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Banditen greifen an! Sammelband 4 Western
Banditen greifen an! Sammelband 4 Western
Banditen greifen an! Sammelband 4 Western
eBook515 Seiten6 Stunden

Banditen greifen an! Sammelband 4 Western

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Western:

Totentanz in Tombstone (John F. Beck)

Sheng und die Pokerhaie (John F. Beck)

Die verrückten Jungs von Lilac City (Glenn Sterling)

Morrison greift an (Bill Garrett)

Die Circle C-Ranch steht unter Beschuss, denn der Weidenachbar Morrison hat es sich in den Kopf gesetzt, die Ranch und damit auch die saftigen Weiden zu übernehmen. Um seine Ziele durchzusetzen, engagiert Morrison einige windige Banditen. Dann aber geht alles schief, und als die Circle C auch noch Unterstützung aus Tucson erhält, scheint der schöne Plan im Nichts aufzugehen
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum20. Feb. 2022
ISBN9783745222982
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    Buchvorschau

    Banditen greifen an! Sammelband 4 Western - John F. Beck

    John F. Beck, Bill Garrett, Glenn Stirling

    Banditen greifen an! Sammelband 4 Western

    UUID: 90191a54-5c09-4df9-adbe-801b45c987b6

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Banditen greifen an! Sammelband 4 Western

    Copyright

    Totentanz in Tombstone

    Die Hauptpersonen des Romans:

    1

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    Sheng und die Pokerhaie

    Die verrückten Jungs aus Lilac City

    Morrison greift an

    Banditen greifen an! Sammelband 4 Western

    Bill Garrett, John F. Beck, Glenn Stirling

    Dieser Band enthält folgende Western:

    Totentanz in Tombstone (John F. Beck)

    Sheng und die Pokerhaie (John F. Beck)

    Die verrückten Jungs von Lilac City (Glenn Sterling)

    Morrison greift an (Bill Garrett)

    Die Circle C-Ranch steht unter Beschuss, denn der Weidenachbar Morrison hat es sich in den Kopf gesetzt, die Ranch und damit auch die saftigen Weiden zu übernehmen. Um seine Ziele durchzusetzen, engagiert Morrison einige windige Banditen. Dann aber geht alles schief, und als die Circle C auch noch Unterstützung aus Tucson erhält, scheint der schöne Plan im Nichts aufzugehen

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

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    https://cassiopeia.press

    Alles rund um Belletristik!

    Totentanz in Tombstone

    Western von John F. Beck

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

    Als der Rancho seiner Familie überfallen, sein Vater erschossen und seine Schwester geraubt wird, macht sich Felipe Montoya auf den Weg. Er will seine Schwester befreien und seinen Vater rächen. Doch in Tombstone sind Wyatt Earp und seine Brüder, doch an die will sich der junge Mann nicht wenden, er fürchtet, dass seine Schwester dann nicht mehr lebt. Felipe lernt auf die harte Tour, dass im Grenzland harte Sitten herrschen.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author /COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    Die Hauptpersonen des Romans:

    Frank McLowry – tüftelt den teuflischen Plan aus.

    Conchita Montoya – gibt die Dame ab im tödlichen Schach um Reichtum.

    Johnny Ringo – verachtet Entführer und handelt.

    Wyatt Earp – ist es gewohnt, auf der Abschussliste zu stehen.

    Jill – verlässt sich auf ihr Näschen und tut gut daran.

    Felipe Montoya – legt sich mit den berüchtigten Arizona-Banditen an – und überlebt.

    1

    Felipe Montoya nützt den historischen Gunfight, die Schwester zu befreien

    Die maskierten Reiter trieben die Rinder durch das ausgetrocknete Flussbett. Hinter ihnen loderten Flammen in den Nachthimmel. Der Rancho Montoya brannte wie eine Fackel.

    Ein hagerer Reiter zerrte die junge Mexikanerin vor sich in den Sattel. Sie wehrte sich heftig und riss ihm das Halstuch von Mund und Nase.

    »Conchita!«, gellte eine ältere Frau, da stieß sie das Pferd eines anderen Rustlers um.

    In diesem Augenblick brach der Reiter durch das Gesträuch am Rand des Anwesens.

    Er war jung, drahtig und trug die Tracht der Vaqueros. Das breitklingige Messer im Gürtel war seine einzige Waffe.

    »Felipe, zurück! Sie töten dich sonst!«, warnte ihn die Schwester.

    Fluchend presste der Hagere die Hand auf Conchitas Lippen.

    Das knochige Gesicht und die stechenden Augen des Mannes prägten sich Felipe für immer ein.

    Die Rustler begannen nun zu schießen.

    Der Braune überschlug sich.

    Felipe kam noch rechtzeitig aus dem Sattel und rollte sich gewandt ab.

    Da feuerte der Hagere.

    Das Mündungsfeuer blendete Felipe. Er wurde halb herumgerissen und stürzte.

    »Mörder!«, schluchzte Conchita, aber die Kugel hatte Felipe nur gestreift.

    »Rhett, Jim, Dave, wo bleibt ihr?«, wehte ein ungeduldiger Ruf vom Arroyo.

    Felipe merkte sich die Namen. Hufschlag trommelte davon.

    2

    Im Morgengrauen schloss der junge Mexikaner das Grab. Die knorrigen Äste einer hundertjährigen Steineiche wölbten sich darüber. Sie war das Wahrzeichen des Rancho Montoya.

    Felipes Mutter betete. Ihr rundliches Gesicht war tränenüberströmt. Felipe schmückte das Grab mit einem schlichten Holzkreuz und Wildblumen. Danach benötigte er zwei Stunden, eins von den versprengten Pferden einzufangen, einen kräftigen Schecken, den sein Vater bevorzugt hatte. Blauer Himmel strahlte über Sonora, als Felipe aus den Hügeln zurückkehrte.

    Er hatte die Streifwunde am Kopf mit dem Halstuch verbunden. Im Gürtel steckte ein langläufiger 44er Colt, die Waffe des Vaters. Fünf Kammern waren geladen. Nur einen Schuss hatte Pablo Montoya auf die Mörder abgefeuert. Erschöpfung zeichnete Felipes Gesicht, aber in seinen Augen brannte düstere Entschlossenheit.

    Die Mauern des Rancho waren rußgeschwärzt. Verkohlte Balken überragten sie. Felipes Mutter kniete noch am Grab. Der junge Reiter blieb im Sattel.

    »Ich bring dich nach Fronteras.«

    »Ich bleib. Du darfst keine Zeit verlieren. Denk an Conchita.«

    »Ich befreie sie.«

    »Sei vorsichtig!« Die Mexikanerin stand auf und ergriff seine Hand. Ein Zittern schwang in ihrer Stimme. »Ich will nicht auch dich verlieren. Bring sie zurück, aber versuche nicht, deinen Vater zu rächen. Diese Gringo Bandidos sind schlimmer als Wölfe.«

    Felipe blickte auf das Grab.

    »Ich werde kämpfen.«

    3

    Zwölf Meilen nördlich des Rancho Montoya vereinigte sich die Spur der geraubten fünfzig Rinder mit einer größeren Herde. Die Rustler trieben über dreihundert Longhorns zur Arizona-Grenze. Ihr Ziel war das Minengebiet um Tombstone, wo in diesem Jahr 1881 die berüchtigsten Revolverhelden des Westens zusammentrafen.

    Hitzegesättigte Wildnis dehnte sich um Felipe Montoya. Er folgte der Fährte wie ein Beute witternder Wolf.

    Allmählich ging die mit Fettholzstauden und Kakteen gesprenkelte Hochebene in felsiges Gelände über. Die Silhouetten der Arizona-Berge schwammen im Hitzeglast der Ferne. Nur das Pochen der Hufe und das Knarren des Sattelleders begleiteten den Reiter.

    Ein Labyrinth von Felsrücken, ausgetrockneten Flussläufen und mit Gestrüpp bedeckten Kämmen nahm ihn auf. Am Spätnachmittag sah er den von der Rustlerherde aufgewirbelten Staub. Er hielt auf einer Anhöhe zwanzig Meilen nördlich des Rancho Montoya. Die Grenze war nahe, aber nicht so sehr, dass die Viehräuber sie noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Sie wichen nach Nordwesten aus, statt auf dem kürzesten Weg zum Skeleton Canyon zu treiben.

    Felipe erinnerte sich, dass eine Bande von Gringo-Viehdieben dort im Frühjahr von mexikanischen Vaqueros überrumpelt worden war. Der Anführer der Rustler war dabei erschossen worden. Danach hatten die Überfälle einige Zeit aufgehört. Die Montoyas hatten nicht damit gerechnet, dass auch ihre kleine Herde den Rustlern eines Tages ins Auge stechen würde.

    Die Banditen schafften in dem unwegsamen Gelände noch drei Meilen, bevor es dunkelte. Felipe entdeckte ihr Lagerfeuer in einem von felsigen Hängen umschlossenen Tal. Er ließ den Schecken am Fuß eines niedrigen Kamms zurück. Fahle Dunkelheit umgab ihn. Sterne glitzerten. Zehn Minuten später kauerte der junge Mexikaner auf dem Höhenrücken. Das Feuer brannte schräg unter ihm. Die Herde ruhte. Mesquite- und Kreosotbüsche wuchsen an einem Tümpel. Die Pferde waren angepflockt. Sie trugen noch die hochbordigen Sättel. Offenbar war das eine Routinemaßnahme. Die Rustler schienen sich unbedroht zu fühlen.

    Ein Mann bewachte den Taleingang, die anderen saßen am Feuer. Sie rauchten, tranken und unterhielten sich. Mit den breitkrempigen Stetsons, bunten Hemden und ledernen Beinschützern wirkten sie wie Cowboys, doch die tief geschnallten, langläufigen Revolver sprachen für sich. Nur zwei oder drei der Viehräuber waren über dreißig. Die Gesichter waren wettergegerbt.

    Felipe entdeckte weder seine Schwester, noch den Hageren mit der Geiernase. Auch das Pferd des Entführers, ein Schwarzbrauner mit weißem Stirnfleck, fehlte. Gelächter erscholl. Dann brachte einer ein Päckchen Spielkarten zum Vorschein.

    »Wie wär’s mit ’ner Runde?«

    »Legt euch lieber aufs Ohr«, knurrte der stoppelbärtige Anführer. Er besaß unstete Augen. »Wir treiben vor Sonnenaufgang weiter. Verdammt will ich sein, wenn ich die Greaser noch mal unterschätze, nachdem sie Old Man im Skeleton Canyon erwischten.«

    »Du siehst Gespenster, Ike.«

    »Quatsch! Aber wenn ihr euch benehmt wie im Saloon …« Hufgetrappel wehte vom Taleingang.

    »Charlie kommt!«, meldete der Posten.

    Gleich darauf erreichte ein staubbedeckter Reiter den Lichtkreis. Es war ein Mexikaner oder Halbindianer. Ein Goldring funkelte an seinem linken Ohr. Statt Stiefeln trug er Mokassins. Dem Pferd war anzusehen, dass es hart geritten worden war.

    »Wo ist Dave?«, empfing ihn der Stoppelbärtige. Dave war einer der drei, die Felipes Vater erschossen hatten. Der Mestize sprang ab. »Er kümmert sich um den Burschen, der uns folgt.« Die Männer griffen zu den Sechsschüssern. Der Ankömmling grinste. »Keine Aufregung, Amigos. Es ist nur einer – ein Greaser.«

    »Bist du sicher?«

    »Klar. Wir beobachteten ihn fast zwei Stunden, ohne jedoch auf Schussweite ranzukommen. Als es dunkelte, verloren wir ihn. Dave behauptete, dass es der Junge ist, den Rhett auf dem Rancho niederschoss.«

    Felipe schwitzte. Er hatte nicht mit Kundschaftern der Bande gerechnet. Der Fehler konnte ihn das Leben kosten. Jetzt erst begriff er, wie gefährlich die Gegner waren. Der Stoppelbärtige schimpfte: »Ich hatte Rhett gewarnt, das Girl mitzuschleppen. So was bringt nur Verdruss.«

    Der Blick des Halbindianers streifte die Talhänge.

    »Der Junge ist ein Greenhorn. Er hat keine Chance.«

    »Löscht trotzdem das Feuer! Verteilt euch und sucht ihn!«

    Die Banditen liefen auseinander. Einer scharrte Sand auf die Glut. Die Pferde stampften und prusteten. Geduckt richtete Felipe sich auf. Sein erster Impuls war, zu seinem Schecken zu rennen. Aber er durfte sich nicht einen neuen Fehler leisten. Vorsichtig schlich er den Hang hinab zu den Kiefern, unter denen sein Vierbeiner stand.

    Als Felipe die Umrisse des Pferdes sah, duckte er sich erst mal hinter einen Felsblock.

    Das Tier bewegte sich unruhig, vielleicht von dem Lärm jenseits des Höhenrückens erschreckt. Jede Faser in Felipe fieberte danach, sich in den Sattel zu schwingen. Lautlos verließ er die Deckung und drückte sich hinter einen Kiefernstamm. Steine rollten am gegenüberliegenden Hang. Hufschlag stob aus dem Tal.

    Dann bemerkte er die Gestalt, die schräg rechts hinter einem Baum kauerte, eigentlich ein klumpiger Schatten, lediglich Stetson und Gewehr waren erkennbar.

    Der Bursche lauerte auf ihn.

    Felipe schlug einen Bogen, damit er hinter ihn gelangte. Er bewegte sich katzenhaft. Der Schecke prustete.

    Felipe war vier Schritte hinter dem Kauernden, als er feststellte, dass er auf einen Trick hereingefallen war. Stetson und Gewehr waren echt. Der vermeintliche Gegner entpuppte sich als Felsbrocken, der mit einer Jacke getarnt war. Ein metallisches Knacken ertönte hinter Felipe.

    »Das war’s, Junge. lass die Kanone fallen!«

    Sekundenlang hatte der junge Mexikaner das Gefühl, in einen Abgrund zu stürzen. »Wird’s bald!«, zischte der Mann hinter ihm.

    Felipes Colt landete im Sand. Der Bandit lachte spöttisch.

    »Ich werd dich meinen Amigos vorstellen. Nimm das Pferd mit und bleib vor mir.«

    Felipe musste an dem Baum vorbei. Das Gewehr der Attrappe ruhte auf einer Astgabel. Felipe packte es und warf sich zu Boden. Daves Kugel verfehlte ihn. Fluchend schoss er abermals.

    Felipe drehte sich weg. Der dritte Schuss gehörte ihm. Er lag auf dem Rücken. Der Feuerstoß aus der Winchester leuchtete den Banditen an. Mit einem Aufschrei prallte Dave an einen Felsen. Seine Beine gaben nach. Felipe hastete zu ihm. Zum ersten Mal hatte er auf einen Gegner geschossen, aber im Moment dachte er nur an Conchita.

    »Wo ist meine Schwester?«

    »Rhett … mit ihr ausgeritten …«, verstand Felipe.

    »Wohin?«, drängte er.

    »Tombstone …« Der Kopf des Sterbenden sank nach vorn.

    Rasch suchte Felipe seinen Colt. Gleich darauf saß er im Sattel. Zwischen den Bäumen tauchten schemenhafte Reitergestalten auf.

    »Da ist er!« Schüsse blitzten.

    Felipe warf den Schecken herum und floh.

    4

    Von Sonnenaufgang an ritten sie auf seiner Spur, drei Männer mit breitrandigen Hüten, bunten Cowboyhemden und Gewehren über den Sätteln. Mehr Einzelheiten erkannte Felipe auf die Entfernung nicht.

    Eine Staubfahne hing in der heißen Luft hinter ihnen. Sie schonten die Pferde und begnügten sich damit, Felipe nach Nordwesten zu treiben, weg vom Trail der geraubten Herde und ihrem Ziel.

    Flimmernde Weite dehnte sich zum Horizont. Felskämme ragten in der Ferne empor. Die riesigen Saguarokakteen wirkten wie verzauberte Wächter. Die Sonne stieg. Der Sand in der Senke glühte wie frische Ofenasche. Felipe vermutete, dass er die Grenze bereits überquert hatte und sich in den Ausläufern der Gilawüste befand.

    Außer dem 44er besaß er nun auch Daves Winchester. Er hatte sie am Sattel festgebunden. Gegen Mittag färbte der Himmel sich dunkel. Kein Lufthauch war zu spüren.

    Nach einiger Zeit spürte Felipe ein Prickeln auf der Haut. Die Luft war so trocken, dass jeder Schweißtropfen sofort verdunstete. Felipe kannte die Zeichen und schaute sich nach einem Unterschlupf um. Die Verfolger drehten ab.

    Eine Stunde später orgelte der Sandsturm übers Grenzland. Die Welt schien in Schwärze und sturmgepeitschten Sandmassen unterzugehen.

    Felipe verkroch sich zwischen den Felsen an einer Arroyoböschung. Sie boten auch dem Pferd Schutz. Drei Stunden wütete der Sturm. Dann senkte sich gespenstische Stille auf die Wildnis. Alle Fährten waren ausgelöscht, weit und breit keine Bewegung.

    Die Banditen ahnten nicht, dass Felipe ihr Ziel kannte. Er war kein Problem mehr für sie. Felipe dagegen hatte gleich mehrere: Die Sattelflasche war leer, und ohne Wasser würden der Schecke und er den nächsten Tag nicht überstehen. Außerdem kannte Felipe die Gegend nicht. Er wusste nur, dass Tombstone irgendwo im Osten oder Nordosten lag.

    Sein einziger Wegweiser war die Sonne. Dazu kam, dass Conchitas Entführer einen Vorsprung besaßen, den er nicht aufholen konnte. Doch er gab nicht auf.

    Noch vor Einbruch der Dunkelheit fand er eine Wasserstelle, besser, der Schecke witterte sie. Felipe wäre sonst sechzig Yard entfernt daran vorbeigeritten. Felsen umschlossen sie. Gras und Fettholzstauden wuchsen dazwischen.

    Felipe hobbelte das Pferd an, damit es sich nicht zu weit entfernte, wenn er schlief. Dann wickelte er sich in die Decke. Er war so erschöpft, dass ihm gleich die Augen zufielen. Als er aufwachte, war es heller Tag.

    Zwei große, hartgesichtige Reiter hielten auf der anderen Seite des Tümpels. Ihre Kleidung war staubbedeckt. Ein Grinsen kerbte die Mundwinkel.

    Die tief gehalfterten Sechsschüsser fielen Felipe auf. Der jüngere saß auf Felipes Pferd. Etwas Wildes war in seinem Blick. Der Gefährte war breitschultrig. Die schwarz-gelockten Haare hingen über den Hemdkragen.

    »Hast ’nen gesunden Schlaf, Amigo.«

    Felipe schleuderte die Decke zur Seite. Er hatte die beiden nicht im Camp der Viehräuber gesehen.

    »Wer seid ihr!«

    »Mein Name ist William Brocius Graham. Man nennt mich auch Bill Brocius oder Curly-Bill. Bei meinem Feund ist das weniger kompliziert. Er heißt Johnny Ringo.«

    Es waren die Namen berüchtigter Revolvermänner. Einige bezeichneten sie auch als Outlaws, aber nur hinter ihrem Rücken. Der Schwarzhaarige lachte.

    »Amigo, du hast hoffentlich nichts dagegen, dass Johnny dein Pferd ausleiht.«

    »Der Teufel ist dein Amigo!«

    »Stimmt.« Curly-Bill drehte den Kopf zur Seite und spuckte aus. »Deshalb rat ich dir, vorsichtig zu sein.« Sein Blick war kalt, dann grinste er wieder. »Bandoleros verfolgen uns. Sie erschossen Johnnys Pferd. In fünf Minuten werden sie hier auftauchen. Darum haben wir’s eilig. Du brauchst keine Angst zu haben. Immerhin sind’s Landsleute von dir.«

    Felipe stand auf. Die beiden fühlten sich haushoch überlegen. Ihr Grinsen machte ihn wütend.

    »Ihr wisst genau, dass ein Mann zu Fuß hier draußen verloren ist.«

    »Vielleicht kannst du deine Compadres überreden, dir ’nen Gaul zu überlassen, wenn sie hier antanzen«, meinte Ringo achselzuckend. Er war nur wenig älter als Felipe. Ein raues Leben hatte ihn bereits geprägt. Der Kolben seines Sechsschüssers war abgewetzt. »Das ist für den Schecken, Amgio.«

    Er warf zwei Double Eagles über den Tümpel. Die Münzen fielen vor Felipes Stiefel. Seine Augen funkelten.

    »Ich pfeif drauf!«

    »Das kannst du halten, wie du willst.« Lachend wendeten sie. Sie wirkten so sorglos, dass Felipe es riskierte und zum 44er griff. Er hatte die Waffe noch nicht ganz heraus, als er in die Mündungen von zwei Colts blickte.

    Das Stampfen der Hufe setzte aus. Dann lachte Curly-Bill, aber in seinen Augen glitzerte der Tod.

    »Du hast Mut, Amigo, doch der allein genügt nicht.«

    Der Colthammer knackte unter seinem Daumen. Ringos Waffe verschwand im Holster.

    »Er ist noch verdammt jung, Bill. Wie ich damals, als ich aus Missouri kam. Gib ihm die Chance, seine Lektion zu lernen.«

    »Ich riskiere keine Kugel in den Rücken.«

    Prüfend bohrte Ringos Blick sich in Felipes Augen.

    »Er ist keiner, der ’nen Gegner von hinten erschießt.«

    Felipe umklammerte nach wie vor den Colt. Doch Ringo wandte sich ab und ritt davon. Bill zögerte noch. Dann wirbelte er lachend den Sechsschüsser um den Zeigefinger und folgte ihm.

    5

    Der Sandsturm zwang Rhett Emmery, Phin Clanton und Jim Crane aus den Sätteln. Ein ohrenbetäubendes Brüllen umgab sie.

    Zusammengekrümmt saß Conchita Montoya auf ihrem Tier. Riemen umspannten ihre Handgelenke. Der Poncho, den die Banditen ihr gegeben hatten, flatterte.

    Emmery wollte sie herabheben, doch sie stieß ihn mit dem Fuß zurück. Fluchend prallte er gegen Crane. Die Pferde standen zwischen Clanton und der Mexikanerin, die die Zügel packte und den Braunen drehte. Er riss die Winchester aus dem Scabbard.

    »Ich brauch sie lebend, Phin!«, schrie Emmery.

    »Zum Teufel mit ihr!« Clantons Waffe flog hoch. Da wurde Conchita bereits von den brodelnden Schwaden verschluckt. Phin Clanton feuerte trotzdem. Dann stampfte er mit verbissener Miene um sein Pferd herum und hielt Emmery fest, der sich wieder in den Sattel ziehen wollte.

    »Bist du wahnsinnig? Wir müssen zu den Restone Cliffs, sonst erledigt uns der Sturm.«

    »Ich wette, sie schafft keine Meile weit«, keuchte Crane. Sie zogen die Pferde mit.

    Inzwischen floh Conchita durch die sturmdurchtoste Finsternis, nur von dem Gedanken erfüllt, einen möglichst großen Abstand zwischen sich und den Entführern herzustellen. Der Sturm traf sie von der Seite. Sandkörper zerstachen ihr Gesicht, drangen unter den Poncho, rieben und kratzten. Die Fesseln scheuerten. Mit jedem Atemzug drang Staub in die Lungen. Tonnen von Sand schienen aus der Schwärze zu stürzen. Der Braune schwankte und stolperte.

    Etwas Großes, Schwarzes raste plötzlich heran, ein Knäuel verdorrter Sträucher. Das Pferd bäumte sich auf. Sein Wiehern versank im Sturm.

    Conchita verlor Zügel und Steigbügel. Eine Sandwehe fing sie auf. Als sie sich aufrappelte, war der Braune verschwunden. Der Sturm zerrte wie mit Krallen an ihr. Die Fesseln behinderten sie. Trotzdem gelang es ihr, einen Streifen vom Unterrock zu reißen und vor das Gesicht zu binden.

    Sie brauchte Deckung, besaß aber keinerlei Orientierung. Sie hätte es auch nicht bemerkt, wenn sie im Kreis lief. An manchen Stellen watete sie bis zu den Knien im Sand. Anderswo war der Boden blankgefegt. Die Schwärze schien sich noch zu verdichten. Das unablässige Brüllen betäubte sie. Immer häufiger stolperte sie.

    Dann fiel sie. Einige Sekunden hatte sie den Wunsch, liegenzubleiben. Der Sturm warf Sand auf sie. Benommen kämpfte sie sich hoch.

    Sie krümmte sich, würgte, hustete und glaubte, ersticken zu müssen. Dann ließ die Wucht des Sturms auf einmal nach.

    Das Brausen klang hohler. Ein zerklüfteter Felswall ragte vor Conchita empor. Erschöpft kroch sie in eine Nische.

    Der Sturm tobte weiter. Sand rieselte in den Spalten und Kaminen, aber Conchita war jetzt verhältnismäßig sicher. Nur hatte sie keine Ahnung, wo sie sich befand. So plötzlich wie der Sturm begonnen hatte, hörte er auf. Bleiernes Schweigen senkte sich auf die Wildnis.

    Conchita wollte nur liegenbleiben und sich ausruhen. Da fielen ihr Emmery und seine Kumpane ein. Vielleicht suchten sie bereits nach ihr. Sie kroch ins Freie. Dünen reihten sich vor ihr. Dahinter standen turmhohe Saguaros an einem Hang. Sie brauchte eine halbe Stunde, bis sie auf dem Kamm stand.

    Weit draußen im San Pedro Valley entdeckte sie die Gebäude einer Ranch.

    Hoffnung glomm in ihr auf. Sie prägte sich die Richtung ein, ehe sie die Höhe verließ. Die Nacht kam mit Kojotengeheul und Sterngefunkel. Die Beine trugen Conchita kaum mehr. Sie war durstig. Manchmal lauschte sie, aber kein Hufschlag war zu hören. Immer mühsamer setzte sie Fuß vor Fuß. Nirgends weideten Rinder. Hatte sie die Ranch verfehlt? Waren die Gebäude mit dem Windbrunnengerüst nur eine Sinnestäuschung gewesen?

    Eine Hügellücke öffnete sich vor ihr. Lampenschein füllte die Fenster des hundert Yard entfernten Ranchhauses. Im Corral standen Pferde. Es roch nach Schwefel. Heiße Quellen sprudelten am Hang.

    Conchita wollte rufen, brachte jedoch keinen Ton heraus. Schwankend näherte sie sich dem Gehöft.

    Ein Hund begann zu bellen. Dann drehte sich plötzlich alles um sie. Kräftige Arme fingen sie auf. Eine Laterne strahlte das markante Gesicht an. Der Mann war groß und dunkelhaarig.

    »Ich bin Frank McLowry, Muchacha. Das ist mein Bruder Tom.«

    Der Mann mit der Laterne ging voran. Der Dunkelhaarige trug Conchita. Die Tür stand offen.

    Conchitas Augen weiteten sich. Drinnen saßen Emmery, Clanton und Crane am Tisch.

    6

    Die Bandoleros suchten sofort nach Spuren. Es waren acht Mann, alle in schmutziges Leinenzeug gekleidet, aber die Waffen waren blitzblank. Einige trugen gekreuzte Patronengurte über den Oberkörpern. Spitzkronige Sombreros thronten auf den Köpfen. An den Sätteln hingen Gewehre und Macheten.

    Felipe hatte seine Fußabdrücke verwischt. Er kauerte wie ein von Jägern umzingeltes Tier unter einer schrägen Felsplatte. Seine Rechte krampfte sich um den 44er Colt. Curly-Bill und Johnny Ringo waren höchstens fünf Minuten fort. Im Nachhinein wünschte Felipe ihnen die Pest an den Hals. Seine »Landsleute« sahen nämlich nicht danach aus, als würden sie lange fackeln, wenn sie ihn entdeckten.

    »Ein Reiter hat hier auf sie gewartet.«

    »Dann holen wir uns eben drei Skalps.« Der bullige Anführer lenkte sein Pferd um die Wasserstelle. Der schwarze Bart und die schwarzen Zotteln, die unter dem Sombrero hervorhingen, ließen von seinem Gesicht nur Nase und Augenpartie erkennen. »Sie müssen das Silber haben, das in der Kutsche war, die wir überfielen.«

    »In den Satteltaschen des erschossenen Gauls waren nur Patronen und Proviant.«

    »Dann haben sie’s unterwegs versteckt. Wir werden’s schon aus ihnen herauskitzeln. Vamos, Muchachos!«

    Rücksichtslos trieben die Mexikaner ihre durstigen Pferde vom Tümpel weg. Katzenhaft glitt Felipe aus seinem Versteck. Die Reiter drehten ihm die Rücken zu. Der Anführer war bereits zehn Schritte voraus. Der letzte Mann der Horde befand sich dicht vor ihm.

    Mit einem Panthersatz landete Felipe hinter ihm auf dem Pferd. Sein Hieb mit dem Coltlauf schleuderte den Bandolero herab. Der Braune scheute. Sein Wiehern riss die anderen herum. Die Überraschung lähmte sie einen Moment. Dann hoben sie fluchend die Revolver.

    Felipe hielt bereits die Zügel, brachte die Füße in die von einem Lederschutz umhüllten Bügel und zog den Wallach nach rechts. Gleichzeitig feuerte er einen Schuss über die Köpfe der Reiter.

    Der Braune machte einen erschreckten Satz. Die Kugel des Anführers verfehlte den jungen Mexikaner. Die hämmernden Hufe warfen Sand und Steine auf die Gegner. Als die nächsten Schüsse krachten, verschwand Felipe hinter einem Felsen. Gleich darauf lag die Ebene vor ihm. Kugeln pfiffen ihm nach.

    Er galoppierte nach Osten. Curly-Bills und Johnny Ringos Fährte verlief vor ihm. Schießend und schreiend tauchten die Bandoleros hinter ihm auf.

    Der Braune war kräftig und zäh, aber kein Renner. Nach einer Meile riss der Pulk der Verfolger auf. Der Schwarzbart und zwei seiner Kumpane holten auf. Der Rest der Bande hielt ungefähr gleichen Abstand.

    Sie schossen jetzt nicht mehr. Mitleidlos benutzten sie die Sporen. Einige schlugen mit den Zügelenden und Sombreros auf die Tiere ein. Das Dröhnen der Hufe ließ die Erde zittern. Ein leichter Wind drückte den von den Reitern aufgewirbelten Staub seitwärts von der Spur. Saguarokakteen und Dornbüsche huschten vorbei. Hügel säumten die Ebene.

    Die Kuppen im Nordosten lagen näher als jene, zwischen den Bills und Ringos Spur verschwand. Felipe änderte die Richtung. Vielleicht entschieden der Schwarzbart und seine Kumpane sich für das wichtigere »Wild«. Aber ein Blick über die Schulter zeigte Felipe, dass die wutentbrannte Meute hinter ihm blieb. Der Abstand der Vorhut hatte sich weiter verringert.

    Die Colts krachten wieder. Felipe verzichtete darauf, zurückzuschießen. Vom galoppierenden Pferd besaß er höchstens die Chance eines Zufallstreffers. Trotzdem kamen ihm einige Kugeln gefährlich nahe. Der Braune lief gleichmäßig, aber Schweißflecken dunkelten jetzt sein Fell. An den Nüstern klebte Schaum. Die Bandoleros schienen entschlossen, ihre Gäule bis zum Zusammenbrechen anzuspornen.

    Felipe schätzte die Entfernung zu den Hängen – dreihundert Yard.

    Er wusste nicht, was lauter dröhnte: sein Herzschlag oder die Hufe. Eine Kugel streifte den rechten Steigbügel.

    Zweihundert Yard.

    »Du schaffst es, Amigo, du schaffst es!«, feuerte er den Braunen an. Er stellte sich in die Bügel und beugte sich weit vor, um sein Gewicht besser zu verlagern.

    Hundertfünfzig Yard, hundert …

    Er hörte die Verfolger wieder schreien. Die nächste Kugel zupfte an seinem Ärmel. Dann war er am Hang. Das Pferd stolperte. Die Hufe sanken ein.

    Felipe sprang ab und zog es mit! Sandfontänen spritzten um ihn. Seite an Seite preschten der Schwarzbart und seine Gefährten heran. Die anderen waren zurückgefallen.

    Mit einem Schlag auf die Hinterhand trieb Felipe den Wallach auf der anderen Hügelseite hinab. Die Bandoleros wurden völlig überrascht, als er, statt zu fliehen, sich auf ein Knie stützte und zu schießen begann. Mit der Linken umfasste er dabei das rechte Handgelenk. Der 44er blitzte und krachte.

    Der Falbe des Anführers überschlug sich. Der Reiter rechts von ihm stürzte mit ausgebreiteten Armen in den Sand. Erschrocken riss der dritte Mexikaner sein Pferd zur Seite. Sein Revolver war leergeschossen. Er feuerte mit dem Gewehr weiter.

    Felipes letzte Kugel verfehlte ihn. Hastig lud er.

    Schießend stürmte der Gegner heran. Inzwischen kam der Schwarzbart wieder auf die Füße. Er musste ebenfalls laden. Sein Karabiner war unter dem Falben eingeklemmt. Da krachte es seitlich von Felipe. Der Reiter griff sich an die Brust und kippte vom weiterstürmenden Pferd. Dann traf es den Anführer. Er fiel vornüber und rührte sich nicht mehr.

    Felipe traute seinen Augen nicht. Fünf Schritte neben ihm saß Johnny Ringo lässig auf dem Schecken. Sein Colt qualmte. Schmaläugig erwartete er die übrigen Gegner. Sie hielten jedoch, schüttelten drohend die Waffen und schrien Verwünschungen. Dann ritten sie davon. Grinsend ersetzte Ringo die abgeschossenen Patronen.

    »Die sehen wir nicht wieder. Du warst nicht schlecht, Amigo. Wenn du mir den Braunen überlässt, bekommst du deinen Schecken zurück. Bill wartet am Pirna Rock. Wir wollen nach Tombstone.«

    »Ich auch.«

    7

    Conchita hielt die Augen geschlossen. Sie lag auf einer Bank. Jemand hatte eine Decke über sie gebreitet. Raue Stimmen klangen durcheinander, Gläser klirrten.

    »Wie, zum Teufel, seid ihr bloß auf die Idee gekommen, sie mitzunehmen?« Es war die Stimme des Dunkelhaarigen. Conchita erinnerte sich an seinen Namen: Frank McLowry. Die Ranch gehörte ihm und seinem Bruder Tom.

    »Rhetts Idee«, antwortete einer der am Tisch Sitzenden. »Der verrückte Kerl will ein Zusatzgeschäft mit ihr machen und sie an eines der Rotlichthäuser von Tombstone verkaufen.«

    Die Männer lachten. Dann schimpfte Emmery: »Von wegen verrückt! Dreihundert Dollars bringt sie allemal. Seht sie euch nur an. Solche Klasseweiber gibt’s nicht viele.«

    Die Mexikanerin schauderte. Dann knarrte die Tür. Ein Pferd schnaubte vor dem Haus. Conchita spürte einen kühlen Luftzug. Schritte pochten.

    »Ist sie immer noch nicht wach?«

    »Kein Wunder. Sie ist acht Meilen gelaufen im Sandsturm.« Jim Crane lachte. »Zäh wie ’ne Wildkatze. Sei bloß vorsichtig mit ihr, Rhett.«

    Die Tür war noch offen. Conchita warf die Decke ab, sprang auf und versuchte ins Freie zu gelangen. Sie war nicht mehr gefesselt.

    Tom McLowry hängte gerade sein Gewehr an die Wand. Offenbar kam er von einem Kontrollritt. Es war Emmery, der Conchita am Arm erwischte und sie wütend gegen die Bretterwand stieß.

    »Verdammtes Miststück!« Er wollte sie schlagen. Frank fing seinen Arm ab.

    »lass sie in Ruhe!«

    Der Hagere fuhr herum. Seine Rechte umkrallte den Revolver. Es war ein eingefleischter Reflex.

    »Misch dich nicht ein!«

    In Franks dunkel gebräuntem Gesicht bewegte sich kein Muskel.

    »Vergiss nicht, dass ich hier der Boss bin, Amigo. Es wäre ein Fehler, die Muchacha nach Tombstone zu bringen. Wyatt Earp wartet nur auf ’nen Anlass, uns anzumachen. Menschenraub fällt in seine Zuständigkeit als US Deputy Marshal. Nicht mal Johnny Behan könnte uns da noch rauspauken.«

    »Zur Hölle mit Earp und seinen Brüdern! Die Besitzer der Bordelle im Chinesenviertel sind verschwiegen, und China-Mary lässt sich nicht lumpen, wenn’s drum geht, der Konkurrenz ein hübsches Girl wegzuschnappen. Ein paar Drinks, und die Muchacha weiß nicht mal mehr, wie sie heißt. Die Schlitzaugen verstehen sich auf so was.«

    »Du scheinbar auch.«

    Emmery grinste.

    »Ich bin eben nicht nur auf Rinder und Revolver spezialisiert.«

    Inzwischen hatte Tom McLowry die Tür geschlossen. Phin Clanton goss sich einen Whisky ein.

    »Ich war dagegen, dass Rhett die Puppe mitschleppt. Wir kriegen bloß Verdruss.«

    »Jetzt können wir sie nicht mehr laufenlassen«, meinte Crane. Phin trank. Er hielt das Glas mit der Linken. Seine Rechte berührte den Colt. »Das nicht.«

    Gehetzt sah Conchita von einem zum anderen. Obwohl die Outlaws englisch sprachen, verstand sie jedes Wort. Frank nickte ihr zwar beruhigend zu, aber die Kälte in seinen dunklen Augen verursachte einen Druck in ihrer Kehle.

    »Ich kauf sie dir ab, Rhett.«

    Emmery war an den Tisch getreten. Er hielt Flasche und Glas. Sein Grinsen machte ihn noch abstoßender.

    »Seit wann stehst du auf Greaser-Girls?«

    »Zweihundert Bucks, Rhett.«

    »Ihr seid ja beide verrückt!«, rief Clanton. »Was ist los mit dir, Frank? Du kannst in Tombstone so viele Girls haben, wie du willst. In allen Hautfarben. Für zehn Dollar die Nacht. Es wäre zu gefährlich, die Muchacha hierzubehalten. Wenn sie flieht …«

    »Warum sollte sie? Sie wird’s gut haben bei mir.« Frank sah die Mexikanerin an. Seine Stimme klang ruhig, aber immer noch war Kälte in seinem Blick. »Wie heißt du?«

    »Conchita Montoya. lassen Sie mich gehen, Señor. Ich werde niemand verraten, wo ich war.«

    »Du gefällst mir, Conchita. Ich werde zweihundert Dollars für dich bezahlen. Das ist viel Geld.«

    »Der Preis ist dreihundert«, unterbrach Emmery.

    »Zweihundert – dafür nehm ich dich mit ins Geschäft.«

    »Welches Geschäft?«

    »Ich weiß noch nicht genau. Aber schau dir die Muchacha doch mal genauer an, nicht bloß ihre Figur. Eine solche Ähnlichkeit gibt’s nicht wieder. Denk an Nacozari, Rhett.«

    »Hölle, du hast recht!«, stieß Emmery hervor. »Wo hatt’ ich bloß meine Augen!«

    Clanton und Crane schüttelten den Kopf.

    »Jetzt weiß ich’s!«, rief der jüngere McLowry. »Ich war damals in Nacozari auch dabei. Die Muchacha sieht aus wie die Tochter von dem reichen Haziendero, die Sheldon Floyd zur Frau nahm.

    Emmery kratzte sich am Hals. »Ich versteh trotzdem nicht, was du vorhast, Frank.«

    »Wart’s ab.«

    8

    Sie erreichten Tombstone von Süden.

    Felipe ritt zwischen Curly-Bill Brocius und Johnny Ringo. Die Sonne brannte, obwohl es Oktober war. Seit Wochen hatte es nicht geregnet. Jeder Huftritt wirbelte Staub auf. Männer und Pferde waren wie mit graugelbem Puder bedeckt. Die Stadt lag auf einem weiten, baumlosen Plateau. Die Gipfel der Dragoon Mountains verschwammen im Hitzedunst. Rauch stieg aus den Schmelzöfen der Silberminen ringsum. Seit der alte Schieffelin vor zwei Jahren die Lucky-Cuss Mine entdeckte, die pro Tonne fünfzehntausend Dollar in Silber einbrachte, hatte Tombstone sich zur berüchtigsten Boomtown des Südwestens entwickelt.

    Felipe sah die Stadt zum ersten Mal. Sie erinnerte ihn an ein in der Sonne dösendes, jederzeit zum tödlichen bissbereites Raubtier. Die großen Straßen verliefen von Ost nach West, die schmaleren Verbindungen in Nord-Süd-Richtung. Baufällige Mexikanerhütten drängten sich am Stadtrand.

    Felipe und die beiden Revolvermänner überquerten die Safford Street, gelangten in die Fremont Street und ritten am Eingang zum O.K.-Corral vorbei.

    Ein schnurrbärtiger, breitschultriger Mann trat aus dem Schatten von Flys Fotogeschäft. Er trug einen dunklen Anzug. Der Stern an seinem Jackenaufschlag blinkte.

    »City Marshal of Tombstone« war eingraviert. Die Reiter hielten. Felipe spürte die Spannung zwischen seinen Begleitern und dem Sternträger. Curly-Bills Grinsen wirkte angestrengt.

    »Sieht fast so aus, als hättest du auf uns gewartet, Earp. Was gibt’s Neues?«

    Virgil Earps Blick streifte den jungen Mexikaner, ehe er Bill ausdruckslos ansah. Dabei schob er die Daumen hinter den patronengespickten Gurt.

    »Die Kutsche nach Benson wurde wieder mal überfallen, während ihr weg wart. Seltsam, was?«

    »In der Tat, Marshal.«

    »Diesmal hatte es auch ’ne Mexikanerbande auf das Silber abgesehen. Die Burschen waren ziemlich wütend, als sie feststellten, dass sie um Minuten zu spät kamen. Der Driver erzählte, dass sie sich sofort auf die Spur der Konkurrenz setzten. Muss ’ne wilde Jagd geworden sein.«

    »Dann ist gewiss auch Wyatt irgendwo draußen unterwegs«, meinte Ringo gelassen. »Ich hab mir sagen lassen, dass er neuerdings mit jeder Kutsche Bundespost befördern lässt, damit er ’ne Handhabe zum Eingreifen bekommt. Raffinierter Dreh.«

    »Irgendwann erwischen wir die Banditen.«

    »Oder umgekehrt.« Curly-Bill lachte, aber Earp ging nicht darauf ein. Seine harten, abschätzenden Augen hefteten sich wieder auf Felipe.

    »Ein neues Gesicht in eurer Crew. Wer ist der Junge?«

    »Sie können mich fragen, Marshal. Ich spreche Englisch. Mein Name ist Felipe Montoya.«

    »Wir haben ihn an der Tinaja del Lobo aufgegabelt«, fügte Ringo hinzu. »Er wollte nach Tombstone. Angeblich sucht er ’nen Job.«

    »Du reitest in schlechter Gesellschaft, Felipe.«

    »Ansichtssache.«

    Ein weiterer Sternträger kam hinzu. Er war mittelgroß, schlank, glattrasiert und besaß ein fliehendes Kinn. Sein grauer Stadtanzug war frisch gebügelt. Trotz der Hitze trug er einen Stehkragen.

    »Ich bin Sheriff Behan. lass dich vom Marshal nicht einschüchtern, mein Junge. Er und seine Brüder bilden sich ein, dass Bill und Johnny mit den Überfällen auf die Benson-Kutsche zu tun haben, finden aber keine Beweise. Nun sind sie stocksauer. Wenn du Verdruss bekommst, halte dich an mich. Vielleicht kann ich dir auch ’nen Job verschaffen.«

    »Nicht bei den Clantons«, grinste Curly-Bill. »Die mögen keine Mexikaner, seit sie im Frühjahr ihren Alten begruben.«

    »Weshalb habt ihr ihn mitgebracht?«

    »Sagte ich schon: Wir hatten den selben Weg«, antwortete Ringo. Dann mit einem herausfordernden Blick auf Earp: »Außerdem lieh er mir sein Pferd, als eine Horde wild gewordener – Landsleute von ihm Curly und mir ans Leder wollten.«

    »Also doch.« Der Stadtmarshal von Tombstone schob die Jacke hinter den Revolvergriff.

    Ringos Grinsen glich einem Zähnefletschen.

    »Keine Ahnung, was du meinst, Earp.«

    »Macht keinen Blödsinn«, krächzte Behan nervös. »Bill, Johnny, ich lade euch zu ’nem Drink ein. Du kannst mitkommen, Junge. Ich sag Dan Bescheid, damit er eure Pferde …« Er blickte an den Reitern vorbei. »Verdammt!«

    Hufschlag pochte. Curly und Ringo lenkten die Pferde an den Straßenrand. Fahrbahn und Gehsteige waren plötzlich leer. Ein großer, schwarz gekleideter Reiter auf einem großen, rotbraunen Pferd kam die Fremont Street herab. Auch ohne den buschigen, die Mundwinkel verdeckenden Schnurrbart wäre die Ähnlichkeit mit Virgil Earp unverkennbar gewesen. Der Schatten des flachkronigen, schwarzen Huts verdeckte die Augen. Die Sonne blitzte auf dem Abzeichen am Prinz-Albert-Rock.

    Felipe hatte das Gefühl, dass ein kalter Hauch durch die Stadt strich. Alle Geräusche aus den Gebäuden und Seitengassen wirkten auf einmal merkwürdig gedämpft.

    Dann sah Felipe den Gefangenen. Er stolperte in dem Staub, den der Rotbraune aufwirbelte. Seine Hände waren gefesselt. Eine lassoschlinge lag um den Hals. Das Ende des Seils war am Sattel des Schwarzgekleideten verknotet. Felipe erkannte Conchitas Entführer, den Hageren mit der Geiernase.

    »Verdammt!«, wiederholte Curly-Bill. Warnend hob Behan die Hand. Sie warteten, bis Wyatt Earp neben seinem Bruder hielt.

    Rhett Emmery

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