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Die Eroberung des Paralleluniversums
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eBook246 Seiten3 Stunden

Die Eroberung des Paralleluniversums

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Über dieses E-Book

Science Fiction-Roman von Harvey Patton

Der Umfang dieses Buchs entspricht 250 Taschenbuchseiten.

Im 23. Jahrhundert ist die Menschheit friedlich. Doch es gibt immer noch Menschen, die mit Gewalt vorgehen, um eigene Wünsche und Vorstellungen durchzusetzen. Als ein Paralleluniversum mit einer zweiten Erde entdeckt wird, macht sich der "Overlord" mit seinen Soldaten daran, diese Erde zu erobern. Er glaubt, dass jeder mit Gewalt oder Geld gezwungen werden kann und jeder seinen Preis hat.

Harvey Pattons großer Science Fiction-Roman. Aus dem Nachlass.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum21. Okt. 2020
ISBN9783745213539
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    Buchvorschau

    Die Eroberung des Paralleluniversums - Harvey Patton

    Die Eroberung des Paralleluniversums

    Science Fiction-Roman von Harvey Patton

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 250 Taschenbuchseiten.

    Im 23. Jahrhundert ist die Menschheit friedlich. Doch es gibt immer noch Menschen, die mit Gewalt vorgehen, um eigene Wünsche und Vorstellungen durchzusetzen. Als ein Paralleluniversum mit einer zweiten Erde entdeckt wird, macht sich der „Overlord" mit seinen Soldaten daran, diese Erde zu erobern. Er glaubt, dass jeder mit Gewalt oder Geld gezwungen werden kann und jeder seinen Preis hat.

    Harvey Pattons großer Science Fiction-Roman. Aus dem Nachlass.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / Cover: von Vladimir Maneyukhin, 2020

    Originaltitel des Autors: Parallelen

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

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    1.

    Ganz langsam komme ich wieder zu mir. Das scheußliche Kribbeln in sämtlichen Körperteilen lässt allmählich nach, aber mein Kopf schmerzt noch immer ganz eklig. Noch kann ich nicht klar denken, aber immerhin bin ich schon soweit, dass ich meine Umgebung wieder bewusst wahrnehmen kann.

    Mühsam öffne ich die Augen, stemme meine Arme nach hinten und richte mich vorsichtig auf. Helles Licht fällt von oben herab und blendet mich, hastig schließe ich die Lider wieder und schlage sie dann nur spaltbreit auf. Nun kann ich erkennen, wo ich mich jetzt befinde, und unwillkürlich stöhne ich laut auf.

    Dies alles kenne ich doch nur zu gut: Die rauen, schmutzig-grau gekalkten Wände, die Pritsche mit der zerschlissenen Decke und den schmalen hölzernen Spind mit den eingeritzten Kerben! Ein Teil davon stammt von mir selbst, auch der Umriss des Mädchenkörpers mit den schwellenden Kurven.

    Was hat das zu bedeuten? Warum bin ich wieder an jenem Ort, den ich um nichts in der Welt noch einmal wiedersehen wollte?

    Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen!, denke ich.

    Mein Stöhnen ist offenbar nicht ungehört geblieben, denn gleich darauf knirscht ein Schlüssel im rostigen Schloss der Bohlentür.

    Sie wird langsam geöffnet, und ein beleibter Mann in der grauen Wächteruniform erscheint.

    „Hallo, Jungchen!, sagt er und grinst über das ganze feist-rote Gesicht. „Wieder zurück aus dem Reich der süßen Träume? Nur immer schön ruhig bleiben, keine hastige Bewegung in diesem Zustand, sonst trittst du gleich wieder weg. Du willst doch aber die Freude dieses Wiedersehens so richtig genießen können, denke ich.

    „Geh zum Teufel!", krächze ich mühsam, mehr bringe ich noch nicht heraus. Der Beleibte hebt die Hand und wedelt damit, sein Blick nimmt einen vorwurfsvollen Ausdruck an.

    „Spricht man so mit seinem alten Freund?, fragt er missbilligend. „Und wir waren doch Freunde, oder habe ich dir je unnütze Prügel verabreicht? Dir muss es bei mir sogar ausnehmend gut gefallen haben, sonst wärst du wohl kaum wieder zurückgekommen. Wenn nur diese dumme Sache mit deinem Ausbruch nicht gewesen wäre, tz, tz … Du warst auch ganz schön lange weg, wir werden unsere Freundschaft also erst wieder erneuern müssen – nicht wahr?

    Dabei spielt er wie absichtslos mit der kurzen Peitsche, die an seinem Gürtel hängt. Seine Worte sind blanker Hohn, denn Carduff ist ein Sadist reinsten Wassers, der schlimmste aller Aufpasser in diesem Höllencamp. Was er mit mir anfangen wird, sobald ich wieder halbwegs gerade stehen kann, ist schon jetzt sonnenklar.

    Heimlich knirsche ich mit den Zähnen, doch äußerlich beherrsche ich mich. Es ist besser, jetzt kein Wort mehr zu sagen, denn ich stecke so voller ohnmächtiger Wut, dass ich ihn nur provozieren würde. Doch gerade auf so etwas wartet er und würde es mir doppelt heimzahlen, sobald man ihm freie Hand dazu gibt.

    Und das wird wohl nicht mehr lange dauern, denn hier scheint sich inzwischen nichts geändert zu haben …

    Eine Galgenfrist kann ich mir aber immerhin noch verschaffen.

    Ich stöhne erstickt auf, verdrehe die Augen wie im Krampf und täusche eine neue Ohnmacht vor. Hart falle ich auf meine Pritsche zurück und bleibe ganz still liegen, und der Dicke fällt auch wirklich darauf herein. Nun, ich muss ja auch eine gehörige Portion von Lähmstrahlen erwischt haben, als ich den Schergen in die Falle gegangen bin, so sehr brauche ich mich gar nicht zu verstellen.

    Carduff schnieft verächtlich auf und murmelt etwas vor sich hin; dann setzt er seine Plattfüße in Bewegung und verlässt schlurfend wieder die Zelle. Die Tür fällt hinter ihm zu, wieder knirscht der Schlüssel, und dann bin ich mit mit meiner Wut und meinen wenig erfreulichen Gedanken allein.

    Welche Tageszeit mag jetzt wohl draußen sein?

    Die Nacht wäre am günstigsten, denn wenigstens dann hat man uns nur selten schikaniert. Natürlich nur, weil die Wächter nicht auf ihren Schlaf verzichten wollten, am Tage holten sie dann alles doppelt nach. Doch auch so wird sich wohl in den nächsten Stunden niemand mehr um mich kümmern – ich gelte als krank, und Kranke bekommen hier grundsätzlich nichts zu essen.

    Über Ausnahmen entscheidet allein der Arzt des Camps, und der lässt sich nur jeden zweiten Tag sehen. Ihm gegenüber komme ich mit Simulieren nicht durch, das weiß ich aus Erfahrung. Hier wird nur krank geschrieben, wer offene Wunden oder Fieber hat, oder beides zusammen.

    Doch das Klima auf dieser Welt ist ausgesprochen gesund, und die Wächter achten sehr darauf, dass ihre Misshandlungen keine Spuren hinterlassen. So gibt es immer nur ganz „leichte Fälle", und die werden am besten durch strenges Fasten geheilt!

    Ein solcher bin ich jetzt, zumindest noch für ein paar Stunden.

    Ich bleibe still liegen, atme tief durch, und mein Kopf klärt sich allmählich ganz. Schließlich lange ich in die Brusttasche und finde darin tatsächlich noch die Packung mit den Aromatics und das kleine Feuerzeug. Offenbar haben sich die Schergen so sehr darüber gefreut, uns wieder in ihre Fänge zu bekommen, dass sie glatt vergessen haben, mir außer den Waffen auch noch die privaten Dinge abzunehmen.

    Nun, dann steht es doch etwas besser, als ich annehmen musste. Schließlich habe ich auch sonst einige Kleinigkeiten bei mir, mit denen sich notfalls schon etwas anfangen lässt, das den Wächtern wenig gefallen dürfte. Die Freunde vermutlich auch, aber das muss sich erst noch herausstellen, wenn wir zusammenkommen.

    Jetzt muss ich jedoch vor allem zusehen, dass ich mich möglichst schnell wieder erhole. Ich stecke mir ein Stäbchen an, lege mich wieder zurück und inhaliere dankbar den würzigen Rauch. Meine Augen schließen sich, unwillkürlich beginnen meine Gedanken zu wandern und streifen in die Vergangenheit zurück.

    Plötzlich bin ich wieder auf der Erde, und das Geschehen dort läuft wie vom Videoband vor meinem geistigen Auge ab.

    *

    Alles begann ganz harmlos, mit einer simplen Anzeige unter vielen in der IRISH TIMES, die jeden Morgen aus dem Automatdrucker der Videos kam. Darin stand, von auffälligen roten Balken umrahmt:

    DAS GROSSE ABENTEUER! Junge kräftige Männer, Alter 20 bis 30 Jahre, für die Teilnahme an einer Jagdsafari auf einem wilden Planeten gesucht! Vorbedingungen: gute Gesundheit, Erfahrungen im Umgang mit modernen Waffen erwünscht, doch nicht unbedingt nötig. Abwesenheit von der Erde zunächst etwa drei Monate, eine spätere Wiederholung im Bewährungsfall möglich. Erstklassige Entlohnung, auch die Reisetage werden voll vergütet.

    Kommen Sie, Sie werden es bestimmt nicht bereuen! Vorstellung heute zwischen 9 und 13 Uhr persönlich in der Agentur WILDLIFE, Belfast, Glenavor Ave 378, 27. Stock. Das Abenteuer ruft – SIE!"

    Mein Freund Ted O'Hara erschien damit frühmorgens, rüttelte mich wach und hielt mir das Blatt unter die Nase. Viel zu früh für mich, ich hatte die eigentliche Nacht bei meiner Freundin verbracht, und das natürlich nicht, um zu schlafen. So war ich erst nach einer großen Portion Rührei und einer Kanne starkem Kaffee imstande, halbwegs zu erfassen, worum es hier überhaupt ging.

    „Das ist genau das, wovon ich schon immer geträumt habe!, sagte O'Hara schwärmerisch. „Reisen zu fernen Planeten, ohne nur einen Pence dafür bezahlen zu müssen. Jagd auf exotische Tiere, die wir sonst höchstens im Video zu sehen bekommen, Saurier vielleicht sogar, zwanzig Meter oder noch höher. Und das alles wird dann auch noch gut bezahlt – stell dir das nur einmal vor!

    Ich versuchte es, aber meine Phantasie wollte an diesem Morgen nicht so recht auf Touren kommen. Sie funktionierte nur in der verkehrten Richtung und zeigte mir alles ausgesprochen negativ: Wilde und bösartige Monstren mit riesigen Pranken und scharfen Gebissen, denen ein Mensch gerade nur als kleine Vorspeise dienen mochte, und dergleichen mehr. Dass Saurier stets in grundlosen Sümpfen umherstampfen, in denen der Mensch beim kleinsten Fehltritt spurlos verschwindet, rundete diese Visionen nach unten hin ab.

    All dies wollte ich Ted erklären, aber ich kam nicht weit damit.

    „Du bist ein Idiot!, unterbrach er mich ärgerlich. „Meinst du wirklich, diese Leute würden uns viele Lichtjahre weit durch den Raum transportieren, damit wir dort irgendwelchen Biestern als Futter dienen? Das können sie doch gar nicht riskieren, Mann, sie brauchen uns doch zu ihrem Schutz. Ohne uns wären sie doch selbst aufgeschmissen, folglich werden sie alles tun, damit wir ihnen möglichst lange erhalten bleiben! Kapiert, alter Pessimist?

    „Vielleicht sehe ich das wirklich zu schwarz", gab ich unlustig zu, spülte den letzten Bissen hinunter und steckte mir die erste Aromatic an. Ted nickte nachdrücklich.

    „Ganz bestimmt tust du das, Will. Du darfst schließlich nicht alles glauben, was man uns so auf den Videostreifen zeigt, diese Drehbuchautoren übertreiben doch immer nur schamlos bis ins Extrem. Bei denen muss es immer eine Menge von Toten geben, sonst taugt ein Film einfach nichts. Die Wirklichkeit ist nicht einen Bruchteil so gefährlich, glaube mir. Wir selbst kommen doch gar nicht nahe an die Bestien heran, wir müssen nur jene absichern, die sie erlegen wollen. Die müssen ganz nahe heran, nur sie kommen wirklich in Gefahr."

    „Ob das aber auch den diversen Biestern einleuchtet? Vielleicht kennen sie die betreffenden Spielregeln nicht und kehren höchst eigenmächtig den Spieß um", wandte ich nochmals ein.

    O'Hara sah anklagend zur Decke empor und rang die Hände.

    „Ist denn heute überhaupt nicht vernünftig mit dir zu reden? Ich habe dir doch eben erst lang und breit erklärt, weshalb das ganz ausgeschlossen ist, Boy. Sollte es aber wirklich irgendwie gefährlich werden – rein hypothetisch nur, versteht sich – dann haben wir ja schließlich auch noch Waffen. Moderne Waffen, das wird in der Anzeige extra betont, und schießen haben wir ja in der Army gründlich gelernt."

    „Leider", knurrte ich und dachte an die darüber verlorene Zeit, aber Ted war einfach nicht mehr zu bremsen.

    „Was hast du schon hier auf der Erde?, fragte er aggressiv. „Du warst in der Schule immer viel besser als ich, aber was hat dir das im Endeffekt genutzt? Die verdammten Automaten erledigen alle Arbeiten selbst, die Chance, eines Tages eine Stellung zu bekommen, ist geradezu mikroskopisch gering. Du gammelst hier nur ebenso herum wie ich, treibst dich in den Vergnügungsparks herum und stellst den Mädchen nach!

    „Das hat auch so seine Reize", brummte ich und dachte leicht schmunzelnd an die vergangene Nacht, aber O'Hara konterte sofort.

    „Du kannst nur keine lange halten, weil dir das Geld fehlt! Das alles kann sich aber schlagartig ändern, wenn du auf mich hörst und dich auf diese Anzeige meldest. Erstklassige Bezahlung, da steht es! Drei Monate auf Safari, dann kommst du zurück und kannst dir jede Puppe leisten, auf die du scharf bist. Und ist der Zaster alle, meldest du dich zu einer neuen Tour – so einfach geht das!"

    „Das klingt gar nicht so schlecht, räumte ich vorsichtig ein. Ich dachte an Karen und die verlockende Aussicht, zusammen mit ihr eine kleine Wohnung beziehen zu können. „Wenn alles stimmt, was da geschrieben steht, könnte es sich wirklich lohnen, sich diese Sache einmal zu überlegen.

    „Überlegen?, fragte Ted entgeistert. „Mensch, Will, bist du denn heute von allen guten Geistern verlassen? Das ist doch die große Chance, auf die jeder von uns seit Langem lauert! Ein Boy wie du, groß, kräftig und klüger als die meisten anderen, ist doch viel zu schade, um hier zu versauern. Wenn du ein Mann bist, machst du dich jetzt gleich mit mir auf die Socken, um dich zu melden.

    Ich nickte tiefsinnig.

    „Ach, daher weht also der Wind: Du möchtest gern, traust dich aber nicht allein dorthin! Wahrscheinlich meinst du, dass du eher angenommen wirst, wenn ich dabei bin – stimmt‘s?"

    „Verdammt … ja, gab Ted widerstrebend zu. „Du bist doch meist in unserer Gruppe der, der die erste Geige spielt – warum sollte ich nicht auch einmal davon profitieren?

    Allmählich kam mein Gehirn wieder auf Touren, und plötzlich fand ich die ganze Idee nicht mehr so schlecht. Ich drückte meine Aromatic aus, erhob mich und schlug ihm auf die Schulter.

    „Na schön, ein Versuch kann ja wohl nicht schaden. Vermutlich kommen wir ohnehin viel zu spät, diese Anzeige wird mehr als die Hälfte aller Jungens angelockt haben, die hier in Frage kommen. Wenn wir Glück haben, rangieren wir irgendwo zwischen den Plätzen oberhalb von fünftausend und werden gleich wieder fortgeschickt."

    „Man kann nie wissen", meinte Ted hoffnungsvoll.

    Ich trank den letzten Kaffee aus, brachte das Geschirr in die Küche, und sah dann kurz zu meiner Mutter hinein. Sie hockte im Morgenrock vor dem Video, verfolgte hingerissen ein Familiendrama auf Kanal 7 und drehte sich nur widerwillig zu mir um.

    „Warum störst du mich überhaupt? Hau ab mit deinem miesen Freund, ihr habt ja doch nichts als Unsinn im Kopf. Einmal zum Arbeitsamt zu gehen und dort nach einer Stellung zu fragen, würde euch wohl nicht einmal im Traum einfallen."

    Mam war ungerecht, und sie wusste es. Selbst Daddy, der einst Biologie hatte studieren dürfen, war erst sieben Jahre nach der Promotion eine Aushilfsstelle in der Gesundheitsbehörde zugewiesen worden. Die hatte er dann zehn Jahre lang behalten, mit einem Tag Dienst pro Woche, bis er kurz vor meinem 15. Geburtstag bei einem Gleiterunfall ums Leben gekommen war. Dass ihr letzter Freund sie schon nach drei Wochen wieder verlassen hatte, musste für sie als noch durchaus attraktive Frau ein schwerer Schlag gewesen sein.

    Das wusste ich, und so nickte ich nur gleichmütig.

    „Auf die Gefahr hin, dass du es nicht glaubst: Wir gehen los, um uns auf eine Anzeige hin zu bewerben, in der man junge und kräftige Männer sucht! Für eine Jagdexpedition zu irgendwelchen fremden Planeten – vielleicht bist du mich eher los, als du es glauben magst."

    „Angeber – alles nur leere Versprechungen", murmelte sie und wandte sich demonstrativ wieder dem Holoschirm zu. Ich zuckte mit den Schultern und verließ dann mit Ted den Wohnblock. Wir fuhren mit der Rohrbahn hinüber in die City von Belfast und suchten die in der IRISH TIMES angegebene Adresse auf.

    *

    Die Glenavor Ave war ansonsten eine ruhige Fußgängerstraße an der Peripherie des Geschäfts– und Büroviertels. An diesem Morgen war sie jedoch voll von Menschen – alles junge Männer, deren Zahl ich auf etwa fünftausend schätzte! Sie alle drängten dem Hochhaus entgegen, an dessen Front ein großes Transparent mit dem Aufdruck PROJEKT WILDLIFE – Anmeldung hier – hing.

    „Das haben wir nun davon, dass du solch ein Morgenmuffel bist, ärgerte sich Ted O'Hara. „Um da noch rechtzeitig hereinkommen zu können, hätten wir mindestens zwei Stunden früher hier sein müssen. Jetzt können wir gleich wieder umkehren, den Job kannst du getrost in den Wind schreiben. Man braucht bestenfalls ein paar dutzend Leute, und bei diesem Ansturm …

    „Gibst du immer so schnell auf?, erkundigte ich mich spöttisch. „Dann wundert es mich nicht sehr, dass du immer darüber klagst, Pech bei den Mädchen zu haben. Ich denke jedenfalls nicht daran, so schnell aufzugeben, nachdem ich mich von dir habe breitschlagen lassen, Boy. Mit etwas Ähnlichem habe ich schon gerechnet, wollte aber erst einmal sehen, was sich hier so tut. Hinten anstellen bringt hier wirklich nichts – komm mit, ich habe einen Plan.

    „Und wie sieht der aus?, fragte Ted, während wir uns gegen den Strom von weiteren Ankömmlingen ins Freie kämpften. Ich sagte es ihm, und sein Kommentar lautete: „Du bist ja verrückt!

    Trotzdem folgte er mir zu einem Stand, an dem es Schweber zu mieten gab. Wir machten unsere letzte Barschaft locker und saßen bald darauf in einem klapprigen Helicar, der bestimmt schon zehn Jahre alt war, aber jedenfalls noch flog. Ich ließ die Maschine langsam aufsteigen, reihte sie kurz in den Luftkorridor Süd ein und scherte über der Glenavor Ave wieder aus. Es dauerte kaum eine Minute, dann stand unsere Kiste auf dem Dachlandeplatz, wir stiegen aus und gingen auf den Wächter zu.

    „Projekt WILDLIFE?, überlegte er auf meine Frage hin. „Ach ja, das ist in der Agentur Pickard, 27. Stockwerk. Nehmen Sie dort drüben den Lift, dann kommen Sie auf dem Korridor davor an.

    „Was sagst du jetzt?, grinste ich, als uns der Lift von der 60. Etage nach unten trug. „Scheinbar bin ich wohl doch nicht ganz so verrückt, wie du denkst, oder?

    O'Hara zuckte mit den Schultern, kam aber zu keiner Antwort mehr, denn die Expresskabine stoppte bereits wieder. Die Tür glitt auf, und wir traten auf einen Korridor mit zahlreichen Büroräumen an beiden Seiten, aus denen das Geratter von Sprechschreibern klang.

    Der Gang war leer, endete nach links hin blind und wurde rechts von einem großen gläsernen Portal begrenzt. Dahinter drängten sich dicht an dicht junge Männer, die es geschafft hatten, früh genug das Gebäude zu erreichen. Vor ihm standen drei andere, deren Aufgabe wohl darin bestand, die Bewerber schubweise einzulassen. Einer von ihnen sah uns, löste sich von der Gruppe und kam uns entgegen.

    „Wohin wollen Sie?", erkundigte er sich gedehnt. Ich lächelte freundlich und erklärte: „Zur Agentur Pickard, Projekt WILDLIFE, Sir. Das ist

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