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Im Westen ist die Hölle los Band 5 - 3 Romane in einem Band
Im Westen ist die Hölle los Band 5 - 3 Romane in einem Band
Im Westen ist die Hölle los Band 5 - 3 Romane in einem Band
eBook397 Seiten5 Stunden

Im Westen ist die Hölle los Band 5 - 3 Romane in einem Band

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Über dieses E-Book

In der Region um Fort Sill haben aufständische Comanchen und Kiowas die Reservation verlassen und kämpfen gegen die Weißen. Ben Drago, selbst zur Hälfte ein Kiowa-Indianer, soll auf Bitte von General Grierson, dem Kommandanten von Fort Sill, in den Auseinandersetzungen zwischen beiden verfeindeten Parteien vermitteln. Der »Schwarze Falke«, Anführer der abtrünnigen Kiowas, und Ben Drago kennen sich gut. Aber der Hass auf beiden Seiten eskaliert immer weiter, als skrupellose Büffeljäger in die Jagdgründe der Indianer eindringen und dort ein Massaker anrichten. Sie töten nicht nur die Büffel, sondern auch wehrlose Frauen und Kinder der Kiowas und Comanchen. Für den Schwarzen Falken gib es nur noch einen Weg - den Weg des Kriegers …

Diese Western-Sonderedition enthält folgende drei überaus spannende Western des Western-Autors Peter Dubina:

› Der Kriegspfad des Schwarzen Falken

› Jenseits der Hölle

› Der Letzte von Morgans Plünderern
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum26. Aug. 2019
ISBN9783745210132
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    Buchvorschau

    Im Westen ist die Hölle los Band 5 - 3 Romane in einem Band - Peter Dubina

    Im Westen ist die Hölle los

    ––––––––

    Western-Sonderedition Band 5

    3 Romane in einem Band

    von Peter Dubina

    ––––––––

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Cover: Edward Martin mit Kathrin Peschel, 2019

    Korrektorat, Zusammenstellung: Kerstin Peschel

    © dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Dieser Band beinhaltet folgende Western:

    Der Kriegspfad des Schwarzen Falken

    Jenseits der Hölle

    Der Letzte von Morgans Plünderern

    ***

    Der Kriegspfad des Schwarzen Falken

    Kappentext:

    In der Region um Fort Sill haben aufständische Comanchen und Kiowas die Reservation verlassen und kämpfen gegen die Weißen. Ben Drago, selbst zur Hälfte ein Kiowa-Indianer, soll auf Bitte von General Grierson, dem Kommandanten von Fort Sill, in den Auseinandersetzungen zwischen beiden verfeindeten Parteien vermitteln. Der »Schwarze Falke«, Anführer der abtrünnigen Kiowas, und Ben Drago kennen sich gut. Aber der Hass auf beiden Seiten eskaliert immer weiter, als skrupellose Büffeljäger in die Jagdgründe der Indianer eindringen und dort ein Massaker anrichten. Sie töten nicht nur die Büffel, sondern auch wehrlose Frauen und Kinder der Kiowas und Comanchen. Für den Schwarzen Falken gib es nur noch einen Weg – den Weg des Kriegers ...

    ***

    1. Kapitel

    Ben Drago hatte die Rauchfahne über dem nördlichen Horizont schon vor einer Stunde gesehen – Bussarde, die mit schwerfälligen Flügelschlägen dorthin flogen, hatten ihn darauf hingewiesen. Der einsame Reiter war keine Sekunde im Zweifel gewesen: Rauch und Bussarde, das bedeutete in den Wüstengebieten von Nord-Texas immer dasselbe – Tod.

    Drago war ein hochgewachsener Mann. Wenn er aufrecht stand, maß er sechs Fuß und zwei Zoll. Er trug ein bunt gesticktes, mit Fransen verziertes Lederhemd, an den Schenkeln von der Sonne gebleichte Levis-Hosen und Mokassins, deren hohe Schäfte unter den Knien von Lederriemen gehalten wurden. Tief an seiner rechten Hüfte war ein Armeecolt mit Holzgriff festgeschnallt. An der linken Seite trug er ein Bowie-Messer mit Beingriff in einer Büffellederscheide.

    Seit er die Rauchfahne am fernen Horizont gesehen hatte, hielt er seine Henry Rifle in der linken Armbeuge, den rechten Zeigefinger in den Abzugsbügel gehakt.

    Doch das eigentlich Bemerkenswerte an Ben Dragos Erscheinung war sein Gesicht, das von einem staubbedeckten schwarzen Texanerhut mit breitem Rand und flacher Krone beschattet wurde. Es war das Gesicht eines Indianers, scharf geschnitten, kühn und stolz wie das eines Falken, aber mit einem Zug von Bitterkeit und Einsamkeit um die Mundwinkel. Das schwarze Haar trug er schulterlang.

    Sein schwarz-weiß gescheckter Pinto blickte mit bösen Augen, die erkennen ließen, wie verwegen, bockbeinig und niederträchtig er zu sein vermochte.

    Ben Drago zügelte den Hengst am Rand eines um diese Jahreszeit ausgetrockneten Flussbettes. Vor dem Comanchen-Zeltdorf in der Niederung war nur wenig übriggeblieben. Einige der Bisonhaut-Tipis brannten noch, von anderen standen nur noch die Stangengerüste. Die Luft war von stinkenden Rauchschwaden erfüllt.

    Ben Drago stieß dem Hengst die stumpfen Hacken seiner Mokassins in die Weichen und ritt in das Flussbett hinunter. Überall zwischen den verkohlenden Tipis lagen tote Indianer: Männer, Frauen, sogar Kinder.

    Ein halbnackter Krieger lag – von Kugeln durchsiebt unter seinem zusammengeschossenen Pferd. Seine starre Rechte umklammerte noch einen Winchester-Karabiner, das Schild an seinem linken Arm bedeckte das Gesicht des Toten. Nur wenige Schritte entfernt lag ein anderer Comanche mit einer furchtbaren Säbelwunde zwischen den Schulterblättern. Aber auch er musste bis zuletzt erbittert gekämpft haben, denn neben seiner ausgestreckten Hand lag ein mit Pulverschleim bedeckter alter Perkussionscolt, Ben Drago spürte Bitterkeit in sich aufsteigen, als er an einer Squaw vorbeiritt, die noch im Tod ihr Kind an sich drückte. Beide waren von Kugeln niedergestreckt worden. Mitten in dem zerstörten Zeltdorf zügelte Ben Drago sein Pferd und schwang sich aus dem Sattel. Er stieg über einen gefallenen Comanchenkrieger weg, ging ein paar Schritte weit und sah sich um. Aber nirgendwo war ein Zeichen von Leben zu entdecken. Nur die Bussarde kreisten lauernd und geduldig wie der Tod über den Rauchwolken, als warteten sie darauf, dass der einsame Reiter sie wieder mit ihrer schrecklichen Beute allein ließ.

    An vielen Orten hatte sich Ben Drago schon solch ein Anblick geboten, und immer war ihm, wenn er schließlich weiter geritten war, zumute gewesen, als habe er ein Stück von sich selbst sterbend zurückgelassen. Es war das Erbe seiner indianischen Mutter, das ihn so empfinden ließ. Ben Drago war ein Kämpfer und auf seine Weise ein Revolvermann, aber er hasste das blutige Sterben und die sinnlose Vernichtung, wie der erbarmungslose Krieg zwischen Weißen und Indianern sie mit sich brachte.

    Er stieß mit dem Fuß gegen eine am Boden liegende zerbrochene Lanze, an deren Schaft im heißen Wüstenwind Adlerfedern zitterten. Diese zerschellte Comanchenlanze wirkte auf Ben Drago wie ein Symbol für den Kampf, den das Volk seiner Mutter längst verloren hatte, auch wenn es sich da und dort noch erbittert gegen die Weißen zur Wehr setzte.

    Mitten in seine bitteren Gedanken hinein peitschte ein Schuss, und er hörte das dumpfe Geräusch, mit dem die Kugel ihr Ziel traf. Er fuhr herum, riss blitzschnell den Ladehebel der Henry nach unten, und eine Patrone fuhr mit metallischem Klicken in den Lauf. Doch sein Zeigefinger, erstarrte am Abzugshahn.

    Nur fünf Schritte von ihm entfernt lag der Comanche, über den er vor einer Minute hinweg gestiegen war, weil er ihn für tot gehalten hatte, auf den Knien. Mit beiden Händen hielt er einen Colt auf Ben Drago gerichtet, der Revolverlauf schwankte hin und her. In der nackten, mit weißem Lehm beschmierten Brust des Indianers saß ein Ausschussloch, wie eine Kugel es hinterlässt, wenn sie den Körper eines Menschen durchschlägt. Die Hände mit dem Colt sanken herab, der Comanche fiel vornüber aufs Gesicht.

    Ben Drago hob seinen Blick von dem Toten. Am Rand der gegenüberliegenden Uferböschung hielt ein Reiter, der ein Packpferd am Zügel führte. Er ließ die Winchester, mit der er geschossen hatte, sinken, lud die Waffe durch und stieß sie in den Sattelschuh. Dann spornte er sein Pferd an und ritt im Schritt den Abhang hinunter.

    Wie ein Bussard saß er im Sattel. Er war hochgewachsen und hager und vom Hut bis zu den kniehohen Maultierrohr-Stiefeln in schwarzes Leder gekleidet. Man merkte ihm an, dass er einen langen, harten Ritt hinter sich hatte, denn er war staubbedeckt. Seine Rockschöße waren nach hinten geschlagen und ließen zwei silberne Colts mit weißen Elfenbeingriffen sehen, die in tief geschnallten schwarzledernen Halftern steckten. Die Art, wie der Mann seine Waffen trug, verriet Ben Drago, dass er einem Revolvermann gegenüberstand.

    Das Gesicht des Fremden war fast dreieckig, mit stark hervortretenden Backenknochen, und erinnerte Ben Drago an das eines Wolfes – ein Eindruck, der noch durch die schräg geschnittenen bernsteingelben Augen verstärkt wurde. Sein Pferd war ein Rapphengst mit wilden Augen, langem Schweif und herrlicher Mähne. Sattel und Zaumzeug bestanden aus schwarzem, silberbeschlagenem Leder. Das zweite Pferd war ein erschöpfter Brauner mit schweißbedeckten Flanken, der eine mit einer Decke verhüllte Last über dem Sattel trug. Die Decke war voll Fliegen.

    »Wenn ich den Finger eine Sekunde später um den Abzugshahn gekrümmt hätte, hätten Sie jetzt ein Kugelloch zwischen den Schultern«, sagte der Fremde. »Übrigens: Mein Name ist Siringo, Charles Siringo.«

    Ben Drago hatte diesen Namen schon mehrmals nennen hören. Siringo war ein Kopfgeldjäger und hatte in Texas, Neumexiko und Arizona einen legendären Ruf als Revolvermann.

    »Waren Sie Zeuge des Massakers?«, fragte Ben Drago.

    »Nein.«

    »Was suchen Sie dann hier?«

    »Nichts. Was ich suchte, habe ich schon gefunden«, erwiderte er und deutete mit einer Kopfbewegung auf die verhüllte Last im Sattel des Braunen. Ben Drago hob den Rand der Decke mit dem Gewehrlauf hoch und sah, dass darunter ein Toter auf dem Pferderücken festgebunden war. »Auf seinem Steckbrief steht: tot oder lebend«, fuhr der Kopfgeldjäger fort. »Er ist fünfhundert Dollar wert.«

    Siringo hatte ihm das Leben gerettet, doch plötzlich empfand Ben Drago Widerwillen, ja, Hass gegen diesen Mann, der völlig ungerührt inmitten von Tod und Verwüstung von dem Geld sprach, das er fürs Töten erhielt. Drago kehrte zu seinem Pferd zurück, schob die Henry Rifle in den Sattelschuh und saß auf.

    »Wenn Sie nicht blaue Augen hätten, würde ich sie für einen Indianer halten«, sagte Siringo. »Arbeiten Sie als Kundschafter für die Armee? Nein«, beantwortete er seine Frage selbst, als sein Blick auf Dragos tief geschnallten Colt mit dem abgewetzten Holzgriff fiel. »Nein, Sie tragen Ihre Waffe wie ein Revolvermann. Wie ist Ihr Name?«

    »Man nennt mich Ben Drago.«

    »Ben Drago – das Kiowa-Halbblut?« Ein Funke sprang in Siringos Augen auf. »Ich habe schon von Ihnen gehört. Wenn Sie auch auf dem Weg nach Fort Sill sind, sollten wir zusammen reiten.«

    »Ich weiß, dass ich in Ihrer Schuld stehe. Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, unsere Rechnung zu begleichen«, entgegnete Ben Drago. »Trotzdem möchte ich allein von hier weg reiten.

    »Es ist wohl das Indianerblut in Ihren Adern, das Ihnen beim Anblick der toten Comanchen zusetzt«, sagte Siringo. Seine Stimme klang jetzt höhnisch und herausfordernd. Ben Drago hatte ihn abgewiesen, als er ihm anbot, an seiner Seite zu reiten. Das allein genügte, um Feindschaft zwischen ihnen zu entfachen. Revolvermänner, denen die meisten Menschen ohnehin mit Hass, Verachtung oder Angst begegneten, hatten einen leicht verletzlichen Stolz.

    »Ich habe in meinem Leben schon viele Männer sterben sehen – und einige davon habe ich selbst getötet«, erwiderte Ben Drago und legte die Rechte auf den Holzgriff seines Armeecolts. »Aber ich habe noch nie einen Menschen für Geld umgebracht, ich habe das Töten nicht zu meinem Geschäft gemacht. Das ist der Unterschied zwischen uns, Siringo. Deshalb lässt mich der Tod unschuldiger Frauen und Kinder nicht unberührt, während er Ihnen völlig gleichgültig zu sein scheint.«

    Das Gesicht des Kopfgeldjägers erstarrte.

    »Ich hätte wohl doch eine Sekunde länger warten sollen, bevor ich eine Patrone verschwendete, um Ihr Leben zu retten«, sagte er.

    Ben Drago griff mit der linken Hand in die Tasche, zog einen Silberdollar hervor und warf ihn vor Siringo in den Staub.

    »Das ist für die Patrone«, entgegnete er.

    »Sie schätzen Ihr Leben verdammt niedrig ein«, sagte der Kopfgeldjäger. »Mag sein, es ist billig zu haben.«

    Seine Rechte hing noch immer mit gekrümmten Fingern über dem Elfenbeingriff des silbernen Colts. Er schien versucht, den Kampf zu wagen.

    Doch in diesem Augenblick ertönte Hufschlag. Ben Drago warf einen schnellen Blick nach links und sah US-Kavallerie aus den Rauchwolken der brennenden Tipis auftauchen. Die Soldaten näherten sich in Zweierreihen, zwischen sich führten sie Indianer, die mit auf den Rücken gefesselten Händen auf den ungesattelten Rücken ihrer scheckigen Pferde saßen. Der Offizier – ein junger Lieutenant mit rötlichem Dragonerschnurrbart – galoppierte, gefolgt von Hornist und Fahnenträger, auf Ben Drago und Siringo zu.

    »Lieutenant Parke Stobo, G-Kompanie des 10. US-Kavallerieregiments«, sagte er. »Wenn Sie keine Armeeangehörigen sind, sollten Sie dieses Gebiet auf dem schnellsten Weg verlassen. Hier kommt es überall zu Gefechten zwischen Truppen und aufständischen Comanchen und Kiowas.«

    Ben Drago zog einen sorgfältig zusammengefalteten Brief aus der Tasche und reichte ihn dem Lieutenant, der ihn las, zurückgab und militärisch grüßte.

    »Meine Kompanie befindet sich nach einem Kampf auf dem Rückweg nach Fort Sill«, fuhr er fort. »Wenn Sie wollen, können Sie sich uns anschließen. Und Sie, Sir?«, wandte er sich an Siringo, der sich in den Sattel hatte zurücksinken lassen.

    »Ich bin ebenfalls auf dem Weg nach Fort Sill«, antwortete der Kopfgeldjäger. »Ich brauche eine schriftliche Bestätigung des Provost Marshals.«

    Ben Drago folgte den vorbeireitenden gefangenen Comanchen mit seinem Blick. Der Erste in der Reihe war ein junger Krieger mit einer schwarzen Falkenfeder im Haar. Ebenso wie den nachfolgenden Gefangenen waren ihm die Hände auf den Rücken gefesselt. Eins aber unterschied ihn von den anderen: Er trug einen alten spanischen Brustpanzer. Er saß erschöpft auf seinem Pferd. Sein Kopf hing vornüber, das Kinn lag auf dem blanken Eisen. Doch als habe er Ben Dragos Blick gespürt, hob er die Stirn – und im Vorbeireiten trafen sich die Blicke der beiden Männer. Ein jähes Erkennen durchzuckte Ben Drago.

    »Wie sind diese Comanchen in Gefangenschaft geraten, Lieutenant?«, fragte er.

    »Beim Angriff auf das Zeltdorf ist eine Anzahl Krieger entkommen«, antwortete der Offizier. »Wir haben sie verfolgt. In einem weiteren Gefecht wurden die meisten getötet, der Rest gefangengenommen. Wir schaffen sie nach Fort Sill, wo sie vor ein Militärgericht gestellt werden.«

    »Sie hätten dem Henker die Arbeit abnehmen können, wenn Sie sie an Ort und Stelle erschossen hätten«, warf Siringo ein.

    Diese Worte trafen Ben Drago wie ein Schlag ins Gesicht. Doch er ließ sich nichts anmerken, als er sich an den Lieutenant wandte: »Ich möchte mit dem Gefangenen reden, der diesen alten Eisenpanzer trägt.«

    »Ich habe nichts dagegen. Aber nehmen Sie sich vor ihm in acht. Er ist einer der Anführer des Aufstandes. Er weiß, dass ihm der Galgen droht und würde wahrscheinlich alles tun, um eine Waffe in die Hand zu kriegen und kämpfend zu sterben.«

    Ben Drago saß ab und schlang die Zügel seines Pinto-Hengstes um eine halbverkohlte Zeltstange, dann ging er zu den Gefangenen hinüber, die unter scharfer Bewachung standen. Der Comanche im Brustharnisch hob den Blick, als Ben Drago neben seinem Pferd stehenblieb.

    »Erkennst du mich wieder, Schwarzer Falke?«, fragte Ben Drago. »Vor ein paar Wintern haben wir zusammen Büffel gejagt. Was ist geschehen, dass wieder Blut fließt zwischen deinem Volk und den Weißen?«

    Er brach ab, denn der Comanche hatte ihm ins Gesicht gespuckt. »Haben die weißen Soldaten dich gerufen, damit du ihnen hilfst, mein Volk zu vernichten?«, erwiderte der Gefangene.

    Ben Drago wischte sich das Gesicht mit dem Handrücken ab.

    »Wir waren Freunde – und wir sind es noch immer. Worte, die im Zorn gesprochen werden, muss man vergessen können. Warum willst du mir nicht sagen, was geschehen ist, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?«

    »Das ist geschehen«, antwortete der Indianer und deutete mit einer Kopfbewegung auf das zerstörte Zeltdorf. »Das und noch Schlimmeres. Hungernde alte Leute, sterbende kleine Kinder, ein Volk ohne alle Hoffnung – das ist es, was geschah.«

    »Schwarzer Falke, dein Volk kann den Kampf gegen die Weißen nicht gewinnen.«

    »Das wissen wir, Ben Drago. Aber es gibt eine Grenze für das, was Menschen ertragen können. Es ist besser, kämpfend zu sterben, als zu verhungern. Du, der du die Sache der Weißen zu deiner eigenen gemacht hast, kannst nicht verstehen, was mein Volk empfindet. Du gehörst nicht zu uns. Du hast weißes und rotes Blut in deinem Herzen, aber die Stimme des weißen Blutes klingt stärker in dir.«

    »Ich bin nicht dein Feind«, sagte Ben Drago. »Meine Mutter war eine Kiowa, und in meinem Herzen bin ich mehr ein Kiowa als ein Weißer. Colonel Grierson, der Kommandant von Fort Sill, hat mich gerufen, damit ich ihm helfe, den Kämpfen zwischen der Armee und den Comanchen und Kiowas ein Ende zu bereiten.«

    Weiter gelangte er nicht. In dem Augenblick, in dem der Comanche sich vom Pferderücken herab auf ihn warf, durchzuckte Ben Drago die Erkenntnis, dass er vergessen hatte, auf die Hände des Gefangenen zu achten. Irgendwie war es dem Indianer gelungen, seine Fesseln so weit zu lockern, dass er sich mit einem letzten, verzweifelten Ruck hatte befreien können. Beide Männer stürzten zu Boden.

    Ben Drago fühlte, wie der Comanche ihm mit der Rechten den Colt aus dem Halfter riss. Er konnte das Handgelenk seines Gegners gerade noch in dem Moment packen, in dem der Schwarze Falke die Revolvermündung auf Ben Dragos Stirn richtete und abdrücken konnte.

    In dieser Sekunde erreichte ein Sergeant, der sich bei dem plötzlichen Angriff des Indianers auf Ben Drago aus dem Sattel geschwungen und seine Waffe gezogen hatte, die beiden Kämpfenden und schlug den Schwarzen Falken mit dem stählernen Coltlauf nieder. Der Comanche erschlaffte, rollte von Ben Drago herunter und blieb regungslos liegen.

    Ben Drago richtete sich auf den Knien auf, nahm dem Indianer den Armeecolt aus der schlaffen Hand, schob die Waffe in das tief geschnallte Halfter, hob seinen Hut auf, kam auf die Füße und schlug sich mit der Hutkrempe den Staub von den Kleidern.

    Zwei farbige Kavalleristen saßen ab, wälzten den Besinnungslosen aufs Gesicht und banden ihm die Arme auf den Rücken. Als sie ihn auf die Füße stellten, war er wieder bei sich und warf Ben Drago einen Blick voll tödlichen Hasses zu, bevor ihn die Soldaten zu seinem Pferd schleppten und hinaufhoben.

    »Sie kennen diesen Indianer?«, fragte der Lieutenant, der ebenfalls den Colt gezogen hatte und ihn nun wieder in das Armeehalfter schob. Ben Drago war zu seinem Pinto zurückgekehrt und hatte sich in den Sattel geschwungen. Er nickte.

    »Was hat diese neuen Kämpfe zwischen der Armee und den Comanchen ausgelöst, Lieutenant?«, wollte er wissen. »Seit zwei Jahren ist in diesem Teil von Texas nicht mehr gekämpft worden. Die Indianer lebten in der Reservation und verließen sie nur, um südlich des Red River Büffel zu jagen – ein Recht, das ihnen der mit der Regierung in Washington geschlossene Friedensvertrag ausdrücklich zugesteht.«

    »Es sind blutige Unruhen im Indianerterritorium ausgebrochen, und schließlich haben mehrere Banden von Comanchen und Kiowas unter Black Horse und dem Schwarzen Falken die Reservation verlassen. Die 10. Kavallerie hat den Befehl erhalten, die aufständischen Indianer in die Reservation zurückzutreiben.«

    »Es sieht eher so aus, als lautete Ihr Befehl, jeden Indianer – sei es Mann, Frau oder Kind – südlich des Red River zu töten«, sagte Ben Drago mit einem Blick auf das zerstörte Zeltdorf.

    »Sie würden anders reden, wenn Sie die Blutspur gesehen hätten, die die Indianer durch Nord-Texas ziehen«, entgegnete der junge Lieutenant mit unverkennbarer Feindseligkeit. »Nachts wird der Weg, den die aufständischen Banden nehmen, von Feuerschein und tagsüber von Rauchsäulen gezeichnet. Sie überfallen Postkutschen, Büffeljägerlager und kleine Siedlungen und töten jeden Weißen, der ihnen in die Hände fällt.«

    Der Lieutenant setzte seinem Pferd die Sporen an und ritt zu seiner wartenden Abteilung. Der Hornist und der Standartenträger folgten ihm. Nur Siringo blieb zurück. Er stützte sich mit beiden Händen auf das Sattelhorn und musterte Ben Drago mit einem abschätzenden Blick.

    »Wer überleben will, Ben Drago, muss sich auf die Seite des Siegers schlagen. Die Indianer können den Kampf nicht gewinnen«, sagte er. »Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Vergessen Sie das Kiowa-Blut in Ihren Adern. Nehmen Sie keine Indianersquaw, sondern eine weiße Frau zum Weib. Dann wird man Ihren Kindern nicht mehr ansehen, dass sie noch zu einem Viertel Indianer sind.«

    Ben Dragos Hand fuhr zum Griff des Colts. Aber ebenso schnell, wie sein Zorn aufgeflammt war, erlosch er auch wieder. Er hatte in seinem wilden, kampferfüllten Leben gelernt, Männer und ihre Worte richtig einzuschätzen – ein Umstand, der ihm mehr als einmal das Leben gerettet hatte – und sein Gefühl sagte ihm, dass Siringo ihn nicht abermals beleidigen und herausfordern wollte. Seine Worte entsprangen der einfachen Überlebensstrategie eines Revolvermannes.

    Der Kopfgeldjäger zog seinen Rapphengst herum und ritt, das Lasttier mit seiner schrecklichen Bürde mit sich führend, zu den Soldaten hinüber.

    2. Kapitel

    Es war früher Abend, die Sonne war schon untergegangen, und die lichtblauen Schatten der fernen Hügel griffen wie Finger weit über die Ebene, als die Kavallerie-Abteilung mit Ben Drago, Siringo und den gefangenen Comanchen Fort Sill erreichte. Das Fort, der stärkste Armeeposten im Indianerterritorium, lag auf einer Anhöhe über dem Cache Creek. Es bestand aus einer Unzahl von Offiziersquartieren, Mannschaftsbaracken, Ställen, Stabs- und anderen Gebäuden. Die Palisaden, die Fort Sill früher umgeben hatten, waren niedergelegt worden, um mehr Raum zu schaffen. Von den wuchtigen Eckbastionen war nur die südöstliche stehengeblieben, von der aus man das Flusstal überblicken konnte.

    Neben der Batterie Vierundzwanzigpfünder-Perrot-Kanonen auf dem Paradeplatz trennte sich Ben Drago von der G-Kompanie und ritt unter dem am Fahnenmast flatternden Sternenbanner hindurch zum Hauptquartier. Niemand achtete auf ihn, denn im Fort herrschte reges Leben und Treiben. Vor dem Hauptquartier hielt ein halbes Dutzend Comanchen auf scheckigen Pferden. Einer von ihnen hatte ein reiterloses Tier am Zügel.

    Drago schwang sich aus dem Sattel und schlang die Zügel seines Pintos um das Haltegeländer vor dem Hauptquartier. Doch als er die Stufen zur Veranda hinaufsteigen wollte, stellte sich ihm ein Sergeant in den Weg.

    »Wohin wollen Sie?«, fragte er.

    »Colonel Grierson erwartet mich«, antwortete Ben Drago.

    Doch der Sergeant gab den Weg nicht frei. Drago wollte keinen Streit. Er griff in die Tasche und zog den zusammengefalteten Brief hervor, wegen dem er den langen Ritt unternommen hatte.

    »Geben Sie das dem Colonel, dann weiß er, wer ihn sprechen will«, sagte er. Der Sergeant öffnete den Brief und begann zu lesen.

    »Ich sagte, Sie sollten dieses Schreiben Colonel Grierson geben. Aber ich habe nichts davon erwähnt, dass der Inhalt des Briefes Sie etwas angeht.« Ein Unterton von Zorn schwang in Dragos Stimme mit: »Du siehst trotz deiner blauen Augen wie ein Indianer aus«, entgegnete der Sergeant und schob herausfordernd das Kinn vor. »Und von einem verdammten Indianer lasse ich mir nichts vorschreiben. Von deiner Sorte habe ich mehr zur Hölle geschickt als ich Finger an den Händen habe. Und es wird gleich einer mehr sein, wenn du dein unverschämtes Mundwerk nicht hältst, du Bastard.«

    Ben Drago fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Unwillkürlich fuhr seine Hand zum Messer. Der Sergeant sah die Bewegung und griff nach dem Armeecolt an seiner Seite.

    In diesem Augenblick wurde die Tür des Hauptquartiers von innen aufgestoßen, und ein Comanche trat, gefolgt von einem Lieutenant und zwei Soldaten, heraus. Er war alt, hatte ein bronzefarbenes, von Falten zerfurchtes Gesicht und eisgraues Haar.

    Er trug ein rotes Hemd, einen langen, breiten Lendenschurz und die typischen Comanchenhosen mit breit überlappenden Säumen.

    Als er Drago sah, blieb er stehen, und sein düsteres Gesicht hellte sich auf. Dann trat er auf ihn zu und legte ihm beide Hände auf die Schultern.

    »Mein Freund«, sagte er, »was führt dich hierher? Bist du erschienen, um den Niedergang meines Volkes mit anzusehen?«

    »Ich bin hier, um euch zu helfen, wenn meine Kraft dazu ausreicht, Sanaco«, erwiderte Drago.

    Der alte Indianer trat einen Schritt zurück. »Wir verhungern in der Reservation«, sagte er. Seine Worte klangen nicht wie eine Anklage, nur wie eine bittere Feststellung. »Wir haben nicht genug zu essen, unsere Kinder und alten Leute sterben an Schwäche. Unsere Krieger stehlen sich heimlich fort, um Büffel zu jagen. Aber sobald sie die Reservationsgrenzen überschreiten, werden sie in Kämpfe mit den Soldaten verwickelt. Ich habe Colonel Grierson gebeten, uns zu helfen. Doch meine Worte haben nur seine Ohren, aber nicht sein Herz erreicht. Ich fürchte, die Sonne meines Volkes geht für immer unter.«

    »Ich habe die Spuren der Kämpfe auf dem Weg hierher gesehen. Und ich habe deinen Sohn gesehen, den Schwarzen Falken«, sagte Ben Drago.

    Einen Augenblick herrschte Schweigen, dann fragte der alte Mann mit mühsam beherrschter Stimme: »Ist er – tot?«

    »Nein«, antwortete Drago. »Geh zum Wächhaus. Dort findest du ihn. Ich muss mit Colonel Grierson sprechen. Danach komme ich in dein Tipi.«

    Das Gesicht des Comanchen nahm einen Ausdruck von Erleichterung an. Er nickte. »Ja, sprich mit dem Colonel. Du bist ein halber Weißer und siehst und verstehst doch die Not meines Volkes.«

    »Drago? Sind Sie Ben Drago?«, fragte eine Männerstimme. Drago drehte sich um. Auf der Schwelle zum Hauptquartier stand ein bärtiger Offizier mit dem Rangabzeichen eines Colonels. Ohne erst zu fragen, wusste Drago, dass dieser Mann Grierson war.

    »Sie haben mich rufen lassen, Colonel. Hier bin ich«, entgegnete er. Grierson winkte ihm, zu folgen. Drago legte Sanaco flüchtig eine Hand auf die Schulter, dann betrat er das Hauptquartier. Er schloss die Tür hinter sich und blieb abwartend stehen.

    Grierson musterte ihn. »Wissen Sie, warum ich Sie angeschrieben habe, Drago?«, fragte er.

    »Sie haben Schwierigkeiten mit den Comanchen und Kiowas.«

    »Ja. Sie sind ein Halbblut, und man sagt, Sie hätten einen guten Einfluss auf die Indianer. Mir wurde berichtet, dass Sie schon verschiedentlich als Kundschafter für die Armee gearbeitet hätten – neben Ihrem eigentlichen Geschäft als Revolvermann.«

    »Was wollen Sie von mir, Colonel?«, fragte Ben Drago in ungeduldigem Ton. »Sie haben mich doch wohl nicht gerufen, um mit mir über die Art und Weise zu reden, wie ich mein Geld verdiene.«

    »Nein. Umso weniger, als bei der Arbeit, die ich Ihnen zu bieten habe, kein Revolverlohn herausspringt, höchstens der Sold eines Armeekundschafters«, sagte Grierson, fuhr aber – als er Dragos ablehnenden Gesichtsausdruck bemerkte – rasch fort: »Wenn Ihnen jedoch daran liegt, ein schlimmeres Blutvergießen zu verhindern, dann sollten Sie mein Angebot nicht ausschlagen, ohne darüber nachgedacht zu haben.«

    »Sagen Sie, was Sie zu sagen haben, Colonel.«

    »In letzter Zeit sind in der Reservation immer wieder Unruhen ausgebrochen. Ich gebe zu, es entstanden Schwierigkeiten, die Indianer ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Aber die Schuld daran trifft nicht die Armee, sondern das dem Innenministerium unterstellte Indianerbüro in Washington. Ich habe sogar schon auf eigene Faust versucht, Rinder für die Indianer zu kaufen. Doch das ist nicht so einfach, denn das Innenministerium wacht eifersüchtig über seine Rechte. Zu viele Geschäftsinteressen aller möglichen Leute laufen im Indianerbüro zusammen. Der einzige Erfolg meiner Bemühungen bestand darin, dass ich vom Kriegsministerium den Befehl erhielt, die Grenzen des Indianerterritoriums – im Süden bildet der Red River die Grenze – abzuriegeln, damit keine aufständischen Comanchen- und Kiowabanden mehr die Reservation verlassen können.«

    »Das verstehe ich nicht«, sagte Drago. »Warum lässt man die Indianer nicht auf Büffeljagd gehen, wenn die Regierung ihnen nicht genug Rindfleisch liefern kann, um sie am Leben zu erhalten?«

    »Der Grund ist einleuchtend – vielleicht nicht für einen Revolvermann, der obendrein noch eine Hälfte Kiowa-Blut in den Adern hat, aber doch für einen korrupten Politiker: Die Comanchen und Kiowas hungern in seiner Reservation. Wenn wir sie aber über den Red River ins Büffelland reiten lassen, stoßen sie dort auf weiße Büffeljäger, die die Bisons ihrer Felle wegen zu Hunderttausenden berauben. Das facht den Hass der Comanchen und Kiowas bis zur Weißglut an. Sie attackieren die Büffeljäger – und da sie in der Überzahl und mit Winchester-Gewehren bewaffnet sind, metzeln sie die Weißen in vielen Fällen nieder.«

    »Colonel«, unterbrach Drago, Grierson, zog sich einen Stuhl heran, ließ sich rittlings darauf nieder, verschränkte die Arme auf der Stuhllehne und legte das Kinn darauf, »ich habe auf dem Ritt nach Fort Sill ein von der Kavallerie überfallenes Comanchenlager gesehen, in Fetzen geschossene Männer, Frauen und Kinder. Wenn ich an ihren Anblick denke, wundert es mich nicht, dass sich die Indianer der Armee nicht ergeben wollen.«

    Grierson trat an den aus Feldsteinen gemauerten Kamin, nahm sich eine Zigarre, biss das Ende ab und spuckte es in die kalte Asche auf der Feuerstelle.

    »Wir befinden uns im Krieg, Drago«, erwiderte er. »Sie wissen, dass das Schicksal der Besiegten zu allen Zeiten bitter war. Das ist nicht erst seit heute so. Die Indianer müssen sich damit abfinden, dass ihre überlieferte Lebensweise zum Untergang verurteilt ist. Wir

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