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In russischer Kriegsgefangenschaft: Todeslager Karaganda 1941-1949
In russischer Kriegsgefangenschaft: Todeslager Karaganda 1941-1949
In russischer Kriegsgefangenschaft: Todeslager Karaganda 1941-1949
eBook226 Seiten2 Stunden

In russischer Kriegsgefangenschaft: Todeslager Karaganda 1941-1949

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Über dieses E-Book

Es ist die Dokumentation über die Gefangennahme und die 9-jährige Gefangenschaft von Peter Letzius, die er in verschiedenen russischen Lagern erlebte. Der gesteuerte Hass, der von den Führern, der an dem 2. Weltkrieg beteiligten Länder, produziert wurde, waren nicht nur deutsche Soldaten ausgesetzt, sondern es betraf alle Soldaten und Zivilisten beteiligter Nationen. Diese Dokumentation zeigt die verlorenen Jahre des Soldaten Lezius,, die er nur mit viel Glück überlebte. Es ist eines der vielen Schicksale einer Jugend, die verheizt wurde. Das Manuskript, das die Kriegserlebnisse des Soldaten Lezius beschreibt, wurde bei Aufräumarbeiten gefunden und von dem Autor Johannes Weinand überarbeitet. Es zeigt nicht nur die schrecklichen Erlebnisse des Soldaten Lezius, sondern auch das vereinzelte Verständnis des "Feindes" gegenüber den Gefangenen, die in eine Kriegsmaschinerie gedrückt wurden, dem man kein Verständnis entgegenbringen kann.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum3. Jan. 2022
ISBN9783347404069
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    Buchvorschau

    In russischer Kriegsgefangenschaft - Johannes Johannes weinand

    Vorwort

    Dieses Manuskript habe ich 30 Jahre nach meiner Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft geschrieben. Es sind die Erinnerungen meiner über achtjährigen Gefangenschaft in den Weiten Sibiriens, die sich in meiner Seele wie glühendes Eisen eingebrannt haben, und die mich heute noch wie ein Spuk auf Schritt und Tritt verfolgen.

    Ich habe diese traurigen und schweren Jahre überlebt, dort, wo die politische Führung über die Unterdrückten, den Fortschritt und den schnellen Aufbau eines Systems bestimmte, der Leben kosten durfte.

    In der heutigen Zeit mögen meine Erlebnisse unglaubwürdig klingen, aber es sind Wahrheiten, die in diesem Land passiert sind und immer noch passieren.

    Die nachfolgenden Worte sollen der Weltöffentlichkeit zeigen, dass die Politik sich nur durch die eigene Propaganda identifiziert, und das Volk, in der Armut seines eigenen Reichtums, verhungern lässt.

    Nach alten Unterlagen sollen im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 die französisch Gefangenschaft die Hölle für viele Gefangenen gewesen sein. Doch im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 hat der Russe diesen Vernichtungsrekord bei weitem übertroffen. Wo wir Kriegsgefangenen täglich bis an den Knien in Blut und Tränen wateten und zugleich in Blut und Tränen die Nahrung des Überlebens suchten.

    Wir Gefangenen waren nur kleine, leicht verlöschende Lichter, die schnell ins sozialistische Jenseits befördert werden konnten.

    Es sind die großen Lebensabschnitte, bei denen man nachdenklich wird. Die unglaubwürdig klingen und wie ein Traum, gleich einer flüchtigen Legende sich in ein Nichts auflösen.

    Der Inhalt dieser Worte sollen uns zum Nachdenken anregen, wie einfach und grausam wir Soldaten im Zweiten Weltkrieg in der Ungewissheit für ein Nichts verheizt und instrumentalisiert wurden. Und das unter den nichtssagenden Propagandaworten:

    Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiss.

    Peter Letzius

    Unter Hammer, Sichel und Bajonetten.

    Verbannt und versklavt in den sibirischen Sümpfen

    Dies sind Erlebnisse aus meiner 8-jährigen russischen Gefangenschaft, in der abertausende Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben. In der das kommunistische Weltreich einen Zwangs-Mantel für jeden bereit hielt, der sich in seinen starren Richtlinien nicht beugen wollte.

    Ein Land, das sich mit den Lorbeeren der Freiheit, Brüderlichkeit und Einigkeit im eigenen Licht und Glanz bestrahlen lässt.

    Doch die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Eine Sprache, über die ich in meiner 98-monatigen russischen Gefangenschaft berichten möchte. Ein kurzer Lebensabschnitt, der in Blut und Tränen gebettet wurde und in der die eigene Hoffnungslosigkeit ihre Nahrung bekam.

    Wer von uns Deutschen hat nicht den Zweiten Weltkrieg verurteilt, als am 1.9.1939 die Kriegserklärung an Polen ging, als sich Gewaltexzesse über andere Länder entluden und die Freiheit sich in Blut und Tränen auflöste.

    In der sich ein Anfang ohne erreichbares Ende abzeichnete, in der nur Propaganda und leere Worte unseren Lebensinhalt bestimmten. Indem die täglichen Lebensmittelrationen durch weitere Kürzungen noch weiter eingeschränkt wurden.

    So hatte ich, einige Tage vor der Mobilmachung, am 1.9.1939, das Pech, am 24.8.1939 zu einer Wehrübung einberufen zu werden, die als Übung auf unbegrenzte Zeit deklariert wurde.

    Am 1.9.1939 wurde unsere Einheit nach Polen befohlen, am 10.5.1940 nach Holland, Belgien,

    Frankreich und am 22.06.1941 um 03.15 Uhr wurde mit dem Unternehmen Barbarossa die Sowjetunion angegriffen

    Außer einer kleinen Verwundung, die ich 1939 in Polen durch Splitterwirkung der Artillerie abbekommen hatte, hatte ich das Glück, gesund davongekommen zu sein.

    Der 11.08.1941 sollte als Wendepunkt in meinem Soldatenleben für immer im meinem Gedächtnis haften bleiben und Narben für das ganze Leben hinterlassen. Von diesen physischen und psychischen Schäden habe ich mich bis heute nicht erholen können.

    Die Gefangennahme 11.08.1941

    Die schwierigen Feldwege in Russland setzten unserem Gefechtswagen zu, und unsere Schleswiger Pferde, die die täglichen Strapazen aushalten mussten, konnten auf Dauer die schweren Anstrengungen nicht mehr bewältigen. So war ein neuer Divisionsbefehl erlassen worden: „Alle Fahrzeuge mussten vierspännig gezogen werden."

    Unsere Pferde, die schon vom 1. Tag in Polen ihre Treue bewiesen hatten, sollten in Zukunft besseren Zeiten entgegen gehen, so mussten sie ihre Zugkraft mit zwei anderen Vierbeinern teilen.

    Ich wurde als Vorreiter der Feldküchenpferde bestimmt. Damit hatte ich das Glück, die Kanone, die im Volksmund als „Braut des deutschen Soldaten" genannt wurde, in der Reserve zu halten und nur bei Partisanenüberfällen oder Notwehr der eigenen Person zu benutzen.

    Andreas Jensen aus Schafflundfeld, das an der dänischen Grenze liegt, war durch seine Liebe zu unseren Pferden immer ein angesehener Kamerad gewesen. Die Ruhe und Gelassenheit, wie er mit den Pferden umging, hatte ihn als Fahrer der Feldküche prädestiniert und verantwortlich gemacht, dass die Feldküche täglich an unsere Frontsoldaten eine heiße Mahlzeit ausgab.

    Wer vorne im Schützengraben, im Sperrfeuer des Feindes, täglich volle Deckung nehmen musste, der wusste es zu schätzen, wenn ein Kochgeschirr voller Erbsen- oder Linsensuppe die Herzen der Landser zu neuem Leben wecken ließ. Alleine wenn es hieß:

    „Feldküche in Sicht", ließ die Laune der Landser höherschlagen.

    Am 11.08.1941 war der Tag meiner Gefangennahme. Die Morgensonne sandte die ersten Morgengrüße durch das Gelände und ließ einen schönen Tag vermuten.

    Unsere Feldküche, die in einer mit Himbeer- und Brombeerbüschen getarnten Senke lag, bereitete das Frühstück vor. Hier und da trommelte ein Schwarzspecht seine Grüße in das erweckende Leben. In großer Höhe zogen Enten in keilförmiger Formation ihrem Ziel entgegen. Gerade an diesem Morgen war es so friedlich, als ob wir uns vor einem Waffenstillstand befanden. Doch leider kam es ganz anders.

    So sind wir am Abend mit unserer Feldküche zu unseren Landsern gefahren, die in der vordersten Linie in schwere Waldkämpfe verwickelt waren. Große Verluste kennzeichneten diese Art eines Gefechtes.

    An diesem Tag, den 11.08.1941, gab es eine fleischige Erbsensuppe, in der der Löffel stehen konnte. Auch warteten die Landser auf die kalte Verpflegung, in der sich Zigaretten und Schokolade befanden.

    Jeder einzelne Mann war durch den täglichen Krieg physisch und psychisch schwer gezeichnet, immer in der Gewissheit, dass der Tod ihn täglich erreichen konnte. Dieser enorme Druck machte sich bei den Soldaten bemerkbar. Doch bei dem Ruf „Feldküche in Sicht", wurde der Druck den Männern kurzzeitig genommen, und man sah endlich wieder lächelnde Gesichter.

    Nachdem sie den Hunger gestillt hatten, und die Kalte Verpflegung verteilt worden war, die der Fourier Hans Jacobsen aus Nottfeld bei Süderbrarup verteilt hatte, hatte man die Hoffnung, dass Zufriedenheit den weiteren Abend lenken würde. Es wurde befohlen, alles sollte sich im Schussfeld eingraben, denn der andere Morgen würde ein Ruhetag sein.

    Es gehen nirgends so viele falsche Parolen herum, wie bei den Soldaten. Aber jede Parole birgt immer ein Quäntchen Wahrheit, die mit der Hoffnung, einer Zurückverlegung der Truppe, in Richtung Heimat, einher ging.

    So wurde auch ich durch die Parole „Ruhetag" hellhörig und versuchte, durch ein Gespräch mit Hans Jacobsen und Heinrich Bube unserem Spieß Albert um Erlaubnis zu bitten, uns in ein Dorf fahren zu lassen, das ungefähr 1 km östlich von uns lag, um zu sehen, ob es etwas für die Truppe gäbe, was man kaufen konnte.

    Die verstreuten Häuser zogen sich in die Länge, und unsere 3. Kompanie 26 hatte die Aufgabe, bei einem plötzlichen Überfall der Russen die Kampfeinheiten abzuschirmen.

    Albert, unser Spieß meinte entsetzt: „Um Himmels Willen, spinnt ihr, dazu darf ich euch keine Erlaubnis geben. Fragt unseren Kompaniechef Erich Wolf."

    Wir wussten alle in der Kompanie, dass schon alle mit Erich Wolf in Konflikt geraten waren, dass er ein herrischer Patriot war, der schon viele Landser wegen Kleinigkeiten nach dem militärischen Gesetz Paragraph so und so, Absatz so und so, mit 10 oder 20 Tagen verschärften Arrest bestraft hatte. Uns war eigentlich klar, dass er nein sagen würde. Er war ein harter und unberechenbarer Vorgesetzter, der wegen seiner Strenge bei allen gefürchtet war. So sprach er bei den kleinsten Vergehen die sofortige Degradierung aus.

    Um den Fragen und den daraus resultierenden Antworten aus dem Wege zu gehen, haben wir drei, Jacobsen, Bube und ich, ohne zu fragen unser kleines Panjefahrzeug klar gemacht, dasselbe mit dem Hans Jacobsen seine kalte Verpflegung zur Kompanie brachte. Mit dem kleinen Moritz, so hieß unser Beute-Panjepferd, bewegten wir uns zu dem langgezogenen Dorf, ohne den Kompaniechef informiert zu haben.

    Ein starker deutscher Spähtrupp zog sich langsam aus dem Dorf zurück, der die Sicherung der ruhenden Truppen bewacht hatte. Nachdem wir bei den eigenen Soldaten nachgefragt hatten, bestätigten sie, dass sich keine feindlichen Kräfte mehr auf dem Gelände befanden. Es zog sich noch ein Panzerspähwagen unter Leutnant Bernhard zurück, der uns durch ein freundliches Zulächeln versicherte, dass sich in 2-3 km Entfernung um das Dorf keine feindlichen Kräfte mehr befanden.

    Die Häuserreihen und die großen Ulmen boten uns eine gute Deckung, in denen die alten Häuser sich wie kleine verkommene Schafshütten präsentierten. Hier und da sahen wir in den Gärten vereinzelt Hühner laufen. Auch einige Schweine befanden sich bei den Häusern, die die Zivilbevölkerung Hals über Kopf ihrem Schicksal überlassen hatten. Doch waren diese Borstentiere dünn wie Bretter und waren wohl von klein an auf Hungerration eingestellt worden.

    Unser Moritz, der durch einen Granatsplitter eine Fleischwunde am rechten Oberschenkel erhalten hatte, bewegte sich mehr auf drei als auf vier Beinen.

    Der Anblick des Dorfes war für Moritz ein gewohnter Anblick, weil das Panjepferd besser die russische Seite kannte. Also ging es, mit einem kleinen „Hüh" und einem auffordernden leichten Anwippen der Zügel, beim Anfahren weiter. Genauso war es beim Halten, ein kleines kurzes Rucken mit der Leine und Moritz stand.

    Diese kleine Stute reagierte sofort auf jeden Befehl.

    Am Ausgang des Dorfes war durch ein heftiges Gefecht ein Holzhaus in Flammen aufgegangen und kokelte noch vor sich hin.

    In der Nähe dieses Hauses saßen seelenruhig vier deutsche Landser und rupften einige Hühner. Im Krieg waren solche Szenen nichts Außergewöhnliches. Oft hatten wir Hühner für wenige Rubel bei der Frau, der Madja gekauft, und uns davon eine kräftige Hühnersuppe gekocht. Aber es gab einen Divisionsbefehl, wer als Landser beim Organisieren ertappt wurde, konnte mit einer harten Strafe rechnen, deswegen waren wir entsprechend vorsichtig.

    Ich glaube nicht, dass es Fälle in meiner Einheit, der 3, Kompanie Infanterie-Reg. 26, unter unserem Haudegen, Oberleutnant Wolf, gegeben hat, die die Landser dazu verleitet hätte, gegen einen Divisionsbefehl zu verstoßen.

    Genauso war es mit Pferden. Man konnte nicht einfach ein schönes Pferd, das irgendwo in einem Stall wieherte, sang und klanglos mitnehmen und einspannen.

    Wenn ein Bauer ein Pferd verkaufen wollte, dann bekam er einen Scheck, den er bei der nachrückenden Einheit in deutsche Währung dann einlösen konnte.

    Ob hier und da betrogen wurde, entzieht sich meinen Kenntnissen. Ich weiß aber, dass mancher gutgläubige Russe seine ihm zustehenden Rubel nicht bekommen hatte. So hatte auch ich ein kleines Scheckheft dabei, mit dem ich in der Lage war, passend Pferde oder andere Sachen zu kaufen.

    Ein Erlebnis konnte ich nicht vergessen.

    Auf unserem staubigen Vormarsch entdeckte ich in unmittelbarer Nähe unserer Feldküche zwei wunderschöne Blauschimmelstuten. Es waren Mutterstuten, das Stockmaß hatte etwa 1,65 Meter, das passende Mass für den Wehrmachtsgebrauch.

    Schön und schier war der Wuchs der beiden Pferde. Die Besitzer, eine russische Familien, waren mit ihren Habseligkeiten aus ihrem Hause geflohen, weil in unmittelbarer Nähe eine größere Panzerschlacht stattgefunden hatte. Unzählige russische Panzer lagen abgeschossen am Straßenrand. Sie waren zu Eisenwracks zusammengeschossen worden. Es zeigte die Härte und Verbissenheit des Widerstandes.

    In einem großen Roggenfeld hatte die verängstigte Familie, ausgerüstet mit dem Allernötigsten, mit ihren Pferden Zuflucht gefunden. Um hier, wenn auch vielleicht aussichtslos, etwas Sicherheit zu finden.

    Ich beherrschte nur wenige Worte in der russischen Umgangssprache. So machte ich den verängstigten Flüchtlingen durch Handbewegungen darauf aufmerksam, dass ich Interesse hätte, diese zwei hübschen Pferde zu kaufen. Ich zeigte auch einen Teil Rubel, die mir vom Kompaniechef ausgehändigt worden waren. Diese Schecks konnten nur vom Chef der Kompanie ausgestellt werden. So hatten die Schecks ihre Gültigkeit durch einen Regimentstempel, Versiegelung von der 30. Infanterie Division.

    Als die verstörten Russen merkten, dass ich die zwei Pferde gerne in meinen Besitz bringen wollte, haben sie herzergreifend geweint, weil sie die Tiere behalten wollten. Das ging mir durch Mark und Bein. Ich habe der Familie durch Handbewegungen gezeigt, sie solle eine Vertiefung in das Roggenfelde graben, das ihre Vierbeiner etwas Tarnung hätten. Von der Straße wäre die Vertiefung dann schwerer einzusehen.

    Die menschliche Rührung, die aus ihren Augen sprach, war eine Geste, die jeden einzelnen von uns zum Nachdenken bringen sollte. So sind wir mit unserem Pferd zum Ausgang des Dorfes gefahren, zu dem Haus, in dem die Landser die Hühner so fleißig rupften.

    Von vorne zog sich der Spähtrupp der 3. Kompanie noch weiter zurück. Auf die Frage, warum sie sich zurückbewegten, erklärten uns die Soldaten, morgen würde ein Ruhetag sein. Zugleich, um einen russischen Angriff abwehren zu können, sollte sich unsere Artillerie aufs Neue einschießen.

    Vor uns lag eine große ausgedehnte Roggenfenne, die sich bis zum Waldgürtel entlang zog. Der Wald lag aber immer noch in 2 km Entfernung von uns. Der Roggen war schon abgeerntet, so dass wir eine gute Übersicht bis zum Waldrand hatten.

    Im vorletzten Haus, am Dorfausgang, hatten wir Rotkleeheu entdeckt, das duftend und trocken auf einem Heuboden lagerte.

    Um dem Zugriff der Artillerie zuvorzukommen, beschlossen wir drei Ganoven, zwei Lagen Klee zu unserem Lager mitzunehmen. Es würde Futter für unsere Pferde sein. Die hatten durch die Strapazen der letzten Wochen und Monaten an Gewicht und Kraft verloren.

    Das polnisches Maschinengewehr, das der Fourier Hans Jacobsen aus Nottfeld auf seinem Panjewagen mitgeführt hatte, galt als äußerst zuverlässig. Es war robust, so dass Staub oder kleine Sandkörner keine Hemmungen beim Schießen verursachten. Wir stellten das polnische Maschinengewehr an die Hausmauer, damit es jederzeit griffbereit war und die Plattform des Wagens etwas mehr Raufutter aufnehmen konnte. Es herrschte Ruhe und Frieden um uns herum. Sogar eine Amsel versucht durch ihr Gezwitscher Abendstimmung aufkommen zu lassen. Die Stare eilten in großen Zügen dem Wald entgegen, um hier eine gesicherte Nachtruhe zu finden. Die Mutter Natur spricht ihre eigene Sprache. Doch meistens folgt auf besondere Ruhe und Frieden ein gewaltiger Sturm, der verheerende Zerstörungen hinterlässt.

    So waren wir drei übereingekommen, Bube aus Hamburg soll das Heu mit der Forke vom Boden herunterwerfen, Hans Jacobsen aus Nottfeld würde das Heu zu mir auf den Wagen staken und ich auf der Plattform sollte es in geordneten Lagen, wie wir es schon bei unseren Eltern gelernt hatten, fest zusammengepresst hinlegen. Alles nahm einen friedlichen Verlauf. Wir zogen unsere Drilljacken aus und begannen mit dem Umladen.

    Plötzlich sah ich einen starken russischen Spähtrupp, der in geordneter Doppelreihe direkt auf uns zukam. Wahrscheinlich hatten die Bolschewiken das Zurückweichen unserer Sicherung beobachtet und wollten feststellen, wieweit die deutsche Linie zurückgewichen war.

    Nach meiner Meinung konnten die Russen uns nicht sehen, weil wir getarnt unter den Espen- und Ulmenbäumen standen. Es änderte nichts an der Sache, dass die Russen weiter munter auf uns zumarschierten.

    Ich fragte Hans Jacobsen: „Ist unser Maschinengewehr in Ordnung?" und ich deutete auf die Russen.

    Hans, in seinem Angler Platt, antwortete trocken: „De schott un fürt immer."

    „Gut, sagte ich, „guck die Gurte noch einmal nach und stell das MG in Bereitstellung.

    Doch Hans meinte, nachdem er das MG aufgestellt hatte: „Die sind noch weit von uns

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