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Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021
Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021
Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021
eBook1.325 Seiten18 Stunden

Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Western:

John F. Beck: Coltpoker-Larry

John F. Beck: Die letzte Kutsche nach Cheyenne

Bill Garrett: Ohne uns, Buster Tom

Bill Garrett: Revolvermarshal Cliff Copper

John F. Beck: Kutsche nach Tonopah

Wolf G. Rahn: Carringo und der Sohn des Killers

Pete Hackett: Jacob Morgans Höllentrail

Pete Hackett: Stern im Schatten des Galgens

Pete Hackett: Goldrausch am Rio Bonito

Pete Hackett: Wen Latimer in die Knie zwingt

Pete Hackett: Die Verschollene der Grand Mesa

Sechshundert Meilen weit ist Clay Lorman geritten, um den Mann zu stellen, der einmal sein bester Freund war. Mitten in der Hölle des Bürgerkriegs ist es wie ein Rausch über Rhett Clinton gekommen. Mit einer tödlichen Kugel hat er Clays Rückkehr zu Joana verhindern wollen. Doch Clay hat den heimtückischen Schuss überlebt. Nun ist es die Hölle des Indianeraufstands, in der sie sich wieder treffen. Noch einmal müssen Clay und Rhett ihre Feindschaft vergessen. Seite an Seite kämpfen sie um das Leben der Frau, die sie beide lieben. In der letzten Kutsche nach Cheyenne erfüllt sich ihr Schicksal ...
SpracheDeutsch
HerausgeberAlfredbooks
Erscheinungsdatum13. Mai 2020
ISBN9783745212402
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    Buchvorschau

    Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021 - Pete Hackett

    Roman-Paket Western Exklusiv Edition 11 Romane - Sammelband 7021

    Pete Hackett, John F. Beck, Bill Garrett, Wolf G. Rahn

    Dieser Band enthält folgende Western:

    John F. Beck: Coltpoker-Larry

    John F. Beck: Die letzte Kutsche nach Cheyenne

    Bill Garrett: Ohne uns, Buster Tom

    Bill Garrett: Revolvermarshal Cliff Copper

    John F. Beck: Kutsche nach Tonopah

    Wolf G. Rahn: Carringo und der Sohn des Killers

    Pete Hackett: Jacob Morgans Höllentrail

    Pete Hackett: Stern im Schatten des Galgens

    Pete Hackett: Goldrausch am Rio Bonito

    Pete Hackett: Wen Latimer in die Knie zwingt

    Pete Hackett: Die Verschollene der Grand Mesa

    Sechshundert Meilen weit ist Clay Lorman geritten, um den Mann zu stellen, der einmal sein bester Freund war. Mitten in der Hölle des Bürgerkriegs ist es wie ein Rausch über Rhett Clinton gekommen. Mit einer tödlichen Kugel hat er Clays Rückkehr zu Joana verhindern wollen. Doch Clay hat den heimtückischen Schuss überlebt. Nun ist es die Hölle des Indianeraufstands, in der sie sich wieder treffen. Noch einmal müssen Clay und Rhett ihre Feindschaft vergessen. Seite an Seite kämpfen sie um das Leben der Frau, die sie beide lieben. In der letzten Kutsche nach Cheyenne erfüllt sich ihr Schicksal ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

    © dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

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    Coltpoker-Larry

    Western von John F. Beck

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 133 Taschenbuchseiten.

    Big Joe Langtry hat sich durchgesetzt. Mit harter Faust hält er die riesige Ranch zusammen. Das County zittert vor ihm, bis Morrister kommt, Morrister mit seiner Bande skrupelloser Coltwölfe. Big Joe schreit nach seinem Sohn, dem jungen Larry Langtry. Aber Larry hält nicht viel davon, seinem Vater zu Hilfe zu kommen, denn in Larrys Leben sind nur vier Dinge wichtig: heißer Poker, scharfe Drinks, schöne Girls und sein schneller Colt.

    Da kreuzt Linda seinen Weg. Eine Frau wie Feuer und Eis. Mit der Kanone in der Hand rettet sie sein Leben. Ihr Preis dafür ist hoch genug. Larry soll seinen Vater retten, denn Linda will Big Joe heiraten. Die Heimkehr von Coltpoker-Larry entfesselt die Hölle ...

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    Alfred Bekker

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    1

    Der bärtige Mann legte seinen Revolver neben die auf den Tisch gebreiteten Karten. Sein Blick war drohend, sein Grinsen eine Grimasse.

    »Dreh jetzt nicht durch, mein Junge! Es ist besser, du verlierst fünfhundert Dollar als deinen Skalp.«

    Die beiden Mitspieler, die bereits gepasst hatten, erhoben sich hastig. Jeder warf noch eine Münze ins leere Glas. Dann verließen sie den Saloon, in dem es auf einmal unheilvoll still geworden war. Larry Langtry schob das hübsche, nur ein wenig zu grell geschminkte Saloonmädchen von seinen Knien und gab ihm einen Klaps aufs runde Hinterteil.

    »Such inzwischen schon eine Flasche aus, Jenny! Wir nehmen sie nachher mit auf mein Zimmer. Okay, Darling?« Er lächelte zu ihr empor und kniff ein Auge zu. Das Girl schaute ängstlich auf den Bärtigen, der schwer und massig Larry gegenübersaß, ehe es sich zur Theke zurückzog. Die Flammenröte des Sonnenuntergangs füllte die Fenster des einzigen Saloons von Redcliff. Die Männer am Tisch neben dem Treppenaufgang blickten gespannt herüber.

    Ein hagerer, finster blickender Typ, der wie ein Cowboy gekleidet war, stand sporenklirrend auf. Dornenzerkratzte Chaps umhüllten seine Beine. Ein langläufiger 45er hing tief auf seinem rechten Oberschenkel.

    »Ärger, Russ?«, fragte er laut.

    »Nichts, womit ich nicht allein fertig würde«, knurrte der Bärtige, ohne Larry aus den Augen zu lassen. »Zum Teufel, worauf wartest du, Spieler? Leg endlich deine Karten auf!«

    Larry Langtry schien als einziger die Spannung im Raum nicht zu spüren. Der junge, dunkelhaarige Mann trank erst in Ruhe seinen Whisky aus. Dann breitete er lässig sein auseinandergefächertes Pokerblatt hin. Es waren vier Zehner, eine Dame und eine Drei.

    »Vier Gleiche«, lächelte Larry jungenhaft. Seine Zähne blitzten. »Ich werde weder meine Bucks, noch meinen Skalp verlieren. So kann man sich täuschen, Mister!«

    War es Spott oder der reichlich genossene Alkohol, der seine Augen funkeln ließ? Die Hand des Bärtigen lag schwer auf dem Revolver. Seine Mundwinkel verkniffen sich.

    »Wenn ich eines nicht ausstehen kann, dann ist es ein Kerl, der seinem Kartenglück mit faulen Tricks nachzuhelfen versucht.«

    Mit einem leisen Auflachen lehnte Larry sich auf dem Stuhl zurück.

    »Wie sich das trifft! Ich hasse schlechte Verlierer.«

    Die Faust des Bärtigen umschloss blitzschnell den Revolver. Fluchend sprang er auf. Larry kippte samt Stuhl nach hinten weg. Seine Füße hebelten den Tisch hoch. Karten, Gläser, Münzen und Geldscheine wirbelten durch die Luft.

    Jennys Aufschrei versank im Dröhnen des Schusses. Das Blei aus dem Revolver des Bärtigen durchschlug die Tischplatte und fuhr neben Larry in den Boden. Zu einem zweiten Schuss kam der Mann nicht, denn ein 38er Remington lag wie hingezaubert in Larrys Faust. Schon zuckte ein Feuerstrahl über die Kante des noch in der Luft hängenden Tisches. Pulverdampf brodelte.

    Der Bärtige wurde wie von einem Kolbenschlag zurückgeworfen. Als er schwer auf die Bretter krachte, war der junge Spieler schon herumgerollt. Sein Sechsschüsser deutete auf den Mann mit den Chaps, der jetzt geduckt vor der Treppe stand. Der Kolben des 45ers lag in seiner Faust. Das Eisen war schon halb aus dem Leder.

    Larry lag mit aufgestützten Ellenbogen zwischen den Saloontischen. Seine Linke umklammerte das rechte Handgelenk. Er hatte sich mit einer Schnelligkeit bewegt, die allen den Atem verschlug.

    »Hoffentlich reicht dein Verstand so weit, dass du kapierst, was passiert, wenn du’s jetzt noch versuchst, Mister!«, warnte er scharf.

    Zuerst starrte der Hagere ihn verblüfft und erschrocken an. Dann flammte Hass in seinen Augen auf. In seiner knochigen Miene arbeitete es. Es dauerte eine Weile, ehe er die Waffe losließ. Geschmeidig richtete sich Larry auf. Sein sonnengebräuntes Gesicht wirkte jetzt älter und härter als zuvor.

    »Nur Narren werfen ihr Leben weg, weil sie’s nicht vertragen, dass ihnen beim Pokern oder bei den Girls einer über ist«, sagte er rau. »Dein Freund, Cowboy, war so ein Narr!«

    Steifbeinig setzte sich der Hagere in Bewegung. In der atemlosen Stille wirkte das Klirren seiner Sporen überlaut. Die Tritte verstummten neben dem Bärtigen, der mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken lag. Ein Kugelloch klaffte genau über seinem Herzen. Der Mann mit den Chaps atmete tief durch. Flackernd richteten sich seine Augen wieder auf den jungen Spieler und Revolvermann.

    »Soviel Glück hast du nicht zweimal. Du wirst dich noch in der Hölle verfluchen dafür.«

    Von einer Sekunde zur anderen zeigte Larry Langtry wieder sein unbeschwertes Jungenlächeln.

    »Versprich nichts, was du nicht halten kannst!«

    Ein Lauern erschien auf dem Gesicht des Hageren, als Larry so gelassen, als könnte ihm nichts mehr passieren, den Remington in die Halfter zurückschob. Seine Haltung spannte sich abermals. Doch die Erinnerung daran, wie katzenhaft schnell und wild Larry reagiert hatte, hielt ihn zurück.

    »Vielleicht hast du ’nen Namen, den ich mir merken sollte, Kartenhai«, murmelte er gepresst.

    »Solltest du!«, nickte der junge Mann. »Eigentlich heiße ich Larry Langtry, aber weiter unten im Süden gibt’s ’ne Menge Leute, die mich nur Coltpoker-Larry nennen. Kannst ja mal raten, Cowboy, warum.«

    Der Hagere fluchte. Plötzlich warf er sich herum und verließ mit langen Schritten den Saloon. Die Flügel der Schwingtür pendelten heftig. Gleich darauf hämmerte draußen Hufschlag los, der sich in Richtung zur nahen Sangre de Christo Range entfernte.

    Während alle noch wie versteinert verharrten, bückte sich Larry nach den Geldscheinen, knäulte sie achtlos zusammen und stiefelte damit zur Theke. Das blonde, vollbusige Girl starrte ihn mit immer noch erschrockenen Augen an. Schweiß perlte auf dem fleischigen Gesicht des Keepers. Larry schob ihm ein paar Scheine hin.

    »Was ist, Mac, wo bleibt der Whisky?« Er legte einen Arm um Jennys Taille und zog sie an sich. »Du weißt doch, Mac - echter Kentucky Bourbon, den besten, den du hast.«

    Die Männer am Tisch neben der Treppe bewegten sich. Zögernd und stumm kamen sie in die Saloonmitte, hoben den Toten auf und verließen nach düsteren Blicken zur Theke den Raum. Larry drehte sich nicht um. Nur sein Lächeln wirkte eine Spur kantiger. Kopfschüttelnd nahm der Saloonkeeper eine Flasche aus dem Regal.

    »Bist du betrunken oder wirklich so kaltschnäuzig wie du tust? An deiner Stelle würde ich das Geld nehmen, verschwinden und nicht anhalten, bis mindestens fünfhundert Meilen zwischen mir und Redcliff liegen. Verdammt, Langtry, weißt du denn nicht, wen du da erwischt hast?«

    Grinsend griff Larry nach der Flasche.

    »Du wirst es mir sicher erzählen, Mac. Aber nicht jetzt. Du siehst, dass ich zu tun habe.«

    Er tätschelte Jennys Schulter, von der der Träger des gewagt ausgeschnittenen Kleides gerutscht war. Der Dicke verdrehte seufzend die Augen.

    »Du liebe Zeit, bring du ihn zur Vernunft, Jenny!«

    »Nicht hier, Darling, sondern oben in meinem Zimmer«, lachte der drahtige Spieler leise. Jenny schmiegte sich an ihn. Seine Umarmung und sein Lächeln ließen sie den Geruch des Pulverdampfes und des Todes vergessen, der noch zwischen den schmucklosen Bretterwänden hing.

    »Du bist der wildeste und verrückteste Kerl, der mir je begegnet ist, Larry, und hol’s der Teufel, wahrscheinlich mag ich dich gerade deswegen so sehr! Aber Mac hat recht. So leid’s mir tut, wenn du schon wieder weiterreitest, doch hier bist du deines Lebens nicht mehr sicher. Zum Teufel, Larry, du hast ausgerechnet Russ Tamblin erschossen! Sein Bruder Scott wird die Hölle loslassen, wenn Meeker ihm berichtet, was geschah!«

    »Scott Tamblin? Nie gehört.«

    »Er haust mit ein paar rauen Kerlen droben in den Bergen«, berichtete das Saloongirl in beschwörendem Tonfall. »Niemand in Redcliff weiß, wovon diese Männer eigentlich leben, und keiner ist so neugierig, es herausfinden zu wollen. Denn wer gegen die Tamblins und ihre Anhänger auch nur ein falsches Wort fallen lässt, der muss damit rechnen, dass er nicht alt wird.«

    Larry zog mit den Zähnen den Korken aus der Flasche, spuckte ihn über die Theke und trank.

    »Meine Großmutter hat mir prophezeit, dass ich mindestens neunzig werde, und verdammt will ich sein, wenn ich irgendwelchen Gerüchten mehr Bedeutung zumesse als ihr. Jenny, mein Schatz, du willst mir doch nicht diesen prachtvollen Abend verderben, auf den ich mich so gefreut hab?«

    »Was soll ich machen, Mac? Ich bring’s einfach nicht fertig, ihn rauszuwerfen!«

    »Das wird Scott Tamblin auch viel besser und endgültiger besorgen als du«, brummte Mac wütend. »Den wickelt dieser Teufelsjunge nicht um den kleinen Finger wie dich und mich.«

    Trotzdem stellte er eine zweite Flasche hin, die Larry sich prompt unter den Arm klemmte. Dann verzog der Dicke sich murrend und kopfschüttelnd in die angrenzende Küche. Larry Langtry strahlte das Mädchen an.

    »Wenn du auch ein so goldenes Herz hast wie Mac, dieser alte Whiskypanscher, dann werde ich trotz aller Scott Tamblins dieser Welt heute noch der glücklichste Mann sein.«

    2

    Ein schussbereiter, auf ihn gerichteter Revolver hätte Coltpoker-Larry nicht so überrascht wie die hochgewachsene junge Frau, die in seinem Zimmer am Fenster stand und sich mit einem ruhigen »Hallo!« umdrehte. Große, dunkelblaue Augen und ein voller Mund beherrschten ihr klargeschnittenes Gesicht. Das kastanienfarbene Haar war zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt, und das hochgeschlossene, bis zu den Hüften enganliegende Kleid betonte noch die Rundungen ihrer makellosen Gestalt.

    Larrys Verblüffung dauerte jedoch nur einen Augenblick. Dann tauchte auf seinem scharflinigen Gesicht wieder jenes Lächeln auf, von dem er wusste, wie es auf Frauen wirkte.

    »Guten Abend, Ma’am! Ich hoffe, Sie sind auch sicher, dass Sie sich nicht im Zimmer geirrt haben.«

    Die Stimme der Fremden war so kühl wie ihr Blick.

    »Wenn Sie Coltpoker-Larry Langtry sind, dann bin ich hier goldrichtig.«

    »Zum Teufel, Larry, das ist doch die Frau, die sich heute im Zimmer nebenan eingemietet hat!«, rief Jenny ärgerlich. »Was will sie von dir?«

    »Das musst du sie schon selber fragen, Süße.« Larry grinste und gab sich keine Mühe, die Bewunderung in seinem Blick zu verbergen. Ein Blick, der an der ausdruckslosen Miene der Frau beim Fenster abzuprallen schien.

    »Mein Name ist Linda Coleman«, stellte sie sich vor. »Ich habe mit Ihnen zu reden, Langtry, mit Ihnen allein.«

    Das blonde Saloongirl hängte sich noch fester an den großen, jungen Mann.

    »Schick sie weg, Larry! Sie hat kein Recht, hier einfach reinzuplatzen und ...«

    »Es handelt sich um eine wichtige Angelegenheit, Langtry«, erklärte die Frau, ohne Jenny auch nur mit einem Blick zu beachten. »Und ich warte hier schon ziemlich lange.«

    »Reg dich nicht auf, Jenny Darling!«, sagte Larry schnell, als das Saloongirl wieder aufbrausen wollte. »Vielleicht ist es wirklich wichtig. Sei so gut, Honey, lass uns ein paar Minuten allein!«

    Jenny zog einen Schmollmund.

    »Deine paar Minuten kenne ich! Wenn du wirklich willst, dass ich wegen der da gehe, dann rechne nur ja nicht, dass du nur zu pfeifen brauchst, damit ich zurückkomme!«

    »Seien Sie unbesorgt«, sagte Linda Coleman verächtlich. »Was ich mit ihm zu besprechen habe, ist rein geschäftlich.«

    Jenny lachte schrill.

    »Ja, sicher! Und deswegen warten Sie stundenlang auf seinem Zimmer, in der Hoffnung, ihn allein zu erwischen.«

    »Sei lieb, Jenny!«, mahnte Larry. Er fingerte eine zerknitterte Banknote heraus und schob sie ihr in den Ausschnitt. »Lass dir von Mac einen Drink dafür geben! In zehn Minuten rufe ich dich, Ehrenwort.«

    Er wollte ihr noch einen Kuss auf die Wange drücken, aber sie bog den Kopf weg, riss sich los und schlug heftig die Tür hinter sich zu. Wieder reagierte die fremde Frau mit keinem Wimpernzucken. Kühl beobachtete sie, wie Larry die beiden Whiskyflaschen auf das runde Tischchen neben dem Bett stellte. Ihre Gelassenheit faszinierte und reizte ihn.

    »Wollen Sie sich nicht setzen, Miss Coleman?« Er zeigte absichtlich nicht auf einen Stuhl, sondern auf das Bett. Und als sie sich nicht rührte: »Na schön, aber Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen, wenn ich es mir ein bisschen bequem mache.«

    Die Federn knarrten, als er sich auf die Schlafstelle warf, die Hände unterm Kopf verschränkte und die Frau angrinste. Wieder kerbte sich ein verächtlicher Zug um ihren schönen Mund.

    »So habe ich Sie mir vorgestellt, Langtry: Ein Kartenhai, Revolverschwinger und Weiberheld, der sich für unwiderstehlich hält, aber nichts weiter als ein grober Flegel ist!«

    »Sind Sie hergekommen, um mich zu beleidigen, oder sind Sie nur eifersüchtig auf Jenny?«, konterte Larry spöttisch.

    »Lassen wir das!« Linda Colemans Schultern strafften sich. »Ihre Weibergeschichten interessieren mich nicht, Langtry, nur ihr schneller Revolver.«

    Larry pfiff leise durch die Zähne.

    »Daher weht also der Wind! Aber woher wussten Sie, wo Sie mich finden würden?«

    »Die Zeitung, die vor zwei Wochen über Ihre Schießerei mit Bob Harper in Springfield berichtete, brachte mich darauf, dass Sie wieder in Colorado sind. Von Springfield aus war es dann nicht mehr allzu schwer, Ihnen hierher nach Redcliff zu folgen. Ich komme von Canyon City herunter. Wenn wir uns beeilen, könnten wir übermorgen vielleicht schon dort sein.«

    »Vorausgesetzt, dass ich der Mann bin, für den Sie mich offenbar halten«, lächelte Larry glatt. »Sie scheinen ja eine Menge über mich zu wissen, nur nicht, dass ich noch nie mein Schießeisen an irgendwen vermietet habe und das auch nie tun werde. Ich hab immer nur gekämpft, wenn es um meine eigene Haut ging. Auch vorhin wieder. Außerdem ist gerade Canyon City ein Ort, um den ich sogar einen weiten Bogen schlagen würde, wenn dort ein Goldschatz vergraben läge.«

    »Ich bin nicht hier, um Ihren Revolver zu kaufen, Langtry. Es sei denn, Sie hätten vor, als Schießer in die Dienste Ihres Vaters zu treten.«

    Larry setzte sich ruckartig auf.

    »Wollen Sie mich auf den Arm nehmen oder sprechen Sie wirklich von Big Joe, der droben in diesem verdammten Nest Canyon City das Sagen hat? Dann wissen Sie nicht, dass er so ziemlich der einzige Mensch ist, den ich nie mehr in meinem Leben sehen will!«

    »Es geht ihm schlecht«, berichtete die Frau leise und ernst. »Er braucht Ihre Hilfe.«

    Larry schwang die Füße vom Bett und starrte sie verblüfft an.

    »Nun sagen Sie bloß noch, dass er Sie geschickt hat!«

    »Er weiß nicht, dass ich hier bin.«

    Coltpoker-Larry warf den Kopf zurück und lachte hart.

    »Na also! Das würde auch nicht zu ihm passen, egal, wie dreckig es ihm geht. Erzählen Sie ihm nur ja nie, auf welche Idee Sie da gekommen sind, Linda! Weiß der Henker, wie Sie zu Big Joe stehen, aber er würde es Ihnen garantiert nie verzeihen, dass Sie ausgerechnet seinen missratenen Sohn um Hilfe für ihn angingen. Außerdem, Big Joe Langtry ist nicht der Bursche, der jemals auf die Hilfe eines anderen angewiesen ist. Als ich Canyon City vor etwa sechs Jahren auf Nimmerwiedersehen verließ, hatte er die Stadt so in der Tasche, dass ihm nur noch die Krone fehlte, um dort als King zu regieren.«

    Die Frau schüttelte den Kopf.

    »Als ich ihn kennenlernte, hatte er bereits eine Menge Fehlschläge hinter sich«, sagte sie mit einem Anflug von Bitterkeit in der Stimme. »Sicher, ich weiß, dass er mal der große Boss in Canyon City war. Aber außer seinem Frachtunternehmen, mit dem er die Goldgräbersiedlungen um Salida und am Ponchapass beliefert, ist ihm nichts davon geblieben. Ein Store, ein halbes Dutzend Frachtwagen, eine Remuda Pferde und einige Männer, die nur noch um doppelten Lohn für ihn arbeiten - das ist gerade genug, ihn am Rand des Ruins zu halten.«

    »Teufel, darauf muss ich mir einen Schluck genehmigen!« Larry griff nach der entkorkten Flasche und trank. »Da hat sich in Canyon City ja allerhand getan. Und ich dachte immer, in diesem Kaff würde die Zeit stehenbleiben - weil Big Joe es so wollte.«

    Im Zimmer war es dunkler geworden. Linda Colemans Gesicht wirkte jetzt schmaler und blasser als zuvor.

    »Ein Bursche namens Dean Morrister hat sich in der Stadt, die mal Ihrem Vater gehörte, festgesetzt. Ein kieselharter Typ, der stets von einem Rudel Revolverschwinger umgeben ist und sich nicht scheut, sein Geld und seine gekauften Schießer dafür einzusetzen, sich in das von Big Joe bereitete ,Nest‘ zu setzen. Der Sheriff hat nach ein paar Überfällen und Mordanschlägen, die er nicht klären konnte, den Stern weggeworfen und das Weite gesucht. Seitdem ist Ihr Vater stündlich darauf gefasst, dass Morrister seine Maske endgültig fallen lässt und zuschlägt, um auch noch die Frachtlinie nach Westen in seine Gewalt zu bringen. Mit den paar Leuten, die Big Joe noch hat, kann er einen offenen Krieg nicht überstehen.«

    Larry starrte sie an. Ein harter Zug lag um seinen Mund.

    »Wenn Sie erwarten, dass ich jetzt in Tränen ausbreche, Ma’am, verrechnen Sie sich!« Plötzlich lachte er heiser. »Zum Henker, was glauben Sie denn, wie Big Joe damals in Canyon City an die Macht gekommen ist? Sein Motto war schon immer, dass eben Späne fallen, wo gehobelt wird. Scheint, dass er alt geworden ist. Wahrscheinlich konnte er auch nie genug Macht, Geld und Einfluss bekommen. Das musste ihm ja irgendwann mal über den Kopf wachsen. Sein Problem! Ich habe genug eigene.«

    Die Frau löste sich von der Wand neben dem Fenster. Der Saum ihres knöchellangen Kleids wippte, ihre Augen funkelten, als sie rasch in die Zimmermitte kam.

    »Ihr Vater ist einer von denen, die die Wildnis erschlossen und vielen Leuten das Leben hier draußen erst ermöglicht haben«, stieß sie heftig hervor. »Sie sollten sich schämen, so von ihm zu sprechen, nur weil Sie nie begreifen werden, dass es für einen Mann auch höhere Werte gibt als verrückte Pokerpartien, Saloonschießereien und jede Nacht ein anderes Flittchen im Bett!«

    Coltpoker-Larry grinste schief.

    »Wenn ich nicht genau wüsste, dass mein Vater sich nichts aus Frauen macht, seit Ma tot ist, würd’ ich glauben, Sie sind in ihn verliebt. Wieso setzen Sie sich eigentlich so für ihn ein?«

    »Ich bin seit einem halben Jahr seine Partnerin im Fuhrgeschäft.«

    Einen Moment war Larry Langtry sprachlos.

    »Da hat es ihn ja wirklich verteufelt erwischt!«, schnappte er dann. Er lachte glucksend. »Dieser Dean Morrister scheint es tatsächlich geschafft zu haben, ihn von seinem hohen Thron zu stürzen.«

    Zum ersten Mal zeigte sich Betroffenheit auf Linda Colemans Gesicht.

    »Sie reden ja, als würden Sie sich auch noch darüber freuen!«

    Larry stand auf. Kein Funken Spott oder Alkoholglanz war mehr in seinen dunklen Augen, als er dicht vor sie trat und sie durchdringend anblickte.

    »Ich rede von einem Mann, dessen oberstes Ziel es sein Leben lang war, reicher und mächtiger als alle anderen um sich herum zu sein. Dafür war er bereit, alles zu opfern, auch seine Familie. Sein verfluchter Ehrgeiz und seine Härte haben meine Mutter so früh ins Grab gebracht. Er hat nie begriffen, dass es Menschen gibt, denen Freiheit mehr als Geld und Unabhängigkeit mehr als Besitz bedeuten. Er war immer einer, der sich darauf verließ, mit seinem Geld und seiner Macht rücksichtslos seinen Willen durchzusetzen. Wenn’s sein musste, auch gegen den eigenen Sohn!« Mit den Fingerspitzen fuhr er die dünne Narbe nach, die sich von seiner rechten Schläfe zum Kinn hinabzog. Sein Lächeln glich dem Zähnefletschen eines Tigers. »Das habe ich damals, als ich den ganzen Krempel hinwarf und ihm klarmachte, wie satt ich es hatte, seinen Knecht zu spielen, als Andenken mit auf den Weg bekommen. Es war eine ganz gewöhnliche Fuhrmannspeitsche, die er in seinem Zorn in die Hand bekam, und ich wundere mich heute noch, wo ich die Ruhe hernahm, nicht mit einer Kugel zu antworten. Wenn ich je für irgendetwas in seiner Schuld stand, dann habe ich diese Schuld damals beglichen. Nichts und niemand könnte mich dazu bringen, für seine Pläne auch nur noch einen Finger zu rühren.«

    »Es geht um mehr als um seine Frachtroute, es geht um sein Leben!«

    »Dann sicher nur, weil er in seinem verdammten Stolz und Ehrgeiz nicht zugeben kann, dass er nun doch einmal der Unterlegene ist. Ja, ich trau’s ihm glatt zu, dass er eher sein Leben riskiert, als einem Gegner das Feld räumt!«

    »Und wenn’s so wäre!« Lindas Stimme klang wie zerspringendes Glas. »Trotz allem ist er immer noch Ihr Vater!«

    »Was wollen Sie eigentlich?« Larry kniff die Augen halb zu. »Seinen Skalp retten - oder das Geld, das Sie bei Dean Morrister gewiss besser angelegt hätten?«

    Als die Frau sich mit einem Ruck zur Tür wandte, griff er auflachend rasch nach ihrem Arm.

    »Warten Sie! Gehen Sie nicht ohne einen Versöhnungsdrink.«

    Sie funkelte ihn zornig an.

    »Sie sind ja betrunken, Langtry. Ich werde Ihre kleine Saloonnutte heraufschicken. Vergessen Sie, dass ich hier war! Big Joe wusste sicherlich, was er tat, als er Sie damals seine Peitsche spüren ließ.«

    Sie war nun doch erschrocken über die Wildheit, die ihr aus seinen Augen entgegenglühte. Er packte auch mit der zweiten Hand zu, ohne darauf zu achten, dass sie vor Schmerz das Gesicht verzog.

    »Sagen Sie so was nie wieder!«

    »Was fällt Ihnen ein!«, keuchte Linda. »Lassen Sie mich los, Sie verrückter Kerl, sonst ...«

    Er schwang sie herum. Sie stieß einen Schrei aus, als sie aufs Bett stürzte. Da war er schon mit dem Revolver in der Hand bei der Tür. Er riss sie auf. Auf dem Korridor war es mittlerweile so finster, dass er die Männer am oberen Treppenabsatz nur als verwischte Schatten sah. Jennys Warnschrei aus dem Saloon fiel mit dem Aufdonnern mehrerer Schüsse zusammen, die die Bretterwände zu sprengen drohten. Feuerlanzen zerfetzten die Dunkelheit. Knapp neben Larrys Kopf hieben drei Kugeln in den Türrahmen. Er verzog keine Miene, zielte kurz und drückte zweimal ab. Ein Schrei antwortete, Flüche schallten, Stiefel polterten.

    Wieder blitzte und donnerte es. Larry sprang ins Zimmer zurück, schlug die Tür zu und schob den Riegel vor. Achselzuckend drehte er sich zu Linda um, die bleich und wie versteinert auf dem Bett saß.

    »Sie hätten wirklich nicht herkommen sollen, Ma’am. Aber nun sehen Sie selbst, dass ich Wichtigeres zu tun habe, als mir über Big Joe und Ihre Dollars den Kopf zu zerbrechen. Wollen Sie jetzt immer noch keinen Drink?«

    »Langtry!«, schrie eine wilde Stimme am Ende des Korridors. »Es hat keinen Zweck, wenn du dich in deiner Bude verbarrikadierst! Wir erwischen dich ja doch!«

    »Bist du’s, Tamblin?«

    »Ja, zum Teufel, und ich werd’ nicht ruhen, bis du in der Hölle schmorst, du verdammter Kartenhai, nachdem du Russ umgelegt hast!«

    Larry stärkte sich mit einem Schluck aus der Flasche.

    »So kann man sich täuschen«, lächelte er sauer. »Ich wäre jede Wette eingegangen, dass mir Zeit bis morgen früh bleibt, bevor diese Kerle in die Stadt kommen. Nun sieht es so aus, als wären sie mit dem Hombre, der mir vorhin im Saloon vor die Kanone sprang, an diesem Abend hier verabredet gewesen. Pech! Für wen, muss sich allerdings noch herausstellen.« Laut rief er: »He, Tamblin, ich bin nicht allein. Die Lady bei mir hat mit der ganzen Geschichte nichts zu tun. Gib ihr ’ne Chance!«

    Das Krachen des Colts füllte wieder den Korridor. Mehrere Kugellöcher klafften plötzlich in der Tür. Larry hielt auf einmal nur mehr den gezackten Flaschenhals in der Hand. Sein Gesicht wirkte eine Spur bleicher, vielleicht war auch nur die Dämmerung daran schuld. Seine Augen funkelten.

    »Diese Burschen haben tatsächlich noch schlechtere Manieren als ich.«

    Ohne sich vom Fleck zu rühren, jagte er die restlichen Kugeln aus seinem Remington durch die geschlossene Tür. Pulverdampf hing unter der Zimmerdecke. Draußen trappelten Stiefel. Dann schrie dieselbe Stimme wie zuvor: »Wenn du nicht willst, dass der Lady was passiert, Kartenhai, dann komm raus!«

    »Ideen hat dieser Mensch!«, knurrte Larry. »Aber es wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben.«

    Linda Coleman fuhr hoch.

    »Tun Sie’s nicht! Sie werden sie töten.«

    »Sie werden es versuchen«, berichtigte Larry sie gelassen. Sie wusste nicht, ob seine Ruhe echt oder gespielt war.

    »Eine Minute, Langtry, dann machen wir Kleinholz aus dem Bau!«, dröhnte Scott Tamblin entschlossen.

    Coltpoker-Larry lud seinen Revolver nach. Die letzten Sonnenstrahlen auf den Dächern von Redcliff verblassten. Seit der erste Schuss gefallen war, lag die kleine Stadt wie ausgestorben. Es war nicht neu für Larry, dass hier kein Mensch daran dachte, für einen in der Klemme steckenden fremden Spieler eine Hand zu rühren.

    Da drang ein leiser Pfiff vom Hinterhof herauf. Schnell trat Larry ans Fenster. Drunten stand Mac, der Keeper, die Zügel von Larrys gesatteltem Pferd in der Hand. Er winkte verschwörerisch. Dann huschte er davon. Larry lächelte.

    »Es gibt doch noch wahre Freunde.« Er nahm alles Geld, das er in der Tasche hatte, legte es auf den Tisch und stellte die zweite, heilgebliebene Whiskyflasche darauf. Ruhig blickte er die Frau an.

    »Keine Sorge, Ihnen wird nichts passieren, wenn ich weg bin. Sagen Sie Mac meinen besten Dank, und wenn Sie sich überwinden können, dann grüßen Sie auch Jenny von mir.«

    »Noch dreißig Sekunden, Langtry!«, trieb Scott Tamblins zornige Stimme herein. »Glaub ja nicht, ich bluffe nur!«

    Larry öffnete das Fenster. Stirnrunzelnd schätzte er die Tiefe. Linda lief zu ihm.

    »Um Himmels willen, Sie werden sich das Genick brechen!«

    Er lächelte schon wieder, als er sich umdrehte und auf ihre schmale Hand schaute, die auf seinem Arm lag. »Nicht, wenn Sie mir zum Abschied einen Kuss verehren, Ma'am.«

    »Ach, gehen Sie zum Teufel, Sie eingebildeter Kerl!«, fauchte die Frau und wich rasch zurück. Leise lachend schwang Coltpoker-Larry sich aufs Fensterbrett.

    »Bin schon unterwegs.«

    3

    Als der Mond über die Kimm stieg, leuchteten die Planendächer der drei schwerfällig rumpelnden Frachtwagen wie Schiffssegel in dem Gewirr der Felsen und Hügel südlich von Canyon City. Big Joe Langtry, der neben dem vordersten Gespann ritt, fluchte leise. Er warf einen wilden Blick auf den grasbewachsenen Höhenrücken zurück, von dem sie in den seichten Creek herabgekommen waren. Aber darüber hingen nur weiße Wolkenfetzen in einem Meer von Sternen.

    In Langtrys Ohren lag immer noch das Hufgedröhn der Reiter, die in den Tälern und Schluchten um Canyon City nach ihnen suchten. Das Malmen des Kieses unter den Hufen und Wagenrädern erschien ihm verräterisch laut. Tief eingeschnitten schlängelte sich das Bett des Bluebird Creeks nach Westen, dem Gebirge zu, dessen gezackter Wall drohend vor dem Nachthimmel stand.

    Der breitschultrige Frachtwagenboss zügelte sein Pferd im nur kniehohen Wasser. Mit dem Stiel der zusammengerollten Peitschte deutete er auf eine leicht überhängende Felswand.

    »Da hinüber, beeilt euch, Leute!«

    Ein Netz glitzernder Schweißperlen bedeckte sein Gesicht. Es war das breitflächige, von scharfen Linien durchfurchte Gesicht eines Fünfzigjährigen. Ein hartes und herrisches Leben hatte ihm seinen Stempel aufgedrückt. Die derbe Kleidung unterschied Joe Langtry zwar nicht von den Männern, die verkrampft und mit angespannten Mienen auf den Planwagen saßen, jeder die Zügel in der einen, die Peitsche in der anderen Hand. Doch Big Joes Haltung, sein Blick und seine Stimme verrieten, wie selbstverständlich er es fand, dass sie jedem seiner Befehle schweigend gehorchten.

    Auch jetzt, als die schwer beladenen Fahrzeuge im Wasser dicht an der Steilwand hielten, sprach niemand. Tiefer Schatten umhüllte sie. Zuletzt kam Langtry heran. Sie lauschten. Kein Hufschlag mehr. Nur das sanfte Murmeln des Creeks, in dem sie ihre Fährte zu verwischen versuchten, seit sie vor zwei Stunden heimlich wie Diebe Canyon City verlassen hatten.

    Plötzlich wehte das Knattern ferner Schüsse über die Höhen. Ein Geräusch, als würden Steine auf ein Blechdach prasseln. Auf dem vorderen Wagen richtete sich Luke Enfield ruckartig aus seiner zusammengesunkenen Haltung auf.

    »Großer Himmel, sie haben Bob Healy und seine Jungs erwischt!«, keuchte der stämmige Mann.

    Big Joe presste die Lippen zusammen, als sich das Hämmern der Detonationen zu einem wilden Stakkato steigerte. Plötzlich setzte es aus. Als alle glaubten, dass nichts mehr zu hören sein würde, begannen wieder heftige Feuerstöße.

    Tate Slocum, der Oldtimer mit dem zerknitterten Ledergesicht, kletterte entschlossen vom Fahrersitz, schlang die Zügel um die Seitenlehne und stapfte zu dem am Wagen festgeleinten Sattelpferd.

    »Ich wette, das ist drüben am Cheyennehill, höchstens vier Meilen von hier. Weiß der Kuckuck, was Healy mit seinen Wagen so weit im Süden zu suchen hat. Aber wenn wir uns beeilen ...« Er brach ab, als Langtry seinen Wallach zu ihm lenkte. Seine dürre Gestalt versteifte sich. Düster blickte der Frachtunternehmer auf den ältesten Mann seiner Crew.

    »Healy, Preston und Griffin haben nichts davon, wenn wir gemeinsam mit ihnen ins Gras beißen. Das weißt du so gut wie ich, Tate. Auf nichts anderes würde es hinauslaufen, wenn wir jetzt wie die Wilden losjagten. Nein, zum Teufel! Als wir die Stadt verließen, um in zwei Gruppen aus Morristers verdammter Sperrzone rauszukommen, kannte jeder das Risiko. Genauso hätten diese Teufel auch uns schnappen können. Glaub nur nicht, Old Man, dass wir es schon geschafft haben! Ich kenne Dean Morrister. Der hat bestimmt nicht nur längst eine Prämie für jeden vernichteten Wagen der Langtry Cargo Company ausgesetzt, sondern auch auf den Skalp von jedem von uns!«

    Old Tates brennende Augen hielten dem durchdringenden Blick stand. Nur die Enden seines dünnen, weißen Sichelbartes zitterten ein wenig. Er spürte wieder die Kälte, die von dem großen Reiter ausging. Eine Kälte, die Big Joe Langtry zum vielleicht einsamsten Mann in diesem Land machte.

    »Möglich, dass du recht hast, Boss«, krächzte der Alte. »Aber mir dreht sich der Magen um, wenn ich mir vorstelle, dass sie drüben am Cheyennehill um ihr Leben kämpfen, während wir hier Daumen drehen. Ich bin zu alt, Boss, als dass du viel verlierst, wenn du mich verschwinden lässt und an meiner Stelle diese Karre nach Salida raufkutschierst! Vielleicht kann ich für Healy und seine Jungs doch noch was tun.«

    »Nein, Tate!« Big Joes Rechte senkte sich auf den Revolver, den er mit dem Kolben nach vorn an der linken Hüfte trug. »Zu viel hängt davon ab, dass wir wenigstens diese drei letzten Wagen durchbringen. Ich kann keinen Mann entbehren, vor allem keinen, der deine Erfahrung besitzt. Wenn wir’s diesmal nicht schaffen, bin ich ruiniert. Dann seid ihr eure Jobs los. Dann wird Morrister, dieser Teufel, die Stores und Saloons in den Siedlungen am Ponchapass mit meinen Waren beliefern, ohne dass er dafür einen lumpigen Dollar locker zu machen braucht. Es ...«

    Er verstummte und horchte gespannt. Kein Schuss mehr. Die Stille und Dunkelheit umschnürten die Männer wie mit eisigem Griff. Jack Randlett, der dritte und jüngste Fahrer, zerrte keuchend seinen Hemdkragen auf. Panik war in seiner Stimme: »Zu spät! Diese verfluchten Mörder ...«

    Slocums magere Schultern sanken ein. Aber er straffte sich gleich wieder, als dumpfer Hufschlag von Norden her auf den Bluebird Creek zukam. Langtry hängte die Peitsche über den Sattel und zog die Winchester aus dem Scabbard. Die anderen tasteten ebenfalls nach ihren Gewehren.

    »Kämpft, wenn sie uns finden!«, befahl Big Joe heiser. »Rechnet nicht damit, dass sie euch Pardon gewähren! Denkt an Bob Healy und seine Freunde!«

    Er spürte die Angst und Unsicherheit seiner Begleiter. Vielleicht war Old Tate, der anderswo ja doch keinen Job mehr gefunden hätte, der einzige, der sich jetzt nicht dafür verwünschte, mit ihm auf den Trail gegangen zu sein. Sie alle hatten noch das Krachen der Schüsse von vorhin als tödliche Drohung in den Ohren.

    Big Joe stieg ab und hielt seinem Wallach die Nüstern zu. Nur dreihundert Yards entfernt erreichte das Hufgetrappel den Creek. Sofort schwärmten die Reiter nach verschiedenen Richtungen aus. Einige durchfurteten hinter einer Biegung den Wasserlauf. Endlose Minuten verstrichen, bis die Geräusche verebbten und Langtrys Frachtfahrer wieder richtig durchzuatmen wagten. Doch immer noch spürten sie die Gefahr, die in den Hügeln ringsum lauerte. Alle zuckten zusammen, als sie plötzlich die Stimme hörten. Ein schwacher Ruf aus dem Labyrinth der Buschgruppen, Felsen und Geländerinnen jenseits des Creeks.

    Randlett fuhr herum. Sein flackernder Blick suchte Big Joes massige Gestalt.

    »Mein Gott, das ist ja Healy! Er sucht uns!«

    Ein Pferd stampfte hinter den Sträuchern am schräg gegenüberliegenden Ufer. Zweige knackten. Dann wieder die Stimme, die undeutlich, wie von heftigem Schmerz gedämpft, ihre Namen rief.

    Big Joe trat rasch hinter seinem Pferd hervor. Die Mündung seiner Winchester stoppte Jack Randlett, der an ihm vorbei wollte.

    »Bleib, wo du bist!«, zischte er.

    Der junge, untersetzte Frachtfahrer starrte ihn fassungslos an. Enfield schob sich neben ihn. Seine Fäuste umkrampften hart das Gewehr.

    »Du gehst zu weit, Boss!«

    »Still, verdammt!«

    »Dazu hast du kein Recht!«, keuchte Enfield halb wütend, halb betroffen. »Sicher ist Bob angeschossen. Verdammt, sie erwischen ihn, wenn wir ihn nicht herüberholen und ...«

    »Sie werden dich erwischen, du Dummkopf, wenn du dich hier wegrührst! Menschenskind, denk doch mal nach, Luke! Was würdest du denn tun, wenn du verwundet bist, aber wüsstest, dass es in den Hügeln von Morristers zweibeinigen Bluthunden wimmelt? Etwa um Hilfe rufen? Nein, verdammt, du würdest dich irgendwo verkriechen und warten, bis sie weg sind. Der Teufel soll mich holen, wenn da nicht was faul ist!«

    »Boss, du denkst doch nicht etwa, dass ...«

    »Still!«, wiederholte Langtry scharf.

    Ihre Augen weiteten sich, als ein Reiter auf einer mondbeschienenen Hügelkuppe jenseits des Bluebird Creek auftauchte. Obwohl er die im Schatten der Felsmauer verborgenen Männer nicht sehen konnte, duckten sie sich. Er hielt das Gewehr schussbereit über den Schenkeln. Eine hagere, lauernd im Sattel vorgeneigte Gestalt.

    »Healy!« Jack Randletts Flüstern klang, als würde ihm die Kehle zugedrückt.

    Eine Weile musterte Healy die im Mondlicht glänzenden Felsränder über den versteckten Planwagen. Dann drehte er sich halb auf dem Pferd und stützte eine Hand hinterm Sattel auf.

    »He, Morrister!«, rief er. »Weiß der Teufel, sie sind längst über alle Berge. Hab’s mir ja gleich gedacht, dass Langtry, dieser sture Büffel, nicht auf unser Feuerwerk reinfällt. Wenn du mich fragst, Morrister - vor Sonnenaufgang hat es keinen Sinn, nach ihrer Spur zu suchen. Fest steht auf alle Fälle, dass Langtry sich hüten wird, mit seinen Wagen auf die Straße nach Salida zurückzubiegen.«

    Ein Laut wie ein Stöhnen kam über Luke Enfields Lippen. Warnend hob Big Joe eine Hand. Da tauchten drüben gespenstisch lautlos weitere Reiter auf. Die Hufe ihrer Gäule waren mit Tüchern umwickelt. Gewehrläufe funkelten.

    Der Mann neben Bob Healy zündete sich eine Zigarette an. Sekundenlang beleuchtete die Streichholzflamme ein scharfgeschnittenes Gesicht mit einem dünnen Oberlippenbart. Dean Morrister. Er war groß und sehnig. Mit seinem dunklen Streifenanzug, dem weißen Hemd und der Kragenschleife sah er wie ein Berufsspieler aus. Dazu trug er schwarze Lederhandschuhe.

    Big Joe winkte ab, als Old Tate mit einem Ruck seine schwere, einschüssige Sharps an die Schulter hob. Es war nun so still, dass Langtry und seine Männer jedes Wort verstanden.

    »Ob wir sie noch heute, morgen oder erst übermorgen erledigen, spielt keine große Rolle, Healy. Jedenfalls werden sie Salida ebensowenig erreichen wie Preston und Griffin, die du am Cheyennehill vor unsere Gewehre geführt hast. Nur darauf kommt es an.«

    Die Hufe stampften wieder, Sattelleder jankte, Gebissketten klirrten. Gleich darauf lag der Hügel jenseits des Creeks verlassen unter der Silberkugel des ColoradoMondes.

    Big Joe Langtrys Fäuste umklammerten die Winchester wie Schraubstöcke. Die Männer bei ihm schwiegen noch.

    »Tut mir leid, Boss!«, entschuldigte sich dann Enfield leise und zerknirscht.

    »Schon gut«, murmelte der Fuhrunternehmer rau. »Mir will es noch genauso wenig wie dir in den Kopf, dass Bob uns so verkauft hat. Tate, zum Teufel, wo willst du hin?«

    Der knochige Oldtimer hatte sich bereits aufs Pferd geschwungen. Die Sharps lag quer vor ihm. Die breite Stetsonkrempe verdeckte das Glimmen seiner starr auf Big Joe gerichteten Augen. Augen, die noch die Schärfe eines Falken besaßen, wenn es darauf ankam.

    »Ein Wort von dir, Boss, und ich hätte Healy, diesen Höllenhund von Verräter, mit meinem Blei erwischt«, sagte er vorwurfsvoll.

    »Die Fracht ist wichtiger!«, entgegnete Langtry schroff.

    »Nicht mehr für mich, Boss.«

    Einen Moment war Big Joe ebenso überrascht wie Enfield und Randlett. Dann stapfte er drohend auf den sichelbärtigen Reiter zu.

    »Verflucht, Tate, du vergisst wohl, wer hier die Befehle gibt!«

    Langsam drehte Slocum den Kopf zur Seite und spuckte aus, als könnte er so die Bitterkeit loswerden, die sich in ihm angesammelt hatte.

    »Vor allem vergesse ich nicht, dass ich es war, der Preston und Griffin dazu überredet hat, nochmals ihre Skalps für deine Dollars zu riskieren. Boss, ich habe immer getan, was du wolltest. Aber jetzt kannst du mich nur noch mit ’ner gutgezielten Kugel daran hindern, mit Healy vor die Flinte zu holen!«

    Es dauerte mehrere Sekunden, bis Big Joes Winchester herabsank. Der breitschultrige Mann schüttelte den Kopf.

    »Du bist verrückt, Tate!«

    »Verrückt genug, diesen Hundesohn mitten aus Morristers Banditenrudel herauszuschießen, wenn’s nicht anders geht«, lachte der Weißhaarige krächzend. Seine dürre Vogelscheuchengestalt reckte sich. »Das ist das Mindeste, was ich Johnny Preston und Mike Griffin schuldig bin. Sollte ich bis zum nächsten Sonnenuntergang nicht zurück sein, Boss, dann weißt du, dass ich so gestorben bin, wie ich’s mir immer gewünscht habe - in den Stiefeln!«

    4

    Mit zusammengekniffenen Augen spähte Coltpoker-Larry auf seiner Spur zurück. Eine graue Staubfahne hing über den mit Salbei bewachsenen Bodenwellen. Staub, der ihm verriet, wie gefährlich seine Verfolger aufgeholt hatten, obwohl er die halbe Nacht kreuz und quer nach Süden und Westen geritten war, bevor er sich für diese Richtung - Norden - entschieden hatte. Wenn die Kerle das nächste Mal in seinem Blickfeld auftauchten, würden sie nahe genug für Bleigrüße aus ihren Gewehren sein. Stirnrunzelnd hängte Larry die lederüberzogene Canteenflasche an den Sattel zurück.

    »Es gibt nur eine Erklärung, und die lautet: Sie haben Reservegäule dabei«, murmelte er heiser. »Was meinst du, Mr. Brown?«

    Der braune Hengst warf den Kopf auf und schnaubte, als hätte er ihn verstanden. Larry tätschelte ihm den Hals. Staub stieg aus dem Fell des Tiers. Kein Wunder, denn das sanftwellige, von vereinzelten Hügel und Felsketten durchbrochene Land ringsum war knochentrocken. Seit Wochen hatte es hier nicht mehr geregnet. Die Luft flimmerte. Hinter den Hitzeschleiern des Horizonts war die Silhouette der Rocky Mountains nur zu ahnen. Ein Grollen wie von einem heraufziehenden Gewitter erfüllte die Leere. Hufgedonner ... Die Staubfahne auf Larry Langtrys Fährte wuchs.

    »Da wird uns wohl nichts anderes übrigbleiben, als einen Platz zu suchen, wo wir’s auskämpfen können.« Der junge Mann spuckte aus, als wollte er den bitteren Geschmack in seinem Mund loswerden. »Tut mir leid, Mr. Brown, du wirst dich nochmals anstrengen müssen. Na los, alter Junge, lauf schon!«

    Der Braune wieherte und machte einen erschreckten Satz, als der Reiter ihn mit den Sporen kitzelte. Im selben Moment knallte es, und etwas zischte wie ein Peitschenhieb knapp an Larrys Gesicht vorbei. Sein Kopf flog herum. Für einen Augenblick lag ein wilder Ausdruck auf seinem Gesicht, als er die Reiter sah, die Bügel an Bügel auf dem Kamm hinter ihm aufgetaucht waren und wieder die Gewehre auf ihn richteten.

    Sie waren zu viert. Kräftige Gestalten, die nach den langen, heißen Meilen, die seit Redcliff hinter ihnen lagen, wie staubgraue Präriegespenster aussahen. Jeder hatte ein zweites gesatteltes Pferd an seinem Sattel festgeleint.

    Der Bullige mit dem schwarzen Bart war Scott Tamblin. Sogar auf diese Entfernung war die Ähnlichkeit mit seinem Bruder Russ, den sie gestern mit den Stiefeln voran aus Macs Saloon getragen hatten, unverkennbar. Doch mit solchen Beobachtungen hielt Coltpoker-Larry sich jetzt nicht auf.

    Kugeln umschwirrten ihn, als er tief auf Mr. Brown geduckt auf die mit Felstrümmern bedeckten Hügel im Nordwesten zujagte. Schmetternde Einschläge fetzten Staubbälle zwischen den Grasbüscheln und Salbeistauden neben ihm hoch. Larry fluchte erbittert, weil er nur seinen Revolver besaß.

    Mit wehenden Jackenschößen, von Staub und Pulverdampf umbrodelt, stoben sie hinter ihm heran. Kerle, deren einziges Gesetz Gewalt und Rache hieß. Männer von der Sorte, die erst schossen und hinterher die Fragen stellten - wenn sie überhaupt welche hatten.

    »Lauf, Mr. Brown, zeig, was du kannst! Lauf, verdammt noch mal!«, schrie Larry verzweifelt. Doch der Braune stolperte. Dunkle Schweißflecken bedeckten sein Fell. Von seinen Nüstern tropfte Schaum. In einem Anflug jäher Panik war es Larry, als würden die Hügel nicht näherrücken, sondern vor ihm zurückweichen. Er riss den Remington heraus, drehte sich halb. Sie waren schon so nahe, dass er das wilde Lachen auf ihren rohen Gesichtern erkannte. Drohend schwang Tamblin sein Gewehr. Die anderen schossen. Eine Kugel schlitzte Larrys rechten Ärmel auf. Der Hengst stolperte abermals. Seine Lungen rasselten.

    »Okay, ihr Bastarde, dann holt es euch!«, knirschte der schlanke Spieler. Es wirkte grotesk und selbstmörderisch, als er sein Pferd nur mehr fünfzig Yards vom Fuß des nächsten Hügels entfernt vor den blitzenden und qualmenden Karabinern seiner Verfolger herumriss. Die Flanken des Braunen zitterten.

    Im ersten Moment waren Tamblin und seine Kumpane so überrascht, dass sie ihre Gäule heftig zurückrissen. Staub hüllte sie ein. Coltpoker-Larry duckte sich. Der Stetson hing an der Windschnur auf seinem Rücken. Schweißnass glänzendes Haar ringelte sich in seine Stirn.

    »Komm her, Tamblin, wenn du was von mir willst! Bist du zu feige, es allein mit mir auszutragen?«

    Die Wildheit des Verlorenen glühte in seinen Augen. Er sah die Schurken wie hinter einer Wand aus weißlichem Feuer. Der Bärtige hob rasch eine Hand, als seine Begleiter wieder losstürmen wollten. Er raunte ihnen etwas zu. Da ließen sie die Karabiner sinken. Einer von ihnen war Meeker, der hagere Bursche, der mit Tamblins Bruder im Saloon gewesen war. Scott Tamblin trieb seinen Pinto ein paar Schritte nach vorn.

    »Ich komme, Langtry! Mein Bruder wartet schon viel zu lange in der Hölle auf dich!«

    Doch er kam nicht allein. Plötzlich rissen die Reiter hinter ihm ihre Pferde nach links und rechts und preschten gleichzeitig mit ihm los. Aber der erste Schuss, der nun fiel, kam nicht aus ihren Gewehren, sondern aus dem Schatten der Felsen schräg über Larry. Der Mann rechts von Tamblin ließ auf einmal sein Gewehr fallen, warf die Arme hoch und stürzte seitlich vom weiterrennenden Pferd.

    Larrys Atem stockte.

    »Teufel, Mr. Brown, da meint es offenbar jemand gut mit uns!«, keuchte er.

    Oben blitzte und knallte es, als hämmerte eine Gatlingkanone. Nur die zuckenden Mündungsfeuer und der Pulverrauch, der zwischen den Felstrümmern hochstieg, waren zu sehen. Meekers Pferd brach im vollen Galopp nach vorn ein. Der Reiter sauste wie von einem Katapult geschossen durch die Luft.

    Larry hatte bereits Mr. Brown herumgerissen. Jetzt, die Rettung vor Augen, nahm er keine Rücksicht mehr. Mit wilden, heiseren Schreien spornte er das Pferd den steilen Grashang hinauf. Kugeln pflügten neben ihm die Erde. Larrys Revolver krachte.

    Das Gewehr schwieg kurz. Doch als er die Felsen erreichte, fing es wieder zu peitschen an. Winchester, registrierte er mechanisch. Er sprang ab, duckte sich hinter den nächsten Steinklotz und schob den qualmenden Lauf des 38ers über den linken Unterarm.

    »Ich denke, sie haben genug!«, rief eine Stimme rechts von ihm.

    Weißgraue Schleier trieben im gleißenden Licht davon. Dahinter lag Meeker noch dort, wo er beim Sturz aufgeschlagen war. Seltsam verrenkt, in einer Haltung, die verriet, dass er nie mehr aufstehen würde. Er hatte sich das Genick gebrochen. Tamblin und der letzte Mann seiner Bande zügelten ihre Pferde außer Schussweite. Sie saßen so verkrampft in den Sätteln, dass Larry förmlich spürte, wie wütend und enttäuscht sie waren. Doch Tamblins Drohung, als er das Gewehr schüttelte, berührte ihn nicht mehr.

    Diese Stimme! So leise die Worte gewesen waren, nun hallten sie wie mit Donnerstärke in seinen Ohren nach. Er hatte die plötzlich davonjagenden Verfolger schon vergessen, als er sich erhob und um das völlig erschöpfte Pferd herumging. Schweiß perlte noch auf seinem Gesicht. Aber er spürte weder den Salzgeschmack auf seinen rissigen Lippen, noch die Schwäche in den Knien.

    »Ich werde verrückt!« war alles, was er im ersten Moment hervorbrachte.

    Die Frau vor ihm stand auf und lehnte das heißgeschossene Gewehr an den Felsen, hinter dem sie gekauert hatte. Ihre blauen Augen funkelten spöttisch.

    »Strengen Sie sich nur nicht an, Sie sind es ja längst!« Und mit einem heftigen Kopfschütteln: »Sie sind wirklich unmöglich, Langtry! Für wen, zum Kuckuck, wollten Sie denn da vorhin den Helden spielen?«

    Mit dem auf die Schultern flutenden kastanienfarbenen Haar gefiel sie ihm noch besser. Die luftige weiße Bluse und der geteilte Wildlederreitrock standen ihr ausgezeichnet. Ihre halb hohen Texasstiefel waren mit Stickereien verziert. So wirkte sie jünger und mädchenhafter als gestern in dem Zimmer über Macs Saloon, aber auch irgendwie so unbezähmbar wie eine Wildkatze.

    Larry achtete kaum darauf, was sie sagte. Er verbarg nicht, wie hingerissen er war. Hingerissen davon, wie sie dastand, sprach und sich dabei eine rötlich schimmernde Locke aus der Stirn strich. Linda Colemans Haltung versteifte sich, als er impulsiv nach ihren weichgerundeten Schultern griff. Doch mit seinem alten, verwegenen Draufgängerlachen ging Coltpoker-Larry darüber weg.

    »Wenn dieses Wiedersehen für uns beide kein Wink des Schicksals ist, Ma’am, dann will ich nie mehr in meinem Leben eine Spielkarte anfassen«, rief er.

    »Ein Kartenhai, der an Zufälle glaubt, ist neu für mich«, bemerkte sie so trocken, dass ihm die Lust verging, sie an sich zu ziehen. »Ich rechnete damit, dass Sie sich irgendwann für diese Richtung entscheiden würden. Also habe ich hier gewartet. Bilden Sie sich nur nichts darauf ein! Wenn Sie nicht Big Joes Sohn wären, hätte ich wahrscheinlich keinen Finger für Sie gerührt.«

    Er grinste dennoch.

    »Dass Sie ,wahrscheinlich‘ sagen, Ma’am, tröstet mich ungemein. Ansonsten käme ich allmählich auf den Verdacht, dass Sie mich nicht leiden können. Dabei finde ich, dass wir prächtig zusammenpassen. Vor allem nachdem Sie mir - wahrscheinlich - das Leben gerettet haben.«

    »Bestimmt sogar!« Ihre Stimme war jetzt kalt, ohne jeden Spott. »Es ist der Preis dafür, dass Sie mich nun doch nach Canyon City begleiten.«

    Er ließ sie so schnell los, als hätte er sich die Finger verbrannt. Sein Lächeln war nur mehr Maske.

    »Auch wenn Sie nicht an Zufälle glauben, Linda: Als ich diese Richtung einschlug, dachte ich nur daran, meinen Skalp zu retten, nicht an Big Joe Langtry.«

    »Deswegen erinnerte ich Sie ja an ihn.«

    Nun war er an der Reihe, den Kopf zu schütteln.

    »Sie geben wohl nie auf, was?«

    »Nicht, wenn es um die Existenz und das Leben des Mannes geht, dessen Frau ich bald sein werde«, antwortete sie, jedes Wort betonend.

    Er stand da, als hätte sie ihm eine Ohrfeige versetzt. Ihre Blicke verkrallten sich ineinander. Dann lachte Larry rau.

    »Du liebe Zeit, nun kneifen Sie mich mal, damit ich weiß, dass ich nicht träume! Habe ich Sie gestern in Redcliff etwa nicht richtig verstanden? Reden wir wirklich vom selben Mann? Von Big Joe, in dessen Frachtgeschäft Sie sich angeblich eingekauft haben?«

    Lindas große, blaue Augen wichen ihm nicht aus. Ihre Stimme klang leise, aber fest.

    »Er liebt mich. Er hat um meine Hand angehalten, und ich habe ja gesagt.«

    Larry hob unbewusst die Fingerspitzen an die dünne Narbe, die an seiner rechten Gesichtsseite herablief, während er ihren Worten nachhorchte. Dann lachte er wie über einen Scherz. Aber es klang gezwungen.

    »Wissen Sie denn überhaupt, wie alt er eigentlich ist, Linda? Mein Gott, er könnte ja glatt Ihr Vater sein!«

    Zorn sprühte in ihren Augen. Ihr rassiges Gesicht wirkte plötzlich hochmütig und verschlossen. »Na und? Sind Sie etwa eifersüchtig auf ihn?« Sie gab sich einen Ruck und ging an ihm vorbei zu der Falbstute, die ein Stück tiefer zwischen den wie von Riesenhand hingeworfenen Felstrümmern stand. »Tun Sie nur nicht so, als wäre ich Ihnen für irgendetwas Rechenschaft schuldig, Larry!«, sagte sie kalt über die Schulter. »Und vor allem - glauben Sie ja nicht, ich werde Sie nochmals bitten oder gar anflehen, Ihrem Vater zu helfen! Ich bin hier, um ein Geschäft mit Ihnen zu schließen. Und alles, was ich will, ist, dass Sie die Schuld begleichen, in der Sie bei mir stehen!«

    Mit ein paar Schritten holte er sie ein. Ein wildes Feuer brannte in seinen Augen, als er sie herumriss. Ihr feindseliger Blick und ihre zusammengepressten Lippen brachten ihn nicht dazu, sie loszulassen.

    »Mein Leben ist keine Ware, mit der man handelt, auch wenn es nur das Leben eines Kartenhais und Revolverschwingers ist!«, zischte er. »Ich schließe niemals Geschäfte, bei denen man mir irgendeinen Preis aufzuzwingen versucht! Nie!«

    Er war auf heftigen Widerstand gefasst und überrascht, als sie plötzlich lächelte.

    »Ich glaube kaum, dass Tamblin gewartet hätte, bis wir uns vorher einigen.«

    Die Flamme in seinen Augen erlosch. Er grinste wieder.

    »Vielleicht hätten wir ihn fragen sollen.«

    Sie erkannte den jähen Hunger in seinem Blick, der ihr wie von Künstlerhand gemeißeltes Gesicht abtastete. Ihre Augen erschienen ihm brunnentief. Ihre Lippen waren eine Verlockung. Er sah das Pochen einer Ader an ihrem schlanken Hals.

    »Sie sind schön, Linda«, sagte er mit plötzlich veränderter, heiserer Stimme. »Berechnend zwar vielleicht, aber himmlisch schön! Ich kann es nicht glauben, dass Sie sich wirklich an einen Mann wegwerfen wollen, dessen ganzes Leben ein einziges Sinnen und Trachten nach Macht und Reichtum war.«

    »Ich kenne Ihren Vater anders, Larry«, erwiderte sie scharf. »Und jetzt lassen Sie mich gefälligst los!«

    Er hielt sie jedoch nach wie vor fest. Ein Funkeln erwachte wieder in seinen Augen.

    »Wenn es ihm nicht so dreckig ginge, wie Sie behaupten, würde ich denken, Sie haben es lediglich schlauer angefangen als Morrister und sind ebenfalls hinter seinem Geld her.«

    »Sie werden unverschämt.«

    »Das liegt in meiner Natur«, lächelte er.

    Sie wehrte sich nicht, als er sie plötzlich an sich zog. Er spürte das heftige Pochen ihres Herzens durch die dünne Bluse. Ihr Körper war weich und biegsam. Der erregende Körper einer voll erblühten jungen Frau. Sein Blick verdunkelte sich noch mehr, als er sich über sie neigte.

    »Ich weiß nur einen Grund, der mich veranlassen könnte, nach Canyon City zu reiten und gegen Morrister zu kämpfen«, flüsterte er rau. »Das wäre der Versuch, dich Big Joe wegzuschnappen!«

    Bevor sie etwas hervorstoßen konnte, verschlossen seine brennenden Lippen ihren Mund. Einen Moment schien es, als würde die Frau ihm entgegenkommen, sich an ihn drängen. Dann riss sie sich heftig los. Er verzog keine Miene, als Lindas Hand auf seiner Wange brannte.

    Sie atmete heftig. Ihre runden, festen Brüste hoben und senkten sich schnell. Bleich wich sie vor ihm zurück.

    »Ich wünschte, Tamblin hätte sich deinen Skalp geholt, du verdammter Kartenhai!«, stieß sie wild hervor. Ohne den Blick von ihm zu wenden, griff sie nach dem Gewehr, das sie zuvor in den Scabbard am Sattel ihrer Falbstute geschoben hatte. »Wenn du mich nochmals anrührst, töte ich dich!«

    »Seit wann ist es verboten, die zukünftige eigene Stiefmutter zu küssen?«

    Larrys herausforderndes Lächeln trieb ihr das Blut ins Gesicht. So wirkte sie noch faszinierender und begehrenswerter auf ihn. Doch als er einen Schritt in ihre Richtung machte, knackte der Repetierbügel der Winchester. Sie starrten sich an. Dann schwang Linda sich mit dem Gewehr in der Hand in den Sattel. Trotzdem ging er nun auf sie zu. Die Mündung der Waffe war dicht vor seinem Gesicht, als er nach den Zügeln griff.

    »Ich werde meine Schuld bezahlen«, erklärte er hart. »Anders jedoch als du denkst! Ich werde nicht zulassen, dass du seine Frau wirst und dass er dich ebenso ins Unglück stürzt wie meine Mutter und alle, die ihm auch nur einen Funken Gefühl entgegenbrachten. Ich werde mich nicht mit einer Kugel an ihm rächen, sondern dadurch, dass du mir gehören wirst, nicht ihm!«

    Sie starrte ihn erschrocken an. Das war nicht mehr der leichtsinnige, stets nach einer Pokerpartie, einem scharfen Drink oder einem hübschen Girl aufgelegte Spieler, den sie in Macs Saloon kennengelernt hatte. Da stand ein Besessener. Sie spürte seine Härte wie einen Eishauch. Eine unnachgiebige Härte, die sie unvermittelt an Big Joe erinnerte.

    Larry bewegte sich nicht. Auch nicht, als sie keuchend mit dem Gewehr ausholte. Er sah sie nur an, mit einem Blick, bei dem sie das Gefühl bekam, dass alle Kraft aus ihr entwich. Mit einem wütenden Aufwallen entriss sie ihm dann die Zügel. Stumm warf sie die Stute herum und spornte sie zwischen die Felstrümmer. Die loshämmernden Hufe schleuderten Erdklumpen und Grasbüschel empor.

    Coltpoker-Larry starrte ihr nach. Ein zerrissenes Lachen kam erst leise, dann immer lauter und heftiger aus seiner Kehle. Ein Lachen, mit dem er nicht aufhören konnte und das ihn schüttelte, auch wenn er fluchen und toben wollte. So stand er noch da, als die Reiterin hinter einem von Hitzewellen umwabberten Höhenkamm im Norden verschwand.

    5

    Von dem Augenblick an, als das Schnappen eines Gewehrschlosses aus den verstaubten Kreosotsträuchern kam, war die hitzegesättigte Stille in der Schlucht vom Hauch des Todes durchdrungen. Einem der Männer am matt glosenden Feuer fiel der leere Kaffeebecher aus der Hand. Die Köpfe seiner beiden stoppelbärtigen Gefährten flogen herum. Dann war die Szene wie versteinert.

    Die Sonne loderte hoch über den Felsrändern. Ihre Strahlen vergoldeten den Lauf der schweren Sharps, der zwischen den Zweigen hervorragte. Die Mündung bewegte sich drohend.

    »Lasst ja die Pfoten von euren Kugelspritzen, sonst frisst euch die Hölle!«, drohte eine krächzende Stimme. »Bis jetzt will ich nur Healy, diesen Hund! Aber jeder, der sich muckt, kassiert gleichfalls 'ne Portion blaue Bohnen! Kostenlos! Da bin ich verflucht freigebig. Hoffentlich kapiert ihr das mit euren fauligen Gehirnen!«

    Die drei Überrumpelten rührten sich nicht. Nur die Hand des Hageren, die eben noch den Becher gehalten hatte, sank zögernd herab. Ein Flackern war in den tiefliegenden Augen des Mannes. Die in der Nähe angepflockten Pferde schnaubten nervös. Erst als sich Tate Slocums knochige Gestalt aus den Sträuchern zwängte, verkniff ein hinterhältiges Lächeln Bob Healys Mundwinkel.

    »Teufel noch mal, Tate, hast du mich aber erschreckt! Das ist nun wirklich nicht gerade die feinste Art, ’nen alten Kumpel vom Mittagsschlaf abzuhalten.«

    Er warf den beiden Kerlen aus Morristers Revolvercrew einen warnenden Blick zu. Der Oldtimer bewegte sich zwar so steif und knöchern wie eine lebendig gewordene Vogelscheuche, aber Healy wusste recht gut, wie flink er sein konnte. Der Sand, der die Sohle der Schlucht bedeckte, malmte unter Old Tates klobigen Fuhrmannsstiefeln.

    Healy konnte sich nicht vorstellen, wie er es in diesen ausgelatschten Dingern geschafft hatte, so nahe an sie ranzukommen. Die klobige Büffelflinte lag wie ein leichtes Spielzeug in Slocums Händen.

    »Du Mistkerl hast auch allen Grund, dir in die Hosen zu machen«, stieß er mit rostiger Stimme hervor. »Hast du schlafen gesagt, du Stinker? Das kannst du haben! Dafür hab ich dir extra 'ne feine Pille mitgebracht.«

    Staub und Schweiß klebten in den unzähligen Falten seines Ledergesichts. Unter dem verbeulten Stetson lugten zottige weiße Strähnen hervor. Eine viel zu weite Jacke umschlotterte obendrein seine hoch aufgerichtete dürre Gestalt. Doch von den Kerlen am verlöschenden Lagerfeuer kam keiner auf die Idee, ihn komisch zu finden. Seine Augen glitzerten gefährlich, als die Männer sich vorsichtig erhoben. Healy blickte lauernd an ihm vorbei. Damit konnte er den Oldtimer jedoch nicht ablenken. Auch nicht, als er den leeren Becher wütend mit dem Fuß wegkickte. Mühsam zwang der Verräter wieder ein Grinsen in sein übernächtigtes und unrasiertes Gesicht.

    »Nun brich dir bloß nichts ab, du alter Peitschenschwinger! Komm her und trink erst mal ’nen Schluck! Der Kaffee ist schwarz wie die Hölle und süß wie die Sünde, genauso wie du ihn magst, du verrückter Kerl! Aber dann verrate mir in drei Teufels Namen, welche Laus dir über die Leber gelaufen ist!«

    Old Tate war nahe genug herangekommen, um in die Glut zu spucken, dass es zischte. Unverwandt deutete die Mündung seiner Donnerbüchse auf Healys hagere Brust.

    »Heute früh, noch ehe die Sonne aufging, habe ich Johnny Preston und Mike Griffin unter die Erde gebracht. Oder vielmehr das, was die Kojoten von ihnen übrig gelassen haben. Möchtest du noch mehr wissen, du Bastard?«

    Die beiden Morrister Schießer traten vom Feuer weg. Healys Schultern verkrampften sich. Beschwörend hob er eine Hand.

    »Sag nicht, ich habe sie auf dem Gewissen, Tate! Hölle und Verdammnis, begreifst du denn nicht, dass Big Joe euch alle für eine längst verlorene Sache, an die er nicht mal mehr selber glaubt, verheizen will? Willst du mir vorwerfen, dass ich noch rechtzeitig abgesprungen bin?«

    Wieder reagierte Old Tate nicht auf den flackernden Blick, den Healy an ihm vorbeiwarf. Angewidert verzog er den Mund.

    »Du bist die feigste Ratte, die mir je über den Weg gelaufen ist, Bob. Denn wenn du nur einen Funken Mumm in dir hättest, würdest du jetzt nicht quatschen, sondern dein verdammtes Eisen ziehen.«

    Healy duckte sich noch mehr, hielt jedoch die Hände vom Körper weg. Er grinste hasserfüllt.

    »Habe ich nicht nötig, Tate! Wer kämpft schon gegen einen Kerl, der sowieso schon erledigt ist?« Er lachte schrill. Nun begannen auch die Halunken neben ihm zu grinsen. Ihre Hände näherten sich den tiefgehalfterten Colts. Healy zischte: »Du verdammter Narr bildest dir ein, es weiß der Teufel wie schlau angefangen zu haben. Doch Morristers Späher, die Langtrys Wagen suchten, haben dich längst entdeckt. Seit dem Vormittag wissen wir, dass du hinter uns her bist. Nun rate mal, warum wir hier auf dich gewartet haben!«

    Slocums Rücken wurde steif. Ein Klirren von Steinen und Zweiggerassel lief die Schluchtwände hinter ihm entlang. Zuerst waren es nur zwei, dann drei, dann immer mehr Männer, die mit schussbereiten Revolvern und Gewehren aus dem Schatten auftauchten. Doch die drei Schurken am Feuer warteten vergeblich darauf, dass der Oldtimer in wilder Panik herumschnellen würde.

    »Wie kann ein Bursche in deinem Alter auch noch auf die Idee verfallen, den Rächer zu spielen«, höhnte Healy.

    Old Tates knochige Hände umschlossen die Sharps fester.

    »Wieso spielen?«, fragte er leise. »Ich brauche nur den Finger zu krümmen, damit ich erreiche, was ich wollte.«

    »Du bist verrückt! Zum Teufel, was glaubst du, was dann geschieht? Morrister und seine Jungs werden dich in Fetzen schießen! Hier draußen gibt's kein Versteckspiel wie in Canyon City! Hier herrscht Krieg, Tate, und du stehst auf der Verliererseite.«

    Slocum stand da, als wäre er durch eine unsichtbare kugelsichere Wand von den drohenden Schritten, dem Sporengerassel und dem Schnappen der Gewehrschlösser getrennt. Ein furchtloses Lächeln zerriss die Staubmaske auf seinem Ledergesicht.

    »Bob, was erwartest du eigentlich von einem Mann, der genau weiß, dass er nichts mehr zu verlieren hat?«

    Einen

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