Ralf hat seit ein paar Jahren einen Lehrstuhl für Chemie in Zürich. Zuvor war er in New York, Sydney, Tokio und Delhi. Mal in der universitären Forschung und mal als Mitarbeiter an einem Forschungsprojekt in der Industrie. „Hauptsache weit weg, was?"

    Das musste einer von Mutters hellen Momenten sein.

    Sie sah ihn an.

    „So kann man das nicht sagen", meinte er.

    „Nee? Sie runzelt die Stirn. „Du bist doch der Ralf, oder?

    „Ja, der bin ich."

    Die Tür geht automatisch und Rollatorengerecht zur Seite, aber der Mann der jetzt hereingefahren wird, sitzt im Rollstuhl. Er blickt starr drein. Aber Mutters Blick hellt sich auf, als sie ihn sieht.

    „Das ist der Herr, der so nett ist, sagt sie. „Er hört mir zu.

    „Ah, ja...", murmelt Ralf.

    Die Altenpflegerin fährt den Rollstuhl an den Tisch.

    Der Mann lässt durch nichts erkenne, dass er Mutter überhaupt bemerkt hat. Er interessiert sich mehr für den Kuchen, der an seinem Platz steht, den er aber nicht ohne Hilfe essen kann.

    Die Altenpflegerin will ihn etwas näher an den Tisch fahren, aber die Rollen des Stuhls treffen auf einen Widerstand. Der linke Fuß ist vom Tritt gerutscht.

    „Oh tut mir leid", sagt die Altenpflegerin. Sie ist noch jung. Eine neue. Und wohl auch etwas ungeschickt.

    „Das macht nichts, sagt Mutter. „Links ist alles aus Holz bei ihm!

    Ralf erstarrt, als er die hakenförmige Narbe auf der Stirn des Mannes sieht.

    Das ist er!, wird ihm klar und ein eisiger Schauder überläuft seinen Rücken. Wie oft hat er in die Gesichter gestarrt, immer wenn er Menschen begegnet war, die im passenden Alter waren, hinkten und eine Narbe am Kopf aufwiesen. Aber in diesem Moment gab es keinerlei Zweifel.

    „Ist er nicht nett?, hört er Mutter sagen. „Ich weiß nur seinen Namen gerade nicht...

    Grand Hotel – 4. Stock

    Krimi von Glenn Stirling

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 126 Taschenbuchseiten.

    Die junge Journalistin Helen Teflin ist nicht nur hübsch, sondern auch klug und besonders hartnäckig. Sie ist an einem brisanten Fall dran, der den Deburo Werken erheblichen Schaden zufügen kann, wenn ihre Zeitung das publik macht. Der Chef dieses Konzerns Mr. Zlanabitnik sorgt daraufhin dafür, dass Helen für geisteskrank erklärt wird und in eine Heilanstalt eingewiesen wird.

    Henry Wallace, der Vorgesetzte von Helen Teflin, bittet den Baron und seine Freunde, die junge Kollegin dort herauszuholen und in Sicherheit zu bringen.

    Der Plan, der zuerst ziemlich einfach aussieht, entwickelt sich für alle Beteiligten brandgefährlich ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

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    Das sind die Leute, die Sie kennenlernen sollten:

    Alexander von Strehlitz, genannt der „Baron", 38 Jahre, 1,88 m groß, dunkelhaarig, gut aussehend, schlank und muskulös, sehr sportlich, abgeschlossenes Zoologiestudium, Hobbysegler und Hochseeschiffer mit Kapitänspatent für große Fahrt, bekannter Schriftsteller von Reiseberichten und Expeditionserlebnissen, Leiter von verschiedenen Expeditionen in Afrika und Südamerika, in Übersee durch seine Goodwillreisen zugunsten unterentwickelter Gebiete in Südamerika bekannt geworden, Sieger vom Indianapolis-Rennen für schwere Tourenwagen 1969, ebenso bekannt in Monte Carlo und der Jet-Society als brillanter Pokerspieler und Gesellschafter. Frauen vergöttern ihn, Männer schätzen ihn als prächtigen Partner und umsichtigen Leiter oft abenteuerlicher Unternehmungen.

    Robert Burton, der Sekretär des Barons, 35 Jahre alt, 1,70 m groß, spärliches dunkelblondes Haar, korpulent, Brillenträger, gelernter Bankkaufmann, ein Mathematiker aus Passion, spricht sieben Fremdsprachen und hat ein fabelhaftes Gedächtnis, viel Sinn für Statistiken und Daten. Robert arbeitet seit Jahren für den Baron und weiß über dessen Finanzen besser Bescheid als der Baron selbst. Hat die Eigenart, immer dann französisch mit dem Baron zu sprechen, wenn es um Geldfragen geht.

    Michel Dupont, genannt „Le Beau", 28 Jahre alt, 1,75 m groß, drahtiger durchtrainierter Mann mit dunklem Haar, kantigem, nicht sehr schönem Gesicht mit zerschlagener Nase. Seit vielen Jahren dem Baron ein treuer Freund und Begleiter auf vielen abenteuerlichen Reisen. Le Beau ist gebürtiger Franzose, sehr leidenschaftlich, liebt Frauen und gutes Essen und Trinken, ist leicht zu erregen, ein ausgezeichneter Karatekämpfer, Motorbootfahrer aus Leidenschaft und begeisterter Reiter. Außer Frauen und Pferden liebt er auch rasante Wagen. Er ist gelernter Motorenschlosser und Flugzeugmechaniker.

    James Morris, der Chauffeur des Barons, 31 Jahre alt, 1,94 m groß, sehr stark und breit, wiegt über zwei Zentner, Stirnglatze, sonst struppiges, dunkelblondes Haar, breites Gesicht mit Stupsnase. James war früher Artist, nämlich Untermann einer menschlichen Pyramide. Nach einer Knöchelverletzung verlor er sein Engagement und geriet in schlechte Kreise. Der Baron holte ihn gegen Kaution aus einem Lissabonner Untersuchungsgefängnis und fand in James den treuesten Anhänger, den ein Mensch sich denken kann. Wo James hinschlägt, blüht keine Blume mehr, aber gleichzeitig hat der Hüne ein friedliches gutartiges Gemüt, tut für den Baron alles, aber dass der Baron einen so mäßigen Autofahrer wie ihn zum Chauffeur gemacht hat, begreift James selbst nicht.

    Das also sind der BARON und seine Freunde ROBERT, LE BEAU und JAMES. Ein echter und draufgängerischer Mann und seine Freunde. Ihr Feld ist die Welt, heute sind sie reich, morgen haben sie keinen roten Heller, und immer sind sie bereit, dem Teufel auf den Schwanz zu treten, wenn es gilt, anderen zu helfen, die in Bedrängnis sind. Keiner von ihnen ist ein Tugendbold, aber wenn die Lage es erfordert, halten sie eiserne Disziplin. Sie sind vier knallharte Männer, und für manch einen sind sie die letzte Hoffnung. Sie lieben das Abenteuer, sie lieben das Leben. Ob im Orkan auf See, im dampfend heißen Urwald oder auf schillerndem Parkett des Casinos von Monte Carlo, sie sind überall zu Hause. Es gibt Zeiten, da trinken sie Sekt und essen Kaviar, und es gibt Situationen, da teilen sie sich den letzten Tropfen lauwarmen und brackigen Wassers und kauen auf harter Brotrinde. Und immer bleiben sie Kameraden und halten zusammen … der Baron und seine Crew.

    Prolog

    Völlig normale Journalistin von Amtsarzt als verrückt erklärt

    Oaks (eig. Meld.) Die bekannte Reporterin Helen Teflin wurde von zwei Amtsärzten für verrückt erklärt und in die staatliche Anstalt für Geisteskranke eingewiesen. Proteste halfen nichts. Auch der Anstaltsleiter Dr. Hamilton behauptete, die Frau sei geistesgestört und müsse sogar in der geschlossenen Abteilung „verwahrt" werden. Wie wir erfuhren, hat sich die Journalistin, die bisher mehrere Geschichten aufgeklärt hat, die das Tageslicht scheuen, mit einer Sache befasst, die sich um den Tod des mexikanischen Arbeiters Zamrico dreht, der von einer Blechpresse erschlagen wurde. Wie es heißt, sollen an diesem Fabrikat der Presse schwere Konstruktionsmängel nachzuweisen sein. Henry Wallace, der Vorgesetzte von Helen Teflin, behauptet, man habe seine junge Kollegin mundtot machen wollen. Die Einweisung in eine Heilanstalt gleiche einem Begräbnis. Er aber werde Mittel und Wege finden, sie dort herauszuholen ...

    1

    Es begann an Charlys Arbeitsplatz und endete dicht vor der Hölle. Aber für Charly, den olivfarbenen Einwanderer aus Mexiko, waren es nur noch ein paar Sekunden, die er an allem teilnahm. Und er ahnte nichts.

    Niemand in der Fabrikhalle ahnte etwas. Sie schoben mattsilbern blinkende Bleche unter die riesigen Pressen, zweiundzwanzig Stück in fünf Minuten war der genormte Akkord. Mindestleistung nannten das die REFA-Experten und -Zeitnehmer. Charly schaffte bis zu sechsundzwanzig. Aber damit war er auch nicht über einen gebrauchten Chevrolet, eine gemietete Bruchbude in Oaks und einen auf Raten laufenden Farbfernseher hinausgekommen. Schulden hatte er nach wie vor mehr, als er verkraften konnte.

    Charly fühlte sich, gegen seinen früheren „Wohlstand" in Mexiko, hier als Fürst. Und Charly schuftete wie besessen. Vor ihm die fast haushohe Deburo Presse, die aus einem glatten Stück Blech zweiundzwanzig bis sechsundzwanzig mal alle fünf Minuten eine Motorhaube für den Harrison-Traktor machte. Ein Zischen, ein sanftes Fauchen, fertig. Dreißig Tonnen Gewicht standen darüber, Bleche von einem Millimeter und mehr formten sich in der Presse wie Nudelteig.

    Rechts von Charly gab es eine ganze Straße solcher Pressen, die vollautomatisch arbeiteten und bis zu neunhundert verarbeitete Bleche pro Stunde ausstießen. Charly aber hatte nun vier Monate an dieser Einzelpresse gearbeitet, in die bestimmte Stückteile von Hand eingelegt werden mussten. Ein von ihm beim Vorbeugen durchbrochener Lichtstrahl sorgte dafür und sollte dafür sorgen, dass die Presse sich nicht senken konnte, wenn der Arbeiter gerade unter ihr mit Kopf und Oberkörper war, um das Blech einzurichten. Vier Monate lang hatte das so geklappt. Tausende und Abertausende von Malen. Und es würde noch genau drei Sekunden lang so sein.

    Das Blech flog auf der anderen Seite auf dem Schlitten weg, die Presse ging zischend hoch, Charly schob das flache, ungeprägte Blech vor, rechts in die Passer, links in die Passer und ...

    Da geschah es! Obgleich der Lichtstrahl unterbrochen und die Presse davon gestoppt sein musste, klickte es oben, wie es immer der Fall war, bevor sie sich senkte.

    Aber der Lärm in der Halle überdeckte dieses Geräusch, und Charly hörte es nicht. Er hatte bloß plötzlich das Gefühl, etwas könnte nicht in Ordnung sein. Er hielt inne, wandte sich um, aber da war es schon zu spät. Es kam viel zu schnell, und er konnte nichts dagegen tun. Und er spürte kaum noch etwas.

    Als sich die Presse wieder gehoben hatte und sie ihn fanden, war das, was von ihm übrig war, grauenhaft anzusehen. Der Vorarbeiter Higgins bekam einen Nervenschock. Der hinzugeeilte Ingenieur Kurtz musste sich übergeben und war nicht mehr imstande, seinen Dienst fortzusetzen.

    Die beiden Werkssanitäter, die später geholt wurden, konnten ebensowenig helfen wie Dr. Fitzsimmons, der Betriebsarzt.

    Drei Stunden später, als Männer des Werkschutzes den Toten bereits in den Zinksarg gebracht hatten und die Pressen der Automatic-Straße längst wieder arbeiteten, erschien Inspektor Wyan von der Polizei, brachte zwei weitere Beamte mit und klebte nach kurzer Untersuchung und Zeugenbefragung das Dienstsiegel an die Presse, womit sie als behördlich stillgelegt galt. Anschließend aufgeregte Debatte im Büro des Chefingenieurs, dann beim Betriebsleiter und schließlich die Verkündung des Untersuchungsresultates durch Inspektor Wyan: „Meine Herren, ich habe von einem anderen und ähnlichen Fall bei Dodge gehört. Ich verständige den staatlichen Untersuchungsausschuss und erkläre die Presse bis zum Abschluss und zur Entscheidung des Ausschusses als stillgelegt."

    „Aber das kostet uns täglich Tausende von Dollars. Diese Maschine gibt es hier nur einmal, Inspektor", protestierte Betriebsleiter Seeger.

    „Keine Debatte, Sir, sagte Wyan. „Der Untersuchungsausschuss wird entscheiden. Bis dahin gilt meine Anweisung. Sollten Sie die Presse dennoch in Betrieb setzen, kennen Sie ja die Folgen. Unter zwei Jahren Gefängnis kommen Sie oder derjenige, der das verantwortet, nicht weg. Guten Tag, meine Herren!

    2

    Oaks war keine Großstadt mit seinen siebzigtausend Einwohnern, aber groß genug, um hier das Büro der „Time einzurichten. Es war allerdings nur ein „Ein-Mann-Betrieb oder, noch besser gesagt: Ein Ein-Frau-Betrieb, in dem Miss Helen Teflin nicht nur die Artikel und Meldungen schrieb, sondern sie auch durch den Fernschreiber an die Zentrale meldete, die Korrespondenz führte, als lokale Reporterin fungierte und sich hier in der Provinz die Sporen verdienen sollte.

    Helen Teflin hatte dafür zwei wesentliche Voraussetzungen mitgebracht, dazu sogar noch eine dritte, die allerdings nicht in den Personalpapieren vermerkt war, trotzdem mitunter eine ziemlich große Rolle spielte, Voraussetzung eins: sie war sehr intelligent und gut gebildet. Voraussetzung zwei: sie war eine passionierte Journalistin und hatte bei der New York Times volontiert, dazu noch unter Michel de Coboulier, einem der aggressivsten Journalisten im politischen Fach, Spezialgebiet Innenpolitik und Rechtsfragen. Auch Helen hatte Jura studiert. Die dritte, nicht vermerkte Voraussetzung war: Helen war hübsch, und das war sie von solcher Ausstrahlung, dass der bullbeißige Inspektor Wyan, dem sie gerade gegenübersaß, wie Schnee in der Sonne schmolz, als sie ihn nur scharf ansah. Scharf ansehen, das war vielleicht der falsche Begriff. Sie machte Augen, die wie ein Versprechen wirkten, auf den, der sie ansah. Und Wyan sah sehr genau hin.

    „Also, Inspektor, wie war das denn nun?, fragte sie, und dabei lächelte sie. „Hat er nun einen Fehler in der Bedienung gemacht oder liegt es an der Maschine? Dass Sie die Maschine stillgelegt haben und die Betriebsleitung dagegen eine einstweilige Verfügung beim Gericht beantragt hat, beweist mir eigentlich, dass es kein menschliches Versagen gewesen sein kann. Oder irre ich mich?

    Wyan, den so viel Schönheit ein wenig verwirrt hat, meinte spontan: „Stimmt. Er lächelte entschuldigend und fügte ergänzend hinzu: „Ich meine, es stimmt, dass menschliches Versagen auszuschließen ist. Weil… Er sah sie forschend an und fragte: „Kennen Sie die technischen Zusammenhänge?"

    Er unterschätzte Helen Teflin bei weitem. Dieses sechsundzwanzigjährige blonde Wesen war nicht nur wegen des Zahltages Journalistin geworden. An ihr hätte ein Staatsanwalt — oder ein Kriminalbeamter — einiges absehen können. Wyan zwar nicht, der war selbst sehr gründlich. Und darum ging es. Helen Teflin hatte sich indessen mit diesen Pressen und wie sie funktionierten so befasst, dass sie in der Lage gewesen wäre, mit sachverständigen Ingenieuren darüber zu diskutieren.

    „Ich weiß Bescheid, sagte sie. „Die Presse fährt hoch, der hydraulische Doppelkeil blockiert sie, die Druckhydraulik der Kolben wird durch das Ventil abgeleitet, und alles geschieht, solange der Lichtstrahl, der auf die Photozelle fällt und sonst quer über die Zugangsfläche zum Pressenboden fällt, unterbrochen wird. Der Arbeiter, der da umgekommen ist, hat sich vorgebeugt, wie die Zeugen sagen, damit den Lichtstrahl unterbrochen.

    „Ja, aber nun sagt die Betriebsleitung, erklärte Wyan, „dass dieser Charly, wie sie den Mexikaner Zamrico genannt haben, die Blockierung ausgeschaltet haben könnte. Nach unseren Feststellungen war das nicht der Fall, aber bei diesem Maschinentyp ist das immerhin möglich, obgleich es unzulässig ist, diese Sache überhaupt einzubauen.

    „Was geschieht dann?"

    „Ist das Ventil, das den Ölstrom ableitet, so geschaltet, dass es geschlossen bleibt, fällt die Presse ungeachtet der Photozellensignale nach drei Sekunden wieder nach unten. Sie sagen im Werk, dass Akkordarbeiter wider die Bestimmungen so handeln, weil es um eine Sekunde schneller geht, bis die Presse kommt als sonst. So könnten sie schneller schaffen."

    „Glauben Sie das?", wollte Helen wissen, und sie sah Wyan forschend an.

    Wyan, der wie ein ledergesichtiger Seemann aussah, schüttelte den Kopf.

    „Nein. Denn das erfordert eine reine Bergsteigerarbeit bis hinauf zum Kopf der neun Meter hohen Presse. Dort oben sitzt das Ventil des Ableitungsschlauches. Niemand kann bestätigen, dass es nach dem Unfall jemand geöffnet hätte. Also war es immer offen. Ich kenne da einen Fall in der Lastwagenfabrik für Fahrerhäuser, die kürzlich Dodge angeschlossen wurde. Da steht die gleiche Presse, und dort ist dasselbe vor einiger Zeit passiert. Deshalb meine Meldung an den staatlichen Untersuchungsausschuss."

    „Danke. Und was sagt der Hersteller der Pressen, der Deburo-Konzern? Immerhin ein weltweites Unternehmen, das riesige Pressenstraßen gebaut hat."

    Wyan zuckte die Schultern.

    „Es kann mir gleich sein, ob die viele oder wenige Pressen gebaut haben. Für mich ist das Resultat wichtig. Dieser Pressentyp ist gefährlich. Weiter nichts."

    „Haben Sie von anderen Vorfällen mit diesem Typ gehört, außer der Sache bei Dodge?"

    „Noch nicht", erwiderte Wyan.

    „Nun, da kann ich Ihnen helfen. Ich weiß von noch drei Fällen, allerdings nicht tödlich. Einem Mann wurden die Arme abgequetscht, einem anderen die Hände, der dritte verlor die Finger einer Hand."

    „Und woher haben Sie diese Kunde, Sie Tausendsassa?", fragte Wyan überrascht.

    Sie lächelte.

    „Da sind Sie baff, was? Hätten Sie von einer Frau nicht erwartet, nicht wahr? — Nun, so etwas durfte die staunende Mitwelt vor einigen Monaten einem Bericht des staatlichen Sicherheitskommissars entnehmen, allerdings gab es dazu nur die spärliche Auflage von zehntausend Exemplaren. Doch bereits ein Ingenieur der Harrison Traktoren Werke konnte mir davon berichten und mir ein Heft beschaffen. Und da diese Zeitschrift, die der Sicherheitskommissar alle halben Jahre herausgibt, auch von der Betriebsleitung gehalten wird, dürfte zumindest sicher sein, dass man dort davon Kenntnis haben konnte. Ich sagte: konnte, nicht muss."

    „Ja, aber das ist gut, dass Sie es sagen. Danke. Wyan notierte. „Und wer ist der Ingenieur?

    „Patterson, ein sehr hilfsbereiter Mensch."

    „Behalten Sie es für sich, meine Liebe, sonst ist er morgen gekündigt! — Noch Fragen?"

    „Wann kommt die Kommission?"

    „Morgen."

    „Da bin ich aber gespannt!", meinte Helen und lächelte Wyan an, dass ihm ganz warm unter dem Hemd wurde.

    3

    „Mein Name ist Helen Teflin, ich komme von der ,Time‘, Mr. Zlanabitnik. Ihr Pressechef war so freundlich, mir dieses Interview mit Ihnen zu arrangieren."

    Helen sah den großen, an Gregory Peck erinnernden Generalmanager des Deburo-Konzerns mit so viel Schmelz an, dass der gleich ein freundlicheres Gesicht machte, dann sogar sein „Say-Cheese-Lächeln zeigte und fragte: „Möchten Sie eine Cola, Kaffee oder so etwas? Warum nehmen Sie nicht Platz? Ich wusste gar nicht, dass es solch charmante Reporterinnen gibt!

    „Sie sind sehr freundlich. Sicher kennen Sie den Grund meines Besuches."

    Er machte eine wegwerfende Handbewegung.

    „Ach so, nach dieser Geschichte in Oaks fragen Sie? Dumme Sache. Armer Kerl. Aber sie machen immer wieder solche Sachen ..."

    „Was für Sachen?, unterbrach sie ihn. „Dass sie sich totschlagen lassen?

    „Nein, erklärte er mit dem Unterton erzwungener Nachsicht einem solch blutigen Laien — wie er glaubte — in Sachen Technik gegenüber. „Nein, dazu müsste ich Ihnen schon einmal erläutern, wie es zu so einem Unfall kommen kann. Um es vorwegzunehmen, liebe Miss ... ah, mir ist der Name ganz entfallen ...

    „Teflin. Aber Sie wollen mir doch nicht erklären, dass Zamrico bis hinauf zum Kopf des Pressengestells geklettert, dort den Ventilhebel der Abdruckleitung geschlossen hat und dass nach seinem Tod, als ein paar hundert Zeugen herumstanden, jemand hinaufgeklettert ist, um ihn wieder zu öffnen?"

    Zlanabitnik wurde es im schönen dunkelgrauen Anzug heiß. Die Frau, die er eben noch etwas nachsichtig und von oben herab wie eine kleine, wenn auch bildhübsche Idiotin abqualifizieren wollte, wurde ihm mit einem Male unheimlich. Aber dann beruhigte er sich mit dem Gedanken, dass es eingetrichtertes Gerede war, was sie da von sich gab. Natürlich, dachte er, irgendwer hat ihr diese Sache eingebleut. Wie komme ich nur darauf, dass es anders sein könnte? Und er sagte mit gespieltem Spott: „Na, Sie hoffen doch nicht, dass ich auf so etwas eingehe?"

    „Doch, sagte sie, „das erhoffe ich schon. Denn es gibt praktisch keine andere Möglichkeit, um die Blockierung, die vom Fotowiderstand in dem Moment ausgelöst wird, da man den Lichtstrahl unterbricht, zu lösen oder zu umgehen. Und kein einziger Zeuge von denen, die nach dem Unfall dort waren, hat gesehen, dass dieses bewusste Ventil von irgendwem wieder geöffnet worden ist.

    „Und wer sagt Ihnen, dass es offen war, als die Sache passierte?", fragte er längst nicht mehr so höflich, sondern ziemlich gereizt.

    „Die Polizei hat das festgestellt, lieber Mr. Zlanabitnik. — Merkwürdiger Name übrigens den Sie haben? Ist das nicht slowenisch?"

    Diese Frau nahm ihm fast die Luft. Er hatte seine Selbstsicherheit nahezu verloren. Wieso sprach sie auf einmal von seiner Herkunft? Das hörte sich ja an, als hätte sie sich über ihn erkundigt.

    „Wir sprechen von dem Unfall, denke ich", fauchte er sie an.

    „Ja, und wie ich sehe, hat es Ihnen ziemlich die Argumente verschlagen. Oder haben Sie noch eine Erklärung parat? Womöglich können Sie mir stattdessen sagen, wie es in den nachfolgenden Fällen zu ähnlichen Unfällen kommen konnte. Hier, sehen Sie sich einmal diese Liste an. Das sind alles Pressen dieses Typs, Pressen, die von Ihnen gebaut wurden und bei denen ganz unmotiviert auf einmal die Blockierung versagte, wo sich die Presse auf den Arbeiter stürzte und ihn erschlug, oder ihm Arme, Hände oder Finger abquetschte. Sehen Sie sich die Liste in aller Ruhe an! In allen Fällen war das Ventil offen."

    Zlanabitnik sah überhaupt nicht auf die Liste. Er starrte Helen an wie etwas, das geradewegs aus der Hölle gekommen zu sein schien.

    „Woher, keuchte er, „haben Sie die Liste? Woher, zum Teufel? Reden Sie! Er streckte die Hand nach ihr aus,

    „Unruhig geworden?, fragte sie lächelnd. „Es gibt noch viele Kopien dieser Liste. Mr. Zlanabitnik. Hier, nehmen Sie nur!

    Er riss sie ihr aus der Hand, starrte kurz darauf, warf sie hinter sich auf den Schreibtisch und schloss einen Augenblick die Augen. Sein Gesicht glättete sich, als hätte er sich soweit unter Gewalt, einen Wutausbruch zu verhindern. Gefasst sagte er: „Dreitausend!"

    „Dreitausend was?", fragte sie und sah ihn verständnislos an.

    „Dreitausend Dollar. Für Sie!"

    „Für mich?" Sie tat ahnungslos, obgleich sie alles begriff.

    „Natürlich für Sie. Er lächelte konziliant, aber es war ein öliges, unechtes Lächeln. „Dreitausend Dollar ist doch eine Stange Geld für jemanden, der wie Sie in einer so kleinen Lokalredaktion ...

    Sie lachte plötzlich, lachte herzhaft und sagte, während bei ihm wieder die Zornesader anzuschwellen begann: „Ich danke Ihnen, Sir, ich danke Ihnen sehr für die Unterhaltung. Guten Tag, Sir!" Und dann ging sie.

    Er lief ihr bis zum Lift nach.

    „Fünftausend!", keuchte er.

    „Machen Sie sich nicht lächerlich, Mr. Zlanabitnik!", erwiderte sie und stieg in den Lift.

    Er kam ihr nach.

    „Sechstausend!", hechelte er.

    Sie lachte ihn aus. Der Lift fuhr an. Zlanabitnik packte Helen an den Schultern und schrie sie an: „Davon haben Sie nichts! Ich warne Sie! Sie kleine miese Schnüfflerin!" Er holte mit der Rechten aus, um sie zu schlagen, während sein Gesicht rot wie eine Tomate wurde.

    Aber er kannte Helen nicht, noch nicht mal im Mindesten. Er hatte die Hand noch zum Schlag erhoben, da packte Helen seinen Arm, drehte sich selbst um, zog mit einem Ruck seinen Arm unter der Schulter durch, drückte mit ihrer Rechten seinen Arm über ihren linken Unterarm im Hebel, dass Zlanabitnik vor Schmerz aufbrüllte. Während er abgelenkt war, krümmte sich Helen, riss ihn über ihren Rücken hinweg, so dass er mit voller Wucht an die Wand des Lifts schlug und am Boden liegenblieb, sie völlig verdattert anstarrte und mit den Augen rollte.

    Der Lift hielt, Helen stieg aus und sagte zu einem jüngeren Mann, der erst auf sie und dann völlig verwirrt auf seinen obersten Chef blickte: „Erklären Sie diesem Gentleman bitte, dass ich seine Art, einer Frau zu nahe zu treten, sehr missbillige! Guten Tag!" Und so ging sie. Niemand hielt sie auf. Erst als sie schon mit ihrem geliehenen kleinen Flitzer aus dem Werkstor fuhr, begannen sich die beiden Werkschutzleute zu regen, weil ein aufgeregtes Telefon schellte. Vielleicht, dachte Helen, gilt es mir, und sie gab Gas.

    Niemand folgte ihr. Sie gab am Flughafen ihr Auto ab. bestieg eine Stunde später die Maschine nach San Francisco und schwebte in den Lüften, als Mr. Zlanabitnik den Stab der engsten Mitarbeiter um sich versammelte.

    Hätte sie sehen und hören können, was diese Konferenz für sie selbst bedeutete, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen. Aber natürlich konnte sie nicht hellsehen, und so ballte sich über einem einzelnen Menschen die ganze Macht eines großen Konzerns zusammen, wo man entschlossen war, diese Frau wie ein quälendes Insekt zu vernichten, zu zertreten, aus der Welt zu schaffen. Mord kam dafür nicht in Frage. Der Deburo-Konzern wendete feinere und sichere Methoden an, wenn ihm jemand lästig zu werden drohte. Aber, wie gesagt, Helen Teflin ahnte davon nichts, sie hielt Gewaltanwendungsversuche für wahrscheinlich, aber gerade das gehörte nicht zu den Praktiken des Konzerns.

    Als sie drei Stunden später in ihre Wohnung kam, war die zwar immer noch peinlich aufgeräumt, aber Helen hatte ein viel zu gutes Gedächtnis, um nicht zu sehen, dass Besuch im Apartment gewesen war und sich bis in die hintersten Winkel der Schubladen umgesehen hatte. Sie merkte das bereits beim Eintreten. Ein Hauch eines süßlichen Parfüms hing in der Luft, der schon deshalb nicht normal war, weil sie gerade diese Art von Parfümen hasste. Das war Kaufhaus-Parfüm der Billigklasse, und ihrer Schätzung nach war der Besucher also eine Frau gewesen, dazu eine mit dem Geschmack einer Prostituierten.

    Sie rief Inspektor Wyan an, berichtete ihm, und er hörte sich das erst bis zu Ende an, dann sagte er: „Wollen Sie einen Tipp von mir?"

    „Ich dachte, Sie klären so etwas auf."

    Unbeirrt sagte er: „Mein Tipp lautet: Nehmen Sie die Finger von der Sache! Im Harrison-Werk hat sich jetzt ein Mann gemeldet, der behauptet, er hätte das Ventil nach dem Unfall wieder geöffnet. Ich hoffe, Sie verstehen, was ich damit sage. Die anderen, sagt dieser Mensch, hätten ihn nicht beobachtet, weil sie alle um den Toten gestanden hätten. Der Mensch, von dem ich rede, heißt McCook, ist Hilfsarbeiter und hat seit heute Morgen Urlaub. Seine Aussage hat er vor einem Notar abgegeben, ist ins Flugzeug gestiegen, um irgendwo — kein Aas weiß, wo — Urlaub zu machen. Wir können ihn nicht verhören. Die Kommission, die morgen kommt, kann das auch nicht. Basta! Und deshalb weiß ich jetzt, wie der Hase läuft. Lassen Sie die Finger heraus, damit Sie so hübsch bleiben, wie Sie sind! Das ist eine schmutzige Geschichte, wie ich meine, und für schöne Frauen wie Sie ist das reines Gift."

    „Danke für das Kompliment, aber dann hätte ich Mannequin werden müssen. Wo hat dieser McCook sein Zuhause?"

    „Ledigenwohnheim der Harrison Werke, das liegt hinter dem Kraftwerk. Die Leute hier nennen es nur Bullenkloster."

    „Vielen Dank, Inspektor. Sie hören von mir."

    „Lieber wäre mir, Sie würden die Finger davon lassen. Ich habe ein feines Gefühl für Sachen, die von Minute zu Minute immer dreckiger werden."

    „Keine Sorge, ich passe schon auf mich auf. Alles Gute!", wünschte sie Wyan, und das hatte er nötig.

    4

    „Hören Sie, Inspektor, sagte McGowan, Ex-Colonel und Chef der Polizei von Oaks. Ein weißhaariger, schlanker SpencerTracyTyp, ein Bilderbuchmann fürs heile Amerika. „Also, Wyan, ich will ja so eine Anzeige nicht weiter tragisch nehmen, fuhr er fort und sah Wyan aus seinen glasklaren Augen an, „Nur sie besteht, und wir haben da bestimmte Gesetze. Die beiden Leute haben ihre Namen genannt, ich habe sie schon richterlich verhören lassen, also sie würden sogar einen Eid leisten."

    „Einen Meineid, wollten Sie sagen, Colonel,verbesserte ihn Wyan gelassen. „Solche Anzeigen wegen Erpressung kennen wir doch. Immer, wenn irgendwo mal was besonders scharf Stinkendes ausgegraben wird von uns, da kommen solche Anzeigen. Was weiter, Sir?

    McGowan verzog das Gesicht, und sein berufsmäßiges Politikerlächeln schmolz dahin. Als Polizeiboss war er wählbar. Er war in seiner Politikerlaufbahn schon alles mögliche in der Stadtregierung gewesen, auch einmal lange Jahre Bürgermeister, aber nun hatten sie dort einen jüngeren Mann, der liberaler dachte, was schon wegen der Farbigen erwünscht war. Für den konservativen, leicht radikalen McGowan war dann der Sessel des Polizeichefs gerade richtig. McGowan war nicht scharf auf spektakuläre Erfolge, er wollte nur keine Zwischenfälle, keine Pannen, keine Skandale. Er wollte überhaupt nicht auffallen. Das bedeutete in Oaks die absolute Wiederwahl für dieses Amt, Und das Amt gefiel ihm. Alles lief ohne sein Zutun. Die Beamten waren eingearbeitet. Er konnte sich damit abfinden, da und dort ein paar

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