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Glaube, logisch. Ein Ansatz, mit grundsätzlichen Fragen an das Christentum umzugehen, die sich jedem Glaubenden stellen (sollten).: Eine persönliche Apologetik
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Glaube, logisch. Ein Ansatz, mit grundsätzlichen Fragen an das Christentum umzugehen, die sich jedem Glaubenden stellen (sollten).: Eine persönliche Apologetik
eBook322 Seiten4 Stunden

Glaube, logisch. Ein Ansatz, mit grundsätzlichen Fragen an das Christentum umzugehen, die sich jedem Glaubenden stellen (sollten).: Eine persönliche Apologetik

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Über dieses E-Book

Was ist am christlichen Glauben folgerichtig und logisch? Es gibt Fragen, die mancher für sich klären möchte, wenn er sich zu glauben entscheidet. Wie kann das überhaupt gehen: eine verbindliche Wahrheit für alle, verkündet durch unvollkommene Menschen? Wenn man Gott sucht, wird die Frage, worauf man sich da eigentlich einlässt, sehr relevant. Doch oft geht die Verkündigung davon aus, dass Menschen über das Gehörte nicht nachdenken, dass es genügt, ihnen zu sagen, wovon sie überzeugt sein sollen. Viele der üblichen Antworten ergeben nur Sinn, wenn man sich bereits in der Denkwelt des Glaubens befindet: allzu oft bekommt man Theologisches, wenn man Logisches sucht. Selbstverständlich ist Theologie nötig, doch auch das Richtige kann falsch sein, wenn die Antwort nicht zur Frage passt: Wer Durst hat, braucht kein Brot. Der Glaube hinterlässt so den Eindruck, als könne er nur sich selbst beschreiben, nicht aber die Fragen beantworten, die von außen an ihn gestellt werden.
Hier setzt das Buch an: Themen wie Glaube, verbindliche Wahrheit, Erbsünde und Katechismus werden stets auf einer Grundlage behandelt, die selbst keinen Glauben erfordert. Auch kritische Anfragen und Zweifel werden ausgesprochen und weiter gedacht. Anhand von Bildern, Situationen aus dem täglichen Leben und Zitaten aus der Heiligen Schrift wird aufgezeigt, wie sich Gott gerade dort finden lässt, wo es im ersten Moment gedanklich schwierig wird. Erst im Erkennen der eigenen Grenzen lässt sich ahnen, was dahinter liegt: Gott ist nah, seine Botschaft ist eng mit dem Leben verflochten und vor allem: Er ist zutiefst vertrauenswürdig.
Ob Leser und Leserin wie der Autor am Ende dieser Gedanken auf Gott und seine Kirche stoßen, bleibt ihnen selbst überlassen. Doch auf jeden Fall wird klar: Das Christentum kann sehr reflektiert sein.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum2. Mai 2022
ISBN9783347601345
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    Buchvorschau

    Glaube, logisch. Ein Ansatz, mit grundsätzlichen Fragen an das Christentum umzugehen, die sich jedem Glaubenden stellen (sollten). - Sebastian Volkamer-Scheidler

    Vorwort

    Glaubensfragen greifen tief. Das erlebe ich in der Familie, in der Gemeinde, im Internet und nicht zuletzt in mir selbst. Standardantworten versagen, wenn man persönlich berührt wird; Gott ist existenziell, wie es die eigenen Nöte sind, oder der Glaube lohnt nicht. Wo bleibt die Freiheit angesichts göttlicher Gebote? Wie gehe ich mit meiner Neigung zur Sünde oder wirklich begründeten Zweifeln um? Wenn man sich auf Gott einlässt, verlieren diese Fragen plötzlich ihren Anschein des Theoretischen und verlangen nach Antworten. Die dürfen durchaus abstrakt sein oder unfertig (bei Themen wie der Ewigkeit geht es gar nicht anders), solange sie nur konkret auf die Frage eingehen.

    Doch hier hakt es immer wieder: Die Antworten, die man bekommt, passen häufig nicht zur Frage. Viel zu oft geht die Verkündigung davon aus, dass Menschen über das Gehörte nicht nachdenken, dass es genügt, ihnen zu sagen, wovon sie überzeugt sein sollen. Häufig sogar, dass Überzeugungen überhaupt nicht notwendig sind. Hauptsache, man fühlt sich dabei wohl.

    Man begegnet Regeln, Rezepten, Methoden und vorgefertigten Weisheiten. Das Spektrum ist weit; alles ist dabei, vom Rezitieren von Dogmen bis hin zum gruppendynamischen Beschriften von Papierstücken in Blattform, die man danach auf einen Papp-Baum des Lebens klebt. Je nach Standpunkt und Glaubensleben dessen, den man fragt, bekommt man dann einen Auszug aus dem Katechismus vorgelegt, abstrakte Theologie, fromme Sinnsprüche oder Wohlfühlen auf Augenhöhe. Nichts davon ist schlecht; die Lehre der Kirche und ihre gläubige theologische Durchdringung in respektvollem Umgang miteinander sind wichtig. Doch auch das Richtige kann falsch sein, wenn die Antwort nicht zur Frage passt: Wer Durst hat, braucht kein Brot.

    So aber entsteht bei vielen der Verdacht, dass das Christentum nicht in der Lage ist, sich dem wirklichen Leben zu stellen, und stattdessen in erster Linie sich selbst erklärt. Viel zu oft weiß der Glaube nichts zu erwidern, wenn der Intellekt Fragen hat. Doch es gibt Fragen, die erst einmal logisch, nicht gleich sozio- oder theologisch beantwortet sein wollen, logisch und zugleich gläubig. Wer beides will, glauben und denken, steht mit seinen Themen oft im Regen – einem Regen, den ich nur zu gut kenne.

    Dieses Buch ist gleichsam mein persönlicher, gläubig- intellektueller Regenschirm, meine Auseinandersetzung mit der Folgerichtigkeit des christlichen Glaubens. Ich möchte dabei Themen betrachten, die Klarheit brauchen, bevor man sich den Details einer Lehre zuwendet. Meine Erfahrung ist: Wenn ich die vorschnellen Antworten erkenne und beiseitelasse, stattdessen aber die eigenen Fragen wirklich auslote und Widersprüchlichkeiten unvoreingenommen betrachte und untersuche, entdecke ich dahinter Christus und seine Kirche, und so manches Detail ergibt sich von selbst.

    Was dann folgt, kann man niemandem abnehmen; Begegnungen sind persönlich, ganz besonders die mit Gott. Deshalb ist es mein Bemühen, keine Aufforderungen zu einem bestimmten Handeln oder Denken zu geben, sondern stattdessen aufzuzeigen, wo es gedanklich weitergehen könnte. Es sind meine Schlüsse, die ich aus all dem ziehe; niemand muss zu denselben Folgerungen kommen. Doch vielleicht springt der Funke der Begeisterung über.

    Denn zugleich, und das ist mir das Wichtigste, ist dies der Versuch, die Logik von Gottes Botschaft zum Thema des Nachdenkens zu machen, weil sie wirklich zu faszinieren vermag – eine Freude, die ich teilen möchte. Es ist Verkündigung, denn wo Faszination ist, da ist das Herz.

    Grundlage: Warum diese Texte existieren.

    Warum ich überhaupt schreibe,

    warum ich diese Texte schreibe

    und warum ich glaube,

    dass dies ein sinnvolles Projekt ist,

    obwohl ich letztlich unqualifiziert bin.

    Das Problem mit dem Atheismus

    und das viel größere mit dem eigenen Glauben.

    Persönlicher Anfang: Bitte um Erlaubnis

    Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. (Lukas 5,31)

    Einem Arzt, der ständig raucht, glaubt man keine Gesundheitstipps, so wenig wie einem fetten Diätberater, obwohl beide zumindest theoretisch wissen, wovon sie reden, denn sie haben es gelernt. Was soll dann, bitte, ein Buch über Gott und seine Logik, geschrieben von einem Durchschnittsmenschen, der obendrein ohne theologische und philosophische Ausbildung ist? Haben die beiden Unglaubwürdigen einen neuen Kollegen bekommen, den sündigen, ungebildeten Prediger? Am häufigsten habe ich mir diese Frage gestellt: Darf ich mich überhaupt in dieser Art öffentlich äußern, oder ist es schlicht Anmaßung?

    Im Schreiben zeigt sich für mich die Reife oder Unvollkommenheit meiner Gedanken. Verstricke ich mich und bekomme nichts Sinnvolles zustande? Dann beruhte die vermeintliche Klarheit im Kopf auf Unausgegorenem, aus unfertigen Fragmenten und Irrtümern. Wenn aber die Logik stimmt, werden die Gedanken beim Aufschreiben klarer und dichter; was vorher oft schwer greifbar war, wird zur Grundlage, auf der ich jetzt stehen und bereichert weiter denken kann. Das lohnt und macht Freude; Schreiben ist für mich eine hilfreiche Sache.

    Doch reicht das für mein Thema: Gott? Selbstverständlich muss er das Beste bekommen, zu dem ich in der Lage bin, und doch – es wird niemals genügen, niemals dem Bedachten auch nur annähernd gerecht. Vor ihm ist alles Erkennen Stückwerk. Was allerdings im ersten Moment nach vergeblicher Mühe klingt, ist in Wahrheit Verheißung: Es wird kein Ende kommen. Mit jeder Erkenntnis wird sich der Horizont weiten; das große, faszinierende und reiche Land, das es im Glauben zu erobern gilt, ist grenzenlos. Angesichts dieser göttlichen Unendlichkeit ist jegliches Denken unvollkommen. Jedem Glaubenden ergeht es so. Auch wenn ich mich daran mache, mit einer Muschel das Meer auszuschöpfen, wenn ich danach suche, das Unaussprechliche mit Worten zu begreifen - Gott reicht das. Er freut sich darüber. Von ihm zu schreiben ist wenig riskant.

    Darf ich nun diese Gedanken veröffentlichen, was immer heißt, mit einem gewissen Anspruch aufzutreten? Ich habe sie vorher von Theologen gegenlesen lassen; allerdings wurde auch im Namen der Theologie eine Menge entmutigender Unsinn geschrieben. Genau das aber möchte ich nicht sein: entmutigend, im Gegenteil. Mein Motiv ist der Auftrag Jesu in der Schrift: Wir sollen verkünden, und ich habe lange nach einem Weg gesucht, auf dem ich das kann. Dies ist meine Art. Es wird immer nur ein Anfang sein, ein erstes Kratzen an einer Oberfläche, unter der sich gewaltige Schätze in ungeahnten Tiefen befinden.

    Und doch haben mich diese oberflächlichen Gedanken im Laufe vieler Jahre letztlich selbst besiegt: Sie führten vom Nachdenken über Gott zum Beten. Sie führten vom abstrakten „Er zum „Du. Ich erkenne, oder besser: erahne ihn, nicht als Prinzip, sondern als persönliches Gegenüber. Die Verkündigung beginnt, kleine Früchte zu tragen, erst einmal bei mir selbst. Ich erlebe, wie Gottes Therapie langsam, aber sehr tief in mir zu wirken anfängt, und ich bete, dass sie erfolgreich ist.

    Kurz möchte ich berichten, wie es zu diesen Gedanken gekommen ist.

    Wenn man zum Grübeln neigt und mit der christlichen Lehre heranwächst, entdeckt man als junger Mensch irgendwann, dass man einen großen Vorrat an Antworten auf Fragen besitzt, die man so nicht gestellt hat. Zumindest ich war stolzer Besitzer eines Weltbildes, das durchdacht und in sich schlüssig war, doch nicht in die Realität passen wollte, ein Problem, die ich kurzerhand der Realität in die Schuhe schob. Und da ich all die Antworten, die ich hatte, sehr wichtig fand, versuchte ich, sie auch anderen zu geben, die allerdings ebenfalls nicht danach gefragt hatten. Ihre Freude darüber hielt sich in Grenzen. Sie sprachen klar aus, was ich selbst nicht zu denken wagte: Dieser ganze Glaube passt nicht zu uns. Wir wollen keine Einschränkungen und Anleitungen, sagten sie, sondern leben.Das hatte etwas für sich. Denn, logisch oder nicht, ich musste feststellen: Der Glaube trug nicht. Meine Antworten passten nicht zu den Fragen, die ich wirklich hatte, und die kamen mit Macht. Als junger Mensch bald selbst vor Gewissensentscheidungen gestellt, wählte auch ich das Steak, doch es wollte mir nicht recht schmecken. Zu oft blieb ein schlechtes Gewissen, denn meine Antworten passten zwar nicht, waren aber dominant und redeten überall herein. Wenn der Glaube, neben all seiner Theorie, auch praktisch zu etwas gut war, dann dazu, so schien es, sich darin zu verstricken, nicht weiter zu wissen und zu scheitern. Alles, was mir blieb, war so zu tun, als gäbe er mir Zuversicht und Halt. In diesem Zwiespalt warfen meine ganzen Antworten vor allem neue Fragen auf, die an meinem Weltbild zu kratzen begannen. Alle drehten sich um das Thema: Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben, und welche spiele ich für ihn?

    Die Suche nach Rat war erfolglos. Die Ungläubigen sagten mir, sie hätten schon immer gewusst, dass der Glaube mit dem Leben nichts zu tun hat, deshalb glaubten sie ja auch nicht. Das erschien wie gesunder Menschenverstand. Die meisten dieser Leute waren lebensfroh, locker und unverbohrt. Jeder sei selbst für sich verantwortlich, behaupteten sie. Diese Verantwortung könne man nicht delegieren, die letzte Instanz sei immer jeder persönlich. Doch da ich inzwischen wenigstens einen Menschen recht gut kannte, nämlich mich, wusste ich, dass ich derlei nicht gebrauchen konnte: Zumindest bei mir reicht es nicht zur letzten Instanz. Auch bei vielen der Ratgeber hat es nicht gereicht; so manche derer, die damals so locker waren, sind heute unglücklich, wofür sie interessanterweise letztinstanzlich andere verantwortlich machen.

    Fragte ich Christen, sagten die im Grunde dasselbe. Sie alle hatten ihre private Grenze, hinter der die Forderungen des Christentums nicht galten. Diese Grenze lag wahlweise da, wo sie Gott nicht mehr verstanden, oder dort, wo sie ihn zwar noch verstanden, aber fanden, dass er stört. Sie redeten offen und aufgeschlossen davon, was sie vom Glauben im Leben umsetzen wollten; fragte man jedoch nach etwas, das darüber hinausging, konnten sie plötzlich sehr kurz angebunden sein. Geld, Sexualität oder schlechtes Reden über andere - jeder hatte irgendwo eine Kuh, die so heilig war, dass sie zu schlachten selbst Gott nicht die Berechtigung hatte. Er galt ihnen nicht als die letzte Instanz, sondern als ein Kriterium unter vielen. Letztlich war auch ihre Antwort: Am Ende entscheidet der Mensch, was gilt. Das hatte ich schon gehört.

    Geistliche, die ich fragte, rieten mir, eine Grenze zu ziehen und mich nicht zu überfordern. Gegen die Idee eines Glaubens, der mehr forderte, als einen Teilgehorsam, wehrten sich auch sie, und erklärten es anhand der Schrift. Mir kam das unaufrichtig vor: Wieder sollte ich der Maßstab dafür sein, was von Gott gültig war, und was nicht. Offensichtlich drückten sie sich ebenfalls um Klarheit, nur dass sie im Gegensatz zu den anderen in der Lage waren, das aus theologischen Gründen zu tun und gleichsam Gottes Wort als Argument gegen den Glauben zu verwenden. Das wirkte besonders abwegig. Allerdings konnte ich nicht umhin, einzugestehen, dass auch meine eigenen Vorstellungen mich bisher nicht weiter geführt hatten. Wenn ich nicht ein hoffnungsloser Fall war, erschien die Idee der Überforderung recht naheliegend.

    Vom ursprünglichen Glauben blieben allmählich nur die zweifelnden Fragen übrig. Es gab die Botschaft von Gott, die ich lange vertreten hatte, und es gab mein Leben. Doch zwischen beiden existierten nur sehr theoretische und abstrakte Brücken – letztlich hatten sie nichts miteinander zu tun. Gott und ich waren nicht kompatibel. Unter Glück verstand er etwas völlig anderes als ich, mehr noch: Ich war überhaupt nicht in der Lage, das, was ich von ihm erkannte, auch nur zu wünschen.

    Ich steckte in einer Sackgasse. Sollte ich in einem spirituellen Kraftakt das Gemüt verleugnen? Das hatte ich versucht – es trägt nicht weit. Die wenigsten Hindernisse verschwinden, weil man von ihnen wegschaut; Gefühle gehören nicht dazu. Sollte ich stattdessen korrigieren, an was ich glaubte? Eine absurde Idee. Entweder handelte es sich um Fakten, die zu beachten sich lohnt – dann wären solche Korrekturen nichts als Täuschung, vergleichbar einem Steuerbescheid, in dem ich unangenehme Zahlen selbst durch nettere ersetze. Oder es waren keine Fakten – dann gehörte der ganze Glaube möglichst schnell auf den Müll. Doch Fakten waren es – das war mir klar. Dass es Gott gab, davon war ich nach wie vor fest überzeugt. Er bekam damals einiges von mir zu hören.

    Nur langsam wurde mir klar (machte er mir klar?), dass es an der Zeit war, die ganzen alten Denkansätze und Interpretationen zu verwerfen. Die Denkansätze wohlgemerkt, nicht den Glauben – der war richtig, ich lag falsch. Denn das Wichtigste hatte ich in all meinen Ansichten und Grübeleien überhört, eines hatte ich bei allen Regeln und Überlegungen nie wirklich berücksichtigt: Er sagte, dass er mich liebe. Abstrakte Theorien und Prinzipien genügten nicht; es war etwas nötig, in dem ich vorkam, wollte ich ihm nicht unterstellen, dass er mich belog. Wenn es ihm aber um mich ging, waren wir auch kompatibel.

    So begann ich, alles neu zu durchdenken. Nicht mehr ich mit meinen Zweifeln wollte den Rahmen vorgeben, sondern Gottes Logik zählte, und diese Logik musste Liebe sein. Ein hoher Maßstab für jemanden, der unter Glauben lange das Ringen mit Gewissensbissen verstanden hatte, und schwer auch angesichts so mancher Stellen in der Bibel, die verurteilend und durchaus nicht liebend klingen. Dennoch - ich suchte (und suche!) Gott so zu erkennen, wie er sich selbst offenbart: beileibe nicht harmlos, aber liebevoll. In diesem Licht aber, das stellte ich fest, wird vieles, was problematisch war, plötzlich hochinteressant.

    Warum ich das alles erzähle? Weil das, was mein Durchdenken erbrachte, nur gesagt werden kann, wenn klar ist, woher es kommt. Es muss in meiner Fehlerhaftigkeit geerdet sein, sonst kommen Dinge heraus, die mir nicht zustehen. Ich vermag nichts Endgültiges über Gott und sein Heil auszusagen. Nur eine von ihm selbst eingesetzte und garantierte Instanz, die den Heiligen Geist persönlich zur Hilfe hat, wie immer das aussieht, kann darüber reden, ohne die eigenen Aussagen zugleich in einem gesunden Maße anzuzweifeln. Endgültiges muss von Gott selbst bezeugt werden. Diese Texte sind einfach das, was von mir kommt. Eine persönliche Krücke. Mehr nicht. Eine jedoch, mit der ich versuche, auf Gott zuzugehen. Auch weniger nicht.

    Das ist der entscheidende Punkt: Ich schreibe nicht als Berater oder Doktor, sondern als Patient, der Krücken braucht. Ich gebe keine Gesundheitstipps, sondern ich mache Werbung für einen Arzt, von dem ich erlebe, dass er heilt. Dass ich dabei beschreibe, wie ich ihn wahrnehme und was ich ihn tun sehe, ist auch als Nicht-Fachmann mein gutes Recht – wie sonst sollte ich von ihm erzählen? Es ist das Zeugnis eines Kranken mit besten Heilungsaussichten, nicht weil er so robust, sondern weil er in den besten Händen ist. Darf ich nun meine Gedanken aufschreiben, um diesen Arzt bekannt zu machen?

    Ich denke, ich darf.

    Warum nicht einfach nicht glauben?

    Too stupid for Science? Try religion! (Zu blöd für die Wissenschaft? Versuchs mit Religion!)

    (Atheistischer Slogan)

    Nein, nicht alle Atheisten denken so. Nicht jeder bringt es derart überspitzt auf den Punkt und nennt den anderen dumm, doch es gibt viele, die aus ihrer Überzeugung keinen Hehl machen: Jemand, der glaubt, hat es ihrer Meinung nach nötig, harte Fakten durch gläubig-weiche Spekulationen zu ersetzen, und zwar spätestens dann, wenn er, warum auch immer, nicht mehr weiter weiß. Nicht zu wissen und stattdessen zu glauben scheint ihnen die Basis der Religion zu sein. Da finden sie es ehrlicher, die eigene Unwissenheit zu erkennen und an ihr zu arbeiten, statt einfach irgendetwas zu glauben.

    Ich beziehe Gegenposition: Wer so denkt, sage ich, hat nicht richtig hingeschaut. Das heißt nicht, dass jeder glaubt, der die Dinge unvoreingenommen betrachtet, doch er wird nicht mehr so über den Glauben reden. Denn nicht Unwissenheit ist die Basis des Glaubens, sondern Begegnung und Verstehen.

    Ich habe im Leben zwar oft gehadert, doch die Wahrhaftigkeit Gottes nie in Zweifel gezogen. Der einfache Grund dafür ist kein frommer, sondern ein intellektueller: Unglaube erschien mir schlicht nicht stichhaltig. Versuchte ich, meine Existenz ohne Gott zu denken, kam ich an Grenzen, die verschwanden, sobald ich ihn einbezog.

    Atheismus konnte mich logisch nie überzeugen, im Gegenteil. Der Slogan oben bringt die Unvernunft für mich auf den Punkt.

    Ich werde erklären, warum, und nehme auch mir die Freiheit, etwas scharf zu sein – der Deckel muss zum Topf passen.

    _______

    Der andere Boxer rennt auf mich los, wilde Entschlossenheit im Blick. Er sinnt auf Knock-Out. Ich mache mir nicht die Mühe, in Deckung zu gehen – ich weiß, was passieren wird. Er beachtet mich gar nicht weiter, läuft an mir vorbei, baut sich vor einer Ecke auf, in der er mich aus irgendeinem Grunde vermutet. Weit holt er aus und landet einen heftigen Haken in der Luft: „Nimm das! Dann wartet er darauf, dass sein Gegner in der Ecke, in der er nie war, angezählt wird. Ich tippe ihm auf die Schulter: „Hallo, hier bin ich! Er fährt herum, starrt mich an. „Hast du noch nicht genug?!" Er läuft zurück zur Ecke, in der er mich glaubt, prügelt erneut auf die Luft ein. Wie üblich hat der Kampf kein Ergebnis, weil er nicht stattfindet: Einer der Boxer verdrischt die Luft, der andere wartet auf einen Schlagabtausch.

    So kommen mir die meisten Diskussionen mit Atheisten vor. Sie verorten meinen Glauben dort, wo er nicht ist, bekämpfen mit Nachdruck Positionen, die ich nicht vertrete, und gelangen zu dem Schluss, da überlegen zu sein, wo kein Wettkampf stattgefunden hat.

    Der Eingangs-Slogan zeigt es: Die Ecke, in der viele Atheisten Gläubige vermuten, ist die des fehlenden Verständnisses für Wissenschaft. Sie sind überzeugt, der Christ glaube, weil ihm das Wissen fehlt. Er versuche, mit dem Übernatürlichen die Löcher im Weltbild zu stopfen, die ihm eine bessere und tiefere Kenntnis der Natur füllen könnte, wenn er sich nur darauf einließe. Der Atheist sieht in der Idee Gottes einen verqueren Ansatz des Christen auf der persönlichen Suche nach Sinn, den er in sich selbst nicht findet und deshalb in ein Gedankenwesen projiziert. Eine Religion liefert dem Glaubenden Antworten, ohne die er nicht klar kommt, so vermutet der Atheist. Für ihn als denkenden Menschen scheidet die Idee aus, sich etwas vorzumachen; ein Hirngespinst kann ihm keine Lösung sein.

    So wird der Glaube oft betrachtet, kritisch wird er betrachtet. Bei harmloser Ausprägung wird er als Krücke für Menschen akzeptiert, denen sich Ethik und Werte ohne derlei religiöse Konstrukte nicht erschließen. Ist der Glaube jedoch fanatisch oder gar missionarisch Hilflosen gegenüber, wie Kindern, Armen, Alten etc., dann ist es in dieser Logik folgerichtig, ihn zu bekämpfen: Es darf schließlich nicht das Ziel sein, Personen eine Krücke zu verpassen, die auch selbst laufen lernen könnten. Nicht Gott muss bekannt gemacht werden, sondern die Erkenntnis, die ihn überflüssig macht. Und so wird mir in den meisten Diskussionen über den Glauben Wissen angeboten, mit dem ich doch bitteschön Gott und sein Reich ersetzen soll, wenn ich mich nicht als unbelehrbar, wenn nicht gar als Fanatiker outen will.

    Nur ist all das ein Scheingefecht: Was mir da geboten wird, trifft die Sache nicht. In dieser Ecke des Rings steht überhaupt kein Christ. Dort stehen bestenfalls Verschwörungstheoretiker und daneben ein paar Abergläubische. Mit ihnen zu diskutieren ist meist sinnlos, der angedachte Knock-Out hingegen erscheint hier oft hochverdient.

    Der Christ nämlich sieht es genau anders herum: Nicht Wissenschaft ist Antwort auf den Glauben, sondern umgekehrt. Der Glaube ist die Dimension, in die das logische Denken einen Menschen führen kann. Jede Erkenntnis weist, wenn man sie weiter denkt, irgendwann über sich hinaus. Konsequentes Denken erschließt einen neuen Bereich: den des Absoluten, des letzten Schöpfers, evtl. gar den der Sünde und des Erlösers. Man mag das schon als Möglichkeit leugnen (was unwissenschaftlich wäre), oder man setzt sich mit diesem Gebiet auseinander und kann, so man dort Lohnendes vorfindet, versuchen, es zu erobern.

    So endet im Grunde jede sinnvolle Diskussion zu diesem Thema, bevor sie überhaupt begann, und wird zum Scheingefecht: Viele Atheisten sind überzeugt, Christen glaubten, weil sie etwas ersetzen müssen, das ihnen fehlt, doch tatsächlich glauben sie, weil sie etwas Zusätzliches gefunden haben. Man redet aneinander vorbei; die Auseinandersetzung ist entsprechend geprägt von logischen Brüchen.

    Grundsätzlich haben Christen und Atheisten erst einmal etwas gemeinsam: Beider Weltbild bezüglich der eigenen Existenz beruht auf einem grundlegenden Dogma. Das der Christen lautet: Es gibt einen Schöpfer. Das der Atheisten: Es gibt keinen Schöpfer. Viel wurde darüber geschrieben und diskutiert, doch einleuchtenderweise konnte weder Gottes Existenz bewiesen werden, noch seine Nicht-Existenz.

    Nun ist die Idee des Schöpfers erst einmal Wasser auf die Mühlen des Atheismus: Ist da die Wissenschaft nicht längst weiter? Zum Existieren braucht man keinen Schöpfer mehr, eine Erkenntnis, die den Gläubigen offenbar fehlt. Könnte man zeigen, dass nachweislich alles auf natürliche Weise ablief, müsste dem Glauben ein wesentliches Standbein fehlen. So kommt die Evolution ins Spiel, eines der faszinierendsten Gedankengebäude, die je geschaffen wurden. Ein System, in dem sich das Leben aus sich selbst heraus entwickelt und ausdifferenziert, nachdem es unter glücklichen Umständen aus reiner Materie und der in ihr enthaltenen Information entstand. Eine Logik, die höchst zukunftsfähig ist: Verlässlich seit Jahrmilliarden ist ihre gestalterische Kraft in der Entfaltung des Lebens bis heute nicht am Ende. Im Detail betrachtet enthüllt sie Mechanismen und Formen von berückender Schönheit.

    Thematisch weiß diese Theorie jeden Interessierten in Bann zu schlagen wie kaum eine andere. Die Wissenschaft zeigt hier, dass sie es alleine kann, Gott wird offensichtlich nicht gebraucht. Die atheistische Logik sagt nun: Eine Erkenntnis, die einen Schöpfer überflüssig macht, muss von Gläubigen abgelehnt werden. Tat sich die Kirche nicht schon immer schwer mit naturwissenschaftlichen Erklärungen? Forschung und Erkenntnis gegen Glaube – das scheint der Kampfschauplatz zu sein, glaubt man den Ungläubigen (und dem Eingangs-Slogan). Dort, wo die Wissenschaft behauptet, sie könne es alleine, muss der Christ zu stellen sein, wo er doch glaubt, sie könne es nicht.

    Wenn danach immer noch am Glauben festhält, obwohl ihm die Erkenntnis zur Verfügung steht, offenbart zudem die Gefährlichkeit einer Glaubenslogik, die ihre Anhänger offensichtlich geistig gefangen hält.

    Nun gibt es da einen sehr wichtigen Unterschied zwischen Christen und Atheisten. Der Christ nämlich hat grundsätzlich erst einmal keinerlei Probleme mit derlei wissenschaftlichen Erkenntnissen, ganz gleich, was andere denken mögen: Wie Gott das macht, wenn er schafft, das überlässt man ihm am besten selbst. Sollte er das Leben durch Evolution ausgestalten wollen, kann uns das genauso recht sein, wie jede andere Schöpfung auch.

    Dem Atheisten hingegen kann es durchaus nicht genauso recht sein. Fällt die Evolutionstheorie, fehlt ihm ein äußerst wichtiges Indiz für sein Weltbild. Im Gegensatz zum Christen, der sie nur faszinierend findet, stützt er sich auf sie. Das Problem dabei ist nicht, dass sie grundsätzlich falsch sein sollte – es spricht viel für ihre Stichhaltigkeit – sondern die Rolle, die ihr zugewiesen wird: Die Erkenntnis, dass es Evolution gibt, wird zur Erklärung für alles Lebendige. Sie wird absolut und unfehlbar gemacht, indem aus ihr alle Aspekte der eigenen Existenz hergeleitet werden. Doch das verträgt die Evolutionstheorie nicht: Sie ist und bleibt eine Theorie, denn sie lässt sich nicht beweisen, weil nichts bewiesen ist, das man weder dokumentieren konnte (zu lange her), noch experimentell wiederholen kann (dauert zu lange).

    Damit ist sie nicht angezweifelt. Es spricht wirklich viel dafür, dass die Evolution eine (die?) tragende Rolle bei der Entwicklung des Lebens spielt, doch letztendlich muss man es glauben, wie alles, das eine Theorie als Basis hat. Der Atheismus muss sie zudem glauben, ohne offen für Zweifel zu sein, denn plötzlich hat sich der Spieß umgedreht: Der Christ kommt damit klar, dass es die Evolutionstheorie gibt, das reicht ihm, doch der Atheist braucht sie. Der Versuch, dem Glauben das Standbein wegzuziehen, stützt sich selbst auf eines, das nur theoretisch fest steht. Wir haben daher die merkwürdige Situation, dass der Atheist einen Glaubenssatz hüten und für absolut erklären muss (Dogma). Der Christ hingegen darf diese Theorie für plausibel halten, weil er frei ist. Es ist also genau anders herum, als

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