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Göttlicher Funke in dir, in mir und allem: Mein ganz anderes "Katholisch
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eBook565 Seiten6 Stunden

Göttlicher Funke in dir, in mir und allem: Mein ganz anderes "Katholisch

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Über dieses E-Book

Mit dem Grundgedanken "Göttlicher Funke in dir, in mir und allem" wird Gott als Durchdringung der Welt komplett neu gedacht. Das Buch bietet neue Antworten auf der Suche nach Gott in uns - hier und heute. Es geht mir darum, dadurch das Unglaubliche des christlichen Glaubens verstehbar, zu entschlüsseln und wieder glaubhaft zu machen. Dazu werden die zentralen religiösen Problemstellungen (Gott und das Leid, Trinität, Auferstehung, Opfer und Erlösung, Jungfrauengeburt, Rede von Gott etc.) thematisiert und zum Prüfstein gemacht. Die verbindende Idee vom göttlichen Funken betrifft des Weiteren alle Bereiche des Glaubenslebens und der Theologie. Sie wird deshalb hergeleitet, ausgeführt und übertragen auf Theologie, Dogmatik, Philosophie, biblische Tradition, Liturgie, kirchliche Feste, Singen, Beten bis hin zur Literatur. Für mich ergibt sich aus dieser persönlichen Auseinandersetzung ein ganz anderes "Katholisch". Ein Glaubenszeugnis, das für jeden von Belang und damit wahrhaft allumfassend werden kann. In lockerer Sprache lade ich zu einer lebhaften Auseinandersetzung rund um den Glauben und zu einem radikal neuen religiösen Verständnis ein.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum1. März 2022
ISBN9783347463233
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    Buchvorschau

    Göttlicher Funke in dir, in mir und allem - Wolfgang Schmitt-Gauer

    1 DER ANFANG – FUNKEN IN DER WELT

    Es ist also meine erste Veröffentlichung und es drängt mich, meine Überlegungen zur Prüfung einem breiteren Publikum vorzulegen, in der Hoffnung, dass es dem Einen oder Anderen weiterhelfen möge, letztlich um uns verunsicherten Christen wie auch den nichtgläubigen Menschen eine hoffnungsfrohe moderne Perspektive und Deutung des Lebens und Glaubens zu eröffnen. Ein hoher Anspruch, ich weiß es wohl…

    Am Anfang meiner Schreibversuche standen die folgenden Texte. Ich war unsicher, mit welchem ich beginnen sollte, habe mich aber entschlossen, meinen Leserinnen und Lesern alle drei Anfänge gleichermaßen anzubieten. Anfänge, in denen Funken fliegen und verlöschen. Dabei soll es zunächst gar nicht ins Große und in die globalen Themen gehen, sondern ganz im Kleinen, im unscheinbaren privaten Bereich beginnen: am Anfang und am Ende menschlichen Lebens, wo sich Bedeutendes ereignet. Das Schlimme und Verheerende wird sich nicht ausblenden lassen…

    1.1 VERSCHMELZUNG

    Mann und Frau spielen Gott

    Ihre Liebe drängt sie zueinander. Sie können nicht voneinander lassen. Ihre Körper sehnen sich nacheinander. Alle Hindernisse werden zur Seite geschoben. Gesellschaftliche Konventionen werden links liegen gelassen. Alle anderen noch so lieben Mitmenschen spielen keine Rolle mehr. Der Geliebte – die Geliebte ist das einzige Ziel ihres gemeinsamen Begehrens. Die beiden sind einander verfallen. Es drängt sie nach Vereinigung. Ineinander aufgehen und verschmelzen. Und genau das passiert: Kernschmelze! Ihre Keimzellen gehen ineinander auf, Eizelle und Spermium verbinden ihr Erbgut miteinander. Aus zweien wird ein drittes. Jeweils etwas von dem anderen in einem neuen Wesen. Von gleicher Art aber doch eigenständig und individuell. Ein Drittes tritt auf den Plan, in diese Welt. Neues Leben entsteht, weil diese beiden Menschen sich zueinander, sich ineinander haben treiben lassen.

    Der allererste Anfang hat sich ereignet, die neue Zelle bleibt nicht lange allein, sie teilt und vervielfältigt sich schnell. Der Körper der Frau beherbergt diesen Neuanfang. Frau wird Mutter. Die befruchtete Zelle „rollt durch den Eileiter und strebt einer freudigen Aufnahme in dieser Welt entgegen; und das ist für die befruchtete Zelle in den ersten Momenten des Lebens nichts mehr, aber auch nichts weniger als die wohl vorbereitete, warme und weiche, empfangsbereite Schleimhaut der Gebärmutter. Hier wird sich das neue Leben für die nächsten 40 Wochen einnisten, hoffentlich wohl fühlen und immer weiter entwickeln. Oft „rolltdie befruchtete Eizelle aber auch einfach weiter, wenn sie nicht aufgenommen wird, die Gebärmutter nicht bereitet ist. Das, was schon als schützenswerter, potentieller Mensch mit zugesprochener Würde von der Kirche gesehen wird, tritt aus dem Leben wieder heraus.

    (Beiseite gesprochen: Ist das eine natürliche Abtreibung durch und trotz Gott? Ein Kind, das den Eltern nicht geschenkt werden sollte?)

    Aber im besten Fall wird schnell ein eigenes Herz schlagen, ein eigenständiges Leben wird den Bauch der Mutter immer mehr erfüllen, bis zur Reife, wenn es Zeit wird, die Enge der Gebärmutter zu verlassen und in die Weite der Welt hinausgeboren zu werden. Jetzt selbst atmend, aber noch lange nicht eigenständig und auf eigenen Füßen stehend. Noch lange ist die liebevolle Unterstützung der Eltern vonnöten.

    Eine freudige, liebevolle Erwartung des neuen Erdenbürgers durch liebende Eltern und Mitmenschen ist die wichtigste Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung. Eine Entwicklung, scheinbar aus dem Nichts und doch ganz und gar nicht in ein Nichts hinein. Dieser neue Mensch entwickelt sich innerhalb eines hochkomplexen gesellschaftlichen Umfeldes. Man bedenke die vielfältigen Wechselwirkungen im sozialen Umfeld, in dem sich dieser neue Mensch zu bewegen hat, in dem er sich zurechtzufinden und schließlich zu bewähren hat. Da wurde ein kleiner einzelner Funke geschlagen inmitten eines lodernden Lebens, zu hellem Feuer der Lebendigkeit bestimmt. Unser Zutun ist da nur ganz bescheiden.

    1.2 TANTE TINA – WENN DER FUNKE VERGLIMMT…

    Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen leben und gestorben sein!

    Eines meiner mich am meisten bewegenden Erlebnisse war das Sterben meiner Tante Tina. Ich hatte sie mit meinem Vater in den letzten Jahren ihres Lebens betreut und begleitet, als die hochbetagte, über 95 Jahre alte Frau ihre Eigenständigkeit, ihre Aktivität, ihre geistige Klarheit und die treuen Dienste ihres Körpers immer mehr schwinden sehen musste. Nicht mehr schmerzfrei gehen zu können, weil die Schmerzen im Rücken immer unerträglicher wurden ist schon schlimm. Schlimmer ist aber, deshalb nicht mehr zu ihrem Dienst im Dom gelangen zu können. Nicht mehr zwischen den Altersheimen zu pendeln, um die jüngeren − (!) also die noch nicht Ü-90-Menschen – zu trösten und besuchen zu können. Nicht mehr alleine zum Einkaufen oder zum Friseur gehen zu können. Sich nicht mehr zurecht zu finden, weil sie sich nicht mehr zeitlich orientieren konnte: „…wenn man nicht mehr weiß, dass es Montagmorgen ist, darf man sich nicht wundern, dass kein sonntägliches Hochamt stattfindet!"

    Der unvermeidliche Übergang in das Pflegeheim, der zu noch mehr Inaktivität führte, so dass weder Lesen, noch Fernsehen oder irgendwelche Kreisspiele in der Lage waren, Begeisterung zu wecken. Unsere Besuche zauberten manchmal noch ein immer müder werdendes Lächeln auf das dankbare Gesicht. Bis zu der Situation, als diese Frau schließlich nur noch flach atmend in ihrer letzten Nacht, treusorgend von der Schwester eingecremt worden war, das Haar ein letztes Mal gekämmt wurde und weder leise Musik noch Ansprache sie zu erreichen schienen. Aber die Haut ihrer Hand war warm und weich, der Brustkorb hob und senkte sich beim Atmen von ganz allein, Leben war in ihr. Göttlicher Hauch, ein Funke in ihr, aber ein Funke, der nur noch ganz leicht glimmte, ein winziger Windhauch würde ihn zum Verlöschen bringen…

    …wie es dann in dieser Nacht auch geschehen ist. Als ich am Morgen gerufen wurde, war sie gestorben. Der Körper noch warm, aber ihre Lebendigkeit war von ihr gewichen. Es war noch Tante Tina, aber der am Vorabend noch von allein atmende Körper, ihr Brustkorb, der sich hob und senkte, regte sich nicht mehr. Der Priester kam, wir übergaben sie nun in eine andere Sphäre und Verantwortlichkeit. Wir konnten nichts mehr für sie tun. Noch nah am Leben, aber jetzt tot.

    Am selben Abend war sie schon ganz weit weg. Der Körper kalt, die Haut wirkte wie Wachs, das Gesicht fremd… Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen dem Fünklein Leben und dem Gestorbensein.

    1.3 VERNICHTENDES FEUER

    Göttlicher Funke und Gewaltregime

    Andererseits können Funken auch verheerende Flächenbrände und Feuersbrünste auslösen. Totalitäre Regime, Herrschaftssysteme und Diktatoren, errichteten mit den von Gott (?) gegebenen Möglichkeiten furchtbare Schreckensherrschaften. Es mag mit der Ausrottung der Neandertaler begonnen haben. Weiter ging es mit den Ägyptern, Assyrern, Babyloniern, dem Römischen Reich, der Herrschaft der Stalinisten, den Mao Tse Tungs, den Idi Amins, Assads und Hitlers dieser Welt.

    Sie alle nutzten oder muss man sagen: nutzen immer noch, die ganze Bandbreite der den Menschen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, göttliche Funken, für ihre zerstörerischen Zwecke. Sie befeuerten und vereinten die Massen mit Ideologien und einer Sinnstiftung, auf die orientierungslose Menschen nur gewartet zu haben scheinen. Die Begeisterung der Menschen erreichte mitunter religiöse Dimensionen und wurde sich von einem Teil des Volkes komplett zu eigen gemacht. Sie erfüllten die Menschen dermaßen, dass sie zu Höchstleistungen angespornt wurden. Sie erfanden und bedienten sich gesellschaftlicher Unterdrückungsmechanismen und Organisationen und in der Regel einer militärisch-industriellen Tötungsmaschinerie. Sie fügten ihren unzähligen Opfern massenhaft Leid in unvorstellbarem Ausmaß zu und triumphierten zynisch über den Leichenbergen. Menschliche Anstrengung und Leistung, unter Benutzung der gottgegebenen Möglichkeiten der Schöpfung, allerdings zu einem furchtbaren Zweck.

    Gleichzeitig erfreuten sich diese Menschen, die Unterdrücker und Gewalttäter, sehr wohl auch an dem Sonnenschein und der Natur, dem Miteinander in Gruppen, Familien und Partnerschaften und ihren Kindern. Auch da gab es Selbstlosigkeit, Mitgefühl, Liebe, Freundschaft und echte Trauer, wenn da nur nicht dieser pervertierte Zweck ihres Tuns mit den oft bis ins Kleinste geplanten erschreckenden Auswüchsen gewesen wäre. Ein loderndes verzehrendes Feuer, das von ihnen entfacht wurde, um eine vernichtende Wirkung zu hinterlassen. Funken, die einen Flächenbrand in ihrer Welt entzündeten und der erst mit noch gewaltigeren, glücklicherweise immer wieder erfolgreichen Anstrengungen von Gegenfeuern niedergerungen werden konnte. In Deutschland mussten die brennenden Städte zu einem furchtbaren Fanal werden – auf der anderen Seite der Welt gipfelte es im gleißenden Licht des tödlichen Atomblitzes. Derzeit ringt die Ukraine gegen den Aggressor.

    Eigentlich muss man sich gar nicht für den einen oder anderen dieser drei Anfänge entscheiden. In allen drei Anfängen meines Buches zeigen sich überwältigende Erfahrungen des menschlichen Lebens in ihren positiven wie negativen Facetten. Dabei sind das nur drei Blitzlichter von endlosen vergleichbaren Momenten, die bereits über Tausende von Jahren erlebt und empfunden wurden und sich ständig so oder ähnlich immer wieder neu ereignen (werden).

    1.4 GRUNDIDEE: DER GÖTTLICHE FUNKE

    Der Funke als Bild scheint mir trotz aller Schwächen, die solche Bilder nun einmal mit sich bringen, gut geeignet, meine Ideen auszudrücken. Der zentrale Begriff meines Buches ist die Vorstellung vom göttlichen Funken. Konkreter: Die Vorstellung vom göttlichen Funke in dir, in mir und allem. Diese Idee wird uns durch das gesamte Buch in vielfältiger Weise begleiten, um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Insbesondere wenn man den Gedanken vom Funken in dir, in mir und allem für sich persönlich bedeutsam werden lässt, führt es zu einem völlig neuen Lebensgefühl. Vielleicht zunächst so viel als Kurzdefinition: Es ist die Erkenntnis eines tiefen Durchdrungenseins der gesamten Welt von einer gestalteten und gestaltenden Kraft. Ich verstehe diese Durchdringung aber nicht als vorhersehende Steuerung, sondern eher als wohlwollende Begleitung und Bedingung aller Möglichkeiten. Es geht um die Entwicklung des Potentials dieser Welt und jedes Einzelnen, insbesondere wenn man im Konsens und in Resonanz dazu steht.

    Religiös gesprochen ist damit natürlich das Göttliche gemeint. Das Göttliche bestimmt sich traditionell als Gegensatz zum Menschlichen.

    Angesichts der defizitären Struktur der Welt im Erleben der Menschen zeigt sich das Göttliche als vollkommen und positiv. Weil Vollkommenheit aber nur ansatzweise in der Welt erlebt wird, erscheint das Göttliche als übernatürlich. In diesem Verständnis kommt es zur Konkurrenz. Im Gefolge dessen führt es zu einer grundsätzlichen Trennung der weltlichen, menschlichen von der göttlichen Sphäre und damit zu einer dualen Weltstruktur.

    Dies will ich durch meine Idee vom göttlichen Funken in dir, in mir und allem überwinden. Dabei soll es nicht zu einem Pantheismus (Alles-ist-Gott) kommen, sondern eher zu einer Art modifiziertem Pan-en-theismus (Alles-ist-in-Gott bzw. Gott ist der Welt immanent und transzendent zugleich¹¹) bzw. eher zu einer Gott-ist-in-allem-Theologie.

    Nicht religiös gesprochen meint der Funkengedanke die Mechanismen dieser belebten wie der unbelebten Welt, die ein geordnetes oder auch ungeordnetes Miteinander aller Dinge gewährleisten. Die Mechanismen, die den fortschreitenden Prozess dieser Weltentwicklung ermöglicht haben und am Laufen halten. Das, was das Universum erhält, steuert und evolutiv vorantreibt. Das erscheint für mich nicht willkürlich, sondern nachweislich gerichtet in der Entwicklung.

    Wenn diese Kräfte sich als Möglichkeit der Gestaltung in der Welt realisieren, gibt es im einzelnen Menschen, in jedem Individuum die Option, diese Kräfte und Möglichkeiten zu nutzen. Das gilt in abgestufter Weise auch für Tiere, in reduzierter Weise in jedem organischen Lebewesen, den Pflanzen. Teilhard de Chardin unterstellt sogar den anorganischen Bestandteilen der Welt eine Rolle in diesen Prozessen¹².

    Unter den Lebewesen wird dieser Funke von Anfang an die Überlebenskräfte aktiviert haben, was in der Folge zur Konkurrenz aller untereinander geführt haben mag. Wenn es dann im Laufe der Entwicklung dieser Welt inklusive der Menschheitsgeschichte gelingt, die berechtigten Interessen aller zu berücksichtigen und miteinander zu vermitteln, wäre ein bisschen Himmel auf Erden erreicht. Wenn das nicht gelingt, entsteht durch Egozentrik, Rücksichtslosigkeit und Gewalt für die Unterlegenen Hölle und Leid hier und jetzt.

    Beispiele für den göttlichen Funken in dem Leben dieser Welt habe ich schon deutlich gemacht: Wenn die Menschen „Gott spielen und aus sich und ihrer gegenseitigen Zuwendung heraus neues Leben entstehen lassen. Wenn der Funke den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeutet, wie ich es in „Tante Tina und der „Verschmelzung" beschrieben habe. Wenn die Funken verzehrendes Feuer auslösen, was wir tagtäglich überall sehen können.

    Keine Dualität

    Daraus ergibt sich, dass es für mich keine Trennung zwischen dem „Göttlichen und dem „Weltlichen gibt. Willigis Jäger sagt: keine Dualität¹³. Das Göttliche ist ganz in unsere Welt eingegangen, Grund und Kern von allem. Ich bin gleichwohl überzeugt, dass ohne eine verbindende und gestaltende, nennen wir es „göttliche Kraft", in dieser Welt, diesem Kosmos, nichts Konkretes da wäre. Diesen Bogen wage ich extrem weit über alles zu spannen. Aus diesem Göttlichen kommt für mich nicht nur das Gute, das Angenehme, das Vollkommene. Ob in der Fülle oder auch nur in der ansatzhaften unvollkommenen Göttlichkeit dieser Welt, die oft so ganz ungöttlich ist. Auch das Zerstörerische, Lebensfeindliche, Gewalttätige stammt aus diesen Funken. In der Sprache der Bibel gesprochen: Gott schuf eben nicht nur das, von dem er sagen konnte, dass es gut war, sondern auch das Gegenbild dazu, das Ungute. Alles, was uns das Leben schwer macht.

    Uns begegnet seit allen Anfängen eine ambivalente Welt, die die Entwicklungsmöglichkeiten für das Gute, aber auch für das Böse in den Schoß gelegt bekam. Diese ambivalente Welt ist vor allem nicht von den Menschen verschuldet, sondern den Menschen von Anfang an als Aufgabe in die Hände gegeben.

    Wie komme ich dazu, diese Kraft, diesen Funken, göttlich zu nennen?

    Für mich liegt die Antwort auf diese Frage so klar, überzeugend und plausibel wie nur irgendetwas vor uns. Die Welt hat insgesamt eine gigantische Entwicklung genommen. Und zwar unter Beteiligung aller materiellen Gegebenheiten und Wesen. Trotz aller Rückschläge und zerstörerischen Wirkens des Menschen hat sich in Summe eine erstaunliche Welt vor unseren Augen, durch das Zusammenwirken von allem ergeben, so dass ich leicht glauben kann, dass das nicht ganz „mit rechten Dingen" zugegangen ist. Nur aus sich selbst, ein paar physikalischen Gesetzen unter unsicheren Hypothesen soll sich diese Welt entwickelt haben? Das kann ich beim besten Willen nicht glauben. Das nötigt mir nicht nur Staunen, sondern auch die Vermutung auf eine gestaltende und gestaltete Weltkonstitution ab. Meine Chiffre, mein Bild für diese Entwicklung ist die Mitwirkung und die Bedingung eines göttlichen Einwirkens, kurz des göttlichen Funkens in dir, in mir und allem. Es lässt sich an vielen Beispielen erläutern (siehe späteres Kapitel).

    Dieser göttliche Funke lässt erst die Welt entstehen, die dann aus mehr als einer neutralen Kausalitätskette aus Folgen von Ursachen und Wirkungen besteht. Ein Funke, ein Feuer, das Leben erschafft und Leben ermöglicht, aber auch vernichtet und verzehrt. Der Funke entzündet ein wärmendes Feuer und entfacht einen verheerenden Feuersturm. So führt so vieles zum Guten wie zum Bösen. Schon der einfachste Regen, den „Gott über Gerechte und Ungerechte" regnen lässt (Bergpredigt, Mt 5,45) kann Segen für das trockene Land bedeuten, zur hinwegreißenden vernichtenden Unwetterflut werden oder zur tödlichen Auskühlung entkräfteter Bergsteiger beitragen.

    Naiv?

    Man wird mir vorwerfen, dass dies doch eine ganz und gar unaufgeklärte Haltung ist. Von einem irgendwie überweltlichen Prinzip auszugehen und das dann auch noch Gott oder göttlich zu nennen. Ist das nicht auch nur eine Chiffre für die Lücke, die dieses Phänomen in unserem Weltverständnis hinterlässt? Das Göttliche als Lückenbüßer für etwas, was ich noch nicht verstanden habe?

    Diese Chiffre beschreibt aber eine Erfahrung, einen Prozess, eine Entwicklung in dieser Welt, die unleugbar da und vorhanden ist. Es ist gar nicht nötig, Anfang und Ziel dieser Entwicklung zu bestimmen, denn die Folgen dieser Entwicklung in der Welt sind überdeutlich da! Es gilt eine Begrifflichkeit zu finden, die sich in unserer erfahrbar unvollkommenen Welt behauptet. Eine Begrifflichkeit, in der sich Glück und Unglück nebeneinander, wenn nicht sogar ineinander befinden. Ich empfinde meinen Versuch, dafür eine verbindende Rationale zu finden, nicht als naiv.

    Weltdeutung atheistisch

    Auch die pragmatischen Atheisten und analytischen Philosophen suchen und finden in ihren wissenschaftlich-technokratischen Welterklärungsversuchen tragfähige Antworten auf ihre klar gestellten Fragen. Sie meinen, auch ohne religiöse Hilfskonstrukte alles erklären zu können. Das gelingt natürlich nur, insofern und weil sie die entscheidenden Fragen gar nicht erst als fragens- bzw. beantwortenswert zulassen. Die Fragen nach dem Woher und Wohin werden überhaupt nicht gestellt bzw. als sinnlos abgetan.

    Sich einen Reim machen, Sinn stiften

    Angesichts einer ambivalenten Welterfahrung stellt sich mir als Christ und letztlich allen Menschen die ewig gleiche heikle Aufgabe, für diese Welt eine Deutung zu finden und einen Sinn zu stiften. Stellen wir uns also dieser Aufgabe und versuchen, uns darauf einen überzeugenderen Reim zu machen.

    Es soll mehr als nur ein eigener Reim werden, frei nach dem Motto: „Das glaube ich nun mal so…". Wenn ich von meinen und allgemein nachvollziehbaren Erfahrungen ausgehe, ist die Chance gegeben, dass daraus ein überzeugender Reim wird. Die Überlegungen sollen in sich plausibel sein, damit möglichst viele andere Menschen sie nachvollziehen können. Es hat sich für mich herausgestellt, dass diese neue Struktur Ordnung in die Irrungen und Wirrungen meiner Welt und in meinen christlichen Glauben bringen.

    Für mich ist das ein religiöser Weg – welcher Weg sonst?

    Warum aber ausgerechnet ein religiöser Weg? Das liegt an meiner Sozialisation als katholischer Christ. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, meinen Glauben vor der modernen Welt des 20. und 21. Jahrhunderts verantworten und behaupten zu müssen. Meine erste Predigt dürfte ich wohl mit 8 Jahren um die Zeit meiner 1. Kommunion bewusst gehört haben. Ich fühlte immer die Notwendigkeit, mir die verkündeten Inhalte für mich individuell nachvollziehbar und verständlich zu machen. Sie sollten nicht in einer katholischen Parallelwelt bleiben, sondern sie sollten mit meiner restlichen Welt vereinbar werden.

    Ich vermute, dass es nicht nur mir so erging und ergeht. Viele meiner Zeitgenossen, die noch christlich empfinden oder auch die, die sich bereits abgewendet haben, sind in einer religiösen Begriffswelt gefangen und versuchen vergeblich, sie mit der säkularen Welt draußen zu vereinbaren. Sie geraten dabei oft in Not, weil alles nicht mehr zusammen zu passen scheint. Daraus ergibt sich eine innere Zerrissenheit, weil sie oft genug von ihren „aufgeklärten" Mitmenschen als antiquiert, hinterwäldlerisch oder unmodern empfunden werden. Christlicher Glaube scheint in sich gar nicht mehr logisch und einheitlich zu sein.

    Kann und will ich mich überhaupt lösen?

    Gleichzeitig traut man sich nicht, will nicht oder kann nur schwer als Christ von seinem überlieferten Glauben, von diesem traditionellen Reden und Vorstellen von Gott und der Welt ablassen. Die biblisch-christliche Vorstellungswelt ist so tief verinnerlicht, dass sie uns westlich geprägten Menschen, ob gläubig oder nicht, immer noch tief eingepflanzt ist. Wir können uns von dieser Vorstellungswelt nur schwer lösen. Dazu kommt, dass viele von uns weiterhin ein sehr worttreues Umgehen mit den biblischen Überlieferung, der Rede in Dogmatik und der Liturgie pflegen, so dass die Spannungen erst recht unerträglich werden. Dieses Reden erscheint so unzeitgemäß! Das ist auch nicht verwunderlich, weil es tatsächlich aus einer anderen Zeit stammt. Ich hatte dann das Gefühl, ständig die Predigtworte innerlich in meine Welt übersetzen zu müssen. In dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams gab es den sogenannten „Babelfisch, der solche Aufgaben im intergalaktischen Sprachengewirr übernahm. In Religion und Kirche fehlt eine solche Übersetzungshilfe. Angesichts von fehlenden alternativen Deutungsmustern, die mit modernen Erkenntnissen und mit dem Glauben der Kirche kompatibel gewesen wären, trennen sich viele Menschen dann sang- und klanglos, tief verunsichert oder wutentbrannt von der Kirche und ihrem Glauben.

    Religion ohne das Unglaubliche

    Deshalb ist es mir wichtig, dass meine Überlegungen plausibel sind und einerseits im Einklang mit moderner Wissenschaft und Philosophie gedacht werden können. Andererseits sollen die alten Glaubensüberzeugungen nicht einfach wegfallen, sondern eher umgedacht werden. Bei diesem Prozess ist mir bewusst geworden, dass ich ein Buch anstrebe, das von einer Religiosität erfüllt ist, die das „Unglaubliche nicht mehr braucht. Ich will einfach nicht das völlig Unglaubliche glauben müssen. Zugegebenermaßen ein unerhörter Anspruch im Zusammenhang von Religiosität und christlichem Glauben. Herausgekommen ist mein ganz anderes „katholisch.

    Ich hoffe, dass ich damit einen Beitrag für Suchende und „Schwellenchrist*innen leiste, deren „Leutetheologien z.B. Monika Kling-Witzenhausen¹⁴ untersucht hat. Das Ergebnis, so viel kann ich schon verraten, wird sich ganz ungewohnt für uns Gläubige anfühlen. Den Glauben neu zu denken, ist letztlich, meiner Ansicht nach, die einzige Chance, die der Glaube heute noch hat. Wir leben in einer Welt, in der die Relevanz des Glaubens für die Menschen schlicht und einfach zu „verdunsten"¹⁵ scheint. Ich lade also alle zu einer Erkundungsreise in diese großartige Welt voller Funken aus göttlichem Wesen ein, um dabei unseren Glauben mit neuem Feuer zu erfüllen und neu zu entfachen.

    ¹¹ Panentheismus: „Gott der Welt immanent und zugleich zu ihr transzendent ist, insofern die Welt ihrerseits Gott immanent, in Gott, von Gott umfaßt ist in: Rudolf Eisler und Karl Roretz: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Historisch-quellenmässig bearbeitet von Rudolf Eisler. Weitergeführt und vollendet durch Karl Roretz. 4., völlig neubearb. Aufl. Mittler, Berlin 1929, S. 370 (a.a.O. im Wikipediaartikel „Panentheismus, 16.8.2020, 17:45)

    ¹² Pierre Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos, München 1959

    ¹³ vgl. auch Willigis Jäger: „Die Mystik überwindet den abendländischen Dualismus, der die Wirklichkeit aufspaltet in Gott und Welt, Natur und Übernatur, menschliches und göttliches Wirken. ... Der Mensch ist demnach eine Wirklichkeit, in der sich Gott manifestiert. ... Es gibt nichts, worin Gott nicht wirksam wäre. Gott ist im Menschen unmittelbar gegenwärtig. Die ganze Welt ist durchdrungen von ihm. Sie ist eine Inkarnation Gottes. ... Die Erfahrung dieser non-dualen Wirklichkeit führt in eine große Freiheit. Das Ich erkennt, dass es in jeder Lebensweise frei sein kann. ... Es gilt, die normale Sicht der Welt zu transzendieren. Dabei geht es jedoch nicht um einen Ausstieg aus der Welt. Es geht darum, in der Welt zu sein und diese zu lieben, wie sie ist." In: Ewige Weisheit – Das Geheimnis hinter allen spirituellen Wegen, München 2010, S. 77ff

    ¹⁴ Monika Kling-Witzenhausen, Was bewegt Suchende?: Leutetheologien – empirisch-theologisch untersucht, September 2020 Kohlhammer-Verlag

    ¹⁵ „...immer mehr Christen (...machen...) die Erfahrung: Unser Glaube „verdunstet in einer Umwelt, die von zahlreichen, zum Teil gegensätzlichen Lebensstilen geprägt ist; er wirkt konturenlos, weil es so schwer ist, deutlich zu machen, worin das Spezifische des christlichen Glaubens im Blick auf das Handeln liegt. Aus: Schlögel, Herbert (1988) Glaube und Werke. In: Ritt, Hubert, (ed.) Gottes Volk Lesejahr B 7. Glaube und Werke: 22. bis 27. Sonntag im Jahreskreis. Verl. Kath. Bibelwerk, Stuttgart, S. 77-86. Gefunden in: https://epub.uni-regensburg.de /8835/1/ubr03557_ocr.pdf am 7.März 2020

    Vgl. auch im Artikel von Stefan Zekorn „Trauen wir uns wieder Gott zu lieben", a.a.O.

    2 DIE WELT, WIE SIE IST…

    2.1 FUNKENREGEN IN DER WELT

    Ich behaupte, es seien göttliche Funken in dieser Welt, die die Trennung von Gott und Welt aufheben. Also suche und zeige ich diese Funken! Es ist ein regelrechter Funkenregen in der Welt, der uns das Staunen lehrt und die Großartigkeit dieser Welt schlaglichtartig vor Augen führt, was für mich zur Annahme einer wie auch immer gearteten Göttlichkeit in dieser Welt geführt hat. Deshalb spreche ich von göttlichen Funken. Auch wenn das bereits ein Vorgriff auf das Ergebnis des induktiv gedachten Vorgehens ist: Wir schauen, wie die Welt ist – und ziehen unsere Schlüsse daraus. Nicht eine Hypothese, eine fertige Theorie oder fixierte Theologie soll deduktiv der Ausgangspunkt unserer Deutung sein, sondern die Welt selbst. Diese Betrachtung ist nicht völlig neutral, sie ist wertend, trotzdem hoffe ich, dass sie jeder, ob gläubig oder ungläubig, mitvollziehen kann. Eine kleine Auswahl:

    Die Evolution des organischen Lebens

    Aus einfachen Strukturen sind immer vielfältigere und gleichzeitig optimal an die Lebensbedingungen angepasste Lebewesen entstanden. Vor uns entrollt bzw. entwickelt sich eine Tier- und Pflanzenwelt in einer schier unübersehbaren Vielfalt. Je genauer die Biologie hinschaut, je mehr Erkenntnisse sie uns präsentiert, um so mehr staunt man über die Fülle des Lebens auf diesem Planeten.

    Zuneigung, Mitmenschlichkeit, Liebe

    Springen wir in das Miteinander der Menschen: Zuneigung, Mitmenschlichkeit und Liebe sind auch schon die Krönchen, die Sahnehäubchen, die die Funken in uns auslösen: Die Menschen schaffen für sich / für die anderen / für die Welt einen liebvollen Umgang untereinander und miteinander. Angefangen von der Zuneigung und Liebe zu den Kindern, zu den Mitmenschen, den Kranken, den Alten, den Hilfsbedürftigen, aber auch in gleich starken Beziehungen, in Gruppen, in Cliquen, in Freundeskreisen, zu zweit, als Paar, in der Mannschaft, in den Gemeinschaften einer Stadt, einer Region, eines Staates, der Welt. Dieses Prinzip meine ich, wenn ich von dem göttlichen Funken in mir, dem göttlichen Feuer in den Menschen rede: dann sorgen Gott/das Göttliche und Mensch, Gott/das Göttliche im Mensch, in der jeweils einzelnen Person für das, was uns guttut.

    Kunst und Kultur

    Weitere bezaubernde Blüten des Funke-Gottes-Prinzips in den Menschen sind Kunst und Kultur der Menschheit: Musik, Theater, Tanz, Malerei, Skulptur, Architektur, jede handwerklich verzierende, gestaltende, kreative Tätigkeit, Literatur, Lyrik, Film, Oper, Operette, Musical. Der Funke zeigt sich im weitesten Sinne in jeder künstlerischen Gestaltung, insbesondere in der individuellen Gestaltungkraft des einzelnen Menschen. Diese Gestaltungskraft ist nicht von einem göttlichen Prinzip vorgeplant. Hier entsteht schöpferisch Neues in den und durch die Menschen, weil ich glaube, dass die Bedingungen der Möglichkeit dafür durch göttliche Schaffenskraft gegeben sind.

    Technische Entwicklungen der Menschheit

    Die technischen Entwicklungen sind ebenfalls deutliche Zeichen für die Geistesblitze. Dank ihres individuellen Genies bzw. der so oder so gearteten persönlichen Prägungen und Impulse, denen die Menschen mehr oder weniger willkürlich ausgesetzt waren, entstehen geniale Erfindungen und Ideen zu Problemlösungen. Eingebung und Intuition lösen Entdeckungen, so viel Neues, Noch-nicht-da-gewesenes aus, dass man darüber nur staunen kann. Das gilt für die milliardenfachen kleinen persönlichen Einfälle zur Erleichterung des Alltags bis hin zu den großen Erfindungen der Menschheit, den genialen technologischen Revolutionen. Vom Rad über das Auto zur Mondrakete, von der Trommel über das Internet bis zum Smartphone und der künstlichen Intelligenz. In der Medizin von der einfachen Krücke über die Blinddarmoperation bis zur minimalinvasiven Technik, in der Pharmazie vom Hustentee zum Humaninsulin. Oder geistesgeschichtlich vom Aberglauben zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Welt…

    …noch mehr Funkenflug

    Die Entdeckung des Feuers, die Nutzung der Elektrizität, das Flugzeug, der Otto- oder der Elektro-Motor, Kenntnisse der Psychologie über die Entwicklung der menschlichen Psyche, Kenntnisse der Physik, der Chemie, … alles kleine und große Feuer aus dem göttlichen-Funken-in-allem. Auch die Entwicklung aller sozialen Organisationen und Einrichtungen würde ich dazuzählen, wenn sie gerechtes Handeln fördern, wenn sie nicht im Sinne der Zerstörung oder des größten Eigennutzes dienen, sondern dem Gemeinnutz…

    Entdeckung der Welt

    So erschließt sich den Menschen die Welt; die Menschen entdecken und erkennen immer mehr Zusammenhänge und Möglichkeiten ihrer Umwelt. Eine Art selbstoptimierendes Prinzip der Menschheit, das sich auch in den millionenfachen Patenten und „Promotionen (pro-movere: die Wissenschaft/die Weltgemeinschaft voranbringen) ausdrückt. Ausgehend von den Uranfängen des Homo sapiens scheint das Prinzip der Akkumulation (Anhäufung) menschlicher Errungenschaften entscheidend für den Fortschritt, die Ausbreitung und die Überlegenheit der Menschen auf diesem Planeten geworden zu sein. Geo-Redakteur Klaus Bachmann schreibt: „Homo sapiens häufte Fertigkeiten und Kenntnisse an, die er innerhalb seiner Gruppe von Generation zu Generation weitergab, aber auch mit anderen Gruppen teilte. Auf diesen kulturellen Schatz konnte er immer wieder zurückgreifen, wenn er mit neuen Herausforderungen konfrontiert war.¹⁶ Ich will hier langsam innehalten, der geneigte Leser sei ermuntert, die Reihe fortzuführen und selbst zu schauen, wo es überall in der Welt geniale Erfindungen und Gestaltungen des Menschen, Hinweise auf die optimale Nutzung seiner Potentiale im Sinne der Zündkraft seiner Eingebungen gibt.

    Gigantisch, auch wenn das kostet…

    Selbst die industriellen Massenproduktionen sind großartige organisatorische Leistungen der Menschheit. Ob die Autoindustrie, Agrarfabriken oder jede Großindustrie, Chemiewerke − die Effizienz wirtschaftlicher Unternehmungen zeitigt gewaltige Ergebnisse, gewaltige Leistungen. Allerdings sind sie ambivalent, und zu oft wird für sie ein allzu hoher Preis gezahlt. Wenn z.B. die Umweltbelastung durch die Abfallprodukte der Industrie oder die Abgase des Autoverkehrs zur massiven Veränderung des globalen Klimas führen. Das gilt ebenso, wenn durch die Abholzung des wertvollen Urwaldes unwiederbringlich und unverantwortlich biologische Ressourcen zerstört werden und für die Menschheit verloren gehen. Das ist nicht der größte Nutzen für die Menschheit, es ist bestenfalls ein göttliches Strohfeuer und hinterlässt leider nur Asche.

    Das Wunder des eigenen Körpers durch den göttlichen Funken

    Der göttliche Funke in der Evolution der Menschen, in mir, das göttliche Feuer in der Anatomie und Physiologie des Menschen, Gott und Mensch sorgen in der menschlichen Person für das, was für uns gut ist. Das Prinzip, das meinen Körper funktionieren lässt ohne mein Zutun. Die biochemischen Abläufe, die dafür sorgen, dass ich sehen, hören, denken, laufen, verstoffwechseln, fühlen, riechen, meine Muskeln bewegen kann. Alle geistigen Prozesse des Denkens, der Schutz und die Abgrenzung der Haut vor Feuchtigkeit und fremden Eindringlingen, die Wärmeregulierung, die differenzierten Organe mit ihren Aufgaben, die Versorgung durch Blut und Nährstoffe, das Herz, der Muskel, der das elastische, weitverzweigte Kreislaufsystem bis in den letzten Winkel unseres Körpers mit Blut und sämtlichen Nährstoffen versorgt und entsorgt, das Immunsystem, die Fortpflanzung usw.

    Und das funktioniert von selbst, ohne mein Zutun, bei allen Menschen, seit Jahrtausenden, über Jahrmillionen hat sich das in der Evolution aller Wesen scheinbar aus dem Nichts entwickelt: Die Schöpfung ist immer komplexer geworden, vom Einzeller zum Menschen und dazwischen liegen alle Spezies vom Dinosaurier bis zur Stubenfliege. Vom Homo australopithecus bis zum Homo sapiens. Diese Prozesse wurden gefördert oder gehindert, ihre Entwicklung optimiert oder abgebrochen, umgelenkt, ausgelöst oder erschwert. Mutwilliges Zerstören durch Mord, Totschlag und Gewalt.

    Im Großen gilt das auch für das Entrollen des gesamten Kosmos, ausgehend vom Anfang im vermuteten Urknall. Im kleinen Privaten sind die psychischen, sozialen Entwicklungsprozesse nicht zu vergessen. Z.B. in den ersten Wochen und Monaten die Entwicklung eines Menschen: pränatal, postnatal in den ersten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren. Oder im weiteren Verlauf des Heranwachsens die langsame Persönlichkeitsentwicklung aus der Symbiose mit der Mutter zur Autonomie eines eigenständigen Selbst, zu einer bewussten verantwortungsvollen Person. Und das alles geschieht im Einklang und unter den Vorgaben von Regeln und Gesetzen für diese Prozesse. Nur in ganz bestimmter Weise funktioniert/gelingt manches gut, genau so oder auch gar nicht. Aber es geschieht, es ist möglich und ereignet sich milliardenfach in jedem Augenblick und unsere Eingriffsmöglichkeiten sind relativ begrenzt.

    Alles hängt voneinander ab

    Gleichzeitig scheint alles abhängig voneinander und vernetzt: Was passiert bei Sauerstoffmangel in meinem Körper, global wenn die Sonne nicht mehr scheint oder persönlich, wenn mich keiner mehr anspricht und ich vereinsame, Kinder ohne Zuneigung und Liebe aufwachsen? …. Wir sind so abhängig von so vielen dieser externen quasi natürlichen bzw. den uns von Menschenhand aufgegebenen Bedingungen. Wir können nur wenig dazutun! Wir können eigentlich nur die Balance halten, dass das System sich stabil und optimal entwickelt, damit wir unsere Chancen und Potentiale entwickeln. Die Schlüssel für die Balance gilt es zu finden, nicht mehr und nicht weniger, das ist schon alles, der Rest ist vorgegeben. Das Spiel läuft, die Regeln stehen fest und wir haben die Lizenz zum Mitspielen. Ja wir haben sogar den Auftrag mitzuspielen!

    Wenn Gott in uns ist, und wir die Welt verändern und mitgestalten, dann geht es nicht nur darum Gott zu „spielen". Dann gestalten wir mit Gott diese Welt. Wir tun mit. Gott lässt diese Welt nicht allein. Wir sind dann keine passiven Zuschauer mehr. Wir sind Gestalter dieser Welt. Wir müssen nicht warten, dass der große Außerirdische alles richtet. Wir sind Mitschöpfer. Jedenfalls verpassen wir etwas, wenn wir nicht aktiv mittun, eingreifen und im Rahmen unserer Möglichkeiten mitgestalten! Die Welle ist einfach nur zur rechten Zeit auf die rechte Weise zu reiten!

    Der Theologe Michael Welker sieht das ähnlich, indem er den Geist Gottes als entscheidende Kraft für diese Schöpfung bestimmt. Es geht ihm darum, den allmächtigen Gott nicht als blasse metaphysische Figur zu beschreiben, sondern sein Wirken machtvoll und konkret zu nennen. Die machtvolle Wirkung des Heiligen Geistes Gottes in dieser Welt bindet er an Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Freiheit, Wahrheitssuche, Bemühen um Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Frieden und zwar unter den Menschen und durch sie.¹⁷ Er beklagt: „Trostlose, unglaubwürdige und leere Gottesvorstellungen führten zu trostlosen, kläglichen oder zu gottvergessenen, überheblichen Vorstellungen vom Menschen und von menschlicher Bestimmung. Die Menschen, Männer und Frauen seien aufgerufen, zur guten Ordnung der Schöpfung in Gottes Sinn beizutragen. Dabei sei die „gute Schöpfung aber voller Konflikte, weil sie endlich und sterblich sei und Leben unabweisbar auf Kosten anderen Lebens lebe.

    „Gott riskiert, … dass die seinen Geschöpfen und ganz besonders den Menschen verliehene Macht nicht verantwortungsvoll gebraucht wird. Ja, Gott riskiert, dass diese Macht missbraucht und pervertiert wird. „Sünde nennt die Bibel diesen Machtmissbrauch, der oft noch naiv oder perfide verschleiert wird. Mit einer scheinbar besonders frommen, aber in Wahrheit faulen und bequemen Rede von Gottes unqualifizierter „Allmacht hat man die Augen vor der hohen Verantwortung und großen Würde verschlossen, die den Menschen verliehen ist."¹⁸

    Er macht aber Hoffnung, indem er bestätigt, dass Gott dem möglichen und tatsächlichen Missbrauch der verliehenen Macht beharrlich entgegenwirkt. Dieses Entgegenwirken ist nicht irgendwie magisch oder mechanisch zu verstehen, sondern real, durch Menschen vermittelt und unter Menschen. Menschen, die sich in Freiheit von diesem Geist ergreifen und begeistern lassen, offenbart in und durch Jesus Christus.¹⁹

    Was guttut, kann auch wehtun

    Der göttliche Funke in mir, das göttliche Feuer im Menschen, in der Welt, heißt: Gott und die Menschen sind in Einheit und sorgen für das, was guttut. Das bedeutet nicht Laissez-faire oder dass ich nur das tue, was mir Spaß macht… Guttut mir auch das, was vielleicht schmerzhaft getan werden muss, diszipliniertes Training, Trennung von Liebgewonnenem, Unterdrückung von liebgewordenen Wünschen…

    Das Besondere: ein geistesgeschichtliches Wunder unserer Spezies

    Yuval Noah Harari beschreibt in seinem Buch „Homo Deus²⁰ weitere Gründe dafür, dass der Homo sapiens zur bestimmenden Spezies auf der Erde geworden ist. Also weitere Hinweise auf das Besondere in dieser Welt, in der Entwicklung des Menschen. Er meint, dass es u.a. daran liegt, dass die Menschen sich differenziert durch Sprache verständigen, dass sie „flexible und gut organisierte Leitungsstrukturen bilden können. Insbesondere, dass Menschen in der Lage sind, irreale Begriffe wie Gott, Geld, Firma, Staat, Nation u.a.m … so mit Bedeutung aufzuladen, dass sie für viele, ja massenhaft, für die Menschen eine Realität annehmen, als ob sie konkrete Objekte wären. Die bestimmenden Begriffe prägen dann ganze Generationen, Epochen oder gar Zeitalter und sind in der Lage, alle hinter sich zu vereinigen und gewaltige Anstrengungen und Leistungen zu ermöglichen (Gott, Geld, Nation…). Bei den Tieren ist das nicht in dieser Form der Fall. Selbst wenn große Tierpopulationen wie Ameisen, Bienen oder Fischschwärme strukturiert interagieren, so dürften doch die einzelnen Wesen solcher Population sich nicht wie der Mensch durch abstrakte Begrifflichkeiten bestimmen lassen. Diese abstrakten Begrifflichkeiten können aber tausendfach, ja millionenfach Menschen unter ihre Herrschaft zwingen.

    Bei den Menschen können sich diese für ganze Generationen prägenden Begriffe sehr wohl auch wandeln, wie wir es z.B. gerade mit allen religiösen Begrifflichkeiten erleben, deren Realität lange bei vielen nicht hinterfragt wurden. Eine nicht zu unterschätzende Entwicklung.

    Auch in der sozialen Evolution der Menschen zeigen sich erstaunliche Entwicklungen. Entfaltungen von Potentialen in dieser Welt.

    Universales Prinzip Fortschritt?

    Ich habe in einem Sommerurlaub die Gelegenheit genutzt, ein „Kind unserer Zeit, einen 15-jährigen Jugendlichen, der ganz und gar der Wissenschaft zugetan ist und für den Religion und Gott nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, zu befragen. Was könnte denn für ihn ein universeller Begriff sein, der alle Zeitalter bestimmt und quasi zum „Credo der eigenen Überzeugung für die Welt taugen könnte. Seine Antwort war ziemlich einfach, aber gut: „Fortschritt! Fortschritt ist nicht nur für ihn ein übergreifendes Motto für die menschliche Entwicklung und hat darüber hinaus auch eine intellektuelle Realität, vielmehr lässt sich „Fortschrittim Grunde durch die ganze Menschheitsgeschichte, ja Weltgeschichte und sogar den gesamten Kosmos immer wieder beweisen und nachvollziehen, wie ich oben erläutert habe.²¹

    Fortschritt ist oft ambivalent. Fakt ist allerdings, dass sich die Welt immer weiter entwickelt und zwar nicht

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