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Transit Killer: 5 Kriminalromane um das Berlin des Jahres 1968

Transit Killer: 5 Kriminalromane um das Berlin des Jahres 1968

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Transit Killer: 5 Kriminalromane um das Berlin des Jahres 1968

Länge:
718 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Juli 2021
ISBN:
9783745216899
Format:
Buch

Beschreibung

Transit Killer: 5 Kriminalromane um das Berlin des Jahres 1968

Berlin 1968 Kriminalroman - Band 21 bis 25

von Tomos Forrest & A. F. Morland



Der Umfang dieses Buchs entspricht 617 Taschenbuchseiten.



Diese Band enthält folgende Romane:

Tomos Forrest & A. F. Morland: Mord auf der Transit-Strecke Berlin 1968 - Band 21

Tomos Forrest & A. F. Morland: Bestie ohne Gewissen Berlin 1968 - Band 22

Tomos Forrest & A. F. Morland: Irren kann tödlich sein... Berlin 1968 - Band 23

Tomos Forrest & A. F. Morland: Ein Berliner in London Berlin 1968 - Band 24

Tomos Forrest & A. F. Morland: Ein Mord mit Vergangenheit Berlin 1968 - Band 25



Das Unmögliche war passiert.

Man hatte zum dritten Mal einen LKW entführt, diesmal sogar auf der Transitstrecke nach West-Berlin. Und es hatte einen Toten gegeben. Genug Kosten für die Berliner Versicherung, nun Bernd Schuster einzuschalten, um diese Diebstähle aufzuklären. Der ehemalige Feldjäger aus Frankfurt und inzwischen sehr erfolgreiche Privatdetektiv erlebt wenig später lebensgefährliche Situationen, als er sich selbst als LKW-Fahrer probiert…
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Juli 2021
ISBN:
9783745216899
Format:
Buch

Über den Autor


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Transit Killer - Tomos Forrest

Transit Killer: 5 Kriminalromane um das Berlin des Jahres 1968

Berlin 1968 Kriminalroman – Band 21 bis 25

von Tomos Forrest & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 617 Taschenbuchseiten.

Diese Band enthält folgende Romane:

Tomos Forrest & A. F. Morland: Mord auf der Transit-Strecke  Berlin 1968 - Band 21

Tomos Forrest & A. F. Morland: Bestie ohne Gewissen  Berlin 1968 - Band 22

Tomos Forrest & A. F. Morland: Irren kann tödlich sein...  Berlin 1968 - Band 23

Tomos Forrest & A. F. Morland: Ein Berliner in London  Berlin 1968 - Band 24

Tomos Forrest & A. F. Morland: Ein Mord mit Vergangenheit  Berlin 1968 - Band 25

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Titel/Charaktere/Treatment © by Marten Munsonius & Thomas Ostwald, 2021

Roman – Nach Motiven – by Tomos Forrest, 2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Mord auf der Transit-Strecke

Berlin 1968 Kriminalroman Band 21

von Tomos Forrest & A. F. Morland

Das Unmögliche war passiert.

Man hatte zum dritten Mal einen LKW entführt, diesmal sogar auf der Transitstrecke nach West-Berlin. Und es hatte einen Toten gegeben. Genug Kosten für die Berliner Versicherung, nun Bernd Schuster einzuschalten, um diese Diebstähle aufzuklären. Der ehemalige Feldjäger aus Frankfurt und inzwischen sehr erfolgreiche Privatdetektiv erlebt wenig später lebensgefährliche Situationen, als er sich selbst als LKW-Fahrer probiert...

––––––––

1

„Darf ja wohl nicht wahr sein!", stöhnte Fred Stettner und schaltete herunter.

„Was meinst du?", erkundigte sich sein Beifahrer Hans Kersten verwundert.

„Vopos. Sie sind eben wie aus dem Nichts erschienen und fahren immer im gleichen Abstand hinter und her. Kannst davon ausgehen, dass die was von uns wollen!"

„Hast du die Geschwindigkeit eingehalten?"

„Überwiegend!", antwortete Fred und musste doch grinsen. Die beiden fuhren die Transitstrecke nach West-Berlin schon lange, und Fred bildete sich ein, inzwischen jede noch so versteckte Radar-Kontrolle zu kennen.

„Na, das wird wieder lustig. Und ich dachte, wir kommen heute gut durch!", stöhnte Hans.

„Mach dich startklar, mein Freund – sie schalten das Blaulicht an und kommen!"

Tatsächlich schoss der Wartburg mit dem Blaulicht an ihnen vorüber, der Beifahrer gab Zeichen mit der Handkelle, und langsam rollten die Fahrzeuge hintereinander auf dem Seitenstreifen aus.

Fred Stettner griff zu seiner Tasche mit den Papieren und kurbelte das Fenster herunter.

„Guten Tag!, begrüßte sie der Beamte, der eben an den LKW trat. „Verkehrskontrolle. Die Fahrzeugpapiere, Führerschein, Transitvisum. Was haben Sie geladen?

„22 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, Drei-Achser, 12 Meter Gesamtlänge, alles nach Vorschrift und Norm. Geladen haben wir Elektrogeräte und eine versiegelte Kiste von BASF. Meine Papiere, bitte!", schnurrte Fred den üblichen Sermon herunter und beobachtete den zweiten Beamten, der mit kritischem Blick auf der Beifahrerseite den LKW inspizierte. 

Der andere prüfte ungerührt und mit aller Gründlichkeit die ihm gereichten Papiere, gab sie zurück und erkundigte sich dann:

„Wissen Sie, warum wir Sie herausgewunken haben?"

Fred stellte fest, dass der Mann nur einen leichten Berliner Dialekt hatte und fühlte sich schon fast wieder heimisch. Aber hier war keine Frozzelei angebracht, und höflich erwiderte er: „Nein, das weiß ich nicht."

„Sie haben vor etwa zwei Kilometern beim Fahrbahnwechsel nicht geblinkt."

„Was habe ich nicht? Fahrbahnwechsel? Ich habe doch überhaupt nicht überholt!", bemerkte Fred Stettner verblüfft.

„Es gab dort eine Baustelle, die Fahrbahn wurde auf eine Fahrspur verengt."

„Und da muss ich blinken, wenn es nur noch eine Fahrspur gibt?"

„Selbstverständlich. Die Verwarnung für diesen Verstoß gegen unsere Verkehrsordnung beträgt 20,—DM", führte der Beamte weiter aus und schrieb bereits einen Strafzettel aus.

„Zwanzig?", echote Fred ungläubig, aber der Polizist sah noch nicht einmal auf.

Brummend zog der Fahrer seine Geldbörse hervor, entnahm einen Zwanzig-Mark-Schein und reichte ihn wortlos aus dem Fenster.

Der Volkspolizist steckte das Geld ebenfalls wortlos ein und reichte den Strafzettel hoch.

Dann wollte er sich abwenden, nachdem sein Kollege schon wieder neben dem Wartburg stand, drehte sich aber noch mal zur Fahrerkabine um.

„Nur ein kleiner Tipp für Sie. In etwa fünftausend Metern gibt es eine weitere Baustelle. Lastkraftwagen müssen dort die Transitstrecke verlassen und eine Umleitung fahren. Achten Sie aber darauf, dass Sie auf dieser Strecke nicht anhalten dürfen und die Geschwindigkeiten dort reduziert sind. Sie kommen dann bei Wollin wieder auf die Transitstrecke."

„Vielen Dank!", antwortete Fred durch die Zähne, sah zu, wie die Beamten in ihr Fahrzeug stiegen und startete dann den Motor wieder. Beim Wechsel auf die Fahrbahn blinkte er natürlich und fuhr langsam an, während der Wartburg vor ihm mit etwa 80 Stundenkilometern vorweg fuhr.

Keiner der beiden in der Fahrerkabine sprach etwas, bis sie in der Ferne die Warnbaken und die Umleitungsschilder für Kraftfahrzeuge über fünf Tonnen erkannten.

„Wenn diese blödsinnige Transitstrecke nicht wäre, könnte ich mir keinen anderen Job als diesen vorstellen", sagte nach einer Pause Fred Stettner zu seinem Beifahrer. Hans Kersten zuckte nur mit den Schultern. Kein Kommentar zu diesem Thema. Was hätte er schon sagen sollen? Fred war ein Wahnsinniger. Wäre es in der Bundesrepublik erlaubt gewesen, könnte sein Fahrer 24 Stunden hinter dem Steuer sitzen, wurde nicht müde, und wenn er dann abgelöst wurde, freute er sich schon auf die nächste lange Tour hinterm Steuer. So einem Irren war einfach nicht zu helfen. Wozu also irgendein Wort verlieren, das ja doch bloß in den Wind gesprochen wäre.

„Hinter einem Schreibtisch würde ich eingehen wie ’ne Primel, sagte Stettner. „Ich brauch ’nen 22-Tonner wie diesen unterm Hintern, um mich wohlzufühlen. Ich brauche eine Straße, auf der ich meinen Laster bewegen kann. Ich weiß nicht, wie es dir geht, Hans, aber für mich ist jede Fahrt, als würde ich die Welt neu entdecken.

‚Blödsinn‘, dachte Hans. ‚Er ist doch nun wirklich jede Strecke schon zigmal gefahren. Da gibt es nichts mehr zu entdecken. Nicht mal für einen Wirrkopf wie ihn!‘

Fred verlangsamte das Tempo und näherte sich der Umleitung. Gegen Umleitungen war Fred allergisch. Die mochte er nicht, denn sie führten zumeist über schlechte Straßen, zumal bei dem Zustand der Straßen in der DDR. Sein schwerer Mercedes-Benz mit den kantigen Formen war zwar nicht sonderlich anfällig. Aber Fred war schon mehrfach in der DDR unterwegs gewesen zum Verwandtenbesuch. Natürlich ohne Lastwagen. Bei diesen Straßenverhältnissen konnte durchaus eine Achse brechen oder ein Stoßdämpfer kaputtgehen, und das war dann bestimmt für Fred Stettner genauso schlimm wie für einen normalen Menschen ein Beinbruch.

Während Stettner mit grimmiger Miene an der Lenkung drehte, grinste Hans Kersten breit. „Jetzt kannst du die Welt tatsächlich mal neu entdecken, Fred."

Ein missmutiges Knurren war Stettners Antwort. Er zog den LKW in eine enge Kurve und begann mit der Entdeckungsfahrt. Ein schmales S lag vor ihnen. Sie entfernten sich von der Transitstrecke. Kein weiteres Fahrzeug folgte ihnen und war auf der Straße zu erkennen. Büsche und Bäume deckten alsbald die Sicht nach hinten ab. Und plötzlich schrie Fred Stettner erschrocken auf. Er leckte sich nervös über die Lippen. Schnell leitete er die Notbremsung ein. Der LKW stand auf kürzeste Distanz.

‚Eines muss man ihm lassen‘, dachte Hans Kersten. ‚Sein Fahrzeug hat er prima in der Hand. Und er versteht wunderbar schnell zu reagieren.‘

Hätte Stettner nicht so schnell gebremst, dann hätte der 22-Tonner möglicherweise den Mann überrollt, der mit dem Gesicht nach unten auf der Umleitungsstrecke lag.

„Mensch, da liegt einer", sagte Stettner erregt.

„Du merkst aber auch alles", brummte Hans Kersten. Er schwang die Tür auf und sprang aus dem LKW.

Stettner hatte plötzlich ebenfalls Hummeln im Hintern.

„Warte! Ich komme mit!", rief er und sprang auf der anderen Seite heraus. Die kräftige Maschine tuckerte im Leerlauf weiter. Kersten erreichte den Mann. Stettner kam heran und kniete sich auf den Boden. Plötzlich wurde der Beifahrer bleich. Der vermeintlich Hilfsbedürftige ließ sowohl Fahrer als auch Beifahrer in die Mündung einer Pistole blicken.

Und dann kam viel Leben in den Mann. Er rollte sich auf den Rücken und schwang den Körper hoch.

„Damit wir uns von Anfang an richtig verstehen, Kameraden: Dies hier ist ein Überfall."

Kersten fletschte die Zähne. „Was denn, was denn! Du willst den LKW doch nicht etwa ganz alleine überfallen!"

Das Gesicht des Fremden war mit schwarzer Farbe beschmiert. Er trug eine riesige Sonnenbrille auf der Nase und hatte den Kragen seiner Windjacke hochgeschlagen.

„Du hast recht, sagte der Unbekannte grinsend. „Allein wär’s ein bisschen zu riskant. Weiße Zähne blitzten in seinem Mund. Und das Zahnfleisch leuchtete in hellem Rosa. „Aber ihr habt es nicht nur mit mir zu tun."

„Blödsinn!" sagte Fred Stettner zornig. Er hatte sich erhoben und begann einzusehen, dass es ein Fehler war, hilfsbereit zu sein. Überrollen hätte er den Kerl sollen. Dann wäre es nicht zu dieser Situation gekommen.

„Schaut euch um!, schlug der Gangster vor. „In diesem Augenblick zielen zwei halbautomatische Waffen auf Euch!

„Dann seid ihr also zu dritt", erwiderte Hans trocken.

Stettner schaute sich um und sah tatsächlich zwei Typen, die genau wie derjenige aussahen, der vor ihnen stand. Die drei hätten Brüder sein können. Vielleicht sogar Drillinge.

„Was habt ihr vor?", fragte Stettner überflüssigerweise.

„Kannst du dir das mit deinem Spatzenhirn nicht denken?", fragte der Gangster zurück.

„Sie wollen den LKW, Fred", klärte der Beifahrer den Fahrer auf.

‚Den LKW!‘ Stettner fuhr ein Eissplitter ins Herz.

„Ihr habt sie wohl nicht alle!", brüllte er aus Leibeskräften. Dass die anderen Männer näherkamen, schien ihn nicht einzuschüchtern.

„Den LKW kriegt ihr nie im Leben!"

„Spiel bloß nicht den Helden, Kamerad!, schnauzte der Gangster. „Sonst kriegst du ein Loch in die Haut. Oder auch mehrere. Wir sind nicht kleinlich.

„Ich reiß euch die Ohren ab, wenn ihr an meinen LKW geht!"

„Halt keine Volksreden! Dreh dich um!", schnarrte der Gangster. Die beiden anderen standen nun dicht hinter ihm. Ihre Mienen waren verschlossen. Ihre Gesichter waren ebenfalls schwarz angeschmiert. Sie machten einen furchterregenden Eindruck - zumindest auf den Beifahrer, der wusste, wann eine Sache brenzlig war, und wann man die Schnauze halten musste. Ohne, dass der Verbrecher ihn dazu aufforderte, sich umzudrehen, wandte er sich um. Was jetzt kommen würde, ahnte er. Da er es aber nicht verhindern konnte, fand er sich damit ab. Es würde ein kurzer Schmerz sein. Und dann würde er umkippen. Eine Weile Ohnmacht. Und wenn er die Augen wieder aufschlug, würde alles vorbei sein.

Nicht so Stettner. Der stellte sich auf die Hinterbeine, und genau das war das Dümmste, was er tun konnte. Damit reizte er die Gangster, die ohnedies in Eile und nervös waren. Die beiden LKW-Fahrer dachten in diesem Augenblick auch noch an ihre besondere Lage. Man befand sich auf dem Gebiet der DDR. Da würden doch wohl auch diese Typen jederzeit mit einer Entdeckung rechnen müssen – und die würde kaum glimpflich für sie abgehen.

„Umdrehen!", befahl der Gangster dem Fahrer.

„Ihr kriegt meinen LKW nicht!, brüllte Fred Stettner. „Meinen LKW kriegt ihr nicht! Er ballte seine mächtigen Fäuste. Im nächsten Moment explodierte seine Rechte am Kinn des Verbrechers. Der Mann flog zurück und wurde von seinen Freunden aufgefangen.

Hans Kersten floss Eiswasser über den Rücken, als er sah, was Stettner machte.

‚Was ich von ihm immer dachte: Er ist verrückt! Er hat keinen Verstand!‘, hämmerte es im Kopf des Beifahrers.

Fred schnellte herum und eilte mit langen Sätzen zum LKW. Die Gangster ließen ihm nicht die geringste Chance. Ein Bein hatte er bereits auf dem Trittbrett, als die Schüsse fielen und ihn um die eigene Achse rissen. Gleich darauf stürzte der Fahrer schwer auf das Straßenpflaster.

Hans blieb das Herz stehen, als er sah, wie es mit seinem Kumpel zu Ende ging. Warum hatte er sich bloß so sehr für diesen verdammten LKW eingesetzt? Warum hatte er dem Tod keine kurze Ohnmacht vorgezogen?

Hans Kersten vernahm ein knirschendes Geräusch hinter sich. Instinktiv kniff er die Augen zusammen und wartete auf den Schlag, der in seinem Nacken oder am Hinterkopf landen würde.

Da kam er auch schon. Hart, und für keinen noch so kräftigen Mann durchzustehen. Ein riesiges schwarzes Loch tat sich vor dem Beifahrer auf. Er merkte, wie er darauf zufiel und sogleich darin verschwand ...

2

Am Abend des 21. November steuerte Bernd Schuster seinen silbergrauen Mercedes 450 SEL die restlichen Meter durch die Kurfürstenstraße, bog in die Parkstraße vor der alten Ladenzeile ein, in der er seine Detektei betrieb.

Sturmwolken, von einem böigen Wind getrieben, waren den ganzen Tag über den Himmel gezogen. Der Wind war jetzt abgeflaut, und Regen fiel grau wie ein Stahldraht im Licht der gelben Straßenlampen. Bernd Schuster stieg geschafft aus seinem Wagen, schloss ihn ab und ging hinüber, um noch einmal in seinem Büro nach dem Rechten zu sehen.

Auf seinem Schreibtisch hatte ihm Franziska Jahn, seine überaus attraktive Lebensgefährtin und Assistentin, eine kleine Überraschung aufgebaut.

Da stand der Kassettenrecorder, und auf einem weißen Kärtchen war der Befehl zu lesen: EINSCHALTEN!

Bernd fingerte die Roth Händle heraus, sank auf den Schreibtischsessel und brannte eine Zigarette an. Mit einer fahrigen Bewegung versuchte er sich den Schlaf aus den Augen zu wischen. Er drückte die Wiedergabetaste.

„Hallo, Bernd, kam die aufgekratzte Stimme Franziskas aus dem Gerät. „Na, wie war die Blondine?

„Oooch, ganz annehmbar - he! Moment, woher weißt du?" Bernd drückte auf die Stopptaste und staunte erst mal richtig. Er hatte Franziska gegenüber mit keiner Silbe erwähnt, dass er sich mit einer blonden Mandantin treffen wollte. Wie hatte sie das bloß wieder herausbekommen?

Er ließ sie weiterreden.

„Hier war nicht allzu viel los. Horst Rogers und Ron Myers haben je einmal angerufen. Ja, und auch der alte Horsti Sielmann hat sich wieder mal gemeldet. Der Ärmste wähnt sich auf dem Abstellgleis, seit du dich nicht mehr zum Angeln bei ihm gemeldet hast."

Bernd nickte gedankenverloren. Der gute Horsti. Er kannte alle Angelplätze, ob an der Spree, der Havel oder am Wannsee oder irgendeinem anderen Teich. Aber die Wochenenden, an denen Bernd tatsächlich dafür Luft hatte, waren in letzter Zeit immer spärlicher gesät. Er musste sich mal wieder dazu aufraffen und einfach zum Angeln hinauszufahren. Das war er seinem Körper und auch dem alten Horst einfach schuldig.

‚Schon notiert!‘, dachte Bernd und hörte sich an, was Franziska ihm weiter zu berichten hatte.

„Es ist jetzt 16.55 Uhr. Also gleich Betriebsschluss für mich. Ich will noch zu Keysers und ein paar Dinge für den Kühlschrank im Büro einkaufen, auch wenn wir weder kalte Getränke noch Eis in dieser Jahreszeit benötigen, sagte Franziska. „Doch bevor ich mich für heute empfehle, kann dich dir noch Grüße von Rudolf R. Reineke zu bestellen.

RRR, dachte Bernd. Der Direktor der Berliner LKW Versicherung. Was will er?

„Du sollst ihn auf jeden Fall noch heute anrufen, sagte Franziska, als hätte sie Bernds geistige Frage gehört. „Ganz gleich, wie spät es ist. Er sagte, er könne ohnedies kein Auge zu tun.

„Ich auch nicht!", maulte Bernd. Noch heute. Das war ihm gar nicht recht.

Franziska nannte die Privatnummer von RRR. Bernd kritzelte sie auf einen Zettel, dann stellte er den Kassettenrecorder ab, und das Kärtchen mit dem Befehl EINSCHALTEN warf er grimmig und demonstrativ in den Papierkorb.

Ohne den Eifer, mit dem er normalerweise seine Aufgaben anging, grapschte er sich den Telefonhörer. Ein letzter Zug noch von der Roth Händle, dann drückte er sie im Aschenbecher aus. Sobald er die Nummer gewählt hatte, vernahm er das Freizeichen. Wenige Sekunden später hob RRR bereits ab.

„Sagen Sie mal, schlafen Sie auf dem Hörer?", fragte Bernd und unterdrückte ein neuerliches Gähnen.

„Wer spricht?", fragte Reineke nervös.

„Oh - verzeihen Sie: Bernd Schuster."

„Schuster!", klang es erleichtert.

Bernd dachte: Was ein Name oft ausmacht.

„Endlich", sagte RRR. Und das klang vorwurfsvoll.

„Ich war unterwegs. Bin eben erst nach Hause gekommen, Herr Direktor. Tut mir leid, dass ich mich nicht früher melden konnte. Womit kann Ihnen mein Büro für private Ermittlungen dienen?"

„Möchten Sie viel Geld machen, Schuster? Mit einem einzigen Fall?"

„Bitte keine Scherze, Herr Reineke. Nicht mehr um diese Stunde. Wie viel Geld ist für Sie viel Geld?"

„Zehn Prozent von 170.000 D-Mark."

„Wie kommen Sie ausgerechnet auf 170.000?"

„Hören Sie zu, Bernd! Wir beide arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen, und ich habe Sie immer eine schöne Stange Geld verdienen lassen."

„Dafür habe ich aber auch Arbeit geleistet, die Ihre Versicherungsdetektive nicht zu leisten imstande waren."

„Diesmal scheint das wieder mal der Fall zu sein."

„Was ist passiert?"

„LKWs werden überfallen."

„Davon habe ich gelesen", sagte Bernd.

„Bisher hat es drei Überfälle gegeben. Diesmal jedoch sogar entlang der Transit-Strecke auf dem Gebiet der DDR. Die LKWs werden gestoppt, Fahrer und Beifahrer werden ausgeschaltet, die Gangster fahren mit den Lastern weiter, und wenn die Polizei sie dann wiederfindet, ist die Ladung verschwunden. Insgesamt macht der Schaden nun schon eine Höhe von 170 000 Mark aus."

„Um was für Frachtgut handelt es sich hierbei?", wollte Bernd wissen.

„Zwei Ladungen Haushaltsgeräte und einmal Rohstoffe für einen chemischen Betrieb hier in West-Berlin."

„Und es werden immer nur LKWs überfallen, die bei der Berliner LKW Versicherung versichert sind?"

„Bisher ja. Übernehmen Sie den Fall, Bernd? Sie kriegen zehn Prozent Erfolgshonorar. Das heißt, Sie verdienen bei jedem Stück, das Sie wiederbeschaffen."

Bernd dachte nicht lange nach. „Ja, geht in Ordnung, Herr Reineke. Aber ganz ehrlich: Nur, weil Sie es sind. Ich bin dermaßen überarbeitet..."

RRR antwortete schnell: „Dann erwarte ich Sie morgen um neun in meinem Haus."

„Einverstanden", sagte Bernd und legte auf. Und weil er gerade so in Schwung gekommen war, hörte er sich auch gleich an, was auf dem automatischen Anrufbeantworter drauf war.

Er erkannte die krächzende Stimme sofort. Das war Manfred Keller, einer seiner zuverlässigsten V-Leute.

„Tagchen, Schuster!", sagte der Bursche, dessen Informationen hin und wieder Goldwert hatten. Er räusperte sich. Mit einem Anrufbeantworter umzugehen ist nicht jedermanns Sache. Es fehlt der Gesprächspartner.

„Hm. Tja - ich denke, jetzt kann ich einfach drauflosreden, was? Ist schon ein verdammter Dreck, dass Sie nicht persönlich an der Strippe sind, Schuster. Also, ich hätte da wieder mal was Heißes aufgeschnappt. Sie können’s von mir hören. Für ’nen Fünfziger spuck ich's Ihnen, wohin Sie wollen - ja. Wie weiß ich denn nun, ob Sie an der Sache interessiert sind oder nicht? Wenn doch keiner dran ist! Ach was. Ich plappere es mir einfach mal von der Seele. Also fünfzig Eier für eine Information, die für Sie von großer Wichtigkeit ist, Bernd Schuster. Ich schlage vor, Sie laden mich morgen zum Mittagessen ein. Sagen wir ins Fiesta, ist‘n mexikanisches Restaurant beim Nollendorfplatz, kennt man. Ich werde um zwölf da sein. Und Sie sollten mich nicht allzu lange dort im Trockenen hocken lassen, sonst würde man mich aus dem Lokal entfernen, weil ich die Zeche nicht bezahlen kann. Und das würde letzten Endes Ihnen leidtun. Diesmal ist’s nämlich verdammt wichtig für Sie, was ich zu erzählen habe! Hm - hoffentlich klappt das jetzt mit dem Apparat. Sonst ersitze ich mir morgen Schwielen beim Mex."

Außer diesem Anruf war nichts mehr auf dem Band. Während Bernd mit dem Zeigefinger nachdenklich die Kanten des Geräts entlangstrich, überlegte er, was denn so „verdammt wichtig" für ihn war. Er kam nicht dahinter, strengte sich aber auch nicht besonders mit dem Nachdenken an, denn die Müdigkeit kehrte zurück, und diesmal zwang sie ihn in die Knie. Er schloss die Räume sorgfältig ab, fuhr mit dem Fahrstuhl in den 14. Stock und war erstaunt, dass seine Tochter Lucy nicht anwesend war. Dann fiel ihm wieder ein, dass sie ja dieses Wochenende bei seiner Ex zubringen würde, duschte ausgiebig und legte sich bald darauf hin.

Der am Fenster vorbeirauschende Regen schläferte ihn ein.

Als er die Augen wieder aufschlug, schien die Sonne durchs Fenster herein. Franziska steckte ihren Kopf durch die Tür und rief: „Was ist denn hier los, Bernd? Kaum bin ich mal nicht über Nacht bei dir, da liegst du bis zum Mittagessen noch im Bett?"

Bernd schnellte hoch.

„Wie spät ist es, Franzi?"

„Es ist immerhin schon halb neun."

„Gütiger Himmel!", schrie Bernd erschrocken auf. Um neun sollte er bei Reineke sein. Mit Schwung schleuderte er die Decke fort.

Franziska zog sich zurück und bereitete in der Küche inzwischen den Kaffee. Bernd erledigte alles im Laufschritt. Franziska wollte ihn, während er den Kaffee in sich hineinschlürfte, über die Blondine von gestern Abend ausfragen. Sie machte das geschickt und dezent, aber Bernd merkte es trotzdem, und er führte seine Franzi mit seinen Antworten schlau im Kreis, bis sie es aufgab. Dafür und für den Kaffee erhielt sie einen Kuss. Dann war Schuster draußen aus seiner Wohnung. Er hatte nicht einmal Zeit gehabt, Franzis neues Kleid zu bewundern, und sie hatte es sich eigentlich nur für ihn gekauft.

Bernd verspätete sich um ganze fünf Minuten. Das war zu verschmerzen.

RRR residierte im Norden der Stadt. Sein Haus stand inmitten eines großzügig geschnittenen Grundstücks.

Der Versicherungsdirektor empfing Bernd persönlich, andere Besucher wurden zuerst von einem Angestellten aufgehalten. Ein Zeichen dafür, wie gern Schuster in diesem Haus gesehen war. Und ein Zeichen auch dafür, wie dringlich dem Leiter der Berliner LKW-Versicherung die Angelegenheit war.

Rudolf R. Reineke war ein großer, stämmiger Mann, etwa fünfzig Jahre alt und dick. Er machte keinen angenehmen Eindruck. Vielleicht lag das an seinen stechenden Augen. Es war seine Art, sich die Männer auszusuchen, die er mochte, und denen sagte er das auch. Den anderen sagte er, dass sie ihn ankotzten. So war RRR.

Ein schütterer Schnurrbart vegetierte auf seiner Oberlippe dahin. Vom rechten Auge lief eine Narbe bis fast zum Mundwinkel. Die Narbe zog das Augenlid etwas herunter, was dem Mann ein finsteres Aussehen gab. Reineke war noch in den letzten Kriegswochen eingezogen worden, obwohl er eine nie ausgeheilte Sportverletzung am Bein hatte.

Deshalb hielt er stets in der Rechten einen massiven Spazierstock mit dickem Gummipuffer an der Spitze.

„Wie auf Nadeln bin ich gesessen", sagte Reineke einleitend. Er führte Bernd in sein Wohnzimmer, in dem es vor Kostbarkeiten nur so wimmelte. Natürlich warf allein seine Direktorentätigkeit bei der Berliner LKW-Versicherung nicht so viel für RRR ab. Aber wer einmal ziemlich hoch oben ist, der kriegt da und dort einen Aufsichtsratsposten zugeschanzt, es fallen da und dort Anerkennungshonorare ab - und dann kann man sich diesen Luxus eben leisten.

Zwei Cognac-Schwenker waren bereits angerichtet. Der Angestellte vom Empfang zeigte sich ganz kurz an der Tür.

„Wenn Sie irgendeinen Wunsch haben, Herr Reineke ..."

„Nichts. Gar nichts. Gehen Sie, ruhig. Ich brauche Sie nicht."

Die Tür wurde so leise geschlossen, als bestünde sie aus Watte. Bernd setzte sich in einen der bequemen Sessel. Er trank etwas von dem Cognac. Dann bat er RRR, über die Vorfälle zu berichten.

„Alle drei LKWs waren bei uns versichert", wiederholte der Versicherungsmann, während er sein Glas auf dem Tisch hin und her schob. Daneben lag eine Mappe. Vermutlich für Bernd vorbereitet.

„Und für welche Unternehmen waren die LKWs unterwegs?", fragte Bernd.

„Sie fahren alle für dieselbe Spedition."

„Für welche?"

„Für Carsten Fröhlichs Spedition. RRR klopfte auf die Mappe. „Hier drinnen finden Sie die Aufstellungen aller gestohlenen Waren, Schuster. Die Gangster haben, wie schon gesagt, im vergangenen Monat dreimal zugeschlagen. Aber diesmal übertrafen sie alles an Dreistigkeit. Es gab auf der Transitstrecke eine Baustelle, die von den Lastwagen weiträumig über das Gebiet der DDR umfahren werden musste. Dabei gab es einen Toten, der zweite Mann lag ohnmächtig am Straßenrand und wurde dort von der Volkspolizei entdeckt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach einigen Verwicklungen hat man dann die Spedition benachrichtigt.

„Auf dem Gebiet der DDR? Ach, es geht um den Fall, der ja nun wirklich einigen Staub aufgewirbelt hat und sogar diplomatische Verwicklungen hervorrief, weil man den Mann festhalten wollte. Irgendetwas mit Verletzung der öffentlichen Sicherheit! Ein Witz, wenn man bedenkt, dass sein Fahrer erschossen wurde!" Bernd Schuster, aber Reineke hielt sich damit nicht weiter auf.

„Seltsamerweise erwischten die Verbrecher immer die wertvollste LKW-Ladung. Wir sind der Meinung, dass ihnen das irgendjemand steckt, aber wer das ist, das entzieht sich unserer Kenntnis."

Bernd schmunzelte. „Wenn Sie’s wüssten, würden Sie sich nicht an mich wenden, Herr Reineke."

„Das ist richtig. Es muss sich um eine Person handeln, die Einblick in die Frachtbriefe der Firma Fröhlich hat."

„Vielleicht sitzt die Person mitten in der Firma, meinte Bernd. Er hatte den Zeitungsbericht des letzten Überfalls noch gut im Gedächtnis, schließlich war das für die Boulevardpresse ein gefundenes Fressen. Der LKW - mit Fred Stettner und Hans Kersten besetzt - war aus dem Ruhrgebiet kommend nach West-Berlin unterwegs gewesen. Stettner hatte den Helden gespielt und war von den Gangstern kurzerhand erschossen worden. Folglich war ein Fahrerposten bei der Firma Fröhlich nunmehr vakant. Bernd sagte das dem Versicherungsmann, und er fügte hinzu: „Ich werde mich um diesen Fahrerjob bemühen.

„Was versprechen Sie sich davon?", fragte RRR.

„Die Möglichkeit, meinen Finger an den Pulsschlag des Unternehmens legen zu können. Wenn dort etwas nicht richtig tickt, erfahre ich es so am schnellsten. Schließlich kann ich ja wohl schlecht zur Volkspolizei gehen und sie bitten, mir alle Einzelheiten mitzuteilen. Nein, da stecken wir in einer Sackgasse, ich denke mal, nur direkt vor Ort kann ich Erfolg haben." Schuster erhob sich, nahm von Reineke die Mappe entgegen und ließ sich hinausbegleiten, nachdem er dem mit sorgenvoller Miene zurückbleibenden Versicherungsdirektor versprochen hatte, sich gelegentlich wieder zu melden.

Von da an lief die Aktion.

Mit seinem Mercedes kehrte Bernd Schuster zu seinem Büro zurück. Hier, im Allerheiligsten, arbeitete er sorgfältig die Unterlagen durch. Die Überfälle waren detailliert geschildert. Es gab Skizzen, Fotografien von den beiden ersten Tatorten, Fotokopien der Aussagen, die die LKW-Besatzungen gegenüber der Polizei gemacht hatten. Und natürlich waren auch ellenlange Warenaufstellungen vorhanden, damit sich Bernd ein Bild davon machen konnte, was die LKWs geladen hatten. Erstaunlicherweise befand sich sogar ein Bericht der Volkspolizei an die West-Berliner Polizeibehörde darunter, in der es allerdings nur sehr wenige Details gab.

„Da ist wohl diesmal kein Einsatz für mich drin, Bernd", sagte Franziska bedauernd.

„Willst du etwa einen LKW steuern?", fragte Bernd grinsend.

„Warum nicht? In Russland tun das auch Frauen."

„Zum Glück sind wir nicht in Russland."

„Legst du Wert auf ein paar Informationen?"

„Worüber weißt du Bescheid, Franzi?"

„Über die Fröhlichs", sagte Franziska. Sie zupfte an ihrem Kleid herum. Jetzt konnte es Bernd nicht mehr länger übersehen. Er lobte es gründlich genug und meinte, das Kleid allein wäre ein Anlass, sie zum Essen einzuladen, aber leider wäre er bereits mit Manfred Keller verabredet. Dann bat er sie, ihn über die Fröhlichs zu informieren.

Franziska berichtete: „Ich kenne ein Mädchen, das mit Daniela Fröhlich, der Tochter von Carsten Fröhlich, befreundet ist. Carsten Fröhlich soll ein wahrer Despot sein. Und Tobias Fröhlich, sein Sohn, ist ein elender Taugenichts. Mutter gibt es keine mehr. Die hat sich von Carsten vor vielen Jahren schon scheiden lassen. Die einzig Vernünftige in der Familie ist Daniela."

Bernd nickte schmunzelnd.

„An die werde ich mich halten. Vielen Dank für deinen Tipp."

Es ging auf zwölf zu. Manfred Keller war an der Reihe. Bernd griff nach Hut und Mantel den Kopf, legte die Mappe, die er von RRR bekommen hatte, in seine Schreibtischlade und machte sich zum zweiten Mal an diesem Tag auf den Weg.

Eigentlich hätte er die kurze Strecke zum Nollendorfplatz zu Fuß zurücklegen können. Aber einmal pfiff ein eisiger Novemberwind um die Ecken, und Bernd zögerte nicht lange, stieg in seinen Wagen und fuhr los. Glücklicherweise gab es einen Parkplatz, der hinter dem Restaurant lag. Er fuhr an den großen spiegelnden Fenstern vorbei und entdeckte Manfred Keller an einem der Tische. Er nagte unentwegt an der Unterlippe daran. Sein Blick war gehetzt. Er wirkte nervös, schaute sich mehrmals ängstlich um, als trüge er ein Geheimnis mit sich herum, das so gefährlich war wie eine Zeitbombet. Es roch herrlich nach mexikanischen Gewürzen, nach Tequila und Zigarillos. Aus verborgenen Lautsprechern plätscherten mexikanische Weisen. Die Wände waren mit Ponchos und Sombreros und vielerlei anderem Klimbim dekoriert.

Ein Mann im knallroten Kellnerfrack trat in diesem Moment an den Tisch, an dem Manfred Keller saß. Keller hatte bereits das Tischtuch zerknüllt. Vor ihm stand nichts weiter als die Gewürzbox. Er war nicht gut genug gekleidet für dieses Lokal, das wusste er, aber er hatte es noch niemals von innen gesehen, und diesmal war die beste Gelegenheit, das nachzuholen. Wenn Schuster bezahlte, konnte er sich auch das Steigenberger oder ein anderes Hotel mit Luxusrestaurant leisten.

Aus den Augenwinkeln sah Keller den knallroten Frack. Er wollte dem Mann sagen, dass er jemand erwarte und deshalb noch nichts bestellen wollte.

„Später!, stieß Keller nervös hervor. Und plötzlich stockte ihm der Atem. Er kannte das Gesicht, das ihn feindselig anstarrte. Das war kein Kellner dieses Lokals. Der Mann hatte sich bloß irgendwo die Jacke „geliehen. Ein weißes Serviertuch lag über dem rechten Arm des Mannes. Darunter ragte der klobige Aufsatz eines Schalldämpfers heraus. Keller hatte längst begriffen.

„Oh mein Gott!", stöhnte er verstört.

Ein seltsames Geräusch, wie ein trockener Husten. Schon am Nachbartisch war dieses Geräusch kaum mehr zu hören, und wenn, dann verwechselte man es da gewiss mit dem Entkorken einer Weinflasche.

Keller zuckte entsetzt zusammen. Dann saß er still und regte sich nicht mehr. Der Kellner wandte sich ohne Eile um. Sein eiskalter Blick streifte durch das Lokal. Dann ging er in Richtung Küche davon.

Bernd Schuster orientierte sich nach dem Eintreten kurz, entdeckte Keller und den Kellner und ging auf die beiden zu. Sieben Tische befanden sich noch zwischen Bernd Schuster und Keller. Eben wandte sich der Kellner um und ging in Richtung Küche. Keller war plötzlich nicht mehr unruhig. Er saß da und schien ein ernstes Problem zu wälzen. Er war ein kleines, schmuddeliges Männchen. Und an diesem Tag trug er seinen besten Anzug. Bernd kannte ihn schon eine Ewigkeit. Er war vor Jahren im Verlauf eines Falles auf ihn gestoßen. Damals war Keller im Kreise der Verdächtigen gewesen, und die Polizei wollte ihn gern zum Sündenbock stempeln. Bernd hatte ihn mit vollem Einsatz aus der Klemme herausgehauen. Und das noch dazu ohne einen Pfennig zu verlangen. Das rührte den Burschen so sehr, dass er Bernd fortan mit heißen Informationen belieferte, die er an Spieltischen, schmuddeligen Bars oder in irgendwelchen Hinterhöfen aufschnappte. Keller war überall zu Hause. Klar, dass solche Leute ein gutes Ohr für wichtige Informationen kriegen.

Nun stand Bernd Schuster vor Keller. Aber Manfred würdigte ihn keines Blickes.

„Du kriegst die Tür nicht auf, grinste Bernd. „Erst bestellt er mich hierher, und dann will er mich nicht kennen ...

Auf einmal überlief ihn ein Schauder und hinterließ eine Gänsehaut. Bernd holte tief Luft. Er schaute Keller in die Augen. Sie waren gebrochen. Und nun sah er auch das Loch in der Brust. Schusters Kopfhaut zog sich schmerzhaft zusammen. Keller war vor seinen Augen ermordet worden. Und zwar von diesem Kellner.

Bernd wirbelte herum. Wo war der Kerl? Neben der Küche gab es einen Gang zu den Waschräumen. Diesen Weg musste der Mörder eingeschlagen haben. Bernd Schuster startete. Er eilte zwischen den Tischen hindurch. Als er den Anfang des Ganges erreichte, sah er einen roten Zipfel verschwinden. Er stürmte weiter. Da kam von links, aus den Damentoiletten, eine junge Straßenwalze. Sie schob sich mitten in den Gang. Bernd prallte gegen sie. Sie flog gegen die Toilettentür, stieß einen krächzenden Schrei aus und japste nach Luft.

„’tschuldigung!", keuchte Bernd und wollte weiterrennen. Da begann die Fette mit ihren schwammigen Fäusten nach seinem Gesicht zu dreschen. Er hatte Glück, dass sie ihn zweimal verfehlte. Beim dritten Mal traf sie sein Kinn. Da wurde er böse. Er gab ihr einen Schubs. Nun war sie wieder in der Toilette, der Weg war frei.

Mit schnell hämmerndem Herzen erreichte Bernd die Tür, durch die der falsche Kellner entkommen war. Mit einem Sprung war er draußen. Hier lag der Garten, in dem die Gäste im Sommer saßen.

Keine Spur mehr von dem Mörder. Bernd eilte mit langen Sätzen über den geharkten Kies. Tische und Stühle waren beiseite geräumt. Atemlos erreichte er eine hohe Hecke, die den Restaurantgarten begrenzte. Mit einem federnden Satz warf er sich in das blattlose Gezweig. Etwas schrammte über sein Gesicht. Das brannte wie Feuer. Dann war er durch.

Eine schmale Straße lag vor ihm. Leer, wenn man von den geparkten Autos absah. Bernd schickte dem Mörder einen wüsten Fluch nach. Dann kehrte er ins Restaurant zurück. Auf dem Weg dorthin versuchte er sich das Gesicht des Mörders ins Gedächtnis zu rufen.

Plötzlich schlug in seinem Inneren ein Misston an. Es war ihm, als müsse er dieses Gesicht kennen. Der Mann war ihm irgendwie bekannt - gleichzeitig aber war er ihm auch fremd.

Grübelnd öffnete Bernd die Hintertür. Da kam die Fette erneut. In ihrem Schlepptau hing der unglückliche Geschäftsführer, der Ärger aller Art gern vermieden hätte.

„Da!", schnaufte die Dicke. Sie stank nach Schweiß, nach hindustanischem Parfüm und nach billiger Seife. Ihre aufgerissenen Augen stachen wie Dolche. Ihr gewaltiger Busen quoll vor Erregung aus dem mit ganz und gar unpassend zierlichen Spitzen besetzten Dekolleté.

„Da ist der Mann!"

Der Geschäftsführer trat hinter der Fetten hervor. Seine schwarzen Brauen standen verlegen schräg.

„Was haben Sie angestellt, mein Herr?"

„Ja, was denn?", fragte Bernd ärgerlich.

„Sie haben diese Dame in die Toilette gestoßen."

„Gehört sie denn da nicht hin?", erwiderte Schuster wenig galant.

„Sie!", kreischte die Dicke und schwang wütend die Fäuste. Schuster bat den Geschäftsführer zur Seite, denn er wollte mit ihm unter vier Augen sprechen.

„Schicken Sie die Frau aus dem Lokal", empfahl Bernd dem Mann mit dem sichelartigen Schnauzbart.

„Ich muss Sie bitten, sich bei der Dame zu entschuldigen."

„Für solche Spielchen ist jetzt keine Zeit, Mann. In Ihrem Lokal wurde jemand ermordet!"

Der Geschäftsführer kniff misstrauisch und unmutig die Augen zusammen. „Ich mag keine makabren Scherze, Señor."

Bernd reichte ihm seine Karte, um die Unterhaltung in eine seriöse Richtung zu lenken. Er erklärte: „Ich war hinter dem Mörder her. Diese Frau hat sich mir in den Weg gestellt. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte ich den Mörder vielleicht noch gekriegt. Also: Schicken Sie sie nach Hause! Sie haben jetzt genug Sorgen am Hals, Meister."

„Was gibt es da so lange zu tuscheln?", schrie die Dicke von hinten.

„Tun Sie uns den Gefallen und scheren Sie sich zum Teufel!", sagte Bernd unfreundlich. Das war sonst nicht seine Art. Aber manche Menschen brauchen eine solche kalte Dusche, um zur Vernunft zu kommen.

Die Aufgeblasene erstickte daran beinahe. „Sie! gurgelte sie wieder. „Was ist das für ein Ton?! Muss ich mir das gefallen lassen? In Ihrem Lokal? Wo ich jeden Mittag ...

„Tut mir leid, Señora. Aber ich habe jetzt wirklich keine Zeit für Sie", stöhnte der Geschäftsführer. Er schaute Bernd mit zusammengezogenen Brauen an.

„Dieses Lokal sieht mich nie mehr wieder!", schrie die Dicke.

„Es wird deshalb nicht zu Grunde gehen", sagte Bernd. Das gab ihr den Rest. So schnell es ihre hundertzwanzig Kilo Lebendgewicht zuließen, fuhr sie herum und stürmte davon.

„Wo ist der Tote?", fragte der Geschäftsführer gepresst.

„Kommen Sie! Ich zeige ihn Ihnen."

Sie begaben sich zu Keller. „Ein Glück, dass er nicht vom Stuhl gefallen ist, sagte der Mexikaner. „So könnte man denken, er lebt noch.

„Rufen Sie die Polizei an!", riet ihm Bernd Schuster.

Ganz durcheinander war der Kleine. Bernd hatte Mitleid mit ihm. Der Geschäftsführer, dessen Name Rodriguez lautete, schaute nach den Gästen, die gleich nebenan dinierten. Es wäre ihm wohl am liebsten gewesen, wenn er den Toten per Knopfdruck zum Verschwinden bringen hätte können. Aber so einfach ist das mit Toten nun mal nicht.

„Ja, sagte Rodriguez schließlich mit bröckeliger Stimme. „Natürlich, Herr Schuster. Ich werde die Polizei anrufen. Verzweifelt fuhr er sich durchs Haar. „In meinem Lokal! Madre de dios! Das hat es in den fünfzehn Jahren, die ich hier beschäftigt bin, noch nicht gegeben! Ein Toter in meinem Lokal!" Kopfschüttelnd ging er.

Bernd durchstöberte inzwischen die Taschen des Toten. Würde es nun ewig ein Rätsel bleiben, was Keller ihm hatte mitteilen wollen? Nichts von Bedeutung fiel Schuster in die Hände. Eines dieser unbedeutenden Dinge war ein Zettel, auf den jemand, der Gicht in den Fingern zu haben schien, hingeschmiert hatte: Frühlings Gästepension Nr. 17.

In diesem Augenblick fiel der Tote vom Stuhl. Erst schrie nur eine Frau entsetzt auf. Dann eine zweite. Dann ein Mann. Und schließlich war die Panik nicht mehr aufzuhalten.

––––––––

3

Winfried Schack war so etwas wie eine Institution. Sein Alter war kaum zu erraten. Er konnte dreißig Jahre alt sein oder auch fünfundvierzig. Er war ein Fettkloß mit dem grünlich weißen Gesicht eines Grottenolms. Seine Augen, halb hinter den Lidern versteckt, waren schwarz und hart wie Ebenholzknöpfe. An Stelle des Haares schien sein Schädel mit einem Stück Teppich bezogen. Er hatte einen schwarzen Tatarenschnurrbart, dessen Enden herunterhingen wie Rattenschwänze.

Er hatte gelernt, sein Geld da zu verdienen, wo es auf der Straße lag. Das war in den heruntergekommenen Vierteln Berlins, zumeist in Mauernähe, gewesen. Zuerst hatte er als Ein-Mann-Unternehmen gearbeitet. Dann hatte er sich Handlanger zugelegt. Und heute war er soweit, dass er nicht mal mehr einen Revolver zu tragen brauchte, wenn er keine Lust dazu hatte. Heute war er ein Mann, zu dem die Ganoven, die es noch nicht geschafft hatten oder die es niemals schaffen würden, wie zu einem Heiligen aufschauten.

Er machte Geschäfte mit allen Größen dieser Stadt. Schwarze Geschäfte, das verstand sich von selbst. Die neue Masche, an der Winfried Schack gerade mithäkelte, hieß LKW-Raub. Die Sache ließ sich gut an. Natürlich konnte man sie nicht bis in alle Ewigkeit forthäkeln, denn die Bullen waren schließlich nicht ausnahmslos Holzköpfe, aber zwei, dreimal konnte dieselbe Tour gewiss noch geritten werden. Blöd nur, dass das letzte Ding ausgerechnet in der DDR abgezogen wurde. Schack tobte stundenlang, als er davon erfuhr und sich ausrechnete, was das für einen Wirbel verursachen würde. Da war die teure Ladung des LKWs nur ein schwacher Trost.

Schack saß an seinem Schreibtisch und führte wichtige Gespräche mit unwichtigen Leuten am Telefon, als jemand an die Tür seines Büros klopfte.

„Herein!, plärrte er ziemlich unfein. Seine Füße lagen auf dem Tisch. Über die blankgeputzten Schuhspitzen visierte er die Tür an, die sich jetzt öffnete. Zwei normale Gesichter flankierten ein bleiches. Als Schack das leichenblasse Gesicht sah, nahm er die Füße vom Tisch und knurrte in die Membrane: „Also, ich muss jetzt Schluss machen, Freundchen. Ruf mich morgen wieder an! Vielleicht hast du für dein Problem inzwischen eine eigene Lösung gefunden. Wenn nicht, kann ich dir ja ein bisschen Feuer unter dem Arsch machen. Er knallte den Hörer in die Gabel und starrte den Eintretenden entgegen.

„Was bringt ihr mir da?", fragte er die beiden großen Kerle, die den mittelgroßen Mann begleiteten. Der Bursche hatte seine Wäsche bereits durchgeschwitzt. Als nächstes würde er sich in die Hosen pinkeln, so sah er aus.

„Sie wollten doch Dieter ‚Diddy‘ Fleck sprechen, Boss", antwortete einer der beiden. Winfried Schack nickte grimmig. Seine Augen wurden ganz schmal. Er erhob sich und kam um den Schreibtisch herum. Flecks Nerven vibrierten zum Zerreißen. Kein Wunder. Er hatte etwas geklaut, was Schack gehört hatte. Und sie hatten ihn dabei erwischt. Deshalb hatte ihn Schack sehen wollen. Die Konfrontation war nicht so sehr peinlich wie gefährlich. Wer Schack beklaute, konnte damit rechnen, dass ihm die Pfoten abgehackt wurden. Oder gleich die Rübe, das lag bei Schack. War er bei guter Laune, konnte die Sache mit einem scharfen Verweis und mit einem blauen Auge abgehen. Im anderen Fall ging’s über die Spree.

„Stehlen tut der Knabe!", zischte Schack feindselig. Er hatte heute einen seiner bösesten Tage. Pech für Fleck, konnte man da nur sagen.

„Boss!, stöhnte Fleck und leckte sich einen Schweißtropfen von der Oberlippe. Seine Zunge schnellte dabei heraus wie die eines Leguans, der sich eine Fliege sichert. „Boss - ich war in finanziellen Schwierigkeiten!

„In finanziellen Schwierigkeiten?, fragte Schack anscheinend teilnahmsvoll. „Wie denn dieses? Du kannst doch nicht behaupten, ich zahle so schlecht, dass einer meiner Leute in finanzielle Schwulitäten gerät, wenn er halbwegs vernünftig lebt.

„Nein, Boss. Die Bezahlung ist schon okay ..."

„Glücksspiel?, fragte Schack scharf. „Rauschgift? Was hat dich in die Enge getrieben?

„Keins von beiden, Boss!", beeilte sich Diddy.

„Junge, jetzt lüg mich nicht auch noch an!"

„Es ist meine Frau - meine Frau kostet mich so viel Geld, Boss!"

„Wirf sie raus! Sie taugt nichts."

„Ich meine - die Krankheit meiner Frau, Boss."

„Was fehlt ihr?"

„Krebs, sagte Fleck und senkte traurig den Blick. „Die Ärzte haben sie monatelang gequält. Jetzt versuchen sie es mit Kobaltbestrahlungen, aber das kostet alles verflucht viel Geld. Ich war so verzweifelt. Ich hänge an ihr. Ich möchte sie nicht verlieren, verstehen Sie? Sie ist mein Leben, mein alles. Als der Arzt sagte, ich müsse fünftausend Mark auf den Tisch blättern, wenn ich möchte, dass er sie weiterbehandelt, da - da - ich muss den Verstand verloren haben, aber in diesem Moment sah ich nur einen einzigen Ausweg ...

„Und das war der, mich zu bestehlen", sagte Winfried Schack ärgerlich.

„Ich hab’s für meine Frau getan!"

„Verdammt noch mal, mir ist egal, für wen du das getan hast!, brüllte Schack Fleck ins bleiche Gesicht. „Für mich zählt lediglich der Umstand, dass du es getan hast!

„Ich werde den Betrag in Raten zurückzahlen, Boss!"

„Du hättest zu mir kommen müssen, Fleck. Bin ich denn ein Unmensch, oder was bin ich? Ich hätte dir das Geld gegeben, wenn du mich darum gebeten hättest. Mich zu bestehlen, das ist keine Lösung. Wenn dieses Beispiel Schule macht, muss ich nächstens in meinem Safe schlafen! Ich muss meinen Männern vertrauen können, Diddy. Dir kann ich nicht mehr vertrauen."

Fleck erschrak. „Boss, geben Sie mir noch eine Chance! Er wimmerte und rang die Hände. „Ich schwöre Ihnen bei allem, was mir heilig ist, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird!

Winfried Schack kehrte hinter seinen Schreibtisch zurück. Für ihn war der Fall erledigt. Er stach mit dem Zeigefinger in Flecks Richtung.

„Ihr beide verpasst ihm draußen eine tüchtige Abreibung! Und zu Fleck gewandt, sagte Schack: „Und von dir kriege ich innerhalb von vierundzwanzig Stunden mein Geld zurück. Sonst erlebst du die fünfundzwanzigste Stunde nicht mehr!

Fleck klappte beinahe zusammen. „Mein Gott, Boss, ich habe das Geld nicht mehr! Wie soll ich es in so kurzer Zeit wiederbeschaffen?"

„Ist mir egal. Es ist mein Geld. Ich will es wiederhaben."

„Das geht nicht!"

„Dann krepierst du eben noch vor deiner krebskranken Frau!, schrie Winfried Schack, dass ihm die Adern am Hals weit heraustraten. Und im gleichen Atemzug brüllte er seine beiden Leibwächter an: „Na los! Worauf wartet ihr denn noch? Schafft den Kerl endlich fort! Ich will ihn nicht mehr sehen!

Da wuchtete sich Dieter Fleck vorwärts.

„Du Schwein!, schrie er in seiner grenzenlosen Verzweiflung. „Du elendes, hartherziges Schwein!

Er war unbewaffnet, dafür hatten die Leibwächter gesorgt, ehe sie ihn hier hereingebracht hatten. Doch nun bewaffnete sich Fleck mit dem schlanken metallenen Brieföffner, der auf Schacks Schreibtisch lag. Blitzend sauste die Klinge hoch. Die beiden Leibwächter standen wie gelähmt da. So etwas hatte es noch nie gegeben. Fleck stach sofort zu. Winfried Schack brachte seine Massen mit einem entsetzten Satz in Sicherheit. Er schnaufte erschrocken. So nahe war seit Jahren keiner mehr an ihn herangekommen, der ihm nach dem Leben trachtete. Der Brieföffner sauste herab und verfehlte Schack um Haaresbreite. Mit einem tackenden Geräusch fuhr die Spitze in den Tisch. Jetzt erst reagierten die beiden. Sie flogen auf Fleck zu, packten ihn, rissen ihn derb zurück, quetschten ihn zwischen sich ein und ließen ihn nicht mehr los.

„Lasst mich!, brüllte Dieter Fleck wie von Sinnen. „Lasst mich los! Er wand sich zwischen den beiden Männern, die ihn umklammerten, als wäre ihr eigenes Leben bedroht.

„Ich bringe das Schwein um! Lasst mich los! Ich will die Sau killen!"

Schack stampfte um den Schreibtisch herum, in dessen Platte immer noch der Brieföffner einen Zentimeter tief steckte. Aschfahl war nun auch sein Gesicht. Er ballte die Hände und schlug auf Fleck ein. Als er sich abreagiert hatte, krümmte sich Dieter Fleck in schweren Leibkrämpfen und spie ihm auf den Teppich.

„Wer ist hier die Sau?, fragte Schack grinsend. Er war schon wieder eiskalt. „Derjenige, der sich nicht bestehlen lässt, oder derjenige, der dem anderen auf den Teppich kotzt!

Die Leibwächter standen stumm neben Diddy und erwarteten neue Anweisungen.

„Wir machen eine kleine Spazierfahrt mit ihm", entschied Winfried Schack frostig. In seinen schwarzen Augen schimmerte Flecks Todesurteil. Noch niemand hatte Winfried Schack ungestraft nach dem Leben trachten dürfen. Sogar Bullen, die das getan hatten, standen heute in irgendeinem Betonpfeiler herum.

––––––––

4

„Raus!", sagte Schack zu seinen Männern, als sie ihr Ziel erreicht hatten. Die Leibwächter stiegen aus. Noch immer wussten sie nicht, was der Boss vorhatte. Aber es war ganz gewiss eine Teufelei. Das erkannten sie am zufriedenen Grinsen Schacks.

Auch Fleck kletterte aus dem Landrover. Er war erstaunt, wie gut das ging. Nur die Angst machte ihm noch schwer zu schaffen. Die Schmerzen waren einigermaßen zu ertragen. Er atmete unregelmäßig und blinzelte gegen die kalte Novembersonne. Der Boden, auf dem er stand, war hart und steinig. Davon, dass es gestern geregnet hatte, war heute nichts mehr zu sehen.

„Sicher fragst du dich jetzt, was ich mit dir vorhabe", sagte Schack halblaut.

Fleck schob trotzig das Kinn vor. Es war lächerlich. Gegen Schack und die beiden Kerle hatte er nichts zu bestellen. Trotzdem hatte er es satt, vor Schack zu kriechen.

„Ich werde dich jetzt fesseln lassen. Dann hänge ich dich an den Landrover und drehe hier eine Runde mit dir", sagte Schack gelassen.

Eine froststarre Hand legte sich um Flecks Herz. Schack wollte ihn zu Tode schleifen.

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