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Der erlöste Mann: Versuch einer Metaphysik der Männlichkeit
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eBook425 Seiten4 Stunden

Der erlöste Mann: Versuch einer Metaphysik der Männlichkeit

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Über dieses E-Book

Dieses vorliegende Buch ist der Versuch, die männliche Existenz wieder mehr an seine ursprüngliche Seinsweise und seine Seinsbedingungen heranzuführen. Eine Welt, in der die Geistigkeit verleugnet wird und dadurch verloren gegangen ist, ist logischerweise eine geistlose Welt.
So hat der Mensch auch seinen Ursprung verleugnet. Er ist dadurch von diesem abgeschnürt und abgekoppelt. Dies gilt ebenso für unseren geschlechtlichen Ursprung, wo die westliche Gesellschaft heutzutage einer einzigartigen Verwirrung ausgesetzt ist, die durch eine unsägliche «Gender Diskussion» immer mehr noch verstärkt wird, was in der Folge zu einer regelrechten Feindseligkeit unter den Geschlechtern geführt hat.
Es ist dadurch kein Wunder, dass, wenn der Mann, der im Mittelpunkt dieses Textes steht, sich von seiner Männlichkeit immer mehr verabschiedet (aus welchen Gründen auch immer), eben diese Männlichkeit in seinem «Seinsgrund» nicht mehr wahrnimmt geschweige denn wahrgeben kann.
Es ist die tiefe Überzeugung des Autors, dass die Wandlungsbereitschaft und Transformation des heutigen Mannes nur durch das «Urerlebnis subtiler-Mann» (rück?)erobert und vollzogen werden kann, in das der Mann fühlend, wollend und denkend, letztlich liebend eindringen muss. Nur so kann er wieder ganz in seiner ursprünglichen Einheit als Mann ankommen und zu seinem wahren, sinnlichen Ich zurückfinden und ihm entsprechenden Ausdruck verleihen.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum22. Juli 2019
ISBN9783748294481
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    Buchvorschau

    Der erlöste Mann - Heinz Rataj

    1. Einleitung

    I.

    Dieser Text, ist der Versuch einen ur-phänomenalen Blick auf das «Mann-Sein» zu werfen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist es notwendig die «Integration» von verschiedensten Denk- und Fühlbewegungen zu bemeistern, um sich den höherwertigen Dimensionen des menschlichen Daseins öffnen zu können.

    Zum Beispiel die Integrationsleistung zu vollziehen, jede Form von philosophischer oder psychologischer Herangehensweise an die vorliegende Thematik, unter der Führung eines spirituellen Hintergrundes wahrzunehmen. Und ebenso – ist jede spirituelle Führung gleichzeitig unter dem Aspekt eines psychologischen und auch kulturübergreifenden-philosophischen Inhalts zu verstehen. Wobei wir den psychologischen Aspekt immer unter der Voraussetzung betrachten, wie er sich an einer höherwertigen Innerlichkeit orientiert, sich zu einer geistvollen Seelenhaftigkeit aufschwingt, oder ob er allein einer anthropozentrischen Rechtfertigung des Menschen dient. Das psychologische Denken ist immer auf Lösung, Wirkung und Ergebnis ausgerichtet – und dadurch als Wahrheitsinstrument für eine «höhere – d.h., metaphysische Haltung» – die sich an geistigen Maßstäben misst, meist ungeeignet. Überall dort, wo es um die Einzigartigkeit des menschlichen Wesens geht, entzieht es sich durch Einwände gegen eben diese Wahrheit, in dem es sich anstatt auf das Allumfassende der seelisch geistigen Einheit zu beziehen, nur das Allgemeine und Äußerliche im Blick behält und zulässt.⁴

    Persönliche Mythen müssen wir dabei weitgehendst vermeiden, damit wir ihnen nicht gänzlich verfallen, und ihnen ausgeliefert sind. Je mehr wir uns mit unseren persönlichen Mythen⁵ identifizieren, z.B. Familien, Sippen oder Gesellschaftsmythen, aber auch z.B., analytischen (mentalen) Konstruktionen, desto mehr leben wir aus fremderzeugten Bildern, aufgeladenen (ideologischen) Gefühlswelten, spekulativen Illusionen usw.

    Aus den kraftvollen, griechischen Göttergeschichten werden dann z.B. heute in der Psychologie die persönlichen (d.h.- personal abgeflachten) Mythen unaufgearbeiteter Kindheitserlebnisse, schwierige Mutterbeziehungen, oder der Vaterkomplex erzählt und als «Wahrheit» ausgegeben. Dies ist bei der persönlichen Mythenbildung, ob ihrer Vieldeutigkeit, grundsätzlich problematisch, denn dadurch wird das lebendige und unmittelbare Erleben des «hic et nunc» weitgehendst verunmöglicht. ⁶

    Wogegen die ur-phänomenale Sicht uns hilft, wieder näher an diese Unmittelbarkeit heranzukommen, in dem wir im wahrsten Sinne des Wortes, wieder wahrnehmen lernen und uns bewusst werden, dass wir in einer hierarchisch geordneten (dimensionalen) Welt leben, die sich auf unterschiedliche Stufen von Entfaltungsprozessen stützt.

    «Die meisten Psychologen heute meinen, dass der Mensch leide durch diese oder jene psychologische Veranlagung, dadurch, dass er, zum Beispiel, ein zu sehr introvertierter oder zu sehr extrovertierter Typus sei. Das ist falsch: der Mensch leidet und wird erst dann krank, wenn er den Geist nicht entscheiden lässt über die psychologische Veranlagung. Der Mensch weiß heute mehr, dass über der psychologischen Veranlagung der Geist steht, der imstande ist, den Menschen ein Leben unabhängig von der psychologischen Veranlagung führen zu lassen. Darum leidet der Mensch und darum wird er krank, weil er sein Wesen schwächt, wenn er sich von der psychologischen Struktur und nicht vom Geist leiten lässt.» (M. Picard)

    Um diese Sicht zu verwirklichen, muss parallel zu jedem spirituellen Impuls, der uns einen Weg der Vervollkommnung aufzeigt, immer auch ein entwicklungspsychologischer Reifungsprozess mitvollzogen werden, damit wir einerseits nicht zu starken Entgrenzungen unterliegen, d.h., den «Boden unter unseren Füßen verlieren», und andererseits uns auch nicht in Fundamentalismen, Ideologien, Phantasmen und Träumereien versteigen.

    Der ur-phänomenale Blick, d.h., der Blick mit spiritueller Tiefenschärfe, soll uns immer mehr zur «Quelle» führen, bzw. aus dieser zu schöpfen lehren.⁷

    Das wesentliche Wissen, aus den unerschöpflichen Quellen der spirituellen Weisheit, die wir in allen Kulturen auffinden können wenn wir uns darum bemühen, steht in einem starken Spannungsverhältnis (oft sogar im krassen Gegensatz) zur analytisch/logisch-dominierten, modernen Wissenschaft, welche letzten Endes nur zu leblosem d.h. profanem Wissen führt, da sie ohne überweltliche Prinzipien und somit geistigen Gesetzmäßigkeiten auszukommen meint. Das heißt: Es werden und wurden die geistigen Fähigkeiten zugunsten rationaler Fertigkeiten und wahre Erkenntniskraft durch naturwissenschaftlich – philosophische Abstraktion ersetzt.

    Als fundierte und aus unserer Sicht inhaltlich herausragende «Quelle» dient uns vor allem Bô Yin Râ – oder in seinem bürgerlichen Namen – Joseph Anton Schneiderfranken⁸, welcher uns ein einzigartiges geistiges Lehrwerk hinterlassen hat. Des Weiteren die Überlieferung aus der taoistischen Tradition durch Laotse und Zhuangzi, mit ihren Ausläufern in die wesenhaften Erläuterungen des Zens, vor allem durch Hisamatsu, Nishitani und Ueda. Auch Platons Ideenlehre, sowie der Gralsmythos, vermitteln uns wertvolle Hinweise und kostbare Anregungen.

    Diese Rückbesinnung auf die ursprünglichen und kulturübergreifenden geistigen und spirituellen Quellen, werden von uns insofern als notwendig erachtet, als sie ungleich tiefgründiger und umfassender in ihrer Aussagekraft sind, als alle uns zugänglichen Denkmodelle aus moderner psychoanalytischer Forschung, oder philosophischen bzw. theologischen Denkbewegungen. Obwohl auch hier, immer wieder wertvolle «Goldkörner» auszumachen sind, die wir gerne aufgreifen, dürfen diese, aus unserer Sicht, vergleichsweise aber nur in einer sehr bruchstückhaften und inkonsistenten Form als hilfreich angesehen werden.

    Dies liegt unseres Erachtens daran, dass die erwähnten, ursprünglichen Quellen unmittelbarer aus der substantiell geistigen Dimension des menschlichen Seins schöpfen und nicht nur abstrakt-mentale, oder magisch-mythische -d.h, schon in ihrem Ausgangspunkt begrenzte Aussagen über unser Thema vermitteln können.

    Da sich die Thematik dieses Textes schwerpunktmäßig auf die sehr komplexe Grundgeordnetheit des maskulinen Prinzips bezieht, würde es den thematischen Rahmen bei weitem sprengen, wenn hier auch noch die bewusstseinsmäßige Stufenfolge der menschlichen Entwicklung besprochen werden sollte.⁹

    Darum verweisen wir gerne auf die hier weiterführenden Werke von Jean Gebser, Jean Piaget, Erik Erickson, James Fowler, Allan Combs, Ken Wilber, oder Sri Aurobindo.

    Weiters wird in diesem vorliegenden Text immer wieder «der Mann», als «subtiler Mann» bezeichnet, bzw. auch auf den subtilen «Rang»¹⁰ des Mannes verwiesen. Damit soll eine Stufenfolge des Seins im Mann markiert werden.

    Der subtile Mann bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich um eine vollzogene Entfaltungsbewegung des Mannes handelt, mit folgenden Qualitätsmerkmalen:

    1. Der Mann Präsenzhaltung zum Leben einnimmt, welche ihn in die Lage versetzt, die Dinge so zu sehen wie sie SIND. Also klar und nüchtern, sinnlich und empfindend. Nicht ausschließlich abstrakt denkend und vorstellend.

    2. Dass er eine Verlagerung seiner Haltung und Aufmerksamkeit vornimmt, in dem er seine Wahrnehmungen und Erfahrungen, sein Denken, Fühlen und Wollen, (auch) nach «Innen» lenkt.

    3. Seine männlichen Attribute (siehe weiter unten im Haupttext) nicht nur versucht immer mehr zu leben, sondern sich darin auch übt, diese zu vervollkommnen, sich darin anerkennt und wertschätzt.

    4. Seinen Lebenssinn immer mehr auf transrationale und transzendente Inhalte lenkt, sich aber auch mit der archetypischen Gegebenheit der maskulinen Essenz als ursprüngliche und immanente Kraftquelle auseinandersetzt und identifiziert.

    Die Umsetzung der erwähnten Punkte fördert unseres Erachtens die Fähigkeiten des Mannes, als Person mit seinen Prägungsmustern immer mehr zurückzutreten, damit der «subtile Mann» sich seiner selbst dahingehend bewusst wird, als er durch die Verfeinerung seiner Selbstwahrnehmung zu einer Verfasstheit gelangt, die wir als Weite, Ruhe, Stille, Leere, Stärke, Gelassenheit usw. (s.u.) beschreiben können.

    Gelingt es dem Mann immer mehr in diesen subtilen Rang «aufzusteigen» und ihn so zu «vertiefen», werden die gesellschaftlichen Attribute, die man heute gemeinhin dem Mann zuschreibt (Leistungsmensch, Rationalist, Egomane, Opportunist, Diplomat, Spezialist, Muttersohn, Macho, etc.), je nach Lebenskontext immer mehr entlarvt, in Frage gestellt und letztlich auch transzendiert und überwunden.

    Dies wird unter anderem dadurch ermöglicht, dass jede einseitige Form des rigiden «Entweder/Oder Denkens» immer mehr in ein «Sowohl/Als auch Denken», und letztlich in ein «Non/Duales Denken», also ein «Überwinden des in Gegensätzen- Denkens» führt, also ein Denken in Komplementaritäten, welches in die Vereinigung von Transzendenz und Immanenz mündet.

    Die Bezeichnung «subtiler Mann», soll überdies ein Hinweis darauf sein, dass der Mann, der in der Bewusstheit der konkret erfahrbaren (materiellen) Welt lebt, auch in einer subtil-feinstofflichen Welt anwesend ist, wirkt – und er diese als Schwingungserfahrung wahrnehmbar übersetzen kann.

    Dies sollte für ihn aber nur den ersten Schritt auf diesem Weg des männlichen Seins darstellen. Der subtile Zustand des Mannes als Lebensgrunderfahrung und Entfaltungsausdruck, ist letztlich nur ein notwendig-temporäres Stadium, um die Zustände der gestaltlosen Leere, als Erfahrung von Einheit im Leben (also seines ursprünglichen Seinszustandes) zu verwirklichen.

    Erst diese Wahrnehmungsfähigkeit, die wir mehr als kausale und unitäre Fähigkeit bezeichnen könnten, kommt dem männlichen «Auftrag» in seiner spirituellen Verwirklichung nahe.

    Die subtilen Praktiken der Leere, der Einkehr, der Präsenz, der Kontemplation, der inneren Führung, etc. (siehe weiter unten), nehmen die Bewusstheit für das konkrete und faktenbasierte Leben auf, fügen aber dieser sichtbaren, physikalischen Welt, feinstoffliche und letztlich unstoffliche Erfahrungen und Erlebnisse hinzu.

    II.

    Der gewöhnliche, oder durchschnittliche, heutige Mann, hat schon seit geraumer Zeit sein Wirken, seinen Glauben und seine Liebe am «Altar» des Rationalismus, der technischen Perfektionierung und der Verherrlichung alles Heldenhaften geopfert. Dadurch ist er in eine dermaßen starke Gewissensnot und Verantwortungslosigkeit geraten, dass er mehr oder weniger bewusst- jeglicher Form von «Geistferne», meist ausgedrückt durch Nihilismus und Atheismus, frönt. Betrachten wir die Glaubenspsychologie des heutigen Mannes genauer, so stellen wir aber fest, dass er weniger darunter leidet a-religiös oder irreligiös zu sein, sondern, dass er depressiv, leer und willensschwach ist.

    Die Lücke, die z. B. die Vertechnisierung (Automatisierung, Computerisierung etc.) der Welt mit sich gebracht hat und die der Mann wesentlich mitbefördert hat, hat letztlich seine Seelenorgane degeneriert und letztlich scheinbar absterben lassen.

    Durch seine Glaubensarmut, Ursprungsferne und sein dadurch sinnlos gewordenes Dasein, hat er alle Visionen und Zielsetzungen die auf seine geistige Natur, ursprüngliche Herkunft und metaphysische¹¹ Inständigkeit verweisen würden, an die rein weltlich-materiellen Bedingungen und Lebensausdrucksformen verloren.

    Dieser «Verlust der sinngestaltenden Mitte», führte ihn gleichzeitig zu einer kompensatorischen Selbstüberhöhung, die ihn auf eine völlig falsche Art und Weise selbstsicher werden ließ. Dadurch ging er der eigentlichen maskulinen Kraft und ihrer innewohnenden Macht verlustig.

    Der heute sehr verbreitete Typus der sogenannten narzisstischen Persönlichkeitsstörung, ist ein beispielhafter Ausdruck dieser verlorenen Mitte und soll hier kurz erwähnt werden.

    Sehr viele Störungen der Seele haben ihren Ausgangspunkt im sogenannten Narzissmus und gelten zurecht als Abwehr bzw. Abkehr von der geistigen Quelle (Symington). Diese Abkehr verhält sich antagonistisch zur Selbsterkenntnis und ist dadurch kennzeichnend für den Mangel an Unterscheidungskraft und Differenzierungsvermögens zwischen «Selbst» und «Anderen».

    Die psychologischen Ursachen liegen nach neuesten Forschungen weniger «im» Erleben traumatischer Ereignisse, als mehr in der spezifischen Reaktion des Individuums «auf» diese traumatischen Ereignisse. Diese Reaktion führt in der Folge zur Unfähigkeit, sein Leben aber auch seine soziale Umgebung schöpferisch auszugestalten. Wenn unsere Lebensquelle versiegt, kann die Hinwendung zum Objekt nicht mehr erfüllend vollzogen werden, da wir die Quelle schöpferischen Handelns sein müssen, um unser Leben erfüllend, d.h., kohärent gestalten zu können. ¹²

    Der Mann, der von dieser Störung betroffen ist, verführt oft andere durch ein Gehabe der Unabhängigkeit und anmaßenden Selbstüberhöhung, welche eine übertriebene Kompensation für seine in Wahrheit unterdrückte Abhängigkeit und Angst vor wirklicher Nähe (Verlust von Autonomie) ist. Es ist eine Abhängigkeit, die eine ständige Zufuhr an Aufmerksamkeit und Anerkennung fordert, wo es doch für jeden Mann darum geht, sich unabhängig und frei von jeder Anerkennung zu machen, damit wirkliches Selbsterstarken und Selbstvertrauen entstehen kann. Dies ist ein großer und machtvoller Unterschied und setzt Wahrhaftigkeit und Demut voraus, nämlich, «ein sich ganz Annehmen»; sich vollkommen mit seinen Handlungen und Empfindungen innerlich einverstanden und kongruent zu fühlen; diesen notwendigen Aspekten hinsichtlich Beziehungsfähigkeit, Selbstoffenbarung und empathischen Verhaltens, stehen der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur, die Abwehr von Unzulänglichkeiten, Schwächen und instinktiv wahrgenommener Minderwert, diametral entgegen.

    Die eigentliche potentielle Macht im Mann, die er nicht greifen, messen und äußerlich wahrnehmen kann, wo er nur vor allem zuerst sein Haupt vor dieser ungeheuren Kraft «in sich» zu beugen hätte, damit sie für ihn erfahrbar wird, wird nicht nur nicht wahrgenommen, sondern häufig aktiv verhindert und lässt ihn so unwissend und empfindungsarm und auf sich selbst zurückgeworfen zurück.

    Dort, wo in ihm der eigentliche Sinn, die eigentliche Aufgabe, der tiefe Glaube, die stille Andacht, die innere Führung, letztlich das Göttliche ausgezogen ist, «kehren meist aber falsche Götter ein», die nur das verzerrte und aufgeblähte «Welt – Ich» spiegeln – und die so kein Korrektiv und keinen substantiell-geistigen Willensimpuls mehr zu bilden vermögen.

    Die weltliche Identifikation, die sich meist durch einen pseudosakralen Zugang des gewöhnlichen Mannes zu seiner Arbeit, seiner Freizeit (z.B. Sport, Hobbys) – oder sonstigen weltbezogenen Interessen auszeichnet, wird beherrscht von technischen, wirtschaftlichen, bestenfalls sozialem Fortschrittglauben.

    Was aber keinen wahrhaftigen Weg kennt, kein geistiges Ziel hat, ist für jeden Mann vollkommen sinnlos!

    Der Philosoph Schelling sagte:

    «Jede Bewegung ist ein Suchen nach Ruhe».

    Wir ergänzen: Jede Bewegung, die den Mann unruhig macht, drückt aus, dass er auf der Flucht vor seiner eigentlichen (geistigen) Bestimmung als Mann ist (siehe weiter unten).

    Aus dieser oben beschriebenen prekären Ausgangssituation, geht das so gänzlich ungesicherte -Ich- des Mannes, welches durch seine Verweltlichung ganz seinem geistigen Sinnzusammenhang entfremdet ist, viel zu leicht in die Außenwelt über, verliert sich in der Fülle der «Dingwelt» und löst sich so in ebendiesen Dingen auf.

    Das Resultat ist ein vollkommen entfremdetes und gespaltenes Mann-Bild, welches das inwendig-geistige «Ebenbild» nur mehr in einer vollkommen verzerrten und pervertierten Form leben und wahrnehmen kann.

    Beispielhaft wollen wir ein paar Anzeichen dieses Zustandes anführen: Panzerungen durch Drill in Kasernen oder durch Fitnessprogramme, Körperdesensibilisierungen durch Wettkampftorturen, Leistungssport, Karrierestreben, etc.! Allesamt Ausdrucksformen falsch verstandener Rituale von Männlichkeit, mit denen der Mann niemals seine illegitime Selbstbedeutung und Wichtigkeit überwinden kann, und deren Hintergrund meist nichts anderes ist, als Furcht vor Versagen und Angst vor dem Tod.

    Dagegen ist es unsere tiefe Überzeugung, dass es notwendig ist, als Mann ein Wissen und eine Erkenntniskraft zu entwickeln, um zu erkennen, dass alle Ängste eine natürliche und gleichzeitig auch metaphysische Grundlage haben und es nicht darum geht, diese Ängste zu besiegen. Letzteres wäre- ein völlig fruchtloses Unterfangen und Vergeudung wertvollster Ressourcen energetischer, psychischer sowie physischer Art.

    Es geht vielmehr darum, das Wissen und die Erkenntniskraft dafür einzusetzen, der Angst vor dem Tod mit voller Achtung und Zuversicht, letztlich mutig und liebend zu begegnen.

    Des Weiteren ist es als Mann notwendig, dem ganzen Leben wie ein Künstler zu antworten, welcher nach dem vollkommenen Ausdruck seines wahren Selbst strebt und sich so wie auch das ganze Leben, aus diesem Selbst heraus erklärt und sich so zu einem ständig erfüllteren «Kunstwerk» formt.

    Die Materialien, die der Mann dazu benötigt, sind natürlich nicht Leinwand und Farbpallette, sondern sein ganze Körper; ist nicht die Virtuosität eines Pianisten oder Violinisten, sondern er muss ein Virtuose seines Lebens werden und die technischen Fertigkeiten des Mutes, der Konfliktbereitschaft, der Treue zu sich selbst, wie der Selbstüberwindung meistern, um letztlich die Übersteigung der weltlichen Bedingungen zu vollziehen.

    Hierzu benötigt der Mann eine ausgerichtete Kraft, um seine Entscheidungen die er zu treffen hat, nicht nur zu treffen, sondern er muss zu diesen Entscheidungen (oft) ein Leben lang stehen und sie ohne zu zögern treffen, um in der Lage zu sein, anschließend ungehindert auf seinem Weg voranzuschreiten.

    «Wenn ein Mann am Scheideweg zwischen Leben und Tod steht, wie soll er sich da verhalten? Zen-Meister Hyojo antwortete:

    Zerschneide die Zweiheit und richte das eine Schwert still in dir selber gegen den Himmel.»

    Wir wollen ferner vor allem auf die spezifische Form männlichen Daseins hinweisen, mit seinen ganz speziellen Herausforderungen und lebensweltlichen Bedingtheiten. Auf die eigentliche d.h. männliche Sinnhaftigkeit des Lebens als Mann, die bezogen auf höhere Merkmale einer differenzierteren, d.h. subtileren Lebensweise, Hinweise und Ausrichtung vermitteln und geben sollen.

    Es ist unsere Überzeugung, dass der heutige Mann besonders darunter leidet, dass die heutige Gesellschaft alle höheren Wirklichkeiten mit ihren Stufen- und Entfaltungsprozessen, ausschließt – und dadurch paradoxerweise der Platz des Mannes «leer» ist, obwohl er doch scheinbar den gesellschaftlichen und kulturellen Raum dominiert. Diese Dominanz bezieht sich aber ausschließlich auf den weltlichentleerten (gewöhnlichen) Mann, der keine authentischen Signale mehr aussendet und so zu einem standardisierten Typus «Möchtegern- Mann» verkommen ist, der kein Vorbild mehr sein will und auch keine spirituellen Vorbilder mehr in sich trägt, die einen Hinweis auf den geistig-subtilen Mann geben könnten.

    III.

    Da wir in diesem vorliegenden Text nicht einen psychologischen oder soziologischen Blick auf den Mann werfen wollen, sondern den Versuch wagen, aus der metaphysischen «Höhe» zu Antworten zu gelangen, so wird dieser Blick vor allem ein liebender Blick sein müssen, um seinen Gegenstand wirklich umfassen zu können.

    Aus der metaphysischen Perspektive ist immer die Liebe als Vollkommenheit gedacht - der Ausgangs- und Endpunkt jeglicher Denk-, Fühl- und Willensbewegung. In der Liebe wohnt ein Drang, ein Begehren, welches sich vereinigen und vervollkommnen will. Die Liebe ist also immer auf ein Du ausgerichtet und orientiert, somit immer «Zentrifugalbewegung».

    Nur in der Bewegung der Liebenden zueinander, wird ersichtlich, was genau «Mann» ist – oder «Weib». Nur die Liebe führt hier letztlich zu maßgebenden Einsichten und Erkenntnissen über das Geschlecht, das Begehren, die Sinngebung des anderen. Somit ist hier hoffentlich eine schlüssige Antwort auf die naheliegende Frage gegeben, warum in einem Buch für und über «den Mann», so oft das Thema Frau (Weib) als gleichwertig erachtet – manchmal sogar in den Mittelpunkt gerückt wird.

    Werfen wir einen Blick auf die Fachliteratur über Mann und Frau der letzten Jahrzehnte, so werden wir fast ausschließlich psychologische Schriften über die Liebe, die Geschlechterrollen, den Eros und die Sexualität finden. Die metaphysischen, kosmologischen und spirituellen Perspektiven werden entweder durch psychologische und esoterische Lebensratgeber abgeflacht, oder von wissenschaftlicher Seite her völlig ignoriert.

    Das Ausmaß, in welcher die heutige psychologische Zunft vor allem in ihrer naturwissenschaftlichen Ausprägung als Wissenschaftsglaube, alle Probleme, Konflikte, seelische Nöte und Stimmungen der Seele auf psychische Ursachen reduziert und oft auch pathologisiert, grenzt insofern an «Hochstapelei» (F. Schuon), als dass sie heutzutage den immer freier werdenden Platz von Religionen und deren Seelsorge eingenommen hat, ohne die spirituelle Dimension als wesentliche (essentielle) Erfahrung des Menschseins zu berücksichtigen, die für die Wahrnehmung des «ganzen» Menschen wesentlich ist – und auch immer bleiben wird.

    Wo bleibt in dieser heutigen Psychologie ein gelebter d.h., erfahrener Nachweis für die geistige Qualifikation als Menschenbegleiter, jenseits naturwissenschaftlicher Begründungen und Beweisführungen (Forschungsergebnisse)?

    Das «Aufdecken» psychodynamischer Prozesse und das «Durcharbeiten» der Historie des einzelnen, ist sicher und nachweislich in vielen Fällen notwendig und auch sinnvoll – und wir sind (in diesem Text) diesbezüglich immer (auch) wertschätzend und anerkennend, wo diese Notwendigkeit evident ist. Aber was kann der Psychologe, der Psychiater, der Psychoanalytiker dem Leidenden mitgegeben und vermitteln, wenn die großen und notwendenden Fragen in der Seele des Einzelnen brennen, wie zum Beispiel:

    «Wer bin ich?» «Wo stehe ich?» «Wo gehe ich hin?» «Woher komme ich?» «Woran leide ich wirklich?» «Was bedeutet mein Geschlecht – jenseits meiner biologischen Funktionen?» usw., wenn das «Weltbild» des Psychologen und Psychopathologen, die Körpergrenze, die Denkgrenze und letztlich die Weltgrenze, nicht transzendieren kann?

    Wir hoffen, dass der hier vorliegende Text zumindest die eine oder andere Lücke zu schließen vermag – und der geschätzte Leser auch die notwendige Geduld und auch das Interesse mitbringt, sich auf die oft auch schwierigen Inhalte einzustimmen, um sie auch wohlwollend, d.h., vorurteilsfrei, aufnehmen zu können.

    Bild: DoRa – «Der in sich ruhende Zepter» 2017

    ⁴Uns ist es sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass der Blick, wie wir ein spezifisches Thema auffassen und das daraus resultierende Ergebnis, sehr davon abhängt, aus welcher Perspektive und Dimension die Betrachtung erfolgt. Zum Beispiel könnten wir die Betrachtung über die Männlichkeit aus einer:

    a) biologischen Perspektive abhandeln, dann würden wir die Vitalprägung (Genetik, Geschlechtlichkeit) in den Mittelpunkt stellen;

    b) wenn wir uns für die psychologische Dimension als Schwerpunkt entscheiden würden, so wären die entwicklungsgeschichtlichen Inhalte der Männlichkeit (Milieuprägung) im Vordergrund;

    c) die soziologische Dimension, würde uns dann mehr auf die gesellschaftlichen Bedingungen verweisen;

    d) wie die kulturphilosophischen Bedingungen, uns mehr für die kulturellen Prägungsmuster und Normierungen sensibilisieren würden.

    Da uns aber die «geistige Herkünftigkeit» des männlichen Wesenspotentials als vielbedeutender und notwendiger erscheint, haben wir die metaphysische Sichtweise «auf den Mann» gewählt.

    ⁵ Wir wollen aber die persönlichen Mythen scharf vom überpersönlichen Mythos unterscheiden, der oft nichts anderes als eine höhere Wahrheit widerspiegelt. Diese Wahrheit, die z.B. in Märchen, Sagen, oder auch in Heldengeschichten aufscheint, muss sich nie der historisch gesicherten Beweisführung unterordnen. Der Inhalt muss sich also nicht im naturalistischen Sinn zugetragen oder ereignet haben, wie z.B. der Gralsmythos s.u. in diesem Text, und doch ist speziell dieser Mythos Ausdruck einer tiefen Weisheit und Wahrheit. Wahr, im Sinne «einer anderen Wirklichkeitsdimension zugehörig».

    Der Philologe und Mythologe Walter. F. Otto drückt dies folgendermaßen aus:

    «Mythos und sein Gegensatz Logos bedeuten beide – das Wort-! Aber Logos ist das Wort als Gedachtes, Sinnvolles, Überzeugendes. Mythos aber, bedeutet das autorative Wort, das wahre Wort, das keinen Zweifel kennt, oder zulässt.»

    ⁶Bei aller Wertschätzung gegenüber verschiedensten Forschungen, Errungenschaften und Einsichten der verschiedenen (tiefen)psychologischen Richtungen, müssen wir uns aber ganz besonders dort kritisch positionieren, wo:

    a) Die Psychologie vorgibt, dass alle Lösungen darin zu finden sind, wo seelische Ungleichgewichte ausgeglichen werden müssen, ohne zu berücksichtigen, dass es auch nachweislich Konflikte, emotionale Dysbalancen, Symptome, Störungen etc. gibt, die ihre Ursachen nicht in der seelischen Befindlichkeit haben.

    b) Das unter Punkt- a) angeführte ist natürlich nur möglich, wenn die Lösungen immer ausschließlich in den sozialen, gesellschaftlichen, oder auch familiären Bedingungen gesucht werden; oder gar in physiologischen Gegebenheiten (Hirnphysiologie, Endokrinologie, Nervensystem) und so jede geistige Ursprünglichkeit außer Acht gelassen wird. Dies führt uns zum schwerwiegendsten Kritikpunkt:

    c) Es ist vollkommen sinnlos, die Seele unter Ausschluss des Geistes zu betrachten und heilen zu wollen, da letztlich jeglicher seelische Ausgleich nur vom Zentrum unseres Bewusstseins aus heilbar sein kann, welches ursprünglich eine geistige Wirklichkeit und Wirksamkeit (keine ausschließlich soziale, mentale, oder hirnbedingte) ist. Solange die «Schul-Psychologie», dieses fundamentale Wissen und Geschehen einer überpersönlichen «Mitte» verleugnet, wird sie sich am Menschen weiter eines Reduktionismus schuldig machen, da sie ihn auf einen «seelischen Apparat» abflacht und so jegliche metaphysisch-transrationale Überwertigkeit des Daseins, auf die «Unterwertigkeit» des prärational- unbewussten, psychischen Raum reduziert (siehe dazu vor allem die herausragenden Kritiker bzgl. dieser Form des Reduktionismus, wie Karl Jaspers, Jean Gebser, Walter Schubart oder Max Picard).

    ⁷Um Vorweg Klarheit zu schaffen, ein paar herzhafte Worte des «Sino-Philosophen» G. Wohlfart:

    «…Nichts ist unerträglicher als jene parareligiösen Gurus, die sich im postchristlichen Sinnvakuum tummeln, auf dem westöstlichen Diwan lümmeln, mit verlockenden Eso-Cocktails ihre Adep(p)ten trunken machen – und damit die Auseinandersetzung mit asiatischen (aber auch westlichen A.dA) Denken insgesamt diskreditieren.»

    Oder vom japanischen Philosophen I. Nitobe:

    «Wirkliches Wissen aber, wird erst dort erlangt, wo der Lernende durch seine Erkenntnisse sein ganzes Leben und damit auch seinen Charakter wesentlich umformt und danach ausbildet».

    ⁸ Bô Yin Râ, wurde als Joseph Anton Schneider (1876-1943) in Aschaffenburg am Main geboren. Später wurde der Künstlername Schneiderfranken als Familienname beglaubigt. Seine geistige Lebenslehre ist weitgehendst einzigartig, da sie für keinen bestimmten Glauben wirbt (daher auch keiner gläubigen Zustimmung bedarf), und allein durch die eigene Erfahrung und gelebte Umsetzung seiner Lebenslehre, seine außergewöhnliche und überzeugende Bedeutung erlangt. Des Weiteren liegt diesen Schriften jegliche Dogmatik fern, wie auch jeder Glaubenseifer und Persönlichkeitskult nur als Hindernis aufgefasst wird.

    ⁹ Ganz abgesehen davon, kann dieser Text natürlich auch keinesfalls der weiblichen Dimensionalität ganz gerecht werden, die zwar immer wieder notwendigerweise «gestreift», in Beziehung gesetzt, bzw. angedeutet- manchmal sogar in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, um die Gesamtaussage dieses Textes zu unterstreichen, da die Wahrheit der Geschlechter immer nur im «Miteinander» und «Ineinander» fassbar wird.

    ¹⁰ Um hier jegliche Missverständnisse auszuschließen, sei darauf hingewiesen, dass es sich hier um eine «Rangbezeichnung» handelt, welche die menschlichweltliche Individualität transzendiert bzw. übersteigt. Diese Selbstübersteigung hat selbstüberwindenden Charakter und ist als Individualleistung von höchstem Wert. Dadurch soll aber bei aller aus unserer Sicht notwendigen Wertzuschreibung dieses anzustrebenden «höheren» Lebenszustandes, das weltliche Dasein nicht abgewertet werden, sondern im Gegenteil; – erst durch diese «Übersteigung», erhält das weltliche Leben seinen eigentlichen Sinn.

    ¹¹ Wir wollen hier eine sinnliche Metaphysik vertreten, nicht eine abstrakte, philosophische «Lehrkanzel-Metaphysik», und auch keine aristotelische Substanzmetaphysik, sondern eine Metaphysik, die das Diesseits sinnlich, wie das Jenseits geistsinnlich (also – im Ausgangspunkt ebenso rückgekoppelt -auf die sinnliche Erfahrungswelt!) aufzufassen in der Lage ist. Meta-Physik als jenseits des Körperlichen gedacht, aber durch die leiblich – sinnliche Rückkopplung, mit einem affektiven Bezugsrahmen, zum «Geist-Sinnlichen». (siehe dazu die zahlreichen Hinweise im vorliegenden Text). Aus unserer Sicht, hat nicht

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