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Psychologie der Massen
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eBook259 Seiten3 Stunden

Psychologie der Massen

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Über dieses E-Book

Gustave Le Bon (1841 - 1931) analysiert in seinem 1895 erstmals erschienenen Buch "Psychologie der Massen" zeitlos, und daher bis heute aktuell, die Verhaltensweisen der Massen. Seine Erkenntnisse sind hervorragend geeignet, heutige politische und gesellschaftliche Entwicklungen in ihren Zusammenhängen zu beleuchten und zu verstehen .
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum8. Sept. 2021
ISBN9783347380516
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    Buchvorschau

    Psychologie der Massen - Gustave Le Bon

    Vorwort des Herausgebers

    Gustave Le Bon (1841 - 1931) ist eine herausragende Gestalt in der Geschichte der Psychologie und der Soziologie, und er beeinflusst wesentlich die französische Politik, das intellektuelle Leben und die Entwicklung der französischen Gesellschaft zur Zeit Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts.

    Le Bons größte Makel, die vor allem heute, 90 Jahre nach seinem Tod, gerne erwähnt werden, seien hier gleich vorweg herausgestellt: Er ist zum einen ein unabhängiger Denker, der sich nicht scheut, sich im Widerspruch zu breiten gesellschaftlichen Strömungen oder Institutionen, so zum Sozialismus oder zur katholischen Kirche, deutlich zu äußern. Unabhängiges Denken und unkonformistische Meinungen sind (damals und heute) Ausnahmen, die von den an den herrschenden Geist Angepassten nicht geduldet und vehement bekämpft werden.¹

    Zum anderen fehlen in kaum einem Essay oder einer Biografie über Le Bon negativ wertende Feststellungen über seinen Einfluss auf Tyrannen im 20. Jahrhundert. Jedoch: Die Hinweise heutiger Moralisten und Besserwisser, dass manche totalitären Gestalten in der Politik, auch Diktatoren übelster Art, so Mussolini, Hitler, Stalin und Mao, dass diese Protagonisten des Schreckens sich von Le Bon haben inspirieren lassen, dürfte ein unvoreingenommener Beobachter nicht Le Bon zuschreiben, der wahrlich nicht für ungezählte Gräuel im 20. Jahrhundert verantwortlich gemacht werden kann. Le Bon ist der nüchterne Analytiker, der vor Diktaturen, rechten wie linken, warnt.

    Le Bon hat als promovierter Arzt, Anthropologe und Soziologe seine besondere Aufmerksamkeit dem Verhalten der Menschen gewidmet. In seinem literarischen Schaffen, 43 Werke veröffentlicht er im Laufe seines langen Lebens, nimmt daher die Psychologie einen breiten Raum ein. Zahlreiche Bücher veröffentlicht er unter dem Leitwort „Psychologie".²

    Le Bon beeinflusst nicht nur die Wissenschaften sondern auch das gesellschaftliche und politische Leben in Frankreich. Zusammen mit dem Psychologen und Philosophen Théodule Ribot begründet Le Bon die wöchentlichen „Déjeuners du Mercredi", Zusammenkünfte verschiedener Intellektueller zum Gedankenaustausch. Einflussreiche Gestalten der damaligen Zeit, wie Raymond Poincaré (mehrfach Ministerpräsident, später Staatspräsident in Frankreich), Paul Valéry (Philosoph), Aristide Briand (mehrfach Ministerpräsident), folgen den Einladungen zum Déjeuner.

    Drei zentrale Ereignisse in Frankreich mögen die Sensibilität Le Bons für gesellschaftliche Entwicklungen geschärft haben: Die französische Niederlage im deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit dem anschließenden Aufstand der Pariser Kommune, der Aufstieg und die Popularität Georges Boulangers („Général Revanche"), der als Kriegsminister unermüdlich Revanche für den verlorenen Krieg propagiert und die Dreyfus-Affaire, dem politischen (und rassistischen) Skandal, in dessen Verlauf der Offizier Alfred Dreyfus fälschlicherweise des Verrats militärischer Geheimnisse beschuldigt und verurteilt wird. Diese Ereignisse dominieren die französische Politik jahrzehntelang.

    Das bekannteste Buch Gustave Le Bons ist das im Jahr 1895 in Paris veröffentlichte Werk „Psychologie der Massen („La Psychologie des Foules), das, in viele Sprachen übersetzt, bis heute immer wieder in neuen Auflagen verbreitet wird.³ Es ist ein Standardwerk, von dem zahlreiche Sozialwissenschaftler gezehrt haben und manche auch aktuell noch zehren. Die französische Zeitung „Le Monde hat im Jahr 2009 die „Psychologie der Massen zu den zwanzig Büchern gezählt, die die Welt verändert haben. Das Buch sei ein herausragendes Geschichtsdokument. NebenLe Bon stehen auf der Liste der Weltveränderer u.a. Darwin, Einstein, Freud, Voltaire, Rousseau, Marx, Engels, Smith und von Clausewitz.

    In linken Gesellschafts- und Soziologenkreisen ist Le Bon nicht wohl gelitten, ein Umstand, der weniger an seinen Erkenntnissen in seinem Buch „Psychologie der Massen liegen dürfte, sondern eher in seinem in den Jahren 1898 und 1902 (in überarbeiteter Form) erschienenen Werk „Psychologie des Sozialismus, in dem er kritisch den Sozialismus analysiert.

    „Man kann kein Sozialist sein, ohne jemanden oder etwas zu hassen. Sozialisten hassen die momentane Gesellschaft, aber sie hassen sich selbst viel mehr, schreibt Le Bon und fährt fort: „Knechtschaft, Elend und Caesarismus sind die unvermeidlichen Abgründe, zu denen alle sozialistischen Wege führen.⁴ Le Bon schließt seine umfangreiche Analyse des Sozialismus und der mit ihm verbundenen Gefahren mit dem Hinweis ab, wie der Sozialismus bekämpft werden könne: „Es ist Aufgabe der Schriftsteller, so gering ihr Einfluss auch sein mag, eine solche Katastrophe im eigenen Land abzuwenden." Le Bon ist durch die geschichtliche Entwicklung in den rund 120 Jahren nach der Veröffentlichung seiner beiden Hauptwerke bestätigt worden. Der Sozialismus hat weltweit Unheil gebracht, der Sozialismus wird immer Unheil bringen.

    Das hier vorliegende Buch Le Bons, die „Psychologie der Massen", besticht durch die klare, stringente Darstellung eines Soziologen, der, im Gegensatz zu einigen, oder besser vielen Wissenschaftlern seiner Zunft, seine Sprache so wählt, dass die Leser seiner Darstellung auch ohne soziologische Vorbildung folgen können. Le Bon ist verständlich und wird verstanden. Er benennt ohne mäandrierende Umschweife klar, kraftvoll und intellektuell beeindruckend seine Positionen, ohne die heute weit verbreitete Angst, bei empfindlichen Geistern mit seinen Äußerungen auf Missfallen zu stoßen.

    Daher ist Le Bon heute „umstritten („une personalité controversée, französische Wikipedia), so wie missliebige Personen, die nicht den aktuell herrschenden politischen Stereotypen entsprechen, gerne bezeichnet werden. Ein Individualist, Gegner des Egalitarismus und des Kollektivismus, der über Massen schreibt, der die Gefährlichkeit der Massen erkennt, die den Untergang einer Zivilisation befördern, dieser Mensch, der selber friedlich in Ruhe und Ordnung lebt, ist heute bei Vielen verpönt.

    Am Rathaus in Marnes-la-Coquette, dem Ort, in dem Le Bon viele Jahre seines Lebens verbracht hat, ist vor längerer Zeit noch, wann, ist nicht mehr zu ermitteln, eine Tafel angebracht worden, auf der Le Bon als Offizier der Ehrenlegion, als Philosoph, Soziologe, Arzt und sogar als Förderer der Atomwissenschaft geehrt wird.⁵ In der französischen Wikipedia wird Le Bon nunmehr statt als Wissenschaftler als Amateurwissenschaftler herabgestuft, Philosoph ist er auch nicht mehr, und er wird als rassistischer Theoretiker gebrandmarkt. Und die Frage, ob er tatsächlich Arzt ist oder eher ein Gesundheitsbeamter, dient auch dazu, Le Bon herabzuwürdigen.

    Die Stadt Paris hat eine knapp einhundert Meter lange Straße, trist, eng mit Mietskasernen bebaut, mit lediglich einem Baum, keinem Strauch, nach Le Bon benannt. Dies ist schäbig. Zu einer angemessenen Ehrung Le Bons hat die Pariser Stadtverwaltung sich nicht überwinden können.

    Bereits einen Tag nach seinem Tod wird das Bild Le Bons in der Presse verfälscht. Er habe an die Zukunft des Sozialismus geglaubt, schreibt der „Figaro am 15. Dezember 1931 in einem Nachruf, dabei ignorierend, dass Le Bon mit seinem Werk „Psychologie des Sozialismus eine mehrere hundert Seiten umfassende Untersuchung vorgelegt hat, in der er unter anderem die Konflikte zwischen der Demokratie und dem Sozialismus sowie die Unvereinbarkeit von erfolgreicher Wirtschaft und Sozialismus dargelegt hat.⁶ Das letzte Kapitel des Buches trägt übrigens die Überschrift: „Wie der Sozialismus bekämpft werden kann."

    Allerdings ist der Nachruf im „Figaro" insofern kryptisch, als geschrieben steht, Le Bon habe fest an die Zukunft des Sozialismus geglaubt. Dabei vergisst die Zeitung zu erwähnen, dass er diese Zukunft als trostlos und bedrückend ansieht.

    Auch noch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung der „Psychologie des Sozialismus, 1898, ist Le Bon davon überzeugt, dass der Sozialismus mit seinem Bestreben nach Gleichheit ein Trugschluss ist: „Der Durst nach Ungleichheit scheint ein nicht nachlassendes Bedürfnis der menschlichen Natur zu sein. Wir wissen, mit welchem Eifer die Konventsmitglieder, die der Guillotine entkamen, Napoleon um Adelstitel ersuchten. Der egalitäre Traum, der sie zu so vielen Massakern geführt hatte, war daher in Wirklichkeit nur ein heftiger Wunsch nach Ungleichheit zu ihrem Vorteil. Darüber hinaus hat die Geschichte übrigens noch kein Land hervorgebracht, in dem Gleichheit herrschte.

    Bei der Lektüre seines Buches „Psychologie der Massen" werden die Leser immer wieder auf den Begriff Rasse stoßen. In einem Abschnitt des Buches (Zweites Buch, I. § 1)) identifiziert Le Bon unter anderen Faktoren auch die Rasse als Charakteristikum für die Anschauungen und Überzeugungen der Massen und widmet der Rasse dort ein eigenes Kapitel.

    Für manche der heutigen Leser dürfte der Begriff der Rasse verstörend wirken. Es erscheint mir wichtig, schon im Vorwort darauf hinzuweisen, dass Le Bon die Rasse nicht als anthropologisches Kennzeichen sieht, sondern unter einer Rasse die jeweils prägenden Elemente einer Masse, ihren Glauben, ihr Verhalten, versteht. Äußerlich zeigten sich die Charakteristika einer Rasse in ihren Glaubenssätzen, ihren Institutionen, ihrer Kunst. Le Bon hat in mehreren seiner Werke umfangreiche Abhandlungen über die Rassen veröffentlicht und dort seine Definition der Rasse ausführlich erläutert.⁸

    In seinem Buch „Psychologie des Sozialismus erläutert Le Bon ausführlich seine Auffassung über Rassen: „Den Begriff der Rasse verstehe ich überhaupt nicht im anthropologischen Sinne, da seit langem, außer bei Naturvölkern, reine Rassen fast verschwunden sind. Bei zivilisierten Völkern gibt es jetzt nur noch das, was ich an anderer Stelle als ‚historische Rasse‘ bezeichnet habe, also jene Rasse, die vollständig durch historische Ereignisse geprägt ist. Solche Rassen entstehen, wenn ein Volk, das manchmal aus Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft besteht, seit Jahrhunderten ähnliche Lebensbedingungen und Lebensweisen, gemeinsame Institutionen und Überzeugungen sowie eine einheitliche Bildung tradierte. Solange die beteiligten Bevölkerungsgruppen nicht zu unterschiedliche Ursprünge haben (…) verschmelzen sie und erhalten eine nationale Seele, das heißt ähnliche Gefühle, Interessen und Denkweisen.

    Die heutige Sekundärliteratur kommt in der Regel nicht ohne Schmähung Le Bons aus. Nicht nur Rassismus wird ihm vorgeworfen, sondern in zeitgemäßer Absonderlichkeit auch gleich Sexismus und Antisemitismus.¹⁰

    Wer auch immer den Gedenkstein für Gustave Le Bon auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise mit roter Farbe und der Aufschrift „Founder of Racist Theories" und einem eingeritzten Hakenkreuz (als Hakenkreuz in der Darstellung des Jainismus aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, nicht des Nationalsozialismus) beschmiert hat, derjenige zeigt, dass er, so er Le Bon überha