Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Das Wohlergehen der Anderen
Das Wohlergehen der Anderen
Das Wohlergehen der Anderen
eBook173 Seiten2 Stunden

Das Wohlergehen der Anderen

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Das Buch beschreibt, wie Demokratie und Menschenrechte verstanden und gelebt wurden - von der Französischen Revolution bis heute. Bis in die Zeit der Weimarer Republik gab es eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Teilhabe des Volkes. Nach 1945 kam es zu einem radikalen Bruch mit der NS-Zeit, der nicht nur zur Dämonisierung des NS-Regimes führte, sondern auch in der Sprache und in der Kultur alles "verbrannte", was nur im Entferntesten an Konservatismus und althergebrachte Werte erinnerte. Die psychoanalytisch basierte Entnazifizierung brannte die Schlüssel-begriffe "Kollektivschuldtransfer" und "Vergangenheitsbewältigung" tief in die Gehirne des deutschen Volkes ein und führte bei Teilen der Bevölkerung zum Helfersyndrom. Dieses ist der obsessive Drang, anderen maximal Gutes zu tun, auch um den Preis des eigenen Untergangs, sich selbst zu verleugnen und sich seiner eigenen Identität zu berauben. Dies führte zu einem Kult um Minderheiten und seit 2015 auch zum Kult um die Flüchtlinge. Die kulturzerstörerische Leistung der 68er besteht darin, dass sie es bisher verstanden haben, alle ihre "Neuerungen" (Minderheiten, Gender, Rassismus, Tugendsprache, Dekadenz u. a.) der Politik und dem Volk als Fortschritt und gelebte Demokratie zu verkaufen. Allmählich leisten die konservativen Kräfte zunehmend Widerstand gegen diese Aktivitäten, denn eine kulturelle Abwärtsspirale in den Untergang ist unübersehbar. Das Buch vergleicht auch den gegenwärtigen Weg in den Untergang mit dem Untergang der Römer in der Spätantike und stellt er-schreckende Parallelen fest. Es ist noch nicht zu spät, wenn in Europa konservative Kräfte die Geschicke ihrer Länder in die Hand nehmen und die entsprechenden Korrekturen durchführen.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum5. Dez. 2021
ISBN9783347499201
Das Wohlergehen der Anderen
Vorschau lesen

Ähnlich wie Das Wohlergehen der Anderen

Ähnliche E-Books

Ähnliche Artikel

Rezensionen für Das Wohlergehen der Anderen

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Das Wohlergehen der Anderen - Friedrich Eckhard Bauer

    1. Der Abschied aus dem Jammertal und das Vertrauen auf sich selbst

    Die größte europäische Errungenschaft der letzten 500 Jahre war die im 18. Jahrhundert stattfindende Aufklärung, die mit der Französischen Revolution 1789 ihre politische und juristische Umsetzung fand. Das Konzept der hier erstmals formulierten Menschenrechte wurzelt in der europäischen Philosophie und ist die Grundlage unserer heutigen westlichen Demokratien. Bis heutigen Tages haben Philosophen nirgendwo sonst auf der Welt eine derart große Gestaltungskraft entfaltet, die das Zusammenleben der Menschen so nachhaltig und erfolgreich prägte.

    Die Anfänge dieser besonderen Entwicklung gehen zurück auf die Zeit um 1500 n. Chr., die Zeit der Renaissance (Wiederentdeckung der Antike), die in Florenz ihren Anfang nahm, und ebenso auf das Wirken Martin Luthers, der das Tun der Kirche in Frage stellte. Nicht zuletzt waren es erste naturwissenschaftliche Erkenntnisse (insbesondere die Astronomie), die dazu beitrugen, dass die Erkenntnis von Thomas von Aquin aus dem 13. Jahrhundert immer mehr Zustimmung fand: dass zwischen Glauben und Wissen zu unterscheiden sei.

    Die Rückkehr zum antiken Menschenbild, Kirchenkritik und die aufkommenden Naturwissenschaften in einer zeitlichen Dichte trugen dazu bei, dass sich das Bild der damaligen Menschen von der Welt langsam änderte. Die Philosophen der Aufklärung legten ebenso wie Martin Luther dar, dass die Menschen ihren eigenen Verstand und ihr Urteilsvermögen nutzen dürfen und sollen, dass Freude und Glück berechtigte und erwünschte Merkmale eines erfüllten Lebens darstellen und dass es im Wesentlichen um das Leben im Diesseits geht, und nicht nur um das Jenseits. Diese Lebensauffassung unterschied sich fundamental von dem mittelalterlichen Weltbild, welches das Leben im Diesseits als unausweichliche, dunkle Übergangsphase und Jammertal darstellte, das notgedrungen durchschritten werden müsse, worauf die eigentliche Glückseligkeit des Menschen erst im Jenseits beginne.

    All diese neuen Erkenntnisse um 1500 setzten sich aber nur langsam und zögerlich und nicht zuletzt gegen Widerstände der Obrigkeit durch. Die Trennung vom mittelalterlichen Menschenbild mit seiner Mystik, Vorsehungsvorstellungen und Gottesurteilen brachte viele Menschen in Konflikte, insbesondere mit der Kirche. Die alten Eliten, zumal die Kirche, aber auch der Adel, verteidigten zäh ihre Vormachtstellung, denn all dieses neue Gedankengut würde letztlich zu einem Machtverlust der Eliten führen, was insbesondere auch einen Kontrollverlust über das einfache Volk nach sich ziehen würde. Der Kampf der Bauern um Gerechtigkeit gegenüber ihren Herren löste den Bauernkrieg (1515) aus und das Ringen der Kirche um den richtigen Glauben führte zur Kirchenspaltung (1555). Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) trugen Katholiken und Protestanten den Kampf nicht nur um die „richtige Religion" aus, sondern es ging auch um Macht und Deutungshoheit für die Zukunft.

    In der Zeit der Aufklärung (18. Jahrhundert) lieferten die Philosophen das wissenschaftliche Fundament und damit eine Begründung für die Menschenrechte und formulierten und legitimierten damit die berechtigten Interessen des einfachen Volkes. Das in Not geratene französische Volk führte schließlich 1789 die Revolution herbei, wodurch die Menschenrechte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) zum Gesetz erhoben und in die Verfassung aufgenommen wurden. Erst jetzt wurden die Menschenrechte für das einfache Volk umgesetzt, insbesondere die Rechte des Adels empfindlich beschnitten und das einfache Volk aus den Klauen des Adels und der Kirche befreit.

    Gleichzeitig führte Frankreich das Wahlrecht ein. Es war ein Zensuswahlrecht (Vierklassen-Wahlrecht) und nicht das allgemeine Wahlrecht.⁵ Wahlberechtigt war nur, wer auch Steuern bezahlte und männlich war. Damit waren alle Nichtsteuerzahler wie Bedienstete, Frauen und Arme von den Wahlen ausgeschlossen. Steuern bezahlen konnte also nur derjenige, der Besitz hatte. Wer keinen Besitz hatte, hatte nicht eigentlichen Anteil an der Gesellschaft, wohl aber war diese für ihn da. Dies war die ausgleichende Grundvorstellung.

    Ganz entscheidend ist es, sich zu vergegenwärtigen, dass die Menschenrechte ausschließlich auf französische Staatsbürger beschränkt waren und demzufolge nur in Frankreich ihre Gültigkeit hatten. Sie galten nicht in den französischen Kolonien und schon gar nicht für die französischen Sklaven. Anderen Nationen war es allerdings unbenommen, die Menschenrechte auch für ihre Länder in eigener Verantwortung zu übernehmen.

    Die Herrschaft Napoleons brachte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die größten Veränderungen in Europa seit dem Dreißigjährigen Krieg. Zunächst setzte er die seit Ludwig XIV. geltende Osterweiterung Frankreichs um, indem er die Staatsgrenze an den Rhein verlegte. Zudem enteignete er den deutschen Adel, der die linksrheinischen deutschen Gebiete besaß, ebenso wie die rechtsrheinischen kleinen süddeutschen Fürstentümer (Mediatisierung), deren Besitz er aber an die nächstgrößeren deutschen Fürsten verschenkte und diese gleichzeitig im Rang erhöhte. So entstanden aus dem Herzog von Württemberg und dem Kurfürsten von Bayern die Könige von Württemberg und Bayern von Napoleons Gnaden. Auch der Markgraf von Baden stieg durch Napoleon zum Kurfürsten auf. Linksrheinisch führte Napoleon sogleich eine Gesetzesreform durch, indem er den Code civil einführte.

    Dies waren geradezu geniale Schachzüge, denn die beschenkten deutschen Fürsten waren ihm dafür sehr dankbar und er gewann sie zu Freunden. Ganz nebenbei wurden ihre Territorien zu willfährigen Vasallenstaaten Frankreichs und somit aus dem Verbund des Ersten Deutschen Reichs herausgebrochen.

    Ein weiterer Meilenstein stellt die Enteignung der Kirchen dar (Säkularisation). Die Säkularisation war eine weitreichende Entscheidung, da die Kirchen nicht nur enteignet wurden und somit ihre Reichtümer verloren, sondern auch eine ganze Reihe ihrer administrativen Privilegien verloren gingen (Schulaufsicht, Eheschließung u. a.). Mit diesen Maßnahmen drängte Napoleon den Einfluss der Kirche auf ihre Kernkompetenz, die Seelsorge und die Caritas, zurück und füllte ganz nebenbei die französische Staatskasse auf. So kam es zur Trennung von Kirche und Staat.

    Im Laufe der Zeit wandten sich die meisten deutschen Fürstentümer vom Reich ab und schlossen sich als französische Vasallenstaaten im Rheinbund zusammen. Das führte schließlich im Jahr 1806 zum Zusammenbruch des Ersten Deutschen Reichs (961-1806) mit der Abdankung des Deutschen Kaisers in Wien. So wurde Napoleon, der sich 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen gekrönt hatte, nicht nur zum Totengräber der französischen Republik, indem er durch die Krönung ihre Ideale verriet, sondern auch zum Zerstörer des Ersten Deutschen Reiches. Eine Nationenbildung der Deutschen war dadurch auf nicht absehbare Zeit undenkbar.

    Die gesamte Epoche ist also durch die erste Nationalstaatsbildung in Europa, hier der Französischen Republik, gekennzeichnet. Alle Standesunterschiede waren beseitigt, alle hatten die gleichen Rechte und erstmals konnten auch weite Schichten des einfachen Volkes an der politischen Gestaltung des Landes teilhaben. Eine flächenhafte Identifikation der Franzosen mit ihrem Staat war die Folge, was letztlich dann auch die soziale und ökonomische Situation der einfachen Menschen verbesserte. Es entwickelte sich ein kollektives Wohlergehen der ganzen Nation. Dieses führte zu einer Veränderung des Blicks auf die Welt und zur Erweiterung des Bewusstseinshorizonts, wobei das Wohlergehen des eigenen Volkes hier im Vordergrund stand. Begründet wurde diese Entwicklung mit dem Naturrecht. Es besagt, dass sich aus der Natur des Menschen diese Normen des Zusammenlebens begründen.

    5 Schulin, Ernst: Die Französische Revolution. Beck, 4. Auflage, München, 2004.

    2. Vom Wiener Kongress (1814/15) zum Demokratiebeginn im Deutschen Kaiserreich (1871-1918)

    Nachdem Napoleon in der Schlacht bei Waterloo 1815 endgültig besiegt und Europa vom französischen Joch befreit worden war, verhandelten die Siegermächte auf dem Wiener Kongress die Neuordnung Europas. Bereits im Ersten Pariser Frieden von 1814 wurden die Koalitionskriege, die auch als Russisch-Deutsch-Französischer Krieg bezeichnet wurden, beendet. Hierbei kam es zum Friedensschluss zwischen den Parteien, zur Wiederherstellung des Königreichs Frankreich und zur vorläufigen Wiederherstellung der französischen Ostgrenze von 1792.

    Auf dem Wiener Kongress ging es um eine dauerhafte europäische Nachkriegsordnung und die Schaffung eines europäischen Gleichgewichtssystems zur Verhinderung künftiger Kriege. Diese Ziele sollten durch die Restauration, also die Wiederherstellung der vorrevolutionären politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, erreicht werden. Ein Umsturz der politischen und sozialen Verhältnisse, wie zuvor durch Napoleon ausgelöst, sollte sich nicht wiederholen können. Revolutionären und nationalen Bewegungen sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Kaiser, Könige und der Adel sicherten sich wieder ihre Macht.

    Der Wiener Kongress, ausgerichtet vom österreichischen Kaiser Franz I. und geleitet von seinem Außenminister Fürst von Metternich, war ein Großereignis, an dem 200 Staaten, Körperschaften und Städte mit ihren Delegationen teilnahmen. Die Hauptakteure waren Russland, das Vereinigtes Königreich Großbritannien, Österreich, Preußen und erstaunlicherweise das besiegte Frankreich, das diesen Status seinem außergewöhnlich fähigen Chefdiplomaten Talleyrand zu verdanken hatte.

    Kommissionen arbeiteten die einzelnen Themenkomplexe ab: deutsche Angelegenheiten, europäische Angelegenheiten, Gebietsfragen mit Grenzkorrekturen, Flussschifffahrt und Sklavenhandel.

    Hauptdiskussionspunkte waren der Status von Polen und Sachsen sowie territoriale Veränderungen mit neuen Grenzziehungen. Hierbei führten die Streitereien unter den Siegermächten dazu, dass Talleyrand diese zum Vorteil Frankreichs ausnutzen konnte, so dass im Verlauf des Kongresses auf dem diplomatischen Parkett Frankreich zu einem gleichberechtigten Hauptakteur des Kongresses aufstieg und keinerlei Abstrafung oder Rückstufung erfuhr. Frankreich behielt seine alten Grenzen und musste keinerlei Gebietsverluste oder Reparationsforderungen hinnehmen. Auch die „Napoleon-Freunde" aus Württemberg, Bayern oder Baden wurden nicht zurückgestuft oder abgestraft, sie durften ihre Ländereien und Titel behalten.

    Wie anders lief es gut hundert Jahre später bei den Pariser Friedensverhandlungen im Jahr 1919 ab, als der Erste Weltkrieg verhandelt wurde. Die deutsche (Vertrag von Versailles) und österreichische (Vertrag von St. Germain), Delegation waren komplett ausgeschlossen. Am Schluss wurden sie nur über das Ergebnis unterrichtet und unter erneuter Kriegsandrohung zur Unterschrift genötigt.

    Die Befreiungskriege ab 1813 befeuerten das Nationalgefühl der Deutschen, erzeugten den Wunsch nach Bildung eines deutschen Nationalstaats und nach demokratischer Mitsprache des Volkes. Die Enttäuschung war groß, als die Siegermächte die Restauration beschlossen, die alten Eliten ihre alten Rechte und Privilegien wieder erhielten, alle 35 deutschen Mittel- und Kleinstaaten sowie die Großmächte Russland, England und Frankreich gegen ein geeintes Deutschland stimmten und als „Feigenblatt-Lösung" der Deutsche Bund beschlossen wurde.

    Artikel 13 der Bundesakte legte fest, dass alle Bundesstaaten eine landständische Verfassung erhielten. So erhielten Württemberg 1819, dann Bayern, Baden, Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau und, nach der Juli-Revolution 1830 in Frankreich, auch Hessen-Kassel, Sachsen und Hannover Verfassungen mit Gewaltenteilung.

    Bei der deutschen Revolution von 1848 scheiterte das Bürgertum daran, nationale Einheit und politische Mitsprache von „unten" auf revolutionärem Wege durchzusetzen.

    Im Vielvölkerstaat Österreich eskalierten revolutionäre Aufstände, so dass sie mit brutalen Militäreinsätzen niedergeschlagen wurden (Radetzky in Mailand, Windisch-Graetz in Prag und Wien).

    Der österreichische Vielvölkerstaat verhinderte bei der Reichsgründung 1871 auch die „großdeutsche Lösung", den Einschluss Deutsch-Österreichs in das deutsche Kaiserreich. Österreich war nicht bereit, sich von seinen nicht-deutschen Nationen zu trennen. Aus diesem Grund forcierte Bismarck auch die kleindeutsche Lösung. Andererseits war Österreich auch nie ernsthaft an einer großdeutschen Lösung interessiert.

    Retrospektiv betrachtet wäre bei einem Untergang der Donaumonarchie im Rahmen der Revolution von 1848 durch nationale Selbstbestimmung der Völker der Mord des österreichischen Thronfolgers 1914 in Sarajevo nicht passiert, der Erste Weltkrieg hätte nicht stattgefunden und der weitere Verlauf der Geschichte wäre ein völlig anderer gewesen.

    Basierend auf den Landesverfassungen der Bundesstaaten des Wiener Kongresses von 1815 erhielt das deutsche Kaiserreich 1871 eine Verfassung mit Parlament. Wegen der noch starken Stellung des Kaisers (Militäroberbefehl, Kanzlerernennung, Außenpolitik) handelte es sich um eine konstitutionelle Monarchie. Der Reichstag besaß eines der fortschrittlichsten Wahlrechte (allgemeine,

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1