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Western Doppelband 006
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eBook262 Seiten3 Stunden

Western Doppelband 006

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Über dieses E-Book

Dieses Buch enthält folgende Western:

John F. Beck: Die letzten von Lonewalls

Pete Hackett: Im Banne des Bösen

Als ich den Toten in der Wüste fand, vermutete ich zunächst, er sei vom Weg abgekommen und verdurstet. Bis ich das Kugelloch in seinem Hemd entdeckte und wusste, dass irgend jemand diesem armen Teufel aufgelauert und ihn anschließend umgebracht hatte. Aber warum nur?

Der Tod dieses Mannes führte mich schließlich nach Lonewells - in eine verlassene Stadt mitten in der Wüste, in der sich nur noch wenige Menschen aufhielten. Weil sie Gold gefunden hatten. Aber sie konnten nicht mehr weg von hier. Denn draußen vor der Stadt lauerte eine Bande von gewissenlosen Halunken, die es auf das Gold abgesehen hatten. Der Tote, den ich gefunden hatte, war ihr erstes Opfer gewesen, und ich wäre fast das zweite geworden. Zum Glück gelang es mir noch, mich nach Lonewells durchzuschlagen. Die Chancen standen jedoch immer noch gut, dass es weitere Tote geben würde. Mich eingeschlossen! Denn diese verdammten Hundesöhne begannen jetzt die Stadt zu belagern. Und für mich und die anderen Menschen wurde es immer auswegloser ..
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum12. Aug. 2019
ISBN9783745209891
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    Buchvorschau

    Western Doppelband 006 - Pete Hackett

    Western Doppelband 006

    Dieses Buch enthält folgende Western:

    John F. Beck: Die letzten von Lonewalls

    Pete Hackett: Im Banne des Bösen

    Als ich den Toten in der Wüste fand, vermutete ich zunächst, er sei vom Weg abgekommen und verdurstet. Bis ich das Kugelloch in seinem Hemd entdeckte und wusste, dass irgend jemand diesem armen Teufel aufgelauert und ihn anschließend umgebracht hatte. Aber warum nur?

    Der Tod dieses Mannes führte mich schließlich nach Lonewells – in eine verlassene Stadt mitten in der Wüste, in der sich nur noch wenige Menschen aufhielten. Weil sie Gold gefunden hatten. Aber sie konnten nicht mehr weg von hier. Denn draußen vor der Stadt lauerte eine Bande von gewissenlosen Halunken, die es auf das Gold abgesehen hatten. Der Tote, den ich gefunden hatte, war ihr erstes Opfer gewesen, und ich wäre fast das zweite geworden. Zum Glück gelang es mir noch, mich nach Lonewells durchzuschlagen. Die Chancen standen jedoch immer noch gut, dass es weitere Tote geben würde. Mich eingeschlossen! Denn diese verdammten Hundesöhne begannen jetzt die Stadt zu belagern. Und für mich und die anderen Menschen wurde es immer auswegloser ..

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author /COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Die letzten von Lonewells

    Ein Western von John F. Beck

    CALLAHAN

    IMPRESSUM

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author / Cover 2019: Klaus Dill

    © dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Als ich den Toten in der Wüste fand, vermutete ich zunächst, er sei vom Weg abgekommen und verdurstet. Bis ich das Kugelloch in seinem Hemd entdeckte und wusste, dass irgend jemand diesem armen Teufel aufgelauert und ihn anschließend umgebracht hatte. Aber warum nur?

    Der Tod dieses Mannes führte mich schließlich nach Lonewells – in eine verlassene Stadt mitten in der Wüste, in der sich nur noch wenige Menschen aufhielten. Weil sie Gold gefunden hatten. Aber sie konnten nicht mehr weg von hier. Denn draußen vor der Stadt lauerte eine Bande von gewissenlosen Halunken, die es auf das Gold abgesehen hatten. Der Tote, den ich gefunden hatte, war ihr erstes Opfer gewesen, und ich wäre fast das zweite geworden. Zum Glück gelang es mir noch, mich nach Lonewells durchzuschlagen. Die Chancen standen jedoch immer noch gut, dass es weitere Tote geben würde. Mich eingeschlossen! Denn diese verdammten Hundesöhne begannen jetzt die Stadt zu belagern. Und für mich und die anderen Menschen wurde es immer auswegloser ..

    Der Mann lehnte wie schlafend an einem Felsblock. Der staubbedeckte Hut war ihm übers Gesicht gerutscht. Eine dicke Staubschicht lag auch auf seiner abgetragenen Kleidung. Langsam ritt ich durch das von Steilhängen gesäumte Arroyo auf ihn zu. Erst als ich dicht bei ihm mein Pferd zügelte, entdeckte ich den dunklen Fleck auf seiner Hemdbrust: eingetrocknetes Blut. Die hitzegesättigte Stille in dem sandigen Flussbett schien sich auf einmal noch zu verdichten. Es war ein so abgrundtiefes Schweigen, dass mir meine eigenen Atemzüge überlaut vorkamen.

    Der Wind, der gestern den ganzen Tag lang Staubfahnen übers einsame Land gewirbelt hatte, war bald nach Einbruch der Dunkelheit abgeflaut. Er hatte alle Spuren im Arroyo verwischt. Das hieß, dass der Mann bereits vorher, also vor mehr als zwölf Stunden gestorben war. Eine Kugel war ihm mitten ins Herz gedrungen. Kein Wolf und kein Bussard hatte ihn bisher aufgestöbert, und das trockene Wüstenklima war der beste Verwesungsschutz.

    Seit ich vorgestern den Bill Williams River durchquert hatte und nordwärts in Richtung Nevadagrenze und Grand Canyon ritt, befand ich mich in leerem Land. In dieser sonnenverbrannten Wildnis gab es nicht mal Tierfährten, nur Sand, Felsen, Dorngestrüpp und hie und da ein paar Mesquitestauden. Ausgerechnet in dieser absoluten Einöde saß da nun ein Toter vor mir!

    Ich war die Stille der Wildnis ja gewohnt, doch nun erschien sie mir unwirklich und wie vom Atem einer unsichtbaren Gefahr durchdrungen. Hundert Fragen und Überlegungen schossen mir durch den Kopf. Aber ich hatte nicht den winzigsten Anhaltspunkt, das Rätsel zu lösen, das der Tote mir aufgab. Hier draußen, weit weg von allem, was Zivilisation, bedeutete, stand man dem Tod immer näher gegenüber als in den von hektischem Leben erfüllten Großstädten im Osten. Der Tod durch eine mitten ins Herz geschossene Revolverkugel war aber auch hier nicht weniger erschreckend als auf dem lautesten Abschnitt der Wall Street von New York.

    Ich glitt aus dem Sattel. Sofort drängte mein Buckskin-Wallach von der schlaff am Felsen zusammengesunkenen Gestalt zurück.

    „Nun hab dich nicht so!, brummte ich, während ich die Zügel um einen Stein schlang. „Gefährlich sind immer nur die Lebenden.

    Dann schob ich dem Toten den Hut aus dem Gesicht. Der Mann war um die Fünfzig. Graue Fäden durchzogen seinen buschigen Schnurrbart, der ihm über die Mundwinkel hing. Auch seine Schläfenhaare waren grau. Sein Gesicht war hager, eingefallen, der Tod hatte es gezeichnet. Ein halb vom Sand zugewehter Revolver lag neben ihm. Ich hob die Waffe auf. Es war ein Smith and Wesson. Alle Patronen steckten noch in der Trommel. Der Fremde war demnach nicht mehr dazu gekommen, sich zu verteidigen. Gegen wen?

    Möglich, dass ich nie eine Antwort darauf erhielt. Nicht nur möglich, sondern sicher war jedoch, dass ich nun nicht mehr der einzige „Zweibeiner" in dieser von Gott und der Welt verlassenen Gegend war.

    Ich kletterte den steinigen Hang hinauf und hielt Ausschau. Im Osten und Norden schimmerte wie zum Greifen nahe der bläuliche Wall der Hualapai Mountains. Nach allen anderen Richtungen dehnte sich ein Meer sanftwelliger Hügel, über denen trotz des frühen Vormittags schon die Luft vor Hitze flimmerte. Geröllfelder lagen dazwischen. Da und dort klaffte ein tief eingeschnittener Riss. Kein Fleckchen Grün, so weit das Auge reichte. Der Himmel wolkenlos, wie von flüssiger Glut übergossen.

    Nirgends eine Bewegung, keine Andeutung einer Fährte, kein von Hufen hochgeschleuderter Staub. Nur Totenstille und eine Leere, die sich nun wie ein Bleipanzer um meine Brust legte. Ich kehrte ins Arroyo zurück. In meinem Gepäck befand sich ein Klappspaten, und ich wollte nicht weiterreiten, ohne den fremden Toten begraben zu haben. Beim ersten Spatenstich fand ich einen aufgerissenen Leinenbeutel. Ich hob ihn auf, stülpte ihn um.

    In den Nähten entdeckte ich einige staubvermischte metallische Krümel. Ich rieb sie prüfend zwischen den Fingern. Meine Kehle wurde dabei noch trockener, als sie ohnedies schon war. Denn es war jene besondere Art von Metall, das überall auf der Welt eine Menge Unheil stiften konnte. Ich wusste das aus eigener bitterer Erfahrung. Ich hatte zwar noch immer keine Ahnung, wer der Fremde war, woher er kam und was er hier gewollt hatte. Aber jetzt wusste ich zumindest, wofür er gestorben war: für eine lumpige Handvoll Gold!

    *

    Sechs Stunden später sah ich von einer Bodenwelle aus zum ersten mal die Stadt. Für die zwei Dutzend Bretterhütten mit den dazugehörigen Nebengebäuden und Anbauten war diese Bezeichnung eigentlich zu hoch gegriffen. Aber es gab ja Nester mit nur sechs oder sieben Bretterbuden, die sich mit größter Selbstverständlichkeit ebenfalls Town nannten. Das war westlich vom Old Man River nun mal so üblich. Die Siedlung da drüben lag knapp vor den schroffen Abhängen der Hualapais. Sie war so tot und verlassen wie der Mann, den ich in dem ausgetrockneten Flussbett begraben hatte.

    Sicher war dort irgendwann mal Gold gefunden worden. Das verrieten die vielen Löcher und Minenschächte in den hinter den Häusern emporschwingenden Bergflanken. Ebenso sicher war das schon ein paar Jahre her. Nun war die Wildnis längst wieder auf dem Vormarsch - wie überall, wo der Mensch nur für kurze Zeit Fuß fasste und sich gegen eine raue, feindliche Umwelt behauptete.

    Von der Straße, die einmal in diese Öde geführt haben musste, gab es keinen Schimmer mehr. Dass die Häuser noch standen, hatte nichts zu bedeuten. In der Natur waren Jahre nur wie Minuten im Leben eines Menschen. Es gab Hunderte von solchen rasch aufgeblühten und ebenso schnell wieder vergessenen und vermodernden Goldgräberstädten hier im Südwesten. Im Moment interessierte mich nur eins: Wo Häuser standen, würde es auch Wasser geben.

    „Na, geh schon!, forderte ich meinen Buckskin auf. „Ein kühler Schluck und ein schattiges Dach werden uns beiden nicht schaden.

    Ich überlegte, ob ich nicht auch noch die Nacht da drüben verbringen sollte. Ich hatte es ja nicht eilig. Die Gegend am Grand Canyon, wo ich für ein paar Wochen jagen wollte, lief mir nicht davon. Ich hatte ein gutes Pferd, eine komplette Ausrüstung und genug Munition, um für eine Weile auch ohne Job auszukommen. Nur beim Näherreiten verströmte der Ort nicht gerade eine überwältigende Gastlichkeit. Ich hatte vielmehr ein Gefühl, als würde mich ein Hauch von Moder, Verfall und Untergang anwehen.

    Die Hütten sahen verflixt wacklig aus. Ein Windstoß schien auszureichen, damit sie wie Kartenhäuser einstürzten. Alles war hastig und notdürftig zusammengeflickt. Ein einziges Gebäude war zweigeschossig. Es überragte die anderen wie ein Bollwerk. Auf den Hinterhöfen wucherte Unkraut. Mesquites und Dornbüsche hatten dicht an verfallenen Bretterwänden Wurzeln geschlagen. Droben auf den Claims standen nur mehr verrottete Zeltgerüste und Fragmente einstiger Kistenholzbuden.

    Ich dachte unwillkürlich wieder an den Toten im Arroyo, an den Goldstaub in den Nähten seines Leinenbeutels. War es wirklich Jahre her, dass hier das letzte Nugget aus der Erde gebuddelt worden war? Aber der Mann konnte ja von weiß Gott wohergekommen sein ...

    „Lonewells! las ich auf dem verwitterten Holzschild am Anfang der einzigen breiten Straße. „Neunhundert Einwohner. Die Zahl war vor langer Zeit durchgestrichen worden. Darunter standen die jeweiligen Berichtigungen: sechshundert, vierhundert, dreihundert, dann auf einmal nur mehr achtzig. Auch das war durchgestrichen. Zum Schluss hatte jemand mit einem Messer eine Sieben eingeritzt. Das sah noch ziemlich frisch aus.

    Plötzlich bekam ich auch eine Witterung von kaltem Rauch und verbranntem Holz in die Nase. Ich spannte mich. Mein Blick schweifte die grauen, schmucklosen Häuserfronten entlang. Der Wind von gestern hatte jedes Gehsteigbrett, jede Vorbaustufe mit Staub gepudert. Nirgends eine Trittspur. Kein Rauch stieg aus einem der halb verrosteten Blechschornsteine. Fenster und Türöffnungen gähnten wie dunkle Höhlen. Mehrere Gebäude besaßen nur mehr ein Lattengerüst als Dach. Überall gab es geknickte Pfosten, losgerissene Bretter, zerbrochene Scheiben und umgeworfene Zäune.

    Das Ganze war ein Bild der Trostlosigkeit. Wenn der Ziehbrunnen vor dem einstigen Mietstall nicht gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich meinen Rotbraunen herumgezogen und einen weiten Boden um dieses Kaff geschlagen. Ein Haufen Ärger wäre mir damit erspart geblieben!

    Doch die letzte Wasserstelle nördlich vom Bill Williams River war ausgetrocknet gewesen. Und der Kuckuck mochte wissen, ob es mir mit der nächsten nicht ebenso ergehen würde! Außerdem loderte die Sonne wie eine Brandfackel über den Dächern, kein Lufthauch rührte sich, und vielleicht hatte ich mir den Rauchgeruch nur eingebildet. Ich fühlte mich nun wieder wie der einzige Mensch in hundert Meilen Umkreis, als ich nun gemächlich die Straße hinab zum Brunnen ritt. Das monotone Schaufeln der Hufe war das einzige Geräusch.

    Ich kam an einem ehemaligen Minen-Kontor vorbei. An der Hauswand daneben entzifferte ich die verblasste Aufschrift „Jaysons Generalstore. Dann kamen zwei verwaiste Saloons, das „Sweet Home und der „Dusty Dollar. Das dritte ehemalige Etablissement von Lonewells stand schräg gegenüber dem Mietstall und dem mi Lehm ummauerten Ziehbrunnen. Es war jenes verhältnismäßig massive Doppelstockhaus. Das Schild über dem Vordach war mit Kugellöchern verziert, die Farbe war halb abgeblättert. „Nugget Star Palace stand darauf.

    Wichtiger für mich war jedoch, dass die Brunnenwinde noch funktionierte. Ich hatte gerade den ersten vollen Eimer heraufgekurbelt und dem Wallach hingestellt, als das Knarren eines Vorbaubretts mich herumriss. Im selben Moment lag auch schon meine Rechte am Kolben des Peacemakers.

    Zuerst sah ich den Mann auf der Veranda des „Nugget Star" nur als Schatten. Zögernd schob er sich an den Rand, und ich erkannte eine hagere, schäbig gekleidete Gestalt. Das Gesicht war knochig, unrasiert, die Augen glühten in umschatteten Höhlen. Der Mann war unbewaffnet. Er stand leicht vorgeneigt da, die Schultern etwas verkrampft und hochgezogen, misstrauisch, wie auf dem Sprung. Mein erster Eindruck war, dass mit dem Typ etwas nicht stimmte. Ein Ausdruck unverhüllter und geradezu erschreckender Gier brannte in seinen Augen. Dann sah ich den nächsten.

    Er tauchte rechts von mir an der Ecke des Mietstalls auf. Ein kleiner, drahtiger, schwarzhaariger Bursche. Er hatte die Schöße seiner zerknitterten Jacke nach hinten geschoben und lässig die Daumen in den Gurt gehakt. Ein kurzläufiger Revolver steckte in seiner Halfter. Das Knirschen von Sand unter Stiefelsohlen ließ meinen Blick weiterschnellen.

    Der dritte war ein Bulle von Mann. Auf der eben noch verlassenen Fahrbahn stand er wie ein Riese da. Zotteliges Haar hing ihm auf die Schultern. Es wurde von einem bunten Indianerstirnband gehalten. Ein dichter Bart umrahmte das grobschlächtige Gesicht. Sein knallrotes Hemd war zerschlissen, die Nähte seiner mexikanischen Hose mit Silberknöpfen besetzt. Er trug zwei Sechsschüsser, beide hochgeschnallt, mit den Kolben nach vorn. Außerdem hing noch ein schweres Jagdmesser in einer fransenverzierten Scheide an seinem Gürtel. Der Hüne hatte die Fäuste in die Seiten gestemmt. Seine breitbeinige Haltung schien auszudrücken, dass ihm die ganze Stadt gehörte. Dazu grinste er breit.

    Zwischen ihm und der Veranda des „Nugget Star erschien der vierte Mann meines „Empfangskomitees. Er war der Oldtimer in der Runde. Ein untersetzter, knorriger Graukopf. Sein wettergegerbtes Gesicht war von Falten durchzogen. Die Schnurrbartenden hingen über sein wuchtiges Kinn. Er hatte ein rostrotes Armeeunterhemd an. Darüber spannten sich geflickte Hosenträger. Aus der auf dem rechten Oberschenkel aufgenähten Hosentasche ragte der Kolben eines Colts.

    Nun wusste ich, dass die Witterung von zuvor mich nicht getrogen hatte.

    „Hallo!", grüßte ich flau.

    Sie verharrten wie hingestellte Schachfiguren und starrten mich an, als wäre ich vom Mond gefallen. Das Grinsen blieb wie eingemeißelt auf dem bärtigen Gesicht des Hünen. Der kleine Drahtige hatte den Kopf ein wenig schiefgelegt und kniff, halb von der Sonne geblendet, ein Auge zu. Etwas Listiges, vielleicht auch Verschlagenes war an ihm. Sonst war sein sonnengebräuntes Gesicht völlig glatt. Der Oldtimer dagegen wirkte mürrisch und schwerfällig. Er schien am wenigsten von allen von meinem Aufkreuzen erbaut zu sein.

    Der Hagere war inzwischen von der Saloonveranda auf die Straße gekommen. Er war wie ein einfacher Farmer gekleidet. Seine schwieligen Hände passten dazu. Er öffnete und schloss sie fortwährend. Ein Zeichen der Spannung, unter der er offenbar stand. Zögernd kam er auf mich zu. Dabei starrte er abwechselnd mich und mein Pferd mit hungrigen Blicken an. Als ich mich halb umdrehte, blieb er sofort stehen und duckte sich.

    Ich wurde nicht schlau aus dem Verein. Banditen, die in der verlassenen Stadt Unterschlupf gesucht hatten, waren das nicht. Die hätten sich anders benommen. Trotzdem war hier allerhand faul. Das konnte ich fast mit den Händen greifen.

    „Ihr habt doch hoffentlich nichts dagegen, Leute, dass ich hier mein Pferd tränke und die Wasserflasche auffülle", sagte ich so ruhig wie möglich.

    Der Massige grinste noch breiter. Seine Zähne blinkten. „Feines Pferd, Tilburn, was?", rief er statt einer Antwort dem Hageren zu.

    Das jähe heftige Keuchen hinter mir warnte mich. Ich fuhr herum und glaubte, ich spinne, als ausgerechnet der Farmertyp, von dem ich die wenigste Gefahr erwartet hatte, wie ein angeschossener Puma auf mich zustürzte. Ich konnte gerade noch zur Seite springen. Er sauste mit solchem Schwung an mir vorbei, dass er um ein Haar im Brunnen gelandet wäre. Ich hörte noch das heisere Auflachen des Hünen, dann sprang der Hagere schon wieder auf mich los.

    Knochige Hände krallten nach meiner Kehle. Ich fackelte nicht lange. Vorhin hatte ich mich wie ausgebrannt gefühlt, nun war ich voll da - wie meistens, wenn’s mir an den Kragen ging. Mein Faustschlag trieb den Kerl mehrere Schritte zurück. Er schwankte, ruderte mit den Armen. Ein Krächzlaut kam aus seiner Kehle.

    Dann ging er abermals, vom brüllenden Gelächter des Hünen begleitet, auf mich los. Er war kein Kämpfer, aber in seiner Raserei blind für jede Gefahr und völlig unberechenbar.

    Ich duckte mich unter seinen wirbelnden Fäusten, warf mich aus der Hocke gegen ihn und schmetterte ihn mit meiner hochzuckenden geballten Rechten um. Staub puffte empor. Dann lag Tilburn auf dem Rücken, die Ellenbogen aufgestützt, das knochige Gesicht noch immer wie im Wahnsinn verzerrt.

    „Zur Hölle, Mann, was willst du eigentlich von mir?, schrie ich ihn an. Die anderen standen noch immer am selben Fleck. In Tilburns Augen erschien ein Flackern von Hass und Verzweiflung. Keuchend rappelte er sich von neuem hoch. Er stand noch nicht richtig, da schleuderte er sich gegen mich und versuchte mich umzureißen. Nur steckte nicht mehr genug „Dampf dahinter, das zu schaffen. Ich glitt einen Schritt zurück, mein hochschnellendes Knie erwischte sein Gesicht, und wieder lag er im heißen Staub.

    Dem Massigen schien das Ganze riesigen Spaß zu bereiten.

    „Du schaffst es nicht, Tilburn!, johlte er. „Der Kerl erledigt dich mit geschlossenen Augen und der linken Hand! Dem schnappst du seinen Gaul auch beim hundertsten Mal nicht weg!

    Tilburn kam mühsam hoch. Das Brennen in seinen Augen war fort, seine Arme hingen herab, er schluckte. So stumm, wie er auf mich losgegangen war, wandte er sich nun ab und entfernte sich mit schlurfenden Schritten.

    „Mann, er hat’s tatsächlich kapiert!"

    Das Lachen des Bullen schmerzte in meinen Ohren. Ich legte schnell wieder die Hand an den Colt, als er sich in Bewegung setzen wollte. „Bevor ich nicht weiß, was hier gespielt wird, bleibst du besser, wo du bist!", warnte ich ihn.

    „Nicht doch, Mister! Er breitete die Hände aus. „Hier bist du unter lauter guten Freunden. Darfst es dem guten alten Jake Tilburn nicht verübeln, dass er durchgedreht hat. War schon lange bei dem fällig. Kein Wunder, nachdem wir nun fast schon zwei Wochen ohne Gäule in diesem Drecksnest festsitzen! Seit Tagen faselt er schon davon, dass seine Frau und seine zwei kleinen Kinder in Flagstaff auf ihn warten. Musst nicht denken, Mister, dass wir ihn mit deinem Pferd einfach hätten abhauen lassen. Hast du eigentlich auch ’nen Namen, Mister?

    „Na klar", sagte ich, mehr nicht. Ich erntete dafür wieder sein Lachen. Aber er fiel mir allmählich auf die Nerven damit.

    „Hab’ mich dran gewöhnt, dass die Leute mich Crazy Jim nennen! Weiß der Teufel, warum!"

    Er lachte. Ich hatte es jedoch längst bemerkt: Es war ein Lachen, das seine .Augen nicht erreichte. Sie blieben kalt und wachsam. Das warnte mich. Ich war entschlossen, mich weder von seinem Namen, noch seinem Auftreten dazu verleiten zu lassen, ihn zu unterschätzen.

    Ich nannte nun auch meinen Namen – Jed Callahan. Dann war er wieder am Zug. „Der Kleine da drüben, der aussieht wie ’n Fuchs, der grade ein Huhn verspeist hat, heißt Frenchy. Von dem Oldtimer hast du vielleicht schon gehört. Bob Smith, genannt Sacramento Smith. Unter den meisten Goldsuchern ist der bekannt wie ’n bunter Hund. Das ist einer von

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