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Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane
Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane
Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane
eBook398 Seiten3 Stunden

Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane

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Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane

von Tomos Forrest



Über diesen Band:



(Band 14,15,19 der Serie "Schwert und Schild")



Dieser Band enthält folgende Romane

von Tomos Forrest:



Piraten vor Saint Malo

Das Kreuz von Dartmoor

Das Spiel des Naren Shawn





Shawn, der ehemalige Hofnarr derer von Launceston erlebt bei seinem geheimen Auftrag auf Burg Lahnydock etwas sehr Merkwürdiges: Lady Eurona, die Ehefrau von Sir Struan of Rosenannon, dem Sheriffs von Cornwall, bietet ihm heimlich ihre Unterstützung an. Will sie ihn damit täuschen, um seine Pläne zu erfahren? Denn dass er Pläne hat, steht außer Frage. Shawn will Gerüchten auf den Grund gehen, wonach sich die Eltern von Sir Morgan of Launceston, Sir Ronan und Lady Gilian, noch immer auf dieser Burg in Gefangenschaft befinden sollen. Er möchte sie unter allen Umständen finden und eine Möglichkeit aufdecken, sollte sich die Geschichte bestätigen, die beiden zu befreien. Ein äußerst gefährliches Unterfangen, lebt er doch mitten unter den ärgsten Feinden, die alle nur darauf warten, dass er sich durch Handlungen oder Worte verrät ...
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum15. Feb. 2022
ISBN9783745222906
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    Buchvorschau

    Ritter und Narren - Tomos Forrest

    Ritter und Narren: Drei Mittelalter Romane

    von Tomos Forrest

    Über diesen Band:

    (Band 14,15,19 der Serie Schwert und Schild)

    Dieser Band enthält folgende Romane

    von Tomos Forrest:

    Piraten vor Saint Malo

    Das Kreuz von Dartmoor

    Das Spiel des Naren Shawn

    ––––––––

    Shawn, der ehemalige Hofnarr derer von Launceston erlebt bei seinem geheimen Auftrag auf Burg Lahnydock etwas sehr Merkwürdiges: Lady Eurona, die Ehefrau von Sir Struan of Rosenannon, dem Sheriffs von Cornwall, bietet ihm heimlich ihre Unterstützung an. Will sie ihn damit täuschen, um seine Pläne zu erfahren? Denn dass er Pläne hat, steht außer Frage. Shawn will Gerüchten auf den Grund gehen, wonach sich die Eltern von Sir Morgan of Launceston, Sir Ronan und Lady Gilian, noch immer auf dieser Burg in Gefangenschaft befinden sollen. Er möchte sie unter allen Umständen finden und eine Möglichkeit aufdecken, sollte sich die Geschichte bestätigen, die beiden zu befreien. Ein äußerst gefährliches Unterfangen, lebt er doch mitten unter den ärgsten Feinden, die alle nur darauf warten, dass er sich durch Handlungen oder Worte verrät ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

    © Roman by Author / COVERGRAFIK EDWARD MARTIN

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 14: Piraten vor Saint-Malo

    Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter Band 14: Piraten vor Saint-Malo

    Tomos Forrest

    Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2018.

    Table of Contents

    UPDATE ME

    Schwert und Schild – Sir Morgan, der Löwenritter # Band 14: Piraten vor Saint-Malo

    von Tomos Forrest

    Zyklus: Die Rebellen von Cornwall, Band 5

    ––––––––

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © Titelbild: Nach einem Motiv von N.C. Wyeth mit Steve Mayer, 2018

    Lektorat: Kerstin Peschel

    Ceated by Thomas Ostwald, Alfred Bekker und Jörg Martin Munsonius

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Klappentext:

    Auf seiner Rückreise nach England gerät Sir Morgan of Launceston in einen mörderischen Überfall durch Piraten, die das behäbige Kaufmannsschiff kapern. Nur durch eine List gelingt es ihm, den Kapitän und dessen Mannschaft zu befreien und gemeinsam mit ihnen auf der Insel Jersey eine Zuflucht zu finden. Von hier bringt ihn ein kleines Fischerboot auf einer turbulenten Reise zurück in die Heimat. Doch Morgan reist nicht allein – er kümmert sich liebevoll um die kleine Rebecca, die den grausamen Tod ihrer Angehörigen und Freunde in Frankreich überlebt hat.

    Auf seinem gefahrvollen Weg durch Cornwall begegnet der Löwenritter mehrfach den Soldaten Johanns, denen er oft nur mit knapper Not entkommt. Eine dieser Begegnungen führt ihn zu der jungen Meraud, die als Hexe verbrannt werden soll. Keiner weiß, wer sie ist oder woher sie kommt. Im Lager der Rebellen unter dem Roten Jäger zeigt sie ganz besondere Fähigkeiten, die in Morgan Zweifel aufkommen lassen ...

    ***

    1.

    Die Männer hatten aufgehört zu rudern. Die starke Strömung durch die Gezeiten zwischen der bretonischen und der englischen Küste führte das Langboot für die herrschenden Sichtverhältnisse schnell genug an der großen l’isle de Gersui (alte Bezeichnung für die Insel Jersey) vorüber. Seit der Zeit von Guillaume le Conquérant, auch als William the Conqueror bekannt geworden, gehörte die Insel im Kanal zu England.

    Auf ein Zeichen ihres Anführers wurden die Riemen hereingenommen, zwei Mann waren damit beschäftigt, das einfache Segel zu reffen.

    Keiner der Männer sprach, jedermann war es durch lange Erfahrung bekannt, dass der Nebel zwar viele Geräusche dämmte, Stimmen aber doch gut über dem Wasser zu verstehen waren.

    Bevor sich die Sicht drastisch verschlechtert hatte, erkannten die Männer in diesem Langboot die unverkennbaren Aufbauten einer Nef. Dieser Schiffstyp mit seiner breiten und klobigen Bauweise bot zwar ausreichend Laderaum für Waren, war aber sehr unbeweglich und geradezu eine Herausforderung für jeden, der ein schnelles Boot und eine zu allem entschlossene Mannschaft hatte.

    Ein Blick auf die Männer auf den Ruderbänken mit ihren wettergegerbten Gesichtern, den kräftigen Oberarmen und ihre griffbereiten Waffen hätte so manchen braven Kaufmann zutiefst erschreckt. Jetzt starrten die bärtigen Ruderer in die immer dichter werdende weiße Wand, auf die sie zutrieben. Manch einer mochte fluchen, dass sie so kurz vor ihrem Ziel auf dieses Hindernis stießen.

    Aber der blonde Hüne Sverre, ihr Anführer, stand im Bug des Schiffes und starrte in den Nebel. Wer seine furchteinflößende Gestalt betrachtete, erkannte auf den ersten Blick, dass dieser Mann seinem Namen alle Ehre machte. Sverre war in jedem Falle ein „Unruhestifter und ein „Wilder Mann, wie es sein Name andeutete.

    Trotz des kühlen Windes und der vergangenen Regenschauer trug er nur ein einfaches Hemd, Bruche und Beinlinge. Sein Schwert lag griffbereit im Bug neben ihm, damit er in seinen Bewegungen auf dem Schiff nicht behindert wurde. Sverres lange Haare wehten ihm um den Kopf, und als er sich zu seinen Männern umdrehte, konnte man erkennen, dass sein Bart wie auch die Kopfhaare bereits vor Nässe triefte. Die feinen Wassertröpfchen im Nebeldunst hatten sich wie ein Schleier über die Mannschaft gelegt, und einige von ihnen hüllten sich in ihre Wolldecken, die aber ebenfalls längst von der Nässe durchzogen waren.

    Sverre musterte seine Leute mit finsterer Miene. Sein Blick ging von einem zum anderen, und die meisten von ihnen konnten nicht lange standhalten, sondern blickten auf den Boden. Es war ein bunter, zusammengewürfelter Haufen, der hier auf den Ruderbänken des Langbootes saß.

    Da war der dunkelhaarige Gernot, der aus den germanischen Ländern gekommen war, neben ihm saß dessen Kampfgefährte, der schwarze Ilmo, dessen Kauderwelsch kaum jemand verstand und der angeblich von Hispaniola nach England gekommen war. Und dann dahinter Ragnar, Abi, Sölvar und Yven, alle wie er selbst von normannischer Abstammung. Krieger, auf die er sich in jeder Situation verlassen konnte, was man von dem Rest der Mannschaft nicht unbedingt behaupten konnte.

    Mit einem verächtlichen Lächeln überflog er die hinteren Ruderbänke, wo sich das Ragtag aufhielt, Gesindel, das seiner Mannschaft zugelaufen war und ihm dazu diente, den Gegner zu schwächen. Wer ein Ragtag-Krieger war, schlug zumeist in blinder Wut und Blutgier zu. Das waren keine ausgebildeten Kämpfer, sondern Schlachter, die kein Erbarmen mit ihren Feinden zeigten. In ihrer ungestümen Art beeindruckten sie beim Überfall ihren Feind. Aber sowie sie auf geschulte Soldaten trafen, unterlagen die Ragtags hoffnungslos.

    Doch Sverre machte sich keinerlei Sorgen über das Gesindel. In jeder Hafenstadt kamen neue hinzu, die er nur nach ihrer Kraft und ihren mitgebrachten Waffen aussuchte.

    Seine Krieger hatten sich längst an die Ragtag-Männer gewöhnt, straften sie aber an Bord wie im Lager mit Verachtung und gingen ihnen aus dem Weg. Wenn es jedoch einer dieser Verfemten wagte, sich etwas vor ihnen herauszunehmen, so bereute er es gleich darauf.

    Bei keinem dieser Kämpfe, die Sverre auch nur duldete, wenn sie in den Ruhezeiten zwischen den Beutefahrten geschahen, war jemals einer der Normannen getötet worden. So hatte sich eine Bootsmannschaft zusammengerauft, die jederzeit die Klinge gegen ihren Nachbarn erheben konnte. Aber ihren Anführer respektierten alle, denn Sverre hatte oft genug auf unbarmherzige Weise gezeigt, wie er auf die kleinste Aufsässigkeit reagierte.

    Ship hull-down on the horizon – Schiff am Horizont!, sagte Sverre mit halblauter Stimme. „Es ist die Nef!

    Jetzt kam es darauf an, dass sie sich dem großen Schiff unbemerkt nähern konnten. Den Piraten war es klar, dass solche Schiffe auf ihren erhöhten Kastellen Steinschleudern mitführten, die eine sehr genaue Treffsicherheit zeigten. Allerdings war da immer noch der Wellengang, der das Treffen eines solch schmalen Langbootes erheblich erschwerte. Doch so sehr sich die Männer jetzt anstrengten, um etwas von dem Schiff zu erkennen, es gelang ihnen nicht. Wie ein dichter, milchiger Vorhang hatte sich der Nebel unmittelbar nach der Sichtung durch Sverre zwischen die beiden Fahrzeuge gelegt. Auch die leichte Brise war nicht imstande, diese Wand zu zerteilen, und Sverre hieb vor Wut mit der geballten Faust auf den Bootsrand.

    2.

    „Das gefällt mir überhaupt nicht, Sir Morgan! Kapitän Lefarge ging unruhig auf dem Vorderkastell auf und ab. „Der Nebel in dieser Jahreszeit ist leider hartnäckig, und wir haben es nur noch zwei Stunden bis zum Einbruch der Nacht. Ich kann es nicht riskieren, hier zwischen den Inseln und bei der starken Strömung den Kurs zu halten.

    Morgan strengte sich an, um die Nebelbank zu durchdringen – vergeblich. Dabei war er sich vollkommen sicher, noch vor kurzer Zeit einen lang gestreckten Schemen entdeckt zu haben. Diese Beobachtung hatte er Lefarge mitgeteilt, doch bevor der zu ihm geeilt war, verschwand alles hinter den weißen Schwaden.

    „Was kann das gewesen sein, Kapitän? Die Inseln sind doch zu weit von uns entfernt, um jetzt etwas von ihnen zu entdecken. Haltet Ihr es für möglich, dass hier ein anderes Schiff auf unserm Kurs ist?"

    Lefarge warf Morgan einen besorgten Blick zu, dann zuckte er die Schultern.

    „Möglich ist alles, Sir Morgan. Allerdings würde das bedeuten, dass sich hier in der Nähe ein Langboot herumtreibt. Und das ist mit Sicherheit kein Kaufmann, der als Ziel die englische Küste hat. In diesen Gewässern gibt es leider immer wieder Piraten, in letzter Zeit sprach man von dem blonden Sverre und seiner Bande, die den Kanal unsicher machten. Ich hatte allerdings gehofft, man hätte ihn längst zur Hölle geschickt, samt seinen Halsabschneidern!"

    „Normannen? Warum sollten die ein englisches Handelsschiff überfallen? Seit den Zeiten von König William haben sie sich doch überall in England angesiedelt, erhielten großzügige Ländereien und gehören heute zu den angesehenen Familien unseres Landes! Auch ich stamme mütterlicherseits von den Normannen ab, und meine Mutter war darauf immer besonders stolz!"

    Kapitän Lefarge lächelte nur und bemühte sich erneut, im Nebel etwas vor dem Bug seines Schiffes zu erkennen.

    „Ihr kennt doch aber die Primogenitur, Sir Morgan, und die ist die Ursache für das Banditenunwesen, sowohl in Eurem wie in meinem Lande."

    „Das Recht der Erstgeborenen, natürlich. König William hat es eingeführt und die Normannen in ihren Besitztümern gestärkt. Damit ist unser Volk nach den furchtbaren Kriegen vollkommen neu erstarkt, und heute sind wir stolz auf unsere Abstammung und die eingeführten und verbrieften Rechte", erwiderte Morgan. Zugleich fiel ihm ein, dass zu der Zeit, also vor rund einhundert Jahren, das Land in Shires aufgeteilt wurde, die von einem Mann beherrscht wurden, dem Sheriff. Und bei dem Gedanken an Sir Struan of Rosenannon, den Sheriff von Cornwall, der seine Eltern ins Gefängnis geworfen und sich ihr Land angeeignet hatte, knirschte er vernehmlich laut mit den Zähnen.

    Lefarge rief ein paar Befehle nach hinten, und die Seeleute sprangen über das Deck, um das Segel zu bergen. Anschließend wurden auf beiden Seiten der Nef Anker ausgeworfen, und als sich Morgan mit fragendem Blick zu dem französischen Kapitän umdrehte, der ihm schon bei seiner unfreiwilligen Reise nach Frankreich hilfreich unterstützt hatte, erklärte ihm der sein Vorgehen.

    „Es ist hier zu tief zum Ankern, Sir Morgan. Aber wir dürfen es auch nicht riskieren, uns nur von der Strömung treiben zu lassen. Deshalb wurden die Treibanker ausgeworfen, die uns weitgehend auf der Stelle halten, bis es wieder aufklart. Darf ich Euch in meine Kajüte auf ein Glas Wein einladen?"

    Bevor Morgan zustimmte, warf er noch einmal einen Blick auf die weißen Nebelwände, die jetzt das Schiff vollkommen eingehüllt hatten und sogar schon in dicken Schwaden über das Deck krochen. Als er den Niedergang erreicht hatte und noch einmal zum Bug blickte, konnte er dort die Aufbauten des Vorderkastells mit der Steinschleuder schon nicht mehr erkennen.

    Er musste nach Rebecca schauen, die sich langsam von ihrer Seekrankheit erholte.

    3.

    Die Nacht verlief bis zum frühen Morgen ruhig. Morgan erwachte von einem seltsamen, schabenden Geräusch, das sich in der Nähe seines Kopfes befand. Ohne sich erklären zu können, was ihn da geweckt hatte, stand er auf, warf sich seine alte und mit Brandflecken übersäte Cotte über, griff zum Schwert und öffnete die Kajütentür. Hier verharrte er, lauschte hinauf auf das Deck. Erneut war das schabende Geräusch zu vernehmen, vermischt mit dem Knarren der Nef, die sich in sanfter Dünung hob und senkte.

    Als er die Stufen des Niedergangs erreichte hatte, war er sicher, dass sich Menschen auf dem Deck bewegten, die jedes Geräusch vermeiden wollten.

    Mit einem Satz übersprang er die letzten drei Stufen und stand auf dem Deck, als vor ihm eine geduckte Gestalt zusammenzuckte und herumwirbelte. Die Klinge wehrte er mit einem Hieb von unten nach oben ab, stach nach und vernahm das gurgelnde Geräusch, als der Mann auf die Decksplanken stürzte.

    Zugleich schien die Hölle um ihn loszubrechen. Von allen Seiten sprangen wilde Gestalten auf ihn zu. Er sah braungebrannte, bärtige Gesichter, Blicke voller Hass und blinder Wut. Die beiden nächsten Gegner schlugen derart wild mit ihren Schwertern auf ihn ein, dass er unwillkürlich bis zum Niedergang zurückweichen musste, um ihnen begegnen zu können. Ein rascher Blick über das Deck der Nef, die jetzt nicht mehr vom Nebel umgeben war, zeigte ihm die Lage.

    Ein Langboot war längsseits gegangen und hatte gleichzeitig die schabenden Geräusche verursacht. Die Mannschaft war dabei, über die Schanz zu klettern und das Boot zu entern.

    Während Morgan zwei kräftige Hiebe der Angreifer ebenso hart konterte, stieß er einen lauten Alarmruf aus. Die ersten Soldaten, die Kapitän Lefarge zum Schutz seiner kostbaren Ladung angestellt hatte, kamen bereits aus dem Bugniedergang heraufgestürmt und griffen sofort in das Kampfgeschehen ein.

    Morgan erkannte aus dem Augenwinkel eine Bewegung, wirbelte auf dem Absatz herum und stach sein Schwert einem bulligen Mann durch den Hals, der eben mit einer mächtigen Axt ausgeholt hatte. Einen winzigen Augenblick blieb der Angreifer wie erstarrt stehen, die weit aufgerissenen, glasigen Augen ungläubig auf den Ritter gerichtet. Dann polterte die Axt laut auf das Deck, und der Mann brach zusammen.

    Doch Morgan konnte sich nicht damit aufhalten, die Wirkung seiner Hiebe zu beobachten. Seine beiden Gegner hatten den Moment seiner kurzen Ablenkung genutzt, und ein wohlgemeinter Hieb sauste auf die Schulter des Ritters herunter.

    Blitzschnell unterlief er diesen Schlag und warf sich nach vorn, riss dabei beide Männer von den Füßen, schlug dem Ersten den Schwertknauf mitten ins Gesicht, sodass sein Nasenbein knackend zerbrach, drückte den anderen mit seinem Ellbogen herunter und stach anschließend mit der Schwertspitze zu. Federnd auf die Beine springend erkannte er einen blonden Angreifer, der etwa seine Körpergröße hatte, aber vermutlich noch ein paar Pfund mehr auf den Rippen. Morgan war es sofort klar, dass dieser Mann der Anführer sein musste, der den Angriff seiner ersten Männer abwartete und nun nachsetzte.

    Noch bevor er sich ihm stellen konnte, sprang ein Soldat zwischen sie und griff den Blonden mit einem geschickten Hau von unten herauf an. Es war nur ein Moment, der Morgan aber in eine bessere Ausgangsposition brachte. Der Blonde hatte kaum hingeblickt und den Soldaten mit zwei raschen Krauthacken, bei der das Schwert schnell hintereinander geschlagen wurde, außer Gefecht gesetzt.

    Nun standen sich die beiden Männer gegenüber, und der Blonde wartete offenbar nur auf den ersten Angriff Morgans, um ihm entsprechend zu begegnen. Der Ritter täuschte einen Angriff vor, aber der Blonde ließ sich nicht davon täuschen, wehrte sich sofort mit einem Gegenangriff und traf Morgans Schwert so heftig, dass er um ein Haar die Schwerthand geöffnet hätte, als der Schmerz in das Gelenk und von dort bis zur Schulter hinauflief.

    Hier galt es, kühlen Kopf zu bewahren, und Morgan wehrte den nächsten Hieb ohne Schwierigkeiten hab, danach band er seinen Gegner mit mehreren raschen Schlägen gegen seine Klinge und konnte schließlich den Trick anwenden, der ihm im Kampf mit seinen Gegnern so oft schon das Leben gerettet hatte.

    In hohem Bogen flog das Schwert des Blonden über das Deck, und als der irritiert den Blick folgen ließ, schlug ihm Morgan den Knauf hart gegen die Schläfe. Wie ein gefällter Baum schlug der Blonde auf dem Deck auf. Fast gleichzeitig traf auch Morgan ein Schlag auf die Schulter, der ihn einknicken ließ. Trotzdem drehte er sich herum, aber der zweite Schlag gegen seinen Kopf stürzte ihn in bodenlose Schwärze.

    4.

    Nur mit Mühe gelang es Morgan, die Augen zu öffnen. Der Hieb auf den Kopf hatte ihm eine heftig schmerzende Wunde zugefügt. Das Blut war über die Stirn gelaufen und hatte seine Augen verklebt. Auch auf der Zunge hatte er den metallischen Geschmack von Blut, und gleich darauf wurde ihm bewusst, dass man seine Hände vor dem Bauch zusammengebunden hatte.

    Ein Blick über das Deck der Nef zeigte die grausamen Ausmaße des Kampfes. Das Deck war voller Blut, und die Angreifer eben dabei, ein paar Körper über die Schanz in den Atlantik zu werfen. Morgan wollte etwas sagen, aber nur ein Krächzen kam dabei über seine Lippen.

    Gerade versuchte er, sich aufzurichten, als ihn ein schmerzhafter Fußtritt zwischen die Rippen traf. Der blonde Hüne beugte sich über ihn und schenkte ihm ein geradezu diabolisches Lächeln.

    „Hör mal, du kämpfst wie ein Mann, was bist du wert?, wollte der Blonde wissen, aber Morgan verstand nicht sofort den Sinn seiner Worte und bemühte sich noch immer, endlich beide Augen weit genug zu öffnen, um hier auf dem Deck alles um sich herum wahr zu nehmen. „Bist du ein Ritter oder nur ein Strauchdieb wie ich? Der Blonde lachte laut auf, als Morgan stöhnte und schließlich mühsam herausbrachte: „Was willst du von mir?"

    Ein erneuter Fußtritt des Blonden, dann griff er mit der Faust in Morgans Gewand und zog ihn zu sich heran.

    „Du scheinst begriffsstutzig zu sein. Gekämpft hast du wie ein ausgebildeter Krieger. Gekleidet bist du in Lumpen und Dreck. Also – wer bist du? Zahlen deine Leute Geld für dich, wenn ich dich am Leben lasse – oder nicht?"

    Jetzt verstand Morgan, dass der Pirat sich nur überzeugen wollte, ob er für ihn noch irgendeinen Wert besaß. Die Gedanken schossen ihm wild durch den Kopf, dass er mit der Nennung seines Namens sein Leben retten könnte, aber ein Schrei vom Achterdeck ließ ihn verstummen. Es gelang ihm, den Kopf zu wenden und die Szene zu betrachten, die sich ihm bot.

    Einer der bärtigen Krieger aus dem Langboot hatte eben einen der verwundeten Soldaten getötet und warf gerade sein Opfer mit gleichgültiger Miene ins Meer.

    Morgan machte eine blitzschnelle Rolle auf den Blonden zu, der ebenfalls zu seinem Mann geschaut hatte und für einen Moment abgelenkt war. Er prallte gegen die Beine des Überraschten, der nach hinten auf die Planken stürzte. Trotz seiner gefesselten Hände war Morgan gleich darauf über ihm und drückte mit dem rechten Ellenbogen seinen Kehlkopf nach innen, sodass dem Blonden der Atem wegblieb und er schon glasige Augen bekam. Plötzlich traf Morgan ein weiterer Schlag, der ihn erneut in die Finsternis schickte.

    Sein Erwachen unterschied sich von dem vorherigen nur durch stärkere Schmerzen. Gleich darauf erkannte er jedoch an den Bewegungen des Schiffsbodens, auf dem er lag, dass er sich an Bord des Langbootes befinden musste.

    „Er kommt zu sich, Sverre!", drang eine seltsame Stimme an sein Ohr. Der Mann musste von weit her zu den Piraten gekommen sein, denn der starke Dialekt erinnerte Morgan an die Männer, die er im Morgenland getroffen hatte. Aber jetzt war nicht die Zeit, in Erinnerungen zu suchen. Er riss seine Augen auf, warf einen gehetzten Blick umher und erkannte, dass die Nef bereits in einiger Entfernung von ihnen trieb.

    Der Blonde stand vor ihm, einen Dolch in der Hand.

    „Nun, was ist? Die Frage nach deinem Wert ist noch nicht beantwortet!"

    Morgan erkannte seine Chance, als sich der Mann zu ihm herunterbeugte, schnellte mit dem Kopf blitzartig vor und schmetterte ihn mitten in das Gesicht des Hünen. Der stieß ein schmerzerfülltes Brüllen aus, aber Morgan war noch nicht fertig. Seine gefesselten Hände hielten den Mann am Stoff des Hemdes fest, als der durch den Kopfstoß nach hinten taumelte. Seine linke erwischte den Dolch auf schmerzhafte Weise, denn seine Finger griffen in die Klinge. Morgan ignorierte den Schmerz, zog das Messer zwischen seine verletzten

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