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Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106
Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106
Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106
eBook868 Seiten11 Stunden

Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106

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Über dieses E-Book

Sammelband 7 Guselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106
Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum25. Nov. 2017
ISBN9783745201635
Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106
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Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

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    Buchvorschau

    Sammelband 7 Gruselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106 - A. F. Morland

    Sammelband 7 Guselromane Dämonenhasser Tony Ballard Band 100 bis 106

    Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.  

    TITELBILD: KLAUS DILL

    Geburt eines Dämons

    Tony Ballard Nr. 100

    TEIL 1/5

    VON A.F.MORLAND

    TONY BALLARD IST DER Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.  

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author/ Titelbild Michael Sagenhorn

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Geburt eines Dämons

    Es geschah in der Hölle – zu einer Zeit, die sehr weit zurückliegt und an die sich kein Dämon erinnern will, denn es war eine der schicksalsträchtigsten Nächte, die es im Reich des Bösen und der ewigen Verdammnis je gegeben hat.

    Eine Geburt stand bevor.

    Die Geburt eines Dämons, der den Fürst der Hölle stürzen und seinen Thron besteigen sollte.

    Loxagons Geburt!

    Blitze zerfetzten die dunkle Nacht mit blendendem Licht und schlugen in die ausgedehnten Sümpfe. Ihre gewaltige Kraft riß riesige Schlammfontänen hoch, und die freigewordene schwarze Energie ließ schleimige Scheusale entstehen, die das Höllenfirmament durchstießen und in andere Dimensionen vordrangen.

    Kasha hatte sich bis hierher geschleppt. Sie wußte, daß die Sümpfe gefährlich waren, aber hier gab es eine Kraftkonzentration, wie sie nirgendwo sonst in der Hölle existierte.

    Deshalb hatte sie den beschwerlichen Weg auf sich genommen, und Massodo, ihr treuer schwarzblütiger Diener, hatte sie begleitet.

    Immer neue Blitze rasten herab. Der Himmel schien in Flammen zu stehen. Kashas Fell sträubte sich. Jedes Härchen knisterte und nahm die magische Elektrizität wie eine Antenne auf.

    Sie hatte Schmerzen, konnte sich kaum noch auf ihren vier Beinen halten. Massodo sah sie besorgt an. Er befürchtete, daß sie diese Nacht nicht überleben würde.

    Krachend trafen neue Blitze die morastige Oberfläche. Schlagartig trocknete der schlammige Boden, und tiefe Risse bildeten sich, aus denen grüne Flammen leckten.

    Ein dürrer Baum war Kashas Ziel. Ihn mußte sie erreichen, denn er war der Mittelpunkt dieses Gebietes, und dort wollte sie sich niederlassen.

    Schlamm war in Massodos häßliches Gesicht gespritzt. Schlamm, der von Höllenkraft belebt war. Die Tropfen veränderten sich sofort und wurden zu braunen, glänzenden Egeln, die sich durch die graue Haut des Dämons bissen.

    Massodo fluchte, griff mit seinen affenartigen Händen nach diesen Biestern und zerdrückte sie zwischen den Fingern. Sie stießen dabei schrille, dünne Laute aus. Er schleuderte sie fort und fuhr sich mit seiner langen, schwarzen Zunge über das ganze Gesicht.

    Bis zum Haaransatz und zu den Ohren reichte seine Zunge. Er leckte die Verletzungen, die ihm die Egeln beigebracht hatten, und stampfte mit seinen Klumpfüßen weiter.

    Seine Gestalt war gedrungen, und er hatte einen gewaltigen Buckel. Beim Gehen baumelten seine Arme hin und her, als wären sie kraftlos, und seine Augen hatten die geschlitzten Pupillen einer Raubkatze.

    Einem dürren, schwarzen Mahnmal gleich, streckte der tote Baum seine Äste zum Himmel empor. Die Blitze mieden ihn. Ringsherum schlugen sie ein, nur den Baum trafen sie nie, denn in ihm befand sich eine Kraft, mit der sich selbst die Urgewalten nicht messen wollten.

    Kasha blieb stehen. Ein heftiges Zittern ging durch ihren Körper.

    »Brauchst du Hilfe?« fragte Massodo. »Soll ich dich tragen?«

    Sie antwortete nicht, aber er sah ihrem Blick an, wie erschöpft sie war. Dennoch blieb ihr Wille unbeugsam. Vielleicht würde sie ihr Leben verlieren, doch zuvor wollte sie noch das tun, was ihre Pflicht war...

    Ein heißer Sturm kam auf. Er stemmte sich gegen Kasha und Massodo und erschwerte ihnen jeden weiteren Schritt. Kasha taumelte. Ihre Beine knickten ein, sie stürzte, aber sie blieb liegen. Sie preßte trotzig die Kiefer zusammen, kämpfte sich hoch und schleppte sich weiter.

    Das dumpfe Knarren des schwarzen Höllenbaums geisterte über die Sümpfe. Die dürren Äste schienen sich Kasha und Massodo entgegenzustrecken.

    Der Baum war tot, doch zu seinen Füßen sollte neues Leben das Licht dieser schwarzen Welt erblicken. Ein Leben, das Kasha kaum noch in sich halten konnte.

    Es drängte aus ihr heraus, war voller Ungeduld, konnte den Augenblick der Geburt nicht erwarten. Doch Kasha gab es noch nicht frei. Obwohl es qualvoll für sie war, zögerte sie das große Ereignis noch hinaus.

    Sie erreichten die schwarze Aura des toten Baums. Die letzten Meter legte Kasha kriechend zurück, und sie winselte dabei kläglich. Ihre Krallen bohrten sich in den weichen Boden, und sie schob sich Zentimeter um Zentimeter näher an den Baum heran, bis sie bei ihm war. Dann fiel sie zur Seite, und Massodo dachte, nun würde sie sterben.

    Ihr Körper bebte. Das Leben in ihr war rücksichtslos. Es gönnte ihr keine Verschnaufpause, wollte endlich heraus.

    Massodo sank auf die Knie. Er legte seine Hände auf Kashas Bauch, doch sie stieß ein aggressives Knurren aus und schnappte nach ihm. Er zog rasch die Hände zurück.

    »Du wirst es allein nicht schaffen«, sagte er. »Du wirst dir von mir helfen lassen. Wir haben einen weiten, beschwerlichen Weg hinter uns. Viele Gefahren mußten wir meistern, harte, kräfteraubende Kämpfe mußten wir bestreiten, um dieses Ziel zu erreichen. Du bist ausgelaugt. Das Leben in dir nimmt sich, was es braucht, um bei Kräften zu bleiben. Es nimmt keine Rücksicht auf dich.«

    Kasha bleckte die langen Fangzähne und starrte Massodo feindselig an. Sie wollte sich von ihm nicht helfen lassen.

    Der tote Baum schützte sie vor den Blitzen, die eine unsichtbare Faust bündelweise vom Himmel zu schleudern schien. Kasha fühlte, wie die Magie des Baums auf sie übergriff.

    Die fremde Kraft drang aus dem Boden, kam von den Wurzeln, sickerte durch die riesige Rinde und schien von den Ästen herabzutropfen. Kasha nahm bereitwillig in sich auf, was der Baum ihr gab, doch viel blieb für sie nicht übrig, denn das Leben in ihr riß gierig alles an sich.

    Massodo blickte sich beunruhigt um. Er fürchtete nicht die Blitze und auch nicht die Schlammwesen, die hier entstanden. Seine Sorge galt einem großen Feind.

    Asmodis!

    Dem Höllenfürsten war zu Ohren gekommen, daß es bald soweit war, und das Orakel des Bösen hatte ihm verraten, daß Kasha einen starken, gefährlichen Widersacher gebären würde.

    Ein Sohn sollte in diese Dämonenwelt kommen.

    Sein Sohn!

    Denn Asmodis hatte ihn mit Kasha gezeugt. Seit er wußte, daß ihm dieser Sohn eines Tages sogar den Höllenthron streitig machen könnte, hatte er versucht, seine Geburt zu verhindern.

    Aus diesem Grund war Kasha geflohen. Sie hoffte, daß Asmodis sie hier nicht finden würde. Wenn doch, dann sollte er hier wenigstens erst eintreffen, wenn sie die Geburt hinter sich hatte.

    Massodo befürchtete Asmodis’ Erscheinen. Er würde Kasha und das Leben, das sie in sich trug, verteidigen, aber ihm war klar, daß er dem Höllenfürsten nicht gewachsen sein würde.

    Er rechnete mit einem grausamen Ende. Dennoch würde er bis zuletzt zu Kasha halten.

    Weißer Geifer rann aus Kashas Maul. Ihre Flanken zitterten. Sie heulte Schmerzlich auf, hob kurz den Kopf, aber er sank gleich wieder auf den Boden.

    »Laß mich helfen«, verlangte Massodo.

    Als er sie wieder vorsichtig berührte, hatte sie nicht mehr die Kraft, ihn abzuwehren. Sie mußte ihn gewähren lassen.

    Sie war eine Schakalin.

    Und sie würde Loxagon, den Sohn des Teufels, gebären!

    VICKY BONNEY WEINTE. Immer wieder putzte sie sich geräuschvoll die Nase. Mr. Silver konnte das schon nicht mehr hören. Er war wütend, aber nicht auf Vicky, sondern auf das verdammte Marbu-Gift, das sich im Körper seines Freundes Tony Ballard befand.

    Tony war im ceylonesischen Dschungel von einem Pfeil verletzt worden, dessen Spitze mit schwarzer Magie vergiftet gewesen war. Dieses Gift hätte ihn getötet, wenn nicht bereits die Marbu-Kraft in ihm gewesen wäre. Marbu rettete ihm das Leben, aber der Preis dafür war hoch, denn Marbu hatte plötzlich schneller zu wuchern begonnen, und es war endlich zu dem gekommen, was Tony Ballards Freunde schon lange befürchtet hatten.

    Tony Ballard war umgekippt!

    Er hatte sich innerlich verändert, fühlte sich nicht mehr dem Guten verbunden, sondern vom Bösen angezogen.

    Lange hatte die schwarze Macht darauf warten müssen, doch nun war es endlich dazu gekommen.

    Tony hatte sich von seinen Freunden getrennt. Er hatte Vicky Bonney verlassen, und niemand wußte, wohin er gegangen war, wo er jetzt lebte.

    Seit Tagen weinte die blonde Vicky Bonney. Niemand konnte sie trösten.

    Jubilee saß neben ihr auf dem Ledersofa und streichelte sie liebevoll. »Nicht weinen, Vicky«, sagte sie mit belegter Stimme. Sie war selbst den Tränen nahe. »Es wird alles wieder gut.«

    Es waren leere Worte. Niemand wußte, wie man Tony helfen konnte. Vielleicht würde man ihn finden, aber das Marbu-Gift in ihm würde man nicht vernichten können.

    Vicky sah Jubilee mit rotgeweinten Augen an. Jubilee war jung, erst siebzehn. Sie hatte streichholzlanges, braunes Haar, war hübsch und hatte eine schlanke, knabenhafte Figur.

    Sie sah in Vicky eine schwesterliche Freundin. Mehr noch. Vicky ersetzte ihr auch die Mutter. Vicky hatte ihr viel beigebracht, denn als sie vor etwas mehr als einem Jahr von der Prä-Welt Coor auf die Erde gekommen war, war sie ein wildes Mädchen gewesen, das nicht gewußt hatte, wie man sich in der menschlichen Gesellschaft benimmt.

    Ohne Vickys Hilfe hätte sie sich hier nur sehr schwer eingelebt. Sie würde ihr das nie vergessen.

    »Man wird Tony finden«, sagte Jubilee.

    »Ja, mag sein«, gab Vicky leise zurück. »Aber was dann? Tony ist nicht mehr der Mann, den ich liebe. Ihn verbindet nichts mehr mit mir. Er haßt uns alle. Ich habe ihn verloren.«

    Jubilee schüttelte heftig den Kopf. »Das darfst du nicht sagen, Vicky.«

    »Es ist die Wahrheit.«

    »Solange Tony lebt, besteht die Hoffnung, daß ihm geholfen werden kann.«

    »Vielleicht theoretisch«, sagte Vicky Bonney deprimiert. »Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Tony hatte sich vom Guten abgekehrt. Dieses Gift wird ihn immer mehr überwuchern. Es wird schon bald die Farbe seines Blutes verändern. Sein Blut wird nicht mehr rot, sondern schwarz sein. Weißt du, was das heißt? Das bedeutet, daß aus Tony ein Dämon wird!«

    Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, erhob sich. Sie schüttelte ihr pechschwarzes Haar in den Nacken, und ihre meergrünen Augen blitzten. »Soweit ist es noch lange nicht!« warf sie leidenschaftlich ein. »Jubilee hat recht. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben, Vicky. Für jeden Zauber gibt es mindestens einen Gegenzauber. Für jedes Gift gibt es ein Gegengift. Wenn wir das finden...«

    »Wenn! Wenn! Wenn!« fiel Vicky Bonney der weißen Hexe ins Wort. »Wie lange sucht ihr schon nach diesem Gegengift? Ihr habt es noch nicht gefunden.«

    »Das kann jeden Tag passieren«, sagte Mr. Silver.

    »Tut mir leid, ich habe nicht die Kraft, daran zu glauben«, erwiderte Vicky.

    Sie sah ihre Freunde an, auch Boram, den Nessel-Vampir, der stumm in einer Ecke stand und sich – wie fast immer – nicht an dem Gespräch beteiligte. Der weiße Vampir, eine Dampfgestalt nur, war ein guter Zuhörer. Seine Meinung tat er zumeist nur kund, wenn man ihn direkt danach fragte.

    »Ihr meint es alle gut mit mir«, sagte Vicky. »Aber wir dürfen den Sinn für die Realität nicht verlieren. Tony Ballard gehört nicht mehr zu uns!«

    DIE NACHT SCHIEN AUS dickem, schwarzem Glas zu bestehen, das krachend zersplitterte, als die Blitze einschlugen. Die Kraft des toten Höllenbaums floß durch Kashas Körper und ging auf Loxagon über.

    Nirgendwo hätte Loxagon in der Stunde seiner Geburt mehr Kraft bekommen können.

    Er würde die Kräfte Asmodis’, der Höllensümpfe und des toten Baums in sich vereinen. Sie würden ihn schnell wachsen lassen und sehr stark machen.

    Asmodis würde ihn fürchten müssen!

    Es hatte sich gelohnt, hierherzukommen, all die Strapazen auf sich zu nehmen. Die Stunde von Loxagons Geburt würde in die Höllenannalen eingehen.

    Ein mächtiger Dämon würde das Licht des Grauens erblicken und zum schrecklichen Herrscher höllischer Heerscharen werden. Er würde von Sieg zu Sieg eilen und immer mächtiger werden, und... eines Tages würde er die Hand nach dem Höllenthron ausstrecken und die Macht an sich reißen.

    So hatte es das Orakel verkündet. Auch Kasha wußte es. Dafür hatte sie gekämpft. Ihr Sohn würde Asmodis vernichtend schlagen und seinen Platz einnehmen.

    Sie war die Mutter des künftigen Höllenherrschers. Das erfüllte sie heute schon mit Stolz.

    Die Geburt verlangte ihr die letzten Kräfte ab. Wenn Massodo nicht bei ihr gewesen wäre, hätte sie es nicht geschafft. Er half mit kundigen Händen, zog das Dämonenkind mehr und mehr aus ihrem Körper.

    Klagende Laute kamen aus ihrem offenen Maul, dann hechelte die Schakalin wiederum. Sie glaubte, Loxagon würde ihren Leib sprengen. Sie krallte ihre Pfoten in den Boden und preßte ihren Sohn, rasch schwächer werdend, aus sich heraus.

    Als es endlich getan war, hielt Massodo ein kleines nacktes Etwas in seinen klobigen Händen. Es glänzte naß, zuckte, strampelte und war noch blind.

    »Man könnte fast meinen, das Orakel habe sich geirrt«, sagte Massodo. »Er sieht so klein aus, so schwach, so hilflos und schutzbedürftig.«

    Gleißende Lanzen flogen den Sümpfen entgegen. Manchmal bebte der Boden. Kasha schien nichts davon wahrzunehmen. Sie starrte mit leeren Augen in die Ferne.

    Der kleine Körper in Massodos Händen begann sich zu verändern. Er war plötzlich nicht mehr nackt. Haare bedeckten ihn, und er wurde dem Aussehen seiner Mutter immer ähnlicher. Einige Augenblicke lang hielt Massodo einen kleinen Schakal in seinen Pranken, doch danach veränderte sich Loxagons Aussehen erneut.

    Es hatte den Anschein, als würde der Sohn des Teufels alle höllischen Erscheinungsformen durchleben. Jetzt hatte Loxagon zum Beispiel einen Drachenschädel und dünne Lederflügel.

    Und dann nahm er das Aussehen seines Vaters an. Hörner, ein dreieckiges Gesicht, einen Pferdefuß...

    »Willst du ihn sehen?« fragte Massodo.

    Kasha knurrte drohend, als Massodo ihr ihren Sohn entgegenhielt. Sie wollte ihn nicht sehen. Sie hatte ihn geboren, und nun wollte sie sich von ihm trennen. Von nun an mußte er selbst sehen, wie er weiterkam. Er durfte nicht bei ihr bleiben, denn früher oder später würde Asmodis sie finden und töten – und dann sollte Loxagon in Sicherheit sein.

    Kasha trug Massodo auf, ihren Sohn fortzubringen. Er sollte Loxagon ein treuer Diener und wichtiger Lehrmeister sein. Um sie sollte sich Massodo nicht kümmern. Sie würde allein zurechtkommen.

    Massodo wußte, daß das nicht stimmte, aber er gehorchte. Er hüllte Loxagon in groben Stoff und richtete sich langsam auf.

    Kasha blieb liegen. Sie war zu schwach, um sich zu erheben. Massodo sagte kein Wort mehr. Er verabschiedete sich von der Schakalin mit einem langen, finsteren Blick.

    Ihm war bewußt, daß er Kasha nicht wiedersehen würde. Langsam wandte er sich um und entfernte sich. Die Magie des toten Höllenbaums schützte ihn nun vor den niedersausenden Blitzen.

    »IRGEND ETWAS NEUES?« fragte Mr. Silver. Er telefonierte mit dem reichen Industriellen Tucker Peckinpah.

    »Leider nein«, gab dieser deprimiert zurück. »Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, aber Tony scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Jedermann weiß es: Ich zahle hunderttausend Pfund, dem, der mir sagt, wo sich Tony Ballard befindet. Das gibt’s doch nicht, daß er sich unsichtbar gemacht hat.«

    »Ausgerechnet jetzt mußte das passieren!« knurrte der Ex-Dämon.

    »Wieso ausgerechnet jetzt?«

    »Wir wollten endlich gemeinsam darangehen, das Geheimnis des Höllenschwerts zu lüften.«

    »Das heißt, Sie und Tony wollten sich nach Grönland begeben«, folgerte Peckinpah.

    »Genau. Weil sich dort der Plan befindet, der Aufschluß darüber gibt, wo Loxagons Grab ist«, sagte Mr. Silver.

    »Was werden Sie tun, wenn wir Tony finden?« fragte der Industrielle.

    »Kann ich noch nicht sagen«, antwortete der Hüne mit den Silberhaaren. »Das hängt in erster Linie von Tony ab, wie er sich benimmt, ob er mich angreift oder sich friedlich gibt.«

    »Und wenn er Sie attackiert?«

    Mr. Silver wiegte den Kopf. »Dann wird es schwierig. Ich darf ihn einerseits nicht töten, andererseits bin ich gezwungen, mich zu schützen. Er weiß, wo meine Schwächen liegen.«

    »Seien Sie ehrlich, Mr. Silver, glauben Sie, daß Sie Tony helfen können?«

    »Ich hoffe es«, erwiderte Mr. Silver. Ein Versprechen konnte er leider nicht geben. »Rufen Sie an, sobald sich irgend etwas ergibt?«

    »Das versteht sich von selbst«, sagte Tucker Peckinpah und legte auf.

    KASHA SPÜRTE, WIE SIE allmählich wieder zu Kräften kam. Noch lag sie auf dem Boden und rührte sich nicht, aber ihr Zustand verbesserte sich mit jeder Minute.

    Sie hätte nicht geglaubt, daß die Kraft des Höllenbaums so stark wäre. Er verlieh ihr Mut und Zuversicht. Sie nahm sich vor, Loxagon aus der Ferne zu beobachten.

    Sie würde über ihn wachen, ohne daß er es wußte, würde ihn heranwachsen sehen und alle Gefahren von ihm fernhalten. Bald würde er ihren Schutz nicht mehr brauchen.

    Massodo wußte, wie er Loxagons Wachstum beschleunigen konnte. Massodo war der beste Diener, den ihm Kasha mit auf den Lebensweg geben konnte.

    Die Schmerzen verebbten allmählich, und die Leere des Blickes verlor sich. Kashas Augen nahmen einen gefährlichen Glanz an. Hunger erwachte in ihr.

    Sie gierte nach frischem Fleisch und sprang abrupt auf die Beine. Plötzlich sträubte sich ihr Fell. Sie witterte eine Gefahr! War Asmodis in der Nähe?

    Argwöhnisch ließ sie ihren Blick schweifen. Ein böses Knurren entrang sich der Kehle der Schakalin. Sie war entschlossen, Asmodis aufzuhalten, um Massodos Vorsprung zu vergrößern.

    Feindselig starrte sie in die Dunkelheit, die immer wieder von grellen Blitzen erhellt wurde. Sie sah die Luft flimmern. Eine magische Aura bildete sich, und in ihrem Zentrum entstand Asmodis, der Fürst der Finsternis, der Vater ihres Sohnes!

    Kasha zog die Lefzen hoch und stieß ein angriffslustiges Fauchen aus.

    AUCH SÄMTLICHE MITGLIEDER des »Weißen Kreises«, den Daryl Crenna alias Pakka-dee, ein Mann aus der Welt des Guten, gegründet hatte, suchten seit Tagen verbissen nach Tony Ballard.

    Ohne Erfolg.

    »Sollten wir Tony finden«, sagte Crenna am Telefon zu Mr. Silver, »müßt ihr ihm magische Ketten anlegen oder ihn sonst irgendwie auf Eis legen, damit er keinen Schaden anrichten kann.«

    »Tony ist von der gefährlichen schwarzen Marbu-Kraft vergiftet. Sie wird ihn von innen heraus töten, wenn wir etwas gegen ihn unternehmen.«

    »Wie stehen seine Chancen?« wollte Daryl Crenna wissen.

    Der Ex-Dämon atmete schwer aus. »Nicht besonders gut, fürchte ich.« Er hörte Vicky Bonney weinen und drehte sich um. Bedauernd blickte er sie mit seinen perlmuttfarbenen Augen an. Er hätte alles, wirklich alles getan, um Tony Ballard zu retten. Die größte Gefahr hätte er auf sich genommen.

    Aber er sah keine Möglichkeit, irgend etwas für seinen Freund zu tun. Viele Abenteuer hatten sie Seite an Seite bestritten, doch das schien einer Vergangenheit anzugehören, die keine Fortsetzung mehr finden würde.

    Jubilee sprach leise mit Vicky. Auch Roxane nahm sich der blonden Schriftstellerin an. Seit Tony verschwunden war, konnte Vicky nicht mehr arbeiten.

    Keine Zeile hatte sie mehr geschrieben. Sie war mit ihren Terminen in Verzug, doch das kümmerte sie nicht. Seit Tony nicht mehr bei ihr war, hatte alles in ihrem Leben seinen Sinn verloren.

    »Vielleicht schaffst du es, ihn vorübergehend mit magischer Hypnose auszuschalten«, sagte Daryl Crenna.

    »Ich werde es versuchen, aber ich fürchte, die Marbu-Kraft wird sich dagegen zu schützen wissen«, erwiderte Mr. Silver.

    »Ich hätte nicht gedacht, daß es für Tony mal so schlimm kommen würde«, bemerkte Pakka-dee niedergeschlagen. »Du kannst versichert sein, daß wir alle unser Bestes geben, um ihm zu helfen.«

    »Ja, ich weiß«, sagte der Hüne. »Was ist mit Yuums Auge?«

    Dieses große Auge im Keller jenes Hauses, in dem die Mitglieder des »Weißen Kreises« wohnten, zeigte schwarzmagische Aktivitäten auf.

    »Es wird ständig von einem von uns überwacht«, sagte der Mann aus der Welt des Guten. »Es machte uns auf einen Poltergeist in Clerkenwell aufmerksam. Fystanat kümmert sich darum. Von Tony bekamen wir bis jetzt nichts zu sehen.«

    »Ihr solltet die Augen dennoch weiter offenhalten«, riet Mr. Silver dem Leiter des »Weißen Kreises«.

    »Das tun wir, du kannst dich darauf verlassen«, gab Pakka-dee zurück.

    ASMODIS!

    Ein roter Feuermantel umhüllte ihn. Der Blick seiner dunklen Augen war grausam. Er starrte die Schakalin durchdringend an, doch sie fürchtete sich nicht.

    Sie zog die Lefzen noch höher, knurrte lauter und ließ ihre kräftigen Fangzähne sehen.

    Der Höllenfürst grinste. »Was soll das, Kasha? Denkst du, mich damit einschüchtern zu können?«

    Sie konnte auch seine Sprache sprechen, wenn sie wollte, und sie antwortete mit rauher Stimme: »Ich bin zu allem entschlossen!«

    »Wo ist mein Sohn?« wollte Asmodis wissen. »Ich sehe, du hast ihn bereits geboren.«

    »Du wolltest es verhindern, aber du bist zu spät gekommen«, höhnte Kasha.

    Asmodis kniff die Augen grimmig zusammen. »Wo ist er? Wo hast du Loxagon versteckt?«

    »Er ist nicht mehr hier!« antwortete die Schakalin triumphierend. »Du kannst ihm nichts antun! Er befindet sich in Sicherheit! Du wirst ihn nicht finden!«

    »Niemand kennt die Hölle besser als ich«, sagte Asmodis. »Es gibt kein Versteck, das mir verborgen bleibt.«

    »Und trotzdem wird er sicher aufwachsen, und wenn er stark genug ist, wird er dir gegenübertreten und dir deine Macht streitig machen. Er wird dich töten, weil du die Absicht hattest, ihn zu vernichten. Das wird er dir niemals verzeihen. Er wird sich gegen seinen Vater wenden, wenn die Zeit gekommen ist. So sagt es das Orakel.«

    »Denkst du, ich weiß mich gegen ihn nicht zu schützen?« fragte Asmodis überheblich. »Vielleicht gelingt es ihm, sich vor mir zu verkriechen, bis er erwachsen ist, aber sobald er mir gegenübertritt, wird er sterben.«

    Die Schakalin knurrte wieder. Sie war entschlossen, Asmodis anzugreifen. Wenn es ihr gelang, ihm ihre Reißzähne in die Kehle zu schlagen, war er verloren.

    »Massodo ist bei ihm«, stellte der Höllenfürst fest. »Bisher kroch diese Mißgeburt immer um dich herum.«

    »Er ist bereit, Loxagon mit seinem Leben zu verteidigen.«

    »Wenn ich Massodo habe, kenne ich Loxagons Versteck«, behauptete Asmodis.

    »Er wird Loxagon niemals verraten.«

    »Ich werde Mittel und Wege finden, ihn zu zwingen, und dann gehe ich hin und töte diesen kleinen Bastard, den du in die Höllenwelt gesetzt hast. In dieser Dimension kann nur einer herrschen, und das bin ich – Asmodis!«

    »Loxagon ist auch dein Sohn«, sagte die Schakalin. »Warum hast du ihn gezeugt, wenn du...«

    »Er ist ein Bastard, ein anmaßender Kretin!« unterbrach der Höllenfürst sie scharf. »Ich erkenne ihn nicht als meinen Sohn an. Er hat kein Recht, zu leben. Das Höllenorakel hat mich rechtzeitig auf ihn aufmerksam gemacht. Ich werde es erst gar nicht dazu kommen lassen, daß er stark wird und sich erfreut, meinen Platz einnehmen zu wollen. Ich werde ihn finden und auslöschen. So sehr auslöschen, als hätte es ihn nie gegeben!«

    »Diese Gelegenheit wirst du nicht haben!« knurrte Kasha und sprang den Höllenfürsten an.

    Asmodis hatte damit gerechnet. Er wich blitzschnell zur Seite aus. Die zuschnappenden Zähne verfehlten seine Kehle. Der Körper der Schakalin streifte seine Schulter.

    Er stieß Kasha von sich. In diesem Stoß lag so viel Kraft, daß die Schakalin zu Boden fiel und sich mehrmals überschlug, aber sie schnellte sofort wieder auf die Beine und warf sich herum.

    »Du Närrin!« fauchte Asmodis. »Denkst du im Ernst, dich mit mir messen zu können?«

    Sie sauste heran und stieß sich ab. Asmodis’ Faust traf ihren Rücken, und sie jaulte kläglich auf. Hart landete sie auf dem Boden. Ihre Hinterläufe gehorchten ihr nicht mehr. Sie konnte sich nur noch auf die Vorderbeine stellen.

    Die Hinterbeine schleifte sie über den Boden, als wären sie abgestorben, und sie schnappte fortwährend nach dem verhaßten Höllenfürsten. Immer wieder stieß ihr Kopf vor, doch ihr Gebiß erreichte Asmodis nie.

    Er grinste triumphierend und nahm den Flammenmantel ab. Kasha wußte, was das für sie bedeutete, und sie wollte zurückweichen, doch sie kam nicht rasch genug weg.

    Asmodis breitete schwungvoll seinen brennenden Mantel aus und warf ihn über die Schakalin. Kasha duckte sich vergebens. Als der Flammenmantel sie zudeckte, heulte sie laut auf.

    Das aggressive Feuer biß zu. Es fraß sich in Kashas Körper. Ihr Heulen riß jäh ab, und als der Flammenmantel sich wieder hob, lag nur noch ein Schakalskelett auf dem Boden.

    »Ich denke, daß dein Sohn auf die gleich Weise enden wird«, sagte der Höllenfürst grinsend.

    Dann machte er eine schnelle Handbewegung, als wollte er einen lästigen Gedanken fortwischen, und das Skelett verschwand.

    ICH SAß AUF EINEM BETT, das mit glänzender Seide bezogen war. Pinkfarben. Kitschig, aber es störte mich nicht. Das Haus war luxuriös ausgestattet, bot mir jeden erdenklichen Komfort.

    Ich hatte alles, was ich brauchte, mußte keinen Schritt vor die Tür gehen. Ich hatte auch nicht den Wunsch, mich draußen zu zeigen. Mit Sicherheit suchten mich meine Freunde.

    Ich war zur berühmten Stecknadel im Heuhaufen geworden, und ich konnte mir vorstellen, was Tucker Peckinpah unternahm, um meine Spur zu finden.

    Er war ein Mann mit sagenhaften Verbindungen. Unzählige Steine hatte er mir in der Vergangenheit aus dem Weg geräumt, damit ich mich auf meinen harten Job konzentrieren konnte.

    Vorbei.

    Ich würde nie mehr Jagd auf Geister und Dämonen machen. Ich hatte jedes Interesse daran verloren.

    Ich wußte, was mit mir los war, hatte mich genau beobachtet. Mir war die Entwicklung egal. Ich befand mich auf einer Einbahnstraße, die vom Guten zum Bösen führte. Es ging bergab, und an einer Umkehr war ich nicht interessiert.

    Das Marbu-Gift würde dafür sorgen, daß ich den eingeschlagenen Weg weiterging. Im Moment gönnte mir die schwarze Kraft eine Verschnaufpause.

    Sie hatte es nicht eilig, mich völlig umzukehren. Ich war ihr sicher. Niemand konnte mich ihr entreißen, ohne mich dabei zu töten. Ich würde zum Schwarzblütler werden, zum Dämon, und ich würde mit demselben Eifer für die Interessen der Hölle eintreten, wie ich es bis vor kurzem für das Gute getan hatte. Mir war es egal.

    Ein neuer Lebensabschnitt hatte für mich begonnen. Ich dachte an Terence Pasquanell, der auch gezwungen gewesen war, die Fronten zu wechseln. Er stand heute voll auf der schwarzen Seite und war innerhalb kürzester Zeit zu einem äußerst gefährlichen Streiter der schwarzen Macht geworden.

    Ich hatte ihn gejagt und bekämpft, doch nun hatte er nichts mehr von mir zu befürchten. Im Gegenteil. Wenn ich ihm begegnete, würde ich ihm ein Bündnis vorschlagen.

    Ich klopfte mit der flachen Hand neben mir auf das Seidenlaken. »Komm her!« verlangte ich.

    Colette stand in der Tür, ein Mädchen wie ein Aufputschmittel. Sie sah umwerfend aus, und sie verschoß ihren Sex-Appeal hemmungslos, Sie war wasserstoffblond und hatte nußbraune Augen.

    Das Haus gehörte ihr. Sie war reich und recht bekannt. Colette war Schauspielerin, keine besonders begabte, aber sie hatte Charisma.

    Mit etwas gutem Willen konnte man sie mit Marilyn Monroe vergleichen. Sie hatte die gleiche aufregende Figur, den gleichen aufreizenden Gang, den gleichen verheißungsvollen Schlafzimmerblick.

    Alle Männer waren verrückt nach ihr, und ich befand mich in ihrem Schlafzimmer und kommandierte sie zu mir.

    Sie kam mit wiegenden Hüften auf mich zu. Ich grinste sie an und zog sie mit den Augen aus, obwohl ihr Kleid ohnedies kaum etwas verhüllte.

    Sie wäre im Film nie so weit gekommen, wenn »gute Freunde« nicht tüchtig nachgeholfen hätten. Die Filmproduzenten waren zwar von ihrem Körper, aber nicht von ihrem schauspielerischen Talent hingerissen gewesen, und die Probeaufnahmen, die man ihr für eine Liebesnacht zugestand, waren nicht eben besonders toll ausgefallen.

    Aber Colettes Freunde hatten ihr zu helfen verstanden. Nicht ganz legal zwar, aber wer fragte danach? Es würde nie an die Öffentlichkeit dringen. Ein Regisseur, der sich partout geweigert hatte, mit Colette Dooley zu arbeiten, starb an einer Überdosis Schlaftabletten. Angeblich hatte man ihn gezwungen, sie zu schlucken.

    Ein Produzent, der es ablehnte, Colette unter Vertrag zu, nehmen, hatte einen schweren Autounfall und vegetierte seither in einem Sanatorium dahin, blind und unfähig zu gehen.

    Mit Colettes Freunden war nicht zu spaßen. Vor allem mit einem nicht. Sein Name war Guy La Cava. Man sagte ihm Beziehungen zum internationalen Syndikat nach, konnte ihm jedoch nichts nachweisen.

    Es störte mich nicht, daß Colette schon durch viele Männerhände gegangen war. Angeblich war sie auch mit einigen einflußreichen Politikern intim gewesen.

    Ich betrachtete sie nun als meinen Besitz, und ich würde jeden umlegen, der sie mir streitig machen wollte.

    Sie hatte Angst vor mir, das sah ich ihr an. Sie fürchtete mich mehr als La Cava und seine Banditen. Das machte mir Spaß.

    Ich hatte sie vor nicht ganz zwei Wochen in einer Bar kennengelernt. Sie war allein gewesen und betrunken, und ich hatte mich zu ihr gesetzt und mich mit ihr unterhalten. Später hatte ich sie nach Hause gebracht.

    Sie hatte mich an der Haustür abfertigen wollen, doch damit war ich nicht einverstanden gewesen. Sie mußte mich auf einen Drink ins Haus lassen, und ich war geblieben – bis heute.

    Colette setzte sich neben mich, und ich fiel über sie her, als hätte ich eine lange Gefängnisstrafe hinter mir. Ich zerriß ihr dabei das Kleid, und sie beschwerte sich zaghaft, doch ich scherte mich nicht darum.

    Wenn man mich reizte, sah ich sofort rot. Der sanfte frühere Tony existierte nicht mehr. Das war Jahre her, wie es mir schien.

    Als ich genug von Colette hatte, befahl ich ihr, mir einen Drink zu bringen. Sie verließ das Schlafzimmer und kam mit einer Flasche Pernod wieder. Ich trank ihn immer noch am liebsten. Daran hatte sich nichts geändert. Nur reichte ein Glas allein jetzt nicht mehr aus.

    Mir kam Colette nervös vor. Ich musterte sie von Kopf bis Fuß. »Was hast du?«

    Sie zuckte mit den Schultern, begab sich zum Schrank und nahm ein fliederfarbenes Kleid heraus. »Nichts.«

    Ich hob warnend den Zeigefinger. »Du solltest mich nie belügen, Baby, denn wenn ich mich ärgere, setzt es was!«

    Sie schlug vor, mal auszugehen. »Immer in den eigenen vier Wänden, das ist doch nichts«, sagte sie.

    »Mir genügt es«, erwiderte ich. »Ich gehe nicht aus. Ich möchte nicht gesehen werden, das weißt du.«

    Colette konnte nirgendwo unerkannt bleiben. Zwangsläufig würde man sich auch für mich, ihren neuen Begleiter, interessieren. Das hätte mir gerade noch gefehlt. Ein Foto von uns in allen Zeitungen! Nein, danke.

    Ich stand auf, und Colette brachte sofort das Bett in Ordnung.

    »Was tust du da, verdammt noch mal?« fragte ich sie.

    »Ich mache Ordnung. Weil es schöner aussieht.«

    Ich griff nach ihrem Arm, drückte fest zu. Ihr Gesicht verzog sich vor Schmerz. Sie stöhnte. »Du tust mir weh, Tony.«

    »Du verheimlichst mir irgend etwas«, herrschte ich sie an. »Was ist es? Heraus mit der Sprache!«

    Sie konnte nicht anders. Sie mußte es mir sagen.

    Guy La Cava hatte angerufen und gesagt, daß er kommen würde.

    Er hatte mal wieder Lust auf Colette.

    Wenn er mich hier antraf, würde es ein Donnerwetter geben, das stand fest, doch mich störte das nicht.

    Ich kniff die Augen zusammen und knurrte: »Er soll nur kommen. Ich habe sowieso mit ihm zu reden. Das trifft sich ausgezeichnet.«

    Es läutete an der Tür.

    Colette riß erschrocken die Augen auf. »Das ist er.«

    Ich grinste. »Ich würde ihn an deiner Stelle nicht warten lassen, Baby.«

    EINE ZEIT, NICHT VERGLEICHBAR mit jener, mit der auf Erden gemessen wird, verging. Kasha war tot, daß wußte Massodo. Er hatte es erfahren, als er eine Gruppe von niederen Teufeln belauscht hatte.

    Nach wie vor suchten Asmodis’ Kundschafter den jungen Loxagon, der prächtig gedieh, doch bislang hatten sie das Versteck nicht gefunden. Der Höllenfürst spornte die Suchenden an, indem er reiche Belohnung versprach.

    Er setzte sie auch unter Druck, wechselte in immer kürzeren Abständen die Führenden aus und ließ die abgesetzten Teufel hinrichten, doch all diese Maßnahmen brachten keinen Erfolg.

    Loxagon blieb unauffindbar, und Massodo paßte auf ihn auf wie auf seinen Augapfel. Loxagon machte mehrere Entwicklungsstufen durch. Er war eine Zeitlang ein fliegendes Ungeheuer. Dann wiederum sah er Asmodis ähnlich wie ein Zwilling.

    Er konnte zahlreiche Gestalten annehmen, und diese Fähigkeit baute Massodo mehr und mehr aus, denn sie würde Loxagon helfen, unerkannt zu bleiben.

    Doch in welcher Gestalt er auch immer erschien, das Teufelsmal auf seinem Rücken war immer vorhanden. Es war ein schwarzer Fleck, der die Form eines Teufelskopfes hatte.

    Daran war zu erkennen, daß Asmodis sein Vater war. Massodo schärfte ihm ein, niemanden seinen entblößten Rücken sehen zu lassen, und Loxagon versprach seinem Diener, Leibwächter und Lehrmeister, darauf zu achten.

    Manchmal sprach Massodo über die Schakalin Kasha, und er verstand es, mit seinen Worten den Keim des Hasses in Loxagons Herz zu pflanzen.

    »Eines Tages«, sagte Massodo immer wieder Loxagon, »wirst du deinen Vater töten. Dazu bist du ausersehen. Dafür bist du geboren.«

    Er schärfte ihm ein, niemandem zu trauen, denn einen wahren Freund würde es in der Hölle nicht geben.

    »Dämonen sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht«, behauptete Massodo. »Sie unterstützen dich nur, wenn sie selbst sich etwas davon versprechen. Bringt ein Bündnis keinen Gewinn für sie, fallen sie dir eiskalt in den Rücken.«

    Loxagon grinste. »Wie ist das mit dir? Auch du bist ein Dämon.« Massodo nickte. »Ich bin wahrscheinlich die einzige Ausnahme in den vielschichtigen Weiten der Verdammnis. Oder ich bin einfach nur verrückt.«

    »Ich habe Hunger«, sagte Loxagon.

    »Ich hole dir etwas.«

    »Laß mich mitkommen.«

    »Du bist noch nicht soweit. Ich werde dir sagen, wann du mich gefahrlos begleiten kannst«, erwiderte Massodo und verließ das Versteck, eine Erdhöhle, die unter einem großen Feuerteppich verborgen war.

    Loxagon wurde allmählich ungeduldig. Er wollte sich nicht mehr ständig verstecken. Diese Art von Unfreiheit staute in ihm eine gefährliche Aggression auf.

    Sie hatten viele Verstecke, nicht nur dieses eine, und sie wechselten in unregelmäßigen Zeitabständen von einem zum anderen. Zweimal wären sie beinahe entdeckt worden.

    Massodo hatte blitzschnell zugeschlagen und die Gefahr gebannt. Man sah diesem plump wirkenden Dämon nicht an, wie tödlich er angreifen konnte.

    Massodo begab sich auf die Suche nach etwas Eßbarem. Er schlüpfte zwischen weichen Felsen hindurch und legte sich unter einem von ihnen auf die Lauer, nicht ahnend, daß Feinde in der Nähe waren.

    Sie köderten ihn mit einem Tier, dessen Fleisch sehr schmackhaft war und dessen Blut dem, der es trank, für kurze Zeit enorme Kräfte verlieh.

    Genau das Richtige für Loxagon.

    Massodo richtete sich auf, und als das Tier nahe genug war, flitzte er aus seinem Versteck.

    Hart landete er auf dem Boden. Er spürte nichts unter sich. Da begriff er, daß er getäuscht worden war. Man hatte ihm das Tier vorgespiegelt, und er war darauf hereingefallen.

    Jetzt schleuderten die Feinde glühende Lanzen. Die Teufel warfen sie nicht direkt in Massodos Richtung, sondern hoch, und sie beschrieben einen Bogen und bohrten sich ringsherum senkrecht im Kreis in den granitharten Boden.

    Massodo befand sich urplötzlich in einem kreisrunden Gitterkäfig, dessen Inneres sich mit einer Schwärze füllte, die Massodo niederdrückte.

    Er brach röchelnd zusammen und sah die Fängen des Höllenfürsten kommen. Die Schwärze legte sich auch auf seine Augen und drang zu seinem Bewußtsein vor.

    Und dann... war es vorbei.

    »HALLO, BABY!«, SAGTE Guy La Cava lachend. Er hielt eine Schachtel mit Orchideen in der Hand. »Hier«, tönte er. »Die sind für dich. Ich habe mich in Unkosten gestürzt.«

    Ein Blinder mit ‘nem Krückstock sah ihm an, daß er ein Verbrecher war. Er entsprach völlig dem Klischee der Filmgangster, hatte leicht angegraute Schläfen und trat in diesem penetrant-aufdringlichen Neureichen-Look auf, damit alle Welt sehen konnte, daß er Geld besaß. Er wirkte protzig und großkotzig. Ich hatte nicht übel Lust, ihn gleich hier zusammenzuschlagen.

    Colette gegenüber gab er sich gönnerhaft. Er spielte ihr den Mann von Welt vor, aber das war er nicht. Er hatte keinen Stil, war ordinär trotz seiner weißen Gamaschen und dem Maßanzug in Nadelstreifen. Und er hatte auch überhaupt keine Klasse. Er war ein brutaler Flegel, der über Leichen ging – und auch das sah man ihm an.

    Er gab Colette einen schmatzenden Kuß und legte dabei seine große Hand auf ihren Po. Es war ihr sichtlich unangenehm, aber sie unternahm nichts dagegen.

    Sie bedankte sich für die Orchideen, und wahrscheinlich wünschte sie sich in diesem Augenblick, im Boden versinken und mich mit La Cava allein lassen zu können.

    Er rechnete nicht damit, daß noch jemand im Haus war, deshalb schaute er sich auch nicht um.

    »Ich dachte, ich müßte mal wieder nach dir sehen«, bemerkte er grinsend. »Damit du mir nicht verkümmerst.« Er flüsterte ihr etwas ins Ohr und lachte dreckig.

    Colettes Gesicht war blaß. Deutlich war die Angst in ihren Augen zu erkennen, aber diesem Gockel, der gekommen war, um mit Colette mal wieder ins Bett zu gehen, fiel das nicht auf.

    »Erzähl mal«, verlangte er. »Was treibst du so, wenn Guy La Cava keine Zeit für dich hat?«

    »Oh, alles mögliche«, antwortete die Schauspielerin ausweichend.

    »Du langweilst dich«, sagte La Cava. »Gib es zu. Du langweilst dich ohne mich.«

    »Ja«, sagte sie heiser. »Manchmal.«

    Er war selbstgefällig und arrogant, aber das würde ich ihm abgewöhnen. Seine Hand tätschelte ihre schöne, runde Kehrseite. »Jetzt machst du dem guten Guy erst mal einen Drink, und dann wird er dich so richtig beglücken. Ich hab’ mir einiges für dich aufgespart, Kleines. Du wirst dich wundern.«

    Sie mußte mit ihm in den feudalen Livingroom gehen, und da stand ich, mit einem verächtlichen Lächeln um die Lippen und einem Pernod in der Hand.

    Als er mich sah, blieb er abrupt stehen. Zorn glitzerte in seinen Augen. »Verdammt, Colette«, platzte es aus ihm heraus. »Wer ist dieser Kerl?«

    »Das ist...«, begann sie mit weinerlicher Stimme.

    Ich fiel ihr ins Wort. »Ich kann selbst antworten.«

    »Wer sind Sie?« wollte La Cava wütend wissen.

    »Tony Ballard, ist mein Name, Bürschlein«, antwortete ich kalt. »Seit ich hier wohne, bist du bei Colette abgemeldet. Soll ich dir verraten, wohin du dir deine Orchideen schieben kannst?«

    MASSODO SCHLUG DIE Augen auf, und das erste, was er sah, war ein Pferdefuß. Er hob den Kopf und blickte in das verhaßte Gesicht des Höllenfürsten, der ihn kalt angrinste.

    »Endlich habe ich dich!« sagte Asmodis. »Ich wußte, daß ihr euch nicht ewig verkriechen könnt.«

    »Na schön, du hast mich, aber ich bin es nicht, den du haben willst«, erwiderte Massodo trotzig. Es widerstrebte ihm, sich vor dem Fürsten der Finsternis auf dem Boden zu winden.

    Als er sich anschickte, aufzustehen, rückten mehrere Teufel näher, bereit, ihn zu ergreifen, doch Asmodis’ herrische Handbewegung ließ sie innehalten.

    Massodo starrte Asmodis mit seinen Raubkatzenaugen an. Er zeigte keine Furcht.

    »Habe ich dich, so habe ich auch Loxagon«, behauptete der Höllenfürst.

    »Das ist ein großer Irrtum«, entgegnete Massodo. »Ich verrate Loxagon nicht.«

    »Du hast keine Wahl.«

    Massodo hob abweisend den Kopf. »Du kannst mich nicht zum Reden zwingen. Du kannst mich nur töten. Ich werde bis zu meinem Ende schweigen.«

    »Du weißt nicht, was auf dich wartet«, sagte Asmodis.

    »Ich kann es mir denken.«

    »Du wirst im Feuer der Qualen schmoren. Ich glaube nicht, daß du stark genug bist, dieser Folter zu widerstehen.« Asmodis wies mit dem Zeigefinger auf den Boden und knurrte etwas in der Dämonensprache.

    Da, wo Massodo stand, schossen Flammen hoch und hüllten die massige Gestalt des Schwarzblütlers ein. Feuerkrallen bohrten sich in Massodos Leib. Flammenzähne gruben sich in sein Fleisch.

    Er schrie, schlug mit brennenden Armen um sich, stampfte mit brennenden Beinen im Kreis.

    Das Feuer haftete an ihm. Er konnte tun, was er wollte, es ließ sich nicht abschütteln, und es peinigte ihn immer aggressiver.

    »Wo ist Loxagon?« fragte Asmodis mit dröhnender Stimme.

    Massodo schrie und heulte.

    »Wo ist Loxagon?« fragte Asmodis wieder. »Wo hält er sich versteckt? Sag es mir!«

    »Nein!« gurgelte Massodo.

    »Du mußt es mir sagen!« schrie der Höllenfürst ungeduldig.

    »Nie!« röchelte Massodo. »Nie!«

    Asmodis vergrößerte die Pein, doch der Schwarzblütler verriet nichts. Das Feuer der Qualen attackierte ihn mit einer Kraft, der er kaum noch gewachsen war.

    Vielleicht würde es ihn töten, aber er würde nicht reden. Er blockierte sich selbst, damit ihm der Schmerz sein Geheimnis nicht entreißen konnte.

    »Du Narr!« schrie Asmodis zornig. »Ist es Loxagon wert, daß du dich für ihn so quälen läßt?«

    »Ja«, heulte Massodo. »Das ist er. Er ist mehr wert als du. Eines Tages wird er dich vernichten!«

    Der Höllenfürst verstärkte die Kraft des Feuers bis aufs äußerste. Massodo brüllte so laut, daß es in weitem Umkreis zu hören war. Aber er wurde nicht zum Verräter. Mit diesem Triumph im Dämonenherzen brach er zusammen.

    GUY LA CAVA GLAUBTE, sich verhört zu haben. So hatte noch nie jemand mit ihm geredet. Er schaute Colette ungläubig an. »Was sagt der Kerl? Er wohnt bei dir?«

    Die wasserstoffblonde Schauspielerin zuckte hilflos mit den Schultern. Ihre Augen schwammen in Tränen. Sie wußte nicht, was sie sagen sollte.

    »Wir unterhalten uns später!« knurrte der Gangsterboß. Dann wandte er sich an mich. »Raus, du Bastard!«

    »Du scheinst die Situation noch nicht richtig begriffen zu haben«, erwiderte ich kaltschnäuzig. »Wenn hier einer verschwindet, bist du das.«

    La Cava wandte sich an Colette. »Der Hurensohn muß geistesgestört sein. Wo hast du ihn aufgegabelt, du mieses Flittchen? In ‘ner Irrenanstalt?«

    Ich begab mich langsam zu dem Mädchen. Hin und wieder mögen es Frauen, wenn zwei Männer um sie buhlen. Diese Situation war jedoch lebensgefährlich, das wußte Colette Dooley.

    Ich leerte mein Glas, drückte es Colette in die Hand, nahm ihr die Orchideen, die sich in einer Klarsichtpackung befanden, weg und warf sie La Cava vor die Füße. Er wurde blaß vor Zorn.

    »Verzieh dich!« befahl ich ihm.

    Gleich mußte ihm der Kragen platzen. La Cava war gewiß kein Mann, der es vertragen konnte, wenn jemand so mit ihm redete. So schätzte ich ihn ein, und genau darauf legte ich es an. Ich wollte den großen Guy La Cava zur Weißglut bringen. Alle Welt hatte Angst vor diesem Mann. Ich nicht.

    Seine Lider zuckten.

    Ich wußte, was das bedeutete.

    Im nächsten Augenblick zog er seine Kanone, ohne die er nie aus dem Haus ging. Er wollte mich vor Colettes Augen erschießen. Er brauchte ihretwegen keine Gewissensbisse zu haben. Sie würde schweigen. Sie würde ihm sogar helfen, meine Leiche fortzuschaffen, wenn er es von ihr verlangte, aber ich hatte nicht die Absicht, mich von diesem Gangster erschießen zu lassen.

    Als er zur Waffe griff, drehte sich Colette um und hielt sich zitternd die Ohren zu, doch sie wartete vergeblich auf das Krachen des Schusses, denn ich handelte schneller, als La Cava abdrücken konnte.

    Marbu machte mich stark, zäh und nahezu schmerzunempfindlich, und unglaublich schnell. La Cava konnte nicht ahnen, daß er es mit einem Gegner zu tun hatte, der im Begriff war, sich allmählich in einen Dämon zu verwandeln.

    Ich schlug mit der Handkante zu. Der Gangsterboß stöhnte. Ich traf ihn gleich noch einmal, und sein Revolverarm sank kraftlos herab. Mit dem dritten Schlag entwaffnete ich ihn, und dann lernte er die Höllenkraft in mir kennen.

    Er war kräftig, und er wehrte sich auch, aber ich ließ ihm keine Chance. Ich schlug ihn, wie er noch nie geschlagen worden war. Es ging dabei auch einiges im Livingroom entzwei: wertvolle Vasen, das Glas einer Vitrine, gegen die ich La Cava schleuderte, ein antiker Tisch mit kunstvoller Intarsienarbeit...

    La Cava torkelte. Ich machte weiter. Er war groggy, war stehend k.o. aber das genügte mir nicht. Ich wollte ihn auf dem Boden sehen. Er sollte vor meinen Füßen liegen und mich bitten, aufzuhören.

    Ich schlug ihn nieder. Sein Stolz ließ es nicht zu, auf dem Teppich zu bleiben. Schwer gezeichnet kämpfte er sich hoch. Ich streckte ihn sofort wieder nieder, und nun hatte er nicht mehr die Kraft aufzustehen.

    Inzwischen hatte sich Colette wieder umgedreht. Sie hatte Mitleid mit dem Gangsterboß, wollte mir in den Arm fallen.

    »Weg da!« schrie, ich und stieß sie zur Seite.

    Sie fiel gegen die Wand. »Es ist genug, Tony!«

    Das war es meiner Ansicht nach nicht. Ich wollte La Cava die größte und beschämendste Niederlage seines Lebens bescheren. Deshalb machte ich so lange weiter, bis er mich anflehte, aufzuhören.

    Ich kam seiner Bitte nicht sofort nach, ließ aber schließlich doch von ihm ab. Ich bückte mich, krallte meine Finger in seinen Nadelstreifenanzug und zerrte ihn hoch.

    La Cava war nicht wiederzuerkennen. Ich schleppte ihn aus dem Livingroom, öffnete die Haustür und beförderte ihn mit einem kraftvollen Tritt in den Hintern nach draußen.

    Mit einem dumpfen Knall fiel die Tür hinter ihm zu, und ich kehrte grinsend zu Colette zurück, die mich entgeistert ansah. »Weißt du, was du getan hast, Tony?«

    »Ich habe Guy La Cava verprügelt.«

    »Ja, und ist dir auch klar, was das bedeutet? Guy ist ein mächtiger Mann. Ich bin erledigt – und du bist so gut wie tot!«

    ES GAB NICHTS SCHLIMMERES als das Feuer der Qualen. Dennoch hatte ihm Massodo bis zuletzt getrotzt. Aber er hatte einen hohen Preis bezahlt.

    Er fühlte sich ausgebrannt, und sein Geist war verwirrt. Er konnte nicht mehr denken, und das Sprechen machte ihm große Mühe. Asmodis und seine Teufel waren verschwunden.

    Der Höllenfürst hatte nichts aus Massodo herausbekommen, aber das entmutigte ihn nicht. Er war davon überzeugt, daß er Loxagon früher oder später erwischen würde. Jetzt wachte niemand mehr über den jungen Dämon. Loxagon war auf sich allein gestellt, und da ihm Massodos Erfahrung fehlte, würde er früher als dieser in eine der Fallen tappen, die man für ihn errichtet hatte.

    Asmodis hätte Massodo töten können, doch er verzichtete darauf. Aus Massodo war eine wertlose Kreatur geworden, die zu nichts mehr nütze war. Es gab zahlreiche Gefahren. Sie lauerten überall. Eine davon würde Massodo wohl bald zum Verhängnis werden.

    Ab und zu wirbelten Gedankenfetzen durch Massodos Schädel. Er versuchte sie festzuhalten, doch sie lösten sich auf. Der Name Loxagon fiel ihm ein, doch er wußte damit nichts anzufangen. Er hatte keine Ahnung, wer das war.

    Und Kasha – wer war das?

    Er kannte das Versteck seines Schützlings nicht mehr, wußte überhaupt nicht, daß er einen Schützling hatte. Er konnte nicht auf seinen Füßen stehen, kroch auf allen vieren in irgendeine Richtung, kam aber nicht weit.

    Ächzend kippte er zur Seite und wurde wieder ohnmächtig. Lange lag er auf dem harten Boden. Als er die Augen wieder öffnete, kreisten über ihm grauenerregende Monster.

    Er dachte in Schlagworten.

    Gefahr! Muß weg!

    Diesmal schaffte er es, aufzustehen. Die Monster segelten mit weit ausgespannten Lederflügeln. Ihre langen, spitzen Schnäbel waren mit Zähnen gespickt, aber sie waren feige Kreaturen. Als sie erkannten, daß Massodo noch lebte, verschwanden sie.

    Loxagon! dachte Massodo.

    Er blickte sich suchend um. Wer oder was war Loxagon?

    Dann fiel ihm das Feuer der Qualen ein. Er begann ein Puzzle aus vielen kleinen Teilen zusammenzusetzen. Da ihm das peinigende Feuer so gut wie keinen Verstand gelassen hatte, war das sehr mühsam für ihn.

    Es dauerte sogar eine Ewigkeit, bis er wußte, wie er hieß. Er befaßte sich mehr mit seiner Person, und er glaubte, sich dunkel erinnern zu können, daß er einmal stark gewesen war.

    Der Blick seiner geschlitzten Pupillen huschte über den Boden. Er entdeckte ein distelähnliches Gewächs, riß es aus und kaute daran. Die Stacheln bohrten sich in seinen Gaumen, in die schwarze Zunge. Es war schmerzhaft, aber der Instinkt sagte Massodo, daß ihm der Saft dieser Pflanze helfen würde.

    Er war einfältig wie ein Tier, dachte kaum nach, sondern gehorchte seinem Instinkt, der ihn veranlaßte, das Richtige zu tun.

    Nachdem er das stachelige Gewächs gegessen hatte, legte er sich unter einen übelriechenden Strauch, dessen Zweige mit häßlichen Käfern übersät waren.

    Er verdaute die Pflanze und kam allmählich zu Kräften. Aber er war weit davon entfernt, wieder so zu sein, wie er gewesen war, bevor ihn Asmodis dieser Folter, der nur wenige Dämonen standzuhalten vermochten, aussetzte.

    Es dämmerte ihm, wer Kasha war und was er ihr versprochen hatte, und ihm wurde langsam auch wieder klar, daß er Loxagon beschützt hatte, aber er wußte nicht mehr, wo sich die Verstecke befanden oder wo er Loxagon zurückgelassen hatte.

    Er würde Loxagon – selbst wenn es ihm gelang, ihn wiederzufinden – keine Hilfe mehr sein, sondern eher eine Belastung. Selbst Gefahren, über die er früher gelacht hatte, konnten ihm nun zum Verhängnis werden.

    Asmodis hatte ihm dieses erbärmliche Leben gelassen, damit er langsam zugrunde ging, gejagt von gierigen Höllenräubern und hinterhältigen Aasfressern.

    Vielleicht würde er einige abwehren können, doch schließlich würden sie ihn kriegen – und töten. Massodo begriff, daß er Hilfe brauchte, doch ihm fiel niemand ein, der ihm helfen würde.

    Schwache, angeschlagene Schwarzblütler hatten in der Hölle keine Freunde. Hier wurde alles, was schwach war, verabscheut. Niemand würde für Massodo auch nur einen Finger rühren.

    Er überlegte mit dem bißchen Verstand, der ihm geblieben war, ob es eine Möglichkeit für ihn gab, sich selbst zu helfen.

    Ja, es gab eine Möglichkeit, aber sie wollte ihm nicht einfallen. Er zermarterte sich sein nahezu leeres Gehirn. Irgend etwas gab es. Irgend etwas...

    Nicht hier, sondern in einer Zwischenwelt...

    Wasser, dachte Massodo. Sehr viel Wasser... Eine Insel ... Eine Welt für sich ...

    Wie war ihr Name? Massodo schloß die Raubkatzenaugen und dachte angestrengt nach. Er legte seine Pranken aufs häßliche Gesicht und mobilisierte all seine geistigen Kräfte.

    Wie hieß diese Insel?

    Haspiran!

    Da war der Name auf einmal.

    HASPIRAN!

    Auf dieser Insel gab es einen Brunnen. Den Brunnen der Umkehr. Wenn Massodo von seinem Wasser trank, würde er wieder so sein wie früher. Aber der Weg dorthin war gefährlich.

    DREI TAGE LANG BEKAM niemand Guy La Cava zu sehen. Es hieß, er wäre nach Amerika gereist. In Wirklichkeit befand er sich jedoch in seiner Londoner Villa, und nur sein Arzt durfte zu ihm. Der Doktor mußte ihm schwören, niemandem zu verraten, wie ihn Tony Ballard zugerichtet hatte.

    »Wenn du deinen Mund nicht halten kannst, lege ich dich um!« sagte La Cava, und der Arzt wußte, daß das keine leere Drohung war.

    Selbstverständlich hielt er den Mund. Er war schließlich nicht lebensmüde. Er gab sein Bestes, damit La Cava sich nach drei Tagen wieder ähnlich sah.

    Der Gangsterboß schluckte entzündungshemmende Medikamente und unterzog sich den zahlreichen Kompressen und Spritzen.

    Seine beschämende Niederlage saß wie ein schmerzhafter Stachel in seinem Fleisch. Er hatte im Leben viele Schläge einstecken müssen, aber noch nie war er so hart geschlagen worden wie von diesem Tony Ballard.

    Er hätte es nicht zu dieser Größe gebracht, wenn er es nicht stets verstanden hätte, härter zurückzuschlagen, als er getroffen worden war, und so sollte es auch diesmal sein.

    Nach drei Tagen beorderte Guy La Cava einen Mann zu sich, der vor 48 Stunden in Paris seine Interessen wahrgenommen hatte.

    Simpel ausgedrückt hieß das: La Cavas Mann hatte in Paris einen Mann liquidiert, der sich so lange quergelegt hatte, bis La Cava die Geduld verlor.

    Alan Lombard hieß der, Killer. Ein gutaussehender Mann mit jettschwarzem Haar, breiten Schultern und von hoher Intelligenz. Man nannte ihn die »Klapperschlange«, und sein Biß war bisher immer tödlich gewesen.

    Er hatte seine Erfolgsmeldung per Telefon übermittelt, aber wenn Guy La Cavas Apparat vom Geheimdienst abgehört worden wäre, hätte niemand etwas mit der Nachricht: »Der Onkel ist abgereist«, anfangen können. La Cava selbst verstand den Code.

    Lombard wirkte ausgeglichen und nett. Er schien keiner Fliege etwas zuleide tun zu können. Niemand sah ihm seine Gefährlichkeit an. Sein großer Götze war der Mammon. Ihn betete er an. Für Geld tat er alles.

    Er arbeitete seit Jahren für Guy La Cava, und dieser bezahlte ihn sehr gut. Aber wenn ihm jemand mehr geboten hätte, hätte er ohne mit der Wimper zu zucken auch La Cava erschossen.

    Er hatte nur einen einzigen Freund auf der Welt, und der hieß Alan Lombard.

    Guy La Cava empfing ihn in seinem Arbeitszimmer, eine dunkle Brille vor den Augen. »Nimm dir was zu trinken«, sagte der Gangsterboß.

    Lombard schwenkte zur Hausbar ab und goß französischen Kognak in einen Schwenker.

    »Wie war’s in Paris?« erkundigte sich La Cava.

    Lombard grinste. »Oh, die kleinen Mademoiselles wurden ihrem Ruf mehr als gerecht.« Der Killer schloß die Flasche und kam mit dem Glas in der Hand zu La Cavas Schreibtisch. »Was den Auftrag betrifft: Keine Probleme. Kinderspiel.«

    »Setz dich! Ich habe einen neuen Job für dich!«

    Damit hatte Lombard gerechnet. Aus welchem anderen Grund hätte ihn La Cava zu sich gerufen? Er nahm Platz, schlug ein Bein über das andere, nahm einen Schluck von dem edlen Getränk und sah den Boß dann erwartungsvoll an.

    »Da hat sich ein Kerl bei Colette eingenistet«, knurrte Guy La Cava. »Sein Name ist Tony Ballard. Ich möchte, daß du ihn umlegst.«

    »Kein Problem«, sagte der Killer. »Er ist so gut wie tot.«

    DAS ZWISCHENREICH SCHIEN eine Dimension des Wassers zu sein, eine Meereswelt, die kein Ende hatte. Ihre Grenzen verflossen in blauem Nichts, das wußte Massodo, und ihm war bekannt, daß sie einen Mittelpunkt hatte: Haspiran!

    Eine große Insel, fast schon ein Kontinent, umbrandet von tosenden Wellen, die von heftigen Stürmen oftmals zu gigantischer Höhe emporgepeitscht wurden.

    Diesen Zwischenreich-Kontinent erreichte Massodo durch einen Wellenkorridor.

    Die Welt, in die er gelangte, war der Hölle vorgelagert, und sie stand selbstverständlich unter dämonischem Einfluß, deshalb mußte Massodo sehr vorsichtig sein, denn wenn Asmodis zu Ohren kam, was er vorhatte, würde er verhindern, daß er den Brunnen der Umkehr erreichte.

    Massodo gelangte an das Ende des Weltentunnels, der von knisternden Flammen umhüllt war. Er schritt durch das brennende Oval, ohne daß das Feuer ihn verletzte, und setzte seinen Fuß auf Haspiran.

    Er war noch nie hiergewesen, aber man hatte ihm viel von Haspiran erzählt. Besonders gefährlich sollten die Freibeuter der Hölle sein, die auf Haspiran ihr Unwesen trieben.

    Wer ihnen in die Hände fiel, dem stand ein grauenvolles Ende bevor. Sie waren Teufel der übelsten Sorte. Es wurde behauptet, sie wären Asmodis unbequem geworden, deshalb habe er sie hierher abgeschoben.

    Die steile Uferflanke war dicht bewaldet. Massodo hörte ein lautes Kreischen und drehte sich erschrocken um. Auf einem Ast hockte ein gefiedertes Tier mit riesigen gelben Augen und einem lappigen Fischmaul.

    Massodo hob einen Stein auf und warf ihn nach dem Tier. Er traf, und das gefiederte Wesen zerplatzte.

    Massodo war nicht unbewaffnet nach Haspiran gegangen. Er trug einen Dolch und ein Schwert bei sich, da er sich seiner magischen Kräfte nicht bedienen konnte.

    Erst wenn er vom Wasser des Brunnens der Umkehr getrunken hatte, würde ihm seine Magie wieder zur Verfügung stehen. Er würde dann unverzüglich in die Hölle zurückkehren und Loxagon suchen, doch bis dahin konnte noch sehr viel Zeit vergehen.

    Der bucklige Schwarzblütler wußte, welchen Weg er einschlagen mußte, um den Brunnen zu erreichen. Manchmal war der Uferhang so steil, daß Massodo klettern mußte.

    Er erreichte ein Plateau. Hoch über ihm rauschte der Sturm durch die Baumwipfel. Hier unten war es windstill. Massodo schritt weit aus.

    Er nahm an, daß seine Ankunft nicht unbemerkt geblieben war. Also mußte er sich beeilen. Wenn er Glück hatte, ließ man ihn noch eine Weile unbehelligt.

    In dieser Zeit konnte er weit kommen. Sollte es ihm gelingen, kampflos den Brunnen zu erreichen, würden seine gewohnten Kräfte in ihn zurückkehren.

    Wenn man ihn dann attackierte, würde er gewappnet sein.

    Doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht.

    Mit einem Male begann der Boden unter seinen Klumpfüßen zu beben, und er erkannte, daß er auf einem erdfarbenen Scheusal stand, das sich jäh erhob!

    SEIT ICH LA CAVA VERDROSCHEN hatte, lebte Colette in ständiger Angst. Sie fürchtete die Rache des Gangsterbosses, die – wenn sie Pech hatte – auch sie treffen konnte.

    Sie war der Ansicht, es wäre Selbstmord, sich mit La Cava anzulegen, hatte mir das auch zaghaft gesagt, aber ich hatte sie angebrüllt, sie solle ihre idiotische Meinung für sich behalten, und sie war sofort verstummt.

    Sie hatte jetzt auch mehr Angst vor mir. Mir war es recht, denn dadurch konnte ich von ihr verlangen, was ich wollte, sie tat alles sofort und ohne Widerrede.

    Ich fühlte mich großartig. Dieser großkotzige La Cava war gegen mich ein armseliges Würstchen, das würde ich ihm noch beweisen. Eine erste Lektion hatte ich ihm erteilt. Weitere würden folgen, denn ich hatte Pläne.

    Ich behandelte Colette schlecht, und ich hatte großen Gefallen daran. Sie sagte alle Termine ab, weil ich es so wollte. Sie hätte ihr Haus gern verlassen, doch mein Befehl lautete, sie müsse bei mir bleiben und mir jederzeit zur Verfügung stehen.

    Wenn wir Lebensmittel brauchten, ließen wir sie uns liefern. Ich beobachtete mich hin und wieder aufmerksam und stellte fest, daß ich eine eigenartige Beziehung zu dem Gift in mir bekommen hatte.

    Ich hatte irgendwie das Gefühl, daß das Gift kein Fremdkörper mehr

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