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Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019
Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019
Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019
eBook1.597 Seiten21 Stunden

Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019

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Über dieses E-Book

Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019

Dieses Buch enthält folgende Western:

Glenn Stirling: Haftbefehl für Jimmy Copper

John F. Beck: Chubascos blutige Fährte

Pete Hackett: Gewehre für Lone Wolf

Pete Hackett: Das Spiel ist aus, Sheriff

Pete Hackett: Der Tod ritt mit

Pete Hackett: Panhandle Smith

Pete Hackett: Pakt mit der Hölle

Pete Hackett: Keine Chance für Cliff Randall

Pete Hackett: Wölfe kennen keine Gnade

Pete Hackett: Am Coldwater Creek lauert der Tod

Pete Hackett: Geh zur Hölle, John von Pete Hackett

Pete Hackett: Wie ein Rudel Bluthunde von Pete Hackett

Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner

Major John Lockwoods Hass auf den Chricahua-Häuptling Chubasco kennt keine Grenzen. Denn er und seine Krieger haben Major Lockwoods Tochter bei einem Überfall getötet. Für Lockwood gibt es jetzt nur noch eines: er muss und wird den Tod seiner Tochter rächen. Mit der C-Schwadron verfolgt er Chubascos Krieger bis nach Mexiko hinein. Lieutenant Joe Harricks, der Verlobte von Buster Tom Coppers Tochter Rosalie, ist ebenfalls bei dieser Strafexpedition dabei. Aber schon bald überkommen ihn große Zweifel. Denn der Major geht buchstäblich über Leichen, um Chubasco zu stellen. Die Soldaten der C-Schwadron geraten mit jeder weiteren Stunde in immer größere Gefahr. Kann Lieutenant Harricks das Verhängnis verhindern?

Cover: FIRUZ ASKIN
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum21. Juli 2019
ISBN9783745209570
Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Super Western Sammelband 1002 - 13 harte Wildwestromane Juli 2019 - Alfred Bekker

    Super Western Sammelband 1002 – 13 harte Wildwestromane Juli 2019

    Dieses Buch enthält folgende Western:

    Glenn Stirling: Haftbefehl für Jimmy Copper

    John F. Beck: Chubascos blutige Fährte

    Pete Hackett:  Gewehre für Lone Wolf

    Pete Hackett:  Das Spiel ist aus, Sheriff

    Pete Hackett:  Der Tod ritt mit

    Pete Hackett:  Panhandle Smith

    Pete Hackett:  Pakt mit der Hölle

    Pete Hackett:  Keine Chance für Cliff Randall

    Pete Hackett:  Wölfe kennen keine Gnade

    Pete Hackett: Am Coldwater Creek lauert der Tod

    Pete Hackett: Geh zur Hölle, John von Pete Hackett

    Pete Hackett: Wie ein Rudel Bluthunde von Pete Hackett

    Alfred Bekker: Das Gesetz des Don Turner

    MAJOR JOHN LOCKWOODS Hass auf den Chricahua-Häuptling Chubasco kennt keine Grenzen. Denn er und seine Krieger haben Major Lockwoods Tochter bei einem Überfall getötet. Für Lockwood gibt es jetzt nur noch eines: er muss und wird den Tod seiner Tochter rächen. Mit der C-Schwadron verfolgt er Chubascos Krieger bis nach Mexiko hinein. Lieutenant Joe Harricks, der Verlobte von Buster Tom Coppers Tochter Rosalie, ist ebenfalls bei dieser Strafexpedition dabei. Aber schon bald überkommen ihn große Zweifel. Denn der Major geht buchstäblich über Leichen, um Chubasco zu stellen. Die Soldaten der C-Schwadron geraten mit jeder weiteren Stunde in immer größere Gefahr. Kann Lieutenant Harricks das Verhängnis verhindern?

    Cover: Hugo Kastner

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Haftbefehl für Jimmy Copper

    Ein Western von GLENN STIRLING

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author/ Titelbild: Klaus Dill, 2017

    Redaktion & Korrektorat: Alfred Wallon

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Jimmy Copper war schon immer ein heißblütiger Bursche, der keinem Streit und keiner Schlägerei aus dem Weg ging. Aber diesmal steckt Jimmy in großen Schwierigkeiten. Er soll einen Mann hinterrücks erstochen haben. Bei dem Toten hat man Jimmys Messer gefunden, und deshalb bleibt US Marshal Cliff Copper nichts anderes übrig, als seinen Bruder zu verhaften und einzusperren. Jimmy gerät in Panik, überrumpelt Cliff und flieht. Der niedergeschlagene Cliff setzt sich wenig später auf die Fährte des geflohenen Jimmy. Denn die Last der Beweise für Jimmys Schuld ist erdrückend. Ein Mörder muss seinen Prozess und seine Strafe bekommen – selbst wenn es der eigene Bruder ist ...

    Die Dämmerung war schon über Tucson hereingebrochen. Der Himmel leuchtete so rot, als stünde er in Flammen. Unten auf der Erde ragten die Silhouetten der Häuser und jene der Saguarokakteen düster in den Dunst des Abends hinein. Aufgeregt rief die helle Glocke der Missionskirche die Mexikaner zum Gebet.

    US-Marshal Cliff Copper genoss nach der Tageshitze die hereinbrechende Kühle vor dem Haus. Er lehnte an der Adobewand und rauchte. Neben ihm stand der Vormann seines Vaters, der lederhäutige Matt Jackson, der an seiner Pfeife kaute.

    „Wie lange habt ihr zu tun?", fragte Cliff.

    Jackson antwortete, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen: „Guggenheimer wollte morgen früh mit den beiden Wagen fertig sein. Weißt du, Cliff, die beiden Fahrten nach Kalifornien haben unsere Chuckwagons ganz schön geschafft."

    „Jimmy ist bei Madson im Saloon, wie?", erkundigte sich Cliff und blickte die abendlich-friedliche Straße entlang zum anderen Stadtende, wo vor Joel Madsons Saloon drei Pferde angeleint standen.

    „Ich war vorhin auch da, erwiderte Matt Jackson, „einer aus Morrisons Mannschaft ist dort, ein anständiger Kerl, den wir öfters auf der Weide treffen. Jimmy pokert mit ihm und einem Burschen aus Camp Lowell.

    „Morrison ist auch da, wisst ihr das?"

    „Weiß ich, sagte Matt Jackson und spie den Pfeifensud aus, der ihm in den Mund geraten war. „Sitzt bei Rip im Hotel und feilscht mit Julie um zwei Ochsen, die Julie zum Schlachten kaufen will.

    „Es sind auch drei von seinen wandelnden Kanonen hier, malmte Cliff. „Drei neue Gesichter, und der Teufel weiß, wo er die aufgegabelt hat.

    Matt Jackson wandte sich Cliff zu, betrachtete den großen blonden Ranchersohn, den er schon als kleinen Jungen gekannt hatte. „Aber Cliff, das sind ja neue Töne! Machst du dir schon Sorgen, wenn Morrison mit seinen Coltschwingern in deiner Stadt auftaucht?"

    „Sorgen? Vielleicht. Jedes Mal, wenn er hier gewesen ist. gab es Stunk. Er ist geschickt, dieser Hundesohn. Er ist selbst nie an etwas beteiligt. Aber seine drei Kanonensöhne kriechen schon seit dem Nachmittag überall herum. Jetzt sind sie übrigens in Julies Speisehaus."

    „Morrison bäckt winzig kleine Brote, seit wir ihm bei seinen letzten Versuchen, uns auf die Zehen zu treten, ein paar schöne Zähne gezogen haben, sagte Matt Jackson grinsend. „Ich glaube nicht, dass er etwas anfängt. Seit sie O’Brien als Ranchboss haben, kommen wir mit der Wagenrad-Ranch ganz gut zurecht. O'Brien macht keine krummen Sachen mit, und Morrison sieht sich vor.

    „Er sieht sich vor, das stimmt, aber deshalb hat er nicht aufgesteckt. Er will die RRR noch immer haben, da beißt die Maus keinen Faden ab."

    „Da verbrennt er sich die Pfoten, sage ich dir, Cliff. Matt klopfte seine Pfeife aus und brummte: „Ich pilgere jetzt mal zu Guggenheimer. Seine Jungs sollen auch neue Fässer an die Wagen hängen. Das ist mir gerade eingefallen. Also dann, Cliff!

    Er nickte dem Marshal zu und stapfte davon, auf eine eigenartige Weise, dass Cliff ihn allein durch diesen Gang unter Tausenden von Männern herausgefunden hätte.

    Cliff musste an Rip denken, der immer gesagt hatte, dass man drohendes Unheil spüre, wenn man erst lange genug Marshal gewesen sei. Cliff spürte Unheil. Er nannte das insgeheim eine dumme Einbildung, aber das Gefühl, dass sich etwas zusammenbraute, ließ nicht nach.

    Er dachte an Jimmy. Sein jüngerer Bruder war ein Hitzkopf, der zu gerne eine wilde Sache anfing. Ich werde mal nach ihm sehen, sagte er sich und ging, die Daumen in seinen Waffengurt gehakt, die abendliche Straße entlang. Jetzt hatte sich das Rot des Himmels in tiefes Violett verwandelt, und im Osten stand ein einziger heller Stern.

    Vor den Mexikanerhäusern hockten ganze Familien und genossen die Kühle. Auch der neue Wells Fargo-Agent Shaddle saß auf einem Rohrstuhl mit Frau und beiden Kindern vor der Tür. Cliff grüßte hinüber, und sie erwiderten den Gruß sehr höflich. Überhaupt spürte Cliff, dass in dieser Stadt die Sympathie für ihn deutlich genug war, um sie nicht nur als eine Einbildung zu empfinden. Auch Rip O’Hagan war hier früher und auch jetzt gut gelitten gewesen.

    Cliff kam zum Store und Saloon von Joel Madson, Er hörte laute Stimmen, dann das Lachen einer Frau, und gleichzeitig schnaubte eines der drei angebundenen Pferde. Eines gehörte dem Marketender aus Camp Lowell. die beiden anderen trugen mexikanische Brandzeichen.

    Als Cliff über die Schwingtürenflügel blickte, sah er im Saloon seinen Bruder Jimmy mit dem Marketender aus Camp Lowell und dem Wagenrad Ranch-Cowboy Lesley Wood am Pokertisch sitzen. Rechts davon aßen an einem zweiten Tisch zwei hagere Mexikaner Chilli, Bohnen und Kochfleisch. Hinter dem Tresen spülte eine junge Mexikanerin Gläser, und Joel Madson, griesgrämig und verkniffen, äugte zum Pokertisch hinüber.

    Cliff beobachtete die drei Spieler. Sein Bruder, dessen Blondhaar zerzaust und struppig wirkte, hatte einen roten Kopf, wirkte verschwitzt, als hätte er schwer geschuftet und redete dabei laut und aufgeregt. Cliff kannte Jimmy gut genug, dass er wusste, was mit Jimmy los war. Jimmy hatte reichlich getrunken, etwas zuviel, wie es Cliff schien.

    Der Marketender war ein knochiger, langer Mann mit weißen Schläfen. Cliff kannte Dean Hope schon lange und wusste auch, dass Dean in den nächsten Tagen von Camp Lowell weggehen wollte, um irgendwo im Osten eine Armeekantine zu übernehmen.

    Lesley Wood, der Cowboy, war in Jimmys Alter, also etwa einundzwanzig, hatte feuerrotes Haar, ein Gesicht voller Sommersprossen und eine Nase, die keck nach oben gebogen war. Auch er machte den Eindruck, als habe er einige Gläser über den Durst getrunken. Jimmy und er debattierten gerade.

    „Und ich sage, dass dieser Bulle noch nicht die Hörner wert ist, die er hat!", brüllte Jimmy, als befände er sich unter Schwerhörigen.

    „Es ist der beste Bulle, den du in Arizona findest, wetten?, schrie Lesley Wood zurück. „Du platzt nur vor Neid, weil ihr auf der Circle C lauter Krücken von Bullen habt, wie? He, Dean, ist der Sonora nun ein guter Bulle oder nicht?, wandte er sich an den Marketender.

    Dean Hope grinste spöttisch. Cliff wusste, dass der Mann mindestens das Dreifache an Alkohol von dem vertrug, was Jimmy konsumieren konnte. So machte Dean als einziger am Tisch eine brauchbare Figur. „Was geht mich dein Bulle an, Les? Ich befasse mich nicht mit Vieh. Wir wollten pokern. Habt ihr das schon vergessen? Ich gewinne nämlich. Also spielen wir nun weiter oder..."

    „Und ich wiederhole: Der Bulle ist nicht mal die Patrone wert, mit der ihr ihn eines Tages erschießt!", schrie Jimmy, völlig unbeeindruckt von Deans Aufforderung, weiterzupokern.

    Lesley sprang daraufhin fast vom Stuhl. Er beugte sich weit vor und schrie aus nächster Nähe Jimmy ins Gesicht: „Selbst sein Schwanz ist wertvoller als bei euch der beste Bulle! Nur sein Schwanz, du verdammter Viehdieb!"

    „Ich würde ihn anspucken, wenn du ihn mir schenken solltest, diese Missgeburt! Mit so was verdirbt man sich die ganze Herde. Aber davon kannst du nichts verstehen, du großmäuliger Mäusebändiger!"

    Lesley zuckte unter dieser Anschuldigung geradezu zusammen. Er sank auf seinen Stuhl zurück, schnappte nach Luft und brüllte dann, dass die Gläser in Madsons langem Thekenregal klirrten: „Den Mäusebändiger nimmst du zurück!"

    „Einen Dreck!"

    „Viehdieb!"

    „Mäusebändiger!"

    „Verflucht, Jimmy, ich schlage dir jetzt die restlichen Zähne aus!"

    „Fang an, ich warte! Aber weine nicht, mein Kleiner, wenn du nachher nicht mehr laufen kannst!"

    „Schluss jetzt!, donnerte Madson von der Theke her. „Benehmt euch nicht wie Idioten!

    Da trat Cliff ein. Der einzige, der nicht auf ihn aufmerksam wurde, war Jimmy. Wütend packte er Lesley am Halstuch, riss ihn über den Tisch auf sich zu und wollte gerade zuschlagen, da war Cliff zur Stelle und schrie ihn an: „Loslassen!"

    Jimmy ließ nicht los. Er sah nur zu Cliff hin. „Aha, der Marshal! Zufällig mein Bruder. Aber jetzt willst du dir wohl dein Geld verdienen, was? Der Herr ist zu fein, um die Dreckarbeit zu machen wie ich. Spielt den Lord und trägt ein Stück gestanztes Blech spazieren."

    „Halt dein großes Maul und lass Les los!", knurrte Cliff.

    Jimmy kannte seinen großen Bruder, und wäre er nüchtern gewesen, hätte der Ton in Cliffs Stimme genügt, das zu tun, was Cliff sagte. Cliff war nie so hitzig gewesen wie er, aber wenn er hart wurde, dann konnte er ein viel gefährlicherer Gegner sein, als Jimmy das je gewesen war.

    Doch Jimmy sah das alles im Rausch ganz anders. Ihn warnte kein Instinkt. Und so brüllte er mit überschnappender Stimme: „Dieser Mistkerl hat gesagt, dass diese Missgeburt, die er einen Bullen nennt, der beste ..."

    Cliff schlug zu, kurz, trocken und zielsicher. Jimmys Arm wirbelte zur, Seite, Jimmy konnte das Halstuch von Lesley gar nicht mehr halten und hatte Mühe, nicht auf den mit Sägespänen bestreuten Fußboden zu stürzen.

    Kaum hatte Jimmy die Balance wiederhergestellt, wollte er auf Cliff los. Aber Cliff hob nur die Faust, und da hielt Jimmy inne.

    „Du würdest mich am liebsten noch einsperren, was?", schrie er.

    „Wenn du hier verrückt spielst, geschieht das auch", antwortete Cliff.

    „Deinen eigenen Bruder, was?"

    „Das Gesetz nimmt dich nicht aus."

    Jimmy ließ sich wütend auf den Stuhl sinken. „Eine Welt ist das, einfach zum Kotzen!"

    „Du zahlst und gehst in deine Bunk, Jimmy!, befahl Cliff. Er sah dann auf Lesley. „Und du reitest oder gehst auch pennen!

    Lesley nickte nur und stand auf. Aber er hatte so viel getrunken, dass er wieder auf den Stuhl zurückplumpste. Dean Hope half ihm hoch, und Lesley, der die Wirkung des Alkohols nicht mehr bändigen konnte, wankte um den Tisch herum.

    Jimmy stellte ihm ein Bein, und prompt fiel Lesley darüber. Cliff konnte ihn gerade noch auffangen, und Jimmy lachte schallend, verschluckte sich, hustete und lachte so, dass ihm die Tränen kamen.

    Ohne sich darum zu kümmern, brachte Cliff den torkelnden Lesley bis an die Tür. Lesley rammte die Flügel zur Seite und verschwand draußen in der Dunkelheit.

    „Und jetzt du, kleiner Bruder", sagte Cliff. Er wusste, dass Jimmy darauf sehr sauer reagierte. Das geschah auch. Jimmy kam vom Stuhl hoch. Vom Lachen und vom Trinken waren seine Augen stark gerötet. Er schwankte, nahm dann Anlauf und schoss auf Cliff zu, den Arm zum Schlagen angewinkelt. Aber Cliff trat zur Seite, und Jimmy fegte wie ein blindwütiger Stier an ihm vorbei, konnte seinen Schwung nicht bremsen und raste, die Pendeltüren aufstoßend, ins Freie.

    Cliff grinste, und Madson meinte trocken: „Du hast eine famose Art, die Probleme zu lösen, Cliff. Fast noch besser, als Rip das gekonnt hat."

    „Danke, Joel. Darauf darfst du mir einen auf Kosten des Hauses einschenken."

    Dean Hope gesellte sich zu Cliff an die Theke und sagte amüsiert: „Dein Brüderchen hat sieh ganz schön gemausert, muss ich sagen. Er spielt auch besser Poker als vor einem Jahr. Nur verträgt er keinen Whisky. Der Junge reitet sich noch mal in die übelsten Dinge, wenn er besoffen ist. Das solltest du ihm mal beibringen."

    „Ich bin nicht seine Amme. Es gibt nur einen Mann, bei dem er spurt, und das ist mein Vater."

    BEVOR DEAN ANTWORTEN konnte, traten drei Männer ein, die nur auf den ersten Blick wie Cowboys aussahen. Cliff hatte sie schon am Nachmittag gesehen und darüber vorhin mit Matt gesprochen. Ihm wäre es lieber gewesen, die drei hätten sich längst auf den Weg zur Wagenrad-Ranch gemacht.

    Zwei der Männer waren mittelgroß, hatten harte und primitive Gesichter. Beide wirkten wie Abenteurer, verwegen, kaltblütig und wild. Nach Cliffs Schätzung mussten sie etwa Anfang Zwanzig sein, und ihre Hände machten den Eindruck, als hätten sie Arbeit nie gesehen.

    Die beiden waren Mittelklasse, Revolverschwinger, die ihre Revolver so trugen, dass man auch sehen sollte, womit die beiden Burschen ihr Geld verdienten.

    Von dieser Sorte hatte Rancher Morrison stets Männer auf der Ranch gehabt; die Namen wechselten, der Typ dieser Figuren nie. Anders war es mit dem großen Mann, der zwischen den beiden stand. Er war nicht nur größer als sie. Und er hatte im Gegensatz zu ihnen nicht nur weißes Haar und schien gute zehn Jahre älter zu sein, das allein war es nicht. Dieser Mann wirkte ganz anders. Er war gut gekleidet, hatte ein intelligentes Gesicht, in dem die Narbe schräg über die linke Wange kaum störte. Es war ein männliches, sehr energisches Gesicht. Schmal, kantig und mit einem Paar wasserheller Augen, die Cliff scharf ansahen.

    Dieser Mann mit dem schneeweißen Haar trug weder seinen Revolver auffällig noch hatte er Kerben in die Kolben geschnitzt wie die beiden anderen. Cliff wusste, das dies bei vielen dieser Typen reine Angeberei war. Aber der Weißkopf hätte nach Cliffs Meinung bestimmt schon manche Kerbe schnitzen können. Das war ein gefährlicher Mann, wenn man ihn zum Gegner hatte. Diese Erkenntnis kam Cliff sofort.

    Jetzt lächelte dieser Weißhaarige, schob den Hut ins Genick und sagte: „Ich freue mich immer, wenn ich einen richtigen Marshal sehe. Da atmet man noch in gereinigter, geordneter Luft einer Welt der Gerechtigkeit. Keeper, ich bekomme einen Whisky, und wenn der gepanscht ist, kann Ihnen auch der Marshal nicht mehr helfen."

    Seine beiden Begleiter gruppierten sich wie Jagdhunde neben ihn, als er an die Theke trat, das Glas in Empfang nahm und Cliff zutrank. „Mein Name ist übrigens Dunbar, Jack Austin Dunbar. Sie brauchen nicht nachzudenken, Marshal, auf keiner Ihrer Listen steht mein Name. Und es ist mein Name. Ich halte nichts von Leuten, die Namen wie Hosen wechseln. Noch einen, Keeper!"

    Die beiden anderen nickten beifällig, und Cliff fragte sich, ob sie nicht auch nicken würden, wenn Dunbar sie beide für Vollidioten erklären würde. Nein, dachte Cliff, Dunbar nahm sie selbst nicht für voll, diese beiden kleinen Schießer.

    Als habe Dunbar Cliffs Gedanken geahnt, sagte er zu seinen beiden Gefährten: „Trinkt aus, dann macht, dass ihr zum Boss kommt. Ihr wisst, dass er euch sehen will."

    Die beiden nickten wieder, diesmal untergeben und pflichtschuldig. Sie kippten wie auf ein geheimes Kommando zugleich ihre Gläser, legten Münzen auf den Tisch und gingen wie Zwillinge nebeneinander nach draußen.

    Während Madson das Geld sorgfältig nachzählte und einstrich, wandte sich Dunbar an Cliff. Er lächelte und fragte: „Macht Ihnen etwas Sorgen? Sie sehen aus, als hätten Sie mich im Verdacht, eine kleine Million geraubt zu haben. Liegt das am Beruf, dass alle Marshals das personifizierte Misstrauen sind?"

    Cliff zuckte die Schultern. „Möglich. Aber Sie waren nicht immer Revolvermann. Oder irre ich mich?"

    Dunbar lachte, setzte sich den Hut ab, wischte übers Schweißband und strich sich dann sein kurzes Grauhaar glatt, das er gescheitelt trug. So ohne Hut sah er aus wie ein Armeeoffizier in Zivil.

    „Nein, ich habe etwas anderes gelernt, Marshal, bekannte er freimütig. „Bevor ich mein Talent in bare Münze umzusetzen begann, bin ich Bahningenieur gewesen. Irgendwo in einer Liste der Union Pacific wird das noch eingetragen sein. Wie ich Sie einschätze, werden Sie das sogar nachprüfen. Schicken Sie einen Brief nach Omaha. Die Antwort wird Sie beruhigen.

    „Es ist Ihre Gegenwart, die mich beunruhigt, Dunbar, sagte Cliff. „Warum arbeiten Sie für Morrison?

    Dunbar zeigte wieder dieses spöttische Lächeln. „Warum sollte ich nicht? Er bezahlt gut und pünktlich, die Bedingungen sonst sind gut, das Essen ist schon schlechter gewesen auf meinen Streifzügen, also?"

    „Es werden heute auch noch Bahnen gebaut."

    „Stimmt. Nur zahlen sie schlechter als Morrison."

    „Vielleicht handeln Sie sich eines Tages statt des Lohns ein Stück Blei ein, Dunbar. Das wäre doch möglich, nicht wahr?" Cliff lächelte nun auch. Er spielte dieses Spiel mit. Dunbar war entweder ein erstklassiger Bluffer oder ein Ass. Mittelmäßig war er jedenfalls in keinem Falle.

    „Wollen wir uns darauf einigen, Marshal Copper, dass ich für meine Haut sorge und Sie für Ihre?"

    „Einverstanden. Hoffentlich müssen wir das nicht mal miteinander ausprobieren", meinte Cliff.

    „Man hat von Ihnen erzählt, dass Sie eine Trumpfkarte hier in Arizona sind. Ich spiele gerne mit harten Gegnern. Mit welchen, die Meister in ihrem Fach sind. Nichts ist schlimmer als Stümperei. Ich werde ..."

    Plötzlich gellte ein schriller Schrei von draußen in den Saloon. Madson zuckte zusammen, als sei er geschlagen worden. Dean Hope ruckte herum und starrte zur Tür, und Cliff schien mit einem Mal stocksteif zu sein. Nur Dunbar blieb locker stehen, und doch sah Cliff, der ihm ins Gesicht blickte, dass Dunbar mit höchster Wachsamkeit lauschte.

    Der Bann löste sich eine Sekunde nach dem Schrei. Cliff rannte an Dunbar vorbei zur Tür. Dean Hope folgte ihm, und schließlich kam auch Dunbar den beiden nach.

    Draußen auf der nächtlichen Straße kamen ihnen zwei Männer entgegengelaufen. Einer der beiden rief aufgeregt: „Les ist erstochen worden! Les! Er liegt neben dem Corral! Hinter dem Bunkhouse! Jimmy Copper hat Les erstochen!"

    LES LAG AUF DEM GESICHT. Das Messer steckte ihm noch im Rücken. Dr. Mills richtete seine große Gestalt auf, sah die Menschen in der Runde an und blinzelte ins Licht der vielen Lampen, die diese Szene beleuchteten. Dann wandte sich der Doc von Tucson an Cliff Copper.

    „Ohne Zweifel ist er tot. Direkter Herzstich, nehme ich an. Genau kann ich das erst nach der Obduktion sagen."

    Es waren zwei Dutzend Menschen, die um Cliff, den Doc und den Toten herumstanden. Auch Madson, Dean Hope und jener Jack Dunbar waren unter ihnen. Es kamen immer noch mehr Leute.

    „Ich habe gesehen, dass es Ihr Bruder war, Marshal!", sagte einer der beiden, die mit Dunbar vorhin im Saloon erschienen waren.

    „Ich habe ihn auch erkannt, ganz genau. Er war betrunken und lief mit dem Messer hinter dem Jungen her."

    Cliff schaute sich um und sah den Sprecher. Es war ein Mann, der für Prewitt Westham arbeitete. Ein langer, spindeldürrer Mann mit dem Gesicht eines gerupften Raubvogels. In der Stadt nannten sie ihn nur Slim.

    „Und wer hat noch etwas gesehen?", fragte Cliff ruhig, als ginge ihn das nur rein beruflich etwas an.

    „Ich, Marshal", erklärte jener Bursche, der auch zu Dunbars Begleitern gehörte.

    Cliff wandte sich Dunbar zu, der spöttisch lächelte. „Haben Sie auch gesehen, dass es mein Bruder gewesen ist, Dunbar?"

    „Nein, erwiderte Dunbar ungerührt, „ich war ja bei Ihnen, Marshal. Im Saloon. Das wissen Sie doch noch, oder?

    Cliff zog das Messer aus dem Toten, sah es an und erschrak innerlich. Er musste sich zwingen, seine Gedanken nicht durch Blick oder Mienenspiel zu verraten, denn es war Jimmys Bowiemesser. Die Initialen der Circle C-Ranch standen ebenso auf dem Griff wie Jimmys eigene Initialen.

    „Was tun Sie jetzt, Marshal? Es sieht aus, als müssten Sie den eigenen Bruder festnehmen, was?", fragte Dunbar, und wieder klang Spott in seinen Worten mit.

    „Wenn er es war, sagte Cliff eiskalt, „dann wird er verhaftet. Und wenn er es nicht gewesen ist, dann werde ich den fassen, der es getan hat. Ich hoffe, damit sind weitere Fragen in dieser Richtung überflüssig.

    Madson sah Cliff an und zupfte ihn am Ärmel. „Cliff, es tut mir leid um dich. Aber Jimmy war betrunken. Er kann nicht gewusst haben, was er tut."

    „Mord ist Mord!", schrie einer der Kerle, die Dunbar mitgebracht hatte.

    „Ja, wo steckt denn dieser Jimmy Copper eigentlich? Wir sollten nach ihm suchen", rief der andere der beiden.

    „Ihr haltet euch da heraus!, kommandierte Dunbar. Er machte eine kurze Handbewegung, die noch mehr besagte als seine Worte. „In die Bunk mit euch!

    „Hör mal, Jack, wir wollen ..."

    „In die Bunk, Jungs, ich weiß. Und das tut ihr jetzt! Auf!, erwiderte Dunbar scharf. „Was ihr gesehen habt, gebt ihr morgen dem Marshal zu Protokoll. Oder wollen Sie das jetzt von ihnen wissen, Copper?, wandte er sich an Cliff.

    „Die beiden bleiben bis morgen in der Stadt und melden sich bei mir. Du auch, Slim!"

    „Sehr gerne, Marshal, sehr, sehr gerne, erwiderte Slim grinsend. „Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass in einer Familie ein Marshal und ein Mörder sind.

    Cliff überkam es. „Sei still, du Bastard!", fuhr er Slim an.

    Slim duckte sich und wich erschrocken zurück. „Es war ja nicht so gemeint!", stieß er ängstlich hervor.

    „Gehen Sie da nicht etwas zu weit, Marshal?, fragte Dunbar zynisch. „Wie ich sehe, sind Ihre Nerven nicht gerade die besten, wie?

    Für Cliff war das wie ein Warnschuss. Er hatte sofort wieder die Beherrschung gewonnen und antwortete eisig: „Machen Sie sich nicht zu große Sorgen, Mister. Pablo, holt Guggenheimer, dass er ihn zum Doc schaffen lässt wegen der Obduktion!"

    „Was ist das?", fragte der Mexikaner, der sonst bei Wells Fargo arbeitete.

    Cliff war mit den Gedanken schon wieder weiter und schnauzte Pablo an: „Was quatschst du noch?"

    „Er will wissen, was eine Obduktion ist, sagte Dunbar lächelnd. „Pablo, eine Obduktion ist, wenn der Doc dem Toten die Brust aufschneidet, um die Kugel herauszuholen oder wie hier, um nachzusehen, ob das Messer das Herz zerstochen hat.

    „Santa Virgen, er schneidet ihn auch noch auf!", rief Pablo und lief mit einem scheuen Seitenblick auf Dr. Mills davon.

    „Ich glaube, sagte Madson, „jetzt können wir alle einen vertragen, wie?

    Er wartete die Antwort der anderen nicht ab, sondern ging in den Saloon. Fast alle Männer folgten ihm, die Frauen gingen plappernd nach Hause, und Dunbars zwei Getreue, die erst in den Saloon verschwinden wollten, verzogen sich schleunigst in Richtung auf die Tür zum Bunkhouse, als Dunbar ihnen einen Wink gab.

    Cliff verfluchte es, dass er nicht noch früher zur Mordstelle gekommen war. Die drei Augenzeugen hatten bereits alle Fußspuren zertrampelt, und gerade die hätte man im Sandboden gut sehen können. Sonst gab es nur das Messer als Anhaltspunkt.

    Ich muss Jimmy suchen, dachte Cliff. Wo steckt er nur? Er hätte in der Bunk sein können. Und wo war Matt Jackson? Der konnte doch nicht immer noch bei Guggenheimer sitzen! Mein Gott, wie ist das nur passiert? Dieser junge Hitzkopf! Das Messer zu ziehen!

    Aber Cliff war nicht so sicher. Er kannte Jimmy doch. Der hätte nie, auch nicht in Volltrunkenheit, einen Mann von hinten angegriffen.

    Als Pablo mit den Männern kam, ging Cliff die Straße entlang auf Guggenheimers Haus zu. Er wusste selbst nicht, warum er diese Richtung einschlug. Matt war doch bestimmt nicht mehr dort.

    Vor einigen Häusern diskutierten noch die Leute. Als er in ihre Nähe kam, verstummten sie, und er spürte förmlich, wie sie auf seine dunkle Gestalt starrten. Einmal hörte er eine Frau flüstern: „Furchtbar, jetzt muss er den eigenen Bruder verhaften."

    JIMMY LAG IN GUGGENHEIMERS Stall im Stroh und schlief. Er schnarchte tief und fest, und als Matt Jackson zusammen mit Cliff Copper in den Stall trat, und Matt die Laterne hob und Jimmy anleuchtete, schlief Jimmy immer weiter.

    „Gib mal die Laterne her!", sagte Cliff, nahm sie Matt ab und trat dicht vor Jimmy, leuchtete ihn aus der Nähe an und sah das Blut an Jimmys Hemd. Frisches Blut. Außerdem hatte Jimmy eine Verletzung am rechten Arm, die kaum verkrustet war. Der Ärmel seines Hemdes war aufgerissen. Es sah aus, als sei Jimmy von etwas Scharfem zerkratzt worden.

    „Verflucht!, stieß Cliff hervor. „Sieh  dir das an, Matt!

    „Er ist irgendwo in Stacheldraht gefallen", meinte Matt.

    Cliff drehte sich ruckartig um. „Stacheldraht! Matt, er hat es wirklich getan. Das ist es!"

    Matts faltiges Gesicht verzog sich zur Grimasse. „Blödsinn! Jimmy sticht keinen Mann von hinten nieder. Du als sein Bruder solltest das wissen!"

    „Hole einen Eimer Wasser, sagte Cliff zu Matt. „Wir müssen ihn aufwecken. Ich muss mit ihm reden – und zwar dringend!

    Matt spurtete sofort los und tat das, worum Cliff ihn gebeten hatte. Augenblicke später erwachte Jimmy aus seiner Bewusstlosigkeit mit einem lauten Fluch, verdrehte die Augen und rang keuchend nach Luft. Im ersten Moment wusste er gar nicht, was los war, aber dann bemerkte er Cliffs und Matts ernste Mienen

    „Woher stammt das Blut auf deinem Hemd, Jimmy?, fragte ihn sein älterer Bruder. Kopf aus. Jimmy schreckte zusammen, stammt das Blut an deinem Hemd? Los, rede endlich!

    „Blut? Jimmy sah auf seine Brust, dann auf seinen Arm. „Ach so... der verdammte Draht.

    „Siehst du!", meinte Matt.

    Cliff ging nicht auf Matt ein. „Wo war ein Draht?", fragte er scharf.

    „He, was sollen diese Fragen?," rief Jimmy, der jetzt etwas klarer im Kopf wurde.

    „Jimmy, neben dem Bunkhouse von Madson lag vor ein paar Minuten noch ein Toter. Erstochen."

    „Ein Toter? Erstochen? Und was habe ich damit zu tun?"

    „Der Mann ist Lesley Wood. Und drei Zeugen haben gesehen, sagen sie, dass du ihn umgebracht hast."

    Jimmy starrte Cliff an wie einen Geist. Dann kam es heiser aus seinem Mund: „Sag mal, Cliff, bist du völlig verrückt?"

    „Ich nicht, Jimmy, ich gewiss nicht."

    Jimmy wischte sich über die Augen, sah auf seinen aufgerissenen Arm und blickte dann Matt an. „Matt, was redet er da?"

    Matt zuckte die Schultern. „Ich glaube ja auch nicht, dass du es gewesen bist, aber drei Zeugen, das Blut auf deinem Hemd... und es war auch, wie Cliff sagte, dein Messer."

    Jimmy tastete zu seinem Stiefelschaft, aber das, was er suchte, war dort nicht mehr, nur die Scheide. „Es ist weg", stöhnte er.

    „Ich habe es aus Les herausgezogen. Es ist hier", sagte Cliff und holte das mit einem Tuch umwickelte Bowiemesser hervor.

    „Das ist mein Messer, stimmt", sagte Jimmy, nun wesentlich nüchterner.

    „Jimmy, sagte Matt beinahe väterlich, „sag, was du weißt. Denk genau nach. Cliff ist hier Marshal. Er muss dich überprüfen, er muss der Sache nachgehen. Es ist seine Pflicht. Hilf ihm, indem du sagst, was du weißt. Denk ganz genau nach, Junge, ganz genau!

    Jimmy senkte den Kopf. „Ich war bei Joel... und dann ... ja, dann bin ich doch irgendwie mit wem zusammengeraten. Wer war das nur?"

    „Meinst du deinen Versuch, auf mich loszugehen, als ich dich in die Bunk schicken wollte?", fragte Cliff.

    „Du? Warst du auch da?"

    „Im Saloon ja."

    „Aber... aber daran erinnere ich mich gar nicht. Wieso warst du denn da? Jimmy sah Cliff verständnislos an, blickte dann auf Matt, und der nickte. „Ja, Cliff war auch im Saloon, Jimmy.

    Cliff machte ein bedenkliches Gesicht. Er weiß nicht einmal das, sagte er sich, und wer kann dann noch wissen, ob er überhaupt weiß, was er sonst getan hat.

    „Jimmy erinnere dich! Du bist auf mich los, ich bin zur Seite getreten, und da hat dich dein eigener Schwung aus der Tür getragen. Was war dann?", fragte Cliff eindringlich.

    Jimmy wischte sich die nassen Haare aus der Stirn, rieb sich die Schläfen, als könne das sein Erinnerungsvermögen beleben und meinte dann nachdenklich: „Ich weiß nur, dass ich zu Matt wollte. Zu Guggenheimer. Und da bin ich irgendwie vom Weg abgekommen und hing plötzlich im Drahtzaun von dem verfluchten Wells Fargo-Corral. Ja, das weiß ich genau. Ich war hängengeblieben. Am Arm tat es weh, aber ich kam frei. Und mir war zum Kotzen übel. Da bin ich hier in den Stall. Weiter weiß ich nichts, Cliff. Gar nichts."

    „Das ist verdammt wenig. Cliff blickte auf Matt, der sorgenvoll die Stirn in Falten schlug. „Oder nennst du das viel, Matt?

    „Nein. Aber ich sehe sie schon alle vor mir, diese kleinen Scheißer in Tucson, die jetzt Morgenluft wittern, weil einer von der Circle C im Dreck steckt. Ich kann sie förmlich greifen, diese ganzen Hundesöhne. Morrison ist auch hier. Der wird bald seine erste große Rede halten. Warte nur ab, Cliff, wenn der erst Position bezogen hat."

    „Vielleicht ist das alles nur ein verdammter dreckiger Trick von ihm?", meinte Jimmy.

    „Mach es dir nur nicht so leicht, mein Junge, erwiderte Cliff. „Bis jetzt kann ich dich nur deshalb für unschuldig halten, weil du mein Bruder bist und weil ich weiß, dass du einen Mann so wenig von hinten erstichst wie ein anderer Copper. Aber beweisen kann ich das keinem. Ich wette, Jimmy, dass Commander McLean als Territoriumsrichter die Sache so sieht, wie alles hier den Anschein hat.

    „Und wie soll er das sehen?", fragte Jimmy verständnislos..

    „Dass du Les umgebracht hast, mit deinem Messer. Jimmy, ich muss dich festnehmen. Ich muss es tun!"

    „Du bist wahnsinnig! Wenn das Vater erfährt, dann ..."

    Matt hob abwehrend die Hand. „Dein Vater würde Cliff verstehen, wie ich ihn verstehen kann. Cliff muss das tun. Er hat da gar keine Wahl, solange alles gegen dich spricht. Was Cliff denkt, interessiert weder den Commander noch einen anderen Menschen in Tucson. Was Cliff beweisen kann, das zählt. Mach Cliff keinen Kummer, mein Junge!"

    „Gib mir deinen Revolver, Jimmy!", sagte Cliff.

    ES WAR NACH MITTERNACHT. Aber in Rip und Julie O’Hagans Hotel war noch Licht im Parterre. Sieben Männer und eine Frau saßen im großen Speisesaal bei Kerosinlampenlicht zusammen. Ihre Gesichter waren ernst.

    Am Tischende thronte wie ein Koloss Rancher Morrison. Breit, wuchtig und mit Pranken wie Ofentüren hockte er da, und sein mächtiger Schädel mit dem ergrauten und dünnen Blondhaar erinnerte an den Kopf eines Büffels. Kleine, listige Augen blickten auf die anderen Menschen im Zimmer. Morrison war nicht nur der schwerste Mann im Tucson-Bereich, er war auch der reichste und größte Rancher. Der mächtigste war er nicht mehr. Die Coppers von der Circle C hatten ihn da überrundet. Aber Morrisons Wort hatte noch immer pfündiges Gewicht in diesem Land. Trotzdem mochten ihn nur wenige.

    Neben ihm saß Julie O’Hagan, und ihr kupferrotes Haar wirkte im Lampenschein wie eine Flamme. Schön, etwas blass und voll und ganz eine Frau mit Temperament und Rasse, saß sie da. Neben ihr Rip O’Hagan, der vor Cliff Copper US-Marshal gewesen und seit seiner schweren Verletzung aus dem Dienst geschieden war. Ein hagerer, grauhaariger Kämpfertyp, dem jetzt noch die harte Energie eines entschlossenen Mannes aus allen Zügen sprach.

    Guggenheimer, der Town Mayor, saß den beiden gegenüber. Er war in den letzten Monaten etwas fülliger geworden, dieser Stellmacher Schweizer Abstammung. Es ging seinem Geschäft und ihm. selbst recht gut. Sein von Wohlstand geprägtes Gesicht verriet es ebenso wie der Bauchansatz.

    Dr. Mills hatte den Platz neben ihm. Der große Doktor, der eher wie ein Treckführer oder Rancher aussah und am wenigsten wie ein Doc, hatte den Kopf in die Hände gestützt und blickte nachdenklich auf Matt Jackson, der ihm gegenüber saß.

    Joel Madson lehnte zusammengesunken auf dem Stuhl am anderen Tischende und gähnte unverhohlen.

    Neben ihm kämpfte der kleine, fettleibige Besitzer des Arizona Cargo, Prewitt Westham, seinen Schlaf nieder. Westham war der älteste Teilnehmer dieses Gespräches und der in Tucson wohl zwielichtigste Mann. Seine Schmuggelgeschichten beeindruckten kaum jemanden, außer den Behörden. Aber seine hinterhältige, raffinierte Art, manchen Menschen das Wasser abzugraben, hatte ihn verhasst gemacht. Immerhin fand er in Andrew Morrison einen Fürsprecher, und diese Versammlung ging auf Morrisons Aufforderung zurück. Deshalb war auch Westham da.

    „Ihr seid nicht hier, um etwas für die Stadt zu beschließen, erklärte Morrison mit Stentorstimme. „Das ist nicht der Stadtrat. Aber die Sache mit Les Wood geht alle jene was an, die in dieser Stadt etwas zu sagen haben. Alle, von deren Geld die Stadt lebt. Sie, Jackson, vertreten die Circle C. Die Wagenrad, die bin ich selbst, Sie, Rip, vertreten die Frauen hier. Du, Joel, übernimmst die Interessen der Hausbesitzer und Händler, und Sie, Guggenheimer, sind der Vertreter aller Handwerker und Gewerbetreibenden. Westham hat seine Stimme als Frachtunternehmer, und der Doc kann als Neutraler für alle die sprechen, die wir hier nicht ausdrücklich vertreten lassen.

    „Kommen Sie endlich zur Sache, Morrison, sagte Matt, „ich bin nur gekommen, damit hier nicht wieder etwas verhackstückt wird, das nachher in Blut und Blei endet. Also, was wollen Sie?

    Morrison lehnte sich zurück. Er zog eine Zigarre aus seinem teuren Prince Albert-Rock, biss das Ende ab und zündete sich die Zigarre an. Dann, als schon viele im Raum ungeduldig die Stirn runzelten, sagte Morrison: „Ich glaube, dass Jimmy Copper volltrunken war. Ich glaube auch, dass er das nüchtern nicht getan hätte. Aber ich glaube auch, dass für Marshal Cliff Copper jetzt ein Gewissenskonflikt entsteht."

    „Ein was?", fragte Westham und glotzte Morrison begriffsstutzig an.

    Dr. Mills sah nachsichtig zu ihm und sagte erklärend: „Das heißt soviel wie hin und hergerissen zwischen Pflicht und brüderlicher Liebe."

    „Prewitt, du bist ein Rindvieh!, polterte Morrison. Dann fuhr er fort: „Er ist also in einem Gewissenskonflikt. Er wird die Geschichte nicht sorgfältig genug machen.

    „Aber was gibt es denn zu machen, Morrison?, fragte Matt. „Es gibt doch drei Zeugen.

    Morrison schien überrascht zu sein, das von Matt zu hören. Er kniff misstrauisch die Augen zusammen und wandte sich Matt Jackson zu. Er kannte den Vormann der Circle C zur Genüge. Das war ein besonders spitzes Stück Stahl in all den Jahren gewesen. Jackson konnte gefährlich wie ein Rasiermesser werden.

    „Natürlich gibt es drei Zeugen", erwiderte Morrison, noch immer unsicher, was Jackson mit seiner Bemerkung wohl bezwecken mochte.

    Matt nickte. „Drei Zeugen, von denen zwei Revolvermänner sind und der dritte in seinem Leben mehr gesiebte Luft geatmet hat also sonst wer in Tucson."

    Prewitt Westham schrie vom Tischende: „Aha, jetzt willst du wohl sagen, Jackson, dass dein Jimmy viel zu fein für so eine Geschichte ist, was? Willst das wohl am liebsten Slim anhängen?"

    „So kommen wir nicht weiter!, sagte Morrison. „Erstens bin ich der Meinung, dass es gar keine Rolle spielt, was einer ist, wenn er ein Verbrechen sieht, und zweitens sage ich, dass Sie, Rip, diese Sache übernehmen müssen, bis alles geklärt ist.

    „Geklärt?, krähte Westham von hinten. „Was ist noch zu klären?

    Morrison schien über den Zwischenruf ausgerechnet des Mannes verärgert, den er zu dieser Besprechung eingeladen hatte. Er knurrte bissig: „Ein Blutfleck auf dem Hemd und ein Messer und drei Zeugenaussagen sind für die Richter in Camp Lowell erst dann Beweis, wenn alles auch glasklar ist, Ich habe meine Leute verhört. Sie haben jemanden gesehen, der aussah wie Jimmy Copper. Außer deinem Slim, Prewitt, kann von den Zeugen niemand darauf schwören, dass es tatsächlich Jimmy Copper war. Er sah so aus, der Mörder."

    „Aha!", riefen Rip O'Hagan und Joel Madson gleichzeitig.

    „Das ist ein ziemlicher Unterschied, würde ich meinen", bemerkte Dr. Mills.

    „Unterschied?, krähte Westham. „Wenn das nicht ein Copper, sondern irgendein Mexikaner oder ein anderer kleiner Fisch wäre, hättet ihr da nicht den geringsten Unterschied gesehen!

    „Prewitt, nun sei mal still!", mahnte Morrison gefährlich sanft,

    „Ich rede, wenn es mir passt!", polterte der kleine Dicke.

    Morrison sah ihn scharf an, „Prewitt, übertreibe es nicht!"

    Als Westham in Morrisons Augen sah, wurde er ruhig. Da gab es Bindungen, die Außenstehende nur ahnen konnten. Westham tat, was Morrison verlangte, und Matt, der schon immer behauptete, es sei Morrisons Geld, das in Westhams Frachtgeschäft steckte, fühlte sich in dieser Erkenntnis wieder einmal bestätigt.

    „Also, Rip, übernehmen Sie die Geschichte!", wandte sich Morrison an O’Hagan.

    Der ehemalige Marshal und jetzige Hotelbesitzer, der einen Saloon baute und damit nicht mehr Joel Madsons dicker Freund war, schüttelte den Kopf, sah zu Madson hin und meinte zweideutig: „Ich habe zur Zeit andere Probleme zu lösen. Nicht wahr, Joel, du verstehst das?"

    Joel dachte an die Konkurrenz, die ihm erwuchs, wenn Rips neuer Saloon fertig sein würde. „Vielleicht solltest du dich doch um die Geschichte kümmern."

    „Das würde dir gefallen, was? Rip lachte. „Nein, sagte er dann, ernst werdend, „Cliff hat die amtliche Bestätigung, den kann man nicht einfach so austauschen. Im Übrigen möchte ich euch eines sagen: Ihr alle kennt die Coppers nicht, Matt einmal ausgenommen. Wenn Cliff der Meinung ist, dass sein Bruder diesen Totschlag — Mord kann man es bei einem Betrunkenen nicht nennen — begangen hat, dann verwischt der keine einzige Spur. Da kenne ich Cliff besser. Und noch was: Er hat Jimmy eingesperrt. Wie ich ihn beurteile, schafft er Jimmy morgen nach Camp Lowell. Dort kann der Major entscheiden, wie es weitergeht. Wir hier sollten uns darum am wenigsten kümmern."

    „Meinst du?, fragte Julie, Rips Frau. Sie lächelte und sagte dann mit immer schärfer werdender Stimme: „Ich finde es abscheulich, dass ein Mann ermordet wurde, aber ich glaube nicht, ich kann es nicht glauben, dass es Jimmy war. Gewiss, er ist wild wie ein Bronco, und er hat mir zweimal meine Hoteleinrichtung zertrümmert... nun, da war er einmal auch betrunken. Aber einen Mann mit dem Messer erstechen, das würde er niemals tun. Ich gehe nicht davon aus, wie ihr alle, dass man ihm beweisen muss, es getan zu haben. Nein, ich gehe davon aus, dass diese drei Zeugen gelogen haben könnten. Nicht, wahr, Mr. Morrison, sie blickte zum Rancher hin, der sie missbilligend ansah, „nicht wahr, Sie glauben den beiden Männern, die für Sie die Revolver schwingen, ja auch kein Wort. Und Slim... darüber brauchen wir ja gar nicht erst zu reden. Dr. Mills, ich habe neulich gelesen, dass jeder Mensch anderes Blut hat. Ist das wahr?"

    „Es ist wahr. Es gibt verschiedene Gruppen von Blut."

    „Dann könnten Jimmy und der tote Les auch verschiedenes Blut haben."

    „Könnten sie. Es gibt da auch schon eine Untersuchung, die der Detektiv Pinkerton aus Washington angestellt hat. Ja, ich weiß, worauf Sie hinauswollen, Mrs. O’Hagan, aber so eine Untersuchung kann ich nicht durchführen. Dazu fehlen mir hier die Möglichkeiten, aber eines kann ich: Ich kann feststellen, ob Blutproben vom Blut der beiden in der Anzahl der weißen und der roten Blutkörperchen gleich sind oder nicht. Ist da ein wesentlicher Unterschied, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch das Blut vom Hemd und das von Les unterschiedlich ist, das heißt: ist das Blut vom Hemd ebenso wie das von Les, dann ist es eben das Blut von Les, das Jimmy Copper auf dem Hemd hat. Und ist das Blut vom Hemd wie das von Jimmy, dann ..."

    „Und die Zeugen?", unterbrach ihn Guggenheimer, der bis jetzt nur an seiner Pfeife gekaut hatte.

    „Rip, rief Morrison, „ich bezahle das. Sie kümmern sich als unser gemeinschaftlicher Beauftragter um die Sache. Ich glaube, dagegen hat auch Matt Jackson nichts.

    „Nein", sagte Matt.

    Rip nickte. „Also gut, aber ich werde mit Cliff reden."

    Morrison erhob sich. „Wer dagegen ist, soll die Hand heben."

    Niemand war dagegen, am wenigsten Madson, der zufrieden grinste. Wenn Rip sich mit etwas anderem befasste, würde der Neubau des Saloons bestimmt noch später fertig. Nein, dagegen konnte er nichts haben.

    „Du hast hier Arbeit genug", sagte Julie und sah Rip vorwurfsvoll an.

    Rip reagierte gar nicht. Er wandte sich Matt zu und meinte trocken: „Wenn dein Boss nicht gerade aus Sehnsucht nach dir zu verkümmern droht, würde ich dich gerne als meinen Helfer verpflichten."

    Morrison wollte etwas einwenden, aber da rief Guggenheimer, der mit den Coppers befreundet war und die Sache mit Jimmy noch gar nicht richtig verdaut hatte: „Einverstanden, Rip, ich denke, dass Matt der richtige Mann für dich ist. Dagegen hat auch keiner etwas."

    Morrison schwieg, um nicht alle gegen sich aufzubringen, denn er wusste zu gut, wie beliebt Matt in der Stadt war. Westham sah zufällig in Morrisons Richtung und hielt den Mund, als er Morrisons warnenden Blick sah.

    „Also gut, dann machen wir das zusammen, sagte Matt. Und zu Julie gewandt meinte er leiser: „Ich denke, so schlecht ist diese Lösung gar nicht.

    Sie wollten gerade die Sitzung abbrechen, als die Tür aufgerissen wurde und Pablo Valdez, der Schmied, in den Raum stürzte. Alle sahen ihm entgegen, wie er, nur notdürftig bekleidet, neben der Tür stand und lossprudelte:

    „Der Junge ist weg. Hat seinen Bruder niedergeschlagen. Ist getürmt. Auf dem Pferd vom Marshal."

    „Wer? Jimmy?", rief Rip über alle hinweg.

    „Jimmy Copper, bestätigte der bullige Mexikaner. „Vor zehn Minuten vielleicht. Wir hörten Hufschlag, und vorher war ein Fenster zersplittert. Ich habe im Mondschein gesehen, dass es Jimmy Copper war auf dem Pferd. Ich bin zum Office gelaufen. Cliff ist noch bewusstlos. Doc, Sie müssen zu ihm kommen!

    UNGEFÄHR EINE VIERTELSTUNDE vor Mitternacht, als Morrison noch dabei war, die Beteiligten seiner Tischrunde im Hotel um sich zu versammeln, hatte Matt Jackson das Marshal Office verlassen. Cliff, der am Tisch im Office saß, drehte den Docht der Lampe kleiner und sagte zu Jimmy, der sich auf der Pritsche im vergitterten Zellenraum ausgestreckt hatte:

    „Du solltest jetzt schlafen, Jimmy. Ich werde die Sache morgen untersuchen und mir die drei Burschen vorladen."

    Jimmy stützte sich auf die Ellenbogen und sah zu Cliff hinaus. Zwischen ihm und dem Bruder befand sich das bis zur Decke reichende Gitter. „Cliff, wenn ich an deiner Stelle gewesen wäre, hätte ich dich niemals eingesperrt. Niemals! Und du ..."

    „Rede doch nicht solchen Unfug! Ich musste es tun. Hör mal, bist du denn so sicher, dass du es nicht vielleicht doch getan hast? Im Suff, so betrunken wie du gewesen bist? Du erinnerst dich bis jetzt nicht daran, dass du auf mich losgegangen bist. Wie also kannst du dir vor dir selbst genau sagen, dass es ausgeschlossen ist, was die drei Zeugen sagen?"

    „Weil ich so etwas nie tun würde, nie, Cliff, hörst du? Niemals von hinten, und niemals mit dem Messer. Ich hatte doch meinen Revolver, und wenn er mich angegriffen hätte ... verdammt, ich hatte Les sehr gerne. Jeder weiß das."

    „Ihr habt euch gestritten."

    „Ach was, davon weiß ich nichts."

    „O ja, Jimmy, um den neuen Bullen von der Wagenrad ging es. Dean Hope hat euch noch beschwichtigen wollen."

    „Kann ich mich aber nicht erinnern. Cliff nickte. „Das ist es ja. Du weißt nichts mehr davon. Denk doch mal nach: Das Messer ist von dir, das Blut an deinem Hemd, der Streit vorher, das alles passt schon, bevor noch die drei Zeugen ein Wort sagen.

    „Morrisonzeugen. Und Slim gehört zu Westham. Auch ein Lump."

    „Aber er wird schwören, und die Jury in Camp Lowell nimmt ihnen den Schwur ab."

    „Meineidschwüre."

    „Das müsste man ihnen nachweisen. Wenn du dich doch erinnern könntest!"

    „Ach was, ich kann es nicht, zum Teufel! Soll ich mich deshalb aufhängen? Ich war blau. Na, bist du nie besoffen gewesen, Mensch?"

    „Doch, aber ich habe nicht jedes Mal Krawall angefangen wie du."

    Jimmy setzte sich auf den Pritschenrand und stützte den Kopf in die Hände. „Hast du wenigstens dem Boss eine Nachricht zukommen lassen?"

    „Vater?"

    „Ich wüsste nicht, wer sonst mein Boss wäre. Hast du jemanden zu ihm geschickt oder nicht?"

    „Er wird das morgen auch noch früh genug erfahren. Vielleicht wissen wir dann schon mehr."

    „Er wird dir was erzählen, lieber Bruder! Ha ha, du denkst immer, der findet das richtig, dass du mich eingelocht hast. Aber ich bin da anderer Meinung. Ein Copper, der seinen Bruder einsperrt..."

    „Glaubst du, ich tue das gerne? Ich wüsste tausend bessere Dinge, Jimmy, erklärte Cliff mürrisch. „Das ist eine verfluchte Zwickmühle, die schlimmer ist, als du dir das vorstellst. Jetzt schon reicht alles aus, um dich für ein halbes Menschenleben einzusperren. Mindestens zehn Jahre geben die dir. Nur die Tatsache, dass du stinkbesoffen gewesen bist, ist mildernd. Sonst würden sie dich hängen, Junge!

    „Mir kommen die Tränen, wenn ich dich so in deinem Unglück sehe, höhnte Jimmy. „Ich war das nicht!, rief er dann wild. „Ich nicht! Da will mich so ein Schweinehund hereinlegen. Mich und die Circle C!"

    Cliff zuckte die Schultern. „Möglich ist es."

    „Gib mir wenigstens meinen Tabak und die Zündhölzer zurück."

    „Es ist gegen die Vorschrift."

    „Scheißvorschrift! Ich bin schließlich kein Wildfremder für dich!"

    Cliff erhob sich, nahm den Tabaksbeutel vom Tisch, ging zum Gitter, und Jimmy kam ihm dahin entgegen. Er nahm den Beutel, holte Papier aus der Tasche und rollte sich eine Zigarette. „Und die Streichhölzer?"

    „Ich gebe dir Feuer."

    Cliff zündete ein Streichholz an und streckte die Hand mit dem brennenden Hölzchen durch die Stäbe. Jimmy näherte sich mit der Zigarette, doch dann sprang er urplötzlich nach vorn, packte nach Cliffs Arm, riss ihn daran an die Gitterstäbe und schlug mit der rechten Faust nach Cliffs Kinn.

    Für Cliff kam dieser Angriff unerwartet, jedenfalls hatte er bei Jimmy damit nicht gerechnet. Jimmys Schlag traf ihn voll, und während er in die Knie ging, schlug Jimmy durch die Stäbe noch einmal zu. Cliff stürzte auf den festgestampften Boden und blieb liegen.

    Jimmy griff nach ihm an den Stäben vorbei, zog Cliff am Gürtel näher, suchte in seinen Taschen nach dem Schlüssel, fand ihn und öffnete damit die Zelle. Er war gerade dabei, sich seinen Waffengurt umzuschnallen, als Cliff allmählich wieder zu sich kam. Jimmy sah in der Zimmerecke einen Besen, packte ihn und schlug damit auf Cliffs Kopf, als Cliff gerade die Augen öffnete.

    Der Schlag ließ Cliff erneut in tiefen Schlaf sinken. Jimmy aber warf den Besen weg, holte sich ein Gewehr aus dem Rechen, stopfte sich Munition in die Taschen, raffte aus Cliffs Vorratsschrank noch ein paar Lebensmittel zusammen und wickelte sie in sein Halstuch. Dann verließ er wachsam den Raum, rannte zum Stall, aber die Tür ließ sich schwer öffnen. Sie war verklemmt. Jimmy riss daran mit aller Gewalt, und plötzlich sprang sie auf, aber gleichzeitig flog eine der beiden Scheiben aus dem Rahmen und zerschellte klirrend am Boden.

    Fluchend holte sich Jimmy einen Sattel vom Bock, rannte damit wieder ins Freie zum Corral, sah dort im Mondschein Cliffs beide Pferde und ergriff sich den Fuchshengst. Er sattelte ihn hastig, saß auf und jagte, tief über den Hals des Tieres gebeugt, davon. Er sah noch, dass bei Pablo Valdez, dem Schmied, die Tür aufging, aber da war er schon weiter und verließ die Stadt nach Osten zu.

    ALS DR. MILLS ZUSAMMEN mit Morrison, Rip O’Hagan, Matt und Guggenheimer ins Office kam, brannte zwar noch die Öllampe, aber Cliff Copper war nicht mehr da.

    Matt Jackson rannte zum Corral und fragte dann Pablo Valdez, der ihm gefolgt war: „Ist Jimmy mit einem Pferd davon?"

    „Ja, nur ein Pferd hatte er."

    „Dann ist ihm Cliff hinterher", meinte Matt.

    Die anderen hatten es gehört, und Rip O’Hagan fragte: „Glaubst du, Matt, dass wir da auch noch mitmischen sollten? Ich denke, Cliff hat Mordswut genug im Bauch, um es allein zu tun."

    „Ja, das denke ich nun auch."

    Morrison trat neben Matt Jackson und fragte leise, dass es nur Matt hören konnte: „Sind Sie noch immer der Ansicht, Jackson, dass Ihr Jimmy ein Unschuldslamm ist?"

    Matt sah Morrison an. Beide waren gleich groß, aber Morrison war mindestens doppelt so breit. „Glauben Sie, Morrison, dass Ihr Plan aufgeht?"

    Morrison schnappte nach Luft, dann schnauzte er Matt an: „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Was soll das heißen?"

    Matt blieb kühl. „Das, was Sie verstanden haben, Morrison, genau das und nicht mehr. Er ließ Morrison stehen und ging zu Rip O’Hagan. „Rip, ich glaube, es wäre nicht falsch, wenn wir beide die Zeugen vernehmen.

    Aber Morrison trat mit dem Ausruf neben die beiden: „Dazu habt ihr kein Recht. Das kann nur der Commander. Allenfalls hätte es der Marshal gekonnt."

    „Ich denke, Rip und ich sind damit beauftragt?", fragte Matt lauernd.

    „Das galt, als der junge Copper noch im Jail gesessen hat. Jetzt ist die Lage ein wenig anders. Erst muss er hergeschafft werden. Rip, Sie sollten ein Aufgebot zusammenstellen."

    „Ich?"

    „Natürlich. Sonst müsste es John Huber tun, aber der ist ja nach Hartford gereist, als wenn ein Büchsenmacher wie er noch etwas dazulernen könnte."

    „Bei Colt lernt er bestimmt etwas dazu, aber das ist jetzt unwichtig, entschied Rip O’Hagan. „Cliff ist Jimmy nach, also brauchen wir das nicht auch noch zu tun. Matt, wir kümmern uns jetzt um die Zeugen.

    „Mitten in der Nacht?", meinte Guggenheimer, der sich hinzu gesellt hatte.

    „Wir haben die Zeit nicht im Poker gewonnen, Fred, erwiderte Matt. „Komm, Rip!

    Morrison ging mit hastigen Schritten davon. Als er außerhalb des Laternenscheines war, trat eine Gestalt hinter einer Hausecke hervor und stellte sich ihm in den Weg.

    „Na, Boss?", fragte eine spöttisch klingende Stimme.

    Morrison blieb stehen. „Dunbar, satteln Sie Ihr Pferd und verfolgen Sie die beiden Coppers. Cliff Copper ist seinem Bruder nach, aber ich wette, dass es ein abgekartetes Spiel ist."

    „Ist es das, Boss? Ich würde wetten, dass auch der Mord abgekartet war, wie?"

    „Was soll das heißen, Dunbar?" Dunbar hatte den Mond im Rücken, so dass Morrison das Gesicht des Revolvermannes nicht sehen konnte. Aber er hörte Dunbars sarkastische Antwort.

    „Ich denke, sagte Dunbar und lachte leise, „dass dies die beiden Figuren beantworten können, die Sie entschieden zu teuer dafür bezahlen, um ihre Kanonen zu mieten. Sie sind drittklassig und feige dazu.

    „Was reden Sie da?", fragte Morrison scharf.

    Dunbar blieb ruhig. „Ich rede von Vanderbildt und March, Ihren Kanonensöhnen. Ich habe die beiden vorhin ein bisschen ausgefragt. Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen. Die beiden haben nichts gesehen, absolut nichts, was mit Lesleys Tod zusammenhängt. Jemand hat sie geschmiert, jemand, der genau weiß, wie Les umgekommen ist. Ich meine, es könnte ja trotzdem der junge Copper gewesen sein, nur sollten Vanderbildt und March die Mäuler halten. Und Sie machen vielleicht auch etwas zu viel Wind."

    „Sagen Sie mal, Dunbar, sind Sie des Teufels? Wie reden Sie mit mir?"

    „Wollen Sie mich vielleicht feuern?", fragte Dunbar voller Spott.

    Morrison wollte schon darauf antworten, doch dann schwieg er, überlegte und sagte erst nach einer Weile: „Also gut, kommen Sie mit, ich werde es Ihnen erklären."

    Sie gingen wortlos bis zum Boothill hinauf. Während eine Eule schrie, sagte Morrison, an die Mauer des Friedhofs gelehnt: „Mit dem Mord habe ich nichts zu tun. Aber es passt mir natürlich in den Kram, dass sich die Sache zugetragen hat. Seine Stimme wurde hasserfüllt, als er fortfuhr: „Diese Coppers! Sie kamen mit ein paar Rindern, hatten keinen Dollar und machten sich breit. Sie sitzen wie Paschas vor der Wüste an der letzten Wasserstelle. Und sie nutzen es aus. Ich hatte ihnen Weide verkauft, und das tut mir noch heute leid. Jetzt schicken die ihre Rinder an die Armee und überall hin. Früher habe ich geliefert. Aber wo man hintritt und spuckt, da sitzen diese Coppers drin. Nicht genug damit, auch den US Marshal mussten sie noch stellen. Fehlt noch, dass der Alte auch noch den Town Mayor von Tucson macht. Jetzt aber sitzen sie im Dreck. Bis an die Ohren, Dunbar, und ich möchte sie gerne darin braten lassen. Sie sind mein Mann, Dunbar, dafür kassieren Sie genug.

    „Sie kassieren für meine Arbeit. Ich werde dafür bezahlt, Sie zu schützen. Ich schütze Sie, Morrison. Aber ich drehe keine krummen Dinger. Im Gegensatz zu den beiden Heldensöhnen Vanderbildt und March stehe ich nirgendwo in einer Fahndungsliste oder auf Steckbriefen. Das unterscheidet mich von den eiden. Von mir bekommt auch keiner eine falsche Aussage."

    „Sie sollen tun, was im Rahmen des Gesetzes liegt. Sie sollen Jimmy Copper fassen und nach Camp Lowell zur Armee in Haft bringen. Das ist kein krummes Ding, das ist eine vollauf anständige Sache."

    „Stimmt. Und wenn mir der Marshal n die Quere gerät?"

    „Glauben Sie im Ernst, dass er seinen eigenen Bruder zu fassen kriegt? Ich halte diese ganze Flucht für eine einzige Finte, die sie abgekartet haben."

    „Der Schmied sprach von einer dicken Beule auf dem Kopf des Marshals."

    „Die Coppers sind harte Burschen. Die würden noch ganz andere Dinger drehen, wenn es in ihren Kram passt. Da müssten Sie mal den Rancher Buster Tom genießen. Der würde sich den Bauch aufschlitzen, um einen von seiner Brut damit zu retten, wenn er das damit könnte."

    „Das ist ein feiner Zug an dem Mann, muss ich zugeben", erwiderte Dunbar anerkennend.

    „Ich will, dass Sie Jimmy Copper nach Camp Lowell bringen!", wiederholte Morrison ungeduldig.

    „In Ordnung, ich werde mich darum kümmern." Dunbar zögerte.

    „Was ist denn noch?", fragte Morrison unwirsch.

    Dunbar sah das verärgerte Gesicht des Ranchers. Dunbar selbst lachte, aber das konnte Morrison nicht sehen, da Dunbars Gesicht im. Schlagschatten des Mondlichtes lag.

    „Nur eine winzige Kleinigkeit, Boss. Was ist, wenn es sich herausstellen sollte, dass ein anderer diese Tat begangen hat? Ich meine, wenn es zum Beispiel dieser Slim war oder vielleicht..."

    „Quatsch, alles spricht dafür, dass es der junge Copper gewesen ist. Und Slim hat es wirklich gesehen."

    „Waren Sie auch dabei?", fragte Dunbar lauernd.

    Morrison war zornig, und er konnte auch in diesem Zustand sehr handgreiflich werden. Die Figur, einen Mann aus den Stiefeln zu prügeln, die hatte er, und oft genug war so etwas auch geschehen.

    „Dunbar, ich will Ihnen einen Rat geben: Satteln Sie Ihren Gaul und reiten Sie! Meine Geduld ist nicht von grenzenloser Dauer."

    „Das ist eine entscheidende Schwäche an Ihnen, Boss. Aber darüber reden wir noch. Adios!"

    Dunbar tippte an die Hutkrempe, lachte leise und ging an Morrison vorbei auf den Wells Fargo-Corral zu, wo er sein Pferd untergestellt hatte.

    Schnaubend wie ein grimmiger Bulle marschierte Morrison zum Hotel zurück. Als er mitten auf der Straße stand, blickte er nachdenklich zum Office zurück, wo Matt und Rip gerade heraustraten.

    „Ihr werdet euch wundern. Diesmal kocht dem alten Copper das Feuer unter dem Hintern", murmelte Morrison, Dann ging er weiter zum Hotel hin.

    ALS ES TAG WURDE, BEFAND sich Cliff noch immer auf Jimmys Spur. Er wusste, wohin sein Bruder ritt. Erst hatte er angenommen, Jimmy wollte zur Ranch. Doch nun wurde ihm klar, dass Jimmy auf eine Hütte zuhielt, die Buster Tom vor zwei Jahren auf einer Mesa errichtet hatte, die für Rinder schlecht zugänglich war. Dort machte der Rancher mit einer Saisonarbeiter-Mannschaft im Sommer Heu für die Winterzeit. Solange die Mexikaner beim Heumachen waren, schliefen sie in dieser Hütte. War das Heu zu Tal gebracht, was mit Seilzügen geschah, gingen die Mexikaner nach Sonora zurück, und die Hütte stand bis zum nächsten Sommer leer.

    Cliff fragte sich, warum Jimmy so einen kapitalen Fehler beging. Auf der Circle C hätte er zwar nicht unbedingt die Gewähr gehabt, in Freiheit zu bleiben, aber bei seinen Eltern hätte er Verständnis gefunden. Hier oben aber konnte er sich nur mit dem Gewehr verteidigen. Wie ein Bandit.

    Die Tatsache, dass sich Jimmy in diese Einöde verzog, ließ in Cliff den Verdacht wach werden, Jimmy könnte vielleicht doch diese scheußliche Tat begangen haben.

    Mein Gott, dachte Cliff, er ist mein Bruder. Dass er mich niedergeschlagen hat, hätte ich ihm nicht zugetraut, aber dennoch. Er ist mein Bruder! Ich kann ihn doch nicht einfach einsperren, damit sie ihn aburteilen. Selbst wenn er es getan hat. Ich kann doch nicht derjenige sein, der ihn fasst. Trotz des Eides, den ich geschworen habe. Das kann kein Staat der Welt von mir verlangen.

    Er benimmt sich wie alle Banditen, dachte Cliff. Er flieht in die Berge, er versteckt sich an einer Stelle, die im Grunde schon die Endstation ist. Nachher, wenn er angegriffen wird, wenn man ihn stellt wie einen einzelnen Wolf, dann wird er schießen. Auf mich vielleicht in seiner Verzweiflung?

    Nein, dachte Cliff, ich kann das nicht soweit kommen lassen. Ich kann es nicht tun. Aber dann tun es andere. Morrison mit seinen Leuten. Der wird dann noch das Gesetz im Rücken haben. Sie werden nicht lange fragen. Sie werden schießen und hohnlachen darüber, wenn sie Jimmy erwischen können.

    Auf solche Gelegenheiten lauert Morrison doch seit Jahren.

    Ich muss mit Jimmy reden. Er muss freiwillig mit nach Camp Lowell kommen! Es ist seine einzige Chance.

    Hat er wirklich eine Chance?, fragte sich Cliff. Hat er sie, wenn er Major McLean und seinen beiden Offizieren und den ausgewählten Geschworenen gegenübersitzt? Diese beiden, Vanderbildt und March, die schwören doch jeden Meineid. Und Slim? Zu dem passt die Tat viel eher.

    Ich mache einen Fehler. Ich reite in meinem Zorn über den Niederschlag hinter Jimmy her. Ich sollte andere schicken. Matt zum Beispiel. Der meint es auch gut mit Jimmy. Und ich, ich wüsste stattdessen einmal der ganzen Geschichte auf den Grund gehen. In Tucson und nicht hier draußen in der Wildnis. Vielleicht konnte ich dem wahren Täter, falls Jimmy es nicht gewesen ist, keinen größeren Gefallen tun, als hinter Jimmy herzureiten.

    Cliff zügelte sein Pferd. Er blinzelte gegen die tief stehende Sonne im Osten, doch von Jimmy sah er nichts. Wie ein riesiger Klotz lag der Mesaberg vor ihm.

    Er wandte sich um und blickte über die ebene Prärie, die sich in sanftem und kaum merklichem Gefälle bis nach Tucson hinzog. Zwischen Strecken mit hohen Grasbüscheln standen vereinzelte Josuabäume, mitunter auch Yucca, Spanische Speere und Mesquite.

    Aber Cliff sah auch den Reiter. Er näherte sich rasch. Die Staubwolke, die von den Hufen seines Pferdes aufgewirbelt wurde, zog mit dem Südwind seitlich davon.

    Cliff wartete. Er fragte sich, wer dieser Reiter sein könnte und dachte zuerst nur an Matt. Aber bald konnte er mehr von dem Unbekannten sehen. Matts lange und hagere Gestalt hätte er erkennen müssen. Der Verfolger dort war nicht Matt Jackson. Und dann erkannte er ihn.

    Jack Dunbar. Cliff runzelte die Stirn. Dunbar konnte er hier gar nicht gebrauchen. Was wollte der Revolvermann und einstige Bahningenieur? Hatte ihn Morrison geschickt? Natürlich, das war es. Morrison wollte sicher sein, dass Jimmy gefasst wurde.

    Dunbar ritt einen Grauschimmel, einen herrlichen Hengst, der ganz bestimmt nicht aus einer Broncoherde herausgefangen war. Dieses Tier hier hatte zu viel edles Blut.

    Als Dunbar vor Cliff seinen grauen Hengst parierte, entdeckte Cliff, dass der Graue nicht das Wagenrad von Morrisons Ranch als Brandzeichen trug, sondern ein doppeltes Kreuz.

    „Hallo, Sie sind nicht sehr schnell hinter Ihrem Bruder her", meinte Dunbar etwas atemlos.

    „Sind Sie gekommen, um das nachzuprüfen?," erkundigte sich Cliff kühl.

    Dunbar lächelte wieder so spöttisch, wie er es meistens tat. „Ich hätte mir auch Zeit gelassen. Er blickte hinüber zum Tafelberg. „Ist er da hinauf?

    „Vielleicht, Dunbar. aber was geht es Sie an?"

    „Es wäre nicht klug, wenn er sich dort oben in der Hütte verschanzt. Ich habe mir vor Tagen die Gegend dort angesehen. Da waren die Mexikaner, die Ihr Vater eingestellt hatte, beim Heumachen. Ich weiß also, dass dort oben eine Hütte ist. Aber der Platz ist ungünstig. Er wird sich da höchstens einen Tag halten können, wenn ein Aufgebot kommt."

    „Kommt eines?", fragte Cliff geringschätzig.

    Dunbar sah Cliff fest an. „Copper, ich weiß, wie Ihnen zumute ist. Und ich bin nicht hier, um Ihren Bruder zu jagen wie ein Karnickel. Hören Sie mir zu, Copper: Eine Hand wäscht im Leben die andere. Ich will keinen Kuhhandel mit Ihnen machen, aber die Vernunft zwingt einen Mann mitunter zu Vereinbarungen. Ich bin nicht bei Morrison, um ihn vor etwas zu schützen. Er bezahlt mich zwar dafür, aber ich selbst habe andere Gründe."

    „Ich höre!"

    Dunbar blickte versonnen zur Mesa hinüber. „Wissen Sie, dass Morrison eine Frau auf seiner Ranch hat?"

    „Eine Frau? Er mag keine Frauen

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