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Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019
Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019
Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019
eBook1.072 Seiten13 Stunden

Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Western:

Pete Hackett: Reite, kämpfe und töte

John F. Beck: Gier nach heißer Beute

Jasper P. Morgan: Du bist tot, Marshal

Alfred Bekker: Der Prediger kommt nach Lincoln

Alfred Bekker: Grainger und das blutige Dutzend

Alfred Bekker: Der Spieler

Alfred Bekker: Ein Reiter aus dem Nirgendwo

Pete Hackett: Cindy und die Sattelwölfe

Pete Hackett: Trail der Vergeltung

Pete Hackett: Das scharfe Girl aus den Bergen

Pete Hackett: Heißes Spiel um Tracy McQuade

US-Deputy Marshal Chad Delaware will seinen Gefangenen Mason Doyle nach Fargo bringen, wo er dem Haftrichter vorgeführt und zum Tode verurteilt werden soll, denn Doyle ist ein Bandit und mehrfacher Mörder. Keine leichte Aufgabe für Delaware, da Masons Bruder Barney Doyle, der ebenfalls ein skrupelloser Bandit ist, von der Gefangennahme erfährt. Barney und seine Bande verfolgen den US-Deputy, um Mason zu befreien. Auf einen Toten mehr oder weniger kommt es den Banditen dabei nicht an …
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum12. Sept. 2019
ISBN9783745210293
Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Spieler, Killer, Saloon-Girls - Alfred Bekker

    Spieler, Killer, Saloon-Girls: Western Sammelband 11002 September 2019

    Alfred Bekker, John F. Beck, Pete Hackett, Jasper P. Morgan

    Dieser Band enthält folgende Western:

    ––––––––

    Pete Hackett: Reite, kämpfe und töte

    John F. Beck: Gier nach heißer Beute

    Jasper P. Morgan: Du bist tot, Marshal

    Alfred Bekker: Der Prediger kommt nach Lincoln

    Alfred Bekker: Grainger und das blutige Dutzend

    Alfred Bekker: Der Spieler

    Alfred Bekker: Ein Reiter aus dem Nirgendwo

    Pete Hackett: Cindy und die Sattelwölfe

    Pete Hackett: Trail der Vergeltung

    Pete Hackett: Das scharfe Girl aus den Bergen

    Pete Hackett: Heißes Spiel um Tracy McQuade

    US-Deputy Marshal Chad Delaware will seinen Gefangenen Mason Doyle nach Fargo bringen, wo er dem Haftrichter vorgeführt und zum Tode verurteilt werden soll, denn Doyle ist ein Bandit und mehrfacher Mörder. Keine leichte Aufgabe für Delaware, da Masons Bruder Barney Doyle, der ebenfalls ein skrupelloser Bandit ist, von der Gefangennahme erfährt. Barney und seine Bande verfolgen den US-Deputy, um Mason zu befreien. Auf einen Toten mehr oder weniger kommt es den Banditen dabei nicht an ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker  

    © Roman by Author / COVER Firuz Askin

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de  

    postmaster@alfredbekker.de

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    Zum Blog des Verlags geht es hier:

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    Mehr Bücher von   Alfred Bekker

    ​Reite, kämpfe und töte

    Western von Pete Hackett

    ––––––––

    Über den Autor

    Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war - eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.

    Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie Texas-Marshal und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung.

    Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie Der Kopfgeldjäger. Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.

    Ein CassiopeiaPress E-Book

    © by Author www.Haberl-Peter.de

    © der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    www.AlfredBekker.de  

    Colonel Brown schnaubte vor Hass. Er sprühte in seinen Augen und verzerrte seinen Mund. Gepresst stieß er hervor: »Die Farm von Pablo Gonzales! Diese rothäutigen Bestien. Gonzales tot, Maria und Juanita entführt. Das war Loco mit seinen Mordbrennern. Kein anderer.«

    Die Offiziere, die sich in der Kommandantur von Fort Thomas versammelt hatten, schauten düster. Einer sagte rau: »Ich möchte dieses rote Aas in die Finger kriegen. Ich würde ihn zerquetschen wie eine Laus.«

    Der Colonel nahm eine unruhige Wanderung auf. In seinen zerfurchten Zügen arbeitete es. Seine Hände lagen auf dem Rücken. Seine Stirn war düster umwölkt. Plötzlich blieb er stehen.

    »Captain McBride!«

    Der Captain nahm Haltung an. »Sir?«

    »Sie reiten mit einer Abteilung Soldaten in die Reservation zu Taza. Zwingen Sie ihn, Locos Schlupfwinkel zu verraten. Ich will diesen Schuft. Ich will ihn hängen sehen. Ihn und seine Handvoll Mörder. Drohen Sie Taza mit Strafexpeditionen. Sagen Sie ihm, dass ich keinen Unterschied mehr zwischen friedlichen und renitenten Apachen machen werde.«

    Captain McBride schaute betroffen. »Sir«, wandte er ein, »Taza und die Chiricahuas sind friedlich. Mit Ihren Drohungen würden Sie einen neuen Indianerkrieg provozieren. Sollten wir nicht die Berge nach Loco und seinen Gefolgsleuten durchkämmen und Taza aus dem Spiel lassen?«

    Die Zornesader an der Schläfe des Colonels schwoll an. Wutschnaubend zischte er: »Sie haben meinen Befehl vernommen, Captain. Sie haben ihn ohne Widerrede auszuführen. Versuchen Sie mir nie wieder zu erklären, was richtig oder falsch ist. Haben Sie mich verstanden, Captain McBride?«

    Zuletzt war der Tonfall des Colonels rasiermesserscharf geworden.

    »Gewiss, Sir«, erklärte McBride abgehackt. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Aber er hätte den alten Indianerhasser am liebsten erwürgt. McBride befand sich in einer schlimmen Gemütsverfassung.

    »Worauf warten Sie dann noch?«, schnappte der Colonel.

    Der Captain salutierte, machte kehrt und verließ die Kommandantur.

    Eine Stunde später zog er an der Spitze seines Zuges durch das Tor von Fort Thomas. Die Kavalkade überquerte den Gila River und hielt auf die Felswüste im Norden zu.

    *

    Deadlock vernahm den fernen Klang einer ganzen Serie von Schüssen und lenkte seinen Falben nach Süden. Dort wälzte der Gila River seine schmutzigen Fluten nach Westen. An Deadlock und dem Falben haftete der Staub der Apacheria. Am Gila River waren die Schüsse gefallen. Schüsse bedeuteten aber in diesem Landstrich, in dem es von Apachen und üblem Gesindel nur so wimmelte, selten etwas Gutes. Deadlock beobachtete die Umgebung aufmerksam.

    Um Deadlock herum waren nur glühende Hitze, Staub und Steine. Dumpf prallten die Hufschläge seines Pferdes nach allen Seiten auseinander. Es ging eine Anhöhe hinauf. Auf dem Scheitelpunkt zügelte Deadlock den Falben. Zwischen zwei Hügeln, aus deren Kuppen zerklüftete Sandsteinformationen ragten, sah Deadlock ein Stück des Gila Rivers. Dichtes Ufergebüsch säumte den Fluss. Einige Palo Verde Bäume überragten das ineinander verflochtene, dichte Gestrüpp, das wie eine undurchdringliche Wand anmutete.

    Tot, wie ausgestorben, lag das Terrain vor Deadlock. Er ritt wieder an und lenkte den Falben den Abhang hinunter. Er war stellenweise steil, und das Tier musste sich gegen das Gefalle stemmen. Die Hufe schlitterten über Platten glatt geschliffenen Gesteins und hinterließen helle Kratzspuren. Aber schließlich kamen Pferd und Reiter heil unten an. Deadlock ließ die Tiere traben. Staub wölkte unter den Hufen.

    Deadlock ritt zwischen die Hügel und erreichte den Fluss. Er fand einen Durchlass im Buschgürtel. Träge wälzten sich die Fluten vor den Beinen seines Pferdes dahin. Hier und dort zeugten Stromschnellen von Untiefen. Nichts war zu sehen. Am Fluss entlang ritt Deadlock nach Osten. Unablässig beobachtete er die Umgebung. Deadlocks Sinne arbeiteten mit doppelter Schärfe. Und plötzlich nahm er im Süden eine Staubwolke wahr.

    Im Galopp jagte Deadlock den Falben eine Hügelflanke zu seiner Linken hinauf. Oben parierte er das Tier. Angestrengt starrte Deadlock nach Süden. Die Staubwolke entfernte sich vom Fluß. Deadlocks scharfer Blick erfasste vier kleine schwarze Punkte, die sich vor der rollenden Staubwolke bewegten.

    Reiter!

    »Haben es ja mächtig eilig, die vier Hombres«, murmelte Deadlock. Gedankenvoll starrte er hinter ihnen her. Es war nicht zu erkennen, ob es sich um Rothäute oder Weiße handelte.

    Er verließ seinen Standort und durchritt den Fluss. Die Strömung zerrte an dem Falben, stellenweise musste er schwimmen. Wie der Bug eines Bootes zerteilte seine Brust das Wasser. Sie wurden ein Stück abgetrieben, aber dann scheuchte Deadlock das prustende Tier die Uferböschung hinauf.

    Am Ufer entlang ritt er nach Westen. Er folgte einem Knick des Rivers. Deadlock wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Die Hitze war fast unerträglich und machte das Atmen zur Qual.

    Von den Reitern war nichts mehr zu sehen. Sie waren zwischen den Hügeln aus Deadlocks Blickwinkel verschwunden. Nach etwa einer Meile stieß Deadlock auf die Leichen von fünf jungen Apachen. Schmerzhaft sprang ihm das Bild in die Augen. Die Mustangs der Getöteten zupften an den jungen Trieben des Ufergestrüpps.

    Deadlock schluckte und saß ab. In seinem Magen formte sich der Ball der Übelkeit. Die Krieger waren skalpiert. Deadlock sah ihre blutigen Köpfe, und das Blut gefror ihm in den Adern.

    Das waren Jäger gewesen. Ihre Bewaffnung bestand lediglich aus Pfeilen und Bogen. Sicher waren sie ahnungslos über den Fluss gekommen. Im Ufergebüsch aber lauerte der unerbittliche Tod. Sie waren ohne jede Vorwarnung niedergemetzelt worden.

    Skalpjäger!, durchpeitsche es Deadlocks Verstand. Ohnmächtiger Zorn spülte in ihm hoch. Das waren keine Menschen, das waren reißende Bestien, beseelt von triebhafter Mordgier. Seit die mexikanische Regierung Prämien für Apachenskalps bezahlte, trieb es diese erbarmungslosen Killer reihenweise in die Apacheria.

    Deadlock starrte in die blutverschmierten, im Tod erstarrten Gesichter der Apachen. Wahrscheinlich hatten sie ihre Mörder nicht einmal zu Gesicht bekommen.

    Es hatte keinen Kampf gegeben. Die Krieger waren skrupellos aus dem Hinterhalt abgeknallt worden. Ein Verbrechen, das vom Wahnsinn brutalster Gewalt zeugte.

    Deadlock zog den Falben herum. Von einem Augenblick zum anderen hatte er sich entschlossen. Seine Züge waren wie versteinert. Der Mord an diesen jungen Kriegern durfte nicht ungesühnt bleiben. Neuer Hass würde geboren werden. Die Chiricahuas würden ihre jungen Krieger grausam rächen.

    Vor Deadlock lag die Fährte der vier Mörder. Sein Blick saugte sich daran fest. »Vorwärts, Amigo«, murmelte er, ruckte im Sattel und gab dem Falben den Kopf frei.

    *

    Die Abteilung unter Captain McBrides Führung befand sich mitten in den Gila Mountains. Es war später Nachmittag. Die blauen Uniformen waren staubgepudert. Auf den angespannten Gesichtern lag eine Schicht aus Staub und Schweiß. Das Fell der Pferde war feucht.

    McBride vermutete in dieser Felseinöde Loco und seine Bande Abtrünniger. Vor einem Canyon gab McBride den Befehl zum Anhalten. Über dreißig Pferde verharrten unter ihren Reitern und den schweren Kavallerie-McClellan-Sätteln. Sie schlugen mit den Schweifen nach den Blutsaugern an ihren Flanken. Schaum troff von ihren Nüstern.

    »Nehmt die Gewehre zur Hand«, befahl McBride. Sein Blick tastete sich in den Canyon. Ein Sergeant ritt neben den Captain.

    »Vermuten Sie einen Hinterhalt, Sir?«, fragte er.

    »Bei Loco muss man mit allem rechnen«, erwiderte McBride knapp. »Die Männer sollen ihre Karabiner entsichern. Eine Vorhut von fünf Mann soll den Canyon erkunden.«

    Der Sergeant zerrte seinen Braunen herum und ritt nach hinten. Er rief fünf Namen. Die Kavalleristen scherten aus der Reihe und sammelten sich. Sergeant Donovan gab McBrides Befehl weiter. Die übrigen Reiter zogen die Karabiner aus den Sattelholstern. Die Gewehrschlösser klirrten metallisch.

    Die Vorhut ritt in den Canyon hinein. Ein Korporal führte sie. Bald traten die steil aufragenden Felswände auseinander. Terrassenförmige Felsen säumten den tiefen Einschnitt. Überall wucherten dornige Comas und Sumac-Dickichte. Übereinandergetürmte Felsgebilde verliehen der Umgebung ein bedrohliches, urwelthaftes Aussehen.

    Im Canyon ballte sich die Hitze. Die Soldaten waren hellwach. Die Anspannung brachte ihre Nerven zum Schwingen. Der Ort war wie geschaffen für einen Überfall. Die Nervosität vertiefte die Linien und Kerben in den Gesichtern. Schweißnasse Hände saugten sich förmlich an den Gewehren fest.

    Überlaut rollte der Hufschlag vor den Kavalleristen her. Die Augen der Soldaten waren unablässig in Bewegung. Aber da war nichts. Ein Tal öffnete sich, auf eine Weite von einer halben Meile überschaubar. Ödes, von der Sonne ausgebranntes Land; eine sandige, geröllübersäte Ebene, von Arroyos zerschnitten und mit karger Vegetation.

    »Wir kehren um!«, knurrte der Korporal.

    Sie ritten zurück. Ihre Wachsamkeit ließ nach. Beim Trupp angelangt meldete der Korporal: »Keine Feder in Sicht, Captain. Der Canyon ist frei.«

    »Danke«, murmelte McBride. Dann erhob er seine Stimme: »Abteilung - Marsch!«

    Die Kolonne setzte sich in Bewegung. Die Kavalleristen ritten in Zweierreihe. Obwohl es aussah, als wären keine Apachen in der Nähe, fühlte jeder Beklemmung in sich. »Die Apachen fristen ihr Leben selbst dort noch, wo Schlangen und Eidechsen keine Chance mehr haben. Ein Ehrenkodex ist ihnen fremd. Sie sind hinterhältig und mörderisch wie Skorpione!«, hatte Colonel Brown einmal von sich gegeben. Diese Worte hallten nun in den meisten von ihnen nach. Loco war der Schlimmste. Er war grausamer als Naichez und hinterlistiger als Geronimo.

    Sie befanden sich zwischen den Terrassenfelsen. Die Sohle des Canyons war hier an die fünfzig Yards breit. Das Hufgetrappel verschlang alle anderen Geräusche. Kein Windhauch regte sich. Plötzlich aber wurde es in den dichten Büschen, hinter Felsblöcken und in den Felsspalten lebendig. Ein schriller Schrei übertönte den Lärm des Hufschlages. Dunkelhäutige Gestalten mit nackten Oberkörpern wuchsen hinter ihren Deckungen in die Höhe. Schüsse krachten, Pfeile zogen wie schwarze Striche durch die Luft.

    »Durchbruch!«, brüllte Captain McBride mit sich überschlagender Stimme und drosch seinem Pferd die Sporen in die Weichen. Wie von der Sehne geschnellt stob das Tier los.

    Drei, vier Kavalleristen stürzten getroffen von ihren Pferden. Ein heilloses Durcheinander entstand. Männer brüllten ihren Schreck hinaus. Ein Pferd stürzte, ein wirres Knäuel aus Pferde- und Menschenleibern wälzte sich darüber hinweg. Unbarmherzig rissen die Kavalleristen ihre Pferde vorne in die Höhe. Schrilles Gewieher ertönte. Von allen Seiten kamen die Krieger. Wie brüllende Teufel stürmten sie heran, Mordgier und Vernichtungswillen in den glühenden Augen. Schüsse krachten. Bogensehnen schwirrten. Der mörderische Lärm rollte die terrassenartigen Felsen zu beiden Seiten hinauf.

    Es waren mindestens drei Dutzend Krieger. Das Tohuwabohu in den Reihen der Kavalleristen machte einen Durchbruch unmöglich. Außerdem war der Weg nach Norden von fast einem Dutzend hasserfüllter Krieger versperrt.

    Den Soldaten gelang es, den Schock abzuschütteln. McBride brüllte mit gellender Stimme Befehle. Er schoss mit seinem Colt auf die heranhetzenden Krieger. Die Soldaten verschwanden von den Pferden, suchten Deckung hinter Felsbrocken und toten Tieren. Einige ihrer Kameraden lagen verkrümmt am Boden. Pfeile steckten in ihren Körpern. Der Anblick schürte den Widerstandswillen, den Selbsterhaltungstrieb. Sie verteidigten sich nach allen Seiten.

    Das Peitschen der Schüsse, das schrille, vibrierende Geheul der Apachen, das panische Wiehern der Pferde - das alles steigerte sich und wuchs sich aus zu einem höllischen Crescendo. Die halbnackten Gestalten der Krieger verschwanden hinter Felsblöcken, federten wieder hervor. Kriegslanzen zogen ihre tödliche Bahn. Es gab keine Gnade und kein Erbarmen - es gab nur den tödlichen Hass auf beiden Seiten. Apachen wurden von den Beinen gemäht. Manche waren nur verwundet und taumelten wieder in die Höhe. Pulverdampf wogte nebelhaft.

    Und plötzlich war der Spuk vorbei. Die Apachen zogen sich zurück. Sie verschwanden ebenso schnell, wie sie gekommen waren. Es mutete an, als verschluckte sie die Erde. Das Echo der letzten Schüsse zerflatterte. Verwundete wimmerten. Fast zehn Apachen lagen am Boden. Sechs Kavalleristen waren gefallen. Gierig saugte die ausgedörrte Erde das Blut von Rot und Weiß auf.

    »Rundumsicherung!«, befahl der Captain mit rauer Stimme. Sein Gesicht war verschmutzt vom Pulverschmauch. Das Weiß seiner Augen stand in krassem Kontrast dazu. Er blutete aus einer Streifschusswunde am Oberarm. Der Colt in seiner nervigen Faust war heißgeschossen. McBride sah sich um. Ihm entging nicht der verkrampfte Ausdruck in den Gesichtern seiner Männer. Ein jeder von ihnen hatte dem Tod ins höhnisch grinsende Antlitz geschaut. Sie standen voll und ganz im Banne des Geschehenen.

    Ein Teil der Pferde war geflohen. In panischer Angst waren die Tiere davongerast. Der Rest der Tiere stand zitternd neben den Männern in den blauen Uniformen.

    Minuten verstrichen. Von den Apachen war nichts mehr zu sehen und zu hören. McBrides Gestalt wuchs hinter dem Kadaver eines Pferdes in die Höhe. Sergeant Jack Donovan erhob sich gleichfalls. Er hielt den Karabiner mit beiden Händen quer vor seiner Brust. Eine Kugel hatte ihm eine Schramme auf der Wange gerissen. Blut lief über sein Kinn.

    »Sie sind fort«, stieg es rasselnd aus seinem Kehlkopf.

    »So hat es den Anschein, Sergeant«, antwortete McBride kratzend. »Korporal, wie sieht es aus?«

    Der Gerufene sprang auf die Beine. Er lief geduckt von einem der Soldaten zum anderen. Dann meldete er: »Sechs Tote, Sir. Sieben Mann sind verwundet. Reiter Callaghan schwer. Er wird wohl die nächste halbe Stunde nicht mehr überleben.«

    McBride fuhr sich mit der Hand über die Augen. »Hört denn dieser Irrsinn niemals auf?«, flüsterte er rau und brüchig. Seine Stimme hob sich. »Miles, Jones und McIntosh - seht nach, ob von den Apachen noch welche am Leben sind.«

    Die drei sprangen auf. Geduckt, die Gewehre im Hüftanschlag, glitten sie davon.

    »Sie haben vergessen, Sir, ihnen zu sagen, dass sie den Überlebenden nicht die Schädel einschlagen sollen«, ließ sich der Sergeant vernehmen.

    »Die drei wissen genau, dass ich das nicht dulde!«, presste McBride hervor.

    Wieder zog sich die Zeit in die Länge. Die Verwundeten wurden versorgt. Verbandszeug befand sich in jeder Satteltasche.

    Die drei Soldaten schleppten zwei verwundete Krieger heran. Einem hatte eine Kugel einen Scheitel über den Schädel gezogen, dem anderen hatte ein Geschoss den Oberschenkel zerschmettert. In den breitflächigen, asiatisch anmutenden Gesichtern tobte der Schmerz, aber in den schwarzen Augen glomm unversöhnlicher Hass.

    »Alle anderen sind tot«, berichtete McIntosh ohne Gemütsregung. Mitleid hatte er nur mit seinen Kameraden, die dem heimtückischen Überfall zum Opfer gefallen waren.

    »Okay«, murmelte McBride. »Wir ziehen uns zurück. Die beiden nehmen wir mit.«

    *

    Es wurde Abend, die Dunkelheit kam. Der Gila River lag über zwanzig Meilen hinter Jim Douglas und seinen Kumpanen. Sie befanden sich in den Santa Teresa Mountains und lagerten in einem Canyon. Es gab hier ein kleines Rinnsal, Gras für die Pferds und Gruppen dorniger Büsche, zwischen denen sie ihr Camp aufschlugen. Fahles Mondlicht sickerte auf den Grund des Canyons.

    Sie hockten auf ihren Sätteln. Die Tiere hatten sie gehobbelt. Wy Hannagan hielt Wache am Eingang der Schlucht. Er saß auf einem Feldklotz und starrte in die Finsternis hinein. Die Winchester stand zwischen seinen Oberschenkeln auf der Erde.

    Die Kerle wagten nicht, ein Feuer anzumachen. Sie verzehrten kalten Proviant und tranken dazu Wasser.

    Jim Douglas sagte kauend: »Acht Skalps gestern und heute. Insgesamt haben wir jetzt fast zwanzig. Das gibt ein hübsches Sümmchen unten in Mexiko.«

    »Yeah, pro Skalp dreihundert Bucks«, bestätigte Vince Slaughter grinsend. »Wir werden die Puppen tanzen lassen unten im Greaserland.«

    Knirschende Schritte näherten sich. Es war Hannagan, der heranschlenderte. Er hatte sich die Winchester auf die Schulter gelegt.

    »Draußen ist es ruhig wie auf einem Boothill zur Geisterstunde«, erklärte er. »Es ist sinnlos, Wache zu halten.«

    Er ließ sich in das harte, trockene Gras fallen, holte seinen Tabakbeutel aus der Tasche und drehte sich im Finstern eine Zigarette. Das Streichholz flammte auf. Geisterhaft huschte der Schein der kleinen Flamme über die Gesichter. Es waren stoppelbärtige, staub- und schweißverschmierte Visagen, die im vagen Licht verwegen und hartlinig wirkten.

    Das Streichholz verlosch, und nur noch der Glutpunkt der Zigarette war zu sehen.

    »Wie du meinst«, sagte Jim Douglas kehlig. Die Finsternis hüllte ihn ein. Seine Stimme kam wie aus dem Grab.

    »Geht dein Bruder mit uns nach Mexiko, Jim?«, erkundigte sich nach einer Weile Tab Billinger.

    »Anzunehmen«, gab Douglas zurück. »Er und seine Gefährten wollen mit Sicherheit auch die Skalpe versilbern, die sie erbeutet haben. Ja, ich nehme schwer an, dass Steve und seine Leute mit uns nach Mexiko ziehen.«

    »Hoffentlich müssen wir in Tucson nicht allzu lange auf sie warten«, knurrte Hannagan.

    »Hast du etwas gegen Tucson?«, fragte Vince Slaughter spöttisch.

    »Nein, verdammt. Aber wir haben in der Apacheria ziemlich für Furore gesorgt. Nicht nur die Rothäute werden Jagd auf uns machen, sondern auch die Armee. Die Blaubäuche fürchten einen neuen Indianerkrieg, wenn sie die Skalpjagd nicht unterbinden können.«

    Douglas lachte kalt auf. »Es ist das Problem der Armee. Sollen sich die roten Filzläuse doch erheben. Wenn sie die ersten Weißen gekillt haben, setzt vielleicht auch die amerikanische Regierung Skalpprämien aus. Das wäre doch Wasser auf unseren Mühlen.«

    Tab Billinger mischte sich ein. »Wenn ihr mich fragt, dann sollten wir noch ein wenig in diesem Landstrich bleiben. Warum nicht noch einmal zwanzig Skalps ergattern. Schließlich wollen wir uns doch im Greaserland für einige Zeit ein nobles Leben gönnen. Musik, Tanz, Pulque, Señoritas ...« Er schnalzte genießerisch mit der Zunge. »Das kostet Geld, eine Menge Geld.«

    »Wir kriegen für die Skalps soviel Geld, dass wir uns einige Zeit ein sorgenfreies Leben in Mexiko leisten können«, gab Hannagan zu verstehen, »Wir dürfen den Bogen hier nicht überspannen.«

    »Ihr habt ihn schon überspannt!«

    Die Worte fielen wie Hammerschlage. Die Stimme des Mannes, der sie gesprochen hatte, klirrte wie zerberstendes Eis. Die Skalpjäger erstarrten.

    Dann aber kam das Begreifen. Und sie reagierten mit blitzartiger Schnelligkeit.

    Ihre Hände zuckten zu den Waffen. Hannagan federte hoch, wirbelte um seine Achse und duckte sich ab. Das Gewehr flog an seine Hüfte. Schemenhaft nahm er an der Felswand die Gestalt eines Mannes wahr. Eine hohe, hagere, mit der Dunkelheit verschmolzene Gestalt, die in einen langen Staubmantel gehüllt war.

    Es war Deadlock. Bei ihm blitzte es auf. Das Mündungslicht riss ihn einen Atemzug lang aus der Finsternis. Wy Hannagan erhielt einen furchtbaren Schlag gegen die Brust. Er brach wie vom Blitz gefällt zusammen.

    Die anderen Banditen waren gleichfalls herumgeschnellt. Schnell trat Deadlock in den Felsspalt zurück, in den er sich zurückgezogen hatte, nachdem er lautlos angepirscht war. Kugeln klatschten gegen das Gestein und meißelten Splitter los. Der Krach staute sich in der Schlucht und stieg die Felswände hinauf. Die Banditen stoben auseinander. Von ihnen war sich jeder nur noch selbst der Nächste.

    Deadlock feuerte auf einen huschenden Schatten. Ein Gurgeln, ein dumpfer Fall, der Schatten verschwand. Deadlock war kalt wie ein Eisblock. Diese Schufte hatten nicht das Recht, zu leben. Deadlock sprang todesverachtend aus seiner Deckung. Er durfte die Kerle nicht zur Besinnung kommen lassen. Eine Kugel pfiff an ihm vorbei, er spürte ihren glühenden Stahl und hielt genau auf das Mündungslicht. Das Gewehr in seinen Fäusten spuckte heißes Blei. Der dritte Bandit wurde getroffen. Er fand noch die Kraft, erneut abzudrücken, aber das Geschoss ließ nur den Dreck vor seinen Stiefelspitzen hochspritzen. Er fiel rücklings über einen Felsbrocken und lag still.

    Hämmernde Schritte verrieten, dass der vierte Bandit in die Schlucht hinein floh. Die Nacht harte ihn verschluckt. Wie eine Botschaft von Tod und Verderben verrollten die vielfältigen Echos der Detonationen.

    Deadlock überlegte, ob er dem vierten Mister folgen sollte. Da wehte von einem der Banditen ein Röcheln heran. Langsam atmete Deadlock aus. Die Spannung in ihm löste sich. Die Schritte des Fliehenden verhallten. Deadlock gab sich einen Ruck.

    Vince Slaughter stöhnte. Er presste die Linke gegen seine zerschossene Schulter. Blut pulsierte aus der Wunde und sickerte zwischen den Fingern des Banditen hindurch. Bleierne Benommenheit durchflutete Slaughters Bewusstsein.

    Die hohe Gestalt Deadlocks löste sich aus der Dunkelheit. Sie nahm Formen an. Geschmeidig, wie ein großes Raubtier glitt Deadlock zu dem Verwundeten hin und beugte sich über ihn.

    »Fünf Jungs«, flüsterte Deadlock heiser und eindringlich. »Ihr habt sie zusammengeknallt wie tollwütige Hunde!«

    Die kalte, schneidende Stimme riss Slaughter aus den Nebeln, in denen er trieb. Die Schleier vor seinen Augen zerrissen. Deadlocks Gesicht sah er als hellen Klecks über sich. In Vince Slaughters Brust entstand ein Gurgeln. Es kämpfte sich hoch und brach als Stöhnen über die pulvertrockenen Lippen des Banditen. Tonlos und abgehackt entrang es sich ihm: »Wer bist du?«

    Seine Stimme schwankte, klang losgelöst und spröde. Seine Zähne schlugen aufeinander. Sein Atem pfiff.

    »Man nennt mich Deadlock!«

    »Deadlock!«, Slaughter schrie den Namen nahezu hinaus. »Bei Gott ...«

    »Gott wird dir nicht helfen, Bandit«, drang es eisig über Deadlocks Lippen. »Wie ist dein Name?«

    »Slaughter - Vince Slaughter. Hölle, Deadlock, du hast mir die Schulter zerschossen. Ich verblute, wenn du mich nicht verbindest.«

    Die Stimme des Outlaws hatte wieder an Festigkeit gewonnen. Es sah aus, als habe er den Schock schnell überwunden, den die Nennung des Namens in ihm ausgelöst hatte.

    »Ob du nun verblutest, oder ob sie dich in Fort Thomas aufhängen, Slaughter«, versetzte Deadlock ungerührt, »das bleibt sich am Ende gleich.«

    Deadlock ging zu den anderen beiden reglosen Gestalten hin. Sie waren tot. Deadlock schleppte sie zur Felswand und legte sie nebeneinander auf den Boden. Dann steckte er zwei Finger in den Mund. Sein greller Pfiff zerschnitt die Stille in der Schlucht. Deadlock kehrte zu Slaughter zurück. Slaughter hatte sich gesetzt und lehnte mit dem Rücken an einem Felsblock. Deadlock brachte sein Gesicht ganz nahe an das des Banditen heran. Der Atem des anderen streifte ihn. Er sah es in den Zügen des Banditen nervös zucken. Und ihm entgingen nicht die tiefen, dunklen Furchen, die Schmerz, Blutverlust und Angst in sie gegraben haben.

    »Wie heißen deine Komplizen?«, fragte Deadlock und seine Stimme klang zwingend.

    Slaughter warf den Kopf in den Nacken. »Verbinde mich, oder du erfährst kein Wort von mir!«, röchelte er.

    »Nimm dein Halstuch und presse es auf die Wunde«, entgegnete Deadlock. »Wenn mein Pferd kommt, verbinde ich dich. Bis dahin wirst du schon nicht verbluten. Also, raus mit der Sprache: wie heißen deine Freunde?«

    Hufgetrappel wehte heran. Schnell wurde es deutlicher.

    »Douglas, Hannagan und Billinger«, murmelte Slaughter.

    »Welcher Douglas? Jim oder Steve?«

    »Jim.«

    Der Falbe löste sich aus der Dunkelheit. Deadlock holte Verbandszeug aus seiner Satteltasche.

    »Ich kann deine Wunde nur notdürftig versorgen«, erklärte er dem Banditen. »Es ist viel zu finster ...«

    »Warum machst du kein Feuer?«, presste Slaughter gequält zwischen den Zähnen hervor. Der Schmerz tobte von seiner Schulter bis unter die Hirnschale und strahlte in seine Brust. Eine zunehmende Schwäche breitete sich in seinem Körper aus.

    »Damit mich dein Kumpan aus sicherer Entfernung abknallen kann, wie?«, murmelte Deadlock ironisch. Er hatte den geflohenen Banditen nicht vergessen. Er war ein Mann, der nie etwas außer Acht ließ, das ihm gefährlich werden konnte. Seine Instinkte waren geschärft, ein Leben voll tödlicher Gefahren hatte ihn geprägt.

    Slaughter schwieg verbissen. Deadlock holte sein Messer aus dem Stiefelschaft und schnitt Slaughter das Hemd vom Leib. Dann verband er die Wunde, so gut es bei den schlechten Lichtverhältnissen ging. Anschließend fesselte er Slaughter die Hände.

    Deadlock nahm dem Falben Sattel und Zaumzeug ab, dann setzte er sich an den Felsen. Der Mond wanderte über die Schlucht hinweg. Hin und wieder verdunkelten ihn ziehende Wolkenfetzen. Ungezählte Sterne flimmerten am Himmel. Der fahle silbrige Schein verschwand von den Felswänden. Im Canyon wurde es stockfinster.

    Der Falbe lag in seiner Nähe auf dem Boden. Die Pferde der Banditen schliefen. Slaughter stöhnte und ächzte. Deadlock legte sich das Gewehr quer über die Oberschenkel. Weit streckte er die Beine von sich. Er war müde, durfte aber nicht schlafen. Der entkommene Bandit stellte eine zu große Gefahr dar.

    Kälte begann aus dem Boden zu kriechen. Sie durchdrang Deadlocks Kleidung und ließ ihn frösteln. Aber sie half ihm, wach zu bleiben. Endlos zogen sich die Stunden dahin. Aber dann lichtete sich über der Schlucht die Dunkelheit. Die Sterne begannen zu verblassen. Steif erhob sich Deadlock. Seine Augen brannten. Er reckte sich, bog das Kreuz durch, schlug die Arme einige Male um seinen Körper, um die Muskeln und Sehnen zu lockern und die Blutzirkulation anzuregen. Das Morgengrauen fiel zwischen die Felswände.

    Deadlock stapfte zum Lagerplatz der Banditen. Da lagen die Sättel. In den Futteralen steckten die Gewehre. Nur einer der Scabbards war leer. Ein kleiner, prallgefüllter Leinensack lag auf der Erde. Die dunklen Flecken waren Blut. Deadlock drehte sich der Magen um. Er kannte den Inhalt. Es waren die Skalps, die die Mörder erbeutet hatten. Der Sack war zugebunden.

    Schnell nahm die Helligkeit zu. Deadlock bohrte seinen Blick in die Schlucht hinein. Nichts regte sich. Er sattelte die Pferde und knüpfte den blutigen Sack an einen Sattelknauf.

    Slaughter war wach. Unter halb gesenkten Lidern hervor beobachtete er Deadlock. Ein tückisches Schillern war in seinen Augen. Slaughter sah mitgenommen aus. Seine Lippen waren rissig. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen. Er hechelte: »Einer der Burschen dort beim Felsen ist Jim Douglas. Sein Bruder wird dich dafür in die Hölle schicken.«

    »Wir werden sehen«, murmelte Deadlock gelassen. »Hoch mit dir, Bandit.«

    Slaughter rappelte sich auf die Beine. Der Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen. Der Verband um Brust und Schulter war blutig. Slaughter fror erbärmlich.

    »Setz dich dort auf den Felsen«, murmelte Deadlock. »Ich will noch einmal nach deiner Wunde sehen.«

    Es war ein grässliches Loch, das seine Kugel gerissen hatte. Deadlock wusch die Wunde mit Wasser aus, dann stopfte er etwas Verbandstoff in den Wundkanal, und schließlich legte er Slaughter einen festen Verband an. Der Bandit war der Ohnmacht nahe, als Deadlock fertig war. Der Schmerz in seiner Schulter eskalierte. Sein Gesicht war grau. Er zitterte.

    Deadlock nötigte Slaughter in den Sattel. Mit den vorne gebundenen Händen konnte der Outlaw die Zügel führen. Dann saß Deadlock auf.

    *

    Zerschlagen, zerschunden, körperlich und geistig am Ende - so kam Captain Phil McBride mit dem Rest seiner Abteilung im Laufe des Vormittags in Fort Thomas an. Auf den wenigen Pferden, die ihnen geblieben waren, saßen zusammengekrümmt und mit rotgeränderten Augen die Verwundeten. Die beiden gefangenen Apachen mussten zusammen auf einem Pferd sitzen. Auch diese von der Wüste und einem kargen Leben gestählten Krieger waren ausgelaugt und erschöpft. Die Kavalleristen, die laufen mussten, taumelten nur noch willenlos dahin.

    Soldaten liefen aus ihren Unterkünften. Die Wachbaracke leerte sich. Alles, was zwei Beine hatte, kam ins Freie. Zivilisten, die sich im Fort aufhielten, mischten sich unter die Soldaten. Die Gesichter waren ernst, in den Augen spiegelten sich Entsetzen und Betroffenheit.

    Auf der staubigen Straße zwischen Exerzierplatz und Kommandantur ließ der Captain anhalten. Einige der ausgelaugten Kavalleristen sanken dort, wo sie gerade standen, in den Staub. Ihre Köpfe baumelten kraftlos vor der Brust. Die Verwundeten starrten mit erloschenem Blick auf die Tür, aus der jeden Augenblick Colonel John B. Brown treten musste.

    Rings um sie herum sammelten sich die Menschen. Jeder wollte hören, was geschehen war. Der Fortkommandant trat aus der Tür. McBrides Gestalt straffte sich. Er legte die Rechte an den Feldhut. Seine Stimme krächzte staubheiser: »Wir gerieten in den Gila Mountains in einen Hinterhalt der Apachen, Sir, und mussten umkehren. Sechs Mann starben sofort, der Reiter Callaghan starb unterwegs. Sechs Mann sind verwundet.«

    Der finstere Blick des Colonels sprang von einem der abgerissenen und verschmutzten Soldaten zum anderen. Eine steile Falte bildete sich über seiner Nasenwurzel. Sie reichte fast bis zum Haaransatz. Von diesen Männern konnte er nicht mehr erwarten, dass sie Haltung annahmen. Er starrte die beiden Gefangenen an. Stoisch blickten sie an ihm vorbei. Ihre Gesichter waren wie aus Holz geschnitzt.

    »Sie haben Gefangene gemacht«, grollte das raue Organ des Colonels. »Sind das Leute von Loco?«

    »Ich weiß es nicht, Sir. Die Kerle haben noch kein einziges Wort von sich gegeben. Ich weiß nicht einmal, ob es Locos Bande war, die uns den Hinterhalt legte.«

    »Egal«, stieß Brown hervor. Er ballte die Hände zu Fäusten. »Die beiden werden hängen. Ich werde ein Exempel statuieren. Morgen früh knüpfen wir sie an einer der Korkeichen vor dem Fort auf. Und wir lassen sie hängen - zur Abschreckung.«

    McBride verschluckte sich fast. Was der Colonel beabsichtigte, war ungeheuerlich. Mit der Hinrichtung der beiden Indsmen würde er selbst in das Herz des friedlichsten Apachen den giftigen Stachel des Hasses stoßen. McBrides krustige Lippen sprangen auseinander. Aber er kam nicht dazu, etwas zu sagen. Denn der Colonel winkte schroff ab.

    »Sparen Sie sich Ihren Kommentar, Captain, Ich weiß schon, was ich tue.«

    McBride würgte hinunter, was ihm auf der Zunge brannte. Heiser, mit belegter Stimme, fragte er: »Sir, kann ich den Befehl zum Wegtreten geben?«

    Der Colonel nickte wortlos, dann machte er auf dem Absatz kehrt.

    McBride hielt mit Gewalt den hochspülenden Zorn unter Kontrolle. Er wandte sich den Soldaten zu. »Wegtreten, Leute! Ruht euch aus. Ihr seid durch die Hölle gegangen und habt Ruhe verdient.«

    Einige Wachsoldaten rannten herbei und zerrten die Apachen vom Pferd. Auf die Verletzungen der Roten nahmen sie keine Rücksicht. Sie schleppten sie zur Wachbaracke, in deren Keller sich die Gefängniszellen befanden. Den Verwundeten wurde von den Pferden geholfen. Man brachte sie in die Lazarettbaracke. Andere Soldaten kümmerten sich um die ausgemergelten, völlig apathisch am Boden hockenden Kavalleristen, die den Tod hautnah erlebt hatten. Die Pferde wurden fortgeführt.

    Der Colonel war in seinem Bau verschwunden. McBride ging langsam zu seiner Unterkunft. Eines Tages erstickt Brown an seiner Unzufriedenheit und seinem zügellosen Hass auf die Apachen!, durchflutete es McBrides Bewusstsein. Das Land wird im Blut ertrinken, wenn er die beiden Indsmen hängen lässt.

    Die Zukunft, die sich vor McBrides geistigem Auge herauskristallisierte, war so finster wie seine Gedanken.

    Fünf Minuten später lag er auf seinem Bett. Er verfiel sofort in tiefen Schlaf.

    *

    Als die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hatte, zog Deadlock mit seinem Gefangenen und drei ledigen Pferden durch das Palisadentor von Fort Thomas. Der wachhabende Offizier trat ihm in den Weg. Deadlock hielt an.

    »Deadlock - Sie?« rief der Lieutenant überrascht. Er schaute auf Slaughter. Der Bandit war fertig. Der Schweiß rann ihm in Bächen über das hohlwangige Gesicht. »Wen bringen Sie denn da?«, setzte der Lieutenant hinzu.

    »Sein Name ist Vince Slaughter. Er ermordete zusammen mit drei Komplizen fünf junge Krieger. Es sind Skalpjäger. Zwei der Banditen musste ich töten. Einer entkam. Allerdings musste er die Apacheria auf Schusters Rappen durchqueren.« Deadlock grinste lahm. »Sperren Sie diesen Schuft ein, Lieutenant. Ich werde dem Colonel Bericht erstatten.«

    Der junge Offizier winkte zwei Wachsoldaten herbei. »Bringt ihn ins Gefängnis«, trug er ihnen auf und wies mit einer knappen Geste auf Slaughter.

    »Ich brauche einen Arzt!«, geiferte der Bandit. »Deadlock, verdammt, ich ...«

    Die beiden Soldaten zerrten ihn vom Pferd. Er brüllte auf. Deadlock sagte zu dem Lieutenant: »Es sollte sich wohl tatsächlich der Doc um ihn kümmern. Er hat ein übles Loch in der Schulter. Übernehmen Sie die Gäule der Banditen, Lieutenant?«

    »Sicher. Lassen Sie sie einfach stehen, Deadlock. Heh, was ist in dem blutigen Sack?«

    »Skalps«, erwiderte Deadlock angeekelt.

    Slaughter wurde in die Wachbaracke dirigiert. Die Soldaten fassten ihn nicht mit Samthandschuhen an. Kerle von der Sorte Slaughters schürten den Hass im Indianerland, und viele ihrer Kameraden fielen diesem fanatischen Hass zum Opfer.

    »Bei allen Heiligen!«, flüsterte der Lieutenant entsetzt.

    Deadlock ritt zur Kommandantur. Er leinte den Falben an den Haltebalken und ging hinein. Eine Ordonnanz meldete ihn beim Colonel an, und gleich darauf stand er vor dem Schreibtisch des Fortkommandanten.

    Browns Brauen zuckten in die Höhe. Herablassend musterte er Deadlock, was der Kopfgeldjäger gelassen über sich ergehen ließ. Er hatte den Hut abgenommen. Eine Strähne seines schweißnassen, sandfarbenen Haares fiel ihm in die Stirn. Von seinen Schultern rieselte Staub zu Boden.

    »Was wollen Sie, Deadlock?«, schnarrte Brown unfreundlich. »Sind Sie einem steckbrieflich Gesuchten auf der Spur, den Sie in Fort Thomas vermuten?«

    Unverhohlener Zynismus und kalte Verachtung hatten im Tonfall seiner Stimme gelegen.

    Seine Erhabenheit, seine Arroganz jedoch prallten an Deadlock ab. Die Antipathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Unbeeindruckt sagte Deadlock: »Ich habe Ihnen einen Skalpjäger gebracht, Colonel. Es waren vier. Sie ermordeten am Gila River fünf junge Chiricahuas und skalpierten sie.«

    »Vier?«, spuckte Brown förmlich.

    »Yeah. Zwei schmoren in der Hölle, einer ist entkommen. Sie hatten einen ganzen Sack voller Skalps. Die Mexe hätten ihnen ein Vermögen dafür gezahlt.«

    Langsam drückte der Colonel seinen Körper vom Stuhl in die Höhe. Er stemmte sich mit beiden Armen auf die Schreibtischplatte. Seine Brauen schoben sich zusammen. »Waren die Rothäute auf dem Kriegspfad?«

    Deadlock schüttelte den Kopf. »Es waren Jäger.«

    Die Kiefer Browns begannen zu mahlen. »Vor zwei Tagen haben Loco und seine Teufel die Gonzales-Farm überfallen. Pablo Gonzales haben sie umgebracht, seine Frau und seine Tochter entführt. Ich schickte Captain McBride mit einer Abteilung zu Taza in die Reservation. In den Gila Bergen geriet der Trupp in einen Hinterhalt. Es gab Verluste, Deadlock. Weiße Männer starben. Und da weinen Sie mir wegen einiger getöteter Apachen etwas vor!«

    Deadlocks Augen wurden eng. Zwischen den Lidern funkelte es unheilvoll. Schroff stieß er hervor: »Es waren fast noch Kinder, Colonel. Sie wurden skrupellos aus dem Hinterhalt abgeknallt. Friedliche Reservat-Apachen, die auf der Jagd waren, um ihren Hunger zu stillen.«

    »Es gibt keinen friedlichen Apachen!«, fauchte Brown. »Dass die mexikanische Regierung Prämien für Apachenskalps zahlt, wird schon seinen guten Grund haben. Den Mann, den Sie gefangen haben - soll ich ihn anklagen, nur weil er geholfen hat, das Land von einer Plage zu befreien?«

    »Colonel«, erwiderte Deadlock sanft - gefährlich sanft, »wenn Sie es nicht tun, werde ich einen Bericht nach Phönix schicken. Dort hat man nämlich kein Verständnis für Apachenmörder, und auch nicht für Offiziere, die mit ihnen sympathisieren.«

    »Hinaus mit Ihnen!«, brauste Brown auf. Sein Gesicht war dunkel angelaufen. Er machte den Eindruck, als wollte er sich auf Deadlock stürzen.

    Ihre Blicke kreuzten sich wie Degenklingen. Jähe Feindschaft stand zwischen ihnen. Deadlock spürte den Anprall des Hasses, der von Brown ausging, fast körperlich. Er stülpte sich den Hut auf den Kopf. »Sie sind kein Mann für das Apachenland, Colonel«, presste er hervor. »Männer wie Sie richten hier nur Schaden an.«

    Abrupt schwang er herum. Der Colonel schnaubte vor Wut. Die Tür fiel hinter Deadlock ins Schloss.

    Deadlock trat ins Freie. Tief inhalierte er die würzige Luft. Bitterkeit erfüllte ihn. Er leinte den Falben los, als er sich aber in den Sattel ziehen wollte, kam der wachhabende Lieutenant gelaufen. Er rief seinen Namen: »Deadlock!«

    Deadlock ließ die Hand auf dem Sattelknauf liegen und wandte sich dem Offizier zu. Ein wenig außer Atem kam dieser bei ihm an. In seinen blauen Augen las Deadlock das Grauen.

    »Deadlock«, entrang es sich dem Lieutenant. »Ich habe den Sack mit den Skalps ausschütten lassen. Mein Gott, Deadlock, diese Verbrecher haben nicht mal vor Kindern haltgemacht.«

    Der Lieutenant wischte sich über die Augen, als wollte er einen schlimmen Alptraum verscheuchen.

    Deadlock kniff die Lippen zusammen. Dann sagte er dumpf: »Es sind Bestien. Aber solange die Skalpjagd ein einträgliches Geschäft ist, wird der Wahnsinn nicht aufhören.«

    Der Lieutenant erschauerte. Seine blutleeren Lippen zuckten.

    Deadlock saß auf. »Der Colonel erzählte mir, dass McBride mit einer Abteilung Soldaten in einen Hinterhalt geriet. Ist McBride davongekommen?«

    »Ja. Er und der Rest seines Trupps kamen fix und fertig vor zwei Stunden an. Wahrscheinlich schläft McBride jetzt. Sieben Tote, Deadlock, eine Reihe Verwundeter - Colonel Brown wird eine Strafexpedition ins Reservat schicken.«

    »Euer Colonel hat überhaupt recht sonderbare Ansichten, was die Apachen betrifft«, versetzte Deadlock und ritt an. Hinter der verstaubten Scheibe des Fensters der Kommandantur sah er Brown stehen. Deadlock schaute weg. Er lenkte den Falben zur Kantine. Ein sachter Wind wirbelte den Staub über den Paradeplatz. Das Banner bewegte sich träge am Mast. Deadlocks Gedanken waren nicht erfreulich. Eine Strafexpedition war der beste Nährboden für blutigen Aufruhr. Aber dem Colonel traute er eine derartige Aktion jederzeit zu.

    Zu der Kantine gehörte ein Stall, in dem Zivilisten ihre Pferde unterstellen konnten. Er brachte den Falben hinein und überließ ihm den Stallmann. Deadlock nahm seine Winchester und begab sich in die Kantine. Er hatte Hunger und Durst.

    *

    An der Tür zu McBrides Unterkunft klopfte es. Der Oberkörper des Captains ruckte in die Höhe. Das Pochen hatte ihn aus dem tiefsten Schlaf gerissen. Es war düster in dem karg eingerichteten Raum. Vor dem Fenster hing die Abenddämmerung. McBride rieb sich die Augen und gähnte, dann rief er verdrossen: »Was gibt es?«

    »Der Colonel will Sie sehen, Captain!«, ertönte die Antwort.

    »Right, ich komme.«

    Draußen entfernten sich Schritte. McBride schwang die Beine vom Bett und erhob sich. Er fühlte sich wie gerädert und verfluchte seinen Vorgesetzten. Er warf sich einige Hände voll Wasser ins Gesicht und trocknete sich ab, dann schlüpfte er in seine Stiefel. Seine Füße brannten wie Feuer. Er verzog den Mund. Seine Schritte muteten hölzern an, als er die Unterkunft verließ.

    Der Colonel empfing ihn mit den Worten: »Ich will diesen Höllenhund Loco, Captain. Diese Kreatur muss von der Erde vertilgt werden. Nehmen Sie sich eine Kompanie Soldaten und durchforsten Sie jeden Winkel zwischen den Santa Teresa Bergen und den Gila Mountains. Bringen Sie mir Loco, und zwar lebendig.«

    McBrides Ahnungen waren damit bestätigt. Er murmelte: »Loco zu fangen wird nicht einfach sein, Sir. Mit einer Kompanie Soldaten aber ist es unmöglich. Jede Annäherung wäre meilenweit zu hören. Locos Bande würde mit uns Katz und Maus spielen. Locos Männer könnten einen der Soldaten nach dem anderen aus dem Hinterhalt abschießen und spurlos im Felsgewirr verschwinden.«

    »Was schlagen Sie vor, Captain?«

    »Lassen Sie mich allein reiten, Sir. Nur so habe ich eine Chance, an Loco heranzukommen.«

    Der Colonel schaute verblüfft. »Sie alleine, Captain?«, platzte es dann aus ihm heraus.

    »Ja, Sir.«

    Brown wurde nachdenklich. Er fragte: »Sie wissen, worauf Sie sich da einlassen?«

    »Gewiss.«

    »Wann reiten Sie?«

    »Morgen.«

    Brown wurde wieder unpersönlich und distanziert. »Gut. Sie reiten nach der Hinrichtung der beiden Rothäute. Die gesamte Fortbesatzung hat Order, der Hinrichtung beizuwohnen. Zugleich mit Ihnen wird Captain Miller mit seiner Kompanie in die Apacheria ziehen. Ich nehme den Überfall auf Sie und Ihre Männer nicht einfach so hin, Captain.«

    McBride schluckte. Ein Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet. Er vermochte ihn jedoch nicht hinunterzuwürgen. »Captain Miller«, ächzte er, »er soll ...«

    Brown schnitt ihm barsch das Wort ab. »Er hat den Auftrag, eines der Apachendörfer dem Erdboden gleichzumachen!«, zischte er voll Besessenheit. »Diese roten Parasiten dürfen nicht glauben, dass wir den Tod von sieben Soldaten ungestraft lassen.«

    »Aber die Apachen im Reservat haben mit dem Überfall doch nicht das Geringste zu tun!«, brach es über McBrides Lippen.

    »Es soll eine Warnung für alle Roten sein, die sich mit dem Gedanken an Aufruhr tragen!«, erklärte der Colonel frostig. »Wir wollen keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass wir kurzen Prozess machen.«

    McBride erbebte innerlich. »Sie stürzen das Land in einen mörderischen Indianerkrieg, Colonel«, warnte er gedehnt. »Die Reservat-Indianer sind unschuldig. Sie können nichts dafür, dass Loco, Geronimo, Naichez, Noglee und noch ein paar andere Häuptlinge eine Blutspur kreuz und quer durch Arizona und Mexiko ziehen.«

    »Mein Entschluss steht fest!«, klirrte die Stimme des Colonels. Er überkreuzte die Arme vor der Brust. Herausfordernd sah er McBride an. »Widerspruch dulde ich nicht. Sie, Miller und alle anderen sind mir zum unbedingten Gehorsam verpflichtet. Ist das klar?«

    Die ganze Haltung des Colonels wurde so herausfordernd wie sein Blick. Ein düsteres Feuer brannte in seinen Augen. In seiner letzten Frage hatte eine deutliche Drohung gelegen. McBride fragte sich, ob Brown noch bei Sinnen war. Artete seine tödliche Leidenschaft in Irrsinn aus?

    »Yeah, Sir, ich kenne meine Pflichten«, murmelte McBride mit lahmer Stimme. »Aber nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich meinen Abschied einreichen werde, sobald ich Loco gefangen habe. Solange Männer wie Sie Befehle erteilen dürfen, kann ich mich nicht mehr mit der Armee der Vereinigten Staaten identifizieren. Und dann werde ich einigen Herrn in Phönix die Augen über die Zustände hier draußen öffnen.«

    »Sie sind wohl übergeschnappt, Captain?« Browns Stimme war nur noch ein besessenes, heiseres Geflüster. »Wollen Sie mir drohen? Ich kann Sie fertigmachen.«

    »Ich fürchte Sie nicht, Colonel!« McBride salutierte, abrupt machte er kehrt, hart hämmerten seine Absätze über die Dielen.

    Als er die Kommandantur verließ, war es bereits ziemlich dunkel. In den Gebäuden des Forts waren die Lampen angezündet worden. Das Licht streute aus den Fenstern und brachte den Staub zum Glitzern. Von der Kantine her erreichte dumpfes Stimmengemurmel das Gehör McBrides. Er brauchte einen Brandy, um den galligen Geschmack in der Mundhöhle hinunterzuspülen. Er folgte der zerfurchten Straße zwischen Exerzierplatz und den Gebäuden. Hinter ihnen erhob sich der Palisadenzaun mit seinen Wehrgängen, auf denen die Posten patrouillierten.

    Das war McBrides Leben. Er war mit Herz und Seele Soldat. Herbe Enttäuschung befiel ihn. Noch ein Job. Und dann sollte das alles zu Ende sein. Warum lässt du dich nicht einfach versetzen?, überlegte er. Es gibt eine ganze Reihe von Forts im Apachenland. Es muss nicht Fort Thomas sein.

    Er verdrängte diese Gedanken. Es wäre einer Flucht gleichgekommen. Und an den Missständen hier hätte sich nichts geändert. Nur als Zivilist konnte er für die Apachen im Reservat eintreten. Sein Entschluss war unumstößlich.

    Beißender Tabakqualm, der Geruch von Bier, Brandy und Schweiß und ein Stau aus rauen Stimmen empfingen den Captain in der Kantine. An der Bar drängten sich dienstfreie Soldaten. An einigen Tischen wurde gepokert. Hier sah McBride auch einige Zivilisten. Einer stach ihm ganz besonders ins Auge. Obwohl ihm nicht nach Lachen zumute war, zogen sich McBrides Lippen in die Breite. Seine Zähne blitzten. Mit schnellen Schritten näherte er sich dem Tisch.

    »Deadlock!«, rief er erfreut. »Was treibt dich in diesen gottverlassenen Winkel des Territoriums?«

    Deadlock grinste und wies auf einen Stuhl. Er saß vor einem Bier. McBride war ein guter Freund von ihm. Sie hatten sich in Tucson kennen gelernt. McBride wäre es damals dreckig ergangen, wenn Deadlock sich nicht eingemischt hätte. Einige betrunkene Sattelstrolche wollten ihm mit aller Gewalt ein Loch in die Uniform schießen.

    McBride setzte sich, nachdem sie sich die Hände geschüttelt hatten. »Ich hörte, dass du einen Zusammenstoß mit den Apachen hattest, Phil«, sagte Deadlock. »Sieht aus, als hätte sich dieser Landstrich in ein Pulverfass verwandelt.«

    McBrides Miene verdüsterte sich. »Es wird noch schlimmer werden, Deadlock«, murmelte er. »Morgen früh sollen draußen vor dem Fort zwei Apachen, die mir bei dem Überfall in die Hände fielen, aufgehängt werden. Außerdem startet Brown eine Strafexpedition ins Reservat. Du kannst dir an fünf Fingern abzählen, was das Resultat dieser Aktion ist.«

    »Brown ist ein Narr!«, knurrte Deadlock. »Warum schicken sie ihn nicht endlich in den Osten zurück?«

    »Er gilt als fähiger Mann, Deadlock. Im Krieg hat er sich eine ganze Reihe von Auszeichnungen erworben. Er ist unantastbar.«

    »Im Krieg«, schnaubte Deadlock verächtlich, »da ging es gegen General Lees Rebellen, die den Yanks zehnfach unterlegen waren. Es ging um Sieg oder Niederlage. Hier aber geht es darum, das Land zu befrieden. Dazu ist eine andere Taktik notwendig als die in West Point eingetrichterte.«

    McBride winkte ab. »Reden wir nicht mehr davon, Deadlock. Wo kommst du her? Ziehst du auf der Fährte eines Banditen?«

    »No. Ich habe oben in Fort Apache Ned Coulter gestellt und den Behörden übergeben. Und weil Fort Thomas in der Nähe lag, dachte ich mir, ich besuche dich.«

    McBride grinste wieder. »Wann hängst du endlich dieses unstete Leben an den Nagel?«, fragte er und ahnte zugleich die Antwort.

    »Schätzungsweise nie, Phil. Es wird mich immer wieder in den Sattel treiben, solange Recht und Ordnung auf wackligen Beinen stehen, solange weiße Schufte die Indsmen als Freiwild betrachten, solange ganze Banditenhorden das Land unsicher machen und das Gesetz versagt.«

    Er erzählte McBride von den Skalp-Jägern und schloss: »Es war die Bande von Jim Douglas. Dieser Billinger, der entkam, wird Steve Douglas verständigen. Ich denke, dass ich diesen Kerl bald auf meiner Fährte kleben habe.«

    »Diese Bastarde!«, knirschte McBride erschüttert.

    Deadlock berichtete ihm auch von der Einstellung Colonel Browns zum Treiben der Skalpjäger. Bitter endete er: »Es ist sehr wahrscheinlich, dass er Vince Slaughter laufen lässt. Sicher wird er ihn vor Gericht stellen. Aber es gibt immer Mittel und Wege, um einen Freispruch zu begründen.«

    »Das sähe ihm ähnlich«, murmelte McBride. Sarkastisch fügte er hinzu: »Ich habe noch eine Mission in der blauen Uniform zu erledigen, Deadlock. Wenn ich überlebe, trete ich aus der Armee aus. Und dann werde ich Colonel John B. Brown ganz gehörig auf die Hacken steigen.«

    Deadlock horchte auf. »Was für eine Mission? Hört sich nach Himmelfahrtskommando an.«

    »Das wird es auch. Ich soll Loco fangen.« McBride verstummte und ließ seine Worte auf Deadlock wirken. Deadlock schaute fragend. Der Captain erklärte: »Ich reite alleine. Denn nur so kann ich mich im Apachenland sicher bewegen. Brown will Loco. Aber ich werde ihm was husten. Sollte es mir gelingen, Loco zu schnappen, dann bringe ich ihn nach Fort Apache.«

    Deadlock schaute versonnen. Sein Blick hing an McBrides scharflinigem Gesicht, plötzlich sagte Deadlock: »Ich komme mit dir, Phil.«

    *

    Außer den Posten auf den Wehrgängen hatte sich die gesamte Besatzung von Fort Thomas bei den Korkeichen eingefunden. Das Morgengrau wob noch in den Kronen der Bäume. Die Gräser waren feucht vom Tau. Vom Gila River her zogen Nebelschwaden. Im Osten stand die Sonne erst halb über dem bizarren Horizont.

    Von einem starken Ast baumelten zwei Schlingen. Träge schaukelten sie im Morgenwind. Zwei sattellose Pferde standen darunter. Deadlock hatte sich unter eine Gruppe von sensationsgierigen Zivilisten gemischt. Er hatte Mühe, seine düsteren Empfindungen hinter einem nichts sagenden Gesichtsausdruck zu verbergen. Nur sein Blick verriet Widerwillen. Sein Mund war wie ausgedörrt. Er hatte das Gefühl, als wehte ihn kalte Grabesluft an, als eine Gruppe Soldaten die beiden Apachen aus dem Tor bugsierten. Sie benutzten die Gewehrkolben und Fäuste. Einer der Krieger stürzte. Um seinen Oberschenkel wand sich ein durchbluteter Verband. Zwei Kavalleristen packten ihn unter den Achseln und schleiften ihn weiter.

    Colonel Brown folgte zu Pferde der Gruppe mit den Delinquenten. Sein Stab begleitete ihn. Auch Captain McBride war darunter. Seine Miene war Spiegelbild seiner Empfindungen. Der Captain befand sich in der schlimmsten Gemütsverfassung seines Lebens. Hilflos und ohnmächtig musste er mitmachen. Alles andere wäre Befehlsverweigerung gewesen.

    Der Trupp passierte Deadlock. Es schaute in die Gesichter der Krieger. Unter der braunen Haut muteten sie grau an. Aber sie trugen keine Furcht vor dem Tod zur Schau. Doch in den Tiefen ihrer schwarzen Augen glaubte Deadlock die Schatten von Angst und Verzweiflung zu erkennen. Es war nicht der Tod selbst, der die Krieger entsetzte. Es war die schmähliche Art des Sterbens am Ende eines Strickes; die schändlichste Todesart für einen Apachen,

    Befehle ertönten: »A-Kompanie -stillgestanden! - B-Kompanie - stillgestanden! - C-Kompanie ...«

    Hacken knallten zusammen. Der Hufschlag brach ab. Die Offiziere richteten ihre Pferde zu beiden Seiten des Colonels aus. Die Apachen wurden auf die Pferde gehoben. Ihre Hände waren auf den Rücken gefesselt. Ein Sergeant ritt neben sie, legte ihnen die Schlingen um den Hals und zog sie enger. Einer der Krieger spuckte ihn an und warf stolz den Kopf in den Nacken. Die langen schwarzen Haare flogen. Der Sergeant fluchte und hob die Faust, um den Apachen zu schlagen. Aber ein scharfer Befehl Browns hielt ihn davon ab.

    »Schluss damit, Sergeant! Nehmen Sie die Peitsche zur Hand.«

    Die Faust sank herab. Der Sergeant wischte sich mit dem Ärmel den Speichel aus dem Gesicht und griff nach der Peitsche, die zusammengerollt am Knauf seines Sattels hing.

    »Trommler!«, blaffte Browns Stimme.

    Ein weithin hallender Trommelwirbel setzte ein. Die Apachen saßen starr wie Statuen auf den Pferden. Der Sergeant drängte seinen Braunen ein Stück zurück. Die Peitschenschnur glitt zu Boden. McBride starrte mit leerem Blick auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne. In Deadlocks Brust hämmerte das Herz einen wilden Rhythmus. Dem eisigen Wind seiner Gedanken ausgesetzt stand er in der Gruppe Männer.

    Unvermittelt brach der Trommelwirbel ab. Colonel Brown erhob seine schneidende Stimme: »Die beiden Verurteilten waren dabei, als eure Kameraden ermordet wurden, Leute. Auf Mord steht in diesem Land der Strick. Sie haben ihr Leben verwirkt, nachdem das Blut von Soldaten geflossen ist. – Sergeant, treiben Sie die Pferde weg!«

    Die Peitschenschnur zuckte hoch. Die Zuschauer hielten den Atem an. Das Leder klatschte quer über die Kruppen der Pferde. Sie machten einen erschreckten Satz nach vom. Eine Erschütterung ging durch den Baum, als die Stricke sich unter dem Gewicht der beiden Körper mit einem Ruck strafften. Der Ast ächzte. Die Beine der Gehenkten zuckten einige Male unkontrolliert, dann hingen die Krieger schlaff an den Seilen. Ein Raunen ging durch die Menge.

    »Sie bleiben vierundzwanzig Stunden hängen!«, ordnete der Colonel laut an. »Vielleicht dienen sie als abschreckendes Beispiel. - Mannschaftsführer, lasst abrücken.«

    *

    Deadlock und McBride verließen Fort Thomas. Das riesige Palisadentor wurde hinter ihnen geschlossen. Sie ritten Steigbügel an Steigbügel. Schlaff hingen die beiden Krieger vom Ast dar Korkeiche. Niemand hatte diese verrückte Tat verhindern können.

    »Wo beginnen wir mit unserer Suche nach Loco?«, fragte Deadlock.

    »Wir reiten zu Gonzales' Farm. Dort war er vor wenigen Tagen mit seiner Bande. Vielleicht können wir eine Spur aufnehmen.«

    Sie folgten einem schmalen Nebenfluss des Gila River nach Norden. In der Ferne erhoben sich die wild zerklüfteten Gila Mountains wie riesige, verwitterte Grabsteine in einem gnadenlosen Land. Die beiden Männer ritten schweigsam. Ständig schweiften ihre Blicke in die Umgebung. Neben ihnen war das Gemurmel des Flusses. Im Ufergestrüpp summten die Bienen.

    Sie erreichten die Farm am frühen Nachmittag. Einige Schuppen waren niedergebrannt. Nur noch ein wüstes Durcheinander kreuz und quer liegender, verkohlter Balken und Bretter war von ihnen übrig. Das flache Farmhaus aus Adobe und dem Grassodendach stand noch. In einem Fensterladen steckte ein Pfeil. Die Haustür stand sperrangelweit offen. Ein brenzliger Geruch lag in der heißen Luft.

    Hier und dort glitzerte eine Messinghülse im Sonnenlicht. Der Boden war aufgewühlt von Pferdehufen. Im Staub lag eine Kriegskeule. Es war ein Bild der Zerstörung, des mörderischen Wahnsinns. Hier hatte der Satan persönlich gewütet.

    Ein flacher Grabhügel mit einem Kreuz aus zusammengebundenen Ästen zeugte davon, wo die Patrouille, die vom Rauch angelockt worden war, Pablo Gonzales begraben hatte.

    »Gonzales muss sich gewehrt haben bis zum letzten Blutstropfen«, meinte McBride.

    »Er hätte die letzten Kugeln für seine Frau, seine Tochter und sich selbst aufheben sollen«, murmelte Deadlock. »Dann wäre jedem von ihnen eine Menge erspart geblieben.«

    »Sie haben Pablo an den Beinen aufgehängt und dann mit Pfeilen gespickt. Es muss ein fürchterlicher Anblick gewesen sein. Die Soldaten, die ihn fanden, konnten zwei Tage lang nichts essen.«

    Irgendwo knarrte eine Tür. Deadlocks Hand fuhr zum Colt und umklammerte den Knauf. McBride griff nach der Winchester, die im Scabbard steckte. Aber da war nichts. Das Knarren ertönte wieder. Die Haustür bewegte sich leicht im Durchzug.

    »Maria ist eine verdammt hübsche Frau«, sagte McBride. »Und Loco ist ein elender Bastard.«

    »Wie alt ist das Mädchen?«, fragte Deadlock.

    »Zwölf«, antwortete der Captain brüchig. Er knirschte mit den Zähnen beim Gedanken an das Schicksal der Frau und ihrer Tochter.

    Sie ritten um das zerstörte Anwesen herum und stellten fest, dass die Bande diesen Ort des Todes und des Untergangs nach Westen verlassen hatte.

    Sie ritten auf der Spur. Am Abend lagerten sie. McBride holte eine Karte aus der Satteltasche. Er breitete sie am Boden aus und deutete mit dem Finger auf die Stelle, an der sie sich befanden. Sein Finger folgte der Linie nach Westen. Er murmelte gedankenvoll: »Wenn Loco die Route beibehält, dann gelangt er direkt nach San Carlos. Was will er dort? In der Reservatsverwaltung ist Kavallerie stationiert. So verrückt kann er doch gar nicht sein, dass er einen Überfall auf San Carlos plant.«

    »Kaum vorstellbar«, pflichtete Deadlock bei. »Aber vielleicht ist sein Ziel die Versorgungsstraße zwischen Phönix und San Carlos.«

    »Du denkst, er will einen Nachschubtransport für San Carlos überfallen?«

    »Das wäre eine Möglichkeit, oder nicht?«

    »Verdammt, ja!« McBride fixierte Deadlocks kantiges Gesicht. »Von Phönix aus schicken sie jeden Monat einen Versorgungszug nach San Carlos. Immer zum Monatsanfang.«

    »Das bedeutet, dass gestern oder vorgestern ein Transport auf die Reise gegangen ist«, stellte Deadlock trocken fest. »Für die hundert Meilen braucht der Transport fünf oder sechs Tage.«

    »Hölle, und Loco hat drei Tage Vorsprung. Das holen wir niemals auf.«

    McBrides Finger verfolgte auf der Landkarte die imaginäre Linie weiter. »Nehmen wir an, der Transport ist gestern früh abgegangen. Dann befindet er sich morgen Abend in den südlichen Ausläufern der Mazatzal Mountains. Die Armee hat die Straße mitten durch die Berge angelegt. Kein Platz eignet sich besser für einen Überfall. - Verdammt, Deadlock, wir müssen weiter. Wir müssen versuchen, den Transport zu warnen, ehe er in die Berge fährt.«

    *

    Der Nachschubtransport hatte Phönix schon einen Tag vorher verlassen. Es waren vier große Prärieschoner, die von jeweils vier Ochsen gezogen wurden. Neben jedem der Fuhrleute saß ein bewaffneter Begleiter in blauer Uniform. Ein Trupp von zwölf Mann eskortierte die Kolonne der Fuhrwerke. Zwei Soldaten ritten voraus, um die Gegend zu erkunden. Sie hatten die Karabiner aus den Scabbards genommen und entsichert.

    Ein Lieutenant führte den Zug. Sein Name war Sam Logan. Er ritt mit einem Sergeanten am Ende der Kolonne.

    Als die Sonne blutrot im Westen versank, wand sich die Kolonne zwischen Hügeln dahin. Von Osten her schob sich die Dämmerung ins Land. Die Schatten waren lang geworden. Das Licht des Abendsonnenscheins verlieh den Hügeln einen rötlichen Schimmer.

    Das Abendrot verblasste, aus den Tiefen der Bergtäler zogen die ersten Dunstschwaden empor, krochen die Hänge hinauf und hüllten Bäume, Felsen und Sträucher ein. Der Lieutenant gab den Befehl zum Lagern. Sie befanden sich in einer Mulde zwischen buckligen Höhenzügen.

    Die Wagen wurden zusammengefahren, die Ochsen ausgeschirrt, den Pferden wurden die Sättel abgenommen. Sie hatten Wasserfässer dabei, aus denen sie die Tiere tränkten. Dann dachten die Männer an sich. Sie wuschen sich den Schmutz aus den Gesichtern, aßen von ihrer Marschverpflegung und tranken Wasser. Feuer wurde nicht angemacht. Der Widerschein hätte wilde Tiere oder Apachen anlocken können. Keiner der Männer ahnte, dass der Tod bereits die knöcherne Klaue nach ihnen ausstreckte.

    Die Tiere zupften das karge Gras, das am Wegrand wucherte. Die Soldaten unterhielten sich leise. Zwei Wachen umrundeten langsam die Wagen. Die Finsternis nahm zu. Die Soldaten trieben die Tiere zwischen die Wagen und spannten Lassos herum. So entstand ein provisorischer Corral. Der Mond kam und schüttete sein fahles Licht auf die Erde. Ein Nachtvogel schrie durchdringend und schauerlich.

    Die Kavalleristen rollten sich unter den Wagen gerade in ihre Decken, als ein schriller Schrei die Stille sprengte. Die Herzen drohten ihnen zu zerspringen. Sie krochen unter den Fuhrwerken hervor, knieten ab und schlugen die Gewehre an. Schemenhafte Gestalten huschten die Hügelflanken herunter. Der Schrei war jäh abgebrochen. Dafür schwirrten die ersten Pfeile heran. Ein Soldat brach mit einem gurgelnden Laut zusammen.

    »Apachen!«, brüllte eine überschnappende Stimme.

    »Schlagt sie zurück!«, gellte das Organ des Lieutenants.

    Ein Pferd wieherte in panischem Schrecken, als sich ein Pfeil in seine Flanke bohrte. Die Gewehre begannen zu donnern. Mündungslichter leckten in die Dunkelheit und zerschnitten sie. Geisterhaft zuckte der Widerschein über die Männer und Fuhrwerke hinweg.

    Die Apachen gingen zum offenen Angriff über. Wieder stieg der markerschütternde, trällernde Kriegsruf in die Höhe und vervielfältigte sich. Überall rund um die Stellung der Soldaten glühten Feuerblumen auf. Die Kugeln der Apachen hieben in die Bordwände der Schoner, fällten Pferde und Ochsen. Die anderen Tiere waren rasend vor Angst. Die Fuhrwerke erbebten unter dem Anprall ihrer schweren Körper. Die Nacht war voll vom Lärm des unerbittlichen Kampfes. Die mit der Nacht verschmelzenden, gleitenden, huschenden, in Mulden und hinter Büschen verschwindenden und wieder hochschnellenden Schemen waren für die Soldaten kein einfaches Ziel. Dennoch feuerten sie die Rohre heiß. Die ersten Gewehre waren leergeschossen und Colts wummerten dumpf in das hellere Peitschen der Karabiner. Eine Wand von feurigen Blitzen hatte sich rund um die kleine Wagenburg aufgestellt. Beißender Pulverrauch ließ die Augen tränen und vernebelte die Sicht. Ein Ruck ging durch die Fuhrwerke, als die völlig außer Rand und Band geratenen Tiere den Seilcorral durchbrachen. Ein Soldat rettete sich im letzten Augenblick mit einem Hechtsprung zur Seite. Der hämmernde Hufschlag der fliehenden Tiere vermischte sich mit dem Krachen der Waffen. Geschosse wurden von den eisenumreiften Wagenrädern abgelenkt und heulten als Querschläger in die Finsternis hinein.

    Das Trommelfeuer der Kavalleristen trieb die Apachen zurück. Geduckt hetzten sie die Hügelflanken hinauf. Der Lärm ebbte ab. Schließlich flatterte wütendes Geheul in die Mulde, als die Apachen ihrem Zorn und ihrer Enttäuschung Luft machten. In der Ferne verhallte grollend der Hufschlag der Stampede. Die Soldaten zogen sich in die Wagenburg zurück. Hastig wurden die Waffen nachgeladen, Gewehrschlösser klirrten. Die Soldaten standen unter einer ungeheuren inneren Anspannung und Erregung. Die Stille war trügerisch und unerträglich. Eine nervliche Zerreißprobe begann.

    »Jetzt haben wir den Salat«, tönte Sergeant Weaver. Seine Stimme klang rau wie Sandpapier.

    Die Soldaten fuhren beim Klang seiner Stimme zusammen. Schreckhaft krallten sich ihre zitternden Hände um die Waffen.

    »Welche Verluste haben wir?«, rief der Lieutenant halblaut.

    »Fünf Mann sind draufgegangen«, meldete nach kurzer Zeit ein Soldat. »Diese elenden Halsabschneider.«

    »Und sämtliche Gäule sind fort«, ergänzte der Sergeant lakonisch. »Selbst wenn es uns gelingen sollte, die Bluthunde zu vertreiben, sitzen wir hier fest. In San Carlos merken sie frühestens in drei oder vier Tagen, dass wir überfällig sind. In Phönix brauchen sie noch eine Woche länger.«

    »Mit Hilfe aus San Carlos können wir kaum rechnen«, knurrte der Lieutenant. »Sie werden dort selbst alle Hände voll zu tun haben.«

    »Also müssen wir den Transport aufgeben und versuchen, uns durchzuschlagen«, grollte das Organ eines Soldaten.

    »Wir kämen nicht durch«, versetzte der Sergeant, und in seinem Tonfall lag nichts als Hoffnungslosigkeit. »Die Apachen würden uns immer wieder attackieren und nicht ruhen, bis der letzte von uns vor die Hunde gegangen ist.«

    »Die Hölle verschlinge diese rothäutigen Chinesen!«, giftete einer.

    »Sie lecken sich jetzt ihre Wunden«, erklärte Lieutenant Sam Logan spröde. »Und im Morgengrauen greifen sie erneut an. Vier Mann halten Wache. Nach zwei Stunden werden sie abgelöst. Haltet Augen und Ohren offen, Leute. Wer keine Wache hat, soll versuchen, zu schlafen. Wir werden morgen früh all unsere Kraft brauchen.«

    *

    Als im Osten ein fingerbreiter, heller Streifen am Himmel den Tag ankündigte, erfolgte der Angriff der Apachen. Diesmal kamen sie auf ihren Mustangs. Sie brachen mit Getöse aus dem Morgendunst. Ihr gellendes Kampfgeschrei ging den Soldaten durch Mark und Bein. Es waren über zwei Dutzend Krieger, die von allen Seiten auf die Wagenburg zusprengten. Sie ritten wie die Teufel. Das Hufgetrappel schlug über den Soldaten zusammen wie eine Botschaft des Schreckens. Pfeile zischten durch die Morgendämmerung, Gewehre brüllten, Tomahawks wirbelten.

    Eine Salve aus den Karabinern empfing die Chiricahuas. Einige Pferderücken wurden leergefegt. Hier und dort brach ein Mustang vorne ein. Apachen flogen durch die Luft, landeten katzengewandt auf allen vieren und federten wieder hoch. Die anderen schwenkten ein und stoben, in eine Wolke von Staub gehüllt, um die Wagenburg herum.

    Die Soldaten

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