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Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor 1: Sammelband Sechs Romane in einem Band Die unsichtbare Macht Axarabor Band 1-6
Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor 1: Sammelband Sechs Romane in einem Band Die unsichtbare Macht Axarabor Band 1-6
Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor 1: Sammelband Sechs Romane in einem Band Die unsichtbare Macht Axarabor Band 1-6
eBook538 Seiten6 Stunden

Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor 1: Sammelband Sechs Romane in einem Band Die unsichtbare Macht Axarabor Band 1-6

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Über dieses E-Book

Dieses Buch enthält die Bände 1-6 der Serie "Die Raumflotte von Axarabor"

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen...

In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts.

Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind...

DIE UNSICHTBARE MACHT enthält die ersten sechs in sich abgeschlossenen Romane der Science-Fiction-Erfolgsserie DIE RAUMFLOTTE VON AXARABOR.
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum29. Dez. 2018
ISBN9783745207125
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    Buchvorschau

    Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor 1 - W. A. Hary

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Wilfried A. Hary/A.F. Morland/Marten Munsonius.

    Serien-Idee: Alfred Bekker und Marten Munsonius.

    Cover-Gestaltung: Christian Dörge/Apex-Graphixx.

    Cover-Illustration: Martin Benes/123rf.

    Schlusskorrektorat: Christian Dörge.

    © der Druckausgabe 2018 by Apex-Verlag (München) / CassiopeiaPress (Lengerich) / Edition Bärenklau (Oberkrämer).

    www.apex-verlag.de (Kontakt: webmaster@apex-verlag.de)

    www.AlfredBekker.de (Kontakt: postmaster@alfredbekker.de)

    www.editionbarenklau.de (Kontakt: edition.baerenklau@gmail.com )

    Klappentext

    Dieses Buch enthält die Bände 1-6 der Serie Die Raumflotte von Axarabor

    Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen...

    In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts.

    Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind...

    DIE UNSICHTBARE MACHT enthält die ersten sechs in sich abgeschlossenen Romane der Science-Fiction-Erfolgsserie DIE RAUMFLOTTE VON AXARABOR.

    1. Wilfried A Hary: JAGD AUF DEN JÄGER

    1

    »Wie bitte? Ein Benzingenerator zur Stromerzeugung? In einem Raumschiff? Auch noch mitten in der Zentrale?« Kanot Borglin zeigte sich fassungslos.

    Phillis von den Sternen, bei der niemand sagen konnte, ob sie wirklich so hieß oder ob sie sich einfach nur einen Spaß erlaubte mit ihrem seltsamen Namen, strich sich über die hochgekämmte feuerrote Tonsur und grinste breit.

    »Erstens einmal ist das kein Benzin, den ich da in den Tank fülle, sondern Alkohol, und zweitens brauchen wir halt den Strom.«

    Er betrachtete die schlanke, eigentlich perfekte Gestalt der Frau, die wie ein junges Mädchen wirkte, obwohl er genau wusste, dass sie schon wesentlich älter sein musste. Ihre aufreizende Lederkleidung konnte ihn nicht verwirren, obwohl Phillis damit ihre weiblichen Attribute dermaßen betonte wie eine erfolgreiche Edelnutte auf irgendeiner der Randwelten. Allein schon deshalb nicht, weil er nur noch wie ein Mann aussah, aber längst ein Neutrum wurde. Das war die Bedingung gewesen, als er dieser geheimen Spezialeinheit bei der Flotte beigetreten war vor über hundert Jahren.

    »Aber an Bord eines Raumschiffes!«, begehrte Kanot Borglin auf. »Das wäre ja gerade so, als müsste man in der Zentrale eines Kraftwerks auf diese Weise für Licht sorgen. Und ist das Raumschiff denn nicht so etwas wie ein fliegendes Kraftwerk?«

    Jetzt lachte ihn Phillis offen aus.

    »Dummkopf, und wenn das Kraftwerk kaputt ist und eben keine Energie mehr erzeugen kann?«

    »Aber es ist doch hell genug, und die Luft ist atembar«, versuchte Borglin noch einmal zu widersprechen. Dann erst wurde ihm bewusst, was Phillis gerade erst gesagt hatte. »Kaputt?«

    »Ja, defekt, im Eimer, was immer du willst. Wir fliegen zwar immer noch, aber sozusagen aus eigenem Antrieb – äh – ich meine natürlich in einer Art freiem Fall. Falls du in der Lage bist, das zu verstehen. Immerhin mit annähernder Lichtgeschwindigkeit. Wenn uns jetzt auch nur ein Meteorit in der Größe eines Kieselsteins begegnet, lösen wir uns in unsere atomaren Bestandteile auf, in einer bildschönen Detonation. Daher eben der Stromhunger: Wir müssen die hauptsächlichen Ortungsinstrumente damit versorgen, um rechtzeitig uns den Weg frei schießen zu können. Und unsere Bordwaffen brauchen keine Fremdenergie. Zumindest für die ersten Schüsse nicht.«

    Kanot Borglin ließ sich schwer in einen der zerschlissenen Sessel vor den toten Bildschirmen fallen.

    »Wo bin ich hier bloß rein geraten?«

    »Als hättest du noch eine Wahl gehabt!« Phillis lachte erneut. »Hätten wir dich da nicht heraus geholt, hätte man dich wohl längst desintegriert oder mit dir Schlimmeres angestellt. Vielleicht hätte man dich in deine Einzelteile zerlegt und deine Organe meistbietend versteigert? Du hast interessante Augen. Ich hätte dafür sogar was geboten.«

    »Hör auf damit, Phillis. Du machst es damit nur noch schlimmer. Und wissen die anderen eigentlich davon?«

    »Nein, natürlich nicht. Die befinden sich im Tiefschlaf, wie ausgemacht, und dort bleiben sie auch. Bis zum vereinbarten Zeitpunkt.«

    Kanot Borglin wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher als dass auch er sich in einem der Cryotanks befinden würde. Aber leider war ihre Anzahl begrenzt. Sie waren sechs an Bord gegenüber vier Tanks. Zwei mussten also wach bleiben, und er war einer davon. Zumal er nicht zur Besatzung gehörte. Zumindest nicht im Grunde genommen.

    Herausgehauen? Wie hochtrabend von Phillis, so etwas zu behaupten. Nein, er hatte sie um Hilfe gebeten, weil er sie von früher her kannte, und sie hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als ihn als Sklaven zu verpflichten. Einzige Bezahlung: Sein Überleben!

    Ein Blick in die Runde. Alles Licht stammte von diesem leuchtenden Schimmelpilz, der in mehr oder weniger dicken Schichten überall zu finden war, wo er genügend Feuchtigkeit zum Überleben fand. Und triefend feucht war es eigentlich im gesamten Raumschiff, das dadurch eher einem leuchtenden Höhlensystem glich. Vor allem dort, wo der Sauerstoff her kam: Nährstofftanks mit einer speziell gezüchteten Algen-Art, die gierig alles an Kohlendioxyd und anderen Gasen aufbrauchte, die sie kriegen konnte, um zu wachsen und zu gedeihen.

    Hätte er vorher gewusst, dass sie das Zeug auch essen mussten an Bord, weil es sonst nicht Essbares gab, hätte er sich lieber seinen Jägern gestellt und sich von ihnen desintegrieren lassen.

    2

    Er schaute zu den blinden Monitoren hinüber. Es gab nicht einmal die Möglichkeit, zu sehen, was draußen war. Er musste sich auf die Behauptung von Phillis verlassen:

    »Gar nichts! Hoffentlich, sonst wäre es bei dieser Geschwindigkeit echt gefährlich. Denke an den Kieselstein!«

    Dabei hatte er in den drei Wochen hier an Bord des Raumschiffs ohne Namen eigentlich nichts anderes getan, als herumzulungern und Algen zu essen, wobei allein schon beim Gedanken daran Übelkeit in ihm aufsteigen wollte. Das Zeug war ja angeblich total nahrhaft und gesund, aber vielleicht nicht für jeden? Ihm jedenfalls tat es absolut nicht gut. Er hoffte sogar, es mit der Zeit zu überleben oder zumindest nicht schwer zu erkranken.

    Der Benzingenerator, der angeblich gar keiner war, sondern eher so etwas wie ein Alkoholgenerator, spuckte auf einmal.

    »Oh«, machte Phillis, als hätte sie soeben ein Haar in der Suppe entdeckt, mehr nicht.

    Das Wort Suppe ließ Kanot Borglin schwer schlucken.

    Suppe? Ja, das wäre jetzt was, selbst mit ekligen Würmern und ungenießbaren Schnecken oder anderem Ungeziefer. Hauptsache eben Suppe und kein Algenschleim...

    Er schaute zu, wie Phillis von den Sternen an dem Generator herum machte. Er selber war von technischem Verständnis noch weiter weg als Algenschleim von einem exzellenten Festmahl. Es kam ihm nur völlig bescheuert vor, eben einen Abgas spuckenden und dabei auch noch sehr altersschwachen Stromgenerator in der Zentrale eines Raumschiffs zu sehen, der darüber hinaus auch noch irgendwelche Funktionsstörungen aufzuweisen schien.

    Er stand auf und lief unruhig hin und her.

    Seit drei Wochen auf der Flucht. Und weswegen?

    Ja, wenn er das bloß wüsste! Plötzlich hatten die eigenen Kollegen seine Unterkunft gestürmt, um ihn umzubringen. War er nicht ein angesehener Offizier der axaraboranischen Flotte? Er hatte sogar einer streng geheimen Spezialeinheit angehört, bestückt mit Supersoldaten, die eines der modernsten Raumschiffe besessen hatten. Sein Aufenthalt auf Dorbanamor war eigentlich nur als Zwischenstopp geplant gewesen. Sie waren in einem Hotel der Flotte untergebracht gewesen, wahrhaft fürstlich, wie es ihrer Sonderstellung gebührte. Jedem seine eigene Unterkunft, was in diesem Fall bedeutete, dass jeder sein eigenes Luxusapartment bewohnen durfte.

    Die Mörder waren nachts gekommen. Die Wachautomatik hatte ihn nicht geweckt, weil man sie von außen manipuliert hatte. Er war von allein wach geworden. Besser gesagt: Sein Instinkt hatte ihn geweckt, und auf den hatte er sich bislang immer verlassen können. Ohne ihn hätte er schon lange nicht mehr gelebt.

    Dieser Instinkt hatte ihn auch gewarnt, zur Waffe zu greifen. Er hatte sich auf einen Faustkampf eingelassen gegen die Männer, die gekommen waren, um ihn zu töten. Wozu sonst hatten sie mit ihren Desintegratoren sofort das Feuer auf ihn eröffnet?

    An den genauen Ablauf konnte er sich nur noch vage erinnern. Seine Augmentierungen hatten ihn übermenschlich stark und vor allem übermenschlich schnell werden lassen. Schneller und stärker als die Angreifer, obwohl sie doch eigentlich dieselben Augmentierungen hatten.

    Etwas, was ihn erst später zum Nachdenken gebracht hatte.

    Für seine Mörder waren nur winzige Sekundenbruchteile vergangen, und ihm war es gelungen, diese Sekundenbruchteile nur für sich selbst zu Sekunden zu dehnen, die es ihm ermöglichten, einen nach dem anderen auszuschalten.

    Ja, es waren langjährige Kameraden von ihm gewesen. Jeden einzelnen von ihnen hatte er trotz der Vermummung eindeutig erkannt. Und sie hatten Schutzschirme aktiviert gegen Energiewaffen. Also hätte er mit seiner Waffe nichts gegen sie ausrichten können. Deshalb hatte ihn sein Instinkt davor gewarnt, nach der Waffe zu greifen. Denn mit bloßen Fäusten wurde er von den Schutzschirmen nicht abgewehrt.

    Bevor die Ex-Kameraden noch begriffen hatten, wie ihnen geschah, hatten sie bewusstlos in seiner Unterkunft gelegen.

    Er war zur offen Tür geflohen. Draußen wartete auch noch ein Kampfrobot als Rückversicherung für das Mordkommando auf ihn. Voll gepanzert und bewaffnet wie eine Miniarmee wohlgemerkt.

    Was hätte er anderes tun sollen, als ihm das Biogehirn aus der Brust zu reißen?

    Auch das war ihm erst später in den Sinn gekommen: Wie hatte er fünf Ex-Kameraden, die jeder einzeln so stark hätten sein müssen wie er und dann auch noch einen solchen Roboter ausschalten können, dies alles in Sekundenbruchteilen?

    Überhaupt der Roboter: Als er ihm das Biogehirn aus der Brust gerissen hatte... Das war ihm vorgekommen, als würde er in eine weiche Masse greifen anstatt in die hoch wirksame Panzerung, wie sie bei solchen Kampfmaschinen üblich war.

    Um danach so schnell davon zu eilen, dass kein normaler Mensch ihm auch nur mit den Augen hätte folgen können.

    Erst auf der Straße war er wieder zu sich gekommen.

    Kein Wunder, dass ihm jetzt im Nachhinein der ganze Vorgang wie ein Alptraum vorkam: Es war eben nichts anderes als ein Alptraum gewesen, einer jedoch, der Wirklichkeit geworden war! Den er nur deshalb bis heute überlebt hatte, weil er in der nächsten Kneipe Phillis von den Sternen entdeckt hatte.

    Vor Jahren hatte er diese einmal dingfest machen müssen. Sie galt als technisches Genie, das allerdings viel zu oft eine nicht geringe Portion an krimineller Energie aufbrachte. Das hatte zu ihrer Festnahme geführt. Weil dazu die üblichen Angehörige der Raumflotte aus ungeklärten Gründen bislang nicht in der Lage gewesen waren, hatte die geheime Eliteeinheit von Supersoldaten auf den Plan treten müssen. Er selbst hatte sie anschließend dem Richter überstellt. Von daher kannten sie sich.

    Nein, er hätte nie und nimmer sich auch nur ihr gegenüber zu erkennen gegeben, geschweige denn sie um Hilfe gebeten. Aber was war ihm noch anderes übrig geblieben? Wenn die eigenen Leute ihn begonnen hatten zu jagen. Ohne dass er auch nur den blassesten Schimmer hatte, warum die das plötzlich taten.

    Immer wieder hatte er es in den letzten drei Wochen hier an Bord in Gedanken durchgespielt. Er war noch nicht einmal ansatzweise auf eine Erklärung gekommen.

    Damals hatte Phillis ihn nur angegrinst und anschließend ihrer Crew vorgestellt. Sie waren normalerweise zu fünft hier an Bord. Ein Raumschiff, das eigentlich noch nicht einmal die Bezeichnung Raumschiff verdiente. Das einzige, was wirklich hier noch funktionierte, war, dass es luftdicht blieb, so dass keine Atmosphäre entweichen konnte. Sonst hätten sie keine Minute im Weltraum überlebt.

    Immerhin war es in der Lage gewesen, den Orbit von Dorbanamor zu verlassen, nachdem ihm Phillis eine Tarnidentität besorgt hatte. Diese hatte zwar nur ausgereicht, ihn unerkannt mit der Raumfähre zum namenlosen Schiff der Crew fliegen zu lassen, aber mehr hatte er ja nicht mehr benötigt.

    »Wieso hast du mir überhaupt geholfen?«, fragte er jetzt und blieb neben Phillis von den Sternen stehen.

    Sie richtete sich auf und bewunderte ihr Werk: Der Stromgenerator brummelte vor sich hin, als wäre es völlig selbstverständlich. Die Abgase verbreiteten sich zunehmend in der Zentrale. Gottlob stand die Tür auf, so dass sich die Abgase im gesamten Höhlensystem verteilen konnten. Die Algen würden sich freuen. Sie bekamen damit neuen Nachschub an Kohlendioxyd und stinkenden Abgasen. Ob sie sich überhaupt freuen konnten?

    Kanot Borglin hatte sich wiederholte Male gefragt, wie das Zeug überhaupt wachsen konnte ohne Sonnenlicht. Phillis hatte behauptet, das Licht des Leuchtschimmels würde dafür völlig ausreichen.

    Schlimm waren besonders die ersten Minuten an Bord gewesen: Ein Raumschiff wie ein Höhlensystem mit dickem, leuchtendem Schimmel an den Wänden und Algenschlamm in den Tanks für die Luftversorgung... Nein, nicht der Anblick war das Schlimme gewesen, sondern dieser infernalische Gestank, der offensichtlich von diesem Leuchtschimmel herrührte und woran er sich erst noch hatte gewöhnen müssen.

    Falls sich jemand jemals daran überhaupt gewöhnen konnte!

    Zumindest war es immer hell an Bord. Wäre das Höhlensystem auch noch dunkel gewesen...

    3

    Phillis gab immer noch keine Antwort. Sie ging hinüber zum Hauptbildschirm und betätigte einen Kippschalter. Wie wenn jemand eine antiquarische Lampe einschaltete, mindestens zehntausend Jahre alt. Der Hauptschirm flackerte, um anschließend ein grün leuchtendes Bild zu zeigen.

    Kanot Borglin sah zunächst nur dieses Grün, sonst nichts. Man konnte ahnen, dass hinter dem Grün irgendwie alles pechschwarz war. Nein, nicht ganz: Waren da nicht winzige Pünktchen, die grünlich aufleuchteten, in dem vergeblichen Versuch, das allgemeine Vordergrundgrün zu überstrahlen?

    Und das war jetzt genau das, was sich lichtjahreweit vor dem Raumschiff befand, oder was?

    Ja, wo war er hier bloß rein geraten?

    »Was willst du denn wieder hören?«, rief Phillis herüber und weckte Kanot Borglin aus den allzu trübsinnigen Gedanken.

    »Du hast mir immer noch nicht verraten, wieso ich überhaupt hier an Bord bin. Und höre damit auf, immer wieder zu betonen, dass du mich nur retten wolltest. Ich habe dich vor Jahren verhaftet. Bist du nicht nachtragend oder was?«

    »Nein, wieso sollte ich denn? Ich habe nur ein paar Tage in Untersuchungshaft verbracht und bin dann einfach abgehauen.«

    »Einfach abgehauen? Phillis von den Sternen oder wie immer du auch wirklich heißen magst, man haut nicht einfach so ab aus Untersuchungshaft. Ausgerechnet aus einem Hochsicherheitstrakt. Ich habe noch niemals davon gehört, dass dies überhaupt jemandem gelungen wäre.«

    »Ist es ja auch nicht: Die Crew hat mich befreit, die ich dadurch erst kennenlernen durfte. Das hat mein ganzes Leben verändert, für alle Zukunft! Aber das weißt du doch alles schon. Wie oft habe ich es dir schon erzählt? Hundertmal? Tausendmal?«

    »Und wenn du es eine Million mal erzählst, glaube ich dir nicht. Niemand kann jemanden aus der Untersuchungshaft befreien und anschließend mit so einem Schrottkoffer durch die Gegend fliegen, ohne von der Flotte verfolgt und aufgegriffen zu werden.«

    »Aber die sind ja nicht gewaltsam vorgegangen, sondern haben höflich darum gebeten.«

    »Und man hat dem höflich stattgegeben und freiwillig die Tür deiner Zelle geöffnet? Und alle Wächter haben freundlich, um nicht zu sagen fröhlich, dir zum Abschied noch zu gewunken? Und außerdem ist seitdem deine komplette Akte aus den Archiven der Flotte verschwunden, für immer gelöscht oder so?«

    »Ja, ja und noch einmal ja. Warum sollte ich dir etwas anderes erzählen, wenn es die Wahrheit ist? Soll ich denn lügen?«

    Kanot Borglin gab es auf. Eben nicht zum ersten Mal. Er deutete auf den flimmernd grünen Hauptschirm.

    »Und wenn wir dann irgendwann zu unserem Ziel kommen wollen, von dem du mir nichts sagen willst, wie werden wir dort landen? Und wann soll das bitte sein? In hundert Jahren oder vielleicht ein wenig früher? So etwas wie einen Raumsprung scheint es ja nicht zu geben mit dieser verbeulten Blechbüchse, die noch nicht einmal einen Namen hat.«

    »Doch, hat sie ja: Raumschiff ohne Namen halt. Weil es schon so alt ist, dass irgendwann der eigentliche Name unlesbar geworden ist, und als die Crew das Ding übernommen hat, fragte sowieso niemand mehr danach.«

    »Weil die Crew nämlich dieses Ding, was sie Raumschiff nennt, auf einem Schrottplatz entdeckte?«

    »Na und? Es ist ausreichend luftdicht und hat eine eigene Versorgung. Nur das zählt.«

    »Eine Versorgung mit dem primitivsten Stromgenerator, den ich jemals in meinem Leben zu Gesicht bekommen habe, und ich bin immerhin schon rund zweihundert Jahre alt!«, trumpfte Kanot Borglin auf.

    »Außerdem hat die Crew den Antrieb flott bekommen. Sonst hätten sie ja damit nicht vom Schrottplatz aus starten können.«

    »Ein Antrieb, der jetzt ausgefallen ist, wenn ich das richtig sehe. Weil es überhaupt keine Energieversorgung mehr gibt, außer einem Generator, den du mit Schnaps betreibst. Hast du denn eine Idee, wie wir damit dereinst landen werden?«

    »Überhaupt nicht. Wir werden im Orbit bleiben. Das wirst du sehen.«

    »Nachdem wir wie die verbeulte Raumbüchse von annähernder Lichtgeschwindigkeit herunter gebremst haben?«

    Phillis lachte mal wieder, als wäre Kanot Borglin ganz besonders witzig.

    »Das ist kein Problem.«

    »Weil du den Antrieb bis dahin reparieren wirst?«

    »Ach was, den brauchen wir doch nur, wenn wir bei einem offiziellen Planeten in den Orbit gehen oder von dort aus starten!«

    Jetzt war Kanot Borglin endgültig überzeugt davon, dass diese Phillis von den Sternen wahnsinnig geworden war. Auf sein Leben gab er schon seit drei Wochen keinen Pfifferling mehr. Er war so und so verloren. Wenn nicht als Opfer der axaraboranischen Flotte, der er selbst weit über hundert Jahre lang angehört hatte, dann hier an Bord des Schiffes, wenn dieses irgendwann endgültig unterging.

    4

    »Uff!«, machte Phillis einen Tag später.

    Kanot Borglin, der vergeblich versucht hatte, einzuschlafen, aber dem die primitive Pritsche dafür einfach zu unbequem war, schreckte auf.

    Er hatte seine Pritsche in der Zentrale aufgestellt, damit er den Untergang des Schiffes nicht verpasste, wie er meinte. Phillis hatte nichts dagegen einzuwenden gehabt und sogar auch noch ihre eigene Pritsche in die Zentrale gebracht. Seitdem beobachtete sie den Hauptschirm und las irgendwelche Kontrollen ab, mit denen Kanot Borglin als zu hundert Prozent Technikfremder nicht das Geringste anfangen konnte. Falls Phillis nicht gerade selber schlief oder sich eine Portion Algenschleim aus den Tanks holte.

    Und immer, wenn sie den Tank mit dem Schnaps nachfüllte, dachte Kanot Borglin wehmütig daran, dass es vielleicht besser gewesen wäre, das Zeug zu trinken, um zu vergessen, in welch hoffnungsloser Lage sie sich befanden.

    »Uff?«, echote er jetzt und trat neben Phillis.

    Diese grinste mal wieder bis zu den Ohren.

    Kanot Borglin versuchte sich vorzustellen, wie das auf einen normalen Mann wirken konnte, aber das war ja schon über hundert Jahre her, als er selber noch ein Mann gewesen war. Vor der Augmentierung, bei der nicht nur zahlreiche Implantate in seinen Körper versenkt worden waren, sondern auch seine Männlichkeit verlustig gegangen war.

    Kastration! Ein schlimmes Wort, wie er die fast hundert Jahre davor selber angenommen hatte. Aber die Aussicht auf Superkräfte und Supereigenschaften und vor allem extreme Lebensverlängerung bis fast zu einer Art Unsterblichkeit hatten ihn trotzdem bei der Rekrutierung alles unterschreiben lassen, eben auch die ausdrückliche Einwilligung zu seiner eigenen Kastration. Er hatte es seitdem niemals bereut. Zumal er nach einem halben Dutzend Ehen und zahlreicher nicht ohne Schaden überstandener Beziehungen froh war, endlich allen weiteren Versuchungen standhalten zu können. Wäre er noch derjenige gewesen wie vor über hundert Jahren, hätte er gegenüber Phillis für nichts garantieren können. Davon war er fest überzeugt. So aber...

    Sie wollte sich plötzlich ausschütten vor Lachen.

    »Du bist mir ein Männle!«, gluckste sie zwischendurch immer wieder. »Hast wirklich angenommen, hier verrecken zu müssen, gemeinsam mit mir? Haha, ich könnte mich tatsächlich ausschütten vor Lachen.«

    »Ja, sehe ich doch!«

    Geduldig wartete Kanot Borglin das Ende des übertriebenen Heiterkeitsausbruchs ab. Um eine ganz klare Frage zu stellen, wie er meinte:

    »Wieso glaubst du, es gäbe Rettung?«

    Sie schaute ihn entgeistert an.

    »Rettung? Wovor?« Sie schüttelte den Kopf, dass es beinahe so aussah, als wollte sie die Tonsur damit loswerden. »Es gibt keine Rettung. Wir sind jetzt nur weit genug von Dorbanamor entfernt, um endlich einen Raumsprung wagen zu können.«

    »Raumsprung?« Kanot Borglin hatte das Gefühl, der Schlag müsse ihn treffen. »Also, ich habe null Ahnung von Technik und bin auch nicht in der Lage, auch nur die Grundlagen zu kapieren, aber eines ist sogar für einen wie mich sicher: Mit einem Generator auf Schnapsbasis wird wohl kaum ein Hypersprung möglich werden!«

    Der nächste Heiterkeitsausbruch war fällig. Phillis lachte auch noch, als sie die Zentrale verließ.

    Kanot Borglin ahnte noch nicht einmal, wohin sie ging. Wie betäubt folgte er dem laut im Höhlenlabyrinth widerhallenden Gelächter. Bis er neben Phillis vor den vier Cryotanks stand.

    Unter der Glasscheibe waren undeutlich die schlafenden Crewmitglieder zu erkennen.

    Die haben es gut!, dachte er unwillkürlich.

    Aber was tat Phillis da, nachdem sie endlich aufgehört hatte zu lachen? Sie hantierte an irgendwelchen Instrumenten herum. War das nicht die zentrale Steuerung der Tanks?

    Ja, war es in der Tat, denn Sekunden später ertönte eine Art Warnsirene.

    Woher stammte dafür eigentlich der Strom? Ja, das fragte sich Kanot Borglin unwillkürlich.

    Phillis wandte sich ihm nur kurz zu, um zu sagen:

    »Die Cryotanks haben eine eigene Energieversorgung. Es gibt ein mehrschichtiges Sicherheitssystem. Selbst wenn alle Systeme an Bord ausfallen, funktionieren eben immer noch die Tanks. Vor dem Einschlafen wird ein Besatzungsmitglied bestimmt, das im Notfall geweckt wird, um zu entscheiden, was weiter passiert. Weil dann ja auch das zentrale Biogehirn nicht mehr funktioniert.«

    »Es gibt hier an Bord ein zentrales Biogehirn? Tatsächlich?« Kanot Borglin wollte auch das nicht glauben.

    »Ja, gibt es, sonst hätten wir ja nicht aus dem Orbit von Dorbanamor ablegen können. Aber das kapierst du sowieso nicht, als Technikidiot.« Phillis machte eine wegwerfende Handbewegung und kontrollierte noch einmal die Instrumente.

    Synchron öffneten sich daraufhin die gewölbten Glasscheiben.

    »Dauert von jetzt an gerechnet nur noch ein paar Minuten«, kommentierte sie ihr Tun.

    »Nur ein paar Minuten?«, wunderte sich Kanot Borglin.

    »Wie oft hat man dich denn schon in einen solchen Tank gesteckt?«

    »Noch nie!«, bekannte er. »Erstens ist es bei einem Elitesoldaten wie mir gar nicht möglich, weil es die Augmentierungen stören könnte, zweitens war es auch nicht nötig, weil unsere Raumschiffe die modernste Technik besaß, die die Flotte kennt.«

    »Bloß schade, dass du mir davon nichts sagen kannst, weil du nichts davon auch nur im Ansatz kapieren würdest.«

    Es klang tatsächlich bedauernd.

    Kanot Borglin schaute sich unwillkürlich um und versuchte sich vorzustellen, wie Phillis von den Sternen in dieses extrem stinkende, dick verschimmelte Höhlensystem so etwas wie modernste Technik hätte einbauen wollen.

    Er musste sich schütteln.

    Phillis schaute ihn von der Seite an.

    »Nur weil wir die Minuten bis zum Aufwachen der Crew überbrücken müssen, nicht weil es mich wirklich interessiert: Was ist eigentlich mit deinem Extragehirn? Wieso setzt dich dieses nicht in die Lage, Technik zu begreifen?«

    »Das Extragehirn ist in der Regel ausgeschaltet. Ich aktiviere es nur bei Bedarf. Und selbst wenn es aktiviert ist, kann es natürlich nur meine natürlichen Fähigkeiten geistiger Art erweitern. Was ich grundsätzlich schon nicht verstehen kann, das kann mir auch das Extragehirn nicht begreiflich machen.«

    Phillis schüttelte den Kopf.

    »Dann bist du in Wahrheit in Sachen Technik wirklich dermaßen schwachsinnig, dass es mich überhaupt wundert, wenn du irgendwo das Licht einschalten kannst.« Überrascht weiteten sich ihre Augen. »Ja, kannst du das denn überhaupt?«

    »Licht einschalten? Was meinst du damit?«

    Phillis von den Sternen blies die Wangen auf und ließ die Luft pfeifend entweichen.

    »Wusste ich es doch: Nicht einmal dazu wärst du in der Lage, ob mit oder ohne Extragehirn.«

    »Unerhört!«, regte sich Kanot Borglin jetzt auf. »War doch nur ein Scherz. Natürlich kann ich das Licht einschalten.«

    »Dann beweise es mir!«, forderte Phillis ihn auf. »Und zwar ohne dein Extragehirn zu aktivieren.«

    »Und wie?«

    »Ganz einfach, mein Freund: Schalte hier, in diesem Raum, das Licht ein!«

    »Wie bitte?« Kanot Borglin schaute verständnislos drein. Sein Blick irrte umher. »Das Licht einschalten? Hier? Aber wie...?«

    »Wusste ich es doch!«, wiederholte Phillis und gab sich zutiefst erschüttert.

    »Licht einschalten? Licht einschalten? Aber verdammt noch eins, wo ist denn hier überhaupt auch nur ein Schalter? Oder wie soll das sonst noch gehen?«

    »Puh!«, machte Phillis. »Dieser Mann ist angeblich ein Elitesoldat, auch noch ein führender Offizier. Ein Captain? Er hat übermenschliche Kräfte und Superfähigkeiten. Aber er ist noch nicht einmal in der Lage, irgendwo das Licht einzuschalten. Hätte mir das mal jemand erzählt, bevor ich ihn näher kannte, hätte ich diesen einen Lügner geschimpft.«

    »Aber, zum Teufel noch mal, wie soll man denn hier das Licht einschalten können?« Es klang zunehmend verzweifelt.

    Phillis warnte mit erhobenem Zeigefinger:

    »Nicht das Extragehirn aktivieren! Das war der Deal!«

    »Aber ich...« Kanot Borglin brach ab.

    Phillis kontrollierte mal wieder die Instrumente.

    »Ah, die können jeden Moment erwachen. Also gut, lösen wir das Rätsel auf, ehe die es mitbekommen und am Ende genauso enttäuscht sind von dir wie ich: Man kann natürlich nirgendwo dort das Licht einschalten, wo es gar keine Lampen gibt. Oder hast nach drei Wochen immer noch nicht begriffen, dass alles Licht hier von diesem leuchtenden Schimmelpils stammt?«

    Kanot Borglin schaute sie an, als hätte er sie noch nie zuvor gesehen. Dabei hatte er alle Mühe, seine Augmentierungen im Zaum zu halten, um nicht von einer Sekunde zur anderen zu einer vernichtenden Kampfmaschine zu werden. Er hätte nicht nur Phillis von den Sternen getötet, sondern am Ende vielleicht auch noch alle anderen Crewmitglieder. Vielleicht hätte er in seiner Zerstörungswut auch noch ein Loch in die Außenhülle gerissen, und selbst wenn man ein Technikidiot wie er war, ahnte man doch, wozu das führen würde.

    5

    Kommandant Xirr Prromman erwachte als erster. Er war ein Mensch, ohne Frage, aber sein Körper war an einen Planeten angepasst, der anders war als der legendäre Ursprungsplanet der Menschheit Erde. Sehr viel heißer im Durchschnitt und gleichzeitig sehr viel feuchter. Die Siedler dort hatten mit der Zeit eine Art Schuppenhaut entwickelt und die grundsätzliche Körperwärme enorm reduziert, so dass sie beinahe wie Echsen zu Kaltblütern geworden waren.

    Dies hatte auch Nachteile außerhalb ihres Planeten, denn sie benötigten immer viel Wärme und vor allem Feuchtigkeit, damit ihre Schuppenhaut geschmeidig blieb. In einer trockenen Umgebung kam Kommandant Xirr Prromman nicht ohne Spezialanzug aus, der in seinem Innern eine stets hohe Feuchtigkeit garantierte.

    Jetzt war er natürlich nackt, und an Bord des bizarren Gebildes, das die Crew hochtrabend Raumschiff nannte, war es sowieso dermaßen feucht, dass eigentlich nur er selber sich richtig wohlfühlen konnte.

    Kanot Borglin hatte sich schon gefragt, ob es auf dem Heimatplaneten des Kommandanten genauso stank wie hier. Vielleicht sogar noch schlimmer? Aber er war selber noch nicht dort gewesen, in zweihundert Lebensjahren nicht. Kein Wunder, denn es waren in den vergangenen Jahrtausenden dermaßen viele Planeten besiedelt worden, ausgehend von der Zentralwelt Axarabor, dass es wohl niemanden gab, der auch nur einen Bruchteil all dieser Welten kennen konnte. Wenn sogar die Erinnerung daran verloren gegangen war, wo sich die Erde befand.

    Xirr richtete sich vorsichtig auf und griff sich kurz an den Kopf, als wäre das nötig, um sich neu zu ordnen. Dann schaute er in die Runde.

    »Ah, Phillis! Alles in Ordnung?«

    »Leider nicht!«, bekannte sie. »Totalausfall der Energieversorgung. Das Raumschiff ist nicht mehr manövrierfähig auf technischer Basis. Ausfall sämtlicher Instrumente. Ich musste für Notstrom sorgen. Mittels Generator.«

    »Und womit wird dieser betrieben?«, rief Xirr alarmiert.

    »Mit Schnaps!«

    »Wessen Schnaps? Jetzt sage bloß nicht, du hast dich an meinem privaten Vorrat vergriffen!«

    »Habe ich, leider. Mir blieb keine andere Wahl.«

    »Aber hast du auch nur die leiseste Ahnung, was du damit anrichtest? Du vernichtest ein sündhaft teures Edelgesöff, das ich mir extra für besondere Anlässe aufbewahrt habe!«

    Der Kommandant war dermaßen erschüttert, dass er sich gar nicht mehr beruhigen wollte.

    Derweil erwachten die restlichen drei Besatzungsmitglieder:

    Solan Pronn, der praktisch niemals sprach. Kanot hatte sich unterwegs mit der Raumfähre zur Orbitstation ernsthaft gefragt, ob Solan Pronn überhaupt reden konnte. Er war darüber hinaus von so schmächtiger Gestalt, dass er irgendwie zerbrechlich wirkte. Kanot hatte Bange, ihn zu berühren, weil er ihm dabei vielleicht Verletzungen zufügen konnte. Er hatte allerdings noch nicht getestet, ob dem wirklich so war.

    Baldyr Sholan, der so aussah, als sei er noch älter als Kanot Borglin, also älter als zweihundert Jahre, obwohl der Supersoldat selbst eher aussah wie erst Dreißig. Schlimmer noch bei Baldyr Sholan: Dieser ausgemergelte, total mumifiziert wirkende Körper hier, der sich Baldyr Sholan nannte, schien kürzlich erst von den Toten auferstanden zu sein, nach Jahren im dunklen Grab.

    Aber Kanot Borglin kannte den Planeten, auf dem Baldyr Sholan geboren worden war. Dort sahen alle so aus, von Kindheit an. Denn auch sie hatten sich von den frühen Siedlern ausgehend an die speziellen Umweltbedingungen angepasst: Zwei unbarmherzig strahlende Sonnen, die jedwedes irdisches Leben vernichteten, wenn es sich nicht speziell zu schützen verstand. Die ersten Siedler waren wohl ihr Leben lang vermummt geblieben, wenn sie es gewagt hatten, ihre Unterkünfte zu verlassen. Erst ihre Kindeskinder hatten dann begonnen, zu so etwas wie Einheimischen zu werden.

    Forsan Kumir, der als einziger der vier seine menschliche Erscheinungsform beibehalten hatte. Nicht nur das: Er hatte eine Figur, mit er Kanot Borglin in nichts nachstand. Kanot wusste bereits, dass er großen Wert darauf legte und regelmäßig seine Muskeln trainierte, um in Form zu bleiben. Ansonsten war er das, was man einen Schönling nannte. Kanot war sich einerseits sicher, dass er damit der Schwarm fast aller Frauen war, aber andererseits hegte er den heimlichen Verdacht, dass Forsan Kumir eher auf Männer stand. Natürlich hatte er in dieser Hinsicht noch kein endgültiges Urteil fällen können, weil er eigentlich keinen der vier wirklich kannte. Sie hatten sich ja sofort nach dem Start aus dem Orbit von Dorbanamor in die Tanks begeben und die bisherige drei Wochen lange Fahrt darin verschlafen.

    Jetzt stiegen sie aus ihren Tanks und reckten und streckten sich erst einmal ausgiebig. Wobei der Kommandant noch immer ziemlich sauer darüber erschien, dass Phillis seinen edlen Schnaps für den Stromgenerator verschwendet hatte.

    Er konnte es auch nicht lassen, Phillis noch einmal daraufhin anzupflaumen:

    »Und auf die Idee, dass du in irgendeiner anderen Unterkunft nach Schnaps suchst, bist du wohl gar nicht erst gekommen?«

    »Die Zeit drängte, Kommandant«, erwiderte Phillis ungewohnt schuldbewusst. »Du weißt ja, was passieren kann bei annähernder Lichtgeschwindigkeit im Blindflug. Selbst im scheinbar völlig leeren Raum zwischen den Sternen.«

    Der Kommandant winkte ab.

    »Geschenkt!«

    Erstaunt lupfte Kanot die Augenbrauen. Damit schien die Sache tatsächlich bereits ausgestanden zu sein? Spielte der Kommandant das nur oder verzieh er wirklich so schnell?

    Vielleicht hatte es ja auch unmittelbar mit Phillis selbst zu tun?

    Kanot beobachtete die beiden ganz genau, um herauszufinden, ob zwischen den beiden mehr lief als nur das Verhältnis zwischen Kommandanten und Crewmitglied.

    Alle gingen jetzt in Richtung Zentrale davon. Kanot, der von den vier Erwachten zu hundert Prozent ignoriert wurde, folgte ihnen zögernd.

    Er verzichtete diesmal auf die laut gestellte Frage:

    »Wo bin ich hier bloß rein geraten?«

    Weil die Antwort zumindest für ihn sowieso allzu offensichtlich war:

    »In die bodenlose Scheiße!«

    6

    Kurz schauten sich die Besatzungsmitglieder um. Dann deutete der Kommandant auf die frei stehende Mitte der Zentrale.

    Seine vier Besatzungsmitglieder wussten sogleich, was er meinte, und Kanot Borglin sah es:

    Alle fünf setzten sich jetzt im Schneidersitz zu einem Kreis zusammen und reichten sich gegenseitig die Hände.

    Eine steile Falte erschien auf der Stirn Kanots.

    Was sollte das denn jetzt?

    Da sich niemand um ihn kümmerte, als wäre er überhaupt nicht mit an Bord, blieb ihm nichts anderes übrig, als erst einmal abzuwarten und zu beobachten.

    Er setzte sich schwer in einen der zerschlissenen Kommandosessel und drehte ihn so, dass ihm nichts entgehen konnte.

    Trotzdem schien ihm alles zu entgehen, denn eigentlich geschah... gar nichts. Die fünf schlossen ihre Augen und schienen sich gleichzeitig in eine Art Trance zu versetzen. Oder waren sie jetzt nur eingeschlafen?

    Beinahe erwartete Kanot Borglin jetzt tatsächlich ein vielstimmiges Schnarchen.

    Sogar diese Erwartung blieb unerfüllt.

    Er wurde erst aufmerksam, als plötzlich an der halbrunden Instrumenten- und Monitorwand – die einzige im Übrigen ohne extra dicken Schimmelpilzbefall - die Lichter aufflackerten. Sämtliche Monitore,

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