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Gegenschlag der Revolverschwinger: Sammelband mit 4 Western
Gegenschlag der Revolverschwinger: Sammelband mit 4 Western
Gegenschlag der Revolverschwinger: Sammelband mit 4 Western
eBook653 Seiten9 Stunden

Gegenschlag der Revolverschwinger: Sammelband mit 4 Western

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Western:

Glenn Stirling: Das Geheimnis des Totempfahls

Glenn Stirling: Himmel und Hölle am Yellowsprings

Glenn Stirling: Der Gegenschlag

Glenn Stirling: Die Frau mit der goldenen Hand

Der US-Marshal Colorado reitet nach Hulett, um Pferdediebe dingfest zu machen. Im Saloon versucht er von zwei Cowboys mehr über die Diebstähle zu erfahren. Kurze Zeit später liegt einer der beiden Cowboys tot auf der Straße. Colorado reitet zur Ranch, auf der der Erschossene gearbeitet hat, in der Hoffnung seinen Platz einnehmen und ermitteln zu können. Als er sich bei der Besitzerin der Ranch vorstellt, trifft er auf eine schüchterne und kindlich wirkende Frau, die seinen Beschützerinstinkt weckt. Findet Colorado hier eine Spur?
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum27. Jan. 2020
ISBN9783745211580
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    Buchvorschau

    Gegenschlag der Revolverschwinger - Glenn Stirling

    Gegenschlag der Revolverschwinger: Sammelband mit 4 Western

    Glenn Stirling

    Dieser Band enthält folgende Western:

    Glenn Stirling: Das Geheimnis des Totempfahls

    Glenn Stirling: Himmel und Hölle am Yellowsprings

    Glenn Stirling: Der Gegenschlag

    Glenn Stirling: Die Frau mit der goldenen Hand

    Der US-Marshal Colorado reitet nach Hulett, um Pferdediebe dingfest zu machen. Im Saloon versucht er von zwei Cowboys mehr über die Diebstähle zu erfahren. Kurze Zeit später liegt einer der beiden Cowboys tot auf der Straße. Colorado reitet zur Ranch, auf der der Erschossene gearbeitet hat, in der Hoffnung seinen Platz einnehmen und ermitteln zu können. Als er sich bei der Besitzerin der Ranch vorstellt, trifft er auf eine schüchterne und kindlich wirkende Frau, die seinen Beschützerinstinkt weckt. Findet Colorado hier eine Spur?

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER WERNER ÖCKL

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Das Geheimnis des Totempfahls

    von Glenn Stirling

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 132 Taschenbuchseiten.

    Der US-Marshal Colorado reitet nach Hulett, um Pferdediebe dingfest zu machen. Im Saloon versucht er von zwei Cowboys mehr über die Diebstähle zu erfahren. Kurze Zeit später liegt einer der beiden Cowboys tot auf der Straße. Colorado reitet zur Ranch, auf der der Erschossene gearbeitet hat, in der Hoffnung seinen Platz einnehmen und ermitteln zu können. Als er sich bei der Besitzerin der Ranch vorstellt, trifft er auf eine schüchterne und kindlich wirkende Frau, die seinen Beschützerinstinkt weckt. Findet Colorado hier eine Spur?

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Prolog

    Die Anweisung kam vom Beauftragten des Gouverneurs und war so klar wie knapp:

    An US-Marshal Clayburn. Sofort in Marsch setzen: ein Felsen, der seines Aussehens wegen „Totempfahl" genannt wird. Bevölkerung in dieser Gegend glaubt an Geist dieses Felsens, vermutlich raffinierte Banditen, die Pferde stehlen. Diese Pferde sind ursprünglich stets für die Armee bestimmt und werden von den Banditen anderswo verkauft.

    Auftrag: Klären Sie auf, wer die angeblichen „Geister" sind, machen Sie die Pferdediebe dingfest und verhindern Sie weitere Pferdediebstähle. Lageplan und Ortsbeschreibung anbei. Der Adler ist bei diesem Einsatz nicht mitzunehmen, weil dort ein US-Marshal mit Adler bekannt. Sie müssen geheim auftreten und versuchen, Vormann der im Lageplan bezeichneten Ranch zu werden.

    Whiteman, Provost Marshal

    1

    Colorado saß in einer Ecke des Red Eye Saloons und beobachtete scheinbar teilnahmslos die übrigen Gäste. Hin und wieder trank er einen Schluck aus seinem Bierglas. Dabei ließ seine gespannte Aufmerksamkeit nicht für eine einzige Sekunde nach.

    Die Luft in der Bar war nicht nur dick vom Qualm. Sie war auch elektrisch geladen. Jeder spürte das. Wenn die Schwingtür einen neuen Gast einließ, drang ein herber, erdiger Geruch mit herein und vermischte sich mit dem Mief. Es hatte nach Tagen zum ersten Mal geregnet, eine Stunde lang nur, aber den Durst der Männer hatte der Regen nicht vermindert.

    Es war Samstag Abend.

    Der letzte Samstag im Monat. Lohntag für die Cowboys, Lohntag auch für die Arbeiter des Bergwerks drüben an den Hängen der Bear Lodge. Alles in allem ein wilder Tag für eine wilde Stadt wie Hulett.

    „Na, Fremder?, krächzte eine unsichere Stimme dicht vor Colorado. „Noch nicht genug?

    Colorado blickte gewollt schläfrig hoch. Vor ihm stand ein vierschrötiger Mann mit alkoholgerötetem Gesicht, aber klugen, dunklen Augen. Er hielt die Arme ein wenig vom Körper ab, wahrscheinlich, um besser im Gleichgewicht zu bleiben.

    „Mir schmeckt’s nach dem heißen Tag, sagte Colorado vorsichtig. „Darf ich Sie zu einem Glas einladen?

    Der vierschrötige Kerl spuckte Colorado genau vor die Fußspitzen, verwischte die Spucke mit der Schuhsohle und ließ sich dann ächzend auf dem Stuhl neben Colorado nieder.

    „Sie sind in Ordnung, Fremder, krächzte er freundlicher. „Bin übrigens Jul Sherman, Vormann auf der Tower Ranch. Und Sie?

    Das klang absolut nicht feindselig. Colorado streckte zwei Finger seiner rechten Hand hoch und nickte dem Wirt zu. Der verstand sofort und schenkte zwei neue Gläser ein. Dann antwortete Colorado bedächtig: „Freue mich, Mr. Sherman. Ich bin Colorado und fremd in Hulett. Will morgen wieder weiter. Seltsame Stimmung hier, finden Sie nicht auch?"

    Sherman griff nach dem Glas, das der Wirt wortlos vor ihn hinstellte. Er schwenkte es ein wenig und ließ sich mit der Antwort Zeit. Colorado beobachtete ihn unter halb geschlossenen Lidern.

    „Unsinn, meinte Sherman dann. „Verrückte Narren, alle miteinander. Schön, sind wieder ein paar Pferde geklaut worden. Passiert öfter in letzter Zeit. Aber sehen Sie sich mal die Hasenfüße an: Statt was dagegen zu unternehmen, reden sie von Gespenstern.

    Er lachte rau und trank dann. Sein Lachen klang nicht ganz echt. Hatte er auch Angst? Aus den Gesprächen der anderen hatte Colorado verschiedentlich etwas von Pferdediebstählen aufgeschnappt. Schließlich war er deshalb in Hulett. Aber es überraschte ihn doch, dass Sherman so direkt auf das Thema zu sprechen kam.

    Normalerweise unterhält man sich im Westen mit einem Fremden erst einmal über das Wetter, dann über das Woher und Wohin. Und ganz zuletzt über lokale Angelegenheiten.

    „So?, erkundigte sich Colorado schläfrig. „Ist es besonders schlimm geworden? Hm, ihr habt doch einen Sheriff hier, wie?

    Jul Sherman setzte das Glas hart ab und warf Colorado einen fast feindseligen Blick zu.

    „Kennen Sie den Sheriff?"

    „Ich habe ihn heute Nachmittag gesehen, als ich nach einem Hotel fragte. Wir haben zehn Worte miteinander gewechselt, das ist alles."

    „Ach so. Sherman schien befriedigt zu sein. „Ist ein lausiger Frauenheld, unser Sheriff. Sollte einem Fremden gegenüber nicht so sprechen, aber... Wie lange wollen Sie bleiben, Colorado?

    Die Fragen des Vormannes passten Colorado gar nicht. Hoffentlich weiß man hier noch nicht, dass ich gewisse Urkunden mit Unterschriften der Regierung aus Washington in der Tasche habe, dachte er.

    „Sie sind doch nicht zufällig hier, Mr. Colorado?" Es hatte beinahe den Anschein, als sei Sherman doch nicht so betrunken, wie er tat.

    „Doch, ich bin rein zufällig in Hulett, log Colorado mit aufrichtigem Augenaufschlag. „Das war nur ein Zufall. Ich bin Pferdefänger von Beruf. Hin und wieder arbeite ich als Zureiter. Das ist alles.

    Ein anderer Mann trat herzu, grüßte Jul Sherman und ließ sich ungefragt auf den dritten freien Stuhl nieder. Wie es aussah, war er ein Cowboy.

    „Hast du einen neuen Freund, der dir ein Glas spendiert?", fragte der neu hinzugekommene Bursche anzüglich.

    Colorado grinste und bestellte ihm auch ein Glas. Dann stellte er sich vor und erfuhr, dass der andere Benny Glodman hieß und auf einer Ranch in der Nähe arbeitete.

    „Danke, Mister, sagte er knapp. „Habe nämlich durch Zufall keinen einzigen Nickel mehr im Sack. Worüber habt ihr euch unterhalten, Jul?

    „Über deine sagenhafte Dummheit, Benny", antwortete der Vormann grob.

    Sofort fuhr die Faust des Cowboys zum Colt. Colorado blickte ihn scharf an, um die normale Reaktion in seinen Augen rechtzeitig zu erkennen. Man sieht es einem Mann an, wann er ziehen will.

    „Seid doch friedlich, Gentlemen, mahnte Colorado ruhig. „Für einen Streit ist’s viel zu heiß.

    Plötzlich lachte Benny Glodman auf.

    „Hast einen sonnigen Humor, mein Sohn, grölte er. „Wenn ich noch ’nen Dollar hätte, würde ich glatt die nächste Runde schmeißen. Damit könnten wir auf den berühmten Geist des Totempfahls anstoßen.

    Er lachte genauso rau wie Sherman vorhin. Aber wieder hatte Colorado den Eindruck, dass ein falscher Ton in dem Lachen lag. Shermans Gesicht verfinsterte sich.

    „Halt den Schnabel!", knurrte er unwirsch.

    ,„Man wird doch noch reden dürfen!, brauste der Cowboy auf. „Von dir lasse ich mir nicht den Mund verbieten. Ich hab’ ihn doch selbst gesehen, den Geist. Letzte Nacht hat er wieder zugeschlagen. Zwei der besten Pferde sind von unserer Ranch verschwunden.

    „Wahrscheinlich hast du Wache gehabt und geschlafen!"

    „Unsinn, ich habe nicht geschlafen, genauso wenig wie jetzt. Aber du willst alles besser wissen! Gehst der süßen kleinen Betty um den Bart und..."

    Sherman wollte blitzschnell aufspringen, aber Colorado packte sein Handgelenk und hielt es wie in einem Schraubstock fest. Zögernd ließ sich Sherman wieder auf seinen Platz sinken.

    „Sie haben einen guten Griff, Colorado, sagte er in einer Mischung aus Hochachtung und Drohung. „Aber Sie sollten das nicht noch einmal versuchen.

    „Ich will Bier trinken und nicht ein Loch in den Hut bekommen, sagte Colorado gelassen. „Wenn ihr euch schießen wollt, dann geht lieber raus. Es könnte zu leicht etwas kaputt gehen.

    Für eine Weile waren die beiden Streithähne still. Dann murmelte Glodman etwas Unverständliches, was vielleicht ein Dank für das Bier sein sollte. Er stand auf und ging weg, ohne einen Blick auf Sherman zu werfen. Colorado schaute ihm nach, bis sich die Pendeltür hinter ihm geschlossen hatte.

    „Warum reagiert er so zornig, Sherman?"

    „Weiß auch nicht. Die Kerle reden immer von einem Geist. Pferdediebe sind keine Geister. Sie haben nur manchmal gute Schutzgeister. Einen Sheriff zum Beispiel, der beide Augen zudrückt. Danke, Mister, jetzt muss ich wieder reiten. Möchte zu gern auf der Ranch sein, wenn der Geist

    kommt."

    Er lachte höhnisch und verabschiedete sich mit einem kurzen Nicken. Mit leicht schwankenden Schritten verschwand er durch die Pendeltür.

    Seltsam!, dachte Colorado. Innerhalb einer knappen halben Stunde hatte er für zwei Glas Bier mehr über die Verhältnisse in Hulett erfahren, als beim Gouverneur bekannt war. Wer mochte wohl diese Betty sein, hinter der Sherman her war? Die Rancherstochter vielleicht? Und was wusste er wirklich über den Geist vom Totempfahl, der wie ein Schreckgespenst die ganze Gegend terrorisierte?

    Eric Brushing hieß der Sheriff. Ein sehniger, junger Mann mit wachen Augen, die oft im Jähzorn aufblitzten.

    Waren Brushing und Sherman vielleicht sogar Nebenbuhler bei dem Mädchen? Oder...

    Er kam mit seinen Überlegungen nicht weiter.

    In unmittelbarer Nähe der Tür krachte ein Schuss.

    Also haben die beiden ihre Auseinandersetzung über den Geist doch draußen fortgeführt!, fuhr es Colorado durch den Sinn. Er sprang auf, warf ein Geldstück auf den Tisch und drängte sich durch den engen Raum in Richtung Tür. Er stieß mit mehreren Männern zusammen. Alle hatten den Schuss gehört. Alle drängten zur Tür.

    Hulett war eine wilde Stadt. Jede Nacht donnerten die Colts. Aber man schaute doch mal nach, wenn in unmittelbarer Nähe geschossen wurde.

    Colorado wurde zusammen mit acht,oder zehn anderen Männern auf die Straße geschoben. Andere drängten nach. Aus der offenen Pendeltür fiel ein scharf abgezeichneter Lichtfleck auf die Straße. Drei Schritte von der Tür entfernt, genau in der Mitte des hellen Rechtecks, lag ein verkrümmter Körper.

    Jul Sherman!

    Er lag mit dem Gesicht nach unten in dem zähen Brei, den der kurze Regen aus dem knöcheltiefen, rötlichen Staub der breiten Straße angerührt hatte. Er lag da und rührte sich nicht mehr.

    „He, holt mal einer den Sheriff!", schrie eine befehlende Stimme.

    „Der Sheriff ist schon da!, antwortete das helle, etwas scharf klingende Organ von Eric Brushing. „Wer ist das? Los, dreht ihn mal um!

    Colorado stand dem Toten am nächsten. Er trat einen Schritt vor und bückte sich nach Jul Sherman. Vorsichtig packte er ihn an der Schulter und drehte ihn auf den Rücken.

    „Sieh mal an, der Vormann von der Tower Ranch!, rief der Sheriff. „Na, mal musste es ihn ja erwischen. Mit wem hat er diesmal gestritten?

    Er blickte sich mit hocherhobenem Kopf um. Sein Stetson saß herausfordernd auf den langen Haaren in seinem Nacken. Ist er nun arrogant oder nur unsicher?, überlegte Colorado. Es fiel ihm auf, dass der Sheriff eigentlich etwas zu rasch an der Stelle des Mordes war.

    „Sherman hat mit dem Fremden da beisammen gesessen, berichtete jemand hinter Colorado. „Ich habe deutlich gesehen, wie sie sich gestritten haben. Mir ist fast, als hätten Sie auch von Ihnen geredet, Sheriff. Colorado blickte sich um, konnte den Sprecher aber gegen den hellen Lichtschein nicht erkennen.

    „Sind Sie nicht der Fremde, der heute Nachmittag...?"

    „Ja, mein Name ist Colorado, antwortete der US-Marshal ruhig. „Es stimmt, Mr. Sherman hat sich für ein Glas Bier an meinen Tisch gesetzt. Aber wir haben nicht gestritten. Im Gegenteil. Ich konnte eine kleine Auseinandersetzung zwischen ihm und einem gewissen Benny Glodman gerade noch verhindern.

    „Glodman?"

    „So nannte er sich."

    Eric Brushing trat dicht an Colorado heran. Er war fast einen Kopf größer und nutzte diesen Vorteil zu einem verächtlichen, abschätzenden Blick von oben herab. Die anderen verstummten und warteten, was der Sheriff sagen würde.

    „Lüge!, sagte er kalt. „Warum haben Sie ihn erschossen? Sind Sie nur deshalb nach Hulett gekommen? Colorados Miene blieb unbewegt. „Sie sind hier der Sheriff, Mr. Brushing, sagte er langsam. „Aber das gibt Ihnen nicht das Recht, einen Reisenden zu beleidigen.

    „Recht hat er", murmelte eine andere Stimme. Ein paar Männer pflichteten Colorado bei. Er spürte, dass er den größten Teil der Zuhörer auf seiner Seite hatte.

    Der Sheriff spürte das wohl auch. Es brachte ihn in Wut. An seiner Stirn sprang eine bläuliche Zornesader dick hervor. Gepresst sagte er:

    „Ich vertrete hier das Gesetz, Colorado! Vergessen Sie das nicht! Außerdem habe ich Sie etwas gefragt!"

    „Ich habe geantwortet, Sheriff."

    Die beiden maßen sich sekundenlang mit Blicken, die sich wie scharfe Messer kreuzten. Dann wandte sich Brushing plötzlich ab.

    „Schafft ihn zum Coroner, befahl er knapp. „Wer hat den Mord gesehen?

    Alle schwiegen.

    „Keiner?"

    Wieder keine Antwort. Da drehte sich Brushing noch einmal zu Colorado um: „Sie haben noch mal Glück gehabt. Aber wenn Sie wieder mal zu schnell abdrücken, dann werde ich in der Nähe sein."

    Ein erregtes Murren antwortete dem Sheriff.

    „Er hat noch bei seinem Bier gesessen, als es knallte!", rief der Wirt von der Tür aus. Colorado fand es beachtlich, dass er ihn in Schutz nahm. Einen Fremden gegen den eigenen Sheriff. War Brushing vielleicht nicht beliebt?

    Alles Fragen, auf die er innerhalb der nächsten Tage eine Antwort finden musste.

    „Sie waren näher dran, Sheriff", sagte Colorado nicht laut, aber deutlich.

    Für einen Augenblick sah es aus, als wollte sich Brushing auf ihn werfen, aber dann drehte er sich auf dem Stiefelabsatz um und stapfte davon.

    2

    Am nächsten Morgen brannte die Augustsonne schon wieder unbarmherzig auf den zähen Brei, der die Hauptstraße von Hulett bedeckte. Ein Wagen rumpelte die Straße entlang. Die hohen Räder hinterließen tiefe Furchen, deren Ränder hinter dem Fahrzeug langsam wieder einfielen. Die Hufe der Pferde erzeugten unangenehm schmatzende Geräusche.

    Colorado schaute dem Planwagen nach und verließ dann widerwillig den hölzernen Fußweg vor dem Hotel, um die Straße zu überqueren. Seine Reitstiefel versanken bis an die Knöchel. Es war fast wie eine Wanderung über ein Moor, aber gegen Mittag würde schon wieder der Staub hochfliegen.

    Sheriff Brushing lehnte am Geländer vor seinem Office und blickte Colorado mit spöttisch zusammengezogenen Brauen entgegen. Sein Stetson hing wie üblich im Nacken.

    „Guten Morgen, Sheriff", grüßte Colorado höflich.

    „Morgen, Colorado, antwortete Brushing. „Wollen Sie doch ein Geständnis ablegen?

    Colorado blieb auf der untersten Stufe stehen und fragte statt einer Antwort auf die unhöfliche Frage: „Kann ich rauf kommen?"

    „Jeder, der nichts auf dem Kerbholz hat, kann zum Sheriff kommen", brummte Brushing zurück. Er maß Colorado von Kopf bis Fuß. Dann verstärkte sich sein spöttisches Lächeln.

    „Haben Sie die Kanone von Ihrem Großvater geerbt?"

    Er spielte auf den uralten abgewetzten Colt an, der an Colorados Hüfte baumelte. Das Schießeisen sah nicht so aus, als könnte sich ein Mann darauf verlassen. Colorado wusste das, und darin lag der Trick. Denn wenn es sein musste, holte er es genau so schnell aus dem Holster wie jeder andere, schoss blitzschnell und sehr genau. Ein zweiter, sehr moderner Revolver steckte in der Satteltasche.

    „Eigentlich wollte ich mich mit Ihnen nicht über Revolver unterhalten, Sheriff, sagte Colorado langsam und kam näher. „Haben Sie Benny Glodman schon?

    „Nein."

    „Wäre vielleicht gut, wenn Sie mal mit ihm reden würden. Er war wütend auf Sherman und verließ kurz vor ihm die Bar."

    „Kommen Sie rein!", brummte der Sheriff, drehte sich um und betrat sein Office. Colorado folgte ihm durch die Schwingtür.

    Das Office war eingerichtet wie jedes andere Sheriff-Office im Westen: Neben der Tür der mit einem Vorhängeschloss gesicherte Gewehrständer, ein Schrank mit handgeschnitzter Vorderfront, in der Mitte ein alter Schreibtisch mit einem Aufbau. Darüber baumelte eine Petroleumlampe mit angesprungenem Zylinder. Gegenüber der Tür, im Hintergrund, erkannte Colorado die Gittertüren von zwei offenen Arrestzellen, die unbesetzt waren. Links zog sich eine Bank an der Wand entlang, die bis an den eisernen Ofen in der hinteren Ecke reichte. Auf dieser Bank lümmelte sich ein schlaksiger junger Mann von etwa zwanzig, oder einundzwanzig Jahren. Er begrüßte Colorado mit einem Grinsen, das sein pickeliges Gesicht auch nicht gerade schöner machte.

    „Was wollen Sie, Colorado?", fragte Brushing und ließ sich hinter dem Schreibtisch nieder.

    Colorado setzte sich unaufgefordert.

    „Hm, vielleicht eine Auskunft, Sheriff. Ich hörte, dass Sherman der Vorman der Tower Ranch war. Sherman ist tot. Glauben Sie, dass es Sinn hätte, wenn ich ...?"

    Brushings Lachen unterbrach ihn.

    „Sie sind wohl auf Betty Hellman scharf, wie?, fragte er bissig. „Einen anderen Grund können Sie doch nicht haben. Leute wie Sie drängen sich nicht gerade nach Arbeit. Aber davon lassen Sie lieber die Finger, Cowboy. Betty ist in festen Händen.

    Colorado schüttelte den Kopf. „Erstens weiß ich nicht, wer Betty Hellman ist. Zweitens habe ich doch hin und wieder gearbeitet und suche gerade einen Job. Und drittens pflege ich die Töchter meiner Lohnherren grundsätzlich in Ruhe zu lassen. Also, wie steht’s?"

    Der Boy im Hintergrund lachte meckernd. Aber weder Colorado noch der Sheriff kümmerten sich um ihn.

    Brushing betrachtete Colorado mit schräg gelegtem Kopf.

    „Manchmal weiß ich nicht, ob Sie mich nur herausfordern wollen, oder ob Sie wirklich so beschränkt sind, Colorado. Nehmen wir das zu Ihren Gunsten mal an. Er ließ offen, was er damit meinte. „Betty Hellman hat von Ihrem Vater die beste Ranch weit und breit geerbt. Auf ihren Weiden stehen an die dreitausend Stück Vieh. Ihre Pferdezucht ist überall bekannt. Aber leider versteht sie nichts davon. Das ist die Lage. Zufrieden?

    Es klang arrogant.

    „Dann ist Miss Hellman der Boss?"

    „Ja. Aber glauben Sie nicht, dass Sie leichtes Spiel haben werden. Miss Hellman steht sozusagen unter meinem persönlichen Schutz."

    „Ah!"

    Jetzt erhob sich der Sheriff langsam aus seinem Stuhl und hakte die Daumen hinter den Waffengürtel.

    „Das haben manche Leute hin und wieder vergessen, Colorado, sagte er gedehnt. „Es ist den meisten von ihnen schlecht bekommen.

    „Auch Sherman?", fragte Colorado rasch. Wieder hörte er das alberne Meckern des Jungen.

    Wie am vergangenen Abend sah Colorado die Zornesader an der Stirn des Sheriffs anschwellen. In den hellen blanken Augen zuckte ein gefährliches Feuer auf. Im nächsten Augenblick riss Brushing mit einer gedankenschnellen Bewegung den Colt heraus.

    Er brachte ihn aber nicht bis zum Anschlag. Die Mündung zeigte noch nach unten, da hatte Colorado sein Handgelenk schon mit einem harten Griff gepackt. Brushing bemühte sich keuchend, die Faust hochzubekommen. Es war, als laste ein Amboss darauf.

    Plötzlich ließ Colorado los und trat einen Schritt zurück.

    „Verzeihung, Sheriff, murmelte er lächelnd. „Ich greife nie einen Sternträger an. Aber es hätte ja leicht zu einem kleinen Unfall kommen können.

    Eric Brushing führte einen inneren Kampf gegen sich selbst, das merkte Colorado deutlich. Er war bereit, sich notfalls sofort zu verteidigen. Aber dann überraschte ihn dieser seltsame Mann erneut. Auf einmal glättete sich sein Gesicht zu einem fast freundlichen Grinsen.

    „Vergessen wir es, Colorado, brummte er wegwerfend. „Vielleicht habe ich Sie unterschätzt. Wenn Sie wollen, können Sie Betty ja mal fragen. Die Ranch liegt in der Richtung zum Totempfahl hin. Nur sechs Meilen von hier.

    „Danke, mehr wollte ich nicht wissen. So long."

    Er drehte sich um und verließ das Office. Wieder überquerte er die Straße, die sich allmählich belebte. Er schaute zur Bar hinüber. Nichts deutete darauf hin, dass dort vor ein paar Stunden ein Mord geschehen war. Aber Colorado nahm sich vor, den Mörder zu finden.

    Im Hotel, das seinen Namen eigentlich nicht verdiente, packte er rasch seine Sachen zusammen, zahlte die viel zu hohe Rechnung und ging dann in den an der Rückseite gelegenen Mietstall, um King abzuholen.

    Der Scheckhengst schnaubte warnend, als Colorado den Stall betrat. Es war ein anderer Ton als die übliche freudige Begrüßung. Blitzschnell trat Colorado hinter eine der hölzernen Säulen und blickte sich um.

    „Sie sind schnell, Mister."

    Der pickelgesichtige Junge aus dem Sheriff-Office löste sich aus einer Nische neben der Futterkiste und schlenderte mit hängenden Armen auf Colorado zu. King tänzelte unruhig in seiner Box.

    „Ein anderer hätte dir vielleicht ein Loch in die schöne Weste gemacht, mein Junge", sagte Colorado langsam und trat hinter der Säule hervor. Der Junge lachte meckernd.

    „Auf mich schießt keiner, Mister. Übrigens, ich heiße Lefty Henderson und helfe beim Sheriff aus. Na, nicht so richtig als Deputy, sondern nur als Laufbursche, Pferdejunge und so weiter."

    Colorado horchte auf. Wie der Junge das sagte, klang es verbittert und auflehnend.

    „Was willst du hier, Lefty?"

    „Sie warnen, Mister, raunte ihm Lefty geheimnisvoll zu. „Der Sheriff tut furchtbar aufgeblasen, aber in Wirklichkeit ist er eine Null. Nicht mehr. Manchmal verstehe ich nicht...

    „Verschwinde! Ich habe keine Zeit für dummes Geschwätz!", unterbrach ihn Colorado ärgerlich. Er liebte es nicht, wenn einer hinterhältig und gemein über seinen Vorgesetzten sprach.

    „Sitzen aber auf einem verdammt hohen Ross, Mister!, krächzte der Junge. „Vielleicht haben Sie meinen Rat noch mal bitter nötig. Der Sheriff hat einen Boten weggeschickt, gleich nachdem Sie fort waren. Er steht mit Leuten in Verbindung, die Ihnen auch nicht gefallen würde. Wenn ich hier Sheriff wäre...

    Er unterbrach sich und blickte mit einem schwärmerischen Ausdruck in den wässrigen Augen zur Balkendecke empor.

    „Wüsste wirklich nicht, wozu die Warnung gut sein könnte, Lefty", sagte Colorado betont gleichgültig und begann King zu satteln. Der Junge hielt sich in respektvollem Abstand von den Hufen des Hengstes und fuhr leise fort:

    „Wenn Sie den Job wirklich kriegen, Mister, dann werden Sie vielleicht an mich denken. Die Tower Ranch liegt dem Totempfahl am nächsten. Keine Angst vor Gespenstern?" Die Frage klang lauernd.

    „Nein."

    „Auch nicht vor lebenden? Vor solchen, die schnell reiten und noch schneller schießen? Die vielleicht noch durch einflussreiche Leute gedeckt werden?"

    Colorado hatte inzwischen sein Pferd fertig gesattelt. Schon wieder diese Andeutung, dieser Hinweis auf Brushing! Colorado wollte gern mehr darüber wissen, aber er durfte dem Kleinen nicht zeigen, wie gespannt er war.

    „Auch nicht, mein Sohn", antwortete er wie nebenbei und führte sein Pferd aus der Box. King tänzelte erwartungsvoll. Als er in die Nähe von Lefty Henderson kam, warf er mit missbilligendem Schnauben den Kopf hoch.

    „Schön, dann eben nicht!", brummte Lefty beleidigt, drehte sich um und verließ den Mietstall.

    Colorado machte ein nachdenkliches Gesicht, als er kurz danach das Pferd hinausführte.

    3

    Auf den ersten Blick sah die Tower Ranch nicht wie ein typischer Frauenbetrieb aus. Colorados scharfes Auge überflog Gebäude, Koppeln und Zäune und fand alles in bester Ordnung. Unwillkürlich bildete er sich eine Vorstellung von dem Mädchen, das diese große Ranch führte: Sie musste eine selbstbewusste, energische, willensstarke Person sein, die etwas von ihrem Job verstand. Es gibt viele solcher Mädchen im Westen, die durchaus ihren Mann stehen.

    Seltsam war nur, dass Colorado keinen Menschen erblickte, obgleich er bereits in das auf einer Seite offene Rechteck des Hofes einritt. Das breit und behäbig dastehende Haupthaus war von zwei flachen, aber stabilen Wirtschaftsgebäuden flankiert. In der Mitte des so entstandenen Platzes ragte der Ziehbrunnen auf.

    Plötzlich öffnete sich in der Mitte des linken Seitengebäudes eine Tür.

    Der Mann, der heraustrat, reizte Colorado zum Lachen. Er hatte viel zu kurze Beine, dafür aber endlos lange Arme. Da sich der Mann beim Gehen weit nach vorn beugte, erinnerte er unwillkürlich an einen Affen.

    „Sie sind verdammt leichtsinnig, Fremder. Aber sitzen Sie erst mal ab!, rief der Cowboy mit dünner Stimme und lachte dazu auf seltsame Weise. Es war mehr ein hohes Kichern. „Drehen Sie sich doch mal vorsichtig um. Vielleicht fallen Ihnen die beiden Pusteröhren auf, die links und rechts von den Hausecken hinter Ihnen genau auf Ihren Hut zeigen.

    Colorado blickte sich um und sah die beiden Gewehrläufe. Er sah jetzt, als er genauer hinschaute, auch an zwei Fenstern des Haupthauses versteckte Schützen. Vorsichtig saß er ab.

    „Ist ja gut, dass ich in friedlicher Absicht komme, Alter, sagte er wegwerfend. „Ich möchte Miss Hellman sprechen.

    Der alte Cowboy legte den Kopf schräg und blinzelte misstrauisch. „Was wollen Sie von der Chefin?"

    „Ich heiße Colorado und wollte nach einem Job fragen."

    „So, so, nach einem Job. Hm, wir halten nicht viel von Fremden. Das klang noch abweisender. „Übrigens, ich bin Jim Crab und vertrete augenblicklich den Vormann, ergänzte der seltsame Alte.

    „Sie werden ihn noch lange vertreten müssen, Mr. Crab, sagte Colorado bedeutungsvoll. „Unter den gegebenen Umständen eine schwierige Aufgabe für einen Mann Ihres Alters.

    In diesem Augenblick trat Betty Hellman aus der Tür des Haupthauses. Die beiden Männer verstummten. Colorado war unwillkürlich von dem Anblick dieses Mädchens so fasziniert, dass er die drohenden Gewehrläufe vergaß und seinen geschützten Platz neben King verließ.

    Das Mädchen kam langsam, beinahe zaghaft, auf ihn zu.

    „Guten Tag, Miss Hellman", grüßte Colorado und zog den Stetson. Die Gerüchte hatten nicht übertrieben. Betty Hellman war aber trotzdem ganz anders, als Colorado sie sich vorgestellt hatte.

    Vor ihm stand ein braunhaariges, schüchternes Mädchen mit einem weich geschnittenen Engelsgesicht und verträumten Kinderaugen. Etwas Schutzbedürftigeres hatte er noch nicht gesehen. Ihre Bewegungen wirkten nicht unsicher, aber irgendwie kindlich und hilfsbedürftig. Mein Gott, wie will dieses Kind mit der großen Ranch zurechtkommen?, sagte sich Colorado. Wie will sie die rauen Männer in Schach halten?

    „Hallo, Mr. Colorado!, grüßte Betty zögernd. „Sie wollten mich sprechen?

    „Sie kennen mich?"

    Ein leises Lächeln spielte um ihre weichen vollen Lippen. Nein, dieses Mädchen gehört nicht in den Westen, stellte Colorado fest. Sie sieht aus, als würde sie der nächste Windstoß umwerfen.

    „Ja, Eric hat mir einen Boten geschickt und Sie angekündigt. Ist gut, Jim. Ich möchte mich mit Mr. Colorado unterhalten. Wollen Sie nicht ins Haus kommen? Jim wird sich um Ihr Pferd kümmern."

    Sie deutete mit einer einladenden Geste zur Haustür. Colorado musste sich zusammennehmen. Er lauschte immer noch dieser warmen, klingenden Stimme, die nichts Strenges, Befehlendes an sich hatte. Dennoch nickte Jim widerspruchslos und griff nach Kings Halfter. Der Scheckhengst zuckte erst zurück, aber dann gab ihm Colorado einen entsprechenden Befehl. Er selbst folgte der Herrin der Tower Ranch ins Haus.

    Alles war hier anders, als er es gewohnt war. Für einen Augenblick glaubte er, auf einem Herrensitz viel weiter im Osten zu sein. Die Möbel waren einfach, aber wertvoll und solide gezimmert. In der Wohnstube schmückte sogar ein Bücherregal die Wand. Betty Hellman bemerkte Colorados forschenden Blick.

    „Mein Vater hat nicht viel von Büchern gehalten, erklärte sie leise. „Aber ich habe schon immer gern gelesen. Seit Vater tot ist, komme ich allerdings nicht mehr dazu. Bitte, setzen wir uns!

    Lautlos erschien ein zierliches Indianermädchen und brachte ein Tablett mit Kaffee und Keksen. Alles funktionierte absolut reibungslos. Gerade das verwirrte Colorado ein wenig.

    „Eigentlich wollte ich nach einem Job fragen, Miss Hellman, begann er vorsichtig. „Aber ich sehe, dass auch so alles...

    Er unterbrach sich, denn plötzlich neigte Betty den Kopf und weinte leise. Sie schluchzte nicht, nur die Tränen liefen ihr über die Wangen. Es war ein Bild, das Colorado rührte und ihn gleichzeitig unsicher machte.

    „Aber, Miss Hellman, versuchte er ungeschickt, sie zu beruhigen. „Was ist denn auf einmal los?

    „Verzeihung, Mr. Colorado, sagte sie mühsam beherrscht, tupfte sich die Augen mit einem kleinen bestickten Tuch ab und mühte sich tapfer um ein kleines Lächeln. „Sie haben da gerade einen sehr wunden Punkt berührt. Wenn Sie aus Hulett kommen, dann wissen Sie, was letzte Nacht passiert ist. Ich, ich bin verzweifelt.

    „Und das erzählen Sie mir, einem Fremden?"

    „Sie sind nicht fremd, Mr. Colorado. Ich habe schon viel über Sie gehört. Wenn Eric mir nicht gesagt hätte, dass Sie zu mir kommen wollten, hätte ich Ihnen heute Nachmittag einen Boten geschickt. Die Ranch braucht einen tüchtigen Vormann."

    Sie blickte ihn flehend an.

    „Sie wollten mir den Job von sich aus anbieten, Miss Hellman?", fragte Colorado erstaunt.

    „Ja, aber ich habe natürlich nicht gewusst, ob Sie annehmen würden. Sie verdienen sicher mehr, wenn Sie Pferde fangen und zureiten. Ich kann Ihnen nur das Übliche bieten. Hundertzwanzig und eine gute Unterkunft."

    Colorado winkte ab.

    „Haben Sie eine Ahnung, warum Sherman sterben musste?", fragte er, um das Thema zu wechseln. Sofort wurden ihre Augen wieder feucht.

    „Der Arme! Ja, ich weiß, antwortete sie leise. „Er hat zu viel über den Geist vom Totempfahl gewusst. Bisher ist noch jeder gestorben, der zu viel wusste, auch mein Vater..

    Sie griff wieder nach dem Tüchlein. Colorado rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und trank seine Tasse leer, um dem Mädchen etwas Zeit zu lassen. Nach einer Weile hatte sie sich wieder beruhigt. Er fragte mitfühlend:

    „Sherman hat Ihnen viel bedeutet, wie?"

    Sie wurde rot.

    „Ja, natürlich. Er war sehr tüchtig. Nur ihm habe ich es zu verdanken, dass ich die Ranch behalten konnte. Sie werden es schwer haben, Mr. Colorado. Auf der Tower Ranch arbeitet ein ziemlich wilder Haufen. Tüchtige Männer, aber eigensinnig."

    „Sagen Sie, wie setzen Sie sich eigentlich gegen die Burschen durch, Miss Hellman?"

    Sie zögerte mit der Antwort, dann murmelte sie kaum verständlich: „Eric hilft mir viel dabei ich meine der Sheriff. Er kommt alle paar Tage hier heraus. Das genügt, um den Männern zu zeigen, dass er da ist. Er hält sie in Schach. Aber jetzt... Mr. Colorado, werden Sie annehmen? Wieder dieses hilflose Klein-Mädchen-Gesicht! Colorado schluckte. „Natürlich nehme ich an, Miss Hellman. Deshalb bin ich ja gekommen. Meine Sachen habe ich gleich mitgebracht.

    Betty Hellman sprang mit einem erleichterten Seufzer auf und klatschte in die Hände. Sofort erschien das zierliche Indianermädchen wieder und schaute Betty fragend an. „Suchu, ruf mir bitte Jim!"

    „Ja, Madam", flüsterte die Kleine und verschwand. Ein seltsames Haus! Gleich darauf stolperte der alte Jim Crab über die Schwelle.

    „Ja, Miss?"

    „Jim, wie soll ich es dir sagen? Also, Mr. Colorado hat sich bereit erklärt, der neue Vormann auf der Tower Ranch zu werden. Ruf die Männer zusammen, die in der Nähe sind. Er soll es ihnen selbst sagen."

    Das klang beinahe furchtsam. Der zerknitterte Cowboy verzog das Gesicht. Er nagte an seiner Unterlippe, dann grunzte er:

    „Na, dann viel Spaß, Mister!" Damit verschwand er wieder. Es klang beinahe wie eine Drohung. Colorado merkte, dass er nicht sehr willkommen war.

    Und er ahnte, was nun kommen musste: die übliche Kraftprobe.

    4

    Neun Männer standen wie eine drohende Mauer im Halbkreis vor der Haustür, als Colorado eine halbe Stunde später wieder auf den Hof hinaustrat. Von ihren Gesichtern las Colorado eine deutliche Herausforderung ab.

    „Boys, das ist Colorado, unser neuer Vormann, verkündete die hohe dünne Stimme des alten Jim Crab. Er kicherte albern und fügte hinzu: „Er wird euch jetzt sagen, was zu tun ist.

    „Das wissen wir selbst besser", rief ein jüngerer Cowboy trotzig. Colorado ging auf ihn zu und fragte ihn freundlich:

    „So, was werden wir denn tun?" Diese direkte Frage verwirrte den Zwischenrufer. Er schwieg und blickte an Colorado vorbei. Auf ein paar anderen Gesichtern zeigte sich der erste Anflug eines schadenfrohen Lächelns.

    „Aber ich werde es euch sagen, erklärte Colorado mit gelassener Stimme. „In der Nachbarschaft sind während der vergangenen Nacht wieder Pferde gestohlen worden, wie ich in Hulett hörte. Das soll uns nicht passieren. Wir werden also unsere Wachen an den Pferdecorrals verdoppeln. Wie viel Leute haben wir?

    „Zwanzig", antwortete Jim Crab. Betty Hellman zog sich ins Haus zurück.

    „Wo sind sie?"

    „Bei den Herden natürlich, blöde Frage!", murrte einer von den anderen.

    „Gut, meinte Colorado ruhig. „Ich werde gleich anschließend mit Jim die Runde reiten und mir die Pferdekoppeln ansehen. Heute Mittag nach dem Essen teile ich dann die Wachen endgültig ein. Dann sehen wir uns wieder.

    Die Männer blieben stehen.

    „Ist noch was?", fragte Colorado mit gerunzelter Stirn.

    Ein breiter Hüne trat vor. Colorado wusste genau, was nun kommen musste. Mit pendelnden Armen blieb der Riese vor Colorado stehen und schaute verächtlich auf ihn hinunter.

    „Wir werden die Wachen nicht verdoppeln, mein Junge, sagte er drohend. „Im übrigen kommen wir auch ganz gut ohne einen neuen Vormann aus. Du wirst jetzt von hier verschwinden. Sonst geht’s dir genau wie Jul Sherman.

    „Du hast eine Kleinigkeit übersehen, Freund, antwortete Colorado gelassen. „Miss Hellman ist der Boss dieser Ranch. Sie hat mich zum Vormann gemacht. Deshalb wirst du genau das tun, was ich sage. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?

    „Gib’s ihm, Jack!", krächzte aus dem Halbkreis eine anfeuernde Stimme.

    Der Riese trat noch etwas näher. Seine rechte Hand schwebte in der Nähe des Colts. Colorado machte sich wenig Sorgen darum, denn der lange Cowboy sah ebenso wenig wie die anderen nach Revolvermann aus. Wer schwielige, verarbeitete Fäuste hat, der zieht die Waffe nicht so schnell.

    Blitzschnell schnallte Colorado seinen Waffengürtel ab und warf ihn Jim Crab hin. Der fing ihn geschickt auf und legte ihn vor seinen Füßen auf den Boden.

    „Schnall ab!", befahl Colorado ruhig.

    Der Riese zögerte. Aber nun riefen seine eigenen Kameraden von allen Seiten, er solle den Waffengürtel ablegen. Das Gefühl für Fairness ist gerade bei den rauesten Cowboys am klarsten ausgeprägt. Zögernd übergab auch der Riese Jim seine Waffe.

    „Kannst dir’s noch überlegen, mahnte Colorado. „Ich bin nicht scharf auf eine Auseinandersetzung. Aber ich verlange Gehorsam. Also?

    Statt einer Antwort rollte der Riese plötzlich heran. Die schaufelgroßen Hände schoben sich nach vorn, wollten Colorado packen, aber der stand auf einmal zwei Schritte weiter links. Jack griff ins Leere.

    Verdutzt schüttelte er den Kopf, denn er hatte das schnelle Ausweichmanöver von Colorado nicht rechtzeitig gesehen. Dann drehte er sich um und stampfte aufs neue heran.

    „Stell dich, Feigling!", schrie er heiser.

    „Gern, du Angeber!", antwortete Colorado.

    Diesmal wich er dem Angriff nicht aus. Er nahm beide Fäuste vor der Brust hoch und schlug dem Angreifer die Hände nach den Seiten auseinander. Dann setzte er ihm zwei, drei rasche Hiebe auf das Brustbein. Die Schläge kamen verdeckt und ohne Vorankündigung und nahmen dem Riesen ein wenig die Luft.

    Ein unruhiges Raunen lief durch den Kreis der Cowboys. Von dem sehnigen, normal großen Colorado hatten sie keinen so entschlossenen Widerstand erwartet.

    Wieder rollte der Hüne heran. Diesmal hatte er beide Fäuste als Deckung hochgezogen. Das eckige Kinn hing tief auf der Brust. Im letzten Augenblick holte er aus und zielte mit einem gewaltigen Heumacher nach Colorados Kopf. Der ging für den Bruchteil einer Sekunde in die Knie, ließ den Schlag über seinen Kopf weg zischen und knallte Jack gleichzeitig einen trockenen Haken in die ungedeckte Brustgrube. Der Luftzug riss Colorado zwar den Hut vom Kopf, aber Jack japste. Er sprang zurück und wollte sofort wieder zum Angriff vorgehen, da stutzte er.

    Colorado hatte sich seelenruhig nach seinem Hut gebückt, als ob der Kampf bereits entschieden sei. Mit einem tierischen Wutschrei sprang Jack ihn an.

    Colorados Bücken war allerdings nur eine Finte. Als Jack nahe genug war, ging er noch etwas tiefer, griff mit beiden Händen nach oben und ließ den Größeren mit weitem Schwung über seinen Rücken wegsausen. Jack setzte sich mit hörbarem Plumps in den Staub.

    Ein paar Männer lachten. Das war genau das richtige Schauspiel für sie. Die vorher so geschlossene Front teilte sich in zwei Parteien, die abwechselnd Colorado und Jack mit lauten Rufen anfeuerten.

    Den eigentlichen Anlass der Auseinandersetzung hatten sie längst vergessen.

    Der Hüne gab nicht auf. Er war jetzt vorsichtig geworden. Aus eng zusammengezogenen Augenschlitzen beobachtete er seinen Gegner, ging mit lauernden Schritten um ihn herum und sprang ihn dann völlig unerwartet an. Colorado wurde vom Aufprall nach hinten gerissen und fiel aufs Kreuz. Er musste einen überraschend schnell nachgeschlagenen Hieb einstecken und fühlte, wie sein linker Arm taub wurde.

    Aber er wusste, dass er sich in dieser Sekunde durchsetzen musste, wenn er sich auf der Ranch als Vormann behaupten wollte. Die Jackpartei johlte, als Colorado flach auf den Rücken fiel und die Augen schloss. Der verfrühte Triumph verblendete Jack. Er bückte sich, holte noch mal aus...

    In diesem Augenblick geschah es.

    Da schnellten Colorados Beine hoch und schleuderten den Hünen um mehrere Schritte zurück. Er fiel mitten in den Halbkreis seiner Kameraden. Aber noch bevor er den Boden berührte, war Colorado schon bei ihm, zog ihm blitzschnell die Jacke von den Schultern und riss sie nach hinten. Mit einem geschickten Griff brachte er Jack vor sich und drehte die Jackenärmel so fest zusammen, dass der Riese sich nicht mehr bewegen konnte. Er bäumte sich zwar auf wie ein wilder Hengst, aber Colorado ließ nicht mehr locker. Dankbar merkte er, dass auch in den linken Arm die Kraft zurückkehrte.

    Ein paar Cowboys spendeten lautstark Beifall.

    Da trat Jack nach hinten aus. Sein Tritt streifte nur Colorados Schienbein, aber der Schmerz durchzuckte ihn wie eine heiße Welle.

    Ein anderer Mann an Colorados Stelle hätte jetzt vielleicht in einem Wutanfall Schluss gemacht. Aber Colorado biss die Zähne zusammen, versetzte Jack einen harten Stoß in den Rücken und schleuderte ihn von sich. Erneut taumelte der Lange auf seine Kameraden zu.

    „Pack deine Sachen und verschwinde, Jack!, befahl Colorado kalt. „Du bist entlassen. Wer unfair kämpft, hat in unserer Runde nichts zu suchen.

    Sekundenlang blieb alles totenstill. Dann schrien sie alle durcheinander. Es war ein gewagtes Spiel von Colorado, aber er erkannte, dass er gewonnen hatte. Er hatte die Männer richtig eingeschätzt. Sie hielten den Hünen fest.

    „Der Vorman hat recht!, brüllte einer. „Nimm dich zusammen, Jack! Er hat gewonnen.

    Ein paar andere klatschten, Colorado wischte sich gelassen die Hände an den Hosen ab und ließ sich von Jim seinen Waffengürtel geben. Dann bückte sich Jim noch einmal und warf Jack seine Waffe zu. Der Hüne fing sie auf, stand noch einen Augenblick mit finsterer Miene da und wandte sich dann ab. Schweigend ging er weg.

    Colorado atmete auf.

    „Na?", fragte er kurz.

    Jim Crab kicherte.

    „Schätze, mein Junge, du hast gewonnen, sagte er. „Oder hat jemand etwas gegen den neuen Vormann einzuwenden?

    Es kam kein Einwand.

    „Danke, das wär’s dann, sagte Colorado kühl. „Wir sehen uns nach dem Mittagessen wieder. Sagt auch den anderen Bescheid.

    Er musste mit Mühe ein lautes Keuchen unterdrücken. Der Kampf hatte ihm mehr zugesetzt, als er sich anmerken lassen wollte.

    Aber er hatte die erste Partie gewonnen das war wichtig.

    Schon wollte er sich zum Haus umdrehen, da sagte die zynische Stimme von Sheriff Brushing:

    „Recht ordentlich gemacht, Colorado. Sie scheinen ein Raufbold zu sein. So etwas habe ich nicht gern in meinem Distrikt."

    Er trat in seiner typischen Haltung, die Daumen hinter den Gürtel gehakt, aus dem Kreis der Zuschauer auf Colorado zu. Der blieb stehen. Er blickte den jungen Sheriff kühl an.

    „Brushing, sind Sie dienstlich hier?"

    „Nein, ich wollte nur..."

    „Fein, dann verschwinden Sie wieder. Wenn ich mich nicht täusche, befinden Sie sich hier auf dem Boden der Tower Ranch. Der Sheriff ist uns jederzeit willkommen. Aber für Eric Brushing wär’s jetzt besser, wenn er verschwinden würde."

    Wieder standen sich die beiden mit drohender Miene gegenüber, wie schon gestern. Der stumme Zweikampf dauerte fast eine Minute. Brushing blickte sich leicht verstört um. Als er merkte, dass er von den anderen Männern keine Unterstützung zu erwarten hatte, sagte er:

    „Über die Beleidigung reden wir noch einmal unter vier Augen, Colorado. Wollte Ihnen eigentlich nur sagen, dass wir Glodman gefunden haben, und zwar heute morgen. Er lag drei Schritte neben Ihrer Spur, die von Hulett zur Tower Ranch führt." Damit wandte er sich brüsk ab und ging zu seinem Pferd, das gleich neben dem Ziehbrunnen wartete. Er schwang sich in den Sattel, riss den Gaul mit einer unbeherrschten Parade herum und galoppierte davon.

    Es war Colorado klar, dass er in dem Sheriff einen Feind hatte.

    In Jim Crab jedoch hatte er anscheinend einen Freund gefunden. Wenn auch einen sehr redseligen. Jim brachte Colorado in die Kammer, die er von Sherman übernehmen sollte. Während er die Sachen des toten Shermans zusammenpackte, redete er dauernd vor sich hin.

    „Ist doch seltsam, brabbelte er. „Unser früherer Vormann hat sich auch nicht mit dem Sheriff verstanden. Dir geht’s genauso, Colorado.

    „Wieso?"

    „Na, er muss doch befürchten, dass du dich um die Miss ..."

    „Quatsch!, schnitt ihm Colorado das Wort ab. „Was war wirklich zwischen Sherman und Brushing?

    „Eifersucht, was sonst?", Jim Crab kicherte.

    „Sonst nichts?"

    Langsam richtete sich der alte Cowboy auf. Aus seinen Augen war das Lachen verschwunden. Sehr ernst sagte er:

    „Ist vielleicht fairer, wenn ich dich warne. Jul war viel unterwegs. Oft auch nachts. Manchmal blieb er zwei Tage fort. Ich kann mir das nur so erklären, dass er entweder den Pferderäubern nachritt oder..." Er sprach den Satz nicht zu Ende.

    „Wie stand er zu Miss Hellman?"

    „Hm, die beiden haben sich gegenseitig geachtet, das ist alles. Betty wusste, was sie an Jul hatte. Er allein hat die Ranch in Schuss gehalten. Bei ihm war’s übrigens genau wie bei dir: Als er neu kam, da hat es erst einmal Stunk mit Jack gegeben. Aber Jack ist sonst ein prima Kerl. Kannst dich auf ihn verlassen."

    „Ich habe ihn gefeuert."

    Der Alte kicherte nur und ging nicht weiter auf diesen Punkt ein. Dann wurde er sofort wieder ernst.

    „Es gibt da ein paar Dinge, die du wissen solltest. Der alte Hellman war ein komischer Kerl. Einer von der rauen Sorte. Er hat’s auch mit dem Gesetz nicht immer ganz genau genommen. Bis er dann plötzlich mit ’ner Kugel im Kopf gefunden wurde. Keiner weiß, wer es getan hat. Damals, es ist jetzt drei Jahre her, munkelten manche Leute, er hätte Streit mit dem Sheriff gehabt."

    „Und?"

    „Hm, das kann natürlich ein Gerücht sein. Kann auch sein, dass er sich mit dem Geist vom Totempfahl..."

    „Dieses blöde Wort möchte ich nicht mehr hören", unterbrach ihn Colorado scharf.

    „Bitte!, machte Jim beleidigt. „Wollte dir ja nur helfen. Eins noch: Der alte Hellman hat noch einen Sohn, sagt man. Als der kleine Bastard so an die zehn Jahre alt war, hat ihn der Boss für mehrere Wochen hier gehabt. Aber dann musste er ihn doch wieder wegschicken. Es war nicht auszuhalten.

    Colorado horchte auf.

    „Aber, warum hat dann nicht der Sohn die Ranch geerbt?"

    „Er ist kein richtiger Sohn. Weiß der Teufel, wer die Mutter ist. Wahrscheinlich war es die Sache, die Mrs. Hellman so früh ins Grab brachte. Der Kleine hat schon mit zehn Jahren mal ein kleines Lamm so lange gewürgt ..." Er brach ab und schüttelte sich vor Grauen. Dann ging er schnell hinaus.

    Colorado starrte ihm voller Gedanken nach. Also gab es auf der Tower Ranch so manches Geheimnis. Einen Boss, der nicht ganz sauber war und eines gewaltsamen Todes starb. Einen Halbbruder von Betty, der offensichtlich ganz anders geartet war als das Mädchen. Dann die Feindschaft zwischen Sherman und dem Sheriff ...

    Colorado schüttelte die Gedanken ab und machte sich an die Arbeit. Als er den Hof betrat, stand Jim schon mit den gesattelten Pferden bereit. Sie ritten vier Stunden lang die in der Nähe gelegenen Koppeln und Weiden ab, bis sich Colorado einen ungefähren Überblick verschafft hatte.

    Pünktlich zum Mittagessen waren sie wieder zurück. Traditionsgemäß aß der Vormann mit dem Rancher, in diesem Fall mit Betty, im Herrenhaus. Das Mädchen war nicht zu sehen. Es war auch nur für eine Person gedeckt.

    „Wo ist Miss Hellman?", fragte Colorado die kleine Indianerin.

    „Sie ist ausgeritten, vor drei Stunden schon."

    „Wohin?"

    „Das weiß ich nicht, Sir. Miss Hellman sagt nie, wohin sie reitet. Vielleicht einen Besuch machen, vielleicht auch nur so..."

    „Sie ist doch nicht allein weg geritten?"

    „Doch. Miss Hellman reitet immer allein aus."

    Diese Auskunft beschäftigte Colorado während des ganzen Essens. Offensichtlich gab es doch eine ganze Menge Dinge, die er nicht wusste.

    5

    Nach dem Mittagessen teilte Colorado alle Männer, die nicht bei den Herden dringend gebraucht wurden, auf die verschiedenen Posten auf. Während diese Besprechung auf dem Hof stattfand, kam Betty zurück. Sie nickte Colorado kurz zu und verschwand im Haus.

    Die Männer fügten sich nach der überstandenen Kraftprobe widerspruchslos. Es kam noch keine rechte Wärme zwischen ihnen auf, aber Colorado spürte auch keine Feindseligkeit mehr. Keiner kam darauf zu sprechen, dass der lange Jack Portland bei der Besprechung fehlte. Dann bestiegen sie ihre Pferde und ritten hinaus. Colorado betrat das Haus und klopfte an die Wohnungstür.

    „Herein!", rief Betty mit weicher, warmer Stimme.

    Colorado trat ein und blieb an der Tür stehen.

    „Miss Hellman, sagte er sachlich. „Mich gehen Ihre Privatangelegenheiten nichts an. Aber es gefällt mir nicht, dass Sie ohne Schutz ausreiten. Sie sind die Chefin der Ranch. Als Vormann habe ich dafür zu sorgen, dass Ihnen nichts zustößt.

    Betty lächelte auf ihre hilflose Art.

    „Wer sollte mir schon etwas zuleide tun? Alle wissen, dass ich .."

    „Alle wissen, dass Sie harmlos sind, unterbrach sie Colorado hart. „Aber weiß es dieser Geist vom Totempfahl auch? Oder glauben Sie nicht an ihn?

    Betty hob erstaunt den Kopf. Ein erschrockener Ausdruck malte sich auf ihrem Gesicht. Sie setzte mehrmals zu einer Antwort an, schwieg aber dann doch.

    „Ich möchte nicht, dass man Sie findet wie Ihren Vater, sagte Colorado versöhnlicher. „Solange wir die Pferdediebe nicht gefangen und unschädlich gemacht haben, ist es für eine junge Lady zu gefährlich, allein zu reiten. Sie werden also in Zukunft einen von uns mitnehmen, Miss Hellman.

    „Gehen Sie da nicht etwas zu weit, Colorado?"

    „Möglich, aber ich will verhindern, dass die Tower Ranch am Ende überhaupt keinen Boss mehr hat. Sie können darüber nachdenken. Wenn Sie nicht jemanden mitnehmen wollen, werde ich Ihnen heimlich nachreiten und dafür sorgen, dass kein neues Unglück geschieht."

    „Sie machen sich Sorgen um mich, Colorado?", fragte sie weich.

    „Ja."

    „Seltsam, alle machen sich um mich Sorgen, meinte sie träumerisch. „Eric, Jul Sherman, jetzt auch Sie...

    Colorado hatte schon eine scharfe Antwort auf den Lippen. Aber dann drehte er sich doch um und verließ das Zimmer.

    Am Nachmittag ritt Colorado allein los. Er wollte die eingeteilten Wachen kontrollieren und sich gleichzeitig die Gegend zum Totempfahl hin genauer ansehen. Außerdem plante er noch einen Besuch, bei dem er keinen Zuhörer brauchen konnte.

    Von der Ranch führte der Weg zuerst durch hügeliges Gelände mit breiten, flachen Talmulden, in denen die Herden weideten. Fast jedes dieser Täler hatte eigene Wasserversorgung, einen kleinen Creek, eine Quelle, oder einen Teich. Es war schon ein ideales Gelände für eine Ranch. Insgeheim rechnete sich Colorado aus, dass Betty Hellman bei richtiger Beratung und besserer Bewirtschaftung gewiss den doppelten Viehbestand haben könnte.

    Er passierte zwei Posten und stellte fest, dass die Männer ihn zwar noch reserviert, aber mit einem gewissen Respekt behandelten. So einfach ist das meistens: Wenn sich einer durchgesetzt hat, dann stehen sie auf seiner Seite.

    Dann wurde der Weg steiler. King war in den Bergen sehr gut und ausdauernd. Aber nach einer weiteren Stunde ging sein Atem doch schneller. Ein paar Schaumflocken hingen ihm an den Nüstern. Colorado sah sich nach einem Rastplatz um.

    Er befand sich auf einem schmalen Pfad, der in steilen Serpentinen einen geröllbedeckten Bergrücken hinaufkletterte und oben auf einem fast runden, tellerflachen Hochplateau endete. Wie es auf der anderen Seite weitergehen würde, wusste Colorado nicht. Er war zwar schon verschiedentlich in der Gegend um die Black Hills gewesen, aber immer weiter östlich. Der Streifen Land zwischen der Ranch und der Bear Lodge war ihm fremd.

    „Na, King, sagte er aufmunternd. „Zehn Minuten müssen wir beide noch durchhalten, dann gibt’s eine Pause. Los, Alter!

    Er bückte sich und tätschelte den noch fast trockenen Hals des treuen Tieres. Diese Bewegung rettete ihm das Leben.

    Genau vor ihm blitzte der Schuss auf. Die Kugel zirpte dicht über Colorados Kopf weg,

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