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Bolthar der Wikingerfürst Sechs Romane in einem Band 1
Bolthar der Wikingerfürst Sechs Romane in einem Band 1
Bolthar der Wikingerfürst Sechs Romane in einem Band 1
eBook559 Seiten7 Stunden

Bolthar der Wikingerfürst Sechs Romane in einem Band 1

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Über dieses E-Book

Dieses Buch enthält Bolthar Band 1-6

Als der Wikingerfüst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann. Es kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung …
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum27. Dez. 2018
ISBN9783745207118
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    Buchvorschau

    Bolthar der Wikingerfürst Sechs Romane in einem Band 1 - Tomos Forrest

    Bolthar Sechs Romane 1

    Der Wikingerfürst - Sechs Romane in einem Band

    Dieses Buch enthält Bolthar Band 1-6

    Als der Wikingerfüst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

    Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann. Es kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung …

    Impressum

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Tomos Forrest

    Cover-Gestaltung: Christian Dörge.

    Cover-Illustration: Christian Dörge.

    Lektorat: Kerstin Peschel.

    Schlusskorrektorat: Christian Dörge.

    © dieser Ausgabe 2018 by Apex-Verlag (München) / CassiopeiaPress (Lengerich) / Edition Bärenklau (Oberkrämer).

    www.apex-verlag.de (Kontakt: webmaster@apex-verlag.de)

    www.AlfredBekker.de (Kontakt: postmaster@alfredbekker.de)

    www.editionbarenklau.de (Kontakt: edition.baerenklau@gmail.com )

    Klappentext

    Als der Wikingerfürst Bolthar nach mehreren Monaten von einem Raubzug in sein Dorf zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Fringa ohne seine Erlaubnis das Dorf mit einem Fremden verlassen hat.

    Seine Nachforschungen ergeben rasch, dass sie einem christlichen Prediger gefolgt ist, und Bolthar schwört allen Christen dafür blutige Rache. Er wird rauben, gnadenlos morden, Klöster überfallen und Städte niederbrennen, bis er seine Fringa wieder in die Heimat zurückholen kann.

    Schließlich kommt der Tag, an dem er sie tatsächlich trifft, und er erlebt er eine Überraschung...

    Bolthar, der Wikingerfürst, Band 1 beinhaltet die ersten sechs Romane der gleichnamigen Erfolgs-Serie von Tomos Forrest: Blutspur der Nordmänner , Die Götter zürnen , Odin oder Jahwe , Fringas Schwert , Tod eines Feiglings und Krieg der Berserker .

    Episode 1: BLUTSPUR DER NORDMÄNNER

    1.

    Die schmale, bleiche Mondsichel verschwand gerade hinter den dunklen Wolken, die der Wind von der See her auf das Land blies und dabei auch die Wellen gegen die steinerne Ufereinfassung schlagen ließ. Auf der Zinne starrte ein schläfriger Wachtposten blinzelnd in die Dunkelheit bei der Hafeneinfahrt, denn für einen kurzen Moment hatte er geglaubt, dort am Ufer eine Bewegung zu erkennen. Doch als jetzt plötzlich der Himmel auch noch seine Schleusen öffnete und wahre Sturzbäche vom Himmel auf den nur mit einem Wollmantel ausgestatteten Mann goss, flüchtete der sich rasch unter den überstehenden Teil des hohen Wachturmes. Hier hatte er zwar die Möglichkeit, dem starken Regen zu entgehen, aber nun frischte auch der Wind auf und trieb den Regen seitlich über die gesamte Festungsanlage.

    Knurrend öffnete die Wache eine einfache Holztür und trat in die dunkle Turmkammer, die den Kameraden als Unterkunft und Schlafstätte diente. Sie lagen auf dem Holzboden und hatten ihre Decken über sich gezogen, weil es schon seit ein paar Tagen erstaunlich kalt für diese Jahreszeit geworden war. Zum Glück gab es eine Feuerstelle in der Wachstube, und die anderen Soldaten hatten dort ein paar Scheite aufgelegt, sodass es warm genug in den dicken Mauern werden würde.

    Beim Eintritt des vierten Mannes richtete sich einer von ihnen etwas auf und murmelte schlaftrunken: »Schon Zeit für die Ablösung?«

    »Schlaf weiter«, gab der andere zurück und zog sich den durchnässten Wollmantel herunter. »Bei dem Wetter haben wir nichts zu befürchten. Während die Herrschaften sich an einem gemütlichen Feuer wärmen können und die Feier noch in vollem Gang ist, denkt niemand an unsereinen. Schon gar nicht wird uns etwas von dem köstlichen Essen gebracht oder ein Schluck Wein gereicht!«

    »Das stimmt«, brummte der andere und drehte sich auf die Seite. Gleich darauf kündeten seine tiefen Atemzüge, dass er erneut schlief.

    Nun hängte die durchnässte Wache den Mantel an einen Mauerhaken, rieb sich die Hände und lachte leise in sich hinein.

    »Nur eine denkt heute an mich! Wenn die gute Martha nicht wäre, würde ich glatt verhungern und verdursten. Aber sie wollte noch vor dem Ende der Feier zu mir herauskommen und mir etwas von den Köstlichkeiten aus der Küche bringen.«

    Er trat an die Herdstelle und legte noch einen Scheit auf, als er ein Geräusch vernahm. In der Annahme, dass wohl nun die Küchenmagd das lang Ersehnte zu ihm bringen würde, öffnete er erwartungsvoll die Tür.

    Mit schreckgeweiteten Augen starrte er auf den Spieß, der sich ihm bedrohlich entgegenstreckte. Als ihn plötzlich ein scharfer Schmerz durchzuckte und er instinktiv den hölzernen Schaft der Waffe mit seinen Händen packte, verstand er noch immer nicht, was hier gerade geschah.

    Der bärtige Mann, der ihn aus dunklen Augen anstarrte und ihm gerade den Spieß in den dicken Wanst gestoßen hatte, verschwamm vor seinen Augen. Er ließ den Schaft wieder los, begann, unkontrolliert mit den Händen in der Luft zu fuchteln und war schon tot, bevor sein Körper auf dem Boden aufschlug.

    Ein weiterer Feind war mit zwei Schritten hinter dem anderen vorüber und beugte sich über die schlafenden Wachen, und gleich darauf stand ein dritter neben ihm. Alle trugen wilde, zottelige Bärte, die ihnen das Aussehen von Barbaren verliehen, als die Männer so plötzlich aus tiefstem Schlummer gerissen wurden. Doch das war auch das letzte Bild, das sie aufnehmen konnten, denn mit raschen Schnitten hatten die Eindringlinge ihnen die Kehlen durchtrennt und waren wieder aus der Wachstube, als sich die Überraschten zuckend in ihrem Blut bewegten.

    »Das waren alle!«, sagte einer der Krieger mit rauer Stimme zu dem Mann, der plötzlich aus der Dunkelheit auf dem Wehrgang trat und ihnen zunickte.

    »Bis auf diesen, den habt ihr vermutlich übersehen!«, lautete die Antwort, die mit einer tiefen, brummenden Stimme gegeben wurde. Der Sprecher war von ungewöhnlicher Größe, als er jetzt aus dem Dunkel des Wehrganges einen Körper nach vorn zog und seinen Gefährten vor die Füße warf. »Solche Nachlässigkeiten können sich rächen!«, ergänzte er dazu, und die drei Krieger starrten wütend auf den reglosen Körper.

    »Wie ist das möglich?«, sagte schließlich einer von ihnen. »Ich schwöre dir, Bolthar, dass wir uns vorher sehr gründlich umgesehen haben!«

    »Nicht so gründlich, wie ich es verlangt habe. Das wird dich etwas kosten, Galdur.«

    Ein unwilliges Brummen des Genannten war die Antwort, dann folgten die Krieger dem hünenhaften Anführer auf dem Weg über den Hof zum Palas der Anlage, aus der ein breiter Lichtschein fiel und das Lachen zahlreicher Menschen zu ihnen klang.

    Jetzt setzte auch wieder die Musik ein, die kurz zuvor unterbrochen war, und mit einem breiten Grinsen um den Mund öffnete Bolthar die Saaltür.

    Dahinter standen zwei Wachen, die jedoch ihre Aufmerksamkeit dem Fest und seinem Treiben widmeten, und nun röchelnd zusammenbrachen, als ihnen Bolthar und Galdur ihre Schwerter durch den Hals stießen. Noch hatte niemand der Gäste das Verhängnis erkannt, das sich hier über ihnen zusammenbraute. Man lachte und rief etwas durch den großen Saal.

    Bolthar runzelte seine dicken, rötlichbraunen Augenbrauen, die sein hartes Gesicht zu dem eines Dämons machten, wenn er dazu seine dunklen Augen zu einem Spalt zusammenzog und seine Mitmenschen betrachtete. Dieser Anblick ließ viele Bürger zittern, und oft war es das letzte Bild in ihrem Leben, das sie noch wahrnehmen konnte.

    Doch hier, auf dieser ausgelassenen Feier, ignorierten die Menschen vorerst noch die seltsame Schar, die da von der Tür zur Festtafel schritt und blutige Schwerter in den Händen hielt.

    Erst, als Bolthar nach einem gebratenen Huhn griff und herzhaft hinein biss, schrie eine daneben stehende junge Frau erschrocken auf. Noch immer reagierten die anderen Gäste nicht, denn geschrien wurde überall, und zu dieser späten Stunde hatten alle so viel von dem guten Wein getrunken, dass selbst die spitzen Schreie einer Frau nicht ungewöhnlich waren.

    Dann aber fiel klirrend ein Becher auf den Steinboden, rollte dort ein Stück entlang und vergoss den dunkelroten Rebensaft, den er enthalten hatte. Galdur nahm einen anderen Becher von der Tafel und reichte ihn seinem Fürsten. Bolthar ergriff ihn mit einer Hand, hielt ihn hoch in die Luft und brüllte mit seiner Stentorstimme:

    »Auf das Brautpaar – es lebe hoch!«

    In einem Zug leerte er den Becher und schleuderte ihn dann so heftig gegen eine der Wände, dass er davon zurückprallte und einem älteren Mann gegen den Kopf schlug, der einen wütenden Schrei ausstieß.

    Das schien das Signal für alle zu sein, denn nun brach Panik aus.

    Man hatte die fürchterlichen Männer wahrgenommen, die da wie aus einem bösen Traum plötzlich mitten unter ihnen standen, die blutigen Schwerter erhoben, die sie gleich darauf auf die Köpfe und Schultern der nächsten Männer hinuntersausen ließen.

    In die schrillen Schreie der Sterbenden mischten sich nun die Schreckensrufe der Männer und das Rufen der Frauen – alles bewegte sich von den vier Männern weg, jeder wollte nur aus ihrer Nähe kommen.

    Ungestört setzten die vier Bärtigen, die direkt aus der Hölle zu kommen schienen, ihr blutiges Handwerk fort. Rechts und links stürzten die Getroffenen zu Boden und wälzten sich in ihrem Blut, das wie ein Rinnsal durch den Saal des Palas zu fließen begann.

    »Haltet ein, ich bitte euch! Stellt das sinnlose Morden ein, ich gebe euch alles, was ihr verlangt – nur schont diese Menschen!«

    Es war ein ehrwürdiger, weißhaariger Greis, der sich von seinem Sitz erhoben hatte und nun vor den vier mordenden Bestien stand. Der größte der Schlächter stellte sich hohnlachend vor ihn hin und betrachtete den Mann von Kopf bis Fuß.

    »Wen haben wir denn hier, der den Mut findet, sich ohne eine Waffe mir, Bolthar, dem mächtigsten Fürsten der Nordmänner, in den Weg zu stellen?«

    Es wurde plötzlich leise in dem Raum, nur das schmerzerfüllte Wimmern einiger Verletzter auf dem Boden war noch zu vernehmen, als der Greis die Hand erhob und auf den Hünen deutete.

    »Ich bin Fürst Hengiff und das ist meine Burg, meine Stadt. Was verlangt ihr von uns, damit dieses Morden ein Ende hat?«

    Die Stimme des Alten klang furchtlos und kräftig, und Bolthar trat noch einen Schritt näher an ihn heran, sodass Fürst Hengiff den Geruch von Salzwasser und Tang, den Bolthars Kleider ausströmten, deutlich in die Nase stieg.

    »Was wir verlangen?«

    Bolthar legte den Kopf in den Nacken und stieß ein so fürchterliches Lachen aus, dass die Anwesenden insgeheim mit ihrem Leben abschlossen. Das waren keine Menschen, die hier eingedrungen waren. Diese mitleidlosen Mörder mussten Boten der Wölfe Skalli und Hati sein und hier mit dem Ragnarök beginnen, dem Ende der Welt.

    Der Nordmann ergriff mit beiden Händen die Schultern des alten Mannes, und noch immer lachte er dabei. Doch plötzlich verstummte sein fürchterliches Lachen, und Bolthar schrie durch den großen Raum, sodass es jeder in der entferntesten Ecke verstehen konnte:

    »Wir wollen alles – euer Gold, eure Frauen und – euer Leben!«

    Damit veränderte er seine Körperhaltung, seine mächtigen Hände fuhren an den Hals des alten Mannes, und als er sie plötzlich bewegte, gab war in der erneut eingetretenen Stille ein hässliches, trockenes Knacken zu hören.

    Darauf ließ er den leblosen Körper des Alten auf die Fliesen sinken, während erneut entsetztes Schreien der Gäste sein Handeln verfolgte.

    Als die ersten Flüchtenden nun an den mordenden Kriegern vorbei gelangt und die Tür erreicht hatten, prallten sie sofort wieder zurück. Sie hatte sich geöffnet, und nun folgte eine ganze Schar wild aussehender, Schwerter schwingender Gestalten, die sich zu den anderen gesellten und das blutige Werk fortführten, das von den vier Männern begonnen wurde.

    Bolthar betrachtete alles mit finsterer Miene, und um seine grausamen Züge zuckte es hin und wieder, wenn ein weiteres Schlachtopfer unter den Streichen der Mörder grausam starb. Dann aber drehte er sich abrupt herum und stapfte mit schweren Schritten aus dem Saal, in dem jetzt das Massaker seinen Höhepunkt zu erreichen schien.

    Die Breitaxt, Breiðöx genannt, trug er quer vor sich, als er kraftvoll die breiten Steinstufen hinauflief und gleich darauf vor einer schön verzierten Tür stand. Er wollte sie aufdrücken, musste aber feststellen, dass sie wohl von innen verriegelt war. Einen Moment lauschte der Nordmann, und wieder verzog ein hässliches Grinsen sein Gesicht. Der Lärm aus dem großen Saal war auch hier oben nicht zu überhören, die Todesschreie gellten durch die Mauern bis hier herauf.

    Bolthar hob den rechten Fuß und trat kraftvoll zu, sodass die Tür aus ihrer Verriegelung brach und splitterte. Von innen erklangen laute Schreckensrufe, aber das nahm der Rasende nicht wahr. Mit der Axt schlug er die restlichen Stücke beiseite und trat in den Raum, der von zahlreichen Öllampen beleuchtet wurde.

    In der Mitte des Raumes stand ein prächtiges Bett, auf dem sich ein junges Paar ängstlich aneinanderklammerte. Das Gesicht des jungen Mannes war bleich, die Züge der jungen, rothaarigen Frau vor Angst verzerrt. Als der Wikinger jetzt mit der erhobenen Axt vor ihnen stand, hatte der junge Mann den Mut, ein Schwert unter der Decke vorzuziehen und es ihm entgegenzuhalten. Mit dem linken Arm umfasste er die zitternde Frau und drückte sie fest an sich.

    »So, habe ich euch endlich gefunden!«, schrie der Nordmann die beiden an und hob die mächtige Axt über den Kopf. »Vereint in ihrer Hochzeitsnacht, und das nun für die Ewigkeit! Küsst euch, ihr beiden Turteltäubchen, dann musst ihr nicht auf die Axt starren, die euch gleich die Schädel spalten wird!«

    Damit trat er an die Bettstatt und schwang die Breitaxt über dem Kopf.

    Doch der junge Mann sprang vom Lager auf und schrie den Wikinger an:

    »Verflucht sei der Tag, an dem du geboren wurdest, du Bastard! Odin stehe mir bei, aber ich werde nicht zulassen, dass du uns ein Leid antust!«

    »Dann stirb!«, erwiderte Bolthar voller Hass und wollte zuschlagen, als durch eine Bewegung der jungen Frau, die sich ebenfalls erhob und ihm mutig, aber am ganzen Körper zitternd, entgegentrat.

    »So ist alles wahr, was man von euch Nordmännern erzählt – ihr seid nichts anderes als eiskalte Mörder!«

    Bolthar hielt in seinem Wüten inne, senkte sogar die gerade zum tödlichen Hieb gehobene Axt und starrte den jungen Mann an.

    »Du redest von Odin? Weshalb? Du betest den Nazarener an und hast längst mit Odin gebrochen! Was also soll das Gerede?«

    Rasend vor Zorn hob Bolthar erneut die Axt, als sich die junge Frau vor den Mann schob. Sie sah in ihrem einfachen, dünnen Gewand, das mehr von ihr enthüllte als verbarg, furchtlos und mutig, wenn auch sehr blass aus. Verwundert streifte der Blick des tobenden Nordmannes ihre Gestalt und sah ihr tief in die Augen. Als Reaktion auf diesen winzigen Moment entfiel ihm die Breitaxt und schlug polternd auf den Boden.

    »Du bist nicht Fringa! Wer bist du? Was geht hier vor, wollt ihr mich vor meiner Reise in die Totenwelt nicht aufklären, was hier gerade geschieht? Bin ich nicht Bolthar, der Fürst der Wikinger, der mächtigste Herrscher der Nordmänner? Wo ist meine Fringa, meine Tochter, die mir diesen Schmerz angetan hat? Ich hörte, dass sie, während ich auf V iking mit meinen Getreuen war, mit einem der neuen Lehrer gegangen ist, um Odin und Thor zu verraten und dem Gott der Christen zu folgen! Sie sollte hier leben und heute heiraten!«

    »Nein, Bolthar, die bin ich nicht! Ich habe niemals von deiner Tochter gehört, und bis zum heutigen Tag auch nicht vor dir, du blutrünstiger Barbar! Mein Name ist Freya Hengiff, Tochter des Fürsten Hengiff, die heute Olav geheiratet hat, im guten Glauben an den Bund, den Odin zusammengeführt und gesegnet hat! Aber dann kommt ihr in unser Haus und wollt uns ermorden – weshalb?«

    Während der Worte der jungen Frau zuckte es in dem harten Gesicht des Fürsten, er schlug seine Hände vor das Gesicht und verbarg seine Augen, aus denen jetzt wirklich Tränen herabliefen.

    »Fringa!«, schrie er voller Schmerzen auf. »Was hast du mir angetan? Wo bist du?«

    Die junge Frau trat an ihn heran und legte ihre Hand auf seinen Unterarm.

    »Bolthar, wer ist Fringa? Sieh dich um, du wirst sie bei uns nicht finden! Ich bin Freya Hengiff und habe heute Olav Hultgård geheiratet. Wir haben geglaubt, dass wir damit eine Verbindung zwischen zwei großen Familien besiegeln können, die Handel und Kaufmannschaft verbinden und stärken können. Dann bist du in unser Brautlager eingedrungen und hast mit deinen Männern unsere Brautgesellschaft überfallen.

    Aus welchem Grund bist du so blutdürstig, Bolthar? Hörst du mich überhaupt?«

    Die letzte Frage schien berechtigt, denn der Nordmann war vor dem Brautlager in die Knie gesunken und starrte die junge Frau mit weit aufgerissenen Augen an. Nicht meine Fringa!, war der einzige Gedanke, der den blutrünstigen Wikinger immer wieder durchzuckte. Nicht meine Fringa! Hier heiratet eine Frau aus einer angesehenen Familie einen Mann nach ihrem oder ihrer Eltern Geschmack. Nicht meine Fringa, die diesen Priester der Christen heiratet! Die Familie Hengiff hat nichts mit Fringa zu tun! Du mordest mit deinen Männern eine Gesellschaft, die nichts, aber gar nichts mit dem Irrglauben dieser Menschen, die du verfolgst, zu tun hat!

    Laut schreiend brach Bolthar zusammen.

    Er lag auf dem Fußboden vor dem großen Bett, als sein Gefolgsmann und Unterführer Galdur mit dem Sax-Schwert in der Hand hereingestürmt kam, weil er seinen Fürsten in Bedrängnis glaubte. Erstaunt sah er von ihm zu den beiden jungen Leuten, die sich erneut eng umschlungen hielten.

    Was war hier geschehen?

    Dieser Gedanke lähmte den Unterführer und ließ ihn innehalten. Für einen kurzen Moment dachte er an die Ströme von Blut, die ihre Männer im großen Saal des Palas vergossen hatten, dann kniete er sich neben seinen Fürsten und schlug ihm leicht auf die Wangen, um ihn wieder zu sich zu bringen.

    Irgendetwas Furchtbares war hier geschehen, aber Galdur verstand es nicht.

    Noch nicht.

    2.

    Der Sand knirschte unter dem Kiel der Boote, als sie fast gleichzeitig am Strand ankamen. Doch noch während des Anlandens waren die Männer herausgesprungen und wateten durch das kniehohe Wasser, die Schwerter in den Händen. Es waren große Langschiffe mit dreißig Ruderplätzen auf jeder Seite, die man als þritugsessa im gesamten Norden fürchtete.

    Die Krieger liefen über den Strand auf die Klosteranlage zu, deren niedrige Mauern kein wirkliches Hindernis boten. Auf ein Zeichen des hünenhaften Anführers, der weit vorausgelaufen und eben an der ersten Mauer angelangt war, sammelten sich die wild aussehenden Nordmänner um ihn, finstere Blick auf das Kloster gerichtet.

    Dann brach es aus mehr als einhundert Kehlen heraus.

    Die Männer stürmten auf die Mauer zu, die Ersten von ihnen zogen sich rasch hinauf und halfen anderen hinüber. Kurz verhielten die Ersten auf dem Innenhof und warfen begehrliche Blicke auf den lang gezogenen Bau dieses Klosters. Dann liefen sie auf die große Eingangstür zu, die jedoch von innen fest verriegelt war.

    »Nehmt die Balken vom Strand auf!«, rief ihnen Galdur zu, aber das war fast schon überflüssig, denn die letzten Nordmänner, die sich eben über die Mauer schwangen, hoben gemeinsam zwei Balken darüber, die nun von anderen mitgefasst wurden und im Sturmlauf gegen die Kirchentür gerammt wurden.

    Die mächtige, zweiflügelige Tür ächzte in ihren Angeln, hielt aber stand.

    Jetzt hob Bolthar seine mächtige Stimme und feuerte seine Krieger an.

    »Was ist los mit euch, Männer? Habt ihr zu wenig zu essen bekommen? War die Beute im Palast der Hengiffs so ausreichend, dass ihr keine Lust mehr auf das Gold dieses Klosters habt? Dann denkt an die zahlreichen jungen Novizinnen und Nonnen, deren Angstgeschrei ich schon hören kann! Das sollte euch anfeuern und eure Lust steigern! Vorwärts – jetzt gelingt es!«

    Aber mit dem, was sich beim erneuten Anrennen vor ihnen abspielte, hatte nun niemand gerechnet. Bolthar, der in den vergangenen Monaten zahlreiche christliche Kirchen und Klöster angegriffen und vernichtet hatte, begriff es ebenfalls nicht. Die Männer rannten mit dem Balken auf die Doppeltür zu, als sie plötzlich wie von Geisterhand geöffnet wurde und die Krieger in den Kirchenbau stolperten.

    Das so unvermutet verschwundene Hindernis bewirkte, dass sie schließlich übereinander stürzten und damit den Bogenschützen ein freies Schussfeld auf die noch draußen stehenden Krieger gaben, während die Gestrauchelten unter den Schwerthieben der Männer im Kloster starben.

    »Verrat! Vorwärts, Männer, tötet alles, was sich hier versteckt hält!«, schrie Bolthar und stürmte seinen Kriegern voraus. Er sprang über die ersten Körper, die im Weg lagen, mit einem gigantischen Sprung hinweg und schlug dabei mit dem Sax einen Mann aus dem Weg, der gerade einen anderen durchbohrte.

    Mit infernalischem Geschrei ergoss sich die ganze Kriegerschar in den Innenraum, aber noch immer schossen die Bogenschützen Pfeil auf Pfeil zwischen sie.

    Bolthar hieb abwechselnd mit Sax oder Beil auf die Verteidiger ein und hatte bereits den nachrückenden Kämpfern Platz geschaffen, als ihn ein Pfeil in die Wade traf. Er brüllte laut auf und sah den Schützen, der eben einen weiteren Pfeil auf die Sehne legte und auf ihn zielte. Als der Pfeil davon schnellte, hatte auch der Wikingerfürst reagiert und seinen Sax geworfen. Der Bogenschütze wurde tödlich am Hals verwundet, der noch abgeschossene Pfeil verfehlte den Anführer, der sich blitzschnell nach dem Wurf fallen gelassen hatte.

    Aus dieser Perspektive konnte er einen raschen Überblick gewinnen.

    Hinter den Körpern der Gefallenen befand er sich für einen Moment in Sicherheit.

    Die Kampfstätte im Kirchenraum wurde jetzt für ihn übersichtlicher, und mit einem Fluch musste er erkennen, dass ein weiteres Eindringen seiner Krieger nur unter großen Verlusten möglich wurde.

    Er schätze die Menge der hier versammelten Krieger auf etwa einhundert, die alle mit Speeren in der Hand bereit standen, um die Wikinger zu empfangen. Jetzt rückten sie langsam gegen die Angreifer vor, die gegen diesen Wall aus starrenden Spitzen den Rückzug beginnen mussten.

    Doch auch für Bolthar wurde es höchste Zeit, den Standort zu wechseln.

    Er erkannte auf einer Empore schräg gegenüber die Bewegung zwischen den Säulen, als dort offenbar weitere Bogenschützen ihre Stellung bezogen.

    »Rückzug!«, ordnete er deshalb mit donnernder Stimme an, aber seine Männer hatten längst erkannt, dass es ihr Anführer war, der sich jetzt in höchster Gefahr befand. Ringsum ihn her schlugen die Pfeile auf den Steinboden und sprangen seitlich ab. Doch diese Situation wurde mit jedem Augenblick gefährlicher, denn auch von der Seite begann jetzt neuer Pfeilbeschuss. Doch fünf Mann kamen herangelaufen, die Schilde über den Köpfen, und gaben Bolthar auf diese Weise die Möglichkeit, aufzustehen und mit ihnen zurückzulaufen.

    Kaum war der letzte Mann im Freien, wurden die großen Türflügel wieder zugeschlagen und gleich darauf erneut verriegelt.

    Schäumend vor Wut schlug Bolthar mit der Faust dagegen, dann drehte er sich zu seinem Unterführer um. Galdur ahnte, was jetzt folgen musste, wollte man hier nicht mit leeren Händen abziehen.

    »Zehn Mann bleiben hier beim Tor, Galdur!«, ordnete der Fürst mit einer Stimme an, die einem Donnergrollen glich. »Du nimmst zwanzig Krieger und holst aus den umliegenden Häusern alles herbei, was brennbar ist. Der Rest umstellt das Gebäude und achtet darauf, dass niemand aus den Fensteröffnungen entkommt.«

    »Gut, was wirst du machen, Bolthar?«, erkundigte sich der Unterführer, indem er bereits mit ein paar herrischen Handbewegungen die Männer einteilte.

    »Ich suche mir ein paar Krieger aus und schaue mich in der Anlage um. Mir will es nicht in den Sinn, wieso hier ein so starker Schutz für ein Kloster besteht. Was sind das für Krieger? Und woher wussten sie überhaupt, dass wir hierher kommen?«

    Galdur starrte in das vor Wut verzerrte Gesicht Bolthars, der während der wenigen Worte, die sie wechselten, den Schaft des Pfeiles abbrach. Das Geschoss steckte in seiner Wade, war aber mit der Spitze noch nicht vollständig durchgeschlagen.

    »Soll ich den Rest durchschlagen, Bolthar?«, erkundigte er sich und griff zu seiner Axt, die er inzwischen wieder am Gürtel trug.

    »Nicht nötig, das mache ich selbst. Aber gib mir mal deine Axt, die ist für solche Arbeiten etwas handlicher als meine Breitkopfaxt!«

    Galdur nickte nur und überreichte seine Handöx, die Handaxt. Dann kümmerte er sich nicht weiter um Bolthar, der sich auf den Boden setzte und nun mit einem gut gezielten Hieb auf den verbliebenen Schaftrest die Pfeilspitze durch das Fleisch trieb. Zwei Krieger, denen er zugewunken hatte, standen daneben und sahen interessiert zu, als die Spitze plötzlich Haut und Fleisch durchdrang und zusammen mit einer blutigen Masse nun greifbar wurde. Rasch griff Bolthar mit zwei Fingern in die Wunde und zog mit einer großen Kraftanstrengung den restlichen Pfeil heraus, presste dann seine Hand darauf, um das Blut zu stoppen, und wickelte anschließend einen Wollstreifen darum, den er sich mit seinem Messer aus dem Stoff seiner Beinkleider geschnitten hatte.

    »Was steht ihr hier herum und gafft?«, schnauzte er schließlich die beiden Krieger an. Während der gesamten, schmerzhaften Prozedur hatte er zwar eine verkniffene Miene gezeigt, aber nicht einen Schmerzenslaut von sich gegeben.

    »Ich denke, wir sollten mit dir kommen, Bolthar?«, antwortete einer der Männer. »Sonst können wir ja auch zu den anderen und noch ein wenig von dem Holz aus den Häusern hier aufschichten. Schließlich sollen es die Verteidiger schön warm bekommen, oder?«

    Bolthar stieß ein verächtliches Stöhnen aus. Behutsam probierte er, ob er auf dem verletzten Bein stehen konnte, dann nickte er den beiden zu.

    »Kommt mit, ich will sehen, was dort drüben aufbewahrt wird Es muss ja sehr kostbar sein, dass es von hundert Bewaffneten geschützt wird.«

    Ohne sich zu den beiden noch einmal umzudrehen, ging er an der Reihe der Männer vorüber, die jetzt alle möglichen Gerätschaften aus Holz heranschleppten. Stühle, Tische, sogar eine einfache Tür befanden sich darunter und alles wurde vor der großen Doppeltür der Klosterkirche aufgeschichtet.

    Die Krieger betraten ein weiteres Gebäude, das mit einer Holztür verschlossen war. Sie bot ihnen keinerlei Hindernis, und als sie in den ersten, größeren Raum traten und sich ihre Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, erkannten sie, dass sie sich wohl im Küchen- und Speisesaal des Klosters befanden. Auf der einen Seite waren zwei große Herdstellen an einer Wand, darüber hingen viele Gerätschaften für die nächste Benutzung.

    Einfache, lange Holztische mit schlichten Bänken davor zeugten vom Speisesaal. Nirgendwo schien sich jemand aufzuhalten, und langsam gingen die beiden Krieger mit ihren gezogenen Waffen in den Händen durch die ansonsten kahlen Räume. Sie sahen nichts von Wert, schlichte, eiserne Kerzenhalter wurden von den beiden gar nicht beachtet.

    Bolthar stieß die Tür zum Nebengebäude auf und warf einen Blick in die ersten Zellen. Es waren sehr schmale, einfache Klosterzellen, mit etwas Stroh und einer Decke auf dem Boden – mehr nicht. Er eilte den langen Gang hinunter auf eine Tür zu, während seine beiden Begleiter sich die Zeit nahmen, um in jede Zelle einen Blick zu werfen.

    Das Nebengebäude diente wohl den Nonnen als Scriptorium. Auf den Tischen lagen ein paar Pergamentstücke zusammen mit Schreibgeräten, aber auch hier trafen die prüfenden Blicke der beiden Nordmänner auf nichts, das ihnen wertvoll genug erschien, um mitgenommen zu werden.

    Schließlich standen sie wieder im Küchenraum, und Bolthar sagte leise:

    »Wo sind die Nonnen? Was ist hier los, was glaubt ihr?«

    »Die Anlage birgt irgendein Geheimnis, Jarle «, antwortete einer der beiden Krieger und nutzte dabei die uralte Anrede für die Fürsten. Der andere zuckte nur die Schultern, und als ihn der missbilligende Blick des Anführers traf, beeilte er sich mit der Frage:

    »Zu wem gehört denn eigentlich dieses Kloster, Jarle?«

    Bolthar sah sich langsam im Raum um und musterte dabei auch sorgfältig die großen Steinplatten, mit denen hier der Boden ausgelegt war.

    »Dieses Kloster gehört der Familie Brønderslev, die hier ihren Sitz ganz in der Nähe hat und dort auch einen Ort mit gleichem Namen angelegt hat. Warum fragst du?«

    Jetzt hatte sich das von Narben entstellte Gesicht des Mannes zu einem Grinsen verzogen.

    »Brønderslev, Jarle? Gehört das nicht damit einer der reichsten Familien hier an der Küste?«

    Bolthar nickte zwar, schien aber durch etwas abgelenkt zu sein, dass ihn plötzlich wie magisch anzuziehen schien.

    »Das stimmt schon, aber warte...«

    Er bückte sich in der Nähe der beiden Herdstellen und untersuchte den Boden genauer.

    »Was seht ihr hier?«

    Als sich die beiden Krieger neben ihn hockten und Bolthar sich für einen kurzen Moment den stechenden Schmerz verbeißen musste, der von seiner frischen Wunde heftig zog, als er die unbequeme Haltung eingenommen hatte, sahen sie ihn mit großen Augen verwundert an.

    »Wüsste ich nicht um eure Fähigkeiten im Kampf, ich glaube, ich würde euch bei nächster Gelegenheit ins Meer werfen!«

    Die beiden schwiegen, und als ihr Anführer seine kräftige, behaarte Hand ausstreckte und auf ein paar Getreidekörner zeigte, dämmerte es ihnen wohl.

    »Körner, die wohl aus einem undichten Sack gefallen sind«, antwortete der mit dem Narbengesicht und grinste dazu. »Hier beginnt die Spur, und hier hört sie plötzlich wieder auf.«

    Bolthar nickte und hatte schon sein Messer gezückt, um es in die Rillen am Rand einer großen Steinplatte zu schieben.

    »Weiter, ich höre dir zu!«, sagte er dabei und hatte es plötzlich geschafft, die Klinge unter die Platte zu führen, während die beiden Krieger ihm verwundert bei seiner Tätigkeit zusahen. »Was bedeutet das nun?«

    Doch eine Antwort konnten die beiden ihm nicht geben, aber als Bolthar nun mit der neben dem Messer unter die Steinplatte geschobenen Sax diese Platte anhob, sprangen die beiden hinzu und legten sie an die Seite. Darunter wurde ein dunkles Loch sichtbar, groß genug, um einen Menschen hindurchzulassen.

    Und dann erkannten alle drei die Holzstufen, die nach unten führten.

    »Holt Galdur her, rasch. Er soll mit allen Männern, die das Holz geschleppt haben, sofort hierher kommen. Der Rest bleibt bei der Klosterkirche.«

    Die beiden eilten davon, und mit einem teuflischen Lächeln setzte sich der Wikingerfürst direkt neben den freigelegten Einstieg, streckte dabei behutsam sein verletztes Bein aus und nahm das Messer in die Hand, um sich die Fingernägel zu säubern.

    Das hier versprach eine interessante Sache zu werden.

    Für einen Moment glaubte er fast, die Angst riechen zu können, die ihm mit dem dumpfen Geruch aus dem Keller entgegenwehte.

    3.

    Die beiden Führer der wilden Kriegerschar hatten sich zehn Männer ausgesucht und ihnen befohlen, sich mit Kienfackeln auszustatten. Die anderen warteten vor der zweiflügeligen Klostertür auf den Befehl, den Holzstapel zu entzünden. Als Bolthar seiner Gruppe voran zum Küchentrakt schritt, schlugen die Flammen aus den rasch entzündeten Gegenständen und erzeugten innerhalb kurzer Zeit eine heftig qualmende, schwarze Wolke, die das Gebäude umhüllte.

    Danach folgten die Krieger grinsend ihren beiden Anführern die schmale Holztreppe in den dunklen Keller hinunter und sahen sich dort um. Sie standen in einem langen Gang, der richtig ausgemauert war und wohl auch als Vorratskeller diente, denn hier lagerten noch allerlei Früchte, Rüben, Äpfel und auch Kohl. Doch über allem stand jetzt deutlich ein ganz anderer Geruch. Die Männer kannten ihn zur Genüge, denn Menschen in panikartiger Angst verursachten überall die gleichen Ausdünstungen nach Angst und Schwei8.

    Und nach Urin, den sie nicht mehr halten konnten.

    Bolthar hob die Fackel bis an die Decke, als er etwas weiter vorn ein Geräusch vernommen hatte. Dann stand er vor einer Holztüre, drückte Galdur die Fackel in die Hand und holte mit seiner Breitkopfaxt zum wuchtigen Schlag aus.

    Holz splitterte unter seinem Hieb in alle Richtungen, und als er die Tür mit dem zweiten Hieb zerschlagen hatte, drangen Entsetzensschreie an die Ohren der Männer.

    Der Rest war eine Sache von wenigen Augenblicken.

    Die Krieger zögerten nicht lange, als sie die Frauen vor sich sahen, die sich im Schein der Fackeln wimmernd in einer Ecke zusammendrückten. Es blieb nur noch eine Fackel beim letzten Mann, die anderen wurden auf den Boden geworfen und sorgten für eine schauerliche Beleuchtung der sich jetzt abspielenden Szene. Ohne jegliche Rücksichtnahme griffen die harten Männer in die Kleidung oder die Haare der Frauen und rissen sie aus der Ecke, stapften mit ihren Opfern zurück in den Gang und schlugen sie nieder, wenn sie nicht gutwillig folgen wollten.

    Als die ersten Nordmänner ihre Opfer ans Tageslicht gezerrt hatten, riss einer von ihnen seinem Opfer das schlichte Kleid herunter, warf sich auf ihren Körper, riss ihre Beine auseinander und drang in sie ein, während die Frau hilfeschreiend und mit Armen und Beinen zappelnd versuchte, ihm zu entkommen. Mit einem letzten, qualvollen Laut wurde sie ohnmächtig, als ihr Peiniger sie mit der Faust ins Gesicht schlug, denn sie hatte erneut versucht, sich unter ihm wegzudrehen.

    Als jetzt auch die anderen mit den Nonnen neben ihm auftauchten, begann der Erste von ihnen, lauthals zu lachen, und nun fielen auch die anderen dröhnend in das Gelächter ein. Der Krieger ließ sich davon nicht beeindrucken, unermüdlich hob sich sein weißer Hintern vor ihnen und stieß wieder hinunter. Aber jetzt wurde das Gelächter so dröhnend, dass schließlich Bolthar, der als Letzter eine der Nonnen an das Tageslicht über der Schulter trug, ausrief:

    »Oleg, du bist ein Rindvieh! Hast du dir das Weib nicht einmal angesehen? Die ist so alt und so hässlich, dass sie dir dankbar sein wird für das, was du da gerade für sie tust! Ich glaube nicht, dass sie in den letzten zehn Jahren so einen wilden Liebhaber gehabt hat!«

    Erneutes, dröhnendes Lachen der Umstehenden, und Oleg, der offenbar nun endlich fertig war, erhob sich von seinem Opfer und sah sich mürrisch um. Jetzt konnte es auch der Letzte der anderen sehen, dass er offenbar wirklich die Älteste unter den Frauen als Opfer ausgewählt hatte. Das Gesicht der Ohnmächtigen war jedenfalls von zahlreichen Falten durchzogen, ihre langen, aufgelösten, grauen Haare hingen wirr um ihren Kopf und gaben ihr ein fürchterliches Aussehen.

    »Wann wirst du sie heiraten?«, rief Bolthar und erntete einen erneuten Lachsturm. Was sich dann vor dem Küchen- und Schlafgebäude an Widerlichkeiten und Abartigkeiten entwickelte, lässt sich kaum beschreiben. Der Wikingerfürst hatte jedoch schon bald genug, fesselte seinem Opfer die Hände mit den Resten ihres Gewandes und zog sie hinter sich her, als die Männer beim brennenden Holzhaufen nun laut danach riefen, nun endlich abgelöst zu werden – sie würden ja den größten Spaß verpassen!

    Bolthar kannte seine wilde Schar zur Genüge und erlaubte es deshalb einem Drittel der Krieger, sich nun ebenfalls auf die Nonnen zu stürzen. Das Feuer hatte inzwischen die große Tür ergriffen, aber das Holz war hart und trotzte den Flammen noch lange Zeit. Doch der starke Qualm zog trotzdem in das Innere des Klosters, drang durch die schmalen Fensteröffnungen über der brennenden Tür und wurde stetig zu einer wachsenden Gefahr für die Verteidiger, die sich inzwischen bis weit in den hinteren Kirchenraum zurückgezogen hatten.

    Die Nordmänner erwarteten jeden Augenblick einen Ausbruchsversuch der vom Erstickungstod bedrohten Männer. Und wieder geschah etwas nicht Vorhersehbares, das dem Geschehen im Kloster eine Wende gab.

    Bolthar bemerkte die Gefahr erst, als der dichte Qualm durch einen Windstoß verwirbelte und er die neuen Angreifer sehen konnte. Er war abgelenkt, denn die junge Frau, die er gefesselt mit sich gerissen hatte, war wieder aus ihrer tiefen Ohnmacht aufgeschreckt, richtete ihren nackten Oberkörper auf und sah sich verwundert um.

    Ihre schneeweiße Haut, die birnenförmigen Brüste mit den kleinen, rosigen Warzen und ihre langen, schwarzen Haare, die über ihre zarten Schultern flossen, erregten ihn erneut.

    Sie wollte sich gerade erheben, als sie sich von einer harten, schwieligen Hand zurückgerissen fühlte und ihr Peiniger sich erneut auf sie warf, brutal in sie eindrang und dabei mit seinen Händen ihre Brüste massierte und knetete, sodass sie die Schmerzen erneut an den Rand einer Ohnmacht brachten.

    Doch diese Gnade wurde ihr nicht zuteil, diesmal war der Akt so wild, dass sie bei jedem seiner heftigen Stöße aufschrie und das Gefühl hatte, einen Pfahl zwischen den Beinen zu haben, der immer tiefer in sie eindrang und sie dabei auseinander riss. Bolthar dagegen genoss sein Treiben, spürte, dass er sie noch lange so weiter malträtieren konnte und war entschlossen, diese Frau noch eine Weile für sich zu behalten.

    Ein Hornsignal erklang, das aber nur von wenigen überhaupt wahrgenommen wurde.

    Plötzlich drangen von allen Seiten Bewaffnete gegen die Nordmänner und töteten innerhalb weniger Augenblicke die Krieger, die sich an den Nonnen vergingen.

    Bolthar, der die Frau in der Nähe der brennenden Tür vergewaltigte, erkannte deshalb fast zu spät die heranstürmende Gefahr. Er stand auf, ordnete rasch seine Kleider und rief über den Platz und das herrschende Chaos.

    Seine alles übertönende Stentorstimme brachte die Männer, die sich um den Kirchenbau versammelt hatten, sofort an seine Seite.

    »Wo ist Galdur?«, rief er und spähte über die Köpfe seiner Männer, die sich jetzt gegen die anstürmenden Feinde wandten.

    »Hier!«, rief der Unterführer und trat aus dem Qualm heraus, einen skotvápn, den Wurfspieß der Nordmänner, in der Hand. Mit einer fließenden Bewegung schleuderte er ihn auf einen Angreifer, der davon vollkommen überrascht wurde. Die lange Spitze fuhr dem Mann durch die Brust und warf ihn auf die nachfolgenden Soldaten zurück.

    Das war das Zeichen für die anderen, die nun ebenfalls Speere schleuderten, ihre Äxte auf unbehelmte Köpfe schlugen oder mit dem Sax versuchten, den Hals- oder Brustbereich des Gegners zu durchbohren.

    Doch wenn auch die vordere Reihe der neuen Feinde etwas wankte und einige Schritte zurückwich, so drängten sie doch gleich darauf erneut gegen die Männer um Bolthar und Galdur, die nun ihrerseits Sorge tragen mussten, nicht von den Gegnern eingeschlossen zu werden.

    »Die Schiffe!«, schrie Galdur und streckte mit einem mächtigen Axthieb erneut einen Angreifer zu Boden. Mit seinem Hieb hatte er dem Mann glatt den Schädel gespalten, und als sich Bolthar aufrichtete und einen irritierten Blick über die Mauer zur See warf, wo er seine beiden Schiffe sicher am Strand wusste, antwortete er mit einem nicht enden wollenden Fluch. Die schwarze Wolke, die von dort aufstieg, zeigte das Schicksal der beiden Langboote.

    »Zurück!«, schrie Bolthar über die Köpfe der nächsten Kämpfer, und Schritt für Schritt zogen sich die Nordmänner bis zur Mauer zurück, die sie jedoch nicht überwinden konnten, solange ihnen die Feinde dicht nachrückten und jede Gelegenheit nutzten, um einen der Feinde zu erwischen, wenn er seine Deckung aufgab, um auf die Mauer zu springen.

    Keiner der Kämpfenden hatte bei der starken Rauchentwicklung noch zum Himmel aufgesehen und die schwarzen Wolken bemerkt, die jetzt heran waren. Die Sonne war längst untergegangen, ihre letzten Strahlen schienen die brennenden Schiffe am Strand noch mit einem goldenen Schein zu beleuchten.

    Dann zuckte ein Blitzbündel vom Himmel, gefolgt von einem so starken Donnerschlag, dass Bolthar für einen Moment glaubte, taub geworden zu sein.

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