Von Ärzten, Prinzessinnen und ganz normalen Leuten: Sommer Bibliothek mit 29 Unterhaltungsromanen auf 3100 Seiten Liebe und Spannung
Von Alfred Bekker, A. F. Morland, G. S. Friebel und
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Über dieses E-Book
von Alfred Bekker, Anna Martach, Earl Warren, Dieter Adam, G.S.Friebel, Horst Weymar Hübner, A.F.Morland
Über diesen Band:
Dieser Band enthält folgende Romane:
Dieter Adam: Der heimliche Fürstensohn
Alfred Bekker: Das unheimliche Schloss
Anna Martach: In tiefster Seele gekränkt
Dieter Adam: Die neuen Herren von Schloss Steinbeck
Earl Warren: Skandal im Königsschloss
Earl Warren: Der Prinz ihres Herzens
Earl Warren: Prinzessin Jennifers große Liebe
Earl Warren: König Eriks Hochzeit
Earl Warren: Dramatische Stunden für Prinzessin Ines
Earl Warren: Königliche Kreuzfahrt
Earl Warren: Der Lord und die Stripperin
Earl Warren: Die Grand Prix-Prinzessin
Earl Warren: Wiedersehen in Kenia
G.S.Friebel: Tränen der Einsamkeit
G.S.Friebel: Beinahe hätte er alles verloren
A.F.Morland: Schwester Katjas letzter Wunsch
Horst Weymar Hübner: Dich darf ich nicht verlieren
Horst Weymar Hübner: Diagnose "Eifersucht"
Horst Weymar Hübner: OP-Schwester Marga
Horst Weymar Hübner: Und wieder beginnt ein Tag
Horst Weymar Hübner: Diese Augen klagen an
A.F. Morland: Dann stürzte die Welt für sie ein
Anna Martach: Gefährliche Wetten und heiße Liebeleien
Anna Martach: Madln und Berge - geliebt und gefährlich
Anna Martach: Ich will mein Herz nur dir schenken
Anna Martach: Expedition ins Glück
Anna Martach: Manege frei fürs große Glück
Anna Martach: Musik des Herzens
G.S.Friebel: Der entführte Arzt
Fürst Boris von Hambach ist ein missmutiger, ständig nörgelnder Mann. Nichts kann man ihm recht machen. Mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein, ist ein Dauerzustand bei ihm. Darum hatte ihm seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn Alexander vor über zwanzig Jahren verlassen.
Alexander hat inzwischen sein Studium beendet und beabsichtigt, sich als Verwalter bei seinem Vater unter einem anderen Namen zu bewerben. Dann reist Jenny, die bezaubernde Großnichte des Fürsten, die in Heidelberg studieren will, aus den Staaten an und wohnt seitdem im Schloss des Fürsten. Schon beim ersten Zusammentreffen weiß Alexander, dass er die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch der Fürst würde ihre Beziehung niemals tolerieren ...
Alfred Bekker
Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
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Von Ärzten, Prinzessinnen und ganz normalen Leuten - Alfred Bekker
Von Ärzten, Prinzessinnen und ganz normalen Leuten: Sommer Bibliothek mit 29 Unterhaltungsromanen auf 3100 Seiten Liebe und Spannung
von Alfred Bekker, Anna Martach, Earl Warren, Dieter Adam, G.S.Friebel, Horst Weymar Hübner, A.F.Morland
Über diesen Band:
Dieser Band enthält folgende Romane:
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Dieter Adam: Der heimliche Fürstensohn
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A.F. Morland: Dann stürzte die Welt für sie ein
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Anna Martach: Musik des Herzens
G.S.Friebel: Der entführte Arzt
Fürst Boris von Hambach ist ein missmutiger, ständig nörgelnder Mann. Nichts kann man ihm recht machen. Mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein, ist ein Dauerzustand bei ihm. Darum hatte ihm seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn Alexander vor über zwanzig Jahren verlassen.
Alexander hat inzwischen sein Studium beendet und beabsichtigt, sich als Verwalter bei seinem Vater unter einem anderen Namen zu bewerben. Dann reist Jenny, die bezaubernde Großnichte des Fürsten, die in Heidelberg studieren will, aus den Staaten an und wohnt seitdem im Schloss des Fürsten. Schon beim ersten Zusammentreffen weiß Alexander, dass er die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch der Fürst würde ihre Beziehung niemals tolerieren ...
Copyright
Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
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© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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Sammelband 4 Fürstenromane: Liebe, Schicksal, Schlösser
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Dieses Buch enthält folgende Romane:
Dieter Adam: Der heimliche Fürstensohn
Alfred Bekker: Das unheimliche Schloss
Anna Martach: In tiefster Seele gekränkt
Dieter Adam: Die neuen Herren von Schloss Steinbeck
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COVER STEVE MAYER
Fürst Boris von Hambach ist ein missmutiger, ständig nörgelnder Mann. Nichts kann man ihm recht machen. Mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein, ist ein Dauerzustand bei ihm. Darum hatte ihm seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn Alexander vor über zwanzig Jahren verlassen.
Alexander hat inzwischen sein Studium beendet und beabsichtigt, sich als Verwalter bei seinem Vater unter einem anderen Namen zu bewerben. Dann reist Jenny, die bezaubernde Großnichte des Fürsten, die in Heidelberg studieren will, aus den Staaten an und wohnt seitdem im Schloss des Fürsten. Schon beim ersten Zusammentreffen weiß Alexander, dass er die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch der Fürst würde ihre Beziehung niemals tolerieren ...
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker
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Der heimliche Fürstensohn
Adelsroman von Dieter Adam
Der Umfang dieses Buchs entspricht 96 Taschenbuchseiten.
Fürst Boris von Hambach ist ein missmutiger, ständig nörgelnder Mann. Nichts kann man ihm recht machen. Mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein, ist ein Dauerzustand bei ihm. Darum hatte ihm seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn Alexander vor über zwanzig Jahren verlassen.
Alexander hat inzwischen sein Studium beendet und beabsichtigt, sich als Verwalter bei seinem Vater unter einem anderen Namen zu bewerben. Dann reist Jenny, die bezaubernde Großnichte des Fürsten, die in Heidelberg studieren will, aus den Staaten an und wohnt seitdem im Schloss des Fürsten. Schon beim ersten Zusammentreffen weiß Alexander, dass er die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch der Fürst würde ihre Beziehung niemals tolerieren ...
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker
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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.
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Prolog
»Das kann nicht dein Ernst sein, Alexander. Du willst dich unter falschem Namen bei deinem Vater bewerben - als Verwalter auf seinem Schloss?« Entsetzt sah Hiltrud von Hambach ihren attraktiven Sohn an.
»Mutti, ich weiß, dass du meine Entscheidung nicht verstehen kannst - nach allem, was Vater uns vor mehr als 20 Jahren angetan hat, aber ich war damals noch so klein. Ich möchte ihn kennenlernen. Und was soll schon passieren? Mehr als rausschmeißen kann er mich ja nicht ...«
Doch da irrte sich Prinz Alexander, wie er bald erfahren sollte, denn im Schloss hatte sich Besuch angemeldet: Jenny, die bezaubernde Großnichte des Fürsten. Schon beim ersten Zusammentreffen wusste Alexander, dass er die Frau fürs Leben gefunden hatte. Doch der Fürst würde ihre Beziehung niemals tolerieren ...
1
»Die Suppe ist um drei Grad zu heiß«, nörgelte Fürst Boris von Hambach und schob seinen Teller angewidert zur Seite. »Sie können sie selbst essen, wenn Sie wollen.«
»Sehr wohl«, nuschelte Karl, der Butler, mit unbewegtem Gesicht und nahm den Teller weg. »Darf ich Ihnen dann das Hauptgericht servieren?«
»Was gibt es denn?«
»Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen!«
»Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?«, donnerte Fürst Boris. »Weiß keiner von euch Deppen, dass ich von Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen Magenschmerzen bekomme?«
»Letzte Woche war Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen noch Ihr Leibgericht, Durchlaucht«, wagte Butler Karl einzuwenden und wunderte sich, wie er es bereits seit zehn Jahren im Dienst des Fürsten aushielt.
Fürst Boris verzog verärgert das Gesicht.
»Letzte Woche ist lange her«, meinte er. »Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich das Zeug nicht vertrage. Werfen Sie es zum Müll.«
»Und was belieben Durchlaucht zu speisen?«
»Frankfurter Würstchen mit Kartoffelsalat«, orderte der Fürst. »Dazu ein nicht zu kaltes Bier.«
Fürst Boris von Hambach war ein stattlicher Mann Mitte Fünfzig, der dank der Hinterlassenschaften seiner Vorväter steinreich war und ein wunderschönes Schloss im Herzen des Odenwalds bewohnte. Seine Frau Hiltrud hatte ihn vor mehr als zwanzig Jahren nach sechsjähriger, anstrengender Ehe verlassen, weil sie seine herrische Art nicht länger hatte ertragen können. Ihren erstgeborenen und einzigen Sohn Alexander hatte sie mitgenommen. Zu einer Scheidung war es nie gekommen, denn keiner der beiden Beteiligten hatte ein Interesse daran gehabt. So waren Boris und Hiltrud zwar immer noch miteinander verheiratet, aber gesehen hatten sie sich seit Jahren nicht mehr.
Fürst Boris war, wenn man seiner Dienerschaft glauben wollte, ein missmutiger, ständig nörgelnder Mann. Man konnte ihm nie etwas recht machen. Mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein, war ein Dauerzustand bei ihm. Warum wusste keiner. Er selbst vermutlich auch nicht. Dabei hatte er alles, was ein Mensch sich nur wünschen konnte. Er besaß ausgedehnte Ländereien, Wälder und Weinberge, seine diversen Firmen und Beteiligungen warfen erhebliche Gewinne ab, und auch sonst stimmte alles. Trotzdem sah oder hörte man ihn nur ganz selten einmal lachen. Es war, als würde er jeden Morgen mit dem falschen Fuß aus dem Bett steigen.
Sein griesgrämiger Gesichtsausdruck war in und um Hambach schon sprichwörtlich geworden. Man ging ihm geflissentlich aus dem Weg und trat nur, wenn es sich gar nicht vermeiden ließ, persönlich vor ihn hin. Und wenn man ihn dann wieder verließ, hatte man meist die gleiche schlechte Laune wie er.
Ältere Bürger Hambachs wussten zu berichten, dass Boris’ Vater ein ähnlich unausstehlicher, herrischer Mensch gewesen war. Diese Wesensart schien demnach erblich zu sein. Jedenfalls war der heutige Fürst von Kindesbeinen an in die Fußstapfen seines Erzeugers getreten. Richtige Freunde hatte er dadurch niemals besessen. Selbst seine Schwestern Susanna und Sabrina hatten nie geschwisterliche Gefühle für ihren Bruder gehegt. Nach ihrer Hochzeit hatten sie beide jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen.
Nur einmal in seinem Leben hatte Fürst Boris gezeigt, dass er durchaus charmant und liebenswert sein konnte. Es war die Zeit gewesen, als er um seine Hiltrud geworben hatte. Kaum hatte er sie für sich gewonnen und zum Traualtar geführt, war er in den alten Trott verfallen und hatte ihr sein wahres Gesicht offenbart. Hiltruds Traum vom lebenslangen Glück an der Seite eines geliebten Mannes war bereits nach wenigen Wochen wie eine Seifenblase zerplatzt. Dass sie es dennoch sechs Jahre mit ihm ausgehalten hatte, erschien so manchem wie ein Wunder, ein Wunder an Geduld und Nachsicht.
Fürst Boris hatte die Flucht seiner Frau erstaunlich gelassen hingenommen. Vielleicht hatte er erkannt, dass er nicht für eine Ehe geschaffen war. Auch auf den Kleinen, der damals kaum vier Jahre alt war, hatte er ohne großen Widerstand verzichtet.
»Ihr kommt schon wieder, wenn es euch dreckig geht«, hatte er prophezeit, als sie gegangen waren. »Denn von mir bekommt ihr keinen Pfennig.«
Aber Hiltrud und ihr kleiner Sohn waren niemals zurückgekehrt. Und dreckig war es ihnen auch nie ergangen, denn ganz mittellos war die Fürstin nicht gewesen. Ihre Großtante Adelheid hatte ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, von dessen Zinsen es sich bei nicht zu hohen Ansprüchen recht angenehm leben ließ. Außerdem verfügte sie über einen geschulten Verstand und zwei fleißige Hände. Hiltrud hatte sich nicht gescheut, beides zur Aufbesserung ihrer finanziellen Verhältnisse einzusetzen.
Der Fürst hatte seiner Frau und seinem Sohn kaum nachgetrauert. Ältere Bedienstete des Schlosses erzählten allerdings, sein Verhalten wäre nach deren Verschwinden noch unerträglicher geworden. Und so war er all die Jahre über allein geblieben.
Fürst Boris trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Platte des großen Esszimmertisches, an dem er Platz genommen hatte. Gäste sah der prächtig eingerichtete Raum nur ganz selten. Wer wollte schon freiwillig mit diesem Griesgram speisen? Und Einladungen sprach der Fürst kaum einmal aus. Ihm schmeckte es, auch wenn es keinen gab, mit dem er sich dabei hätte unterhalten können. Oder es schmeckte ihm nicht - so wie heute.
Als das Telefon läutete, erhob er sich brummig und nahm ab. »Wie oft muss ich Ihnen noch erklären, dass ich während des Essens nicht gestört werden möchte?«, fuhr er den Butler an, der das Gespräch vom Hauptanschluss in der Halle zu ihm in den Speisesalon legen wollte.
»Entschuldigen Sie bitte«, erwiderte Butler Karl, »aber die Dame am anderen Ende der Leitung lässt sich leider nicht abwimmeln. Sie behauptet, Ihre Cousine Herta von Kirst aus den Staaten zu sein.«
»Herta von Kirst?« Fürst Boris legte seine Stirn nachdenklich in Falten. »Sagt mir nichts, dieser Name. Oder doch?«
Jetzt fiel es ihm wieder ein. Herta war die Tochter seines Onkels Tassilo, einem Bruder seines Vaters. Sie hatte vor vielen Jahren den Deutschamerikaner Hugo von Kirst geheiratet, der in Texas Rinder und Pferde züchtete und erfolgreich nach Öl bohrte. Auch von ihr hatte Boris seit langer Zeit nichts mehr gehört. So wie er von kaum einem seiner Verwandten je etwas hörte.
»Was soll ich tun?«, erkundigte sich Butler Karl.
»Stellen Sie durch!«, grollte der Fürst. »Und dann sehen Sie mal gleich in der Küche nach, was meine Würstchen machen.«
»Sehr wohl, Durchlaucht«, entgegnete der Diener. »Es kann aber durchaus noch ein paar Minuten dauern. Selbst Würstchen mit Kartoffelsalat müssen erst zubereitet werden. Ich verbinde Sie unterdessen mit Ihrer Cousine.«
»Hallo«, meldete sich der Fürst. »Hier spricht Boris von Hambach.«
»Und hier Herta von Kürst. Ist das nicht eine Überraschung, mein Lieber? Kannst du dich überhaupt noch an mich erinnern?«
»Dunkel«, räumte Fürst Boris ein. »Und was verschafft mir die unerwartete Ehre deines Anrufes?«
»Wie geht es dir denn?«, ging Herta zunächst nicht auf seine Frage ein.
»Danke«, versetzte der Fürst. »Bis auf die Tatsache, dass meine Bediensteten es nicht fertigbringen, mir pünktlich ein annehmbares Mittagessen zu servieren, geht es mir gut.«
»Dann störe ich dich wohl gerade beim Essen?«
»Du kannst mich, wie gesagt, nicht stören, weil nichts auf dem Tisch steht«, knurrte der Fürst. »Was gibt es also?«
»Es handelt sich um Jenny.«
»Jenny? Wer ist Jenny?«
»Jenny ist meine Tochter«, erklärte Herta von Kirst.
»Ich wusste gar nicht, dass du eine Tochter hast.«
»Ich habe auch noch einen jüngeren Sohn«, berichtete die Cousine. »Hast du seinerzeit nicht die Geburtsanzeige erhalten? Ich bin sicher, dass ich sie dir geschickt habe?«
»Ich kann mich nicht erinnern«, erwiderte der Fürst. »Vermutlich ist es ja auch eine Weile her?«
»O ja.« Herta von Kirst kicherte. »Bei Jenny sind es einundzwanzig Jahre her, bei Michael neunzehn.«
»Herzlichen Glückwunsch«, brummte Fürst Boris. »Falls ich damals vergessen haben sollte, dir zur Geburt deiner Kinder zu gratulieren.«
»Das hast du tatsächlich«, bejahte Herta.
»Man hat halt so viel um die Ohren«, entschuldigte sich der Fürst. »Und was ist jetzt mit Jenny?«
»In der Familie meines Mannes gibt es eine alte Tradition«, erzählte Herta. »Sie beginnt bereits beim Urgroßvater Hugos.«
»Ein Glück, dass sie nicht bei Adam und Eva beginnt«, warf der Fürst bissig dazwischen. »Sonst würde unser Gespräch noch länger dauern. Immerhin rufst du aus Amerika an, Herta. Das ist nicht gerade billig.«
»Und wir sind nicht gerade arm«, konterte Herta von Kirst. »Aber um die Sache abzukürzen: Jenny soll nach alter Väter Sitte ein paar Semester in Heidelberg studieren.«
»Und was habe ich damit zu tun?«, erkundigte sich der Fürst, der Schlimmes zu ahnen begann.
»Du wohnst doch in der Nähe von Heidelberg«, kam Herta denn auch sogleich auf den Kern ihres Anliegens zu sprechen. »Und du besitzt ein großes Schloss, in dem du sicher ein Plätzchen für meine Tochter frei hast.«
»Mein Schloss ist kein Mädchenpensionat«, versuchte Fürst Boris sich gegen das ungeheuerliche Ansinnen seiner Cousine zu wehren. »Außerdem bin ich den Umgang mit amerikanischen Studentinnen nicht gewöhnt.«
»Du hast dich überhaupt nicht verändert«, befand Herta. »Immer noch der gleiche Knurrhahn wie früher. Dabei hatte ich so sehr auf dich gebaut. Nicht, dass wir Kosten sparen wollten. Darum geht es wirklich nicht. Nein, mir wäre es nur angenehm gewesen, wenn jemand meines Vertrauens ein wenig auf das Mädel geachtet hätte. Du weißt, wie diese jungen Dinger heutzutage sind.«
»Nein, das weiß ich nicht«, entgegnete der Fürst trocken. »Die einzigen weiblichen Wesen in meinem Schloss sind die Köchin, ein paar Zugehfrauen und die Frau des Gärtners. Und bei denen ist das Verfalldatum schon eine Weile abgelaufen.«
»Deshalb wäre es vielleicht ganz gut, wenn mal ein bisschen frischer Wind durch dein altes Gemäuer wehen würde«, meinte Herta.
»Ich bin mit dem Wind, der momentan weht, recht zufrieden.«
»Trotzdem. Tu mir halt den Gefallen, und nimm Jenny bei dir auf. Versuch es wenigstens für eine Weile mit ihr. Wenn es absolut nicht funktionieren sollte, können wir immer noch eine andere Lösung suchen.«
Wahrscheinlich lag es daran, dass Fürst Boris einen Bärenhunger hatte und Butler Karl soeben mit den Würstchen, dem Kartoffelsalat und einem gepflegten Pils in das Speisezimmer trat. Dem Hausherrn lief das Wasser im Mund zusammen. Also brachte er das Gespräch mit der amerikanischen Cousine schnell zu einem Ende, indem er ihr zusicherte, Jenny bei sich Kost und Logis zu gewähren. Später hätte er sich dafür ohrfeigen mögen. Aber wie er sonst auch sein mochte: Sein Wort galt und war ihm heilig. So auch die Zusage an Herta von Kirst. Was nicht ausschloss, dass er nicht den Versuch machen würde, dieses Mädchen möglichst schnell wieder aus seinem Schloss hinauszuekeln. Aber das stand auf einem anderen Blatt.
2
»Herrlich!« Der blonde junge Mann hatte seine Rostlaube oben auf der Passhöhe angehalten, war ausgestiegen und blickte mit leuchtenden Augen hinunter ins Tal.
»Es ist immer wieder wunderbar, nach Hause zurückzukehren. Diese einmalige Landschaft, dieser betörende Duft nach Feld, Wald und Wiesen, diese reine, von Abgasen weitgehendst verschonte Luft! Sankt Annen, ich liebe dich!«
Der Mann, der diese begeisterten Worte vor sich hin murmelte, hieß Alexander Hambach, mochte Ende Zwanzig sein und sah sehr gut aus. Er war groß, wirkte schlank und durchtrainiert und besaß angenehm männliche Gesichtszüge, aus denen sich besonders seine himmelblauen Augen sowie die beiden Grübchen in den Wangen hervorhoben. Bekleidet war er mit einem saloppen Leinenanzug, dezent gemustertem Hemd und leichten Schuhen.
Alexander, der das »Von« längst aus seinem Namen gestrichen hatte und auf den Titel »Prinz« keinerlei Wert legte, hatte gerade mit großem Erfolg seine Studien beendet und alle Examen mit Auszeichnung bestanden. Nun befand sich der frischgebackene Diplomagronom und Betriebswirt auf dem Weg zu seiner Mutter Hiltrud, die unten in St. Annen ein kleines, aber feines Hotel betrieb.
Hier, in diesem idyllischen Gebirgsort inmitten der oberbayrischen Alpen, hatte Hiltruds Großtante, die der Nichte ihr Vermögen vermacht hatte, gelebt und gewirkt. In ihrem Schlösschen, das seinerzeit nur von einem alten Verwalter und dessen Frau bewohnt und in Ordnung gehalten worden war, hatten Mutter und Sohn nach der Flucht vor dem despotischen Fürsten Unterkunft gefunden, denn auch dieses Schloss, das am Ufer des wildromantischen Alpensees stand, hatte zu den Hinterlassenschaften der Tante gehört und war somit jetzt Hiltruds Eigentum.
Die Fürstin, die nach der Trennung von ihrem Mann weder als solche noch mit Durchlaucht angesprochen werden wollte, hatte bald gemerkt, wie kostspielig es ist, ein Schloss - und sei es noch so klein - zu unterhalten. Es gab zwar noch genügend Barvermögen, aber auch das wäre bald aufgebraucht gewesen, wenn sie nicht für den nötigen Nachschub gesorgt hätte. Also hatte Hiltrud ihren Besitz kurz entschlossen zu einem Hotel umfunktioniert, das bald wegen seiner anheimelnden Atmosphäre und gepflegten Küche zu einem begehrten Urlaubsziel der etwas Betuchteren geworden war. Und da St. Annen sowohl ein Wintersport als auch Sommerluftkurort war, gab es kaum einen Leerlauf für das »Schlosshotel«. Seine Zimmer waren ständig ausgebucht.
Hiltrud hatte sich nicht davon abbringen lassen, die Leitung ihres Hotels persönlich zu übernehmen und sorgte mit ihrer freundlichen, aber bestimmten Art dafür, dass alles so lief, wie sie sich das vorstellte. Ihre neue Aufgabe füllte sie aus und befriedigte sie. Sie fühlte sich wohl und bereute keine Sekunde, ihren Mann verlassen zu haben.
Die Fürstin, die keine mehr sein wollte, hatte die Fünfzig kaum überschritten. Sie war eine gepflegte, vornehme Erscheinung und sah durchaus noch begehrenswert aus. Ihre Haare waren immer noch blond wie die des Sohnes, kleine Lachfältchen verliehen ihrem hübschen Gesicht einen sympathischen Zug, und die kleinen Pölsterchen, die sie sich im Laufe der Jahre zugelegt hatte, waren lediglich dazu angetan, sie noch fraulicher als früher aussehen zu lassen.
Hiltrud hatte sich nach der Trennung von Boris nie mehr mit einem Mann eingelassen. Obwohl es immer wieder den einen oder anderen Interessenten gegeben hatte, der ihr sein Herz zu Füßen legen wollte, hatte sie als gebranntes Kind stets das Feuer gescheut. Außer einem gelegentlichen gemeinsamen Abendessen oder Theaterbesuch war nie mehr aus einer Bekanntschaft geworden. Sie wollte unter allen Umständen vermeiden, noch einmal an einen wie Boris von Hambach zu geraten. Da mochten sich die entsprechenden Herren noch so nett und zuvorkommend geben. Das war Boris schließlich auch einmal gewesen. Lang, lang war’s her!
Hiltrud blickte von ihren Büchern auf, als sie draußen vor dem Hotel einen Wagen vorfahren hörte, dessen knatterndes Motorgeräusch ihr seltsam bekannt vorkam. Sie erhob sich von ihrem Schreibtisch, trat ans Fenster und schob den Vorhang ein wenig zur Seite.
»Aber das ist ja ...« Sie sah stirnrunzelnd auf die Uhr. »So früh?«
Hiltrud ließ den Vorhang los und eilte mit strahlender Miene dem unerwarteten Gast entgegen. In der Empfangshalle traf sie mit ihm zusammen, und als er die Arme ausbreitete, warf sie sich jubelnd wie ein junges Mädchen hinein und ließ sich mehrmals von ihm im Kreis herumwirbeln.
»Aufhören!«, befahl sie gespielt streng, als sie sich bewusst wurde, wie wenig damenhaft sie sich vor den Augen ihrer Angestellten und Gäste benahm. »Stell mich sofort auf den Boden zurück, du Lümmel!«
Der »Lümmel« tat, wie ihm befohlen wurde, ließ seine Mutter aber nicht los und küsste sie erst einmal herzlich, bevor er sich endgültig von ihr trennte.
Nun drängelten auch noch ein paar Angestellte herbei, um den Juniorchef zu begrüßen und zu seinem Erfolg zu beglückwünschen. Dann endlich hatten Mutter und Sohn Zeit für sich und begaben sich hinauf zu ihren Privatgemächern.
»Ich hatte so früh noch gar nicht mit dir gerechnet«, bemerkte Hiltrud. »Du musst geflogen sein, Alex.«
»Fast«, erwiderte der junge Mann grinsend. »Die Sehnsucht nach dir und Sankt Annen hat mich aus meiner alten Karre das Letzte herausholen lassen. Schorschi hat sich selbst übertroffen.«
»Du wirst dir dennoch bald mal einen anderen Wagen zulegen müssen«, versetzte Hiltrud. »Schorschi hat es verdient, in den Ruhestand geschickt zu werden.«
»Ach was«, winkte Alexander ab. »Der tut es schon noch eine Weile. Außerdem kann ich mir momentan noch kein neues Auto leisten.« Er rieb den Daumen am Zeigefinger. »Es sei denn, ich bekomme die Stellung, die mir vorschwebt.«
»Hast du denn etwas in Aussicht?«
»Vielleicht, Mama. Allerdings ...« Er unterbrach sich und schaute die Mutter unsicher an.
»Ja?«
»Die Sache hat einen Haken«, räumte Alexander ein. »Einen sehr großen sogar. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Vorhaben deine Billigung finden wird.«
»Du bist seit vielen Jahren volljährig, Alex, und du musst selbst wissen, was richtig ist für dich. Ich kann dir nur einen Rat geben. Entscheiden musst du.«
»Und was würdest du mir raten, wenn ich dir erzähle, dass ich mich bei meinem Vater um den Posten eines Gutsverwalters bewerben möchte?«, fragte Alexander leise.
Für einem Moment blieb es still im Zimmer. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
»Das soll doch nur ein schlechter Scherz sein – oder?«, brach es schließlich aus Hiltrud heraus, und ihre Stimme klang überaus erregt. »So etwas kannst du doch nicht im Ernst erwägen!«
»Doch, Mama.« Alexander hob die Schultern. »Ich habe erfahren, dass Fürst Boris von Hambach dringend einen Verwalter sucht. Die Stellung soll sehr gut dotiert sein.«
»Ja, weil er sonst keinen kriegt, der für ihn arbeiten möchte«, fauchte Hiltrud. »Das war schon zu meiner Zeit so. Beim Personal herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Kaum einer hielt es lange unter seiner Fuchtel aus. Das wird sich nicht geändert haben. Also lockt er mit Geld. Nein, Alex, lass die Finger davon! Du würdest sie dir nur verbrennen. Und überhaupt: Hast du denn gar kein Ehrgefühl im Leib? Warum willst du diesem Menschen zu Kreuze kriechen?«
»Das habe ich nicht vor«, stellte Alexander klar. »Zumal er nie erfahren wird, dass es sein eigener Sohn ist, der sich um den vakanten Posten bewirbt.«
»Wie willst du denn das bewerkstelligen?«
»Indem ich mich unter einem anderen Namen und mit falschen Papieren bewerbe«, erklärte Alexander. »Diese herzustellen, ist mit Hilfe der modernen Kopiergeräte kein Problem; denn seine Originale gibt man ja nur noch selten aus der Hand.«
Hiltrud schüttelte ein ums andere Mal den Kopf. »Ich frage mich, wer dir diese hirnrissige Idee eingegeben hat und was du damit bezweckst?«
»Ganz einfach«, antwortete Alexander. »Ich möchte endlich mal meinen Vater kennenlernen.«
»Und was versprichst du dir davon?«
»Keine Ahnung«, gab Alexander unumwunden zu. »Vielleicht suche ich nur die Bestätigung, dass er tatsächlich dieses Ekel ist, als das du ihn mir mein Leben lang beschrieben hast.«
»Glaubst du, ich hätte dich belogen?«
»Nein, Mama, bestimmt nicht«, beruhigte sie Alexander. »Aber sieh mal: Ich kenne meinen Vater praktisch nur aus deiner Sicht. Ich kann ihn ja nicht einmal wie du richtig verachten, weil ich gar nicht bewusst miterlebt habe, was er uns angetan hat. Dazu war ich damals einfach noch zu klein.«
»Das darf doch alles nicht wahr sein!«, klagte Hiltrud. »Warum setzt du deine teuer erworbenen Kenntnisse nicht sinnvoller ein? Dein Vorhaben ist doch verschwendete Zeit!«
»Das sehe ich etwas anders, Mama«, betonte Alexander. »Die Vorstellung, meinen Vater kennenzulernen, reizt mich wirklich sehr. Aber der Hauptgrund, mich um den Posten zu bewerben, ist ein anderer: Ich möchte feststellen, ob ich der Aufgabe, einem Gut wie Hambach vorzustehen, gewachsen bin.«
»Das könntest du sicher auch woanders herausfinden«, meinte Hiltrud, »ohne dich in die Höhle eines despotischen Fürsten zu begeben. Er wird dich freihändig in der Luft zerreißen, wenn er dahinter kommen sollte, welch falsches Spiel du mit ihm getrieben hast. Es könnte sogar deiner Karriere schaden. Genügend Einfluss hat er, dein alter Herr. Er mag zwar kaum Freunde haben, aber genügend andere, die von ihm und seinem Wohlwollen abhängig sind. Geld regiert nun mal die Welt. Er macht schonungslos davon Gebrauch und geht über Leichen. Wenn es sein müsste, vermutlich sogar über die seines eigenen Sohnes.«
»Ich werde mich zu gegebener Zeit zu wehren wissen«, versprach Alexander. »Schließlich bin ich sein Sohn.«
»Überschätz dich nicht, Alex!«, warnte die Mutter. »Ja, du bist sein Sohn, aber du hast meine Erziehung genossen. Deshalb bist du anders als er.«
»Warten wir es doch erst einmal ab«, versetzte Alexander. »Noch hat er mich nicht eingestellt.«
»Ich bete darum, dass dies nie der Fall sein wird«, seufzte Hiltrud.
3
Fürst Boris von Hambach stand am Fenster seines Arbeitszimmers und blickte hinunter in den Vorhof seines Schlosses. Er bemerkte einen leicht lädiert aussehenden Wagen, der soeben die breite, von Rosenbeeten gesäumte Auffahrt herunterkam und dabei ziemlich unangenehme Geräusche von sich gab. Vor der Freitreppe, die zum Hauptportal führte, hielt er an, und dann kletterte ein schlanker junger Mann ins Freie, dehnte und reckte sich kurz und schaute sich beeindruckt um.
»Nicht übel«, murmelte der junge Mann vor sich hin, bevor er die Treppe zum Hauptportal emporspurtete. »Irgendwie erscheint mir alles so vertraut und gleichzeitig auch fremd. Die Zeit hat eben doch so manche Erinnerung verblassen lassen.«
Bevor er den Finger auf den Klingelknopf legte, atmete er noch einmal tief durch. Das seltsame Gefühl, das sich seiner bemächtigt hatte, als er den Besitz seines Vaters betreten hatte, verstärkte sich. Sein Pulsschlag beschleunigte sich auf annähernd einhundertfünfzig und mehr. Es war eben doch einfacher, einen Plan auszuhecken, als ihn dann tatsächlich durchzuführen. Am meisten fürchtete Alexander die erste Begegnung mit seinem Vater nach über zwanzig Jahren. Würde der Fürst sein gewagtes Spiel durchschauen und ihn am Ende gar erkennen?
»Zum Glück ähnelst du ihm kaum, sondern mehr meinem Vater«, hatte seine Mutter gemeint, als er sich von ihr verabschiedet hatte. »Und an den wird er sich wohl kaum noch erinnern. Trotzdem bist du verrückt.«
»Sei’s drum!«, brummte Alexander und drückte entschlossen auf den Klingelknopf. »Mehr als rausschmeißen kann er mich nicht.«
Butler Karl öffnete die messingbeschlagene Tür und fragte nach den Wünschen des Besuchers.
»Mein Name ist Thomas Wildhirt«, stellte sich Alexander vor, zwang ein gewinnendes Lächeln in sein Gesicht und verbeugte sich leicht. »Fürst Hambach hat mich für heute Vormittag zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Wenn Sie mich bitte anmelden wollen.«
»Sehr wohl«, erwiderte der Butler, verbeugte sich ebenfalls und gab die Tür frei. »Treten Sie bitte ein!«
Er führte Alexander in die Empfangshalle, bat ihn, Platz zu nehmen, und verschwand mit dem Versprechen, dem Fürsten seine Ankunft zu melden. Wenig später kam er zurück und forderte den jungen Mann auf, ihm zu folgen.
Und dann stand Alexander nach all den Jahren zum ersten Mal wieder seinem Vater gegenüber. Sein Herz raste. Seine Kehle wurde trocken, seine Hände feucht. Ein denkwürdiger Augenblick in seinem jungen Leben; vielleicht sogar der denkwürdigste überhaupt.
Fürst Boris hockte hinter seinem Schreibtisch, erhob sich, als Alexander ins Zimmer trat, und musterte ihn mit undurchdringlicher Miene. Das merkwürdige Gefühl, diesem Menschen schon einmal begegnet zu sein, beschlich ihn. Er kramte in seinen Erinnerungen, kam aber nicht dahinter, wo und wann dies gewesen sein könnte. Vermutlich irrte er sich, und dieser junge Mann besaß lediglich eine gewisse Ähnlichkeit mit jemandem, der ihm früher einmal über den Weg gelaufen war.
Das ist also mein Vater, schoss es Alexander zur gleichen Zeit durch den Sinn. Er ist ein Fremder für mich. Kaum eine Erinnerung habe ich mehr an ihn. Wären wir uns irgendwo begegnet, ich hätte ihn nicht erkannt. Und wie finster er mich anschaut. Als hätte ich ihm die Kronjuwelen geklaut. Ob dieser Mann auch lächeln kann?
»Sie können gehen«, forderte Fürst Boris seinen Butler auf, der abwartend im Hintergrund stehengeblieben war. »Wenn ich etwas brauchen sollte, läute ich.«
Butler Karl verbeugte sich und schloss die Tür.
»Sie möchten also bei mir Verwalter werden?«, wandte sich Fürst Boris an Alexander. Die Hand gereicht hatte er ihm bis jetzt noch nicht. Ein kaum wahrnehmbares Kopfnicken war der einzige Gruß gewesen, den er seinem Besucher gegönnt hatte. Es sollte auch der einzige bleiben.
»Nun, dann setzen Sie sich erst einmal!«
Während Alexander vor dem Schreibtisch des Fürsten Platz nahm, begab sich dieser zurück zu seinem und ließ sich ebenfalls nieder. Dann griff er nach einer Akte und blätterte für eine Weile darin.
»Ihr Name ist Thomas Wildhirt?«
Alexander bestätigte, dass dem so war, und kam sich wie bei einem polizeilichen Verhör vor. Die Stimme des Fürsten klang kalt und unpersönlich. Sein Gesicht blieb weiterhin unbewegt.
»Eigentlich hätte ich mir einen erfahreneren Mann als Sie gewünscht«, fuhr der Fürst fort. »Trauen Sie sich denn zu, eine Aufgabe wie diese zu bewältigen? Immerhin wäre es Ihre erste Anstellung, falls wir uns einig werden sollten.«
»Irgendwann fängt jeder einmal an«, gab Alexander zurück. »Ich hätte mich nicht um diese Stelle beworben, wenn ich mir nicht zutrauen würde, die Aufgabe zu bewältigen.«
»Sie klingen recht selbstbewusst, junger Mann«, bemerkte Fürst Boris. »Hoffentlich überschätzen Sie sich und Ihre Fähigkeiten nicht. Sie wären nicht der Erste, dem ich das bescheinigen müsste.«
Alexander hob die Schultern. »Sie müssten es auf einen Versuch ankommen lassen.«
Fürst Boris erdolchte ihn mit einem eisigen Blick.
»Das müssen Sie schon mir überlassen, ob ich den Versuch mit Ihnen wage oder nicht«, grollte er. »Ich neige eher dazu, es nicht zu tun.«
»Na schön«, gab Alexander sich möglichst gleichgültig und erhob sich. »Dann kann ich wohl wieder gehen. Es war mir eine Ehre, Durchlaucht.«
»Was soll das?« Fürst Boris wirkte verblüfft. Da war ja mal einer, der einen gewissen Schneid zu haben schien. Ein anderer hätte vermutlich kleinlaut gekuscht und durch anbiederndes Verhalten versucht, vielleicht doch berücksichtigt zu werden. Der da tat das nicht. Im Gegenteil. Dabei ging es für ihn doch um einiges. Irgendwie imponierte das dem Fürsten.
»Setzen Sie sich gefälligst wieder! Wir sind noch nicht fertig miteinander.«
»Es hörte sich aber so an«, meinte Alexander, während er wieder Platz nahm.
»Sie scheinen nicht nur selbstbewusst, Sie scheinen auch ein wenig vorlaut zu sein, junger Mann«, stellte Fürst Boris fest.
»Keineswegs«, widersprach Alexander. »Ich verabscheue es lediglich, unnötige Zeit zu vergeuden; in diesem Fall besonders die Ihre. Wenn Sie mir also erklären, mich nicht einstellen zu wollen, erübrigt sich doch jedes weitere Wort.«
»Habe ich behauptet, Sie nicht einstellen zu wollen?«, rief der Fürst.
»Es hörte sich so an«, wiederholte Alexander.
»Ich sagte lediglich, dass ich dazu neige, es nicht zu tun«, betonte der Fürst, dem der junge Mann immer besser gefiel. »Das schließt keinesfalls aus, dass ich es mir letztlich nicht doch anders überlege. Zumal Ihre Zeugnisse recht ordentlich sind.«
»Sie sind nicht bloß ordentlich, sie sind sehr gut«, warf sich Alexander stolz in die Brust. »Ich habe sowohl in Agronomie als auch in Betriebswirtschaft den besten diesjährigen Abschluss unserer Uni geschafft.«
»Also auch noch eingebildet«, brummte der Fürst kopfschüttelnd. »Ich sollte Sie zum Teufel jagen. Bleiben Sie jetzt bloß sitzen«, fügte er warnend hinzu. »Wann können Sie denn bei mir anfangen?«
Alexander hätte vor Freude jubeln mögen. Äußerlich gab er sich dagegen eher gelassen.
»Wann immer Sie möchten«, antwortete er. »Heute, morgen, Anfang nächsten Monats. Ich bin in dieser Beziehung völlig flexibel. Allerdings müssten wir uns zuvor noch über die Bedingungen einigen, unter denen ich für Sie tätig werde, insbesondere über die finanziellen.«
Dies stellte kein Problem dar. Fürst Boris bot seinem künftigen Verwalter ein Gehalt an, über das es nichts zu meckern gab. Dazu kamen ein anständiges Weihnachtsgeld, großzügig bemessene Urlaubstage sowie der mietfreie Wohnsitz im Verwalterhaus, das in unmittelbarer Nähe des Schlosses stand. Alexander war mehr als zufrieden und erklärte sich mit allem einverstanden.
»Dann sind Sie also ab heute bei mir eingestellt«, meinte der Fürst. »Die Probezeit beträgt ein halbes Jahr. Während dieser Frist ist unser Vertrag, den wir noch unterzeichnen werden, jederzeit beidseitig kündbar. Ich hoffe, dass ich meinen Entschluss, Sie eingestellt zu haben, nicht eines Tages bereuen muss.«
»Ich werde mich bemühen, stets zu Ihrer Zufriedenheit für Sie zu arbeiten«, versprach Alexander.
»Na schön«, brummte der Fürst. »Lassen wir uns überraschen. Sie können dann gehen. Karl wird Ihnen Ihr Haus zeigen. Es ist einfach, aber zweckmäßig möbliert. Natürlich bleibt es Ihnen überlassen, wie Sie es künftig einrichten werden.«
»Das geht schon in Ordnung«, erwiderte Alexander. »Als Junggeselle bin ich nicht sonderlich anspruchsvoll.«
»Sie werden wohl nicht ewig Junggeselle bleiben wollen - oder?«
Alexander zuckte lächelnd die Schultern. »Keine Ahnung. Bis jetzt ist mir jedenfalls noch nicht die richtige Frau über den Weg gelaufen, für die es sich gelohnt hätte, meine kostbare Freiheit aufzugeben.« Den jungen Mann schien der Teufel zu reiten, als er hinzufügte: »Sind Sie eigentlich verheiratet, Durchlaucht?«
Die Miene des Fürsten, vorher schon kühl und unnahbar, wirkte plötzlich noch düsterer.
»Nein«, versetzte er hart, klappte den Aktendeckel zu und erhob sich. »Ich erwarte Sie morgen Mittag um vierzehn Uhr an gleicher Stelle. Bis dahin werden Sie sich drüben einigermaßen eingerichtet haben. Ich werde Ihnen dann Ihren Arbeitsbereich zeigen und Ihnen einige Leute vorstellen. Auf Wiedersehen, Herr Wildhirt.«
Alexander verbeugte sich leicht und verließ das Zimmer. Draußen erwartete ihn bereits der Butler, um ihn zum Verwalterhaus zu geleiten.
»Willkommen auf Schloss Hambach«, empfing ihn Karl. »Hoffentlich haben wir mit Ihnen länger das Vergnügen als mit Ihrem Vorgänger.«
»Warum?«, erkundigte sich Alexander. »Wie lange ist mein Vorgänger denn geblieben?«
»Keine vier Wochen«, seufzte Karl. »Man muss Durchlaucht halt zu nehmen wissen, sonst ...« Er unterbrach sich und seufzte erneut.
»Sonst?«
»Das müssen Sie schon selbst herausfinden«, meinte Karl. »Ich möchte mir nicht den Mund verbrennen. In meinem Alter ist es nämlich nicht einfach, eine neue Stellung zu finden.«
4
Hier aber, am See, konnte man sich wohl fühlen. Hier gab es schattige Plätzchen, wo man gemütlich rasten und miteinander plaudern konnte. Hier hatten sich Ted und Jenny zum ersten Mal ihre Liebe gestanden und die ersten Küsse zärtlich getauscht. Und hier hieß es nun hieß es nun
auch voneinander Abschied zu nehmen. Für Ted eine Tatsache, die er kaum verkraften konnte.
»Ich könnte heulen, wenn ich daran denke, dass du morgen nicht mehr hier sein wirst«, wandte sich Ted Sullivan an das hübsche blonde Mädchen an seiner Seite. »Eine blödsinnige Idee deines Vaters, dich nach Old Germany zu schicken. Als ob du nicht auch hier in den Staaten studieren könntest. Nein, es muss unbedingt Heidelberg sein.«
Ted und Jenny hatten am Nachmittag vor dem Abflug des Mädchens nach Deutschland zwei Pferde gesattelt und waren hinüber zu dem kleinen See geritten, der von Bäumen und Büschen umgeben war und zu den idyllischsten Fleckchen Erde der ganzen Umgebung zählte, denn ansonsten gab das Land nicht viel her. Eintöniges, hügeliges Weideland war es, auf dem kaum etwas Gras wuchs, von dem sich die zahlreichen Rinder ernährten, die zum millionenschweren Besitz Hugo von Kirsts, Jennys Vater, gehörten.
Der dunkelhaarige junge Mann war Banker im nahen Dallas, hatte es in seinem Beruf durch Fleiß und Können schon recht weit gebracht und verdiente ein gutes Geld. Er stammte aus einer angesehenen Familie, sah gut aus und hätte sich durchaus vorstellen können, bald mit Jenny verheiratet zu sein. Wenn es da nicht die »blödsinnige Idee« ihres Vaters gegeben hätte, sie nach Heidelberg zu schicken. Er konnte Hugo von Kirsts unmöglichen Einfall bei allem Respekt nicht nachvollziehen.
Jenny dachte in dieser Beziehung etwas anders. Sie freute sich auf Heidelberg, auch wenn sie sich deswegen von Ted trennen musste. Sie glaubte zwar, ihn zu lieben, aber ob er die ganz große Liebe ihres Lebens war, wusste sie selbst nicht. Vielleicht half es ihr, sich darüber klar zu werden, wenn sie sich mal für eine Weile nicht sahen. Und wenn das Gegenteil eintrat und sie merkte, dass ihre Gefühle für ihn eben doch nicht mehr als Freundschaft waren, würde sie auch darüber hinwegkommen. Dann hatte sie sich eben getäuscht.
»Heidelberg liegt nicht auf dem Mond«, versuchte Jenny ihren Freund zu trösten. »Wir können häufig miteinander telefonieren, und in den Semesterferien komme ich schon wieder heim.«
»Ja, aber was ist zwischen den Semesterferien?« klagte Ted. »Die deutschen Boys werden dich umschwärmen wie die Motten das Licht.«
»Und sich die Finger verbrennen, wenn sie näher an mich herankommen, als ich gestatte«, korrigierte Jenny den besorgten Gedanken ihres eifersüchtigen Verehrers. »Hör bloß auf zu klagen! Oder denkst du etwa, ich werfe mich dem erstbesten Knaben drüben an die Brust? So nötig habe ich es weiß Gott nicht. Außerdem: Wer sagt mir denn, ob du treu bist, während ich fort bin?«
»Wie kannst du daran zweifeln?«, rief Ted. »Für mich gibt es nur eine Frau - und das bist du. Alle anderen können mir gestohlen bleiben.«
»Aber mir traust du zu, dir untreu zu werden«, beschwerte sich Jenny und verzog schmollend das Gesicht. »Kein besonders schöner Zug an dir. Eigentlich müsste ich dir böse sein.«
»Ich liebe dich eben so sehr«, entschuldigte sich Ted. »Da kommt man schon mal auf dumme Gedanken.« Er griff nach ihren Händen und küsste sie. »Es wäre unerträglich für mich, dich an einen anderen zu verlieren. Ich glaube, dann möchte ich nicht mehr leben.«
»Unsinn!«, widersprach Jenny. »Natürlich wirst du weiterleben, falls der Fall aller Fälle tatsächlich eintreten sollte.«
»Siehst du!«, regte sich Ted auf. »Jetzt schließt du es selbst nicht mehr völlig aus, dass du dich in einen anderen verlieben könntest.«
»Ganz ausschließen kann man das nie«, meinte Jenny. »Selbst du kannst das nicht.«
»O doch!«, beteuerte Ted. »Ich schon! Für mich wird es nie eine Andere geben.«
»Das haben schon viele behauptet«, versetzte Jenny trocken. »Mein Onkel Thomas, der Bruder meines Vaters, zum Beispiel. Sechsundzwanzig Jahre war er mit seiner Mary Ann verheiratet. Jeder glaubte, es gebe kein glücklicheres Paar als die beiden. Sie turtelten den ganzen Tag miteinander, hielten Händchen und küssten sich zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Dann musste Mary Ann zu ihrer kranken Mutter nach New York reisen. Sie kam nie mehr zurück, weil sie dort eine neue Liebe gefunden hatte; eine Liebe, die noch größer und inniger war als die zu Onkel Thomas. So schnell geht das. Sag also nicht, so etwas könnte dir nie passieren. Die Geschichte von Onkel Thomas und seiner Mary Ann beweist das Gegenteil. Onkel Thomas hat es übrigens auch überlebt und ist mittlerweile mit einer neuen Frau liiert.«
»Wie schön für ihn«, brummte Ted verdrießlich. »Aber ein Trost ist das nicht für mich.«
»Meine Güte, Ted! Du nervst mich mit deiner blöden Eifersucht!«, erregte sich Jenny. »Soll ich mir vielleicht einen Keuschheitsgürtel zulegen, damit du an meine Treue glaubst? Ich werde bei meinem Onkel im Schloss wohnen; vielleicht gibt es dort einen.«
»Jetzt bist du sauer«, stellte Ted betrübt fest.
»Stinksauer«, bestätigte Jenny. »Deshalb werde ich jetzt nach Hause reiten. Ich hatte mir den Abschied von dir anders vorgestellt - ganz anders.«
»Aber das können wir doch immer noch ...«
»Nein«, unterbrach ihn Jenny. »Du hast mir die Stimmung gründlich verdorben.«
Sie sprang auf, eilte zu ihrem Pferd und schwang sich in den Sattel. Dann galoppierte sie in einem Tempo davon, dass Ted Mühe hatte, ihr zu folgen.
»So warte doch!«, rief er hinter ihr her. »Jenny, bitte! Ich habe das alles doch nicht so gemeint!«
Das Mädchen gab keine Antwort und beschleunigte eher noch das Tempo. Blacky, wie ihr Hengst wegen seines schwarzen Fells hieß, schien zu fliegen. Und Jenny auf seinem Rücken mit ihm.
»Jenny, bitte!« flehte Ted. »Du brichst dir noch den Hals!«
Aber da täuschte er sich. Jenny war eine begnadete Reiterin. Kein Graben war ihr zu breit, kein Hindernis zu hoch. Wenige Minuten später hatte sie die Ranch ihres Vaters erreicht. Erst dort ritt sie langsamer, lenkte das Pferd zu den Stallungen und drückte, nachdem sie abgestiegen war, einem Stallburschen die Zügel in die Hand.
Inzwischen war auch Ted angekommen. Er sprang ebenfalls vom Pferd und überließ es dem Stallburschen. Dann spurtete er hinter Jenny her, die sich mit eiligen Schritten dem Haus zugewandt hatte. Kurz vor dem Eingang holte er sie ein.
»Jenny, lass uns noch einmal miteinander reden«, bat er und griff nach ihrem Arm, damit sie stehenblieb. »Oder willst du im Streit von mir gehen?«
»Ich habe keinen Streit mit dir«, stellte sie klar. »Ich bin lediglich sauer auf dich.«
»Aber das ist doch dasselbe«, meinte er. »Tut mir leid, dass ich dummes Zeug geschwätzt habe; tut mir ehrlich leid.«
»Ach was«, winkte sie ab. »Das stimmt doch gar nicht. Du hast doch immer noch Angst, ich könnte dich in Deutschland betrügen. Aber hast du auch schon mal davon gehört, dass Liebe etwas mit Vertrauen zu tun hat? Für dich scheint das allerdings ein Fremdwort zu sein.«
»Natürlich vertraue ich dir«, behauptete Ted. »Aber kann man etwas gegen seine dummen Gedanken machen?«
»Man darf sie sich erst gar nicht in den Kopf setzen«, entgegnete Jenny.
»Das ist leichter gesagt als getan«, seufzte Ted unglücklich.
»Dann versuch es zumindest!«, schlug Jenny vor. »So, Darling, und jetzt muss ich gehen. Ich habe noch ein paar Dinge zusammenzupacken, die ich mitnehmen möchte.«
»Darf ich noch eine Weile bleiben?«
»Nein, machen wir’s kurz. Ich hasse nichts mehr als lange Abschiedsszenen. Mach’s gut, Ted, und halt die Ohren steif!«
Sie beugte sich zu ihm hinüber und küsste ihn flüchtig auf den Mund. Als er sie in die Arme nehmen und länger küssen wollte, sträubte sie sich dagegen.
»Nein, Ted, bitte nicht! Ich möchte nicht, dass meine Eltern uns überraschen.«
»Aber sie wissen doch, dass wir uns lieben.«
»Trotzdem, Ted! Ich will es einfach nicht. Mach’s gut, Darling! Ich rufe dich an, wenn ich angekommen bin.« Sie küsste ihn noch einmal, diesmal sogar etwas zärtlicher, streichelte ihm übers Haar und verschwand im Haus.
Ted blieb noch eine Weile wie benommen stehen, schüttelte dann mit einem bitteren Lächeln den Kopf und begab sich zu seinem Wagen, um nach Hause zu fahren. Er fühlte sich miserabel, war wütend auf sich selbst und die Boys, die Jenny in Germany unweigerlich kennenlernen würde, und beschloss, seinen Kummer an diesem Abend in Bier zu ertränken. Das würde seinen Schmerz zwar nicht aus der Welt schaffen, ihm jedoch dabei helfen, ihn für eine Weile zu vergessen.
5
»Sie könnten mir einen Gefallen erweisen, Wildhirt«, wandte sich Fürst Boris an seinen neuen Verwalter, als dieser zum täglichen Rapport bei ihm antrat. »Ich weiß, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehört, für mich den Chauffeur zu spielen, aber ich befinde mich in einer Notlage. Oskar, mein Fahrer, ist erkrankt. Ich selbst muss in einer dringenden Angelegenheit nach München. Und Karl möchte ich nicht schicken. Der fährt nämlich Auto, wie ich Klavier spiele.«
»Sie spielen Klavier, Durchlaucht?«
»Eben nicht«, versetzte der Fürst trocken. »Und genauso fährt Karl Auto.«
Alexander lachte. Der Fürst schaute ihn an, runzelte die Stirn und dann huschte - man höre und staune - auch so etwas wie ein Lächeln über sein Gesicht.
»Das sollte kein Scherz sein«, knurrte er und ärgerte sich, weil er sich diese Gemütsregung erlaubt hatte. »Das ist eine Tatsache.«
»Wie Sie meinen, Durchlaucht.«
Alexander weilte nun schon etliche Tage auf Schloss Hambach. Er fühlte sich recht wohl, seine Arbeit machte ihm Freude, und mit seinen Mitarbeitern kam er bestens aus. Sie respektierten ihn, weil sie merkten, dass er etwas von seiner Sache verstand. Wenn einem ein Fehler unterlief oder etwas nicht so erledigt wurde, wie Alexander sich das vorgestellt hatte, dann bekam er nicht gleich einen Tobsuchtsanfall, sondern bat den Verantwortlichen zu sich und sprach in ruhigem sachlichen Ton mit ihm. Niemals kehrte er den Vorgesetzten heraus. Das gefiel den Leuten. Und noch mehr gefiel ihnen, dass sie, seit Alexander die Gutsverwaltung übernommen hatte, kaum noch persönlich mit ihrem eigentlichen Dienstherrn konfrontiert wurden, denn der kümmerte sich jetzt mehr um andere Geschäftsbereiche.
Auch Fürst Boris hatte schnell erkannt, dass er mit seinem neuen Verwalter keinen schlechten Griff getan hatte. Was und wie es der junge Mann anpackte, hatte Hand und Fuß und war von Grund auf durchdacht. Er selbst hätte es nicht besser machen können. Das gefiel dem alten Despoten und etwas, das er zuvor kaum einmal für jemand empfunden hatte, wuchs in ihm: Er fühlte Sympathie für den jungen Mann - Sympathie und Achtung.
Natürlich zeigte er ihm das nicht. Er gab sich Alexander gegenüber nach wie vor unnahbar und brummig. Doch diesen schien das nicht zu stören. Er ertrug die Launen des Fürsten mit Gelassenheit, wehrte sich mit sachlichen Argumenten, wenn er sich zu Unrecht angegriffen fühlte, und gestattete seinem Vater niemals, ihn wie einen dummen Jungen zu behandeln. Was den Fürsten, der nicht gewohnt war, dass ihm widersprochen wurde, einerseits ärgerte, andererseits aber auch wiederum imponierte.
Alexander war sich über seine Gefühle für den Vater nicht im Klaren. Zuneigung oder gar Liebe empfand er mit Sicherheit nicht für ihn. Aber es schwelte auch kein Hass auf den Fürsten in ihm. Es war irgendetwas dazwischen. Alexander suchte nach der richtigen Bezeichnung dafür. Gefunden hatte er sie bis jetzt noch nicht.
»Meine ... äh ... Was ist sie eigentlich?« Fürst Boris rieb sich nachdenklich das Kinn. »Jedenfalls ist sie die Tochter meiner Cousine Herta von Kirst, die in den Staaten verheiratet ist. Das Mädchen heißt Jenny, wenn ich mich recht erinnere, und kommt heute Nachmittag auf dem Frankfurter Flughafen an. Sie wird ...«, er schnaubte verärgert, »... dummerweise für eine Weile bei uns wohnen. Ein Narr war ich, mich darauf einzulassen. Bin ich etwa der Hüter der Kinder meiner Verwandten?«
»Wie alt ist das Kind denn?« ,wollte Alexander wissen.
»Kind!« Fürst Boris lachte unlustig. »Einundzwanzig ist das Kind. In Heidelberg studieren will es. Und ich soll auf Jenny aufpassen, damit ihr keiner etwas tut. Als ob ich das könnte. Oder soll ich sie vielleicht Tag und Nacht bewachen?«
»Warum auch?«, erwiderte Alexander. »Das Mädchen ist volljährig und muss selbst wissen, was es zu tun und zu lassen hat.«
»Natürlich«, grollte der Fürst. »Aber was ist, wenn sie sich verliebt und schwanger wird? Dann muss ich mir die Vorwürfe meiner holden Cousine anhören.«
Alexander grinste. »Wenn das tatsächlich passieren sollte, kann man Ihnen doch keine Vorwürfe machen. Es sei denn, Sie selbst ...«
»Werden Sie bloß nicht unverschämt, Wildhirt!«, rief der Fürst aufgebracht. »Ich vergreife mich doch nicht an jungen Mädchen. Ich vergreife mich ja nicht einmal an älteren, weil ich ...« Er unterbrach sich und blickte Alexander finster an. »Wie komme ich überhaupt dazu, mit Ihnen solche Dinge zu erörtern? Das ist doch völlig unter meinem Niveau. Ich sollte Sie für Ihre freche Bemerkung vor die Tür setzen, Wildhirt.«
»Dann hätten Sie aber niemand mehr, der diese Jenny heute Nachmittag vom Flughafen abholen könnte«, entgegnete Alexander mit einem amüsierten Lächeln. »Denn darauf läuft unsere Unterhaltung doch hinaus, nicht wahr?«
»So ist es«, bestätigte der Fürst und fragte sich wieder einmal mehr, wieso er die Unverschämtheit seines neuen Verwalters so gelassen hinnahm; denn schließlich war dessen Erwiderung ja nichts anderes als eine neuerliche Unverschämtheit gewesen.
»Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das für mich übernehmen könnten.«
»Selbstverständlich übernehme ich das«, versprach Alexander. »Allerdings habe ich ein kleines Problem.«
»Und das wäre?«
»Wie soll ich das Mädchen erkennen?«
»Auch dafür ist gesorgt«, antwortete Fürst Boris. »Da ich ähnliche Befürchtungen hegte, hat mir ihre Mutter eine Fotografie neueren Datums geschickt.« Er kramte auf seinem Schreibtisch, fand endlich, was er suchte, und überreichte Alexander das Foto. »Das ist sie.«
»Hübsch.« Alexander starrte das auf der Fotografie abgelichtete blonde Mädchen fasziniert an. »Sehr hübsch.«
»Ja, aber nichts für Sie!«, brummte der Fürst. »Lassen Sie also gefälligst die Finger von ihr! Sie ist zwar von niedererem Adel als ich, aber dennoch nichts für einen biederen, dazu noch bürgerlichen Verwalter wie Sie.«
»Vielen Dank, Durchlaucht«, gab Alexander sarkastisch zurück. »So etwas nennt man Standesdünkel.«
»Es ist mir egal, wie Sie das nennen«, erklärte Fürst Boris. »Hauptsache, Sie haben mich verstanden. Hände weg von Jenny! Von anderen Dingen ganz zu schweigen. Blaues Blut muss sich durch blaues Blut fortpflanzen. Leider gibt es heutzutage viel zu viele unseres Standes, die sich nicht mehr an diese Tradition halten. Wie sonst könnte sich eine ordinäre Filmschauspielerin plötzlich Prinzessin von Soundso nennen? Das ist ein Skandal! Man sollte diesen Leuten ihren Adelstitel aberkennen und sie mit Schimpf und Schande davonjagen.«
»Sie meinen das tatsächlich ernst - Oder?«, fragte Alexander.
»Selbstverständlich meine ich das ernst«, wurde Fürst Boris laut. »Ich würde meinem Sohn niemals erlauben, eine Bürgerliche zu heiraten. Niemals!«
»Ach, Sie haben einen Sohn, Durchlaucht?«, tat Alexander erstaunt.
»Als ob Sie das nicht wüssten«, fauchte der Fürst. »Natürlich hat man Ihnen in den Tagen, die Sie hier sind, längst alles über mich und meine Familienverhältnisse erzählt. Oder wollen Sie das etwa leugnen?«
»Nein, Durchlaucht.«
»Na also. Dann tun Sie gefälligst nicht so scheinheilig. Damit möchte ich dieses Thema beenden.«
»Wie Sie wünschen, Durchlaucht«, erwiderte Alexander. »Dürfte ich abschließend aber wenigstens noch erfahren, um welche Zeit Fräulein von Kirst auf dem Frankfurter Flughafen landen wird, damit ich mich rechtzeitig auf den Weg machen kann?«
Fürst Boris nannte ihm die Uhrzeit und Ankunftshalle, dann entließ er ihn mit der erneuten Warnung: »Hände weg von Jenny!«
Abwarten, dachte Alexander, während er das Arbeitszimmer des Fürsten verließ und die Treppe zur Empfangshalle hinuntereilte. Wenn mir das Mädchen gefällt und ihr Charakter so beeindruckend ist wie ihr Aussehen, wirst du mich nicht daran hindern können, um sie zu werben. Aber vermutlich ist sie längst in festen Händen. Alles andere wäre ein Wunder. So, wie sie ausschaut. Die amerikanischen Männer müssten blind sein, wenn sie das übersehen hätten. Rechne dir also besser keine Chance aus, Junge, sonst wirst du wahrscheinlich enttäuscht. Und außerdem: Es muss ja nicht unbedingt Jenny sein. Auch andere Mütter haben schöne Töchter.
Alexander erreichte den Frankfurter Flughafen trotz etlicher Staus pünktlich, stellte seinen Wagen für teures Geld in der Tiefgarage ab und begab sich zur entsprechenden Ankunftshalle. Ein Blick auf die Anzeigetafel belehrte ihn, dass Jennys Flugzeug mit etwa halbstündiger Verspätung eintreffen würde. Also nahm er am Tresen einer kleinen Cafeteria Platz und bestellte sich ein Kännchen Kaffee. Der Geschmack des dunkelbraunen, an Spülwasser erinnernden Getränkes stand in keinem Verhältnis zu seinem Preis.
Aus der halben Stunde Verspätung wurde fast eine ganze, bis die Anzeigetafel endlich verkündete, dass Jennys Flugzeug gelandet war. Alexander bezahlte seinen Kaffee und mischte sich unter die anderen Menschen, die auf ihre Angehörigen oder Geschäftsfreunde aus den Staaten warteten. Die Fotografie des Mädchens musste er sich nicht noch einmal anschauen. Das hatte er in den vergangenen Stunden so oft getan, dass sich ihr Bild mittlerweile fest in seinem Inneren eingeprägt hatte.
In natura war Jenny noch hübscher als auf dem Foto. Sie war mittelgroß, schlank und mit all jenen Formen und Pölsterchen ausgestattet worden, die bei einem Mann die Augen aufleuchten ließen. Sie trug eine verwaschene Jeans, ein T-Shirt mit dem Aufdruck einer bekannten Rockband und auf dem Kopf ein kesses Hütchen. Ihr Gepäck schob sie in einem großen Wagen vor sich her, als sie aus der Tür trat und sich suchend umschaute.
Alexander erkannte sie auf den ersten Blick, eilte ihr entgegen und begrüßte sie in englischer Sprache. Sie stutzte, runzelte die Stirn und schaute den jungen Mann erstaunt und auch etwas argwöhnisch an.
»Mein Onkel Boris sind Sie aber nicht«, stellte sie in fast akzentfreiem Deutsch fest. »Der dürfte wohl etwas älter sein als Sie.«
»So ist es«, pflichtete ihr Alexander lächelnd bei, stellte sich unter seinem falschen Namen - mit Thomas Wildhirt also - vor und erklärte ihr, warum man ihn geschickt hatte, um sie abzuholen.
»Ich hoffe, Sie sind nicht allzu enttäuscht, dass ihr Onkel nicht persönlich kommen konnte. Er selbst bedauert das natürlich zutiefst«, antwortete er charmant mit einer kleinen Lüge.
»So, tut er das?«, versetzte Jenny ironisch. »Dabei hat mir meine Mutter erzählt, dass Onkel Boris gar nicht sonderlich erfreut über meinen Besuch ist. Sollte er seine Meinung inzwischen geändert haben?«
Alexander hob die Schultern. »Darüber Auskunft zu geben, steht mir nicht zu, Frau von Kirst.«
»Nennen Sie mich um Himmels willen nicht Frau von Kirst!«, bat Jenny. »Das tut drüben in den Staaten keiner. Ich heiße Jenny, und ich würde gern Thomas sagen. Okay?«
»Von mir aus gern«, erwiderte Alexander. »Aber ob es Seiner Durchlaucht recht ist, wage ich zu bezweifeln. Der legt großen Wert auf Etikette.«
»Dann muss er sich eben umgewöhnen«, meinte Jenny. »Schließlich bin ich ein modernes amerikanisches Mädchen und keine Hofpomeranze. Frau von Kirst!« Sie verzog angewidert das Gesicht. »Das würde mir in den USA niemand glauben. Selbst Mum und Daddy nennen alle bloß beim Vornamen. Allerdings haben sie aus dem Hugo einen Hugh gemacht. Können wir dann gehen? Ich lechze nach einer Dusche.«
Also begaben sie sich hinunter in die Tiefgarage und verstauten Jennys Gepäck in Alexanders Schrottlaube, denn mit der war er, trotz des fürstlichen Angebotes, einen Wagen aus dessen Fuhrpark zu benutzen, nach Frankfurt gefahren.
»Ein hübsches Auto«, spöttelte Jenny denn auch sogleich. »Von welchem Museum hast du das denn ausgeliehen?«
»Nichts gegen Schorschi«, protestierte Alexander in gespieltem Ernst. »Er begleitet mich schon seit Ewigkeiten und hat so manchen Sturm erlebt.«
»Draußen in der Natur oder hinten auf dem Rücksitz?«, wollte Jenny mit einem anzüglichen Lächeln wissen.
»Frau von Kirst!«, rief Alexander und drohte ihr schelmisch mit dem Finger. »Wo bleibt Ihre Erziehung? Nach so etwas fragt eine anständige Dame nicht!«
»Ich bin keine Dame«, stellte Jenny klar. »Und wenn du mich noch einmal Frau von Kirst nennst, rede ich kein Wort mehr mit dir.«
»Okay, Jenny«, sagte Alexander, und es klang beinahe zärtlich. Und auch der Blick, mit dem er sie dabei anschaute, drückte Ähnliches aus.
O ja, der gute Alexander hatte sich Hals über Kopf in das Mädchen verliebt. Wenige Minuten an ihrer Seite hatten genügt, um in seinem Herzen einen wahren Feuersturm zu entfachen. Behaupte keiner, es gebe keine Liebe auf den ersten Blick. Was Alexander gerade erlebte, bewies das Gegenteil.
Auch Jenny fand den jungen Mann sehr sympathisch. Er sah unglaublich attraktiv aus, hatte Humor - und wäre sie nicht mit Ted Sullivan befreundet ...
Aber es gab ihn nun mal, diesen Ted Sullivan. Also hielt sie sich zurück und vermied es, einen heftigen Flirt mit Alexander zu beginnen. Was - zugegebenermaßen - nicht ganz leicht war; denn natürlich war ihr der Blick nicht entgangen, mit dem er sie gerade bedacht, nein, gestreichelt hatte. Sie fühlte, wie ihr ein sanftes, wohliges Kribbeln den Rücken hinunterlief.
Achtung, Jenny!, warnte sie sich selbst. Du hast deinem Ted Treue gelobt. Komm nicht auf die unsinnige Idee, sie gleich am ersten Tag in Deutschland zu brechen. Das hätte Ted nicht verdient. Außerdem kennst du diesen Mann doch noch gar nicht richtig. Vielleicht ist es einer von der Sorte, die es bei jedem Mädchen versuchen. Also sieh dich vor!
»So, dann wollen wir mal«, meinte Alexander, nachdem sie beide in seinem Wagen Platz genommen hatten. »Schorschi, blamier mich nicht, und spring in Gottes Namen an!«
Schorschi tat ihm den Gefallen, und so zuckelten sie wenig später in gemütlichem Tempo Richtung Heimat.
»Ich bin bloß froh, dass du so gut Deutsch sprichst«, wandte sich Alexander an Jenny. »Ich könnte mich zwar auch auf Englisch mit dir verständigen, aber so ist es mir lieber.«
»Ich bin zweisprachig aufgewachsen«, erklärte Jenny. »Denn bei uns auf der Ranch sprechen wir fast ausschließlich Deutsch miteinander.«
»Was dir bei deinem Studium in Heidelberg natürlich sehr entgegenkommen wird«, erwiderte Alexander. »Was möchtest du denn später mal werden, Jenny?«
»Lehrerin. Ich habe sehr gern mit Kindern zu tun.«
»Dann wirst du dir später wohl eine Menge eigener anschaffen, oder?«
»Das könnte passieren«, räumte sie ein und errötete sanft.
»Hast du auch schon einen Vater dafür im Auge?«
Jenny errötete noch tiefer. »So fragt man keine fremden Menschen aus«, beschwerte sie sich.
»Es interessiert einen halt«, gab Alexander treuherzig zurück.
»Es geht dich aber nichts an«, befand sie. »Oder habe ich mich vielleicht erkundigt, ob du verliebt, verlobt oder gar verheiratet bist?«
»Möchtest du es denn wissen?«
»Nein«, erwiderte sie beinahe trotzig, obwohl es sie brennend interessierte. »Warum auch? Ich habe schließlich nicht vor, mich mit dir auf irgendeine Art und Weise einzulassen.«
»Das ist schade«, bedauerte er. »Denn ich könnte es mir wundervoll vorstellen, wenn du es tätest.«
»Mach dir bloß keine Illusionen!«, warnte sie ihn. »Ich habe einen Freund in Amerika und gedenke nicht, diese glückliche Beziehung wegen eines flüchtigen Abenteuers aufs Spiel zu setzen. Und jetzt lass uns von etwas anderem reden, bevor wir uns noch tiefer in diesen Sumpf von Anzüglichkeiten hineinmanövrieren. Wann sind wir auf Schloss Hambach?«
»Das dauert schon noch eine Weile.«
Sie blickte aus dem Fenster und nickte zustimmend. »Eine schöne Gegend.«
»Sie wird noch schöner«, versprach Alexander. »Wenn wir erst die Autobahn verlassen haben und so richtig tief in den Odenwald hineingefahren sind. Mit so einer reizvollen Gegend wird man bei euch in Texas wohl nicht so sehr verwöhnt?«
»Bei mir zu Hause nicht«, räumte Jenny ein. »Da ist alles ziemlich flach und eintönig. Aber natürlich gibt’s auch wunderschöne Gegenden in Amerika. Das Land ist schließlich riesengroß und bietet für jeden Geschmack etwas. Ich habe mir das eine oder andere zusammen mit meinen Eltern angeschaut. Die Niagara Fälle zum Beispiel und die Rocky Mountains. Auch die Everglades unten in Florida sind sehenswert.«
»Aber in Europa warst du noch nicht?«
»Nein, das ist das erste Mal«, erklärte sie.
»Hast du keine Angst, Heimweh zu bekommen?«
»Das habe ich jetzt schon«, seufzte sie. »Aber da muss ich durch. Ich bin schließlich kein kleines Mädchen mehr.«
»Nein, das bist du weiß Gott nicht«, beteuerte Alexander, und wieder sandte er einen kurzen sehnsüchtigen Blick in Richtung seiner Beifahrerin.
»Achte lieber auf den Verkehr!«, ermahnte ihn Jenny spöttisch. »So sehenswert bin ich nicht.«
»Hast du eine Ahnung«, brummte Alexander. »Ich werde das Bild, das dein Onkel mir aus erkennungstechnischen Gründen überlassen hat, rahmen und über meinem Bett aufhängen.«
»Nimm aber einen schweren Rahmen«, riet ihm Jenny und kicherte vergnügt. »Damit es auch richtig wehtut, wenn es mal herunterfällt.«
»Was hast du bloß gegen mich?« ,klagte Alexander mit komischem Gesichtsausdruck.
»Ich habe weder etwas für noch gegen dich«, entgegnete Jenny. »Dazu kenne ich dich noch viel zu wenig. Mein erster Eindruck von dir lässt mich allerdings vermuten, dass du ein ganz ausgekochter Frauenheld bist.«
»Der erste Eindruck täuscht«, behauptete Alexander. »Ich bin harmlos wie ein neugeborenes Lämmchen.«
Jenny lachte. »Warum benimmst du dich dann völlig anders?«, konterte sie.
»Tu ich das wirklich?«
»Ja«, bestätigte das Mädchen. »Oder denkst du, mir entgeht, dass du, seit wir uns kennengelernt haben, mit mir anzubandeln versuchst - und das, obwohl ich dir mitgeteilt habe, dass ich nicht mehr zu haben bin.«
»Einen Versuch war es doch immerhin wert - oder?«
»Der Versuch ist gescheitert«, meinte sie. »Könntest du weitere bitte einstellen? Oder muss ich dir künftig aus dem Weg gehen?«
»Bitte nicht«, rief er. »Ich könnte ja wenigstens dein väterlicher Freund sein. Oder spricht auch dagegen etwas?«
»Nein«, versetzte sie. »Mein väterlicher Freund darfst du gerne sein, solange ich nicht Papi zu dir sagen muss.«
»Darling oder Schätzchen würde ich lieber hören!«
»Du fängst ja schon wieder an«, kritisierte sie ihn.
»Es sollte ein Scherz sein.«
»Ich mag solche Scherze nicht«, knurrte sie. »Also lass das ein für allemal sein, wenn du unsere junge Freundschaft nicht gefährden willst.«
Für den Rest der Fahrt hielt sich Alexander an ihren Wunsch. Was nicht hieß, dass dies für immer so sein sollte. Er wollte Jenny für sich gewinnen, und je länger er mit ihr zusammen war, um so größer wurde dieses Begehren. Zum ersten Mal in seinem Leben dachte er, dass er vielleicht die Frau seiner Träume, die Richtige gefunden hatte, denn um als Spielzeug für seine Leidenschaft missbraucht zu werden, war Jenny zu schade. Wenn seinen Gefühlen nur nicht ihre Behauptung, sie wäre gebunden, entgegen stünde. Aber selbst ein Gordischer Knoten war gelöst worden. Warum nicht auch dieses Problem?