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Das Ende der Schöpfung?: Band I  -  Die Fakten
Das Ende der Schöpfung?: Band I  -  Die Fakten
Das Ende der Schöpfung?: Band I  -  Die Fakten
eBook613 Seiten6 Stunden

Das Ende der Schöpfung?: Band I - Die Fakten

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Über dieses E-Book

Das "Ende der Schöpfung" beinhaltet eine umfassende, detaillierte und topaktuelle Dokumentation sämtlicher Klimafakten (Stand 2016), die den durch den Menschen verursachten Klimawandel zweifelsfrei beweisen. Zudem werden die vielfältigen Gefahren einer fortschreitenden Erderwärmung aufgezeigt bis hin zur Vernichtung der Schöpfung. Durch folgende Punkte zeichnet sich dieses Buch aus: a) Alle Klimafakten beruhen auf seriösen und international anerkannten Quellen der Klimawissenschaft. b) Große, übersichtliche Bilder und Graphiken dienen zur Veranschaulichung der Fakten, darunter 50 farbige Abbildungen. c) Eine klare, übersichtliche Gliederung des umfangreichen Stoffes sowie das Hervorheben wichtiger Absätze erleichtert das Lesen und die Orientierung. d) Das Buch ist ausschließlich auf wissenschaftlichen Fakten aufgebaut. Damit erhält der Leser ein einzigartiges "Klimalexikon", das ihn sachlich und fachlich über die topaktuelle Faktenlage des Klimawandels informiert. In Band 2 folgt dann unter dem Untertitel "Die Chancen" u.a. eine ausführliche Bestandsaufnahme der emissionsfreien Energiequellen. Dies umfasst sowohl den aktuellen Stand der Technik und Anwendung als auch die wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten, die Erderwärmung mit Hilfe dieser Technologien zu begrenzen. U.a. werde ich dort auf die große Chance der Menschheit eingehen, mit einer Kombination aus Zukunftsinvestitionen, Innovationen, technologischem Fortschritt, intelligenter Energieeffizienz, kluger Kooperation und sinnvoller Koordination, nur kleinen Einschränkungen des Komforts und der Lebensweise sowie einer zielgerichteten Gesetzgebung die globale Erderwärmung zu begrenzen.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum15. Dez. 2016
ISBN9783734523823
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    Buchvorschau

    Das Ende der Schöpfung? - John Casadesus

    Einleitung

    2015 wärmstes Jahr seit 1880

    Quelle: NOAA, NASA

    Für 2015 meldete die NOAA wieder einen neuen Temperaturrekord. Damit übertraf 2015 das bisherige Rekordjahr 2014 um weitere 0,16 °C und ist damit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880. Die weltweite Durchschnittstemperatur stieg auf 14,8 °C, 0,9 °C mehr als der langjährige Durchschnitt im 20.Jahrhundert (13,9 °C), der in der Infografik als Nulllinie dient. Die fortschreitende Erderwärmung wird damit eindrucksvoll bestätigt: 9 der 10 wärmsten Jahre seit 1880 fallen in den Zeitraum 2000 bis 2015. Diese starke Häufung am Ende der Zeitskala ist ein eindrucksvoller Beweis für die globale Erderwärmung infolge des Treibhauseffekts.

    Und die Temperatur steigt weiter rasant: Die Monate Januar bis Juli 2016 waren mit Abstand die wärmsten Monate, die je seit 1880 gemessen wurden. Dabei markiert der Februar mit +1,35°C gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1951 – 1980 einen absoluten Temperaturspitzenwert, der weit außerhalb der Schwankungsbreite liegt...

    Als Einstieg in das Thema Klimawandel zwei Zitat-Absätze aus der Enzyklika „laudato si" von Papst Franziskus:

    1. Laudato si’, mi’ Signore – Gelobt seist du, mein Herr, sang der heilige Franziskus von Assisi. In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt: Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

    4. Acht Jahre nach Pacem in terris sprach der selige Papst Paul VI. 1971 die ökologische Problematik an, indem er sie als eine Krise vorstellte, die „eine dramatische Folge der unkontrollierten Tätigkeit des Menschen ist. „Infolge einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur läuft er Gefahr, sie zu zerstören und selbst Opfer dieser Zerstörung zu werden. Auch vor der FAO sprach er von der Möglichkeit einer „ökologischen Katastrophe als Konsequenz der Auswirkungen der Industriegesellschaft und betonte „die Dringlichkeit und die Notwendigkeit eines radikalen Wandels im Verhalten der Menschheit, denn „die außerordentlichsten wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Meisterleistungen, das wunderbarste Wirtschaftswachstum wenden sich, wenn sie nicht von einem echten sozialen und moralischen Fortschritt begleitet sind, letztlich gegen den Menschen."

    Mit der Enzyklika „laudato si" hat Papst Franziskus als erstes katholisches Kirchenoberhaupt engagiert in die aktuelle Klimadebatte eingegriffen. Er machte klar, dass vor dem Hintergrund der erdrückenden und beunruhigenden Faktenlage es oberste Pflicht eines jeden Christen sowie jedes Menschen guten Willens ist, sich nicht nur engagiert für den Klimaschutz einzusetzen, sondern auch selber aktiv mit seinem Verhalten für die Erhaltung von Gottes Schöpfung beizutragen.

    Was die Weltgemeinschaft angesichts der äußerst besorgniserregenden Klimawandel-Entwicklung der letzten 35 Jahre bisher an wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung mittels Begrenzung der globalen Treibhausgas-Emissionen sowohl verbindlich vereinbart als auch bisher umgesetzt hat, entspricht in keinster Weise der Dramatik der Fakten. Eine wichtige Rolle spielt hierbei bis heute der massive Widerstand seitens von Unternehmen und Staaten, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Kohle beruht. Die panikartigen Abwehrreaktionen führten dabei so weit, dass Klimawissenschaftler über Jahre massivem Psychoterror ausgesetzt waren und sind. Leider erinnert dies fatal an dunkelste Zeiten der Menschheitsgeschichte, als man Menschen, die unbequeme Wahrheiten sagten, einsperrte oder umbrachte. (In manchen Staaten ist dies leider auch heute noch der Fall...).

    Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Grund ist u.a. die zum großen Teil hohe Komplexität der Folgen der Erderwärmung. Dies erleichterte es u.a. sogenannten „Klimaskeptikern", durch gezielte Desinformation über Jahre Verwirrung in der Weltöffentlichkeit zu erzeugen.

    Dieses Buch soll zum einen durch eine umfassende und detaillierte Dokumentation der Klimafakten jegliche eventuell noch bestehenden Zweifel an dem durch Menschen verursachten Klimawandel ausräumen. Zum anderen sollen die vielfältigen potentiellen Gefahren eines fortschreitenden Klimawandels aufgezeigt werden. In Band 2 werde ich dann auf die große Chance der Menschheit eingehen, mit einer Kombination aus Zukunftsinvestitionen, Innovationen, technologischem Fortschritt, intelligenter Energieeffizienz, kluger Kooperation und sinnvoller Koordination, nur kleinen Einschränkungen des Komforts und der Lebensweise sowie einer zielgerichteten Gesetzgebung die globale Erderwärmung zu begrenzen.

    Warum gibt es Hoffnung? „Ist doch eh alles zu spät…" Vollkommen untergegangen in der allgemeinen Medien-Berichterstattung ist vor ein paar Monaten die erste Meldung einer sensationellen Entwicklung: Die Ozon-Löcher über Arktis und Antarktis schrumpfen seit wenigen Jahren! Vor dem Hintergrund, dass die Zerstörung der schützenden Ozonschicht katastrophale Auswirkungen auf das gesamte Leben auf der Erde gehabt hätte, ist es unverständlich, dass diese Meldung nicht bei allen Zeitungen groß auf dem Titelblatt erschienen ist.

    Diese positive Entwicklung zeigt exemplarisch, was eine entschiedene global bindende Vereinbarung bewirken kann. Nachdem zu Beginn der siebziger Jahre die Wissenschaft entdeckte, dass FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), die damals in hohem Maße als Treibgas in Spraydosen verwendet wurden, die Ozonschicht zersetzen, brauchte die Weltgemeinschaft nur einige Jahre, um in den 80er Jahren ein weltweites Verbot der Produktion und des Einsatzes von FCKW zu beschließen.

    Viele ähnliche Erfolgsgeschichten gab es seither, wie z.B. die einst von der Autoindustrie heftig bekämpfte Einführung des geregelten Katalysators in Deutschland bzw. Europa per Gesetz mit Argumenten wie: „Die Katalysatoren halten nur bis 160 km/h, „der Umsatz bricht ein, „die Autos werden zu teuer, „Altautos sind nicht nachrüstbar, „die Autoindustrie kann die Einführung bis 1986 nicht finanzieren" … Alle diese Gegenargumente der Autoindustrie von 1983 haben sich als kompletter Unfug in Folge herausgestellt, absolut nichts hat sich von den Katastrophen-Szenarien der Autobosse bewahrheitet. Im Gegenteil, nach Einführung des geregelten Katalysators ab 01.01.1986 erlebte die Autobranche einen nie geahnten Nachfrageboom, Porsches bretterten nach wie vor mit 250km/h über die Autobahn, Altautos waren nach kurzer Zeit nachrüstbar... Der ADAC vollzog innerhalb weniger Jahre einen 180°-Schwenk und setzte sich 1990 schließlich an die Spitze der Katalysator-Bewegung.

    Die größte Erfolgsstory ist jedoch - trotz aller Mängel - das sogenannte „Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG), ohne das es die grüne Revolution bei der Energieversorgung Deutschlands nicht gegeben hätte. Mittlerweile wird über 30% des Strombedarfs aus nichtfossilen und nicht atomaren Energieträgern gedeckt. Deutschland ist damit in Sachen Klimaschutz zum Vorreiter und Vorbild für die gesamte Welt geworden.

    Was erwartet den Leser in diesem Buch? Zur Einstimmung habe ich das aktuelle Klimageschehen in einem Bericht kurz zusammengefasst:

    Klimabericht 2014:

    Alarmierende Meldungen sandte die WMO - die Weltorganisation für Meteorologie - im Januar 2015 über den Globus. Das Jahr 2014 markierte einen weiteren Wärmeweltrekord: Seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahr 1880 war die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde noch nie so hoch. Noch nie waren die Ozeane so warm wie 2014. Auch die Vielzahl von extremen Wetterereignissen im letzten Jahr war außergewöhnlich. Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde NASA sowie der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) bestätigten diese Beobachtungen auf einer Pressekonferenz. Damit fallen die zehn wärmsten Jahre - mit Ausnahme von 1998 - alle in den Zeitraum ab dem Jahr 2000.

    Für die NASA analysierten Experten des Goddard Institute of Space Studies (GISS) die Messreihen der globalen Oberflächentemperatur. „2014 ist das letzte Jahr in einer Reihe warmer Jahrzehnte, konstatiert GISS-Direktor Gavin Schmidt. „Zwar können chaotische Wetterereignisse die Reihenfolge individueller Jahre beeinflussen, doch der Langzeittrend lässt sich klar einem Antrieb des Klimasystems zuordnen, der von den Treibhausgas-Emissionen durch den Menschen bestimmt wird. [¹]

    Bemerkenswert sind vor allem die jüngsten Messergebnisse aus den Ozeanen: „Mittelt man die Temperaturwerte für den Atlantik, den Pazifik, den Indischen Ozean und das Mittelmeer, dann sieht man: Genauso wie die Kontinente erwärmen sich auch die Meere immer weiter. 2014 war bisher das Jahr mit der höchsten globalen Meeresoberflächen-Temperatur", so der Meteorologe Omar Baddour, Leiter der Abteilung für Datenmanagement bei der WMO. „Die Daten der WMO zeigen, dass die Weltmeere in 2014 Rekordmengen an Wärmeenergie gespeichert haben, die sie in der Folgezeit wieder an die Atmosphäre abgeben können und damit die Erderwärmung weiter beschleunigen." [²]

    Zudem gab es 2014 eine große Überraschung: Zwischen Juni und Oktober waren Nordatlantik und Nordpazifik ungewöhnlich warm, ja sogar unerklärlich warm: „Das ist auch der Grund dafür, dass die Ozeane in diesem Jahr insgesamt besonders warm sind. Warum die Meerestemperaturen auf der Nordhalbkugel derzeit so hoch sind - diese Frage versuchen Forscher jetzt zu beantworten. Im Moment wissen wir es noch nicht." Bemerkenswert war in 2014 auch die Vielzahl von extremen Wetterereignissen. Es wurden z.B. viel mehr Überschwemmungen als in den vergangenen Jahren auf fast allen Kontinenten registriert, in Afrika, Europa, Asien, Südamerika und in den USA.

    Damit verbunden waren Rekord-Niederschläge: Auf dem Balkan fiel im September zweieinhalb mal so viel Regen (+150%) wie sonst üblich, in Südfrankreich die drei- bis vierfache Menge (+200-300%). Die Türkei litt sogar unter mehr als dem Fünffachen der normalen Niederschlagsmenge (+400%). In Marokko schüttete an nur vier Novembertagen die gesamte Regenmenge eines ganzen Jahres vom Himmel. Dies ist ein eindeutiges Anzeichen für einen allgemein erhöhten Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre infolge der globalen Erderwärmung.

    Die GISS-Temperaturangaben beruhen auf Messungen von 6.300 weltweit verteilten Wetterstationen, Bojen und Schiffen. Hinzu kommen Daten von Forschungsstationen in der Antarktis. Einflüsse wie den „Wärmeinseleffekt" in Städten, in denen höhere Temperaturen herrschen als auf dem platten Land, rechnen die NASA-Forscher heraus. Den Temperaturanstieg geben sie im Vergleich zu der globalen Durchschnittstemperatur der Jahre 1951 bis 1980 an, die als Referenzwert dient.

    Allerdings beobachteten die Klimatologen starke regionale Temperaturabweichungen weltweit, u.a. aufgrund von extremen Wetterereignissen. So war es in Teilen des Mittleren Westens und an der Ostküste der USA ungewöhnlich kühl, während Alaska und die drei westlichen Staaten Kalifornien, Arizona und Utah laut NOAA jeweils die wärmsten Perioden seit Aufzeichnungsbeginn 1880 hatten.

    Sehr beunruhigend am neuen Temperaturrekord ist, dass 2014 kein El-Niño-Jahr war. Bei diesem Klimaphänomen verschieben sich die pazifischen Windsysteme. Als Folge davon schwächt sich der kalte Humboldtstrom vor der Westküste Südamerikas ab und eine Schicht warmen Oberflächenwassers wandert von Südostasien durch den tropischen Ostpazifik nach Südamerika. Vor dessen Küsten erwärmt sich das Meer, während in australischen und indonesischen Gewässern die Wassertemperatur sinkt. Dieses Wetterphänomen beeinflusst das Wetter weltweit. In der Regel zeichneten sich El-Niño-Jahre in der Vergangenheit durch hohe weltweite Durchschnittstemperaturen aus.

    Im vergangenen Jahrzehnt häuften sich die kalten La-Niña-Ereignisse, der wärmere El Niño trat dagegen seltener auf – zuletzt von Juli 2009 bis Ende April 2010. Er ging mit einem kräftigen Anstieg der Temperaturen im Pazifik einher, was dazu beitrug, dass 2010 zum neuen Wärme-Rekordjahr wurde. In den Folgejahren gab es nun eine große Überraschung: La Niña war so ausgeprägt wie noch nie die beherrschende Klimalage im Pazifik. Während der kalten La-Niña-Phasen kehren sich die Verhältnisse um; dies führt zu Starkregen und Überschwemmungen in Australien – wie 2011 in Queensland, wo die ergiebigsten Niederschläge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurden.

    Dieser Bericht über das weltweite Klima in 2014 gibt einen Vorgeschmack auf das, was den Leser in diesem Buch erwartet. Was an obigen Ausführungen auffällt, ist, dass das gesamte Wettergeschehen doch ziemlich komplex und gleichzeitig unübersichtlich ist. In der Regel ist das weltweite Klima in El-Niño-Jahren warm und in La-Niña-Jahren kühl. Das Jahr 2014 scheint sich jedoch an dieses Gesetz nicht gehalten zu haben. Auch die ungewöhnliche Aufheizung der nördlichen Ozeane gibt im Moment Rätsel auf.

    Eines der Grundprobleme beim Thema „Klimawandel" ist, dass die Folgen extrem umfangreich und gleichzeitig hochkomplex sind. Aus diesem allgemeinen Grundproblem ergeben sich zahlreiche Folgeprobleme. So ist es außer Klimawissenschaftlern - den Topexperten - praktisch keinem anderen Menschen möglich, die gesamte Tragweite und Brisanz des aktuellen Klimawandels aufgrund seiner außerordentlichen Komplexität - sowohl global als auch regional - auch nur annähernd sicher zu beurteilen.

    Die Grundfakten der globalen Klimaerwärmung sind für jeden relativ einfach zu verstehen (s.S. 15-25). Eine große Herausforderung stellen die vielfältigen Folgewirkungen und Rückkoppelungseffekte dar, deren genaue Vorhersage sogar für Klimawissenschaftler manchmal schwierig ist. Aber wenn jemand aufgrund der unübersichtlichen Lage des globalen Klimageschehens überhaupt eine glaubwürdige faktenbasierte Aussage in diese Richtung machen kann, dann sind es die Klimaforscher. Die Politiker, d.h. die Entscheidungsträger für ein weltweites Klimaabkommen, haben praktisch keine andere Wahl, als den Topexperten zu glauben, wollen sie eine sinnvolle und nachhaltige Vereinbarung treffen. Wenn sie ihre Entscheidungen vorrangig auf ihr Gefühl und ihre eigene Meinung gründen, kann dies fatale Folgen für die Weltgemeinschaft haben, falls diese Meinung nicht mit den Fakten der Klimawissenschaft übereinstimmen sollte.

    Dies ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Es soll u.a. als objektive Informationsquelle über alle Tatsachen und Hintergründe dienen, die mit dem aktuellen Klimawandel zu tun haben. Dabei waren folgende Punkte für mich wichtig:

    1) Alle Klimafakten beruhen auf seriösen und international anerkannten Quellen der Klimawissenschaft.

    2) Große, übersichtliche Bilder und Graphiken zur Veranschaulichung der Fakten; darunter sind 54 farbige Abbildungen

    3) Klare, übersichtliche Gliederung des umfangreichen Stoffes

    4) Wichtige Absätze sind fettgedruckt hervorgehoben. Dies erleichtert das Lesen und die Orientierung.

    5) Klare wissenschaftliche Faktenorientierung

    Damit erhält der Leser ein einzigartiges „Klimalexikon, das ihn sachlich und fachlich über die aktuelle Faktenlage des Klimawandels umfassend und detailliert informiert. In Band 2 folgt dann unter dem Untertitel „Die Chancen u.a. eine ausführliche Bestandsaufnahme der emissionsfreien Energiequellen. Dies umfasst sowohl den aktuellen Stand der Technik und Anwendung als auch die wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten, die Erderwärmung mit Hilfe dieser Technologien zu begrenzen.

    Der Klimawandel - Die Grundfakten

    Folgende fundamentalen Fakten sind aufgrund umfangreicher, detaillierter Messergebnisse inkl. Vergleichsmessungen zahlreicher Klimaforscher, Institute sowie Organisationen seit langem unstrittig:

    •Die Durchschnittstemperatur auf der Erde hat sich in den letzten 200 Jahren um maximal 1°C erhöht.

    •Der CO 2 -Gehalt der Atmosphäre hat sich in den letzten 200 Jahren fast verdoppelt.

    •Der Meeresspiegel ist im Verlauf der letzten 130 Jahre um ca. 25 cm angestiegen.

    •Der massive Anstieg der Treibhausgase in den letzten 40 Jahren korreliert mit der Temperaturerhöhung.

    a) Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur

    Man sieht an folgendem Diagramm der NASA sehr deutlich den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung 1880. Dabei markieren die schwarzen Punkte die jährliche globale Durchschnittstemperatur auf der Erde zum jeweiligen Zeitpunkt, während die rote Linie den gemittelten Temperaturverlauf darstellt. Auffallend an dem Diagramm sind die deutlich erkennbaren starken jährlichen Temperaturschwankungen.

    Dies hängt u.a. damit zusammen, dass CO2 und die anderen Treibhausgase nicht alleine für das Weltklima verantwortlich sind, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Stattdessen wird von einem Zusammenspiel externer Faktoren wie der Sonne und interner Rückkopplungen des hochkomplexen Klimasystems ausgegangen, bei denen neben den Treibhausgasen auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

    Deshalb ist es nicht überraschend, wenn es zeitweise zu einer Entkopplung zwischen steigendem CO2-Gehalt in der Atmosphäre und der globalen Durchschnittstemperatur kommt. Dies kann man an folgender Graphik sehr gut für den Zeitraum 1940-1975 erkennen. Diese vorübergehenden Abkühlungsphasen sind auf natürliche Schwankungen im Klimasystem zurückzuführen.

    Globaler Temperaturindex - Oberflächentemperaturen Land und See 1880-2014 - Quelle: NASA - Goddard Institute for Space Studies -http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/

    Allerdings ergibt sich ein offensichtlicher logischer kausaler Zusammenhang zwischen dem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und der starken Zunahme des CO2 und anderer Treibhausgase in der Atmosphäre in den letzten 120 Jahren. Dies zeigt das Diagramm über den CO2-Anstieg im nächsten Abschnitt deutlich (s.a.S. 256).

    Wissenschaftler des IPCC simulieren seit Jahren mit extrem aufwendigen Rechenverfahren die Vergangenheit, Gegenwart sowie die Zukunft des Klimas auf der Erde. Damit ist es möglich, Projektionen für die wahrscheinliche Klimaentwicklung bis zum Jahre 2100 zu erstellen. Kernaussagen dieser Projektionen: Wenn sich die Menschheit in den nächsten 85 Jahren so verhält wie in der Vergangenheit, kann die Durchschnittstemperatur auf der Erde um bis zu 5°C ansteigen. Die Polkappen, das Grönlandeis sowie die weltweiten Gletscher könnten dadurch soweit abschmelzen, dass sich in Folge der Meeresspiegel um bis zu 1,5 m erhöhen würde. Nach neueren Modellberechnungen ist sogar ein Anstieg von bis zu 4 - 7 m bei einem kompletten Verschwinden des Grönlandeises möglich.

    b) Anstieg des Kohlenstoffdioxidgehaltes in der Atmosphäre

    Das Bild zeigt den Verlauf der CO2-Konzentration in der Atmosphäre während der letzten 400.000 Jahre.[³][⁴][⁵][⁶][⁷] Quelle: Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:VerlaufKohlendioxidgehalt-2012-08-05.png/File:Carbon_Dioxide_400kyr.png

    Man sieht an dieser Kurve eindeutig eine sprunghafte Zunahme der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre seit dem Beginn der Industrialisierung. Der CO2-Gehalt ist in diesem vergleichbar kurzen Zeitraum signifikant höher als zu jedem anderen Zeitpunkt während der letzten 400.000 Jahre. Mittlerweile gibt es schon Daten, die eine noch größere Zeitspanne (bis zu 2.000.000 Jahren) umfassen, während derer die CO2-Konzentration niedriger war als heute. Zum Vergleich: Vor ca. 100.000 Jahren trat der Homo sapiens sapiens auf die Bühne, vor ca. 5.000 Jahren wurden die großen ägyptischen Pyramiden errichtet, vor ca. 2.000 Jahren wurde Jesus Christus geboren. Aber erst in der im Vergleich dazu kurzen Zeitspanne von knapp 150 Jahren hat es diesen dramatischen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gegeben.

    Die obige Kurve reicht sehr weit in der Erdgeschichte zurück, bis zu 400.000 Jahre vor unserer Zeit. Obwohl sie eine sehr ähnliche Form hat, ist sie nicht mit der „Hockeyschläger"-Kurve von Mann (Mann et al. 1999) (s.S. 313 ff) zu verwechseln, welche die globalen Erdtemperaturen der letzten 1.000 Jahre zur Grundlage hat.

    Die Dramatik dieser Fakten ist bis heute nicht ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt. Dabei belegt kaum eine andere Zeitgraphik den signifikanten Klimawandel so eindeutig.

    c) Rückgang des arktischen Meereises

    Quelle: NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration/ USA)

    Mit Ausnahme der weltweiten Gletscherschmelze zeigen sich an kaum einem anderen Klimaphänomen die unmittelbaren Folgen der Erderwärmung so deutlich wie beim seit vielen Jahren zu beobachtenden dramatischen Rückgang des arktischen Meereises. Dies hängt u.a. auch damit zusammen, dass sich das Polarmeer viel stärker erwärmt als andere Ozeane. Direkt betroffen davon sind u.a. die Eisbären, die ihren jahrtausendealten Lebensraum verlieren. Sie weichen inzwischen aufs Festland aus.

    Satellitenaufnahmen aus den Wintern der Jahre 1989, 2007 und 2012 zeigen den dramatischen Rückgang der Eisbedeckung in der Arktis. Die Aufnahmen wurden von der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration/ USA) 2012 veröffentlicht.

    Das folgende Diagramm zeigt den längerfristigen Trend beim arktischen Meereis, wobei hier nicht die Eisausdehnung, sondern das Eisvolumen dargestellt ist. Dieser Wert ist erheblich aussagekräftiger, da der Abschmelzprozess des arktischen Meereises ja nicht nur die Eisbedeckung, sondern insbesondere auch die Eisdicke beeinflusst.

    Abnahme des arktischen Meereisvolumens im Zeitraum 1978 – 2015

    Quelle: NSIDC (National Snow and Ice Data Center/ USA)

    Man erkennt sehr deutlich die Abnahme des Meereisvolumens seit 1978. Dabei sieht man analog zu den Temperaturmessungen, dass das Abschmelzen des Meereises kein linearer Prozess ist. Dafür sind die Zusammenhänge sowie die Interaktion der verschiedenen Meeresströmungen untereinander sowie mit anderen Klimafaktoren zu komplex. Betrachtet man z.B. das kurze Zeitintervall zwischen 1982 und 1987, so kann man dort eine leichte Zunahme des Meereises feststellen.

    Danach jedoch nimmt das Meereis innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite (grauer Bereich) bis 2013 kontinuierlich ab. Die kurzzeitige Zunahme des Meereises seit 2013 liegt immer noch innerhalb der natürlichen Variationszone, wie man deutlich an obigem Diagramm sieht. Deshalb ist es vollkommen verfrüht, hier von einer „Trendumkehr" zu sprechen, wie manche Klimaskeptiker schon unken. Nur bei der Betrachtung längerer Zeiträume kann man einen eindeutigen Trend markieren. Im Übrigen ist dies unter Klimawissenschaftlern schon lange eine gesicherte Erkenntnis. U.a. konnte man diese kurzfristigen Schwankungen schon bei den globalen Temperaturwerten oben erkennen.

    Die Messungen der NSIDC belegen fundamental und eindeutig die fortschreitende Erderwärmung. Diesen Zusammenhang zu leugnen, würde bedeuten, die Erkenntnisse der Grundlagenphysik in Frage zu stellen und im weiteren Sinne die Naturwissenschaften insgesamt. Schon mit 14 Jahren lernen Schüler, dass Eiswürfel, wenn man sie in warmes Wasser legt, schmelzen. Die Wärmeenergie geht vom wärmeren Körper (Wasser) auf den kälteren Körper (Eiswürfel) über. Umso wärmer das Wasser ist, desto schneller schmilzt der Eiswürfel. Dies ist einfache allgemeine Wärmelehre.

    d) Abschmelzen der weltweiten Gletscher

    Weltweit schrumpfen die Gletscher. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen (ca. 1% aller Gletscher), wie beispielsweise die Gebirgsgletscher in Norwegen. Die Ursache hierfür hängt damit zusammen, dass diese Gletscher in den Zugbahnen der Tiefdruckgebiete der Westwindzone liegen. Die Tiefs verursachen Niederschläge, die in den Höhenlagen der norwegischen Gebirge häufig als Schnee fallen und dadurch auch die örtlichen Gletscher wachsen lassen. Die wachsenden Gletscher in Norwegen widersprechen also keinesfalls dem Befund einer globalen Erwärmung.

    Quelle: NSIDC; Graphik Robert A. Rhode; Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons-Commons-https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Glacier_Mass_ Balance_ German.png; Dyurgerov, Mark B. and Mark F. Meier (2005). Glaciers and the Changing Earth System: A 2004 Snapshot". Institute of Arctic and Alpine Research, Occasional Paper 58

    Auch dieses Phänomen kann jeder in den Gebirgen jährlich vor Ort nachverfolgen. Bereits mit bloßem Auge sind diese Fakten zu erkennen. Dies ist ebenfalls ein physikalischer Prozess, der durch Wärmeübertragung ausgelöst wird.

    e) Anstieg des globalen Meeresspiegels

    Seit dem Beginn der Industrialisierung bis heute hat sich der Anstieg des globalen Meeresspiegels deutlich beschleunigt. Im gesamten 18. Jahrhundert betrug er nur ca. 2 cm, im 19. Jahrhundert bereits 6 cm, im 20. Jahrhundert schließlich 19 cm.

    Der gemessene Anstieg des Meeresspiegels betrug im 20. Jahrhundert 1,7 ± 0,5 mm pro Jahr, zwischen 1961 und 2003 jährlich 1,8 ± 0,5 mm. Aufgrund von Satellitenmessungen konnte man zwischen 1993 und 2003 schon einen durchschnittlichen Anstieg um 3,1 ± 0,7 mm pro Jahr feststellen. Gegenüber den Jahrzehnten zuvor bedeutet dies eine Zunahme um fast 100% (IPCC)!

    Anstieg des globalen Meeresspiegels seit 1870; der gemessene Anstieg des mittleren Meeresspiegels zwischen 1870 und 2009 beträgt ca. 25 cm

    Blaue Kurve: Rekonstruierte Daten (Jahresmittel) von Church & White (2006); Kurzbeschreibung Rohdaten (Jahresmittelwerte, überarbeitete Version mit Daten bis 2002); Änderungen gegenüber den Rohdaten: Wert von 1870 als Null definiert, mm in cm umgerechnet.

    Rote Kurve: Satellitendaten, Kombination aus Daten von TOPEX/Poseidon, Jason-1 und Jason-2/OSTM; Kurzbeschreibung Rohdaten; Änderungen gegenüber den Rohdaten: Jahres-Mittelwerte berechnet, mm in cm umgerechnet. Auf jeden Wert die Differenz (1993-Wert (blaue Kurve) - 1993-Wert (rote Kurve)) aufgeschlagen, um die Kurven besser vergleichbar zu machen. Werte als SVG

    Quelle: public domain - El Grafo eigenes Werk 2010/ Church & White (2006)/ Satellitendaten, Kombination aus Daten von TOPEX/Poseidon, Jason-1 und Jason-2/OSTM – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sealevel-rise_1870-2009_de.svg

    Der kontinuierliche durchschnittliche Anstieg des globalen Meeresspiegels seit Beginn der Industrialisierung ist signifikant. Dabei spielt nicht nur das fortschreitende Abschmelzen der weltweiten Eismassen eine bedeutende Rolle, sondern auch die mit steigender Erwärmung zunehmende Ausdehnung des Meerwassers. Wissenschaftler gehen aufgrund ihrer Modellberechnungen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Anstieg des globalen Meeresspiegels durch eine Destabilisierung des grönländischen Eisschildes dramatisch beschleunigt werden könnte.

    Je nach Anstieg wären die weltweiten Auswirkungen gravierend. Drohen die gewaltigen Eismassen Grönlands ihre Stabilität zu verlieren, könnte es zu einem Anstieg des Meeresspiegels um durchschnittlich 5 – 7 m bis zum Ende des Jahrhunderts kommen. Auch bezüglich der Antarktis gibt es inzwischen alarmierende Anzeichen einer zunehmenden Destabilisierung und Abschmelzens der Eisschilde. (s.S. 29)

    f) Veränderungen in der Tierwelt

    Auch in der Tierwelt kann man signifikante Veränderungen aufgrund des Klimawandels beobachten. Am sichtbarsten wird dies zurzeit am Verhalten der Vögel. Viele Vogelarten in Europa und Nordamerika brüten im Mittel 6 bis 14 Tage früher als noch vor 30 Jahren. Bei den Zugvögeln in den mittleren Breiten wird in den letzten Jahrzehnten ein zunehmend späterer Wegzug, ein früherer Heimzug, eine Verkürzung der Zugstrecken oder häufigeres Überwintern im Brutgebiet beobachtet. So kommen Zugvögel nun um 1,3 bis 4,4 Tage pro Jahrzehnt früher an. In Deutschland kann man seit wenigen Jahren beobachten, dass bestimmte Singvögel-Arten sich nicht mehr auf den jährlichen Vogelflug in ihr Winterquartier begeben. Sie bleiben in Deutschland, da die Winter seit Jahren im Schnitt immer milder werden.

    Tiere, die früher nur in tropischen oder subtropischen Regionen zuhause waren, wandern zunehmend in höhere Breiten ein. Kälteliebende Arten ziehen sich immer mehr in die engere Umgebung der Pole zurück. Das gilt für Land- und Meeresbewohner gleichermaßen. So haben Tropeninsekten mittlerweile den Weg nach Deutschland gefunden, sehr zur „Begeisterung" der dortigen Bevölkerung.

    D.h. im Klartext, die gesamte Tierwelt wird in einem relativ kurzen Zeitraum durcheinandergebracht, mit unabsehbaren Folgen…Wie empfindlich die Tierwelt auf Umweltveränderungen reagiert, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, sieht man derzeit am dramatischen Bienenund Hummelsterben.

    g) Verlängerung der Vegetationsperioden

    Linkes Bild: Laubentfaltung der Hängebirke (Betula pendula) zwischen 1951 und 2000: Rote Quadrate: Stationen mit Verspätungen (positiver Trend), Kreise: Stationen mit Verfrühungen, wobei gelb = schwach negativer, blau = stark negativer Trend, große Symbole: Stationen mit signifikanten Trends.

    Rechtes Bild: Laubverfärbung zwischen 1951 und 2000: Blaue Quadrate: Stationen mit Verspätungen (positiver Trend); Rote Kreise: Stationen mit Verfrühungen, große Symbole: Stationen mit signifikanten Trends. Quelle: www.waldwissen.net/ Originalartikel: Menzel, A. (2003): Anzeichen des Klimawandels in der Pflanzen- und Tierwelt. LWF aktuell 37, S. 14-18.

    Eine zunehmende Erderwärmung führt zu einer Verstärkung des Treibhauseffekts, unter dem Pflanzen erwiesenermaßen gut gedeihen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Pflanzen auch genügend Wasser und Sonnenlicht erhalten. In den gemäßigten Breiten hat sich die durchschnittliche Vegetationsperiode der Pflanzen in den letzten Jahrzehnten weltweit um ca. 14 Tage verlängert. Am obigen Beispiel Deutschland sieht man die Verlängerung dieser Periode anhand der Laubentfaltung sowie der Laubverfärbung zwischen 1951 und 2000.

    Ökosysteme

    Arktis, Antarktis und Grönland

    Seit 10-15 Jahren schmilzt das Eis am Nordpol alarmierend schnell. Dies zeigt sich u.a. daran, dass im arktischen Sommer verschiedene Passagen mittlerweile praktisch eisfrei sind. Ursache ist, dass sich das Polarmeer viel stärker erwärmt als die anderen Weltmeere.

    Zunächst erscheint dies vorteilhaft, vor allem für die Wirtschaft, da sich durch die Befahrbarkeit dieser Seerouten Transportwege zum Teil erheblich verkürzen. Die Summe der Nachteile für die Tierwelt und die Meeresströmungen sowie die globale negative Beeinflussung des Weltklimas überwiegen diese Vorteile allerdings bei weitem. Warum?

    a) Golfstrom, globale Meeresströmungen

    Die sogenannte Atlantische Meridionale Umwälzbewegung (AMOC, Atlantic Meridional Overturning Circulation), zu der auch der Golfstrom gehört, bestimmt wesentlich das relativ milde Klima mit gemäßigten Temperaturen in Europa. Der Mechanismus ist relativ einfach: Warmes Oberflächenwasser wird vom Süden nach Norden bis in die Nähe von Grönland transportiert, kühlt sich dort ab und strömt nach dem Absinken als kaltes Tiefenwasser wieder nach Süden. In der folgenden Abbildung sind die wichtigsten weltweiten Meeresströmungen abgebildet. Man sieht u.a. deutlich, dass die meisten globalen Meeresströmungen miteinander zusammenhängen.

    Diese Störung kann infolge der fortschreitenden Erderwärmung irgendwann ausgelöst werden, indem das zunehmende Abschmelzen der gigantischen inländischen Eismassen Grönlands die Meereisbildung immer mehr behindert. Dies würde im Extremfall dazu führen, dass das warme Oberflächenwasser, das aus dem Süden herantransportiert wird, nicht mehr absinkt und damit das Kreislauf-Förderband des Golfstroms zusammenbricht. Voraussetzung dafür ist, dass die Dichte dieses Oberflächenwassers, ausgelöst sowohl durch verminderte Eisbildung als auch infolge der Verdünnung durch salzfreies Schmelzwasser der Grönland-Gletscher, nicht mehr groß genug ist, damit es absinken kann. Damit wäre der Kreislauf unterbrochen, mit insgesamt nicht absehbaren Folgen für das Klima weltweit. Die große Gefahr hierbei ist allerdings nicht eine weitere Eiszeit (s.S. 361 ff), sondern das Versiegen sämtlicher Meereszirkulationen bei einer ungebremsten weiteren Erderwärmung und als Folge die Mutation der weltweiten Ozeane zu einer einzigen gigantischen sauerstofffreien Todeszone. Dies würde die Vernichtung praktisch sämtlichen Lebens auf der Erde auslösen, wie es vor 250 Millionen Jahren während der globalen Katastrophe des Sibirischen Trapps passierte (s.S. 348ff).

    Quelle: www.raonline.ch

    Das generelle Problem ist die genaue Prognose, wann und unter welchen Klimabedingungen ein Versiegen des AMOC eintreten würde. Es ist nämlich schwierig für die Klimawissenschaft, dies aufgrund der vielfältigen Wechselwirkungen sowie der Komplexität aller weltweiten Klimafaktoren mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Das Einzige, was die Weltgemeinschaft tun kann, ist, das Risiko des Eintretens einer solchen Katastrophe zu minimieren.

    Wie potentiell das Risiko ist, haben einige Klimaforscher schon 2003/ 2004 anhand verschiedener Einflussfaktoren berechnet, unter ihnen der bekannte Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Preisträger des mit einer Million Dollar dotierten Jahrhundertpreises der James-S.-McDonnel-Stiftung. „In manchen berechneten Szenarien versiegt der Nordatlantik-Strom, in anderen - gleichermaßen plausiblen - nicht, sagt Rahmstorf, „nach jetzigem Stand kann man nur sagen, dass das Risiko vorhanden und nicht verschwindend gering ist. Laut seinen eigenen Ergebnissen würde der Golfstrom Mitte des kommenden Jahrhunderts versiegen und dann ca. 1.000 Jahre still liegen. Rahmstorf hat im Übrigen als einziger Wissenschaftler das Abschmelzen der Grönland-Gletscher in seine Untersuchungen miteinbezogen.

    Dieser Zusammenhang wird durch eine kürzlich erschienene neue Studie zum Thema Golfstrom von Rahmstorf und Kollegen eindrucksvoll untermauert:

    Aus einer Presseinfo vom April 2015:

    Golfstrom soll langsamer geworden sein

    Forscher des bekannten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben zusammen mit internationalen Wissenschaftlern im Fachblatt Nature Climate Change eine Studie veröffentlicht, in der deutliche Anzeichen für eine Abschwächung des Golfstroms beschrieben werden. Die Annahme, die unter Klimawissenschaftlern schon seit längerer Zeit diskutierte Störung sei eine Fiktion, ist ein Irrtum. „Jetzt haben wir starke Belege dafür gefunden, dass dieses atlantische Förderband sich in den vergangenen hundert Jahren tatsächlich verlangsamt hat, besonders seit 1970", sagte Leitautor Stefan Rahmstorf vom PIK. [⁸]

    Die globale Erderwärmung ist der Studie zufolge die Hauptursache für die beobachtete Abschwächung des Golfstroms. Riesige Eismassen auf Grönland schmelzen wegen der Klimaerwärmung mit unvermindertem Tempo ab. Dies führt dazu, dass gigantische Mengen zusätzlichen Süßwassers in den Nordatlantik fließen. Dies bewirkt eine nachhaltige Störung der ozeanischen Umwälzbewegung (s.o.). Dieser Prozess könnte durch eine fortschreitende Klimaerwärmung noch verstärkt werden. „Der vom Menschen ausgelöste Masseverlust des grönländischen Eisschilds scheint den Golfstrom zu verlangsamen und dieser Effekt könnte noch zunehmen, wenn die weltweiten Temperaturen weiter steigen", sagt Jason Box von der Geologischen Forschungsanstalt von Dänemark und Grönland.

    Die Wissenschaftler warnen vor „massiven Folgen" für Mensch und Umwelt. U.a. muss mit nachhaltigen Störungen der Ökosysteme in den Meeren, einem regionalen Meeresspiegelanstieg an der Ostküste der USA sowie signifikanten Wetterveränderungen in Nordamerika als auch in Europa gerechnet werden.

    Dass das totale Versiegen des Golfstroms eine reale Möglichkeit sein kann, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Eiszeit: Während der Schmelzphase der letzten Eiszeit trat innerhalb kurzer Zeit eine erneute Vereisung großer Teile Europas ein (Dansgard-Oeschger-Ereignisse). Der Grund: Eine gewaltige Schmelzwasserflut stoppte den wärmenden Nordatlantikstrom (AMOC, s.o.). Wissenschaftler von der University of Massachusetts in Amherst haben nun anhand von Modellsimulationen herausgefunden, dass für den Klimawechsel vor ca. 12.900 Jahren nicht nur entscheidend war, wie viel Schmelzwasser aus der Arktis in den Atlantik strömte, sondern auch, wo dies genau geschah. Das Schmelzwasser floss nicht, wie bisher von der Wissenschaft vermutet, auf Höhe des Sankt-Lorenz-Stroms in den Atlantik, sondern 4.000 Kilometer weiter nordwestlich über den Mackenzie-Fluss ins arktische Meer. „Die Ursache der damaligen Abkühlung genau zu kennen, ist wichtig, um zu verstehen, wie sich unser Klima in der Zukunft ändern könnte", sagte Alan Condron von der University of Massachusetts.

    Vor diesem Hintergrund erhält folgende Meldung vom August 2014 eine besondere Brisanz:

    Das Eis in Grönland und in der Antarktis schmilzt schneller als je zuvor. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts berichten in der Zeitschrift „The Cryosphere", dass jedes Jahr etwa 500 km³ Eis verloren gingen. Seit 2009 habe sich der jährliche Eisverlust in Grönland verdoppelt, in der Westantarktis verdreifacht. [⁹]

    Quelle: Pressemitteilung des Helmholtzzentrums für Polar- und Meeresforschung (Alfred-Wegener-Institut) vom August 2014

    b) Meeresspiegelanstieg

    Es gibt verschiedene wissenschaftliche Prognosen, wie stark der Meeresspiegel bis Ende dieses Jahrhunderts ansteigen wird. Ich möchte mich auf die Projektionen beziehen, die vom wissenschaftlich weltweit anerkanntesten Forschungsinstitut auf diesem Gebiet, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), stammen. Nach der neuesten Studie von Rahmstorf und Vermeer (2009) beträgt der wahrscheinliche Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 je nach Emissionsszenario zwischen 100 und 140 cm.[¹⁰]

    Der Anstieg des Meeresspiegels bis 2100. Rot sind die Messdaten (Church & White 2006); bunt zeigen die verschiedenen Anstiegswahrscheinlichkeiten je nach Emissionsszenario (B1, A2, A1FI); Basis der Daten ist eine semiempirische Abschätzung. Quelle: Vermeer & Rahmstorf (2009)

    Die verschiedenen Projektionen B1, A2, A1FI zeigen deutlich, dass der künftige Anstieg des Meeresspiegels vor allem von der Entwicklung der menschengemachten Treibhausgas-Emissionen abhängt. Dabei kommt die semiempirische Abschätzung von Rahmstorf und Vermeer je nach Emissionsszenario (B1, A2, A1FI) auf Anstiege zwischen ca. 1,00 und 1,40 m für den Zeitraum 1990-2100. Man erkennt zudem an obiger Graphik, dass dies signifikant von den entsprechenden Werten aus dem IPCC-Bericht („AR4"), denen prozessbasierte Modelle zugrunde liegen, abweicht.

    Um die wissenschaftliche Professionalität und Aussagekraft dieser Projektionen zu untermauern, möchte ich im Folgenden kurz auf die wissenschaftliche Vorgehensweise sowie die weltweite Reputation des PIK auf dem Forschungsgebiet „Meeresspiegelanstieg aufgrund des Klimawandels" eingehen. [¹⁰a]

    Meeresspiegel in der Erdgeschichte

    Große Eismassen bedeckten auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit die nördliche Hemisphäre. Gegen Ende der Eiszeit stieg die globale Temperatur um 5°C. In der Folge schmolzen zwei Drittel des Eises ab und der globale Meeresspiegel stieg um 120 m. Dieser Anstieg endete erst vor ca. 4.000 Jahren. Das verbliebene Drittel des Eises findet sich noch heute auf Grönland und der Antarktis. Schmilzt dieses Eis komplett ab, würde der globale Meeresspiegel um weitere 65 m ansteigen. Mit Klimamodellen simuliert das PIK komplette Eiszeitzyklen sowie das Wachsen und Schrumpfen des Eises. In Zusammenarbeit mit US-Wissenschaftlern arbeitet das PIK daran, die Entwicklung des Meeresspiegels über die vergangenen Jahrtausende aus Proxydaten zu rekonstruieren.

    Projektionen des künftigen Meeresspiegelanstiegs

    Zur Berechnung des zu erwartenden Anstiegs des Meeresspiegels aufgrund eines bestimmten zukünftigen Temperaturanstiegs wurde vom PIK die „semiempirische" Methode entwickelt. Diese Methode nutzt einen einfachen physikalisch motivierten Zusammenhang zwischen globaler Temperatur und Meeresspiegel, der mit Hilfe von Daten aus der Vergangenheit kalibriert wird. Außerdem werden in regionalen Meeresspiegelprojektionen auch regionale Abweichungen, die z.B. durch die Schwerkraft der schrumpfenden Eisschilde ausgelöst werden, berücksichtigt.

    Meeresströmungen und thermische Ausdehnung

    Das PIK nutzt globale Ozeanzirkulationsmodelle, um z.B. die thermische Ausdehnung der Ozeane infolge der Erderwärmung oder die Wirkung veränderter Meeresströme auf den regionalen Meeresspiegel zu untersuchen.

    Dynamik der kontinentalen Eismassen

    In Zusammenarbeit mit der University of Alaska haben Wissenschaftler des PIK das Parallel Ice Sheet Model (PISM) entwickelt, ein innovatives numerisches Modell der Kontinentaleisdynamik. Dieses Modell wird insbesondere zur Untersuchung der Stabilität des Antarktischen Eisschildes verwendet. Zusätzlich haben Forscher des PIK das Eismodell Sicopolis an das hauseigene Erdsystemmodell CLIMBER-2 gekoppelt und damit die Stabilität des grönländischen Eisschildes bei vergangenen und künftigen Klimaänderungen untersucht.

    Auswirkungen auf die Küste

    Zurzeit wird zusammen mit dem Europäischen Klimaforum und den Universitäten Southampton und Kiel das integrierte Modell DIVA entwickelt. DIVA ist ein globales Modell, das sowohl die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf alle Küstennationen kalkuliert als auch die Kosten und den Nutzen möglicher Anpassungsmaßnahmen. Es projektiert eine Vielzahl von sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen für die Zukunft, wie z.B. die Erosion von Stränden, die Überschwemmung von Küsten, Sturmflutschäden, Migration von Betroffenen, die Veränderung von Küstenökosystemen sowie das Eindringen von Salzwasser in die Unterläufe der Flüsse.

    Weltweite Kooperation

    Das PIK arbeitet mit führenden Meeresspiegelexperten aus der ganzen Welt zusammen, z.B. in gemeinsamen Fachpublikationen u.a. mit Anny Cazenave (CNES, Frankreich), John Church (CSIRO, Australien), Ben Horton (Univ. of Pennsylvania) und Bob Nicholls (Univ. of Southampton). Die Publikationen des PIK zählen zu den meistzitierten in der Fachwelt: Unter den mehr als 9.000 (!) Meeresspiegel-Fachpublikationen der letzten fünf Jahre belegte das

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