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Frontschweine: die Hölle der Ostfront
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Frontschweine: die Hölle der Ostfront
eBook639 Seiten8 Stunden

Frontschweine: die Hölle der Ostfront

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Über dieses E-Book

Frontschweine

So wurden die erfahrenen Soldaten genannt, die auf den Schlachtfeldern der Ostfront ihren Mut bewiesen hatten.
Junge Soldaten, die in infernalischen Panzerschlachten und blutigen Mann-gegen-Mann-Kämpfen ihren Wert gezeigt hatten.
Sie hatten sich als unbesiegbare Heeresmacht einen Weg bis vor die Tore von Moskau gebahnt.

Die Besatzungsmitglieder des deutschen Panzers vom Typ Panzer-III mit der Turmnummer `242´ und die Soldaten der Kradfahrer Abteilung der Waffen-SS unter dem Kommando von Leutnant Michael von Losswitz waren solche Soldaten. Ihre Wege kreuzten sich regelmäßig in den endlosen, blutigen russischen Steppen.
Sie kämpften auf Leben und Tod mit der Roten Armee und Partisanenbanden, wobei keine Gnade geschenkt wurde und jedes Mittel recht war, um zu überleben.

Die Schrecken der Artilleriebombardements, die Heckenschützen, die endlosen Gemetzel und der Tod zahlloser Kameraden machten die jungen Soldaten hart und emotionslos. Jeder Tag konnte der letzte sein, der Tod marschierte mit ihnen.
Die Vergewaltigung und die Ermordung seiner Freundin durch eine Partisanengruppe verwandelt den jungen Soldaten Kurt Hausser in einen gefühlskalten Menschenjäger.
Kameradschaft, Humor und Liebe sind für die jungen Soldaten unentbehrlich, um auf ihrem langen Weg, der mit unmenschlichem Leid und unzähligen Toten übersät war, zu überstehen.

Als der Winter einfällt, liegt die erschöpfte und ausgeblutete deutsche Armee frierend vor den Toren von Moskau im offenen Feld.
Erst dann beginnen die russischen Gegenangriffe.
Eisige Kälte, Hunger und rücksichtslose Angriffe begleiten die im Stich gelassenen deutschen Soldaten auf ihrem schmählichen Rückzug durch die Hölle von Russland.

Frontschweine lässt den Leser den Zweiten Weltkrieg an der Ostfront erleben, wie er wirklich war.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum21. Aug. 2020
ISBN9783347098985
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    Buchvorschau

    Frontschweine - Léon Lancee

    1

    Der schwere dreiachsige Lkw vom Typ ´Einheitsdiesel` rollte mit einem monotonen Brummen über die breite unbefestigte Rollbahn zwischen den von den Russen eroberten Städten Smolensk und Minsk. Die Stadt Smolensk lag 660 Kilometer von der deutsch-russischen Grenze entfernt und war vor drei Tagen gefallen, aber in der Umgebung der Stadt wurde noch schwer zwischen der russischen Armee und der deutschen Wehrmacht gekämpft.

    Die vier übrig gebliebenen Besatzungsmitglieder des Panzers der 4. deutschen Panzerdivision mit der Turmnummer 242 übernachteten auf der überdachten Ladefläche.

    Sie hatten es sich mit Planen, auf denen sie liegen konnten, und Rucksäcken als Kopfkissen so bequem wie möglich gemacht.

    Die Ereignisse und Anstrengungen der letzten Tage forderten ihren Tribut, und keiner von ihnen bemerkte etwas vom Holpern und Stoßen des Lkw.

    Es war nach Mitternacht, als eine donnernde Explosion das gleichmäßige Brummen des Motors übertönte, worauf dieser auch sofort stoppte.

    Der Lkw rumpelte krachend seitwärts, weil das rechte Vorderrad durch die Wucht der Explosion fortgerissen worden war, und kippte dann in den Graben neben der Fahrbahn, wo er in einer Staubwolke zum Stillstand kam.

    Die Passagiere auf der Ladefläche erwachten mit einem Schock durch den Schlag der sie fast von der Ladefläche geschleudert hätte.

    Es war stockfinster auf der Ladefläche, als es still wurde, und langsam drang zu den Soldaten durch, was geschehen war.

    „Verdammt, raus! brüllte die Stimme von Mannfred Kurowski, „Wir sind auf eine Mine aufgefahren.

    „Ist jeder in Ordnung?" fragte Helmuth, während er selbst tastend zur Ladeklappe an der Rückseite des Wagens kroch.

    „Ich auf jeden Fall, antwortete Wolff, „Aber Horst reagiert nicht, ich denke, er ist bewusstlos.

    In dem Moment riss Mannfred die Plane auf, wodurch ein dämmriges Licht hereinkam.

    Wolff konnte so etwas mehr sehen, er fasste Horst und legte ihn über seine Schulter.

    Er legte ihn mit Hilfe von Helmuth ins Gras und knöpfte sein Hemd auf, um ihn auf Verletzungen untersuchen zu können.

    „Nichts zu finden, brummte Helmuth, „Außer der Schussverletzung von gestern an seinem linken Oberarm und einer Beule an seinem Kopf. Gib mir mal eine Feldflasche, ein Schuss Wasser über seine Schnauze, dann kommt er gleich wieder zu Bewusstsein.

    In dem Moment brüllte eine Stimme hinter ihnen: „Rucki wjerch!"

    Dieser Schrei ´Hände hoch` auf Russisch wurde mittlerweile von jedem deutschen Soldaten verstanden.

    Erschrocken drehten Mannfred, Helmuth und Wolff sich um, während sie gleichzeitig ihre Hände erhoben.

    Was sie sahen, ließ ihnen der Atem vor Schrecken stocken.

    Acht zerlumpt gekleidete russische Soldaten standen mit vorgehaltenen Waffen in einem Halbkreis hinter ihnen.

    Ihr gespannter lauernder Ausdruck ließ an Deutlichkeit wenig zu erraten übrig.

    Diese Russen würden bei der geringsten falschen Bewegung das Feuer eröffnen.

    Zwei andere russische Soldaten kamen von der Vorderseite des Lkws hervor und schleppten den verletzten Fahrer mit sich.

    Er stöhnte vor Schmerzen, als er nicht gerade sanft neben den bewusstlosen Horst hingeschmissen wurde.

    Der Führer der Russen fragte etwas auf Russisch und zu Helmuths und Wolffs Verwunderung gab Mannfred ihm eine Antwort, die sie nicht verstehen konnten.

    Der Russe zeigte auf zum am Boden liegenden Horst und sagte wieder etwas, worauf Mannfred ihm eine kurze Antwort gab und gleichzeitig die Feldflasche auffing, die der Russe ihm zuwarf.

    Er kniete neben Horst und goss einen Schwall Wasser über dessen Gesicht.

    Horst fing zu prusten an, richtete sich halb auf und fasste, sich auf einen Arm stützend, mit seinem verletzten Arm an dem Kopf.

    „Oh verdammt, mein Kopf! Das tut weh, hat jemand mir mit einem Pfahl in meinen Kopf gerammt oder so?"

    „Steh auf, zischte Mannfred ihm zu, „Sonst bist du gleich dran. Die Russen haben uns erwischt!

    Erst in diesem Moment bemerkte Horst den Russen und erschrak sichtbar.

    Er verstand sofort, was Mannfred meinte, und während er mit einer Hand seinen Kopf hielt, stand er mit Hilfe von Mannfred schwankend auf.

    Der Führer der Russen winkte einem seiner Männer, der schnell den verletzten Fahrer untersuchte und sofort darauf seinen Kopf schüttelte und etwas Unverständliches zum Führer sagte.

    Dieser brüllte einen kurzen Befehl, wonach der Russe aufstand und sein Gewehr mit beiden Hände ergriff.

    Er schwenkte die Waffe hoch und rammte sie mit voller Wucht hinunter, mitten ins Gesicht des verletzten Fahrers.

    Die Knochen krachten, und seine Nase und sein Unterkiefer zersplitterten.

    Der Fahrer fing in Todesnot zu schreien an und versuchte mit seinen Armen sein Gesicht zu schützen.

    Das Gewehr kam wieder hoch und beim zweiten Schlag verschwand das untere Ende des Gewehrkolbens wirklich im Gesicht des Fahrers.

    Blutspritzer flogen umher und das Schreien des Mannes verstummte zu einem dumpfen Röcheln und zum Blasen von Blutbläschen aus dem formlosen Klumpen Fleisch, der gerade noch sein Mund war.

    Zwei weitere Schläge zerschmetterten das ganze Gesicht des unglückseligen Fahrers.

    Die ganze Vorderseite seines Kopfes wurde zerschlagen und nach einigen leichten Zuckungen bewegte er sich nicht mehr.

    Die anderen mussten ängstlich und erschüttert zusehen, wie die Leiche des Fahrers vollständig ausgeplündert wurde.

    Hiernach wurden sie selbst von den Russen auf grobe Weise der Pistolen entledigt, die sie an ihren Koppelriemen trugen, wie auch von ihren Uhren und vom allem, was auch nur den geringsten Wert hatte.

    Wolff protestierte, als einer der Russen seine Brieftasche mit den Fotos seines Mädchens darin wegnahm, hielt aber dann klugerweise den Mund, als der Russe ihm mit vor Hass flimmernden Augen ein Bajonett an seine Kehle drückte.

    Mannfred warnte: „Schnauze, Wolff, sonst bist du tot!"

    Der Führer verbot ihnen, noch etwas zu sagen und ließ ihre Hände fesseln.

    Nachdem der Lkw durchsucht worden war, wurde ihnen mittels einiger Stöße mit den Gewehrkolben klargemacht, dass sie zwischen den russischen Soldaten mitgehen mussten.

    Die schlechte Sicht in der Dunkelheit sorgte dafür, dass die gefangen genommenen deutschen Soldaten regelmäßig stolperten. Nur weil ihre Hände vor dem Körper und nicht hinter dem Rücken gefesselt waren, war es möglich, dass sie sich selbst aufrappeln konnten.

    Die Angst, totgeschlagen zu werden, wenn sie sich nicht aufrappeln, trieb sie weiter.

    Die Russen zogen in einen Wald und nach mehreren Stunden erreichten sie einige Holzhütten, mitten in einem dichten Waldstück.

    Nachdem sie in eine Scheune geworfen worden waren, konnten sie sich endlich ein wenig vom erschöpfenden Fußmarsch erholen.

    „Was für ein verdammtes Elend, keuchte Wolff, „Ich bin kaputt und sterbe vor Durst

    „Nicht nur du, auch ich, stöhnte Horst, „Ich bin erschöpft und konnte fast keinen Schritt mehr gehen.

    „Lasst uns zuerst unsere Hände mal losbinden", brummte Mannfred.

    „Helmuth, binde meine Hände los, dann kann ich deine losbinden. Wir müssen versuchen hier wegzukommen denn diese Burschen bringen uns gleich genauso um wie sie das mit dem Fahrer gemacht haben."

    Wolff schauderte: „Mein Gott, was war das für ein grässlicher Anblick. Das werde ich den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen. Und dabei hatte ich mir gedacht, dass all diese Geschichten über die schrecklichen Metzeleien bei Kriegsgefangenen nichts als Propaganda waren."

    „Vergiss es, antwortete Mannfred, „Russen können genauso Grausam sein wie gastfreundlich. Das ist eben nicht vorhersehbar. Diesen Buschen lebendig in die Hände fallen, war das Schlimmste was uns passieren konnte.

    Während des Losbindens fragte Helmuth Mannfred, wieso er Russisch sprach.

    Dieser zuckte die Achseln: „Ihr wisst, dass ich aus dem Grenzgebiet stamme, das nach dem Ersten Weltkrieg Polen zugewiesen wurde, und dort lernte man die slawischen Sprachen ein wenig, wenn man überleben wollte."

    „Warum hast du nie etwas darüber gesagt? So wie du übrigens nie viel über dein Privatleben loswerden möchtest. Wir nehmen alle an, dass du keine Verwandten mehr hast und dass etwas geschehen sein muss, weshalb du uns nie etwas erzählen willst."

    Mannfred blickte auf die Striemen an seinen Handgelenken und versuchte genauso wie die anderen seinen Kreislauf wieder ein wenig in Gang zu setzen.

    „Diese Annahme stimmt haargenau, aber das ist jetzt nicht interessant. Und ich habe meine Russischkenntnisse immer für mich behalten, weil man mich sonst zu einer Aufklärungseinheit eingeteilt hätte, und ich wollte unbedingt einer Panzerdivision und einem Panzer zugeordnet werden. Lasst uns jetzt zuerst mal überlegen, wie wir hier wegkommen können, denn diese Burschen bringen uns in einer unangenehmen Weise um, wenn es uns nicht schnell gelingt, hier zu entkommen."

    Die hölzerne Scheune war, wie sich nach einer Untersuchung herausstellte, so solide gebaut, dass Entkommen unmöglich war. Es drangen absolut keine Geräusche von draußen in die Scheune.

    „Ohne Waffen erreichen wir sowieso nichts", legte Wolff vor.

    „Wir werden wie Kaninchen auf der Flucht gehetzt und abgeknallt werden. Es wird uns nichts Anderes übrigbleiben als der Versuch, die Bewacher zu überrumpeln, wenn sie hereinkommen."

    Sie kamen zu dem Schluss, dass es keine andere Möglichkeit gab.

    Abgesprochen wurde, dass sie sich schlafend stellen würden.

    Drei Mann würden sich bei der Rückwand hinlegen, und Mannfred etwas näher bei der Tür an der Seitenwand in der Hoffnung die Russen überraschen zu können, sobald sich eine Gelegenheit ergab.

    Es wurde beschlossen, dass sie nicht zulassen würden, dass einer von ihnen mitgenommen werden würde, weil dieser dann vermutlich nicht mehr lebendig zurückkommen würde.

    Nur als Gruppe hatten sie noch eine kleine Chance, zu überleben.

    Alle vier wussten sie, dass es ein Verzweiflungsversuch sein würde.

    Es gab nichts zu planen. Es ging um alles oder nichts, denn es gab nicht die geringste Alternative.

    Zur Überraschung der anderen holte Mannfred ein dünnes Kampfmesser aus dem Schaft seines linken Stiefels hervor.

    Das gleiche Kampfmesser, mit dem er vor zwei Tagen die russische Schildwache getötet hatte, als sie in feindlichem Gebiet eine von den Russen bewachte Brücke überqueren mussten. (siehe "Kanonenfutter")

    Auch zeigte er mit einem breiten Grinsen seinen goldenen Siegelring, bevor er diesen wieder in seinem Stiefel versteckte.

    Nachdem alle ihre Plätze eingenommen hatten, fing das gespannte Warten auf die Dinge an, die kommen sollten.

    Nerven und Angst. Alle Vier spürten Nerven und Angst.

    Bei Horst machte es sich dadurch bemerkbar, dass er zitterte, als ob er in dem Moment fröstelte. Er versuchte, es zu unterdrücken, aber das gelang ihm nicht.

    Helmuth versuchte den anderen Mut zuzusprechen.

    „Ruhig bleiben, Jungs, und nicht zögern, wenn Mannfred sich aufrichtet. Solange er liegen bleibt oder sitzt, passiert nichts, merkt euch das! Wir versuchen auf unserer Seite sehr vorsichtig und vor allem ruhig die Aufmerksamkeit der Wachen festzuhalten. Sobald er sich aufrichtet, ist das für uns das Zeichen, anzugreifen. Vor allem schnell und, wenn es geht, möglichst geräuschlos, aber auf jeden Fall alle zugleich, denn nur dann haben wir eine Chance. Alles klar soweit?"

    Die anderen brummten zustimmend.

    Danach hüllte jeder sich in Schweigen.

    Es schien stundenlang zu dauern, bis sie hörten, dass am Schloss an der Tür gerappelt wurde.

    „Achtung, zischte Helmuth, „Da kommt einer.

    Die Tür wurde krachend aufgerissen und ein Streifen Tageslicht fiel durch die Türöffnung in die Scheune.

    Muskeln wurden angespannt und durch ihre fast zugekniffenen Augenlider sahen sie, dass ein russischer Soldat mit vorgehaltener Maschinenpistole eintrat.

    Der Russe sah misstrauisch um sich, ging aber wahrscheinlich davon aus, dass seine Gefangenen übermüdet waren und wirklich tief schliefen.

    Er senkte die Waffe und drehte sich halb zum Eingang um, während er auf Russisch mit einem anderen sprach.

    Sofort darauf betrat ein Mädchen in einfacher Kleidung die Scheune und ging auf die scheinbar schlafenden Soldaten an der Rückwand zu.

    Der Soldat, der bereits in der Scheune war, ging mit ihr weiter vor, während ein zweiter Soldat durch die Türöffnung trat und zur Mitte der Scheune ging.

    Das Mädchen bückte sich, um einen Brocken Brot und eine Kanne Wasser hinzustellen, während der Soldat mit seinem Stiefel Helmuth in die Rippen stieß, um ihn zu wecken.

    Helmuth stöhnte, als ob er noch fest schlief und drehte seinen Kopf.

    Der Soldat trat ihm darauf kräftiger nochmals in die Rippen.

    Während der Soldat, der mitten in der Scheune stand, seine Aufmerksamkeit auf seinen Kameraden gerichtet hatte, kam Mannfred wie ein Geist hoch und war mit zwei Sprüngen neben ihm.

    Noch im Sprung schlang er seinen rechten Arm um den Hals des Russen und stieß gleichzeitig sein Kampfmesser durch den Rücken direkt ins Herz seines verdutzten Gegners, der ohne einen Laut zu Boden fiel.

    Helmuth hatte gesehen, dass Mannfred hochkam, und hatte im gleichen Moment den Stiefel des Russen mit zwei Händen umklammert, als er den zweiten Tritt in seine Rippen bekam und drehte mit einem Ruck den Fuß des Russen um.

    Hierdurch fiel dieser laut aufschreiend vor Schmerzen auf die Seite, direkt in die emporschnellende Faust des bärenstarken Wolff, die sich tief in seinen Kehlkopf bohrte.

    Gleichzeitig schlossen sich Horsts Hände wie ein Schraubstock um den Hals des Mädchens, das sich gerade aufrichten wollte.

    Horst zog das Mädchen zu Boden und umklammerte es so kräftig, dass sie keine Luft mehr bekam und daher auch nicht mehr schreien konnte. Mannfred hatte, während sein Opfer hinfiel, die Maschinenpistole aus dessen Händen gerissen und drehte sich blitzschnell in die Richtung der Tür, aber dort war offensichtlich niemand mehr.

    Dann rollte er ebenso schnell weiter, schob sich vorwärts und haute dem nach Atem ringenden Russen bei seinem Kameraden den Kolben der Waffe auf den Schädel.

    Nur ein krachender Schlag genügte, um dem Bewacher den Schädel einzuschlagen.

    Mittlerweile hatte Horst das Mädchen losgelassen, das wegen Sauerstoffmangel das Bewusstsein verloren hatte.

    Trotz der schnellen Abstumpfung infolge der vier Wochen des rücksichtlosen Kriegs ging ihm das Töten einer Frau doch zu weit.

    Einen Moment lang war es still in der Scheune und nur der keuchende Atem der vier deutschen Soldaten war zu hören.

    Helmuth war der Erste, der sprach: „Allmächtiger Gott, Mannfred, das war gute Arbeit. Du hast beiden den Garaus gemacht. Aber jetzt nichts wie weg hier!"

    Mannfred zog sein Kampfmesser aus dem Rücken des toten Russen und wischte es an dessen Uniform ab, wie er es bei Feldwebel Arthur Fritsche, dem österreichischen Bergsoldaten, gesehen hatte, der ihnen vor drei Tagen geholfen hatte, aus feindlichem Gebiet zu entkommen.

    „Gib mir zuerst mal etwas von dem Wasser, denn ich sterbe fast vor Durst", antwortete er, während er das Kampfmesser wieder in seinen Stiefel wegsteckte.

    Er kniete neben das Mädchen, um die Kanne mit Wasser an sich zu nehmen und nahm einige herzhafte Schlucke, bevor er die Wasserkanne an Horst weiterreichte.

    „Die Puppe lebt noch", stellte er fast gleichgültig fest.

    „Du hast nur halbe Arbeit geleistet, Horst", setzte er mit einem Grinsen hinzu.

    „Leck mich! brummelte dieser griesgrämig. „Wenn einer von euch meint, dass ich als Soldat Frauen und Mädchen ermorden werde, dann irrt ihr euch gewaltig. Da mache ich nicht mit. Macht es selber, wenn es unbedingt sein muss.

    „Reg dich nicht auf, Mensch, beschwichtigte Helmuth. „Ich hätte das auch nicht gekonnt, und vielleicht ist es auch besser so. So kann Mannfred wahrscheinlich noch einige Informationen aus ihr herauskriegen, die vorteilhaft für uns sein können. Keiner von uns hat eine Ahnung von der Stärke dieser Gruppe Russen, und sie kann uns bestimmt einiges sagen.

    Wolff hatte die Maschinenpistole des totgeschlagenen Russen aufgehoben und war inzwischen zur Tür gegangen. Er spähte vorsichtig hinaus, um zu sehen, ob noch mehr feindliche Soldaten herumliefen.

    „Niemand zu sehen, meldete er: „Es stehen noch fünf Blockhäuser aus Holz da, aber Fahrzeuge habe ich nicht gesehen. Ich denke, dass es ein Lager russischer Soldaten ist, die nach ihrer Niederlage in die Wälder geflohen sind. Dies ist wohl der richtige Moment, hier abzuhauen, scheint mir.

    Mannfred goss etwas Wasser über das Gesicht des Mädchens, worauf sie ihre Augen aufschlug.

    Sofort legte er seine Hand auf ihren Mund und fing an auf Russisch mit ihr zu reden.

    „Wenn du dich ruhig verhältst und nicht schreist, werden wir dir nichts Böses antun. Wir wollen nur einige Auskünfte. Aber wenn du versuchst uns zu verraten, schneide ich dir ohne Bedenken den Hals ab, hast du das verstanden? Kein Laut also, wenn ich meine Hand von deinem Mund nehme."

    Die Angst war in ihren Augen zu lesen, als sie heftig ja nickte.

    Mannfred nahm seine Hand weg, worauf das Mädchen ruhiger wurde und mit beiden Händen nach ihrem schmerzenden Hals tastete.

    „Kann ich mich setzen?" fragte sie etwas später mit einer heiseren Stimme, worauf Mannfred nickte und sie an ihrem Arm hochzog.

    „Wie viele Soldaten sind hier im Lager und was macht ihr hier?"

    „Dies ist ein Partisanenlager", antwortete das Mädchen bereitwillig, „Mein Vater ist auch hier. Es sind außer meinem Vater sechzehn Soldaten im Lager, und noch einige Frauen zum Kochen und so.

    Die Soldaten machen sich regelmäßig auf den Weg, um deutsche Lkw und Wachposten zu überfallen. Das geschieht meistens bei der großen Verbindungsstraße zwischen Minsk und Smolensk."

    Mannfred informierte die anderen und sagte: „Meiner Ansicht nach haben wir nicht die geringste Chance, hier mehr Waffen zu sammeln und daher müssen wir sofort abhauen. Auf jeden Fall sind noch vierzehn Mann übrig, und das ist zu viel für uns, da wir zu wenig Waffen haben. Wir müssen uns aber beeilen und auch entscheiden, was mit ihr geschehen soll."

    „Fesseln und knebeln, sodass wir genug Vorsprung bekommen", schlug Helmuth vor, während er das Mädchen ansah.

    Sie schien zu verstehen, dass über ihr Schicksal beraten wurde, und fing angehetzt und aufgeregt mit Mannfred zu sprechen.

    „Ich kenne einen ziemlich sicheren Weg durch die Wälder. Wenn ihr von hier aus direkt nach Süden in Richtung der Hauptstraße zieht, dann haben die Partisanen euch innerhalb weniger Stunden wieder geschnappt. Der Führer hat sowieso vor, euch heute zu ermorden. Wenn ihr mich mitnehmt und mir nichts antut, werde ich euch den Weg zeigen!"

    „Und wieso willst du uns jetzt auf einmal helfen?" fragte Mannfred mit einem misstrauischen Blick in den Augen.

    „Wer sagt mir, dass du nicht versuchen wirst, uns hereinzulegen?"

    „Du musst mir glauben", antwortete sie, ihm starr in die Augen blickend.

    „Mein Vater liegt schwer verletzt in einer der Hütten, und wenn er stirbt, bin ich hier vogelfrei. Das ist mit einem anderen Mädchen, dessen Vater getötet wurde, auch geschehen. Sie geht von Hand zu Hand, weil es keinen mehr gibt, um sie zu schützen. Und der Führer hat anderen bereits angedeutet, dass ich für ihn bestimmt bin, wenn mein Vater nicht mehr lebt. Ich flehe euch, nehmt mich mit! Meine Großmutter wohnt in Minsk, ich möchte gern zu ihr."

    Mannfred übersetzte den anderen die Geschichte, und nach kurzer Überlegung beschloss Helmuth, dass sie sie mitnehmen würden. „Trotz des Risikos, dass sie uns vielleicht etwas aufhält, haben wir mit einer, die die Gegend gut kennt, eine größere Chance, dem Feind nicht sofort in die Arme zu laufen. Ich habe den Eindruck, dass sie echt Angst hat und uns also nicht reinlegt. Wir wollen es versuchen und verschwinden von hier."

    Mannfred sagte dem Mädchen Bescheid und trug ihr auf, das Brot für unterwegs mitzunehmen.

    Die Durchsuchung der zwei toten Russen hatte ihnen noch eine deutsche Luger-Pistole und zwei Bajonette eingetragen. Und Wolff hatte zu seiner Freude seine eigene Brieftasche mit seinem Soldatenbuch darin wiedergefunden.

    Das Wichtigste für ihn war, dass auch die Fotos seiner Verlobten noch drin waren.

    „Etwas wenig Schießeisen, um es gegen Partisanen aufnehmen zu müssen", motzte Horst.

    Das Mädchen hatte das Brot aufgesammelt, aber auch gesehen, dass die Waffen verteilt wurden.

    „Ich weiß wo ihr mehr Waffen finden könnt", sagte sie zu Mannfred.

    Dieser sah sie forschend an.

    „Wie meinst du?"

    „Der Führer schläft separat in einer Hütte und dort liegen viele erbeutete deutsche Waffen. Nachdem sie in der vergangenen Nacht zurückgekommen waren, haben alle außer den beiden Wachposten eine ganze Menge Wodka getrunken. Also schlafen noch alle, und die beiden Wachposten liegen hier."

    Mannfred überlegte kurz mit den anderen.

    „In Ordnung, zeig’ uns die Hütte des Führers. Aber wenn du versuchst, uns hereinzulegen, wirst du auf jeden Fall als Erste sterben, und zwar nicht gerade in einer angenehmen Weise!"

    Das Mädchen nickte schweigend und ging nach einer Gebärde von Mannfred vor ihnen zu einer der Holzhütten.

    Im Lager war tatsächlich niemand zu sehen.

    Als sie vor der Tür standen, flüsterte Mannfred zu ihr: „Geh’ du als Erste hinein für den Fall, dass er wach ist oder wird. Wenn deine Geschichte stimmt, wird es ihm bestimmt gefallen, dass du kommst, und das wird seine Aufmerksamkeit ablenken. Versuche, wenn nötig, ein bisschen nett zu ihm zu sein und mach’ so, als möchtest du ihn küssen. Wir kommen herein, wenn die Luft rein ist oder, wenn er wirklich etwas mit dir versucht. Also mach’ dir keine Sorgen. Es kann dir nichts passieren und auf diese Weise können wir die Sache erledigen, ohne dass geschossen wird."

    Das Mädchen nickte, holte tief Atem und öffnete leise die Tür.

    Der Russe lag auf einem Bett und schlief noch als das Mädchen sich leise über ihn beugte.

    Gerade in dem Moment erwachte der Mann, und er streckte sofort seine Hand zur schweren Nagan Pistole aus, die neben seinem Bett lag.

    Die Bewegung stoppte, als er das Mädchen erkannte und er grinste.

    „So, Djaevuschka (= Russisch für Mädchen), wirst du doch noch vernünftig und kommst endlich zu mir in mein Bett?"

    Das Mädchen lächelte freundlich und strich ihm mit der Hand über seine Haare.

    Begierig streckte der Russe seine Hände zu ihr aus und fasste das Mädchen kräftig an den Brüsten, um sie an sich zu ziehen.

    Das war das Letzte, was er in diesem Leben tat.

    Zu spät sah er aus seinen Augenwinkeln das glitzernde Messer, und bevor er reagieren konnte, steckte es quer durch seinen Hals. Nicht mehr als einen röchelnden Laut konnte er herausbringen.

    Sein erstaunter Blick sah das harte Gesicht des deutschen Soldaten, der das Messer mit einer raschen Bewegung zurückzog und es sofort zum zweiten Mal in seinen Hals rammte langsam vor sich verschwimmen, während er lautlos starb.

    Das Mädchen war voll Grausen zurückgeprallt.

    „Es würde ohne Schüsse gehen", brachte sie vorwurfsvoll hervor.

    Mannfred wischte routiniert sein Messer wieder ab: „Das stimmt, und das ist auch genau, was passiert ist. Du meintest doch wohl nicht, dass wir ihn nach unserem kleinen Besuch lebend zurücklassen würden, oder?" reagierte er kurz angebunden.

    Unterdessen nahm er die schwere Nagan Pistole des toten Russen und steckte sie in seinen Gurt.

    Das fassungslose Mädchen sagte, durch diese stahlharte Reaktion eingeschüchtert, kein Wort mehr.

    Die Hütte wurde schnell auf Waffen durchsucht, und es stellte sich heraus, dass tatsächlich reichlich Waffen vorhanden waren.

    Es waren vor allem deutsche Waffen, so wie das Mädchen gesagt hatte.

    Jeder bewaffnete sich großzügig, und mit ausreichendem Proviant, Feldflaschen und Munition verließen sie kurz später eiligst das Partisanenlager.

    Die vielen Waffen gaben im Voraus ein Gefühl der Sicherheit, mit dem Wissen, dass sie sich wenigstens wieder verteidigen könnten.

    Das russische Mädchen zeigte den Weg, nachdem Mannfred sie nochmals gefragt hatte, ob sie sicher war, dass sie mitkommen wollte, weil sie ihren Vater vermutlich nie mehr wiedersehen würde.

    Der Kummer stand ihr in den Augen, als sie antwortete.

    „Ich kann jetzt nicht mehr anders. Die drei Toten kann ich nicht erklären, während ich selbst überlebt habe. Und mein Schicksal stand doch bereits fest."

    „Gut, dann zeig’ uns den Weg, und zwar so, dass wir, wenn es irgendwie geht, keinen Partisanen in die Arme rennen. Wir wollen auch nach Minsk. Also dann gelangst du auch wohl dorthin, wenn alles ein bisschen klappt."

    Über allerlei schmale Wildpfade ließen sie das Partisanenlager in hohem Tempo hinter sich.

    Obgleich niemand Zweifel daran hatte, dass die Partisanen die Verfolgung aufnehmen würden, waren alle erleichtert, dass sie entkommen waren.

    Helmuth übernahm automatisch wieder die Führung und legte ein wirklich mörderisches Tempo vor.

    Aber es war auch die Angst vor den Partisanen, die das Tempo hochhielt.

    Erst als das Mädchen vor Müdigkeit zu straucheln anfing, ließ er für eine kleine Ruhepause anhalten.

    „Allmächtiger Gott, schnaufte Horst, „Das können wir so nicht durchhalten. Und die Puppe bedauert wahrscheinlich auch schon längst, dass ich sie nicht erwürgt habe, setzte er mit einem Grinsen hinzu. „Sie kann überhaupt nicht mehr.

    Alle sahen auf das Mädchen, das erschöpft im Gras lag.

    „Lasst uns aber gleich den Moment nutzen, um etwas zu essen", riet Helmuth.

    „Wir müssen dafür sorgen, dass wir, bevor die Dunkelheit einfällt, so weit wie möglich von diesem Russenlager entfernt sind. In der Dunkelheit können wir doch nicht weiterkommen, und dann gibt es noch Zeit genug, uns auszuruhen, dachte ich so."

    Mannfred übersetzte Helmuths Worte ins Russische.

    Während sie das harte Brot mit einigen Speckscheiben aßen, wurde nicht mehr gesprochen.

    Jeder war total am Ende und zu müde für ein Gespräch.

    Nach nur einer halben Stunde stand Helmuth wieder ungeduldig auf.

    „Marsch, Leute, wir müssen uns beeilen. Niemand weiß, wie schnell die Eingeborenen sein können, und gegen dreizehn Mann auf eigenem Gelände haben wir wirklich nicht gute Chancen. Abgesehen davon ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Burschen meinen, dass wir die Puppe als Gefangene mitgenommen haben, und das kann sie so verärgert haben, dass das für sie ein zusätzlicher Antrieb ist, sich uns zu schnappen."

    Wolff stand mühsam auf. „Stimmt, aber vergiss auch die drei toten Iwans nicht, darunter der eigene Führer, und das auch noch in ihrem eigenen Lager. Das finden die wahrscheinlich noch viel schlimmer."

    Mehr Ansporn war nicht nötig, und die Müdigkeit verdrängend zogen sie in Eile weiter.

    Sie folgten immer den Wildpfaden und versuchten möglichst wenig Spuren zurückzulassen, indem sie darauf achteten, keine Zweige zu knicken.

    Auch änderten sie einige Male die Richtung, obgleich dass viel Zeit kostete.

    Nachdem das Mädchen einige Male gestrauchelt war, weil sie mit ihrem langen Bauernkleid an den Sträuchern hängen blieb, fasste Mannfred sie beim Arm.

    „So hinterlassen wir zu viele Spuren und wir kommen nicht recht voran", sagte er.

    „Ich werde ein Stück von deinem Rock abschneiden, sodass er etwas kürzer wird, so ‘n knöchellanges Ding ist zu ungeschickt hier im Busch."

    Das Mädchen protestierte, aber Mannfred zog sein Messer.

    „Steh´ still, dann kann ich einen geraden Streifen abschneiden, bis gerade unterm Knie. Dann gehst du viel bequemer! Du hast übrigens Stiefel an, also macht das keinen Dreck aus."

    Das Mädchen versuchte ihn wegzuschieben: „Nein, das will ich nicht, geh’ weg!"

    Mannfred blickte verärgert und machte kurzen Prozess.

    Nach einem klatschenden Schlag ins Gesicht gab sie ihren Wiederstand auf, und er schnitt den Rock gerade bis zum Rand ihrer Stiefel ab.

    Horst protestierte gegen Mannfreds rücksichtsloses Vorgehen, aber Helmuth unterbrach ihn: „Halt’ dich da raus, Mensch, denn er hat einfach recht, sie blieb hängen und strauchelte immer mehr. Beeilung und möglichst wenig Spuren zurücklassen, heißt es hier, und das gehört auf jeden Fall dazu. Die Puppe meinte bestimmt, er wollte sich an ihr vergreifen oder so."

    Mannfred hatte sich wiederaufgerichtet: „So wird das ein Stück bessergehen, sagte er. „Und nur das war die Absicht."

    Er übersetzte diese Bemerkung auch ins Russische und fügte hinzu, dass sie weitermussten.

    Das Mädchen gab keine Antwort, nahm aber den Stoffstreifen auf und steckte ihn in ihren Rucksack, um dann ohne ein Wort weiterzugehen.

    Mannfred ging kurz hinter ihr, und darauf folgten die anderen in einer Reihe.

    Ab und zu kontrollierte er auf seinem Kompass, ob das Mädchen die richtige Richtung einhielt, aber sein Misstrauen ihr gegenüber war bereits größtenteils verschwunden.

    Allerdings ermahnte er sie ständig, das Tempo so hoch wie möglich zu halten.

    Unterdessen behielten sie alle die Gegend scharf im Auge.

    Stunde um Stunde marschierte die Gruppe weiter, und erst nachdem die Dämmerung eingefallen war, gab Mannfred ein Zeichen, dass das Mädchen am Ende ihrer Kräfte war, sodass ein Platz zum Übernachten gesucht werden musste.

    Ohne Ausnahme reagierten die Anderen erleichtert und stimmten darin überein, worauf sie den Wildpfad verließen und quer durch das Gebüsch weiterzogen, um einen sicheren Schlafplatz zu suchen.

    Unter einigen großen Bäumen fanden sie ein mit Gras bewachsenes kleines Grundstück zwischen den Sträuchern, das nach Mannfred ein geeigneter Platz zum Übernachten war.

    Die ganze Gruppe ließ sich ins Gras fallen und machte es sich bequem.

    Die Reste des Proviants wurden ausgepackt und nach dem Essen war es fast schon dunkel im Wald.

    Horst seufzte tief auf: „Nicht zu glauben, was wir hier in wenigen Tagen erleben. Entkommt man gerade aus feindlichem Gebiet, zwei Tage später ist man wieder genauso weit, aber dann ohne Feldwebel Fritsche und seine Männer. Mit ihm dabei hätte ich mich ein Stück wohler gefühlt.

    Ich bin geschafft, und für mich ist es ein Wunder, dass diese Puppe so lange durchgehalten hat. Das kannst du ihr auch gerne sagen, Mannfred, es ist auf jeden Fall etwas netter als ein Schlag auf ihren Kopf. Und sei ehrlich, sie hat uns nicht reingelegt und mit allem Wort gehalten. Dass wir jetzt schwer bewaffnet sind, verdanken wir auch ihr."

    Wolff stimmte ein: „Ich muss gestehen, dass Horst recht hat. Und sie scheint mir ein ziemlich junges Ding, also etwas Menschlichkeit ist hier bereits angebracht, meine ich."

    Auch Helmuth, der ausgestreckt auf seinem Rücken lag, mit einem Rucksack als Kissen und die Augen bereits geschlossen hatte, reagierte.

    „Die Jungs haben recht, Mannfred. Dass du mittlerweile ein erfahrener Schlachter zu werden anfängst, bedeutet nicht, dass du jeden so scharf anzugehen brauchst. Das Kind hat heute sein Bestes getan, und das darf auch wohl mal gesagt werden. Wir wissen nicht mal, wie sie heißt und was sie dort machte."

    Mannfred sah die Gruppe ringsum an und zuckte die Achseln.

    „Mir recht, ich wollte nichts Anderes als schneller weiterkommen und ihr das Laufen etwas leichter machen."

    Wolff lachte spottend: „Ja, das glaub’ ich, nur bringst du das so flott, dass so ‘n Kind sofort meint, dass es dran ist. Aber wir können nicht mit ihr quatschen, also ist es deine die Aufgabe, ihre Einsamkeit etwas zu vermindern. Loyalität und Vertrauen kann man nun mal nicht mit Gewalt reinrammen."

    Horst stand mühsam auf, ging auf das Mädchen zu und gab ihr mit einem Lächeln auf dem Gesicht seine Feldflasche.

    Das Mädchen saß mit dem Rücken an einem Baum und nahm nach kurzem Zögern die Feldflasche an.

    „Ich danke dir für alles, was du heute für uns getan hast. Das werde ich dir sicher niemals vergessen", sagte er freundlich.

    Er ging wieder zu der Stelle zurück, wo sein Rucksack lag, und legte sich wieder hin.

    „Übersetz’ das mal, Mannfred."

    Mannfred setzte sich näher zum Mädchen und sagte zu den anderen: „Die Botschaft ist bereits klar, ich werde mal mein Bestes tun. Ich werde dazu auch sofort die ersten Stunden die Wache übernehmen, dann könnt ihr inzwischen etwas Schlaf nachholen. Es wird sowieso die ganze Nacht einer Wache stehen müssen."

    „Da hast du recht", antwortete Helmuth. ohne die Augen zu öffnen.

    „Wenn du das Wacheschieben satt hast, kannst du mich wecken, dann übernehme ich."

    Mannfred richtete seine Aufmerksamkeit auf das Mädchen.

    „Meine Kameraden möchten dir für deine Hilfe danken, darüber freuen sie sich sehr, und sie bestehen darauf, dass ich dir das sage. Und das gilt natürlich auch für mich selber. Ich bedaure den Schlag in dein Gesicht, aber ich wollte dir das Laufen durch das Gebüsch nur etwas leichter machen und wollte auch keine Zeit verlieren. Das hätte ich besser anders angehen können, aber nach dem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, bin ich in meinen Reaktionen ein bisschen kürzer angebunden. Die Kameraden fragten mich auch, wie du eigentlich heißt und was du dort in diesem Partisanenlager gemacht hast. Du sollst keine Angst vor uns haben, wir sind auf der Flucht und wollen nach Minsk oder auf jeden Fall so schnell wie möglich unsere eigenen Truppen erreichen. Und wir sorgen dafür, dass du auch nach Minsk kommst."

    Er unterbrach seine Ausführungen und sah das Mädchen ruhig an, ihre Reaktion abwartend.

    Es dauerte eine Weile, bis das Mädchen Antwort gab, aber Mannfred ließ die Stille ruhig andauern, bis sie zu sprechen anfing.

    „Mein Name ist Jelena und ich bin siebzehn Jahre alt. Als der Krieg unser Dorf erreichte, bin ich zusammen mit meinem Vater in die Wälder geflüchtet, weil er bei der Miliz war und wir gehört hatten, dass die Deutschen alle Milizmitglieder erschossen hatten. Deshalb hat mein Vater sich den Partisanen angeschlossen, vor allem, weil wir nirgendwo anders hinkonnten. Vorige Woche wurde mein Vater bei einem Überfall auf deutsche Lkw schwer verletzt, und es steht wohl fest, dass er seine Verletzungen nicht überleben wird. Das war auch der Grund, warum ich flüchten wollte. Ich habe bereits erzählt, was dem anderen Mädchen passiert ist, nachdem ihr Vater in einem Kampf mit euch gefallen war. Und unser Führer hatte im Lager schon herumerzählt, dass ich ihm gehören würde, sobald mein Vater nicht mehr da wäre. Meine Mutter ist vor Jahren gestorben, und deshalb wollte ich zu meinen Großeltern in Minsk. Der Führer, Wassily, war ein grausamer und herzloser Mann, ein schlechter Mensch. Ich hatte vom ersten Tag an Angst vor ihm. Er hat auch gesagt, dass ihr heute zu Tode gefoltert werden würdet. Das ist vorher mit zwei gefangenen deutschen Soldaten passiert, und das war grässlich zum Anhören.

    Gesehen habe ich es nicht, denn das wollte ich nicht. Wenn ihr mich nicht mitgenommen hättet, wäre ich sowieso geflüchtet, nachdem ihr die Bewacher getötet hattet. Das wäre auch für mich eine Chance gewesen, von dort wegzukommen. Ihr habt ein Risiko genommen, indem ihr mich den Weg zeigen liest, aber vergesst nicht, dass ich mein ganzes Leben einem Haufen fremder Soldaten habe anvertrauen müssen, also ist es nicht so überraschend, dass ich Angst bekam, als du mit deinem Messer meinen Rock abschneiden wolltest. Eigentlich bin ich euch mehr oder weniger ausgeliefert, denn ihr seid vier Kerle und ich bin nur ein einsames Mädchen."

    Das Mädchen sah ihn im Halbdunkel an.

    Mannfred lachte freudlos: „So hatte ich das nicht gesehen. Aber das mit diesen Kerls ist wirklich nicht so schlimm, weißt du. Ich bin erst achtzehn Jahre und die anderen sind fast alle gleich alt. Fast Jungen noch also, aber ich habe innerhalb von drei Tagen mit meinen eigenen Händen bereits vier Menschen getötet. Nur, um zusammen mit meinen Freunden überleben zu können. Und einer von uns ist vor wenigen Tagen gefallen, wir waren eigentlich immer zu fünft.

    Mach´ dir also keine Sorgen wegen uns, niemand von uns wird dir etwas antun."

    Mannfred sah sie an und fragte dann: „Aber findest du es nicht schlimm, dass du keinen Abschied von deinem Vater nehmen konntest? Ich hatte dir doch gesagt, dass du ihn vermutlich nie mehr wiedersehen würdest."

    Das Mädchen gab ihm keine Antwort. In der Stille, die eintrat, hörte er sie leise weinen.

    Einen kurzen Augenblick lang wusste er nicht, wie er reagieren sollte, aber aus einem unerwarteten Gefühl des Mitleids schob er sich ohne Nachdenken näher an das Mädchen heran und legte seinen Arm um ihre Schultern.

    Diese kleine menschliche Gebärde machte es nur noch schlimmer, und er spürte, wie ihr Körper von heftigem Weinen geschüttelt wurde.

    Mannfred zog sie an sich, und das Mädchen begrub ihr Gesicht in seiner Uniformjacke, um das Schluchzen zu dämpfen.

    Mit seiner freien Hand strich er über ihre Haare, und wiederholte unterdessen immer wieder, dass alles gut werden würde.

    Nach einer Weile wurde das Mädchen wieder etwas ruhiger und löste sich von ihm.

    „Versuche etwas zu schlafen, riet er ihr, „Ich muss noch ein paar Stunden Wache halten, und morgen wird wieder ein schwerer Tag.

    Das Mädchen nickte schweigend und legte sich auf den Boden mit ihrem Rucksack als Kissen.

    Mannfred stand auf und ging zu den anderen, um seine Maschinenpistole an sich zu nehmen, wonach er sich dann mit seinem Rücken an einem Baum ganze nahe zu ihr setzte, um wache zu halten.

    Er lauschte den Geräuschen der Natur und roch den Duft des Walds.

    Unterdessen über alles nachdenkend, was geschehen war, über ihre Chancen und über sein Mitleid mit dem Mädchen, das zu der Art gehörte, die er immer als Ostmenschen bezeichnet hatte, und die er doch eigentlich hasste.

    Nach wenigen Stunden wurde es durch den niederschlagenden Tau kühler und feuchter im Wald.

    Er fröstelte, obgleich es nicht wirklich kalt war.

    Etwas später stand er auf, zog seine Uniformjacke aus und legte diese als Decke über das Mädchen.

    Mannfred fühlte sich überhaupt noch nicht schläfrig und hielt Wache, bis es fast wieder hell wurde.

    Erst dann weckte er Helmuth, sodass er selbst auch noch einige Zeit ruhen konnte.

    Nachdem dieser schläfrig aufgestanden war, legte Mannfred sich nahe zum Mädchen ins Gras und schlief gleich darauf wie ein Klotz.

    Es war schon ziemlich hell, als Helmuth aufstand, um Wolff und Horst zu wecken. Hierdurch erwachte das Mädchen auch.

    Sie entdeckte die Uniformjacke, mit der sie zugedeckt worden war und sah den Russisch sprechenden deutschen Soldaten ganz nahe neben ihr liegen. Sie streckte sich aus und richtete sich auf.

    Bevor sie aufstand, legte sie vorsichtig die Uniformjacke über den schlafenden Soldaten neben ihr.

    Helmuth sah ihr zu und gebärdete ihr, zu den anderen zu kommen, um zu essen.

    Mittels Gebärden, als ob er mit seiner Waffe Wache stand und auf die Sonne und seinen schlafenden Kameraden zeigend, versuchte er ihr klarzumachen, dass Mannfred die ganze Nacht Wache gehalten hatte.

    Wolff reichte ihr sein Messer, sodass sie ihr Brot und ihren Speck schneiden konnte.

    Während sie aßen, versuchten sie mittels Gebärden und einiger Worte mit ihr zu kommunizieren.

    Jeder bemühte sich, sich freundlich zu benehmen. Das Mädchen schien auf jeden Fall zu verstehen, dass sie willkommen war.

    „Es ist nicht leicht, mit Russen zu kommunizieren, lachte Wolff, „Nur ein Glück, dass dieser schlafende Busenfreund gut Russisch spricht. Sonst hätten wir noch viel tiefer in der Patsche gesteckt.

    Horst brach in Lachen aus: „Wenn ich ihm gleich sage, dass du deinen Busenfreund einen Rohling nennst, habt ihr heute auf jeden Fall wieder genug Stoff, untereinander zu meckern."

    Helmuth machte eine abwehrende Gebärde: „Um Himmels willen, Horst. Ich hab’ wenig Lust, mir das Gezänk der beiden hier mitten in feindlichem Gebiet anzuhören. Schlafende Hunde soll man nicht wecken und halt’ deine Schnauze."

    „Haha, lachte Wolff, „Das werde ich Mannfred erzählen. Jetzt bist du auch mal dran, Freundchen! Hält der arme Junge die ganze Nacht Wache für euch, und dann nennst du ihn einen Hund, während er brav schläft. Nein, das ist erst recht eine Gemeinheit.

    Die Besatzung fiel wieder in ihre alte Umgangsgewohnheit zurück, und das war ein Zeichen, dass die Spannungen des Abgeschnittenseins nachließen.

    Das Mädchen sah interessiert zu, und trotz des Umstands, dass sie kein Wort verstehen konnte, erkannte sie, dass diese Soldaten auch Freunde waren und dass die Spannungen und die Rivalität, die immer im Partisanenlager hingen, hier im Umgang miteinander keine Rolle spielten.

    In diesem Moment sahen sie eher wie ausgelassene Jungen als faschistische deutsche Mörder aus, wie sie in der russischen Propaganda jedes Mal genannt wurden.

    Sie lachte denn auch heiter mit, als Helmuth einen Schuss Wasser aus seiner Feldflasche über den schlafenden Mannfred klatschen ließ.

    Der schoss mit vorgehaltener Maschinenpistole hoch, während seine Kameraden schallend lachten.

    Wild schmiss er die Waffe von sich.

    „Scheiße, sogar mitten zwischen diesen verdammten Russen müssen sie diese blöden Kasernenwitze noch reißen."

    Quasi wütend schüttelte er seine Faust in Richtung der anderen.

    „Verdammt! Ich mach noch mal so ‘n Betriebsausflug mit euch!"

    Als er das Lächeln des Mädchens sah, senkte er überrascht seine Fäuste.

    Ein breites Grinsen zog über sein Gesicht, als er auf Russisch sagte: „Das ist nun die furchterregende deutsche Armee. Man kann jetzt mit eigenen Augen sehen, dass es nicht mehr als eine Bande debiler Kinder sind. Und davor hast du Angst gehabt. Es ist einfach ein Kindergarten, der sich auf einem Schulausflug verirrt hat."

    Heiter reagierte sie: „Wir wussten nicht mal, dass ihr Deutsche lachen könnt. Aber ich muss gestehen, dass ich mich jetzt ein Stück weniger bedroht fühle, da ich dies gesehen habe."

    „He, du Schleimer", kam Wolff dazwischen, „Lasst uns auch mal eure intime Konversation mitgenießen. Dein Ausflug ins Kosakenland sieht so nach und nach dem Trip von Untersturmführer von Losswitz ähnlich. (siehe Kanonenfutter) Für mich ist nichts so schlimm wie ausgegrenzt zu werden, während ich umringt von feindseligen Sowjets herumrennen muss und mein bester Freund klammheimlich ein bisschen mit dem Feind anbändelt."

    „Wo du das so sagst, lachte Horst, „Ich bekam auch so das Gefühl, dass unser Draufgänger ein wenig aufzutauen anfängt, weil er entdeckt hat, dass die Partisanenjungfrau weniger hässlich ist als wir alle meinten.

    Er lachte auf: „Ich muss ehrlich gestehen, Mensch, sie fühlte sich eigentlich appetitlich an, als ich sie gestern zu erwürgen versuchte. Wenn ich gewusst hätte, dass ich dabei war, deine neue kleine Freundin zu erwürgen, hätte ich natürlich etwas früher mit dem Zukneifen aufgehört."

    Mannfred errötete leicht, als er auf Verlangen von Helmuth das ganze Gespräch zu übersetzen versuchte, nachdem die anderen über ihre Bemerkung, dass Deutsche nicht lachen könnten, ausgelacht hatten.

    Aber das Mädchen lächelte nur über die Anspielungen der anderen.

    „Ich denke, ihr amüsiert euch miteinander zwar gar nicht schlecht, aber ich fürchte, dass die Partisanen in der Zwischenzeit immer näherkommen und auch die anderen Gruppen in der Gegend bereits gewarnt haben."

    Als diese Bemerkung übersetzt worden war, wurde Helmuth sofort wieder ernst.

    „Sie hat vollkommen recht, wir stehen hier herum und quasseln wie die alten Weiber, während die Jäger immer näherkommen. Wir brechen sofort auf und gehen weiter in westliche Richtung. Dann möchte ich nach einer langen Umgehung, morgen versuchen wieder zur Rollbahn zurück zu gelangen, ohne dass uns ein wilder Haufen Iwans abfängt, der uns zwischen dem Wald und der Rollbahn auflauert. Also, Jungs, zupacken und nichts wie weg hier. In der gleichen Linie wie gestern. Mit möglichst wenig Lärm und immer die Augen auf, sodass wir nicht in einen Hinterhalt geraten."

    Mannfred übersetzte, was Helmuth sagte, und innerhalb von fünf Minuten waren sie wieder unterwegs.

    Das Mädchen ging zusammen mit Mannfred wieder voran, und die anderen folgten in einer Reihe.

    Die Ruhepausen wurden den ganzen Tag so kurz wie möglich gehalten. Gesprochen wurde wenig.

    Die ganze Gruppe war sich wieder klar der Gefahren bewusst, die sie unterwegs erwarteten.

    Das drückend warme Wetter machte den Marsch besonders schwer.

    Keuchend und schwitzend bahnten sie sich einen Weg durch das endlose und an manchen Stellen schwer durchdringbare Waldgebiet.

    Die anderen stießen sich heimlich an, als sie sahen, dass Mannfred beim Überqueren eines breiten Bachs über einen gestürzten Baumstamm die Hand des Mädchens fasste, um ihr zu helfen.

    Das Gleiche war vorher geschehen, als sie einen ziemlich steilen Hang hinuntergingen.

    „Wenn die Puppe hier in der Natur Hilfe braucht, dann ich aber auch", schmunzelte Wolff zu den anderen.

    „Der Schleimer versucht sich bei dem Kind anzubiedern. Was ich euch sage! Unser Betonklötzchen fängt an, an menschlichen Gefühlen zu leiden."

    „Das meinst du, sagte Horst schlagfertig, „Bei uns nennt man so was Hormone.

    Zweimal mussten sie in Deckung gehen, weil in der Nähe Leute vorbeizogen, aber niemand bekam sie zu sehen.

    Helmuth wollte unbedingt vermeiden, dass sie von jemandem gesehen werden konnten.

    Es fing wieder zu dämmern an, als Helmuth der tödlich ermüdeten Gruppe verkündete, dass es für diesen Tag reichte.

    Sie suchten wieder ein Versteck für die Nacht, und nachdem sie die letzten Vorräte aufgegessen hatten, legten die Soldaten sich zum schlafen hin.

    Mannfred wollte wieder die erste Wache übernehmen, aber nicht länger als ein paar Stunden, damit auch er zu seiner Ruhe kommen würde. Dann sollte Horst von ihm übernehmen.

    Das Mädchen Jelena war nahezu sofort nach dem Essen eingeschlafen.

    Sie lag nahe bei der Stelle, wo Mannfred saß, und ihre halblangen braunen Haaren bedeckten teilweise ihr Gesicht.

    Mannfred studierte sie aufmerksam, genauso wie er es unterwegs getan hatte.

    Dass er das beherzte und tapfere Mädchen attraktiv fand, hatte er für sich längst festgestellt.

    Genauso wie die Tatsache, dass nach dem heutigen Tag mehr zwischen ihnen war, nicht ausgesprochen, aber gefühlsmäßig klar präsent. Und ihre langen forschenden Blicke hatten ihn in seinem Gefühl bestätigt.

    Er nahm sich stillschweigend vor, sie morgen zu fragen, ob er sie in Minsk besuchen könnte.

    Nach einigen Stunden weckte er Horst, um die Wache von ihm zu übernehmen, und legte sich wie in der vorigen Nacht neben das Mädchen.

    Weil es kälter war als in der vorigen Nacht deckte er sie wieder mit seiner Uniformjacke zu, bevor er sich hinlegte, und dabei bemerkte er, dass sie nicht schlief.

    „Schläfst du nicht?" fragte er leise.

    „Nein, kam die flüsternde Antwort, „Ich erwachte, weil mir kalt wurde.

    Mannfred zögerte einen Moment: „Wenn du es dir zutraust, kannst du dich zu mir legen, dann ist dir wärmer."

    Es blieb kurz still, aber dann schob sie sich näher und legte sich zu ihm.

    „Ich habe keine Angst vor dir, Deutscher", sagte sie leise, während sie die Uniformjacke teilweise über ihn legte.

    Er legte seinen Arm um sie und zog sie an sich.

    „So wirst du wärmer, und ich kann mir Gründe genug denken, warum du Angst haben solltest."

    Weil er keine Antwort bekam, lagen sie einige Zeit still aneinander.

    „Was hältst du davon, wenn ich dich in Minsk aufsuchen würde?" fragte Mannfred nach einer Weile.

    „Wieso Minsk? sagte sie neckisch. „Viel näher als jetzt kannst du wohl nicht kommen, dachte ich so. Ihr Germanskis seid doch ein merkwürdiges Volk.

    Mannfred wandte ihr seinen Kopf zu: „Du hast vielleicht Mut."

    Er schob seine Hand hinter ihren Kopf, beugte sich zu ihr und küsste sie sanft auf den Mund.

    Sobald er

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