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Evangelien vom Sonntag: Auslegungen für die Woche - Band 3
Evangelien vom Sonntag: Auslegungen für die Woche - Band 3
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eBook200 Seiten2 Stunden

Evangelien vom Sonntag: Auslegungen für die Woche - Band 3

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Über dieses E-Book

Der Band enthält Auslegungen der Sonntagsevangelien, die vom Autor in den vergangenen Jahren in der Kirchengemeinde St. Josef in Esslingen am Neckar gehalten wurden.
Neben den Auslegungen ist auch das betreffende Evangelium des Sonntags abgedruckt.

Die Auslegungen ziehen das Evangelium in die Gegenwart. Sie sprechen keine Helden des Glaubens an, sondern sind für die Menschen gedacht, die mit ihren Zweifeln und Nöten den Alltag nicht nur im Geist Jesu Christi ertragen, sondern auch aus seinem Geist heraus, in Freude und Hoffnung, gestalten wollen.

Die Auslegungen eignen sich sowohl für eine Abendreflexion, wie auch für eine meditative Pause, mitten im Alltag.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum22. Feb. 2017
ISBN9783734515514
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    Buchvorschau

    Evangelien vom Sonntag - Ferdinand Rohrhirsch

    Einführung

    Liebe Leserinnen und Leser!

    Erneut danke ich Ihnen für Ihr Interesse an meinen Auslegungen der Sonntagsevangelien. Mit Freude kann ich Ihnen nunmehr das dritte Bändchen der kleinen Auslegungsreihe vorlegen.

    Der Schwerpunkt der Auslegungen liegt, wie bisher, auf den Texten der Evangelien. Die Texte der Lesungen fließen gelegentlich mit ein. Ist das in größerem Maße der Fall, dann sind auch die Lesungstexte aufgeführt.

    Die Texte sind, wenn auch nicht exakt, entlang des Kirchenjahres gereiht. Dazu gehören auch immer günstige Umstände, denn die Einladungen zu einer Auslegung sind von personellen und organisatorischen Faktoren abhängig, auf die ich keinen Einfluss habe.

    Die Auslegungen stammen aus unterschiedlichen Jahren. Ich habe sie in dem Stil belassen, in dem sie zum Vortrag kamen. Das heißt, dass die grammatikalische Struktur des Textes eine untergeordnete Rolle spielt. Die Kommas bzw. Satzzeichen dienen in erster Linie dazu, den Redefluss zu bestimmen. Sie dienen nicht vorrangig dazu, die Sätze grammatikalisch zu gliedern. Bei Zweifeln lesen Sie am besten mit lauter Stimme und nutzen die Kommas als Pausenhilfe, dann kommt der Sinn (hoffentlich) von alleine.

    Das erste Bändchen der Auslegungsreihe habe ich Pfarrer Winfried Häberle gewidmet. Mit ihm hat alles angefangen. Er hat mich erstmalig eingeladen, in St. Josef das Wort des Herrn auszulegen. In der Einführung zu Band I bin ich auf diese „Berufungsgeschichte" etwas ausführlicher eingegangen.

    Das zweite Bändchen wurde Pfarrer Stefan Karbach gewidmet, dem Nachfolger von Pfarrer Häberle. Er duldete nicht nur die Auslegungen, er freute sich darauf und hörte mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen zu.

    Den nunmehr vorliegenden dritten Band widme ich dem Nachfolger von Pfarrer Karbach. Pfarrer Gerhard Huber kam vor fünf Jahren in die Gemeinde und auch er gab mir freimütig und vertrauensvoll seinen Segen, für die von mir in St. Josef praktizierte „Laienpredigt". Die Widmung an ihn ist als Zeichen des Dankes gedacht und wird zugleich zu einem Wunsch.

    Pfarrer Huber wird einen neuen Wirkungskreis eröffnen. Ab April 2017 wird er als Klinikseelsorger im Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil hauptamtlich tätig sein. Lieber Herr Huber, mögen Sie auch dort segensreich wirken und fruchtbare Felder bestellen.

    Erneut gilt es meinem Sohn Simon zu danken. Wie schon bei den beiden vorangegangenen Bändchen hat er sich, kompetent und konsequent, den Fehlern und Unstimmigkeiten meiner Texte angenommen. Die noch vorhandenen Fehler „verdanken" sich, wie im ersten und zweiten Band, meiner Nachlässigkeit.

    Frau Schierle von der Katholischen Bibelanstalt, Stuttgart, sei wiederum gedankt, für die Genehmigung, die Texte des Neuen Testaments in der Fassung der Einheitsübersetzung zu nutzen. Gedankt sei den Mitgliedern des Kirchengemeinderates von St. Josef und den vielen, die mich immer wieder ermutigen und mir so positive Rückmeldungen geben.

    Die Fotos im Buch stammen dieses Mal von meinem Bruder Christoph Rohrhirsch. Seine Aufnahmen sind getragen und geformt von seinem Gespür für den rechten Augenblick. Die in ihnen waltende Grundstimmung, die von Zurückhaltung und Respekt gegenüber den Dingen getragen ist, unterstützt die Texte in ihren Aussagen und fügt Text und Bild zu einem wohlgerundeten Ganzen zusammen.

    Zum Schluss möchte ich dieselbe Bitte vorbringen, die in jedem der Bändchen ausgesprochen ist. Gut ist es, wenn Sie vor jeder Auslegung, den Text des jeweiligen Abschnitts des Evangeliums lesen. Sollten Sie in Ihrer anschließenden Besinnung auf das Evangelium nicht mehr dazu kommen, die anschließende Auslegung zu lesen, dann ist das leicht zu verschmerzen.

    Das Evangelium ist und bleibt das Maß.

    Ich wünsche Ihnen nun viel Freude mit diesem Bändchen.

    Esslingen am Neckar, Februar 2017

    Ferdinand Rohrhirsch

    So spricht der Herr:

    Wohin du auch gehst.

    Ich gehe mit.

    Der Advent

    Das Evangelium nach Lukas 21,25-28.34-36

    ²⁵Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. ²⁶Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

    ²⁷Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.

    ²⁸Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

    ³⁴Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, ³⁵(so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. ³⁶Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

    Mittendrin in heilloser Zeit – Zeichen und Winke der Rettung

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Was heute im Lukasevangelium zur Sprache kommt, das passt so gar nicht zum Advent, wenn man sich den Advent so vorstellt, wie er alljährlich in den Medien und in der Werbung präsentiert wird.

    In ihnen läuft der Advent unter „Vorweihnachtszeit und das heißt nichts anderes, als dass von uns erwartet wird, mit willigem Herzen und sehr weit geöffneter Brieftasche, Geld auszugeben, Geschenke zu organisieren und Weihnachtsmärkte zu besuchen. Darüber hinaus sind Urlaube zu buchen, familiäre Terminabsprachen zum „Fest der Liebe zu tätigen, und das so, dass es nicht schon bei diesen Absprachen zu – im Politikerdeutsch formuliert – „nachhaltigen" Zerwürfnissen innerhalb sensibler Familienkonstellationen kommt. Ebenso wenig darf Silvester aus den Augen verloren werden. Und zu guter Letzt, gilt es ja noch eine ganze Anzahl der unvermeidlichen Weihnachtsfeiern abzusitzen.

    Und als ob das nicht schon genug wäre, ist dem vorweihnachtlichen Konsumenten noch eine weitere, weit schwerere Aufgabe gestellt.

    Der Vorweihnachtskonsument hat all das zu ignorieren, was ihm die sog. „Stade Zeit" vermiesen, d. h. im Grunde, seine Konsumbereitschaft mindern könnte.

    So hat er die Einsamkeit der Alten, Kranken und Alleinstehenden zu übersehen. Er hat die finanziellen Nöte der Hartz IV-Bezieher zu ignorieren, so wie er auch den erschöpften Alleinerziehenden auszuweichen hat. Er hat die Wohnsitzlosen und die Flüchtlinge auszublenden. Das heißt, er hat den „Vinzenztreff", wie auch die Turnhalle an der Flandernstraße in weitem Bogen zu umgehen, sowohl geographisch wie mental.

    Als Folge und Belohnung für die erfolgreiche Abarbeitung dieser Aufgabenliste soll sich dann – fast wie von selbst – Weihnachtsfeeling bzw. Kuschelatmosphäre einstellen.

    Und man wundert sich. Denn was man auch macht, selbst mit großem finanziellen Aufwand und noch größerem Energieeinsatz, die Einstimmung auf das „Fest der Liebe" mag einfach nicht gelingen. Die erwünschte Atmosphäre stellt sich einfach nicht ein.

    Doch, wie sollte das auch geschehen? Es zeigt sich doch nur – wieder einmal –, dass sich manches eben nicht kaufen und nicht auf Knopfdruck herstellen lässt. Und Glück gehört zu diesem „Manchen" dazu – Glück, als erfahrbare innere Übereinstimmung mit sich selbst und freundschaftliche wie liebevolle Vertrautheit mit anderen.

    Glück lässt sich nicht kaufen, obwohl das alljährlich, ja alltäglich, flächendeckend als frohe Marketingbotschaft von den ökonomischen Gipfeln herabgeschrien, ja herabgebombt wird. Und so versuchen es auch viele, Jahr für Jahr, Glück zu kaufen und scheitern daran, Jahr für Jahr. Und so kommt, nicht nur in der Weihnachtszeit, aber in ihr besonders, ein Gefühl aus den Tiefen des Herzens, das man kennt, das man fürchtet, und das gerade an Weihnachten so schlecht in den Griff zu bekommen ist: das Gefühl des Versagens. Man spürt, dass man nicht nur den vielfältigen Ansprüchen dieses Festes, sondern auch den beruflichen, familiären und partnerschaftlichen Ansprüchen des eigenen Lebens nicht gerecht wird. Und ein gnadenlos-perfektes wie gnadenlosunbarmherziges Selbstbild bestätigt die Selbsteinschätzung, ein Versager, ein Gescheiterter, ein Nichts zu sein.

    Man sieht sich älter werden und dennoch: von Weisheit keine Spur. Von allen Seiten wird man überholt. Man gibt alles und noch ein bisschen mehr – und trotzdem: Immer weniger hat man im Griff, auch wenn man nach außen hin so tut. Immer mehr erfährt man sich als ein äußerst verzichtbares, überflüssiges Rädchen im Getriebe einer Welt, deren Takt täglich schneller wird und in der nichts mehr gilt, was einmal richtig und verbindlich war.

    Nicht wenige „funktionieren" nur noch und fragen sich, wie lange es wohl noch dauert, bis die eigenen Stützen und Dämme nicht mehr halten und zusammenbrechen, bis alles über einen hereinbricht und man in den Brechern und Fluten des tägliche Neuen zerschmettert und hinweggespült wird.

    Im heutigen Evangelium, liebe Brüder und Schwestern, so meine ich, sind die apokalyptischen Bilder, die diese Sorgen und Ängste vor dem Ende zum Ausdruck bringen, keineswegs dazu da, dieses Ende nun besonders drastisch bzw. grausam auszumalen. Sie sind stattdessen als Ausgangspunkte dessen zu sehen, was Advent tatsächlich bedeutet.

    Und Advent bedeutet, wenn man dem Evangelium vertraut und unserem Glauben glaubt, dass mitten in den dunkelsten Nächten katastrophaler persönlicher Situationen und planetarischer Zustände, Zeichen und Winke einer sich nähernden Rettung sichtbar werden.

    Wir dürfen, als Christen, darauf vertrauen, dass das aufgeregte, hysterische Geschwätz vom Untergang, das sich der beschränkten Perspektive des sogenannten gesunden Menschenverstandes und seiner Technikgläubigkeit verdankt, nicht das letzte Wort ist – wenn man glaubt und denkt. Und Denken ist stets mehr als das Rechnen mit dem Verstand.

    Martin Luther hat den heutigen Evangeliumstext mit folgenden, recht deutlichen Worten übersetzt. Bei ihm heißt es: „Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen." (Revidierte Fassung 1984, Lk 21,34). Was bedeutet das denn anderes, als vor dem Irrglauben zu warnen, dass das ewige Kreisen um sich selbst, angetrieben durch die Sorge, ja nicht zu kurz zu kommen, das Leben auch nur um ein Jota sicherer machen könnte?

    Wer aus einer Haltung der Selbstsicherung bestrebt ist, immer noch mehr anzuhäufen und immer noch mehr zu konsumieren, der lebt ja nicht. So einer rafft und wühlt, hamstert schnäppchenorientiert, nimmt, wo er kann, und gibt am liebsten nichts. Und dennoch – wann immer er auf sich und seine Habe schaut, erkennt er zu jeder Zeit: es reicht noch nicht, ja, es reicht niemals. Es ist immer zu wenig. Und so wird noch ein Zahn zugelegt. Und das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller.

    Das Evangelium ist und gibt die Möglichkeit, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien, genauer: sich befreien zu lassen. Es gibt den scheinbar paradoxen Rat: Schau weniger auf Dich. Dann tust Du das einzig Richtige für Dich. Wenn wir uns nämlich aus dem Mittelpunkt unserer Sorge nehmen, dann gibt das dem Herrn die Gelegenheit, auf uns zu sehen.

    Und wenn er – statt wir – auf uns sieht, dann wendet sich alles für uns.

    Durch seinen Blick werden wir zu Angesehenen, zu Würdigen. Wir stehen in der Mitte seiner Sorge. Für uns, zu unserem Heil, ist er doch herabgestiegen. Wir erfahren uns im Mittelpunkt seiner Zuneigung und Freundlichkeit. Wir sind alles für ihn. Um das zu erkennen, ist es nur nötig, dass wir von uns absehen und es zulassen, dass der Herr auf uns sehen kann.

    Wir sollten ihn nur lassen. Und „Lassen" heißt aufhören zu machen, zu sorgen und zu planen – aufhören, Gott spielen zu wollen oder meinen, es zu müssen.

    – „Lassen" heißt, sich zu fügen und zu vertrauen, zu hören statt zu plappern, zu schweigen statt zu reden.

    – „Lassen" heißt, mit den anderen und mit sich selbst Geduld zu haben.

    – „Lassen" heißt auch, vom eigenen Überfluss zu geben und zu teilen.

    Durchs Teilen ist noch keiner in Not geraten. Aber Teilen vermag mitzuhelfen, Not zu lindern.

    „Wir sagen Euch an den lieben Advent." Mit dieser Liedzeile wird jedes Jahr, am Beginn des Kirchenjahres, die Näherung des Heilands, in eine heillose Welt glaubend zum Ausdruck gebracht. Wo der Herr nahe ist, können wir es wagen, adventlich zu existieren. Denn als Christen ist uns ein anderer Blick und Durchblick geschenkt, durch alle Dunkelheit hindurch.

    Es ist wie

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