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Die Allversöhnungslehre aus biblischer Sicht
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eBook866 Seiten11 Stunden

Die Allversöhnungslehre aus biblischer Sicht

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Über dieses E-Book

In diesem Buch wurde die bisher umfassendste Darstellung der Allversöhnungslehre aus biblisch-heilsgeschichtlicher Sicht vorgenommen. Zugleich wird die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel, mit den Nationen und der Gemeinde Jesu dargestellt und gezeigt, dass sich die Allversöhnungslehre harmonisch in die Heilsgeschichte einfügt.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum6. Sept. 2022
ISBN9783347521827
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    Buchvorschau

    Die Allversöhnungslehre aus biblischer Sicht - Roman Nies

    Vorbemerkungen

    Die Allversöhnungslehre enthält uraltes biblisches Gedankengut über Gottes heilsbegründendes Handeln mit den Menschen und fasst sie zu einem Gesamtkonzept zusammen, wonach Gott Sein Ziel mit der Menschheit insgesamt erreichen wird. In der jüngsten Theologie ist die Thematik wieder stärker beachtet worden und die Forderung, wonach die Allversöhnungslehre eine ernsthafte Betrachtung verdient, hat manche Fürsprecher gefunden. Es fehlte bislang eine umfassende, systematische Abhandlung, weil meist nur Teilfragen gestellt wurden. Gegner der Sichtweise, dass Gottes Wollen, alle zu retten, Seinem Ratschluss entspricht und daher der Erfolg gewiss sein müsse, wissen sich in der Gesellschaft der christlichen Kirchen und der ihnen angehörenden Theologen, wo diese Lehre nicht mehrheitsfähig ist. Sie können sich auf jahrtausendealte kirchliche Tradition berufen und ihre betont sich zur Bibel bekennenden Brüder im Glauben verweisen neuerdings auf einen Zusammenhang mit den irreführenden Strömungen des Zeitgeistes. Doch die Lehre ist so alt wie die Bibel selbst und wurde auch immer wieder von Theologen, jüdischen und christlichen Gläubigen vertreten, auch wenn sie meist in der Minderzahl waren. *1 Vor allem darf sie nicht mit den Lehren außerchristlichen Denk- und Glaubensrichtungen verwechselt werden. Dass sie ganz im Gegenteil viele biblischen Fragen beantwortet, die sonst offenbleiben müssen, soll auch in diesem Buch aufgezeigt werden.

    Aus biblischer Sicht steht die Versöhnung Gottes mit den Menschen näher am Anfang eines langen gemeinsamen Weges als am Ende. Versöhnung geschah und geschieht fortlaufend und trägt Früchte, die wiederum weiteren heilsgeschichtlichen Ertrag erbringen. Das Endergebnis dieses Prozesses ist die Allvollendung, wenn der Sohn Gottes alles dem Vater ordentlich, Ihm selbst untergeordnet, übergibt (1 Kor 15,22-28). Die Allvollendung ist der Vollzug der Verherrlichung Gottes durch die Verherrlichung Seiner Schöpfung, die Er von Anfang an geplant hat und die sich unter Seiner Anleitung und Begleitung durch die Äonen vollzieht.

    Am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn kann man das Thema des Unterschieds zwischen Versöhnung und Vollendung aufzeigen. Die Versöhnung war besiegelt, als der Sohn in die Arme des Vaters zurückkehrte. Aber dann setzt das Gedeihen und die Optimierung der Vater-Sohn-Beziehung mit diesem neuen Zusammenleben in gegenseitiger Achtung, Liebe und gemeinsamer Zielsetzung an. Der Vater und der Sohn leben nun in einer fruchtbringenden und liebevollen Einheitsverbindung zusammen. Sie ist vergleichbar mit dem wachstumsmäßigen Einssein eines Gliedes des Leibes Jesu Christi mit seinem Haupt, die von Paulus in Aussicht gestellt worden ist. Die Unterordnung unter das Haupt ist eine Einordnung zur beidseitigen Erbauung. Beim Vater mag die Freude über die Fortschritte darüber eher einsetzen als bei dem, der noch unter den Wachstumsprozessen Gesundungsschmerzen hat.

    Wenn in diesem Buch von Allversöhnung gesprochen wird, wird dem Gedanken Rechnung getragen, dass vor der Allvollendung die entscheidende Weichenstellung zur Vollendung der Pläne Gottes mit der Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen geschehen ist, nämlich am Kreuz Jesu Christi. Es steht auch für die nun möglichen, fortlaufenden Versöhnungsprozesse, weil fortan auch immer deutlicher wird, dass es keine endgültige Verdammung geben können wird.

    In einem Flyer mit dem Titel „Allversöhnung" der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen, reduziert man die Frage nach der Allversöhnung auf das Entweder-oder und zeigt dabei schon einen Gegensatz, dem möglicherweise ein Denkfehler zugrunde liegt. Die Formulierung „In vielen landes – wie freikirchlichen Predigten und Stellungnahmen ist oft von der unendlichen Liebe Gottes in allen Lebenslagen die Rede. Was aber ist dann mit dem Jüngsten Gericht, auf das alles zuläuft? Braucht es das eigentlich noch?" lässt einen Gegensatz erwarten, der nicht überbrückbar zu sein scheint.

    Aber, gibt es wirklich einen unauflösbaren Gegensatz zwischen Himmel und Gericht? Es stimmt, niemand sollte in „die Sackgasse des Liberalismus" laufen. *2 „Gott ist heilig und deshalb auch zornig. Er widersteht der Sünde und richtet sie. Niemand kommt leichtfüßig und automatisch in den Himmel. Das Jüngste Gericht findet statt." *3 Das alles ist biblisch gesichert, wenn man einmal davon absieht, dass die Formulierung „Jüngstes Gericht" nicht in der Bibel vorkommt. Aber folgt daraus zwingend: „Die Weltgeschichte hat einen doppelten Ausgang."? Und, wo hört die „Weltgeschichte" auf? Diese Fragen sind wichtig, denn mit menschlicher Sicht und menschlichem Wollen kommt man nicht weit. Da fehlt es an Durchblick und Vorausblick. Das müsste jedem einleuchten. Im 19. Jahrhundert hat es noch kaum jemand für möglich gehalten, dass es bald wieder einen jüdischen Staat Israel geben würde. Man weiß ja nicht einmal wie die nächste Wahl ausgeht!

    Die Bibel lässt die Geschichte Gottes mit den Menschen nicht mit dem Weltgericht beschließen. Die Bibel breitet das Gerichtshandeln Gottes über vergangene und künftige Äonen aus *4 und klar ist auch, dass sie von einer neuen Welt, von einer neuen Erde und von einem neuen Himmel redet. *5

    Als Beispiel für den doppelten Ausgang der Weltgeschichte aus dem Alten Testament wird Dan 12,2 betrachtet. Doch dort wird lediglich gesagt, dass das Volk Israel eine Auferstehung erleben wird. Die einen werden zum äonischen Leben eingehen, die anderen zur äonischen Schmach und Schande. In der Geschichte Israels ging es immer um das messianische Reich, in das man hineinkommt oder nicht. Eine rückwärts gerichtete Projektion kirchlicher Gedanken, wonach die einen in den Himmel und die anderen in die Hölle kommen, ist hier ein anachronistischer Ansatz für eine heilsgeschichtliche Aussage, die dann doch wieder nur die kirchliche Dogmatik stützen soll. Selbst wenn hier die gesamte Menschheit gemeint wäre, änderte sich nichts daran, dass es im Alten Testament immer in erster Linie um Israel geht und erst in zweiter Linie um alle anderen Nationen.

    Auch das Buch Daniel zeigt das klar. Vor Dan 12,2 wird von Gottes Volk Israel geredet. Dann heißt es: „Und viele von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen; die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu." *6

    Wie lautet die angebliche Aussage zum doppelten Ausgang im Neuen Testament? Man nimmt dazu Mt 25,41. Der Kontext zeigt, dass Jesus seinen Jüngern erklärt, wie es sein wird, wenn Er zurückkommt, um das messianische Reich einzuläuten (Mt 25,31). Auch hier wieder geht es um Israel und die Nationen zu Beginn des messianischen Reiches. Die einen „erben das Reich (Mt 25,34), das heißt sie werden für den Dienst im messianischen Reich zugelassen und mit dem Messias regieren. Die aus Israel, die dieses Ziel nicht erreichen, verpassen dieses Reich und gehen für das kommende Äon verloren. Die „Verdammnis sagt zunächst einmal nur, dass man vom Messias und Seinem Reich abgeschieden wird. Deshalb kann auch Paulus sagen, dass er dieses Schicksal auf sich nehmen würde, wenn dafür seinen jüdischen Volksgenossen die Verfluchung erspart bliebe. Sie sind, wie es dann in Mt 25,41 heißt, „Verfluchte", die in das äonische Feuer gehen. „Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken." Wer den Messias nicht zu sich lässt, wie sollte er berechtigterweise einen Platz im messianischen Reich haben dürfen?

    Dieser Zusammenhang zwischen Durst als Leidensdruck infolge des Feuers, das wie die glühenden Kohlen aufs Haupt des Ungerechten brennt (Spr 25,22), sobald er bemerkt, dass das von ihm begangene Unrecht nun sein Gewissen schmerzlich erhitzt, ergibt sich auch aus dem Gleichnis mit dem Reichen, der im Hades ist und den dürstet, weil es ihm heiß ist und keine Tränke ihn zufrieden stellen könnte (Lk 16,23).

    Ob es einen Ausgang aus diesen Qualen gibt, ist eine ganz andere Frage. Wenn Jesus nach Seinem Erdenleben in den Hades hinabgestiegen ist und den dort befindlichen Menschen das Evangelium von der Umkehr und der Erlösung gepredigt hat (1 Pet 3,19), scheint es diese Möglichkeit der Umkehr auch nach dem Ableben noch zu geben. Wäre es nicht so, dann hätte Jesus sich die Predigt auch sparen können. Außerdem kann man daran erkennen, was einem schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass eben nicht alle Menschen das Evangelium zu ihren Lebzeiten gehört haben. Damit ist schon einmal ausgeschlossen, dass unmittelbar nach dem irdischen Tod ein zweifacher Ausgang einsetzt, der auch Ausgang bleibt. Die Pforten der Hölle können schließen, wenn der letzte hinausgegangen ist. Der Gerichtsaal ist leer, wenn der letzte die Tür hinter sich zugemacht hat.

    Die letzten Ziele Gottes

    Nach 1 Tim 2,4 will Gott, „dass alle Menschen gerettet werden". Die Christen beten ja auch: „Dein Wille geschehe!" Und Gott antwortet darauf: nichts ist Ihm zu schwer, Er vermag alles (Hiob 42,2), bei Gott sind alle Dinge möglich, *7 Er vollführt seinen Ratschluss und kein Mensch kann Ihm wehren. *8 Klar, Gott ist allmächtig, allgütig und allbarmherzig. Paulus greift diese Thematik in 1 Tim 4,10 nochmals auf. Dort heißt es, dass Gott „ein Retter aller Menschen ist".

    Nun sagen manche, dass doch aber Gott den Menschen nicht zwinge und dass der Mensch einen freien Willen habe. Dann wird Gott den Menschen aber auch nicht auf die Knie zwingen, denn Er hat nichts von Heuchelei und bloßen Lippenbekenntnissen. Er will die Herzen der Menschen gewinnen. Wer auf die Knie gehen will vor Gott, tut dies für Gott wohlgefällig nur aus der Gesinnung der Anbetung. Aber abgesehen davon, dass ein Mensch, der unter der Sünde ist, gar nicht frei sein kann, denn er wird ja von seiner Sündhaftigkeit in die Sünde versklavt, kann kein Mensch wissen, dass es Menschen gibt, die „immer nicht" so wollen wie Gott will, und Gott betont, dass Sein Wille verwirklicht wird. Diesem Umstand wird in der Theologie viel zu wenig Rechnung getragen.

    Wenn Gott versichert, dass Sein Wille Wirklichkeit wird, kann man schließen, dass einst alle so wollen werden wie Gott will. Jedenfalls ist das nicht auszuschließen. Es kommt auch nicht darauf an, ob man sich das vorstellen kann oder nicht. Es gibt viele fromme Christen, die vielleicht auch viele Opfer gebracht haben, ein langes, vom Willen zum Gehorsam beseeltes und bemühtes Leben geführt zu haben, die sich aber empören, wenn sie hören, dass sie vielleicht sogar ihre Peiniger, zusammen mit anderen Ex-Verbrechern im Himmel treffen sollen. Das ist verständlich, aber nicht gründlich durchdacht. Schon Jesus griff diesen Widersinn zwischen zwei konträren Wünschen auf: Da ist der Wunsch, Gott gefallen zu wollen, der bei den Christen im besten Fall mit der Erkenntnis zusammenläuft, dass man Gott am besten gefällt, wenn man so will wie Er will und so ist wie Er ist. Und da ist der andere Wunsch, dass Gott mit anderen Menschen nicht so widerfahren solle, als ginge es um ewige Entzweiung, wo doch Gott die Einheit will. Was bringt den Menschen immer wieder dazu, sich auch auf Kosten anderer Mitmenschen in den Vordergrund zu stellen? Das ist ja gerade auch bei den „unschuldigen" Kindern zu beobachten. Eine übermäßige Nächstenliebe scheint es nicht zu sein!

    Da gibt es das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1ff). Viele Arbeiter sind erst spät zur Arbeit gekommen und bekommen den gleichen Lohn. Aber anstatt, dass sich die Arbeiter, die schon den ganzen Tag arbeiten durften, darüber freuen, dass sie schon den ganzen Tag ihrem Herrn dienen durften, und dass es ein Herr ist, der so großzügig ist, dass er alle reichlich entlohnt, bauen sie künstliche Konkurrenzen auf, die ihnen selber den Zugang zu mehr Ebenbildlichkeit mit ihrem Herrn versperren. Auch Kirchengläubige dürfen sich fragen, ob es ihnen keine Freude macht, viel länger ihren Herrn Jesus zu lieben, als die Spätberufenen und ob es ihnen lieber wäre, wenn ihr Herr und Gott weniger großzügig wäre. Soll sich Gott nach dem Liebesmaß der Menschen richten? Das wäre der Untergang der ganzen Menschheit. Umgekehrt wird die Erlösung der ganzen Menschheit daraus, wenn man einen Gott hat, der nach Gottes Art liebt!

    Wen Gott rettet und wann Er jeden gerettet haben wird, darüber kann kein Mensch Gott Vorschriften machen. Gott ist kein Erfüllungsgehilfe des Menschen, dass er Ihm sagen könnte: „Ich möchte im Himmel keinem Katholiken oder Protestanten oder Reichen begegnen!" Wer will, dass er von Gott besser behandelt wird als andere Menschen, begibt sich auf die Seite der Pharisäer. Die schauten auf den reuigen Sünder deshalb herab, weil sie nur nach äußeren Merkmalen der Gerechtigkeit schauten und nicht durchschauten wie Gott in den Herzen der Sünder wirken kann (Lk 18,10). Sie waren gut darin, Verbote zu beachten, aber sie versäumten es, auch gut darin zu sein, die Gebote zu beachten, die mehr Aktivität, Zugehen auf den Anderen, tätige Nächstenliebe und auch das Hoffen und Wohlwollen für andere, die noch nicht dem erlauchten Kreis der „Frommen" angehörten, verlangten.

    Es ist gefährlich, sich darauf zu versteifen, dass es einen doppelten Ausgang geben muss, als könnte nicht sein, was nach eigener Meinung nicht sein dürfe. Es ist von dieser Haltung nur ein kleiner Schritt dazu, sich über andere zu überheben, wie der Pharisäer im Gleichnis mit dem Zöllner, der auch kein Herz für den Sünder hatte, welchen Gott schon längst angenommen hatte (Lk 18,10) und wie der zu Hause geblieben Sohn im Gleichnis vom verlorenen Sohn, der sich gar nicht freuen konnte, dass dieser wieder in die Arme seines vergebenden Vaters zurückkehrte (Lk 15,11-32).

    Paulus vertritt diese Sichtweise, denn er erklärt, durch die Sünde Adams kam zwar die Verdammnis zu allen Menschen und alle Menschen leiden darunter. Aber ebenso kam auch das Heil durch Jesus zu allen Menschen, *9 so dass einst sich alle Knie in Anbetung Gottes beugen können (Phil 2,10; Röm 11,14) und alle Dinge zu Gott hin gerichtet sein werden (Röm 11,36) und dabei Christus untergeordnet sind, wie es in 1 Kor 15,22-28 gesagt ist (Vgl. Eph 1,9-10). In Kol 1,20 heißt es sogar ausdrücklich, dass durch Christus alles zu ihm hin versöhnt worden ist! Demnach war der Sieg Jesu am Kreuz also ein totaler Sieg, kein Teilsieg. So heißt es ja auch, dass alle Feinde besiegt sein werden (1 Kor 15,26), „der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz" (Of 21,4).

    Wenn Gott etwas sagt, verdient Er mehr Glaubwürdigkeit als Menschen, denn: Gott irrt sich nicht, der Mensch irrt sich. Gott ist allmächtig, der Mensch nicht. Der Mensch ändert seinen Willen ständig, Gott nicht. Gott ist allwissend, der Mensch weiß wenig. Gott kennt die Herzen der Menschen besser als die Menschen selber und daher kann auch Gott ein gerechter Richter sein, der Mensch nicht. Man sollte daher nicht über Menschen urteilen, die man noch nicht einmal kennt. Wer sagt, dass jemand nie bereut, hat über ihn prophetisch geurteilt. Man soll weder ein falscher Prophet, noch jemand sein, der andere verurteilt. Davor warnt die Bibel und daher sollte man auch die warnen, die von einer nicht enden sollenden Hölle reden.

    Wenn Gott also sagt, dass Sein Willen zur Ausführung kommt, hat Er gute Gründe dafür, die in seinen unveränderlichen vollkommenen Wesen liegen. Gott zu ehren und auf Ihn zu vertrauen, bedeutet, Ihm das zuzutrauen, was Er ankündigt. Und so beten auch Christen: „Dein Wille geschehe!" Bei Gott bleibt es nie bloß beim Wollen, das ist der Unterschied zum Menschen! Gott tut es! Was? Er versöhnt sich mit den Menschen und Er bringt ihnen das Heil.

    Das Gerichtshandeln Gottes

    Nicht wenige Theologen haben nach dem Studium der Bibel erkannt, die Gerichte Gottes dienen dazu, die Menschen versöhnungsbereit zu machen. Ein äonenlanges Gerichtshandeln Gottes schließt die Zielsetzung Gottes nicht aus, sondern ganz im Gegenteil mit ein! Die Sündhaftigkeit und Bosheit der Menschen ist groß. Ob die Lebenszeit eines Menschen ausreicht, um sich davon abwenden zu wollen und zu können, diese Frage kann sich jeder einmal stellen, auch angesichts der Tatsache, dass viele Menschen nicht sehr alt werden und bereits sterben, noch ehe sie sich selber richtig kennen gelernt haben. Gerichte sind sinnvoll und notwendig, unabhängig von ihrer Dauer.

    Menschen müssen lernen,

    wer und wie Gott ist und wer und wie sie sein müssen!

    Gerichte müssen sein. Bei Gott wird man vergeblich auf eine billige Gnade hoffen. Der Richter, den man hat, hat nicht das eine mal einen guten Tag und dann einen schlechten. Er ist und bleibt gerecht und Seine Gnade ist nicht billig, denn für jeden Menschen hat Jesus Sein Blut gegeben und mit jedem Menschen geht Er einen steinigen und steilen Weg durch Seine Lehranstalt. Wer sich gegen die Gnade stellt, geht erst recht ins Gericht. Das Gericht hat die Funktion der Zurechtbringung. Der Gottlose begegnet dem rettenden Wort Gottes, nachdem er in der Not nach ihm schrie und er dankt Gott am Ende doch noch (Ps 107,10-21). Das zeigt, Gott geht es nicht darum, die Menschen zu quälen, sondern sie zurechtzubringen. Dass dazu schmerzhafte Prozesse notwendig sein können, haben gerade viele Christen erlebt und verstanden.

    Den Theologen und den Bibellesern ist bekannt, dass Gottes Zorn und die Gerichte Gottes auf Zurechtbringung abzielen. Zitiert sei hier Adolf Schlatter: „Aber auch das Walten seines Zornes, dass uns unsere Geschiedenheit von ihm erfahren lässt, dient seinem auf unsere Errettung zielenden Willen. Auch durch sein Richten will er retten." *10

    Gott sucht im Alten Testament die Nationen und Völker mit Seinem Zorn heim, *11 um sie zurechtzubringen und zu heilen. Das sieht man vor allem an Israel, das Gott so oft gestraft hat, aber am Ende rettet Er ganz Israel (Röm 11,26). Man schaue dazu im Vergleich auf Israels Gegenspieler Ägypten. Gott sagt zu, Er wird die Ägypter „schlagen, schlagen und heilen. Und sie werden sich zum HERRN wenden, und er wird sich von ihnen erbitten lassen und sie heilen." *12 Gott hört also mit dem Schlagen auf, weil Er heilt. Die Freiheit des Menschen besteht darin, sich schlagen und heilen zu lassen! Israel wird einst zusammen mit den beiden Erzfeinden Ägypten und Assur als „ein Segen inmitten der Erde" bezeichnet. *13

    Für die gute Nachricht der „Allversöhnung gibt es also biblische Gründe, denn eine lange äonische („ewige) Verdammung, schließt keine Zurechtbringung aus. Dass es äonenlange Verdammungen geben wird, sagt die Bibel deutlich. Es gibt daher keinen Grund, die Gerichte Gottes, die auch schrecklich genannt werden (Heb 10,31) zu verharmlosen. Wer in Christus geborgen ist, muss diese Gerichte nicht fürchten. Die Anti-Christen und die Ungläubigen werden ihre Gottlosigkeit bitter bereuen müssen. Und es bleibt dabei, nur über Jesus Christus ist das Heil zu erlangen. Und das soll geglaubt und verkündet werden. Das ist das Evangelium.

    Das menschliche und das göttliche Interesse

    Nicht erst Charles Darwin verblüffte es, dass irgendjemand überhaupt wünschen könnte, dass das Christentum, so wie er es kannte, mit dem doppelten Ausgang, wahr sein sollte. Angesichts der Aussichten, wenn man nicht gläubig ist, für immer für eine noch nicht endgültig gewordene Verweigerungshaltung bestraft zu werden, scheint das Christentum ja eine Pflicht zum Glauben zu fordern und damit etwas Unmögliches, denn Glauben kann man nicht erzwingen, allenfalls Lippenbekenntnisse. Wer sagt „Liebe deinen Nächsten und „Liebe Gott mehr als alles andere!, um das Geforderte einmal auf die zwei wichtigsten Gebote des Christentums und des Judentums herunterzubrechen, und dann hinzusetzt: und wenn nicht, wirst du für immer das Gegenteil von Liebe erfahren, beleidigt das Wahrnehmungsempfinden kluger und gütiger Menschen maßlos. Die vielen wunderbaren Aussagen, die es im Christentum gibt und die sich, wenn man sich einmal mit der Bibel beschäftigt hat, in Hülle und Fülle ergänzen lassen, werden überschattet durch die Androhung ewiger Höllenstrafe für die Zögerer. Der Mensch ist ja, aus biblischer Sicht, solange er noch nicht die Ruhe in Christus gefunden hat, immer nur ein Zögerer. Er zögert immer noch, sich von Christus im positiven Sinn „überwältigen" zu lassen und heim zu gehen und seine wunderbare Bestimmung dankbar anzunehmen. Er zögert, weil er böse ist, aber, er zögert auch, weil er unwissend ist.

    Dass also Menschen diesem Konzept von der ewigen Hölle nichts Positives abgewinnen können, ist verständlich. Der Intellekt und die Psyche wenden sich mit Grausen ab.

    Und sie fragen, was einen Menschen, der die ewige Hölle verteidigt, antreibt. Sie stoßen dann auf einen psychologischen Aspekt, der ihnen hilft, mit größerer Milde auf sie zu blicken. Wer im Rettungsboot sitzt, vermag die anderen, die es nicht geschafft haben, zu bedauern, aber er spürt ihren Schmerz und ihre Not nicht und er möchte, wie ein Arzt, nur weiter funktionieren, denn das eigene Leben bleibt schwierig, insbesondere wenn man es selber noch nicht ganz im Griff hat. Das rechtfertigt jegliches Ausblenden von Mitleiden und Identifikationen womöglich. Es ist dabei gleichgültig, ob man seinen Standpunkt unter Verweis auf die Bibel - sie lehrt die ewige Hölle, sagt man - verteidigt, oder sich selbst gegenüber im Stillen, denn wer an die ewige Hölle glaubt, hat ein unlösbares Problem: er kann diesen Glauben bis in alle Ewigkeit nicht ohne Preisgabe seines Mitgefühls für das Richtige oder das Beste für diese Menschen halten, denn es bleibt ewig wahr: es ist besser für einen Menschen im Himmel zu sein, als in der Hölle. Aber selbst diese Preisgabe könnte niemals ganz gelingen. Mit anderen Worten, die Menschen, die ewig im Himmel bei Gott sind, hätten das gleiche Problem wie Gott, der heilig ist und dabeibleibt, das Gute zu wollen. Sie nun sind geläutert, sie haben keine Boshaftigkeit mehr, sie sind gereinigt vom Blut Jesu, sie lieben vollkommen und unterliegen keinen Denkfehlern mehr - und doch und gerade deshalb: die Unerlösten stoßen mit ihren Schreien - stummgeschaltet oder nicht spielt keine Rolle - weiter auf ihre Ohren, die immer offenstehen, weil es keine Verhärtungen mehr gibt.

    Vielleicht kann man, solange man mit einem Bein noch nicht im Himmel steht, nur an so eine Art Hölle glauben, die in einem selbst ist? Ein Menschenschinder wird sich eine schlimmere Hölle vorstellen können, als ein Mensch, dem noch nicht einmal ein unanständiges Wort über die Lippen kommt. Jesus sagte, da wo euer Schatzhaus ist, da ist auch euer Herz (Mt 6,21). Das Herz befasst sich mit den Dingen, die es angehäuft hat. Der König von Babylon erhob sich zuerst über die Menschen und dann sah er sich wie einen Gott bereits im Himmel, wie der Prophet Jesaja warnend verkündet (Jes 14). Das kann auch Christen passieren, die sich, bildhaft wie bei Jesaja, selbst neben Gott sitzen sehen, während alle anderen irdisch oder sogar unterirdisch bleiben sollen. Der König von Babel wurde, nicht mehr bildhaft, sondern wirklich, doch nur wie jeder andere Sterbliche ins Totenreich hinabgestoßen. Elitäres Denken ist gefährlich nahe bei einem ungesunden Hochmut, der tief fallen muss.

    Dazu verteidigt sich der Hochmut mit denselben Krallen, mit denen er an seinen Dogmen über die Berechtigung seiner höhergestellten Position festhält. Zu allen Zeiten hat das Regime der herrschenden Meinung Kritiker mit härtesten Mitteln bekämpft. Zu früheren Zeiten hat die Kirche den Staat ermuntert, sich Abweichler mit Gewalt zu entledigen. Wer beispielsweise katholische Dogmen wie das vom endlosen Höllenfeuer leugnete, wurde als Ketzer quasi als Vorgeschmack auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder zumindest verbannt. *14 Heute begnügen sich die Verteidiger der kirchlichen Rechtgläubigkeit darauf, die Ketzer als Irrlehrer zu stigmatisieren, vor denen gewarnt werden müsse. An ihrem Glauben, dass solche Irrlehrer im Jenseits das bekommen, was sie verdient haben, hat sich nichts geändert. Schon diese Zusammenhänge sollten einen stutzig machen. Das Unrecht wächst sich oft und regelmäßig zu gewaltigen und gewaltsamen Exzessen aus! Zur Vervollständigung fehlt dann nur noch der Lynchmob! Und der steht immer bereit, wenn man ihn ruft!

    Manche Kirchenvertreter warnen also besonders vor der Lehre der Allversöhnung, als gelte es darum, Pfründe des Bösen und Leidvollen zu verteidigen. Die Leier von der behaupteten biblischen Wahrheit könnte aber nichts weiter sein als die bekannte Propaganda, die besagt, dass das, was man behauptet, schon bewiesen sei und deshalb gar nicht der Überprüfung bedürfe. So schließt man sich lieber einer augustinischen Gräuelhysterie an, wonach man auch Babys unbedingt taufen müsste, damit sie nicht für alle Ewigkeit im Höllenfeuer schmoren müssen. Man fragt sich, was im Kopf dieser Leute sonst noch in Unordnung ist. Dante Alighieri war ein großer Dichter, aber leider scheint das in seiner abscheulichen Beschreibung der Hölle, die vor Widerwärtigkeiten angeblich nur so strotzt, verloren zu gehen. Die Phantasie des Bösen oder der Anstand der Geretteten? Wes` ist das Herz voll? Liebe und Schönheit der Gedanken passen vorzüglich zusammen! Und der große Missionar Ostasiens, Francisco Xavier meinte, den Verdammungsglauben des Katholizismus bei seinen japanischen Konvertiten stärken zu können, indem er sie über den hoffnungslosen Verbleib ihrer ungläubigen Eltern aufklärte. Na, wenigstens hatten sie, die Kinder, es geschafft!

    Wie hatte doch einer der japanischen Fürsten, die das Übel des Katholizismus ausrotten wollten, gesagt? Man müsse das Volk rigoros schützen vor so einer herzlosen Religion. Wenn das Christentum als herzlos und ungnädig wahrgenommen wird, kann irgendetwas nicht stimmen! Waren es nicht Glaube, Hoffnung und Liebe, die bleiben? „Diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe." (1 Kor 13,13) Bei Gott angekommen, wandelt sich der Glauben in Treue und die Hoffnung in Wohlwollen. Die reine Liebe muss sich nicht wandeln.

    Und so knien Tag um Nacht viele fromme Christen weltweit im Gebet, um Gott doch gnädig zu stimmen, damit die Höllenqualen für die Höllenbewohner doch um einige Grad gemindert werden mögen, wenigstens bei den wenigen Leuten, die man besonders am Herzen hat. Zumindest sollte man das glauben, wenn man noch einen Rest an Sympathie für diejenigen hat, die sich dafür entschieden haben, die Menschheit in Brüder ihres Glaubens und ewig Verdammte einzuteilen.

    Weder Jesus, noch die Apostel lehrten nach Art der späteren Kirche. Paulus hat nur zweimal von einem Feuer gesprochen. Das eine mal kommt Jesus als Richter der Welt im Feuer zurück (2 Thes 1,7-8). Paulus kannte ja die griechische Kultur und den weit verbreiteten Glauben, dass der höchste Erlösergott Helios, der Sonnengott, in einem Feuerwagen vom Himmel herkommen würde. Außerdem kennt Paulus nur noch ein eschatologisches Feuer, welches bei den Gläubigen reinigend wirkt (1 Kor 3,15). Was er aber besonders herausstellt, ist eben das, von was jede Theologie der Erlösung überstrahlt und durchdrungen sein soll und eine endlose Höllenstrafe in der biblischen Lehre gar nicht zulässt: „Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt." Röm 5,18 lässt nichts anderes zu als die Erlösung für alle. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden." (1 Kor 15,22)

    Der Sieg Jesu Christi am Kreuz von Golgatha

    ist ein vollgültiger und allumfassender.

    Und das ist die Vervollständigung des Evangeliums.

    Die ersten Christen vertraten den Höllenglauben nicht mehrheitlich. Die Ausbreitung des Höllenglaubens wurde erst zu einem Flächenbrand, nachdem die katholische Kirche im Römischen Reich Staatskirche geworden war. Das war nicht vor dem vierten Jahrhundert. Im Römischen Reich gab es eine staatliche Ordnung, die durch eine geregelte Gesetzgebung und Rechtsprechung gestützt wurde. Die Römer waren zwar um Gerechtigkeit bemüht, aber hart. Wer sich ihnen in den Weg stellte, wurde aufgefordert nachzugeben. Wer das nicht tat, den erwartete eine grausame Bestrafung. Das Volk, das den christlichen Glauben annahm, war das gleiche Volk, welches das römische Wesen verinnerlicht hatte. Jüdische Denker und Gläubige hatten bereits Ende des ersten Jahrhunderts keinen Einfluss mehr auf die Kirche. Je mehr die Kirche in den kommenden Jahrhunderten die Politik der Machthaber beeinflusste oder mitherrschte, desto mehr verbreitete sie Angst und benutzte sie als Unterdrückungsinstrument. Gott durfte nicht mehr alle retten, sondern nur noch katholische Gläubige.

    Die Kirche erfand Sakramente, ohne die niemand das Heil sehen konnte. So wurde Gott immer mehr entmachtet, während die Kirche immer mächtiger wurde und schließlich über das Seelenheil aller Menschen entschied und über jeden Nichtkatholiken den Stab der Zauberei brach. Eine Zauberei, die sich sogar anmaßte, über Jesus Christus in der sogenannten Eucharistie zu verfügen, wie es der Kirche beliebte. Für das Evangelium blieb so kein Raum mehr. Es war also eine folgerichtige Entwicklung, dass die verweltlichte Kirche eine verweltlichte Theologie entwickelte, die dazu diente, die weltlichen Interessen der Kirche zu stützen. Die weltlichen Interessen der Kirche waren auf Machtausübung und Reichtum ausgerichtet.

    Knapp zweitausend Jahre später erleben die großen Traditionskirchen ihren Zusammenbruch. Sie haben sich zu einem nicht unerheblichen Teil vom Glauben von der Richtigkeit des Wortes Gottes verabschiedet und predigen mehr über die vermeintlich richtigen Flugschneisen des Zeitgeistes, der auch weht, wo er will, aber nicht, wo Gott will. Zum Teil wird auch ein falsches Verständnis von der Allversöhnung vertreten, was nicht verwunderlich ist, weil man das Bekenntnis zur einzigartigen Bedeutung Jesu Christi und Seines Heilsangebotes aufgegeben hat. Nun kann man sich in allen Religionen erlösen lassen oder es kommt jedenfalls nicht mehr auf das persönliche Verhältnis zu Jesus Christus an.

    Der Alleinanspruch des Gottes Israels als Erlöser und Richter wird verneint, die Ernsthaftigkeit der Wege Gottes wird heruntergespielt oder ersetzt durch Menschenmeinung. Auch das gehört zur unseligen Kirchengeschichte. Zuerst hat man die Erlösung so sehr reglementiert, dass kaum noch einer für die Gnade Gottes in Frage kam, zum Schluss macht man die Erlösung zu einem profanen, wirkungslosen Ding, das jeder haben kann, obwohl es niemand haben will. Eine billige Kirche predigt auch eine billige Gnade und verstümmelt ihr Bild von einem dem neuen Zeitalter angepassten Jesus, der aus Rücksicht auf andere Religionen nur noch Menschensohn ist.

    Es bleibt also dabei, nur wer Christus in all Seiner Fülle kennenlernt, hat auch eine umfassende Vorstellung von der heilsamen Weite und Tiefe dessen, was es heißt, wenn Jesus sagte: „Ich werde