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Der Tote im Tretboot. Ostfrieslandkrimi
Der Tote im Tretboot. Ostfrieslandkrimi
Der Tote im Tretboot. Ostfrieslandkrimi
eBook196 Seiten2 Stunden

Der Tote im Tretboot. Ostfrieslandkrimi

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Über dieses E-Book

Das Abendessen in seinem Emder Stammlokal bleibt Kommissar Steen im Halse stecken, denn plötzlich zerspringen die Scheiben der Gaststätte und es peitschen Schüsse. Nur wenige Momente später sind Teile von Riekes Lokal zerstört. Für die Wirtin eine Katastrophe, und das auch noch kurz vor dem großen Matjesfest, bei dem die Stadt immer aus allen Nähten platzt! Doch merkwürdigerweise waren Steen und Rieke zum Zeitpunkt der Tat die einzigen Anwesenden. Kann das ein Zufall sein? Hat es der Täter in Wirklichkeit auf den ostfriesischen Kommissar abgesehen? Oder geht es um Schutzgelderpressung, über die sich Rieke aus Scham oder Angst nicht zu reden traut? Einige Tage danach treibt auf dem Großen Meer ein toter Mann in einem Tretboot. Scheinbar ein neuer Fall, der mit den Schüssen auf das Lokal nichts zu tun hat. Aber als die Ermittler die Emder Wohnung des Tretboot-Opfers durchsuchen, offenbaren sich neue Zusammenhänge...

SpracheDeutsch
HerausgeberKlarant
Erscheinungsdatum18. Nov. 2022
ISBN9783965866867
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    Buchvorschau

    Der Tote im Tretboot. Ostfrieslandkrimi - Alfred Bekker

    Kapitel 1

    »Moin, Rieke«, sagte Kriminalhauptkommissar Ebbo Steen von der Kripo Emden, als er das Lokal seiner Lieblingswirtin betrat.

    »Moin, Steen«, kam es hinter dem Tresen hervor. Von Rieke sah man aber nichts. Man hörte nur ein Scheppern. Rieke räumte da irgendetwas herum. Erst als Steen den Tresen erreicht hatte, tauchte die Wirtin dahinter hervor.

    »Habe ein bisschen umsortiert«, sagte sie.

    »Tja, das muss ja auch mal sein.«

    Rieke sah den Kommissar kurz an. Ihre Haare waren etwas durcheinandergeraten. Sie strich sie zur Seite.

    »Wenn du das sagst«, meinte sie. »Du bist heute früh dran, Steen. Ist in Emden zurzeit niemand umgebracht worden, oder wieso kannst du so früh Feierabend machen?«

    »Nee, zurzeit kein Mord. Ist ja auch mal ganz schön, wenn die Menschen nett miteinander umgehen. Dann hat unsereins auch weniger Arbeit.«

    »Aus der Perspektive betrachtet man das ja meistens gar nicht.«

    »Nee.«

    »Was kann ich für dich machen?«

    »Weißt du doch, Rieke.«

    »Einen Hafenarbeiter?«

    »Genau.«

    »Matjes habe ich frisch, Krabben auch und Spiegelei sowieso …«

    »Gut.«

    »Nur mit dem Schwarzbrot könnte es schwierig werden. Das geht langsam zur Neige. Ich muss mal sehen, ob da noch was ist.«

    »Wie bitte?«

    »Geht notfalls auch Weißbrot? Nur im Notfall …«

    »Dann ist es ja kein Hafenarbeiter.«

    »Wieso ist das dann kein Hafenarbeiter?«

    Steen lächelte. »Ein Hafenarbeiter ohne Schwarzbrot ist, als wäre es für einen Hafenarbeiter, der schon in Rente ist und dessen Gebiss nicht richtig sitzt.«

    Er schob sich die Prinz-Heinrich-Mütze ein Stück in den Nacken und knöpfte den ausgebleichten Bundeswehrparka auf, von dem er sich seit Jahrzehnten nicht trennen konnte. Darun­ter trug er ein blaues Jackett. Steen suchte in seinen Taschen herum, um zu kontrollieren, ob er alles dabeihatte, was er im Augenblick brauchte. Das Portemonnaie war schon mal zu finden. Das Handy auch. Steen stellte fest, dass er auch seine Dienstwaffe noch bei sich trug, obwohl das streng genommen nach Dienstschluss gar nicht so vorgesehen war.

    Er zog den Bundeswehrparka aus und legte ihn über den Hocker zur Linken. Die Mütze ließ er auf dem Kopf, nachdem er sich umgesehen und keinen geeigneten Platz gefunden hatte, um sie abzulegen.

    »Du kannst das gute Stück auch aufhängen, Steen.«

    »Könnte ich.«

    »Aber tust du nicht?«

    »Sind zu viele wichtige Sachen in den Taschen«, meinte er.

    »Die könntest du herausnehmen.«

    »Dann finde ich nichts mehr wieder!«

    »Das tust du doch so schon nicht!«

    »Ich weiß manchmal nicht genau, in welcher Tasche was ist. Aber ich weiß, dass es da sein muss.«

    »Du hast übrigens Glück.«

    »Wieso?«

    »Ich habe noch eine Scheibe Schwarzbrot, Steen!«

    »Na, Gott sei Dank!«

    »Du brauchst dich also nicht auf Weißbrot umstellen.«

    »Wäre ja auch noch schöner!«

    In diesem Moment meldete sich ein Gast zu Wort, der an einem der Tische saß. Es war gerade der einzige Gast, der das Lokal frequentierte – abgesehen von Steen natürlich.

    »Kann ich zahlen, bitte?«, fragte der Gast. Es handelte sich um einen Mann in den Vierzigern. Steen hatte registriert, dass dieser Gast nur ein Bier getrunken hatte. Dass er sich damit an den Tisch ganz in der Ecke und nicht an den Tresen gesetzt hatte, fand Steen etwas verwunderlich. Die meisten machten es anders. Aber davon abgesehen war er sich sicher, diesem Mann vorher noch nie begegnet zu sein. Normalerweise kamen immer dieselben Stammgäste in Riekes Lokal. Da gab es nicht oft neue Gesichter. Und außerdem war Steen Polizist – und konnte auch nach Feierabend nie so ganz aus seiner Haut. Er achtete eben auf solche Dinge.

    »Ja, sicher können Sie zahlen«, rief Rieke. »Ich komme sofort.«

    »Wenn’s geht, noch heute.«

    »Einen Moment!«

    Rieke war gerade dabei, das Spiegelei für Steens Hafenarbei­ter fertig zu machen. Und das war gewissermaßen eine Art heilige Handlung, bei der man sie nicht unterbrechen durfte. Wenig später stellte Rieke dem Kommissar den Teller hin. »Lass es dir schmecken, Steen.«

    »Glauben Sie, ich habe ewig Zeit?«, rief der Biertrinker.

    Rieke verdrehte die Augen. »Ich komm ja schon!«

    Sie ging zu ihm an den Tisch und kassierte ab. Dann kehrte sie zum Tresen zurück und blieb kurz neben dem Kommissar stehen.

    »Ich hoffe, es ist alles recht so.«

    »Ist es.«

    »Darf ich dich mal was Persönliches fragen, Steen?«

    »Sicher.«

    »Wieso hast du eigentlich nie geheiratet?«

    Steen hörte zu kauen auf und sah sie an. »Na, das wäre doch nicht gegangen.«

    »Wieso nicht? Wegen deinem Job?«

    »Nein. Aus einem anderen Grund.«

    »Was für ein Grund?«

    »Ich hätte dann wohl kaum jeden Tag hier bei dir zum Essen gehen können, meinst du nicht auch?«

    Sie lächelte.

    Aber dieses Lächeln erstarb gleich wieder. Die Tür klapperte. Die Feder funktionierte nicht mehr richtig und der Biertrinker, der soeben hinausgegangen war, hatte sie nicht richtig ge­schlossen. Steen wusste aus Erfahrung, dass Rieke sich darüber ziemlich aufregen konnte. Jeder, der öfter in das Lokal kam, wusste, dass man die Tür richtig schließen musste, damit der Wind sie nicht hin und her bewegte und klappern ließ. Aber hin und wieder kam es vor, dass das jemand nicht wusste.

    In diesem Moment geschah aber noch etwas anderes.

    Die Scheiben zersprangen – und beinahe gleichzeitig auch die Flaschen und Gläser in den Regalen hinter dem Tresen.

    Rieke stand wie erstarrt da.

    Im Gegensatz zu Rieke begriff Steen sofort, was da vor sich ging.

    Das waren Schüsse! Auch wenn man kein Geräusch hörte – es waren in dichter Folge abgegebene Schüsse. Steen ließ sich zur Seite fallen und riss Rieke mit sich zu Boden. Weitere Schüsse peitschten über sie hinweg. Die Kugeln durchschlugen den hölzernen Tresen, so als wäre da nichts.

    Mindestens zwei Dutzend Kugeln wurden noch abgefeuert. Dann schien es vorbei zu sein. Zunächst jedenfalls.

    »Kopf unten lassen!«, sagte Steen zu Rieke.

    Der Kommissar hatte unterdessen seine eigene Dienstwaffe gezogen.

    Er robbte auf die zerschossene Fensterfront zu. Dort erhob er sich vorsichtig, blieb aber zunächst in Deckung.

    Draußen waren Stimmen zu hören. Passanten hatten offenbar das Zerspringen der Scheiben bemerkt.

    Steen blickte vorsichtig hinaus.

    Er ließ den Blick schweifen.

    Von woher mochten die Schüsse gekommen sein?, fragte er sich.

    »Alles klar bei Ihnen da drinnen?«, fragte ein älterer Herr mit vom Wind zerzaustem grauem Haar.

    »Den Umständen entsprechend«, antwortete Steen. Suchend glitt sein Blick die Dächer der benachbarten Gebäude entlang. Von wo aus hatte man einen Blick in Riekes Lokal und konnte bis zum Tresen und den Regalen dahinter schießen?, fragte sich der Kommissar. Genau um diese Frage würde es jetzt gehen.

    Der ältere Herr bemerkte die Waffe in Steens Hand erst jetzt.

    Steen steckte sie ein. Angesichts des Menschenauflaufs, der sich vor dem Lokal gebildet hatte, wäre es sowieso vollkom­men unmöglich gewesen, sie einzusetzen. Selbst, wenn der Täter identifizierbar gewesen wäre und in der Nähe gestanden hätte.

    »Bin die Polizei«, sagte Steen. Er suchte in seinem Jackett nach dem Ausweis oder wenigstens nach der Marke. War aber wohl beides in den Taschen des Bundeswehrparkas.

    Aber der ältere Herr schien nach dieser Art der Legitimation gar nicht zu verlangen.

    »Ach so«, sagte er nur. »Das ist ja gut.«

    »Wieso ist das gut?«, fragte Steen.

    »Weil ich sie sonst hätte rufen müssen. Die Polizei, meine ich.«

    »Tja …«, murmelte Steen.

    »Was ist denn eigentlich hier passiert?«

    »Wenn ich das nur genau wüsste«, murmelte Steen. Dann griff er in die Innentasche seines Jacketts nach seinem Handy. Es half nichts, die Kollegen mussten aus dem Feierabend geholt werden.

    »Ulfert? Du bist noch im Büro? Du wirst nicht glauben, was passiert ist … Ich sitze bei Rieke und genieße meinen Hafenar­beiter mit Krabben, Matjes und Spiegelei und da ballert jemand plötzlich wild drauflos … Nein, ich bin okay. Und Rieke auch … hoffe ich jedenfalls. Ich schau gleich nochmal genauer nach ihr.« Steen machte eine Pause und bekräftigte dann noch einmal: »Ja, wir brauchen das ganze Team. Und wenn Altje jetzt schon zu Hause auf dem elterlichen Hof gerade die Kühe melkt, dann müssen die eben heute mal warten. Sie ist hauptberuflich Polizistin – und nicht Landwirtin. Tschüss, bis gleich, Ulfert.«

    Steen atmete tief durch.

    Dann bemerkte er, dass die Blicke von mindestens zwei Dut­zend Passanten auf ihn gerichtet waren. Der ältere Herr, der ihn angesprochen hatte, war auch keinen Schritt weitergegangen.

    Anscheinend erwartete man von ihm jetzt, dass er irgendet­was sagte, so schien es dem Kommissar zumindest.

    »Moin allerseits«, rief Steen also mit durchdringender Stimme. »Auf dieses Lokal ist gerade von außen geschossen worden. Wenn jemand von Ihnen dazu irgendwelche sachdien­lichen Hinweise geben kann, dann möge er sich bitte bei der Kripo Emden melden. Derjenige kann auch jetzt gleich direkt zu mir kommen – entweder um hier an Ort und Stelle eine Aussage zu machen oder um sich eine Visitenkarte von mir abzuholen. Ich habe noch ein paar, aber die in meinem Parka und der liegt noch da drüben.« Steen deutete mit der Hand hin­ter sich. »Ich bin übrigens Kriminalhauptkommissar Steen.«

    »Ich würde Ihnen ja gerne helfen«, meinte der ältere Herr. »Aber ich habe das gar nicht alles so mitgekriegt. Aber ich höre auch nicht mehr so richtig gut.«

    »Die Schüsse konnten Sie auch nicht hören«, sagte Steen. »Ich habe sie auch nicht gehört und mit meinen Ohren ist noch alles in Ordnung.«

    »Schalldämpfer«, meinte ein junger Mann.

    »Spekulation«, sagte Steen. »Aber möglich.«

    Es entstand jetzt Gemurmel unter den Leuten. Aber Steen hatte erstens nicht das Gefühl, dass sich da jetzt irgendjemand mit einer wertvollen Beobachtung zu Wort melden würde, und zweitens musste er sich nun erstmal um Rieke kümmern.

    »Bitte Abstand halten und nicht an das Gebäude herantre­ten!«, dröhnte Steen den Passanten zu. »Erstens können Sie sich an den Splittern verletzen und zweitens ist das hier jetzt ein Tatort, der noch von den Kollegen abgespurt werden muss.«

    Niemand sagte dazu etwas.

    Die Passanten sahen Steen an wie die Kinder einer Grund­schulklasse ihren Lehrer, der ihnen gerade gesagt hatte, dass sie im Zoo nicht zu nah ans Löwengehege gehen sollten.

    Steen drehte sich nun um und ging zu Rieke. Unterwegs hob er seine Prinz-Heinrich-Mütze auf, die ihm vom Kopf gefallen war.

    Rieke lag noch immer auf dem Boden.

    Steen hockte sich zu ihr nieder und legte ihr die Hand auf die Schulter.

    »Du kannst jetzt aufstehen, Rieke. Es ist vorbei.«

    »Was ist passiert, Steen?«

    »Ich weiß es noch nicht. Aber ich kriege es heraus, da kannst du sicher sein.«

    »Wieso schießt jemand auf uns?«

    »Wie gesagt, ich habe keine Ahnung. Aber das wird sich bald ändern.«

    »Das waren doch Schüsse, oder?«

    »Ja.«

    »Ich habe nämlich nichts gehört.«

    »Ich auch nicht.«

    »Ich meine, einen Knall oder so. Nur die Scheiben …«

    Sie schien überhaupt keine Anstalten zu machen, jetzt aufzustehen. Nur den Kopf hob sie etwas. Sie sah Steen an. Ihre Haare waren völlig durcheinander und hingen ihr im Gesicht. Die Augen waren weit aufgerissen. Ihr Blick wirkte starr.

    »Du stehst unter Schock«, stellte Steen fest. »Das ist aber völlig normal und geht auch wieder vorbei. Ich werde trotzdem den Notarzt rufen.«

    »Nein, das ist nicht nötig, Steen.«

    »Doch, ich denke, das ist nötig.«

    Er half ihr beim Aufstehen. Sie sah zu den zerstörten Scheiben hin. Dann drehte sie den Kopf und blickte zum Tresen. Die Regale dahinter waren regelrecht leergeschossen, so konnte man den Eindruck haben. Das Geschirr und die Flaschen, die da eigentlich hingehörten, waren durch Kugeln zertrümmert worden. Der Inhalt der Flaschen lief die Wand hinunter. Überall waren Scherben.

    Und der Tresen war voller daumengroßer Löcher.

    Auch der Hafenarbeiter, den Rieke zubereitet hatte, war zer­schossen worden. Das Spiegelei war über den Tresen gespritzt, der Teller zerfetzt, der Matjes auf den Boden gerutscht.

    »Das war die letzte Scheibe Schwarzbrot, Steen.«

    »Nicht so wichtig.«

    »Ich kann dir keinen neuen Hafenarbeiter machen. Es war die letzte Scheibe, verstehst du?«

    »Halb so wild, Rieke. Hauptsache, keiner von uns hat eine Kugel abbekommen. Alles andere kommt erst danach.«

    »Aber wie soll ich denn morgen das Lokal öffnen? Das ist ja alles kaputt hier!«

    Sie sah vollkommen verzweifelt aus. Rieke ließ den Blick über die zerstörte Einrichtung gleiten und in ihren Augen begannen Tränen zu glitzern. Dieses Lokal war ihr Leben – und

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